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Full text of "Riezler Geschichte Baierns Bd 3"

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Gescichte 
Baierns: Bd. 
Von 1 347 bis 
1 508. 1 889 



Sigmund Riezler 



THE LIBRARY 
OF 

THE UNIVERSITY 
OF CALIFORNIA 



IN MEMORY OF 

1 £lli3&f tortep 



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eutopäifdKn Staaten. 

$erau$gegel>en 

% & «eeren, *. Ufert 

unb 

20. D. ©tefefcredjt 



©cfd)ict)tc Emern« 



POtl 



dritter $anb. 




©OtljO. 

Öriebrtd) Slnbtea« tSert&e«- 
1889. 



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32- w^^jt^. 



a i c r n & 



33on 

dritter ©anb- 

(SSon 1347 bt$ 1508.) 




(Sotha. 

§rtebri<$ »nbrea« $ert$e«. 
1889. 



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Jtfft 3U4ft voxbe)a(Uu. 



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#nt)alt0übfr[id)t. 



3ldt)tej8 find). 

SBaicrn trier* unb breigeteilt. SSom Sobe ®aifer Cubtnig« 
(1347) bis jum £obe £>eiurid)$ be$ Sfteidjen in Saiern* 
Sanb^ut (1450) unb SUbregte III. in ©aiern*2Kiind)ett 

(1460). 

Seite 

«*f<e$ ftaiiitel. Die ©Bfrw ßaijer 8ubttrig* unb 

$erjOfl ÜKein^arb oon 1347—1363 .... 3-67 

Äaifer Subtmg« ©ö§ne: ßubtotg V. ber Sranbenburger, 
©te^an IL, 2ubn>ig VI. ber Börner, 2öil$efm L, %U 
bre$t I., Otto V. bermögen ÄarlS IV. gortfebritte im 
2ffei$ nic$t aufju^atten. ©. 3. — $ie bon ber tbittelS- 
&a$if$en Partei aufgefüllten ©egenfönige, (Sbuarb bon 
(Snglanb, bann grtebrt($ bon SDieifjen »erben bon Äarl 
batb jum 33erjid>t befHmmt; Umfömung in Dürnberg ; 
gürftenberfammluna ju $affau. @. 5. — 2>er falfäe 
SBalbemar in SBranbenburg. ©. 8. — SubnrigS V. 
SRciäjSfcolittf ; bie Ä8mg3r»a$I ©Untrere bon ©ä)tbarjburg. 
©. 10. — %b\aU SRubotf« bon ber $falj bon ber nnt- 
teföbadjifcfcen Partei, ÄariS getbjug gegen ©Untrer; 
©untrer« Stbbanfung unb £ob unb bie Verträge bon (SU« 
bitte. ©. 12. — 9kuc ©pannung jmi(c^en Äarl unb 
Subnrig; getbjug in ber SKart; grieben bon ©aujen 
1£50. ©. 17. — 2>a6 „grofje ©terben" bon 1348 bi« 
1351, Subenberfolgungen, Srbbeben, ©eifjter. ©. 19. — 
SanbeSteilungen bon 1349 unb 1351. ©. 27. — 



981 



VI 



Ä&mtfe in bei äJtort biß jum grieben bon ^renjlau 1355. 
©. 30. — fiubtoig« V. italienifcfc Bedungen. ©. 81. — 
Streitfragen jnrifc^en Subnrig unb Äart; 3fterreu$if<$e 
«erraitttung; bie nSrblufc Dbettfalj »irb bö&mif*. 
S. 33. — äart gewinnt 6tej>$an unb bie Straubinger 
2inie at« ©unbeflgenoffen unb berglei<$t fi<$ )u Sulj- 
bac$ 1354 mit Subnrig V. 6. 35. — Subnrig« ©ünbni« 
mit Stlbrec^t bon £)fterrei<$ unb $eereftfotge gegen 3M<&- 
@. 37. — 8ergebli#e Skrfucfce Subtoig V. mit ber 
Äurte au«juf3$nen; Slbfolutiou Älbrecfct« u. 2ub»ig« VI., 
Subnrig* V. ©elbnot; Übertragung ber Regierung Ober- 
baieru* an atbrecfct bon ßflerreiifc; finanzielle $Üfe ber 
SanbftSnbe. ©. 39. — Unterfanblungen mit ber Äuric; 
Suftgang ber antiptyftti$en ©elefcrtentolonie in 2Rttn- 
dt)en; ?o*fpre$ung 2ubn>ig9 unb feiner ©ematyüt bont 
Kirchenbann; bie grage ber ttoftftrec^ung M beworbenen 
Äaifer«. S. 42. — $ennitytung SWein^arb« mit 
SWargarete bon öpetrei*. S. 45. — 2)ie ©olbeuc 
»ulle unb bie Äurrecfcte ber ffiitteWbacfcer. e. 46. — 
2>ie beiben nieberbairif^en Linien; Ärieg mit Ortolf bon 
Salzburg 1352; Stefan II. bei Äarl« Äatfertrönung 
in Rom. @. 48. — Äart ttbermirft fi$ but<$ bie Er- 
werbung 2)onaujtoufS mit ben Kieberbaieru; Älbre$t* 
getbjug gegen feinen ©ifctum öder. @. 49. — Ärieg 
jmiföen Sitymen unb ©aiern 1357; innere $finbet unb 
gelben in ©aiern-Straubing. S. 52. — Parteien unb 
ÄSmtfe in ben 9tteberlanben; ffiityelm I. »irb geifteS- 
tränt. S. 54. — Stefan* neuer Ärieg mit Ortolf 
bon Salzburg unb ÄuSfö&nung mit ber Äurie. @. 54. — 
Xob 2ub»ig« V. S. 55. — ©ettftreit ber Matteten 
um bie ©ebormunbung be« unfelbßänbigen $erjog* 
SWrin$arb; bie öfterreutfföe Partei, ffiubolf IV. bon 
£)ßeneic$; Margarete SWaultafö »ermaßt tym £irol. 
e. 56. — ©ünbnt« bet oberbairifaen «bei«; »erhält* 
ni« ber Parteien ju Äart IV. @. 59. — SWeinfyirb in 
ben $5nben feiner abetigen ©ormfinber; Margarete SRaut- 
tafö am taiferlicfcen $ofe. S. 62. — ©finbm« Stephan« IL 
mit ben oberbaitifefcen StSbten; Äiicg jnriföen i$m unb 
bem ÄbeWbunbe; SWeinfcarb« gluckt na$ Xixol unb- 
£ob. 6. 64. 



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^npaiiöUDCtitcpt. vn 

©eitc 

StotiM »apittU ^erjog ©te^an II. in DBcrBatcrn 
unb ftieber6aiern=?anb$$ut 1363—1375. SJer= 
löfl SirolS unb 93ranbenburg8 ...... 67-106 

föubolf IV. bon ©flerreicb ergreift Beftfe bon Sirot, 
@tej>$an IL bon Dberbaiern ; Uneinigfeit ber Sittetö- 
ba<$er megen be« (SrbfaflS ; Unfetbpänbigfeit ber branben- 
burgifd&en gürflen. ©. 67. — Stellung SarlS IV.; 
ber Anfall Brandenburg« an bie Luxemburger tmrb an- 
gebahnt. ©. 72. — ©te^an unb Albreä)t b. Skiern 
berbünbet gegen Öfterreicb unb ©aljburg ; ber jmeitc 
Xtroler (Srbfolgetrieg bon 1363; ©ieg beiötting; Präger 
Verträge jnnf($en ©tepfym unb bem Äaifer. €>. 75. — 
©erÄaifer tritt auf BubolfS Seite unb belehnt benfelben 
mit Xirol; brofcnbe Stellung ber ©ranbenburger ; gelb- 
jug bon 1364, Belagerungen bon ©<$ärbing, 2ftü§lborf, 
Battenberg, 9fieb, Arnba*. ©. 79. — £ob Subtoig« 
beßSRiSmer«; Stellung ber Margarete TOauItafc^ ; tiroler 
gelbjug bon 1364. ©. 82. — Verlobung 3o$annS 
bon SBaiern mit Äat^arine bon ®örj, «ünbniS mit 
ättein^arb bon Oörj, £ob SRuboIf« IV., Unter^anb- 
lungen mit ben §abSburgern. ©. 83. — ©atrifdje 
Bifcbofe auf ©eitc DjUrreicbS; SBünbni« mit Submig bon 
Ungarn ; ©tep^an III. unterfuifct feinen ©(fcnriegerbater 
93i«conti. ©. 85. — fciroler Ärieg bon 1368; grieben 
ju ^ßre&burg 1369. ©. 87. — Koalition gegen ben 
Äaifcr, ber Atbrecbt bon Straubing auf feine ©ette jiefct. 
@, 89, _ Otto bon ©ranbenburg fagt ftdj bom Äaifer 
u>« unb fajließt ftc^ feinen bairifdfren Bertoanbten an; 
©aljburger Bünbni« bon 1371. ©. 91. — flrieg um 
«ranbenburg, griebri<$ in ber 2Kart, Saffenfiitlfmnb, 
©te^an b. j. unb griebrid) in ^reufjen, ^olitit bc8 
Ungarntimig«. ©. 93. — gelben mit ber ©tabt Augs- 
burg unb Semper bem Auer. ©. 96. — Ärieg in ber 
matt; bie 2Bittel6ba*er treten im Vertrag bon gürflen* 
tcalbe (Aug. 1373) SBranbenburg an ben fiaifer ab gegen 
fceträä>tli<$e @ntf*äbigungen ; Slücfbltcf. ©. 97. — 
ginangieße Sage; griebriefc toirb 8tei$Slanbbogt in Ober* 
fctyoaben unb im <£lfafs ; grieben mit Augsburg. ©. 102. — 
£anb*$uter Unruhen 1373 ; Sanbö^uter fianbfrieben bon 
1373 mit Verbot be« ©engen« unb ©rennen«; Stob 
©te^an« IL ©. 104. 



vm 



3t$att*fiberft4t. 



»ritte* ftajrtttl. Die $erjoge Otto V. (Bi* 1379), 
Stefan III. ber Änetjjel, griebridj unb do^ann 
bi« gut 8anbe$tetfung ton 1392 unb §um lobe 
griebri*« (4. Sq. 1393) 

(Eintritt $. Otto« V. tu bie Regierung Satern«, Tei- 
lung ber Senoattung, (^araftetifHt etetfjan« III. bet 
«neißel«, Sodann« unb Otto«, ©. 106. — Äriegfyfige 
©tep$an* in bat Wag unb für Bbotf t>on 3Rain|, 
bairif^-öfiemic^f^ ©ünbni« gegen Cenebig n. ISeroua. 
e. 109. — etc^an« natflrlk&er ©o$n <8rwS$lter bon 
Steiftag, bann ©tfcfcof t>on 3fcgen«burg. @. 111. — 
©teflung ber ffiittel«ba<$er jum 9lei4; ©rftnbe unb 
(SriJffuung be« ©täbtetriege* 1376; Xeilna&me ber bal- 
rif <$en $erjoge. ©. 111. — griebri^ erhält aueb bie 
nieberfötoSbifcfc ftrt$6tanbt>ogtei; bro^enbe <8ntjte$ung 
ber 9tei<$3t>ogteien bnr$ Ä. Söenjel; ©abener ©ünbni« 
gegen biefen, 1379. @. 115. — 2ob Otto« V.; au- 
ffing ber ©aiern an ÖfterreiB ; tyr ©er^Utni« ju ©eusel 
beffert fl<$. @. 117. — ©tepfym« ©efanbtfcfcaftSreife 
in $aj>fl Urban VI.; Stobt unb anbere umbrifae ©t&bte 
unter&erfen fl($ ben ©tttel«ba<$ern. @. 118. — »er- 
Inft b« fötoSbtftfcn 9fcw$«tanbt>ogteien ; ÄegenSburg, mit 
ben bairtfäen $erjogen übertoorfen, tritt bem ©tfibte- 
bunbe bei. €5. 120. — ©ejic^ungen ber ©aiern ju ben 
©rafeu t>on ©<$auenberg, Öfterreicfc, ©aljburg. ©. 122. — 
Ärieg unb 3u*f8$nung jttrif$en Öjterrel$ unb Satern- 
©traubing. ©. 124. — ©cfefcnng ©er$te*gaben« bur* 
griebrttfr 1382; ftrieg mit ©aljburg unb £)ftorei$; 
3fo*glei<$ »egen $er<$te*gaben« ; $er§5ttniffe ju ©Batten- 
berg. ©. 124. — grtcbri<$ im franj8|if<$en Heerlager in 
glanbern; »ermfityfong (Slifabet^ (Sfabel) t>on »atern 
mit St. Statt VI. t>on grantrei<$. ©. 127. — Bertrfige 
jtoif<$en ben trübem Stephan, griebritf, Sodann Aber 
Teilung unb 3nfamraentourf i$rer Sanbe ; 3em>firfnte ber 
beiben Äteren mit 9Wfin<$en; Unterwerfung biefer ©tabt; 
»au ber „Weuen gefte" in SWün^ai. ©. 129. — 9*ttrn- 
btrger Sanbfriebeu unb #etbelberger ©nung; Reibungen 
mit ben ©töbten; bie «er^filtniffe in «egen«burg; Ber- 
t>f5nbung 2)onauftaufS an »egentburg; ttftpuugen unb 
griebenfttage. ©. 132. — ©finbnie bt* f$toabif$en 
©tfibtebunbe« mit $iligrim *on ©Olsburg; beffen <3k- 



StftriMfaiptt i* 



fangenna^me burä) & griebria) 9?ot>. 1387, greüaffung 
unb mdtyx in bie $aft. ©. 135. — Ärieg mit beut 
©täbtebunbe, mit SBityelm t>on ©eefelb unb ben 3cngern; 
(Eroberung ber ©urg Peißenberg unb ber ©tabt fteu* 
bürg a. b. ©onau. ©. 139. — Unterfymblungen ; 
grcilaffung ^Uigtim«; gortgang be8 ©tübtelrieg« ; bie 
öif<$3fe öon (Sia)jtäbt unb Slugöburg mit ben ©aiern 
berbünbet; fru*tlofe ^Belagerungen bon Saufbeuern, 
9tegcn8&urg, «urg Eonauflauf; StuSfaßtreffen bor 
SlegenSburg am ©ricciuötage 1388. ©. 140. — Ver- 
mahlung Ä. SenjelS mit Sodann« Softer Offnci 
(@op$ie); Ärieg mit (Srjbif$of ^iligrim; grieben unb 
SBÜnbni« mit ©aljburg. ©, 145. — <Smflu& $crjog 
gritbri$8 beim Äönigc; Huflöfung ber ©täbtebünbnifle; 
grieben mit föegcnöburg, Augsburg unb ben anberen 
©tabten. @. 148. — ^affauer «iföoffireit. ©. 150. — 
$eirat$ptäne ©tepfjanS unb feine« ©o&neS Subtoig; 
©tept?an toirb bon bem vertriebenen granj bon Sarrara, 
bon glorenj unb Bologna ju §ilfe gegen ©iangaleaj&o 
Visconti, ®rafen bon Vertue, aufgerufen; gelbsug ber 
Katern in Oberitalien; Vünbni« mit ©cala jur 2Bieber- 
eroberung Verona« unb VicenjaS. @. 152. — ©tep$an 
jur geier be8 Subelja&re« in 9tom; Vermahlung §er$og 
(SrnfiS mit ©ttfabetfc Visconti; 2öittelSbac$ unb Viecontt; 
Subttrig im Vart unb ©ianmafUno Visconti. ©. 158. — 
(Sin Seil ber göraif*en Sanbe fättt 1385 an $. 3o$ann; 
wirb 1392 an Öfierrei^ berfauft. ©. 161. — Stuben* 
plünberung; ginanjnot füt>rt &u einer ©pannung &mif$en 
Sodann unb feinen Gräbern unb btefe jur SanbeS* 
teUung bon 1392. ©. 162. — Ausbau bcö $er&ogli$en 
Territorium«; befonberS bie (Sntföa'bigungSfummen für 
Vranbenburg »erben jum Slntauf f$mäbif<$er unb bai- 
riföer $errfa>aften berttenbet. ©. 166. - ©onber- 
bünbniffe innerhalb ber gamilie; Seilung ber bö^mif^en 
Pfanbf haften im ^orbgau; £ob §.griebru}3; feine gc^be 
mit ben 3cngern; ^araftcrbilb biefe« gürflen. ©.169. 

»ierteö fta^iteK $ö$epunft ber ttritteWMiföen 
gamilienflreittgfeiten. Subroig im öart unb ber 

fcairifdje Krieg (1393—1422) 171-265 

©trett jnnföen ©tepfan unb 3o$ann über bie nieber- 
bairifäe Vormunbf^aft; Vermittlung 2llbrec$t$ II. bon 



3u$0lt«fiberftyt 



Straubing; «finbni« 3o(onn9 mit Ößerrety ttnb grei- 
fing gegen Stepfan, bei fty an Ä. »enjel anfliegt 
unb bon biefem nenerbing« bie ober« imb nkbtrf$trä&if$c 
Sanbbogtei erhält 6. 171. — ©ruberfrteg bon 1394, 
1395; *nf$(ag anf gräflng; Stefan* ©rua) mit «8mg 
©enget ttnb grieben mit feinem ©ruber 3o$ann. €>. 175. — 
gtaan#oßtil; Heinere Serben; Jcrenjfafyrt gegen bie 
Surfen nnb S*lad)t bei »ifopolit. @. 178. — Zt*> 
8tbre$t9 II. ton Straubing; 3o$atra, ömtftyter fcon 
Sfittty, als SRttregeut feine« ©atet« tßbreajt I. e. 180. — 
5tob $. Sofamt« oon SWfimfren; 3»ifl jtt>lf$en 
Stefan nnb Snbtoig einerfettt, (Srnfl nnb ©if&elm an« 
berfeiW. S. 181. — 2He Parteien in 8Wnu<$eu; ba* 
Stabtregtment fölt in bie $5nbe ber Stanofraten; Ärieg 
jtolfäjen ber Sngolflfibter nnb SWfln$ner Stnle 1398; 
Sfi$neberfu$e nnb S<$lebft>rfi<$e; gortbauernbe ©tyrung 
in VtünöfOL S. 184. — *5nig fBenjd unb bie bamf$en 
$erjoge; Ärieg 8ubtoig« mit ben Stöhnten in ber Ober« 
tfalj 1399 ; *Benjel« «bfefcung. S. 189. — £. ttup- 
re$t; fein Ärieg gegen ©enjel in ber Oberpfatj; HnteU 
fcibtoig«; 8taprea)t att ©ermittler in ben bahrif^en 
Streitigteiten. S. 190. — $. gnbfeig im italientf<$en 
gelbjuge St. 9frtyre$t*. S. 192. — Unterfytnblungen 
Aber einen 8n9g(eic$ Jtoifäen ben ent)to>eiten oberbairif^en 
©erjogen; fortnrttyrenbc 3n>ifngteiten; (Snbe ber gemein* 
famen ©ierfcrjogregieTung nnb 9tficffe$r (1403) jnr 
SanbeSteilnng *ou 1392. S. 195. — «ufpanb SRttn- 
<$eu* gegen Crnfl nnb ©ityefat; ©elagernng 9tfin4en9 
1403; grtebenBföfafi nnb Reform ber Stabt*erfaffung. 
€5. 198. — ^olttifäe ©etoegungen in anbeten batrif<fcn 
$erjog«pSbten: 3ngolflabt, fteuburg, befonber« 2anW$n^ 
S. 201. — Cfrarafter $einrt<$« be* »eiä)en; Span- 
nung 3»if^en tym nnb feiner $auptftabt; §äar\äfi 
Gk&altffceia) gegen bie £anbt$uter; bie Äarfreitag«ua$t 
1410 in SanW^nt S. 202. — 3erfplitternng ©atern« ; 
Sngotftabt unter ben fcmbeStetfen benachteiligt S.206.— 
Bftttbnit ber oberbairif<$en $erjoge mit beut Xiroter 
2anb$ofmeifter $einri$ t>on ftottenbnrg; i$r Angriff anf 
Xlrol 1410; *nfc$unng an »einpreßt bon Salbfee; 
©affenfliflftanb. S. 207. — $. $einrty« ©etmfitynng 
mit ber $abtbnrgerin SWargarete nnb Änfälnfi an £fler- 
reia); Stephan* jtoetter angriff anf £irol fä)dtert; fein 




3n$att«überfW&t. xi 

Ccitc 

£ob; griebri* *on %ixol geästet ©. 211. — Üubtoig 
int 2Rarba<&er ©unbe ; bic bairifd^n ©erjoge, Ä. 9tttyre$t 
nnb ©enjel; ttei<$«frieg gegen Hornburg a. b. Xanber. 
©. 214. — Xob Ä. 8tnj>recbt*; Ä. ©igntunb unb ba* 
bairif^e Äurre^t. @. 216. — $. Snbtotg im ©art; 
CfcrafterifHt; feine ©erbmbnng mit grantrei*; feine 
Itod <5&en; $erfanft nnb ©ertoeubnng feiner franjöfiföen 
©$8fce. ©. 217. — ©eine £ettna$me an ben potitiftyn 
Öhren grantrei<W, ©efangeuföaft in $ari«. ©.223.— 
2nb»ig tritt bie «tteinregiernng in Sngolftebt an; feine 
Sanbertoerbnngen. ©. 224. — ©eine (Sntf$£bigung6- 
auftrüge gegenüber ©einriß toon 8anb«$ut; Streitig« 
leiten mit ben SWün$ner ©erjogen; frutj tlofe Unter^anb- 
Inngen. ©. 225. — ©tep^an« ©Bulben; Äetyeiraer 
©unb gegen Subtolg; (Srobernng ber ©urg ©Battenberg. 
©. 229. — $te bairifäen $erjoge anf beut Äonftanjer 
Äonjtt; 8nb»ig tritt in ben 2>ienft ber ^rinjeffin (Slifa- 
bet$; fein ©ünbni« mit (Sber^arb t>on ©aljburg unb 
©er^filtnU ju ben $ab«burgem. ©. 231. — ©airif<$er 
Äbettbuub t>on 1416. ©. 234. — «ubtmg agiert 
bon Crnft« ©(biebforu* an ben $apfl; klagen gegen 
i$n beim Äönige nnb beim Äonjif; Urteil be* Het$6- 
geriet« in bem ©treit jnriföen Subnrig nnb $emri$. 
©. 234. — $nbn>ig toirb bon $einric$ in Äonftanj 
überfallen nnb fätoer toemmnbet; $er$alten ÄSnig ©ig« 
munb«. ©. 237. — Sodann ber (Srofiftte bon 8üttu$, 
$erjog *on ©aiern-©traubing; ©$la$t bei <5l<b ober 
Ot^e; Ärieg anriftfcn Sodann nnb 3a!ob5a. @. 241 — 
©efötoerben ber Älöffcr führen jnr ©ertyingung be9 
Äir<$enbann« über Subnrig. ©. 243. — geinbfäaft 
jn>if<$en fiubtoig unb bem neuen Äurfürflen griebricfc 
bon ©ranbenburg; gürftenberfammlung ju Dürnberg 
1419; 9tegen9burger ©ttnbni* gegen gubmig. ©. 244. — 
Snbmig tritt 1420 ju 8t$a<b bem bairif^en «beWbnnbe 
bei; beffen Hauptmann Äafoar bon fcörring nnb fein 
3ertufirfuiS mit $. $em«*- ©. 248. — 8n*6rn$ be9 
balriföen Ärieg«; Srfotge Submige gegen bie $o$en- 
goflern; aflmtylu} treten au* bie SWün^ner $erjoge, 
jpfaJjgraf 3o$ann toon fteumarft, $erjog ©einriß nnb 
anbere gürten in ben Äanqrf gegen fiubttrig ein. ©. 250. — 
&0uautt>5rt$ erttfirt ficb al« ttei<Wftobt; Subnrig« ©er« 
tafle im Worbgan; bie 8Rün$ner erobern griebberg; 



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xn 



3n$att«fiBerfU$t. 



Steffen Bei $rai«to$ ; ©affenruB« im Horben. ®. 356. — 
Stttarigt Angriff auf SWftn<$en; treffen bei töling ober 
$ofla<$; Submig bemütigt fror St. ©igmnnb; feine 
2anbe unter Äei*tfequeffcr nnb fkrtoaltnng be$ ©ru- 
norio, bann $aul fron ber Setter; bie Herren fron bcr 
Seiter in ©aiern. 6. 259. — ©einriß gelb§fige 
na* ^teufen; feine Änfprü*e gegen ben 2)entf*orben. 
©. 265. 

9fi«fteft tieftet. Com gute be« Barnsen «liege« 
bt§ jum lobe $einrtdj$ be$ {Reihen (1450) unb 
«IBrety* HI. (1460). <Erl3f($en ber Linien bon 
©trauBing unb 3ngoIfiabt 267 

©atern-©trauBtng, feine $erjoge nnb bereu 8ifctnme; 
tob $. Sodann«; (SrBfolgetrieg in ben Hieberlanben. 
@. 267. — etrauBinger «rBfolgefhreit; bie tte*t*frage; 
bie 6tSnbe. @. 269. — 2)ie $erjoge Subtoig unb 
©ilfclm am ©oflager St. ©ignranb« in Ungarn; an- 
fertige $erjog 8lBre*t8 bon ÖfterreuB auf ©tran- 
Bing; ©er^anblungen über bie Erbfolge; Reibungen 
jnrif*en ben brei Bairif*en Linien ; ge^be ber 3Rüu*ner 
$erjoge gegen tri|hram 3wger; ba« ^refiburger Urteil 
f «Reibet 1429 Straubing in frier teile; bie BaWBnrg- 
if*en 3lnf&rfi*t. @. 270. — ©aiern nnb bie $uflten- 
triege; «ei*«!rieg(teuer; bie glu*t bor tau«. ©.280.— 
©ieg Bei $ttter«rieb. €>. 289. — $rojefj Äafoar« be9 
tflrringer« gegen $. $einri*; Qirtfamteit ber »eft- 
ffilif*en ©ert*te; »erfreBmung be8 tflrringer* nnb 
$einri*6; tob ÄafoarS; gn3f8$nuug feines CtoBne* 
38rg mit $. $euuuB. e. 290. — ?rojeß jnrif*« ben 
$er)ogen 2nb»ig unb $einri* bor ben £eBmgerkbten; 
$. <8rnfW fru*tlofe ©enbuug na* fttanen. ©. 294. — 
EtrauBinger ©*ieb«gert*t ; Nürnberger Urteil (1481) 
gegen $. $einri* wegen be* Überfalle in Äonftanj; 
$finbel ber äRfin*ner $erjoge mit $. ©etnri*. 0.295.— 
^aratter $. ©ityelm« III.; ©ifyelm al« ^rotettor be« 
Safeler Äonjil« unb e>*trmBerr be* Sanbfrieben«. 
6. 299. — öilBelm frerflagt ©. $einri* bor bem 
8eBmgeri*t; ba« Äonjil f&rt*t ben frerf*Srften Äir*en- 
Bann über Snbtoig and, ber au* fron ber 8e$me unb 
fron Äaifer ©igmunb gefidjtet »trb. e. 305. — ©ü- 



3n$aU«fiberfl<$t 



TTTT 



Seite 

$elm erbfilt bie Statoartfäaft auf fiubnrig« Sanbe; Sor- 
bereitungen jur (Solution; Subtoig erlangt be« Äalfer« 
(fcnabe. 0. 309. — Serföreibung btr 8anb*ogtet 
@<$toaben an ffiityetm. ©. 312. — Weue« Sebmurtett 
gegen $. $einri($. 6. 313. — Sübrecbt III. unb feine 
Sermfibiung mit Ägne« Sernauerin ; feine 3ntü(fn>eifung 
auf beut Hegemlburger Stornier 1434; grelflnget »unb 
jtotf^en Crnft, ©ityefai unb $einri(b; 8gne« ©erneuerte 
toirb ertrfinft. ©. 314. — *lbre*t am Sngolfifibter 
$ofe; (Befanbtfäaft CrufW an beuÄaifer; *u«f3§nung 
«forest« mit feinem Cater. ©. 321. — Stieg «forest« 
unb gubtoig« gegen $. ^einrieb. @. 326. — «forest« 
SermJtyfong mit Sfana t>on ©rannfömetg; 5£ob feine« 
Sater« örnft unb feine« Neffen Bbolf. e. 328. — 
9tbre$t, jum Äönig bort Böhmen getollt, fölfigt bie 
Ärone au«, ©. 329. — Subtoig VIII. ber ©udlige 
unb fein 3er»ürfm« mit bem Sater. @. 335. — Ser- 
bünbet mit Hlbrety III. bon SWfincben, «lbre*t «tbifle«, 
$einri<b *ou 2anb«but u. a., greift Subtoig b. j. feinen 
Sater an, befefet 3ngolftabt unb erobert beim britten 
Angriff Auburg a. b. 2)onau, too ßubtotg im Sart in 
©efangenföaft gerfit; Stellung Äaifer griebrkb« ju 
biefen Sretgniff en ; £ob 2nb»ifl« b. j. @. 337. — 2ub- 
»ig im Sart al« befangener be« SWartgrafen 3Ubre<bt, 
bann $. ©einrieb«; feine Sanbßfinbe; Unterbanblungen 
über feine Befreiung; fein Sob im Oeffingni« ju Surg- 
Raufen; feine frommen Stiftungen, €>. 342. — 2)er 
3ngolflSbter (Srbfrreit; ©einrieb« Sfaforücbe auf einen 
Seil toou «botf« (Erbe; {»einriß befefct ba« Sngolflfibter 
Sanb; (Srbtnger ©ertrag *on 1450 jtoiftben ©einriß« 
@obne 2ubtmg unb «forest III. ; 3Ubre$t Ufft bie t>cr- 
tfänbeten norbgauiföen ©errfebaften ein. €5. 349. — 
Klbre$t al« @<birmberr be« Sanbfrieben« unb Serfolger 
ber Raubritter; Sertreibung ber Suben au« SRünebeu; 
bie ©erjogiu «nna ; Senoidlnngen mit ben fianbjtönbeu; 
fcfcarafterbilb «Ibrecbt«; fein £ob. e. 355. — <51)a- 
rafterbitb ©einrieb« be« Reihen; feine blityenbenginanjen; 
fein 2ob. 6. 362. 



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XIV 



3n$olt«fiberfi<$t. 



Hetmtes £ud). 



SJaient jtoetgetrilt bt« jur ffiieberuereinigung (1504) unb 
jum £obe £erjofl 9Ubred)tS IV. (1508). 



2nbtwg« <5rgie$uug; fein Äegterung«antrttt ; 8er« 
trribung ber Silben an* 2anb«$nt; ©ete$rnng«*erfu$e; 
^aflauer 3nben*erfolgung. 6. 369. — ©unb ber 
ffiittei«baä)er, 2ubtoig« greunbf $aft mit Htbred)t *$üle«, 
374. — 2nb»ig unb bie ttety«ftäbte: Dürnberg, 
2>tnfcl«bfl$t, a>onantt>8rt$. €>. 377. — S)e9 SRartgrafen 
«brecht 8<$iflc« *uft>rft<$e auf bie Oberfy>beit feine« 
laiferlufcn 2anbgeri$te« jn Börnberg, bon Äaifer grieb- 
ru$ III. begünftigt, entgmeien bie bisherigen grenube; 
jtoei große gürftenparteien treten fi* gegenüber; ber 
©treit nm «Bibbern. 5. 378. — Subtoig fiberffittt 
©onantoSrty, wirb barntn bor be€ Äaifer« Qeridjt ge- 
loben, e. 382. — «bfafl ber SRümfcner $erjoge bon 
8nbn>ig; «Ibrety Brille« at« 9teU$*$auj>tinami gegen 
ben 2anb«$uter. 6. 385. — 2)ie Änrie al« grieben«- 
fHfterin; 8nb»ig gibt 2>onan»5rt$ fcran«; bie 9Miro- 
berger „blinbrn eprik&e". 6. 387. — (Seorg bon $obie- 
brab f ber neue ©3fawnt8nig, anfangs ?nbtmg fewbtt<$ 
geflnnt; Dr. SWartin SWair nnb feine ttei$«refornu;töne; 
^rojeft ©eorg ^obiebrab &nra bentf$cn Äönige jn »fielen. 
6. 389. — Äongreß bon SWantna; 3to*bru$ be« SWart- 
grafenfrieg« 1460; Subtmg nntertoirft ben «tf^of- bon 
<R<$fffibt nnb erobert einen fceil be« raartgr$fli$en 
Saube«; feine «erbünbeten; bie Kotier Stiftung. 
©. 394. — ^rager Verträge jnriftfcn Subtmg nnb Ä. 
Qeorg ; ©Leitern be« btymif fen Äömg«i>roje!te« ; gftrflen- 
berfammfong ju Dürnberg. @. 399. — etreit^unfte 
Steif $eu gnbnrig, bem SWartgrafen *lbreä)t nnb Äaifer 
griebri$; fru^ttofe Unter^anbtnngen; ©finbni« Snbmig« 
mit be« Äaifer« ©ruber, Sübre^t bon fcfterrei*. 
e. 403. — Ärieg«erflfirnng; gelbjng bon 1461; $rager 
©affeufHflflanb. 0. 405. — ftei49trieg gegen gubmig 
1462. €>. 409. — »dagernng ©nnbelftngen«, gelbjng 
gegen bie trafen bon öttingen, Belagerung tog«burg«. 



Ctfte* ftajrttel. 8ubrmg ber Steide 



edtc 

369-457 




SnfcaltSüberftyt. 



xv 



@. 413. — ginanjielle SRot; bic bö$mif($e Ärieg«$ilfe. 
©. 416. — @ieg bei ©iengen. @. 417. — ©affm- 
piüftonb; «partcinx^fcl be* »8&mcntönig«. @. 422. — 
Unterfymblungen ju ffiiewr-sReuftabt; fraget griebe 
1463. e. 424. — (Srgcbniffe unb 9to<$tt*$en be« 
Äriege«. @. 426. — ©emü§ungen um eine 9fcfcfa- 
reform im &ritttcttba$if$en 3ntercffe unb einen 2anb- 
friebcn«fonberbunb. @. 427. — gubtotg, Ä. ©corg tom 
S98$men unb -bic Änrte; ©eorg im Äird&enbann. 
@. 432. — Subtoig* ©cmü^ungen jugunften griebri^* 
*on ber $falj; SRair* $lan 8lbre$t IV. aon Stünden 
al8 ©uberaator in ©dornen einjufefcen; 9tei49tage ju 
9icgcn«burg unb Dürnberg, Ä. ©eorg* Stob. @. 438. — 
$et$fttni9 ju ben 9fct<$3ftöbten : tlug$burg, Dürnberg, 
fficgen*burg; fiubtoig* Bcrbünbcte. ©. 440. — Gegend- 
Bürger Xag ber <5$riflen$cit 1471; £ürfengefa$r. 
@. 442. — 3>ie Enthüllungen be« $an$ ton (Srlbatf; 
$faljgraf griebri$; »Ibretft tUftlle«. ©. 443. — 2anW- 
$uter $0(foeit $. ©corg« be9 Geigen mit ©ebnrig *on 
$olen. ©. 445. — Subtoig« c$eli$e« SSerfyHtui*. 
@. 448. — Subtmg, anfangs gemeinfam mit 3Hbre$t IV., 
ergebt Hnforütfe auf bie früher ttrittel*6a$if(ben SRieber- 
lanbe. @. 449. — Sanbenoerbungen in ©<$»abcn unb 
©aiern. @. 452. — Subnrig« Ärantyeit unb trjte; 
Xürfengefa$r; Subttrig* £ob. @. 453. — ftüdbUd auf 
Subnrig* <S$aratter unb innere Gegierung; 2Ri&ftänbe im 
2Rünjtt>efen; «ertoaltung; ©tfinbe; ©teuern. 6. 454. 

3*ette* StapittU »IM* ber Seife 458-651 

(Srgicfcung ber @3$ne Blbre^t* III.; 3o$ann unb 
©igmunb übernehmen bie Gegierung; äußere $oUtit; 
betraten unb $cirat«pl5ne. ©. 458. — ©tubien- 
aufentfalt ber jüngeren $rinjen in Stalten; 5£ob 3o- 
$ann$; Älbre<$t unb Söolfgaug bem gciflli<$cn @tanbe 
beftiramt; $cimle$r SUbrctft«. @. 462. — «fyuattcr 
©igmunb«; feine 8erf<$*enbung. 6. 464. — «lbre<$t 
brfingt auf feine 3utaffung Jum Regiment, bie am 
10. @ept. J465 erfolgt; ftatfölag jur Sfccuorbnung be* 
^of^alte«; SWittelbing jnriföen gemeinfamer unb geteilter 
Regierung. @. 365. — ©igrnunW föegierungSöerjity. 
©. 468. — fcfcaratterbilb £. (S^riflop^; fein Änfpruc^ 
auf SRitregieruug; föitterbunb Dom (Singe&ürn (bie 




XVI 



3n$alt«überfl$t. 



©ö(fler). e. 469. — Äatfer gricbri* ergebt bier bai- 
riftfc abcWamÜien in ben ttei<$«frci$errcnßanb ; bic 
2>egenbcrger; fc$ripop$« Unklug an bie BWler; «nf- 
Wfung be« ©unbe«. ©. 472. — «uflglei* jttrif<$en 
«forest nnb <5$riflo)tö; ©tettnng ©olfgaug«. ©.475. — 
«Ibrety bcmfi*tigt fty bcr ©urg 2>cgenberg; gelbjug 
gegen bie $erren bon 2>egenberg nnb ftugberg; 8er« 
tyUtni* ju ©(Jörnen; neuer «ntglet* mit €^rifto^^. 
@. 476. — ffiolfgang« ©erben um ein äarbinatat; 
Siomreife Blbre<$t$ nnb <S$ri(t0p$9. ©. 481. — fteuer 
heftiger 3toift anriftfcn Hlbrc$t nnb <5&riflo^; Gefangen- 
f<$aft bc« toteren in SRümfcn; SEBolfgaug« nnb Otto« 
bon SReumartt ©emüfcungcn um feine ©efreiung, bie im 
Ott. 1472 erfolgt. @. 482. — &$riftop$ bleibt un- 
*erf8$uli<$; tritt in ben SHcnft bc« Ä. SKat^ia« bon 
Ungarn; ©tettang ©olfgang*; fcfriflort* nnb Georg* 
bon fcanbs^ut $eilna$me am $affauer ©iföofftrcit ; 
Äarbinal $afler gegen SWauerfir(^er. ©. 488. — tUbre^t 
nimmt <£^rifU>^>^ feine ganbe ab; ber lefctc IbcnSbtrger 
fäüt im Äamtfc gegen $$rißop$; «uSglei* jtoifttcn ben 
»rübern, @. 491. — <Srb*crf$rcibungen ©igmunb« 
bon fcirol jugunflen Älbrec&t«, ber tyn böttig be$crrf$t, 
unb Georg«. ©. 495. — «Ibre^t fcfct Georg alft Grbeu 
ein. @. 498. — «Ibredjt nnrbt nm ©lanfa SRaria bon 
SWailanb, fobann um Äunigunbe bon $abfburg, bie er 
trofc be« $3&iber|rreben* tyre« «atert gratet, ©. 499. — 
©atoburg bur* bie nritteWbacftföc $olitif bebro^t; 
3lug$burgcr ©if<$of«n>a$l &on 1486; Georg tauft bie 
SRartgraff$aft ©urgan bon Gr^ergog ©igmunb; Um- 
greifen ber ntfttel$ba<$if($en äRaty in ©$u>aben; 
Sefrbc gegen SRBrblingcn. @. 505. — 2)ie »eii^Pabt 
SRegcnSburg begibt unter bie $crrf<$aft IUbre<$tt; 
beffen gttrforgc für bie ftfbtifäe ©oWaftt ©. 507. — 
9ieue ©erfc&reibungen janfeben tübre<$t unb ©igmunb 
bon j£irol; Ärieg gegen ©cnebig; »ittelfba^ifc^e fcn- 
forütfc auf Gflrj. ©. 513. — ©igmunb *ertauft bie 
borberöfierrciebiföen Sanbe an «Ibre^t unb Georg; 
Äaifcr griebri* unb bic 9Ri&ßunmuug be* Colt« wr- 
titeln ben ©oüjng; Gingreifen be* Äaifer* in 3nnlbru<f. 
@. 515. — Grünbnng be« ©^»Sbifcben ©unbtS; bei- 
tritt ber $o$enjoucni; neue Reibungen inriföen bieftn 
unb ben ©aieru. ©. 518. — ©finbut* ber ©aiern mit 



3n$alt«überfl($t. 



XVII 



$$ttity> bon ber $falj; Unterfyutblungen über ein »üub- 
ui* mit Ä. 2Wat$io* ton Ungarn unb mit ben (Btb- 
genoffen. ©. 520. — Uuterfiüfcung Ä. SRajinuliau* in 
glanbern. ©. 523. — gernere Reibungen jmif^en 
Georg nnb bem @($n>5bif<$en ©unbe, Überfall ber Stotel 
Poggenburg, Sttingif^er Jtanffcertrag; Äaifer nnb jtfnig 
bäratfen; Kn9glei4 jn 2>intel*bü$l, @. 524. — Sode« 
mng be* <5in&erftänbniffe* jnriföen SObredJt unb Georg; 
©teHung ber beiben gürten jum Äaifer unb jum Kö- 
nige; bie $erjoge Georg unb «briflopb in &. SRatf* 
müiau* ungarif^em gelbjuge; Crftürmung ton ©tu$l» 
toeigenburg. @. 526. — Nürnberger 8fci$3tag im SJtörj 
1491; Weutralit&t$*>ertrag mit beni&bgenoflen. ©.581. — 
3toifi Blbre*t* IV. mit feiner ©tranbinger 8tttterf$aft; 
ber $erjog befreitet bie 9te$t3traft ber Dttoniföeu 
$anbfejie; Grünbung bed SStoenbunbeS 1489; beffen 
«erbünbete; «lbre*t« »rüber; ©teflung be* Äaifer* unb 
it. SRajcimilian«. ©. 581. — 8et$*a<$t über ffiegen*burg ; 
bie 83»enrttter übernehmen bie ©jefution, »erben aber 
bon tlbrety in raf^em gelbjuge gebemütigt. ©. 548. — 
ttei$*ac$t über *lbrc$t IV.; tingriff ©olfgang* unb 
<S$riftop$9; ba* $eer be8 9tet$9 unb be9 ©(ftöSbifäen 
©unbe«, auf bem £e$felb gefammelt, bebro^t ©aiern; 
Georg fcerfagt «lbre$t feine £ilfe. ©. 546. — Ver- 
mittlung SJto$imiliau«; grieben*unter$anblnngcn ju 
Hugflburg; 8lbre$t muß überaß nachgeben unb tritt bem 
©$tröbif$en ©unbc bei; Vermittlung jn>if<$en biefem 
unb Georg. ©. 550. — Unjeitige« ßoSfölagen unb 
raf<$e Unterwerfung ber ^menritter; frucfctlofe* Auf- 
gebot gegen granfrei<$; pf8ljif*-franj8jif<$e »ertrfige. 
©. 554. — ffleaftiou in bem and Dtei<$ jurüdgeuommenen 
9tegeu*burg; «lbre*t ernnrbt bon ber ©tabt ba* @$ulb- 
^eißengeri^t ©. 555. — «lbre*t* Bu*glei* mit ©olf- 
gang unb <5§rifu>rt; be* (enteren Pilgerfahrt na* 3eru- 
falem unb Xob. ©. 557. — 9Ubre$t* «u«gleu$ mit 
ben 2ö»lem; öinmiföung unb ©ef*nn$tigung berSanb* 
ftönbe; bie gamilie 3)egenberg. ©. 560. — 3llbre<$t 
8ei$$fetb$err gegen bie (Sibgenoffen 1499. ©. 564. — 
Georg unterfiüfet ben König in Statten unb Gelbem. 
©. 566. — 2>ie bairifefcu £erjoge unb ©täube gegen- 
über ber 9lei$f reform, befonber« ber 8ei($«fleuer. 
©. 566. — ©erftimmung George gegen &tbre$t; fein 



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XVIII 



3n$alt*überflo}t. 



Grbfolgetfan unb Xeflament, bon bau ber Äanjler Äol- 
berger vergeben* abrfit. ©. 570. — 8erm$$lung bei 
$rinjeffin (Slifabetfc mit bem $falggrafen Hu*rec$t; beffen 
Sboptum buro} <&eorg; Ä. SWai, erteuut «lbre$t« (frö- 
rest an. ©. 574. — Lüftungen öeorg*; ©turj be9 
Äanjler* Äolberger. ©. 576. — $eranua$en ber Äata* 
flrorte; £ob (Beorg*; ©ürbtgung biefe€ gürflen. 
©. 580. — Ulmet 8er$anbluugen über ba9 8anb«&uter 
Grbe; Marunilian forbert fein „Sutereffe"; 2anbfl&nbe 
unb «bei SWeberbaiern* ; öinfefcung einer fflegentf$aft. 
©. 583. — öigennüfcige« eingreifen be* JWnig«; bie 
StagSburger 8er$anb(ungcn ; 8io)ao)er ganbtag; «b- 
tretnug bon Äufftein, Battenberg n. f. ». an öflerr- 
reio}. ©. 586. — SUbro&t* »uube«genofleu; Wtyp 
öon grdfing neutral; Haltung ber übrigen Sittümer. 
©.591. — tfcrtrag«brüc$ige©efefcung ber©tabt ?anb*- 
$ut, au« ber bie Regenten fliegen, unb Groberungftgüge 
ber pfäljif^en gelbfcrren «ofenberg unb ©ijfred leiten 
ben ?anb«$uter (Brbfolgetricg ein. ©. 593. — Ä3mg- 
tiä)e Cntf Reibung ju «ng«bnrg; 9tnj>re<$t geltet; Se- 
ginn unb (Efcaratter be* Ärieg«. @. 595. — $ie ^ffitjer 
befefcen na<$ fruo)tlofem Singriff auf ©rbing ©afferburg, 
9tbre$t 3ngolf*abt j ©igmunb ton grauenberg unb feine 
Qrafföaft $aag. ©. 599. — Slbrety in Braunau; 
Äampfe gegen bb*$mifo)e ©ölbuer im ©airiftfcn Salb; 
JBertt>üffamg«attgc ber ^fäljer; 3lbre$t getoinnt Sanbau. 
©. 601. — Meutereien ber 2anWrne^te; tObrety in 
Gelbnot; ©efetye *or 2anb*$ut; «Ibre*« fruo}tlofe 
Angriffe auf 3farcd unb Auburg. ©. 604. — Unter- 
fymblungen über bie pffiljif*e Jtar; lob 9taj>re$tf. 
©. 606. — S)ie $f5ljer erobern »ranuau; Äamtfe in 
ber Dbertfolj. ©. 608. — eintreffen bö&mifcfcr $>ilf«- 
tru|>^en im pffiljif^en Sager; (Sroberungen ber $ffil)er 
im Korbgau ; tyr ©ieg über bie SWartgräfli^en bei Sbnat 
©. 609. — SRarunilian erf($eint auf bem bairift&en 
Jtriegftfcfcitylafee unb befiegt bie ©dornen bei ©Dönberg 
(ober ©enjenba*). ©. 611. — Stob ber $fal)gr&fut 
eiifabett; gortfefcung be* Äriege« für bie ^ringen Otto 
$einri* unb $fyttw; Überfall bei ©eifenfelb. ©. 616. — 
Uneinigfeit ber ©erbünbeten; Demütigung be* äurffirßen 
Wtiipp. ©. 617. — SRarjmÜian erobert Äuftetn unb 
läßt ben Pfleger $anl bon $ien$enau nnb fiebge^n an« 



3u$alt«überfl*t. 



XIX 



berc ©erteibigcr biefcr gefle fciuricfrten. @. 618. — gort- 
fefcnng ber ÄStnpfe in ber Dberpfalj. ©. 624. — SHe 
pf8ljif<$en Angriffe auf 3Wün$en unb 9tofcn§etm füt- 
tern ; SRieberloge ber Qtytemgauer ©aucrn im 2$ate bon 
SRarquarbßein ; 3ufammenrottungen be« nicberbairiftfcn 
2anb*olf«; Äfimpfe unb ©ertoüflungen unt 3nn unb 
©alja$. ©. 625. — 8ermittlung«*>erfu$e; gevetterter 
angriff ber ^ffitjer auf »il«$ofen; „JW&rab" be« gelb- 
jng«; ©efeAt bei Ötangtofenf 3«eüampf jnriföen ©ein«- 
Ijeim unb ©tfjped; SEBaffenfHflftanb. ©. 629. — 3n- 
folge ber Hbficfrt be« Äforig«, ©aiern ju serreißen, bro$t 
ber 8u«brn$ neuer Äämpfe; opfertoiütge Gattung ber 
oberbairiföen ?anbf$aft; bur$ ben Äölner ©pruc$ n>irb 
für £)tt$einri$ unb $§Uipp au« bairif^en Sanben „bie 
junge $falj" gcbilbet; ©^totoigfeiten ber «u*fü$rung; 
greifinger ©ertrag unb Äonflanjer @prü$e. ®. 633. — 
SWajimilian fefct für fi$ au$ bie Abtretung fcon SWonb* 
fee, ©ilbened, ÄuJbüVel bur<$; »lbre$t, «enebig unb bie 
Herren *on ber 2eiter. ©. 638. — »Ibrety« $rimo- 
geniturorbnung. ©. 639. — £ob SUbrecfct« be« 2öeifen ; 
<5$aratterbttb biefe« gürten; feine ftaat«mffnutfdje Be- 
gabung, fein S3er$ältm« jur getfUgen ©emegung feiner 
3eit; feine ©enta^Un Äuniguube. ©. 642. 

dritte« ftajittd. innere 3uflanbe unb SEBanblungen 

öon 1347—1508 652- 845 

©er ©taat: $er$Sltni« ©aiern«, be« frfiftigen 
£errttorialftaate«, jum ohnmächtigen fteuh; (Siferfu^t 
$ab«burg« gegen ©ittcl«ba($. ©. 652. — 3>ie ©erjoge 
al« Wnigli^e »afaUen unb Liener; Xitel unb Sappen. 
©. 654. — flurre$t, £eitna$me an 9fci$«tagen. 
©. 657. — 2>ie 8anbflfinbe; i$re SBtrtfamteit unb »e- 
beutung; ©Reibung na$ ben 2anbe«tctlcn ; ber Canb« 
föaft«au«f($uß; Sufammenfeftung ber Sanbföaft: Prä- 
laten; ©tSbte unb SRSrtte; ber «bei; Sanbtafeln; lanb- 
ftönbtf<$e ©üter. ©. 659. — ©efefcgebung; Sanbfrieben 
unb Sanbgebote; 2anbe«orbnung Snbtotg« be« Steigen 
ton 1474; Beratungen über ein neue« <$efefebu$ für bie 
fcereinigten 2anbe«teile. ®. 667. — Organifation ber 
»ertoaltung: $auptleute ober Pfleger. @. 669. — $of- 
metfier (bie ©egenberger al« ©traubinger <5rbf)0fmeifier). 
©. 671. — SWarf^att; ©rb^ofSrnter; fcofgeflnbe; $of- 
«ie|ler, ©efatflie öalew«. IU. * 




3u$alt«flberftyt. 



fleiber. ©. 772. — 3eutratbc$8rben: bcr fcrjoalUfce 
Äat; Xutbilbung chic« fWnbigen Äegimragltottegimn*, 
bcr „t5gti<$en ftfttc" ; @efanbtc ; geifHi$e Kfcc ©. 674. — 
Äanjlei unb Äanjltr; Britf*. ©. 678. — Wittel- 
beerben: ©ifctamc(©ifctum$*nbel); ?aubf Treiber; «ent- 
meiper (Renttueifterfimtcr). ©. 679. — SofalbciBrbeu : 
Pfleger, 9tt4tcr r ©eri#t«bieuer, Äaflncr unb ©eamte ber 
8tegalicn*ern>altung. @. 683. — fcinrflffer; ©eamten- 
Innungen. ©. 686. — 9fc$tft>rc*ung unb $eru$t«- 
toerfaflung. €5. 687. — $a« freie 2anbgcric$t Wil- 
berg. ©. 689. — $crjogli<$c« $ofgert$t; 2a*b» unb 
©tabtgeri^tc. ©. 690. — Oeri*tli$c« ©erfahren; 
Saatamtf; Äüflnng; Bfolre$t; ©orfore^er. e. 692. — 
Dotation«- unb ty^ationtyrfoUegten. ©. 695. — 
©ebre^en ber «e^tt^flege: (Bingtiffc ftembet <&ert$tc; 
bie Seltne; SRfingel unb Übergriffe bcr ©eatnten; flfa- 
bif^e Älageu Aber bie 9tc*tfore*uug. ©. 696. — 
göltet; 9ia<tri$ter; @cfSngm«firafc; £anbc«t>ertt*tfung. 
©. 700. — Die $ofmarfen unb $rc ©eri<$t«barteit ; 
C^afttaibinge; ©ebeutung ber Ottonif^en $anbfefle; 
$ofraart«- unb 2)orfgcri<$tc. ©. 701. — (Küblingen 
be* römiftfcn 9tc<$t«; geteerte Surißen; O^ofUion ber 
©tffnbe gegen biefelben. ©. 707. — ©i<$cr$cit«i>oUjei ; 
£u(u8- unb ©ittengefefce; ttber$anbne$tnen ber Xrnnt- 
fu$t. ©. 711. — $eertt>cfen: bie $erjogli<$en Se$cn«- 
leute unb ©camten; Liener ton $au« au«; ©ürger« 
f<$aft bcr©t8bte uubaRärftc; Sanbaufgebot ber ©antra ; 
töei«gclb; ©dlbner. @. 717. — ©cn>affnung, befouber« 
geuerwafien; Uniform. ©. 726. — ginanjen; $tye 
unb 3u(araraenfet}ung ber lanbe«$errli<$en Ginnafynen. 
©. 729. — - 2anbc«fteueru; birette ©teucru; ©teueru« 
erfcbung; Steuerbefreiung be« «bei« unb ber $r$taten. 
©. 730. — Ungelb, b. L inbirefte ©teuer. ©. 736. — 
SWflnjuxfen. ©. 737. — 33flc ©. 741. — ©ergbau. 
©. 742. — 2>ie <&ef «Uf $af t: eojiale ftfimpfe; 
«bei: alter $o$er Ibel; neue 9iei4«frei^erren; GrWfcfren 
ber 3Rinifiertalit&t; Xnrnierabel; furniere nnb Xurnier- 
toerciue; «bel«bünbnijfe. ©. 746. — ©flrgertnm: 
trijier; ©anbt»erfer;©erfaflung«t&iu;fe; ftöbtiföc« Seben; 
©cgftnfltgnng ber ©tSbte um ©eite ber Sanbrt^erren ; 
ftöbtif$e ©enoattung. ©. 754. — ©etoetbe nub3finfte; 
«tbcitteiußcunngen; ©ierbrauerei; Weinbau. ©. 762. — 



3u$alt«überfi($t. 



XXI 



ecite 

$onbet; gürtanf» unb tfo«fufyrt>erbote; obrigteittt<$e gefl- 
fefcuug ber greife; $anbel«artifel. S. 768. — $anbel 
mit beliebig; ber SWitten*atber SRartt; Strafjenbauten. 
S. 771. — 3uben; ©u#er. @. 776. — S)ie Sanb- 
nrirtfäaft unb bie ©efefcgebung. S. 778. — ffiatb- 
»irtfäaft; 3agb; giföerei. S. 780. — Star ©auern- 
ftanb: Seibeigene unb i$re Saßen; Seibfleuer nnb Xobfatt. 
S. 786. — 3bfönrf$ung bet Untertriebe« jn>if<$en Seib- 
eigenen unb ©Brigen; 3^nten; 3i«fen ; grofcnben (S$ar- 
n>etf); grunb$errli<$e Steuern. S. 792. — Einteilung 
bet Bauerngüter na$ ©röjje unb ©elaflung. S. 798. — 
Überrejfc alter ©auernfretyeit; bie ©auernföaft unb bie 
Öefefcgebung. S. 799. — 2)ie Äirc$e: 3ut$tloflg!eit 
be« Äleru« im ©eginne be« 3eitraum«. S. 803. — 
streit jttnföen Staat unb Äircft; ba« große j>tyßli$e 
S$i«ma; £ufitentricge. S. 804. — fcSrctiter unb i&re 
Verfolgungen: $uflten; ©rüber bom freien (Scipc; 
ffialbefier; ©raf Ulric$ *on Battenberg. 6. 805. — 
&$tfeiten be« tirtflictyn geben«; «rmeityflege; ffio$t- 
t$ätigteit«fHftungen; ©ruberföaften. S. 808. — Slb- 
läfie, ©anfahrten, geiertagc. S. 809. — ©crtoelt- 
lic$ung ber Ätn$e; ba« #tyjtti($e ginanjfoflem; ©e- 
f<$n>erbeu ber beutföen Nation; bie tir($li<$e3uri«btttion; 
Bnnaten unb anbere Steuern; ftoatlicfc Sbme^r; bie 
Ür4li$en ©ogteien. S. 811. — Staatliche SXuffidjt über 
ba« Äirtfeufcermögen; tanbe«$errli$e «nferücfce; klagen 
ber Stänbe. S. 818. — ©eränberungen im territorial* 
beflanb ber ©i«tümer unb in ber 2)iöcefaneintcilung. 
S. 819. — <ßrot>in)iat- unb SDüteefanfonoben ; tir<$li<$e 
Dberflrten ; ©iföof Sodann DL ton (Sicfcftöbt. S. 821. — 
$ie Älößer; neue Grünbungen: Karmeliter in Strau- 
bing unb Abensberg; ^aulancr in St. £)«n>alb; Äu- 
gufHner-Sremiten in föamfau unb Battenberg; grauji«- 
laner bei Kclfcim. S. 823. — fteue Äoücgiatfttfte: 
SRcu-Cfftag, ©il«$ofen, $ü>oltpcin, SWattigtofcn; ©eue- 
bittinerttoper grauengeü. S. 826. — ©erfall ber Kloßer« 
ju<$t; bie Äeformbetoegung unb tyre gü&rer in ©aiern: 
3o$. Örümoalber; $eter t>. Äofenfceira; 3o$. ton 3nber«- 
borf; ©ifitation«rcife tum 1426; %bt Kafoar «inborfer 
t>on Xegernfec. S. 827. — 3o$. Slitya($er ; Blbre$t ID. 
unb bie Kloperreformen; Oppofition ber atten Stiftung ; 
erfolge. S. 829. — Senbnng be« Äarbinal« <£ufa; 



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XXIl 



3n$atttfi6erfl4t. 



Situation ton 1451; ba« „Senatorium" be« ©teuer 
Äbte« SJtortln; bie SWetter Kongregation; ©ieberaufteben 
be« affetiföen öeifte«. ©. 832. — $er fteliquienfunb 
Don tobe*«; ba« SWün^ner „Öuabenjafcr" ; Stiftung be« 
<5$or$errenfhfte«, bann ©enebtttinerttofcr« «nbe$«; bie 
8nbe$fer gfilföungen äonrab« öou $ornftein. ©. 835. — 
fcibtotg ber 3fci$e unb Hibrety IV. al« Älofterrefor- 
ntatoren; Hufoebung ber €$or$errenfhfter €^Uer9 unb 
3lmmünfler unb Qrfinbnng ton Unf. 2. grau in 9Rflu- 
<$en ; Deformation ber ® ettefflöfter ; «ntoniter. 838. — 
Geringe Sauer ber grüßte biefer tteformbetwgung; 3u* 
flfinbe be« Äieru« am Sudgang be« flWittelatter«. e. 843. 

Sterteft SttyittL ©ilbung, Siteratur unb ihtnß . . 845—954 

Äugemelner Gang in ber <5ntn>i<flung be« geifHgen 
geben«; (Sinffoß tc$nif#er gortfäritte; Verbreitung be« 
$aj>ler«; (Srfinbung ber »u^bruderfnnfl ; bie filteren 
bairifäen ©u^brnder. ®. 845. — »olW- unb Satetn- 
föulen. €5. 847. — $fo«tönbif$c UmoerfUfiten ; Grün- 
bung unb «uf finge ber Uniterfitfit Sngolflabt; 3ttrifttg- 
täten jungen ben antiqni unb moderni; Stiftung be« 
(Beorgionum«. ©. 848. — Literatur : $ o e f i e ; überbanb- 
nehmen be« S)erb!omif*en; ©ott«föauft>ieIe;bieer|fi$len- 
ben Öcbfc&te ©einriß Äaufrtnger«. @. 855. — $octif<$e 
Äbetttataloge; 3o$. $ottanb; gortleben ber alten Selben» 
poefle; bie ffieibenftertancr ÄarWfagc; 3afob $ütri($ 
Don 8tet<$era$aufen nnb fein ©fcrenbrief. &. 856. — 
$oetif$e 2obfprfl($e auf bairif^e gfirfien; fflofenptuet; 
$an« *on ©efierna*; ©trafgebfc&te, „Üaberer", bie »or- 
Mtafer be« $aberfelbtreiben«. €5. 861. — Äir$enfieber; 
Worif$e ©oltelteber; $ofbi<bter; fafaenbe Seute; 4>oft- 
tiföe ©pottgebfate. @. 862. — $an« ber $efello$er; 
äWetfterftoger; 33rg €tyü<ber. @. 865. — @cft5ne 
Literatur in $rofa; überfefcungcn; ber $er&ogft$e 2eib- 
arjt Dr. Sodann $artiieb. @. 867. — SDWgttctfeit ber 
Unfoerfalitfit; Wri# güetrcr unb ber tefete Kitterroman. 
®. 869. — <$ e 1 e$ r t e fii t er a t ur : t$eologif$e ; Otto ton 
$affau; €tyl*efter ton töebborf; $etru« ton ftofenteim; 
©tttjNwfrer ; ©rümoatber ; ©ern^arb fron ©aging ; $aufo« 
«Bann. 6. 871. — ftaturtoiffenfd&aften unb $eUtunbe; 
itaüeniföe unb Jübifdje Ärjte; ©jKjiatiflen; mebijimf$e 
Literatur; Ortotf au« ©aierlanb; $euwi$ t>on $fat§- 




xxni 



jwint. ©. 875. — *l$emie unb «ftrologie; btc 2up- 
feufe; Sofepfc (Skfinped unb feine ©ctefagung all- 
gemeinen Uraftarje«. €5. 878. — @cWl*tförei&önfl? 
«tbreft bon $ofcnb<tg, »ifäof bon greiftag. 6. 881. — 
Äiftungen bet $iftoriogrartie; SRangel $iftorif$er Ärittt 
nod) allgemein; ÄuSlfinfer bet filteren ©efäiftförcibung 
unb gortfefcungen filteret ffierfe: Xegernfeer Älofler« 
fronit; gortfefcungen bet grrifinger unb Gtfflfibter 
£if$of9geW4ten; inerte bairiföe gortfefcung ber ffi$fi« 
föen ffieltfronit ; $eiligeulegenben; tir(#l<$e ©togra^ieen. 
©. 883. — 25er £$or$err «nbrea* *on @t. SJtoug in 
©tabtam^of («. ton fflegenftburg) unb feine gortfefcer. 
©. 886. — Wri$ Onforg. ©. 893. — ©eorg $auer. 
@. 895. — 3n$alt ber ©efä)i<$t$tt>erfc; »ett «rtyed; 
Cinfluß be* $umamften (Snea ©ilmo $icco(omini; (Snt- 
flc^ung ber Snfi$t »on ber bojifa)en $erfunft ber 
»aiern. ©. 895. — 3o$ann ©tainbl; ©freitaein. 
©. 899. — «bt tingelnd Humplet *on gormbaf; 
2l$t- unb ©äfattenfetten be* $ui*uti«mn*. ©. 901. — 
Triften fiberba* (Henb ber SBelt ober einzelner ©tfinbe; 
Epißtola de miseria enratorum. ©. 904. — Statt« 
fa$rt«ltteratur. ©. 905. — Seit bon (Sber9berg. 
©. 906. — $aterlfinbtf$e ®eföi$tf*reibung in beutfaer 
©t>raä>e: $an« ©brau *ou SEBilbenberg unb U(ri$ gfietrer; 
gortfefcer be$ tefcteren. ©. 908. — ®eucalogif<$egabelu; 
3o$. XritfamuS; 2abi$lau3 ©unt^eim. ©. 912. — 
33rg Äajmair* 2>entf#rift Aber bie 2Rün$ner Unruhen; 
2Rü$lborfcr, 2Rfln<$ner, 2anb«$utcr, ftegen*burger ©t&bte- 
a>roni(cn. ©. 914. — 8ftblerfc$c gamilienfronit; auto- 
biograj>$if($e Sluf jei^nungen bed Ulrich Öreimolt. ©.918.— 
$anl ©filtberger* ffieifebuäV, Pilgerfahrten na* Sera- 
falcm unb beren ©ef^reibnngen. ©. 918. — ©Triften 
über ben 2aub*$uter @rbfo(ge(rieg: Suguftin Kölner; 
Äubreaö 3«ner; 8ern>ilberung beS beutfäen ©tili. 
©. 922. — 2>er #nmani$mu$; Äonrab (Selti* unb 
feine bairif^en ©<$ttler unb greunbe; ffianberluft ber 
$umanifien; i^re Stiftungen; IC6t ©olfgang Später 
bon Klbertba4; 3aIob 8o<$er unb feine latetuif<$en 
©tubentenff auffiele; jnriefofiltige ffieltanffanung ber 
©uraaniflen; £od)er« literariföe gelben. ©. 925. — 
St u n fi ; tyr allgemeiner fcfcaratter ; «rdfritef tur. ©. 937. — 
^lafHf; ©er^filtniffe ber Äftnftter; ©oliftufyturen; me- 



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xxiv 3n$att«a&etfl<$t. 

Gelte 

taHiftcft Ännjlgetoer&e. e. 943. — Maleret; Olaf- 
maleret; 8Rtniatnrmaletei; $ol§« nnb SDlctatlf ^ndbehinp. 
e. 947. 



6 e i I o 9 e n. 



dt fit »eüage. Ütoföt ber $erjoge t>on 1847 Mf 1508. 

3 * e i t e Beilage, ©tamratafet ber bairif <$en ©itteWba<$er bon $erjog 
Otto I Mf auf $erjog «f&rec&t IV. 

©ritte ©ettage. 2>ie »eUIk&en ftei$fnnmittetftaren in ©aiern ton 
1180 6if 1608: <&rafen bon *nbe*f. 957. — 8anb- 
grafen bon 8eu<$tenberg* 6. 959. — Grafen bon Ottenburg, 
e. 964. — Grafen bon $al9. 6. 968. — gretyerren bon 
Äbenfberg. 6. 970. — grei&erren bon granenberg §u $aag. 
©. 672. — greifcrren bon 2>egenberg; $erren ton föatbed 
(i>o$em»albe(f); bie $errf<$aft ©albed unb tyre ©eflfcer. 
€5. 974. — Herren bon ©$»angau ($o$enf$»attgan). 
©. 979. 



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tferjettyii« ber in gekürzter /orm ritiertett (ftneUtit, 
är^toe nnb Sammelwerke, 



Kuger bat in 9b. I, ©. xxu bereit« genannten 
«r r oben, $eS Dr. SRuhael HrrobeniuS, feit 1590 ^enogti^en «r<$t- 
fcarS, „©ummariföe 2lr<htobef<breibung" im 9tet<hSar<hto. Stete 
Vortagen ber ^ier gefammelten $bf$riften unb ÄuSjftge finb ui<$t 
erhalten. 

SUentin. SohanneS fcurmaijrS, genannt fttentinu*, fSmtttdfre ©erfe, 
herausgegeben ton $alm, 8e$er, 9iiejler. 5 ©Snbe. 

Cgm. n. Clm., codex germameus, latinus Monacensis (ber t $of* 
nnb @taatSbibttot$et in München). 

2). 9t.-H. $eutf(he 9tei<hStagSatten, herausgegeben *on 3uUuS 
ffieigfficfer. 

grebberg. ©ammfang biflorifcher ©Triften unb Urfunben, h**auf- 
gegeben &on t>. gre^berg. 5 ©finbe. 

gflrßenfa$en. $anbf<hrifttiche ©amurtung im SWün^ner 9tei<hSarchibe. 
$.«?(. Ä. geh- $auSar<hi* in 2Wün<ben. 

Brenner, ©airtfehe SanbtagShanblungen in ben Sauren 1429 bis 1513, 

herausgegeben bon granj t>. Ä. 16 ©finbe. 
Silieucron. 2>ie hiftortfäen BoHSticber ber 5>eutf<hen bom 13. bis 

16. Sahrhunbert, gefammelt unb erläutert *on 91. t>. 8. 
Neubörger Nienburger (Sopiatbficber im 2Rün$ner 9teichSarchit>. 

91.-9. it. allgemeines 9tei$SarchUht SWflndfren. 
et-H. &. geh. @taatSar<hU in anfingen. 
€K.-€hr. <£h*oni!en ber beutfehen ©tfibte, h^^uSgegeben unter 

Leitung it. $egeJS t>on ber htftoriföen Äommifjlon in München, 
©efleurieber. ©ertrüge gur fcaterlSnbtfcben $iftorie, (Stogro^ie, 

@tati(Ht k., ,heronSgegeben »on Sorenj ©. SWün^en 1788 f. 

10 Cfinbe. 



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$aimt viet- und dreigefnU. #om $ode $aif«r Jfod- 
urigs (1347) W» zum afode Irinnen» da Reichen in 
gaiern-^andslmt (1450) und^lbrtcnte HUn&umt- 
gWncften (1460). 



«leitet, «eftW »aicnil. m. 



1 



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bau 1347-1363. 



»©eine ©ö$ne treffe biefer gfuc$: 2IuS tyren 2ßo$nftfcen 
»erjagt, feilen fie tot beö 33ater$ lugen tyren geinben in bie 
§änbe unb ber 33ernid&tung an^eimf aüen ! " 

g$ toaren brei .ermad&fene ©8$ne be$ SaiferS: Subtoig V. 
ber ©ranbenburger, Stefan IL, Submig VI. ber Börner, unb 
brei unmünbige: 2Bif$elm, WÜxtQt unb Otto (ein fiebenter 
nac^geborener ftarb fdjon 1348), meiere ber in feiner botlen 
®räpc$feit nid?t me$r erfüllbare Un$eil3tounfö eines unber* 
fö$nlic$en 'papfteS jur Regierung geleitete, ©ie erbten bie 
gü$rerfc$aft ber toittelöbad?tfd?en Partei unb bie unter ber 
»önigöfrone fo fpä) emporgebie^ene £au$mac$t, eine getoalttge, 
aber in brei ©rupfen tom 9?orbfeefiranbe unb bon ber Ober 
bi$ jur $tfc$ bezettelte Cänbermaffe, fie erbten auc$, o$ne bie 
2Öo§It$at be$ 3nbentar$, bie tieftourjelnbe geinbfd^aft ber turie 
unb be$ §aufe$ Sufemburg. 

§fluf bie £rauerbotf$aft bom Üobe be$ 33ater£ eilten bie 
brei älteren ©ö§ne nad) 8anb$£ut unb berfidjerten fidj burc$ 
©eftätigung ber ftänbtfäen greiften (4. 9ßob.) ber £reue ber 
Jungen ^Jrobinj Slieberbaiern. örft Jefet unb nid&t o$ne Snt* 
gelt toarb bie jüngere n>ittel$ba$ifd)e Sinie aud& bon ber älteren 
in biefem ©efifee anerfannt: gegen SBerpfänbung einer 9?ei$e 
bon ©urgen unb ®ütcrn an ber £5onau unb in graulen ent* 

l* 



4 



Staxi IV. 



fagtett am 16. 3anuar 1348 ju 3ngolftabt bie $faljgrafen 
tyren 8lnfprüc$en auf SRieberbaiern l ). *Ba« bie $erjoge in 
©aiem befaßen, blieb übrigen« no$ geraume &t\t geföraälert 
um bie ® fiter, mit benen nictyt weniger al« brei $erjog«* 
tirittoen: bie Äaiferin SDtargarete, bie ftönigin «gne« Don Ungarn 
unb bie $erjogin 9tic$arbe Don 9J : eberbaieW'©urg$aufen au«* 
geftattet toaren. S5on ?anb«$ut jogen Subtoig b. ä. unb Stephan 
na$ 2lug«burg, um fid^ mit ber großen SKaffe ber fötoäbifd&en 
©table au«etnanberjufet}en, toelc^e auf bie ffunbe Dom lobe 
be« ftaifer« }u gemeinfamem $anbeln fi<$ oerbunben Ratten 
(22. Ottober). (Sin SfoffenftiHftanb, ben fic am 14. ©ejembet 
mit ben $erjogen fäloffen, toar }ebo$ nur ber Vorläufer t^tc« 
Übertritt« jum 8u{emburgcr. 

Steffen Siegeslauf }u $emmen matten bie SBittel«bac$et 
leinen 93erfu$. Rar! $atte ben lob feine« (Segner« in laug 
erfahren, fofort ben ©öfynertoatb Übertritten unb unter fur$t* 
baren 93era>fiftungen über (&$am toorbringenb, 9tegen«burg er* 
reicht, ba« tym bie £$ore öffnete *), i$n al« König anerfannte 
unb für ben gafl eine« angriff« ter 8aiern$erjoge ft<$ $ilfe Dort 
i$m Derfprectyen ließ, ©ei ©arbing an ber Straße na$ ©trau* 
bitig fam e« na$£er ju einem Keinen ©d&armüfcet jtoiftyn ben 
regen«burgi[^en unb $erjogIi$en Strusen s ). ©$on am 
31. Oftober tonnte ftarl au<$ in Dürnberg feftli$ ein$ie$en. 
S3on lag ju lag n>uc$« fein 3ln$ang; bie ©urggrafen t>on 
SRfirnberg, mehrere j$n>abifc$e ®rafen unb fräntifetye ©täbte, 

1) O. u. Cr. VI, 392. 403. 3n ber teueren Urlunbe fSttt bie Uu- 
geuauigfeü auf, bog bie ?f8tger i$re 9taft>rfi<$e auf 9Heber6aiern föou 
toom £obe $erjog ©einriß*, ni$t erjl beffen ©o$ne« Sofyutn batteren. 

2) 21. Ofto&er ober turj *or$er. gür bie ©ejte^ungen ©atern* jum 
8tri<$e f. nun ©8$mcr-$uber, föcgeflcn brt £aiferrei<$3 unter St. 
Äarl IV. 1346—1378. $gt. femer ffiefUnrieber, $etra$tungen über 
Snbtoig ben ©ranbenburger, 1793; *. greijberg, @efö. $. Subnrig* b. 
«ranb., 1837 (@. 215 f. Hegeften, 233f. 3tinerar 8/«); ffifirbinger, 
Ärieg«geföi<$te toon ©avern *on 1347—1506, I. ©b.; yalm, 3a 
Äart« IV. ^olirtt gegen bie ©aicrn (gorföungen XV, 191 — 212); 
©erun*!i>, <3>ef$. St. Starte IV. II, 92f. 

3) ©e mein er, töegenSburger (S^ronif II, 49. 



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unb bie fcittet*Miföt Partei. 



5 



auch üWainj, Ulm, ©tragburg traten auf feine Seite; aW et 
ju Anfang ©ejember an ben Oberrhein 30g, folgten bie elfäf* 
fifchen ©täbte unb bie oberrheintfchen ©i«tfimer. 95or ©afel 
erhielt ftarl ein papftlid&e« ©^reiben, ba« ihm ®töcf tofinfchte 
jum 5Eobe be$ „ fcerbammten Subtoig bon ©aiern* unb ju 
allen feinen (Erfolgen. Sin toeitere« ©re&e ermächtigte ben 
<5rjbifd^cf Don $rag unb ben ©ifchof bon Samberg jur 80$* 
fprechung reuiger Snhanger be$ SBitteläbacher« unb fd&rieb bie 
gormel bor, bie fol^e ju befchmören hätten. Unter anberem 
enthielt fte ba« ®el8bnt«, ber SBittoe unb ben ©S^nen 8ub* 
toigd, fo lange biefe mit ber ftirche unb ftarl nicht au«gef3hnt 
toären, fotoie überhaupt allen ftefcern in feiner SBeife be^u* 
flehen noch in SBerbinbung mit ihnen fleh einjulaffen. 3Rit 
eblem greimut erKarten bamaW bor ftarl ©ürgermeifter unb 
JRat oon SBafel, fte glaubten nicht, ba& Subkoig ein ftefeer 
getoefen fei, unb tofirben aW Röntg ftetä anerfennen, toen bie 
SRehrheit ber fturfflrften getollt ffaht, möge berfelbe bom 
Zapfte beftätigt fein ober nicht 1 ). 

@o fernere (Einbußen aber bie toittel$bachi:che «Partei nach 
bem lobe i^rcö Raupte« im {Reiche erlitt, bernichtet toar fte 
Ieine«toeg«. 3^re ©tärfe lag in ftarl* unrechtmäßiger ftönigä* 
voo$\. SBoüte fte eine SReutoahl in« SBctf fefcen, fo ftanben 
i^r noch immer bier fturftimmen jugebote, bie branbenburgifche 
unb pföljifche, jene be$ $erjog$ (Erich oon ©achfen=8auenburg 
unb be$ freilich bom Zapfte entfetten (Erjbiföof* Heinrich bon 
SRainj. ©chon im Stobember ließen bie Vertreter biefer 
Stimmen beim ftönige (Ebuarb bon (Snglanb anfragen, ob er 
geneigt fei, bie beutfehe ftrone anjunehmen. Subtotg V. ftanb 
bem englifchen ftonige perfSnlich nahe: er hotte im franjBpfchen 
gelbauge bon 1339 unter feinen gähnen gefochten 8 ), ©aß 

1) Math. Nuewenburg., Böhmer, Pontes IV, 249—252. 

2) £>6 au<$ föon in e<$otttanb gegen 2>afcib ©ruce (1333—1335), 
toic man au« einigen Herfen in @u$entt>irt* „griebrl<& b. 2o$en" 
(ed. ^rimifier, 54, *gl. 262) gefolgert hat, bleibt jtoeifeihaft. *Ra<$ 
©uchentoirt fuhr griebrith bou 2o$en mit fiubtoig bem Äönige bon (Sng- 
lanb juhUfe unb erhielt unterleg« bon 2ub»tg bie SRitteroflrbe. 2>ie* 



6 



JtSmgftnxtyleu öbuarb« bon (Sngtanb 



aber iefct bie etfte ffia$t ber toittel$ba*if* ®efinnten einen 
8fo«länber traf, jeigt, lolc fe$r au* auf biefer ©eite bie ftaifer* 
ibee ba$ nationale ©etou&tfein erbrüdt $atte. HI« ber eng* 
Kf*e ftöntg am 4. ©ejember ein für bie freunbli*e ®efinnung 
banfenbe« ©treiben an ben SMarfgrafen Subkpig fanbte, fd^eittt 
er bur* feinen ®efanbten, ben ®rafen &on 9iort$ampton, 
feine 3ufttmmung jur ffiafcl erflärt ju $aben. On beffen 
©egentoart toarb nun (10. 3an. 1348) ju 8a$nfiein bur* 
©ebollma*tigte ber toittel$ba*if* gepnnten Äurfürften (Sbuarb* 
SBa^l ooüjogen. (Sine öffentliche Urfunbe über ben Vorgang 
ttmrbe aufgenommen unb ein ©eri*t an bie 9?eid^^ftabte $erum* 
gefanbt *). 

5E)o* biefe ®efa$r, ba& einem $albfremben ffönige ein oößig 
frember aW SRebenbutyer gegenübertreten, ba& 3«Pänbe tote 
unter 9ii*arb oon ßorntoatt unb SllfonS *on ßafiilien ft* 
erneuern fönnten, n>arb balb befeitigt. SDtc $oflänbif*e <£rb* 
f*aft$frage unb bie fran3ößf*en Snfprü*e Äönig ffibuarb* boten 
bem Luxemburger genügenbe $anb$aben, um ben englif*en 
$>of umjuftimmen. 3nbem ftart am 16. 3anuar 1348 ben 
Sßarfgrafen SBil^elm oon 3üli*, ben <&atttn einer jüngeren 
©*toefter ber ftaiferin ÜJtargarete, mit einem Viertel ber oon 
ftaifer Subtoig eingejogenen nieberlänbtf*en ^rooinjen belehnte, 
erfannte er au* ben jüngeren ©*toeftern be« legten ®rafen 
bon $oflanb, ber SKarfgräfin oon 3üft* unb ber engti)*en 
Königin, ein Crbre*t ju. 3n ber energif*en gortfefcung be* 
Äampfe« gegen granfrei* fa$ ftönig ©warb ein bringenbere* 
unb lo$nenbere$ 3iet fetner ^Jolitif, al$ bie oon ber f*toä*eren 
Partei angebotene beutf*e ftaiferfrone gen>ä$ren fonnte. ftart 
»erfpra* i$m au* hierin feine Unterftüfcung ; auf biefer ®runb* 

tann fi* au* auf ben franjöftf*en gelbjug fcejie^en. SebenfaW na$nt 
Subtmg ni*t an bem f*ottif*cn gelbjuge im ©ommer 1335 teil, ba er 
am 11. Huguft biefe« 3(*re* in Dürnberg urhmbet; b. Bremberg, 216. 

1) Math. Nuewenb., 253. 254, ber au* erjSIjtt, baß Äarl, att er 
finige ©o$en foSter bon Ulm na* Dürnberg jog, toegen Suburig* SRa*- 
Peilungen einen Umtoeg einf*(agen mußte. $ufcer, föegejlen, ^el*6- 
fa<$en 9lx. 26 a. 28. 32 a. 



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unb griebri$9 bon ästigen. 



läge marb am 23. Stprit in SBeftminfter bon englifcher, am 
24. Sunt 1348 in ?rag &on b5$mif$er ©eite ein greunb* 
fchaft«* unb ©unbtf&ertrag beurfunbet smtfc^en jtoei §errfchern, 
in benen man noch eben bie beutfchen (Begenfönige ermattet 
hatte, unb am 10. 2Wai erflärte (Sbuarb bie Ablehnung ber 
auf ihn gefallenen SBa^l. 

Sefet etft befchlog bie toitteWbachifche Partei bie (Erhebung 
eine« ftitoig« au« ihrer STOitte: in ben etften 3unitagen einigte 
fie fich ju Sham auf ben SDiarlgrafen gtiebric^ bon 9Rei&en 
unb bringen, ben ©chmiegerfohn be« ftaifer«; e« ^eigt, baß 
jugteich bie Verheiratung biefe« bermitmeten dürften mit ber 
ftaiferinmittoe SWargarete geplant fcarb 1 ). 93on ber 93er* 
fammlung meg begaben fich äßarlgraf 8ubmig unb §erjog 
©tep$an, bie beiben Siuprechte oon ber ?fatj, ber SWarfgraf 
Don SWei&en, ber ©ifchof &on greifing unb anbete nach 9tfirn* 
berg, too ftch ein für bie tottteWbachifche Partei günftiger Um* 
fchmung bofljogen ^atte. Die ©eraeinen Ratten am 4. 3uni 
bie lujemburgtfch gefinnten ^atrijier vertrieben unb fich ber 
©tabt unb ber beiben SBurgen bemächtigt; beten <fyoxt öffneten 
fleh nun bem SWarfgrafen mit feinen gteunben unb bie Bürger 
hulbigten ihm auf fo lange, bis ein neue« iRetchSoberhaupt 
gemault fein mürbe. 31m 18. 3uni fötoß ßubmig in ber ©tobt 
für fich unb bie anberen $äupter ber mitteWbachtfchen Partei 
mit ben benachbarten Anhängern ftarW einen SBaffenftiflftanb 8 ). 

Nichtiger mar bcch bie ffirrungenfchaft ftarl«, bag fleh 
mittlerweile auf einer 3ufammenhmft ju SBrünn §erjog »{brecht 
von Öfterreich ju feiner Hnetfennung fcerftanben ^atte. Unb 
biefer friebliebenbe gürft fuchte nun eine Äu«f5hnung gtorifchen 
ben beiben Parteien hwbeijuführen. 9tof feine Änregung fanb 
gegen <£nbe 3uli 1348 ju $affau eine große gfirftenberfamm* 

1) ©o aWathia« b. 91. 258, »o ber Warnt »eatri* irrig. 

2) ©greiften Subttrig« *>. 6. 3nni 1348 an $einri$ b. SRainj, ed. 
2oerf<$, gorf jungen XV, 394. 3)ie bort genannten gttrften toirb man 
au* aW Zeitnehmer ber »erfatmnlung in Cham betrauten bürfen. ©gt. 
femer Äerler in @t.-<Shr. III, 317f. ; ?o<$ner, Oeföitye Dürnberg« 
jur 3cit Äarl IV., 8 f.; M. B. XLI, 363. 



8 



^aflauer griebcndfttfammlung. 



fang jur Beratung übet einen «u«gleic$ ftatt. «ujjet ftatl, 
fHixtäft unb ben battifc$en $etgogen ?ubmig unb ®tej>$an, 
bte mit einet glängenben $eetf$at Don 2000 $elmen etntttten, 
etfötenen Ctjbiföof ®etla# ton SWainj, bte CtjbiföJfe ton 
$tag unb ©aljbutg, bte ©ifcfyjfe ton $affau, ©ambetg, ©ßtj* 
butg, ttele anbete gütften unb $etten, au$ eine ungatifcfc 
©efanbtföaf*- *bet bie unter gfiuftigen Äu«ft($ten begonnenen 
SSet^anblungen föeitetten bot allem an bet ©teflung, toel<$e 
ftatl in bet $ollänbtfc$en <5tbfc$aft«ftage eingenommen $atte 
unb nun ntyt aufgeben tooQte. Die ©emfitet et^en ß$ 
betatt, bag battifdfre fttieg«leute, ©taf §ugo ton $o$enbetg 
an bet ©Jrifce, ben an ftatl« ffiofywng angeflogenen JReu$** 
abler befubelten ') unb baf man in tiefet S5erftimmung au$* 
einanbetging. 

©atb abet geigte ftc^ r bag bet neue S^tonfanbibat bet 
toittel$bac$ifc$en hattet bte ®a<$e ni$t etnftet na$m aW bet 
Cnglänbct; e« loftete ftatl nut ein ©eföenf ton 10000 SDtotf, 
ben auf allen ©eiten ton feinbttyem ©ebtete umgebenen £$ü* 
ttnget SWatfgrafen gut ätaetfennung feinet ftönigtofitbe unb 
gum S3etgtc$t auf bte eigene ©etoetbung gu befttmmen. Unb 
mittlettoeile toat eine bem toittel0ba$i|$en Sänbetbeftfce bto* 
$enbe ®efa$t toibet (Swatten mächtig angeioad&fen. 3n ©tanben* 
butg $atte Submig untet feinen 9tac$batn am $etgog SRubolf 
ton ©adften, ben ftatl (5. 9tot. 1347) mit bet Sftmarf be* 
le$nt $atte, an ben $etgogen ton SWedlenburg, bie biefe tyre 
neue ffitttbe eben etft ftatl tetbanften, am (Stjbtföof Otto 
ton SWagbeburg unb ben ©tafen ton Sn^alt mächtige geinbe. 
SSon biefen unterfififct unb fe$t fta$rf$etnlt$ ton einem bet* 
felben aufgeftiftet, toat ein ^rStenbent fcettotgetteten, bem e* 
balb gelang, bet toittel9ba$if$en SRegtetung gewaltige ©cfymetig* 
fetten gu bereiten, <£in fedet ©etvfiget au« niebtigem ©tanbe, 
Sauet unb 2Mler, bemtfete feine S^nlffeit mit bem 1319 
tetftotbenen SKatfgtafen SBalbemat unb anberoettige ©unft ber 
Umfiänbe, um ft$, guetft am magbebutgifd&en $>ofe f bann in 

1) Math. Nuewenburg., 259. 




£>er falf^c ©albcmar. 



I 



bcr üftarf fclbft für tiefen gürften ausgeben *), inbem et 
Behauptete, beffen ©egräbni* im filofter Gfrorin fei eine Äomöbte 
getoefen, vielmehr ^abe Sßalbemar au$ ©etoiff enöbtff en toegen 
feiner @h* wit einer SBerfcanbten 2 ) ba$ fettige 8anb aufgefud)t, 
au« bem er nun nach ad^tunbäiDanjigjähriger ©ufje jurücfgefehrt 
fei, um feine Sickte gu toahren. Sütel ©lud toar bem Slben* 
teurer günftig unb im 2luguft 1348 jähfte er bereit« fünf* 
unbjtoanjig ©täbte ber SJiarf auf fetner ©eite. SEBie Heinrich 
ton öerforb 3 ) toiffen null, habe Subüria im erften Unmut auf 
bie Nachricht biefer Vorgänge aufgerufen : „Cängft machte mir 
©orge, nrie ich bem branbenburgifchen JBolfe unb biefer trau* 
rigen ©cgenb auf f chiefliche ärt beu 9?ücfen toenben fönnte; 
jc|t brauche ich wich, ©Ott fei Dan!, nicht toeiter barum ju 
fümmern." SSBie &iet Übertreibung in biefer Nachricht auch 
liegen mag, unoerferinbar galt bem SBittclSbacher bie üßarf 
nicht fo Diel tote feine baui|ch<tiroIifchen 8aube, unb nun trat 
jutage, bafj auch baS branbenburgift^c SSoIf feinem dürften 
nicht mehr Neigung entgegentrug, al£ ihm öou bicfem erjeigt 
toarb. ©eine foftfttetige §errfchaft unb bie Stnfieüung bairifcher 
Beamten hatte Unjufrtebenheit getredt; feine Qfyt galt al$ un* 
redjtmäjiig, mehr al$ ein 93erhältni$ bcö leben^lufttgen unb 
mit einem böjen ffieibe geftraften gürften ju grauen unb X9$* 
tern beS 8anbe$ erregte 2lnfto§ 4 ) unb bem giemben mochte 
man am toenigften fcerjeihen, bafj er mit ber Kirche jerfaüen toar. 
Äarl aber fäumte nicht ben feltfamen 3u>ifchenfatl auSjunufcen. 
<£r begrübe bie gortfehritte be8 falfchen SBalbemar mit greuben, 
belehnte ihn am 2. Dftober mit ©ranbenburg unb lieg fich 
bafür üon ihm bie Saufifc abtreten. 3n ber SDJarl aber ent* 
fchieb ba$ SBaffenglücf für SBittclSbach, fonrie (im ©eptember) 

1) %n feine (Streit glaubt Ätöbeu, 25ip(om. @efi$. b. äflarfgrafen 
SBalbemar bou SBtanbenburg, 1844—45; 2)ic Sflart ©ranbenbura, unter 
St. Äarl IV. (4 fette 8 , 1847). 

2) pr melaje <£$e boa? baS pä'ppiidjc SBrefce mit ber SDißpenfation 
nodj ermatten ifH Riedel, Cod. dipl. Brand. 11,1, 285. 

3) Ed. tßotthafi, 272. 

4) 2Kat$ia$ m., 260. 



10 



$oUtit ftibttrig* M ©ranbeuburger*. 



ber friegStfichtige 8ubwig felbft bie Leitung beS ffiiberftanbe« 
übernahm, ©ein ©unbeSgenoffe jwar, {Ruprecht b. {. ton 
ber $fal}, geriet in einem Steffen mit SRubolf &on ©achfett 
in beffen ®efangenfchaft unb feine 83fung fctlte fester un* 
geheuere ©elbopfer foften. Subwig aber fchlug in granffurt 
an ber Ober, neben ©riejen ber einjigen ©tabt, bie ihm ihre 
Streue befragte 1 ) / trofc ber geringen Streitmacht, bie er mit 
fleh gebraut ^atte 2 ), ade ©türme ftarlS unb fetner Dielen 
©erbünbeten fiegretd^ jurüd unb braute nach bem Äbjug ber 
©etagerer au<h ÜJtüncheberg unb gttrftenwalbe wieber in feinen 
©eflfc. Die {Regierung in ©aiew $atte er fcor feinem Äbjuge 
in bie SWarf feinem ©ruber ©te^^an übertragen s ). 

ffiahrfcheinlich ffat erft ftarlS feinbliche ©teüung in ber 
branbenburgifchen unb nieberlänbifchen grage in Subwig ben 
ßntfchluß gereift, trog ber bisherigen üblen (Erfahrungen noch* 
malS einen ©egenfönig aufstellen. 3n eigener $erfon als 
folcher aufzutreten ^at baS $aupt ber wittetsbachiföen Partei 
niemals, lote eS fd&eint, ernfilich beabflehtigt. Stach feiner 
Partei galt wohl ber Kirchenbann, unter bem er ftanb, als )u 
gewichtiges $inberniS, in beS ©ohne« (Erinnerung felbft aber 
mag fleh abfehredenb genug eingegraben haben, was fein ©ater 
unter ber ©ornenfrone beS Weiche« gelitten, aber auch babon 
abgefehen: fleher wollte man ben SRechtSboben, wo ja gegenüber 
Äarl bie ©tärfe ber wittelSbachiflhen ©ache lag, nicht aufgeben 
unb leine anbere als eine unanfechtbare SWehrheitSioahl, b. h- 
mit Bier fturftimmen, erjielen. gür Subwig nun war eine 
folche fchon barum nicht möglich, Weil er fleh nicht bie eigene 
Stimme geben fonnte. Dies alles wirb berfannt, wenn man 
eS als einen für Subwig unb feine Stynaftie berhängniSooöen 
SWangel an flühnheit unb fogar an ftlugheit bezeichnet, ba& er 
nicht felbft bie $anb nach ber ftrone auSgeftrecft unb fleh jum 
anti^ä^ftttc^en $artei!5nige habe wählen laffen *)• SS ift eine 

1) 60 @u<$entoirt (ed. $rlmtffer, 55). 

2) Annal. Eistett. 533. 

3) Dürnberg, 6. 6e»t. 1348. Dr. im H..«. 

4) @o ©crunSlv II, 108, ber fogar imint (147), 2ubtoig $abc 




ftöniggtta$t <$ünt$er* bon @$»aqburg. 



11 



unbebingt irrige SBorauSfefcung, baß bie SBähler ber nritteto* 
bachifchen gartet geneigt geioefen toären, bem gebannten ©ohne 
bc$ legten $errfcher$ ihre ©timme ju geben l ) unb ihn bann 
auch al$ flöntg na$briidli$ ju unterftfifcen. 3m allgemeinen 
fear ja bei ben Äurfürfien bie Abneigung gegen einen (Srbgang 
ber Ärone hergebracht, unb aW Saifer ßubtoig in ben legten 
darren feiner {Regierung mit bem $(ane aufgetreten toar, feinen 
©ohn aK 5ßac^foIger toählen }U laffen, »ar er bei ber gürften* 
oerfammlung in ^Bacharach auf entfchiebenen SBiberfpruch ge* 
flogen (f. ©b. II, 486). 

3m Dejember begab fleh ßubtoig ju feinem ©chtoager 
griebrich oon Düringen nach ©reiben, unb ba e$ ihm nicht 
gelang, biefen toieber für [ich J u gewinnen , [teilte er fofort 
(9. ÜDej.) in ber Herfen be$ ©rafen ©ünther oon ©chtoarj* 
bürg be$ älteren auä ber blanfenburgifchen Sinie biefeä $aufe$ 
einen neuen Xhronfanbibaten auf. ©teichjeitig erfchien auch 
»arl am £)re$bener #ofe unb oermochte (21. £)ej.) ben ÜKarf* 
grafen griebrich ju einem ©ünbniffe, toorin freilich bte SBitteW* 
bacher als ®egner auf ein 3ahr aufgenommen blieben 8 ). ©fintier 
bon ©chtoarjburg ^attc fleh bereit erttart, bie ihm jugebachte 
<&f>xt anjunehmen, toenn ein ©pruch be$ {Reichstag« bie Cr* 
lebigung be$ SReich* beftättge unb toenn ihm binnen fech« 
SEBochcn toenigftenä jtoei toeitere ffiahtftimmen jufallen tofirben. 
Sin bekoährter ftriegämann, ber für SBitteläbach tapfer gefochten 
unb eine 3eit lang bie 8anbc$h<wptmannfchaft in ber SRarf 
fcerioaltet hatte, toar er boch burch ben SWangel einer irgenb* 
tine nennenswerten $au«macht oerurteilt, ftetä nur ein SBerf» 
? eug in ben $anbcn feiner ffiähler ju bleiben. ÜDiefe oofljogen 

mit ber ftuffieflung eine« fo flehten Stynafien toie ©finther al« ©egen- 
IBnlg „fjo<$grabige geigheit" betoiefen. 

1) gür $u#ner« (VI, 16) Angabe, baß bie äurfürfien im (Sommer 
1348 *or ber 2)efignation bc$ 2Karfgrafen griebric* Subnrig bie Ärone 
angeboten hatten, geben bie Duellen (einen Inhalt. 

2) ©3hmtr*C>uber, Heid>Sfa<$en, Wx. 61— 64. 72. Über ©finther 
f. 3anfon, 2>a« Königtum ©ttnther* bon ©ch»arjburg, in $ifiouf<hc 
©tubien I, bef. 72. 81. 113 f. 



12 



«ofcH Hubolf* ton ber $falj. 



bic ffiatyt einjeln bur$ Utfunben am 9. ©egcmbet 1348 unb 
1. 3anuat 1349, tocrauf am 30. 3anuat 1349 bei granN 
furt bie Stimmen gefammelt unb ba« (Ergebnis betfünbet nmtbe. 
SWatfgtaf Subtoig, Crjbifc^of $einttc$ bon SWainj unb bie S3efi^er 
ber pfäljifc$ett©timme, bie ^faljgtafenWubolf unb 9fuptec$t b. 5., 
toaten fcietju petfönli# etfd&ienen, bie $etjoge <£ti$ b. ä. unb 
b. I bon ©ad&fen Ratten SWactytboten getieft. $ityoft bon 
Stein ^atte al« 83etttetet 8ubtoig« ©fintier am 11. Dejembet 
gelobt, i$m, toenn er binnen fec$« 2Bo$en gemäht toütbe, 
„ba« iL dttxä)", b. bie 9ietc$«I(einobe, auäjuantoorten 1 ). 

äufet ben genannten ftutffirften aber, bie biet ffia^t» 
ftimmen berttaten, bem ©tafen bon $ennebetg, ben ©täbten 
granffurt a. SW., griebberg, Staden, $atte ba« neue 9lei$*» 
Oberhaupt fo gut nrie feinen Stnfymg, unb »et bon einem 
folgen ©d&attenlönig etmattete, baß et ben mächtigen ?u$em* 
butget übertoinben toerbe, bei bem muß bet Sunfö jum JBater 
be« (Staubend geworben fein. ©er fetylimmfte ©c$lag aber 
traf bie toittel«bac$ifc$e Partei bon innenfcer, ba i$te (Einig* 
feit bie ffia^I nut toenige Soeben übetbauerte, traf fie nic$t 
nut mitten au« bet Partei, fonbetn mitten au« bet gamilie, 
inbem ba« unfeltge Crbftfid, ba« biefet gangen $etiobe bat* 
riföer ®ef$ic$te ben Stempel aufbrfidt, fi# toieberum geltenb 
machte. SRac^bem ftarl im gebruar am Wfytxn biete ©unbe«* 
genoffen, batuntet ftöln, gewonnen &atte, ettang feine über- 
legene filugfceit ben burdtfd&lagenben (Stfolg, bag fiel? SRubolf 
ton bet $falj bur$ ein <£$ebünbni« auf feine ©eite gießen 
lieg. 9m 4. ÜKarj toatb ju ©a$ara# bet ffifcebertrag be« 
bettoittoeten Äönig« mit Slnna, ber einjigen 5Eod>ter be« $falj* 
gtafen SRubolf, beuttunbet, unb toäfcenb bet föfyielofe SRubolf 
no# 1342 füt ben galt feine« lobe« feine Sanbe ben ©ö&nen 
be« ßaifer« berma^t fyttte (f. II, 455), fegte et nun feine 

1) Pal kenstein, Ant. Nordgav. II, 264. 1350 fcerjie$ St. Statt 
$ityolt unb beffen Setter Ulbert bon ©ollfhin, tt>a* fle gegen ba« 8fcei<$ 
begangen Ratten, ©iegert, $u>oltfietn, S3er$. b. $ift. 35er. b. £>6er- 
tfatj XX, 137. 




getbjug bcr ©egenfönige. 



13 



Softer al$ Srbin ein. Seicht fonnte fic$ ber Sujemburger 
barübet fcintoegfefeen, ba& biefe (&f)t für einige £c\t fein gute« 
35er$ältnt8 ju $atft Siemen« trübte, bcr i§m eben no# bie 
SBermctylung mit einer franjöflföen «JJrinjeffin angeraten $aite, 
ba nun ber alte ^tmefpalt jttnfctyen ber älteren unb iüngeren 
8inie be$ $aufeä SBittcWBad^ toieber auflebte unb Siemen fo* 
gar bie Slntoartföaft auf einen Seil ber Oberpfalj erlangte. 

9lie $at ein beutfäer ©egenfönig eine fo furje, fo toenig 
Kniglic$e 9Me gezielt toie ©untrer t>on ©$toar jburg , gegen 
ben nun Sari, Don feinem ©tymegeroater bereit« fräftig unter- 
fiüfct, im SR« ju gelbe jog, um leisten Irium^ ju ernten, 
©fintier famen bon feinen JBäfclern nur ^ßfaljgraf 9tuprec$t b. ä. 
unb (Srjbifdjof §etnrtc$, augerbem ©treitfräfte auö Springen 
unb ben SRetc$öftäbten ber SBctterau ju^ilfe. ÜRit biefer ÜKad^t 
fud&te er bur$ bie fflefefcung fiaftelä ben Sujemburger ju einer 
<£ntföeibung$[d?lactyt in ungünftige Stellung über ben SR^ein ju 
loden, trarf fidj aber, ba bie« ni$t gelang, na$ Sltmlle jnriföen 
Sßainj unb ©tngen, um biefeö bon ber ©egenpartei $cinri$S 
*>on SRainj bebro^te ©täbt^en bem <5r$bif<$ofe ju retten. §ie* 
bei toarb feine franffurtiföe 5Ra$$ut jurüdgetoorfen, unb att 
er am 15. SKai Sarlö {R$einübergang bei ffaftel ju ftören 
»erfülle, trug i$m bieö ebenfalls nur eine fleine @$lappe ein. 
SBei gltoiüe lagen fi$ bann bie ©egner im 2lngeft$t, ®ünt$er 
ftrategtfcty im Wactyteil, ba i$m bie {Rüdjugölinie na$ granffurt 
abgefd&nitten toar unb, roa$ noc$ fölimmer mar, ferner er* 
Iranlt, toie e$ febeint, bon einem ©etylagfluffe getroffen unb an 
ben §änben gelähmt 

äRit tyrem gelähmten $errj#et an ber ©Jrifee glic$ bie 
ü>ittel$ba$if#e Partei einem ®c$ad?foielcr, ber föon in ben 
erften 3ügcn beS ©ptel$ bie Königin eingebüßt $at. 3um 
jtoeitenmale toar bem Sujemburger bad ©lüct fo $olb, bafc 
i$m $art bor bem <5ntfd&eibung$fampfe ein ©<$lagflu6 ben 
©egner unfc$äblid> machte. £>enn toenn ein 9Mbtec$t bon Öfter* 
reu$ au$ als Cammer, ein 3o$ann bon 2)ö$men als ©tinber 

1) Severe« na<$ Annal. Eistett. 535. 



14 



(Mittler* a&banfang unb £ob. 



noch ÜJtacht unb Mnfehen behaupteten, fo fear ein ©egenfönig 
(Bünther &on @ch»arjburg mit gelähmten $anben ein Der* 
torener üRann. Subnrig (ann e« ntd^t oerbacht »erben , baß 
er auf bie ffunbe oon Oünther« unheilbarem ©iechtum auf 
ferneren ftampf berichtete unb nur etfte, ben Su«gleuh mit 
Äarl ju erzielen, ehe ber lob be« Nebenbuhler« feine 2Bag= 
fd^ate noch mehr erleichterte. Dagegen ift er faum gegen ben 
SBortourf ju entfchufoigen , bag er oon Anfang an berfäumte 
®ünther thatlräftig ju unterpüfcen. ©in tytborragenber 3***' 
genoffe *), fonft ber »itteWbachifchen ©a$e freunblich gefinnt f 
bejeugt, bafc bie 8Bittel«bacher bamal« toegen ihrer „Untreue 
am ftönige* getabelt mürben, ©eiche Iriebfebern ihre Unthatig* 
feit herbeiführten, ob fte burch »iubolf« »bfatl entmutigt, ob 
Subtoig ettoa burch befonbere (Srünbe in Zxxol jurüd* unb Dorn 
rheinifchen ftrieg«fchauplafce ferngehalten mürbe, bleibt im Dun* 
lein. 9?a$bem biefer gürft mit feinen ©rübern in üßünchen, 
toie cd Weint, eine Suäföhnung mit ftarl ertoogen ^atte, er- 
fchten er ohne $eer im Sager be« Sujemburger« cor filtbtüe, 
um oon bort al« Vermittler bie $rieben«bebingungen in ba« 
Sager feiner SJerbünbeten ju tragen. 

©ünther tourben al« $rei« feiner «bbanfung 20000 SHarf 
©über, al« $fanb bafür ©täbte unb einfünfte be« {Reith«, 
allen feinen Anhängern toarb SImneftie bennUigt. SBenige {Bochen 
nachher (14. 3uni) ftarb ber ©chtoarjburger in fjranffurt; ben 
auftretenben S3ergiftung«gerüchten »irb mieberum fein Olauben 
gu fchenfen fein, urietooht bteämal ihre ©eftimmtheit unb Über* 
einftimmung merftoürbig ift: nicht nur ber Sag ber Ztyit toxxh 
genannt (9. Styril), n *ty nur ^r Ätjt, greibanf oon geringen, 
burch ben bem Sönige ber giftige Iranf gereicht toorben fet, 
fonbern e« toirb auch berichtet, baß greibanf, gelungen, au« bem 
überreichten Secher felbft ju trinfen, toenige Sage barauf ge* 
ftorben fei; in ber Zfyat batiert fein £eftament, ba« erhalten 
ift, oom 15. Styril. 5)och mag eben ba« 3ufammentreffett 



1) Math. Nuewenburg. 273. 



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2>ie ©ertrage öon ttftffe 15 

feines lobe« mit bem feine« §etrn in ber balb barauf burch 
^ßeft x ) unb 3ubenöerfolgungen entjünbeten S3olf«p$antafte bie 
SBeraiftung^fage hervorgerufen §aben. 

®a& ber 2BUtel«bacher ©untrer wm SInfang an nur att 
ffierfjeug betrachtete, ihn nur behalt iU ©egenfönig aufftettte, 
um burch beffen $rei«gebung fpäter 3ugeftänbniffe ju erlangen, 
btefe Äuffaffung toirb allerbing« burch ben (Sang ber Dinge 
na^e gelegt unb burch ben Umftanb unter ftüfet, ba§ er bie 
SReicr)$fleinobe, nact) ben Slnfc^auungen ber £eit einen ©chatä, 
mit beffen Angebot fich viel erretten lieg, nicht an ®ün*her 
auslieferte. 92a ch biefer Dichtung ein beftimmte« Urteil über 
ßubfotg au«jufarechen toirb man fich gleichet hüten müffen. 
Stuf toettfehauenbe Jrinterüft feine« Sharalter« beutet fonft fein 
3ug feine« geben«, feine Unthätigfeit toie bie gefthaltung ber 
SReich«fIeinobe fann auch burch ben 2lbfaü 9tubolf« oon ber 
Vfalj unb bie balb unoerfennbar geworbene 2lu«fid?t«lofigfeit 
be« Kampfe« erflärt ©trben. 

3m ®runbe toaren e« nun mehr unsere ^Besprechungen 
al« ernftliche SBorteile, mit benen Öubnrig im Säger ton Sltoille 
»on feinem fd?lauen Oegner abgefpeift toarb 2 ). Sari verbrach 
auf feine ?öfung öom Kirchenbann hinjutoirfen unb berichtete 
ju feinen ©unften auf lirol, Kärnten unb bie SBogteien über 
Orient, Slquileja unb Srifen. £>ort im ©üben hatte Subtoig 
»or turpem feine Stellung beträchtlich uerftärft; am l. 3anuar 
1349 mar ihm burch 33crrat ba« fefte biftlßfc ©chlofc S3uon* 
confil unb hiermit bie com ©chloffe beherrfchte ©tabt Orient 
famt ben Skiern 9ion«berg unb 3ubifarten jugefaüen. 3m 
folgenben 3ahre getoann er baju ba« obere SJalfugana, auf ba« 
bie Sarrara, bie Herren öon ^ßabua, im grieben«oertrag t>om 
9. Oftober 1350 terjichten mußten 3 ). Karl erflärte ferner 

1) @e(*8 Söot^en ttad& ©iintfcrS £obe brac$ bie $ef! in granffurt 
auS; Könige r, ®er Wtoarje £ob, 19. 85. 

2) »gl. Sanfon, 88-97. 

3) ®gt. (Sgger, ®cfc$. Tirols I, 383; Ärabrosi, I vescovi di 
Trento e l'invasione di Lodovico di ßrandemburgo nel Trentino, Archivio 
Trentino VI (1887), 237. 241. 



16 



2>ie Qerttfige bon Ctt&itte. 



(26. SRaiJ, mit bett $erjogcn von ©aiern au«geföhnt ju fein 
unb betätigte ihnen ade ihre gfirftentümer, Sehen, Freiheiten, 
©ürben unb Privilegien, bie fte Don früheren flönigen erlangt 
Ratten, ohne ieboch biefe gürftentfimer unb {Rechte namentlich 
aufzählen unb ohne ßubnrig ben Xitel eine« SKarfgrafen von 
SBranbenburg )u gewähren. Offenbar toar ber ©eftfitigung** 
brief abflchtlich fo unbeftimmt gehalten, »eil fleh ftarl in ber 
branbenburgifchen grage nicht ju eng binben tooßte. SBa« biefe 
betrifft, verpflichtete er fleh nur, ffialbemar unb beffen ©unbe«* 
genoffen innerhalb ber Äftmarf unb Heumar!, auch in ber 
Sauflfc, bie er fleh felbft hatte abtreten laffen, nicht gu unter* 
ftüfeen 1 ). <£r überließ e$ alfo ßubtvig, mit feinem gefahrlichen 
branbenburgifchen ©egner, ben er übrigen« fogar in biefer 
Urfunbe al6 feinen lieben @<htoager unb gürften bejeichnete, 
fertig ju »erben, befchränfte fleh auf bie 3 u f°8* b*n lefeteren 
nicht ju unterftüfcen, verftanb fleh ieboch nicht baju, Submig ju 
bem bevorftehenben Kampfe burch bie Snerfennung feiner SRarf* 
grafentoürbe bie Unterftüfcung ber föniglichen Autorität ju ge* 
toähren. Dagegen erfannte Subtoig ben Söhnten als römtfehen 
Jtönig an, gelobte von ihm binnen gtveier SKonate nach ^r 
SWahnung feine 2e$en ju nehmen, ihm bie ©trage burch lirol 
}u öffnen unb feinen ©urchgug ju fBrbern 2 ). ©enn ftarl ben 
©itteWbachern Aufhebung ber Äirchenftrafen ermirfen »erbe, 
verfprach er ferner, vier ffiochen nach beffen Wüdfehr von »vignen 
bei 95ermeibung feine« Ctnlager* in ©uljbach bem flönige bie 
9ieich$fleinobe auäjuanttoorten. ffi« erleichterte bie Shtfföhnung 
ber ©egner, baß um biefe 3*'* auch eine unerläßliche 93or* 
bebtngung für bie Approbation von ÜubtvigS (Sh* erfüllt, baß 

1) €5. €>tein$erj unb SGBeijfScfer in ben SRitteilungen b. 3nfl. 
f. 5|lcrr. ®ef*. VIII, 105 f. 302 f. 611 f. fcafi Äarl bamal* Submig 
insgeheim atö SWarfgrafen bon Qranbenfturg anerfannt habe, n>ie «Stein- 
$erj annimmt, glaube i<$ ni$t, totetoohl biefe Annahme in t>. 3>ieflen- 
hofen eine getoifie ©tflfce pnbet. 

2) Riedel, Cod. dipl. Erand. 11,2, 252. 253. Ob baneben au* 
$einri<W t>. 2)ieffen$ofen (73) 9Ga<$ri<$t, bie ©aiern $fitten bem Äönige 
mit 500 Welmen in ber Sombarbei ju bienen toerft>ro<$en, richtig ift, Mei&e 
bahmgcftfflt. 




vuotoiß in uiacöcn. vctat yteioungen. 17 

bie ©chetbung be« ?ujemburger« 3ohann §einri<h öon SWatv 
garete ÜWaultafdh, toöju im ©ejember 1348 pctyftliche 33oll* 
macht erteilt toorben tt>ar, boüjogen tourbe. Hm 25. Sunt 
beurfunbete Öubtoig ;u granffurt feine unb feiner ©rüber t>ott- 
ftänbige StuSföhnung mit bem Könige, unb als biefer trier ©oc^en 
barauf in Slawen (tt>o ba« treiben ber (Setter ben Grinjug 
ber gürften geraume §0 berjögert ^atte) pm jtoeitenmale 
gerront roaro, iuopnre ^uonng ais aPcarrgraj öon suranDenourg 
ben geierlichfeiten Bct. 3toifchen ihm unb bem üßarfgrafen 
bon 3ülid> erhob fich fym ein ©treit über baö SRecht, ba« 
löntgliche ©echter aorptragen. Die dürften entfdjieben, bei 
ber Krönung ftehe biefe« SKecht bem Söranbenburger, toenn ber 
König 9teich$lehen erteile, bagegen bem 3ülicher ju x ). 

3nbeffen bebeutete ba« (Slttriller Slblommen bodh ni<$t mehr 
ai0 etne ausfrunft für Den viugenDitct, oas gure ietnoernepmen 
jmifeben ben früheren ®egnern toar im ®runbe nur äugetttc^ 
^ergefteüt unb mürbe balb toteber getrübt. Unerbittlich ver- 
harrte ber tyap\t in feiner geinfcföaft gegen SBiitelSbad) unb 
fühl ablehnenb ^atte er (18. 3uni) auf ba« (Srbieten be§ König«, 
ben äßarfgrafen Cubtoig jur Sluöfö^nung mit ber Kirche nach 
Sbignon ju führen, geantwortet. SBenige £age nach Karls 
Krönung fah fich Subtoig bereit« wanlaft, toegen ©eeinträch* 
tigung feiner föchte burch ben König bie Kurfürften anjurufen. 
Diefe erflärten (11. 2lug.), ba§ Karl, nachbem er bem üftarf* 
grafen alle feine Freiheiten unb SRe^te, toie fte ihm Kaifer 
Cubtotg terfchrieben, beftatigt habe, in feiner Sßetfc bagegen 
$anbcln bürfe. Die« bejog (ich auf ben föntgli^en ©eftätigungö* 
brief t>on @ltotße unb feht toahrfcheinlich auf bie üttarf fflranben* 
bürg. Such burch ben Spruch ber Kurfürften lieg fich Karl nicht 
abhalten, bort ben neuem feinblich gegen SBittelebad) aufjutreten. 
Sßährenb er bie eine $anb bem fcerföhnten ®egner an« ^ctj 
brüdte, toinftc er ihm mit ber anbern fd)on hinter feinem SRücfen 
tuteber einen geirb gerbet. 2(m 14. Suli Ratten ju Slltlanbäberg 
bie ©täbte unb (Sinmohner ber 9Karf mit ?ubtoig unb feinen 
örübern fcerabrebet, fie moflten ihnen gehorfam fein, foürie Karl, 

1) ÄnnaL Eistett, 536. 537. 

fftteiler, ®e'$i*te Sniern«. HL 2 



Jtrieg in ber SWarf; HMommen ju ©anjcn. 



i 



an bett ton beiben Letten ®e[anbte ja föttten feien, tyuen et* 
ttöte, baf et mit ben ©itteWbacfcrn tetftynt fei tmb bag biefett 
©ranbenbutg verbleiben foöe. Statt beffen erging tom ftönige 
am 16. Sfaguft an bie ©ntoofrier bet SJlarf tmb aOe Wdifl* 
ftfabe bie Änffinbigung, baß et mit ©albemat att SJlatfgtafen 
anetfenne. SJKt neuet $efttgfeit entbtannte nun bet fttteg in 
bet SJlatf, too na$ bet Äbteife be* älteren SBtubet* bet neun* 
je^njä^tige fiubtoig bet Börner bie Oberleitung übernommen 
$otte, nnb toietoo$t bie ©ItteWbadfret tom ftönige ©albemat 
von Sfönematf, bem Subtoig b. 5 1340 )ut Erlangung 
feine« 2$tone* be$ilfTt$ getoefen toat, ton ben $etjogen ton 
©taunfc$toeig • Sünebutg , einigen (Sliebetn beö pommerifc^en 
f$ätften(aufe«, bem gfltften SRifolau« ton ffietle unb bem 
®tafen Otto ton ©(fctoetin untetftfifct toutben, jogen fte an* 
fang« ben fßtjetn. Der $etjog ton SHedlenburg braute im 
©pfitfommet bei Dbetbetg Subtoig bem dfömet eine empfinb* 
lu$e SWebetlage bei; bem iugenblid&en ©ittettbadfct felbft ge* 
lang mit 3Jlü$e bie glud&t. 3m 9lotembet fam bet ältere 
öibtoig toiebet in bie SJlatf unb getoann feinem $aufe einige 
verlorene Än$änget jutüd, erhielt au$ ton ftönig ftafimk 
ton $ofot ein $Uf$tetfptet$en. ftöntg SJlagnu« ton ©$toeben 
toatb bann att Vermittler angerufen, ju ©premberg toutben 
(2. gebtuat) Untetfrmbfangen eingeleitet, eine ftuäeinanbet* 
fefcung bet ©ittettbac$et mit tyten notbbeutföen (Begnetn 
fc^ien na$e ju fte$en. 

$iebut# bebto^t, eilte ftatl na$ bet SJlatf unb einigte 
fi$ mit Subtoig auf neue SJerfcmblungen ju Saujen. 3n 8n* 
toefenfait be« ftönig* ©albemat ton Dfinematf, be« $eraog« 
6tic$ ton ®a<$fen*8auenbutg unb anbetet greunbe bet ©atern 
unb unter Vermittlung be* ?faljgrafen 9Juj>te$t toatb bort 
(U. bi« 16. gebtuat 1350) ein neue« Sbfommen beutfunbet, 
neben toel$em bie ClttiHet Verträge äuget Straft treten foflten. 
3efct enblic$ entfölofc fi$ ftatl jut $rei«gebung be* fal* 
f$en ©albemat. (St lub t^tt auf ben 4. ttpril na# SJlütnberg *) 

1) Dort fera* an* (17. tyril) Waljgraf «m>TC$t att e$icWri$tet 




2fu«fö§nung bet ©üteiebat$er mit Äarl IV. 19 

unb bort erftärte ein Prftengeri^t unter bem »otfifce be* 
Äöntgä feine Uned>t$eit. ©c$on in SBaujen aber (16. gebr.) 
belehnte Sari Subtoig ben ©ranbenburger, Subtirig ben SRömer 
unb Otto mit ©ranbenburg, bet iDtarf SanbSberg, aw$ bet 
Saufifc, bie ber falföe SÖBalbemar an ©ö^men abgetreten $atte. 
Sr betätigte Subtoig b. ä. unb feinen örübern aut§ bie beiben 
Äurftimmen toegen S3ranben6urg8 unb ber 9*$einpfalj, belehnte 
t^n mit £irol unb fogar mit fiärnten unb berfyracty ba$in 
ju »trfen, bafi bie 3öitteläbac$er bis 3Ki#aeli$ mit ber £ir<$e 
&erfö$nt toürben. Dagegen fculbigten bie beiben ?ubtotge bem 
Könige, oer^teien auf bie Sanbe SBaujen unb ©örlifc, bie fdjon 
burd> Äenig 3o$ann für Siemen in Söcfift genommen toaren, 
unb übergaben (12. äRärj) einer ®efanbtf$aft ÄarlS bie 
fett 1323 in Süiünd&en betoafcrten SReic&öfleinobe, bie nun in 
feierlicher ^rojeffton na# $rag übertragen nmrben *). 3#re 
ßntfernung au$ ber bairiföen $auj>tfiabt toar gleictyfam ber 
tefete, färmlidje 33erjic$t auf bie gü$rerfc§aft im {Reiche, bie 
Subtoig beröaier feinem $aufe errungen fcatte. $er$og ©tetfan 
$atte fidj fc$on einige SEBo^en oor bem älteren ©ruber mit 
Äarl auägefitynt unb oon btefem am 8. 3anuar 1350 bie ©e* 
ftätigung feiner §errföaften erlangt unter ber ©ebingung, baf 
er fie auf SDla^nung binnen fe$$ Socken ju ße$en ne$me s ). 

©ä^renb ba$ £au$ XBttteUba^ fo raf$, bo$ ni#t rafd&er, 
als bie ©eBred&lk&feit ber ©runbtagen erwarten lief, feinen 
be^errfäenben ©nflufc im 3?ei<$e einbüßte, tourbe S)eutfölanb 
oon einem Übel jerfleiföt, ba$, auff^rectenb tote ein furcht* 
bareä Dro^mort au$ anberer SBett, jeben polittfd&en ©treit al« 
Ileinli^eö ©ejänl erfreuten ließ. Steine ber grofen ©ot!«* 
frantyeiten, toeldje im SDfittetalter fo häufig bie ©efcölferung 
niebermä$ten, $at j<$redlic$er getoütet al$ „ba$ gro&e ©terben", 

2>onaumött$, baS Äarl an« 9fcci<$ gejogen $atte (»gl. feine Urt. b. 1348, 
SDfat 26.), toteber ben oberbairiföen ©er&ogcn ju. 

1) »gl. au* bic ttlt b. 10. fiMhr) 1350; M. B. XXXVb, 92. 

2) ©t.-H. ©er »eitere 2luSgtci<$ bom 10. 3uni 1350 (ttd^tfft&n 
9tr. 131) förint (1$ meljr auf na<$barli<$e 3rtungen ju bejie&cn. — 2118 
©tepfcmS früherer (Srjte^er toirb 1346 ein SHagifter ^einri*, ber bamal« 
auf bie Pfarrei Äaufbeuren berai^tete, genannt. M. B. XXXIII b, 134. 

2* 



20 



2>a« große ©terben 



beffen Änbenfen ber Decamerone lebenbig erhält. 1346 fear biefe 
©euc$e, eine bur$ Sungenaffeftton au«gejeic$nete ©eulenpeft, &oö* 
fommen übereinftimmenb mit ber heutigen inbif<$en ?eft, au« bettt 
Orient an bie ffüftenlänber be« öftlic^en SDlittelmeere« eingefeuert 
»orben. 3ta(ienif<$e Skiffe trugen fte na$ 3talien unb ber 
$rot>ence, &on ti>o fie Qflmä$Ii<$ na$ Horben unb SBeften um 
flTtff f begünftigt bur$ bie allenthalben fcerrfäenbe Unfauber* 
feit, ben gänjli$en ÜJtonget an $tyjientf($en SBorfe^rungen, in 
ben ©täbten flberbie« bur$ bie ®ebrängt$eit ber ©eitölferung. 
ß« toirb anföauluty gefcftlbert, toie brei *fc$auerlt# inßjierte*, 
mit ©pejereien belabene ©aleeren au« bem Orient in ben 
$afen Den ®enua einlaufen roottten, rote fie bie Oenuefer mit 
geuerpfetten jurfidtrieben, t»ie bann eine« ber ©d^iffe in ÜÄar* 
feide lanbete unb bort ba« Unzeit verbreitete, Slnfang« «pril 

1348 urirb ba« auftreten ter $eft in glorenj, am 2. 3uni 
in Orient, im Df tober im $uftert$al, auf ber hochgelegenen 
ffiafferföeibe jioifdben Drau unb Wienj, um 9Ri<$aeli« au# 
f<$on in STOitylborf *) toerjetynet. 3n ©aiem »arb fie atfo, 

1) 3>a bie forungtoeife ©etoegung ber 3nfeftion«franf$eiten notorifö 
ifl, totrb man faum berechtigt fein, biefe« 2>atum ber Annal. Matseens. 
(Script. IX, 829. 834), be« bea$teu«tt>erteften ©erlebte« an« ©aiem, in 

1349 jn änbern, toie $8niger in feiner trefflichen €tyrift „$>er fötoarje 
£ob in 2>eutf*tanb", 1882, @. 16 t>orfd)lfigt. fcöniger bat jwar felbft 
(©. 178) (einen 3 weifet an ber 9H$tig!ett be« 2>atum« jurfidgenotmnen, 
bo<$ nur auf Qrunb eine« SDMßberftönbniffe«, ba er bie freiflngifcfc $of* 
mart 3ni$ingen, too bie Äreujt^at^ube ettoa feit 25. Oft. 1348 infolge 
ber $eft ertebigt »ar (Pont rer. Anstr., Dipl. XXXV, 288), in ber 
$egenb ton greifing anftatt in 3nnt$en im ^uflertbale fu$r. 2)iefe 
Sage ber J&rtlfcWeU ma$t bie Url. befonber« mertofirbig, ba fie beweis, 
baß bie ?eft bamal« au<$ in $ö$m ton 3- 4000 gufi auftrat. <5« 
mirb babur<& ein3engnt« be« ©ttrjburger« TOic^acX &om Dörnen (Böhmer, 
Font. I, 473) beftötigt, teonafl bie $8$en ber «tyen nt$t berföont 
blieben. $3on bairiföen ©ersten f. femer bef. Annal. Eißtett. 561; 
Chron. de dueibus Bavar. (Böhmer, Font. I, 145); 9iegen«burger 
@tabt<$rout! (gre Imberg V, 85. 86); Annal. Ensdorf., Scr. X, 7. Sgl. 
an$$uber, «egeflen Äart« IV., e. 534 u. «eid)«fad)en, 288a; $ecfer- 
$irf$, 2>ie großen »olttfranfbeiten be« SNittef alter« ■; $fifcr, ©ef<$. 
ber e)>ibemif$en Äranfbeiten *. 2>ie Benennung: @<$tt>arjer Zclb tau$t 



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l>on 1348-1351. 



21 



ttrie e$ föeint, juerft au$ Stirol ben 3nn entlang, auf biefer 
bamalö noch belebten SBerfc^röfttagc etngefd^let>)>t. dagegen 
foll fic bann nach ^affau t>om Dften h« gelommen fein. SBöh* 
tenb be$ 3ahre$ 1349 $crrf#te fte in ö™3 ©übbeutfchlanb, 
nur Oftftanfen unb ööhmen fd^einert im toefentlichen terfchont 
geblieben ju fein. 1350 erreiche bie ©euche auch ben Horben 
be8 9?eich$. Aber auch au$ SRegenöburg toirb baS auftreten 
ber feft erft fcon 3a!obi 1350 batiert. $ter $eift eö, bafe 
bie äBenfchen, beren £)rüfen anfchmollen, am britten läge 
ftarben ; anbera>ärt8 berichtet man, bafc fech$ bis a#t Sage Don 
ber (Srfrantung bis jum £obe öerftrichen. Die 3a^t ber Opfer 
toar entfefelich grofc, toenn auc^ ®o$toin toon SWarienberg *), 
(einem ©iifte, mo bie Sßeft bis auf fcier 3nti>ohner aHe$ weg- 
gerafft hatte), gewaltig übertreibt mit fccc Angabe, in lirol 
unb ben umltegenben Räubern fei !aum ber fechfte Seil ber 
SDtenfchen am Seben geblieben. Slofter Äaiö^aim uerlor binnen 
mer 3Bochen 22 feiner Angehörigen 2 ), in 2Rü$lborf regnete 
man 1400 £obe$fäüc nur auf bie Angehörigen ber befferen 
©tanbe, in «tßaffau täglich im £)urchfchnitt 150 biö 180, eine« 
Sage« 270; in ÜJiünchen, Sanböhut unb anberen ©täbten litt 
bie ©eöölferung unerhörte SSerlufte unb tiefe SKieberfaffungen 
Jollen bamalö »eröbet fein. 

Sangfam föleichenb, nicht tote ber apofafyptifche SRetter ein* 
herfaufenb, nahm bie $eft ihren SBeg. SSorauö aber eilte 
ihr bie aufgeregte Angft einer Sinbitbungötraft, welche feine 
naturtoiffenfchaftliche fienntniö in ©chranfen h^lt, unb burch 
biefen panifchen ©freien, burch ihte Unfähtgfeit, bießrfcheinungen 
ber SRatur richtig aufjufaffen, burch »flften Aberglauben unb 
religiöfen ganatiämuS bereitete fich bie SKcnfchheit ju ben 

erjt 100 3a$rc foSter auf. ©. Seiner, 2>aS große ©terben in 2>cutf$- 
lanb i. b. 3. 1348-51, @. 9. Seiner« «e^auptung aber (©. 39), bafj 
ber tceitauS größte Xeil ©aiern« öon ber ©euefce toerfäont blieb, toirb 
bur<$ bie oben genannten Duellen, bef. bie ättattfeer 3ahrbü<$er, at« 
$attto8 erliefen, 

1) Ed. ©^nufcer (Sirol. ©cWitySqueu'en II, 135). 

2) ¥ reger, @efä. b. beut Wen äRofu't II, 305. 



3ubent>erfotgungen. 



unabtoenbbaren neue unb felbftt>erfd^ulbete Seiben. 3 u «ft in 
©fibfranfreicfc $atte man fic^ ba« <Sntfte$en bet @eu#e bo» 
bur$ evtl&rt, bag 3uben bie ©runnen Dergtftet Ritten. ©on 
bort, an Dielen Orten früher auftretenb aW bie Urfacfce, Der* 
breiteten fi$ ber finftere ffiafyt unb bie furchtbaren ©erfol* 
gungen, bie er mit fid^ führte, bur# ©aoo^en, ©urgunb, bie 
©c^toeij unb ©<$toaben na# ©aiern. 3m Dejember 1348 
tpurben in SanMberg bie 3uben Derbrannt 1 ). 3Rfin$en, ba* 
erft oor loenigen Sauren einen Kuflauf gegen bie Suben erlebt 
$atte (©b. II, 525), ©algburg, ©raunau unb oiele anbere 
©töbte tourben gu @<$aiq>läfcen ber graufamften 3ubenDerfol* 
gungen. Die UngKWHk&en mürben 9 Derbrannt, erfölagen, jer* 
f^nbten ober auf bie mattnigfa$fte anbere Ärt $ingefc$Ia($tet 
unb gemorbet", an einigen Orten überlieferten fie ft# felbft 
bem glammentobe, um no# fölimmerer üRarter ju entgegen. 
8u« {Braunau erfahren tpir nähere« Aber ba« ©olttgerebe: 
bie 3uben Ritten giftige Stiere ju $ulDer jerftofen, ba« $uloer 
in ©äd#en gefüllt unb biefe in ba« ffiaffer ber ©runnen unb 
Quellen getoorfen; al* man bie ©runnen au0fd^5f>f te , feien 
fol$e @ä<fc$en, gtoei ginger lang unb ebenfo breit, gefunben 
toorben. 3n biefer (Segenb fielen au$ ßfriften au« angefefanen, 
ia oowefynen gamilien bem ©erbaute ber ©runnenoergiftung 
jum Opfer. Sine rü$mti$e »uänafrne unter ben bairifc^en 
©täbten bilbete nur Wegentturg, too bie 3uben (3. Oft. 1349) 
Don ber ©tabt einen ©efrtfebrief erlangten unb ebenfo tote in 
£)fterrei$ gefront tourben. 3u$ bie $erjoge Subtoig unb 
©tepfan er Härten, fie tofirben bie SRegenSburger 3uben Don 
tyren Untertanen ni$t fc^äbigen laffen s ). 

Dagegen in ben bairiföen $erjog«lanben felbft fanben bie 
3uben bei tyren 8anbe«fürften leinen @$ufe, totetoo&I tynen 
Subtotg bei feinem {Regierungsantritt folgen oerft>ro<$en $atte, 
unb nac^bem ber Dernid&tenbe ©türm Aber fie ftmoeggebraufi 

1) $eluri<$ D. 2>ieffest^ofen; Böhmer, Font IV, 69. 

2) ttegenflb. Gfcron. bei Bremberg V,85; 2ubtoigb.8ranbesib.222; 
fi. B. VHI, 176, unter 2. Hob. 




(Srbbeben. 



28 



fear, Beeilten fi$ bie $erjoge, bie Jrinterlaffenfchaft bet ®e* 
morbeien an Barem ®etbe, @$mu<ffac$en, $fänbern unb ©<huflv 
Briefen emjujiefcn. 3n ©ranbenBnrg lief ÜJiarfgraf Subtoig 
an einem Drte 3uben berBrennen unb ihr S3ermSgen eingehen, 
an anbeten ^intoieberum nahm er fie in feinen ©dfrirm unb 
ermächtigte fie fogar frembe ®lauBen$genoffen Bei fich aufju* 
nehmen 1 ). Die Iriebfeber biefer begebenen SDiagregetn »ar 
$ter tote bort finanjieller (Sigennufe. SWertofirbigertoeife toarb au<h 
in ©aiern fd&on nad^ ein paar Sauren ber SRangel an gelbau*' 
letyenben ftapitaliften fo fchtoer empfunben, bag fleh $erjog 
fiubtoig ju neuen ®unftBe»eifen für bie 3uben genWigt fah- 
Siach ©eijk^ttng feinet State« Bef<h&>6 unb ertlärte er (17. 3uni 
1352) in (Srmägung „be* (SeBrechen* um (Selb, ba« feit ber 
3eit, ba bte 3uben öerberBt »orben, überall im Sanbe jtoifchen 
Keinen unb Hrmen getoefen fei", bie Guben ju formen, bie 
fortan in feine 8anbe stehen toollten. Denen aber, bie fchon 
Dörfer bagetoefen unb Bei ber Verfolgung gefchäbigt »orben 
feien, marb fogar bie Befonbere ®nabe jtoeijahriger ©teuer* 
frei^eit erteilt. &ux {Regelung ber ©chutbberhältntffe erging 
bann (29. 3uni 1352) bie »eitere Verfügung, bag alle Batet* 
fd&en ©chulbner ben Ouben Binnen acht SBochen ihre ftapttal* 
fchulben, toenn fie aber biefen Dermin berffiumten, üBerbie« 
bie rüdftänbigen 3tnfen ju entrichten Ratten *). 

«nber* aW ber fanatifche $56el erflfirte fleh bie $eft fton* 
rab t>on SWegenBerg, ber bamate in 9tegen«6urg an feinem 
Suc^e ber Statur f$rieB. 3n ftämten hatte im 3anuar 1348 
ein heftig^ SrbBeBen S5iflach unb mehrere Surgen in krüm- 
mer gelegt. Sine Hufjeichnung au< SBet^enfte^^an Berietet, 
bag biefelBe Crberföütterung, Jebo$ *>on fchtoächerer ©etoalt, 
in ©aiern berfpftrt tourbe. SBi* in ben ©ommer 1349 folg* 
ten Heinere ©iöge, eBenfall* Bis fiBer 5Regen*Bnrg nach ©aiern 
hinein fich fortyflanjenb, too fie fiBer merjig Zage toö^rten, 

1) gte^Berg, Sutomg, 151. 152; Biedel, Cod. dipL Brand. XIX, 
223; XI, 409; XXIV, 48. 50. 

2) Xu« Privileg. XXV, 22. 195 im 91.-8. (ei Sttgenheim, 9ef<h. 
b. bentf<hen Dottel III, 285. 



24 



$eft, Crbbe&en unb (Beijjler. 



ofyte Jebo$ namhaften ©cfyiben ju &erurfa<$en; in 8tegen«burß 
tourben Bittgänge beranftaltet. SRegenberg nun jtoeifelt nu$t, 
bafc $eft unb (Srbbeben, tme fie jeitli# jufammenfielen, fo au$ 
auf biefelbe Urfacfce, nämlty auf giftige ®afe, bie au* bem 
3nnem ber ffirbe auffliegen, jurfifljufü$ren feien *). 3n gertn* 
gerer 8u6be$nung ift bie $eft in ben Sauren 1357, 1358 
unb 1369 triebet aufgetreten unb unfer 9legen*burger SRatur» 
forf($er toarb too$l in feiner Äuffaffung beftärft, att bie ©eudfre 
1357 normal* mit Crbbeben jujammentraf. *). 

®lei$ ben toieberaufflammenben 3ubenmorben fte$t au# 
ba$ ffiieberaufleben ber ®eigelfa^rten in ftaufal)ufammen^ang 
mit ber $eft, unb tote jene* ©fiten gegen ben Stöiftten ift au$ 
biefeä gegen ben eigenen Körper ber ©eu$e vorausgeeilt, ba 
man bur<$ biefe SJufcfibung ®otte* 3orn ab&enben tooUte. 
„9lu Sebent uf bie ümem $enb, bajj ®ot bajj grojje Sterben 
menb!" Reifet e$ in einem ber ®ei§Ierlteber. Unb SDiarien« 
gttrbitte bei (S^riftu* toarb bon ben ®et|lem angerufen, „ba& 
er und IM' Don aller 9iot unb behüte oor bem gafcn £ob". 
(Sinen allgemeinen Äufru^r ber Statur glaubte man bamalfl 
ju fe^en unb fo kourben au$ bie Crbbeben in ben ©ei&ler* 
liebern betont: *$)ü flrrb erbibemt, jercliebent bie ©taine" *). 
ÜDa| aber biefe* p$antaftifc$e treiben normal* aufleben lonnte, 
erfäetnt um fo begreiflicher f ba f$on oorfcr ®eijjlcrbruber> 
föaften mit regelmäßiger ffiirtfamteit beftanben. 3n Irient 
j. 93. ^ielt eine foldpe ©ruberfc^aft monatlich einmal einen 
SBufjurnjug bur$ bie ©tabt; tyre ©tatuten finb t>ox 1340 
abgefaft 4 ). Unter bem Sinbrud ber $eft unb an manchen 
Orten trieUeity oon berartigen totalen Serbrüberungen au*» 

1) Meichelbeck, Hist. Fris. IIa, 150; (Semeiner, Rcgen«b. 
gfron. n, 54; St. ». SRegeuberg, »u<$ ber SRatur, ed. Pfeiffer, 
109. Stadfr $ugo t>on Reutlingen (gorfäungen XXI, 49, ». 141) Be- 
leihet Cerberbni« ber $uft alft Urfacfce ber $efl. Sbenfo baft ©utatyen 
ber $arifer gafultft ($ön ig er, 153. 154. 161). 

2) ttegettftb. Gfcroui! a. a. O. 86. 

3) öeifjlerüeber bei $ugo ». Reutlingen a. a. D. 59. 55. 60. 

4) Ed. e $neller, 3eitf$r. b. gerbinanbeum« XXV, lf. 




Sic ©eißler. 



25 



ge$enb, gewann nun bie ©itte außerorbentlic^e SSerbreitung, 
eine toett ausgebeutete als im 3a$re 1260 (»gl. ©b. II, 
223). 9la$ ©aiern fc^etnt fie ft# »an Dfterreid; au8 öer* 
j>ftonjt p $aben, too bie ©eißelfafcrten com $erbft 1348 
bi$ Dftern 1349 mähten. 3n ©<$aren ftrömte überall ba« 
33olf ju bem aufregenben unb toectyfel&ollen ©cfyaufpiel, ba$ 
bic befreujten ©üßer burcty ifcre nad? feften Tonnen ö erübte 
©elbftyeimgung boten l ). ÜWan erjagte fi#, baß fic nie in 
2Jetten ^liefen unb in feiner Pfarrei me$r al« eine Sftactyt 
teilten, ftütift, toenn bie ©eißein fidj fenften unb bie ßieber 
oetftummten, er$ob fidj einer auö bem Sreife ber SBüßer unb 
laö ein ©^reiben oor, beffen 3nfcalt in 3erufalem bur$ einen 
ßngel oerfünbet toorben fei. £>arin offenbarte ß§riftu$, er fei 
bur# bie ©ünben ber SBelt beleioigt, foerbe aber auf JBttten 
ber ^eiligen Jungfrau unb ber ßngel ©nabe ioatten laffen, 
toenn bie üWenföen fidj breiunbbreißig unb einen falben Jag 
lang geigelten. Senn fie ben ©rief lafen, erjagt Stofener, 
bann $ob fidj ber größte 3ammer oon bem Sßolfe, benn alle 
glaubten an feine 2öa$r$eit. S3ejei$nenb für ben 3ufammen* 
£ang ber ©eißlerfa^rten mit ber ^ßeft ift, baß ber ton ben 
©eißlern fcerlcfene ©rief am ©$luffc eine ©$ilberung ber 
^eftfomptome unb eine äntoeifung für btc ©c^anblung ber 
sßeftfranfen enthielt. 

SEÖer einer ©ußgenoffenföafi ber ©eißter beitrat, mußte 
ben ©afcungen ber Säfleifter ©e^orfam geloben unb ben s Jiadj= 
toeis erbringen, baß er gebeichtet $abe, bic 3ufttmmung feiner 
grau befifce unb tägltdj minbeftenS fcter Pfennige ausgeben 
fönne. ©o bei ben in ©traßbnrg eingesogenen fdjtoäbiföen 
©eißlern; oon anberen aber ^ört man, baß fie Sllmofen nahmen, 
roie überhaupt i$rc ©etoo$n$eiten nic^t allerorten bie gleiten 

1) «ef . Mathias Nuewenburg., Böhmer, Font. 1 V, 265 ; <£ l o f e n e r , 
©t.-<£&r. VIII, 105 f., unb bic <5&ronit £>ugo« t>. Remlingen 51—61. 
SÖon bairiföcn glei^jcitigen 23eri$terfiattern nur Annal. Eistett. 561, 
»on jüngeren SlnbreaS fc. SRegeußburg, Pez, Thes. IV c, 577. SSgt. 
aud)$uber, Heg. Äarl« IV., ©.535, unb SReg. ber ^äpfte, «lernen« VI., 
5Rr. 28; $3ntger, 107 f. ; SEBcrunSti? II, 239 f. 



2>ie Oei&ta ttnb bie Ätafc. 



»aren. Hu« bem ©chpfibtifchen mirb berietet, bat fte unter 
anberem Srrmahn auch lehrten, fle fötraten fleh aegenfeitig &on 
©finben lo«fprechen. ©ort traten ihnen au* ©eiber bei unb 
bei ben Umjüflen fah man biefe bi« auf bie ©rfifte entbtögt 
Oft maren e« eben bie ©eijjler, meldte bie Sgitation gegen bie 
duben in bie $anb nahmen; bag fleh biefe beiben Äußerungen 
eine« rellgtöfen f$anati«mu« berühren mugten, liegt fo nahe, 
bag mir ber Befonberen äewptffe baffir faum bebfirfen. 3n 
ben ®eiglerliebern fomtnt tot: »Du Ityeft ein SWarg al umbe 
ein $funt, boj jfl^et bi* in ber $eUe ©runt! 41 Jfach bei biefer 
D^ofltion gegen ba« 3ubentum $at alfo ber ffiud^er heran«* 
forbernb mttgefeiett. 9H*t minber ift felbftmpänbli* , bog 
ein SEreiben, ftet$e* nnter bem Dedmantel ber gr&mmtgfeit 
SRflßiggang unb anbere Vorteile berfrrach, allerlei ©efinbel an* 
locfte unb bon biefem f<hn5be mlgbraucht mnrbe. Urfprttnglich 
mar bo<h ber innerfte Stent ber munberlichen ©Ute reltgtö«, 
mie bie in beträchtlicher Änjaht erhaltenen ©eiglerlieber tm* 
miberleglich {eigen. HHm&hlwh <*er nahm bie SBemegung einen 
Der&nberten Sharafter an. außerhalb be« fachlichen Seben« 
entftanben, fefete fte fi<h nun gerabeju in feinbfelige Oppofttion 
gegen bie fachliche Hutorität ftlerifer mürben ftatutenmäßig 
bou ber ffiürbe eine« ÜJielfter« unb heimlichen Wate« ber 
(Seigier au«gefchlof[en, über ba« geiftliche Hmt unb bie @a* 
ftamente mürben fe$erif<he Jfaflchten verbreitet, hie unb ba 
lam e« ju blutigen Bufammenftagen mit ber ©eiftlUhfeit. 3n 
breiten Schichten ber ©eoSlferung mar mähtenb be« langen 
Äirchenftreite« unter ftaifer Submig burch maglofe unb toitt* 
Ifirliche Hnmenbung ber fachlichen Strafmittel f bei Aufhebung 
ber ftirchenftrafen bann mieberum burch bie fcabgier, mit 
ber ftirchenöorftänbe bie« ausbeuteten, tiefe (Erbitterung unb 
grflnbliche SSerachtung gegen bie ©eiftlichleit au«geftreut Hor- 
ben. (Sine grucht biefer 8to«faat mar nun bie antiHerifale 
gfirbung be« Oeiglertum«. ©ogar eine öoöftänbig organi* 
flerte fojiatyolittfche ©emegung tyit man. in bem fpäteren ©ta* 
bium ber ®rißlerfahrten gefugt, eine ©emegung, melche bie 
©ugübung nur }ur 2)ecfung ihrer gegen bie ©runblagen ber 




Untetbtifcfung ber ©ei&ler. 27 

®efeflfd&aft gerid&teten ©eftrebungen benüfct unb bon geehrten 
$äuptixn geleitet, beit Äampf gegen ©taat, ßtr$e unb alle 
öefifeenben aufgenommen $abe l ). Ob biefeS SMlb für me$r 
al$ üeretnielte StuS&üc^fe ber ©etoegung jutrifft, fann $ier um 
fo toeniger unterfudjt werben, al$ bie ©cißlcr f tote toir au$ 
ber ©pärlic^feit unferer 9ta$rt$ten bod& too$l folgern bürfen, 
in Saiern toeniger £eilne$mer fanben unb eine geringere 9Me 
fptelten alö anbertoartä. 

Slnfe^en unb SInjieljungdfraft ber glagellanten mürben ge* 
brocken, feit ber 9?eij ber 9leu$ett berfötounben toar, bagegen 
bic 8**teft$fe überfcanb nahmen unb iugteidfc bie Kr#li$en unb 
ftaatlicfcen ©etoalten fid& nriberfefcten. $apft Siemen« VI., von 
Sari IV. barum erfu$t, toerbammte baö treiben ber ©ei&ler 
in einer föarfen öufle (20. Oft. 1349), meiere au$ bie 3uben* 
berfolgungen verurteilte, all unbefugt, abgefd&madt unb ftraf* 
bar; er befahl cö mit allen Sätteln ju untcrbrüctcn unb ffiz* 
ju, mo nötig, aud& ben feeltttyen Slrm anjurufen. 93ielfa$ 
finb au# bie fflifööfe, unter anbern ber SRegenöburger, ba* 
bagegen eingefd?riüen. ®leid)too$l foü e$ an brei 3a$re ge* 
toityrt fcaben, bis bie ©itte völlig ausgerottet tourbe; fo tref* 
fenben SluSbruc! ^atte in i&r eine bunfle ©rite beö religtöfen 
3eitgetfte0 gefunben. 



Statte bie ürittelSba^iföe Partei tm ftampfe um ben be< 
fcerrfdjenben ßinflufc im Steide vor bem ßuyemburger bie ©äffen 
geftreeft, fo entfpraety biefe (Sntfagung nur ben politift$en 2Ha$t- 
ber^ältniffen. Dagegen toar e$ ein um>erjet$lid&er geiler, bajj bie 
bairiföen $erjoge audb inbejug auf bie innere Regierung bem 
SBermätyniffe be8 S3ater$ untreu tourben. 3uerft bon aßen 
Surften feine« §aufeS frtte Ratfer 8ubtt>ig ben 33erfu<$ gemalt, 
bie bairiföen Sanbe ber jüngeren U)ittel$bac$ifc$en Stete au# für 
bie 3u!unft bereinigt ju erhalten. 1338 $atte er auägefpro^en, 

1) @o $3nigcr a. a. £>., 116. 117. 



28 



2anbe«teilungen 



bag nur bem Sitepen feinet ©B$ne ba* Ste^t juftefcn foOe 
eine 8anbe*teilung ju forbem; na$ bem Unfälle SRieberbaiern* 
folgte feine ©eßtatmung, baß Ober* unb SRieberbaiern fortan 
ober, fall* fi$ bie* nic$t bur<$fü$ren liefe, menigften* jmanjig 
3a$re nad? feinem lobe ungeteilt Bleiben fotlten (II, 452. 
454). S5o$I mag ber ftaifer gehofft $aben, bafj ber ©efifc 
ber aufjerbairtf^en 8anbe, bie er feinen ®8$nen jugemenbet 
^atte, e* biefen leidet machen mürbe feine ffiiflen*meinung 
bejüglicty ©aiern* in <5$ren ju galten, ffioüte man freiließ 
bie (Erbf($aft*frage, mie bei ben großen $ürften$äufern fdfron 
flbli^ mar, Dom ©tanbpunfte be* gamilien* unb <ßrioat* 
retbte*, ntd&t be* Wei$0le$en6re$te£ befytnbeln, fo mar jmeifel* 
$aft, ob ber ftaifer burety einfettige Verfügung ba* beftefcenbe 
Crbred|>t anbern ttnne, unb e* fd^etnt, baß bie ®ö$ne ftety be* 
reetytigt gelten, barauf mit SRein ju antworten. Der au** 
brfidli($e ffiunfö be* ©ater*, bie gerben 8e$ren einer fytnbert* 
i&^rigen ®eföic$te, bie bringenbe gorberung feften 3ufammen^ 
$alt*, meldte bie ©efa^ren ber augenblidlictyen politifd&en Sage 
enthielten: alle« bie* oermo$te nun neue £anbe*teilungen ber 
@ö(me ni$t aufzuhalten. ®o felbftoerftänblicty bie Zeitung ber 
fremben Cänber, fo unberantmortli^ mar e*, baß ©aiern auf* 
neue jerriffen mürbe. 

Stra 13. ©eptember 1349 $atte ftdfr ßubmtg ber ©ranben* 
burger ju 2anb*berg unter ©eijte^ung feine* {Rate* mit fernem 
nädfjfien ©ruber ©teptyan auf folgenbe Teilung geeinigt: er 
felbft, ßubmig ber Körner unb Otto l ) behielten Dberbaiern 
unb ©ranbenburg, ba* (Erbe ©ert^olb* ton Reifen unb ma* 
ffiittetebacty in ©d&maben unb granlen f ) ermorben $atte. £irol 

1) Otto* (Beburt muß iebcnfaU* »or 18. 9tyrU 1346 gefefct »erben, 
ba i$m feine SRutter an biefem Xage föon ©eelanb üeefc^rieb. €>. bie 
Urf. bei van Mi e r i b , Cbarterboek II, 706, auf mefttye X $ e u n e r , Übet* 
gang ber SWart ©ranbenburg (©erliner 3% 1887), fcingenriefen $at. 

2) ©ort befag &ittel*ba$ auger ben in 8b. II, 464 genannten 
Gütern ben 3e$nten ju $ei!6ronn am ÜRedar unb noc$ 1354 bie Burgen 
SRotenfeW unb ©emünben am SWain, Sauba an ber Sauber; Ct. u. <Sr. 
VI, 404; R. B. VIII, 228 - 230. 306. 310. 




um 1349 unb 1351. 



2» 



koar ohnebie* in feinem Hfieinbeftfc. Dagegen nahmen ©tephftit, 
ffitthelm unb SÜbrecht SRiebetbaiern, $ennegau, $oüanb, ©ee* 
lanb, grieätanb. Bernau, früher beim oberbairiföen Anteil, 
fam }u 9lieberbaiern. 3m Flamen bet unmünbigen ®ß^ne 
©ilhelm, «lbre<ht unb Otto betätigte bie Äaiferinmittoe War* 
gatete (17. ©eM.) biefe* «Wommen. Salb Rieben ftd> h*«' 
toieberum eine oberbairifd&e unb branbenburgifche 8inie. Jim 
10. SRooember 1350 überiteg Submtg b. S. feinem gleichnamigen 
Stuber gegen beffen SSerjicht auf Dbetbaiew bte SDiarf, ju* 
näc^ft nur auf fe$6 (tohre 1 ), aber am 24. Dejember 1351 
machte ter SSertrag p Sudan biefe ©Reibung ju einer bauemben 
unb enbgilttgen. ©er einunbjti>anjigifi$rtge Subfcig ber Börner 
übernahm bie War! für fleh unb feinen ©ruber Otto. Die 
branbenburgifche Äurftimme feilte nach biefem Sertrage ben 
beiben Subtoigen gemeinfam bleiben. Huch in ber nieberbatrifchen 
Sinte wahrte ba$ gemeinfame ^Regiment nicht lange. Hlbrecht 
unb SBil^elm brangen auf ff eilung unb gelobten (16. Huguft 
1351) Subwig b. ä., wenn er ihnen baju Be^ilftid^ fein würbe, 
mit i^rer ganjen 9Ra$t beijufteben. Unter feiner, be$ $falj* 
grafen töuprecht b. ä. unb be$ Burggrafen Sodann &on Sflüxn* 
berg SSermittelung warb benn am 3. 3uni 1353 ju {Regent 
bürg ein SSertrag vereinbart, wonach Stephan ben größeren unb 
befferen ffeil SWeberbaiern« mit SanWhut, ffiilhelm unb »brecht 
ben Heineren nSrblid^en ffeil biefer tyrooinj ■) mit Straubing 
al* ftauptftabt, Stanbau unb Cham unb bie bon ihrer ÜÄutter 
rfihrenben nieberlönbifchen $ro&injen übernahmen. Die ®üter 
in ber ©achau 8 ) unb bie $errfchaft$rechte ju töegenäburg 
blieben ungeteilt, bie SRegenSburger SinfQnfte aber würben bem 
©traubinger änteile jugewiefen. Die nieberbairifchen Sanbe 
blieben burch einen Sanbftieben geeinigt, ben ihre brei $erjoge 
bor ber ffeilung (19. 9?oo. 1352) gefchtoffen hatten; au$ warb 

1) Reg. Boic. VIII, 200; im übrigen f. O. u. Cr. VI, 407-431; 
R. B. Vin, 221. 

2) 3)ie ©renjen ber &mbe*teile f. auf ». ©grüner« Äarte, ftr. VI. 

3) 2)ie beiben Burgen Ctyifc gehörten 1356 2ub»ig b. 5. nnb Stephan 
gemeinfam; R. B. VIII, 350. 



gelbjug in ber SWart. 



ein Dom Ätoige für grauten vereinbarter Sanbfrleben am 
12. «uguft 1353 , al« er auf biet 3a$re verlängert tvurbe, 
auf Sßieberbaiew, bie ©tobt JRegenäburg unb bie Oberpfalj 
au«gebe$nt *). 

$)a$ $unbertfte 3a$r na$ ber erften 8anbe«teilung fanb 
bie SBUteWbacfcr in fec$* regierenbe Stelen geteilt, bie alt* 
batrtfdfren Sanbe unter einer oberbairif^en, jmei nieberbairif^en 
unb jmei pfäljiffyn Surfen jerfolittert, jum Zeil gar unter 
b5$mtfc$er $errf#aft, unb bur$ alle btefe Teilungen ben ®runb 
ju neuer $eiUofer SBirrni« gelegt. SBeniger burdfr bie Übermalt 
ber (Segner al« burdfr bie Äuraßd&tigfeit ber $erjoge felbft, 
burdfr l$r Unvermögen, bie engen perf5nß($en Sntereffeu afr 
gemeineren unter juorbnen , toax e« einige 3a$re nadfr ftaifer 
Subtotg« lobe bereit« beflegelt, bat ©aiern unb SBittel«ba# 
na$ menfd&ltyem Crmeffen auf unabfefcbare 3*it mit einer 
Politiken Stellung jtoeiten Stange« im Steide ju begnügen 
hätten. 

Bnrifd&en Submig unb bem ftSnige toar burdfr ben ©aujener 
grieben jeittoeilige« (Einvernehmen fcergefteflt, freiließ nur, mett 
man eine Wetye von ftreittgen gragen einfttvellen ni$t berührte. 
3n Dürnberg verftratyn fu$ beibe gürften (19. SRai 1350) 
gegenfeitige §ilfe gegen ben ^Burggrafen von Dürnberg. Daß 
ber ftönig bamal« audfr in ber SWarf feine Autorität ju Subtvig« 
©unften einfette, ift nk&t ju verfennen. (Er richtete an bie 
von Subttig abgefallenen ©ntoofyier 2Ra$nungen flc$ ju untere 
toerfen, er beauftragte (12. »pril 1350) bie fterjoge von 
©raunfc$ti>eig*8ütteburg unb bie ÜÄarfgrafen von Zeigen, ben 
SBltteWbad^ern jura ffiiebergenrinn be« Sanbe« be$Ufli$ ju fein. 
3m Äuguft fammelte Suburig in SReuftabt a. b. ©albnab ein 
ftarfe« $eer jum gelbjuge na$ ©rantenburg, unb al« er bann 
feinen ©eg burdfr ©Jörnen na$m, gab tym fogar bie JWnlgto 
Jtana eine Heine $llf«f$ar mit. 3n feinem $eerlager maren 
¥fal}graf 8luprec$t unb bie SWarfgrafen von SWeifjen, ber 
ftSnig von SDänemarl unterftüfcte t$n mit Gruppen, anfe$nlic$e 

1) O. u. Gr. VI, 420; «über, Heg. ÄarW, 9hr. 1580. 1619, 1620. 




Staliemföe ©eji^ungctt. 



31 



©elbmittel foü er ÜHaftino ton ©cala, bem $errn S3erona$, 
serbanlt $aben, beffcn @o$n ßangranbe bamate feine ©*toefter 
(gtifabetfc heiratete. Der getbjug na$m beim au* ben glüd* 
K*ften SBerlauf. Sfyrtfc, SÖernau, Strausberg, Gberätoalbe 
u>urben erftürmt, na* hirjer S£Bmterru$e f*on im gebruar 
1351 ber Kampf triebet aufgenommen, £nbe 3uli ergaben 
ft* na* $artnädtiger ©egentoefcr au* bie ©täbte ©erlin unb 
fiöln. 2lm 12. September 1351 ser$ängte ber Röntg, ben 
furj borget au* bie aflanif*e gartet als ©*teb$ri*ter auf' 
gerufen, bann aber ju $ßren wtoeigert hatte, bie 2l*t über 
aüe ©täbte, bie fi* ben SBittelöba*ern no* ni*t unterworfen 
Ratten. Dafür betoieö ßubttrig @ntgegentommen , inbem er 
(®ept 1351) jugunften Satte feinen 3lnfprü*en auf Jene ober* 
pfälaif*en ßanbe entfagte, beren Unfall biefer na* feinem §etrat$- 
üertrage ermattete. 3m 5Kot>ember unterwarf fi* 8ubtt>ig o$ne 
befonbere ©*mierigfeit au* bie Slltmar!. 9?o* toaren bie ftämpfe 
in ber ÜWarf, an benen Subtirig b. ä. na* bem Vertrage ton 
8udtau leinen Seil me$r na$m, nt*t beigelegt, aber bie SBtttel«* 
ba*er behaupteten ba* Übergetm*t über ihre ®egner unb im 
gebruar 1355 fi*erte ihnen ber griebe ju ^ßrenjlau ben Sefifc 
be« 8anbe«. 

33on ber Sudauer 3u[ammentunft toar Suburig b. ä., üon 
ber SWart für immer fi* fcerabf*iebenb, im 3anuar 1352 na* 
Sirol jurüefgefehrt. 3m SDiärj vermittelte er ju SSerona grieben 
jtoif*en feinem ©*toager Sangranbe IL bella ©cala unb ben 
$erren üon ßaftelbarco 1 ). Die öejie^ungen 8ubtoig$ ju ben 
oberitalienif*en getreu toaren bamal« fo freunbli*, als fic 
ber ©eherrf*er Orients unb SEirolS nur toünf*en fonnte. 
©*on im |>erbft 1348 toar eine Annäherung mit ben SBiäcontt 
in SKailanb erfolgt; $>erjog Sonrab öon Xtd hatte SSotU 
ma*t erhalten, mit ihnen ein JBünbniS unb einen $eiratS* 
»ertrag jtoif*en SubtoigS ©*u>efter unb einem ©ohne 2u*mo 

1) 3)ie ©elege für bae fgb. f. Bei SQScncf, 3U6rc*t ö. §o$enbetg unb 
3Ka*ia« ». Neuenbürg (Neue« «r*to IX, 94 f.). Sgl au* <ßalm, 
3tallcnif*e (Sreigniffe in ben erflen Stohren ÄarlS IV. 



£ubn>ig V. 



Sitconti« abjufölie&en. 4>iec mar eine e$elid&e SetBittbttttg 
nid&t juftanbe getommen. Dagegen $atte Subtoig* ©elfter ( 
(Hifabety am 22. SRoDember 1350 (Sangranbe, bem ©o$ne / 
SWaftino* Don 83er ona, bie $anb geteilt, nad&bem SNaftino, 
ber fd&on Dotier , »o$l feit ber Verlobung, mit Subioig in 
SBfinbniä ftanb, ju bebeutenben ®elbja$lungen an biefen ft# 
berpflid&tet fatte. 

3n Verona traf nun ben $erjog im grfiföafcr 1352 ein 
Antrag ber glorentiner, fld^ tiefer in bie oberitalifnifd&en $5nbel 
einjulaffen unb att gelbfcauptmann ber 8iga tynen im ftriege 
gegen ben (Srjbiföof 3o$ann »Mcontt Don SWailanb beijufte$en. 
Dag gforenj, bic erbitterte Sembin feine« Sater*, Subtoig um 
$ilfe anging unb über feine fir$ti$e £enfur W &urtDegfefcte, 
etHärt fi$ toofy baburdjj, bag er al* $err SCtrot« unb be« 
trientiniffyn ®ebiete$ für einen Jtrteg mit üWailanb in ftrate* 
gifd&er $infic$t ber tocttooüftc SBunbeägenoffe getoefen toäre, unb 
e« jeigt wofy audfr, tote t>iel man t>on ber betoä$rten ftrleg«* 
tüd&tigfeit be« ffiittettbadfcer« fid? Derfpradfr. Dentoürbig bleibt 
biefe Unterhandlung befonberä burc$ bie $erfon be* floren- 
tinifd&en Diplomaten, ber fle führte: bem Dieter (SioDanni 
©occacrio [teilte bie ©tabt am 12. Dejember 1351 ©e* 
glaubigungGfd&reiben au« an ben HWarlgrafen unb an beffen 
oberften Beamten in STiroI unb ©aiern, ben $erjog ftonrab 
Don STed. Da fi$ Subtoig im Dejember in ber üßatf befanb, 
u>irb ©occaccio, um feinen Auftrag ju beforgen, beffen 9föd* 
Te^r na$ Zxxol abgekartet $aben; Diefleldfrt traf er i$n erft in 
©erona. 3n fcubtoig« Auftrag ging bann Dietpolb ber Äafcen* 
fteiner na<$ glorenj 1 ). Die Unter^anMungen mit ben gloren* 

1) 8gl. San bau, ©. ©oecaedo, 167. 168. ©d ber glorentiner 
Öefanbtföoft an Subtotg ben flfömer ju beuten, tri« einige »ollen, feflt 
ieber Bnlaß; Subfetg V. führte ben Xitel dne9 SRartgrafen Don ©ranben- 
burg, au$ nac$bem er bie SWart feinen ©rübern abgetreten, ma9 übrigens 
an bent Sage, Don bem ©occaccio* ©eglaubigungäfördbcn batiert ifc 
no$ ni$t geföefan toar. — ftonrab Don Ztd, fdt 1347 goftneifter 
Subtoig* unb 8anbe9fym)>ttnann Don SHrol, feit 1349 au$ Don ©aiern, 
toatb am 3. ©epteraber 1352 in feinem $aufe in SRüno}en Dom fcerjog« 




unb bie Utitenitte Siga. 



tinern jctfc^tugcit fich, toahrfcheinlith toeit biefc Subtoig« gor* 
berungen ju hoch fanben. Sänger, töte e« fcheint, jogen fith 
folc^c mit ben 93enetianern hin, bie bamal« mit bem 2Kar!* 
grafen angefnüpft unb ihm, trenn er bie gelbherrnfteüe ber 
fiiga übernähme, für fe<h«monatlichen Aufenthalt 2000 ®olb= 
gulben monatlichen ®olb geboten hatten; für ba« grüh* 
\affx 1354 toar Subtoig« (Srfcheinen mit 400 Reimen in Hu«* 
ficht genommen. Um biefe &t\t fam ber ©aier in ber I$at 
toteber nach SSerona, um jmtächft feinem ©chtoager (Sangranbe, 
ber ihn borher in ©ojen Befugt hatte, gegen bie üttantuaner 
ju Reifen, bie einen Hufftanb gegen ihn unterftüfet Ratten, foH 
aber bamal« im Unmut heimgegangen fein, toeil ßangranbe 
feine $ilfe abgelehnt ^be. Db nicht audj bie politifdjen 9?a<h* 
rieten au« bem SReicfje feine $eim!ehr befchleunigten, bleibt 
fraglich 3ebenfaü« mar bamit aud> enbgiltig entfehieben, baf 
Subtoig nicht al« gelbhauptmann ber 8iga gegen bie S3i«contt 
auftrat; inbeffen lieg er boch in SBerona 130 §elme im Dienfte 
ber SSenetianer *urficf. 

SBährenb ber ftortfefeung ber branbenburgifchen Kämpfe 
hatte ber Röntg normal« ben 8ßittel«ba(hern feine Unter ftüfcung 
in ber ÜWarl entjogen, auch burd^ fein Verhalten in bieten 
anberen ftreitigen fragen SBefchtoerben ßubtoig« b. a. toachgerufen. 
gaft in ganj ®übtirol unb ber Sflachbarfchaft, im SSalfugana, 
gleimferthal, Sabore unb %mpt&o, in geltre unb ßibibale 
toaren bie §enfchaft«berhältnifte bon ben legten Kämpfen h^t 
ftrettig unb bertcorren. 2Wit Sari« Unterftüfcung hatten auch 
na(h beffen Stbgug au« lirol einjelne Üiroler sperren, nrie bie 
SBögte bon 2ttatf<h 2 ), ben Sßiberftanb gegen ben ©aiern noch 
einige Bett fortgefefet. Sluf bie fchtoäbifchen unb fränftfehen 

U4en $ofmeifier @c$toeiger bon ©unbelfingen ermorbet. <5r toe$rte 
„nrie ein angeflogener <Sber" unb ftarb, ba« ©etycert beS SRörber« im 
2eibe. ©^toeiger, ber al« „Stueffifciger" erttärt tourbe ($ie unb ba tourben 
biefen au$ bie ©eifteögeflörten jugeteilt), erlangte bie SSerjeihung bes 
SKarlgrafeu. Annal. Eistett. 539; ©oStmn b. ^Hartenberg, 137. 133. 

2)®3hmer*$uber, Kr. 731. griebbrief jtmfäen ihnen unb 
Subtotg bom 1. SDiärj 1349; R B. VIII, 154. 

Kie»Iet, &<\mt* »aiern«. III. 3 



84 



2>U n3rblie$e Obcr^folj nrirb &3&mifc$. 



Wett^ftütcr, toomit 8ubn>ig ber ©aier fein $au* bereicherte 
^atte fein Nachfolger im Steide noch nicht berjtytet; Donau* 
»8rth, ba$ ftarl (26. SWai 1348) al« fteich*ftabt anerfannte, 
&ar bom ®rafen bon ©irtemberg in ©eftfc genommen, einen 
«ungleich in öden biefeu ftreitigen gragen ju erjtelen, gehörte 
ju ben toichtigften aufgaben ber gfirftenberfammlungen, bie in 
Xnmefenheit Subnrig* tote be$ ft5nig$ im ÜJlarj 1353 in ffiien, 
im 3ult barauf in $affau ftattfanben. $erjog gibrecht bon 
Öftetreich, bon beiben Parteien )um ©chieWrichter getoählt, 
fällte am 19. 3ult feinen ©pruch; inbe* berftrich ein boüed 
Saht, bi* bie ©fihne juftanbe !am. Die Urfache be« «uffchub« 
lag »ohl bornehmlich in (Sretgniffen, bie bamal« im pfäljifchen 
$aufe eintraten unb einen neuen 3an!apfel jtoifchen Submig 
unb ben ftönig toarfen. SRachbem nämlich ber frühe 5Eob ber 
SWnigin Stana (2. gebr. 1353) beut Sujemburger bie äuflficht 
auf ba$ oberpfäljifche (Erbe benommen hätte, mar e* bem ge* 
toanbten Staatsmann gelungen, ben erwarteten ganbgetoinn 
auf anbeten SBegen fleh ju fichem. 3m SWai 1353 löfte et 
mit 12 000 ©chod fraget ©rofehen (= 60000 Dufatcn) ben 
SJfaljgrafen »unrecht b. [. au« ber fäd&flfchen ©efangenfehaft, 
in ber tiefet feit 3ahren fd&machtete, unb lieg fi<h baffir bon 
ihm eine Weihe oberpfäljifcher fflutgen abtreten. SRach bem 
lobe (4. Ott. 1353) feine« erblinbeten ©chtoiegerbater« aber 
machte er bei ben beiben SRuprechten, bie beffen Sanbe erben 
follten, eine gorberung bon 20000 3J?att geltenb, bie er bem 
berftorbenen gflrften geliehen f unb bermochte fte auf einer 
gfirftenbetfammlung ju Hagenau (29. Ott. 1353), ihm gegen 
biefe Summe unb anbete 3ugeftänbniffe bie oberpfäljifchen 8anbe 
Wubolf« mit ©Urbach unb ber hienaty benannten (Sraffchaft *), 
mit $ifyoltftein, Saufen, Gichenbach, $er«brud, Auerbach, Selben, 
<ßegnife unb anbeten Orten al* erblichen ©eftfc abjutreten. 
glo& unb ^atfftetn gehörten fchon länger ju ©öhmen, maren 
nur eben an bie Nürnberger ©urggrafen oerpfänbet *). gaft 

1) Sgl. 3titf*t. f. ttdera 1,3, 23. 

2) «übet, Heg. 9lx. 514.2803; tteWfa&n Wr. 21. 175. 188. 247. 




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Spannung jtoiföen Äarl unb ?ubtmg V. 



bera ftftnige ein ©finbnW geföloffen 1 ). Sott bort $atte fldfr 
Älbred&t mit bem ÄSnige na$ $rag begeben, mo feine in $affau 
butcfc ffatt berabrebete ©ermätyfong mit einet SSertoanbten 
Staxlö, SDtatgatete, lobtet be$ $etjog$ Subtoig Don Stieg, 
Donogen toarb. St begleitete ben König bann au$ nad> 
©$toaben unb jog am 15. ©eptembet in feinem Oefolge feiet* 
li$ in ftonftanj ein. 

Die ©eftimmungen be* $affauet ©c$iebfpruc&e* untren 
toebet ton Jtatl nod> ton Subtoig jut Äuöfü^tung gebtad&t, 
toa$rf$einfi$ toeil in gegenfeirigem SWigttanen feinet ben 8n* 
fang baju machen tooütc. 8ubn>ig$ SSetftimmung trat jutage, 
att bet ftönig im 3uni 1354 eine Begegnung mit $etjeg 
Älbtectyt x>on Öftetteidfr in SRegenäbutg beranftaltete ; toietoo^l 
in bet 9?ä$e toeilenb, $ielt et fi$ aujjet&alb bet ©tabt, um 
mit bem ßujemburger nidfrt jufammenjutteffen. 3m 3uli, 
»ä$tenb bet ftJnig »et ffifitjburg lag, fc&eint bet $etjog jum 
ftriege gerfiftet ju $aben. ®leicbjeitig &etne$men mit bon 
Stefan, bag et mit einem $eete, barunter 8anM$utet ©fitgetn, 
nadfr 3ngolftabt rüden tocUte *)• ftatl abet, beteitö gefonnen, 
na<$ 3talicn ju jie$en, fyttte feine Äu*fid&t, bie ätpen ju übet* 
freiten, fo (ange bet $ett bet Itrolcr $äffe tym feinbli<$ 
geflnnt toat. (St toat fein gtcunb be* ©plagen« unb lieg e« 
aucty bieämal m#t auf einen ©affengang anfommen, fanbte 
Dielme^t bie SRegenGburget Wflbiget ben SRei<$ unb Ulrich t>on 
Sabet an ßubtoig, um eine ©fifyte anjubafyten •). ©uljba$ 

1) O. u. Ct. VI, 433. 434; «euuU* t>. J&ieffen$ofen, 88. 

2) ffiitteWbaajer Urt. b. €>tabtar<$l*e ftmbefyit, 8er$. b. $ifl. 8er. f. 
ftkberfctycrn XXI, 62. 

3) 3ngolft5bter Urt bei ». gre^berg, 227. 228. ©ie jeigt, baß 
2ubn>tg noa) am 25. 3uti in 3ngolftabt ftanb. $einruW t>. $erforb (287) 
«ngabe, bag 2ubtoig 20000 SRamt gegen 8000 be9 Äöntg* geführt $abe, 
ift iebenfatfo übertrieben. Sgl and) $atm, 206 f. — e$toierigteiten 
ma$t bie Datierung ber VttatftiUfe bei Äurj, «Ibre^t ber Safrne, 363. 
366 , toüty Aber bie 6treityuntte jn>if<$en Snbtolg unb bem Äöuige am 
bcften unterrid)ten. „3>a8 2anb, bat ©. ftubotf fei. gdaffen $at unb 
ba* be9 SWarfgrafeu getaufte* ©ut ifl", ip n>*ty ein £eil be* in ber 
Urt toom 1. ttugnf! 1354 (*. gre^berg, 118: €toljba<$ — 9taj>re<$t- 




@ul$6acf>er 2lu$gfci($. 



ttarb ju einet 3ufammenfunft ber Betben $errf$er getoa$U unb 
$ier fam am l. tluguft 1354 ein Suägletcty juftanbe. Karl 
nnb fein ©ruber 3o$ann erneuerten tyren SBerjicfct auf bte 
Sftarl, auf 2irol unb Kärnten, bie SBogteten ber JBtötümer 
Stquileja, Orient unb ©djen unb bebten benfelben nun aud? 
auf bie ©rafföaften ®raiöba# unb SKarftetten, auf $5$ftäbt 
a. b. Donau, Sautngen, 3agftberg unb anbere fötoäbtföe unb 
fränfiföe ®üter au«. Die gegenteiligen gorberungen toegen 
Donauwörths unb ber ®üter in ben SBiötfimern Orient unb 
6£ur foüten binnen jtoet 3a$ren nad& bem ©c^tebf^rud^e 2llbrec$t$ 
toon Dfterreic$, bie ©treitigfeiten ßubtoigö mit bem ^atrtard&en 
ton Slquilcja megen ßabore unb ämpejjo burdf> ein Surften- 
geriet in Dürnberg beglichen toerben. Subtmg gewährte bem 
Könige ben Durcfoug burcty feine Sanbe in bie Sombarbet, ben 
biefer o$ne SBefcbäbigung son 8anb unb Seuten auszuführen 
gelobte. 

3e weniger unter allen biefen bermidfelten $änbeln unb 
notbürfttgen 2lu«gleic$en fid? fcertennen ließ, ba& Äarlö ^ottttl 
auf grünbtic^e ®$ioä<$ung ber tmtteläba<$i|*c$en ÜKad&t abjiette, 
um fo bringenber toar eö für Subtoig geboten, bie enge gütyfang 
ni$t aufzugeben, bie fein SSatet mit £erjog 3Hbre$t Don Öftere 
rei$ gemonnen $atte. Sud? in bem 25er$ältm« ju biefer ®ro§* 
mad&t gab e$ juwr eine ftörenbe Srage, bie unter anberen 
Umftanben leidet jur Quelle langwieriger ©mitigierten geworben 

flein) nä&er betriebenen, baö nat$ £>. föubotf« £obc an bic betben föup* 
re^te gefallen. <B$tm beS^alb fann an$ in bem 2*rtifel Bei Äurj nur 
9?ubo(f II., nw)t Sftubotf I. bon ber <pfalj gemeint fein, unb ba ber 
erfiere ni$t bor Huguft 1353 flarb, finb biefe ©efä)merbcn ffubnrigS 
jtbiföen ben ^affaucr Sag bom 3ult 1353 unb bie <Sul$ba<$er ©ü$ne, 
btefletd&t in bie j$t\t ber SRegenSburger 3wfö mtn entunf 1 , Sunt 1354, ja 
fefcen. 2)te Älage be8 aftartgrafen, ba& ber jtfnig i$n unb feine ©rüber 
nic^t im ©eflfce ber ÜKorf föirme, fdjetnt jtoar bagegen ju forei$en, ba 
Subtoig b. S. bte SKarf feit 24. ©ejember 1351 feinen ©rübern ab- 
getreten $atte, aber bei ber flüchtigen gaffung be« Stttenftüd« unb ba 
Subtcig im Sudauer ©ertrage im gatle be8 fü&nelofcn j£obe« feiner 
©rüber fu$ baS <5xbre<$t in ber SOlar! auSbebungen $attc, lägt ft<$ immer- 
^n auc^ biefer Sirtitel mit unferer Datierung jufammenreimen. 



88 



Subttrig V. uttb IKBred&t *on £>|lerret<$. 



toäre: bur$ feine 83ermä$lung mit bcr törntif^en $erjog«* 
tobtet unb bic ©elefrtung feine« Sätet« beanfarud&te Subtoig 
ba« Stecht auf ba« oon $ab«burg befeffene Äärnten ertoorben 
ju $aben unb jeitleben« $at er nie barauf oerji($tet. Srofcbem 
behauptete fty bie baiiifc^fterrei$iföe ftreuttbfäaft unerfäfittcrt, 
baitf ber STOä&igung ber beiben dürften unb i$rer ä$nlid&en Sage 
gegenüber ber b3$mif$en Übermalt. Dem öfterreid^en $erjoge 
leitete ßubtoig bie $eere«folge, bie er bem rötniföen JWnige 
nie getoäfyrte; im ©ommer 1352 jog er mit tym gegen &üx\<b 
ju gelbe. ©i« }um 6. «uguft n>arb bie ©tabt oon einem 
gewaltigen $eere belagert, «m 1. September vermittelte 
Subtoig, bem ba« Hnbenfen feine« SSater« au$ bei ben <£tb* 
genoffen Änfefcen f$uf, ein gütliche« klommen l ). Dem $ab«* 
burger trat er bamal« no$ nä$er bur$ ein (10. Suguft 1352) 
ju ©oben im Hargau geföloffene« ©finbnt«, in bem vonfeite 
Subkoig« ba« Weic$, fein ©ruber @tep$an, bie SWarfgrafen von 
STOei&en unb Ä5nig flubung von Ungarn au«genommen mürben *). 
Subtoig oerforaty, toä^renb er ß$ alle Änft>rüc$e auf Äärnten 
vorbehielt, biefelben boc$ je$n 3a$re lang ru$en ju laffen; 
ebenfo lange fottte fein ©treit mit ben ®rafen von ®5rj ru$en, 
in bem $eraog 8lbre$t eine ©fi&ne vermitteln moüte. @$on 
bamal« kvarb eine SSermätyung stoifd^en Subtoig« @o$n ÜÄein* 
$arb unb einer Softer $erjog Älbrectyt« in Hu«ßc$t genommen. 
SHbred^t« 83erfu$e, einen ?lu«gleic$ jurifetyen Subtoig unb bem 
ÄJnige $erbeijuffi$ten, Ratten jtoar leinen (Erfolg, bemiefen aber 
urieberum bie gute Oefinnung be« $ab«burger«. 3m Ottober 
1354, na$bem biefer jum jtoeitenmale gegen £üt\6) iu gelbe 
gejogen, reifte Submig 3U i$m in ben Sargau unb erneuerte 
bort (17. Oft.) ba« öfterretyifd&c ©ünbni« unb bie auf »er* 
fciraiung ber ftinber lautenbe Hbrebe s ). 

1) Contin. Math. Nuewenburg., Böhmer, Pont. IV, 285; guter, 
tteiffttfa^at, 9h. 157 a. Uta* ber Breftager fyit vor 3flri$ brei $eng|te 
verloren (v. gre^berg, Subtotg b. ©ranb., 177). 

2) Urf. bei Steyerer, Commentarii pro hist. Alberti IL ducis 
Anatr., 173. 

3) Äurj, öflerrei^ unter «forest bem 8a$men, 369. gnbtoig« 




2luefif$mmgSöerfu<$e mit ber Äuric. 39 



5Ro$ toeiter trieb t&n ber fe$nti($e ffiunfö, enbtidfr bie 
Söjung fcom fiirdjenbanne ju ertoirfen. grüner $atte er biefe« 
3tel bur$ Vermittlung be« Äönig« ju erretten gehofft. 3ur 
Seit ber ^affauer 3ufammen!unft toar ber Dominilaner 3o* 
$ann t>on £)ambac$ in Äarl« Auftrag na$ SIbignon gegangen, 
um für Subtotg ju mirfen 1 ), unb nod) in ©aujen $atte fid^ 
Subttrig Sari« SSerfoenbung bei ber Surie geloben Iaffen; bann 
aber mar t$m flar geworben, baß btefer SBeg i$n nur im 
ffifyre. Der $apft $atte auf bie ©aujener ©ertrage bamit 
geantwortet, baß er auf ^Betreiben be« ©iföof« Styefefo bon 
8ebu«, eine« ber branbenburgiföen ©egner ber 2Bittet«bac$er, 
(SÖiai *) 1356) bur$ ben ©if$of ®aufreb &on ßarpentra« ben 
ffiann gegen ßubtoig, ba« Snterbift gegen feine 8anbe erneuern 
ließ, ©ei ben <3ulabac$er äbmadjjungen toar &on biefer 2fa* 
Gelegenheit ni$t mcf;r bie SRebe, toietoo^l ber mitttertoeile er* 
folgte 5Eob be« <ßatfte« Siemen« (6. £>ej. 1352) bie Hü* 
föfcnung ju erleichtern festen. Unb toenn man ertoägt, baß für 
benjenigen ber ü>ittel«bac$i!<$en örüber, ber unter alten bamal« 
am engften an Äarl fi$ angefötoffen $atte, baß für ben jungen 
£>erjog älbredjt üon ©aiern am 31. üKärj 1354 bereit« bie 
päpftlitfe (Srmätyigung jur Sbfolution an bie Sifööfe t>on 
SBJürjburg unb ©peier erteilt toarb unb baß trier 3a$re barauf 
auäf Suburig ber SKömer ber SBertoenbung Sari« bie äbfolution 
berbanfte 3 ), fo liegt bie annähme na£e, baß einer ©ntirirfung 
be« Sitoig« jugunften be« älteften Sßittel«bac$er« bor allem 
Sari« mangelnber Eifer entgegenftanb. gteilidj toar 8ubn>ig 
ber ©ranbenburger in ben Stugen ber ßurie aud& toeitau« am 

Stinerar (bis 7. ©e$t, bann lieber 20. ©ej>t. in SWimtfen) läßt bie 
Stngaöe ber Ättngenberger <£$ronlt, ed. $cnne to. ©argan« 94, baß 
et au<$ an ber 3üru$er Belagerung *>on 1354 teilgenommen, $ö<$f*cn« 
mit groger (Sinf^ränfnng al« ri^tig erfreuten, dagegen ift ©iföof 
mhxtfy öon ßrciflng unter ben Belagerern 3üri$6 erliefen ; f. beffen 
Stegeften bon Söend («Rene« «r<$it> IX, 98). 

1) SBernnStt? II, 123. 

2) ©er Sag tjl nnfl^er (3.? 14.?). Sgl. $ubcr, «ege(len, 9M#f- 
fa$en, Wr. 127. 

3) ©über, 9teg. Snnocenj VI., 9to. 40 unb 59. 



40 



$atoburgif<fc Regierung 



fömerften belaftet, beim toa« er att ©o$n feine« ©ater* t>et> 
brechen, $atte er bur$ eigene felbftänbige ©ergeben, feine 33er* 
mä#ung, bie SRictytbeactyung be* 3nterbitte$ unb bie Singriffe 
in ben ©tetüraew Irient unb <5$ur Derfc^arft. 

!fa ben guten Dienfien be* ftfotig« olfo fcerjiDeifetnb, fefcte 
Subtoig nun feine Hoffnung auf $erjog 9Ubredj>t *>on Öfter* 
rei$, ber fa au$ ein eigennüfeige* Sntereffe $atte fetner ©a<$e 
ftdj anjunefrnen, ba Subtoig« ©o$n, ber 8Ubre$t$ £o<$ter 
betraten follte, fo lange aW ©aflarb galt, bi$ bie <E$e feiner 
(Eltern bie Kr$ßc$e ©eftätigung erhalten. Dur$ Subtoig« 
^eige^ ©erlangen nad) ber Kr$li$en ©erföfrtung toirb ber auf* 
faflenbe ©$ritt &orne$mIi# ju eröären fein, }u bem er 
bamal« entfölojj: er übertrug feinem $ab*burgifc$en ©unbe** 
genoffen auf brei 3a&re mit ber ©ormunbfctyaft über feinen 
©oftt 3Wein$arb bie (Regierung Dberbaiern*. <Sö ift m$t 
belannt unb nic$t einmal ti>a$rfc$einlic$, ba& bie fturie bamatt 
einen jeittoeiligen {Regierung«rü<ltritt be* §erjog$ au«brüctlic$ 
al« ©orbebingung feiner 8o«i>re$ung fcom ©anne geforbert 
$atte, tote e6 föeint, fachte ber £>erjog au$ eigenem (Sntföluffe 
bur$ foletye* (Sntgegenfommen feinen guten ÄBiüen }u beifcätigen. 

weitere Iriebfeber biefe« ©erji^te* toirlte bie (Belbnot be« 
£>eraog«. 5Dur$ bie Äriege im Anfange feiner Regierung, bie mit 
fcfyoabifcfcen unb fränliftyn {Rittern abgefetyloffenen ja^lreic^en 
©olboertröge *) toaren feine ginanjen iämmerlicty jerrüttet; $atte 
er bo$ eben erft auf ber Keife na$ Zixol bur$ , fleigige* 
©itten" fcon bem 3ttün$ener $atrijier ßigfalj ba* (Selb auf- 
bringen müffen, um feine ÄBirt$re$nung in SDiittenioalb ju 
bejahen *). ©#on hn erften 3a$re feiner Regierung $atte er 
ben ÜRün<$ener 3uben unter ©erufung barauf, bag er fie „bi$* 
$er noc$ ni$t öiel gebeten $abe M , entboten, tym ein Stoß bei 



1) D. \l Cr. VI, 452; *. Bremberg, fiubtmg b. ©ranb. 175. 177 f. 
196. 220 f. 

2) fcttoigg töegtjfratur in ©ien, 9lx. 182; f. ©über, £trol, 59, 
Zum. 3; »eitere ©elege für fiubtoig« »ebrfingm« ebb. 60, «am. 1; 
gürjl 8i$»ott>et$ UI, Heg. 9h. 1826. 




in ©bctbaietn. 



41 



bera 2ßünc$ener Sßirte SBauernfeinb auSjulöien 1 ). Unb ba er 
$ifyott fcon €5tetn als Hauptmann unb Pfleger in Oberbeuern 
einfette, gefc^a^ cS mit JRücffic^t auf „ben großen Summer unb 
bie ®ebrec$en beS fianbeö/ 

$erjog SUbrec^tS SBerfctyreibung über bie JRegierungSüber* 
tragung toarb am 17. Oftober 1354 ju Sörud im Slargau 
ausgefertigt. 2US 8anbeS$auptmann in Oberbaiern toarb §\tpoü 
bon ©tein befteüt Submtg behielt \xd) nur einen anftänbigen 
Unterhalt, bie 33erlei£ung ber 8e$en unb Die SBefefeung beS 
SRateS öor 2 ). SBie eigentümlich Ratten fi$ bod& bie £>inge 
enttokfett, baß jcfet r nad^bem bie SRtoalitat jtoiföen $absburg 
unb 8BittelSbad> fcor fcierjig 3a$ren biefen ganjen ©türm 
fcolitiföer unb fachlicher ©treitigfetten, ber jum £eil noch nicht 
befänftigt toar, entfeffelt hatte, auf ®runb freuublichen 3lb* 
lommenS ein Habsburger in ©aiern bie 3üget ber {Regierung 
ergriff. Slm achten £age nach Weihnachten toarb ber $erjog* 
liehe SRat auf SUBretyt* tarnen öereibigt unb im 3uni unb 
3uli 1355 treffen toir ben Habsburger mehrere äöoehen in 
2Kün$en 3 )' SBie e$ föeint, blieb Jcboch baS Slbfommen fürjere 
3ett, als beabfichtigt toar, nämlich nur bis jum ©ommer 1356 
in Kraft. 2Bar SubtoigS {RegierungSoeraicht auf bie Surie be* 
rennet, fo ^atte fid^ baS SDiittel bis ba^in nicht toirtjam gejeigt, 
toährenb für bie ®eli>not beS dürften nun eine Slb^ilfe gefchaffen 
toarb, auf toeld&e ber ffiunfdh beS 8anbeS nach öefeiiigung beS 
fremben {Regenten nicht ohne Stnflug geblieben fein mag. SRur 
gegen getoichtige 3ugeftänbmffe an feine fianbfiänbe toarb ieboch 
bem gürften beren finanzielle ^>ilfe getoä^t unb bie ÄBieber* 
aufnähme ber {Regierung ermöglicht (Sali 1356). Unter ber 
herfömmlichen SBebingung, bafc es bie ummberruflich lefete fei, 
betoiüigte bie Sanbfc^aft Subtoig eine SBiehfteucr, aber er mujjte 
fidj beS {Rechtes begeben, fic burch feine eigenen SBeamten ergeben 
unb tertoenben ju laffen; ein bon ben ©tänben getoahlter 

1) to. Prjl gte*?6cra a. a. O. 199. 

2) Urf. bei $u 6er, fcirof, 176; f. bort auch bie SRegefUn 9h; 168 
bis 173; *. gre^berg, 121, 8mn. 12; 122, %nm. 13. 

3) gi^notoftti» III, Heg. SRr. 1782 f. 



42 



&u9f0$ming9toerfti$e mit ber Äarie. 



©a$je$netou«fc$ujj, jur $älfte au« bem «bei, jut $älfte au« 
ben ©ßrgern bcr ©täbte unb SDtörlte, toarb barait betraut. 
3ugteid? mußte bcr $erjog geloben nie me$r $fanbbriefe auf 
&wb unb 8eute au$jufteUen 1 ). SWafyn Subtoig $iemit bie 
Regierung nrieber an fi<$, fo toeitte er bo$ h\& jura grfifta$r 
1358 not$ faft immer in Sttrol, ba« er überhaupt für feinen 
Suf enthalt beborjugte.. £)fterrei$ aber $ielt als grud&t, bie 
i$m au* ben ®etbberlegenbeiten ber ffiittettba<$er ertoadften, 
no# länger eine ftattli$e Steide bon boirifdfren unb f$n>&bif$en 
$fanbf$aften feft. SSon Subtoig b. ä. toaren feit 4. «pril 
1356 an «Ibredjt bertfänbet bie $alfte be* großen 3oO« ju 
Sßfin^en; 9?euburg, ©eißenfymi, ©urg ©u$ bei 3flertiffen, 
©rafföaft STOarftetten, bie gefte 9leuburg an ber ftamla<$ unb 
ber ÜÄarlt Xann$aufen in ber Oraffc^aft STOarftetten unb bon 
Älbrety bon ©aiern Straubing ungefähr feit berfelben 3eit 
gegen bie Summe bon 66 OOO p. ba$ toUfrtige ©c^ärbing *)• 

SKittlertoeile $atte Subtoig, toä^rcnb u>o$l gleichzeitig au$ 
bie 83ermittlung«berfuc$e $erjog ÄlbrectyW begannen, bie erflen 
eigenen Stritte bei ber fturie getftm. 3lm 14. 3anuar 1355 
gingen bon ber ©urg Zxxol au6 aM feine (Sefanbten ÜÄagifter 
3o$ann, ©t^olaftiler unb Domherr bon ©rijen, ber tropft 
bon 3lmmünfter, Ulru$ bon Seonrob, unb bc« $>erjog« 38ger* 
meifter, (Ritter ftonrab Äumeräbruder an $apft 3nnocenj VI., 
um i$re$ gürften 8o$ft>recfring bom ©anne, au$ Difyen« 
megen feiner (E$e 8 ) ju ernrirfen. 3n bem ©treiben, ba* biefe 
©eboflmä<$tigten mitnahmen, erllfirte ihtburig feine Vergebungen 
gegen bie ftir$e au« ÜWangel an (Energie, auä Unfenntniä, Un* 
erfa$ren$eit unb (Einfalt. Än einige ftarbinfile richtete er be* 
fonbere ©ittföreiben 4 ). (Eine ©d&nrierigfeit, bie fld> bei |ebem 

1) D. «. Cr. VI, 452. 454; *. 2er<*enfelb, greibriefe, e.ccnr. 

2) R. B. VIII,350; «über, Xirot, Heg. 187. 188; Änrj, «Ibrety, 
371. 872. 

3) Uber bat ttr$U$e €>traf*erfa$ren gegen Margarete »egen ber 8er- 
Jagung 3o$ann« unb ber Beirat mit Snbtoig 1341 unb 1342 f. nnn bie 
bon ©über im 3r$it> f. Bflerr. ©efö. LXXII, 305 f. mitgeteilten 8!ten. 

4) O. u. Cr. VI, 435 f. 




Ausgang bcr geteerten 2Btberfac&er ber <ßäpfie. 43 

UntertoerfungSt>erfuc$e feineö SBaterS fühlbar gemalt $atte, 
toar nun befeitigt : bic onttpä^ftttc^e j£$eologenfolonie im 
Sftün^ener ®c$loffe unb SDiinoritenfloftcr ! ). @<$on nxtyrenb 
be$ italienifd&en gelbjugeS toar 3o$ann t>on 3anbun geftorben; 
ungefähr glci^jeittg $atte bcr Job bann ättarfiglio (um 1342) 
unb ben ©eneral 2Jiid?ael oon ßefena (29. 5»ot>. 1342), fpäter 
auefc ©onagratia bafcingerafft. ©omd mir toiffen, finb alle 
biefe gelehrten ffiiberfac$er bcr Sßä^ftc bis sunt 5tobe in bcr 
Dppofition üer^arrt; ein bem ßefena äugefd&rtebeneS reumütige« 
©ufcgebet ift als gälföung ertotefen. Dogegen Ratten fty 
granj ton «fcolt unb $>ctnrtd^ ton 2:$al$eim fd&on früher 
untertoorfen. Dccam mar ber einige, bcr ben SBiberftanb 
gegen bic Äurte au$ nad> bem £obe beS SaiferS fortfeftte ; 
no$ ju Anfang 1348 $atte er ben ÜMut, in einer ©treitfd&rift 
gegen bie bei ber Abfolutton vorgetriebene (SibeSformel Sari IV. 
als „<ßfaffenfönig M ju uer^nen. £)aS 3a£r barauf bat er 
glei$too$l um bic Slbfolution, mit i$m baS fletnc ^aufteilt 
t>on Anhängern ßefenaS, baS nod> in 2Hünc$en meilte. 35ic 
(SibeSformel toarb bann für biefe ein loenig gemtlbert; man 
toeiß jebod> nidjt, ob tyre Unterwerfung toirflic$ ftattfanb, unb 
ftyer ift, ba§ Dccam baS 3a$r 1349 m$t lange überlebte. 

äuefj o£ne biefeS $inberniS unb trofc bcr toieberfcolten 
©ertoenbung beS §erjogS oon Dfterreidfj führten bie Unter* 
$anblungen SubnrigS mit ber ßurte nur fe$r langfam jum $\ä. 
Sin ßrfolg toarb erft erreicht, als im ©pätia&r 1357 *) 
©ifdjof tyaul von ®urf unb ®raf griebridfr öon SÜß als ffle&oll* 
mättytige jugleic^ ÖubtoigS unb Albred&tS nad) Slöignon reiften. 
<£S föetnt, baß SubtoigS per|önli#e$ grföeinen getoünföt toorben 
toar, benn bcr $er&og ließ fein Ausbleiben entfdjulbigen mit 
feiner gef$ü>äd?ten ®cfunb$eit, ben ©efömetben ber toetten 
SReife unb ber ©ebro^ung burdfc erbitterte geinbe. Am 11. April 
1358 bevollmächtigte $apft Qnnocenj ben ©ifd&of von ®url, 

1) fciejler, Sie fit. ffiiberfa*« b. «t, 122-128; ?teger, 
2)er tiT<$enj>otttif($e Äampf unter Subtoig b. 35 f.; SJtüHcr, 2ub- 
»ig« Streit mit ber Äurie I, 370; II, 250f. 

2) ©. $ubcr, Zxxoi, Steg. tfr. 201. 205. 



44 



£ir$U$e 2o*fpre<$ung 



ben (Erjbiföof Ortolf oon ©aljburg unb ben 86t 3o$ann t>oit 
©t. Sambrectyt, Subtoig unb feine Oematyßn, toenn fie bie tynen 
auferlegten ©ebingungen ju erfüllen gelobt hätten, oom ©anne 
lo«jufprec$en unb in tyre ©efifcungen toieber einjufefcen, au$ 
biefelben, toenn fie fi($ getrennt unb eine 3"* fang gefötebeit 
gelebt hätten, toegen tyrer 83ertoanbtf$aft ju biäpenfieren, 
toteber }u Dermalen unb tyre Äinber ju legitimieren, $erjog 
$Ubre$t $atte sugleicty um bie erforberli$e fire&licfce 5Rac$fic$t 
für bte beabsichtigte $eirat feiner Xofytx mit bem $rhtjen 
äßein^arb na$gefuc$t, meiere im britten (Krabe oermanbt 
toaren, unb au$ $ieju toarb nun (17. Spril) bie päpftlk&e 
SSoöma^t erteilt 1 ). Die ©ebingungen, toelcfc Subtoig gefteflt 
tourben, toaren auger umfaffenben SReuebefenntniffen, auger ber 
ffiertoerfung ber tefeeriföen Änfi^t, bag ein römifäer ftaifer 
einen $apft abfegen fßnne, in ber $auptfa$e folgenbe: er 
folite bem ©ifc^ofe Don Orient feine $auptftabt unb fein ®c* 
biet jurficfftellen *), ebenfo bem ©iföofe oon ß$ur bie fflurg 
gürftenberg im SSinftgau; er mufcte geloben, ber fturie einen 
ffllonat nac^ ergangener äufforberung jum ftampfe in Stalten 
$unbert {Ritter mit ebenfo Siefen Änappen unb bretyunbert 
$ferben )u fteQen, innerhalb jtoeier 3a$re in ber Orafföaft 
lirol ein »lofter für gtoSlf SWön^e, »artaufer, ©enebiftiner 
ober anbere, nur nic$t Settelm8nc$e , ju grünben unb an bie 
»iretyen @t. $eter unb @t. 9$aul in {Rom jtoei oergolbete ©ilb* 
faulen oon ©über, Jcbe 25 ÜWarf fötoer, ju föiden. SRacfcbem 
8ubtotg bie« aßeö gelobt unb $erjog fltubolf oon Dfterrei($ in 
äRänd^en für bie (Erfüllung biefer ®el5bmffe mit feinem ©iegel 
unb etgenfcänbtger Unterförift fü$ oerbürgt tyatte 8 ), toarb am 
2. ©eptember 1359 in ber Sttargaretentapelle ber SWünc^ner 

1) Steyerer, Comment., 168; ©über, Bereinigung £irol« mit 
fcflerrei* 189. 

2) $ie« föeint jcbo<$ ni$t geföefcn ju fein ; »gl ©über a. a. £>. 96. 

3) Or. *om 30. Hugnft 1359 im $atitanif$en 8r$to. »on ber 
(Srfüuung bur$ fiubtotg ift gtetytooty in feinem fünfte ettoa« betannt, 
außer bafi bie töütfgabe gfirffcnberg« 1358 , 4. 3nni erfolgte (<8o«»itt 
*. SRarienberg, 146). 




?ubtt>ig« V. unb feiner ©emal&tin. 



45 



$ofburg bur$ ben £>iöcefanbifd?of <j}aul oon gretfing, benfelben, 
ber t>or$er als ©ifd&of bon ®url bic Unterhandlungen geführt 
$atte, t>or trielen 3 eu Ö en SubmigS 8o«fprec$ung Dorn Sanne 
unb feine 93ere$eltc$ung mit ber Dornet auf einige läge ge* 
fd&iebenen SDtargarete äßaultafcty gefeiert. 9ta# ba$ Snterbift, 
ba$ freiließ unfereä ffiiffenö längft md>t me$r beamtet marb, 
tourbe nun für Subtoigö Sanbe aufgehoben 1 ). £)amal3 toarb 
bom $>erjoge aud> bie grage ber 2o«fpre$ung feinet in ber 
grauenfirdje Begrabenen SBateiß angeregt. SDer ©if#of bon 
greifing aber erHärte fid^ nicfjt ermächtigt fic t>orjune$men unb 
riet, menn man biefe$ 3iel erregen rootte, eine neue ©efanbt* 
fd^aft an bie Äurie ju fd^trfen ; |a er $ätte bie an gemeinter 
©teile ru^enbe Seiche be« SatferS fogar ausgraben laffen, märe 
er ni#t bur# ben §erjog baran oerfcinbert toorben 8 ). 

®o toarb ben oberbairifdfjen Sanben unb bem Raupte be$ 
$aufe« S5Mttel«6ad(> ber firdjltc^e grieben nad& fünfunbbreißig* 
jähriger «Störung toiebergefd&enft. £>er$og 2übrec$t oon Öfter* 
reic$, bem ein groger Anteil an biefem Srfolge gebührte, $atte 
i$n ni$t me$r erlebt. Sßenige JBod^en t>or feinem £obe 
(18. 3utt), im 3uni 1358 $atte biefer Surft ju ^affau unter 
großem Snbrang ber ritterttd&en ©efellföaft, mit furnieren 
unb prunfenben geftüd^feiten bie §od&jeit feiner £od)ter ÜRar* 
garete mit üMn^arb t>on SBaiern, bem etnjigen @o$ne $erjog 

1) Über bic Sluftebung in Sirot f. ®o«min, 148. 

2) Meichelbeck IIb, 177-185; Annal. Eistett., 566. ©gl. 
femet fc. grcij&erg, 134, Sinnt. 13. 3n bem ©erü$te ber Contin. 
Zwetl. quarta, Script. IX, 687 ifl u. a. bie Stngabc, bag fl$ bie Stö- 
folution auf „bieSebcnben unb £oten" crflrcdt tjabc, ntyt gan$ richtig. 
yio$ Slrnpccf, 344, ifl nu$t |tyer, ob bic ?o«fpredjung be« Äaifer« 
Bereit« erfolgt fei; fein ©ater fatte i$m berietet, ju fei auf bem Äonjtt 
ju Äonftonj ober »afcl gef$e$n. 2)a§ bic« richtig fei, möchte i$ 
barau« föüefjen, baß ^afcfl (Sugen 1436 in einem SBrebe für ?ubtotg« 
«Stiftung (Sttal Cubtoig bcjci<$net al« „ olim dive memorie Romanorum 
rex"; M. B. VII, 280. SkOetyt $5ngt bic 3Ke6ftiftung ber $. tmfl unb 
SBifyefa in ber 2Rün<$ener grauenHr^e 1418, 'äpxil 18. (R. B. XII, 
283), toobei ber Stföof toon greifing ben erflcn ©rttnber at« Äatfcr 
-Subroig bejeie^net, mit ber erfoTgtcn $o«ft>re($ung jufammen. 



46 



3>tc öoltxnc «uHc 



Submig« gefeiert. Durch «Ibrecht« ©ohn {Rubolf IV. aber, 
miemohl biefer ftaifer ftarl« ©chmiegerfohn mar, mürben bie 
Bemühungen be« Batet« um fiubmig« Hu«föhnung mit ber 
Stirpe fortgefefet unb ber enge Slnfc^Iug an Dberbaiero boti* 
ftänbig aufregt erhalten. Cr mar in SWünchen bei ber Soft* 
fprecfying be« $erjog« anmefenb, mo bann auch bie Hbfolution 
megen ber unerlaubten Che fetner ©chmcfter mit SDieinharb 
erft erteilt mürbe 1 ); auf ber Keife ba$üt $atte er ju ©alj* 
bürg (17. 2luguft), auch im tarnen feiner ©rüber griebrich, 
«Ibert unb Seopolb ein neue« ©chufcbünbni« mit ßubmig unb 
SWeinharb gefchloffen. Darin mar jmar bonfeite Öfterreich« 
unter anberen Oegnern auch ba« {Reich aufgenommen, boch nicht 
unbebingt; mürbe iemanb &on {Reich« megen ben ©aiern un* 
recht thun, fo fönten fi$ biefe ber Unterftüfeung Öfterreich« 
erfreuen, eine Öeftimmung, bie ohne 3a>A\tl junächft auf ben 
ftatfer felbft gemünjt mar. 

(Segen biefen $atte $erjog Submig einen neuen ®runb jur 
ftlage, feit auf ben {Reistagen ju Dürnberg unb SWefc (10. 3an. 
unb 25. Dej. 1356) iene« mistige {Reich«gefefc Aber bie 
JtÖntg«mahl unb bie {Rechte ber Jhtrfürften &eröffentlicht morben, 
meiere« unter bem tarnen ber ($olbenen Sutle belannt ift. 
3nbem ber Oefefcgeber ffitx ba« ffiahlrecht ber ffurffirften an* 
erfannte, mollte er boch ben SWifebrauch befettigen , ber fo Diel 
jum ärgerlichen ©erlauf ber legten Äönig«mahlen beigetragen 
^atte, bag mehrere ©lieber eine« fturhaufe« gleichjeitig bat 
Sahirecht beanforuchten unb übten. Stach ber (Solbenen Sude 
ftanb biefe« {Recht nur mehr bem mirflichen (tahaber be« Stuu 
lanbe« ju; barum foflten bie meltlichen fturfürftentümer auch 
unteilbar unb jmar nach bem (Recht ber (Srftgeburt erblich fein, 
©chabe, bajj bie SEBohlthat biefer ©eftimmung (ich nicht auf 
fflaiern erftredte, ba« Ja längft au« bem fturfürftenrate hinauf 
gebrängt mar! Die ©lanaperiobe biefe« 8anbe«, ba fein 8$er* 
treter an ber ©pifee be« Weiche« ftanb, mar nun abgelaufen, 
ohne baß bie günftige (Gelegenheit benufct morben märe, biefe« 

1) Urf. »om 3. €tyt 1359; $au«ar<hi&. 



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unb bie toUielSbad&iföen Äurre^te. 



47 



2ttißber$ältni3 ju befeitigen. ©eine gürften mögen eö toeniget 
empfiinben $aben, ba fic ft$ alö SBefifeer ber $fatj eine Sur* 
ftimrae gerettet, eine jtoeite bur$ ben ©eurinn SöranbenburgS 
bogu erüorben Ratten, ©et ben ÖanbeSteilungen unb gamilien* 
»ertragen mar ©arge getragen toorben, ber lubttngifd&en Cinic 
Anteil an biefen betben ©timmen )it fiebern. 3Ktt ben ^fäfjern 
mar vereinbart, baß ba$ ffia^re^t für bie $falj toecfcfelnb 
ton i^nen unb ben öaiern, junäd)ft öon §erjog Stephan 
geführt toerben foütc (II, 454. 455), unb bei ber ©Reibung 
SBranbenburgS öon Oberbaiern Ratten Öubürig V. unb 8ub* 
toig ber 9Wmer auf gemeinfame gü^rung ber märfifdjen Sur* 
ftimme unb be£ SrjfämmereramteS fieb geeinigt, älö am 
1. 3anuar 1356 einige aus biefer Sanbeöieilung entftanbene 
Errungen beigelegt unb jugleid^ ein ©ünbniä gmiföen 8ub= 
toig b. ä. unb ben ©ranbenburgern vereinbart mürbe, $atte 
man bie teuere ©eftimmung erneuert l ) dagegen ließ e$ fi# 
Sari IV, angelegen fern, bie Saiern Don ber Äur ju ber* 
brängen. ©$on am 22. 3Kai 1354 ^atte er einer Urfunbe 
feineä SBaterS, bie er aus fäntglictyer 3fla#tüollfommen$eit er* 
läuterte, fälföli^ ben ©inn untergeföoben, baß von ber ^fatj 
toegen au«f$liefgt<$ ^faljgraf .{Ruprecht b. L ein Surrest 
$aben jollte 2 ). hiermit toar ba$ 9?c<^t 9?upre$ts IL auS ber 
pfäljiföen Sütie berfürjt, ba« bur<$ ben §au$bertrag bon ^Jaoia 
ber bairiföen 8inie borbefcaltene Slnredjt auf bie Sur aber 
gän$li# befeitigt 9luf bem Nürnberger {Reistage im £)ejember 
1355 Satte 9?uprec$t$ b. j. (Srflärung, baß nad& 8tu)>rec$t$ b. ä. 
fitynelofera £obe bie $falj famt ber Äur auf tyn fallen müffe, 
bie öaiew berftimmt. Sßenn nun fiaifer fiarl ben ©rurtbi'afc 
jur ©eltung braute, baß bie ffur an bem ©rjamte unb bem 
bamit berbunbenen Sanbe $afte, menn er an bie tottteteba$tfd?ett 

1) O. u. <Sr. VI, 446; $uber, SftätfSfad&en Nr. 255. 

2) To In er, Cod. dipl. Palat. 92. (Sine toeiterc (SrflSrung Äarl« 
unb ber Äurfürjkn jugunftat ber Sßfalj (7. San. 1356) ließen ft$ bie 
$f5ljcr fpfitcr (1381) bur# «papfl Urban VI. betätigen, »gl. 3Kuf fat, 
@eföi$tc ber baperiföen unb tfSljiföen Äur, 275 f. 



48 



$te ttieberbairifgctt ftnien. 



$au*fcerträge fU$ ni<$t Teerte tmb i$nen bur$ fein neue* 
8leic$«gefet} ben »oben entjog, fo berührte fk$ fter feine 
briernfeinblic&e $oliti! mit ber Sorge fflt ba« Wetd^too^. «I« 
Vertretet ber 9lei$$intereffen toar er gu biefer ÜÄafjregel be* 
red&tigt, ja i>er|>flt<^tet ; nie $ätte er für ben gemeinen Stuften 
Crfprie&ltcfc* f$affen unb juglei<$ ben jerfalitterten ffirftti$en 
3ntereffen {Rechnung trogen ßnnen, bie in biefen gaudlien* 
ablommen ft$ au$fpra($enl (gegenüber ber Oeföicfcte unb 
©ebeutung be$ bairifc&en ©taattoefen* tyringt bie Ungerec^tig* 
feit in bie Äugen, baß ©aiern nun auf 3a$r$unberte auft 
bem $ö$ften State ber Station au*gef$leffen loarb. Die« fallt 
jebocty koeniger ber golbenen Sude jur Saft ate bem (Erfurter 
©eföluffe {Rutolfö I. unb be« ftürftenrate« t>on 1290 (II, 154) 
unb in jtoeiter 8inie ben bairifcfcn gürften fetbft, toeU$e feit 
ber $äufung mehrerer gflrftentümer in ibrer $anb über bie 
{Rechte be$ alt$etmif$en mit geringerer <£iferfu$t toasten. 

8foc$ bie Bethen nieberbairifdjen Knien koaren ni$t lange 
in bem engen ©er^Sltni* jum ft&nige geblieben , in bem fte 
tyre ©onberregierungen begonnen batten. ©tep$an $atte, tote 
einft ber erfte nteberbairifd^e £>erjog, balb na$ ber 8anbe* 
tei(ung ©treit mit benachbarten ©ifööfen belommen. ®egett 
i$n richtete ftc$ too^I ber pöpftli<$e ©efetyt, ber am 22. Sanuar 
1351 an ben (grjbifctyof »on ©aljburg unb anbere ^räfaten 
erging: ju toa$en, bag ©if$of fjriebricft &on Wegenäburg nk&t 
in feinen Werten unb Iif<$gütern gefränft toerbe; unb mit 
biefer Spannung jurifdjen bem $erjoge unb bem ÄegenÄurgcr 
©ifäof* mag jufammen^ängen, bafj ber erftere (1. gebr. 1351) 
t>on Slbrectyt &on $eibau ben Dienft mit feinen geften Äefertng 
unb ©iegenpein an ber 8tegen«burger ®renje mfprec^en 
ließ 1 ). Da« 3a(r barauf lagen bie nieberbairiföen $erjoa* 
in ftrieg mit bem ©al)burger flhrabiföofe Drtolf t>on ffieifcened, 
ber, toie e$ föeint, alte $änbel um bie ©ericfcte ffitlbened 
unb ffialb, bie ©ogteien ju SRonbfee unb im Chiemgau 



1) R. B. VIII, 206. 206. 



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Stefan IL unb Äart IV. 



49 



toteberum aufrührte *). Sfloä) einmal ertönte frtegSlärm auf 
bem ÜJlühlborfer ©d&lachtfelbe, al$ ber Srjbtfchof nach einem 
&er$eerenben 3"flc 3*8™ (Sggenfelben mit §ilfe bet ©ürger 
»on ÜKü^borf bie nieberbairifche ©renjburg Dornberg erftürmte 
unb nteberbrannte unb ben ®rafen $einri(h ton ©artftein, 
ber bie SSerteibigung geleitet, famt feiner 3D?annf<$aft gefangen 
nach SKühlborf führte. Die $erjoge f° öcn bamalS oerfprochen 
haben bie ©urg nie foieber aufzubauen 2 ), toa$ ieboch nicht 
gehalten toarb. 

SSon ber ©uljbacher 3"fawmentunft toeg, im Df tober 
1354 toar Sari IV. nach Italien aufgebrochen. TO er 
am 5. 2tyril 1355 in SRem bie taiierfrone empfing, too^nte 
üon ben bairifchen £>erjogen nur ©tephan biefer geierltchfeit 
bei. 3n $i|a ^atte berfelbe (9. 9»ärj) naihträgltch feine 3u* 
ftimmung jum ©uljbacher ©ertrage erflärt. $mi läge nach 
ber fiaiferfrönung geriet er ju Üioolt mit bem oberften 3ßar* 
fchaü ton Siemen, ©benco öon 8ipa, in einen ©trett, ber 
faft ju ©lutbergiefeen geführt hätte, ©tep^anö (Sintoerne^men mit 
bem Äaifer aber noch n-'djt geftört ju haben föeint; toenigften« 
fanb fich ©tep^an fogleich nach beffen SRücf fehr auf beutfdjen ©oben 
im 3uti 1355, in ÜiegenSburg unb ©uljbach toieber am faifer* 
liefen $oflager ein 3 ). ßben bamals aber gefd)ah es, bafc Satt 
bnreh feine unersättliche ?änbergier auch bie Sßieberbaiew fid^ fcer* 
feinbete. Die SBerfc^ulbung beä ©ifchofö griebrich &on SRegenä* 
bürg, ber balb barauf bie Regierung feinefl ©i$tum8 feinem ©ru* 
ber, ©tfcbof Sertholb fcon ßichftabt abtrat, bot ihm toiüfommene 
Gelegenheit w (Srtoerbung eines triftigen fünfte« an ber 
Donau, ©urg unb $errfchaft Donauftauf (alt unb richtig 
Domftauf), um beren fflefifc fchon fo oft ©lut gefloffen, maren 
eben üom ©ifchofe um 11 835 fL an ben SHegenSburger ^atrijier 

l; ©etm man au« bet Utt. t>om 29. San. 1362 bei $ über, Sirol, 
209, jurüdfäließen barf. 

2) aWühlborfct Shrontf, @t..<£§r. XV, 384. 

3) Eö$m«r-$uber, ftr. 2019. 2057. 2059a. 2187. 2207, 3tei*S- 
fathen SRr. 230. 3rrig ifl $finri*8 t>. §erforb (@. 287) Waa^t, ba& 
Subtotg b. fi. mit Äarl naa) ftotu gegangen fei. 

«iejlet, fflef*^te Kaimt«. III. 4 



60 



£onaujfouf taiferli^. 



JRfibiger ben Weisen oertfänbet. Der ftaifer bot nun bem 
©iföofe über biefen $fanbWifflng 5000 p. nebft ®ütern üt 
©Sfynen, unb barauftin roarb am 12. 3ult 1355 ju ©uljbadfr 
ber Stauf abgesoffen, ber freiließ t>on rec$t«n>egen erft ber 
©eftättgung be$ Zapfte« unb be« DomfapitelS beburfte. $eter 
<&&tx, ber SMfetum Don 9lieberbaiern* Straubing, einft $erjog 
«Ibrety« Crjiefcr, oernactyäffigte bie Ontereffen feine« $errtt 
foioett, bafj er bem ftaifer jur (Einnahme ber feften ©urg be« 
$ilfli<$ mar, unb f$on am 28. 3uli n>e$te auf i$r ba$ Sanner 
be$ Weichs, $iemit $atte ber ftaifer feine oberpfäljifctyen 
©eßfcungen l\Q an bte Donau &orgef$oben unb $ielt einen 
©$lüffel ber Donauftrage in $änben, mit bem er Straubing 
in iebem Hugenblid t>on feiner natürlichen ©erbinbung mit 
{Regendburg unb ber oberen Donau abwerten fonnte. 8u$ 
auf SQBSrt^ f ba$ ©if#of 8rtebri$ ben $erjogen bon ©aiern 
berpfänbet $atte, fott ber ftaifer einen «nfölag gemalt $aben, 
ber icbod? an ber Jreue be$ ©urgfymptmanneä, griebriety bed 
Äuerö oon ©rennberg föeiterte 1 ). 

Der ftaifer fonnte um fo ungeftörter oorgefcn, att $er&og 
Xtbrec^t Don ©aiern bamat« in ber ®efangenfc$aft be« äRarl* 
grafen oon 3filic$ f$ma$tete, in bie er auf ber {Reife na$ 
ben Slteberlanben geraten mar. Stefan $atte fid? auf bem 
ttalieniföen gelbjuge (9. SWärj 1355) in $ifa t>on ftart Oer« 
fore^en laffen, baß berfelbe nie geften, ®täbte ober ®üter in 
feinen Sanben anlaufen toerbe »). Durch beffen 83orge$en nun 
erbittert, totetoofct e$ i$n ni$t fo unmittelbar fcfcäbigte toie 
feinen ©ruber, toanbte er feinem bi«$erigen ©unbeSgenoffen 
ben {Rüden unb fölojj ju 8anb*$ut (28. «ug. 1355) ein 

1) «übet, 9W<Wa<$en 9lr. 238; Heg. ÄatW 9h. 2205. 2206; 
Annal. Eistett. 542; ÄegenGburget @tabt$rontt bei *. Bremberg V, 
87, »ieberfalt mit falföem 2>atmn: 1352 in Farrago rer. Ratwpon. bei 
Oefele II, 508. S)te bro$enbe Haltung ber Äegen«burget bei einem 
©efudfre be* Äaifer«, vorüber befonber« Andreas Ratispon. (Pez, Thea. 
IV, c, 578) berietet (f. an* Gemeiner II, 98), ijt in ben Sali 1355 
ju feften. 

2) @t.*«.; $nber, Steg. Statte, 9hr. 200. 



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gctbjug %ihxt^ I. gegen feinen SBtfctum dder. 51 

©ünbni« mit §erjog Wibrecht fcon Dfierreich, toorin er fic$ 
gegen iebermann, ber feine 8anbe angreifen toürbe, ba$ SReidh 
ni$t aufgenommen, §ilfe terforechen lief* l ). £)em Nürnberger 
9?eic$3tage toohnte Subtoig ber SRömer, aber feiner ber bairiföen 
£>erjoge bei, unb bie golbene S3uüe, bie Stefan« ätafprudfr 
auf Slnteit an ber pfäljiföen ffurftimme befeitigte, fonnte nur 
baju beitragen, beffen SBerftimmung gegen ben Äaifer ju fteigern. 
3m September 1356 griff ÄarW ©ruber, SÖiarfgraf 3o$ann, 
©aiern unb Öfterreidj an unb fügte beiben Sänbern burch 
JRaub unb fflranb großen Stäben ju. <S$e bie Surften ber 
beiben Sänber fid> rächen fonnten, vermochte ber Ungarnlönig, 
auf beffen Beihilfe fie regneten, ben ÜHarfgrafen, nadh SBien 
ju gehen unb fid^ (21. gebr. 1357) mit §erjog Sllbrecht öon 
Öfterreich auöjufö^nen *). 

5113 aber $er$og 9llbrecht t>on Straubing, au« feiner §aft 
befreit, nach Nieberbaiern jurüdfehrte , fam e$ bort ju einem 
in ber bairifc^en (gefliehte belang unerhörten fiampfe, ju 
einem Söaffengang be$ ^erjog« gegen feinen oberften Beamten. 
SBon Struppen Stephans unterftüfet, fc^ritt Sllbre^t um ben 
18. üttärj 1357 jur Belagerung beS 9?atternberg$, too ber 
ungetreue SBifctum, beö 9lmte$ entfefet, Schufc t>or bem 3orn 
feine« $errn gefugt ^atte. 3« S&rS ßntfafc aber rüdte, fcon 
beffen Angehörigen gerufen, gegen ßnbe Slpril ber Äaifer 
heran unb mit biefem anjubinben fanb nun Wibrecht bo$ nicht 
geraten, ju großer Unjuftiebenheit feiner ©aiern, toelche bie 
Übermalt, xoxtwfyt einige Slbelige beim 9?a§cn be8 ÄaifetS 
baö §eer »erlaffen Ratten, auf ihrer Seite fa^en unb bei einem 
3ufammenfto§ ftcher auf Sieg unb 9?ache für bie böhmifc$ett 
aSertoüftungen regneten. £)ie beiben ®egner ftanben nur me$r 
eine ©tunbe oon einanber entfernt, at$ ein SÖBaffenftiHftanb ab- 
gefchloffen toarb, unb am 2. ÜM befteüte ber Saifer bei ÜBifd&el* 
bürg an ber Donau Albrecht ton Öfterreich att SchieMrichter 
jtorifchen gdfer unb feinem $eraoge. Diefer entfehieb, baf Qdtx 

1) Steyerer, Comment, 183; R. B. VIII, 328. 

2) ©einriß ». £>icffenhofcn, 104. 108. 



52 



Jtrieg unb griebenSfätug 



ben Sttatternberg feinem $errn au«juantu>orten, bid ju weiterer 
Steigung aber, bie unter haWburgifcher Vermittlung in ©ien 
Derfud^t »erben fodte, an $erfon unb §abe unangefochten ju 
bleiben $abe. (Eder aber f burch bie Seiben ber ettna fech«* 
toöchentlichen {Belagerung förderlich gebrod&en, überlebte ben 
3ufammenfto§ nur furje &tit ! ). 

Um 3aIobt !am ber ftaifer nach ffiien, aber er fam, ju 
neuem gelbjuge gegen SBaicrn gerüftet unb nicht getoillt, 3^ 
geftänbniffe }u machen, ju benen er {ich boch nach Angaben tum 
bairifcher ®eite vorher bereit erflart hatte, »ergeben« bot 
ber $ab«burger feine 93ermittlung«Iunft auf. Wibrecht oon 
SRieberbaiern fyittt mittlertoeile (5. 3uni) ju SRünd^en mit 
Submtg b. ä. ein öünbni« gefchloffen, ba« |eboch nur ein 
$itf«oerfl>rechen ber 9tteberbatern, fall« ßubtoig angegriffen 
tofirbe, nicht auch eine entfprechenbe £ufage ßubtoig« enthielt *). 
Unter Rührung be« ©tfchof« Dietrich ftugeltoeit t>on üWinben 
brach nun ein böhmifche« $eer in ben nieberbairifchen Öanben 
nötbltch ber Donau ein, häufte mit geuer unb ©chtoert, §t* 
mann bie Surg Stammer. Raum toar e« abgezogen, fo folgte 
&on bairifcher ©eite ein fcon <ßeter ftamerauer geleitetet 
9la<hejug in bie iungbShmifche Dberffalj unb bie SSettDÜftung 
ber Oegenb um glojj unb ffieiben. 3n einem Stoffen blieben 
bie SBaiern Sieger unb Straubing fah bShmifche (befangene in 
feine SKauern eingehen. 911« aber ©ifchof Dietrich bann noch* 
mal mit fech«hunbert Gittern bie ©renje überfchritt, fcerftcmb 
ftch albrecht (29. SRoo.) ju einem fflaffenftiOftanb bi« 8tchtme§ 
1358 unb noch ehe biefer Xtxmm abgelaufen toar, ging er 
fetbft nach $* a & Bühnte fuh mit bem ftaifer unb erneuerte 

1) @. ba« Cdcr frarabli<h gefinnte Chron. de dnc. Bav., Böhmer, 
Font I, 145; ferner ©über, tteg. ttr. 2641a. 2645 unb Annal. 
Windberg., Script. XVII, 566. Ü6er bie <5<fer t>. $orraa$r« £afchen> 
bu<h, 1831, 246 f. 

2) O. tL Cr. VI, 456. Ü6er Ärieg unb grtcbenefölng bef. AnnaL 
Mareens., Script IX, 830; ©über, Heg. Äarl«, 9tx. 2730—2732, 
9tei$«fa<hen, 9h. 287. 288. 289. Sgl. au<$ «henner, fibergang b. Wart 
©ranbenburg (1887), 17, «nm. 3. 



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ätmföen 3ü6rcc$t *>. ©trauMng u. Äarl IV. 53 

(1. 3anuar) fein ©ünbni$ mit biefetn. Der grieben lam fo 
rafch juftanbe, toeü Wibrecht einem Stufe in bie SRieberlanbe 
golge leiften mußte, too fein ©ruber Sßilhelm bem Sßahnfinn 
verfallen mar, unb er lam yifianbe, mietoohl ber Raifer in 
ber $auj>tfrage nicht nachgab unb £)onauftauf fefthielt l ). 3mar 
hatte baö 9fegenäburger 5Domfa))iteI bei ber fturie fernere Älage 
erhoben, toie fein ©iföof ba$ Äir<hengut fcerfd&teubere, unb 
fd&on am 26. «September 1356 mar an Sari ber päpfttid&e 
©efehl ergangen, bie §errf<haft ö « {RegenSburg jurüdjuftetlen. 
(Sine befriebigenbe ßrftärung megen biefeS ^Junlteö $atte ber 
Äaifer fc^on vorher gemalt 2 ), aber eä blieb bei ben SBorten, 
auch ber beftimmte SBefc^I be$ Zapfte« fanb ÄatI nicht miß* 
fahrig unb ba$ böhmifchc SReidj mar gtücflich bis an bie Donau 
toorgefchoben, mä^renb auf ber anberen ©ette bie nieberbairiföen 
§erjoge ihre ffanbfchaft SBBrth (6. &tpt 1357) bem ©i$* 
turne jurücfgeftellt Ratten 3 ), ©o geriet, mäfcrenb äBittelöbach 
fich bemühte, feinen ©efife in ber grembe f eftju^alten , ein 
©tüd bairtfäen 8anbe8 nach bem anbern in frembe, ia feinb* 
liehe #änbe. $)a$ 2Ra& beä Unheil« ju füllen, hatte fich an 
ben Samp\ Sllbrechtö mit feinem obersten ©eamten ein 3^* 
fpalt mit ben ©ürgew ton Straubing unb ©ingolfing an* 
gereift. SDiefe §änbel mürben ju ©utjbach am 1. 3uni 1358 
burch einen ©pruch beö Saiferö geichlichtet, melier »erfügte, 
baß ber ^erjog bie ©ürger bei ihren gteiheiten belaffen unb 
ihnen allen, namentlich bem ©traubinger {Rietet §an8 ton 
©teinad^, SBergeihung gemäßen, anberfeitä bie ©ürger ihrem 
$erjoge ©e^orfam ermeifen foüten 4 ). SllbrechtS gehbe mit ben 
ßdern aber mar, mie e$ fcheint, mit bem SEobe be$ SSifetumeS ^ßeter 
noch nic^t beenbet ; alö ber ^erjog Jtoei 3a$re foater aus ben 
SRieberlanten an bie £)onau jurüdfehrte, belagerte er bie ©urg 
$ilgart8berg oberhalb Seilhofen, bie ben ßdern gehört haben 

1) ©. bafür u. a. bie Utt. ». 1361. 1368; $uber, ftr. 3770.4584. 

2) (Semeiner, SRcfl. (Ehr. n, 90—92; Ludewig, Reliq. ma- 
nuscr. VI, 15. 

3j Ried, Cod. dipl. Ratispon. II, 883. 887. 
4) $ über, 9leg. Wr. 2785. 



54 



2>ie 9tteberloube. ©tefchan« neuer Jtrieg 



fotl unb, menigftett« nach einer jüngeren Sta^rtty* 1 ), bamatt 
erobert toarb. 

3u Hnfang be« 3ahre« 1358 fctte bie Sfauhrfcht oon 
fernerer Srfranfung feine« ©ruber« ffiilhelm Hlbre<ht na# ben 
SHeberlanben gerufen. Dort mar bie tottteWbachifö* $errfchaft 
mit einem grauenvollen ftriege jtoif^en ÜWutter unb @ohn, 
jtoifchen ber ftaiferintotttoe üßargarete unb ffiilhelm I. er&ffnet 
toorben. Die Parteien ber $oett, toefche ffitl^elm f unb ber 
Äabeljau«, toelche bie ftaiferin (geft. 25. (Juni 1356) unter* 
ftfifeten, vertraten im toefentlkhen bte fokalen ©egenfäfce be* 
ÄbeW unb ber ©ürgerfd&aft; fte fiberbauerten ben ftampf 
jtoifchen STOutter unb @ohn unb befchtooren burch i^re geinb* 
f<haft ben inneren Krieg immer auf« neue herauf. 9Ubre$t 
reifte unter bem Oeleite be« ©rafen (Engelbert ton ber 9Jtar!, 
ber ihn in granlfutt ertoartete, nach $oßanb *). 3Rit groger 
Älugheit unb £$at!raft behauptete er fich ma^renb feiner langen 
Regierung in ben ©irren ber ^arteten; fein ungtücflicher 
©ruber toar 1358 geifteflfran! nach Queänoty gebraut toorben 
unb fchle^te bort noch breiig Oahre lang ein elenbe* Dafeüt 
hin; in feinem tarnen toaltete albrecht mit bem Xitel eine« 
{Rutoaarbä in ben SRteberlanben, toahrenb er ba$ Straubinger 
8anb, toohin er feitbem nur feiten unb auf furje 3eit iurüi> 
fehrte, burch feine ©ifctume oertoalten lieg. 

SSJa^renb 1357 ber ftrieg nörblich ber Donau tofitete, 
toar $erjog Stephan, jum Vorteil be* ftatferä, in neue 
gehbe mit ftrjbtfc^of Drtolf oon ©aljburg oertoicfelt toorben, 
ben fein ©ruber, ber $affauer SBifchof ®ottftieb, unb einige 
öfterreichifche Herren unterftüfeten. Der flhrjbiföof toar gereijt 
burch ben {Bieberaufbau ber ©urg Siechtentann (n. ö. oon ©alj* 
bürg), ben bie $erren oon Sann entgegen einem 1314 oon 
(Eber^arb oon £ann abgelegten SBerferechen ftch erlaubten. 
$erjog ©tephan aber getonte ben Scannern feinen ©chufe, 
\dfxxtt auch felbft, bem $ochftift jum Zxo%, jum SBieberaufbau 

1) Andreas Ratispon. (Pez, Thes. IV, c, 580), to^rcnb Annal. 
Windberg., Script XVII, 566, nur t>on ber Belagerung melben. 

2) «rrobeu II, 215. 




mit ©aljbntg. @dne Äbfolution. 



66 



feinet bor mehreren Sagten jetftötten 83urg Dornberg. (St 
brang in ba« ©aljburgifche ein, bagegen eroberte $an$ bon 
Sraun, bet faljburgifche Hauptmann in üßühlborf, Domberg 
jum jtoeitenmale unb betbrannte biele Drtfchaften. Huf Dr* 
tolfä Seite ftanb auch ber $ert bon 8ben«berg, ber auf nacht* 
liefen ©treifritten ba* 8anb jtotfehen Hbenäberg unb 8anb4< 
$ut berheerte, wofür ihm gegen Snbe $erbft 1357 ©tephan* 
gleichnamiger ©ohn unb |>ettmc^ luföl bie $>ofmar! (Ertog 
unb faft ade feine Sieden unb Surfet niebetbtannten. Die 
SSerföhnung ber ©egner erfolgte unter Vermittlung 8lbrecht* 
&on £)fterrei$ unb be$ Sftarlgrafen Submig b. ä. im 3utti 
1358 in $affau; ju Sin) einigte bann (22. 3uni) ein ©finb* 
ni* Stephan, Ortolf unb bie beiben Vermittler l ). 

©tep^an toar ber lefete ber toittettba^ifc^en ©rüber, bet 
feinen grieben mit ber Strebe fchlog. (Srft am 7. 3uli 1362 
ermächtigte $apft 3nnoceng VI. bie SBifchöfe bon 8ug«burg f 
9fegen66urg unb ®ut!, ihn bom Sanne ju lebigen, ber ©oll* 
jug aber berjSgerte fich bi$ in bie Anfänge ber Regierung be$ 
$atfte« Urban V. <£rft bamatt tourbe restlich ba« 3nterbift 
in ganj Stteberbaiern aufgehoben, tourben auch bie Untertanen 
ber bereite früher bur<h ben Crjbifchof $eter bon Sambrai 
Ioägefprochenen $erjoge ffiilhelm, Silbrecht unb Otto gegen 
(Erfüllung getotffer SBebingungen abfolbiert *). 

3n Oberbaiern jeigten 8ubn>ig$ V. foätere {Regierung* 
fahre 8 ) nicht* mehr bon ber (Energie unb SRührigleit, toelche 

1) Contin. Zwetl. quarta nnb Annal. Mataeens., Script IX, 687. 
830. 831; 8t(hnoto8f$, Slege^en ttr. 202a 2024. 2036; Änrj, 
fObrecht, 374; Jtleimatpern, 3ntoat>ia, 422—424; @»<hem»lrt« ©erle, 
ed. $rimiffer, 61.62. Sgl. auch 3iU«er, 6al)burgifche Qefchlechter- 
flutten: 2Mc Sana (SWittheUungen &. ©efettfeh. f. CMjbnrger 2anbe«tunbe, 
1882, 144f.). 

2) Oefele II. 184; ©über, töeg. Snnocenj VI., 85. 

3) <8r»5t)nt fei noch, bag Snbtoig ben Äbt Cberhatb ton ber »eichenem 
(einen $errn ton ©ranbifj) nnb beffen Nachbarn, bie $erren Ulrich nnb 
©alter ton Klingen, bie befönlbigt waren, feinen nnb feiner Liener 
©«haben gethan nnb geworben ju haben, in feiner $aft hielt. 3hre Ur* 
fehbe bei ber Cntlafjnng tont 8. 9Rai 1359, München, liegt im 



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66 



Xob Subtoig« V. 



bie 3ugenb btefe« gfirften au«gejei<$net $atte. Sin glänjenber 
$elb ber 9iitterfc$aft> $atte et al« (Jüngling unb 9Jlatm in 
©ranbenburg, glanbcrn unb Zxxol ben 9lu$m be« bairiföen 
©anner« $o($ge$altcn. SBte oft toar er im ©$(a$taetofi$t 
geftanben, fett Jenem lit$auif$en ftreujjuge ton 1326 *), top 
bie berjtoeifelte £aj>fer!eit be« $eibniföen dürften SWarger bie 
©urg $töenen nictyt retten tonnte! Uber toenn er 1357 oor 
ber fturie feine leibenbe <8ejunb$ett betonte , bärfte er foeber 
eine leere 9fo«fltt($t gebraust noc$ einen oorfibergefcenben 3^ 
ftanb beilegt $aben. Seine 8eben«fraft fctyeint oorjeitig Der* 
ftegt au fein, fo bafc bie 3ö8*l ber {Regierung längft ermäbeten 
Stmen entfonfen. Huf ber {Reife au« 5Eirol na$ feiner bai* 
riföen $auptftabt fd^Ioß er am 18. September 1361 )u 
3ornebing bei SDlfinctyen bie Äugen, immerhin fo unerwartet, 
baß au$ $ter toieber ba« ©erebe ton einer Vergiftung auf' 
lommen lonnte, toietooty nictyt fo ptöfcUc$, ba& bem ©terbenben 
ber ßmpfang ber ©aframente oerfagt geblieben toare '). 



©ctyon oor Sauren $atte Subnng für ben gaU, baß jur 
3eit feine« lobe« fein etnjtger äberlebenber ®o$n 2D?ein$arb 
no$ ni$t Doßjä^rig toäre, feine Oema^Iin ju beffen 33ormün* 
berin unb jur Wegentin lirol« unb al« 3Kein$arb« 9?at fe$« 
fetner $eimlic$en beftimmt 3 ). Diefe Verfügung toar nun 

1) 3m gebruar btefe« 3a$re« fam Subtoig mit anfe^nli^er 3Ra$t 
na$ Greußen. 3. »otgt, ©ef*. $rengen« IV, 534 f. 

2) Annal. Eistett. 548; £obe«ort bei % Den t in III, 469. gßr 
ben £obe«tag bfirfte ba« ©etigentfraler ftefrolog (M. B. XV, 537) ben 
»or*ug Detbienen. »ergiftung«gerfid&te bei Qofttoin bon SRartenberg, 142, 
unb gUi^o «ittani (Muratori, Script. XIV, 744). fta* Unterem 
$at fotbtoig« ©etna^in bie 5£$at im fctatoerftönbni« mit tyrem «u$fen 
Äonrab bem grauenberget unb au« gur<$t bor fiubtoig« töad&e auf ber 
tttffe bon Xirol na$ SWÜnd^cu in Rotimbergho (toofjl Battenberg) 
bottbrad&t. 

3) ttegeften 9fcr. 231. 232 bei $ über, £irot. Über SReinfarb« ®c- 
burt«jeit f. ebb. 53, 9tom. 2, über feine Regierung au* ffieflen- 
rieber, »ertytigungen ber 9tegierung«gef$i$te be« $erjog« SR., 1792. 




$ie ^arteten an $. 2Nein&arb8 $of. 



57 



gegenftanb$lo$, ba ÜBeinharb, toahrfcheinlich um 1343 geboren 
unb fett bret fahren mit ÜJiargarete bon Cfterreich bermähtt, 
baS Sllter ber SKünbiflfeit bereits erreicht ^atte. 8ln Se(bft* 
ftänbigfett be$ ©Wen« aber fehlte e$ beut, toie e$ fcheint, auch 
förj>erli<$ fchmächlichen 3üngling in folgern SDta&e, baß et fo* 
gleid? bon aflen Seiten toie ein Unmünbiger betrachtet unb be* 
hanbelt tourbe. ©eine Shwnbefteigung gab für Oberbaiern 
ba$ 3ei$en ju inneren ©irren, einem Slbelöregtment unb 
nachbarlicher (Sinmifchung, genau toie ein ^albeö 3ahrhunbert 
borher SRieberbatern unter brei unmünbigen $erjogen bieS alle« 
burchgefoftet hatte. 

©o unjureichenb unfere ftenntm* biefer Vorgänge ift, fo er* 
hellt boch jiemlich beutlich, baß am SKünchener §ofe jtoei ^Jar* 
teien ben befcerrföenben Einfluß fich ftreitig matten unb baß 
bie eine berfelben, toelthe im ©eleife ber borigen {Regierung ju 
bleiben unb ben engen 2lnfd?fa{$ an Öfterreich ju ermatten 
tounfehte, burch bie $erjogintoitme , ÜReinharbS ©emahlin 
unb einige föäte be$ alten Surften bertreten toar. Der junge 
SKeinharb felbft hatte fech« 3ahre am Sßiener §ofe gelebt. 
3n feinem ©chtoager aber, JWufcotf IV. bon Öfterreüh, mar 
ein gürft auf bie ©ityne getreten, ber fich mit feinem faifer* 
liefen ©chtoiegerbater in ben Wen fielen ehrgeizigen Streben«, 
in ber ßnergie be$ 3ugreifen8 ^ c m geinheit ftaatö* 
männifcher ^Berechnung toohl meffen fonnte, in ber ©etoiffen* 
loftgteit feiner ^olitif aber einjig baftanb. Unerreicht ift ber 
Srfolg feiner großartigen Urfunbenfälfdjungen 1 ), burd? toeld?e ein 
ganjeö Staatsrecht auf SBetrug aufgebaut unb ben ßfterreichi* 
fchen Säubern eine bom SReich nahezu unabhängige Stellung 
erichlichen tourbe. Die ÜKögtichfett in 2irol guß )u faffen, 
toar ben Öfterreichern feit 1330 nahe getreten (Sb. II, 429). 
3mmer boü bon toeittragenben Plänen, rechnete SRubolf feit 
3ahren mit biefer Sluöficht. äKargarete ÜRaultafch hatte er 

1) Söobei (Srtoä^nung toerbtent, baß man im SMittelatter Urfunben* 
fätf jungen bo$ nic$t gar fo na$ft$tig beurteilte, tinc bie 2ad?e &un>eUen 
bargeftettt totrb. 1425 tourben in töegen«burg gälföer bon (freiU$ nicht 
ftaatS* fonbern jmbatrec&tlityn) Urtunben »erbrannt. Oefele I, 24. 



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68 



Betreibung SEirott 



fcoflftänbig für fi<$ getoonnen imb föon ju SeBjeiten i$re« (Be- 
malte berbanfte er i$rer ®unft einen großen (Erfolg; am 
Sage i$rer 8o$|>re#ung *>on ben ftirdfrenftrafen (2. ®tpt 
1359) hatte fic bcm bamaW in SRündhen toeilenben Setter 
unb feinen SBrfibew bon Dfterreich oW tyren nächften SSer* 
»onbten für ben galt, baß fle, ihr ®ema^I unb ihr @oh» 
Sßetn^arb ohne Seibtferben ftüiben, ihr {$ürftentum SHrol Der* 
macht 1 ). Sie fleh Subtoig ber ©ranbenburger biefem ©dritte 
gegenüber behalten f)atU, ift ni$t belannt. $ätte er fein e$e* 
$errli<he* (Sin&erftänbniä ausgebrochen, fo toäre barin ein frei* 
ßch Diel ju teurer $ret$ ju fu$en, ben er ben Öfterreid^ern 
für ihre Vermittlung in ber firctylicfyen Angelegenheit jaulte. 
Da inbeffen bie Urfunbe bon feiner 3ufttmmung föferigt, ift 
fehr toahrfd&einlfch, baß eine foletyc nicht borlag unb baß üRar* 
garetenä ©erm&htni* hinter feinem {Rüden erfolgte. Daß 8ub* 
toig bie rechtliche »uffaffung feiner ©emafyßn, toonach fic allein 
über lirol ju verfügen fy&t, nicht teilte, läßt fleh urfunbluh 
ertoeifen. HW er am 19. Degember 1353 Margarete für ben 
goß, baß fic ihn überlebe, bie ©täbte 3nn$bruÄ unb $oü unb 

1) ©aber, Bereinigung £troW, »feg. 9lx. 317. Über bie toiel um« 
flrittene <8<htheit biefer Urtunbe (tofibrenb ftr. 319 allgemein als mte$t 
betrautet toirb) t>gt. ©über a. q. D. 125 f. WeuerbingS $at b. Sie- 
benau (Hrgofcia VIII, 209—211) bie Urfunbe aW eine bon BtobolfS 
Äanjler, Sojann toon ^la^eim, gefertigte gfilföung nadföutoeifen gefugt 
2>afj fle äußerlich burd&au* baS ®e*>räge ber (S^t^eit trSgt, fann in 
biefem gaHe in ber 2$at nichts bereifen, dagegen föeint mir trofc 
aller ©cbenfen, bie gegen bie <5$t$eit forechen, in folgenber (Srtoägung 
ber 2lu«f(hlag ju ihren ©unßen ju liegen, ffienn tönbolf am 21. SM 
1360 (©über, 9ieg. Kr. 233) beurlunben mußte, baß ber Äaifer fcirol 
ben $absburgern nicht geliehen $abe no<h aerfchrelben tooUe, fefct bleS 
bo<h roo^t toorauS, baß er beim Äaifer, fei eS unter ©orjeigung ber «b- 
tretungSurtunbe SRargaretenS, fei eS unter einfacher Berufung auf bie- 
felbe, fleh »ergeben« um bereu (Genehmigung unb bie ©elehnung bemüht 
Jatte. $atte Margarete bie Urtunbe nicht auSgeflellt, fo lief er bei 
biefem @$rttte ®efa$r, baß fle bom Äaifer hierüber einbernommen ober 
auf anbere Seife bon bem ©etiuge in ÄenntniS gefegt unb burch beffen 
Jfofbedung fein @j>lel in Xixol für alle 3u(unft berborben toürbe. <SS 
ift fdt)t»er gu glauben, baß er ein foldt)eS föagnis auf fUh genommen h&te. 




an $>. fltubotf t>. Ojierrcicfc. 



59 



bie ©urgen ®t. feteröberg unb Ortenberg oerfd&rieb, ^atte 
er erflärt: foüte er o$ne „leibliche (Srben" fterben, fo foHten 
biefe ©efifcungen an feine „ßrben", b. ff. bie Agnaten jurüd' 
fallen x ). Da 2iroI 1342 fcom ftaifer an i$n, feine ®ema$lin 
unb beren ©rben üerliefcen toorben toar, lieg ftc$ gum minbeften 
barüber ftreiten, ob baö 8anb, fall$ 2ftein$arb o$ne SRa^fommen 
bliebe , nac$ beffen lobe an feine SKutter jurüdfaüen, ob e« 
bann ni#t an bte tt>ittel3bac$i(c$en ©eiten&ertoanbten übergeben 
foüte. SWargarete beanforu($te für biefen gall ba$ erftere, unb 
ba bte paböburger nur al$ @rben SDiargaretenS, nid?t üWein* 
$arb$ auf bie Stfadjfolge in Sirol rennen tonnten, befianb eine 
natürliche 3ntereffengemeinfäafi jtoifc^en beiben. SBenn aber 
berietet toirb, baß SBiargarete mit i&rem ©ofyte fogleid? loegen 
SEirolö in $änbel geriet 2 ), fo liegt bte Slnna^me na$e, baß 
fie Won na<$ bem £obe ifcreS ®ema$l$ bort bte ^Regierung 
ober einen Slnteil an berfelben forberte. äußer bei ber §er* 
30gin*äßitü>e unb 3JMn$arb$ ofterretd&iföer ©ernannt lägt ft<$ 
toenigftenS bei jtoeien ber einflußreichen {Räte beä oerftorbenen 
$erjog$ unb jtoar bei ben jtoei einzigen ©aiern, bie bie(er 
unter feineö ©o$ne$ SRate aufgenommen $atte; bem 3äger* 
metfter Humeröbrutfer unb bem $ofmctfter Ronrab oon grauen* 
berg, öfterrei^iföe ©efinnung »orauöfefcen. @8 liegen Urfunben 
fcor, auä benen fieb ergibt, baß £erjog SRubolf biefe beiben 
©eamten (20. £)ej. 1359) bur$ 3umeifung ftatttic^er ©in* 
lünfte oon ben öfterreiebifäen ©urgen ©tein unb $rem$ in 
fein Sntereffe gejogen $atte 3 ). 

Die ©egenpartet bitbete bie große ÜJtaffc beS oberbairifd&en 
5lbel$, ber bei 8ubtoig8 V. langer Slbmefen^eit in ©ranbenburg 
unb £irol unb bei ber übertoiegenb nic$tbatrtf$en Umgebung 
biefeö gürfien, tote midjtige Soften au$ einjelne ©aiern unter 
t£m in Sranbenburg unb SEirol erlangt Ratten 4 ), feinen (Sin* ■ 

1) $.*2t. %u$ 6« * über, Bereinigung SttrotS, 5Kr. 158. 

2) Annal. Eistett. 1. c. 

3) § über, Skr. fctrol«, SWcgcficn Wx. 229. 230. 

4) gür «ranbenburg f. Sürbinger, ©bcrbai?erifc&e bitter im 
SHenfie ber n>ittettbac$. SKarfgrafcn *on «ranbenburg (Oberbaar. %x$. 



60 



abeWbünbni« *. 1361. 



flu§ im gangen bo<$ gefetymälert fa$. 3" Mcfen Unjufriebenen 
gehörten bie greiberg, f>ö$enrain, $ienjenau, 3Jlajlrain, $rei- 
fing, ffialbed, grauenfcofen, ©umpenberg, Styaim; an tyrer 
©pifce ftanben bie Steigerten Ulridfr &on Mben«berg, Utrtcty 
toon Saber unb ber ^ctjogli^e Dtenftmann $>ifyolt Don Stein l ) f 
($ilpoltftein) ber frühere 8anbe«$auptmann &on Oberbeuern, 
beffen Ä$nen 9lei#«minifterialen getoefen. Dtefe Partei toar 
einig in bem Streben bie ^erjogtmoittoe unb ben Dfterretyer 
ton jebem Cinflug auf bie {Regierung aufyufcfyttefjen, ben jungen 
lenlfamen $erjog aber oon ftd? abhängig unb ju biefem 
3a>e<f im Sanbe ju galten. SBar e« unter bem Sater gut 
Kegel getoorben, bag bie $>of Haltung in lirol toetlte, fo 
follte bie« nun ein ßnbe nehmen. Saum frttte man bie 8ei$e 
be« alten $erjog« jur 9lu$e gebraut, fo toar ber Sieg ber 
HbeWpartei unb i$r be^errföenber Sinflug auf ÜWein^arb be* 
reit« entfetyieben ; toa$rf#einlicty tourben eben bei bem feierlichen 
SBegrabniffe bie nötigen Äbraactyungen unter ben au« allen Seilen 
be« 8anbe« $ieju ^erbeigeretften Herren getroffen. Sine Stornier* 
Bereinigung 8 ), meiere ffinfunbfünfjig Hoelige am 28. September 
1361 auf jefyi 3a$re mit SWein^arb unb bem $rinjen grieb* 
ri$ Don SRieberbaiern föloffen, enthielt au$ ba« 83er|>re<$en 
gegenfeitiger $ilfe im Ärieg«faHe unb tourbe, totetoo^l bie Sta* 
tuten im übrigen bie politi]'$e lenbenj jurüeftreten laffen, al« 
SIMittel gebraust, ben 3 u f ammcnl faft *>tx Partei ju fid&ern. 
<g« toar oon SBid&tigfeit, ba& and) einer ber @ö$ne fterjog 
Stefan« Don SRieberbatem, ber toegen be« $eirat«gute« feiner 
©ema^lin unb ber eigenen 9u«ftattung mit feinem S3ater jer* 
fallen toar, bem SBunbe fi$ anfctylofc. äßit i$m traten au$ 
mehrere ©lieber be« nieberbairiföen 3tael« bei, u. a. bie ©rafen 
^einrieb ju SBartftein unb ©ityelm ton @($auenberg. 

XXXIV, 327 f.) nnb griebrt$ *on 2o$en, Sanbe^aityttnaim in ber SRart 
(8ife.-©er. b. SRün<$ener Stab. 1874; g. toon So^en toarb bon ©utfcen- 
ttrirt befungen; ed. ^rimiffer, 54—56); für fcirol $uber, ©er« 
eintgung £troW, 120—123. 

1) Hnbrea« toon 8tegen«burg (bei Euari, Corp. I, 2114; b. gre$- 
berg U, 439); beftötigt bnr$ bie Utf. D. u. <5r. VI, 465. 

2) O. u. Gr. VI, 465. 




Sic BairifAen faxitkn u. Äaifer Statt 



61 



Der ooHftänbige ©ru# mit ber ^Joltttt be$ alten $erjog$ 
offenbarte fi# barin, ba§ biefe ?lbel$)jartet , um gegenüber ber 
^erjogtnmittoe unb ben $öfen t>on ffiicn unb 8anb«$ut einen 
ftarfen SRüct^alt ju genrinnen, mit bem bisherigen SBiberfadber 
ber oberbairifd)en 8tnie, bem ffaifer anfnüpfte. Sie orbnete 
fogleid) eine ©efanbtfd^aft an Jfarl ab unb lieg i$n um eine 
3ufammenfunft mit §erjog 3Äein$arb erfud&en. ü»u|te ber 
Raifer biefe au$ auf günfttgere $tit üerfd&teben, fo erguff 
er boc$ gern bie (Gelegenheit feinen ©nflufc auf Dberbaiern 
au«jube$nen ; er na$m ben $erjog ütteinfcarb unter feine SRäte 
unb fein §ofgefinbe auf, förieb am 11. Oltober au« Sauf bei 
Dürnberg an bie SRäte unb $ofleute beö $erjog«, ba& er 
beffen gürftentum in feinen ®t$ufc genommen, unb nrie« fie 
an, ben £)et}og nad> SKa&ftab ber ®ere$tigfcit fomie feiner 
<£$re unb Öequemli^feit ju leiten unb ju toeifen 1 J. 

Der Slnfd^Iug an ben ffaifer toar um fo bebeutungöooöer, 
al« JRubolf fcon Öfterreic$ fid^ mit biefem überroorfen $atte. 
?lm 31. Dejember 1361 fd&lojj er mit bem Könige oon Un- 
garn ein SBünbniS gegen feinen <S$tmegeröater, aber, toa« fefcr 
raerfmürbig tft, er fd^tog e« jugleidfc im tarnen feine« ©c^toager« 
SKein^arb 2 ). ffiir toiffen ni$t, ob er $iemit me$r beurfut.bete, 
al« feine 3Mmac$t geftattete, ober ob 3ttein$arb $ier einmal 
bie SSbft^ten fetner JRäte bur^freujte. Sben biefen SRäten aber 
teirb e« xoofy juju r d?reiben fein, toenn ein tyren $erjog gegen 
ben Äaifer aufftiftenber ©rief SRubolf« in ffarl« $änbe ge- 
langte, ber i$n bem Äurffirftenrate tortegte unb ben §ab$< 
burger jur SRectyenfcfcaft aufforbern lieg 5 ). 9luc$ gef$a$ eö 
n>o$t auf i$re Semityungen, bafc ber ftaifer am 15. 3anuar 
1362, fei e«, bafj er ton 2Hein$arb$ Söunbe mit 9?uboIf ba* 
mal« no# feine 5tta$ri$t $atte, fei e«, ba§ er babei einen 
SKif brau^ ü0 « 3Kein$arb3 tarnen t>orau«fefete, biefen unb 

1) D. u. (5r. VI, 471. 

2) Steyerer I. c. 333. 

3) «oemunb t>on %xitx an Hubotf, 1362, 2Rfirj 23.; Hont- 
heim, Hist. Trevir. dipl. II, 223 (too ftott Reinharten Meinharten 
ja Ufen tfl). 



62 



$er$og flRein&arb 



ben ^ringen griebrich auf« neue in feinen unb be* Weiche« 
©<hirm nahm unb ihnen gegen jeben Angriff feinen @$u$ 
berfprach. Aber auch §erjog Stephan erlangte am felben 
Zage Dom ftaifer toichtige Privilegien l ). (Segen Öfterreich 
hielt man fxc^ bamatt am faiferlichen $>ofc ber Unterftflfcung 
aHer bairifchen $erjoge fccrjtchert *). 

»ieflei^t eben auf ba* öftetretchifche ©ünbni* ^in ^atte 
mittlertoeile 9Retnharb$ Umgebung eä geraten gefunben, bie 
3ügel, mit benen flc ihren unreifen $errn leitete, ftraffer an* 
jujiehen. ©ie entführte ben $erjog au4 SDlünchen nach bem 
Horben bed Sanbe«, n>o bie brei Parteiführer ihre Surgen 
Ratten, von too auch eine gluckt nach Zixol, toelche ber Hbel 
ju befürchten toohl ©runb hatte, toeniger leicht ju betoer!* 
fteüigen mar. Den ganjen 3anuar 1362 treffen totr ben 
$erjog in Ongolftabt, im SWai in SReuburg a. b. Donau. (Ein 
Sefuch, ben er bajtoifchen (1. Äpril) am SBiener |>ofc machte '), 
beutet entoeber auf einen nochmaligen Hnlauf ju felbftänbiger 
Gattung be4 fjfirften ober auf ©chtoanfen in ber $otitit feiner 
9?äte. 9fach feiner SRüdfehr ton Sien trat ÜReinharb unb 
mit ihm fein unjertrennlicher ftreunb, Prinj griebrich, mit 
bem ©rafen (Sberharb oon ©irtemberg in SSerbinbung unb 
am 26. Styrit 1362 gelobte biefer ju Donauwörth, feinen 
@ohn Ulrich mit ÜWeinharb« SKuhme (Slifabeth ju vermählen *), 
beren erfter Oemahl Sangranbe am 14. Dejeraber 1359 er* 
morbet toorben u>ar. 

83on ber $>erjoginurittoe foQte man ertoarten, baf fie t>or 
allem bei $erjog SRubolf bie $ilfe fuchte, beren fte jur ffiieber* 
herfteOung ihre« ©nfluffe« beburfte. Darüber liegt tabeffen 
feine Nachricht oor, Ja e* fcheint, baf bie §erjogin einige 3"t 
mit bem $ab$burger nicht auf* befte ftanb. ©ie foH }u Hn* 

1) $nbcr, «eg. ftarfc 9hr. 3809. 3810. 

2) ba$ ©^reiben be9 taiferüdjen Äanjlert, «iföof 3ohann t>on 
Sentomiföt, bei Böhmer-Ficker, Acta imp. sei. 764. 

3) Fontes rer. Anstr. II, XVI, 266; ©über, 2ftot, 72, «um. 

4) O. n. ©r. VI, 472; *gt <m<h *. ®taiin, ©trt. Oefa. in, 285, 



ttmn. 2. 




unb feine Genfer. 63 



fang 1362 in 9?egen$burg eine Unterrebung mit §erjog ©tep^an 
unb bem ^faljgrafen SRupredjt gehabt $aben, toelc&e 9)ietn* 
$arb unb (eine SWatc t$r fc^r verübelten *), Daö 33er$ältni$ 
Stefan« jum SBtener $ofe aber toar bamal« faum ein 
- freunbli^eö; am 29. 3anuar 1362 f<$lo§ 9iubolf ju ©alj- 
bürg ein SBünbni« mit grjbiföof Ortolf unb beffen $oc$fttft 
unb i>erfprad& biefcö befonberS aud; ju unterftüfeen gegen bie 
Slnfprüc^e ber nieberbairifdjen §erjoge auf §aü, bie ®eri$te 
SBilbenecf unb SBalb, bie SBogteien ju äftonbfee unb im Sutern* 
gau, tote in ben ©treitigfeiten ttegen einiger jum ©djaben 
^©aijourgs geoauter würgen 9 ), ycoc^ üeuutcger ai» ote unter* 
rebung mit ©te^an toeift auf eine freiließ nur öorüberge^enbe 
Grntfrembung SKargaretenS üom ©tener §ofe, bafc biefelbe in 
ber ga§nad)t, ©djufc fuctyenb, aud? na$ Dürnberg jum Staifer 
fam. Davon melben jn>ei ©djreiben beS faiferlid&en SanjlerS, 
ber juerft faum JBorte finbet f um feiner SSertounberung über 
ba« beöorfte^enbe (Ereignis genügenben Huöbrucf geben, bann, 
nadjbem ffart feine alte Sfcwbin flüttg empfangen, ni$t toeif, 
ob er bie SWilbe feines §errn loben ober cerabfd^euen fofl. 
ßr tergleidfrt bie unheimliche bämonifdje SBittoe mit Stim^ilb, 
unb bajj fie, bie bem ßaifer „8anb unb 8eute in Summer unb 
arbeit gefefct", nun ju folgern ©dritte fi$ entföloffen $abe, 
bünft i$n ein toa^reö gaSnadjtabenteuer , eines ber fünfjefyt 
3eic$en, bie vor bem iüngften Sage ertoartet toürben. @a 
freunbli* ber Äatfer bie SDIarfgräftn empfing, er fcetfagte fic$ 
bo$ nid^t bie ©enugt&uung, t£r ben fraftftrofcenben ©o$n 
feine« ©ruber« 3o$ann §einrid? torfteüen ju laffen als un* 
unbewegliche <5ntfräftung ber fäimpflidjen Stnflage, mit ber fie 
i$ren erften ®ema$l öerftoßen hatte 3 ). 

1) ©emetner, SRegenöburger (S&ronif II, 123, au« ber SKegen«- 
burger Äammertec^nung. 

2) Urt. bei $uber, Strol, 209. 

3) ©. baS von ©Börner in ber 3citf*r. f. beutle« «Itettum VI, 28 
toeriJffeutü$te ©^reiben unb ben fNföti* ju 1351 gefegten ©rief be« 
ÄanjlcrS bei Dobner, Mon. Boemiae IV, 337, reo befonberS bie 
©egenübcrfletfung ber frönen $o$enlo$e unb ber ^äßlt^en SDtafgräftn 
bcntlty mt, baß ber 8e[u« bereit« ftettgefunben §at. 



64 



Ärieg ©tefcban* unb ber oberbairif<ben ©tSbte 



Der ©turj be« oberbairifchen abettregimentt aber erfolgte, 
ohne ba| *toc SWittoirfung 9Rargareten$ fieser nachjutoeifen 
märe l ), bur# ba$ (Eingreifen ber untteläbadriföen SBettern, $er* 
jog Stephan*, feiner ®6^ne ©tep^an unb 3o$ann, unb ber 
^faligrafen SRupre^t b. ä. unb {Ruprecht b. j. Diefe gürften, 
benen bei längerer Sortbauer ber 3bet*$errf$aft im SRachbar* 
lanbe »ohl bie eigenen 3ntereffen gefährbet erf<hienen, benufcten 
bie ÜRißftimmung ber fcertoaiften {Refibenj unb ber ganjen*) 
©firgerfc&aft Dberbaiern*, famen nach üWfincben unb fchloffen bort 
am 5. SWai mit ber $>auptftabt unb ben übrigen ©täbten (unb 
einigen üRärften) Cberbatern*: ffiafferburg, SanWberg, ©eil* 
heim, Hicbach, Pfaffenhofen, ftifebfihel, «ibling, ©olf* 
ratö^aufen, Da^au, ©djrobenhaufen, fotoie mit jtoeiunbjtDanjlg 
Vetren, meiere eine bem bisherigen {Regiment ferngebliebene 
ober fleh nun baoon loGfagenbe 9Jtinberheit be$ 8bel$ oertraten, 
einen SBunb, ber ba$ 3*^« J ur SrSffnung be« SöfirgerlriegS gab. 
8ngeficht$ ber ©darnach unb be6 oerberblichen ©(habend, toeUhe 
SDleinharb, fein 8anb unb feine Seute erführen bur<h jene, bie 
ben £>erjog bem 8anbe entfrembet unb entfährt hätten, erflarten 
fie, mit feinen Untertanen fibereingefommen ju fein, bafj 
üßeinharb feine fürftliche ©etoatt beffer h^nbhaben unb 8anb 
unb Seute beffer formen foUte. Die SSerbünbeten Iflnbeten 
3Jlelnharb$ Pflegern unb {Räten ben ©chorfam auf, erflärten 
attrt für fraftloä, n>a$ unter bem oon biefen bem §erjoge ge# 
machten ©iegel erlaffen toorben toar, unb fprachen au«, baß ber 
$erjog fortan überhaupt feine Pfleger mehr f)ahtn foHe s ). 

1) Senn man nu$t auf ein etfeaft unflate* 3eugni« au$ ©enebig (bei 
©imonSfetb, Urfunben j. ©efä. be9 gonbaco bei Xebtftfi, 9lr. 191) 
(Betriebt legen tritt, »o toon einer $arteiung jtoiföen ber SWutter be9 
SRarfgrafen ton ©ranbenburg unb $erjog ©tepban einerfettS, bem SWart- 
grafen bon ©ranbenburg anberfeit* bie Webe iß, unb tw> unter bem 
SRartgrafen nur SWeinbarb fcerflanben »erben fann. 

2) AnnaL Eistett 1. c. fagen jtear, bag jebc gartet einen Seil ber 
etSbte für fl<b gebabt bStte; bie« totrb aber bnr$ bie Urt M B. XXXV b, 
107, »iberlegt, benn bort fehlt auf ©tepban« ©ette leine oberbairifebe 
©tabt auger Aufflein unb Wattenberg, bie bamal* gum ©ittum SRar- 
garetend gebörten. 

3) ©unb mit ben «beiigen O. u. Cr. VI, 474; mit ben ©tSbten 




gegen ben o&er&airifäen «bei. 



«6 



©eibe Parteien rfifteten parle $eere au* unb «nfang« 
Suni rüdten flc in* Selb, (Bliebet eine* ©tamme«, Me näcfttat 
9lac$baru, ja SBater unb ©o$n als geinbe gegen einanbet; 
bemt ©te$an« ©ofyt f$riebric$ Hieb feinem ©unbe mit SD2ein^ 
$arb getreu. ffiie ein torje* »orftriel eröffnet biefer Äampf 
bie lange JRetye oon inneren ftriegen, bie mm in unferem SBater* 
lanbe ^unbertunbjtoanjig 3a$re $inbur# in föneUen ©tö&en fi($ 
folgen foHten. Über ben ©erlauf be$ rafö beenbtgten gelb* 
$ug$ frtben mir nur feine 9?a#rtc$ten. Solgen toir (Ebran 
oon ffiilbenberg, fo toarb äWein^arb in bem, toie eS fctyeint, 
aben$bergifi$en x ) ©#loffe ftotting** ober 8tttter«toört$ bei 
©eifenfelb an ber 3lm oon ©tep$an belagert, bann ton bem 
fceranrfidtenben griebricty entfefct. ©alb mußten ftc^ bie jungen 
Surften bo$ naety Auburg an ber Donau unb toeiter in ba$ 
bebtet be* ©iföof« »on <Su$ftäbt jurüdjte^cn. Diefer, ©ert* 
$olb and bem $aufe ber Burggrafen oon 5Rfirnberg, looHte, 
tote e* $ei§t, 2Wein$arb $eimlic$ entführen; aber in ©Osburg 
erfannten bie Sauern ifcren iungen $erjog trofe feiner 83er- 
fteibung. ©amt bem ©iföofe gefangen 3 ) (16. 3uni), toarb 
er naety Ongolftabt geführt unb an $erjog ©tepfym ausgeliefert, 
ber tym ÜHünc^en jum Äufentfcalt antoieä, tootyt audj alle 9Rafj* 
regeln traf, um einen toeiteren (Stnflug feiner Wäte ju Oer* 
$inbern. ©obann näherte fi$ ©tepfcon £)fterrei$ unb f($lo| 
ju $affou (31. 3uli) mit $erjog «ubolf einen ©unb, beffen 

M. B. XXXVb, 107; Steyerer, 660; ffiefltnrieber, Beilage 6, 
9, 11. 3)ie «beWfamttien maren in ifcrer Parteinahme jnm 5£eU fogar 
unter fl$ gehalten, fo bie 8to$rba<$ unb Laiming (O. u. Cr. VI, 466. 
474). 

1) Oefele I, 308. Unb bie« fyri$t eben für (Sbran« 2>arfteJfong, 
ber an$ «Dentin folgt, ntftyreub Bnbrea* bon ÄegenSburg (t>. gre^» 
berg n, 439 unb Pez, Thes. IV c, 580), auf bem Onforg (Oefele 
I, 366) unb Brütet (b. grepberg I, 113 unb Pez IIIc, 352) be- 
rufen, eine afctoei<$enbe gibt. 3)er filtefte ©eri$t in ben Annal. Eistett. 
L c. ernritynt bie Belagerung ni$t. (Sine abfcetyenbe $ronologif<$e «n- 
orbnung bei ffiürbinger I, 43, «um. 1. »gl. an$ $uber, £irol,72. 
Statu. 

2) 3)abon $at au<$ (Dotoin gehört (6. 146). 
«teilet, eeftiftte Oaiernf. m. 5 



66 



©pifce etnerfeit« gegen ben Äatfer, anberfeit« gegen eine ffiieber* 
fe$r be« Ubettregiment« in Dberbaiern flcty richtete. fllubotf 
lam im Äuguft unb normal in ber jtoeiten §älfte September 
na$ üßünd^en, xoo bamal« au# bie $erjogintoittoe »eilte. 8m 
20. September vereinbarte er bort mit Stefan nnb beffen 
@ö$nen Stefan unb 3o$ann, baf üßein^arb, fall« er noc$* 
matt au« feinen Sanben entführt ttfirbe, bon tfyten gemeinfam 
befreit toerben foflte, ein fibfommen, ba« tag« barauf au$ 
JRat unb SBürger bon 9Jtün<$en beurfunbeten. $rinj griebricfc 
fyxtte ju$ f#on bor$er (5. @ept.) ju 8anb«$ut mit feinem 
SBater unb ben SBrübern auf bie SBebingungen au«gefö$nt, baf 
er Iraunftein, SDlarquarbfiein , bie lifaufe, ba« ®raffauert$al 
unb JRofen^etm borau«be!oramen unb feine Oematyin 2lnna, 
fall« er o$ne (Erben ftfirbe, biefe ©ttter jeitteben« inne $aben 
foHte l ). 

Irofe aller Sorforge n>ar £>ergog 3Kein$arb ni#t in 9Wün<$ett 
)u galten. (Er fyxtk ben lirolerri auf t$re Sitten Hnfang« 
3uni ben Sogt U(ri<$ b. \. bon SDlatfö att 8anbe«$aiq>tmann 
beftetlt, bem ber 8anb$ofmeifter |>eittrtc^ bon ^Ottenburg jur 
©eite ftefcen feilte. 3n biefem ßanbe $errf($te lebhafte (Ent* 
rfiftung über bie bairiföe Hbel«ßppf$aft, bie tyren $erjog bon 
©tabt ju ©tabt, bon ©urg }u ©urg *)• bic in 

©ojen uerfammelten liroler ©taube in einem Schreiben boü 
bieberer Ireu^erjigfeit an SWein^arb bie Hufforberung richteten 
)u tynen }u fommen, n>o er beffere ffiürbigung unb weniger 
berberblid&e (Einflüffe erfahren toerbe att braugen in JBaiern, 
unb tynen fein ju getrauen unb ju glauben, entflog ber iunge 
gürft na# feinem ©eburttlanbe ; am 21. DItober toar er auf 
@<$lof Xirol 8 ). (Einige Zage »or$er Farn $erjog ©te^an 

1) $uber a. a. £)., Heg. SRr. 252. 253.254. 256. 257; Steyerer, 
663. 

2) Qofttoin t>. SRarienbcrg, 146. 

3) $uber a. a. £>., «egefi 91r. 250. 251; über bie <&$tyeit be« 
«^reiben« ber Xirolet @t&nbe U\ Gemeiner II, 129, «nm. f. $uber, 
76, 3nra* 1. Mx$ am 30. @cj>tember fcatte 2Rein$arb ber etabt 
SRümfcn für bie im «firgertriege erlittenen Sertufle eine totf<$Sbigung 
geteert; M. B. XXXV b, 110. 



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unb £ob. 



67 



mit feinem gleichnamigen ©ohne nach SKünchen, um ben Hu** 
gleich mit ÜWeinharb unb griebrich »egen be« legten Sluflauf* 
ju <5nbe }u fügten; et fanb feinen Steffen Bereit« entwichen 1 ). 
Da biefer fein ©iegel in Zixol fogleich bem Dompropfie 3ohann 
»on ©rijen, iRubolf« $offaplan, fi&ertrug, ift fehr toahrfchein* 
lieh, bog feine gluckt im $ab66urgtf$en 3ntereffe erfolgte, unb 
bie Annahme, baf? SRubolf bem SWteberBatero gegenüber bereite* 
©piel foielte, liegt nahe genug, menn fic fich auch nicht er* 
meifen lägt, ©d&on am 13. Sanuar 1363 aber enbete SWem* 
harW lob 2 ), ber in ÜWeran erfolgte, bie ^Bemühungen ber 
Parteien ben unreifen $>erjog p lenfen unb an ©teile be* 
SJetteiferä um feine Obhut traten heiß* kämpfe um [fein Crbe. 



#trjog Stefan II. i» Cbcr&öicr* «Mb ftiefatrfaiertts 
8Ä«b$lj«t, 1363— 1375. »erl«jiStri>l* M«b»mbeiu 

6itrg§- 



Sluf bie Nachricht &om lobe feine« jugenblichen ©chtoager* 
eilte $erjog JRubolf burch ba« $ufterthal, mit beffen §erren, 
ben ©rafen »on ©örj, er in Beften SSejiehungen ftanb, nach 
ber Itroler $auptftabt ©ojen *). Hm 16. toar er in 8tenj, 

1) Url. to. 19. Oft., R. B. IX, 70. 

2) fta<h ©oötoin, 142. 143, fear t» hiebet lanbtönftge« (Derebe, 
baß 2Rtinharb« £ob (ein natürlicher getoefen fei. ffia« giliwo «iflant 
1. 11, cap. 78 erjÄhlt, ifl fagenhaft: äReinharb habe feiner SWutter «or- 
»ürfe toegen ihre« 8eben«»anbe(6 gemaiht, an<h gefingert, er ftiffe tw>hl, 
toa9 fie feinem ©ater angethan; balb baranf habe bann Margarete bei 
einem Xanje einen bergifteten Xrant herumreichen laffen, ber ihrem Sohne 
unb *ier vornehmen Senglingen ba« Seben tötete. 

3) 2>ie «elege für baft golgenbe f. bei $ über, Sereinignng Sirole 

5* 



«8 



Xixol 8fUrrei<$if<$. 



am 18. im ©ctyloffe Stobened, foateftenä am 26., toa$rfc$eürti<$ 
f#on meutere läge Dotier in ©ojen. 3n ©rtjen fc^eint et 
mit ben ©tfd&öfen SOTattyäu* oon ©rqren unb 3o$ann tum ©url 
jufaramengetroffen ju fein, n>et$e bort am 19. 3anuar eine 
Beglaubigung bet 83erma($tni«ur!unbe Dom 2. September 
1359 aufteilten. 3n Sojen mattete, Don bet $etjogw 3Rat» 
«atete feit bem 17. eingefefct, ein JRat mm neun SRitgliebetn, 
an feiner ©pifce aW 8anbe*$aiq>tmann Ulridfr b. j. oon 
3Ratf$. Diefe Herren Ratten in ben »entgen lagen, ba fie 
am »tuber toaren, mit fctyamlofem ßigennuft unb fo begebt" 
lieber $aft, a($ ob fie bie furje Dauer tyrer $errlic$feit afyt* 
im, (Selb unb ©ut be$ Sanbe* in reicher Süüc ftd^ jugeioenbet. 
8tubolf$ <Srf$einen machte bem unfauberen treiben ein ffinbe 
unb feine $erfönli$!eit toirlte mit ber alten ©etoalt auf 
ÜWargarete. 

3toeimal feilte biefe* mertottrbige SBeib über lirot« ©<$idfat 
entfdjeiben. ©ie frttte ba« $errli$e 8anb ben ©aiern in bie 
$änbe geftielt, aW fte einen unreifen ftnaben Don fi$ flieg, 
ben fie oerad&tete; nun einem ÜWanne oott ftraft unb (Energie 
fi<$ ©illenlo« unterorbnenb, fiberlieferte fte e* auf immer an 
£>fterret$. töubolf* ©c$nelfig!eit, bie allen fremben ©nflüffen 
3UborIam, ertoie* fi$ att $o$e ftlugfait. @#on am 26. 3a* 
nuar übergab ÜWargarete ben fterjogen oon Öfierreicty aW 
tyren nackten S3ern>anbten unb (Srben lirol unb i$re ©ittten* 
gfiter in Satern al« emige untoiberruflic^e ©d&entong unter 
fiebenben; nur im tarnen ber $ab«burger toodte fie no$Bi6 
ju i$rem lobe ba« Sanb inne $aben. 3n ber hierüber au*- 
geraten Urfunbe bergajj man ni#t ju ermähnen, baß bie 
©ttyenfung nac$ bem Wate ber Sanb^erren unb ber Itroler 

mit Öperrety, 88 f. unb bie »egeften; bgl. au$ ©über, $erjog »ubolflV. 
bon £>fteneid&. SHe Jfingft t>ou 1 einher j in ben fiWttteUwtgen b. 3nft. 
f. Jflen. <3efö. IX, 469 f. *er5ffenttt$ten gtod ©riefe ftnbotf* an ben 
trafen SReta$arb IV. *ott ODtj »ibetlegen bie no<$ wm $nber, Oef$. 
ÖflerrelcW n, 275 geteilte «nnafrne, bag ttubolf bamal«, tmt ba« 
görgiföe $ußert$af }u bermeiben, mit <$«atterifltf$er ftffl&nfclt unb 
«uergie ben Ärtmta Säuern überwiegen tobe. 




Katern unb fcflerrei($. 



9täte erfolgt fei; in ber %$at ^ing bie ÜKe^rja^I bcr leiteten 
au$ i$re Siegel an baS toi<$ttge S)ofument. D$ne SBiberrebe 
ge£or#ten bann bie Untertanen bem iöefe^Ie ben öfterreid&ifd&en 
©erlogen ju $ulbigen unb o$ne <3c$toierigfett tonnte SRubolf 
bie Zffäkx be$ Sanbel burd^iefcen. ©#on in ber jtoeiten 
©älfte gebruar toagte er feinen neuen S3efifc ju öerlaffen, beffen 
©eminn Dfterretc^ nod; letzter gu toerben festen, als er ein*- 
unbjtoanjig 3a£re fcor^er ©aiern getoorben toar. 

Äonnte man aber bort bem öftüc^en gmporfömmling, ber 
feit 1156 ®tüd um ©tüdf t>ovx altbairifdjen ©oben an fid> 
gejogen, fo leisten Saufe aud& biefe neuefte (Srwertung gönnen? 
XBie ^artnädtg fcatte SBütelebad), um ba$ geftörte ®Ieirf^ 
gelotet jurifdfcn ben 9?ac$barmä#ten $erjufietten, bae 13. 3a$r* 
$unbert $inburd& immer toieber um ba« Sanb ob ber @nn$ 
fi$ bemüht! 0$nc ßrfolg; aber bann oerbanfte ee ber Saifer* 
frone 8ubtoige unb glü<flid>en pgungen Sirol unb 3lnfprüd?e 
auf Samten, Gtnen HugenMid fonnte man glauben bie Um- 
riffe einer bauernben unb billigen ©eftaltung |u erblitfen, 
toeld^e iebe Cifetfttd^t ju bämtfen unb ben niemals gan$ aue* 
getragenen Sampf ber Sfcutyfcara cnbli$ jur SRu^e ju bringen 
serft>ra<$: eine Seilung bee bairifd?en ®tamme«gebtete« in eine 
öftttc^e unb toeftlic^e ©elfte; bort tie Cftmarf mit bem Sanbe 
ob ber @nne, mit ©teiermarf unb bem ton ©aiem o$ne 
SRaefrbtud angefrorenen Samten; $ier Satern, burd> bie 33er* 
binbung mit feinem natürlichen unb ftamm&erbrüberten füb* 
liefen ©interlanbe bie jur italtcnif^en ®renje ausgebest unb 
auf bie ©ö$e feiner alten 2Kad>tfteüung erhoben; inmitten 
gletdtfam ale ©c^polfler bie öietümer ©atjburg unb faffau. 
gubtotg IV. $atte feinem ©anfe SEirol um ben freie bee all* 
gemeinen Untotüen«, aber im Sefcuitfein, ba& aud) biefer frei« 
faum ju fei, ertoorben unb [t%t toar biefee Sanb bae 
Sofibarfte — ober beffer : bae etnjige, fcae ©atern aue feiner 
opfer&oüen Saijerperiobe baoongetragen. Öranbenburg unb 
©oUanb blieben aud> im günftigften gälte nur ©Werbungen 
für bie S5i?naftie; Zxxol fonnte, toenn ee mit bem ÜKutterlanbe 
mieber jufammeniou^ lote in alten Sagen, für biefe« fetbft 



70 



2>ie ötbfragc in Zxxol 



iuterfefett$en ffiert getoinnen. Sil« ©Düffel Stalten« $atte e$, 
tote fe$r bie ©erbinbung DeutfölanM mit bem ffibli^en 
9iac$baw au$ gelodert toar, für jeben ©eftfcer no$ immer 
feine befonbere ©ebeutung. gür Öfterrety freiließ Isar e« ni#t 
nur bte ©rüde ju Statten fonbern au$ ju feinen fötoäbiföen 
8anben, i$m tonnte lirott ©eftfc toieber ju ber ®rojjmac$t* 
fteUung Dcr^etfen, bie e* feit bem läge oon SWüfclborf ein* 
gebüßt fyitte. Die 9te$t$frage toar immerhin jtoeifelfcaft. ©e* 
riefen fic$ bie $ab$burger auf bie ©tynfung ber alten $erjogüt 
SKargarete — Crbanforücfc ber Augenblicken ©ittoe $erjog 
2Wein$arb* tourben, nrie e$ föeint, niety erhoben — fo tonnten 
bie ffitttelsbac^er bagegen geltenb machen, baß Margarete SRaul* 
tafö {ebenfalls ni$t me$r al* t$re Höobe Dermalen tönne 
unb baß fte, ba bie faiferlic$e ©ele$nung$urfunbe nt$t nur auf 
fte unb tyren ®ema$l, fonbern au$ auf beren (Srben lautete, 
fein SBerfügung*re$t über ba« Sanb befifee, fo lange männliche 
Agnaten SKein$arb« am Seben feien, fiubtoig Y. felbft fcatte, 
toie ermahnt, bie toittel6ba$if$en {Rechte auf lirol in biefem 
Sinn aufgefaßt. 

2)o$ eben bie 2Be$ra a W biefer Agnaten lähmte unb fcmmte 
bie bairtfefcn «nforüc^e. Denn no<$ näfcr als bie Jiroler 
Srbfrage lag bie oberbairiföe unb au<$ hierin toaren bie ©rüber 
ni$t einig. 

3n bem 5Eeilung«oertrage oom 13. September 1349 Ratten 
ftc$ bie @ö$ne be* Äaijerö in jtoei ©rupfen geföieben, eine 
oberbairif^branbenburgif^e unb eine nieberbairif$'$o(Iänbif$e- 
©äfcrenb aber bie brei gürfien ber erften ©nippe auf bie 
nieberbairif^^oHanbifc^en Sanbe bte jum «u«fterben ber anbeten 
Sinie oerjifyet Ratten, enthielt ber 5Eeilung$oertrag feinen &$n* 
liefen ©erjic^t ber brei Siieberbaiern auf Dberbaiern unb 
©ranbenburg. ©$on bamatt toaren alfo ©tepfcan unb 9tbre$t 
too$l SBiHenS, ein <£rbre$t auf Oberbaiern oor ober neben 
Öubung bem {Römer unb Otto ft$ ju toafcren. Die oberbairifefc* 
branbenburgiföe ©ruppe bagegen erfannte, fo lange fie ni#t 
au«geftorben märe, ein (Erbtest biefer ©rüber auf $re Sanbe 
ntc^t an unb bebang in tyrem ©ertrage au Sudau (24. De}. 




71 



1351) für bcn m, m Submig b. ä. o$ne <£rben bafrin* 
fd&iebe, bett Slnfaü DberbaiernS an Submig ben Börner unb 
Dtto. gut ben jefet eingetretenen gatt, bag nietyt ßubmig, aber 
fein ©o$n o$ne erben ftürbe, mar feine ©eftimmung getroffen, 
mu&te jeboc^ nad? bem ©etfte be« «ertrage« bie nämliche (Srb* 
folge gelten l ). 

O&ne 5Rü<ffi$t auf bte jüngeren unb oon einer anbern 
Sffiutter ftammenben ©rüber befdjlojj ©tep^an fcon Oberbaiern, 
too fett 3Mn$arb$ gtud?t ber SStfctum Sonrab oon gretberg 
faft unumföranft mattete, fogtetety ©efifc ju ergreifen. SBor^er 
ging er nac$ ipeibelberg unb oerfid)erte ftd? ber 3 u fti mmuR 8 
beö fturfttrften 9?upred>t atö bc$ gamilienälteften. ffintfd&eibenb 
mirfte ju feinen ©unften bte ©efinnung ber oberbairifdjen 
©tänbe. §>ier §errfd?te ber ®ebanfe oor, bajj Ober* unb 
Sttteberbaiern jufammengetytaen unb bafe bie (Megen^eit t^rer 
unfeligen Trennung ein (£nbe 3U machen nic^t unbenufct t>er* 
ftreictyen bürfe. Sin gürft, ber nur bairtfäe 2anbe be^errfdjte, 
galt münföenömerter at* folc^e, beren 3ntereffen ein entlegener 
SBefifc jerfptitterte, unb alö ber tücfctigfte unter ben ©ö$nen 
beö Saiferö föien Stephan tnöbefonbere bem unfähigen Submig 
bem {Römer unb bem unreifen Otto oorjujie$en, gürften öon 
menig ©elbftänbigfeit, bie ben altbairiföen ganben burc$ ftete 
3Ibmefen$eit entfrembet, überbieä au$ in ©tanbenburg fdjon 
regierungämübe maren. £)urc$ bie ferneren kämpfe in ber ättar! 
tief oetfd^ulbet, befanb fic$ Submig VI. föon 1354 in oöltiger 
Slbfcängigfeit x>on bem märfifc^en SIbel, befonfcerä ben Herren 
toon SBebeü. 3m SÜJai 1355 mar i$m fein $ofmeifter, §affo 
aon SBebeü auf galfenburg, förmlich mie ein S3ormunb jur 
©eite gefe|t morben. 33or fur$em $atte er unter 3u- 
ftimmung Otto« im Sertrage oon SEangermünbe (10. $)ej. 
1362) einem Sßertrauten be$ Raiferö, bem <£rjbifd?ofe $)ietri# 
*>on ÜRagbeburg, 33ollmac$t gegeben ftatt fetner bret 3afcre lang 
in ber 2Rarf ju regieren, ©ollte Dberbaiern folgen §errfc$ern 
jufaüen, fo lieg fic$ fürma^r nic^t met beffereS ermarten als 



l) D. u. fr. VI, 410. 418. 



72 



@tty$an II. ergreift 8efty wm D6er6atem. 



finis Bavariae. Dagegen Ratten e* befonber« bie ©täbte 
©tephan too^l nicht bergeffen, lote et ba« Sahr borher gegen 
bie HbeWtoirtfchaft eingefchritten toar. Stuf einem Sanbtage ja 
Sreifing boU)og fty benn ohne ©chtoterigleit, tote e* fc^eutt, 
bet Übergang Dberbatern« an ben jnmten ©ohn be« ftaifer*, 
bet bamatt ettoa flebenunbbierjtg 3a$re jählte. ©tephan 
betätigte bie Freiheiten bed 8anbe$, berfprach au* beffen Hn* 
geh&rigen einen SRat ju beftefleu, alle Ämter — fo toeit 
mar neben beut nicht erlofchenen (Befühle bet 3«fammen= 
ge$5rtg!eit auch ber ©gennufc be* engften ^artifulartemu« 
fchon enttoiefett — nur mit Oberbeuern ju befefcen, ba6 
Oberlanb ungeteilt ju laffen, leine neue ©teuer aufzulegen 
unb bie oon feinen Vorgängern für Verpflegung im 8anbe 
hinterlaffeuen ©Bulben ju bejahten. (Segen biefe 3nfc8«* 
hulbtgten ihm bie ©tänbe Später (11. SRob.) tourben ber 
SMfctum ftonrob bon gretberg, fteben anbete äbelige unb ber 
9tat Don SDWbichen bon ©tep^an aW augerorbentftdfc ©erfahrt* 
fommiffion bepettt, um ade Untaten, bie feit SMeinharM £obe 
im Sanbe fiberhanb genommen, ju unterfufyn unb ju ftrafen *). 
Die toitteWbachifchen Änforüche auf lirol gu »ahren, fanbte 
Stephan feinen älteften gleichnamigen ©ohn in ba$ 8anb, ber 
jeboc^ ben Öfterreicher bereite im Seßfee fanb unb, fotoeit mir 
fehen, ni#t$ ausrichten tonnte. 

3n biefem Sugenblid tarn Diel auf bie Stellung beä ftaifer* 
an. ©eit biefer bur<h bie ©efefcung SDonauftauf« auch ©terhan 
gereijt, ^atte fleh ein gute« S3erhältai$ jtotf^en ben Feiben 
gftrfien nicht toieber ^ergefteOt. ®leichtooht mag fi$ Stephan 
jefet ber Hoffnung hingegeben haben, bag ber ftaifer 5Eirol 
eher ihm att ben $abäburgern gönnen toerbe; benn mit biefen 
hatte Äarl, toenn auch eben bie ©äffen ruhten, noch nicht 
Stieben gesoffen, ©oöte er fi<h nun nicht geneigt ftnben, 
um ben $rei* 5EiroW Gttpffan als ©unbe«genoffen gegen feinen 

1) 3»ei Urtanben bom 26. gebr. 1363; Ct. u. Cr. VI, 477 unb im 
BuSjug bei gefimafer, ©te^an b. ff., toegen bem «erlujie (!) 

ber Qrafföaft fcirot gegen 3o$. b. SRfitter berteibigt, @. 111. 

2) M. B. XXXV b, 111. 




Satt IV. unb bie SBranbenfcurger. 



^cniuiegerio^n gewinnen r ymi größerem jucdic oocp Durften 



bte branbenburgifchen ©ruber ertoarten, ba§ ihr latferlicher 
@c$ufc$err, in beffen ©ahnen fie blinb gehorfam nabelten, 
ihre beffer begrünbeten Slnfprüche auf Oberbaiern gegenüber 
©tep^an unterftüfcen toerbe. @« mar tmeberum ber ©ruber* 
Steift im tt)ittel«bachi]chen $aufe, ber jeben (Srfolg in beffen 
auswärtiger ^olitif bereitein mufite, unb e« fear nneberum ber 
wat|er, Der Daraus |etnen soorteu jog. -usaie Jtarl aueg ntc^t 
ber burd&triebene ^olttifer geroefen, al« ben ihn bie ©aiern 
föon fennen gelernt, ber große föechenfünftler, ber bie üßenfehen 
gleich be« ©rettfpiel« Steinen nach feinem 3me<fe ju feigen 
unb ju Rieben berftanb, gegenüber ber 3 e *fatftt c ™* l 8 be^ 
ö)ittel«bachtf<hen 3ntereffen gemährte ihm fdjon fein einheitliche« 
SBotlen Überlegenheit, unb al« nun im ÜKärj auf bem 5Rürn* 
berget {Reistage beibe Parteien ^Ifefu^enb bor ihm erfchtenen, 
^ier ©tephan mit feinem ©ohne griebrich, bort Subtoig ber 
SRßmer unb Otto, berftanb er bie ®unft ber Sage meifterhaft 
au«junufcen. Die ©ranbenburger , tinefcohl nicht geiotflt, ihre 
§errfc$aft in ber SKqi! bötlig aufzugeben, fügten fid> bort 
md)t behaglicher al« bereinft ihr ältefter ©ruter; ©tephan« 
Zugreifen in Oberbaiern hatte fie erbittert unb trieb fie bem 
ftaifer noch enger in bie Slrmc. 3nbem biefer nun ihre än* 
Brüche auf Oberbaiern anerfannte unb ihre Hoffnungen auf 
ben ®etoinn biefe« ßanbc« nährte, gelang ihm, junächft ohne 
aüi Opfer, nicht« ©eringere« al« bie grroerbung ©ranbenburg« 
für fein eigene« $au« anzubahnen. Sie in £irol eine alternbe 
grau, ftanben hier j^ei unreife Oüngltnge unter bem ©anne 
eine« überlegenen (Seifte«. Sari oerfprach binnen fieben fahren 
bem jugendlichen Otto fein fiinb ßltfabeth mit anfehnltcher 
SKttgift jur (äfyc ju geben, cerftanb fict) auch trahrfcheinlich 
gu einer gegriffen Bufage, ^ en ©tigern jur Srlangung ihre« 
oberbairifchen @rbe« behilflich ju fein *). Dagegen beftimm* 
ten biefe am 18. ättärj für ben gatl ihre« lobe« ohne 

1) 2)enn in biefe 3cit bütfte bie (nidjt erhaltene) beflegeUe Urtunbe 
mit bem SSerforetien bef ÄaiferS gehören, beren Otto tu feiner Urtunbe 
toom 10. 3uni 1371 (Riedel, Cod. dipl. Brand. 11,2, 509) ertönt. 




Digitized b; 



74 



Übergang ber SWarl an gujembnrg vorbereitet. 



männliche ffirben — unb bi«h« mar Submtg finberto«, Otto 
noch unoerm&hft — al« <Srben ©ranbenburg« mit «u«f<htu& 
ihrer ©rüber be« ftaifer« erftgeborenen ©ohn ffienjel unb ade 
männlichen ©öhne ober (Snfel, faM fote^e aber fehlten, betf 
ftaifer« ©ruber, ben äKarfgrafen Oohann {Heinrich oon üfiä^ren. 
am 3. aprit folgte ber »bfötufc eine« ©finbniffe« Der ©ranben* 
burger mit bem Äaifer, gerietet gegen {eben, ber fie in ihren 
Sanben angriffe, am 12. Stpril eine 8anbe$teilung ber ©rüber 
unb am 14. ein (Srboertrag ftartt mit Otto, gfir ben gafl, 
baf ffienjel finberlo« ftfirbe, mürben Otto nach bem lobe be« 
$erjog« ©olfo unb beffen ®emahtin bie $erjogtümer ©chmeib* 
nifc unb 3auer jugefichert, mogegen Otto* Sanbe jenfeit ber 
Ober bann an ©öhmen fallen fottten. & mar ein too$l* 
bebaute« ©Aftern oon Verträgen, ba« ber ftaifer, jebe STOöglich* 
feit fchlau ermagenb, ben beiben Surften mie ein SRefc um bie 
ftSpfe fchlang. ©chon jefct mürbe ffienjel in bie äRitbetehnung 
aufgenommen, im ©ommer fam ftarl in bie SKarf unb Heg 
feinem ©ohne bie fwlbigung leiften, moju e« in ber SUtmarf 
ber ©ro^ung friegerifcher ©etoalt beburfte. Die 3Jte$r$eit ber 
fturffirften aber gab ihre 3uftimmung ju ffienjel« ©elehnung 1 ). 
ffiie fchr bie« alle« gegen frühere Abmachungen oerftief, mufcte 
ber jüngere ber beiben SWarfgrafen fpäter felbft anerfennen: 
er felbft $at urfunblich bejeugt*), bag nach ber Trennung 
©ranbenburg« oon Oberbaiern, noch unter 8ubmig V., für ben 
gaü, baß biefer, Submig VI. unb Otto ohne Söhne ftürben, 
oon ben branbenburgifchen ©tfinben bem $erjoge Stephen unb 
feinen ©öhnen bie ffirbhulbigung geleiftet morben mar. gretlich 
motten bie ©ranbenburger beiden, bat bie beiben Sinien fleh 
gegenfeitig nicht« oorjumerfen, bog fogar ©tephan bur<h bie 
eigenmächtige ©eftfcergreifung Oberbaiern« juerft bie gamilien* 
Verträge oerlefct höbe. 

1) «über, *<g. ÄarW, 318. 319. 570. 571. «gl. au<h «tebel, 
<Sro*rbung ber SWart ©ranbenburg bur<$ ba« üijrcmb. $au«, 1840; 
©<$olj, Crtoerbung ber SWarl ©ranbenburg bur<$ Äarl IV., 1874, 8 f.; 
£ h euner, Übergang ber SRart ©ranbenburg fcom mitteUbachiföett an 
ba« tujemburgiWe $au«; S>iff. 1887. 

2) 15. Wpxil 1371; Riedel, Cod. dipl. Brand. 11,2, 508. 




ftüßustgen jum ZixoUx ßrbfolgctrieg. 



75 



®ttptyxn hatte na<h toenigen Sagen Dürnberg unmutig Oer* 
{äffen. SHag ber Äaifer immerhin oermieben h&ben in ber 
oberbairifchen grage offen gegen ihn aufzutreten, bag berfetbe 
insgeheim auf ©eite ber jüngeren trüber ftanb, fonnte ihm fo 
toenig ein ®eheimnis bleiben tote ba* gehtfölagen ber Hoff- 
nung, bafc feine eigenen Änferfiche auf Xüot bei ftarl görberung 
finben mürben, (gleichtooh* entfloß er fid> ben ferneren 
Äampf gegen $ab$burg aufjune^men unb traf im Sommer 
unb $erbft feine Lüftungen, ©eine toichtigfie Vorbereitung auf 
ben Jtrieg fear ein vorläufiger »ungleich (21. Oft. ju 2ei^ 
bach) mit feinem ©ruber unb SWebenbufyter Wibrecht. (53 \fy\nt, 
bafc SUbrecht feinen befonberen &w\\t mit Dfierreich fyattt, baf? 
er bie {Rüdgabe be$ oerpfänbeten ©c&arbing oergebend forberte. 
©ürbe btefe* burch (Setoalt ober Vertrag gewonnen, fo foflte 
e$, marb nun bebungen, an feinen alten $errn jurfidfaflen. 
Den ©trett um Oberbaiern einigten fich bie ©rüber bis auf 
$fingften ruhen ju Iaffen unb bann oor ba$ ©chiebägericht be$ 
Sanbgrafen oon Luchtenberg unb breier 3ufäfee au* Ober* 
unb SWieberbaiern ju bringen — eine Störebe, oon beren (Et* 
füflung fpater nicht* oerlautet. lirol aber looflteu fte mit 
oereinten Kräften erobern unb bann unter fich gleich teilen *). 

dagegen $atte JRubolf oon Öfterreich einen mächtigen 
©unbeägenoffen am (Srjbif^of Crtolf oon ©aljburg getoonnen. 
3m ©ommer lieg fleh btefer alte (Segner ©te^anS oon 9tu* 
bolf f ber ihn in ©aljburg befugte, trofc beS ffiiberftreben« 
feine« Domfapitett ju bem 23erfpre<hen beftimmen, mit ganjer 
9Ra$t in ben firteg gegen ©aiern einzutreten. 8tt JRubolf 
nac^ biefem (Srfolge nach lirol reifte, geriet er in $aU burch 
ben Hufftanb einiger ttbeligen, bie er toegen ihrer Übergriffe 
jur SBeranttoortung jog, in Lebensgefahr, ©airifche ©enblinge 
ntfgen babei mttgetoirft haben, toenigften* nennt SRubolf auch 
„(Säfte* unter ben Urhebern ber Unruhen, ©ürger oon $att 
unb Onnöbrucf eilten bem $ab6burger gerüftet juhilfe unb mit 
ihrer Unterftütytng toarb ber oiefletcht um einige SWonate ju früh 

1) O. n. Cr. VI, 479. 482. 



76 



Xiroler (Sibfotgcttieg 



aufgebrochene Hufftanb niebergefölagen l ). Dann aber gelang e$ 
Wubolf, bie $erjogtn SWargarete föon tefct jur SRiebertegung 
ber Regierung ju befitmmen unb fich baburch oBöig freie $ant> 
in ben brohenben (Gefahren ju fiebern; am 2. September empfing 
et bon ben nach ©ojen berufenen ©tönben bie fmlbigung al* 
8anbe*fürft. 

Um üJiartini begann benn auf jfcei ©chaupläljen, im Üiroler 
dnnt^ale unb an ber h*b*burgifc^nieberbairifchen ©renje, ber 
jmeite jtiroler firbfolgelrieg, einer ber ^artnädigften Äämtfe 
ber batrifchen ftrieg$gef<htchte unb Jefct bo$ fo gut mie ber« 
geffen, ein jäh** fingen gegen gewaltige Übermalt, bem boch 
gutoetfen ein Crfolg ju täfeln festen. S5on {Rattenberg au* 
brang ein bairifche* $eer im 3nntyale oor, unterftfifct bom 
$falagrafen {Ruprecht unb bem ©urggrafen griebrtch bon 9tüm* 
berg. Der lefctere, bor furjem Dom ftaifer in ben Sürßen* 
ftanb erhoben, mar mit Stefan berfömägert, ber 1359 als 
jmeite Oemahlin feine ©chmefter ÜKargarete heimgeführt ^atte. 
®te $faljgrafen erhoben felbft auch Unfprü^e auf Zxxol unb 
hatten fich (3. ÜÄärj) mit ftönig ftarl, bem bie üttehrjaht bon 
$rätenbeuten too^t toiUtommen mar, für ben gall berbünbet, 
bag fie toegen biejer angegriffen mürben '). <S$ fiel iefet ins 
©eroteht, bajj gerabe bie bairifchen (Srenjftriche am 3nn, bie 
Ämter Äling, ffiafferburg, ftufftein, Kattenberg ebenfo feie 
ftifebühel, an bie alte $erjogtn Margarete att ©itroengut ber* 
fchrieben maren. Dafür, ba& {Rubolf ihre ©Bulben übernahm, 
hatte Margarete biefe SBefifcungen ihm überlaffen; fpäter »riebet 
behielt fie btefelben fich auf 8eben$jeit oor, beftimmte aber, 
moju ihr jebe ©efugni* fehlte, bafc fie nach ihrem Xobe 
an Öfterreich fallen tollten, ©o breite ®efahr, ba& ber 93er* 
luft 5EiroW ebenfo toie beretnft ber Oftmarf, bann ber ©teier* 
mar!, »ieberum auch ben Serluft attbatrifchen ®ebiete$ nach 
fich jtehen mürbe. 3»näc^ft mären fd?on SDtargareten« jeit* 

1) Annal. Matseens., Script. IX, 831; $n&er, £trot, 9tegeflen 
Hr. 358. 369. 

2) Winkelmarn, Acta imp. II, Nr. 1209. 




boit 1363. 



meilige $o$eit$re$te in triefen Canben ber bairift^cn Kriegt 
füfcrung fe£r §inberlid& gcmefen, ^ätte ni$t bie ftetä mit ®elb* 
Verlegenheit fämpfenbe ^erjoginmttme boxt bairifcfye Herren, 
inäbefonbere ben 3ägermeifter Sonrab Kumeröbrucfer unb 
ßonrab grauenberger , bie jum £eil au$ al$ i^re Pfleger 
in biefen ®ebieten matteten, a(8 $fanbin$aber eingefefct. 
SSor 2lu3bru<$ beS Krieges befanben fty btefe Betben Herren 
auö (Srünben, bie nidjt aufauflären finb, im ®efängntffe ; noc$ 
im tarnen $erjog 2Wein$arb$ $atte fie ber oberbairifd?e 93tfc* 
tum fionrab öon greiberg beruften laffen, wobei man m#t 
um&tn fann ju erinnern, bafj Jfonrab öon grauenberg ma$r* 
ftyeinlid? eben iener frühere $ofmeifter beä 2)2arfgrafen 8ubmig 
mar, ber im 33erba$t eine« fträfltd&en 33er$ältniffe3 ju üflar* 
flarete SDlauttafö geftanben l ), Seit bem 19. gebruar toaren 
bie (befangenen in bie $aft $erjog 9lubolf$ übergegangen 8 ). 
©0$ entfam ber Kumeröbrutfer re^tjeitig burd> 8tft, mä^renb 
ber grauenberger bie greilaffung erlauft $abcn foH 3 ), unb 
i&re geften tufftein unb Battenberg — ber ledere Ort mar 
gur Ipälfte an $erjog 2Ubre$t bon Straubing öerpfänbet — 
bienten nun ben Saiern als miflfommene ©tüfejmnfte. Dagegen 
toaren bon ber SRttterfd&aft <* n ber ®renje bie Herren t>on 
greunbSberg, Stefan toon ©cfymangau unb SRubolf Don $aflang, 
ber bie gefte unb SHaufe Kierberg bei Sufftein inne $atte, 
für SRubotfS Dienft gemonnen 4 ). Deffen $auptftreitfräfte 
maren fömäbifdje, öfterrei#ifd)e, fteirifdje unb färntiföe. 2Äit 
biefem $eere jmang er bie Saiern, nactybem fie bte (übliche 
Umgegenb Battenbergs t>er$cert Ratten, jum BücE^uge unb ver- 
galt tynen bttä) gleite SBermüftung be« bairiföen 3nnt$al$. 

1) @. oben 53b. II, 472. 

2) Urfe^be *>om 5. gebr. 1363 bei ge&maier, ©tetfan b. ä. 77, 
Slnm. 128. 

3) ©oetDin, <S$ronÜ bt8 ©tifteß SHarienberg , 218; au«fü$rlt($, 
nrie c8 föeint, f$on fagen^aft unb ben grauenberger mit einem greunb«- 
Berger öer&etffelnb, %rnptd (Pez IIIc, 349f.); $uber, 95. 

4) $uber, 100. 101 , ber au# bie <£$ronotogit biefer Äriege juerfl 
aufgefliirt Ip&t. 




78 



@teg bei Atting. 



ftaum aber fear er (10. Dej.) über ©rtjeen na$ Öfterrekfr 
jurfidgefefcrt, fo Übertritten bie Odern neuerbing« btc ©renje 
unb brangen nun bi« £nl oor, o$ne freiließ bie ©tfibte ?>att 
unb 3nn«bru<f erobern ju ßnnen; bagegen fiel unter anbemt 
bie ©urg @$lojjberg bei ©eefelb in tyre fcfinbe. Da« fcWite 
Unterinntfal litt furchtbar unter ben ©reuein brt ftriege« unb 
mit reibet ©eute jogen bie ©aiern beim (Eintritt ungeutöfttfiefr 
ftrenger ffiinter«fölte na$ $aufe. 

9?od> günftiger liegen ft<$ bie Dinge anfangt auf beut tt8rblt$en 
Jlrieg«f<$auplafcc an. frier toaren ©aljburger unb Öfterretyer 
unter bem ®rafen Ulri# oon @c$auenberg, ber in @<$5rbinft 
befehligte, unb bem Sanbeö^auptmaim ob ber Ohm*, <£ber$arfe 
Don ffialbfee, in bat ©airif<$e eingebrungen, tourben aber bei 
Ötting ju ©inter«anfang Don ben $erjogen ©tepfan unb 
f$riebrid>, ben Sanbgrafen Utridfr unb Sodann oon Stoltenberg 
unb bem ®rafen Seopolb Don $al« auf« $aupk gefölagen. 
3um brittenmale feit ffinfjig Sauren »anberte eine jtattlkbe 
Steide oon öfterret#ifc$en unb falaburgiföen Wittern — man 
jäfctte beren an ftebenjig *) — na<$ einer SRieberlage auf bau 
rif<$em ©oben in batrif$e ®efangenfc$aft. fytütx 3ubel er* 
föoll im ganjen Sanbe unb bis na$ Stalten hinein erregte ber 
©ieg, ben ba« ®erfi#t no$ DergrSjjerte, Huffe$en. 

ÜJltt bem ftimbu* btefrt (Erfolge« gingen bie bairifcfcit 
$erjoge um 9ieuja$r 1364 na$ $rag, um normal einen 
©erfu$ auf ben Äatfcr ju machen. 3n ber 3$at famen We«* 
mal ©erträge*) juftanbe, aber fte toaren Don ber Hrt, nrie 
pe ber Luxemburger abjuföliegen liebte. ©a« foflte e« fct&en, 
toenn ber ftatfer Derfora<$, bie £)fterrei$er nie jur rftmf$e& 
ft5nig«n>firbe gelangen ju laffen? 81« ob triebt bie Söfcefc 
burger bie« ju Derfcinbem minbeften« ebenfo Diel 3ntereffe ge* 

1) 3>arnntct $men Don ©tn&nberg, Qbotixd, $anau, Gäffened^ 
griebing, <Braben f JHing, ein ©<$ent &on SBolffberg, ein ©egfbmrfer, ein 
€fo$n bc« Burggrafen Don Attenberg. Urt &om 19. 2)ej. 1863, R 
B. IX, 92; f. an$ 1. c 80; AnnaL Matseens., Script. IX, 831 mü- 
hest toenmrrten ©eri#t g. EiOonU, Muratori, Script. XIV, 746. 

2) 9. n. 11. Sonnor; Steg. *ott«, 9h, 4005. 4006. 




tfaifer £arl 6efUEti fl t Zixol ben äflcmicfiern. 



79 



$abt hätten tote bie 2BittelSbac$erI 2Öert»oller mar, menn 
fie anberS gehalten mürbe, ÄarlS 3ufage: metyrenb beS Bairifd^ 
6fterrei$if($en ÄriegeS um Sirol merbe er Slnfprüd^c ber 
iBranbenburger auf OberBaiern ju üer^inbern fud&en unb jeben* 
fall« nic$t unterftfifcen, nacf> bem Stiege aBer Jebem Seile ju 
feinem 8fed)te Behelfen fein, mogegen bie öaiern geloben 
mußten, £>fterrei# nic^t gegen ben Äaifer, melme^r biefen 
in feinen 3lnfprüdf>en gegen £>fierrri<$ 3" unterftüfeen. 

2Bie mettig mit biefen SlBma^ungen erreicht mar, trat ju* 
tage, e$e nodj ein äflonat toerftriefc: raföer, als bie ©aiern 
erwarteten, fc$to§ ber fiaifer mit £)fterreid& ben ^rieben, um 
ben $apft Urban V., erfd&redft bnxdf bie gortfd^rttte ber Türfen, 
föon länger ßt$ Bemühte. Unb nun Betätigte er (8. geBruar 
ju ©rünn) bie ©cfcnfung 2irolS an bie Habsburger unb über* 
trug benfelben bie Jiroler 9?eid?Sle$en. diu (Sbe&ünbniS jmifd&en 
®ef<$miftern ber bisherigen geinbe beftegelte bie 93erfö£nung: 
3flein$arbS 2Bitme, üftargarete üon Dfterrei*, mußte tyre 
$anb Jenem SKarFgrafen 3o$ann Heinrich t>on SD?ä$ren reiben, 
ben üftein^arbs üftutter etnft oon fic§ geflogen unb bor ber 
ganjen SBelt läd>erlid) gemalt §atte. ©tep^an aber na$m 
um biefe 3eit, SRubolfö 89ele$nung jum Zxo% bie £itet eines 
®rafen oon SCirot unb ®8rg, SSogteS ber ©otteSftwfer 2lqui* 
leja, Orient unb örijen an. 

3u bem, ba§ Rttbolf burdj ben grieben mit bem Saifer 
freiere £anb erhielt — nur im ©üben mar er nod& mit bem 
Patriarchen bon Slquileja unb bem Herrn t>on <J5abua, granj 
ton ßarrara, in firieg fcermiclelt — unb ber Jfaifer bie mittels* 
backen änforüd&e auf Strol ßermarf, Begannen nun auc$ bie 
iöranbenburger bro^enber anzutreten. Unter ©er§t<$t auf t£re 
etmatgen SCiroIer Slnfprücfce jugunften ber HabSBurger fdjloffen 
fie mit biefen am 8. 2Kai ju SBaujen ein SlngriffSBünbniS 
gegen ©te^an unb beffen @ö§ne. Salb $erna<$ fonnte ft$ 
SRubolf in einem ©^reiben an bie fflürger fcon $aü Beräumen, 
HilfSjufagen gegen öaiern erhalten ju $aben &om Äaifer 
— fo fcerftanb biefer feinen Vertrag mit Stephan — , ben 
©ranbenburgern, ben ^erjogen öon Saufen, bem Heraoge 



80 



lirolcr (Srbfolgclricg 1364. 



ton ©d&toeibnifc, bem ÜJtorlgrafen oon 3Wä$ren, ben trafen 
bon ffiirtemberg unb $elfenftein unb ben fc$toäbiföen SRelc$** 
ftäbten *). 

auf ber onbern ©eite maren auc$ bic SBaiern nid&t mfifjig 
geblieben unb tonnten ben gelbaug bed 3a$re« 1364 mit einigen 
neuen ©unbe«genoffen eröffnen. 3ura pfaljiföen Setter unb 
bem Nürnberger ©d&toager Ratten fte bie ®rafen oon 9iaffau, 
Drlamfinbe, ©ctyoarjenburg unb fnlfätruppen oon STOei&en ge* 
toonnen *). SßieUetc^t »eil fte einen Singriff ber ©ranbenburger 
befürchteten unb ft$ barum au« i&rem Sanbe triebt ju toeit 
entfernen motten, brachen fte bieämat ni$t in Xxtot ein, 
fonbern eröffneten ben Keinen Krieg im ©aliburgifcfcen, too 
bann ba$ 8anb jnrifäen 3Hü$Iborf unb ©aljburg oerfcert, 
Älofter äWicfyielbeuren niebergebrannt mürbe, n>ä$renb auf ber 
anbern ©eite oon Saufen au6 ftol oon ©elben^ofen mit 
lömtifcben Gruppen $lünberung$aüge auf ben ffieityarb unter* 
naftn unb bei j£rübenba<$ eine flehte bairifäe Ärieg$f<$ar ya 
Gefangenen machte. 3m ©airifäen toie ©aljburgif($en rotteten 
ftc$ in biefer ©ebrangniä au$ bie {Bauern jufammen unb toett- 
eiferten mit ben ftriegflleuten im <ßlünbern unb 3^f^ten. 
<5rft Anfang« 3uni erfefcien bie bairif$e $aui>tmac$t im gelbe, 
um gtoei ^Belagerungen ju eröffnen; bei folcfcn oerfora<$ man 
(td> ia am meiften bom $unger, unb barum, fagt Ägrbti:5 
9lomanu$ 8 ), fei e$ beffer, bie ^Belagerung in ben ©ommer ju 
verlegen, e$e man bie flrrnte eingebracht, toeil in biefer 3^ 
bie grüßte be$ vergangenen 3a$re$ jur Neige gefrn. $erjog 
älbrety griff mit namhaften 93erluften unb o$ne (Srfolg, tote* 

1) $ über, Sirol, «eg. 9h. 405. 406. 409. 

2) Chron. de dueib. Bavar., Böhmer, Fontes I, 146; f. jmtt 
golgenben ferner bic SWüftborfer <5$ronft (et.-C$r. XV, 885); Anoal. 
Matseens. 1. c; AnnaL Ensdorf., Script. X, 7; Oefele II, 189; gitj, 
©cfö. oon SRufrtefteuren II, 845; ©u^entoirt (ed. $ rinn ff er) 62: 
ton $au« bem fcrauner, 8. 482—488; «rnped, 1. c. 852; $uber, 
fcirol, ttegeften. 

8) De regim. prineip. lib. III, p. 8, c. 16. Sgl €>$ulfe, 2>aft 
fllflftfc geben II, 817. 



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Belagerung bon VtyBwtf. 



nur mit einem fettesten £aune befefttgt toar *), 
©djärbing an, beffen SBefafcung ebenfo toie bie ber SBurg 9?eu> 
bürg btö 95i(^ofen unb Ofter^ofen hinein in ^lünberungSjügen 
ftreifte. Cinen folgen ©treifjug bon me$r al£ breihunbert 
geinben fchlug $etnrid? Xufäl mm ©ätbenau am 26. 3um 
im 9BaIbe bei 9ieuftrd)en blutig jurücf. $ersog Stephan richtete 
feinen Angriff gegen Süfühlborf, ba$ alö fcorgefchobener fatj* 
burgifcher Soften ben SBaiern bon {eher ein Dorn im 9Iuge 
toar. 91m 5. 3uni erfefeten er bor ber ©tabt mit mehr als 
3000 Reimen unb neun aufgerichteten Stnttoerfen, ba« finb 
©*Ieubetmaf*tnen. tuch in feinem $eere fehlte ei nicht an 
ftreitbarer ©ürgerfchaft; bte Sanbö^uter, bie unter biefem §erjoge 
fdjon jum fechftenmate inö gelb rüdten, unb bie 3Bafferburger 
toerben befonberS genannt *). Unter bem @d)ufce fcon mer 
©chtrmbächern, fogenannten Sagen, mürben bei Jag unb 9Ga<$t 
©teine unb geuer in bte ©tabt gej&leubert , auch mit ^euer* 
Pfeilen unb aus „©üd^fen" gesoffen — toie e« fcheint, bie 
erften fidjer bejeugten geuertoaffen im frtegStuefen ber baU 
rifd?en §ery>ge 3 ). Die neu erbaute 3nnbrü<fe fud?te man 
burch Sranber ju jerftören. Die Bürger aber, unter bem 
Befehle Ulrichs bon Sßeiffenecf, fonft nur bon öierjig Gittern 
unterftüfct, toehrten fich unerfchroefen , verbrannten bei einem 
Z'^üt ben Baiern jroet ihrer Sa|cn unb trotten mit ®lüd 
unb 9lu8bauer einer mehr als clfmöd^entltd^cn Belagerung, 
toährenb toel^er bte bairif^en $erjoge ab* unb mmm- 
(5benjo lange febeint toahrenb beffen im ©üben Battenberg unter 
ber Leitung be$ ÄumeröbrucferS bem Angriffe eines tffterreidjifcben 
§eere« toiberftanben ju haben *). griebenSunterhanblungen mit 
ben §abäburgern, ju beren Einleitung bie Batern am 17. 3ult 
ju 3ngolftabt ben ^faljgrafen SRuprecbt unb ben Burggrafen 



1) Urf. SftubolfS für ediärbtng; Oefete II, 189. 

2) 2anb«huttr Urf. t>on 1364, Slug. 5. bei tfalcher unb Safferburger 
%r$b>, f. ©uefcner VI, 70, %nm. g. 

3) »gl. au<h ©b. II, 456, %nm. 1. 

4) Slrnpcd a. a- O. 350, eine Wathruht, bie id& mit ©uthnet 
VI, 71, unb Sürb inger, 53, für glaubet ^attc. 

Wiejler, ©eWtfte »aieruö. III. 6 



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oosne 



82 



Zixoltx (Srbfolgcttieg 



griebricfc beoollmäc$ttgten, führten ju ntyt«, oielme^r erf^iett 
ix ber jtoetten $>alfte Huguft au# $erjog töubolf an bct ©pifce 
eine* ju <Snn$ gefammelten $eere* im gelbe, mit tym bie 
$erjoge ffienjel oon ®a#fen 'Wittenberg unb ©altyafar bort 
©raunfcfyoeig. Die Öfterretyer dritten jum ftegrtff auf 
Wieb unb na$ torjem ©iberftanbe, ber bem $ab«burgifc$en 
Sttinifterialen 3o$ann bon üfteiffau ba* 8eben foftetc, ergab 
fi$ bie Söurg unb toarb jerfiört. 3u fpS* ^6en bie ©atern, 
um ben 28. Huguft, bie Belagerung ÜKitylborf* auf unb rfidten 
jum ffintfafce fcran. 3)o$ trat SRubolf oor tynen foglety ben 
Wfidjug an, auf bem tym (Beorg 3l$am &on 9teu$au* großen 
©ctyaben jufügte. 8u# bie fflaiern teerten auf ben {Rat be6 
$fal}grafen bann na$ $aufe. @$on am 28. Äuguft Ratten 
ftc oon (Sggenfelben au« *) eine öefanbtfcfcaft, an beren ©pifce 
®raf 3o$ann bon Ottenburg ftanb, mit neuen Unter^anblungen 
mit Öfterrety betraut unb am 12. ©eptember toarb ju $affau 
unter Vermittlung be* ftöntgä Subtoig bon Ungarn ein ©äffen* 
ftiüftanb bt* ®eorgi abgesoffen. 

Oegen ffinbe bed 3a$re$ föeint ber Jüngere ber branben» 
burgiföen ffiittel$bac$er ewftlicfc an einen Singriff gegen ©tepfrm 
geoad&t ju fcaben. Slm 11. SWooember 1364 ertlärte ber Äatfer, 
bafc, toa* üßarfgraf Otto in Oberbaiern gewinnen toerbe, feinem 
©ruber Subtoig in gleicher ©ei|e jugute fommen folle. 3u 
einem feigen ffiaffengang, ber bon ©raub unb SBertoüftung 
begleitet toar, fam e$, fo Diel toir tmffen, nur mit einem 
«nftinger ftarl«, bem 93ogte Ulrich ju Ärnbac$. 3uerft griff 
biefen $ityolt oon ©tein an, ber fl$ föon in STOeinfarb* 
lefcten Seiten eng an ©tep$an angef$toffen $atte, am 19. Wo* 
oember färttt @tep$an felbft mit feinen @S$nen ©tep$an 
unb ftrtebrty jur Belagerung ber ©urg «rnbac$, bie ftc$ am 
jtoeiten ffiei$na#t$tage ergab *). »m 17. SWai 1365 ftarb 
ju ©erlin Subnrig ber Sfömet o$ne @5$ne, unb att im De* 

1) R. B. IX, 106. 

2) Bremberg III, 756, gefHtyt bnrc^ Dberbütjer. «r$U> XXIV, 96 
ju 23. 3Xj. 1364. «gl. au* ©tegert, $ttyottfldn, 141. 




1364 unb 1365. 



88 



jember be« 3a$re« bie breijä$rige {Regierung be« (Erjbiföof* 
bon SRagbeburg in btr STOarf abgelaufen toar, übertrug Watt* 
graf Otto bem ftaifer felbft auf fec^d 3a$re bie SSettoaltung 
be« ßanbe«. 

ÜMe toittel^bad^ifc^en Hoffnungen auf £irol aber tttfgeit 
bamal« au« einet launenhaften Änfoanblung bet fterjogin 
SWargarete neue 9ia$rung geföSpft $aben. (Sinen Hugenblkf 
festen bie leidet beftimmbare gftrftin, bieflei<$t auf bairifc$e 
(Sintoirlungen $in, ifyren 9nf$lufj an $ab«burg )u bereuen unb 
geneigt mit intern greunbe ju brechen. Unfere unjulänglt^e 
ftenntni« biefer oorübergefcenben ©<$toen!ung beföränlt fty 
}ebo$ auf ein ©d&rtftftfid, ba« ÜWargarete bereit« fcieber in 
ber ©etoatt $erjog »tubolf« jetgt. »m 15. Dejember 1364 
mußte fle biefem ju ®raj bejeugen, ba§ bie $aWburger i$re 
<ßflic$ten gegen fie getreu erfüllt, unb geloben, benfelben immerbar 
eine gute greunbin ju bleiben unb nieft« anbere« als ®ute$ 
bon tynen au glauben ; bie fterjoge foKten aller 93erj>flic$tungen 
gegen fie entbunben fein, toenn ft* }e ergeben toürbe, bafj fie 
tynen f($aben, au« ifcren Sanben fliegen ober tyren Breinben 
33orjc$ub Ieiften tooQe. 3n 2irol begannen, na<$bem am 
5. SOlärj 1365 ber »affenftiflftanb bi« jum 24. 3uni ber* 
längert toorben toar, im ©ommet bie geinbfeligfeiten auf« 
neue. ^etermann Don ©#enna, ber militärifc$e ©efe$l«$aber 
im ßanbe, fc$eint bamal« bie ©urg ©#lofjberg bei ©ecfetb 
ben ©aiern toieber abgewonnen ju $aben; großer Snftreng* 
ungen aber »aren infolge finanzieller ffirf<$öpfung beibe 3Wac$te 
unfähig. 3m Oftober, toä$renbba« bairifetye $eer bei ©traf 
Dor ber Älaufe {Rotenburg lagerte, lam ein neuer ©äffen* 
ftiüftanb bi« Oeorgi jum Äbföluß, ber bann bi« ffiei$na<$ten 
1366 verlängert toarb. 

ÜJttttlertoeile aber fear ben ©aiern ein glfitfoer$ei§enber 
btylomatif$er ffirfolg gelungen. S5on $o$er ffiidfrtigfett für 
$ab«burg mar bte ©teünng ber ®rafen bon ®8rj, beren $err* 
fc^aft im Ifimtif^en $ufiett$al bie ©erbinbung jtoifdfren SCttoI 
ssnb Äärnten unterbrach, Hu<$ biefe« $au« $atte <£rbanforüc$e 
auf lirol erhoben, bo<$ »ar ®raf ?Hbre<$t, ber f<$on früher 

6» 



84 



®3rjtfäe $cirat. Zob ttubolf« IV. 



einen firrb&ertrag mit $ab«burg gefchloffen tfattt, bei einem 
©efuche in 8Bien (6. 3uni 1364) ton fterjog JRubolf beftimmt 
morben jugunften $ab$burg« barauf ju Oermten. 9iun ober 
narrte fich «Ibrecht* ©ruber ÜWeinfyub ben ©aiern, erbittert 
über bie ßöfung be* <£h«gelöbniffe« feiner jüngften Softer 
ftatharine mit bem $ab«burger Seopolb. Cr verlobte am 
30. SDtat 1365 in $of-®aftetn ftatharine mit ©tep^an« Jüngftem 
©ohne 3ohann, fette fie, ihren ®eraa$I unb bie ftinber au« 
biefer (g^e für ben gaö feine« föfcnelofen lobe« ju (Srben feine« 
ganjcn ©eji^je« ein unb Heg feine Untertanen fogleich bem 
©rautpaare ^utbigen. Ära felben Xage fchlojj er mit ben 
Satern ein ©ünbni«, in bem nur ba« {Reich aufgenommen 
blieb , toährenb er mit einem anbern geinbe öfterreich«, bem 
Patriarchen *>on Stquileia, f<$on fett Sfyril in einem ©finbniffe 
geeinigt mar. 

©Shrenb biefer ©unb bie $ab«burger bebrohte, ftarb $erjog 
9?ubolf f biefer gefährliche ©egner ©aiern«, am 27. 3uli 1365 
ju SWailanb, »o er bei ben ©i«contt um Unterftüfcung gegen 
feine italienifc^en geinbe toarb. ÜÄit feinen JugenblUhen ©rü* 
bern Hlbrecht unb 8eoj>olb, bie ihm in ber {Regierung folgten, 
mürben im folgenben «Sinter bie grieben«unterhanblungen mit 
^achbrucf toteber aufgenommen, ©on bairifäer Seite führten 
fie ftonrab oon grauenberg, ®eorg t>on ©albed, $einri$ ber 
3enger unb Sodann ber Jüngere ftumer«brudter. ffieit au«* 
fe^enbe Pläne tauchten auf unb am 21. gebruar 1366 toar 
man fo toeit gefommen, ba| bie ©aiem ihre ©ereittmHigfett 
jum trieben auf folgenben (Srunblagen erf (arten *): bie $ab«* 
burger hermachen ihnen für ben gatt, bag fie ohne 8etbe«erben 
aufgehen, nicht nur Xirot, fonbern auch ^ re borberen Sanbe 
in ©chmaben unb (Elfag. ©ie unterftüften bie ©aiern in ber 
gorberung, toelche biefe toegen be« ffiitoengute« bon Stephan« 
©<hn>efter Clifabeth gegen bie Herren beöa ©cala in ©erona 
erheben, ©ie jahlen an Stephan 100 000, an beffen ©öhne 
mbtbeften« 24000 ©utben unb liefern ©d^ärbing gegen eine 

1) O. u. Cr. VI, 486. 




Sejahlung t>on 100 000 fl. an JBatern aus, toährenb bie 
ßntfcheibung über ben ©eftfe Oiattenbctg« bem ^Burggrafen üon 
Dürnberg unb bem ©rafen mm ©chauenberg übertragen toerben 
foll. ®egen biefe 3useftänbniffe erflären fidfy bie ©atern be* 
reit, ba8 SBerlöbntö be$ ^rinjen 3o^ann mit ber görjifchen 
Srbtochter aufjulöfen. Die Unterailingen ^eiterten iebodfr 
unb nad) einigen Sauren marb 3ohann$ dfft mit tatharine 
üon ®5rj üoüjogen. 

3u* in ber ©teüung ©aljburgä ju fflaiern trat feine 
nachhaltige f nberung ein, miefcoht ßrjbtfchof Drtolf im ätuguft 
1365 au« bemj&ben föieb. ©ein Nachfolger ^iligrim öon 
Puchheim, ein Öfierreicher , fehrte fich nicht an ben griebenS* 
»ertrag, ben bie JRätc be$ ©rjftifteö mit ben ©aiern abgefchloffen 
unb ber ihm bie 3ah*ung *>on 16 000 p. auferlegte. Neuer* 
bingö loberte benn hier bie Sriegöflamme auf, unter anberen 
Drten erlitt fteichenhaü fchlimme Stäben. 2lm 26. 3onuar 
1367 erneuerte grjbifchof ^ilgrim ba$ ©ünbnis feinet 93ot* 
gängerö mit Öfterretd?, mit bem bamalö faft ber ganje bat* 
riföe ßpifSfopat oerbünbet mar 1 ). ©ifchof ^aul ton greifing 
hatte am 2. 3anuar 1366 ben Öfterreichern mit allen Seften 
unb ©täbten, bie er in ihren 8anben befaß, beistehen ux* 
krochen, unb ähnliche ©üntmiffe einigten bie ©ifchöfe son 
^affau, ©eefau, Samberg mit Öfterreith. Der &on SRegenS* 
bürg aber, beffen ©prengel nun §um großen Seile unter bi$h* 
mifcher $errfchaft ftanb, brohte noch mehr als bi%r in 
Slbhängigfeit Dom Äaifer ju geraten, (eit auf beffen ©unfeh fein 
ffliätum gleich Samberg unb üKeißen bem ßrjbifchofe &on $rag 
alö ftänbigem päpfifichen Legaten untergeorbnet toorbeu toar 2 ). 

Da lebten bie Hoffnungen ber ©aiern auf einen ßrfolg 
gegen Öfterreich nochmal auf, als ihnen öon unerwarteter ©eite 
her ein mächtiger ©unbeSgenoffe fich anbot. Honig Subtoig 
oon Ungarn, ju £>erjog SRubolfS Öebjeiteu eng mit Öfterreich 
oerbünbet, hatte fich mit beffen Nachfolgern übertoorfen, fanbte 

1) ©i.»(Shr. a . a. £>. 385; R. B. IX, 196. 

2) 1365, 28. 2Rär§; Gersdorf, Cod. dipl. Saioniae reg. 11,2, 63. 



86 



Ungariföcft ©ünbni*. UntetftiifcuBg »tecontte. 



im $erbft 1367 [einen ftanjler, ©tföof ©ttyefa t>on günf* 
fiteren, an bie $erjoge ©tepfrut unb Älbrecfct, unb trug biefen, 
au$ im SRamen be« oftrbmifd&en ftaifer« $$iliw> unb be* 
$er|og« ftarl fcon SDurajjo, ein ©finbni* gegen bie $ato* 
bürget an. S5on etwaigen (Eroberungen foflten bie 5ftli<$ ber 
(Erat« an Ungarn, bie u>eftti$ ber 8nnS, in ftärnten unb SEirol 
gelegenen an ©aiew fallen. Daraufhin toarb oon ben bau 
rifefcn $erjogen ber Dorn ungariföen ftönige am 2. SRo&ember 
1367 in Ofen formulierte SSertrag am 2. gebruar 1368 in 
3R0n$en beurlunbet *)• 

&tt Jebo<$ bie ©aiern gegen £)fterreu$ loflfölugen, lenften 
SRüdfu$ten ber SSertoanbtföaft i$re fflaffen gegen einen anbern 
©egner. $erjog ©tep$an$ gleichnamiger ®o$n mar feit einigen 
Sauren mit Sfyibbäa, £o$ter be« fterjog« ©arnaba« ©iöcontt 
bon üflailanb, bie ifcm ein $eirat£gut oon lOOOOO fl. juge- 
bracht frxtte, &ermä#t. 811« nun ftaifer Äarl ju (Snbe üttai 
1368, unterftfifct oon ben ®onjaga$ unb ben ÜKarlgrafen *>on 
äffte, gegen SMfconti unb beffen ©erbttnbeten beüa ©cata oon 
»erona in« gelb rücfte, jog ©teptym b. j., begleitet oon feinem 
©ruber griebriefc, feinem ®$toiegeroater na* Italien yttylfe. 
3u fe$*u>8($entlic$em gelbjuge getoann ftarl einige $läfce im 
Seronefif(^en,aber feinen entföeibenbenfirfolg, unb am 27.8uguft 
marb unter Vermittlung griebric$$ *>on ©aiern, beffen biplo* 
mattfc$e$ ©eföid $ier juerft auf ber großen polttiföen ©fifcne 
jur Geltung Farn, ju SWobena ber trieben ©iäconti* mit ftaifer 
unb $apft abgefdfrtoffen 2 ). 

5Den $ab*burgern mar ber bairifc$'ungarifc$e ©unb, urie 
t& fc^eint, ein ©efcimni« geblieben; toenigften* mar S>erjog 
»Ibre^t t>on £>flerreic$ toiden« getoefen, ben ftaifer im italienif$en 
ftriege ju unterftüfeen unb nur bur<$ bie Empörung ber Herren 
fcon Huffenftein in ftärnten jurüdge^alten toorben. greilty 
$atte ftart IV. (27. SWäri) für bie 3eit f ba& «forest ju 
fetner $ilfe in Stallen »eilen lofirbe, £)fterrei$ gegen jeben 

1) O. n. «r. VI, 491; Oefele II, 187-191. 

2) AnnaL Matseens., 834; $ufcer, ÄarW IV., 9hr. 4686a. 





87 



«ingreirer uno tnöDejonoere ßcgen ote iüatern ju unterftußen 
fcerft>rod)en. Ürofc be$ ungariföen ©ünbniffeö ober mußten 
bie ©atern bann allein jirnt Eingriff breiten. 3m ©pett* 
fommer 1368 branden fic mit unauföaltfamem Ungeftüm in 
SCirol ein, eroberten tote oor fünf 3a$ren baö Unterinntfcat 
o$ne §afl unb 3nnäbrucf, baju aber au# bie ©urg @d)lo§* 
berg unb baö ganje Ober-3nnt$al mit ber ©urg 8anbed. 
Dann toanbten fie fid? in ba« SBippt^al, nahmen bie ©urgen 
©orber - unb §intermatrei 1 ), überf dritten ben ©renner unb 
befefeten ©terjing. frft jtoifc^en ©terjing unb ©rifen, im 
eingeengten ®ifa<ft$ale gebot it?nen hinter fünf mächtigen 
©#anjen ©tfd?of 3ol)ann bon ©rijen mit gußüolf unb {Rei- 
terei ©ttüftonb. 3)a gleichzeitig §erjog Seopolb ein $eer burd) 
ba$ ^uftert^al heranführte, fanben bie ©aiern geraten fidj 
Surücfjujie^en unb i$re ßroberungen freizugeben. SDoci) bie 
toidjtigften ©urgen, SDfatrei, Sanbecf nnb ©d)loßberg, gelten 
fie feft; in ÜJiatrei toiberftanb i&re ©efafeung fünf SBodjen 
lang ben Angriffen §>erjog SeopolbS unb be$ ©if$ofä bon 
©rtjen, bie ju Anfang Dejember un benoteter £>inge oon 
ber ©urg abjie^en mußten. 

©o enbete bie lefcte Rraftanftrengung , ber bie bairifc^en 
prften fä&ig toaren, nidjt unrühmlich, aber o$ne entf^eibenben 
ßrfolg. ffiin paar fefte ©d)li3ffer maren gemonnen, aber too^l 
aud) bie Überzeugung, baß bte Eroberung oon ganj Üirol über 
i$re ffräfte ge$e. 3mmer^in gelten fie in ben eroberten ©urgen 
einen ©etoinn feft, ber inö ©etoic^t fiel, att nun bie Unter* 
$anblungen, t?on 5fterreic^ifd)er ©eite bur$ ben ®rafen Ulrich 
Don ©chauenberg, bon bairifd?er burd? ben ©urggrafen grieb* 
rief; ton Dürnberg unb ben fcanbgrafen 3ohann bon geübten* 
berg, $erjog 2Ubrecht8 Statthalter in Straubing, toieber auf- 
genommen tourben. SD?it bem Könige Ungarns toaren bie 
©aiern trofe feiner Unthatigfeit im Kriege in freunbfchaftlichem 

1) 2)iefe tneüeidn burdj Vertrag; tocnigftenS betennen bie $erjoge 
«Stefan unb griebrid? am 7. £>ej. 1368 in Äuffiein, Äonrab bem ©$on- 
(leter für bie geffe ÜHatrei 5200 fl. 5 u fäutben; R. B. IX, 209. 




88 



grieben ton 6<$5rbing 1369. 



»ertytltni* geblieben. Die $rinjen Stephan unb griebri* 
befugten t$n ju Änfang September 1369 in <ßre$&urg unb 
lamen auf bcm ©ege ba$üt au* mit Hlbre*t oon Öfterrei* 
in ©ien jufammen. gityrte biefe Untettebung au* ni*t fo* 
gleich ju einer (Einigung, traf Seopolb im Sommer in Zxxol 
fogar normal S3orfe$rungen für ben ÄriegSfatl, fo $atte bo* 
eine jweite 3ufammenfunft 8Kbre*t$ oon Öfterrei* mit 8tbre*t 
oon ©aiern, Stephan b. i. unb grtebri* in S*ärbing befferen 
(Erfolg. SRa* me$r aW fe*$ja$rigem ftriege erfolgte bort am 
29. September 1369 in &nmefen$eit einer grojjen 3*$l 
rif*er Herren ber «bf*lu& be« ^rieben* 1 ). Die ©ittel$ba*er 
oerjic^tetcn auf Zxxol, ba£ mit fflaiem fortan friebli*e 9ta** 
barf*aft unb ruhigen SSerfefcr unterhalten fotlte, unb gaben 
au* tyre (Eroberungen oom legten gclbjugc $erau$. ?rinj 
Sodann berfpra* no* befonber« für ben gall, ba§ feine (E$e 
mit ftatyarine oon ®5rj juftanbe fäme, au* biefer 33erbinbung 
feine 8nfprü*e auf lirol abzuleiten, au* feine fünftige ®e* 
mafclin oon fol*en jurüdju^alten. 3ur (£ntf*äbigung für i&re 
liroler 8nfprfi*e erhielten bagegen bie ©aiern 116000 fL f 
fo bag tynen wenigftenä bie na* bem langwierigen ftriege bro$enbe 
ftnanjicüe 3errüttung erfpart blieb, 3lu* würben tynen bie jum 
(jrai*ba*if*en (Erbe gehörigen, bamaW an Öfterrei* oerpfatu 
beten Stäbte ©eiffen&oro unb SBu* an ber SRot$ o$ne Cöfc- 
gelb ausgeliefert. (Sbenfo erhielt $erjog Wbre*t oon ©aiem 
S*ärbing jurüd. Äufftein, fttfebttfal, au* ba$ im Stieben 
ni*t genannte Kattenberg blieben bairif* unb bie $ab6burger 
Ratten bie alte $erjogin Margarete wegen tyrer 3lnfprü*e auf 
bie beiben erfteren Orte ju entf*äbtgen. Den beiberfeitigen 
Untertanen oergag man ni*t allgemeine Umneftie ju bebingen. 
SSier Sage na* Hbf*lu& be$ S*ärbinger Stiebend ftarb bie 
Urheberin aller biefer ©irren, Margarete SRaultaf*, in ©ien, 
wotyn fie mittlerweile fibergepebelt war. 

©ä^renb aber ber Stieben mit Öfterret* fargefteüt Iwurbe, 

1) O. u. Cr. VI, 499; Gegenbrief ber »aieni bei gif*er, «leine 
6*rtftea I, 503; »eg. 9lx. 480—505 bei $uber, «etcinigung Xtrott. 




toax bon anbercr ©eite ©etoölf heraufgeftiegen, ba« einen neuen 
©türm in Sluäficht ftetlte. Die beftricfenben ffünfte, mit benen 
ber Äaifer ben unerfahrenen üftarfgrafen Otto ß$ bienftbar 
gemacht unb ben Slnfall $9ranbenburg$ an fein jpau$ vorbereitet 
hatte, bie hinhaltenbe 3toeibeutigfeit, mit melier er in ben 
lefeten ©irren bie bairiföe tfinie ber SBittelSbacher behanbelt 
hatte, alleö bieö gab ber alten getnbfchaft bc$ §aufe$ SBittett* 
bad? gegen bie ßujemburger neue Nahrung, unb all nun t>on 
Ungarn auö, too Söntg Subroig bem Saifer megen fernerer 
SBeleibigung grollte, ber Stuf ju einer großen 33ereinigung gegen 
ben länberfüchtigen, räntoollen Sötymm erging, fanb berielbe 
bei ben Sßittelöbachern ürilligeS ®ehör. Slufcer groei ©Shnen 
©tephanS ^aren auch §er$og Wibrecht oon Straubing unb 
bie *ßfaljgrafen {Ruprecht b. ä. unb Ruprecht «bolf b. \. 2 ) 
in ^re&burg erfreuen, ©ort fd^loffen ©tephan, griebricb unb 
3ohann unb bie anberen genannten 2Bittelöbad>er am 13. ©ep* 
tember 1369 mit Äönig Subtoig oon Ungarn, Äaifer W^PP 
ton Äonftantinopel unb Jperjog Sari ton S)ura«o ein ©ünbni« 
auf gegenfettige §ilfe, ba$ fich gegen ben faifer richtete unb 
in bem nur Äönig Äafimir ton «polen unb anberfeitS bie 
SBatern, toenn fie unter fich felbft in Streit gerieten, au$* 
genommen blieben 2 ). Sllbrec^t oon Straubing hatte bie an* 
fangS geltenb gemachten Slnfprüche auf Dberbaiern mittlerweile, 
tote e8 fcheint, fallen gelaffen unb sollte auch nach bem SEiroler 
(Erbfolgefriege, ber ihm menigftenS @d?ärbing jurücfgegeben, 
mit feinem ©ruber ©tephan in enger SBerbtnbung bleiben. 
3u £eiSbadh oerabrebete er (7. Sftoo. 3 ) mit biefem unb beffen 
©öhnen, ba§ jeber bem anbern in beffen Canbeeteile im gall 
ber 9tot ju^ilfc fommen foüte. 

SJtefe Eintracht aber mährte furje 3 eit - ®alt e$ ©ünb* 
niffe feiner ffiiberf acher ju fprengen , fo mar ber Saifer nie 

1) 2)iefer, ber auch föuprea)t unb Äbotf allein genannt wirb, ein 
IReffc Äuprc^t« b. a\, ifl ber von ben Annal. Matseens. 834 genannte 
Adolf us. 

2) et»& gin!, 2>ie geöffneten %x$m SöaiernS III, 311. 

3) §X u. <Br. VI, 508. 



90 Serfötträgerung bct ©trau&inger Sinie mit ben ftncemburgcrn. 

um eine Sutfunft verlegen. ©ie«mat toar e« Ktbtecht bon ©trau* 
bing, bem bie angetragene SetmShtung feinet lobtet 3o$anna 
mit be« ftaifet* ©ohne ©enjel ju todenb festen, als baf et nicht 
feine $te|6utget ©unbeägenoffen um folgen $tei« im Stiche 
laffen foöte. 3«flW mit ** r $eitat$abtebe hm im ©ommet 
1370 ein ©finbni« jtirifchen ihm unb bem ftaifet juftanbe, bon 
llbtecht am 13. 3uni im $ennegau, Dorn ftaifet am 6. 3ult jn 
$tag beutfunbet, unb auf einem glanjenben gütftentage in SRfitn* 
betg, in Äntoefenheit bet beiben Bätet, fanb am 29. ©eptembet 
bie S5etmfi^luna beä Jungen $aate« ftatt. Sine toeitete ©tfifce 
erhielt bet ©unb bet beiben gßtften, aU Älbtecht im folgenben 
gtüWa^r (10. Iptil 1371) in $tag mit bem ftaifet betein* 
batte, bag beffen lobtet Hnna feinem jtoeiten ©ohne albrecht 
bi« $ftngften übet acht 3a^te bie $anb teilen foUte. «tt 
$etrat«gut feinet lochtet oetfotach bet ffiitteWbachet bem 
ftaifet alle feine geften unb ©fitet nötblich bet Donau ju bet* 
pfänben, auch bethief et bähte ju toitfen, baß nach feinem 
lobe feine gefamten baitifchen ßanbe auf ftattt tünftigen 
@$n>iegetfo$n übetgütgen. Übet biefen foflten nach bem lobe 
bet filtetn bet ftaifet, bie ftaifetin unb ft5nig ©enjel bon 
©ö$men bie ©otmunbftytft fügten. 5Det altete ©ohn ffiUfrlm 
foHte oon bet baitifchen Ctbfolge mit im Salle be« SSetlufte* 
bet niebetfönbifchen $tobinjen nicht au*gefchloffen »erben 1 ). 
Siachbem ftarl bon einem pfäljtfchen ffiitteWbachet einen gtogen 
Steil bet Dberpfalj eworben, na$bem et einen branbenbutgifchen 
betoogen, ben ßujemburgetn bie Äffloattfchaft auf bie btanbeiu 
butgifchen 8anbe ju getoäfyren, legte fic^ nun, banl biefen 8b* 
Stockungen mit einem baitifchen ©ittettbachet, feine begehrliche 
$anb auc^ «*f n5tbli<he 9?iebetbaietn. 

dnbeffen marb ihm ba, too fie am toenigften anjufe^ten 
fehlen, in ©tanbenbutg ein Strich butch bie Rechnung gemacht 
3um äRattne hetanteifenb, begann SWarfgraf Otto ben ©gen* 
nufc ju burchfehauen, mit bem bet ftaifet feine Untetttftrflgleit 
auänufcte. ©chon fytlt biefet aufet bet Heumar! auch bie 

1) Oefele II, 192. 193; Ufman Stromer, et.-C$r. I, 33; 
«über, »eg. ÄarW, 9h. 4858.4866a, *et<h«faihen, 514. 515. 524. 525. 




SDkrfgraf Otto ringt ft<* t»om Äaifer tot. 



ttiebertaufifc in §änben, ju beten SJerfauf er ben Jungen gürften 
flebrängt £atte, fd?on toar fein ©o$n in bie 3Kitbele$nung mit 
©ranbenburg aufgenommen. £)ie 2luSftc$t auf ben Slnfoü beS 
ganjen SanbeS an bie Luxemburger toar bebeutenb gefttegen, 
feit Satt bem SÖiarfgrafen an ©teile feiner jüngeren loc^ter 
<£lifabet$ bie altere Rabanne, bie finberlofe fflSittoe ^>erjog 
SRubolfS con £)fterreic$, als ©raut jugetoiefen $atte, etnerfeitS 
um (Slifabet^ nun mit 3llbre$t &on Öfterreidfc »ermäßen ju 
fönnen, für ben Sat^arine als feine ©c$n>ägerin ni$t gepaßt 
$ätte, anberfettS toeil ßat^arinens fiinberlofigfeit an ber ©eite 
beS erften ©emafrlS erwarten liefe, ba§ aud> t^re jtoeite (£&e 
unfruchtbar bleiben toürbe; unb in biefem galfe toar, toie ö>ir 
tPtffen, bem lujemburgiföen fjaufe bie Erbfolge bebungen. Da& 
Otto in einen folgen £aufdj mifligte, fennjeic^net ben $ö$e* 
punft feiner 2lb$ängigfeit com Äaifcr. Mmäfclicfc, freiließ ju 
fpät, raffte fid> ber junge gürft au größerer ©elbftäubigfeit auf. 
2>er ©unb mit §erjog äftagnuS oon ©raunfd&roeig* Lüneburg, 
ber Samtf, ben er an ber Seite btefeS 35erbünbeten gegen 
SWedtenburg aufnahm, bie 35erabfd?tebung beS bisherigen 9?ateS, 
ber aus lauter ergebenen greunben beS SaiferS beftanb, unD 
beffen grfefeung bur$ marfif^e ®ro§e — barunter ber tüd&tige 
$tauS oon ©iSmarcf — , aüeS bieS toaren beutltcbe Slnjetd&en 
einer SBeränberung, auf toel^e ber ©efudj beS SontgS äBatbemar 
üon SDänemarf, beS ©^toagerS Subroig beS ©ranbenburgerS, 
an Ottos §>ofe meliert nic^t o&ne (Sinfluf geblieben mar. 
SSielleic^t führte Otto« fortfd?reitenbe Sntfrembung com Ratfer 
föon um bie 3eit ber ^ßreßburger 3ufammenfunft au# ju 
einer ge&iffen Annäherung beSjelben an ben bairifc^en ©ruber. 
2Bie fefcr ßartS Hrgtoohn gegenüber bem bisherigen ©c^ty* 
ling bereits erregt toar, jeigte fein Slbfommen Dom 14. SDiai 
1370 mit ben pommerifdjen £erjogcn: er ließ fi$ beren ©ei* 
ftanb öexfprec^en, fatts ber ÜÄarfgraf ben mit 8u$emburg ge- 
troffenen ßrbfcertrag brechen foüte. Unjtoeibeutig farad? ftc$ 
fobann in ber ©efeftigung gürftcnbergS an ber Ober unb in 
ber äbjie^ung beS £erjogS SDtagnuS i>om 2J?arfgrafen bie ge* 
reijte ©efinnung beS SatferS aus. 



»2 



$ru$ Otto« V. mit bem Äatfer. 



£rofcbem befugte Otto im Stopft normal ba« fatfetltd^e 
$oflager in $rag, fanb fich auch im ©eptember in SRürnberg 
bei ber $ochjeit feiner Süchte mit ftönig ffienjel ein. (Eben 
hier aber lieg ber ftaifer jebe SRa«!e faden unb trieb bie Dinge 
ju offenem 3nriefpalt. ®r richtete an ben SDtarfgrafen bie 
Äufforberung ber Regierung ju entfagen unb ihm feine ßanbe 
fofort ju übergeben. £>a« ^ieft mit ©turmböcfen auf ba« 3**1 
lo«gehen, bem er fich bi«her mit unterirbiföen SDttnen gen&^ert 
hatte. Hl« ber ffiittettbad^er ba« «nfinnen entrüftet jurüdnrie«, 
lieg ihm ftarl fofott ben Stieben auflagen 1 ). Huf bie« erfolgte, nrie 
e« fcheint, eine 3ufammenfunft Otto« mit ©tephan ober beffen 
©öhnen, unb toenn fuh auch ber üßarfgraf $ier fo toemg toie 
Dotier 8lbre$t ju einem au«brücflic^en unb f$riftlt$en 35er* 
jicht auf Oberbaiern oerftanb'), fo bürfte er boch in biefer 
frinficht mfinblich beruhigenbe SJerficherungen gegeben ^aben. 
SWünblich gefchah e« auch, ba§ er ffir ben gaH feine« finber* 
lofen lobe« ben ©aiern, junächft ©tephan« jtoeitem ©ohne 
griebrid?, bie Nachfolge in ber SDtarl jufidjerte. Um biefelbe 
3eit, ba fo bie Oppofition gegen ben ftaifer in ©ranbenburg 
eine neue ©tüfce gewann, fötoffen Stefan unb feine ©d^ne 
unb {Rupre^t oon ber ?falj ein gegenseitige« ©«hufcbünbni« 
auf oier 3a$xe mit bem ©tfchofe Subtoig oon Samberg , ben 
SÄarfgrafen griebri<h unb ©althafar oon üßeigcn unb bem 
©urggrafen griebrich oon Dürnberg 3 ). 

£)ie faxteioer^ältniffe im n>ittel«bachi|chen $aufe Ratten fleh 
bemnach oöUig geänbert. Sie ber brohenbe SSerluft lirol« 
oorher jnriföen 8lbrecht unb ©tephan, fo hatte nun bie ®efa$r 
©ranbenburg ju oerlieren jtoifchen Otto unb ©tephan eine 
Einigung herbeigeführt, toahrenb albrecht injtoifchen bem ©rubere 

1) @o Otto in ber Urf. öom 10. 3uni 1371; Riedel 11,2, 510. 

2) dagegen hatte Otto am 27. Sutt 1367 gegenüber «tbrefy auf 
feine ttnfp;ü$e an bie holtönbiföen ^tomnjen gegen eine Öelbfnmme unb 
gegen Cinrfiumung be* erften <5rbre$te* an biefen Sanben, faß« SUbrecht 
ohne 2eibe«erben ftürbe, beratet; R. B. IX, 181. 

3) 28. SRo». 1370; R. B. IX, 251. 




Ärieg um ©ranbenburg gegen Start IV. 



98 



limbe itoar abf^änfttg geworben toar, o$ne iebodfr barum eine 
bro^enbe @teüung gegen bie ©rüber einzunehmen, 3luc$ oon Otto 
*rauc$te Stephan Jefct leinen Hngriff me$r ju befürchten, olel* 
me$r fu$te er in gemetnfamer Slnftrengung mit i$m ben be* 
bro$ten ©efifc in ber üWarl für bie gamtlte ju retten. 3m 
©üben oerftärfte ©tepfym feine Stellung burety ein ju Saufen 
-am 6. STOärj 1371 abgefd&toffene« ©finbni« mit (Srjbiföof 
^ttigrim II. oon ©aljburg, laut beffen gewonnene (Eroberungen 
glei# geteilt toerben foQten. Sie ©aiern nahmen unter ben 
Gegnern nur Ä3nig ßubtoig oon Ungarn au«, ber fic$ balb 
barauf (13. 2tyrtl) ebenfaB« mit ©aljburg oerbfinbete 

Um &una$ft Otto in feinem Kampfe mit ÜÄedlenburg unb 
Bommern ju unterftüfcen, ging $erjog griebric^ im 3hrü$ja$r 
1371 auf ttettem Umtoege bur$ Öfierrei<$ unb Ungarn na$ ber 
aWarl. «I« er bort eintraf, leifteten i$m auf ©efe$t be« 3JfarN 
grafen bie ©tänbe einiger 8anbe«teile bereit« bie <£rb$ulbigung, 
^n (Erfüllung, toie fle felbft ^eroor&oben, ber 3"f a 8 €n f bie föon 
unter ßubmig beut ©ranbenburger Stephan unb feiner Sinie 
gemacht toorben feien, ©on ©tenbal au« erlieg Otto am 
10. 3uni ein ©^reiben an ben Äaifer, toorin er jur SRe^t* 
fertigung feine« ©orge^en« fctyilberte, mit toeld&en Unbilben unb 
toeld&er Xreuloftgleit fi<$ ftarl gegen i$n oergangen $abe. De« 
flaifer« Änttoort toar am 22. 3nni bie ffrieg«erHärung *) unb 
biefer folgte fofort fein 2tofbru$ gegen bie SKarf. 

ffiä^renb nun bie ©aiern burefc angriffe au« ber b5$mifc$en 
Oberpfalj 5 ), 9fcuprec$t oon ber $falj bur# ba« Huf gebot 
f$t»Sbif$er ©täbte unb be« (Srafen firberfcarb oon ©irtemberg 
bafctm feftge^alten mürben, brangen be« ftaifer« ©dornen unter 
unmenf<$lic$en ©ertoüftungen in ber SWarf oor unb nahmen 
SDWbtdffeberg. (Sleidfoeittg bemächtigte ft<$ ber (Erjbiföof oon 

1) ©. bie t>on @t einfcerj &er8ffentttc$ten Urfuttben in SWitteUungen 
t>. 3toft f. öfierr. ©ef$. IX, 626 f. 

2) Annal. Matseens., 835; Url Otto« Dom 15. ttprit 1371; Riedel 
11,2, 608. 509. 511. 

3) Andreas Ratispon., Pez IV, c, 582, too bie Nennung be« ©tföof« 
4Mm BWttben auf 8eme<$feumg mit ben (Einfüllen bon 1357 berufen bfirfte. 



ffiaffenfHIIßanb mit bem Äaifer. 



SWagbeburg ber ©tobt (Sörfcfe. Otto, unterftfifct *on feinem 
Neffen grtebri<$, fratte mitttertoeile nt$t unglücftic^ gegen bie 
Bommern unb *JWe<Henburger gefönten unb tiefen einen Zeil 
tyrer (Eroberungen toieber abgejagt, ©er angriff be$ ftatfer* 
jtoang i$n nun ju einem Äu*gleic$ mit biefen geinben: am 
20. 3uli föloj? er unter Vermittlung be* ©änenfönig* unb be* 
$erjog* griebric$ auf bem 3o$anniterf$lof? 9torife grtebeit 
mit ben Bommern unb \täfl ffioctyen ftäter (7. Sept.) fam 
ju ^renjtau au$ ber grieben mit äJtedKenburg juftanbe. 

3&ifäen ben Ungarn, bie einen (Einfall in 3RS$ren unter* 
nahmen, unb bem ftatfer arbeitete $apft ®regor XL, ftart* 
ergebener greunb, auf eine Äu$fö$nung $in, in bie er bemüht 
toar au$ bie ©aiern einjuföliefjen. Stephan b. j. »eilte im 
Sommer 1371 toieber in $refjburg; bie ©aiew unb ftSnig 
?ubfotg, als SJerbünbete im branbenburgifd&en Streit, fter* 
ftrad&en am 2. 3uli ben Öfterrei$ern Neutralität 1 ). 3efct 
aber brängte ben Ungarnfönig jum grieben ni$t nur bed 
$apfte$ Stimme fonbew au$ ber lob ftönig ftaftatfr* Don 
$olen, ber tym bie !E$ronfolge in $olen oerfd&affte unb ba* 
Öebörfni* toeefte, feine Hrme frei ju machen. So rnarb 
am 16. Oftober 1371 ju $ima jtoifäen ftönig 8ubti>ig, 
$erjog Stephan unb feinen Söhnen, bem äJtarlgrafen Otto 
unb bem Crjbifd^ofe ^iligrim t>on Saljburg auf ber einen 
Seite, bem ftatfer unb beffen Söhnen, 3o$aim $einri$ öon 
3Jtä$ren, bem (Srjbiföofe 2Ubre$t öon äJtagbeburg unb ben 
$erjogen Älbrety unb Seopolb t>on Öfterretcfr ein ffiaffenftifl* 
ftanb bis ^fingften 1373 toerabrebet, ber ad?t Sage barauf au$ 
auf ben ©if$of Subtoig t>on Samberg unb bie SKarfgrafen von 
SRei&en au«gebe$nt tourbe*). 

Diefe 3eit ber ffiaffenru^e benufcten Stefan b. J. unb 
griebriefc, ber na$ bem Vertrage t>on $irna na$ ©aiew jurüA» 
gelehrt mar, um ft$ in $reujjen im ftampfe gegen bie $eib* 
niföen Litauer ftrieg«ru$m unb <$riftli<$e« SSerbienft juglet$ ju 

1) Änrj, j&jlcrrei« unta «ttre$tIH. 1,232; Riedel H,2, 512. 

2) $nber, fteg. Äarl«, 9h. 4993a; Riedel 11,2, 521; Annal. 
MatseenB., 835. Über bie Äfimtfe in ber SWart *gl. ©*otj, 39 f. 




etttftfl III. in Greußen unb Ungarn. 90 

erwerben, ©eitbem ^Jaläftina bi« auf bie lefete ®urg *>om 
Mam jurüeferobert mar, war Greußen allein ba« gelobte 8anb 
ber SRitterföaft, wo fie t&ren 5L$atenburft im Dtenfte be« 
©lauben« beliebigen fonnte. mit ben bairiföen $erjogen 
weiften ju »nfang be« 3a$re« 1372 ^erjog ßeo»>otb t>on Öfter* 
reic$, Der ganbgraf oon 8euc$tenberg unb ber ®raf t>on §al« 
in Greußen; aber wie oor fünfunbbreifjig 3a$ren §einri$ XIV, 
ton Wieberbatern, mürben aud^ bie«mal bie $riftti$en SRitter 
bur$ ^«bleiben be« grofte« an jeber friegeriföen Unter- 
nehmung ge^inbert x ). 

8tu« freuten begab fi$ ©te^an b. j. an ben ungarijdjen 
$of, wo ein päpfttidjer Siuntiu«, ber $atriar# 3o$ann öon 
SUeranbrien, eben alle Slnftrengungen einfefcte, um grieben mit 
bem ffaifer ju eraielen. Ratl bot bie Sßermä^lung feine« 
jtoeiten ©o$ne« ©igmunb mit einer Softer be« Ungarn* 
fönig« unb fdjon fonnte i$m ber päpftlic^e SRuntiu« (9. SKai) 
au« Ofen 8ubwig« (Sinmiüigung melben. äWit ^uftimmung - 
be« anwefenben $erjog« Stephan roaro fcerabrebet, baf? am 
15. 3ult in Söien eine 3"fommenfunft ber ®egner ftattfinben 
foflte. ffiürben fi# bort bie Saiern ber ßntföeibung ber 
Äurfürften, be« tßapfte« ober feine« SRuntiu« nid?i unterwerfen, 
fo erflärte ber Ungarnfßnig i&nen feine Unterftüfeung entjte&en 
äu wollen. (Sine 3eit lang festen berfelbe überhaupt feiner 
feairiföen SBerbünbeten überbrüjfig unb bebadjt, fi$ mit Hnftanb 
ton tynen ju trennen, 211« aber bie in 2Iu«fi$t genommene 
3ufammenlunft mit bem ffaifer fächerte, gewann bei i&m bie 
SSerftimmung wiber Sari normal« bie Ober^anb unb nun 
erflärte er auf feine Anträge me&r eingeben ju wollen, wenn 
rticftf beffen Einigung mit ben SBaiew ßorau«gegangen wäre *). 
Vergeben« f$lug ber fiaifer biefen wieber^olt eine fc^ieb«ric^ter- 
li$e Oöfung ber branbenburgifd^en grage cor 3 ); wie fonnten 

1) Herrn an ni de Wartberge chron. Livoniae, rer. Pruss. II, 99. 100; 
über bie Seit f. be« Herausgeber« ©treffe 2(nm. 17. 

2) Fejer, Cod. dipl. IX,4, 395. 399. 418; £u&cr, ^Sfa^en 
Vit. 549. 552. 560. 

3) Snfrruitton für feine ©efanbten an ben ^Japp bei Riedel II, 2, 528. 



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96 



gelben mit ber @tabt SfagSburg 



f!e fi<$ au$ oon einer folgen günftigen «Umgang oerfpred&en, 
ba für ben ftaifer trofc ber moratifctyen SBew>erfti<$feit feinet 
»orgefcenS ba« formale {Rec$t lote fein überlegene« 8nfe$en fprac$! 
(Einig mit ifcnen im §eft$alten an ben toittel66a$if$en 8n* 
fprfidfren auf SBranbenburg toar {Ruprecht oon ber $falj; eine 
®efanbtfc$aft, bie biefen dürften gegen ben ftaifer oerfö$n!ty 
ftimmen foöte, fatte nichts auSgert<$tet. «IS batm bie ©e* 
fpre<$ung jtoifd&en ftarl unb Subioig ju flrnbe September an ber 
(Srenjc tyrer Weiche bo$ no<$ ftattfcatte, führte fie oornefyn* 
lic$ beSfalb ju feiner 5Berfö$nung, toeil ber Ungarnfönig iefct 
nid^t me$r geneigt mar bie ©aiem faden }u laffen, biefe aber 
$df feinem @$iebSgeri<$t unterwerfen toodten unb ber fturfürft 
oon ber $falj ieber «nnafcerung an ben ftaifer toiberftrebte. 

©aiew felbft nmrbe bamalS burc$ jtoei gelben $eimgefu<$t, 
toelc$e bem SKarfgrafen Otto in feinem toieber aufgebrochenen 
ftriege gegen 2D?e<flenburg unb Bommern bie Unterftüfcung feiner 
bairifd&en ©ertoanbten entjogen. OpferooU für beibe leite toar 
inSbefonbere ein Vorläufer beS großen ©täbtefriegeS, bie ge$be 
ber ©tabt ÄugSburg gegen bie ©aiem^erjoge 1 ). @$on länger 
lag ÄugSburg in ©treit mit bem oberbairifäen »tfctum ftonrab 
oon greiberg, bem $erm ber gefte Stettenberg am 8e$; unter 
anberem fcanbelte es fi<$ um eine ®elbf$utb beSfelben bei bem 
3uben ©arac$. SRit ben $erjogen felbft beftanben, tote eS 
fc^eiitt f 3oüi»iftigfeiten unb bie ©c&toerter fuhren au« ber 
©cfcibe, als ber ©tabtrat im STOai 1372 fic$ weigerte, in ein 
©c$irmoer$ältniS ju $erjog griebriefc ju treten. 3m 3uni 
jogen bie ftäbtifc^en Steifigen unb ftnectyte gegen SanbSberg unb 
oerbrannten beffen ©orftabt, fotoie bie benachbarten Dörfer 
©anbau, ftaufering, ©c^euring. 9la$bem bann bie ©tabt 
ben $erjog griebri$ oon 2><f als Hauptmann in SHenft ge* 
nommen, eroberten tyre Gruppen im SRooember bie gefte 
©eftoabegg, bie ftraft ©aaler als 8e$enSmann ber $erjoge oon 
©aiern oerteibigte. 3m Dejember folgte ein ©erfceerungSjug 

1) «Uß«burger <E$rontfcn, @t-C$r. IV, 26-31. 37. 248. 311; V, 
9 f.; Annal. Matseens., 835. 



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mtb ©trnfcer bem «uer 1372. 



»7 



gegen ©cfcongau; ober faum mar btefer borfibergebrauft, fo 
rücften bie $erjoge ©tepfcan unb griebric$ gegen 2Wergent$au 
unb brannten tiefe« nnb biele Dörfer jtirifäen Hug«burg unb 
ftaufbeuern nieber. 5Ro$ im 3anuar ma^rte ba« ©engen unb 
©rennen auf beiben ©eiten fort unb lieferte ftraft ffiaaler 
ben ©täbtern bei SWütytyaufen am regten &$ufer ein glficflity« 
®efec$t. »ergeben« festen bte 8ug«burger auf [eine unb 3afob 
$ütri<$« ®efangenfc$aft einen $rei* bon 1500 ®ulbcn. 3n biefem 
Ärlege [od e« gefi$e$en fein, bafj (Sfcriftian unb ffiilfcelm bie 
grauenberger jum $aag bon augäburgifäen JJrieg«leuten ber* 
folgt unb bei X$alfir$en (1 ©t. fübl. o. üKönc^en) an bie 
3far gebrängt, in tyrer 9lot ber f)l 3nngfrau ben ©au einer 
ftir$e unb eine« Älofter« gelobten. 3iur bie JKrc^e fanb Hu«* 
ffl(rung unb nrieberfcolt erneuerte ©otibgemälbe falten bort bie 
Erinnerung an ben Urfprung feft 1 ). 

©ajtoifctyen jogen ®tep$an b. \. unb griebric$ im ©pit* 
fcrbft *) nörbli$ ber Donau gegen ©ernfcr ben 8uer ju Selbe, 
ben ©etfprectyungen be« ftaifer« jum ffitberftanbe gegen bie 
$erjoge aufgereiht faben foüen; fie eroberten feine ©urg ©toefen* 
fei«, toanbten fi$ bann gegen {Riebenburg an ber Bltmityl unb 
Ratten auc$ $ier bereit« ben ©or$of in i$re $änbe gebraut, 
al« ber ©urggraf oon Dürnberg unb ber Sanbgraf ben Seuchen* 
berg eine ©fi&ne bermittelten. 

Der ffiaffenftiüftanb mit bem flaifer aber lief ab, o$ne 
bafc bie ®egner fic$ nä^er getreten mären, ©o Wien benn ber 
<2rntf$eibung«tamt>f um ©ranbenburg ni$t länger aufjufalten 
unb im grü^ling 1373 begab fi# §erjog grtebric$ jur Unter* 
ftüfeung feine« Cfcim« in bie Wart. 9m 31. üKai erhielt er 
oon biefem bie Bltmarf unb bie $riegnife al« $fanb für 200000 
©ulben 8 ), toatyrföeinlicty ein @i$eingefd$ft ofyte ®egen(eiftung, 
ba« nur bem Neffen einen neuen 9te$t«tttel auf Seile feine« 

1) ©nnb, @tammenbu<$ I, 55; Änton 8Ra$er»©eßerraavcr, 
©tatif*. ©eförribung bc* <5rjbi«t$um« SWün$cn*greifing II, 479. 

2) *uf biefe 3<itb€ftimmung xotift bie Urf. fcora 25. Wo*. 1372, 
R. B. IX, 288; im übrigen f. Annal. Matseens. 1. c. 

3) $uber, töeg. Äarl«, «ci^fa^cn 9hr. 569. 
Wieslet, OeftUftte aaientf. III. 7 



98 



Ärieg in ber SRart. 



bebrofcten <£rbe$ oerföaffen follte. Der ftaifer unb fein ©ofrt 
©enjel föloffen nicht nur (6. 3uni) mit SJiedlenburg ein 
SJünbniä gegen Otto unb bie SBatern l ), fonbern fanben auch 
bei ben $erjogen bon Saufen * Lüneburg unb bem (Srjbi(chofe 
$eter Don SKagbeburg Unterftüfcung. Dagegen nahmen fich 
bie Hilfsquellen ber ffiitteWbacher gar ärmlich au« unb an 
Röttgen JBunbeflgenoffen fehlte ihnen gönjlich. ßubtoig oon 
Ungarn toar in einen ftrieg mit SSenebig oertoicfelt; auch oon 
ben ^faljern fam feine Unterftüfcung unb £>erjog SWagnuä oon 
©raunfchioeig* Lüneburg ftarb jur Unjeit, ba ber ftrieg eben 
begonnen hatte. 

Die« geföah, nachbem fich ber ftaifer in gürftenberg mit 
feinen ©unbeägenoffen oereinigt ^atte f im 3ult, junachft um 
granffurt a. O., ba$, toie e$ föeint, unter Otto* unb griebrich* 
Leitung 2 ) tapferen ffiiberftanb leiftete. Ob au* erfolgreichen, 
ift nicht überliefert. Dagegen toarb &bu$ oon ben ftai|erlichen 
erobert. ftarW nächfter Angriff galt gürftenmalbe. (Sin fchtoach* 
lieber ©egenftog Stephens b. j. im ©üben $atte auf bie 
ftriegäereigniffe in ber SKarf leinen Hinflug. SSon C^am au$ 
rüdte biefer ffiitteWbacher in ba« ©öhmifche ein, tarn aber 
nur bt$ in bie ©egenb oon Xau§, too er bann oor einer oon 
ber ftaiferin ihm entgegengefchieften ftriegäfchar ben {Rücfjug 
antrat. Die Verfolger Übertritten bie ©renje unb oerheerten 
bie ©cfifcungen ber 3enger bairtfehen ffialbe. &\ibU\d) 
brohte ein um ©palt gesammeltes ftattlicheä $eer unter ©orfe 
bon SRiefenburg, bem faiferli$en Hauptmann in ber Oberpfalj, 
mit einem (Sinfall in ©aiern 3 ). 

gürftentoalbe aber Ratten Otto unb griebrich noch nicht 
lange oerteibtgt, als bei ihnen bie Überzeugung burchbrang, e$ 
fei beffer, Unterhandlungen anjufnüpfen, fo lange pe noch einen 
$rei£ bieten fönnten, all ju loarten, bi$ gegen bie Übermalt 

1) Riedel 11,2, 532. 535. 

2) 2>ercn Hm»cfen$ett tna$en bie Urtunben toom 14. €tyt. 1373, 
R. B. IX, 303, unb 14. ©ept. 1377 (sie) 1. c. 382 fc$r &>a$tf$cinli$. 

3) Annal. Matseens., 835; ©cneß, 420; «ng«b. £$roni! a. a. O., 
34; ©urtarb 3inf, @t.«G$r. V, 9. 



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2>ie ffitttettbatfer tocrjitften auf ©ranbenburg 1373. 99 

alle« berloren fei. Jim 15. äuguft nahmen fte im Saget bor 
ber ®tabt bie grieben«beratungen mit bem Äaifer auf, bie mit 
fo fiberrafd&enber ©$neHtgfett jum äbfdrfuffe führten, bafc brei 
Sage barauf bereit« ade« abgemalt unb beurfunbet mar. XBie 
borget auf lirol berjt^teten bie ©tttel«bacfcer nun auf bie 
SWarF gegen eine ©elbentfctyäbigung, aber gegen Summen, bie 
man na$ bem ©elbtoert ber &t\t grogartig nennen muß. Otto 
erhielt ein 3a$rge$alt oon 3000 ©ctyocf ober ftatt beffen ein* 
malige Safflunb bon 30000 <&>ä)od Präger ©roföen $u* 
gefiebert 1 ). (Er erhielt auf 8eben«jeit ben toeftli^en Seit ber 
oberpfäljiföen ©efifcungen be« ftaifer«, barunter glojj, $irfäau, 
®uljbac$, töofenberg, 8ic$tenftein, ©reitenftetn, {Retcfcenecf, 
Steibftein, $er«brwf, Sauf. Die (Srafföaft ®uljbac$ tourbe 
geteilt, ber nörblidje Seit berfelben, ber nun in 8luerbac$ fein 
befonbere« ßanbgericfyt erhielt, blieb bei SBöfynen, ber ffiblic$e 
mit @uljba$ fiel an Otto '). 9iad> feinem lobe foUten biefe 
norbgauifetyen ^ßfanbf haften an bie JBaiern fallen, bom ftaifer 
aber, toenn er e« toünföe, mit 100000 Oolbgulben eingelöft 
»erben ßnnen. ffia$lrec$t unb Xitel be« fturfürften, auefy ba« 
Crjfämmereramt berblieben Otto auf 8eben«jeit; naefcbem ber 
ftaifer bem @d&nriegerfo$ne bie 9Wa$t genommen, mißgönnte 
er i$m beren arme glttter nid>t Hu$ berfpraety er, fall« Otto 
efcelidje £8$ter Unterliege, iebe berfelben mit 10 000 fl. au«* 
juftatten. Die bairifdjen $er§oge erhielten 200000 ©ulben 
teil« bar, teil« auf f^toäbifc^e 5Rei#«ftöbte angenriefen; mehreren 
Don btefen $atte nämlicfy ber ftaifer, toeil fie bie jum branben* 
burgiföen ftrtege geforberte öeifteuer nid>t entrichtet Ratten, $o$e 
©elbbufjen auferlegt, bie nun ben ©aiern jugefprod&en nmrben. 
Der ganje JBetrag oon 200000 ®ulben loar im 3uni 1375 
ttotlftänbig abbejatyft. Seiter berpfänbete ber ftaifer ben SBatern 

1) Überfielt aller Urfunben unb SfoSjüge au$ ben ungebrudten f. bei 
SWuff at, Über bie ©röße unb ©djidfate ber (SntföSbtgungen, meldte bem 
$aufe ©ittel«bae$ für Abtretung b. SWart ©ranbenburg t>. Äarl IV. toer- 
trieben toorben jlnb, 1867, 5f.; ©über, Weg. ÄarW, «ßr. 5222— 5224. 

2) 6. 3eitWr. f. »aiern, 1817 (11,4), 12 f. 24 f. 



7* 




100 



@ntf$&btgung für ©ranbcnburg. 



für 100000 (Bulben bie 9teich«ftäbte SRSrblingen, DtnfeWbühl, 
3)onaufcötth unb ©Opfingen unb al« bifchöflich regenGburgifche« 
$fanb für 21000 (Bulben bie $errfchaft ©onauftauf. 33on 
ben ^fanbfchaften ber genannten 9leich«ftäbte toarb jebo<h tont 
fpaterer Vereinbarungen ein leil burch eine 3a$re$rente bon 
10000 (Bulben erfefct Hn liefen $unft ber Abmachungen 
fnüpften fleh fpäter, ba ©tymen bie 3 a $fong ber 3a$re«rente 
unterlief?, 33erioicflungen, bte Sahrhunberte lang magren follten. 
SRur Donauwörth fam im 3unt 1376 al« $fanb für 60000 fl. 
in bie $änbe ber ©aiern; ba ein XBiberftanb btefer SRetd^ftabt 
gegen bte SBerpfänbung ju befürchten mar, berfprach ber ftatfer, 
bie ©tabt, toenn nötig, mit (Bemalt jur $ulbigung gegenüber 
ben $erjogen ju jtoingen *). $erjog Sttebrich fchetnt überbie« 
ba« SBerfprechen einer befonberen äbflnbung erhalten ju haben. 
Ärn 23. »uguft erliegen Otto unb griebrich an bie ®emohner 
ber Wart bie Bufforberung bem Äaifer ju $utbigen unb am 
29. 3uni 1374 toarb ©ranbenburg «auf immer" mit ©öhmen 
bereinigt. 

Sin Wagbeburger ß&tonift meint, mit allen (Sntfchäbigungen 
fei noch nicht ba« <8ra« auf ben XBiefen ber Wart bejaht unb 
bem Warfgrafen nicht einmal ein anftänbiger Lebensunterhalt 
berfchafft toorben. fynliä) ttagte fpäter Subtoig im ©art, feinen 
Sorbern feien mit ber (Sntfchäbigung be« Äaifer« nicht ein* 
mal „(Blöden unb (Bläfer" bejahlt toorben. ©eiche Über* 
treibung barin liegt, bebarf feine« SRachtoetie«. Kein flnanjiell 
betrachtet, f>at man vielmehr berechnet, bafc für ba« ftopitat 
ber (5ntfchäbtgung«fumme, ba bie Jährlichen fiinfünfte ber Wart 
bamal« 26000 (Bulben betrugen, nur ein 3in« bon 5£ ^rojent 
angenommen tourbe, toährenb ber übliche 3to«fujj bamal« 
10 $rojent betrug 8 ). ©olche Opfer fefcte ein gürft baran, 
oon bem ber Dichter ©uchentoirt 4 ) nicht ohne (Brunb ben 
Pfennig fagen lägt: ber Äaifer $at mich lieb unb toert; freilich 

1) @. SWuffat, 12f. unb bic Ouittung fcon 1384 bei @<hol$, 

2) 2 ort, eefyrain, Urtonben, 76. 77; R. B. IX, 351. 

3) SDtogbeburger e^öppcnc^ronif, 264; @($olj, 66. 

4) Ed. ?rimiffer, 94, 8. 135. 




101 



toarb ein grofcer Seit bet ©elbletftungen auf 9leich«ftabte unb 
bie bö^mifc^en Untertanen abgetoäljt, ein anberer jnnächft burch 
ganboerpfänbungen erfefct. 

©o toaren oon ben brei fremben 8anbern, toelche ba$ $au« 
SBtttel^bad? feinem »aifer oerbanfte, jtoei an beffen machtigfte 
Nebenbuhler verloren, Üirol an $ab$burg, ©ranbenburg an 
8ujemburg. Die $auptf<hulD be$ leiteten ©erlufteä trug ni<ht 
jener gürft, ber baoon in erfter {Reihe betroffen toarb, fonbem 
fiubtoig ber {Römer, ber ju einer &t\t, ba ber jüngere ©ruber 
noch ganj oon ihm abhängig toar, bem ftaifer jenen ent* 
ftyibenben ©ertrag bewilligt hatte, beffen ffiirfung alle fpäteren 
Inftrengungen be$ ©rubere unb Steffen .nid>t mehr vereiteln 
tonnten. Dafc biefe Hnftrengungen nicht fo auäbauewb unb 
nachbrfidlich untren, n>ie fie für ben ffitebergetoinn Üirol« ge» 
macht tourben, entfprach nur bem geringeren ffierte, ben bte 
ißitteläbacher oon jeher auf ©ranbenburg gelegt Ratten. $ier 
tote bort aber mar ber (Sang ber Dinge im öffentlichen ber 
gleite: um ben Äampf aufzunehmen unb ju unterhalten, mußten 
bte ffiitteläbacfcer fi<h in fotehe ©Bulben ftürjen, ba§ fie julefct 
f$on jufrieben toaren, bureb ©erjidjt auf ben ftampfpreil ©e* 
freiung au« ihren ftaanjieüen ©erlegenheiten ju erfaufen. Die 
bairijehe Stnie bc$ toittel$ba<htfchen §aufe« aber burfte fieb über 
ben Äuägang nicht beflagen. Denn toar e« nicht eben $erjog 
©teph^n getoefen, ber burch bte ©erlefcung be* oberbairifeben 
(Erbrechte* ber beiben ©ranbenburger biefe bem ffatfer noch 
enger in bte «rme getrieben unb in jene ©timmung oerfefet 
hatte, au« melier bie oerhängntöooße ©erföreibung ber SRarf 
ertoachfen toar? SRachbem ©tep^an bie ©rüber oon ber ober* 
batrifdhen (Erbfolge auägefcbloffen, hätten er unb feine ©ohne 
e* (ich tooht auch gefaüen laffen müffen, für ben ©erluft ihrer 
Unforücbe auf ©ranbenburg teinerlei (Sntfchäbigung ju erhalten. 
3h*er ©ieberau^föhnung mit Otto unb ber $i(fe, bie fie ihm 
im <£ntfcbeibung*!ampfe brachten, oerbanften fie nun toenigften* 
anfehnlidfeen ftnanjieüen ®emimt, ber fie in ben ©tanb fefete, 
eine Weihe oon bairifchen $errf$aften unb ©fitem ju ertoerben. 

<S6 toar aber ^o^e 3eit, bafj fich ihre ftaffen lieber füllten. 



102 



ginanjcn. 



<gin fahrenber Dieter ber &t\t, ber fleh an aßen beutfchen 
$5fen gut auäfannte — et nennt fl<h $eter ©uchennrirt l ) — 
lägt ben Pfennig fagen, lange fei er bei ben eblen gürften be* 
©aierlanbe« ein (Saft getoefen, aber oerbroffen tyibt ihn, bafc 
er bort feine JRuhe gefunben. 8ängft mar bie reiche mailänbifche 
Sßttgift etetfan* b. j. aufgejehrt. »uch bte beträchtliche 
Summe, meiere für bie Äbretung Itrol« nach SBaiern gefloffen 
mar, fcheint nicht Diel meiter gereift ju ^aben als bie 
Soften be$ liroler (Erbfolgefriegeä nachträglich su beefen. «U- 
mählich machte {ich geltenb, baß feber ber brei ©öhne Stephan*, 
mte er fchon fett darren mit einem befonberen Keinen Sanbe** 
teile in $fanbfchaft$meife f ) auflgeftattet toar, auch feinen be* 
fonbern hofhält führte ') unb bag bie beiben älteren balb auf 
ftrieg$<, balb $offahrten jmifchen äJtailanb, Ungarn, ©rauben* 
bürg, Greußen unb ©aiern faft beftänbig untermegä waren. 
5Rur ausgiebige Serpfänbungen bon ®fitern, moju mit Vorliebe 
bie fchtoäbifchen gemählt mürben 4 ), augerorbentliche ©teuero 
unb ba$ beliebte Hutfunftftmttel ber äJtüttjerneuerung (1373) 
hatten bte Fortführung ber ffiirtfchaft ermöglicht. Schon jur 
$o<hjeit ©tephan« b. i. (1367) toar t>on Oeiftlichen unb 
©auern eine ungeto&httKty ©teuer geforbert toorben; 1371, 
mährenb griebrich in bie Wart ging, mürbe bon ben 8anb«# 
hutern eine äu«nahmfteuer erhoben ; im f olgenben 3ahre Wagte 
man über bie Neuerung einer $unbefteuer 6 ). 

Da nun ©öhmen fein gemalttge* ©euteftüd in Sicherheit 
gebracht h^^e, begann jum erftenmale feit balb breißig Sahren, 
toährenb bte Regierungen $erjog Stephan« tote Äatfer Äartt 

1) Ed. $rimiffer, 95, 8. 192-209. 

2) gür Darlehen, toetche bic €58$ne bem 8atet borgefltecf t , tote ft# 
ergibt au« R. B. IX, 195. 197. 198. ©tetfan b. j. unb gritbrich 
hatten ihre Seile am 26. SWfirg 1373 ju 9flünd?cn jufammengetoorfen. 

3) $tefür f. u. a. E. B. IX, 214. 237. 252. 261. 264. 

4) U. a. Sauingen, $ö$ftSbt, ©unbelfingcn an $erjog gtiebriih um 
%t&, fficijfcnhorn unb ©u<$ an ben Orafen ©einriß öon Babenberg, 
B. B. IX, 200. 227. 

5) Annal. Matseens., 833. 835. 836; O. u. Gr. VI, 511. 




(Sntfäfibigungett $. griebrU&S. 103 

bereits ihrem (Enbe [ich näherten, ein aufrid&tig gutes Sin* 
oernehmen jtotf<hen ben Käufern 8u$emburg unb ©ittelsbach 
[ich ^erjufteBen. Ruf einer &u\ammtnbxnft ber gfirften ju 
SÄfimberg fanb baSfelbe auSbrucf unb SBefeftigung. Der Äatfer 
unb fein €ohn ffienjel einigten fleh fytx (4. Oft. 1374) mit 
bem Shtrfürften Wuprecht oon ber $falj, ben beiben Jüngeren 
9tupre$ten, mit Otto, ©tephan unb beffen Söhnen bahiu, bog 
betbe Parteien, bte gürften felbft toie ihre 5Ra<hfommen, nie* 
malS nach bem öefifc ober fünftigen (Erwerbungen ber anbeten 
trauten foöten. Unter ben toittelSbachifchen ©efifcungen, bte 
auf biefe Seife, na$bem ber $auptf$aben bereits gefdjehen, 
gegen 9lad^fteQungen t>erftyert tourben, mürben au$ fchon bte 
görjiföen ßanbe aufgeführt, beren MnfaH infolge $erjog 3o# 
hannS Verheiratung ju eroarten ftanb 1 ). Damals erft tourbe 
C*ti<>8 SrtebrichS gorbernng, bem als nächftbetechttgtem (Erben 
unb teiltoetfe $fanbtnhaber ber STOarf ber Äaifer, toie es fcheint, 
eine befonbere Kbfinbung juerfannt hatte, gänjlich geregelt. 
WS einen Xeil berfetben fy\t man junächft too^l bie {Reichs* 
lanbbogtei Oberfd^toaben }u betrauten, in beren ©efifc griebti^ 
fchon im gebruar 1374, fpätet ftriebrich unb Stephan gemein* 
fam etfäeinen •). 3lun erhielt griebrich (10. Oft.) toeiter eine 
Äntoetfung oon 30000 ®ulben auf bie SReUhSftäbte im ©fafc 
unb gemeinfam mit feinem ©ruber @Uph ön 0- Oft.) bie 
Sanboogtet im (Slfafc, toeld&e oorher bie $er30ge oon Öfterreich 
befeffen Ratten »). SBalb barauf übertrug ihm ber Äatfer auf 
SBiberruf auch bie bisher oon ben ®rafen oon Ötthtgen inne* 
gehabte SSogtei ber ©tabt ÄugSburg 4 ). Der ÄuSföhnung 
jtoifchen Suyemburg unb Sittelsbach toarb gleichfam baS Siegel 
aufgebrüdt, als {Ruprecht oon ber $falj (gebr. 1375) gegen 
anfehnliche ©ergünftigungen baS 33erfprechen gab, feine Stimme 
bei ber ftömgStoahl ÄarlS ©ohne «Benjel ju geben, gttr 
biefen tyxt bann, fraft beS Wahlrechtes, baS er {ich oorbehatten, 

1) $u6er, Heg. ÄarlS, ttr. 5384. 

2) R. B. IX, 377; ». ®tfittn, ffiirtemb. (Bcfä. UI, 314, «tun. 8. 

3) SWuffai a. a. D., 10-12; Oefele II, 194; R. B. IX, 358. 

4) 20. 3annar 1375; R. B. IX, 324. 



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104 Stieben mit $tag86nrg. fianbfrieben 



au$ Otto noch gefttmmt, mährenb bei ber ©erffinbigung bon 
ffienjel* SBa$t bereite ftarW ©ohn ©igmunb att fturfürft Don 
©ranbenburg urfunbete 1 ). 

äJlit «ug«burg ^otte grtebrtch am 14. Sutt 1374 unter 
©ermittlung be$ Patriarchen STOaifroarb Don Hquileja, früheren 
©iföof* Don Äugflburg, ju $5chftäbt grieben gefaloffen. 3n 
biefen mar 3afob ^Jütric^ nicht eingefchloffen, einer ber leiben* 
fc^aftltc^ften batriföen ^arteiförnpfer, ber einmal in bie ©or* 
ftabt ©t SRifotau« hineingeritten mar unb Dier arme Seute 
erftochen hatte. <5rft im 3uni 1375 Derfitynte $erjog grtebridh 
au* ihn mit ber ©tabt »). 

Sänger atö man gelohnt mar, hatten (ich nun bie ffittteW* 
Bacher ben häßlichen ^rieben gemährt, ohne bag berfelbe bo<h 
äber jebe Störung erhaben gemefen märe. Auf eine folche beutet 
bie 9?achrt<ht, bag bie Sanb^huter 1373 mehrere ihrer ©ärger, 
bie mit beut jungen f>erjoge ©teph^n einDerftanben maren, in 
ba$ ©erlieg marfen, unb bag einige berfelben mit 3uftimmung 
be« alten $erjog« hingerichtet mürben 8 ). ffiie aber nach einem 
ftfirmtfehen Jage bie Sonne oor bem ©Reiben mohl nochmal 
bal ®emölf burchbrtcht, mit rofigem ©Limmer ©erg unb 5£^al 
Derflärenb, fo mar $craog ©tephanä SebenÄabenb burch ffierle 
ber 5rteben«ltebe unb ©erföhnung na* allen ©eiten be* 
jeichnet. Die lange Weihe ber ©ranbftätten am Sech unb 3mt 
rief bodh enblich ärntfefcen äber bieje traurige Htt ber firteg^ 
führung h^roor. ©*on ber ©erfuch einer {Reform fytxxa mar 
rühmlich unb eä fcheint, bag berfelbe nirgenb früher att in 
©aiern unb jmar auf bie Anregung be$ alten $erjog« ©tephan 
hin unternommen marb. Unter ben Oefefcen jugunften be* 

1) 2>entf<$e 9tety6tageatten I, 75. 

2) ©t-Chr. IV, 176-180; 11 f. 

3) Annal. Matseens., 836. ©ü« biefe tociter ton einem 3n>ifi ber 
„€>8hn* #er|og Sohannt" mit Stephan b. j. unb toon einer Belagerung 
ber ©nrg $ar66erg bur$ bie erßeren erjfityen, iß unHar; jebenfallt 
Wnnen €>tertau$ b. j. Gegner ni<$t bie ©tyne $ergog Sofymnt dos 
»aiern getoefen fein, beren filtefler erfi 1373 ba« ftcftt ber ©elt erbßdte; 
fcielletyt flnb 3oft unb ¥xotop, bie €>8$ne be9 SRarfgrafen 3o$ann $ein- 
ri$ toon SRShren, ja toerjlehen. 



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toon 1373. 2ob ©te^on« II. 



Sanbfrieben«, toelc^e (amtliche ©aiernfcerjoge, au$ Älbrecfct unb 
Otto, am 25. SRo&ember 1373 ju 8anb«$ut erließen, toar 
eine«, bur<$ ba« ftc fiety felber an fc$onung«t>oßere Hu«fibung 
be« £rteg«$anbtoer!« banben, inbem pe aßen ftriegfü^renben in 
©aiero, ftdj felbft unb tyren ©egnern fortan aße« ©rennen 
unb Sengen unterfaßten; Berücktet be« ®ebote« foflten al« 
tec^t- unb e$rlo« gelten unb nirgenb im Sanbe ©ofttung unb 
®emeinfc$aft finben. Derfelben Rumänen ®efimtung entftrang 
ein Vertrag ber fcerjoge mit Älbrectyt unb Seopolb oon Öfter* 
ret$ (30. SfyrU 1375) jur Sicherung ber ©tragen unb be« 
$anbel«; man ging §ier fo u>eit, ba§ lebe {Regierung bem 
reifenben Äaufmanne, ber in $rem ßanbe UnbiU erlitten, toenn 
ber Später ni#t au«pnbig gemacht mürbe, binnen jtoei 2Ro* 
naten au« eigenen ÜÄitteln ©ctyabenerfafe t>erfpra$. 5)te 
aibfteßung ber ®runbru$r, b. i. be« ©tranbretfcte« , nmrbe 
nun normal bur$ gemeinfame Grrtfärung feftgefe^t ; alle 
©efttmmungen be« ©ertrage« aber foflten felbft im ßrieg«fafle 
aufregt bleiben *). SRocb einige SWonate toorfcr Ratten Wege* 
rif<$e ©ertouflungen gebroft: einerfeit« jtoifd&en ©aiern unb 
ben ©rafen t>on ©irtemberg, anberfeit« jtiriföen ben öfter* 
rei$tföen ©rübern Seopolb unb Älbrecbt. Die ©aiem Ratten 
Seopolb (3. gebr. 1375) oerft>roc$en, im teueren gafle m$t 
fetnbltd? gegen i$n aufzutreten f wogegen er tynen biefetbe 3 U ' 
fage für ben goß eine« Kriege« mit ffiirtemberg machte 2 ); 
auf beiben ©eiten aber unterblieb ber befürchtete ffiaffengang. 

Slm 19. SWai 1375 8 ) föieb fcerjog ©te^an II. au« bem 
geben, teuere geben i$m ben ©einamen „mit ber $afte" 4 ), 
ber inbeffen no$ bei Änbrea« t>on JRegen«burg unb ©eit Strnped 

1) D. u. Cr. VI, 517. 522. 

2) Äurs, £>f*erreu$ unter «forest III., I, 260. 

3) 2>tefc «ngabe be« ecttgcnt^alcr ftetrolog«, M. B. XV, 523, *er- 
bient ben Sorgug bor ber auf ben 10. SWai lantenben HrnpedG; Pez 
IIIc, 268. 

4) „Dictas in fibulis" (»o$l toegen ber Spangen, haften am SWantcl 
in einer befHmmten fcttbtt$en 2>arfleflung) , juerfl, n>ie e« föetnt, bei 
©untfoim; Oefele II, 566. 



106 



2>ic @8$ne ©te^an« II. tmb tyr Dfclm Otto V. 



ft$ ni$t finbet , für und jubem unoerftänbli<$ ift, ba toir 
feine befonbere ©eranlaffung nt#t lernten. 3n ber äugcren 
^oliitf mar bie fcfrätiglett btefe« tfityigen nnb too&lgefimtten 
gürften föon feit beut ©d&ärbinger Stieben hinter ber feiner 
älteren ®ö$ne, jumal griebrt$$, jurfidgetteten. 3Rit bem 
Sater unb filteren ©ruber $atte er gemein, ba§ feine 2$at* 
fraft nac$ ftünmf$em Sfolauf ber 3finglhtg«ia$re im bor* 
gef$rtttenen SWanneäalter jic$ ni$t auf gleitet $5$e $ielt 
gfir ben ©erluft liroW unb ©ranbenburg* barf man tyn ntyt 
beranttoorttUfc machen; jur JRettung be$ erfteren 8anbe$ für 
fein $au$ $at er getfktn, nxrt nur in feinen fträften ftanb. 
3$m fehlte ni$t bie ftü$n$eit ju ertoerben, toäfcrenb anbere 
bon ben ©öfyten be$ ftatfer* ttid^t einmal bie Älugfait ju be* 
toasten befafjen. 



2>te §tti$%t ©tt* V. (H* 1379), Stefan HL Ut 
Äueißel, $riekridj rnt* Sunnit Iii« jir Stuketteibtitg 
tot* 1392 nnb jnm Z$U ffrirtridj« (4. $ej. 1393). 



3um Olüd für ©aiern behielt trofe ber ©ietyeit ber gfirften, 
bie ©tepfym« II. lob auf ben 2$ron berief, längere 3ett nun 
bie Strömung ber ffiinigfcit im toittetebad^ifdjen $aufe bie Ober* 
$anb, toenn fie au$ ni$t fo mächtig toar eine ungeteilte ©er* 
toaltung be« Sanbeö burcfcjufefcen. Die ©erföfymng ber bairi* 
f<$en mit ber branbenburgifäen ?inie tyatte jur Solge, bafc 
Otto, ber Dfcim ber brei bairiföen ©rfiber, nacty bem ©er* 
•lüfte ber SDiatl bon biefen jur leilna^me an tyren bairiföen 
Sanben jugetaffen toarb, toogegen er in bie (Sefamtmaffe jenen 
uberpfäljifd^en ©eftfe eimoarf, ben tym ber Äaifer aW Qrnt» 



Dritte« f cpiteh 




©tephan III. 



107 



fchabtgung überlaffen ftttte. 2lm 29. September 1375 t>er* 
einbarten Die Dtcr $erjoge &u SBurghaufen, bafc jle ihre ge# 
famten Sanbe unb ®üter mit Hu«nahme beffen, toa« jeber al« 
$rirat«gut oon feiner Oemahltn befa§, ju gleichem Seil unb 
(Erbe inne fcaben foUten *). SRur hinfi^tlich ber 33ertoaltung 
tourben bie Sanbe am 24. äJtärj 1376 in jroei Zeile, Ober* 
unb föieberbatern, gefchieben, beren jeber jmei 3ahre lang toech* 
felnb bon je jtoei gürften regiert ©erben follte. Oberbaiero 
übernahmen junächft ©tephan unb 3ohann, ba« niebere Sanb 
Otto unb grtebrich. 3m SDtai toarb SanM^ut angetotefen 
Otto ju hulbigen *)♦ Der in &u£|id?t genommene ffiechfel ber 
8anbe«teile mürbe fcboch nicht ooöjogen, oielmehr blieb bie 
Stellung ber SBertoaltung in ber juerft angeorbneten Keife bi« 
ju Otto« lobe in »raft. 

Der eigentliche Setter ber oberbatrifchen Regierung toar 
©tephan III., ein lebensluftiger, prunlooü auftretenber gürft, 
ftet« reich gepult in feiner Äleibung , burch feine Beirat an 
ben üppigeren 8u$u8 3talien« getoöhnt. ®lanj unb geftfreube, 
Äampf unb äbenteuer maren fetner ftrofcenben Sebenöfraft SBe* 
bürfni«. Sag er nicht ju gelbe, fo ritt ber Heine jierliche $err 
»eitum ju Stornieren unb geftlichfetten, unb tote SJetber unb 
ÄBtberfacher toarb er bie ©chulben nie lo«. föoeh in tyfyn 
Sahren blieb er rüftig unb iugenbfrifch ; al« er 1400 ju SBrüffel 
mit ber alten gürftin Slnna ton ©rabant fich im Zeigen 
fchtoang, rechnete man au«, bafc mit ben beiben 145 3ahre 
herumtanzen s ). J)a6 eine feiner löchter ben Königlichen Zffxon 
bon granfretch beftieg, erhöhte fein ©elbftgefühl unb feine SWei* 
gung jum »ufmanb. ©ein gutmütige« S3olf, mit "Jlachftd^t ur< 
tetlenb, nannte ihn toohl ben ©ütigen. (Geläufiger mar ein 
anberer ©etname „ber ftneijjcl", ber auf ba« ^rachtliebenbe 
feiner äü&eren Srfcheinung beutete 4 ). 

1) R. B. IX, 383. 

2) R.B. IX, 343; *. greijberg, ®efc$. b. baier. Sanbftönbc 1, 271 ; 
©ittcl*ba<het Urlauben bcö @tabtarc$U>3 2anb$hut, mitgeteilt t>ott 
Ä aicher (Steh, b. htfl. #er. f. Hieberbatjern XXI, 88). 

3) ffitnb ede, cap. 5. 

4) «rnpe. gr etjberg 1, 129. 130). Über bic bem filteren bairiföcn 



108 



Sofymn ttnb Otto V. 



9tt$t an 9tührig!ett, aber an geiftiger ©egabung tourbe 
Stefan übertagt burdb ben jüngeren grtebrtch, bie ©eelc ber 
nieberbatrifchen {Regierung. Die fterjoge 3ohann unb Otto, 
t>on ben ©taaWgefchäften mehr jurüdgejogen, vertraten in beiben 
(grup^en ba* ftitlere (Element. Huf feinen 3agbf<hl5ffern um 
3Rün$en ^aufenb, lieg Sodann bte galten fteigen ober im 
SMdicht ber gorften ben $ir[ch aufftöbern, ©oft ieben borgen 
banfenb f ba§ er nicht brauste für« römifche {Reich ju forgen; 
er toarb genannt ber frumm unb einfältig §erjog, fagt Ärn* 
pect, ©pät hatte fkb Otto, ba ihm ber Äampf um fein flrrbe 
aufgejmungen toorben, ju männlicher Ihatfraft aufgerafft; nadp 
bem er ben Serluft nicht abjutoenben vermocht, fanl er, be* 
politi|chen Ireiben« überbrüjfig, in bie getoofytte Schlaffheit ju« 
rüd . (Sine Pilgerfahrt nach bem heiligen ®rabe l ) mar eine 
ber feltenen Unterbrechungen feine« Stillleben«, ©eine Ser* 
mählung mit be$ ftaiferS lochter, ber öewritioeten Äathartne, 
mar ooöjogen, gamilienglüd aber burch bte in häßlich" 39e* 
rechnung aufgebrungene ©attin ihm nicht gemährt toorben. <&& 
heißt , baß ftatharine öfter am väterlichen $ofe &u Prag aW 
an ber ©ehe ihre« (Satten ftch finben ließ, ©er $erjog fuchte 
(Sntfchäbigung in ben Sinnen einer 2Wüller*to<hter Margarete, 
mit ber er, faft tote ein Privatmann, meift auf bem ©chloffe 
ffiolfftein bei 8anb«h«t jufammen lebte« 9io<h hunbert 3ahre 
fpäter mar bte benachbarte SRühle, oon ber feine fchöne ®e* 
liebte ftammte, all bie Oretetmühle befannt *). 

SHalett eigentümliche ©ejeta)nnng Äneifiel, bie noeb al« gamilienname 
wrtoramt, f. ©chmeller • gromann I, 1354. SRit ©tej>$an« Keinem 
unb &ierti<hem £8rperbau hängt ber Äame nicht jnfaminen. 2Xe gorm 
Äneiffel, »eiche bie richtige faft »erbrangt bat, tann nur auf Ccfefehler 
beruhen. 

1) ©o er einem Begleiter, Otto bem $uec$er, ben ftitterfchtag er- 
teilte. em>8$nt 1377, 8. SWSrj; R B. IX, 371. 06 Stefan ber 
Äneißel, ber ebenfalls ba« heilige Qrab befucht nnb anf ber $in» unb 
ftüdreife $abna berührt hat, biefe gahrt mit feinem Dfctm machte, ift 
nicht fiberliefert; Andrea Gataro, bei Muratori, Scr. XVII, 760. 

2) Brnpecf (Pez, Thes. IIIc, 354), beffen Cr^lnng ju t*rb5ä}tigen 
lein ©rnnb vorliegt. ©. auch bie »on 9t o dinge r, Über filtere Arbeiten 
g. bair. Oefö. I. 80 &eforo<hene Chrontt. 




Äriegfyfige ©tc^an« III. 



109 



£)ie frieblictye ffienbung, toeföe bie bairiföe ^oliti! in 
©tepfrmfl II. testen 3a$ren genommen, toarb oon ben tonan* 
gebenben älteren Söhnen fofort aufgegeben. 3umal fcem un* 
ruhigen Stephan galt friegerifctyc ftraftemfaltung als unerlag* 
lidj, bei i$m erförint fic faft ebenfo fe$r al$ ©elbftjtoecf ober 
att pnaniieüeä $ilf$mittel, al$ baß ein t$atfä$lic$e$ ober Der* 
meinte« ©taatsintereffe i$n ju ben ©äffen gerufen $atte. (g* 
erinnert an bie ®efolg$$erren ber Urjeit, tote er mit feinen 
Wittern unb {Retfigen, feiten me$r att ein paar ^unbert ^ferben, 
überall $tnjog, too 9lu$m unb Vorteil toeften. 3m $erbft 
1375 folgten er unb griebri<$ einem $ilf$gefu$e be$ $erjog$ 
Seopolb *on öfterreiefc in ba$ Slfag, too unter ßnguerranb 
»on Soucty, ber Srbanfprüdfre gegen $ab$burg er$ob, englifetye 
©5lbner unter jügellofen 2lu$föti>eifungen eingebrochen loaren. 
©$ne ba§ e$ ju einem ernften 3ufammenfto& fam, lagen bie 
bairifäen $erjoge mit tyren Streitfragen bi$ ffiei$na#ten im 
(Elfag ju gelbe l ). Ätt bann im (SrjbtStum üKainj jmifc^en 
jtoet ®egenbif$öfen, äbolf üon 9?affau unb gubroig ton Zeigen, 
bem früheren SBifctyof t>on Samberg, Stieg ausbrach, rfiefte 
©tep^an jur Unterftfifcung be$ erfteren in« gelb. Saut einer 
Urfunbe oom 16. 3uni 1377 $atte er t>on tym 5500 ®ulben 
für bie geleiftete Ärtegä&ilfe ju fotbern *). 

(Sine £tit I a «8 näfrte bie Hoffnung italiemföer firobe* 
rungen ©tep$an£ S&rgeij. 9iod? ju Sebjeiten beä SBaterä 
$atte er in einem ju $att im 3nnt$al (2. ÜÄärj 1374) gc 
fäloffenen SBünbniffe bem $erjoge Seopolb oon Dfterretcty $>ilfe 
in beffen ftriege mit SSenebig jugefagt, bagegen oon biefem ein 
$ilf$oeifprec$en gegen ben $errn oon SSerona erhalten. ÜWtt 
biefem toar er übertoorfen, toetl eine me$r als 24 000 ©ulben 
betragenbe gorberung ber 2BüteWba$er ftegen be$ ffiittoen* 
gute* ber mit Sane bella ©cala oermctylten <Elifabet$, ber 
©<$toefter ©tep$an$ IL, ncäf immer nic$t beftiebtgt toar 8 ). 



1) @t.-€*r. IV, 44; R. B. IX, 335. 

2) R. R IX, 377. 

3) 6. u. a. O. u. <5r. VI, 488. 



110 



Ärieg j». J&fierreuh unb Skuebig. 



SWun mürbe vereinbart, bog ieber ber Serbünbeten mit minbe* 
ften* 500 ©pie&en 1 ) in ben ftampf eintreten, ya geltre unb 
Cfoibale bie $eere auf ©onntag na$ ^fingften fich fammeln, 
juerft anberthalb äßonate int SSeuettamfchen ben Hngriff«frieg 
führen, benn gegen SBerona abfchmenlen unb bi* SRkhaeli* 

1375 unter ben gähnen bleiben feilten. 2Ba« fie erobern 
mürben, foßte nach ©efchlufc ber $auptleute unter ben $er* 
bünbeten geteilt »erben, nur SRfoa am (Sarbafee jebenfalM 
Dfterreicb jufaüen 2 ). Die geinbfeligleiten mürben erft im SDtat 

1376 eröffnet, blieben aber nun auf £)fterrei$ unb 93enebtg 
befchränlt, fei e6, ba& ber Stieg gegen Serena Don ©tep$an 
fäon nach Ablauf be$ anberaumten lerminfl aufgegeben mar, 
fei e«, ba& bie ©aiern oerftimmenben änfprücbe Öfterrekh* 
auf Sftrten unb bie Ärainer Warf, melcbe aW Crbe ton feinem 
beworbenen ©ruber 2tlbred>t auch ÜÄeütharb Don ©8rj, 3<v 
hann« &on ©aiern ©chmteger&ater beanjpruchte, ©tep^an Don 
feinem ©ntfcbluffe abbrachten. I^atfac^e tft, baß mährenb be* 
ftriege* bie bairifchen $erjoge t*on $affau au$, mo fie im 
SUtguft 1376 mit Älbretfct &on Öflerretcb eine 3ufammen!unft 
hielten, SReinharb &on ®5rj brieflich ben SRat erteilten, ben 
Öfterretchern ben Durchjug burch feine Sanbe jum Äriege gegen 
SBenebig ju vermehren 8 ). änberfeitä mirb man e$ in Öfter* 

1) Unter @j>iejj ober ©lebe uerßanb man in ©aiern in ben erftot 
3a$rje$nten be« 15. Sahrhnnbert« (ogl R. B. XII, 186. 200. 353. 
403), aber »Ohl ana) fa)on bamal* eine Abteilung &on jtoei &e»affneteu, 
*ou benen einer einen langen ©pieß trug, unb brä sterben, entforechenb 
bem töitter, feinem Änappen unb »eittnecht (©erjanten) be« früheren 
SRtttelaltert. Hnber»art$ unb ju anberer 3cit »urben »ohl auch 2 ober 
4 ?ferbe anf eine ©le*>e geregnet ; »gl. u. a. 3eitf$r. f. öef*. b. Oberrhein« 
XVII, 301. Um bie SRitte beS 14. 3ahrhunbert« ift bafür ber «uGbrucf 
„Selm" gebräuchlich 

2) O. u. (5r. VI, 512. 

3) 27. «ngufl; gftrfl 2ichno»*t$, ©efö. b. $aufe« Sababurg IV, 
830. 2)ie ton SB ür binger I, 67 angenommene Teilnahme ber Saient 
am benetianifchen Äriege bfirfte bura) biefe« ©^reiben, ba* ©cfyoeigen 
ber Äriegöberichte (ffiebuflo unb 2)amete China jjo; Muratori, Script 
XIX, 752 f., XV, 709 f.) unb be« grieben«*ertrag« *om 10. Ott. 1378 
(Äurj, ibjierr. unter Wibrecht III. I, 277) »iberlegt »erben. Ocgea 



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ete^anS natürlicher ©o$n Sodann. III 



retd? übel oermerft $aben, bag im folgenben 3a$te bic bat? 
tilgen $>erjoge ba$ Domtojritel jur SBa$I eine« natürlichen 
©o$ne$ ©tep&anä, namens Sofcann, auf ben in £)fterrei$ unb 
flarnten fo retety begüterten greifinger @tu$l gemannen; bie 
§erjogc &erforac$en (5. Sluguft 1377) bem Ramtel „aüe Un* 
gnabe abjutragen", meiere bie Öftetreictyer ifytcn barum er* 
jeigen mürben *). Sodann tonnte jebod^ gegen ben oon anbetet 
Seite aufgehellten ©iföof Seopolb oon ©tutmberg m<$t bur<$* 
bringen; er ging junäcfyft auf bie Unioerfität SBologna, be- 
gnügte fi<$ 1382 mit ber gteifinger Domptopftei unb erlangte 
1384 ba« SBiätum SRegenäburg. 

Dut# bie Übernahme ber oberfömäbiföen unb elfäffifd^ett 
Sanboogtei maten bie ©aiernfcetjoge, jumal griebriety, ber bie 
©eictyäfte ber oberfättäbifdjen SBogtei oorne$mltd> beforgte, in 
bie Angelegenheiten ©d&mabenä oertoicfelt trorben in einem 
Äugenbltcf, ba biefelben bro^enbe ©eftalt annahmen. Anbete 
feit« aber Ratten eben biefe Ämter, tote ber ganje branben* 
burgifdje äu$glei<$, bie ©aiern, nad&bem fie toityrenb ber JRe* 

€>te*ban8 fceilnabme fyre<$en überbie* bie ton tbra »Jtyrenb brt Ärieg«, 
t>om Sunt biß Hugufi 1376 ju SRünd&en unb föain ausgefeilten Urtunben 
(R. B. IX, 349-355), bereit 3n$alt nur teilmeife *on ber Strt ift, bafr 
©tepban als abfcefenb neben ben Stiftern (tote aflerbing« u. a. 30. 3uti 
1376 ju ©urgbaufen) mttaufgefübrt gebaut »erben tünnte. 

1) R. B. IX, 379. 3n ©erbinbung mit biefer Urfunbe geben bie 
1887 erföienenen Acta Nation« Germanicae universitatis Bononiens. 
(ed. Friedländer et Malagola) über biefen $unft ber greijUiger 
©iföof*gef<bl(bte neuen «uffäluß. (Sin 1378 unb 1379 ber UntoerjUSt 
©ologna angeböriger Sodann fcon ©aiern, @obn eine« $erjog* toon 
©atern, roirb am 18. Sanuar 1379 in einer jeben 3rrtum ausließen- 
ben Urfunbe $eter9 ton grauenberg al$ electus Frisingensis besännet 
(p. 140. 141. 395). 2Rit ibm »eilen in «ologna bie gretflnger £>om- 
$erren granj *on Reifing, Sßeter *on grauenberg, bamal« $rofurator 
ber beutfäen Nation, unb Stomas ©run«bofer. ©ir baben in biefem 
ffiitteWbad&er 3obamt ben in R. B. IV, 379 genannten ©o$n ®tej>ban« 
unb einen üeopolb *on ©turmberg entgegcngejteüten ©iföof jn feben, 
ber »eber in ben Gesta ep. Fris. in M. G. Scr. XXIV, 326. 327 no$ 
in llxvpt&S »if(bof«gef($u$ten (3>eu tinger, «eürSge, III, 526) eine 
©pur binterlaffen bat. 



112 



9tei49tanb»ogteiexE in <&$toabtn. 



gierung ftarfe IV. ben Ängelegenfceiten be* SRet*$ metft glci** 
giltig, oft feinbfeltg gegenübergeftonben maren, ben Sujemburgern 
genähert, ©ei ber «rSnung »5mg ffienjeW (6. 3uli 1376) 
in Hachen bemerfte man bie $erjoge griebri* unb Älbre*t l ). 
Der nritteWba*if*en ^olitif ber freien $anb matten bie (Ent* 
föäbtgungen für ©ranbenburg ein (Snbe, ba biefelben jum Zell 
in Hnmetfungen auf bie &uhm\t beftanben unb i$re fortbauernbe 
Seiftung ein ungeftörte« <£int>erne$men mit bem ftaifer t>orau$* 
fefcte. HW 9fci*«fanb&ögte maren bie ffitttel$ba*er mteber in 
bie Stellung f5mgli*er ©eamten getreten, ton ber fte at* 
$erjoge ©aiern* ISngft ni*t$ me$r aerfpürten. ®te Raiten 
in biefer (Sigenfdjaft faft tote Statthalter be£ ftömg* tn ben 
©prengeln tyrer ©ogtei bie ©ermattung oder 9lei*$gere*tfame 
unb ®öter, au* bie militärif*e Oberleitung ju führen, ben 
Sanbfrieben ju $fiten, bie Sinffinfte für bie !öniglt*e ftammer 
beijutreiben, bie nieteten 9tei*$beamten einjufefcen unb biefe 
Brie bie ©täbte ju bereibigen *). 

©o fam e«, baß in ftartt lefctem unb ungere*teftem 
8tet*3frtege na* langer 3*** jum erftenmale bairif*e SRann* 
f*aft mieber für ben ftaifer [tritt. Der ©täbtefrieg, in ben 
au* ©atern t>etti>ictelt marb, mar ein ftarapf bon prüijipieüet 
©ebeutung, meit n>i*tiger aW Die na*barli*en $änbel, an 
benen e$ nie fehlte. ©djmere ©*ulb an feinem 2lu$bru* trifft 
o$ne %ts>ttftl ftarl IV. ®emig roare e$ eine gerechtfertigte 
unb meife $olitif geroefen, menn ber ftaifer neben ben langft 
erftarften fürftli*en $D?ä*ten in ben f*mäbif*en 9iei**ftäbten 
ni*t einen neuen ©taat im ©taate auffommen laffen unb 
barum i$re <gibgenoffenf*aften nt*t länger bulben motlte, fcätte 
er nur ni*t bur* feine millffirli*en SKifftanblungen bie ©täbte 

1) «gl. ginbner, ®ef$. be« beutf*ra «ei<$« unter ft. Settjet 

I, 43, «um. 1. 

2) »gl 8 if <$ er, @efö. be« f*n>5btf*en et&btebunbeft (gorf jungen 

II, 10); Xanf$, 2>ie 9teu$«laubbogteien in €*toabcn unb Gtfaß ju 
*u*gang be* 13. 3a$r$unber«, 43 f.; t>. Heifcenflein, 2>te KeU&i- 
lanbaogteien im Suftgange be* 13. 3a$t$nnbert$ mit betonterer ftücf» 
ftyt anf €fc$toaben (3eitf$r. b. tyft. 8er. f. Schwaben u. ftenburg. 1886). 



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Stoiern unb ber @<$toättföe etSbtc&unb. 113 

felbft baju gebtängt, in fSbetatioem 3ufammenfc^tuffe bie ein* 
jifle tynen jugebot fte$enbe »btoe^r gegen Unterbrücfung yt 
fu#en. 3nbem et n>iebet$olt 8leid?$ftäbte gegen tyten ffiißen 
fcetpfänbete, bebro^te et biefe mit bet ©efa$r ju ffitftltd&en 
Sanbftäbten fcetabjufinlen unb tief bei allen baä ©efü$l pein* 
liefet Unft<$et$eit $et&ot. Äl« et got bie ungeheuren ftoften, 
meldte bet btanbenbutgifd&e Stieg, bie ffintfetyäbigungäfummen 
be$ Hu«glei#$, cnblid? bie £2nig«toa$l feine« @o$ne$ i$m auf- 
erlegten, gum gtogen SEeil auf bie 8leic&$ftäbte abtoäljte, fonnte 
e« ntdit fehlen , baß unter ben Übettafteten grimmige (Srbttte* 
tung ettouc^. ©edfoefcn fömäbifd&e 9tei$3ftäbte betbanben fld^ 
im 3uli 1376 auf biettfalb 3a$re in bet äbftfy eine feiere 
©e^anblung für bie 3 u fanft }u ber^inbern unb bet 8u3btu$ 
brt Ätiege« toat entfe^teben f al$ bet Äaifet bie bon ben Bet* 
Bfinbeten gemünzten befttebigenben 3ufic$etungen betmeigette 
unb bie Huftöfung i^red SBunbeS befahl 1 ). ©egen (Snbe ©ep* 
tembet jog ftatl mit gtoget 3Wa<$t in« gelb; in ben etften 
Oftobettagen toatb bet Stogtiff auf Ulm, ba$ $aupt be« 
©töbtebunbe«, eröffnet. 

Die baitiföen $erjoge betfu$ten anfangt bie neutrale 
©tedung ju behaupten, meiere bet ©efifc bet obetf$toäbif$en 
SanbDogtei tynen empfahl, gtiebricfc unb ©tepfym, bie um 
SWictyaeliS mit i&rer SBluttet unb ©tepfcanä ©ematyin äug** 
butg befugt unb bott fefiltctye ©etoittung gefunben Ratten, 
titten in ba« belagette Ulm unb etjielten ben SCbfc^tug eine« 
SBaffenftillftanbeS, tootauf bet «aifet am 9. Oftobet bie ©e* 
lagerung auftob 2 ). Huf einem läge in SRtttnbetg foöte übet 
ben grieben betaten toetoen, abet bergeben« mattete man bott 
auf bie ©oten bet ©täbte; fie blieben auä, meil bet ©unb 
bem ©tafen bon ffiittembetg ©etlefcung be$ SBaffenftillftanbe« 
bottoatf. 3efct erft ooüjogen bie ©aietn ben Übertritt in ba$ 
Saget be$ Jtaifet«: am 28. Cf tobet gelobten fie tym gu SRütn* 

1) @. ba« ttnnbfäreiben ber ©täbte t>om 8. ftoö. 1376; Sanften, 
grantfurt« 9*ei($3corofponbcnj 1,1. 

2) @t.«<5$r. IV, 183. 54, «nnt. 3; Sanffeu a. a. O.; 8if$er 
a. a. O., Heg. 89. 92 unb @>. 28, «nm. 2. 

«tejler, Oeftiftte »dem«. III. 8 



114 



et&btetaeg 1376 nnb 1377. 



berg mit tyrer gefamten üJiactyt Unterftüfcung gegen bie ©tätte. 
Kelsen 8o$n ifrncn ber Äaifer für tyte Dienftletftung ju ge* 
tt>ä$ren $abe, feilten naety ©eenbigung be$ ftriege* @raf <5ber* 
$arb bon ffiirtemberg, ©urggraf griebriefc bon Dürnberg imb 
Sanbgraf 3o$ann Don Seucbtenberg befitmmen. 3Rtt ben (Srafen 
Don SBirtemberg, ben entföiebcnften ©egnern bcr febmabifeben 
8teicb$ftabte, toaren btc ©aiern febon feit 2. Dejember 1375 
in einem ©djufc* unb £rufcbünbniffe auf fünf 3abre geeinigt *). 

Der ftatfer überlieg nun ©aiern unb ffiirtemberg bie gort* 
fefcung be6 ftampfeä, botb mar unter ben trier bairtfeben $er* 
jogen Stephan, mtc cd fctyeint, ber einjige, ber feinbfelig gegen 
bie ©tobte vorging. Cr fanbte feinen Äbfagebrief an ben 
JBunb unb fammclte feine Struppen in ffieifjen^om, baä bie 
$erjoge t>or furjem an bie $erren t>on {Remberg oerpfanbet 
bauen, unb in HIped, einige ©tunben nörblicb &on Ulm. Die 
Ulmer aber unternahmen f naebbem fie feinen ge^bebiief er* 
Ratten, einen &er$eerenben $lfinberung$jug t>or 2Bei§en$orn, 
unb aW bann in ber ffiod&e &or ffietynaebten ©tepban felbft 
in Älpecf bei feinem SSerbünbeten , bem Orafen ^einrieb t>on 
ffierbenberg toeilte, fanbten fie acbtjig gute, toe^rlicbe ©efellen 
ba$in, bie ©tepban« ©anner erbeuteten unb im £riump$ na$ 
Ulm führten, ©alb barauf fölug bie ©tabt ftaufbeuern ben 
©turm jurüd, ben griebrieb &on Xtd, ber JBifcbof Don (£ic$* 
ftäbt, bcr oon $aibed unb Diener bcr $erjoge r>on Satem 
gegen tyre ÜJiauern oerfuc^ten *). SRacb fo unritymlttbcr <£r* 
bffnung be* flampfe« febetnt au* ©tepban, ti>o$l auf 9tat 
feine« ©ruber« griebrieb, bon beffen gortfefcung abgeftanben ju 
fein. 3m 2Wai erfolgte bie fätoere SHeberlage be$ ffitrtem* 

1) $nfter, tteg. ÄarW, 9to<btr5ge 9h. 6283; WinkelmanD, 
Acta imp. II, Nr. 956; R. B. IX, 335. 2)a& bie bairif<bcn Serjoge, 
bie atterbing* *or Ulm »eilten, ftfon an beffen Belagerung fieb beteiligten, 
bagegen fptiebt ba* Rödgen Ulman @tromer* tote ber anberen ©criibte, 
ibre SRtttlerrotte nnb wxb beutlicber, baß fie bem ftaifer erft am 28. Ott 
$i(fe gelobten. 

2) Hngtfturger Cbronit t>on 1368—1406; fcurfarb 3mf nnb Ulman 
©tronter (6t.-<5$r. IV, 48 f.; V, 16 f.; I, 36) R. B. IX, 353. 



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2>tc f*mS6if(^cn £anbt>ogteien. 



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berger* bei {Reutlingen. (SS toar nicht anberS: ba$ ©ärger* 
tum hatte bem {Rttterftanbe auf beffen eigenftem ©ebiete, im 
SEBaffenhanbtoerl, ben {Rang abgelaufen ; auch im legten SLiroler 
(Erbfolgefrtege waren an bem mutooüen ffiiberftanbe ber ©täbte 
am 3nn, ÜÄü^Ibotf, {Kattenberg, $all, 3nndbrucf, alle «ngriffe 
ber ritterlichen $eere gevettert. 

9ia<h fo glorreichen friegerifchen (Erfolgen lonnte e$ ben 
©täbten auch an Politiken nicht fehlen. 3$rem ©unbe toarb 
l^atfäc^lic^e Slnerfennung guteil, al$ König SBengel, oon feinem 
»ater beoollmächtigt, am 31. üttai 1377 gu {Rotenburg mit 
i^nen ®ä$ne fchlog, bie über fie oerhängte Sicht aufhob unb 
ihnen Freiheiten erteilte. 9ieue Seitrittäerllärungen hoben bie 
3ahl ber SBunfceSglieber auf einunbbreigig {Rei<h*ftäbte, Ja am 
13. gebruar 1378 fchloffen fleh bem JBunbe fogar bie öftere 
reichtfehen $ergoge an. (Segen ffiirtemberg festen bie ©täbte 
ben ftampf mit unoermtnbertem Olücfe fort, bis im Sluguft 
1378 ber ftaifer gu Arnberg auch nach biefer ©eite hin ben 
grieben vermittelte, griebrich &on ©aiern erntete nun ben 
Sohn feiner Ilugen 3 ut ficfhaltung: nachbem ber ftaifer bie 
elfäffifche Sanboogtei oon ihm unb ©tep^an um 30000 fl. tirieber 
eingetöft (10. 5Roo. 1377), empfing er bagegen jefct au$ beffen 
$anb in Dürnberg bie Sanboogtei über bie breigehn nieber* 
fchtoäbifchen {Reichöftäbte, auf »eiche ber bisherige 3nhaber, ber 
®raf oon ffiirtemberg, oergichten mugte. Diefer ©prengel be* 
griff bie ©täbte am 9?ecfar unb {einen ©eitenflüffen, im {Rie$, 
an ber {Börnig, mährenb gur öanboogtei Oberfchtoaben bie 
©täbte am fflobenfee unb gtoifchen bem ©ee, Donau unb 3üet 
gehörten, fo bag ba$ (Sebirge ber 2üb bie beiben SBogteien 
fchteb. Um 10. Ottober oerforach griebrich ben ©täbten ber 
meberen ganboogtei, bie ihm bereit« gehulbigt hatten, ihre grev 
heiten ebenfo urlunblich gu beftätigen, toie er bie« früher ben 
oberfchtoäbifchen ©täbten gethan 1 ). 3nbem bann bie oier 
bairifchen $ergoge mit allen ihren Sanben unb Seilten auch 

1) ©t.-€hr. IV, 58; $uber, 9fcg. ÄarW 5Rr. 5922a, Rrifttfoftcn 
9h. 646; R. B. IX, 385. 

8* 



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©efoannte« 8er$$ftni* ber ©aiern 



Werfet« ber Donau bem vom ftaifer in granlen unb ©aiem 
errichteten ganbfrieben beitraten l ), fchienen in bem «ugenblid, 
ba ftarl IV. bie »ugen fd?Io§ (29. SRov.), 8"te ©firgfcbaften 
für eine $eriobe frieblicher ©ntmuffang gewonnen. O^ne ftampf, 
toa« feit langem nicht gefchehen mar, erhielt ba« 9lctch in 
©enget einen neuen $errfcher. 

Steffen gute« Einvernehmen mit ben ©aiern aber unb fyf 
mit bie Sicherheit &« grieben« tourbe burch bie ©chulb be« 
JWnig« balb geftört. Unter bem neuen {Regiment mußten bie 
9leich«fimter neu verliefen werben. @o hatte SBenjel (8. gebr. 
1379) auch bem $ergoge grtebrich bie beiben fchtväbtfdben 8anb* 
vogteien auf fernere brei 3a$re verfchrteben. ffienige ffiochen 
barauf fanb er fchon geraten, biefe einträglichen 85ogteien al« 
ben ftaufprei« gu verwerten, um §ergog ßeopolb von Öfter* 
reich, ber ihn bisher noch nicht al« ftSnig anerfannt hatte, für 
fleh gu gewinnen: am 25. gebruar verfchrieb er biefem gürften 
bie Sanbvogteien Ober* unb SRieberfchtoaben fonrie bie ©ogteien 
über Äug«burg unb (Stengen, unb yoar at« $fänber, nrietoohl 
er ben ©täbten gugefagt fte nie gu verpfanben. <£r richtete 
an biefe bie Äufforberung ßeopolb gu gehorchen, toie er ihnen 
erft fiebgehn ffage vorher ba« gleiche gegenüber griebrieh ge* 
boten hatte *). 

Stuf biefe h**au«forbernbe ©eletbtgung hin fchfoffen fich bie 
vier bairifchen §ergoge, bie am 13. äpril, toohl gur ©eratung, 
in 9Rün^en gufammengetroffen maren, eng an bie ©tävte an, 
bie über be« ftönig« Vorgehen nicht minber aufgebracht untren 
unb mit beren 3ntereffe griebrich feit Übernahme ber nieber* 
fchtoäbifchen ganbvogtei noch enger verfnfipft mar al« vorher. 
0m 4. 3uli 1379 tarn in ©oben, tvohl von ben ©aiern an* 
geregt, ein ©ünbni« gmifchen biefen unb ben ©täbten, auch 
ben Walgern unb ben STOarfgrafen von ©aben guftanbe. 3ebe« 
©unbe«gtieb verpflichtete fich, auf Mahnung innerhalb acht 
Sagen hunbert Spieße gu fteüen. Der ftönig unb ba« {Reich 

1) 26. fto*. 1878; ».-«. I, 222. 

2) R. B. X, 26; 8tf(her, Heg. 128f. 




)U Äönig ©enget. 



maren jmar ebenfo tote $erjog SUbred&t oon ©aiern unb einige 
anbete gürften att Oegner aufgenommen, bo$ ni$t für ben 
gaü, bafc fte bie ©tabte in tyren gretyeiten fctyibigen mollten. 
9?id^tete ber ©unb au$ feine ©ptfce bor allem gegen Seopolb 
bon £)fterreic$, fo fratte er e$ bo$ aud? auf ben Äönig ab* 
gefefcen. Die (trafen &on ffiirtemberg mürben bon ben ©aiern 
auf bie Dauer be£ mit tynen gefd&toffenen ©ünbniffe* au$* 
genommen. 3n einer befonberen Urfunbe aber berforac$en 
famtttc^e sperren ben ©tabten, auf bie Dauer be$ ©unbeä »er* 
trage* mit ben ffihtembergern unb ebenfo mit ftraft Don 
$o$enlo$e leine (Einigung einjuge^en 1 ). 

(Sin neuer 9fola§, gegen SBenjcl auf ber $ut ju fein, fanb 
pd? für bie ©aiern, al* balb barauf (15. SRoo. 1379) $erjog 
Otto auf feinem ©c^loffe ffiolfftein ftarb. «uf feine brei 
Neffen gingen bertragftmägig ate bö$mifc$e$ $fanb jene ober* 
tfäljifd&en Sanbe über, bie für bie Abtretung ©ranbenburg* 
junädjft Otto gemährt morben maren. Dag aber SBenjcl ge* 
mtflt mar, bieten ©eftfc bei guter ©tunbe, fei e$ bureb ©n* 
Wfung, fei e$ mit ©emalt, mietet an fi$ ju bringen, barüber 
formte faum ein 3roeifel obmalten. S5or Sauren f#on Ratten 
er unb fein Sater oom Nürnberger ©urggrafen ft$ $ilfe ber* 
fprecfjen laffen, trenn etma bie ©aiern nad? Otto* föfcnelofem 
lobe für bie borautöeftimmte ©umme bon 100 000 (Sutten 
m$t in bie Söfung biefer ^fänber mifligen mürben 9 ). (Sin 
©ertrag, ben bie ©aicrn am 25. 9fo&ember 1379 in ©tar^em* 
Berg mit §erjog Älbrecbt bon £)fterrei$, Seopolb* ©ruber 
Waffen, jetgt, bag fte fid> t>on ©eite be$ ftönig* nic$t$ ©ute* 
berfafcen. Älbrec$t ftanb feinem ©ruber gefpannt gegenüber, 
toeü er fid? bureb bie ©egünftigung, meiere ffienjel biefem ge« 
mährte, beeinträchtigt glaubte. @o lieg er fid? ju bem ©er* 
fpre^en beftimmen, für ben gaü eine« 8lngrtff$friege$ 3Ben&el3 
gegen ©aiem bem ftBnige (eine $Ufe ju leiften, mityrenb er 
bei einem Angriffe ber ©aiem auf ben ftönig fid? jmar ba$ 

1) K. B. X, 31; »tf$er, e. 35, Heg. 137. 138. 

2) 1374, SDej. 27.; 2). I, 68 (R. B. XI, 336 irrig unter 1375). 




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©tq>$ane III. <$efatibtf$aft na$ 9tom. 



Stecht borbehielt biefen ju unterftüfcen, boch fo, bafj bie bat* 
rifchen unb öfterreic^ifc^en Öanbe in nachbarlichem ^rieben 
blieben. 3 U 8^4 berfprach albrecht ben ©atern, nicht nach 
i^ren ?anben ju trachten, auch nicht nach jenen $errfchaften, 
»eiche ber ®raf oon ®örj bem $erjoge Sodann beimacht 
hatte *). 

Unter bem ©nbrude be« ©abener ©ünbniffe« wagte ber 
ÄSnig nicht bie ©erpfanbimg ber Sanbbogteien ju DOÖjiehen unb 
entfchäbigte öeopolb für ben entgangenen ®ewüm burch einige 
Privilegien. Sowohl biefe SBenbung al$ ba« gute ©erhaltm«, 
ba« im folgenben Söhre unberfennbar jwifdhen ©aiew unb 
bem Äßnige obwaltete 2 ), macht wahrfdheinlich , bajj eine ©er* 
ftänbigung ber beben Parteien erfolgt mar. Biebrich warb 
im ©pätjahre 1380 bom Äönige wieberholt mit ber (Sinjiehung 
bon 9letch«fteuern beauftragt 9 ), ©tephan berbantte feiner 
mailänbifchen ©erbinbung, baß er bon SBenjel mit einer wich* 
tigen ©efanbtfchaft betraut würbe, ©eit bem lobe ®regor XI. 
(1378) hatte bie ftirche jwet ®egenpäpfte, Urban VI. unb 
Siemen* VII. Die ffiittettbacher gewährten, gleich bem Äöntge 
unb faft ganj ©eutfchlanb, bem erfteren SBtaerfennung; ein 
Segat beGfelben, ber ftarbinal $iteu$, hatte 1379 ©aiern be* 
reift 4 ). Stephan foflte nun nach 9tom gehen, um mit $apft 
Urban Aber SBenaeW ßaiferfrönung unb bie Änerfennung jene* 
Crjbifchof« Äbolf bon ÜÄatnj ju berhanbeln, für ben er bor 
einigen 3ahren in« gelb gerädt war. Huf ber Weife bahin 
warb er in SRailanb bon feinem ©chwtegerbater mit fyo$en 
Shten empfangen. 3m Oftober ftarb bie crfte Oemahlin feine« 
©ruber« griebrich unb im folgenben 3ahre führte griebrich 
©tephan« Schwägerin SDlagbalene ©täconti heim, bie ihm für 

1) D. u. <gr. VI, 525. 

2) (Segen bie bornehmüch auf «bentin unb Bbljretter geflflfcte Än- 
nähme, ba& et 1380 »egen ttfidforberung ber oberpfäljifchen $faub- 
Waften ju einem Äriege jurif<hen ffienjel unb ben Qaiern getommen fei, 
f. Sinbner I, 402. 

3) R. B. X, 61. 62. 

4) ©. u. a. M. B. XIII, 271; XXIV, 130. 




Utnbrifäe $errf$aft bcr 2öittel«ba<her. 



ba$ mangelnbe Älter threä $>aufe$ in einet SWitgift oon 
132000 fl. l ) (Srfafc jubrachte. (Sine SEochter au« griebrich« 
erfter <&$t, Konten« ffißfabeth, mar mit STOarco, bem ©ohne 
JBarnabaä äJtöcontiä oermahlt, fo bafc nun fchon bie britte 
»erbtnbung ftaifer Subnrigä (Sittel mit bem $aufe 83i$conti 
t>erfcba>ägertc. äm 4. 3Koi 1380 fam ©tephan nach Bologna *); 
tt>a$ er bann in {Rom ausgerichtet, tpiffen mir nicht ; in Italien 
ging ba* ®crücht, er bringe SBenjel ben papftlichen SBefe^I 
jurüd, im grüfta^r jur ftrönung ju fommen. (Sine ebenfo 
friebltch errungene o>ie bebeutungälofe ©ebiettertoerbung Inüpfte 
fleh an biefe SRomfahrt ©tephanä. Die umbrifche ©tabt lobi, 
öftltch »on Oroicto, toar einer ber $>auptftüfepunfte ftaifer 8ub* 
toigä auf feinem SRomguge getoefen. 811$ ©tephan bort tot* 
»eilte , fchlichtete er ^arteiftreitigfeiten , unter benen biefe« 
Ocmetnmefen ferner gelitten hatte, mit folgern (Erfolg, bafc ihm 
nicht nur ber ©tabtrat (15. ©ept.) leinen £>an! auäfprach, 
fonbem fech$ Sage barauf äbel unb ftommune in anbetraft 
ber Äriegöf (haben, bie fie betroffen, unb au« ÜWangel eine« 
tüchtigen ©d?u^rtn fotoie in bantbarer Erinnerung an ftaifer 
Submig« 35erbienfte um bie ©tobt {ich &*r bairifchen $errfchaft 
unterwarfen, inbem fie ©tephan, feine Söruber unb beten ©öhne 
)u ihren sperren erurftylten. 9m 27. ©eptember folgten lobi* 
©eifpiel ber äbel unb bie ftommunen ber benachbarten ©tobte 
Äcquafparta unb üJiaffa, ber «bei gu Sollemebio unb (Soüagon 
(n. oon lobt) 3 ). 3)a| biefer abenteuerlichen f)errfdhaft ber 
SBitteMbacher im fernen Umbrien lurge« Seben belieben fein 
würbe, toar borau«gufehen. ©er päpftliche ©tuhl toar nicht 

1) D. u. <gr. VI, 541. 

2) Cronica di Bologna, Muratori, Scr. XVIII, c. 522. 2>ie 
am 20. 3ult 1380 in Saneberg gegebene Urt. ©tephan«, R. B. X, 59, 
iß alfo, Kenn richtig batiett, in feiner Bbtoefenheit au«ge(WU. ©. femer 
Cronica Sanese, Muratori, Scr. XV, c. 270; Chronic. Estens. unb 
Annal. Mediolan. 1. c. XV, c. 506; XVI, c. 774; tgl. an* Sinbner 
I, 105. 400. 

3) Annal. Mediol. bei Muratori, Script. XVI, c. 774; Urfunbcn- 
outjfige im Oberbaver. Krchto XXXII, 63. 64. 




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2>ic $er&oge unb bic @t5bte. 



gefonnen auf biefe (gebiete ju berichten unb ©ottifaj IX. 
übertrug bie Stobt lobt an SWalatefta bon Wimim afe feines 
Statthalter 1 ). 1406 lieg jtoar ©tephan* ©ohn Subtoig, ein 
gütft, ber einmal ermorbene änfprfiche nicht je leicht faxten 
liefe, burch feinen Änmalt ftonrao ffiolf in ©euebig bon £obi 
„Sefifc ergreifen" *), b. h- toohl nur feine {Rechte geltenb 
machen , bon einem (Erfolge biefe« ©dritte« miautet jeboch 
nicht*. Huf bem Wüdmege bon £obt gelangte ©tep^an am 
13. Oftober 1380 mit 225 Leitern nach gerrara, too ihn 
3Äar!graf SHilolau« bon (Sftc acht läge lang feftlich bemirtete. 
3m gebruar 1381 toohnte er bem SRürnberger {Reistage bei 
unb ö>o$l bon f)\tx au« melbete er an feine ©chnriegermutter 
{Regina betla ©cala in SMaifanb, ber Staig toerbe nicht bor 
bem $erbft nach Stalien fommen. 

Die f$toabif$en ßanbbogteien mürben erft nach Äblauf ber 
brei 3ahre, auf u>elche fie $erjog griebrich erhalten, im $erbft 
1382 geopolb bon Öfterreich übertragen, 1383 ebenfo bie 
Sßogtei über Äugäburg, aße aber nicht al« $fanb f fonbem tirie 
fie griebrich befeffen hatte, al« ämt. Um aber bie ©egenfäfce 
bei ©täbtetum« unb ber bairifchen gürftenmadjt auf ihre 
natürliche feinbliche ©tellung jurüttjuführen , beburfte e« nicht 
ber 88fung biefe« äierhältniffe«; bie SBirfung ioarb föon borher 
herbeigeführt burch einen ©treit ber $erjoge mit ber mächtigen 
bairifchen 9leich«ftabt. Hl« nämlich ftönig ©enjel ben $erjog 
griebrich unb ben iJanbgrafen 3ohann oon Luchtenberg ermäch* 
tigte, bie oon ftarl IV. ben ©aiern oerpfänbete 9legen«burger 
Subenfchaft augerorbentlich ju befteuern, toiberfefcte ftch bie ihre 
toohlhabenben 3uben ftet« nach Gräften fchirmenbe 3 ) ©tabt 

1) Amati, Dizionario corografico delT Italia VIII, 290. 1367 
hatte fl<h Xobi bem $aj>fte unterworfen. Cronica d'Oirieto; Muratori 
XV, c. 691. 8on ber lofalgef<hi<htU<hen SUteratur über 2obt flehen mit 
nur t>ier Lieferungen *on Leonii, Memorie storiche di Todi (1856) 
jur Verfügung, bie nicht bt$ auf biefen 3eitranm herabreichen. 

2) SHefe bei t>. Sang, fubnrig b. 61. mitgeteilte, aber mißbentete 
Nachricht rohrb erft bur<h bie oben (€5. 119, 8nm. 3) angeführten Duellen 
ber^ÄnbUch. 

3) 6. u. a. 6<hnfebritf t>om 20. 3a n. 1377; K. B. IX, 368. 



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$egen*6urg im €5t5btebunb. 



unter bem ©ürgermetfier §an$ »on ©teinach, inbem fie mit 
«echt geltcnb machte, bafc ftart IV. erft 1376 ihren 3uben 
greiheit &on jcber außergemöhnlic&en ©Haftung gemährt ^abe. 
©etbe Parteien lüfteten jum ftriege unb |d?on lagerten bie 
§erjoge Stephen unb grie&rich, mit einem Ängriff bro$enb, 
bor ber ©tabt. Sin ben f$mäbif$en ©täbtebunb richteten fie 
unb ber ftmbgraf oon Luchtenberg (3. 3ult 1381) mit ber 
ftlage, bafc bie {Regenäburger fie in ihren Siebten oerfürjen 
sollten, bie Hufforberung, ihnen bunbtfgemäfc $>ilfe ju (elften, 
9tegen$burg ju miberfagen unb ihm bie Aufnahme in ben 
©unb, faß* e$ iefet barum nachfud&en mürbe, nicht ya bewilligen *)• 
Sie fehmäbtfehen ©täbte aber Ratten SRegenäburg fc^on lange 
gern in ihrer ^Bereinigung gefe^en ; ihre SDiachtftellung unb ihr 
©elbftbemu&tfein Ratten vor furjem (17. 3uni) burch ein 
©ünbni* mit bem eben entftanbenen r$einif$en ©täbtebunbe 
neue Kräftigung erfahren. 3h*e Neigung mar auf ©eite {Regen** 
bürg« unb bie äntmort auf ba$ Schreiben ber ©aiern beftanb 
barin, baß Ulm fogleich mit ber bebrohten ©tabt in ©erbinbung 
trat unb ihr in ber nächften ©unbeSoerfammlung juliebe unb 
jubienft ju reben üerfprac^. Sßocb warb ber ftrieg aermieben 
burch einen SBaffenftiUftanb, ben $faljgraf {Ruprecht ber iängfte 
an. 10. 3uli zot ber ©tabt vermittelte, unb burch ba$ 816= 
fommn, ben ©treit megen ber Subenbefteuerung vor ben ÄSnig 
ju bringen. 9toch ehe bie$ gef$a£, am 2. ©eptember, mürbe 
Stegendburg In ben ©täbtebunb aufgenommen, richtete biefer an 
bie $erjoge unb ben Sanbgrafen bie SMahnung fich Jebet geint* 
feligteit gegen bie ©tabt ju enthalten. 9m 21. gebruar 1382 
entfehteb SBeniel, ber burch Nichtbeachtung älterer {Redete ben 
3a>tefpalt veranlagt unb bie ©aiern f)\tx ebenfo ungerecht be* 
ftfinftigt, mie vorder in ber grage ber Sanböogteien gelränft 
hatte, jugunften fcer ©tabt *). 3mijc*en bem ©täbtebunbe unb 
ben bairif$en $erjogen aber tyxttc (ich ein {Ri§ aufgethan, ber 
balD noch meiter um {ich greifen feilte. 

1) Gemeiner, 8egen«b. €&romt II, 197 f. 180; R. B. X, 76. 

2) R. B. X, 77. 88. 




122 2)ie Grafen ton @<$auenberg, £)flerrri<$ unb ©aiern. 

3nbeffen gewannen in ber bairiföen $oliti! einige 3a$re 
$inbur$ bie ©ejie^ungen ju ben öftltyen 9fcac$barmä<$ten no$ 
tytyere ffitd&tigfeit ate bic jnm ©tabtebunbe. 3m Sanbe ob 
bei (Snnä lagen bie mächtigen (trafen oon ©Gailenberg in fort« 
toityrenben $anbeln mit Öfterretcb, toafcrenb tyr S3er$altnt$ ju 
©aiern oore$miic$ na$ bem Orobe ber greunbi^aft ober be$ 
9Jlifctrauen$, ba$ jti>if<$en ©atern unb Öfterrety ofooaltete, 
$in unb ^er fänxmlte. ©tepfym II. $atte im Äuguft 1370 
mit bem ®rafen Ulri$ ein ©ünbnte gefctyloffen. 211« aber 
«lbred?t t>cn Öfterrei* na<$ Ulrich lobe beffen ©ruber §einrty 
befriegen tooflte, gemann er auf einer 3ufammenfunft ju $affau 
(27. äug. 1376) gegen ba$ ©erfprectyn t>on 8000 fl. bie 
3ufage ber bairif^en $>erjoge, bag fie ben @$auenberger nid^t 
unterftüfcen, ja tym fogar toiber benfelben ftriegä&ol! jufdjkten 
mürben. 3m übrigen ©erlief biefe $affauer 3ufammenfunft 
ntyt iur 3uftteben^eit ber ©aiern. D$ne (Srfolg beföioerten 
fie ftcb gegen Älbredjt, ba§ er tyrem Dfaim Otto ju ©traben 
$anble, unb festen i£n megen 3ftrien$ unb ber Ärainer ÜWarf 
gur {Rebe l ). 3nbeffen oerftrityn mehrere 3a$re, bis e« jtoifc^en 
Öfterretd? unb bem @$auenberger jum ©plagen (am; in biefer 
3eit warb ba$ gute (Stnoernefcmen ber ©aiern mit $>erjog 
8llbre<$t bur$ ben ©ertrag »om SRooember 1379 (f. oben ©. 117) 
befeftigt, toorin fid> beibe Parteien bie 9lu$e an tyrer ®renje 
oerbürgten. Crft im Srü^ling 1380 eröffneten bie Öfterreit^er 
unter bem ©efe^le 9tetnpre$t6 oon Sßaibfee ben Ärteg, in 
beffen Serlauf jmar @#auenberg oergebend belagert, bagegen 
(gfferbing, $euerba$, Äammer bem ©rafen §einric$ entrtffen 
lourben, toietoo^l biefer an ben böfynijcben Herren oon 8tofen* 
berg mächtige ©unbeflgenoffen fcatte. Dag bie $erjoge oon 
©aiern SUbrectyt tfcatig unterftüfctcn, ift nid>t berietet unb 
gegenüber bem SBortlaut ber folgenben SüaffenftUlftanbäoerträge 
fe$r unioa^rfc^einli^ ; nad? bem ©ertrage oon 1376 Ratten fie 
freiließ eingreifen f ollen, fotoie oon 5fterreid?if(^er ©eite bie 

1) Sgl- tyr ©treiben an SRcinfytrb *on <&8rj, oben @. 110, Sfom. 3. 
Äurj, Öflerrei* nnter «lbre<$t HI. U, 5; I, 273. 275 




@aljburget $ffnb«I. 



8ufforberung baju erfolgte e$ föeint aber, bafc man baoon 
jurüdgelommen mar. Slm 11. SWai machte $erjog gricbricty 
in SRieb bem $erjoge Sllbrec^t ba$ 3ugeft&nbm€, bafc alle Qh> 
oberungen im ©ctyauenbergifctyen Öfterreicty bleiben follten, mo* 
gegen älbtety am gleiten läge in ©tarfcmberg i$r SBünbni* 
au$ auf biefe neuen 8anbe aufjubelten berfpradj unb bie 
©umrae oon 8000 fi, bie ben ©aiern fc^on für t$re 9?eutralitat 
»etf proben mar, tote e$ föeint, auf 12000 erfttyte; über biefe 
memgften« $at i$m griebrty (20. 3uli) quittiert *). ®raf $etnrid>, 
Don ben Stofenbergern oerlaffen, ging am 12. 3anuar 1381 
einen ffiaffenftillftanb mit Öfterreicij ein, in ben, nur megen 
be$ »erpfänbeten ©ttyloffeö ffiilbened, au$ bie $>crjoge Don 
Satern eingefäloffen mürben. Da ber ®raf biefen ffiaffen* 
ftidftanb gegenüber Öfterreicty bra<$, berfäUte i$n ein ®d>ieb$* 
geriet im grütyßng 1382 in eine SBuße. Die SBaiem aber 
Ratten föon m>r$er infolge eine« 3 eTtt >ö r f n ^ff ^ m ^ ©aljburg 
unb £)fterreic$ au$ bem (Srafen gegenüber eine ooüftänbige 
©etymenfung oolljogen, inbem fie t$n unb feine SBeftfcungen, bie 
nun emig bei ben bairtföen Sanben bleiben follten, in tyren 
@$ufc nahmen s ). 

©aljburg unb 9tteberbaiern maren oon alter^er un* 
verträgliche 9ta$barn. Sitte unb neue $Snbel lebten auf, feit 
in ber bairiföen üWetropote (Srjbifc^of ^iligrim oon $u$$eim 
thronte. SBo$l mürben am 6. Dejember 1376 in frieblid&er 
Übereinfunft bie 3Jitf#elligIeiten gefügt, meldte ©teuerforberungen 
ber bairifdjen $erjoge an faljburgifäe Untertanen unb Gin- 
fälle ber Herten oon ©eibolbäborf unb Saiming in baä ©al$* 
burgiföe hervorgerufen Ratten 4 ). Dann aber erneuerte $ili* 
grira bie alten ©efd&roerben ©aljburgä über bairiföe ®renj* 
ftrafjen unb bie Slnfprüc^e auf 9lei$en$all, JBilbened unb ba$ 
©eriefct ©alb, unb fe$r bebenllicty mar f ba| §erjog 2llbre<$t 
&on Öfterreicfc biefer Sorberungen gegen 9tteberbaiern ftc$ an«» 

1) Urt. bei Äurj I, 274. 

2) Stnxi II, 212; Si#noto0t$ IV, Heg. ftr. 1518. 1527. 

3) 2. u. 5. 2Warj 1382; R. B. X, 89. 

4) R. B. IX, 364. 




124 $. gricbri$ bcfefct »er<$teSgab«n. 



nahm unb ju SReuftabt mit bem ffirjbifchofe unb feinem ©tifte 
ein ©chufc* unb Irufcbünbni* fd>lo§ 1 ). 

s Jloch ehe ber brohenbe fttieg ausbrach, tarn e$ ju einem 
SBaffengange, beffen ©rünbe ntd)t belannt finb, günfchen aibrecht 
bon Öfterreich unb Wibrecht bon ©atern*@traubing, eigentlich 
bem ßanbpfleger beä lefcteren, Sanbgrafen 3ohann von ßeuchten* 
berg. Die gehbe toarb am 29. ÜWärj 1381 burch einen Dom 
©ijchofe 3ohann von $affau ju Sin) vermittelten ©äffen* 
ftiflftanb beenbigt. ©alb barauf erfolgte ber Äbfchtuö eine« 
©ünbniffe* jtotfchen 8lbre<ht bon Öfterretch unb bem »ifchofe 
bon $affau, aber auch eine Annäherung jmif<$en Öfterreich 
unb SBaiern 'Straubing: am 25. 3uni 1381 berebeten bie 
beiben Älbrec^te ju Sin) eine $eirat ihrer Äinber 8llbrecht unb 
3o$anna *), bie 1390 tvtrllich juftanbe fam. 

3n>ifd^en £>erjog griebrid? unb feinen Jftlichen SRachbarn 
aber entlub fi<h ba$ Äriegägetoitter, aW ber energiföe Saiern* 
fflrft burch getoaltfameä (Sinfchreiten in S8erchte$gaben ben falj* 
burgifchen (Sinflufj auf biefeä ©tift $u vernichten brohte. Dort 
Ratten bie Chorherren ihren tropft Ulrich SBulp, einen tüch* 
tigen unb rechtfchaffenen SDiann, beffen ftrenge £u$t ihnen 
läftig fiel, im werten 3ahre feiner für ba$ ©tift erfpriefjlichen 
Amtsführung vertrieben unb Grjbifchof ^iligrim gab {ich baju 
her, feine Äbfefcung unb bie SBeftättgung beä neugemahlten 
©tgharb ©aller au$jufpre<hen. ffiulp aber, ein geborener 
SBaier, rief bie $ilfe $erjog griebrichä an. Vergebend vet* 
fu<hte biefer burch gütliche Unterhanblungen bem ©erfto&enen 
}u feinem {Rechte )u verhelfen. Da fie nicht« fruchteten, brang 
er am 16. Spril 1382 auf einem geheimen $fabe, mahrfchein» 
lieh am ©<htoarjenbach, mit Äriegämacht in SBerchteSgaben ein. 
Der neue $robft, bie Chorherren, aber auch bie faljburgifchen 
bitter unb ffietftgen, bie jur Unterftüfcung be* iSinbringling* 
bort »eilten, ergriffen bie flucht, bie (Srenjfefte ©chellenberg 
toarb von ben ©aiern erobert unb ba« Älofter felbft erlitt 

1) Unbatiert, bei Senckenberg, Selecta iuris IV, 175. 

2) M. B. XXV b, 347. 349. 350; D. u. Cr. VI, 527. 




Ärteg mit ©cilj&urg unb £>flerreu$. 



eine <ßtönberung, meiere ben ganjen 3°* n to* ©atjburger 
ftleru* gegen ben „faum rae$r rechtgläubigen" ®egner »abrief. 
Sin SDlattfeer $at in lateiniföen SBerfen bte ®reuel gefötlbert, 
bie griebriety, „be$ ftleruS toitber geinb", übet ©erctyteägaben 
$eraufbef#toor : tote fi$or$erren unb Tonnen au* Sngft ent* 
flogen, tote an ben »(täten be$ SDtönfter« bie JRoffc ber flrtegä* 
leute flammten, {Reliquien unb ftirctyengerätföaften fortgefliegt 
tourben 1 ). Da, too er fcon 9iei#en$atl fcer in ba$ Stift ein* 
gebrungen, erbaute ber $>erjog bie gefte $>agenfel«, aud? bie«- 
feit be* ©Callenberg«, toic e$ f^etnt, einen neuen Iura, um 
ft# für immer bie 3 u S^ n 9 e J u fitytn. Die Dfterreutyer aber 
tarnen, tote fcerabrebet, ©atjburg jufctlfe unb t>erfpra$en bem 
Crjbifcbofe, o$ne t$n mit ben ©aiern nie grieben ju föliefcen *). 
Äuf jmet ©ctyaupläfcen toarb $art gerungen, fübttety im ©erstes* • 
gabifetyen, nörbltcty in ber blutgetränften ®egenb um SD2ü^lborf f 
too griebriety bie gefte Domberg toieber aufgebaut fcatte unb 
greunb toie geinb nun toetteifernb bie ®ren3ftric$e oertoüfteten. 
griebriety toarb toon feinen ©rfibern unterftfifct, bo# ba$ Jtrieg* 
glüct mar mit ben ®egnern: al$ ber ©ommer ju ffinbe ging, 
Ratten bie Dfterreictyer ben $>agenfel«, bie ftlaufe bei Wethen* 
$aü, ben alten unb neuen £urm bei ©Bellenberg , ba* ganje 
SänW&en ©erc$te$gaben, au$ ben Neubau Dornberg inne. Die 
©aiern mußten um ^rieben bitten unb am 28. Äuguft tarn 
ju Saufen ein borläufiger 8lu«gleic$ juftanbe, toona* bie Öftere 
reifer ade biefe (Eroberungen bt$ gum rechtlichen Auftrag bem 
ftönige oon Ungarn unb in beffen Stauten bem ®rafen £$oma$ 
öon ©t. Sdrgen fibergaben. Die SBer&anblungen tourben im 
9?ooember ju ©aljburg unb 9fct$en$aU fortgefefet unb führten 
am 5. Dejember jum Sbföluffe eine« ©d&ufc* unb 2rufc* 
bünbniffe* ber brei bairifefcn $erjoge mit £)fterret$ unb ©aty 

1) «Ln9 clm. 26649 bei *. äo<$-@ternfelb, <&ef<$. M giirfleu* 
tfrnn« ©er<$te$gabcn II, 31. 

2) 29. Snni unb 9. 3uli 1382; 8i$no»«l$ IV, Heg. Wx. 1685. 
1688. Über ben Stieg bef. Contio. Monachor. St. Petri Salisb., Scr. 
IX, 839 sq., femer Annal. Matseens. 1. c. 836 unb bie SWfltyborfer 
€$roni!, 385 (irrig ju 1376). 




126 



$eT$Sttaiffe ju ©Battenberg unb ©er<ht<«gaben. 



bürg, ba« je$n 3a$re bauern follte, unb bem mit ben Oft* 
machten auch ©tichof 3o$ann bon $affau, mit ben ©aiero 
auch ©ifchof Dietrich bon 8tegen«burg bettrat, darauf fuchte 
$erjog Seopolb, ber $err ber oorberöfterreichifctyn Sanbe, bie 
©atern in ©urghaufen auf unb betbe gelobten fleh (8. Dej.) 
gegenfeitig Unterftüfcung im Salle eine« Angriff« ber SRetch«* 
ftäbte ober ©täbtebünbe l ) , toobet $erjog griebrich münblich 
erflärt haben toirb, bag er Seopolb toegen Übernahme ber 
fchtoäbifchen ftmboogteien, bie um bteje 3 eit erfolgte, leine 
©d&totertgfeit machen »erbe. 

Über ben fchauenbergifchen unb ben bercbteägabifcben $anbel 
aber, bie mit biefen Abmachungen nicht erlebigt toaren, jogen 
ftd| bie Unterhanblungen noch lange hin, mürben balb biefe r 
balb jene ©chietorichter jum Urteil aufgerufen. Grnblich marb 
im Cf tober 1383 &u 8inj mit bem ®rafen oon ©chauenberg 
ein getotffer Hbfchlug erreicht: er mußte bie dfterteic^ifc^e 
&$en*$o$eit über feine (amtlichen ©eftfcungen anerfennen, für 
bie ©aiern aber foüte ber ©ertrag oon 1376 toieber in ftraft 
treten, toonach fte ben Orafen nicht gegen Öfterreich unterftüfcen 
burften. Dtefe Bnnen faum baoon freigetyrochen »erben, ba§ 
fte bie ©treitigfeiten ber Nachbarn nach fträften auänufcten. 
Siacbbem ®raf ^einrieb burch ben Sau ber gefte SWeuhau« an 
ber Donau Dfterreicb unb $affau auf« neue $erau*geforbert, 
erneuerten fie mit ihm am 1. Oftober 1386 ben oor oier 
Sahren gefchloffenen ©unbeäoertrag '). S5on $einrich$ ©ohne 
Ulrich marb fpätcr auch bie öfterreicbifcbe 8e$en$$oheit toieber 
abgefcbüttelt ©o führte auch ta* »ungleich to*8*n ©erchte* 
gaben*, ber am 5. unb 10. 3uli 1384 ju ftaitenhaflacb be= 
urbinbet mürbe, nicht ju bauernbem trieben; er berichtete 
©aljburg unb ©aiern, bie ftrettigen feften $läfce teil« bem 
©ifäof oon ©hiemfee, teil« 3o^ann oon Sben«berg ju getreuer 
Pflege ju übergeben. Die ©urg $agenfeW mußten bie Sötern 

1) R B. X, 97. 102. 103; 2t<hno»«tv IV, fteg. 1738-1749. 

2) R. B. X, 191; »gl. anch ©unb, ©avrifö ©tammenbn^ I, 98; 
Ättts II, 54, Hrnn. 




griebri* im fran&8fif*en Heerlager. 



fd&Ieifen. Mt ^robft ©on ©erctyeSgaben aber ernannte ber 
fcieffir al« @#ieb«rid?ter befaßte ©ifäof ©ert&olb bon greifing 
(24. Ott. 1384) feinen ber ©treitenben, fonbem ben ©alj* 
burger Domherrn ftonrab au$ bem bairifd&en Äbel$gefc$fec$te 
ber lorer, ber feine beiben SSorganger mit jä^rltc^en Seife* 
renten abjuftnben (>atte. 3n ber $auptfa$e mar ber S3erfuc$, 
ben bairiityn (Einfluß auf SBerctyteSgaben au*jube$nen, ge* 
Deitert *). 

©o unruhig bie &t\ttn fieb anliegen, eine große gelbjd&lacbt 
$atte man in £)eutf$lanb bo$ feit bem Sage oon SDWtylborf 
nid&t erlebt. (Sä foü bie ©egierbe naety einem folgen ftampfe 
gemefen fein, »ad ben $erjog grtebrtd) im ©ommer 1383 in 
ba* franjöftfd&e $>eerlager na$ Srra« führte. Dort fammelte 
ber junge fiönig Äarl VI. oon granfretdj Gruppen, um bie 
(Snglänber unb ®entcr auä glanbern )u vertreiben unb bie 
unerhörte ©tärfe feiner {Rfiftung — man jaulte 16000 {Reiter 
unb 60000 8u§gänger — ließ erwarten, ba§ e$ ju einer 
bebeutenben ©etylaetyt fommen toerbe. Die granjofen eroberten 
ßaffel, SBergen, SBourburg unb ©rabeltne* jurfid unb jmangen 
ben getnb ganj SBeftflanbern )u räumen unb fi$ auf (5alai$ 
jurüdjujie^en ; eine gelbfctylacfct toarb jebodj nid&t gefctyagen. 
Da§ $>erjog 3hriebri<$, beffen Setlna^me am Äampfe inä* 
befonbere t>or ©ourburg bejeugt ift, au« fo meiter gerne bem 
Ädnige ju^ilfe geeilt toar, nmrbe i$m oon ben granjofen $od> 
angerechnet, er erhielt fein Ouartter in ber 9tä$e be$ JWnig* 
unb toar ftett bon beffen Oheimen begleitet '). Unter [ber 
©ebingung, bag er franjöftfäer 8e$en$mann bleibe, fefcte i$m 
ftarl als ©elo^nung feiner Äriegäbtenfte eine Jä^rlid^e $enfton 

1) fturi U, 33—56; 2t<bnomSl$ IV, Heg. 1754f.; R. B. gu 
1383 nnb 1384, befonber« X, 135. 136. 142; Cont. roon. St. Petri 840. 

2) Chroniques de J. Proissart, 1. II, c. 229 (ed. Buch on, Paris 
1835, 11,318). »gl. au* Martin, Hist. de France V 4 , 396. groif- 
fart (— p. 321) ift an* DncKe für ba« golgenbe. 2o*ncr, 3fa- 
befla« t>on »aiern Verheiratung mit Ä. Äarl VI. fcon granfrei* (in 
beffen ®ef*i*tli*en trübten, 49—67) bietet in ber $<uq>tfa*e nur eine 
Überlegung groiffart*. 




128 



Bermfitfung Cftfabetyt fron ©aicrn 



ton 4000 granc« au« *) — ein oerberbliche« ©orbilb für bie 
©tttel«bacher, menn auch, tote e« fchetnt, btc ©ebtngung nicht 
erfüllt unb bie <ßenjton infolge beffen nic^t au«bejahlt mürbe. 

Hn biefen ftrteg«jug griebrtch«, ber um fo abenteuerlidher 
mar, al« ber franjöfifc^e |>of auf Seite be« Oegenpatfte« ftle* 
wen* VII. ftanb, fnfipft fleh eine ber berühmteren mtttel«bach* 
tfchen$>eiraten, oon beren3uftanbefommen un« berShroniftftroif* 
fart in feiner gefälligen ffleife anfchauluh erjagt, ©<hon bamal«, 
berietet er, hätten bie £>$eime ftarl« VI. fjrtebrich gefragt, 
ob er nicht eine h«rat«fähige Xoä)ttx befifce; be« ftönig« ©ater 
^abe fterbenb bte ©erorbming getroffen, baß er eine beutfche 
gürftentochter heimführen folle, unb feine mürben fie lieber 
fehen al« eine ©aierin. grteorkh oernetnte, mied aber auf 
flrlifabeth, bie Io$ter feine« ©ruber« ©tephan. 9lach Oftent 
1385 na^m ju Garabrah, mo bie Doppelhochzeit eine« ©ohne« 
unb einer Zoster $>erjog Wibrecht« oon ©atent'$>olIanb mit 
großem $runf gefeiert mürbe, Oohanna oon ©rabant, SBttme 
be« $erjog« SBenjel oon Stojemburg, biefelbe rührige dfo 
ftifterin, meldte biei'e heiraten betrieben f)attt, auch We SS**' 
hanblungen über Slifabeth« ©ermählung auf. Den granjofen 
marb eingerebet, Stephan fei ein gemaltiger gürft in Deutf^ 
lanb, fo groß ober größer al« ber ftönig. Stephan feinerfeit« 
hatte nur ba« ©ebenfen, mie übel feine Zoster baran märe, 
menn fie etma nicht gefiele unb jurtttfgefchidt mürbe. Dafür aber 
fanb bie tluge $erjogtn oon©rabant eine auch am mittel«bachtf(hen 
$ofe gebilligte Hu«funft ; unter bem ©ormanb einer ffiallfahrt 
jum hl- 3ohann in ttmien« follte bie $rinjefftn in ©egleitung 
ihre« Oheim« fjrtebrich nach biefer ©tabt abreifen unb bort mit 
bem ftönige jufammentrcffen. Die Keife ging über ©rüffel 
unb Que«noh, mo bie $erjogin oon ©rabant mährenb eine« 
breim&chentlichen Aufenthalte« ber Sieifenben 3^t ffattt ba« 
oierjehnjährige gräulein in ©enehmen unb Haltung ju unter* 
richten. Da flrlifabeth« ftletoung für franjöftfche ©erhältniffe ja 
einfach fchien, ließ fte bie $erjogin mit neuem ©taat (etau«» 

1) 1383, 9*ot>. 1.; Oberba^er. 3tt$u> XXXII, 64. 



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mit Ä. Start VI. fcon grantrci<h. 



12» 



Ruften tote ihre eigene Softer, @o tarn ber 14. 3uli 1385, 
an bem bie ^ringeffta Den ben $ergogtnen Don ©rabant, 
©urgunb unb $cnnegau bem ftönige, einem Sfingling oon noefy 
triebt ftebjehn Sagten, oorgeführt tourbe. „@ie fniete tot ihm 
nteber, ganj tief ^ boch ber ftöntg f>ob fte bei ber $anb auf, 
betrachtete fte mit hBctyfter Spannung unb in biefem Sfogen* 
blief brangen SBohlgefaüen unb Siebe ihm in« $erj." SWtt 
biefem ©ertchte groiffartä lägt fi$ immerhin vereinen, toaä 
ber S^ronift oon ©t. Denis erjagt: man habe am franjöfifc^en 
f>ofe eine £txt lan 0 J»iWen (Sltfabcth, einer öfterreichifchen 
unb einer lothringtfchen ^rinjefßn gefchmanft, bt$ ber fiömg, 
Harbern er btc oon einem getieften üßaler in feinem Auf- 
trag gefertigten ©ilbniffe ber brei gürftent&hter gefe^en, für 
bie ©ittettbacherin fleh entföieb. dm Soubre befinbet fleh noch 
heute ein ©ifont« 3|"abeW (»ie fic nun in ihrer neuen §etmat 
genannt tourbe), ba$ fie in reiner unb unfähiger Schönheit 
geigt, wohl baä öltefte gematte toittel$bachif<he ©ilbnte, ba$ 
erhalten tft; man nimmt an, bafc e$ nach ber Statur gemalt 
unb eben jene« fei, ba$ JlarW Siebe entjünbete 1 ). 3efet tooQte 
ber ftönig nichts baoon hören, bafc bie $ochgeit, toie feine 
Dhetme planten, erft in Srraä gefeiert tofirbe; in Slmten* 
felbft, am britten Sage, nachbem er feine ©raut juerft er* 
blidt, lieg er fieb trauen. (Sltfabeth behielt in ©aiern auch 
at* ftönigin bie $errf<haft $5$ftäbt an ber Donau. »tte$ 
®ut aber, ba* fie mit fidfy gebraut, foll ber fiönig ihrem 
©ater gurfidgefanbt ^aben *). @o glüd oer^eigenb waren bie 
frangöfijchen Anfange ber frönen JBitteläbacherin, auf bie 
foater ©cbulb unb Unglfld in furchtbarer Häufung brüefen 
fottten. 

©ett bem lobe Otto* ^atte $erjog griebrich (ohne ben 
©traubinger Anteil) bie Regierung be* gangen SRieberlanbeä, 
alfo me^r al* ba$ ihm oon rechtätoegen gebührenbe Drittel 

1) Ecoles hollandaises, Nr. 592; Vallet de Virivillo, Histoire de 
Charles VII. I, 29. 

2) ©0 ber «UflSbutflcr Cfronifl, @t.-6hr. IV, 76. 
»iejler, «eftiftte »aletitf. HI. 9 



180 



Verträge jtttföen ben ©erjoflen. 



be* fianbe* übernommen, ffia$rf*einti* brangen bte ©rüber 
auf eine $faberung unb im 3uni 1384 n>arb ju 3ngolftabt 
oon gürften unb ©tänben barfiber »ertyanbelt. Die ©tanbe 
be$ Dberlanbeä aber baten bie $etjoge, fle ungeteilt )u 
laffen , bie $auptftabt SD?un*en hatte ben lag gar ni*t 
Bef*i<ft, au* $erjog 3o$ann fonnte ft* mit feinen ©rübern 
ni*t oerftanbigen. ©o lam benn junä*ft nur eine Einigung 
jmif*en ©tep^an unb griebri*, bie jmei @*meftern ju ®e* 
marinen hatten, juftanbe: am 31. 3uli 1384 toarfen biefe 
Betben gürften ihre Sanbe jufammen, einigten fi* auf einen 
gemeinfamen 8tat unb gememfame Diener unb festen ft* für 
ben gall ihre* föhnelofen lobe«, 3ohann« SRe*t mi§a*tenb, 
gegenfeitig ju (Srben ein. Diefer ©ertrag fefct eine Teilung 
Dberbaiernä jtoii*en ©tephan unb 3ohann oorauG, oon ber 
jebo* niitä verlautet, ffiar er ernft gemeint ober ni*t, 
jebenfalM feilte er einen Drud auf 3ohann ausüben unb fyat 
biefe ©trfung au* ni*t oerfehft. 3ohann fanb balb geraten, 
feine ifolierte Stellung aufjugeben unb am 10. Dejember 1384 
Dereinigten fi* ju 8lt*a* ade ©rüber auf brei 3ahre auf 
JRfidfehr ju bem früheren 3 u f tant)e . f° ba§ Stephan unb 
3ohann Dberbaiern, grtebri* SRieberbaiern oertoalten follte. 
Do* fcatte griebri* att ber ÜWeiftbegünfttgte ben ©rübern 
Jährli* 4000 fl. $erau«*uga$len. 8m 25. gebruar 1390 foarb 
bann bie Ungeteiltheit be$ ?anbe$ in polittf*er $injt*t unb 
bie btefcrige leilung ber ©ertoaltung normal auf fedb« 3ahre 
bef*loffen, ohne freili* fo lange in firaft }U bleiben *). 

XBie aber bie Sanbeäteilungen f*on toteberholt nt*t nur 
bie $erjoge unter ft*, fonbern au* dürften unb Untertanen 
entjtoeit Ratten, fo mar e€ au* bieflmal gef*ehen. Dur* tyre 
unter 3ohann3 ©*ufc behauptete ablehnenbe Haltung gegen* 
über ben leilungfylänen ber beiben älteren $erjoge, baju 
bur* bie (Enthauptung eine*, toie e$ f)t\$, f*ulblofen ©ürgerä 
$an« 3mpler auf (Brunb eine* ftäbtif*en 9it*terfpru*e$ fptU 

1) D. n. Cr. V, 530. 533. 540 unb bie fcon SRuffat, et.-C^r. 
XV, 437. 438 foiufcten nngebrndten Urlunben. 




3erttürfni6 @tej>$an« unb grtebrty« mit SWfinfyn. J31 

He 3DWin<$ner ©ürgerfc^aft ©te^anä unb grtebrt$$ Umritten 
$erau«geforbert. (Sin 8lug$burger S^romft toiü toiffen, baß 
bte $>erjoge bie $ilfe be$ ©täbtebunbe«, be« ©urggrafen t>on 
SRürnberg unb be* ©rafcti öon ÄBirtemberg gegen bte ©tabt 
angerufen unb biefe tynen in ber Xfyat Äriegäbolf jugeföidt 
Ratten, angaben, bie f$on in anbetraft be* gekannten ©er* 
$ältniffe$ jtmföen ben $erjogen unb bem ©täbtebunbe faum 
glaublich erföetnen. (Sicher ift bagegen, baß 3o$ann, ato er 
gegenüber feinen ©rübern eintentte, mit (Srfolg au$ um beren 
Huöfö^nung mit feiner $>auptftabt ftc$ bemühte. £>$neßampf 
unb na$ bem 8ug$burger ßfcromften unter tiefer Demütigung 
ber ©ürgerfcfcaft lam bann bie ©fifcne juftanbe; tyunbert ber 
angefefcenften ©ürger fotten ju 25a#au unbewaffnet auf ben 
finieen abbitte geleiftet, unb als hierauf bie gürften gegen bie 
©tabt ritten, feilen ade männlichen <Sinn>o$ner fie tor ben 
Sporen begrüßt unb äbgeorbnete fnieenb bie 2$orf($Iüffel über*» 
reicht $aben. Sine Urfunbe öom 10. 3anuar 1385 jeigt 
©tabt unb gürften toieber auf gutem guße; bie £>er}oge er* 
ttrftynen barin, baß tynen 2Rün$en ebenfo tote ba$ ganje Sanb 
eine befonbere $>ilfe unb ®abe gemährt $abe. 3m üWoöember 
1385 bennfligte bie ©ürgerfäaft ben $erjogen, um fie au$ 
ferneren ©Bulben ju befreien, ni$t nur auf öier 3a$re bie Cr* 
Hebung eine« Ungelbeä in ber ©tabt, fonbern fügte auc$ eine 
©Anfang aon 2000 fl. $inju 1 ). (Sin Denfmal be* bereiten 
3&tfte6, ber bamaW bie $erjoglt<$en ©rüber unter ft$ unb 
©tepfym unb griebriety mit STOünc&en entjtoeite, ift bie üßünctyner 
w 8?efibenj 4< f bie als „5Reue gefte" um 1385 *) erbaut unb au<$ 
mit einem 3 u 9 Qn 8 c bon außen^er fcerfefcen tourbe, bamit i^rc 
$erren nic^t burc$ eine aufrüfcreriföe ©ürgerf<$aft bon ber 
©tabt au£gef$Iofftn »erben Bnnten. 

1) M. B. XXXV b, 140. 142. 145, toona$, »te bereit« ERuffat 
(@t.*(5$r. XV, 439) beraertte, bie angaben ber filteren «ug«burger $$ronit 
unb be« auf i^r fußenben »url$arb 3inl (a. a. O. IV, 76, V,30) 
rae$rfa<$ jn berichtigen ftnb. 

2) 3n biefer 3cüangabe ber Siteren ÄugSburger tyxoml (nnb $ie- 
na$ 3 int«) jtttmnen bte Urtunben, totlty bie SReue gelle ni$t früher 
erurttyneu, <ra$ erfl bon ba an bie anbete aW „Sllte gejte" untertreiben. 

9* 



182 



sRfirn&crger ftutbfricben. 



©er 3foiefi>alt mit ber lanbe«$errli<$en $auptftabt mar 
ein &wi)tn ber £tit mto nut «te Heine« 83orft>tet be« et' 
Gitterten Streite«, ber balb in ganj ©übbeutfölanb »eid^ftäbte 
unb gürften entjioeite unb in bem al« bie eifrigften unb rüd* 
fi$t«Iofeften SSortömpfer ber gürftenma^t bie bamfe^en $>erjoge 
auftraten, Den 8to«bru($ be« in tiefen ®egenfäfcen begrttttbeten 
ftampfe« oermo$te bie 3teid>«getoalt u>o^( einige $inau«* 
aufhieben, bod& ni#t ju Oermten. 3m grü&ling 1383 fatte 
Äönig SEBenjel auf einem glänjenben Äei$«tage ju Nürnberg, 
bem au<$ bie brei bairtfetyen §erjoge beitoofyiten, einen neuen 
Sanbfrieben unter gürften unb $>erren errietet, ber bi« 1395 
toS^ren foflte unb beffen SCeilne^mer in trier fogenannte $ar* 
teien gegliebert »urben. Die brüte Partei umfaßte Öfterretcty, 
©atern, ©irtemberg, Böhringen unb bie ©i«tümer {Regent 
bürg, Äug«burg, Strasburg. £$atfä$li$ erjtelte biefer äanb* 
frieben«bunb ni$t biet me&r, al« baß nun au$ bie Oeper 
ber ©täbte fat einem $>eerlager geeinigt toaren, in bem freUidfr 
ba« gemeinfarae Sntereffe entfäieben föroä<$er toar al« in bem 
ber ©täbte. Snbe September 1383 fanben fldfy bie bairifd&en 
$erjoge toieber auf einer SBerfammfang t>on gürften unb 
©täbteboten in Dürnberg ein. Nachhaltige (Srgebrriffe tourben 
hier nicht erjielt; bagegen gelang e« am 26. 3ult 1384 in 
$eibelberg, u>ahrf<hetnlich burch SBenjel« ©emühung, aüerbing« 
bie jmei ©täbtebünbe mit ben im Nürnberger Sanbfrieben oer* 
bunbenen gürften unb Herren in eine auch bie bairifchen Sanbe 
umfchlie&enbe ©nung ju bringen; aber toeit entfernt bon 
innerlicher 83erföhnung, toar auch biefer iBertrag nur ein 
ffiaffenftitlftanb jtmfchen jtoei ®egnem. 3mmer ftoljer hob 
fleh bie «Wacht ber ©tobte; ©afel unb Nürnberg, felbft einjelne 
«beiige traten ihrem ©unbe bei. Mm fchmerften traf bie 
bairifchen $erjoge nach bem ©eitritt bon «ugäburg unb Stegen«* 
bürg ber be« «Hfd&of« Sriebrich bon ©chftäbt au« bem $aufe 
ber ©rafen oon Öttingen, ber am 18. Oftober 1384 auf 
fünf 3a$re erfolgte *)• 

1) R. B. X, 141. 




9fcgm«bnrg. 



£6 tooten bie mannigfachen nachbarlichen $änbel, jumal 
über $büt unb bie Aufnahme entlaufener leibeigener, aber au$ 
lanbfäffiger Hbeltger in ben ©täbten, e$ mar ber fieigenbe 
bürgerliche {Reichtum, oon bem ber Mögliche 3"ftanb ber eigenen 
ginanjen traurig abftach, ma* feit bem 83erlufte ber fchmäbifchen 
Sanboogteien ') Ärgmohn unb geinbf^aft ber bairiföen $erjoge 
gegen bie ©täbte entjünbete. ©rollten fte bem ganjen ©täbte* 
bunbe, fo Ratten fte inäbefonbere ben 9legen$burgern ben erfolg* 
reichen ffiiberftanb gegen bie ©efchafcung ihrer 3uben nicht 
oergeffen. ffio fich ©elegenhett bot, $anbel unb ©anbei ber 
9teich*ftäbte gu beläftigen unb ju fchäbtgen, toarb fte oon ben 
$erjogen gern aufgegriffen , nirgenb aber fanb fic^ beffere 
att gegenüber bem bon ihrem ©ebiete umfehtoffenen {Regend* 
bnrg. Da unb bort mürben auf?erorbentli$e 3<5He erhoben, 
ber ©aljhanbel ju «Baffer tourbe gefperrt, ben reich$ftäbtif<hen 
fiaufleuten ber ©efuch ^erjoglic^er üWärfte oermehrt, $an« ber 
9uer erlangte in einer getybe gegen 9tegen$burg trofc be* 
ganbfrteben« bie Unterftüfcung $erjog grtebrich*. 83ielleicht in 
borüberge^enbem Skilauf jur $erftetlung eine* befferen 93er* 
£ältniffe* mit ber ©tabt Ratten bie brei $erjoge 1384 aüe 
bisher oon ihnen abhängigen $anbmerttinnungen , befonberd 
bie ber SBräuer, ©äder, gleifchhauer unb gragner f nur unter 
©orbehalt einiger Seiftungen an ba$ ©chulbheifeenarat frei* 
gegeben. Diefe« 8mt felbft mit bem griebenägerichte unb 
ftammerarate blieb fort unb fort berpfänbet; gegen fünfzig 
3a$re mürbe ti als $fanb bon ber gamilte &ant befeffen. 
©ehr einträglich mar ber 3oü in JRegenSburg, ber ben $er* 
jogen juftanb; ben ©alj* unb föfenjoQ allein oerpfänbeten fie 
1384 an ftegenlburger ©firger um 6000 ©ulben '). Srofe 
ber ©pannung, bie jmiftyn ber ©tabt unb ben $>erjogen be* 
ftonb, oerpfänbeten ihr biefe am 28. SOiärg 1385 bie $errfchaft 

1) 3>iefe übertrug ber Äöntg, na$bem er fle ©erjog Seofcolb abge- 
nommen, am 17. Staguft 1385 einem batrifchen $errn, (einem $of- 
gefinbe unb Liener ©il^elm grauenberger Dom $aag. 

2) E. B. X, 139; Gemeiner, HegenSbnrger (Shroni! n, 210.211. 
277 f.; fcrnolb, ©erfaffungflgefä. ber beutföen grdfWbte I, 398. 




184 



2>ro$tnbcr *u0&nt$ M @tffbtclrtcg«. 



Donauftauf unb ba$ Dorf ©uljbacty *) (bei biefer ©tabt), n>a$r* 
f$einlt$ um bie jur Sfaäftattung bet $rin§effta ©tfabety 
nötigen ^Dttttel aufjubringen; bie 'JJfanbfumme betrug nic^t »e* 
niger at$ 21000 fl. unb 200 $funb Pfennige; bie Bähung* 
fäfcigfett ber ©tabt übertoog ade Politiken ©ebenfen. 

ffiie griebric^ mit 9legen$burg, $atte fein ©ruber ©tepfrm 
al$ $err OberbaternS befonbere 3cttt>ürfntffc mit feiner Nachbar* 
ftabt «ugäburg. ©$on rüfteten ©täbte tt>ie Prften, jcfyoor 
bie 9legen$burger ©ürgerföaft (26. 3uli 1386) im ftrtege 
treulich jufammenjufte^en, mürben ftaufraannäroaren ber Ulmer 
auf bairifd^em ©oben bon ben $erjogen at« ftrieg«beute in 
©efälag genommen 8 ). $)o<$ bie furchtbare SRieberlage unb 
ber £ob ßeopolbä bon £)fterrei$ bei ©empac^ ftimmten ben 
ftriegftmut ber dürften für einige £t\t $erab. 3m Suguft 
1386 lenfte bie gürftenoerfammlung ju 2Jiergent&etm fi$tli$ 
jum ^rieben ein; $erjog griebrid? erfäeint an ber ©pifce ber 
©ermittler; e$ mürben ©<$ieb$rid?ter aufgeteilt, meldte bie 
einjelnen ©treitpunfte jtoiföen ©täbten unb Herren rtlebigen 
foHten 8 ). 

®leic$too$I rüfteten bie ©täbte ernftltyer al$ je, $erjog 
©tepfcan aber fu^r fort, bie 8ug$burger, Nürnberger unb 
Ulmer Äaufleute ju berauben unb ju föäbtgen. äuf ben 
18. Nooember toarb bereits ber äufyug be$ ©unbe$$eere« 
gegen i$n angefefct. ©tatt beffen fam e£ normal }u einem 
gütlichen läge }u ?lug$burg unb bort, banf befonbere ben ber- 
fö$nli$en ©emü&ungen $erjog fjriebric^ö, ju einem ©$teb* 
fpructye über ©tepfcan« $änbel mit ben ©täbten 4 ). 

92un bemühte ft# au# ber ftömg, ber in ben legten 3a$ren, 
bollauf mit ben ungariföen Angelegenheiten beföäftigt, in ben 
ba$ 8ieid) betoegenben 3ertoürfniffen »w^t eingegriffen $atte, 
um bie ©erfö^nung ber Parteien. 3n Nürnberg teilten um 

1) R. B. X, 152. 

2) ©craetner, HcgcnSburger C^ronit II, 218—229. 

3) 3). ftcu$«tag*altcn I, 525. 

4) 3anffen, granffurt« 3fci$«correfponbcnj , SRr. 63, @. 23; 
»if*er, tteg. 269. 282; fficiaffiefer in 2>. I, 532, «nm. 2. 




«nföfojj @ala&urg« an ben ©tfibtcbnnb. 185 



tyn fifribe 3uU 1387 unter Dielen ptften au$ bte $erjoge 
©tej>$an, griebric$ unb aibtectyt b. j. oon ©aietn *@ttaubing, 
©enjeW @c$n>aget. (£3 $alf aber nic^tö , bafc bei tiefen ©e* 
Tötungen eine ftiebltctye Stimmung bie Obetfymb behielt, ba 
eben $iet bie ©tobte ben emföeibenben ©djtttt traten, bet bie 
©oietn auf« ougetfte reifte. 2lm 25. 3uli falofc namltcfc ber 
föroabiföe ©tobtebunb auf fünf 3afcte ein ©ünbni« mit <£tj» 
bifd^of filigtim öon@al$butg; urie in befonbetet Urfunbe au$* 
gefprodjcn n>otb, richtete fi# baäfelbe auö|d?lie|Iid? gegen bie 
C>erjoge Den ©oietn unb beten Änfttng; gegen biete fei bie 
©unbeöftlfe felbft bann ju leiften, toenn einet betfelben jum 
SRek^äoermefet cttyoben rofitbe — mobei in ©etrad>t fommt, 
bog in ben legten Sorten me&r al8 einmal bet ®ebonfe an 
SEBenjeW äbfefcung ober {Rücfttitt aufgetaucht mar 1 ). 

2Äit ©aljbutg* Stefölufc an ben ©täbtebunb bto^te ©atetn 
bie (gefaxt, im Slotoen, SBeften unb ©üboften jugleic^ Dom 
geinbe umKammer t ju werben, grtebtic^ unb ^iligttm, fett 
5)ejembet 1382 ©etbünbete auf bem 'JJetgaraent, n>aten im 
$etjen bo$ gtimmige geinte geblieben. Det ffiitteläbac&et 
$otte ben äßifcetfolg feinet fal^butgif^en fttiegeä ntd?t m* 
fömetjt unb bie ©efeftigungen, bie et bei ©utg^aufen anlegen 
lieg, öetticten, bog ba« ©finbni« mit bem (Stiftifte nic$t fein 
tefcte* Sott fein follte. 2$ föeint abet, bog meutere 3Jionate 
oetftti<$en , bi« bie $et}oge bon bem Nürnberger öünbntffe 
erfuhren. 5)enn oW ffienjel* Siehe am 5. 'Jlooembet }U 
STOetgent^eim normal eine Verlängerung be$ $eibelbetger 
©unbetoetttagä juftanbe brauten, nahmen ©tep$an unb tjttcb* 
ti$ ni$t nut an ben ©etftmblungen teil, fonbetn traten auety, 
ttrie 3o$amt unb Älbtedjt, bem etneuetien ©unbe bei, io 
nahmen fogat, ebenfo tme bie ©tobte traten, ben ärrgbifc^of 
ton ©aljbutg tote ben ©tfctyof oon $affau bon ben Oegnern 
au« *). 

1) 8tf$er, Heg. 277; bgl. Sinbner 1,1, 217f. 366.377. Sinbncr 
$at bie beiben Uxl &er8ffcnttt<$t im Index lectionum ber ?ltab. SRttnfta 
f. b. §ommerfeme|Ur 1878, 4. u. 6. 

2) 2). 9iei$«tag9atten I, 549. 



18« 



®efangemta$me (Brjbtföof $Uigtim9 



Um fo heller entbrannte griebrich* 3orn, als ba* 5Rütn^ 
berget ©ünbni« ruchbar mürbe. ©t*h*t ^atte er fleh ernftlkh 
um ©erföhnnng mit ben ©tobten bemüht; um jum grieben 
ju reben, mar er oon einer ©erfammlung jur anbern geritten. 
Öefet freute er fich nicht, burch eine TfidjU^Mlofe (Semaltthat 
felber ben ftampf auf ber ganjen Sinie ^eraufjubef^mdren. 

Sine äWtnorität be$ ©afyburger Domlajritett, bie mit 
ihrem (Srjbifchofe jerf allen mar, ber Defan Drtolf , Ctfeharb 
oon Jann, Cdebarb oon $ue<h, Heinrich ftarläberger, traten mit 
ihm in ©noerftanbni*. ®cgen (Snbe Siooember lub $er}og 
@te)>^an ^üigrim ju einer ©eferechung, meiere jum Sbfchluffe 
eine« grieben«bfinbniffe$ führen fotlte, nach bem batrtfcfycn 
«toper «aitenhaSlach tn griebrich* ©ebtet. Hrgto* fteOte 
ftd^ ber firrjbifchof ein mit oierunbbreijjig ©egtettern. Ober 
auch $erjog grtebrich erfchien, mit feinem ©ifetum Oeorg 
oon ©albecl, mit anberen §erren feinet Stoel« unb jahl* 
reiben ©emaffneten, bie fich juerft in ber 9läbe oerfteclt 
hielten. Die $erjoge legten $iligrim bie grage oor, ob er 
mit ben ©Übten berbünbet fei; ber Crjbtfchof antwortete au^ 
toeichenb. Da ftürmte, mahrenb ©tep^an fich entfernte, grieb* 
rieh« 8rieg*oolI $eran unb bemächtigte fich $iligrim* unb feiner 
Begleiter. 8tt (gefangene mürben ade nach ©urghaufen ge- 
führt. Sfteun ©urggrafen unb Pfleger faljburgifcher geften, bie fich 
barunter befanben, jmang griebrich, bem <6rjbifcbofe f ber fte 
jugteich i^re« Dienfte« ju entbinben genötigt marb, bie Set» 
pflichtung aufjufagen unb ftatt beffen ihm ben Dienft ju ge* 
loben. Sluf biefe SBeife hofft* er einen guten Zeil be* falj* 
burgifchen Öanbe* in feine ©emalt ju bringen; boch ber tfidifche 
<ßlan fcheiterte an ber guten ©emachung ber ©urgen. 3^«* 
mit biefer ®emaltth&t, an ber ftch bie Oppofitionäpartei be* 
©aljburger ftapiteW burch Kot unb Zffot beteiligt fyittt, liegen 
bie $erjoge alle Angehörigen ber ©unbe«jtäbte, bie eben in 
ihren Sanben meilten, feftnehmen unb alle« bunbe^ftäbtifche 
®ut, ba« bort betroffen mürbe, mit ©efchlag belegen *). 

1) €<hrei6en beft ©aljburfjer ÄafcitcW toom 20. Segemtor im Index 




tmrtfc $erjog griebrty. 



(Ein fo unerhörter grieben«bru$ mugte fceitum «Uffeln 
nub (Entrüftung erregen. Der Dfpjial ber ©aljburger Äurie, 
ffiutfing t>on Oolbed, lieg an aüe ©tfäöfe be« Gnrjfprengel» 
mit einem ©erictyt über bie Untyat bie Hufforberung ergeben, 
mit flfflomraunifation unb 3nterbtft bagegen einjufd&reiten 1 ). 
©obiel toir toiffen, tourbe iebocty nur &om ©aljburger Dom* 
tapxtel ber ©amt über griebricty »errängt. $oj>ft Urban be* 
geigte bem (Srjbifc^ofe fein ©etletb unb forberte (l. 3an. 1388) 
ben Äömg unb mehrere ©ifdjöfe auf, bem (gefangenen $tlfe 
ju bringen. Der ftöntg orbnete (8. 3an.) ben Keic^Irieg 
gegen f$riebrid(> an r rief felbft feine 3ßa$t unter bie {Baffen 
unb fanbte bem £>erjoge feinen ge^bebrief '). 3n ffienjeW Huf* 
trag ging fein Pfleger ju Huerbacfc in ber Oberpfalj, ©or* 
jitooi bon ©torinar, na$ ©urgfywfen, toa$rfc$einltd> um auf 
<ßiltgrim$ greilaffung ju bringen, ©tatt beffen fnüpfte ©orjtooi, 
ber au$ batrifctyer 8e$en$mann unb als feiger toenig geeignet 
toar bem $erjoge mit nac^brücflid^em Crnft gegenfiberjutreten, 
mit biefem Unterfymblungen an. 3n ber SRactyt jum 6. 3anuar 
aber lieg griebric$ feinen (gefangenen $eimlic$ an einen anbern 
Ort bringen, fei e$, um tyn oon ber (Brenje §u entfernen 5 ), 
fei e«, um, Don allen 3ünf$enfcänblern ungeftiJrt, tym naöf 
$eraen«to>unf# brüdenbe ©ebingungen gu erpreffen. Der <Srj* 

lectionnm academiae Monasteriens., a. a. O., ©. 9. 2)a3 ©cfcretben 
tamfctc Ulman ©tromer (§t.-(£$r. I, 39). ©. ferner bie SWfiftborfer 
€$ronit, bie filtere ttugftb. <5$ronil, Äönig*$ofen (@t.-G$r. XV, 386 
IV, 80; IX, 838), Contin. monach. St. Petri, Scr. IX, 841. «gl, an$ 
für ba« gotgenbe, Siu&ner 1,2, 4f., 447—453. Weue3fige bietet ba* 
^reiben be9 Drfatafe SBulfing, dm. 1726, 148—150. 

1) e$rd6en *om 23. 2>ej. 1387, clm. 1726 1. c. grtebrtcfc »ar 
f$on früher einmal, toegen ©nfoerrung eine« $rießer* Äonrab Sengel, 
mtter bem Jtir$enbann gejlanben; f. ben ^>ftU^en ©efe$l ju feiner Äb- 
folution bom 3. 9nU 1386, R. B. X, 187. 

2) aMttfctt. b. $efö. f. ©aljbnrga 2anbe*funbe XII, 1872, 243, 
Stam. 1; Sinbner, Index, 12. 

3) S)ag bie fatjbnrgtföe SRttterfc^aft unter 3o$ann fcon $u<föeint 
einen #erfu<$ jnr ©«freiung tyre* (Srjbifcbof* ma$te, le$rt eine 9toti| 
be* jm<Welmif<$en Br$fo« (Jturg, «lbre$t III., II, 132); bot* ifl frag- 
lich, ob bie* f$on baraatt gef<$a$. 




138 $iligrim« grettoffung nnb m&U$x in bie $aft 

btfchof hatte in jetner ©eelenangft gleich in ben etften Sagen 
nach (einer geftnahme ben oterbaittfchen 83ifetum Otto ben 
^ienjenauer unb beffen ©öhne Submtg unb ffiarraunb um ihre 
Vermittlung angegangen. (Sine §aft oon fünf tri* fteben 
ÄBochen, in ber er nach ffiulfingS Betjtcherung elenb gehalten 
mürbe, unb griebrichfl ftrenge* Auftreten genügte ihn mürbe 
ju machen. Sie fcer $erjog forberte, oerfprach er ihm 
30000 fl. bar ju bejahen unb einen Dienft im fflert oon 
20000 fl. ju leiften, ferner, menn er nicht binnen 3ahre$frift 
Kettete 10000 fl. jaulen trollte, ben Sann aufju^eben, auch 
ben $erjogen be* ftöntg« ©unft jurücfjugemtnnen. gr gelobte 
auch ba$ ©finbm* mit ben ©täbten aufzugeben, bagcgen mit 
ben ©aiern fünf Söhre in ffreunbichaft ju bleiben. Die $erren 
ton äbenflberg unb SBatbed unb Kitter ©orjimoi follten für 
ihre I^ätigfeit bei ben Unterhandlungen jufammen 5200 fl. 
erhalten. 

äl$ aber $iltgrim, auf biefe etblichen Oetöbniffe hin befreit, 
nach ftropfäberg am äuägange be$ 3UIcrt^aM lam, oermetgerte 
fein Stapxtd in ber mohlbegrünbeten ännahme, bag er feine 
greiheit für bad 8anb ju teuer erfauft h&be, ihm ben (Eintritt 
in ba$ Satjburgifche, bt* er (tfnbe 3anuar) bie Angelegenheit 
nur nach be$ ftapttett Äat ju erlebigen fchrour. SU* bte 
Domherren bann ben 3nhalt ber ©ebtngungen erfuhren, er* 
Härten fie nie Darauf eingeben ju motten, filigrtm mar 
ehrlich genug, hierauf famt feinen Begleitern ben bairifc^cn 
$erjogen fid> mieberum als (gefangener ju (teilen 1 ). Den 
fiönig ^tte griebrtch ton be* (Srjbijchof* ftreilaffung, aber nicht 
oon ben ihm abgebrungenen ©elöbniffen unterrichtet. (Erreichte 
er htawreh ty at t ta§ ffienjel bte ©täbte oom ftriege 
abmahnte, fo ^ielt boch bie laufchung nicht lange oor: fomie 
ber ftönig bie Sachlage burchfehaute , nahm er biefen ©efeht 
jurfid unb erneuerte (7. gebruar) feine äbfage gegen ben 
$er$og, ber burch ben Überfall auf ^Jiltgrim unb bie SBe* 
fchabigung ber ffieichäftäbte ftch gtöbltch gegen ihn unb ba$ 
9?eich oergangen habe. 

1) ©ahrföcintuh 8. SRfira; f. iUnbncr 1,2, 13. 



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Äueg mit bcra ©tSbtebunbe 1888. 



üRiUlera>eUe toar fett Kodden ber ftrteg mit ben ©täbten 
entbrannt. &üx ©ahrheit tourben bie büfteren ©über, bie ein 
ungegarter ©otner *) prop^ettfc^ gejeichnet hatte: oon Suf* 
ftachelung be* älaffenhaffe* unb grimmigen fojialen ftämpfen, 
mm ©lutaergteßen unb Verarmung ber ©auernfehaft, meiere bte 
ftoften be$ Streite« boch bor allen ju tragen ^abe. 8lm 
17. 3anuar hatte ber fchmäbtföe, am 20. auch ber rhetnifche 
©täbtebunb gfieorich ben ftrieg angefagt; ber fömäbiföe hatte 
betroffen, fein §eer auf ben 20. Sanuar in äugäburg ju 
famraeln. SRegcnäburg, ba« am meiften ju fürchten ffatte, 
entnridelte auch befonbere SRührigfeit in feinen {Stiftungen. äm 
25. 3anuar brach ba$ ©unbe$h*er, unter bem ©efehle be$ 
(Brafen $>emruh m>n ÜHontfort, mm 8lug$burg auf, oermüftete 
junächfi bie ©egenb um 8anb$berg unb ifldte bann fengenb 
unb brennenb bis nach föegendburg, ohne auf feinblid^e Gruppen 
ju fto&en. ©ergebend ritten ber Äurfürft oon ber ^falj unb 
ber ©urggraf mm Dürnberg bem $eere bi$ ©ünjburg nach 
unb matten ©ermittlungä&orfchläge *). Der SRüdmarfch warb 
auf bem linfen Donauufer Donogen, um auch bie bortigen 
$erjog*lanbe bie ©chreefniffe be$ Krieg* füllen ju laffen. Über 
{Beigenburg gelangte ba$ bfinbifche $eer, nacktem e$ fic^ wegen 
ungeheuerer Schneefälle geteilt hatte, gegen äWttte gebruar 
nach Ulm jurücf. Sin ber grimmigen Stätte, bie bamal* ein* 
trat, [^eiterte nach geringfügigen ©charmüfceln ein anberer 
3«g, ben bie Nürnberger unter bem Hauptmann Ulrich mm 
Ireuchtlingen, au 8000 3Wann ftart, am 29. 3anuar gegen 
ba$ bairifche $tlpoltftein unternahmen 8 ). 

Dag auch einige $erren ihrer JRitterfchaft mit ben ©täbten 
gemeinfame Sache machten, mußte bie £>erjoge befonber* reijen. 
ÄBilhelm mm ©eefelb toar mit äugäburg, $>anö, ^arjtoal, 
ffiolfharb unb Otto bie B e ^ger, beren auGgebehnte ©efifcungen 
meift im bairifchen Salbe lagen, toaren mit Siegendburg im 

1) @u<$en»irt, JBon ber gürjtcn ftrieg unb bt9 töctye* ©täbten; 
1387. Berte, ed. $riraiff<r, HO. 

2) ftcttfStagSalten II, 43. 

3) Utraan ©troracr, 40. 




140 Eroberung bon Peißenberg unb föeuburg a. b. $on. 

©unbe 1 ). Siefen abtrünnigen ging $erjog Stephan bor allen 
juleibe. Um 24. Sanuar mürbe ^Jeigenberg, eine ©urg befl 
@eef elberd f bon ben ffieilheimern umlagert unb fchon am 
fünften Sage barauf gewonnen, am 15. unb 16. gebruar bann 
niebergebrannt unb bem ©oben gleichgemacht. Um 18. gebruar 
begannen ©tep$an unb feine $auptleute, ber $ofmeifter $eter 
bon GM, ffiithelm oon ^uchberg unb 3o$ann bon ffiatt, bie 
^Belagerung SReuburg* an ber Donau, ba$ bon ftegenfturg 
auä bemehrt unb bon JBolfharb bem 3enger oerteibigt mürbe. 
Die $erjoge Ratten biefe ©tabt ebenfo mie bie Sorftabt bon 
Wegen«burg um 24000 ff. an bie 3*1*8** berpfänbet, bon 
benen einer, mie e$ fcheint, $an$, mohl megen feine« Weichtum« 
im SWunbe be* SJolfe* al6 „ber gulben 3enger" fortlebte. 
Such biefer angriff führte rafch jum 3tel: am 24. gebruar 
mußte ffiolfharb ©urg unb ©tabt Sßeuburg fibergeben *). 

äl« am 3. äWärj su Dürnberg griebenäberhanblungen er* 
öffnet mürben, ftanben bie Dinge für bie ©aiern nicht gftnftig, 
benn auch unter ben gfirften regte fich boch manche äWif- 
biüigung ihre« griebenäbruche*. Äurfürft {Ruprecht bon ber 
$fal) marb al« ©Siebtrichter aufgefteüt unb fäüte am 15. SWärj 
ju dieumarlt feinen Spruch- Bmifchen ben ®egnern foüte 
boüftänbige ©fihne eintreten, $Uigrim unb feine angefangenen 
nur gegen Urfehbe freigelaffen, jmifchen ©aiern unb@aljburg ber 
©unbeäoertrag bon 1382 mieber in ftraft gefefct merben. Die 
©aiern aber, bie ihre Lüftungen nicht boüenbet unb ben 33er* 
müftung«jug ber ©täbter noch nicht gerächt hatten, bauten nicht 
baran, fich bem für fie ungfinftigen ©Bruche ju untermerfen. 
©airifche bitter nahmen ben ©oten gefangen, ber ben ©pruch» 
brief nach Kegendburg bringen foflte 8 ). 3m ÄugSburgifchen 
mährte ber offene ftrieg fort. Ratten bie ©aiem unter $erjog 
©tefrhan unb ®raf Ulrich oon ffiirtemberg ben ftirchhof bon 

1) R. B. X, 216. 231. 1385, 7. Sprit »aren ©olftarb unb $an« 
noch auf @ette ber $erjoge; a. a. O. 158. 

2) Compil. chronol. bei Oefele II, 344; Andreas Ratispon. unb 
Sintbert (Pez, Thea. IV c, 593; IIIc, 396); Oemeiner II, 261. 266. 

3) Gemeiner II, 246. 




etfibtefrieg 1388. 



©<hn>abmfinchett erftürmt, fo tonnten fi$ bagegen bie Hug** 
bürget rühmen, bafc fie ©täfeling unb üttering niebergebrannt, 
Webling unb ©cherned (17. üttärj) eingenommen Rotten 1 ). 
5De$ Jtöntg* ftriegäbrohung gegen griebricb Blieb ein leere« 
«Bort; ftatt auf bie (Erfüllung be$ SReumarfter ©pruche« ju 
bringen, 30g er fid^> nach $rag jurücf unb lieg bie Saiern 
unbehelligt. 3m Sprit mürben bie 33er$anblungen ju Reibet 
berg neuerbingä aufgenommen; ber Sleumarfter ®pruch marb 
beftötigt, ohne bog Jeboch bie ©aiern, ti>a$ ba* »erhältni« ju 
ben ©tobten betraf, ihm Jefct mehr Oehorfam joüten als bor* 
^et; bielmehr fefcten bie $erjoge tote ihre Wüftungen fo ihre 
®en>altthaten gegen bie ©table fort. (Sine Serfammlung, 
toelche ber fchtoäbifche ©unb am 23. SWai in {Ravensburg ab* 
hielt, toieberhaUte ton ftlagen gegen bie JBaiem. ®egenfiber 
^tligrun Jeboch fanben biefe nun ein ©ntenfen geraten, beftimmt 
burch einen ©efehl be$ Zapfte« Urban *), toohl auch burch bie 
SRifttimmung be* Jtönig* unb einzelner dürften unb burch bie 
JRücfftdjt auf ihren SJetter, Den Äurfürften »unrecht, ffite 
beffen ©pruch bom 23. «pril beftimmte, entbanben fie ben 
firrjbifchof bon ben abgebrungenen ©ben unb gaben ihm bie 
greihett jurficl, toorauf ^iligrim am 15. ÜHai Urfehbe fchtour 
unb bem $erjog griebrich au« bem Sanne ju Reifen gelobte 8 ). 

©eit bem 3uni nahm ba$ gegenfeitige ©engen unb ©rennen 
um Hugflburg unb am unteren Sech fotehen Umfang an, bafc 
bort allmählich ber größere letl ber Drtfchaften in «fthe fanf. 
SRunchener ©ürger fö&eiften plünbemb bi« $urla<h bei »auf* 
beuem. Nunmehr hatten bie $erjoge ihre Lüftungen fo toeit 
gefSrbert, bafc fie fleh aum angriff auf größere ©täbte ent* 
fchloffen. griebrid? toanbte fleh ß e 0 en Wegendburg, ®teph<M 
übertritt bei »ug«burg ben Sech unb begann um ben 17. 3uli 
bie Belagerung ftaufbeuern*. JDiefe* berteibigte fleh mit gleichem 

1) @t-Chr. IV, 82; V, 34 f. 

2) ©0 berichtet bie »ufle be9 $apfk« »onifaa, *ct4e in bem «b- 
fofation«briefe be« ©if<hof« 3ohawt t>on ttcfle»«bttrg für grtebruh toora 
4. SWai 1391 (9t. 3.) tranftfumiert ift. 

8) R. B. X, 223. 224; Sinbner 22, Knm. 3. 




142 



Belagerungen bon Äanf6euern 



SWut unb (Erfolg tote bor elf 3a$ren; toaä bie bairifd&en 
Oeföfifcfugeln bei 5Eag bon ben ÜJtouern toegriffen, toatb bei 
9?a$t bon ben toaderen ©ärgern toieber auGgebeffert. ä^taal 
[türmten bte ©aiern, jtoeimal nmrben fic surü(fgef($lagen; fie 
Hegen fiebsig SWann cor ben SWauern. @$on am ftebcnten 
Sage ber Belagerung veranlagte bie ftunbe bon ber ©amm* 
Iung eine« ftäbtiföen <£ntfafc$eere$ in ÜWemmingen ©tep$an 
jum äbjuge, ber in folget $>aft erfolgte, baß brei ©öller be* 
©elagerungägeföüfce* fielen blieben. 9?ac$ jtoeitägigem $alt 
bor Äugäburg jog ©tepfym an bie Donau unb lagerte am 
l. äuguft bei ßauingen. $>erjog griebri#, ber am 24. 3uli 
ju ©ärcfcing gegenüber Donauftauf ftanb, toar auf bie 9laty 
ri$t bon tem mißlungenen Singriffe auf ftaufbeuern bon 
Kegendburg abgejogen, na$ furjer grift jebo$ toieber ba^in 
jurfidgefe^rt 

33on Sauingen rficfte ©te^an gegen ben ©iföof griebricfc 
bon (Eictyftäbt unb bebrängte biefen ©erbünbeten ber ©täbte fo 
$art, baß er ji# jum Äbfall bom ©täbtebunbe entfdjtfoß. ffiie 
er am 4. ©eptember ju SReuburg beurfunbete, trat er in 
@tep$an$ {Rat ein, toarb bon ben ©aiern auf brei 3a$re in 
@$ufc genommen unb einigte ft$ mit tynen auf gemeinfame 
$altung ber 8anbgeri#te in ®rai«ba$ unb fnrfäberg *). Der 
©iföof bon Hugflburg, ©urtyarb bon CUerbac^, ftanb f$on 
länger auf ©tep$an$ ©ehe unb feiner eigenen ©tabt al£ geinb 
gegenüber, SU$ ein ©enebiger ffiarenjug, 60 gajj ffiälfömem 
unb 20 ©arenballen, ber auf bem ffiege über ben gernfiein 
na$ äugäburg bon ber ftriegöna$ri$t überraföt tourbe, in 
feiner ©tabt güffen ba« Cnbe ber Unruhen abmatten toollte, 
bemächtigte er fid^ mit gemiffentofer Habgier ber toiütommenen 
©eute unb teilte fie mit $erjog ©tepftm. (Ergrimmt über 
biefen „meineibigen, treu' unb e^rlofen ©Bfetoity", brauen bie 

1) R. B. X, 227. Ü6cr alle Äfimpfe f. Ulman ©tromer, 41 f.; 
filtere «ugGbutger <5$rontl 81 f.; 3lnt, 37f. ; Hegen**. @tabt$toni! bei 
grevberg V, 86; ©emeiner II, 246 f. ; ungenau Hrnped bei Pez 
IIIc, 896 f. 

2) et.-£$r. I, 150; Urf. üom 4. eept. im tt. «. 




unb dfrgentönrg. 



Äugdburger feine SWünifc^mtebe unb feine unb bed Dombefand 
$äufcr nieber. ©on $>erjog ©tephan aber toarb ihm fpäter 
(1393) jum (grfafc für geteiftete ßriegdhtffe Donauwörth für 
4250 fl. berpfänbet *). 

3m ©ommer erftanben ben ©täbten jahlreiche neue Oegner. 
$atte ber Stampf bidher nur in ©aiern unb Schwaben getobt, 
fo mürben jefct au* granfen unb bie {R^einlanbe ^ereinflejogen, 
ba ßurfürft SRuprecht unb bie anberen $fäljer, ber ©urggraf 
bon Dürnberg, ber ©iföof bon ffiürjburg unb anbere jum 
©chufce ber bebrohten gürftenmacht ju ben ©äffen griffen, 
©ei Döffingen ©arb am 23. »uguft bie bebeutenbfte gelb*» 
flacht bed firieged gefetylagen, in ber Cberharb bon ffiirtem* 
Berg bie fchroäbifchen JReicbdftäbte bepegte. 3n ber Slugdburget 
©egenb nahm ber Heine ftrteg, biefed traurige ^lünbern unb 
(5inäfd?ern feinen gortgang. ffiir begnügen und ^ter ben ge* 
tungenen Überfall }u ermähnen, ben bie äugdburger am 
10. Sluguft bei ©iberbach auf £>erjog ©tephand SWarfchaQ 
(Srfinger bon ©iberbach unternahmen unb mobei fie ein bat' 
rifd^e^ ©anner eroberten, gurchtbar litt auch bie Dberpfalj; 
bie Nürnberger rühmten ftd^ f auf jmei 3ößen, bie fie mit mehr 
ald fünftaufenb ©pieken in bad ©uljbachifche unternahmen, 
über ftebenjig Dörfer, ©eiler unb SDtühlen niebergebrannt )u 
haben *). 

©eit Hnfang ©eptember richteten bie bairifchen $erjoge, 
unterftüfet t>on jahtreichen ©erbünbeten 8 ), ihre gefamte ÜÄacht 
gegen Kegendburg, mährenb ber ©töbtebunb bon allen ©eiten 
angegriffen, nicht in ber Sage fear, feinem entfernten ©unbed* 
gliebe ben erflehten (Enifafc ju fenben. &wt\ ©ettern ber 
$erjoge rütften mit anfehnlichen ©treitfräften jur Unterftüfeung 
bed angriffe auf Kegendburg tyxan, aud ber Dberpfalj 
{Ruprecht, bom Dften ber junge Silbrecht bon ©aiern- ©trau* 
bing, ber am 6. ©eptember Kegendburg ben grieben auffagte. 

1) @t.*«hr. IV, 23. 314; R. B. X, 331. 

2) U..©. ber ©t. Slugg&urg, $erau*geg. *on «hr. SRever II, 236. 

3) U. a. ©raf 8Ubre$t bon $eittgcnberg b. j., SWartoart bon <5md, 
*erjog griebri* bon Xtd ; B. R. X, 241. 250. 256. 263. 




144 



©elagenrog ttegentburgft 1388. 



©ieben ©itteWbatyr lagerten oor SRegenSburg unb bent an 
bie ©tabt berpfänbeten Donauftauf, unb in Wegenäburg meinte 
man, »or ben Sporen feien me$r ©oten mit gefcbebriefen er* 
Lienen, att bie ©tabt ©piege ju tyrer Serteibigung auffallen 
fonnte. ©afcrenb ber $fäljer unb $erjog «(brecht bie ©tabt 
felbft umf troffen, übernahmen grtebridfr, ©tepfcn unb beffen 
@o$n Subtoig, 3o$ann unb beffen ®o$n Croft, ben Angriff 
auf Donauftauf. ffio iefct bie ©alfralla fte$t, bei SReifelbing 
lagerte griebric^, auf bem regten Donauufer ©tepfcan mit 
feinem ©o&ne. Sag unb 9ia#t, au* aber ben Strom $fat* 
äber bef^offen fie ÜÄarlt unb gefte au« grogen ©üctfen. (Sin 
©türm am 25. ©eptember brachte ben ÜKartt unb ben ftir$* 
$of, bo<$ ntc$t bie fytyer gelegenen gefte in tyre Oemalt. 

Der 9tegen*burger {Rat unter bem »äderen ©örgermeifter 
$an$ bon ©teinad? $atte feine 83orIe$rungen mit fol$er Um* 
ß#t getroffen, bag trofc ber langen unb bollftanbigen Sin* 
fcbliegung bie ©tabt nie SWangel an Sebenftnitteln litt, unb 
mit folcber ffintf$loffen$eit, bag er t>or mehreren Igoren unb 
in @tabtam$of bie §äufer, in Donauftauf bie Stirpe nieber* 
retgen lieg, bamit [\6f bie Singreifer bort ni$t fcftfefecn tönnten. 
Dag bte Umgegenb fäonungälo« bertofiftet, befonber« alle ffietn* 
berge jerftört mürben, mar freiließ titelt ju frinbern. Der 
ffietä&eit be« Wate« gelten lapferfeit unb Äuöbauer ber 
©firgerföaft bie ffiage: nic^t nur baß bie ©tabt, au$ o$ne 
Unterftüfcung oon äugen, behauptet marb, bie SBerteibiger er» 
rangen fogar auf freiem gelbe einen glänjenben ©ieg. Ärn 
13. SRo&ember, bem Sage be« ^eiligen ©ricriu«, matten fünf* 
Rimbert ©firger unter $ar}ibal 3enger einen äuöfaü gegen 
bie Xxupptn $erjog HlbrecbM, bie fie mit fcöfyrifcben Weben 
fcerauSgeforbert Ratten. Die $erjogli(ben teilen anfarg«, 
timnbten fieb aber bei ber ftumpfmityte unöerfefcen« jum ©iber* 
ftanb; föon manlten bie Wegenäburger, ba bracb eine au« bem 
3afob«t$or auSgejogene jtoeite ©cfcar beim Surgerberg bem 
geinbe in ben 9tü<fen unb nun mar lein galten me$r. @o 
geringfügig im« ber 3wfammenftog erföeint, metra mir öftren, 
bag bie $eraoglicben 32 lote unb 40 ritterliche (Befangene 




$trm£$Tintg ÄBnig tSenjete mit Offnei *on ©alcrn. 



145 



verloren, fo war e* boc^ bie größte SWeberlage, toelc^e Me 
gflrften im ©tibtefriege erlitten, unb no# lange na$$er feierten 
bie »egen&urger bur<$ ein SoIWfeft bie (Erinnerung an ben 
tu$m&oQen ©rtcciuMag l ). 

SBäfcenb ganj ®flbbeutf$lanb bom 8t$ein bi« jum Ötymer* 
toalbe nnb balb bi« ju ben ©aljburger Sergen in ein un* 
flefcure* ftrtegrtager t>erwanbelt war, Dotljog fi$, t>on wenigen 
beamtet, ein ffierf be« grieben«, ba$ für ben enbli^en «u** 
Sang betf Jtriege« DieOeu^t triftiger tr>ar als afle ©affenerfolge. 
ftftnig ©enjel, feit (Snbe 1386 ©Üwer, verlobte jum 
iweitenmale mit einer ffiittel«bac$erin. (Sine Softer $erjog 
3o$amt«, bafeim Offnei 8 ) (Offemia), in »Jörnen ®optyt 
genannt, mbanfte tyrer $o$en @<$5n$eit ba* jweifetyafte 
<8lüd an ber Seite eine« launenhaften Irunfenbolb* »on un* 
gebänbigter Seibenföaft unb jerrfltteter Oefnnb^eit auf ben 
beutf$en ftönig«t$ron erhoben ju werben. Den ttnter^änbler 
machte wafrWeurficfr (Sribifäof $tligrim. Die f>oc$jeit warb, 
wie e* föeint, *or Opern 1389 gefeiert 5 ). 

9lun war e« bon $o$er t>oIitifd|er ©i#ttg!eit, baß biefe 
bem Steige fe$r wiflfommene SJerbinbung tyn enger al« te mit 
ben &aiern jufammenfityrte unb baß $erjog griebrit^ mit 
rühriger ®ewanbt$eit bie neue ©abläge auftjunufeen fterftanb. 

1) ©efonber« Gemeiner II, 248—246; Andreas Rattepon. (Pez 
IV c, 592. 593), ben Hxnptd In ber $anj>tfa$e nur n>ieber$oft; Hegen«*, 
^toirif (grelj&erg V, 86); R. B. X, 228. 229; «Ufl«b. (E&ronif unb 
«dnig«$ofen (@t.*$4r. IV, 89; IX, 846); $e$cmt «forest ©traia)er ju 
©onanftonf Sei t>. SJluf f luan, $ef*. bet State ©traubing-$oaanb, 85. 

2) R. B. X, 311. 

3) 9to<$ $Sutle am 2. SRai 1389; iebenfattd t>or 23. JDej. 1389; 
f. flnbner« ©eitage a. a. O. unb 6. 61. 2>et $etrat«brief, bet in beu 
bair. @taat«ara)ti>en ebenfo wie in Sien fe$(t, befanb fl<$ im 16. 3a$r- 
fyntbett taut eine« SRej>ertorimn« in ©ewa^rnng be« $if<$of« txm $affau. 
«. cm* Jinbner 1,2, 457. 173. 174. Ob bfc 5t$atfa<$e, baß eotfte 
mit 2Ben3e( eine« Sinne« in retigtflfen {fragen »ar, ju ber efylnß- 
folgeraug auf eine glflcfltcbe ©Je genügt, tft bo$ wo$l jn bejtoeifdn. 
Stoß 3*$ann t>ou $omu! (1393) ni$t beßtyrib erttJnft würbe, weit er 
fty weigerte, WkutfL bie ©elcbt ber Königin jn berraten, barüÄer fle^e 
»eimaun, 3o$. ftepemut; $i|torif<$e 3ettf^r. XXVII, 225f. 

Hiebet, 9<W4tt ©aientf. m 10 



146 



Krieg mit €toJjbnrg. 



Cor allem gegenüber ©aljburg ertöte* fi* ffienjel« ®unft ben 
©aiern förberli*. Dort befanb fi* ber <£rjbif*of in einer 
Sage, tue au* für einen ß^arahcr oon größerer <Sntf*ieben$ett 
brüdenb getoefen toäre: toä^renb bie Urfe$be, bie er griebri* 
gef*tooren, i$n *eri>fli*tete bie ©*ma* oon 9laiten$affa* 
ungera*t }u (äffen, brangen auf ber anbern Seite fomo^t bie 
©tobte alt fein eigene« ftapitel immer bringenber in tyn, bem 
bef*toorenen ©finbniffe gemä§ lo«juf*lagen. <E« mar mo$I 
bereit« bie 9la*ri*t oon faljburgif*en JRfiftungen, bie $erjog 
gricbrtc^ (Snbe Huguft oor bem erneuten Angriff auf Wegen* 
bürg na* ©urgfcaufen, an bie ®renje be« flhrjftifte« führte. 
Am 13. September richtete ber Äönig an $iligriut ben ftrengen 
©efe$l neutral ju bleiben, inbem er tym juglei* mitteilte, 
bafc gtiebri* in ben nfi*ften a*t Zagen ju ernfter Beratung 
ju tym na* $rag fommen »erbe. Dort marb eine Cinigung 
ber ©egner erjielt, aber fie toar oon turjer Dauer, am 
19. Dftober erfolgte bie faljburgif*e Ärieg«erftärung gegen 
©aietn unb glei* barauf ber Seginn ber geinbfeligfetten. ffia« 
griebri* bur* ben Überfall oon JRaitenfcafla* fatte Oeretteln 
motten, ber glei*jeitige Äampf gegen bie ©täbte unb ba« <5rj* 
ftift mar i$m nun bc* aufgebfirbet, fr eilt* ju einer £t\t, ba 
fi* bie (Sinigleit be« ©täbtebunbe« f*on fe$r gelodert unb 
iebe« einjelne ©unbe«glieb mit feiner eigenen Serteibtgung genug 
ju t$un fyttte. <E« f*eint, bag ba« batri|*e ©elagerung«$eer 
nun ganj ober größtenteils ton Donauftauf abjog, um ben 
ftamtf an ber faljburgif*en Orenje aufzunehmen. Die S3aiem 
griffen SWtylborf an, bef*offen e« Zag unb SRa*t mit ®fi*fen 
unb geuerpfeilen, liegen au* oon ftraiburg ©ranber ab, um 
bie SWü^Iborfer Stüde in ©ranb au fteden, toäfcrenb bie ©alj* 
burger JBurg^aufen bef*offen unb bie inmitten eine« flehten 
See« gelegene ©urg »btfee eroberten, mel*e bie batxif*en 
$eraoge 1385 Don ben Äu*lern getauft Ratten *)• 

1) 2>le SWttflborfer Otyroni! (et..<5$r. XV, 386) fcfct bie ©dagenmg 
3Rfi$foorf« fi*er jn frü$ in bie 3ett, ba $ttigrim no* gefangen fa|. 
e. ferner Scr. IX, 841; Gemeiner II, 266; R. B. X, 261. 




grieben unb öttnbni* mit ©ala&nrg. 147 



$ttebri$ felbft befanb fidfy u>ä$renb biefet Äämpfc in $rag, 
too er beim Ä&nige tote beim bö^miföen »bei bie freunblic^fle 
aufnähme fonb. Huf feine »lagen über $tligrim fanbte ffiensel 
am 31. Dltober burdfr ffienjel oon Zittau an btefen ein 
©^reiben, morin er tyn bei feiner Dienfttreue mahnte bom 
Stiege abjnlaffen. ffieiter gingen ja$lrek$e M$mif<be §erren, 
bie auf griebricfc« ©eranlaffung $in bem (Srjbiföofe tyre ge^be* 
Briefe jufanbten. 81$ am 28. SRooember ber ftSntg normal 
befahl, ^iligrtm fofle fofort grieben f erliefen , gab btefer na$ 
snb erHärte am 8. Dejember SBenjel feinen ®e$orfam. Ära 
15. gebrnar 1389 lub ber ftßnig bie ©atemur joge unb 
$Uigrim ein, auf ga«na$t bei tym in $rag ju t 'erf$einen. 
ffienn fi<$ ber §rieben«fd#u& jtoif#en ©aiern unb ©aljburg 
gkuftoo^l bis jnm 10. 3Äärj 1390 oerjögerte, lag bie ©$ulb 
tooty an bem ©träuben be$ Domfa^üeW. 3)ie oon $iltgrtm 
eroberte ©urg Äbtfee toarb oon grtebridfr gegen bie Summe 
oon 12000 fL bem Crjfttfte abgetreten 1 ). Die 85fung beft 
fttrcfcnbanne«, bem Sriebrty berfaden, toarb bon ?aj>ft ©o* 
nifaj am 6. ÜJtörj 1391 angeorbnet unb Don ©tftyof 3o$aiut 
oon Stegendburg am 4. SWat be«felben 3a$re* oolljogen. 
3nglei$ mürbe ba* 3nterbtft aufgehoben, ba« Aber ftlofter 
5Ratten$afIa<$ aW ben ®<$au|>iafc ber 3Hiffet$at unb einige 
anbere Orte »errängt toorben mar. »m 12. ÜRai 1392 fam 
fogar toieber ein ©finbnt* ^Jütgrtm« mit ben bairtföen f>er* 
jogen juftonbe *). Um bie toeüere (SntoitHung be* ©erhält* 
niffe« ju ©aljburg ju oerfolgen , fei f#on $ier bewerft, bag 
nad) ^tttgrim* lobe 1396 ber jkoette ©oftt ^erjog 3o$atat*, 
ffittyelm, nnb ©tfäof Sodann oon 9legen*burg, ein natürlicher 
©ofa $erjog ©tep$an« o$ne Crfolg aW ©etoerber um bie 
92a^folge auftraten nnb bajj bann ber neue (SrjWfd^of ®regor 
(3. 3an. 1397) mit ben bairtföen $erjogen auf jtoei 3a$re 

1) B. R. X, 261 ; Contin. mon. St Petri, Scr. IX, 841. 

2) K. togt S>. K. «. D, 85, ffora. 2; R. B. X, 307. 2>arf 
man R. B. X, 255 glauben, fo fyitte grlebri^ an$ to^renb ber 3eit, 
ba ber Sann auf i$m rufye, t>fyft8<fc önaben erlangt. 

10* 




148 InflBfmig ber ©tfbtebftirtmtffe. 

lieber ein ©ünbnt* abfäfofj 1 ), ba* toieberfroft erneuert 
ttmrbe*). 

3n $rag $atte ber ftönig mit $erjog griebri^ öereinbart, 
ba| gn ffrieben*beratungen mit ben ©tfibten ein lag na$ 
9Rergent$eim au«gef($rteben mürbe. 3m fjebruar 1389 fanb bie 
Serfamrnluug ftott, ber aud? $erjog ettfärn betagte, aber 
etft auf einem «efa^tage ja Cger, »o ein gtönjenber ftrei* 
bon gürften, Herren unb ©täbteboten, barunter bie $erjoge 
®teptym unb grfebrty, um ben ftJnig fty fammette, rourbe 
ba« grteben*tDerf gefjJrbert. SBar ©enjel im Seginne be« 
ftampfe« ber ftöbttfd&en @a$e ni$t abfrrtb getoefen, fo mirtten 
ieftt ber toittel«ba#ifc$e Ctaftufc, @tanbe«geffi$l »nb Seqnemffy 
fett jufamnten tyn triftig für bie Xnf^auungen ber gfirften ja 
gewinnen. ©a& $erjog griebri<$« btylomatiföe« ®ef($W an 
biefer ffienbnng bebeutfamen ««teil $atte, tft ntyt gn bejtoetfeln. 
©ie er bor bem Äriege bei ben ^Beratungen Aber bie Cr* 
Haltung be* grieben« ba« grofe ©ort geführt f nrie er bann 
bnr$ ben Überfall bei 9iaiten$afla$ ba« 3eu$en }um «u«brm$ 
be* Äamtfe« gegeben $atte, fo ftanb nun feine 2#5tigfeit au$ 
beim Sttfafaffe be* Streite* im SSorbergrunb. 9n Siegen«- 
bürg burdtftyaute man bie 5Dtnge, ttemt man Hagte, 8riebrk$ 
fei bem ftBnige fo lange nachgeritten unb angefangen, btt biefer 
fty auf bie ©eite ber dürften gefcflfogen unb feine Irene an ben 
9tei$*ftäbten gebrod&en $abe a ). 

«m 2. Sftai befahl ©enjel ben «ek^ftfibten bie «ufldfung 
tyrer Ofinbniffe, unb ba beren Sinigbit f$on fe$r getrübt 
toar, flieg bie 8u*fft$rung auf feine nennenswerten @<$toterig* 
leiten, ©rei läge fpäter erlieg ber ftbnig eine neue &mb» 
frteben*orbnung auf fet$* 9a$re, toofür bie am l. September 
1387 für granfen unb ©aiem gegebenen @a$mtgen $enw 
geholt nrarben. Unter ben gu $ottgte$ern unb $ütern be* 
ganbfrieben« befteUten Bmgli^en Katen toar $ergog griebrty 4 ). 

1) R. B, XI, 73. 76. 90. 102. 

2) 1399 mit ®tofiaa t Snbtoig unb $etatty, 1402 bagegen mit Srnfc 
W^dm unb $eisrcty; R. B. XI, 161. 259. 

3) Hegen**. ©mtbbn$, ed. Sinbner, görfäintgen XIX, 46. 

4) Stnbner, 64; 2). 9t 9. II, 231. 



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gucben mit Stegentburg. 



©o hatte bet ©ebanle Äati« IV. gefugt: bie ©t&bte bfitfe« 
nicht tottch ihten 3ufammenfchlu& bte politifche äßach* bet 
S&rftea ^etabbrfitfen, bfttfen nicht bie O^nma^t be« Weiche* 
babutch enthüllen, bag fie für fid^ allein befotgen, toa* ju bc* 
forgen Pflicht ötter töeicb«gliebet tft. Sie mangelhaft bie 
8anbftieben«otbroingen toittten, ^atte man freiließ oft genug 
erfahren unb auch je^t nahmen bte fllagen ber ©tibte Aber 
Unbtlben be* «bei« unb ffitftfkhet Dienet noch lein (Snbe. 
SRetne $etten, febteibt ein 9tegen$butget ©ütget, menben gtofe* 
®elb unb ®ut auf für ben Sanbfrieben, haben ieboch ba^on 
Hiebet Itoft noch $Ufe unb mfiffen ba« Setbetben tytet Äauf* 
leute anfehen 1 ). 

9iegen*butg, bad fich fo tapfer getoehtt, in feinet »et* 
einfanden Sage abet auch bie Unjulanglichteit be6 Sunbe* am 
lebhafteren empfunben hatte, toat eine bet etften ©tobte ge# 
toefen, bie fich bem töniglicben ©efehle untetmatfen, abet mit, 
ttetl ohne biefen ©ebtitt, urie bet SBfltgetraeiftet $atß t>on 
©tetnach au« (gget entfcbulbigenb nach $aufe f<htieb *), fein ftieb* 
ttche* Äbfommen möglich Wien. ©djjon am l. SRätj ^atte 
bie ©tobt mit ben ©aietn, mit ffriebtty, Wupttty, «Übtest, 
einen XBaffenftÜIftanb gefötoffen, bet bi* }um ©ambetget Sage 
in Ätaft bleiben feilte 8 ). 3efct erfolgte bet gtiebetrtfchlug auf 
©tunblage be« ©efifcftanbe« bot bem ftrtege, (Sntfaffung bet 
befangenen auf beben Seiten gegen Utfehbe unb gegenseitigen 
Sßtxpdflä auf ©chabenetjafc. 9m 4. SWat mürbe bet Stieben 
mit ben $etgogen ©ttyhan, gtiebrieb unb 3ohann, am 21. 9Rai 
mit »lbte$t b. I, am 1. »uguft mit beffen Sätet beutfunbet A ). 
©eht brädenb toat für bie ©labt bie ©eftimmung, bafc fie 
ben ä/nwtn ben $fanbfchitting für SReuburg unb bie Wegen* 

1) @. u. a. Gemeiner II, 269. Bm 15. tyrU 1396 erlangte 
HegenSburg bur$ groge 3a^Uingcn bie Cntlaffung au? bem Sanbfriebent« 
»erbanbe, toon bem c* toegen ber »eiten (Entfernung feinen duften h&tte. 
2). H. *. II, 238. 

2j 5. SRai (R. B. X, 249 falf$ unter 15. ee*t.); SD. 9t. «. II, 198. 

3) B. B. X, 237; 2). H. «. II, 119, «um. 1. 

4) R. B. X, 289. 241. 246; Gemeiner II, 261. 262. 




150 



grieben mit bat ©töbten. 



bürget Corftabt, toclc^e ben $erjogen ausgeliefert tourben, 
erfefcen mufcte. Den ©ieberaufbau tyrer jerftörten »otjlabt, 
M jefctgen €tabtam$ofr fugten bie $erjoge bur$ Privilegien 
an bie ©flrgerf<$aft 311 fdrbern 1 ). 

8foc$ 8fog«burg tonnte nun nic$t mtfft jurüdbleiben. Wady 
bem bie ©tabt am 15. Sunt mit ben bamfcfcn fterjogen, 
bem ©ifd^ofe ©uttyarb unb ben ®rafen bon Öttingen ver- 
einbart $atte, i$re ©treitigfetten mit btefen ju 3ngolftabt 
f$teb$geri$tlic$ auftragen }u laffen, fällte bort Sanbgraf 3o* 
(ann von 8eu$tenberg am 20. 3uli 1389 ben ©c$iebftmtc$. 
3m mefentlktyen »aren bie gtiebenäbebtnpngen biefelben nrie 
für Wegenäburg, bo# mußte bie ©tabt ben $erjogen fftr ben 
©$ufc, ben tyr biefe fortan ju getoä^ren oert>ra<$en, 10 000 fl. 
bejahen. Die $er)Oge gelobten aucb, fortan feine $ö$eren alt 
bie gemSfytlicfcn £oü* unb SWautfäfce }u forbem unb fieberten 
intern abtrünnigen Diener ©ityelm von ©eefelb ämneftte ju *). 
Sbenfo ©urben bie $erjoge im grüfya^r unb ©ommer 1389 
mit ben ©täbten Dürnberg, ftaufbeuern, ftempten, SRemmtngen, 
Ulm bur$ ©$ieb$ri($teT verglichen 8 ). 

fi$ä$renb bie ffiittetebacfcer Stegendburg unb Donauftauf 
besoffen, $atte au$ gegen bie SWauern von $affau föroere* 
©eföfifc gezielt. Dort $atte 1387 ba* «apitel einfttmmig 
feinen Defan, ^ermann Dignt, jura ©iföof gemäht, $apft 
Urban bagegen auf ffienjel* ffiunfö ben jungen 9tupre($t, ben 
ätteften ©ofrt be* §erjog$ ffiityelm von Söerg ernannt. 
©ä$renb bie $affauer ©ürger fl* {Ruprecht unterwarfen unb 
t$m bie I$ore ber ©tabt öffneten, gelten bie Domherren an 
tyrem (gwÄ^Iten feft, jogen ß$ in bie gefte 9?teber$au* jurikf 

1) Andreas Ratispon., 593. «gl. au* E. B. X, 238. 240 f. 250. 
257. Sin Benger erfötug nod) im felben 3a$re in ber ©tabt griebrty 
ben Äagerer, ba er eben jnr Ätrc^e ging, nnb ba hierauf bie ©tabt ben 
3engern ba« geforberte Geleit abging, tnütfte fl$ baran eine ge$be 
jwifcfctt tyr nnb ber no* eben mit tyr verbfinbeten gamilie. 

2) M. B. XXXIV a, 47; U. ». ber ©tabt *ttg«bnrg II, 239; R.B. 
X, 242. 

3) B. B. X, 239. 243. 244. 246. 



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unb erfochten $erjog 8lbre<ht oon Dfterreich um $ilfe. gnbe 
©eptember 1388 tfidte biefer tyxan unb befc^og bte ©tabt 
feieren Sage long 1 ). £>ie SBürgerf<haft aber toiberftanb ebenfo 
taufet tote bte bon Wegendburg unb erlaufte ftönig ©enjeW 
Itaterftfifcung, inbem fie ber fitone SBShmen ^ulbigte. <S$ mar 
ein ®lü(f für Satern, baf? ©enjel ju toentg fityrgeij befafj, um 
biefe neue (Errungenfchaft nachbrfidlich ju behaupten; fein £er* 
toürfni* mit Öfterreich aber, ba« ftch an ben $affauer ©iätum* 
ftreit fnüpfte, foUte fpäter auch für bte bairifche «ßolittf ffiidfrtig* 
leit erlangen, ffienjett ©iberftanb trieb ben $ab*burger ju einem 
©finbmffe mit 3oft bon 3»ä^ren (11. 3uni 1389) unb ju bem 
»erfprechen, beffen Söetoerbung um bie beutle Ärone ju för- 
bem. äWehr aW einmal fchon, 1384 unb 1387, mar unter 
ben Äurfürften ber $lan ju ©enjeW Hbfefcung aufgetaucht; 
©enge! felbft fcatte ftch für ben goß, bag feine ®egner ba* 
Übergetoicht erlangten, borfibergehenb mit bem ®ebanfen be$ 
«fidftritt« »ertraut gemalt *). 9tuf Soft fefcte er jeboc^ noch 
*oüe* ©ertrauen ju einer £eit, ba biefer bereite feine Vugen 
auf bie Jtöntgöfrone geworfen $atte. 5)urch ihn lieg er einen 
©chiebfpruch jurifchen ftch unb Dfterreich toegen be$ $affauer 
Streitet fallen. Dtefer trat in ein neue« ©tabium, aW ©iföof 
^ermann jurütfirat unb ber $apft auf ffiunfdh be* Dfterreicher« 
»uprecht nac^ ^aberborn öerfefcte, bagegen ®eorg bon $ohen* 
lohe für $affau ernannte. £)er ftftnig ^iclt gleichtoohl an 
{Ruprecht feft unb fibertrug noch am 17. 3uni 1392 griebrich 
t>on ©aiern, ber immer auf Wuprechtö ©eite geftanben toar, 
3ohann oon ®örlifc unb ^rofop bon SDlähren, ben ©chufc 
Wuprecht« unb ber ©tabt $affau. griebrich jicherte ber ©tabt, 
inbem er biefen @$ufe übernahm, 4000 fl. (Sntfchabtgung ju. 
SRochmal fam e$ }um ftampfe jtoifchen Wuprecht, ben bie ©tabt, 
unb ®eorg bon Hohenlohe, ben Öfterreich unb mehrere be* 
nathbarte Witter, toie 3«^tia* ber fmberer unb feine ©öhne 8 ), 

1) 9lo$ am 24. 3atmar 1389 *erfpra<h er bem Stifte Ärteg^Uf 
gegen bte Stobt E. B. X, 233. 

2) Sinbner 1,1, 366 f.; 2, 48 f. 

3) B. B. X, 292. 




162 $cirattytftie etetfan* nnb feinet €to$nel. 

unterftüfcten. ©pfiter, ba «ityree&t bem i>ä#ili$en ©efefcte 
golge tetftete, fanb ®eorg bon $o$enlo$e leine ©#&terig!eit 
me$r, ft$ int ©tttume feftjufefcen unb im Stooember 1393 
aerftanb fi$ au$ ber JWnig baju, tym bie Kegalten au er* 
teilen, ©eine Vermittlung mit ber ©tobt übernahm juerft 
$erjog $riebri$, bann, ba biefer barüber ftarb, $erjog @tej>$an 
unb (Srabiföof ^iligrim, bie am 7. tyrü 1394 ba* »erfSfrtuug** 
»er! juftanbe brauten 1 ). 

$erjog ®ttpfym, feit 28. ©tytember 1381 s ) ©it&er, 
trug ft$ na# öeenbigung be* ©täbtelriege« mit ^etrattylänen, 
baten politiföer Sorget) ui$t fremb toar. (&x nwßte SWar» 
garete, bie ©ittne be* ermorbeten ftarl &on ©urajjo, Staig* 
t>on Sfltäpd nnb Ungarn au* bem $aufe Sütiou heiraten, 
n>a$renb jnglety fein @o$n Subtoig beren Softer 3o$anne 
$eimffi$ren foflte. Die 85er$anblungen toaren foroeit gebieten, 
baß $wjog Sriebric^ an ben $o$meifter ») borgretfenb förieb, 
bie $o$jeiten feien bereit* bollgogen. ©ir Hüffen ni#t, tooran 
bie ©a$e glei$n>o$l (Vetterte. Über bie f>etrat jtoiftfcn 
Subtirig unb 3o$anne warb au$ fp&ter no# berfcnbelt; ®e* 
fanbte tttb&ig* gingen ju biefem im 3uli 1396 au 
ben $of be* ftönig* 8abt*lau* tum Ungarn, 3o$annen* ©ru* 
ber* 4 ). Da* »erlöbni* foll 1399 juftanbe gelommen fein, 
oftte baß jebod; bie $etrat folgte, £>tep$an aber £at erft 
1401, ju JWln, eine jmette ®ema$lin, ©tfabel$ t>on (Hebt 
heimgeführt 6 ). 

Irat er in feinen alten Zagen normal an ben Sranaltar, 



1) B. B. XI, 10. 3um Gänsen tgl. €r$arb, öe[$i$te ber ©tobt 
$aff<w I» 149f. nnb Slnbner 1,2, 149 f. 

2) €eligent$aler ttetrolog, M. B. XV, 539; toemger genau AnoaL 
Ifediolan., Mnratori, Script XVI, 774. 

3) €>. beffen «nt»ort *om 8. Snguß (1390) bei Voigt, Cod. dipL 
Pruasiae IV, 113. 

4) R. B. XI, 78. 9Zo<$ 1403 tagen bie »riefe, bie *ub»ig« fceiratS- 
gut im Worbgan betrafen, am $ofe t>oa ffleapet; L c. 298, Urt toom 
22. Sprit 1403. 

5) $fiutte, ©itteWoa*. Genealogie 123. 124. 



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@tetöan gegen €Hangftleatto Si9conti aufgerufen. 



fo toar tipn tudf ber SRut au abenteuerlichen ftrieg«t$aten 
no$ ni$t ©ergangen. 9te$mal führte er ein §eer na$ Ober« 
ttalten, gegen einen neuen Ztyrannm, ber bort aufgeftanben 
max, an ®tüd unb 83erioegen$eit afle feine Botganger übet" 
Wetenb. Qiangaleajio ©ifconti, $err oon <ßaoia, ®raf oon 
Statu«, feit 1380 burtfr bie S3ermä$litng mit Äottyirina, ber 
Zoster feine« £>$eim« ©atnaba« SW«conti @tep$an« ©c&toager, 
fctte ffofr im äftai 1385 feine« afrutngälofen ®#toiegcroater« 
unb bet f>crrf#aft über SWailanb bemächtigt unb J387 an$ 
bie ©cala au« »erona unb 93icenja bertrieben. Sängft ftanb 
e« in Stalien fo, bat, **nn «to* grofje ©affent&at gef$e$en 
foUte, bie S3Ude fty gunöc^ft über bie «Ipen richteten. 8u$ 
ber vertriebene Antonio beila ©cala foö, toietoo^l vergeben«, 
bnr$ Vermittlung be« $attta**en 3o$ann von »quileja 
&tep$an um $ilfe gegen ©tangaleajjo angegangen fcaben l ). 
SRittlermeile griff biefer toeiter unb toeiter um fi<$, oertrieb 
im Sdmtx mit SSenebig auc$ ben jungen granj oon 6arrtra 
au« $abua unb betrete glotenj unb ©ologna. Mucb biefe 
3B&$te bauten nun Ärieg«$ilfe oon ben ©ittcWbac^em ju 
erlangen, bie ol« tä$tige gehörten galten unb an ben ober* 
ttalkniföen #dfen bur# tyre matlänbiWen <5&en, ben firieg 
oon 1368 (f. oben ©. 86) unb häufige «Jefuc&e too&lbefannt 
Untren. Die erfte $to!nfij>fung gef<$a$ bur$ ©oten oon gtorenj 
unb Bologna. 3m $>erbft 1389 ging ber na$ glorenj ent* 
flo^ene Carrara fettft über bie ©ctyoeij na<$ SWflnc^en, too 
tyft $#*m ©te)^an f umgeben oon feinem «bei, auf ber ©trage 
mit SRufif empfing unb fetner ©erbong ein geneigte« 0$r 

1) muß um 1888 geftbeben fein, ba Johannes de Moravia (fo 
i£ jn emenbiecen) erft fett Hooember 1887 auf bem 6tnble oon Bauileit 
fag. Ctnette iß Andrea Gataro, Istoria Padovana; Muratori, 
XVII, 768. tfexaeb behauptete ber tömtifebe <3raf oon Ottenburg, ber 
Steta, bie 6<bwefta be* alten gran* oon (Sanara jnr grau batte, 
©tepban babe jmar Qelb genommen, ober fla) nubt gerührt unb babnr* 
Me gebbfebaft be« $atriarefcn att f ß$ gelegen, (griebrieb UL oon 
Ottenburg, auf ben bkfe 9to*rictt jn belieben ift, bürfte alfo oot Mar- 
garete oon 2ctf, bie Snfcb&erg, Oefttfcbte be* $a»fc* ©., 272, ale 
feine einige Qemabltn nennt, eine anbete gehabt baben.) 




IM 



©te^on mit Garrara fcerbttnbet. 



fünfte*). St erinnerte fi$ ber ffi&ren, bie er bei toteber* 
polten ©efu<$en in $abua oon beut Sater be* glfic&tltng* er* 
fahren, erflärte fidfy oerbunben für bie auäjeid&nenbe Sufnafyne, 
bie fo manchem in fabua ftubierenben 8(nge$örigen feine« 
$aufe$ bur# granj unb beffen SSater jutetf getoorben, utib 
geigte 8uft, ben ©turj feine« ©^totegeroater* an ©iangaleafto 
ju rä^en. ©eine gorberung für ein $eer Don 12000 $fer* 
ben, tote e* Sarrara bei ber erften Serfanbtitng nötig ^telt f 
betrug 80000 Qulaten. Coli guter Hoffnung, t>om $erjoge 
mit oier $f erben beföenft, oerabfdfytebete fi$ ber entthronte 
$abuaner unb marb in Stephan« Auftrag oon Otto $ienjen* 
auer unb beut 3figermeifter $an$ ftumerftruder *) bi« jur 
bairifcben ®renje an ben Billertyaler lauern begleitet. 

ffiieberfcolt fam Sarrara no$ nacty SWfimtyen, einmal in 
Segleitung be* glorentiner« $eter ®uajeüoti, ®efanbten oott 
glorenj unb SBologna, unb oon biefem ®efu$e toeg ging er 
mit ©te^an aucfc na$ 8anb*$ut, n>o bie ©tänbe oerfammelt 
waren, ti>a$rf($cinlic$ au$ griebridfr ju State gebogen unb ber 
fjelbjug äber bie filmen enbgittig beföloffen tourbe. 10000 Du* 
taten »urben ©tepfyrn oon ben Florentinern angenriefen, 4000 
oerfprac^ Garrara für Jeben 2ßonat, ba ba$ bairifd&e $eer im 
$abuaniföen toeilen tourbe, unb bei biefem Sbtommen f$eint 
e£ geblieben )u fein, toiemo$l ber ®raf oon Ottenburg Sarrara 
fcor ©tepbanä Unju&ertöfftgfeit marnte. 

3nbeffen genmnn Sarrara in ber SRactyt be* 18. 3uni, 
toityrenb bie ©aiern no<$ untertoeg« toaren, mit fnlfe be$ tym 
treu gebliebenen XtxlG ber ©eWIferung bie ©tabt $abua 

1) ©. bat genauen unb toeitlfinfigett ©tru$t be* Bnbrea Qataro, 
Istoria Padovans 1. c. 757—774 u. 797—804. StateBen lonmten bfc 
onbertn Duellen, Chron. Estense, Chron. Piacent., Annal Mediolan., 
Chronica di Bologna, 1. c. XV, 520; XVI, 568. 814; XVIII, 545-547, 
bie filtere Itagtf. «fronlt, ber 3 in f folgt (@t.-€$r. IV, 91; V, 43), 
tmb %xnptd (Pez IIIc, 368) »eniger in ©etro$t. 

2) 2>iefer, ber balb barauf oft $anj>traann über bie Wrntifcfcn ganbt 
ber ©itteW&acfcer beffcflt tnurbe, tf* bei Jach Master ber Istoria Padovan*, 
ber bort (766) alt geheimer geinb (Sonata« nnb Gegner beft Unter- 
nehmend geföUbert »irb. 



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2)ie »aiern in $abna. 



155 



jurfict Da ft* aber ba« ftafteß no* behauptete unb ®ian* 
galeajjo* gelbfcrr Ugolotto SHancarb brof enb in ber 9?äf e ftanb, 
gab e* für bie ©aiern no* immer eine friegerif*e Hufgabe )U 
ttfen. Hm 27. 3uni rfidfte tfr »ortrab, 600 Weiter, unter 
einem Sertoanbten ©tepfan$, ber ®raf «Iboin genannt nrirb, 
in $abua ein; am 1. 3uli folgte ber $>erjog felbft. ©eine 
ganje ä»a*t betrug etoa 3—4000 »of lauägerfiftete Weiter *). 
$r5*tig teerten bie Sanner be« $aufetf ffittteWba* &or bem 
gtänjenben $eere, aW e$, in je^n ®ef*u>aber geteilt, alle 
unter tüchtigen $auptleuten, jum freubigen Staunen ber $a* 
buaner ©tragen unb $(äfee ber alten SWufenftabt bur*ritt. 
Sarrara f*loß mit ®te$an, beffen ©rfibern unb beffen @of ne 
8ubu>ig, ber fl* au* im $eere befanb, ein ©*u^ unb Irufc* 
bfinbni* '). 

8fo* bie au$ SBerona unb 83icenja vertriebenen ©cala 
festen tfre Hoffnung auf bie batrit*en ©Werter, ffiar bo* 
©tepf an* aHufme, ftaifer Subtolg* Softer Clifabetf, bie ®e* 
maf lin ßangranbe« befla ©cala gemefen 3 ), n>enn fie au* ni*t 

1) Buf 1200 Bpkfa gab $erjog grtebri* bem $o*meifler bie ©tärfe 
be* $eere« an (Voigt, Cod. dipl. Pruss. IV, 113). $iena* finb px 
benötigen ©ataro (6000), ber 8ng«6urger £f roniji (700), bie SRailSnber 
3af rbfi*er (1000 2anjen). fta* ber Cronica di Bologna ließ ©tefcfan 
bnr* feine <Befanbtf*aft, bie am 28. 3uni in ©ofogna ersten , bann 
na* gtoreng ging, feine «nfunft mit 3000 Sanjen raelben. ®tej*an* 
Sefefl »om 24. 3nti 1390 an« ©afferburg an bie Beamten von 9fci*en- 
fall («. fiena* ri*tig R. B. X, 271) iß in feiner tbtoefenfeit, 
loof l »om «ifetum, erlaffen. 

2) datiert $abna, 28. 3uli 1390, ber jebo* ein 2>onner*tag, ni*t, 
toie e9 in ber Urtnnbe (Dr. im tt. fiena* ri*tig B. B. X, 272) 
frißt, dies lanae toar. 

3) 9to* beffen £obe feiratete (ie Ulri* bon ffiirtemberg nnb 1394 
trat fie if rem Cfofne (Bberf arb au9 biefer <5fe alle ifre «e*te nnb tta- 
finrfl*e gegen Verona ab, bie, »ie fie fagt, ifre Settern, ©ttyfan, 3ofann 
trab griebri* fei. Don latent „eingenommen" (Stten. D. n. <5r. VI, 563. 
09 ift fiebei bo* »oft nur an gorberungen »egen tfre« $eirat*gute* 
(f. oben, ©. 84 nnb 109) ju beuten, ni*t etwa an <5rbanforft*e auf 
©erona, »o na* bem Stöbe ton (Hifabetf« ©* »ager (Sanfignorio (1375) 
nur mef r unefeli*e ©dfne ber ©caliger geferrf*t f atten. 



IM 



©finbnif j»if<$cn Stiern unb €>cafe. 



jur ©tommmutter be« GkfältüM geworben toar. 9m 15. 3uß 
1390 f<#o& ©tej^an }» $abua einen triftigen »ertrag 1 ) 
mit ©amaritana be $oIenta, bet ffiünx be« betriebenen 
Änton be la ©cala *), bie juglety im tarnen tyte« nnmünbtgen 
®o$ne« Sanefrance&o auftrat 3n 8nbetrad)t, bog bie eble 
grau unb i$r fttnb „mtber ®ott unb bie ®ere$ttgfett" bet 
§tTX)<tyi\t Aber ©erona unb Sicenja beraubt motben feien, 
öetjpta^ tyneu bet battifäe $etjog für fh$, feine ©rüber 
griebricfr unb Sodann, feinen ©o$n ßubmtg unb — wo* no$ 
in ferner 3^unft nacfyoirfte — für feine unb beten -Rad^ 
fommen mit ganjet üRad^t jnr ©iebererlangung unb meitet 
)ut ©e^aufrtung tyrer #ettfcbaft be$lf(i$ ju fein, gür ben 
gatt be« ®eluigen« aber lieg er fi$ Sortetie oerfprecfcen, toUfr 
bie oeroneftföc $errf$aft in gänjttc^e Hb^angigfeit tum «Jaiern 
gebraut $aben mürben, ©amaritana unb tyt ©o$n mußten 
bann ©atern gegen alle geinbe mit 8u«na$me be« ftaifer« 
betfte&en. «üe tyre ©ctyföffer foüten ben bairiifyn $er)ogen 
offen fielen. 15000 Dnfaten in gutem ©olt> foüten iä&rlty 
auf 2Bei$na<$ten bem äßünc&enet $ofe au«beaa$lt koerben. 
Damit fjtau ©amaritana m$t ettoa frembem (Sinfbif? an$etn> 
falle, gelobt pe, o^ne Stefan« Genehmigung ftc^ nie toiebet 
ju fcerebelicfcen. Unb no<$ me^r: bie jtoet »tätigen ftlaufen 
an ber (5tf$, für jebe heutige Ärieg«ma$t ber ©$lüffel ju 
Italien, mit bem Xuxm unb $au* SRiooli unb bie $errf$aft 
JRetyff (JRioa) mit allen tyren ©efefttgungen finb einen Sftottat 
nad? ber Slikferoberung oon Serona unb SSicenja ben bairifdfren 
$eraogen au«juantn>orten. 81« Unterpfanb erhalten bie ©atem 

1) 9iotariat$urtunbe im Original mit n>otyler$aUeneB Siegeln im 
9ies$6ar4n> (ÄbeUfelett, Herren von ber Leiter). 

2) «Bie tiefer ein naiflrtofrer eo$n be« Sanflgnorio, toax ©il&dra 
beHa €fcala, *on bem bie fo&ttx na* ©aiern eingeroanberten $mtn ton 
ber Setter ober ton Sfcrn (Verona) flammten, ein natfirfofter 6*|a 
Cangranbe« IL, btf ©xnber« be« Sanfignorio. ttemt neuere ©$rift- 
fU&tx berieten, bafi ©ityeim 1389 frUfeflcbenb na* SRfln^en tarn, $ 
fragil*, ob ntyt nnr eine JBer»e$felnng mit bem vertriebenen (Sonata 
vorliegt. 



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gelbjnfl flegeit Oiangofeauo Si9cottti. 157 



riet totytige ftaftefle, bte tebo$ au$ erft ju erobern toaren, 
bannttev ttegnago, ©oa&e Sftlty oon Serena unb $ef<$iera 
an ®arbafee ©tfdfrof 3o$amt t>o* fltegentburg, ber tfingere 
Shranj Don (Sonata , $erjog griebriefr oon Xed unb mehrere 
Stttter »aren alt Beugen bei bem «bfdfrluffe bkfet Vertrag« 
{»gegen. ©o minfte ben ffittteJWbac^em bie »utfid&t, bie mit 
bem aufförnung tyret $aufet unb bem Wufyne tyret «$nen, 
bet großen Otto, fo eng öertaübften ©ßbpforten ber Silben 
tmb ungefähr batfelbe öebiet, bat Mefer gftrfi torje 3ett aft 
©raf befcrrföt $atte, in tyre ®etoalt ju bringen. 

Uitjtoeifeltyaft ftonb et nun im 3«Mmen^ang mit biefem 
Sbtommen, ba§ um biefelbc 3eit in Verona unter 8uf$iffung 
ber bomfe^en ga$ne *) jugunften bet Jungen granj beüa ©cala 
ein Änfpanb au*fera$. Von beffen ®eßngen $ing et ab, ob 
bie batrtftyen 9Ka$tträume fk$ oerfeirKkfcn liefen. ®ian* 
galeajjo* §e(b$err fflfoncarb aber machte aflen Hoffnungen ein 
taf$et Cnbe, inbem er bte Setoegung in Verona mit föred* 
tigern SMutoergiefen fogleidfr unterbrftfte. Qiefem gelbftrrn, 
ber auf ber ©trage gegen Vicenja flanb, toarb bann, nrfe et 
Weint, ber grtfere lell ber SSaiern eutgegengefd&Wt. Unter 
gß$rnng bet trafen oou fiarrara, granjent ©ruber, bejiegten 
fie ben geinb, ber 300 befangene in tyren $änben Heg. (Einige 
Seit ftanb bann @tep$an mit »aiem unb 3taftenem in 
©. URartino befla Vanegia bem geinbe gegenüber. Km 27. fto* 
guft toarb bat ®$lo§ oon $abua fibergeben, in ben folgenben 
Socken au$ bat Sanbgebiet feinem früheren $erm toieber 
untertoorfen, ber (an 8. September in ©egentoart ©tepfrmt 
unb Sintbert bairif^er Wittel feinen erneuten Stegierungtantritt 
fefttid^ beging. Von glorentinem toirb ©tepfcan bet Verratet 
bejföulbigt 3 ), n>a$renb Ärnped im Gegenteil meint, bie glo* 

1) %üt btt fcterte Stalten, Horiliaz, fUtbe t<$ emd^ bei De Scolari, 
J Cutelli Yeroneti im Archirio storico Veronese X, 17 f. feine <5r- 
BJtatag. entfernt astttittgenb ifl nur Owenigo, naty Bei (Etynfa. 

2) gn$ bit ttotognefen rfidtett mit einem ftairifd&en ©airaer aus 
Oronica di Bologna, 547. 

8) U. 0. Dati, Lrtoria di Firenze, 1785, p. 31. 




6tetfan in «out. 



rentiner Gatten t$n um feinen ©olb betrogen, (Bataro aber 
berietet, (Sarrara $abe unter Dielen Danfeflbejeigungen für fi$ 
unb feine SJerbünbeten tym me$r bejaht, aW er fäulbig mar. 
Serona unb Stcenja jebod^ blieben ben ©cala oerloren. Kot 
3. Ottober ging @tep$an na$ gerrara unb vermittelte bort 
ben grieben ber Ciga mit bem SKarfgrafen Älbert oon (Sfte* 
3n $abua foH er, nacfcbem fein $eer fi$ aufgelSft — einjefote 
blieben jeboefr in (Sarrara* Dienften jurücf — mit frönen Brauen 
in ©au« unb Srau* feinen ©olb bertyan $aben. ©et einem 
©efucfc in Senebig marb er oon ber ©ignoria $o# geehrt. 

Dann führte ifyt bie Seier be* 3ubelia$re«, bie ©dfraren 
bon gremben berfammelte, au# na<$ Wom x ). SDtit greuben 
empfing $apft ©onifaj ©te^an« Anerbieten, bog er bei feinem 
©dbmiegerfo^ne in granfrei<$ unb fonft in ber £$riften$eit 
ba$in mirfen moüe, baj$ ber ©egenjKtyft sur Untermerfung be* 
ftimmt »erbe. Äüe $riftli#en gürften mürben bur# p&pftticfc 
©uüen gemannt, bem ©aiernfceraoge, ma* bie Beilegung be« 
©$i4ma* betreffe, unbebingten ©tauben ju fcfcnten. 3ut 
{Belohnung unb (Sntfcfcäbigung bemiQigte ©onifaj bem $erjoge 
einen 3a$re$je$nten bon allen lir^Ii^en ©nffinften in Saiern *). 
Da* tägliche Hoemarialäuten in {Rom unb anberen ©täbten 
Italien« gefiel @te£$an fo gut, baß er (gemeinfam mit feinem 
©ruber griebri$) oom Zapfte einen ©efe$l ermirfte, mona$ 
ba«felbe au$ in Saiern eingeführt merben foüte 9 ). Darf man 
einer 9ia<$ric$t au« bem Stephan mifejünftigen Hug*burg 
(glauben Renten, fo $at ber ^etjog in {Rom gar ärmlicb unb 
unffirfilkb gelebt unb ift au« SRangel an genfigenbem {Reifegelb 

1) @$on 13. Wo». 1389 batte Jebo* yopft ©onifaj ben brri bat- 
rifäen $erjogen mit brelßig anberen Verfonen, toenn fie nur toter &ir$en 
befugten, ben an ben 8efu<$ ber tömif^en Jttafcn gelnfitften toHfUht- 
bigen tblafi gemärt B. B. X, 255. 

2) fta^natb 1390, § 6; 2). tt. fL II, 373; Sfartijen an« ber 
©arbertntfcfcn ©ibliotfref im Dberbcujer. «ta$H> I» 117 . mo icbo$ bk 
übergetriebenen Tanten ber $fitfe meifl nu$t fHmnten unb ber Äoramentar 
ber ftegeßen („beft$t barin, baß fie tm^anben Pub") attjn bfirftig ge- 
raten ift. 

3) M. B. XX, 54. 




©ittel«ba<h mtb ««conti. 



heimlich tote ein tilget, mit ©chimtf urtb ©chanbe f^xau 
gefehlt $)a§ et in Statten im ganjen nicht* Namhafte« 
ausgerichtet, ben ©nbrucf ^atte man bo<h auch in Satern *). 
9m 10. gebruar 1391 urtonbete ©tephan nrieber in SWünchen '). 

Einige 3a^te barauf fam ein neuer, ber Dterte $eirat«bunb 
jtmföen ben ftfufern ©tttettbach nnb Stöcontt juftanbe: $eraog 
3ohann« ©ohn (Srnft führte ©ifabeth, bie Softer be* ©arnaba* 
S&ftonti heim 8 ). SRoch t>cutc fleht man in Saneberg tote auf 
bem Stowt ber alten $erjog«burg in SWfinchen unter falb 
erlogenen ©api>enbilbew bie aufgerichtete ©erlange ber S3i$# 
conti @o mar reichlich baffir geforgt, baß ttalieniföe ©nflfiffe 
auc^ nac^ Äaifer Subtoig* £obe in ©aiern fortoirften. 9n 
Sleichtum, ®lanj unb $runt fiberftrahlte ber $of ber »fccontt 
ben toittettbachtfehen ebenfo meit, urie bie ©ürgerfchaft bon 
Sföaitanb unb $abua au ©ohl^benheit unb SKlbung Jene oon 
SWfinchen unb 8anb«hut. Literatur unb ©iffenfehaft fonnten 
»cm ©üben belebenben $auch empfangen unb toelcfc« Äunft* 
toerf in ©aiern lieg fleh mit bem unter ®aleajjo begonnenen, 
jum Zeil burch beutföe ©aumeifter aufgeführten ÜDtotlänber 
Dornt Dergleichen I Sie anber* aber ftanben in Söatem bie 
dürften ihrem 93olf gegenüber aW bort bie SStecouti ben gittern» 
ben Untertanen ! ©ah man boch bie Styratmet ber altrSmtfchen 
3mperatoren nrieber aufleben in jenem 8arnaba* SSteconti, 
bem Jegliche ©egier sur grenjenlo* umherbringenben ©ut au$* 
artetet Die ©efriebigung, mit ber bie ffiitteWbacher ben glück 
liehen (Segenfafc ^eimifd^er 3uftänbe ju folcher ®etoaltherrjchaft 
empf nnben höben mögen, pnbet einen frönen Än«brucf in bem 
ftoljen ©orte, ba« ©tep^an bem ftneijjel gegenüber bem ftaunen* 
ben aWaüänber dürften unb beffen Söflingen in ben SRunb 

1) Brnfcd. 2>agegcn liegen Unfemitttt«, $arteitt<hteit nnb @tfm5h* 
fn<$t in bem Urteil be9 $aut »ergertn« über Stephan (Verci, Storia 
della marca Trivigiana XVII, Doc. p. 51) auf ber $anb. 

2) R. B. X, 281. 

3) 2>ie er#e Vbrebe gef*ah int ©tytember 1894; ber ©efrattuertrag 
batkrt tom 26. 9an. 1896; f. bie UrfaitbenanSjüge bei Oefele II, 
199. 200; R. B. XI, 68. 




MO Snbtotg im Satt unb GHaumaftittO IHlconti. 

gelegt »itb 1 ): bei tym badetet fei niemanb, bem et rAäft ge* 
traft fein Sebett anoertrauen, ix beffen @$o§e et ni$t altem 
unb unbetoaffnet fid> gut 9tu$e legen mityte. 

Setfolgen mit biefe italieniftyn 9e|ie$ungtn bet Slteften 
fcatriföen önie »eiter, fo ftabm tortr au$ tyätet no<$ 6tep$an6 
©o$n Subtoig al* ©egner ©tangaleajjo*. «m l. 3mti 1396 
betfcfabete et fU$ gegen Hefen mit «Wobanni SWaffino (GHan- 
maftino) »rtconti, bem ffinften ®o$ne U» ©atnaba*, nnb bem 
•tafen ©etn$atb bon «tmagnac *) unb am felben läge er- 
langten bie SSertönbeten wm JWnig ftatl bon gtanfreidf, ben 
ßubtoig but# feine ®($toefter befrerrfctyte, ein fnlfSöetfote^en. 
Sind Danttarfeit fefcte SRaftino 1397 «ubtoig für ben brttten 
Zeil feiner ©fiter unb 16000 fl. bat $mn Srben ein. 
toig* flrrbanforfidfre nmrben iebo$ ton Seite bet ©tteonti I406 f 
in meU^ern 3a$re ©ianmaftino ftarb, mit bet fftfötang jurfi* 
gettriefen, ba§ beffen §errföaft« maittnbifctye fielen getoefen 
unb nunmehr fcimgefaOen feien. SXhdo^I bann (1406, 
duni 26.) ein gfitltye* «Wommen jurffaen Sufotoig unb SKat* 
tanb, mie e* f($eint, juftanbe tam f griff ßubtoig mit bet i$m 
eigenen $artn&figfeit no$ na# langen Sauren feine 6rftanfprft$e 
toiebet auf unb berlangte, auf fie geftflfet, 1428 bon Seitebig 
bie $erautgafe 9ergamot obet anbetet ©fiter ©tanmafüno«. 
Die Hnttoort bi* Dogen n>at eine entfefriebeut, abet toie e« 
f*eint, Wtkfc «Meinung »). 

SWittlmoeUe $atte ©tttettba($ no$ einmal — unb bie« 

1) Andreas RatUpon., Oron. Bar., p. 96, $len*a) Btentin DI, 
479 unb in feiner fltytonif. $efan8tU$ nritb betfetbe ftatfytm} au$ 
*on anbeten, ni$tbairif$en gürften berietet 

2) ftatl 8i«contt, ein Sttetet €>o$n be€ ©atnaba«, mat mit einet 
$t$fht ton ttmagnac toetmtytt Sin ©taf fton «tmagnac toat föon 
1392 gegen aiangabaj}* §n gelbe gejogen, in 4kfangeitf4*ft geraten 
nnb ftatb batanf geflotben. Sebret, flkf*. bon Stallen V, 478f. 

3) 0o fciel etoa Iftfct fte) an« ben ttegefteu im ObetboMx. «rttf* 
XXXII, 64. 66. 67. 73. 74 nnb Sang, fttburfg bet Wttige 30. 31 
(rno SfofHno ttrig all ein beaa Scala t>on 8etona be^el^mt fctab) tratet 
ffctgfcfctmtg ton Litta, Visconti, Tav. V nnb 3eo, *ef<$. Stötten* 
in, 325 f. entnehmen. 



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©drifte t*rrfd>aft in ©Btj 1385-1392. 



161 



mag nid&t o$ne ©nflu§ auf ®tep$an« (Stttfd^Iug jur ttalienif<$en 
ftrieg«fa$rt geblieben fein — fa bett inneren Äfyen, an ber 
©$toefle Stoßend $ufc gefaßt. 9?a<$ bent fcobe 3ßetn$arb« VII. 
t>on ®5rj (1385) ergriffen beffen ©d&toefier unb beren ®ema$l, 
$erjog 3o$ann Don SBaiem, bertrag«mä§ig oon einem XeUe 
ber gfrjifäen Sanbe ©efife. 3n ben folgenben 3a$ren erfd&einen 
fit u. a. al« Citren be« ftaftefl« ju (Sremaun (Cormon«?), 
ba« unter bent tarnen ©<$tt>anen$au« aufgeführt toirb, ber 
Ortfc^aft Ciflatoarba, ber gefte ©d&önedf, be« lurrne« »oget 
bei »e£fo($, eine« Drittel« ber ©tabt ©artlafon, ber gefte 
{Helfenberg, be« 9ieu$aufe«, unb außerhalb ftärnten«, jtoifd&en 
<Sifa* unb ®röbnert$al ber falben gefte (Saftelrutt l ). S3on 
ben im ®5rjif<$en erhobenen tyütn mar ber ju 5Eoblac$ be* 
fonber« einträglich, ba #er au« beut $uftert$ale ber btel* 
befahrene $anbel«tt>eg bur# $8$lenftein unb Ärapejjo na$ bem 
$enetianif$en abjtoeigte. ©etyon 1378 hatte $eraog Sodann 
t>on feinem ©Enniger üßein^arb für bie 9tegen«burger ©e* 
freiung öon biefem 3°^ ermirtt 2 ). 81« 8anbe«hauj>tmattn 
Aber f>erjog 3o$amt« ffirntif^e ©efifcungen bie«« unb ienfeit 
be« ftreujberge« (ftreujfofel, f. b. 8ienj, ober Monte S. Croce 
bei STOauten im ®ailt$al?) marb ber batriföe 3figermetfter $an« 
Stumer«bruder eingelegt (5. ©ept. 1388). (Eben biefem bet> 
pffinbeten $erjog 3o$ann unb feine ®ema$lta am 17. gebruar 
1389 für 6000 ungarifäe ®ulben, bie pe i$m für ftoft unb 
rubere« föulbeten, aüe ©ctytöffer bie«feit be« ftreujberge« unb 
bie ftnntelburg *). ©i« batyn hatte ft<h £>erjog 3ohann 3Utoetlen 
in feinem neuen ©efifce, meift, tote e« fcheint, in ßienj auf* 
gehalten. Dem öfterrei<hif<h gefilmten 4 ) ©ifd^ofe 3ohatm bon 
©urf, ber bie $ormunbf$aft über be« ®rafen Steinhart ®3$ne, 
$einrt<h unb 3ohann SWelnharb führte, half e« nicht«, ba& er 
in beren Stauten ba« toohlbegrfinbete bairifche Srbre^t anfo<ht 
Die $erjoge ©tep^an Don ©aiern, Seopolb unb nach beffen 

1) R. B. X, 188. 189. 212. 213. 248. 310. 312. 

2) R. B. X, 12. 13. 

3) R. B. X, 228. 236. 

4) 6. bic «egeffcn 2241. 2269 bei «i<$noto«ty IV. 
«teilet, «eft^te ©aterni. in. 11 




162 



$crt<raf bet gBrjtf^en Sanbe an £)ftemi($. 



5Eobe Wibrecht bon Öfterreich mürben als ©chieMriihtet, bet 
©urggraf griebrich bon Dürnberg ato Obmann ge&ählt unb 
bie ©ptflche Stefan* unb be$ ©urggtafen bom 14. 3uni 
1390 unb 13. gebtuar 1391 fptachen bem $etjoge 3ohamt 
ein drittel be* getarnten (Btbe* ju, ba« in biefen Utfunben be* 
Stieben totrb aW bie förntifche $faljgraff<haft, bte ©tobt unb 
geftc ®5rj, ©urg ÜÄi^eWbutg im $ufterthafe, ©tabt Stent 
mit bet benachbarten gefte ©rucf unb bet ßienjet «laufe *)• 
Da fi$ bie btei bairifchen ©rfiber für} borget auf ^farnnten* 
n>urf aller ihrer ®ebiete geeinigt Ratten, mürben auch bie tm 
tolttettbachifchen Anteil bet görjijcben Sanbe fifcenben ©eamten 
angetoiefen, aöen brei $erjogen ju ^nlbtgen (15. 3uni 1390). 

3nbeffen u>at bie neue Srmerbung boeh ju entlegen, al* 
bafc bie ©ittefebafyr großen ffiert barauf gelegt Ratten fle 
feftju^alten: balb fugten fie in in ihrer Seräujjcrung ein 
STOtttel jur äbhilfe bringenber ginanjnot. Öfterreich ^atte 
längft begehrliche Äugen auf bie görgifchen Sanbe getoorfen, bie 
im ^uftettbale bie S3erbinbung feiner ©epfcungen unterbtachen. 
Huf einet 3ufammenhtnft aller beteiligten ju ©aljburg ber* 
fauften nun bie ©aiern (25. 3uli 1392) ihre gSrjiföen 8anbe 
für 100000 ungariföe ®olbgulben an ben $erjog albrecht 
bon Öfterreich f bem bet ©tfchof bon ®urf bie aDtitbotmunb* 
fchaft übet bie jungen ®5t|et ®rafen übertragen hatte unb fo 
lange, bi* bie ftauffumme jurfiderftattet trütbe, bie ganjen 
gSrjtfchen Sanbe auäanttoortete. Doch tooßten fleh bie ©aient 
nicht iebe «uSpcht auf bie 3ubtnft berf fliegen : für ben gall, 
bag bie jungen ®rafen ton ®örj ohne mannliche (Erben ftfirben, 
UKirb ihnen bon biefen bet Änfatl bet ganjen ®taffchaft ®8t$ 
jugepchert *). 

(Einen anbem ÄBeg jur ©etbefferung ihrer ginanjen hatten 
bie fterjoge jugleich mit anbeten »etehäftänben unter gfihrung 
be* Äöntg* einige 3ahre borher betreten. SRachbem bereit« 
fechSunbbreiftg 3ahre feit bem großen Subenmotbe im Weich 

1) R. B. X, 269—271; D. n. ör. VI, 543. 

2) R. B. X, 311. 312; gitftnotott? IV, Heg. 2286—2288. 2324. 




3nbeii#ünberro!g. 



t>erftric$en »aren, fanb ffienjel bie 3eit )u einet neuen fyffr 
matifefcen $lfinberung be* öerha&ten (Stammet gefommen unb 
fefcte (1385) bie ©eträge ber bei ben 3uben aufgenommenen 
Bulben herab. Die ©tobt Stegendburg f »o bie ia^Iic^e 
3ubenfteuer unb ba$ 3ubengeri(ht oon ben ftönigen an bie 
bairifchen $erjoge oerpfanbet mar, fieberte fU$ tut* bie 3a$* 
lung oon 5800 ©ulben an $erjog Wibrecht oon ©traubing 
©eteüigung an beut (eisten ©etoinne 1 ). 3m ©eptember 1397 
entfötoß fi<h 2Benje( ju einem noch rabtfaleren ©erfahren unb 
etflätte aüe in ©aiern, ©dfrioaben unb gtanfen bei 3ubtn 
gemalten ©Bulben einfach für ungiltig; e$ oerftanb fleh Don 
felbft, bag bie auf biefe Seife (Sntlafteten beut ÄBnige einen 
Anteil Dom Oetoinn ju jaulen Ratten, $erjog griebrich ent* 
richtete ihm fär feine Sanbe 15 000 ® ulben, bie 8tegen«burger 
15 $rojent. ftriebrich, ber auch bei ber Webultion ber 3uben* 
fchulben oon 1385 föon $ätig getoefen, »ohnte im ©eptember 
1390 bem Nürnberger Stellage bei, »o bie neue STOagregel 
oerfügt mürbe, unb befanb fid? unter ben fech« ©eoollmachtigten, 
bie SBenjel jur Durchführung ber ^Ifinberung befteßte *). Da* 
mal« toarb auch Dorn ftSnige ein neue* SWünjgefeft erlaffen, 
unter 3Bitn>irfung ber bairifd^en fterjoge, toa« biefe jeboch nicht 
^inberte, balb barauf (15. unb 24. 3uni 1391) ihre befon* 
beren Sßünjoerträge 5 ) &u fliegen, bie auf biefe« ®efefe leine 
«ftffi^t nahmen. 

@o ausgiebig bie ftaanjieüe (Erleichterung getoefen fein muf, 
meldte ba* gemaltfame SSorge^en gegen bie 3uben ben $er}ogen 
geroährte, fie reifte boch ntc^t hin, ba* äWi&oerhältni« autyt* 
gleichen, in bem ber Sufioanb breier Hofhaltungen unb einer 
foftftrieligen äußeren ^olitil ju ben regelmäßigen (Sinnahmett 
ber $erjoge ftanb. ftaifer Subtoig* Cnfel befanben fitfy nicht 
mehr in fo glfidlicher Sage nrie be$ ÄaiferS ®$f>m, bie, banf 

1) 2). 8t *. I, 461. 468. 506-508. $egel in ben 6t.-C$r. I, 
Ulf. 2rain, Öefä. ber Subeu in ftegentfarg, in 3flgen« 3eitfc^r. 
f. W*. Xheologie VII (1887), $eft 3. 

2) 2). tt. *. II, 284 f. 292. 327 f. 356; et.-C$r. I, 26. 

3) O. n. Cr. VI, 546; R. B. X, 291*. 3). 8t *. II, 291. 



11 • 




164 Spanmrog |toif$en $erjog Softutn unb bat ©rfibcrn. 

bett ßanbertoerbungen tyre* ©ater*, ntyt an ber ©<$ofle au 
lieben brausten, unb tote oft toaren felbft bicfe m$t int ©tanbe 
gctt^fen, tyrer @tanbe$e$re toüauf Oenflge }u t$un. ©o tourben 
betm unter ber {Regierung ber brei $eraoge, filteren tmeber* 
Rotten 3ufi^emngen sunt SCrofc, oon ben Untertanen außer* 
orbeutli<$e Steuern eingetrieben, toel^e bur# ic^rli^e ffiieber* 
Ie$r nun )utn ®etoo$n$eiWre($t ju »erben breiten, bie Un* 
juf riebcnfcit aber, bie barübet entftanb, führte ju einer Xeilung 
Ältbaiern«, bie an Dauer unb @$5bli$feit ber Solgen bie 
früheren Setlungen no$ toeit übetbieten foflte. 

©on ben oberbairifd&en ©tänben unb oon beut ru^igften 
unb friebliebenbften ber $erjoge laut, toie e* fcfcütt, biennal 
ber Staftoß au ber unfeligen üRaßregel. 3e eingejogener $erjog 
3o$ann lebte, um fo fernerer empfanb er bie mangelnbe @elb* 
ftänbigfeit gegenüber ben oerfötoenberifety ftirtf$aftenben ©rfi* 
bem. Die Spannung gebie$ fo toeit, baß er na$ ©eenbigung 
be« großen ftirfynfefte*, ba* SRünc^en bamatt beging, gerabeju 
jum ftriege gegen bie ©rüber rfiftete unb eine SRenge SSlbner 
in feinen Dienft na$m 1 ). 8m 8. September 1392 berbanben 
er unb fein Sofyi firnft in Hnbetra^t ber großen ©efötoerben, 
bie bem oberbatrifd&en 8anbe au« ben außerorbcntltyen ©teuere 
unb Ungelbforberungen ertoityfen, fi$ mit ben Stänben Ober* 
baiern*, btefe* SS erberben ab}utoenben unb bie ©rüber )u bitten, 
baß $tynli$e* ni^t me$r gefd)a$e '). Hm 21. September entriß 
er bur$ ©efefcung ber SReuen gefte in STOünd&en — bie Site 
toar oftiebie« in feinem «tteinbefifc — Stephan feinen einjigen 
Stü^unft in ber $auptftobt s ). ®lei$too$I fam e« bann }u 
einer 3ufammenfunft ber brei $erjoge ju 8anb«$ut, bort aber 

1) 3m Oftober 1392 erhalten bicfe ba« erfle 8iertdia$r«gc$alt; R. B. 
I, 316. 

2) Hut)ftge ber Urf. bei t>. gre^Berg, $ef*. ber batr. Sanbflbtbe 
I, 279; R. B. X, 314. tngefi<tt6 Hefe» 2>otamente« m3$te i$ ut^t 
mit Stnbner 1,2, 126 bett «ttfloß jnr Sanbctteilmig barin bernraten, 
baß Sopran fo^fa^renben ©ittne« getoorben fei, fettbem feine Softer 
bie StBnigtfrotte trug. 

3) Mxnptd bei Pez, 369. 436. 




fianbtftettnng ton 1392. 



165 



tum ©eföluffe einer neuen Sanbtfteilung (18. Oft.) (Sin Äu*» 
fäufc ton oierjig fetten be« OberlanbeS, oierunbjttanjig oom 
Äbel unb fe#je$n Don ben ©täbten, foQte na# ü)?fin<$en ein* 
berufen »erben, um auf Orunb ber t>on ben Jöeamten oor* 
gelegten 93erjeic$niffe ber ©nfünfte baä Oberlanb in jtoei 
$älften )u teilen, um »el$e ©tepftm unb 3o$ann ju lofen 
Ratten. iRieberbaiero (o$ne Straubing) toarb im oorau* bem 
$erjoge griebrty jugeji^ert; ergäbe fty ieboc$, ba& bie (Sin* 
ßnfte bie|e$ 8anbe$teil* jene ber beiben oberbairifäen Seile 
fiberfticgen, fo foüte griebricty bie ©rüber für feinen Überzug 
entföaoigen 1 ). 

ÜRit $erjog 3o$ann »ar föon bei ben SBernridlungen oon 
1384 bie ©tabt 2Rünc$en eng oerbunben. @ic$er »ünföte fic 
au$ iefct unter feinem {Regiment alä be* milbeften unb lanbe** 
Däterli^ften ber brei gürften ju bleiben, toünfc^te biefer ftn* 
mieberum ni$t oon feinen treuen 9Rün$nern getrennt ju »er- 
ben — unb ba« 8o« entfpracfc biefen ffiünföen. 3n ber lev 
Iung, bie am 19. SRooember 1392 beurlunbet toarb 2 ), erhielt 
3o$ann bie füblic^e $>älftc JDberbaiern« mit 2Rün<$en, baau im 
Horben bie Smter ©<$»anborf, JRegenftauf, Sengenfelb, Sei* 
ittrg, $emau, {Riebenburg, JBo^burg, {Rotfymed, Pfaffenhofen 
unb bie ffiegenäburger {Redete, ®tep$an fiel ber norbtoeftlic^e 
Zeil OberbaiernS mit Sngolftabt ju, baju im Su&erften ©üben 
bie (geriete Kattenberg, Äufftein, Äifcbityel unb jnrifäen bem 
SRfin^ner unb 8anM$uter Anteil bie Ämter SBafferburg, galten* 
berg, Ältng, ferner bie f$»ä6if$en Jöepftungen, meift läng« ber 
Donau: $ö$ftfibt, Sauingen, gaimingen, ®unbelfingen, (Siengen, 
SBartftein, 83eigen$orn, ©uc$ unb ba« ganbgertyt ju STOar* 
ftetten. $fanb£erren ber oerfefcten Sperrenden unb frfin* 
Rf$en ©üter — bort u. a. ber ffia<$au unb ©pife 3 ), $ter 
be* |>eiIbronner £i1fnttn& unb ber früher an $o$enlo$e unb 
©firjburg, feit 1387 fämtttcfc an ba« festere ©i*tum Oer* 

1) ». gte^berg I, 280; R. B. X, 315. 318. 

2) 0. n. Gr. VI, 561. »gl *. ©prnnet« Äarte Via. 

3) 1391 toirb ou$ bie gcfte örfinburg an ber ©teier at* fielen ton 
ben bairtföen $crjogen genannt; 2i($noto«tv IV, Äeg. 2247. 



166 ganbe9tettnng4*ertrag t>on 1392. 



^ffinbeten 1 ) ©urgen 9tot$enfeK, ©emönben, 3ogftfctb unb 
8auba — blieben bic Oberbaiern. f$ür ben gafl, ba§ bie 
©traubtager 8inie Je i&re 9tof|>rüc$e auf Oberbaiern erneuem 
fottte, einigten ft$ ade btei ©rfiber auf gemetnfc$aftlic$e Hb* 
toe^r. Äud& fonft fehlte e$ in biefem feit beut Sertrage oon 
yatsxa toic$tigften $au6gefe$e ni#t an Seftfefcungen, bie ber 
abfielt bleuten, bie ©nigfeit ber brei ©onberregierungen au 
fiebern unb i$re enge 3 u f a mmenge$3rigfeit nadf tote bor ju 
bezeugen. ®egen ade 9lac$barit oerbinbet bie ©rüber ein gegen* 
fettige* ©ünbni*; au<$ fofl o$ne ffliffen unb 8?at ber anbern 
leine Stnte einen namhaften ftrieg anfangen, @ie$t fu$ eine 
State genötigt 8anb &u oerfaufen, fo $at |te baäfelbe yterft ben 
beiben anbern Sinien anjubieten. ©ei ©trettigfeiten jmif^en 
jiuei Staien toirb bie britte at« Vermittler befieflt, beim Su«* 
fterben einer State im SWannflftamme bie beiden anbern aW 
(Erben. Sie fcinterlaffenen £ik$ter $aben nur Änfpru^ auf 
ftanbeägemä&e ©erforgung. Da« agnatiföe ^ßrtnjtp ber ffirb* 
folge, ba« im toittettba^iföen $aufe oon iefcr gegolten $atte, 
tourbe $temit juerft gefefelicfc feftgefteüt. 3>n ©tanben galt 
ba$ 3«fl^Pänbni«, ba§ feine nötigen Ämter mit »ufllänbern 
befefet toerben bürften. äm £age ber 8anbe$tetlung umrben 
au# ben ©tänben tyre alten Weckte unb fjretyeiten beftätigt, 
toä^renb btefe tyre (Staung gegen ettoaige Übergriffe ber ^erjoge 
erneuerten *). 

€3 ift frier ber geeignete Ort, einen ©lief auf ben 3u£bau 
be$ frerjoglicfren lerritorium* jurüd jumerfen, ber au<$ in biefer 
$eriobe niifrt ftiflgefianben mar. $atte ber foftfpielige ©tfibte* 
Weg bie $erjoge gejtoungen, bie fterrfefraften glo§ unb ©Stben* 
bürg, bie Pflege »uerburg unb anbere ©fiter a« fcerpfänbett 
fo mürben btefe oorübergefrenben (Entäußerungen bur<$ bauernben 
Srtoerb bo<$ mefrr att aufgetoogen. ©eit ifrnen burdfr bie 
tiftttfefrabigung für ©ranbenburg SWittel jugefloffen untren, liegen 

1) R. B. IX. 379; X, 73. 74. 202. 203. 

2) R. B. X, 317. 

3) R. B. X, 227. 232. 233. 252 




Erwerbungen bet $erjoge in ©<$toaben unb ©dem. 167 

bie $erjoge nicht leicht eine (Gelegenheit ju ganbfauf im Innern 
ober an ber Orenje ihre* üKachtgebiete* vorübergehen. Die 
$errf$aft ©artftein, bie mir unter ©tephan« Anteil aufführten, 
toar erft im 3ahre ber Teilung um 3000 Dufaten vorn ®rafen 
£>einruh Don ©artftein ertoorben loorben 1 ), bem Vertreter 
eme* fchioabifchen, aber Won lange am totttel$ba$if$en $>ofe 
$eimtf$en unb in bie batrifchen Angelegenheiten verflogenen 
^>aufe8 f ba$ mit $etnrich$ ©ohne $an« in ber erften $älfte 
be$ 15. Oahrhunbertä etlofd^. ©artftein toar ber am toeiteften 
nach ©eflen oorgefebobene $unlt ber toittel«ba<hifchen {Bedungen 
in ©chtoaben; bie Jefet jerfaüene ©urg, nach ber bie $errfchaft 
ben Sßamen trug, liegt am linfen Ufer ber Sauter bei Crb* 
ftetten. 3»« 3<*hre nach bem Hnlauf tourbe bie §errfchaft 
an ÄBalther oon ftönigäed oerpfanbet, 1432 aber aurfidgelöft *). 
©eitere (Srtoerbungen an ber fehtoabtfehen ©renjc toaren bie 
©tobt üKonheim, 1379 um 5500 ungarif(he ©olbgulben oon 
SRüpTttyt oon ©edenborf erlauft, unb bie oon ben $er&ogcn 
als Sehen^herren oon ber ©ttioe ©alther« oon greiberg unb 
beren ©ohne Heinrich um 4000 (Sulben jurüdgefaufte $err* 
fchaft Stettenberg am Sech 8 ). Die größte ÜJtaffe beä neu« 
ertoorbenen ©eßfceä aber lag in 9fteberbatem ; fo ba$ (Erbe 
©chaetger* be* SCufchel« mit ben gefien ©ätbenau, $er!heim, 
gering, ba$ bie $erjoge 1378 um 1200 $funb Pfennige oon 
ben Neffen be* Srblaffer«, $rofef oon ffiolfenberg unb ©«heim 
unb ©tephan ben SWautnew ju Äafcenberg fauften; fo ber 
SBarft (Sanghofen, $errfchaft unb ©urg ^aumgarten unb ber 
©tetn ju ©anbbach, bie ba« 3ahr barauf oom ®rafen $einrt<h 
ju Ottenburg um 1100 $funb Pfennige ertoorben tourben; 
fo bie fterrfäaft fcetöbach mit ben ÜKfirlten grontenhaufen, 
$Ufting, (Sffenbach, unb bie $errf<haft Seonberg mit ben STOärften 

1) B. B. X, 304; XI, 2. 8gt. au* D. ©tfilin, ffiirt. <Bef*. III, 
349. 657. 

2) 1398 hatte €>tty$an feinem ©ohne Snbtoig jtoar bie tto«l3fung 
©attflein* ertaubt, ba« 3a$r barauf erf$eint et aber no<$ att töaigt- 
edtfacr $f<mbbefi«; B. B. XI, 125. 135. 

3) B. B. X, 30. 195. 




168 



HuSbau bet $erjogtt$en fcerrüouiun*. 



2$ann unb ©teinfcim. Xttibati) lauften bie $erjoge 1386 um 
26000 ungarifäe ©ulben Dom S3i«tum Wegenflburg, Öeonberg 
Don ben gräflichen ©rübern }u Ottenburg *). . S3on Glifabety, 
ffitttoe be$ ®rafen Utric^ Don ©cbouenberg, ging 1377 bie 
$errföaft 3ulbcu$ am linfen 3nnufer gegenüber JBraunau ju* 
näc^ft al* $fanb um 8000 p. an bie Diet $erjoge über; 1382 
Derjictyteten bie Orafen Don ©$auenberg auf ben ©ieberlauf *). 
Die $errf$aft ffiörty an ber Donau mar Dom ©ifäofe 3<>* 
$ann oon 8tegen«burg an #erjog SUbre^t Don ©traubing Der* 
fefet, ber fte 1387 um 14222 p. auf fünf 3a$re an ©arbara 
bie ftamerauerin toeiter Derpffinbete •). iRacfr bem lobe be* 
legten ©rafen Don $al$ (12. üßarj 1375) Ratten bie §erjoge 
gegenüber beffen fxropterben, ben ßanbgrafen Don 8eu$tenberg f 
Slnfprflc^e auf bie §errfc$aften <Sme<f bei ©imba<$ unb ffiafeen» 
$ofen bei Hbenäberg erhoben unb am 6. 3uli 1377 mufjte 
Sanbgraf Sodann bie beanfoructyten SBeßfeungen an fte ab* 
treten 4 ). HW mit frilpolt Don ©tein ($>U)>cltftetn) 1385 
toefeä mächtige, frühere Wei^Äienftmannengef^le^t im SRann** 
ftamme erlofdfren mar, fielen beffen ®üter meift an fntyoltt 
©$ioefterfö$ne Don ©unbelpngen unb §o$enfeW. «n bie erfterm 
tarn $ifyoltftein unb ©eefelb (ba« bie «Steiner Don ben au** 
geftorbenen $erren Don ©eefelb geerbt Ratten), an bie $o$en* 
felfer SRieberfuljbürg unb bie ©tabt ^tciftabt, eine fteurifdfre 
©rfinbung. 1386 lauften bann bie $erjoge ©tepftin, grtebrüb 
unb 3o$aim greiftabt um 7000 p. Don |>U^oIt Don $o$en* 
fett, $ifyoltftetn um 16000 p. Don ©cfyoetger Don ®unbeU 
fingen 6 ). 

1) R. B. X, 21. 167. 180. 181. 186. 

2) K. B. IX, 375; X, 89. 

3) R. B. X, 205. 

4) R. B. IX, 378. 3>afi eine ge$be Dorfcrging, ernritynen ofre 
©«leg Georg ©runner, <8x\$. »on fai^tenberg, 41, unb Sflr* 
binger, 68. 

5) 6. «rennet XIV, 343 unb bie ©«lege bei ©iegett, Oefö. 
b. <*trf<$aft, ©arg nnb etabt $ifyottjt«in, ©«r$. b. W*. ©er. b. Ober- 
tfalj XX, 159—162. 



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Teilung btr töfmiföeu $fonbf<$aftcn im ftorbgais. 169 

Die Hoffnung aber auf fortbauernbe eintragt bcr neu* 
begrünbeten Steten ermie« ficty fo nichtig lote nur ie na$ einer 
8anbe«teilung. 3wnä$ft mar e* §erjog ©tep&an, ber burc$ 
bie Ätt ber Teilung fid? oerfürjt, 3o$ann beborjugt glaubte. 
5Kcc^ fein $albc« 3a$r mar feit ber Teilung berftric&en, als 
3o$ann unb griebricfc burd? ba« ©efityl ber ©ebro^ung ju 
©onberbünbniffen getrieben mürben, bie amar ni#t gegen ben 
©ortlaut, bo# gegen ben (Seift be« i£eilung«ber trage« ber* 
fliegen. Sodann f$lo& ein folctye« mit §erjog SUbre^t bon 
©traubing, 0riebric$ mit SHföof ®eorg bon $affau gegen ieber* 
mann auger bem ftönige 1 ). »m 16. September 1393 !am 
ju anfingen au$ ein ©ünbni« jmiföen Sodann unb grtebrtc$ 
juftanbe für ben gall, baß ber erftere bon ©tep&an angegriffen 
mürbe 3 ). (£in S)efuc$, ben Sodann im grü$ja$r am $>ofc 
feine« I5nigli($en ©c^miegerbater« abgeftattet 3 ), mar mo$l bor 
allem bur$ bie gamilienjmietractyt veranlagt. SRur für einen 
»ugenbltd marb bie ©pannung normal gehoben, al« (8. Ott. 
1393 ju 8anb«$ut) bur# bie Leitung ber bö^miföen $fanb* 
föaften im Storbgau, bie ein ©tfid ber <5ntf$äbigungen für 
Sranbenburg bilbeten, ber 8to«glei$ bafür gefugt mürbe, baj$ 
grtebrUfc« 8anbe«teil ju grojj, jener ©tepftm« }u gering mar. 
griebric^ $atte mieber^olt anerlannt, bog er be«$alb „eine &&> 
gäbe - fc&ulbe 4 ). SBa^renb er felbft, ber bie leilung ber- 
mittelte, ni$t« bon biefen Oütero na&m, fielen an ©tepfytn 
jtoei Drittel : Sauf, $er«brud, 8i$tenftein, SReibftein, ©retten* 
fteüt, $irf$au, glojj (ba« übrigen« oerpfänbet mar), 83o$en* 
ftraufc unb ber Zeil an Steigernd. 3o$ann« Drittel umfajjte 
©uljbadj, »ofenberg, $opperg, marb aber f$on 1395 bon tym 
an bie $faljgrafen berpfänbet, bie fünf 3a$re barauf no$ meitere 
oberpfälaiWe ©fiter al« $fänber übernahmen 6 ). 

1) 19.3Ä5rj unb 18. SRai 1393; R. B. X, 325; M. B. XXX b, 422. 

2) O. u. Cr. VI, 558. 

3) Gemeiner II, 296. 

4) $an«ar$to; R. B. X, 318. 

5) R. B. XI, 182; fcdtoricf in ber 3«tf*r. f. »aiern 11,4, @.29f. 
D. tt. (St. VI, 560; Urt. tom 9. Ott. im ». *.; tgl. Sinbner 1,2, 
128, *mn. 4; SRuffat, Sntf^&bigungen, 33f. 




170 



griebri^S ge^bt mit ben S^gent. 



dty »eitere öerttridlungen eintraten, fd&ieb fterjog 3hriebrt(h 
au« ber ©elt: in SBubtoei«, nach einem SJefiuhe be« ftönig« 
in $rag, am 4. Dejember 1393 1 ). Der Ort, too ihn ber 
Stob fiberrafchte, lägt bermuten, bog er in ffienjel« Auftrag 
berfuchen tooflte, ben ffitener £of mit biefem auöjufS^nen. 
Sein lefeter Ärieg«jug mar gegen bie 3 en 8*t im batrifcfctt 
Salbe gegangen, ein übermütige« Oefchled&t, ba« in biefen 
darren ber 9fei$e nach mit 9legen«burg, {Ruprecht bon ber 
$fal}, ben Sanbgrafen ©tgoft unb Hlbrecht bon Luchtenberg 
blutige $änbel burchfod&t. »m 19. «pril 1392 hatte #erjog 
Slbrecht aiö ©chteb«rtchter in ©tretttgfetten , beren (Sntfte^intg 
too^t auf ben ©täbtefrieg jurüdffihrt, bie brei bairifchen $erjoge 
jur Stählung bon 12500 fl. an $arjibal 3* n 8**r W*fen 
gegen jur Verausgabe eine« $aufe« in äRünchen unb jtoeier 
$öfe bei {Regenftauf an bie $erjoge oerurtetlt. ©ei e« nun, 
bag biefer @c#eb«fpruch nicht eingehalten, fei e« bag neue geinb* 
feligleiten berübt tourben, im Huguft 1392 mar griebrich gegen 
bie B e nger ju gelbe gejogen. Der 9?egen«burger 9iat fytttt 
fein ®efuch um unge^tnberten Durchzug nur mit bem Sor* 
behalt betoiüigt, bag fkh bie Struppen eine $atbe ÜÄeile bon 
ber ©tabt entfernt gelten; boch fchelnt e«, bag au* regend 
burgifche ©ölbner ftrtebrich im Äampf unterftfifcten. S5on beffen 
SSerlauf oerlautet nur fo biel, bag bie $er}ogIt$en bie jengerifche 
gefte Obernau* eroberten *). 

griebrich Unterlieg in Saiern fein ungetrübte« änbenfen. 
Da« 8anb, meint Hrnpecf*), ^abe unter ber {Regierung biefe« 
dürften gefeufjt; benn mte Kug unb mannhaft er au* getoefen, 
er ^abe boch mehr $enlichfeit geübt, al« feine Sßtttel ge* 
ftatteten, unb tn«befonbere burch feine roeiten, foftfpieltgen Keifen 
fötoere ©Bulben aufgehäuft. Die unfelige 8anbe«teilung, in 
bie er furjfichtig »iiiigte unb beren fchtoerfte ©$ulb ihn infofem 

1) ©cligenthaler ftefrol., M. B. XV, 546; Contin. St. Petri SaL 
Scr. IX, 841. fcaltlofe »ergiftung«gcrü*te @t.*€hr. IV, 96; V, 46. 

2) R. B. X, 306; ©emeiner, Heg. <S$xon. II, 291. 296; $nnb, 
@tammenbu<$ II, 9; ©runner, tatditenberg, 41. 

3) Pez, Thea. IIIc, 395. 



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#trjog grlebti<$ uon Sanbf^ut 



171 



trifft, al« er bie ©rüber aeiftia überragte, föabete ©aiern me$r, 
<tl* e« ber mädfrttgfte auämärtige getnb &ermo#t $atte. üJHt 
nic^t geringerem <S$rgeij, nur toeniger &on OHM unb ®elegen* 
$eit begünftigt aW fein faiferlictyer ®rogt>ater, $atte griebridfr 
$o$e ^olitif getrieben unb ©aiern* ÜWactyt unb (5tnfTu§ ju 
mehren gefugt. 3n ber raftlofen S^atiglett unb bem biploma* 
ttf<$en ®ef$i<f, toomit er Wefe$ 3iel verfolgte, ift ber grbe 
groffräterlityr ©egabung ni$t ju aerfennen. Hu($ feine ®e* 
toiffen$aftigfeit in ber $oliti! toar triebt größer alö bie ftaifer 
Subtoig*; aW 9lebefl gegen ben 83ater $atte er 1361 feine 
}>olttif$e Saufbafyt begonnen. Dagegen berftanb er oortrefflicty ben 
Umftänften fid^ anzubequemen unb jur rechten &eit inneju^aUen, 
3m State be* ÄöntgS unb ber dürften mar feine Stimme $o$ 
angefe^en; befonber* festen i$n feine ©tanbeflgenoffen att 
einen ber fä^gften unb rü$rigften 2$orIäratfer ber fürftltyen 
2Rat$t gegen bie besagten Politiken ©trebungen beä ©ürger* 
tum« unb felbft feine fdjnöbe ®eu>attt$at gegen ben ©aljburger 
<5rjbifc$of &ermo#te i$m baö Vertrauen biefer Äreifc nic$t lange 
ju entjietyen. Dag er neben ber ^Jolitif ©inn für ßanbtoirt* 
fc$aft (Kitte, jeigt bie SRactyrid&t, bafj ber ffieinbau um 8anb«but 
<utf i&n jurfi<fjufü$ren fei. 



Stertes Äapitel. 

$tytpu*lt ber toUtelebadjifdjen ^arailienßreltigfetteit. 
Subftig im »art «Mb ber fahrige Ärtcg (1393— 1422). 



$erjog$ griebric$$ (Snbe gab neuen Änlag ju gamilien$aber, 
ba fein ©o$n $einrt<$ erft fieben 3a$re jaulte unb beibe 
Oheime, ©tepfym unb 3o$ann, mit ber SBormunbfcfcaft ben 
6e$errfd>enben ©nflujj in SRieberbaiew beanforud&ten. Darf 



172 etteit über bie nieberbairifefc Cormunbf^aft. 

man einem Äugtturger (Jtyrontjien 1 ) glauben, fo erhoben fie 
tiefe Änfprüc^e trofebem, bafj griebriefc bei 8ebjeiten anbete 
$ormünber beftimmt $atte. Gütige äßonate mürbe bet Stieben 
noefr mütfam aufregt erhalten, ffit ben, mte e* Weint, be* 
fonberö Übtest b. \. bon Straubing bei feinen Settern mit 
(Srfolg fi$ in« Sßittel legte. ©i*$er nur mit 3o$ann oer* 
bunbet, fölojj er am 6. gebruar 1394 au$ ein Sünbmft mit 
©tepfan unb mafyrte fo feine Unpartetltyfeit gegenüber ben 
©treitenben. ©enige läge barauf (11. gebr.) toarb unter 
Vermittlung Don {Raten 3Ubre$tt, 9tupre$t« b. i. Don ber 
<ßfalj unb ber [treitenben SBtüoer jmtfc&en ©tepfrm unb 3o* 
$ann eine Übereinfunft auf gemeinfe^aftlic^e gu^rung ber 83or* 
munbföaft erjielt. Dem nieberbamf$en Stoel mürben feine 
9te$te unb grei^eiten, au$ feine neuerbingö gef^loffene ötnung 
beftätigt. 3ü« Stfctum in §Rieberbatern*8anM$ut mattete 
toalb lörringer *). 

SUbre^t b. j. Don Straubing mar eö au#, ber im Serein 
mit ftuprety b. j., bem Burggrafen griebrty Don Dürnberg 
unb bem Sanbgrafen 3o$ann b. ä. Stoltenberg am 8. ÜRai 
1394 ju ämberg jmifdpen ©tepfym unb 3o$ann einen Bu4glei$ 
über eine äBenge Don ftreitigen fünften ber &utbe6tettun& 
herbeiführte. 2Wit ber niebetbairifc&en 93ormunbf$aft Derfucfte 
man e«, ba bie gemeinfame Sertoaltung ber ©rüber ft# bereit« 
att unbur$fü$rbar ernriefen, jefct auf neuem ffiege: nach einer 
Übereinfunft Dom 9. 2Rai feilte fie bt* jum nfichften ©eorgötag 
Don ©te^an, bie folgenben &mei 3a$re ton 3o$ann geführt 

1) ©t.-£$r. IV, 96. Gegenüber ber Ifyrtfacfo baß in ben Urtnnben, 
an$ *on 1393 bi« 1396, ßett nur Don bem jungen $einri$ Don ftieber* 
batern bie Hebe ip — baß an$ bie Cootin. mon. St Petri 841 nur 
ton einem, flebenjSfcrigen @o$ne griebrict* weiß, f^flt weniger int 
Qennty — muß man bie, tote e9 f$eint, auf einen 8toUen$afla$er 2)eut* 
Pein geflüfcte Stagabe $ autle« unb anberer Genealogen bezweifeln, »o- 
na* berfelben <5$e gritbrid?« no$ ein jüngerer, 1390 geborener, 1396 
geworbener ©o$n Kamen« 3obann entferoffen fei. SebenfaO* tftnnte 
bkfer ?rinj feinen 8ater ni$t überlebt $aben. 

2) R. B. XI, 3. 4. 9. 10. 



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JBflnbnfc Sontra* mit Öfterrei* unb Rreiftog gegen ©te^an. 178 

toerben, bann bon jmet ju jtDei 3a$ren toe*feln. ©eitere 
©treitigleiten ber ©rfiber foflte ein ©*ieb«geri*t bon je$n 
$erioglt*en {Räten friebli* beilegen. S)te fc^önc ©efttmmmtg 
blieb Jebo* auf beut Pergament, aW gleich in ben nä*ften 
©o*en neuer 3toiefpalt jtt>if*en ben ©rübern auäbra*. «He 
i$re Hbma*ungen tourben nun übet ben $aufen geworfen unb 
beibe Xeile rüfteten fid^ emftli* jum SBruberfriege. ©tejfoan 
$atte junäc^ft bie 3Ka*t in SRieberbaiern *). 3o$ann toar ber 
erfte, ber ft* um auätoärtige $)Ufe umfa$; er ging mit feinem 
©ofrte Grnft na* 8inj unb fc^tog bort am 20. ÜBat mit ben 
$erjogen 8Ubre*t unb SBttyelm bon Öfterrei* ein Sünbni* 
auf je$n 3a$re ju gegenseitiger $ilfeleiftung, falls einer ber 
Serbünbeten angegriffen tofirbe. Diefem ©mibe trat am 
9. 3um ju üHßn*en au* ber Sfterret*tf*e Äanjfer, ©if*of 
©ertyolb ©fitynger bon greifing bei, na*bem tym brei Zage 
borget 3o$ann unb Srnft getobt Ratten, im Salle eine* firiege* 
mit ©tep$an, Subtoig ober $einri* feine Sanbe ni*t ju be* 
f*abigen *). ©tep^an bagegen reifte, toa$rf*einli* im ©ommer, 
an ben franjöfif*en $of, too er fi* bon feiner lobtet, ber 
fiSnigin 3fabel, ®elbmittel berfora* unb too$l au* erlangte. 

Hlbre*t bon Öfterrei* f*eint na* «bf*luß be« Sinjer 
©iinbntffe* au« feiner geinbfeligfeit gegen bie 3ngoIftöbter Sinie 
lebt $e$l geraa*t ju $aben. 3n ber «n!Iagef*rift, bie ftönig 
ffienjel gegen Snbe be* 3a$re$ gegen 9Hbre*t erlieg, behauptete 
er, beffen geinbf*aft gegen t$n rfi$re ba^er, metl er tym gegen 
©al)burg, ©tep^an bon ©aiern unb bie ©*auenberger ni*t 
freie $anb gemähte, 8Ba$ ©tepftm betrifft, räumte bann 
au* «lbre*t in feiner «nttoort ein, bag er mit biefem über* 
ttorfen fei, meint er au* juglci* feine ©ereittoifligfelt mit i$m 
griAen ju f*liegen erflärte 8 ). »ei ber feinbfeligen ©teOung 

1) fBte man n. a. baran« fliegen muß, baß Sodann in bem Set« 
trage mit greiftag *om 6. Sunt 1394 au* einen Jtrieg mit Reutti* in 
lugftyt nimmt. 9la* ©eorgi 1394, an* tofi^renb bet Ärieg«, nennen 
bie niebetbaitif*en Urfnnben toleber bie beiben $erjoge als ©ormünber ; 
Ä. B. XI, 18. 19. 39. 49. 

2) R. B. XI, 13-17; O. n. <5r. VI, 565. 

3) 2). H. *. n, 395f. «gl Sinbuet 1,2, 204f. 




174 



JtBnig ffienjel unb €5tert<m. 



aber, meiere ber $aböburger 8Ubret$t bamaW gegen SSknjet 
einnahm, gematteten fUfc nun bie Dinge fo, bog ntyt 3o$ann, 
ber bo# be$ ftöntg* ©<$n>tegeroater mar, fonbero ©tepfym, 
ben feine gamilienbanbe an SBenjei fnfipften, in engem Hn* 
fäluffe an ben Kroger $of fein $eil fachte. 2)ie toütel* 
backen gamilien^änbel berührten fi$ ffitx eng mit ben Ber* 
uritKungen in ©öfcmen unb im Weiche. SDtarfgraf 3oft oon 
Währen, ber ©o$n 3o$ann $einric$0, mit feinem »etter, bem 
ftönige ffienjel grflnbli^ jerfaüen, $atte fu$ gegen biefen mit 
bem unjufriebenen böftnifeben äbet, mit Hlbretft oon Öftere 
rei#, ©igmunb Don Ungarn unb SBilfclm oon SWeifjen l ) ber* 
bunben. dm ÜHai 1394 fiberrafd&te er mit ben böfyniftyen 
©erfefroorenen ffienjel ju ©eraun, nafrn tyn gefangen unb 
erpreßte tym feine Ernennung jum Stegenten SB5$men«. SRoc$ 
im felben ÜWonat trat eine Hnja$l gürften in Arnberg ju* 
fammen unb beriet , u>ie ffienjel geholfen »erben Ibmte. 
©eitere 83er$anblungen ju biefem j&mdt fanben auf einem 
Sage ju granffurt ftatt unb bort erf$ien, n>a$rfd&einlic$ auf 
ber »eife na# granfreiefc begriffen *), au$ $erjog ©tepfym. 
9m 2. «uguft tourbe ffienjel in greift gefefct unb einige 
©oefcen fpater fc^Iog er ju $ifef mit feinen ®egnern ^rieben. 
9m 22. ©eptember bevollmächtigte er @tep$an unb feinen 
Sanboogt in ©d&toaben unb filfafc, ©orjimoi ^on ©»inar, mit 
ben ffibbeutföen Steic^ftäbten eine einmalige ©elbfctlfe für i&n 
ju vereinbaren. ©tepfrm, mtttlertoetle au* granfreiety jurütt 
gefe^rt, tarn in Begleitung feine« ©ofrie* (9. Oft.) in äug«* 
bürg mit SBorjtooi jufammen. Dann ging er na$ $rag, 
loo tym ffienjel ben beften (Smpfang bereitete unb batb (30.9lob.) 
bie biflfcer oon SBorjitooi oertoattete ganbbogtet in Ober* unb 
SRieberfctyoaben übertrug 8 ), ein Hmt, ba* ©tepfym jugleidj mit 

1) 3>er tefctere $atte |U$ in bem ©finbniffe bon 3naün (18. 2>q. 
1393) au*bebungen, baß er gegen 6tepfyut unb Sofamt bon ©aitrn 
feine $ilfe ju letpen bxauty. £iubner 1,2, 193. 

2) SHnbncr 1,2, 200. 

3) fttntföe Het<$«tag«aften II, 407. 402. 

4) Or. im ». *gl. Sinbner 1,2, 205. 




Ärieg 3&itö«t &ttpfym nnb Sodann 1394, 1395. 175 

feinem ©ruber griebrich föott bor kern ©täbtefriege eine 3ctt 
lang inne gehabt ^atte. ©eine ffiieberoerleihung foflte ihn 
iefct nic^t nur für bie beut ftönige geleifteten Dienfte belohnen 
nnb ju »eiteren ankörnen, fonoern auch bie ^mtetrac^t jnrifc&en 
ihm nnb ben in ©chtoaben fo wältigen $absburgern nähren. 
®egen biefe SWacht marb bamal« t>om ftönige, feinem ©ruber 
3ohann nnb ©tep^on emftltch ber ftrieg in$ Suge gefaßt. $nt 
19. SRooember toax jtoiföcn bem ©dritter $erjoge unb ©tepfcan 
ein ©finbni* gegen jebermann *), aufgenommen ben ftönig unb 
beffen näcfcfte 831ut$oern>anbten, vereinbart toorben. Salb 
(9. £)ej.) berbanben fich biefe beiben gürften unb ber ftönig 
auch mit mächtigen Untertanen Öfterreich$, ben Herren oon 
Sichtenftein, bie $>erjog Wibrecht burch bie ®efangenfefcung eine« 
ihrer gamilie gereift fcatte *). dnbeffen ffattt ©te^an balb 
genug ju thun ftch feiner ®egner baheim ju ernähren unb 
ba auch bie Sichtenfteiner fich Öfterreich nrieber untertoarfen, 
toarb ber ftriegfylan gegen biefe äBacht gänjtich aufgegeben. 

Der ©ruberfrieg in ©aiern aber begann im Dejember 
1394 unb mährte bi$ in« Srüftaht hinein. 9iach einem 
faft ftetö im fjrieben Eingebrachten geben freujte 3ohann 
in feinen alten Sagen noch bie ftlinge mit bem eigenen ©ruber, 
ffiieberum erfüllten bie ffiitteWbacher ba$ gluc^gefchid ber 
Surften, bag fie entjtoeit bie ffielt in $>ag jerrei&en, unb 
trübe HuSftdpten für bie ßubinft eröffnete e«, bafj auch bie 
junge Generation be$ $aufe$, bort Subtoig mm Sngolftabt, 
hier öfmft unb ffiilhelm oon SRün^en, am Kampfe ber 
83äter teilnahmen unb fo frühjettig gegen bie ©reuet be$ inneren 
ftriege* abgepumpt tourbenl Staub unb ©ranb müteten in 
ben 2anbftri$en jtoifchen Ongolftabt unb greifutg; ber SDiarlt 
Pfaffenhofen, «rnolb bon ftammer erlitten fchtoere ftrieg«* 
fchäben 8 ). 92euftabt a. b. Donau toarb von Subtoig erobert; 
feinen Iruppen fiel bort reiche ©eute ju. Oohann unb (Srnft 

1) Dr. im H. 91.; »gl. Stnbner a. a. O. 

2) 2i<$no*0t9 IV, 845. 

3) R. B. XI, 39. 40. @. ft&er ben ftrieg an* Contin. St. Petri 
Salisb., Scr. IX, 841. 842; Arnpeck, 487. 




176 



fSrubtrtrieg In Calern. 



griffen jmeimal o$ne (Erfolg SH<$ac$ an, eroberten aber grieb* 
berg; (Srnft unb bie ÜJlfind&ner nahmen au$ ben ÜRarft 
©d&maben unb brannten i$n nieber, mfifyrenb fte ba« boriige 
©d&lo§ ntd?t gewinnen fonnten. Daß bie £)fterrei$er bem 
£>erjoge 3o$ann bie t>erfpro$ene ftrieg«$ilfe leiteten, koirb 
burc$ mdfrt« angebeutet; bo<$ erneuerten fic tyr SBflnbnW mit 
tym am 6. STOai 1395 auf einem Sage ju Obernberg, bem 
au$ ®efanbte ber ©tabt 3Rfin$en beimofytten *). greifing 
bagegen fonnte fi$ ben ©cfyredniffen be« Äriege« ni$t ent* 
liefen. Dort mürbe ein ftnfölag be« bifööfftdfren Winter« 
. SBetnmatt *) vertaten, bie ©tabt in ber S$riftna#t bem $er* 
joge ßubmtg bon 3ngolftabt, ber bereit« untermeg« mar, in 
bie $änbe )u fielen. Subtoig $at fester jur ©fi$ne ber ba* 
mal« gegen bie ©if#of«ftabt beabfi$tigten geinbfeligleiten bem 
greiftoger STOünfter fein in ©Uber getriebene« ©tlbni« gefd&entt. 
Die ©tabt marb bann Don Sodann befefet; SBifctyof 8ert$olb 
aber Heß feinen ungetreuen {Richter auf bem SBarltylafce ent* 
Raupten, einen Diener bleiben vierteilen 8 ). 9lo$ am 6. ÜWat, 
bei ben 93er$anblungen in Obernberg, gelobte bie ©tabt 9Rün$en 
bem Qrrjbiföofe SBert$olb gegen jebermann beijufteben, &erfi>rac$ 
anberfeit« biefer ben SBfincfcner $erjogen, ofyte i$re Bußta* 
mung nid&t Stieben ju fößeßen unb ben Domberg ju greiftag, 
fo lange ber ftrieg mä$re, auf feine ftoften mit So(I ju be* 
$äten, mogegen bie $erjoge bie ©tabt am guft be« Serge« 
bertetbigen foflten. 

©tcpfym mar Snbe STOärj, al« ©enjel 8rteben«beratungen 
mit Soft unb ben bdbmiföen 8anb$erren eröffnete, mit feinem 
@o$ne Submig na$ $rag gegangen, mo tebodfc fein gute« Skr* 
tyiltni« jum ftönige au« (Srünben, bie mir nietyt fennen *), eine 
Störung erlitt. Sin SBunbe«bertrag, ben er, juglety für feinen 

1) Äurj, *Ibre*t III., II, 313; @t. G$r. XV, 442. 

2) eo (ni$t ©etamatm) ber Warne nrfunblid?, R. B. XI, 113. 

3) Arnpeck, Gest. episcop. Prising. bei $eutinger, ©eitrSgc 
III, 528. 

4) 2JHJgtU$ermetfe $at He ©uiifl, bie föcttjcl bem Ufnr^ator ®ian- 
galeajio Steconti betoie«, mitgefclrft ©gl. oben, @. 153 f., 160. 




€Stetfan« ©radfr mit St. löenjct unb grieben mit Sodann. 177 

Neffen $etnrid&, am 2. Styril mit Ooft f Sodann &on ©örttfe 
unb ffitlfcelm fcon Steigen fcfyfog 1 ), toar im ®runbe gegen 
ben JlSnig gerietet. $)iefer, feinet Reifer Beraubt, betoilßgte 
juerft jum ©Cheine Soft« gorberungen, beföieb benfelben aber 
im 3uni, nactybem er ©te^an unb ben jungen Orafen &on 
Öttingen Veranlagt i$m ba$ (Seleite ju betbürgen, gu fidt^ auf 
bie SBurg ftarlftein unb lieg i$n bort o$ne 9?ücffid£>t auf biefe 
$erfpre$ungen feftnefanen. 83ergeben$ fud&te ©trpfym feiner 
ffiut (Einfalt ju t$un. @#on borget fcerftimmt, toarb er nun 
burcty biefe £reufojigfeit, bie feiner (S&re ni#t fronte, gerabeju 
erbittert unb toanbte fic$ feitbem gänjlicty oon einem gürften 
ab, bem ade lugenbcn be$ {Regenten, SRot, SWägigung, ffiet«* 
$eit unb Oebulb fcerfagt Lienen. Senn bie ©eftätigung ber 
fAtoabifc^en fianboogf cien , bie iffm ber ffönig am 19. Ount 
ausfertigen lieg *), toofcl ein S3erfu# mar i$n feftju^alten, &et> 
fehlte er feine ffiirfung. Stephan ging nad> ©aiern )urfi(f f 
too am 29. 3unt bie $erjoge 3oI)ann unb Grrnft unb $fa(j* 
graf {Ruprecht b. j. in Imberg eine aucty bon ber ©tabt 2Wün<$en 
befdjidte lagfafcung gelten 8 ). 

gfir ©aiern fcatte ©tepfym« ©rud> mit bem Könige bie 
erfreuliche golge, bag er nun geneigter toarb mit bem ©ruber 
grieben ju fliegen. SRadfr Äbfdfrlug eine« ffiaffenftiflftanbe« 
tarnen er unb 3o$ann in 8anb$$ut jufammen, einigten ft<$ 
bort am 15. ©eptember auf %t$n ©ctyietoleute, ben ©ifdjof 
3o$ann Don Wegenäburg unb neun $erren i$re$ 2ltel«, unb 
unter beren ©ermittfung am 25. September auf Aufhebung 
ber fianbfäteilung unb einen neuen ©erfud) gemeinfamer Re- 
gierung. @o loieber weint, foüen fie für fid) unb Weber* 
baiern nocty im felbcn 3a$re aud) mit ©tföof ©urf&arb Don 
ÄugSburg unb ber ©tabt SlugSburg ein ©ünbni* gefäloffen 

1) Riedel, Cod. dipl. Brandenb. 11,3, 121 ; Dgl. Sinbncr 1,2, 209. 

2) Scheidt, BibL histor. Gotting., 160. Ü6er bie Äartfteiner 
©emaltt&at m. «. II, 409-413; *gl. 2inbn<r, 212 f. 

3) R. B. XI, 44; 2). 9t. *. II, 410; @t..<5&r.. XV, 442. (Stetfan 
fear 29. Sunt in 9tegen«burg; R. B. XI, 45. 

ftieiler, «cWI(ftte «aietn#. III. 12 



178 



gwanftoUtif. 



$aben 1 ). 3n beut SBeföluffe ber 8anbe$oereinigung aber mar 
ber SanMfrtter leil nutyt inbegriffen, toa$rf<$einli# toeil bie 
borttgen ©tänbe »tberftrebten, bie ft# jtoei SWonate Dornet 
unter bem SSifttum ©$»alb SSrrtnger oerbunben Ratten, beut 
iungen $erjoge $emrty unb feiner SWutter, grau SDtagbalent, 
getreu ju bleiben *) ; bo$ lautete ein Hrtifel be$ S3ertrag$ ber 
tyWWr fie »ottten oerfufyn aucty 8anb$$ut mit tyren Sanbett 
»ieber ju vereinigen. Diefe Äbftc^t Ratten bie $erjoge no$ 
am 4. SRobember, ba fie in ©urg^aufen verfügten, baß bie 
©tänbe be« 3ngoljtäbter unb SWfintyner 8anbe«teitt tynen, 
ofrie langer auf ben Seitritt 8anM$ut$ ju »arten, nun $ul* 
bigen foßten. £)ie iungen $erjoge, fiubtoig unb (Sroft, Ratten 
am 22. Oltober 1395 bie Bereinigung tyrer 83äter gutgeheißen 3 ); 
am 30. SJiärj 1397 traten fte ßc$ nod? näfcr bur# ein auf 
je$n 3a$re abgesoffene* SBünbniS, »orte fie fi$ gegenfeitig 
fogar für ben galt $Ufe jufagten, baß einer ber SSäter gegen 
feinen ©o$n un&äterltcty vorgehen foQte 4 ). 

SJorfibergefcenb Ratten bie iungen $erjoge au$ ber ginanj* 
polittl tyrer SSäter ober vielmehr be$ oerfö&enberiföen ©tepfrut, 
bem 3o$ann nur nachgeben mußte, toiberfpro^en. äu* ferneren 
©Bulben Ratten fu$ bie £>erjoge juerft bur$ einen Hu*fu$rjoll 
auf ©etränfe unb 33ie$ ju retten verfugt 5 ); fobann forberten 
fie aW außerorbentlic^e ©teuer ben i»anjigfien Pfennig fcora 
SBermSgen iebe« Untertanen. (Sin Sanbtag )u grcifing im 
SWärj 1396 mehrte fu$ gegen bie brüdenbe aufläge; felbft bie 
$erjoge Submig unb <£rnft »aren bem ©ege^ren anfangt abge* 
neigt; aber am 3. Styril oerpfltyteten ftc$ alle oier $ergoge 
gegen einanber bie gorberung bei ben ©täuben burcfyufefcen 
unb nac$ langem Unter^anbeln gaben biefe na$ unb ließen bur$ 

1) @t.-<£$r. IV, 98. 

2) 24. 3nU 1395; »ntfner VI, 202. 

3) R. B. XI, 51. 55—57; 0. n. Cr. VI, 569. 3. tyril 1396 ge- 
labten bie brei SRün^ener $erjoge normal bem »ertrage getreu jn 
bleiben; a. a. £>., 579. 

4) R. B. XI, 99. 

5) 11. 1895; R. B. XI, 59. 




fcflrtenfetbjug. 



einen 8to$f#u& oon 21 $erren bie ©teuer ergeben 1 ), ©ie 
betrug u. a. fär bie ©tobt Wüntyn 6500 $funb 2Bünc$ener 
Pfennige, für bie $ö$ftbcfteuerten ftßfter Xegernfee, ftaUfcim, 
©enebiltbeuew 1500—1600 fl., für einen einigen »beligen, 
3örg grauenfcof« 3500 fl- *)• ®« £>erjoge belohnten bie 
©Mfa^rigfeit tyrer ©tänbe am 7. September 1396 bur$ Er- 
teilung be$ jmonitflften Tretbriefe*. 

S3on ben Heineren gelben biefer 3a$re liegen und befon* 
ber* über ben langwierigen ftampf (1393—96) jtoiföen bem 
JRüter 3afob $fitri$ oon 9lei$art$$aufen unb bem Äugäburger 
©ärger $artmann Onforg einge^enbe ©ertöte cor. (Segen 
$erjog ©iepfan $atte fic$ im anfange feiner «lleinregierung 
3o$ann ton Abensberg aufgelehnt, bis am 18. gebruar 1394 
bret ©$ieb$ric$ter erMarten, Sodann« ©o$n $abe mit feinen 
Surgen JRanbed, Äftmannftein unb 3Jiarc$ing bem $erjoge 
jn>ei 3a$re lang ju bienen. Oegen bte ©tabt Siegendburg 
lagen 1395 ©tep$an ber Degenberger ju aitmannäberg, au$ 
JRitter $an$ ber ©etoolf oon »raiburg ju gelbe 8 ). 

Um biefe &t\t finb bairiföe ftrieger gegen bie lürfen ge* 
}cgen f gegen bie ein päpftli$er Segat, ber Dominifaner 3o$ann 
ton (Sugubio, ba$ Äreuj geprebigt fcatte. Sie bie anberen 
Deutfd&cn fötoffen fie fu$ bem $eere an, baö 3o$ann, ber 
©o$n be$ $erjog$ oon ©urgunb, ber Donauftraße folgenb, 
bem ftönige ©tgmunb oon Ungarn juffifcte. <S$ toaren bar* 
unter {Ruprecht $ipan oon ber $falj, ber ältefte ©ofyt be3 
fpateren fiönig* »uprety, 3örg oon Frauenhofen, SBilfclm 
unb Sfciftian bie grauenberger oon $aag. Sieberum tote 
im jtoölften 3a$r$unbert fa$ Megenäburg ba« bunte treiben 
eines ftreu}fa$rer$eere£; koieberum Ilagte man iniöaiern über 

1) R. B. XI, 69. 83. 95; Ott. u. <Sr. VI, 579; b. greifberg, 
2anbjl5nbe I, 324; SRnf fat in ben @t.*€$r. XV, 443. 

2) M. B. XXXVb, 203; R. B. XI, 99. 68. 

3) 6t..<£$r. IV, 99-107; R. B. XI, 5. 40. 43. 

4) ©Rittberger« 9fctfebn<$, ed. Sangmantel, 2f.; Andr. Ratispon. 
597; Arnpeck, 297; Chroo. breve bei Oefele I, 611; Gemeiner 



U, 328. 




180 ©$ta($t bei SRifopott«. Xob Sftretyt II. t>. Straubing 

bie totlben Huöföroetfungen ber burcfoietynben granjofen. 3n 
ber furchtbaren Siteberlage bei iRifopott« ober, tote bie £>eut* 
fctyen fagten, bei ©d&tltau (25. Sept. 1396) biteben bon SBatern 
<E$riftian Sfrauenberger, Sien^arb 9?eic$artinger, ffierner $ten$en' 
auer, Ulrich flüctyfer (bei $attein anfoffig). Unter ben ©e* 
fangenen toaren 3teu$arttnger$ Änappe 3o$ann ©Rittberger, 
©tepfrm ©c$mie$er (ton ©$mie$en bei SanMberg), §an$ 
©reif ju ©reifenberg am Smmerfee. Den erfteren rettete 
feine 3ugenb, att ber graufame ©ieger SBajefib bie üJ?e^rja^t 
ber ©efangenen, mehrere laufenbe, Hinfrachten lieg ; ©cbmie* 
her, ber bor ber ©$Ia$t ben SRitterfchlag empfangen, marb 
mit anberen ton 3o$ann ton ©nrgunb loGgebeten; $an$ 
©reif ging mannhaft in ben lob, nachbem er feinen ©enoffen 
RriftHRen Iroft jugefprochen hatte, Äranf unb elenb fam 
ber iunge $faljgraf töuprecht in bie $eimat jurücf, mo er 
balb barauf in Imberg fein gebrochene* &ben enbete. 

3n ftel^eim ftarb am 21. 3anuar 1397 jung unb un# 
beemä^t ber gürft be« ©traubinger ?anbe«, $erjog Wibrecht IL, 
ben fein SSater SMbrech* I. ettoa feit 1389 in bie ÜBitregierung 
feinet bairifchen 8anbeä aufgenommen fyatte, ein fanfter, gut* 
mfittger $err ton ftattltcher ßrfcheinung. Über feinem ©rabe 
in ter ton tym gegrünbeten Äarmefiterfirche in Straubing 
erinnert ein föSneä Denfmal ') an btefen einjigen gürften ber 
Vinte Straubing '$ol!anb, ber feine Siefibenj bauernb in ben 
bairifdben Sanben genommen fpt. 8n bie Vermahlung feiner 
©Rtoefter 3ohanna mit älbre$t IV. ton Öfterreuh hatte fich 

1) «bgebilbet u. a. in M. B. XIV. ©eriebt üfccr bie Öffnung ber 
©ruft bei *. SRuffinan, ©efch. ber Sinic Straubing •$oflanb, 1820, 
@.52f. 8gt über 3ttbre<ht Hnbrca* t>. 9tegcn«burg 445, «rnped , 
357. 358. 1394 gab er ben ©traubinger ganbftänben einen gretyeit*- 
brief (t>. Serben fei b, Freibriefe r 40). @eit Snbhrig bem ©aiern ge- 
febah c« im feittet*ba4i[$en $aufe häufig, bog ber Sater ben @o$n f<hon 
bei Stbjeiten alz STOitregenten berief. 3n biefer Stellung befanb fleh 
meine* brachten« auch SHbre<ht b. j, in Straubing, ni^t, wie $8utle 
(kleine $tff«mittel, 9) totO, at* Statthalter; t>on ber hergebrachten 35h- 
lung ber bairifchen Wibrechte abjugehen liegt bafcr tein jtoingenber ©raub *or. 



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unb 3o$ann8 ton SRfin*cn. 



181 



ein ©finbniS jtoiföen Straubing unb Öfterreicty gefnfipft 
bcrt baju beitrug, feine Stellung ju bef eftigen. £)ur$ 81" 
bre$t$ II. lob mürbe bie bon feinem SSoter früher getroffene 
Änorbnung, n>onac$ Straubing an tyn, $ennegau an feinen 
©o$n ffittyelm fallen foüte, ftnfäüig unb ber SBater übertrug 
nunmehr (9. Ort.), nac^bera ber äKangel eine« gürften Wxu 
unflen unb 3u>ietra$t erregt $atte *) , feine bairif$en Sanbe 
feinem britten ©o$ne 3o$ann, (Swätytem bon 8üttic$, als 
feinem SWitregenten, ber nur fo meit befd&ränft fein foüte, bag 
er o^ne 3uftimmung be* SaterS fein @<$Ioß berfiufjern bfirfe; 
erft am 12. September 1398 aber txmrbe biefe SWajjregel ben 
Untertanen berfünbet. 

SalD na$ bem $infc$eiben ätbre^t« II. erfolgte aud& $erjog 
3o$ann* II. ton SWüntyn 5Eob (I6.3uni 1397 *)) unb fofort tnU 
jünbete Stephan« <5$rgeij neue gamilienjtotetrac^t. 5Die Hoffnung, 
bafj au# ber Sanbd^uter leil bem vereinigten Dberbaiern mieber 
beitreten toürbe — nocty am 27. SWärj 1398 erflärte Stephan 
feinem SWünbel, ba§ er bi$ 8ic$tmej} be« folgenben 3a$re$ ba* 
mit jutoarten tooüe — erfüllte fld? nictyt, vielmehr ging nacty 
einigen 3a$ren au$ bie mütfam errungene Bereinigung ber 
20tän$ner unb dngolftSbter Sinie nrieber in Xrümmer. ffiie 
einft Stephan II. o$ne Wüdfid&t auf ba$ 8ta$t ber anbeten 
Linien ficty CberbaiewS bemächtigt $atte, fo beftritt nun Ste* 
pfym Iii., toiber baö Hare 9led&t unb feine eigenen 3 u f a Ö en / 

1) @. bie $eirat«- nnb ©unbeöbriefe ton 1381 unb 1390; <Bef<$. 
ber @traubingif<$en Erbfolge I, Urf. 0. 85. 88. 

2) 3n ber Urf. »ora 9. Oft. 1397 (tt. «.) fagt SU6re*t, er ftabe 
bat 2anb „freinben Stuten t>erf*reiben mttffcn", toorau« groger Unnnlle 
eutpanben fei. 6. au* R. B. XI, 111. 137. 

3) 2>a6 biefer Stagabe be« ©efigentftrter ftetrotog« (M. B. XV, 526) 
ber Corjug t>ot $Sutle« angebft* urtunbli^em: 8. Staguft ju geben iß, 
jeigt bte Urtunbe etcp^an« *ora 17. Sult 1397 (M. B. XXXV b, 206), 
toorin er 3ofywn bereit« fetig uennt, jteralt* beutlty au* ber gange 3n- 
$alt ber Urf. *ora 1. 3uli 1397; R. B. XI, 104. 3o$ann ftarb »oft 
in 2anW$ut, ba er no* am 14. Sunt ton bort au« ber @tabt 9Rün*en 
für ben %atL, baß (Sott über i$n gebiete, ©efcorfam gegen feine ©ityne 
empfahl; M. B. 1. c. 205. 



182 



3&$ @tet>$*n0 unb 8ub»ig« 



feinett Steffen ba« We^i ber SRitfarrfcfraft *)• 8«btoig, un* 
befümmert trat ba«, roa« er Dor einigen ÜÄonaten feinem Setter 
flmtft gelobt $atte, ftanb auf ©eite feine« Sater*. Sei einem 
3ufammentreffen ber beiben jungen ©erjoge fielen erbitterte 
©c&elt&orte unb al« Grrnft am S&riftabenb 1397 in STOümfren 
mit ©tep$an« $ofmeifter, ffiarmunb $ienjenauer, jufammen* 
ftiefj, bem ©tepfyut Kattenberg al« gfirpfanb für Ätfcbfifcl 
Derpfänbet $atte *), brang er ni$t nur mit @$mä$ungen fott* 
bem auc$ mit ber Manien ©äffe auf ben t>er$a&ten 9tat feine« 
D$etm« ein unb brachte i$m eine fernere SEBunbe bei. firr 
verließ bann bie ©tabt, too biefer SBorfafl große« äuffefcn 
erregte, toorauf ber junge $erjog Submig ©eftfc Don ber bleuen 
gefie ergriff. Sei biefen fcanbeln fpielte au$ ber auf lOOOOO fl. 
lautenbe ©$ulbbrief ftaiferÄarl« Don 1373 eine {Rode. 3o$ann 
$atte benfelben, nad&bem ber 3a$re«jin« Don 10000 fl. a#t 
3a$re lang Dom bitymifcfyett $ofe ni$t me$r bejaht toorben 
toar, an fedtf $erren feine« »bei«, 3örg Don 2Balbe<f, ©cfyöeiger 
Don ©unbelfmgen, ben S3ifctum ftonrab Don $reiftng, 5£$oma« 
unb SRubolf Don Reifing unb Hrnolb Don Rammer, benen er 
o$ne$in Diele« fctyulbete, aerpfänbet, ©tep$an aber (5. SRod. 
1393) biefen $erren gelobt, fie oor ädern Diadjteil ju be* 
koa^ren unb fte Don aßen für 3o$ann geleifteten SBürgfcfytften 
}u löfen. Da nun bie ©taubiger i$r 3ntereffe too$l beffer 
getoafrt glaubten, toemt fte ben $errn Don ganj Dberbaiern, 
al« toenn fie einen leilfürften jum ©c&ulbner fcätten, gab bie« 
ben änlafc, ba§ fie am 1. 3uli 1397 ©tep^an gelobten, leinen 
anbern al« t$n für tyren regten <Srb$errn ju galten. Stuf 
»tat feine« Sater« raufte fibrigen« Subtoig (23. 9?od. 1397) 
ben bö$mifc$en ©c$ulbbrtef, bamit berfelbe bei $errfc$aft ju 
©aiern nic^t ganj entfrembet »erbe, jurüd unb gab ben 93er* 
Küfern toegen ber 29 365 fl., rnofflr fie ju Surgen ftanben, 
Stntoeifungen. 

1) 3«« ffgb. f. R. B. XI, 104. 114. 115. 121—127. 129. 132 bU 
185; Äajraatr« 2>enff<$rift unb SRnf fat« (SrWutenrogen in ©t.-(5^r. 
XV; Contin. St. Petri, 842; Arnpeck, 372. 

2) $o$ ni<$t gegen Sodann« ffiillen, »ie Hrnj>e<f fagt; f. B. B. 
XI, 169 nnten. 




mit Stuft unb ffiitfcfat. 



©eit beut gebruar 1398 rüfteteit bie $erjoge eifrig jum 
ftrieg. flmtft na$m unter onberen $erren bie ©rafen $aug 
unb Älbrety bon ©erbenberg*$eiligenberg unb ben ®rafen 
ffiifyelm bon ättontfort, $errn ju ©regenj, in feinen ©olb. 
Stephan bebaut , ben SBiföof bon greifing ntyt teieber jum 
©egner ju $aben, gelobte biefem (24. gebr.) f fein 8anb unb 
feine Seute foflten im ftriegSfafle nic^t gefc^&bigt »erben. Um 
ga6na$t tag (Srnft mit ffinföunbert $ferben ju Äubing, toeftlty 
bon 3Rün$en, jum Ängriff auf 3örg bon ffialbed, ben er 
neben beut ^ienjenauer al$ feinen $aut>tfetnb betrachtete, ge* 
tflftet. Dagegen erlief ber Junge ßubrotg ein Aufgebot an 
feine 8anbfc$aft, „bie (BSfte au* beut Sanbe ju fragen". Sein 
$eer fammelte fic^> ju gürfienfelb, im «ngejic^t be« (Segnert *)• 
dnmitten biefer brofcnben Vorbereitungen tourben, auf Setrieb 
ber ©tobt 3Rfin$en, Unterfymblungen eingeleitet, anfangs burc$ 
etliche JKätc ber 8anW$uter {Regierung unb ben 8fterreU$if($en 
»tat, <5ber$arb bon ftn5ring, in greifing (8. SRärj), bann 
burc$ ein grieben$gert$t bon jtoanjig Hbgeorbneten be* Hbel* 
unb ber ©täbte in 3ttfim$en. Diefe ©tabt erllärte am 
6. aprtt: toenn bie eine Partei ber ^erjoge ber anbem na$ 
bem Slu«fpru<$ ber ©$ieb*Ieute nk$t genug t$un tofirbe, toofle 
fle ber anbem ju eigen ge^Sren; jugleicfc erflärten ©tepfan 
unb Submtg, 3ngolftabt fofle tyren SWeffen borau* berfatten 
fein f »enn fie bie Unter^anMungen abbrächen. ffiictooft nun 
ftrnft nad^ ber «ufföfung bon fttbtoig* $eer bereit« a$t läge 
lang lauf fitzen, eine ©urg 35rg« bon ffialbed, belagert 
$atte, f$ien ba$ brofcnbe Unmetter no<$ einmal borfiber* 
jujiefcn, ba fic^ am 2. 3uli bie Parteien auf ben $faljgrafen 
$twprtty unb ben ®rafen <5ber$arb bon ffitrtemberg al« 
®$ieb«ri$ter einigten, »orauf biefe (4. 3uli) ju ®6pt>ingen 
au 9tOft fpra<$en: bie $erjoge <5rnft unb ©ityelm feien fo# 
fort in tyr bäterltd^ (Srbe einjufefeen, bie ©$elta>orte, toomtt 
Submig unb (Srnft fty bebaut, gegenfeitig ju berjetyen, toeitere 
©treitigleiten bor fe<$« @$ieb«ri$ter ju bringen. Die $er= 

1) «ajraair, et..«$r. XV, 471 f. Stafette tft Oueflc für ba« flgb. 




184 



$emofratif$e UmtoSljung 



&oge gelobten bei ihten futftlic^en Iteuen btefen ©pruch emig 
gu galten, bie oberbairifche Öanbfc^aft hulbtgte nun auch (Sroft 
unb ffiilhelm unb tiefe befchtooren bagegen beten {Rechte unb 
Freiheiten. 

5Die SSetjS^nung aber hielt faum einige Socken bor unb 
nun nahm auch SWünchen, bie ©tobt, beten ©efifc Stephan 
feinen Steffen ooroehmlich mifejSnnte, gartet im ©treite ihrer 
§etren. ©id^er ^atte fte fty neutral gehalten, ein ©äffen* 
aufgebet Subnrig« unbeachtet gelaffen unb nut eifrig auf ben 
gtieben Eingearbeitet. Onnerlich freiließ toaren bie ©efinnungen 
ber ©ärger toohl f$on bamal« gefpalten, bie $atriyet mehr 
für ihre angeftammten jungen $etjoge, bie gto&e SWaffe ber 
$anbtoerfer mehr für Stephan unb Submig geftimmt. ©er 
Slnftog aber, bag bie ©tabt auf bie ©eite ber leiteten trat, 
rnarb gegeben, al« eine Anbetung im ftabtifchen Regiment 
jufammentraf mit ber Steigerung Crnft«, ber ©tabt ihre $ri" 
oilegien ohne Älaujel ju beftatigen. Da er nicht »iffe, toa« 
etma ©tephan ben 3Äünchnern in ber 3w>M^nj«it gegen feinen 
SSJtUen oerfptochen habe, etflätte ber junge $etjog bie« nur 
fo meit t^un ju tooüen, al« bie ftäbtifchen Steiheit«brtefe bor 
bem lobe feine« Sater« erteilt untren. 

Stuc^ 3R0n$en $atte bamal« bie bemofratiföe Um&äljung 
erlebt, toelche bie ®ef$i$te fajt aüet grS&eren ftäbtifchen ©emein# 
u>efen im 14. 3ahrhunbett fennjetynet. SWit ©toll unb SRtj^ 
ttauen ftanben feit einiger 3eit bie in ben 3mtften steinigten 
$anbu>erter, meiere bie „©emeinbe" bUbeten, ber patriaifche» 
©tabtregierung gegenüber. 3hrer gü^rung bemächtigten fty 
uttiufriebene ^attiaiet, bie lichtel, Sang, 3mpler, Sörgner, 
$5f$el. SMefe unb ihr Anhang oerlangten nun einen Slnteil 
an ber SWacht, bon ber bie regierenben Wate, mie fte behaup- 
teten, fomohl in ber $olittl al« ginanjoerioaltung nicht ben 
richtigen (gebrauch machten. 3n erfterer $infuht fcheint e«, 
ba§ bie State gegen ©itten ber (Semeinbe an ben Serhanb» 
Iungen unb ©efchlüffen oon Obernberg jtoifchen $erjog 3ohann, 
Äfterreich unb greiftng ftch beteiligt hatten 1 ). «Ja« bie gi* 

1) Hrnped, 437. gür bie ©(aubajürbigfeit feinet Sngabe ifl u>oht 



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in 2Rün($en 1398. 



nanjen betraf, jo erflärte tote ©emeinbe 1397 bur# tyre brei* 
Rimbert Vertreter, fie »olle erfahren, toofcin ba$ ftäbtifcfc 
®ut in ben legten fieben Sagten gefommen toäre. Der 9tat 
muffte in bie ©nfefcung einer $tüfung$fommiffion au£ feinen 
unb ber ©emeinbe Äbgeorbneten toiüigen; naefcbem biefelbe 
jeboc^ merje^n Sage lang alle flammet* unb ©teuer bücket 
burc$gefe$en, tarn fie ju bem Ghrgebniffe, bafj (Einnahmen unb 
Äuägaben fiefy bedten. 

9lad) ber S3etu>unbung ^tenjenauer* bur$ £>erjog (Srnft 
$atte ber {Rat fog(ei$ ju $erjog 8ubtt>ig gefefcidt unb feine 
Unföulb an bem Vorgang beteuert, ©eine Slbgefanbten fanben 
jeboc^ leinen gnäbigen (Empfang. „3$r gebt und fd^öne ©orte", 
ertoiberte ber $erjog, „tme i$r au$ gegen unfern SJatcr 
mannen lag $er get^an; märe e$ eu$ aber toitflic^ leib, fo 
utörbet tyr anberä frmbeln." (Sintge Sage barauf trat Stephan 
felbft t>or bie ©emeinbe unb forberte bie Auslieferung t>on 
fe$* bürgern, bie er ber SWitfäulb an Srnft* getoaltfamem 
auftreten jie^. <S* toaren ein Diener, Stiebler, ©enblinger, 
©etyfober, $ötföner unb Sbner, fämtlicfc $atryier unb äHit* 
glieber ber Stattyartei. SbÜ auf Ulrich (Sbner, ber na$ 
Senebig, ©enblinger unb ©c&luber, bie na$ tyaffl oerretft 
ttaren, »urben ade behaftet, felbft ber fterbenäfranfe ftonrab 
Diener, für ben ber 8tat vergebend eine 8lu$na$me ju ermirfen 
fud?te unb ber am treijefytten Sage in ber $aft fein &ben 
fc#of$. Der 9iat beanforuc^te, ba& bie befangenen nur in 
feinem, ni$t in bc$ $eraogS Sutm berührt mürben, @tep$an 
jcbo$ fceweigerte bte$ unb lieg bie (gefangenen na$ einiger 
3eit lieber gänjlic^ frei, o$ne fte &or beriet ju ftellen. &m 
9ia$mittag be* 14. Styril 1398 fpielte ein Reisauflauf ber 
©teptym ergebenen bemofratiföen Partei unter bem güfcrer 

niäft gan) bebeutungtfo* , bog unter ben ßabtif^en Hbgeorbnetcn na$ 
Starnberg au$ Liener »ar, rooty berfelbe, ben fpfiter ©tepfyin unter 
feine befonberen geinbe ja&lt. 2)aß ba* Obemberger ©ünbni* 2Rün<$en« 
mit ©iföof ©ert&otb and? im Warnen ber ©emeinbe audgeßeQt ifl (R. B. 
XI, 41), entfortyt nur ber $ertömmli<$en gorm unb toiberlegt %xx\^d 
»oft sticht. 




186 



Stieg gtoiföcn bar Sngolftäbtet 



Ulri* Sittel ba« ©tabtreghnent in bie $änbe. 3n gellen 
Raufen ftfirntte bie Oemetnbe auf baä 9tot$au6; ein ©cfyoert* 
feget fdfctte, jefct fei e* &ttt, allen ben ©5fen britmen bie ftdpfe 
abjufc&lagen ; bittet 'Drehungen unb fcfifte* ®ef*tei toatb ber 
{Rat eingeföfi#tett unb bie ©emetnbe Rettin ber ©tabt. Sie 
fetzte neue {xutytteute unb SBamterfcrren ein unb erjtoang bie 
Cetutteitung einet Steide Don »aWmitgliebetn ju Äelbfttafen. 
Änbete, für i$te ©i*et$eit befotgt, »erliefen $eimli$ bie 
©tabt, tootauf i$te (Bittet eingejogen u>urben. So erging e* 
au$ beut am 3. guguft entflogenen früheren ©ürgermeiftet 
dSrg ftajmait, bet fld^ unter ben ©*ufc $etjog firtnfW 
fteßte. Stet 24. Huguft »etfammelte fi*, Don Smft berufen, 
bie obetbaitiföe Sanbföaft in gteifing; t$t £erfu$, eine 8fo* 
näfcerung jtotfe^en firnft unb üWünc^en $erbeijufü$ren, blieb 
Jebo* ofrte Crfolg. 3n ben nä*ften lagen überfiel (Srnft* 
PPeger Don Dachau einen 9Rfin$net ffiarenjug, ber Dom 
8anM$uter SKortte na* grrifiug ging, geleitet &on ftebenjig 
Pferben, bei benen fieb, ofyic bag e$ bie tingreifer teuften, 
$erjog ©tep$an befanb. Srft att er föon fiberrannt toar, 
tourbe ber gfirft ertannt unb toenn nun au* Oefangene toie 
ffiaren foglei* freigegeben toutben, fo trug tiefet Sotgang 
bo* neuerbing* baju bei, ©tep^an unb feine anfanget ju 
etbittetn. 

3ebe bet $erjogli*en Parteien fcatte bamaW in bet ©tabt 
i$re fefte ©utg; in Stephan« unb 8ubtoig« (Semalt befanb fl# 
bie 3leue, in jener (Srnft* bie »Ite gefte. ©*on im «ugnfl 
begann ba6 betnohatifc^e ©tabtregiment, um bei einem Hngriff 
auf bie leitete ni*t be^inbert ju fein, bie $äufer, meiere fie 
umftanben, nieberbredfren ju laffen. SRa^bem bann Cmft unb 
feine «ntytnger ber ©tabt tyre gefcbebriefe gefanbt, auberfeiM 
ßubtoig feinem Setter um ÜRftn<$en« nrißen ben ftrieg angefagt 
unb mit ber ©tabt ein ©finbtti* (10. ©ept.) gefdfrloffen fatte, 
begannen bie Friederiken geinbfeligleiten. ßubnrig na$m 
Pfaffenhofen ein unb belagerte ©a*au, bei beiben Untere 
ne^mungen Don ben 2ßön*nem unterftüfct; au* ftäbtif*em 
©eföüfc toarb Da*au betroffen. Die üRfin*ner felbft bradfrte* 




nnb SWün^ncr fitnic 1398. 



187 



bie SWte geftc in i^rc ®emalt, ftretften gegen ©rünetoatB unb 
Belagerten ffinft^alB SBoc$en lang Ba* ®c$Io§ 3innc6cr^ an 
ber ©Ion, &>el$e* toa$rfäeinti($ Srnft furj oorfar bem $ien* 
genauer toeggenommen $atte. 

Huf einem läge ju 3ngoIftaBt, too ft# bie Parteien gegen* 
fettig mit auflagen überhäuften, toarB enblid? ein SÖaffenftiflftanB 
6i« jum 18. ÜRai 1399 Beföloffen. (Srnft unb «Mirfat et* 
Harten (29. Dej.) s ) ftc$ in tyren ©treitigfeiten mit 2Rfin$en 
bem ©prucfc eine* au* breije&n 8toeligen unb ©ttrgern ge* 
Bitbeten ©d>ieWgertc$te« unterwerfen ju tocUen. Um eine 
©üfyte jnriföen Ben $erjogen $erBeijuffi$ren, toarb im 9io- 
oember 1399 eine große JEagfafcung )U $eiBelBerg eröffnet, tt>o 
am 10. 3anuar 1400 ^faljgraf {Ruprecht al* ©<$ieB$rid>ter 
feinen umfänglichen @pruc$ fällte. üDag (Srnft unb SÖttyelm 
»olle* Snrec^t auf Bie SWitregierung hätten, »arb BaBei al* 
felBftoerffänBU^ Betrautet; e* frmBelte ft$ aber um Bie «u** 
gteidjung einer SKenge ton ©trett^änBeln , o$ne toelcfce ein* 
gemeinfame {Regierung Ber oier $erjoge nic^t n>o$l möglitf 
fcBien. ffiegen Be* Überfalle* Be* Ba^auif^en Pfleger* mußten 
Chrnft unb «Bityelm MBBittc teiften, »äfcenB Bie Später fetbft 
auf jtoei SWonate jtoangtg SKeilen toett oon 2Rün$en öerBannt 
tourBen. ©tep^an $atte fi$ mittlertoetle (9. u. 10. Äug. 
1399) Bur$ ©d?ufeBünbniffe mit Ben SHactybarn, einerfeit* mit 
©tföof SBurf&arB oon 81ug«Burg unb Ber ©taBt Slug*burg, 
anbetfeit« mit CrjBiföof ®regor oon ©aljBurg unb Beffen 
Sap'Ud aerftärft. ffleibe ©flnBniffe lauteten auf jtoei 3a$re, 
Ba* Untere galt auty für SRieBerBatern. 

Die gefällten ©$ieBfprü$e fanBen Bei Ben $erjogen feine 
ober nur teiltoeife Unterwerfung, nrietoofyt oorfcr Ba* ®egen* 
teil gelobt toorBen mar, unb fo föleppten fU$ in Ben nä$ften 
3a$ren Bie ©treitigfeiten unb sugletcfc Bie UnterfranBlungen 
fort, inBem auf £agfafeungen ju 3ngolftaBt, 8anB*$ut, SRürn* 
Berg, Hmberg, 2lug*burg, greiftag, SngolftaBt immer lieber 
Ber S$etfu<$ eine« gütlichen 2lu*gteic$« gemalt tourBe. (5* ift 

1) 3um flgb. f. R. B. XI, 143. 144. 161. 167. 168. 169. 



188 



©Shrung in SRünfyn. 



titelt unfete Abficht, tiefe langwierigen unb fruchtlofen ©e* 
mfihungen im einjelnen ju »erfolgen; u>te ftajmair ba« Cr* 
gebni« be« greijtnger 5tag« im Siooember 1402, fo fönnte 
man alle lennjeichnen: „toa$ ^eute gut mar, toar morgen 
nicht«". 

3n SWünchen aber forberten bie bürgerlichen $arteiungen 
noc^ ©lut ju einer Sät, ba bie ffiolfen jmifchen ber ©tabt 
unb $erjog Crnft fich bereit« ju oerjiehen begannen, Auf 
Änfuc^en ber ©firgerfchaft, oon beren Vertretern mit breifeig 
$ferben in 2Boifrat«^aufen abgeholt, loaren (Srnft unb Sßilhelm 
um Allerheiligen 1400 triebet in bie ©tabt gesogen, too ieboch 
toemgften« ber erftere bie Suft noch nicht gans rein gefunben 
ju hö'en Weint; er blieb nut toenige Sage in ber ©tabt unb 
gleich barauf Farn e« yi blutigen Auftritten. Die geftürjte 
^atrijifche Partei glaubte bie %t\t ju einem neuen Umfturj ber 
Dinge bereit« gefommen, plante in heimlichen 3ufammen* 
fünften einen Anfchlag gegen bie regierenben Demofraten unb 
toählte tner $auptleute, »eiche bie $anbtoerfer umftimmen 
follten. Der {Rat aber fear auf ber $ut unb lieg ausrufen: 
toer hetoliche 95erabrebungen ober SBünbniffe fchliefce unb 
anber«u>o al« auf bem Rathaus SSerfammlungen befuge, beffen 
8eib unb ®ut fei ber ©tabt verfallen. Der ©aljtenber Ulrich 
©tromair unb jtoei Oafttoirte, in beren Käufern u>ohl bie 
Beratungen ber 85erfchu>orenen ftattfanben, Iriener Dom Sfinber* 
martt unb $aitoolf in ber iefcigen Sötoengrube, würben tor 
bem inneren unb größeren {Rate angetlagt gegen biefe« Verbot 
gehanbelt ju h^en, burch Urteil be* ©tabtridjter« Ötlinger 
Dom 8. SRotember *) für fchulbig befunben unb ohne ®nabe 
enthauptet. Anbete Angcftagte würben in ben lurm geworfen, 
einige }um fragen befebimpfenber Abjeichen, roter SRäber ober 
ftreujc an ihren flleibern oerurteilt, ©eiche« ©ift ber Partei* 
hafe in ber ©tabt au«gefat fpttt, jetgt vielleicht nichts beut* 

1) Sei @utner, ©erufctigung ber Unruhen beim ^Regierungsantritt 
ber C*rjoge & u. 1797, <S. 54. Ob au* bei 2)ietri($ bem eribe- 
nater, bem einige 3<it vorder bie Äugen ausgeflogen unb bie 3uuge ab- 
gefchnttten »urbe, ein politifthe« Sägern vorlag, bleibt jtoeifelhaft. 



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Äönig SBenjcl unb bic bairif^en $erjoge. 189 

lieber alö bic 92ad?n^t, bog fogar eine Dirne Sei ftajmairä 
SWutter, bie ihrer §errin auch bann treu Hieb, alö biefe fich 
in be$ $>erjog* ©chufc begeben hatte, mit angehängtem $agftein 
(*on pagau, ftreiten) au6 ber ©tabt gejagt würbe. 

üRittlerweile mar ein in ber beutföen ©efchuhte beifptel« 
lofeä (Sreigniä, bie äbfeftung be$ Rönigö burch bie ffurfüTften, 
erfolgt. Huf einem Sage ju granffurt im ÜM 1397, bem 
Don ben bairifchen 3Bittel$bachern ©tephan unb feine jungen 
Neffen §etnrich unb ffiilhelm beiwohnten waren heftige unb 
}um guten Seit wohlbegrünbete JMagen über SEBenjeW ©ewalt* 
traten, Iräghett unb 5Wachläfftgfett laut geworben, ©$on 
ließen ffurfürften unb gürften an ihn bie äufforberung er- 
gehen, er möge bem Weiche einen Hauptmann, b. h- «nen 
{Reichäberwefer fefeen. Sßenjel weigerte ftch unb fuchte auf einer 
Serfammtung ju Dürnberg (ÜWitte September) baö Verlorene 
9nfehen wieber ju erringen. Unter ben gürften, bie ftch bort 
cinfanben, waren auch bie $erjoge Stephen unb (Srnft unb e$ 
ift wahrfcheinlich, bag ber lefttere bort &or bem Ä5nige, feinem 
©chwager, gegen ben Oheim, ber ihn in feinem ßrbe öerffirjen 
wollte, ftlage erhob, ©tephan war feit feinem legten SBefuche 
in Warnen mit ©enjel äberworfen; um biefe &t\t »>irb e$ 
gefchehen fein, bag ihm ber flSnig jugunften be« ©rafen grieb* 
rieh t>on Duingen auch bie fchwäbifchen Stonbfcogteten entjoß *), 
um beren Verwaltung ber SBielbefchäftigte ftch Wtoerlhh biet 
beffimmert hatte, ©o fonnte bie 35erfchwägerung , welche 3o* 
hannft Sinie mit bem fiönige fceTbanb, jefet erft in polittfchen 
ffiirfungcn ftch geltenb machen: Grrnft fyattt in ben ^eimifdhen 
©irren fortan feinen Kniglichen ©chwager für ftch; ob ihm 
Don beffen ©eite auch irgenb eine thäiliche Unterftüfcung jutctl 
warb, ift freilich jweifelhaft. Dagegen lam eä im s )iorbgau 
(1399) jwiföen ©tephanS h^fe^üttßem ©ohne ?ubwig unb 
ben ©öhmen bereite ju geintfeligfeiten, bie sunächft baburch 

1) Siraburger (Spornt, 3). ffi. «. II, 45L 

2) ©tephan ift jutefct am 26. Sanitär 1397, ber Ötttoger guerft am 
6. »uguft 1398 al« Sanbbogt na<$jutt>rife». @. b. ©tfitin, ©irt 
<&cf$. HI, 367, «nur. 1. u. 2. 



190 



Äünig 9toprc*t. 



oeranlagt toaren, bag ßubtoig ben oon §erjog 3o$ann oer* 
pfanbeten ©tyulbbrief fiarl* IV. eingelöft $atte unb bei ©enjel 
oergeben* auf 3 a ^ lun S brang. 9Ja<$bem $trfc$au in bie ®e* 
malt ber ööfcmen gefallen toar, betebeten Sanbgraf 3o$ann 
oon Luchtenberg unb ber »mberger SBifetum 3o$ann oon 
$irt$orn ©affenftißftanb oom 30. SRoo. bt* 7. SWära 

Um fo eifriger brongte fi# ®tep$an $erju, als e6 nun 
mit ben Vorbereitungen ju ffienjeW Hbfefcung (Ernft mürbe. 
Cr unb fein ©o$n maren unter ben fiebert gürften, bie auf 
bem Sage ju granffurt ju ^eimlidfrem Stotfd&Iag fic$ oer* 
fammelten unb am l. gebruar 1400 mit fünf fturfürften bie 
Sttatyl eine« neuen ftönig* vereinbarten. gälte bie VSaty ein 
©lieb ber $aufer Saiern, ©a$fen, SKeifien, $effen, ber ©urg* 
grafen Don Dumberg ober ber ©rafen oon SSMrtemberg träfe, 
follten aHe ben ®etoä$lten anertennen unb unterftüfcen. Sludj 
bei ben ^Beratungen, bie Snbe 2Bai an bemfeiben Orte ge* 
pflogen mürben, mar unter ben na$ (Gelegenheit baju bei* 
gejogenen gfirften toieberum Stephan. <gr fehlte au$ ni#t bei 
ber 33erfammlung in Oberlafrtftein, »o am 20. Äuguft 2Ben* 
jeW »bfefcung feierlich oerfünbet unb lag« barauf ton ben 
brei geiftli$en fturfürften $faljgraf 8tuprec$t III., genannt 
(Stern, junt rötniffyn fiönige unb fünftigen ftatfer gemäht 
umrbe *). 

3um jtoeitenmale empfing ein ffiittetobadfrer bie beutfe^e 
Ärone, jum jioeitentnale mit tyr bie Saft, bie oolle 9ner!ennung 
aW 9teid>«ober$aupt fic$ erft erfömpfen ju müffen. Die ftoften 
be* nun aitfbrecfcenben ftriege* auriföen 8luprec$t unb ©enaet 
hatte oorne$mli$ bie ©berpfalj ju tragen, xoo 5Rupre<$» 
$eer, 2610 $ferbe ftarl, im $>erbft mit bem «ngriff auf 
$irf$au unb bie anbeten bö$mif$en ©eftfeungen ben Jlarapf 
eröffnete, »uprec^t felbft blieb bem ftriege fern, bagegen jog 

1) 9la(cre0 Uber biefe ocmridclten «ertyUtaiffc, auf bie fty au$ bii 
Urt ©orjtoote oon ewinar *ora 28. Ottober 1399 im 9t. 9. bqie&t, 
f. 3eitf4r. f. ©akrn 11,4, 6. 33; SRuffat, Cntf^fibigtuigcii, 18 f. 35 f. 

2) Sgl. Sinbner 1,2, 416 f. 3m Sanuar 1401 mar bann Gtcpfa» 
qu* bei Kupierte Ärforong in Äöto; 2). 9t. V. IV, 234. 



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Jtrieg in ber Dberpfalj anriföen ©cnjcl unb Wupxtfy. 191 

$crjog Sttbrntg, tote int Stto&ember gemelbet torirb, mit betrögt* 
licher SWa^t perf&nlich für ihn ju gelbe; bie anbeten baitiföen 
^erjoge, ohne bie ÜHünchner, feinen ihn mit Zxuppm untere 
ftüfet ju haben. Sin ©efehl {Ruprecht* an SRieberbaiern bem 
f>erjoge ©tep^an betjuforingen, toenn biefer t>on be$ ftönig* 
»egen gorberungen fteße (27. £>ej.), urirb auf biefe fttieg^ 
leiftungen ju bejiehen fein. 2Wi6lich für SRuprec^tö @a$e mar 
bie ©egneri'chaft be« 8anbgrafen Sohann t>on Seuchtenberg, ber 
für ffienjel focht; gleichtoohl gelang e* bett ^fäliern, Auerbach 
mit bem nörblichen leit ber ©raffchaft ©uljbach l ) unb über«* 
haupt, tote etf fcheint, faft alle«, tt>aS bie ©öhmen in ber 
Obcr^falj 1374 noch behalten Ratten, auch ba« erft bor furjem 
toieberbefefcte $irfchau nunmehr jurüdyierobetn. $einrich Not» 
haft bon Sßernberg, ber am 26. Oftober 1400 auf bem 
gelbe oor granffurt für {Ruprecht gewonnen toorben »ar, marb 
als beffen Hauptmann in fflaiern befteüt; er unterhielt im 
ftriege gegen ffienjet firteg«oolf ju SBernbeTg, SJohenftraujj, 
$leiftetn unb ©eiben'). »m 13. gebruar 1401 berbünbete 
fleh auc^ ffliföof «Ibrecht bon ©amberg mit {Ruprecht gegen 
ffienjel. «ber erft am 20. Sunt 1401, na$bem bie Ober* 
pfalj furchtbar gelitten hatte, toatb ein SBaffenftiüftanb ab-» 
geföloffen, an ben fich Unterhaltungen ju Salbmünchen fnüpf* 
ten, ohne baß boch ber ftampf bauernb beenbet toorben toäre. 
3m 3ufammenhang mit ben griebenäbeftrebungen tauchte bamal« 
ber $Ian einer $eirat jnrifchen einer ©chtoefier $erjog $ein* 
rieh« unb ffienjett ©ruber $rofop bon Wl&ffxm auf s ). 

gür ©aiern terfprach {Ruprecht« Sßahl toenigften« einen 
Vorteil: ^attt er fchon al« fturfürft nicht ohne <5rfolg jmifchen 

1) 3. 3«tWr. f. «aiern 1817 (11,4), @. 17, 27 f. 

2) 9ia$ gütigen SWitteilungen beft greiherrn *. tteifcen|letn 
au« bem SKothaftiftyn %x6)\*t, nunmehr im ft. %. 

3) S>. tt. *. IV, 30. 196. 220. 263. 297. 315; R. B. XI, 197; 
$ öfter, »uprety ber $falj, 206 f. 3ur Hufflfirung ber fehr t>er- 
»orrenen obetpffiljtfcfcen XerrUorial&erhfiltmfle bient bie Äarte be« <Brafen 
o. »alberborff, 2He Oöert Winnter ^faljgraf 3o&ann 1410—1443; 
ttegenttarg 1870. 




192 



#crjog Subttrig 



feinen ftreitfüd&tigen Oettern bermittelt, fo festen er nun ott 
Xräger ber Ärone bor aüen jum griebenäftifter berufen. ?lu# 
(Srnft braute nun bor tyn feine fllagen gegen bie ÜWündjner 
unb ben Ctyeim. {Ruprecht befäieb i$n na$ Dürnberg, too im 
gebruar 1401 biete gürften unb ftäbtifcfc ffloten ft$ ber-* 
fauimelten unb ber junge $einri$ bon 3iteberbaiern bie 8e$en 
empfing. 9u$ ©tepfrm koar erfetyienen, naetybem er ttieber 
einmal ben franjSfifdjen §of befugt bann feine jtoettc §oc$* 
jett mit <Slifabet$ bon Siebe gefeiert $atte. 3n ÜWündjen 
$atte man feine $oc$jeit mit einem Xurnier gefeiert. 3n 
Dürnberg lieg eö fi$ jefet ber ergraute gürft nic^t nehmen, 
gtei$ feinem ©ofrte Submig unb feinem Steffen Srnft felbft im 
ga£na$t6turniere mitjuftecfyen 2 ). 

SRupred&t im ©eptember ju Slugöburg fein §eer jur 
ga$rt na$ SBälfölanb fammelte, too er bie ftaiferfrone ju 
gewinnen unb ben mit ©enjel berbänbeten ®iangaIea3jo bon 
SWailanb ju unterwerfen gebaute, flieg ju i$m am$ §erjog 
Subtoig, ber im borigen Sinter nad> bem oberpfäljtfäen gelb* 
juge n>a$tf($einltc$ in feiner 33erlobung«angelegnt&eit na$ Un* 
garn gereift toar unb im ÜM unb 3uni in 5Ruprec$t3 Auftrag 
ju $aü unb guffen bie Unterfrmblungen mit ben $absburgern, 
mit günftigem (Srfolg geführt $atte s ). ÜRit ber ©eforgung 
feiner ©efdjafte ba&eim betraute er für Die 3eit feiner 31b* 
toefenfceit in Statten feinen ©ruber, ©ifäof 3o$ann bon 
SRegendburg, einen natfirlidjen @o$n £>erjog ©tepfcan«, 3obft 
bon Abensberg unb ©$meiger bon ©unbelfingen. Subtoig toar 
unter ben bairiföen ffiittetabacfcern berjenige, ber ft$ am 
engften an ba« bewanbte 9tei#3ober&aupt anf$lo§. ®leic$ 
feinem Bater trat er in SRuprecfctä {Rat ein. 8ubnrig$ älterer 
©ejie^ungen ju 3talten $aben toir bereits gebaut (f. ©.160). 
©eine Ärieg^^ilfe in btefem Sanbe n>ar anfang« auf 800 ©teoen 
(jebe 3u brei 2Wann unb brei Reiben) bcTanfölagt toerben; 

1) hierüber f. bie 9ta$u4ten feine« ©egtetter« SUbede, cap. 5. 

2) Utman ©ttomer, ©t.*(5&r. I, 54. 

3) 3). 9tci*«togeafteit IV, 342 f. 353. 421; R. B. XI, 202. 




mit Ä. ttupre^t in StaUen. 



198 



bo$ fteöte er bann fetbft nur 200 $ferbe, toofür i$m monat» 
lic$ 2000 p. ©olb jugefagt mürben. Äuger feinen eigenen 
Seuten aber füllte er gegen ben üblichen ©olb ben ©efe$l übet 
300 (Steden unb na# ber »nfunft in Stalten fiberbie* über 
500 ber glorentiner $Uf$iwwen führen. Unter {Ruprecht« 
8etbma<$e unb $ofgeftnbe finben mir auf biefem 3uge au$ 
mehrere Dberpfalaer , fo Semper 9?ot$aft, ®öfc 3enger, 
»brecht 9?ot$aft *), unter 8ubn>ig$ ©ölbnerfrauptleuten eine 
lange Steide ber angefe^enften gamilien beä ©aierlanbeä ver- 
treten, u. a. bie greiberg, ©umppenberg, $aflang, ©anbijell, 
®etoolf t>on Degenberg, 8u#ler, ftlofner, grauenberg, 8ai* 
ming, Styaim, ?fitric$*). Untertoegö toarb in ©etyongau 
(18. ©ept.) baä ©eilager be$ JBurggrafen griebric^ Don 9iürn* 
berg mit ber ptgenblictyen ©etyoefter be$ $erjog$ $einri#' oon 
©aiem*8anb$$ut gefeiert, jener fernen flrlfe, meiere bie ©tamm* 
mutter ber preugiföen ^o^enjollern tourbe. SBei biefem gefte 
erföien au# $erjog flrrnft, ber bisher no# an feinem ©cfytoager 
ffienjel gegangen, unb nrietoo^l tyn {Ruprecht barum ungnäbtg 
empfing, na$m er bo$ t>om pfäfjifc^en Setter bie 8e$en unb 
lieg m befttotmen, Sßenjel innerhalb t>tcr ffiocfyen ab* 
lufagen *). 

fltuprectyt* italtemfcfcer 3«8 ^ befannt, tote oor jmei 
Generationen ba$ Unternehmen ftaifer 8ubtirig$, oorneftnlty 
an ©elbmanget gevettert. ®<fyon auf bem ©ammefylafce, ba 
bie t>on fjlorenj erwarteten (Selber ausblieben, betoirlte bie 
ftnawfcit ber ÜÄittet, bag ber ftönig angeblich 5000 Weiter 
entlaffen mugte. Der SWarfä ging über ben gernftein, ben 
©rennet unb bur$ Oiubifarien am dbrofee oorbei gegen 
S3re$cia, in beffen SRafce ba* beutf$e $eer am 21. Oft ober 
iri$t glficllty mit ben SWailänbem fampfte. 9?uprec$t felbft 

1) 3anffcu, granffurt« 9fci<Wcoroft>onbenj I, 93 f.; 2). 91. B. 
IV, 448. 462. 466; V, 76. 77. 129. 221. 

2) 2>. 9t. «. V, 230. 231. 

3) Äajmair, 494. $eirat«t>ertrag *om 17. ©ept., 2). ». «. V, 
37 (unter ben Vermittlern bie $. ©tepfym unb 8ubn>ig). 

•Heiler, Oefftttte 9aletitl. in. 13 




m 



$. Subttig in 3taÜcn. 



toohnte ber ©chlocbt nicht bei; feine Strusen fochten unter 
bem O&erbefefcle U* granj bon (Sarrara üt bier treffen, 
beren erfleh, angeblich 3000 <ßferbe ftarf, Subtoig bon Statern 
befehligte *). 5Ra<h biefem Bufammenftog jog fleh ber ftöntg 
nach Orient gurüd unb ging bann mit einem Seile be* $eere$, 
bei bem auch Submig« ©aiern berblieben, burch bie ©erge 
griaul« nach $abua. ©ei bem prunfenben ßinjuge in biefe 
©tabt »erben in feinem Oefolge auger $erjog Submtg auch 
Subtoig unb 3afob bie $ütriche genannt 8 ). 3m Dejetnber 
begleitete Submtg ben ftönig nach 83enebig, toohtn er al« beffen 
®efanbter mit $erjog 8eopolb bon JÖfterreicb fc^ott imSluguft 
oorauägegangen toax. 3m ©ucentauru« fuhr ihnen ber Doge 
entgegen, boch ber glänjenbe Smpfang tonnte nicht barfiber 
tauften, meld? geringe« Vertrauen bie Senetianer in {Ruprecht 
festen. 3m gebruar 1402 tourben $erjog Subnrig unb ber 
©ifebof SRaban bon ©peier borauägefcbkft, um bem ftönige 
burch Unterhanblungen mit bem SWartgrafen bon (Sfte, mit 
f$loreng unb 8ucca ben SBeg gu bahnen 8 ). Die ©efanbten 
[teilten an glorenj ba« Hnfinnen, Iruppen gum ftampfe gegen 
ben SWailfinber Styrannen gu [teilen, richteten ieboeb nicht« au«, 
ba ber bon fteter ®elboerlegenbeit bebrängte ftönig fein Än* 
fehen bei ben florenttnifchen $anbel«herren eingebüßt h^^e. 
{Ruprecht« JRomfahrt fcheiterte an ber ©elbfrage unb an ben 
fehleren ©ebingungen, toelcbe ber $apft [teilte. Dem $ergoge 
fiuburig, ber ihm auch ®elD oon feiner ©chtoefter, ber fran* 
göftfeben ftönigin berfchafft ^atte f fcbulbete ber ftönig nach bem 
italienifchen 3uge mehr al« 18000 fl. ©otoeit bie ©cbulb 
bon rficfftänbigem ©olbe rührte, mürbe fie im September 1406, 
roie e* fcheint, burch SSerpf&nbung ber fjefte {Rotenberg mit 
bem üttarft ©ebnaitaeb unb ben {Emmern abbegahlt, toahrenb 
eine SReftforberung noch toährenb be« ftonftanger ftongü« einen 

1) Andrea Gataro bei Muratori, Scr. XVII, 841. 8gt. au$ 
Chmel, Regesta Buperti; $Bfler, ttuprtfy b. b. Wk* 239f. 

2) (Bataro, 844. 

3) 2). 9t. Ä. V, 60. 83. 165. 167. 




linterfcmbfongcn über einen 8u9glci<h gtoifc^en bot ©exogen. 195 



fcouptgrunb ju 8ubu>ig* äewArfni* mit «uprecht« ©ohne 
3o$ann Bitbete *)• 

3n Dürnberg $atte JRupre^t am 8. SDläri 1401 auf «n* 
(ringen ber §erjoge Subtoig, Crnft unb SÖUhelm einen Spruch 
gefällt, ber ihre mannigfachen ©efchtoerben Aber Corfäöe feit 
bem $eibelberger ©pru^e borläufig unentfehieben lieg, jeboch 
befrtmrate, bafj bie bertriebenen unb befchäbigten SDWtochner 
©Arger boöe Sicherheit genießen unb bafj (Srnft auf ben böh* 
mifeben ©chulbbrief, ben 8ubu>ig inne fyittt, leinen Hnfaruch 
haben foUte, menn er nicht binnen 3ahre*frift bie $älfte ber 
ftauffumme biefe* ©riefe« bejahe *). 811* burchgreifenbe* $eiU 
mittel ber 3»ietrac^t fcheint {Ruprecht föon bamal* bie {RAd* 
fehr jur Teilung Dberbaiern* oorgefchlagen ju haben. 3m 
©ommer unb $erbft toarb baröber jtoeimat ju 8tog*burg, ju 
Anberg, üfrbing unb im Äpril 1402 auf einer 3ufammenfunft 
Stephan*, (Srnft*, SBUhelm* unb ber Sanbfchaft ju 8anb*hut 
toeiter oerhanbelt. Der 8lu*gleich fcheiterte baran, bafj Stephan 
burchau* ben SWAnchner 3UiteÜ ffobtn toottte, menn er auch geneigt 
toar, feinen 9leffen jum Ongolftäbter Snteil für beffen SRtnber* 
mert — nach ftajmair* »ngabe 8000 fl. jährlicher {Rente — 
eine Keine (Entfchäbigung ju gemähten. Dagegen oertangten 
bie ©öbne 3ohann* enttoeber ungeteilt ju bleiben ober jtoifchen 
ben Zeilen, toie fie früher geföieben toorben, ju »ählen ober 
felbft eine neue Teilung oorgunehmen. Äuf ber SBerfammlung 
in 8anb*hut mufcte ©teph«! faxt* {Reben Aber fkh ergehen 
laffen, ba er ben »ungleich berjögere. Äl* er t>on 8anb*hut 
n>eg nach STOAncben ging, tytötn bie (Dinge roieber eine fehr 
brohenbe ©eftalt angenommen. Cr berforach ben 3ßAnchnem r 
fie in leine* anberen ®emalt fotmnen ju laffen, toogegen biefe 
freilich nur unter ber 83orau*fefcung, bag (Srnft unb ffiilhelm 
fie Ihrer (Eibe entbinben loArben, geloben tonnten, fo lange 
©tephan febe, nur ihm )u gehorchen 8 ). ©a* Serföhnung*» 

1) 2). ». «. V,217f. 242f.; $fiutle im Obcrba^f. «r*. XXVm, 
209 f. 

2) R. B. XI, 201; 2). 9t. «. IV, 283. 3um ftgD. triebet *a*ntair. 

3) M. B. XXXVb, 228; ©utner, ©crUhtigiuifleii, 37. 



13* 




196 gortbauernber 3*>if* »»ter bat gemcinfara rcgicrcnben Obcrbaienx. 

loer! machte au* bann leine gortf dritte, att ftönig {Ruprecht, 
Den Stalten gurücffehrenb, na* einem Jöefuche Wmtytß 
(2. 3Jiai) in ben nächften lagen in 3ngolftabt SJerhanblungen 
mit ber bairifchen Sanbfchaft unb ben $erjogen eröffnete. 

3m ©ommer ni^erten fich (Srnft unb ©ilhelm normal 
bem abgefegten ftönige ffienjet. SWachbem fie in ©aljburg am 
25. 3uni für fich unb ihren SRünbel $etnrt<h ein gegen Jeber* 
mann, nur nicht ba* {Reich unb bie Dfterreicber gerichtetem, 
itoeiti^rige« Sfönbni* mit (grjbifchof ©regor Don ©aljburg 
Dereinbart Ratten, trafen fie in bem fchauenbergifchen 8lfcha<h 
im SEraunbtertel mit föcnjel unb feinem ©ruber, ftönig ©ig« 
munb bon Ungarn jufammen. Hl* (Ergebnis biefer Steife 
lennen tirir Bisher nur ein am 27. 3uli in ©cbauenberg ab* 
geföloffene* ©finbni* jtrifchen ©ilh**m, bem Ungarnfönige unb 
bem ©rafen ^ermann Don Ciüi *), ba* fich taum in thätltchen 
ffitrfungen geltenb gemalt ty&tn mirb. 3Wtt bem alten 3llbre$t 
bon ©traubing*$ollanb, ber au* Don feinem ©cfymegerfofyte 
ffienjel umworben nmrbe, fuebte {Ruprecht ein ©ihtbtri**) 
gegen JRainalb bon (Selbem, ber ihn nicht al* ftöntg an* 
erfamtte. 

3u Stallen $atte fich $erjog ?ubn>ig, ber in $abua bon 
ben Bßüncbnern burch einen ©oten in ftenntntt gefefct toorben, 
bei ftönig {Ruprecht bitter über bie ©eioaltthaten feiner Settern 
beKagt. Da bie SMfincbner bem $erjoge (Srnft eine Ungelb* 
forberung nicht betotüigen toollten, hatte fich btefet gerächt, 
inbem er überall bie grasten ihrer ftaufleute aufgreifen liefe. 
Äuf Subttrig* ©etreiben hatte nun {Ruprecht bon ©enebig au* 
burch ©efanbtfchaft unb Schreiben (16. $)ej. 1401) an (Ernft 
bie Mahnung gerichtet, bon aßen Angriffen auf bie SÄfituhner 
als Unterthanen Submig* abjuftehen unb ihnen ihren ©(haben 
ju erfefcen. {Ruprecht* ©ohn Subtoig, ber al* jRetcb*bifar in 

1) R. B. XI, 263. 

2) Sußruttion ber <&efanbten, Sommer 1402; S>. 9t. 8. V, 818; 
*gl 180. (teer bie feinblicfr ©teCtang ftainalbft pt Stephan al« Bu- 
b&ngcr ftttyreeft* tgl. ©inbeefe, cap. 5. 




9tücRe$r jur &mbe*teifattg oon 1392. 197 



©eutfölanb geblieben mar, erhielt Sfaftrag, übet ben Boüjug 
ju toadben *). 

«13 Crnft na<$ fe<$*toöc$entlic&er abmefenfcit oon «f($a<$ 
nad? ©aiern jurüdfefcrte, erbitterte i$n neuerbingä, ba§ einer 
feiner Hnftinger, ber ÜÄümtyner ^atrijier SRubolf, Don Submig 
gefangen nac$ Baierbrunn geführt toorben mar. ®leid)too$l 
lieg er fi#, att i$n ©tepftm in Dachau auffudjte, bereben, mit 
biefem gemeinfam an 9hipre$t* $oflager na# Dürnberg }U 
ge^en, too iebo<$ bie gepflogene Unterrebung ju feinem (Erfolge 
führte. £)urc$ ßubttrigfl Steife na$ granfreiefc ermutigt, färitten 
fogar 3ofrann$©ö$ne ba, too fie ft<$ oom Ofcim oerfürjt glaubten, 
normal ju gemaltfamer ©elbftfcilfe. 9m l. Oltober na$m 
(Sroft ©tobt unb gefte ffiafferburg ein unb führte ben Pfleger 
ffierber, ber fie für ®tep$an oertoaltete unb ber ben jungen 
$etjogen feit Sauren ein Dom im Äuge mar 2 ), aW feinen 
befangenen na# SÖolfrat$$aufen. ®leic$jeitig bemächtigte fi* 
ffiityelm ber gefte 8Kc$a($, au« ber er ©te^an* Beamten, 
ben $afla$er, oertrieb. 8fo tyren D$eim trieben bie JÖrfr 
ber, fie tooflten nid?t toemger ©(tytöffer inne $aben als er, ber 
oierunbjmanjtg befifce; barum feien fie in biefer ffieife oor* 
gegangen. 

(Enblicfc rüdte bie JBcrjötyrong näfrer, als ©teptym* natür* 
lieber ©o$n, ©iföof 3o$ann oon SRegenöburg, bie £>er*oge 
(Stuft unb SÖifyeltn in Da^au aufluvte unb aW bann itoifctyen 
biefen, ©te^an unb ber Sanbfc^aft oier «Bochen lang ju grev- 
fing Unter^anblungen gepflogen mürben. Hm 11» 9looember 
1402 legten bie $erjoge ben HuSgleuty in bie $anb oon oier* 
imbjmanjtg ©cfteMleuten au« tyrer £anbf$aft unb am 6. De* 
jember fällten bieje ben ©pruefc, bie Seilung oon 1392 (ei 
mieber Aufteilen, ©tepfcan $abe beim 3ngolftäbter , Srnft 
unb SÖityelm beim SRfinctyner Anteil ju bleiben, «uf einer 
©erfammlung in Ongolftabt marb in ben Sagen oom 6. bt* 
9. 3anuar 1403 bie 8anbe«teilung laut be$ Breifinger ®ptudfi 

1) ©t.-^r. XV, 543; SX ». «. V, 29-31. 

2) @. föon beu SeÜxftewr epxudf t>om 10. 3au. 1400 ; B. B. XI, 169. 



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196 ffofßanb 9Rütt$cn9 gegen bie $eqoge ©ruft wob SBiQelm. 



fcofljogen ober, fotoeit bie* no$ ni#t möglich ö>ar, für bett 
nötigen Solitjug t>on ben Betbett fcerjoglid&en Sinien ®etofi$r* 
fcfcaft geleiftet 1 ). ©o enbete bie Hägli<$e Sierfcrjogregierung, 
bet lefcte S3erfu<$ gemeinfamen Regiment« Don HBBmmlingen 
aerfäiebener Sinien, unb feist Setlauf mar aßerbing« geeignet, 
ben ffiitteWBacfcern bie Ötft )u ffiieber^olungen grfinblty ju 
fcerleiben unb bie Sanbeftteilung, fo oerberBIicfc fie mar, bo$ 
att ba$ geringere unter jtoei unotrmeiblttfcen Übeln erfreuten 
ju laffen. 

9(4 traurige« 9ta($ftriel aber fnfipfte fi# an bie Streitig* 
leiten ber gemeinfam regierenben Settern erft no# ein 8uf* 
ftanb ber $auptftabt gegen i$re $erren. gßr bie 9Rfin$ner 
Demokraten, bie ba* Stuber in $änben Ratten, mu§te bie 
3uteilung ber ®tabt an bie $erjoge Grnft unb SBUfctra ba* 
Snbe ifcrer $errf($aft unb jtoar ein (Snbe mit ©Breden Be* 
beuten. SRad&bem fie i$re Gegner t>on $au$ unb $of Der* 
trieben Ratten, mar ni$t gn ertoarten, ba§ beten greunbe unb 
©önnet gegen 'fie glimpflicher &erfa$ren tofirben. ermutigen 
lonnte fie bie ablefrienbe Haltung, bie, tote fi$ toa$rf($einlt($ 
Balb jeigte, bet in granfreiety aBtoefenbe $erjog Subtmg gegen 
bie 8anbe*teilung anfangt einnahm. 3nbem fidfr alfo bie 
©tabt mit biefem bur<$ JBoten in Serbinbung fefcte, oertoeigerte 
fie i$re Unterwerfung unter $erjog 3o$ann* ®5$ne unb 
rflftete ju getoaltfamem ffiiberftonb. Cor ber Steuen gefte *) 
toarb au* $ola ein mätyige* JBloAoerl mit Srfem gejimmert. 
ffiie ber bürftig getoappnete ©firger t>or bem eifenRirrenben 
9?itter er$oB e* fic$ led &or ber fteinernen $erjog$Burg. Die 
äufjere Orfide Bei ber Sßeuen gefte toarb abgebrochen, ber Be* 
nacharte lutm unb bie Sßauem mit Sachen Befefct. Hm 
18. gebruar 1403 ffinbeten (Smft unb ffiityelm tyrer rebelt 
f#en $auptftabt ge$be an. »n Stephan richteten fie bie 
SWafonrng, mit ifyien inö gelb ju rüden. Diefer fatte ft# 
nur ferner jum grieben Bequemt unb ftanb Bei ben ®egnem 

1) t». gre^betg, eanbpfinb« I, 335 f.; R. B. XI, 277—287. 

2) @tej>$an ^attc fie 1402, Sag. 22. bem ©tabtri$ter Ötttager in 
$Peg«toeife eingeantwortet R. B. XI, 265. 




Belagerung Vt&ntyxß 1403. 



im ©erbaute bie Stobt $eimtic& in tyrer Oppcfitton ju be* 
ftärfen; Unter^blungtoerfutbe, bic er nun in greifing mit 
ben Settern onfnfipfte, tourben bon biefen unter $intoei« auf 
feine befiegclte £ufage jum leilungäbertrage furj obgetiriefen. 
Dagegen tarn ber Junge $erjog $ehrtic$ wn 2anta$ut ben 
SRibtcbener Settern gufcilfe. 8m 25. gebruar erfc&ten bie ge> 
fammclte ©treitmafy ber gflrften im Storbtoeften t>ox ber 
©tobt. SRo<$ feierten bie »ftrger, bur# biefe fernere Setter. 
moBe ntyt geföredt, mit tyren ©eibern auf bem 9fat$au6 
luftig bie ga*na<$t, al* fimft unb ffiityelm mit ungefähr 
taufenb ¥ferben föon j»ei ©tunben bor ber ©tabtmauer bei 
SWofacb, $einri$ mit ebenfo ftarfer 3»a^t baneben bei f$eftv 
mocftng lagerte. Ilm nä$ften ÜRorgen tourben bie geinbfetig* 
fetten eröffnet, inbem bie ©elagerer burc$ ein Slufgebpt &on 
jtoeitaufenb ©ouern pnä^ft ber ©tobt alle« ffiaffer abfänitten, 
bann ber 3f arbrüde fl# bemädbttgten, ring« um bie ©tobt 
alle $äufer, ©tabel unb «Salbungen ber ©firgerftfcaft unb 
außer ben fünf SKitylen läng« ber ©tabtmauer oierjtg »eitere 
nteberbrannten, fo ba§ nun im Umfreife einer SWeile feine 
SRityle me$r ftonb. (Ein «u«faö, ben fe<Wunbert SRfincfyter 
unternommen, enbete, tote toenigftend eine Stimme tum Seite ber 
©egner berietet, mit tyrer »üben gluckt. 9m 27. tourbe 
hon ben ©elagerern $afing, too eine Keine Abteilung ©tobt* 
fMbner lag, berannt unb beföoffett. ©$on na$ bem 28. aber 
i<>8 C*ti<>Ö $ttoti$ bom ©afteig, too er julefct gelagert $atte, 
nac$ $aufe unb marb bie Belagerung in eine ^Beobachtung 
umgetoanbelt. 

3nbeffen DerftSrften bie 9Rfin^ner tyre ©efefttgungen unb 
fanbten ©oten um $ilfe an bie oberbairiföen unb anbere be* 
freunbete ©tobte, toieberfcott auefr an $erjog Subtoig. 'Die 
3Rfin$ner ©orgänge trieben biefen gürften au« $ort« in bie 
$eimat l ). ©ofc aber er, bem man in manchen Streifen *) ben 
Äufftanb gerabeju jur Saft legte, iefct t>erfö$nlic$er geftimmt 

1) 2>. H. *. V, 502. 

2) ©ogriebri* t. ©ranbenbnrg; Riedel, Cod. dipl. Br. 111,1,175. 




200 £u9glei$ ftfeiföm bot IRAn^ner ©crjogcn n. i$rer $<tu$tftabt. 

mürbe, mar mo$l ba« SJerbienft be« Jtönig« Wibrecht. 9ta$bem 
Submig um Sßttte ÜWfitj auf feinet $eimreife biefen in Reibet* 
berg befugt hatte, gab et am 22. Jtyrit ju Ätchach feine £u« 
ftimmung jut 8anbe«tetlung , oerfprach Dom Änteit feinet 
SSettern nicht« mehr ju fotbem unb entbanb bie 2ßün#net 
ton ihten (Siben. Doch betfpta^ et biefen r al« er in ben 
«äfften lagen in tyre ©tabt tarn, in lebet SRot unb aßen 
Stiegen mit feinem ganjen Setutögen fo lange 6ei)ufte$en, bi« 
ihnen bon ben btei $etjogen, bie fte angegriffen, bie ftrtegt* 
fchäben etfefct mürben, mogegen bie ©tabt auch ih« Untet» 
Pfcung gelobte fo lange, bi« feine Settern feine Änfotüche 
beftiebigt Ratten (27. Styrtl). (Sin bon bet Sanbfchaft jut 
Vermittlung anberaumtet lag in Sngotftabt !am nicht ju» 
ftanbe^ Dagegen gelang e« miebetum bem Burggrafen bon 
Dürnberg, juerft bei einem ©efuche in 9Kün$en bie Bärget* 
föaft jur SRachgiebigfett urajuftxtmnen, bann in gtiebbetg auch 
8ubmig« (Sintoittigung ju ermirfen, bafc bie ©tabt ben (Sntfcheib 
tyte« ©treite« mit ben $erjogen in feine $anbe legen bflrfe. 
Da öibmig fchon bamatt bon feinem Setter ^einrieb bon 
8anb«hut timtfehäbigung beanforuchte, meit beffen Sater bei ber 
8anbe«teilung bon 1392 ju biel belommen $abe f gab ihm bet 
Burggraf al« $rei« feiner 9iachgiebigfeit im STOünchuer $anbel 
bie 3ufage, bafc (Srnft unb ffiilhelm, faltt er mit bem 8arib* 
huter ftrteg anfinge, biefen nicht unterftüfeen mürben (30. STOai). 
»uf einem läge ju Reifing entfehieb er bann (31. SWai), 
bag bie Parteien oerfö^nt feien, ade (befangenen unb St» 
oberungen jurüdgepellt unb ben SWünchnero bon ©ette ber 
$erjoge botte Ämneftie erteilt »erben, anberfeit« auch bie 
äRänchener megen ber bon ihnen beringten ©trafen leim 
Serantmortung tragen foHten. 

(Sin unblutige« Strafgericht über bie gfl^rer ber bemo* 
fratifäen Partei ift bann gletchtooht hereingebrochen. 9ttach ber 
JRficffeht Äajmair« unb anbetet Verbannter unb nach ber 
SBahl eine« neuen State« mürben Ulri$ £k&tl unb bie übrigen 
WäbeWfühtet megen »etfchleuberung be« ©tabtgute« jur »er» 
antmortung gesogen, jum firrfafc mit ferneren (Belbbugen be* 




$otitif$e ©ctoegungen in bot bairiföcn ©tfibten. 



legt, eitrige au« bet ©tabt vertrieben, anbete eine 3^t lang 
eingeben*. Der SSertrtebenen na$m fi$ no$ na# Sauren 
$erjog ftibtarig an f bem übrigen« bie ©tabt felbft Dom ftriege 
$er 1411 eine @$ulb t>on 4000 fl. ju jaulen $atte, ÜJianctye 
©ürger toanberten audj fretariülg au« unb al« bie fterjoge 
firrnft unb ffittyetm jufamt bem 8anb«$uter Setter unb bem 
Nürnberger ^Burggrafen am l. 3unt 1403 feierlich fat aWüm$en 
einritten r toar e« bie SBürgerfcbaft eine« geföto&tyen, mit 3iot f 
©Bulben, Verarmung fämpfenben ©emetntoefen«, toel$e tief 
gebemütigt ben lange fcerfömctyten $erren tyre $ulbigung bar« 
braute. Sine SReform ber ftäbtifcben SJerfaffung, Webe bie 
$erjoge bann (21. «uguft) bur#fü$rten, foflte ber ffiieberfefr 
äfcnlicber Unruhen vorbeugen *). 

Die 3Rün$ner Unruhen gehören in bie grofce ftette polt* 
tiföer ©etoegungen in ben ©täbten, toeWe fid^ burcty ganj 
Deutfd&Ianb jogen unb in ben bairiföen $erjog«ftfibten nur 
etoa« foäter al« in ben meiften 9Jeicb«ftäbten jum 8u«bru$ 
lauten. (Sine bemofratiföe ©etoegung innerhalb ber SBürger* 
föaft $atte ficb $ier mit einem Sufammenfto^c jnriföen ben 
Sanbe«fürften unb ber ©tabt unb juglei$ mit ©treitigfeiteu 
ber 8anbe«fürften unter fldfr felbft berührt, ©o fe$r ber lefctere 
Umftanb ber ©tabt im ftampfe juftatten tarn, tyre auflefrmng 
toarb bo$ ntebergefölagen, freiließ nfcbt, o$ne bajj e« no# 
einige 3*i* fortgäbe. 3n ber iüngften ber fcrjoglitben $am>t* 
ftäbte, in 3ngoIftabt, bertynberte n>o$l nur ber Umftanb, ba& 
ba« ftäbtifdfre ffiefen bort fcbtoä<$er unb toenig entteidelt toar, 
einen emften ftonflift. 1420 tooBte 8ubtoig im ©art Wagen 
über bie ungefcorfame SBürgerfäaft feiner $auj>tftabt oor ben 
SRitterbunb bringen; biefelbe toeigerte fi$, feinem ©o$ne ju 
föaören, räumte $m nietyt ein, bog er ben ®eri$t«f$retber 
euqufefeen $abe, unb tooflte ni<$t oon ben Pfahlbürgern (äffen *). 

1) Äajmair, et.-^r. XV, 501 f. unb ebb. 563 f.; R. B. XI, 298. 
303; M. B. XXXV b, 231—249; «m^d bei Pez IIIc, 438 u. bei 
gre^berg I. 173. 

2) «ttfeetynitng »on 1420, 3uli 15.; ftenburger C. B. XXXVIII, 
f. 177 f. 




1902 et&btiföe Unruhen, $erjog fceüttt* 



3u heftigen ^Reibungen ber S)fttgerf($aft mit $er)og Subtoig 
tarn e$, tote tott fpätet fe^en toetben, in 9leuburg. Donau* 
toört^ benu^te ben «fidfalt, ben e* am ftekfc fanb, um fl<$ 
bem Drude unb bet $o$eit feinet 8anbe*fttrften gönjltc^ ju 
entotnben. (Einet bet fötoerften äufammenftöge stoifäen ©tabt 
unb ?anbe*$ettn aber erfolgte in 8anW$ut. $iet tonnte bie 
«fltgetf^aft im äerofitfni« mit intern gfltften fty nU$t an 
anbete anlehnen, an$ tritt ba£ SRoment bet bemoftatiföen 
:©etoegung fe$t jutfid, fei e*, toeil $iet *on aotn&etein fein 
fo ejflufto pattijiföeS ®tabttegiment beftanb tote anbewätt«, 
fei e£ nut baß ba« rafd^e unb gefcaltfame (Singreifen be« $et* 
jog« bet bemofratifefcn lenbenj niefet 3eit lieg ju erftarfen. 

ffiietoo^I und übet ben «anbautet $anbel fein fta^mait 
berietet *), öetntögen mit ungefähr ju but$f$auen, au$ toelc^en 
<öurjcln bet Streit ertoac^fen toar. (gegenüber ftanben fW& 
ein gfirft, n>o$I bet ©otmunbf^aft entti>a$fen, batum abet 
boc$ ein unreifer Sfingling, unb eine SBfitgerfdjaft, beten 2Ra#t 
unb ®elbftgeffi$t ein 3a$rje$nt *otmunbfc$aftIi<$et Regierung 
u>o$l gefteigett $atte. Den bösartigen <£$ataftet $etjog $einri$« 
ipetben toit no$ Don anbeten Seiten $et fennen letnen. Sei 
tym wie bei feinem Bettet Submig im Start $at man ba$ ®effi&l 
aud bet «rt getragenen ffiitteWbad&etn gegenübetjuftefrn unb 
biefe« (gefügt teitb nidfrt ttfigen: jum Unheil für ©aietn finb 
bie beiben (Snfet be« SRatlänbet Scannen Stotnaba* »{«conti 
au# bie (Erben feinet Ratten unb gewalttätigen Statut ge- 
ttotben unb me$t biefem müttetlitfen (Stofcoatet aW tyten 
ftynen bon fcäteriufcet Seite na^geattet. Äbet toie toenig 8ob 

1) 3imnerbln $aben mit bei Bnbrea« »on SRegen«butg, chron. un. 
(Eccard, Corp. hist I, 2128) ben ©eri$t eine« 3ettgenof[eu , bei ben 
$anb*$ntent güetrer unb Xxnptd (lat. c. 896, beutf* 6. 144) bie totale 
fcrabttton. Äürjcr Nürnberger unb «ug«bnrger ®tabt*roniften (©t.-£$r. 
I, 368; IV, 114); ber trierte bairif*e gortfefcer ber ffi*flf*en ©elt«rontt, 
M. G. 3)eutf*e Strömten II, 362; Seit toon Cbertberg, Oefele II, 731. 
Sgl. ferner ba« bei ©taubentau«, Gfronit »on ftuMfyst I, bef. 113 f. 
unb $cigel in ©t.-(£$r. XV, 266 f. berangejogene ftabtar*tbaUf<$e 
Material; Heltersberg, ©etrattynngen über ben fogen. ©ürgeraufrubr 
in ftmbftbnt. 



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mtb feine fcaitytftabt 2antt$ut. 



au$ ber Ongolftäbter Setter berbiente, es toar boc$ mbglidj 
jtoif<$en biefem imb bem Jugenblid&en ^einrieb einen SBerglety 
gu jie$en, bet ju ungunften be* leiteten auffiel. „©et aUer 
$5rte", fagt ein <£$ronift *), „fdfruf Subtotg bodfr nie einen SRen* 
feben ju töten, tote Diel einer au$ totber i$n $anbelte; ben 
Qerjog $einri$ aber bieg man ben SBlutbergieger, toeil er bie 
9Renf$en aflmeg gern tötete." Der {Ruf feiner ©raufamfeit 
fnfipfte fk& eben an bie Unterbrfldung ber Unruhen in feiner 
$ait}>tftabt, wobei fieb ber $erjog ebenfo $art tele berfölagen 
ertote«, ffiäre a»a$ia*eDi bie ®ef$i$te ber 8anb«buter $er* 
joge Mannt getoefen, er $ätte anf $einri<b$ ©erfahren $itu 
toeifen lömten al« ©eleg für feine Säfte: 9m beften fommt 
toeg, toer am beften ben Sucb* ju fpielen toeig, unb: Sin 
gütft barf fi<b um bie ©cbanbe ber ©raufamfeit ni$t flimmern, 
toetm e* gUt, feine Untertanen einig unb im ®e$orfam ju 
erhalten. 

$einri$ bie Regierung antrat, tooflte er fld^ niebt 
me$r an bie verbrieften {Rechte galten, meiere 8anb*$ut unter 
feinen S3orfa$ren erlangt $atte. ©a$rf(beinli(b ging feine Hb* 
fic^t ba$tn, bie ftäbtifeben abgaben unb Dienfte }u er$ö$en *), 
unb ju feiner fttage, bag bie @tabt feit je$n Sauren ntdfrt 
me$r bie botfe ©tabtfteuer entrichtet $abe, mug man toofcl 
btajubenFen, bag er biefe o$ne äuftimmung ber ©firgerfdjaft 
gefteigert batte. 3n ber ®tabt berrföte 8Bo$lftanb, ^ m 
man fldfr aueb niebt veralte, bag Arnberg, ffiten, $rag, 
„}e$en ©tunb" reicher unb mächtiger feien. SlnberfeiW er$ob 
ber 4>erjog ©efömerben über ba« ©ergeben ber ftäbtifeben 
©e$5rben, tnflbefonbere be$ ftammerer* ffiernftorfer, bie fl<b 
bie Surtöbiftion fiter betjoglit^e JDienftmannen anmaßten, au* 
in anbereu ©täbten ^fänbungen bornäfynen unb beren SBfirger 
Strängen, über ®runb unb ©oben bor bem 8anb«$uter ®tabt* 

1) ©ei gre^berg D, 451. 450. 

2) Subnrig b. ©aier batte 1341 bie 9anb9frster etabtfteuer »on 500 
anf 300 $funb Pfennige berabgefefct. SHefen ©etrag ftaben nrir no<b 
1862 unb 1364 (2anW$uter Ur!., ed. Äal*er, 68. 75), 1439 aber betrug 
bie ©teuer 600 Vfunb; f. $t.-e$r. XV, 284. 



204 



(SctoaUprci^ $. $etnru&« gegen ble 8anWhtttcr. 



geriete Stecht ju nehmen, ffiährenb bet oormnnbWaftlichen 
{Regierung, tote e$ ft^etnt , toat neben bem alten unb neuen 
State, bem unteren unb äufjeren, ebenfo tote in 9tegen«burg, 
SWümhen unb anbettoärtö auch eine „(gemeine" aufgelommen, 
ein gut Beratung unb ©eföliejjung ^richtigerer Angelegenheiten 
einberufener großer ©ürgerauSfäug. Sine SBemegung, tme e« 
fcheint, toar im (Sange, toetche bie ©tabt&erfaffung noch bemo* 
Irattfcher geftalten, biefer „(gemeine" unb ben fünften 1)$fam 
politifchen ©nflug beschaffen moflte, biefe lenbenj aber fanb 
am $erjoge, ber eben erft gegen bie äßünchener 5Demofraten 
mit in« Selb gerfltft toar, einen grunbfäfclichen (Begner. 3n 
ben ftreifen ber SBürgerfchaft legte man bie toadtfenbe <&nb> 
frembung jtoifchen ihr unb ihrem 8anbe*herrn jum großen 
Zeil beffen abeliger Umgebung jur Saft: ein ftafpar grauen- 
hofer , (SraSmu« ^reifutger, Alban ©lofner hätten bie ®e» 
finnung ihre« jugenbltcfcen $errn gegen bie Bürger aufgehest 
(SS fam fo u>ett f ba& bie SBfirgerfchaft fleh anfehufte, ihre 
®treittg!etten mit bem $erjoge t>or ben ftaifer ju bringen. 

$te£ aber vereitelte ber $crjog bur<h einen tüdifeben ®e* 
toaltftreich. <5r rfiftete unb lieg verbreiten, e$ gelte, ben $er* 
jogen Don Öfterreich mit einem $eere juhilfe ju jiehen. ©otoie 
er fich ftarf genug tougte, lub er (24. Aug. 1408) bie Statte 
herren, al$ teoüte er vor bem HuSmarfth fich fcerabföieben, 
in fein ®cblofc, an feine gaftliche lafel unb oon biefer toeg lieg 
er fie in bie ©urgöerliefce fehleren. Derartige $interlift bon 
Surften gegen ihre ©firger fteht im üßittelalter nicht oereinjelt: 
auf biefelbe ffieife ffattt fich ber Crjbifchof ftonrab Don $oty 
{toben ber ftölner (Sefchlechter, bie ®rafen Don gürftenberg- 
$aflach ber Millinger SBfirger bemächtigt. Änbere ©ärger 
jmang bann Heinrich burch Drohungen fich ebenfalte aW (ge- 
fangene ju fteHen. @ie alle, ettoa öierjig an ber 3ahl, mußten 
fich mit fehlerem (Selb auSlöfen, mehrere ber einffajpretd&ften 
SRat«herren, ein Ringer, SWartin Don äfch u. a. mürben au* 
ber ®tabt oertoiefen, einige toie ber ftammerer ffiernftorfer 
unb ein ©ärger $an£ ©teptd mit Cinjiehung ihre« beträcht* 
liehen ©ermögen« geftraft. 9m 20. Oftober tourben trierunb* 



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(£l?arfrettag$ua<$t 1410 in &mb«bttt. 205 

jtDanjtg ©ärger au« bcm (Sefängniffe enttaffcn unter ber ©er* 
pfüchtung, bog fie SanWhut ju berlaffen, aber in be« $>erjog« 
Äuiben ju bleiben unb auf beffen Äufforberung fic^> binnen acht 
lagen ju fteüen Ratten 1 ). 

$>ie «Erbitterung, meiere biefe ©iflffir in ber ©firgerföaft 
hervorrief, trieb ju geheimen Bufammenlfinften, mefleicht auch 
gur ©Übung eine« förmlichen ©ehetmbunbe« 2 ) unb gemattete 
ben ©erbannten mit ben Unjufrtebenen in ber ©tabt ©erbin* 
btmgen ju unterhalten. 3n einem Sturme ber ©tabtmauer 
unterhalb be« Sanbthore« toohnte ber ©firger 5Dietri<h Hödel; 
bort fanben nächtliche ©erfammlungen ftatt. 9?ö<fel« (Shefrau 
aber hatte einem $errn bom $ofe, bem 3unfer Ulrich <5bran 
bon ©ilbenberg 9 ), ihre ©unft gefchenft. 91« fie in ber <£$ar* 
freitag«nacht be« 3a$re« 1410 ben ©efueb ihre« ©uhlen em- 
pfing, oertraute fie biefem an, baf? im $aufe glett&jettig noch 
eine anbete, nicht minber geheime, aber jahlreichere unb ernftere 
3ufammentunft ftattfinbe; e« feien bie ©erbannten, bie man 
heimlich eingelaffen habe, ©er 3unler verlor leinen Äugen* 
hüd, bie nichtige ftunbe oor ben gürften }u bringen. SRafch 
mürben bie herjoglichen 5E)ienftmannen oerfammelt; noch in ber* 
fetben Stacht fielen fie über bie ©erfammtung her, bie ungefähr 
50 Zeitnehmer jählte 4 ). (ginige enttarnen, inbem fie fich bie 
©tabtmauer htaunterfallen liegen, an ben (gefangenen aber 
nahm ber $erjog mit Einrichtungen (fo S^riftian Seitgeb), 
©lenbungen, ©erftflmmelungen unb neuen Sanboermeifungen 

1) R. B. XII, 22. 25. 27. et $et<htnger in «rnt>ed« «u«gabe 
(. Ringer; über bie gatnilie bgl. ®t*<S$x. XV, 351. 

2) gür bie Annahme eine« planes, baß fi<h bie ©tabt ber Roheit 
be« Serritorialherrn entzöge (€>t.*<£$r. XV, 269), fchewt mir jeboch Süßerer 
Inhalt tote innere ©abrfcheinfthtelt ju fehlen. 

3) S)er Warne nur bei «bentin III, 487. Geflieht e$ bteuewhi 
auch aegen biefe« unerfreulichen 3ufammenbang« mit feiner gamitien- 
geföuhte, nUht nur an« Äflcfficht auf $er$og Heinrich, baß ber (Shroniß 
€bran oon ©ilbenberg *on bem ganjen 2anb«buter $anbel fchtoeigt? 

4) Weben güetrer« nnb «rapeett StorfteUnug ift be« «nbrea« Wach* 
rieht, bag ein Seil ber ©erfrorenen bie $erjog«burg ergeben« an- 
gegriffen habe, rütfelhaft unb toenig glaubtottrbig. 



206 



2>ie bairiWen 8onbe*tette; 3ngolßabt benachteiligt. 



graufame Kac^e. Um 30. SBät} tourben 30 SBänner unb 
19 Stauen, beten Sßänner teil« Eingerichtet , teil« fföc&tig ge* 
morben waren, gegen Urfe^be au« ber $aft entlaffen, aber au« 
allen bairiföen fianben berbannt unb in« (Slenb getrieben *). 

3e# na$m ber $erjog bie fefteften Zürnt ber ©tabt in 
eigenen ®ema$rfam, bie ©ütgetfäaft mugte geloben, tym allein 
ifi ge$ot<$en, mit tynt in« gelb pi rüden, mann unb fo ftart 
mte et e« begehre, {1(4 mit 9tt$ter, ftammerer unb 9tat ju 
begnügen unb feine 3unft, 3*$* unb fatmlicfcn Wate ju $aben. 
Die , (gemeine 1 ' blieb mo$l befielen, burfte aber nic^t Aber 
fymbert ftöpfe jetyten unb mußte bur$ bie oon ber $errfäaft 
ityrlty gefegten «ammerer unb Wat einberufen »erben. @o 
mar, no$ me$r al« in SÄfintyn, bafär geforgt, bag ba« @tabt* 
tegiment ft$ ni$t me$r gegen ben $erjog auflehnen lonnte. 



3n oiet ©taaWmefen jetfplittert, beten iebe« feine felb* 
ftanbige $olttif »erfolgt, feine« alten SRorbgaue«, beffen größere 
SBaffe unter pfäljtf$er $errfcbaft fte$t, ym leil beraubt, tft 
©aiem nun ya einer polttiffyn ©ebeutung«loßgfett $erab* 
gefunten mie no# nie im Saufe feiner ®ef$i$te. SJon ben 
bur$ bie Serträge oon 1392 unb 1402 gef$affenen Zeilen 
mar bet Sngolftäbter mo$l am menigften begünftigt. 9W#t 
nur meil feine (Stträgniffe hinter jenen be« 2Rün#ner unb noeb 
me$r be« 8anb«$uter Zeil« jurüdftanben; er $atte au$ feine 
©tabt oon ber ©ebeutung mie 3Rfin$en unb &mb«$ut unb 
fein ®ebiet mar, abgefefcn oon Heineren $arjellen, in brei 
©tüde jerriffen. ©a« oolfteictyfte berfelben um unb 
Donau faieb ba« lanb«$utif$e Amt ftranjberg oon bem (ge- 
biete um ben 3nn, ba« bie Ämter ffiaffetbutg, galfenbetg unb 
ftling umfaßte, unb biefen Zeil trennten tynmiebetum bie lanb«* 
fyitifcben (getiefte Kofen^eim unb Sßarfmarbftein oon bem fäb* 
tieften Stüde, bem frönen fttyenlanbe ber Ämter ftufftein, 
Kattenberg unb 8i$bfi$el. 

1) B. B. XII, 62; »eitere Urtunben auf ben &mb«i)ntet ©anbei be- 
ifiglty a. a. O. 63. 



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2>er XxxoUx Sanbhoftneifler $einri<h »on »Ottenburg. 20? 

Ungern hatte bet alte $>erjog Stephen III. in bie erneute 
Sttlung fleh gefügt, tnbeffen ging er nicht fo toeit, ben ffiiber* 
ftanb, melden bie ©tabt äßfinchen berfelben entgegenfefcte, ja 
unterftüfcen. Sud? nachbem biefer gebrochen toar, liegen mancher* 
lei 3rrungen feine »ofle eintragt ber beiben oberbairifcheit 
Surfen auffommen, bi$ erfi im 3ahre 1410 bte auswärtige 
$olitif eine feiere herbeiführte. 

<S0 toar begreiflich, baß bie «BttteWbacher ben SBerluft lirol* 
noch nicht oerfchraerjt hatten unb in biefem ©efühle gern einem 
©unbeflgenoffen bie $anb reichten, ber ihnen bort (Eroberungen 
oerfpratb. Wehr att einmal feit ben legten acbtjig Sahren hatte 
ber mächtige uno unruhige liroler »bei mit $>ilfe frember Surften 
ben ©turj ber einheimifchen geplant ober herbeigeführt; ben 
hatoburgifchen 8anbe«h«nen erging e$ jefet nicht beffer al* 
oorher ben lujemburgtfchen unb toitteWbachifchen. Unter ben 
liroler äbeligen ragte baraal« ber Sanbhofmeifter Heinrich ooa 
«Ottenburg heroor, beffen Stammburg im Innthal ffaxt an 
ber bairifchen ©renje ftanb: $err oon oierunbjmanjig fefteti 
©chldffern unb fo auägebehnten ©ütern, bag er au$ ihnen 
jährlich 20000 Dufaten jog, bie ©eele be$ abeligen gallen* 
bunbe«, Hauptmann be« 5Bi$tum$ Orient, nahm er eine naheju 
fürftliche SBacbtfteUung ein. Dag ber $ab6burger griebrtch in 
Stirot feinen ©ifc auffdfflug, fatte ber eigenmächtige §err mohl 
ungern gefehlt- (Einige &t\t ftanb er jtoar tat beffen ©ieuft unb 
»er trauen; oon ber $auptmannfchaft an ber <Etfch r bie er für 
ihn oenoaltete, f)\t$ er auch Hauptmann oon ftalternj. 
bann aber überroarf er fich mit feinem §erjoge, beffen UntoiUen 
er burch Unbotmäfiiglett unb greoelthaten h*tau6geforbert fpUt, 
unb na^bem er in Italien unb beim ©rafen oon ©drj oergebend 
um Unterftüfcung gegen Biebrich geworben, tarn er nach München 
ju ben $erjogen Stuft unb ffitlhelm *) unb ermunterte fie ju 

1) 9ia4 Arnpeck, Chron. Außtr. 1275 f. unb Chron. Boiar. 373 
nach Georgi 1410. ©über (9&tttthettungen b. 3nft. f. 3ft. <&ef*i*t«- 
forfchuug VI, 417) bewirft btefe 3eitangabe au* bem, nrie mir 
Weint, ni#t gang auftreiAenben örunbe, baß bie Jtrieg8erft5rung txft im 
Statt erfolgte. Ober ben »Ottenburg« unb ben Ärieg bgt au* $raf 



208 



©omfcfcr Angriff 



einem angriffe auf Itrot, für beffen ©elingen er feinen Stopf 
einfefcte. ©enn er oerfpracty, ben ©aiern me$r al« toierjtg 
Surgen in lirol ju öffnen, fo toar bie* too$t feine leere 
$ra#erei, ba er, abgefefrn *on feinen eigenen ©ctydffern, auf 
Dielen feiner ©erbünbeten ba« Öffnungszeit $atte. gär ben 
ftrieg unter fo glfidltyen Stuften lieg fi<$ au$ $erjog 
©tep$an gewinnen, o$ne beffen ©etyilfe menig autyurityen 
toax, ba ber befte 3ugang ju Sttrol, ba« 3nnt$al, fotoett e* 
bairifä toar, unter feiner $errfd?aft ftanb. Um 31. 3ult 
banben fi<$ benn ju SWündfren (Srnft, ffiityelm unb ©tepfym, 
biefer au$ für feinen @o$n Subnrig, mit gefarater SWaty gegen 
C^tjog Sriebricty, au<$ beffen ©ruber firrnft oon £)fterreid(>. 
3$re (Eroberungen vereinbarten fte gleich ju teilen 1 ). Sin 
3&ift über bie «u«fu$r be« $aOer ©alje«*) na* ©atero 
urfrtte mit auf bie bamfefc 8rieg«erflärung unb tourbe offtjieU 
<il« tyr einjiger ©tunb fcingefleßt. 

9ta ber ®renje bei Kattenberg fammelten bie $erjoge i$re 
Aufgebot. Die ÜÄflncfcner Ratten 700 reifige $ferbe, 200 
@#üfcen mit Sogen unb $anbbü$fen, 800 guggänger mit 
©piefen unb ©(fyoertern, eine gro|e ©fi^fe (ftanone) unb 
50 Heinere geuertoaffen gefteUt, bagegen führte ©tep^an, mte 
ber 3Rün$ner fKiuptmann ©art$ Hagenb berichtete 9 ), toenig 
©ott, ma^rfc^einli* »eil i$m bie ®elbmittet ju größeren 
Lüftungen fehlten, ©a« ifcnen felbft gebraefc, hofften bie 
©aiem toofct bureb tyren mächtigen ©unbrtgenoffen im geinbe** 
Ianbe ju erfefcen; au* in beffen SRücfen n>ar, toie menigften« 
$>erjog griebri* fpäter behauptete 4 ), ©iföof ®eorg t>on Irient 

«raubte, ürot unter grtebri^ toon öjtareta), 51 f.; ürolcr fcrdjto 
t>on 1804, 6. 147; $uber, a. a. O. 

1) R. B. XII, 73; 8t<bnoto«t* V, «leg. 9h. 1151. 

2) 2)c9 „ftftrlfalfted" (»eil eö in 9»$ren geleitet tonrbe) ; 2 t * n o » 9 1 9 , 
9hr. 1158; 3rftför. b. gerbmanbemni IH, 17. 72. «ier mdben bie 
$erjogc (Stuft unb grtebrty f#on am 23. 3ult, baß ifaen ®tet>b<ut ab- 
lagt $abe. 

3) e. bie SRitteilungen bei ©ttrbtngcr I, 211. 

4) 3m ¥rojcfi bor bem «onpanja Jtonjtt; bd ©raubt«, 409. 




auf Zixol 1410. 



mit ifrten einöerftanben, Ja oerbfinbet. (grmuttgenb toar ait$ 
bie 3u>ietrac$t im $ab«burgif$en $aufe, too ghriebri<$« ©ruber 
<2mift # ber $err ber ©tetermarf, bic ©ormunbfcfaft über feinen 
©etter «brecht V., ben $errn oon Ober* unb Unteröfterreidfr, 
ni#t aufgeben tooflte unb barum mit beffen $ofmetfter unb 
Hauptmann ob ber <2mn«, 9ieinpre$t oon ©albfee, ben ftönig 
©igmunb al« feinen ©ormunb befteüt fcatte *), ftrieg führte, 
«einpreßt aber, ber fc$on 1408 in feinem ftriege gegen $erjog 
Seopolb üon Öfterreic* bairiföe Unterftüfeung erhalten $atte *), 
trat mit ben ©aiern in ©erblnbung; auf ©efe$t Seopofb« IV., 
be« 1411 geftorbenen ©ruber« ber $>erjoge (Srnft unb ftriebridfr, 
fottten i$m jtoei ©urgen jerftört werben, ba er e« mit ben 
©aiern fyrfte. SKo* um ben $erbft 1412 fätdte SRetnprecfct 
um STOannfäaft na<$ ©aiern 8 ). 

©on ben bairifefcen $erjogen fa$ fi$ (Srnft no$ cor bem 
Überfd&reiten ber liroler Orenje au« gur$t oor Unruhen in 
feiner $auptftabt 4 ) veranlagt borten jurücfjufc^ren, Stephan 
unb ffiif&elm aber, mit $einri$ t>on SRottenburg bereinigt, 
rfidten ba« 3nnt$al aufmärt«, too $>erjog griebric^ bie rotten* 
burgifd&e ©urg griebberg bei ©olber« belagerte. ©$on bei 
ben erften ©^ritten im fehtblityn Sanbe, bor ber ©urg STOafcen, 
bie Uftlc$ Don greunMberg oerteibigte, fliegen fie auf einen 
SEBiberftanb, ber fie jtoang, bort Xruppen jur ©eoba^tung 

1) ©tnbede, cap. 22. 3$ eitlere biefett Stator na# ber Ober« 
fefcung b. ©agenelnben $ef$l<$tf($reibern ber beutföeu «orjeit, ba 
bie Bu«gabe in Menken, Script, oft »tffenf^aftli^ unbrauchbar be« 
urteilt toirb. 

2) Ealendar. Zwetlens., M. G. Scr. IX, 698. 

3) 8i*non>«f$V, Steg. Sflx. 1357, bgl 1361. SRan fanu benfett, 
baß fi* Äeinj>rei$t an $einri<$ ton Sanb«$ut, ben €>$tt>ager feine« 
$erjog« Stbre$t toaubte, ober an @tefc$au, ber batnal« im begriffe mar 
gegen 8fcinj>re<$t« Gegner (Srnft »ieber to«3nf$(agen. Über «einpreßt« 
eteuung f. Änrj, £|fcrrei<$ unter *. 2Hbre$t IL, I, 172. 178. 181; 
»örbinger I, 211, «um. 3; GroUalanja, 2). <8bet«gef$le<$t ber 
©albfee-SWett n. b. Orafen bon Goflorebo (1889), @. 121 f. 

4) Propter quoddam verbnm, quod tunc vulgo insonuit — fo 
«rn^ed« rStfetyafter $eri$t. 

»icile«, «cW^te «aiernf . HL 14 




210 



ZixoUx gctb&ug 1410. 



SUtfi^utaffen. .SWit aufgeworfenen Gansern" rüdten fie bamt, 
Staub unb SBranb fcerfibenb, am testen Onnufer aufmärt« *). 
JUS fie aber fcinter SSoIbcr« bie SBrütfc abgebrod&en unb $>erjog 
griebritfc am jenfeitigen Ufer fctyafybereit fa$en, festen flc 
nat$ Üflaften um. Vergebens marb biefe JBurg umlagert 
unb befefcoffen *) ; ba& flc fiety $ielt, färieb man fcimlicfcer 
Unterftüfcung ju, bie bet gteunMberger bei 93ern>anbten unb 
greunben im bairifd&en $eere gefunben $abe. ffiofcf fcatte 
bie bairifd^e Keiterei, bar unter 120 üHüncfcner unter bem 
Hauptmann ©art$, bie ©elagerer griebbergS in bie gluckt ge* 
fragen unb bie gefte mit Sebenämitteln t>erfe$en. $>erjog 
gtiebricfc aber, t>on ben ©ürgern »on §att unb 3nnäbrucf 
unterftüfet, rüdte ben jurüdmeietyenben ©aiern na$ unb lagerte 
an ben 8anbtt>e$ten (©erbauen), toeldje bie fd^male ©trage am 
gu§e ber SBurg Strafcberg f^ertten 8 ). 

Die Hnfanft $>erjog (Srnftö ton Öfterteicfc in Itrol raadjte 
ben geinbfeligfeiten ein (Snbe, fei e$, ba§ feine Vermittlung beim 
Kottenburger auefy für bie ©aiern entföeibenb toarb, fei e$, 
bafc bie j£ru£t>enaerftärfung, bie er braute, bie ®egner ein* 
f$ü$terte. 9m 2. September überliefe ju 3nnSbru<f $einri# 
Don {Rottenburg bie Cntfc^eibung feine« Streite« mit $ersog 
griebti* beffen ©ruber Grnft, bem Ghrjbiföofe Cber^arb t>on 
©aljburg, ben als ®runb$errn be« 3iüert(Kiftö biefer firteg na$e 
berührte, unb bem Hauptmann oon ©teier. Zagfi barauf 
nxtrb ju §aü unb Kattenberg ein SBaffenftiflftanb jtoiföen ben 
bairifefcen unb dfterreictyfäen $erjogen bis ÜRicfaeliä 1411 
beurfunbet, n>S$renb beffen Dauer bie ©aljauäfu^r im 3nn* 
t$ale jur ^^^ben^eit ber SBaiern georbnet toarb 4 ). 9ta$ 
tyrera Ablauf 5 ) toarb bie ffiaffenru&e, in ö>eld?e Kattenberg 

1) Urf. $. griebri^« bei ©raf »ranbi«, 333. 

2) Krnpcdft Sfogabe: fleben $Bo$cn lang, toirb bnr<$ bie geführten 
3)aten ber Ärieg«erttörung: 23. 3ntt ober torj »or§er unb bet ©affen- 
jtiflftanb«: 3. etyt. toiberlegt. 

3) Urf. griebri*« bei fcraf ©ranbi«, 333. 

4) 2i*no»0t9 a. a. 0. ttr. 1157—1159; B. 6. XU, 76. 

5) 29. @e*t. 1411, *. %. (ferutt Kattenberg); B. B. XII, 203; 
Z i^no»« t) 1229, t»o Patt «einriß fnbtoig ju lefen fein toirb, n. 1230. 




2krm5$tang $cwri<$« mit «Margarete oon £)fterrei($. 211 



unb ber borttge pfleget Submig $ienjenauer inbegriffen mürben, 
unter Vermittlung be« ©atjburger (Srjbifdfrof« unb be« Mttter« 
ftuon fiaimhtger, $erjog $einrid&« Pfleger« ju Kofen&etm, auf 
ein »eitere« 3a$r erftredt. 

JDurcfr ba« ge$lfötagen be« erften S3erfu<$e« auf lirol 
marb bie (Eintragt ber oberbairifäen $erjoge no$ ntd?t jer* 
riffen: jugfeic* mit bem «bfäfuffe be« ffiaffenftillftanbe« Ratten 
ficfy aUe oier ju Kattenberg (l. ©ept.) normal auf 8eben«jeit 
toiber aflermänniglkb oerbfinbet *). 83a$renb ber Waffenruhe 
aber geftaltete fid& bie Sage für fte tytyft ungünftig. Der 
SHfd&of oon Irient mußte fein Territorium an $erjog griebridfr 
fibergeben *). $einri# Don {Rottenburg geriet in bie ®efangen» 
f$aft feine« $erjog«, marb jmar (13. gebr. 141 1) gegen W>* 
tretung feiner ©d&l&ffer Kottenburg unb Kettenberg au« ber 
$aft entlaffen, enbete aber balb barauf, angeblich oergiftet, in 
Äaltern fein ftfirmiföe« 8eben 8 ). SWid&t minber mijjftc$ aber 
mar für bie oberbairifc^n $>erjoge bie ©tellung, meiere in 
intern Kfiden i$r Setter oon ÖanWfcut einnahm. $erjog 
$einri$ mar feit 3a$ren mit einer $ab«burgerin, SWargarete, 
ber Softer $erjog Hlbrectyt« IV. oon Öfierreicfc, oerlobt unb 
oermätyte fi# mit i$r am 25. Siooember 1^12 4 ). ©#on 

1407 (6. ©ej.) $atte er feinem Wnftigen ©eftoager 8Ubrec$t V. 
unb beffen SSormünber (Srnft oon £)fterrei$ oerferoefcen, ftc 
auf tyre Änforberung mafcrenb ber näcfcften jmei Safcre mit 
100 ©triefcen unb 100 ®<$fiften in Öfterrei$ unb ©teiermarf 
ju unterftfifeen 6 ). 3ur Seiftung biefer Ärieg«$Ufe !am e« mo$t 
iiicbt, ba ber 8nfa§ be« ©unbe«oertag«, ber ftrieg (Srnft« mit 
feinem ©ruber geopolb oon £)fterrei$, fetyon am 14. 3anuar 

1408 bur$ ben grieben oon ftornneuburg beenbet mürbe. 

1) R. B. XII, 75. 

2) 9. $t). 1410; ©ranbU, 324. 

3) ©ranbt«; St<$nott>«t*, ttr. 1186—1188. 1198. 1201; «rn- 
ptd, 374. 

4) greijbcrg, ©ammteng I, 146. qkttft Wq:anbet Y. ^atte föon 
12. 9loo. 1409 $ityen« erteilt; R. B. XII, 50. 

5) »ei «» r 3, Öfterrei* unter ft. «tbrefy n., I, 287. 



14* 




212 



$. Stefan« jtoeiter tCngriff auf fcirol 



Dann aber trieb ben 8anb*$uter $erjog fein gekannte« Set* 
$ältni* ju Subtoig t>on Ongolftabt lieber in bte Ärme eine* 
$ab*burger*. «m 17. 3anuar unb 20. gebruar *) 1411 
fölog er ju tfrbing mit griebric$ bon Öftenei^ ©unbe*ber* 
träge auf je$n 3a$re, toorin biefer berfpracfc, im galle ein« 
ftriege* mit Stephan ober Subtoig t$n mit 50 bi* 200 Riegen, 
auf feinen Satt aber feine ®egner ju unterftfifcen. 

3u 8ropf*berg an ber äWünbung be* £\üntfpltf einigten 
fi$ nun am 18. Sluguft 1412 bie brei oberbatrif($en $erjoge 
mit griebricty unb (Sroft bon Öfterreidfr bafcin, bag $erjog 
$einrt$ mit jmölf ©prucfcleuten al* ®#ieWric$ter über tyre 
gegenfettigen SBefötoerben urteilen foöte. Unter Vermittlung 
ber ftircfcenfürften bon ©aljburg unb 9fog«burg marb jugleicfc 
bie ffiaffenrufc verlängert unb gegenfeitige Stellung bon ®etfeln 
bebungen '). 

Srofebem fölug $erjog ©tepfan etgenfumig no$ einmal 
lo*, Jefct unter ungleich ungünftigeren S3er$filtnijfen unb, tote e* 
fc^eint , ni$t einmal bon ben 3Rfin$ner $erjogen unterftfifct, 
toenn biefe au$ am 4. 3anuar 1413 ju ©<$ongau tyr ©finbni* 
mit i$m gegen flrrnft unb Örtebttcfy erneuerten 8 ). SRo<& lange 
na$$er forberte Stephan* ®o$n Submig bon ben 3Rän$ner 
$erjogen 9ta$$a$lung ju ben Soften biefe* gelbjuge«, ba fle 
tyeju 800 reiftge ¥ferbe, 200 ©ctyfifcen unb 800 gufcgänger ju 
fteHen oerft>ro<$en , bie* aber ni$t gehalten Ratten, nntyrenb 
©tep^an feinerfeit* bie übernommene $erpfli$tung getreu erfüllt 
$abe 4 ). Die »erftärfung ber SRattenberger Serie unb bie «Bieber* 
inftanbfefeung ber verfallenen Surgen Sßernftein 5 ) unb Reibet! 

1) greitag »or Äat$ebra $etri (t>. gre^berg, Sanbflhibe I, 370; 
B. B. Xn, 89; Si($no»«t*, 9fr. 1184. 1189). 

2) 8i$noto«t$, 3fr. 1335—1337. 3um fCgb. «rnped a. a. O. 
8) «. a. O. 9fr. 1366. «rroben* Satans: 13. gebr. (R. B. XU, 

134) iß »oft nnri^tig. 

4) @4iebfrra4 *om 26. fto*. 1429, R. B. XIII, 167. 168; ber 
barin erotyrte ©ertrag »irb tyertyr jn feften fein. 

5) 3n «rn^ed« #a$ri<$t *gt B. B. XII, 145. 




unb Xob 1413. 



218 



an ber ©renje lehrte bte $ab«burger, troffen fte fid^ aon 
Stephan ju oerfehen Ratten. ©chon am 23. SRooember 1412 
fchrieb grtebri<h an bte ©tabt .jjfirich unb ** ten flribgenoffen, 
pe mdchten ihm ju^tlfe, ba bie ©aietn mit ftrieg breiten, 
fo Diel »ol! al« möglich in ba« 3nnthat fötden 1 ). Dem 
$auj>tf<hlage gingen $lünberung«jüge unb ©charmüfcel an ber 
©renje oorau«. iRach bem 6. 3anuar 1413 lieg ©tep$an, 
uriemohl ber 8anb«huter $erjog am 15. Dejember ein Stuf* 
gebot erlaffen hatte, ba« toohl ihn bebrohte, ein $eer, tote e« 
feinen SBitteln entforach, 300 Weiter unb 700 SRann gu&oott, 
barunter auch eine &a1}l nur notbfirftig au«gerüpeter Sauern, 
über bte ©renje einbrechen, Diefe toarfen bie Serteibiger ber 
©räben unb ©chanjen jurüd unb brangen, inbem ba« gufcool! 
auf ffiagen nachgefühlt tourbe, in rafchem Sauf ein toenig 
loeiter oor al« 1410 ihre »orgänger, nämli<h bl« oor bie 
Xffoxt oon $afl. Dort öertoüpeten pc bie umliegenben Dörfer 
unb jerpörten bie ©alinenröhren; fchon am oierten läge nach 
bem 9fo«marfch aber fanben fte gu $erjog ©teph<in« 
gro&em ärger toieber bei biefem in Kattenberg ein. 

Dtefer neue SWigerfolg bämpfte enblfcfc bie ftrieg«lup 
be* greifen gürpen. Km 14. gebruar erflärten er unb mit 
i^m bie Sßünchener $erjoge, einem ©chiebftmuhe be« ©alj* 
burger (Srjbtfchof« p# untertoerfen ju motten. 3m 3uli m* 
fammelten p# faft alle gfirpen, bie biefer ©treit berührte, in 
©aljburg am $oflager be« neuen beutföen ftönig« ©igmunb, 
unb biefer vermittelte (9. 3uli) einen neuen einährigen ©äffen* 
piflpanb, toähtenb beffen „ber lange ©aum unb bie ©Uber* 
pange ohne 3rrung gehen unb ba« 9töhrelfatj nicht getoehrt 
»erben foflte\ Darüber ftarb $erjog Stephan (2. Oftober 
1413) unb im folgenben 3ahte verlängerten einerfeit« (im 
3uni) bie äßünfyter $erjoge bie ffiaffenruhe, Phlofi anberfeit« 
©tephan« Nachfolger 8ubtoig bur<h ©eooflmächttgte mit Biebrich 
(26. ©ept.) einen grieben, ber bi« ®eorgt über jtoei 3ahte 

1) ©firbinger, 213. 

2) ?i<hnofc«!9, Wr. 1354. 



214 



$er SRartocfcr ©nnb. 



toifcren foflte l ) unb ber in ftonftanj burdfr bie freunbf($aftlic$e 
pet)M\ty Hnnä$erung ber beiben gürften befeftigt marb. 014 
bann $erjog griebricfc bet 9let$*a$t octfte I , fttecttcn ft# in 
©$toaben bon allen ©etten unb bielfac$ ni$t o$ne (Erfolg be* 
ge&rlii$e $änbe na<$ feinen ganben au$, »tetoo$l bte f$tofibtf$en 
©efifcungen bet fmWburger gleich ben übrigen im ©efamtbeftfr 
bet gamilte toaren unb bur$ bie SSerurteitang eine« ©liebet 
berfelben ni$t bewirft merben fonnten; toir $5ren aber triebt, 
bag bie ffiittelSbactyer bei biefem Anlag mit »nfprüc$en auf 
Xirol fcerborgetreten feien; bor allem i$re innere 3n>^trac^t 
toirb fte baran ber$inbert $aben. «I« ba« Aufgebot ber SRei^*» 
truppen gegen gtiebrty erging, foflten bie $erjoge Subnrig, 
$eiuric$ unb ffitlfrlm bon ©aiern mit anbeten ftontingenten 
fiefy gegen Zxxol menben unb am 8. 8tyril 1415 ben Angriff 
eröffnen'); ber ©efefcl blieb jebodfr unooUjogen, bie Ittoler 
©tanbe fytlbigten bem $erjoge Croft unb ba« Ätyenlanb blieb 
ben $ab«burgern ofyie ©ctyoierigfeit erhalten. 

Unterbeffen toar ber SBittettbacfcer Wuprety unter ä$nlic$en 
SJer&ältniffen lote efatft Subtoig ber ©aier feinem (Snbe entgegen* 
gegangen: mit tief erörtertem 9fofe$en unb toä^renb ber 
Hu«bru<$ eine« ©ürgerfriege« brofye. Auf Setreiben be« 
ronfeboQen <5rjblfc$of« 3o$ann bon 2Mnj, bur$ beffen ©önber* 
intereffen Stoprety in feiner gürforge für ba$ ®emetntoo$l 
itid^t fyttte beirren laffen, maren föon im ©eptember 1405 
rfciniföte unb fefroabifc^e ©tänbe ju 3Rarba$ in einem SBunbe 
jufammengetreten, ber be* ftönig« Ifcättgfeit la$m ju legen 
bro$te. fcrofcbem mugte 9topre$t ba$ ©ünbrri* anerferaten, 
ba« fortrttyrenb neue äßttglieber getoamt. »erftimmt, toie e« 
fc^etnt, über bte ausgebliebene ©elofrtung für feine btploma* 
tiffyn unb militäriföen ©tenfte in Stalten unb granfrei^, 
»o$l au<$ über ein ©finbni«, ba* »tuprety« ©o$n, ber 
feit 21. SKai 1404 bom »ater mit ber $errfc$af* öbct 

1) R. B. XH, 98. 134. 142; ©inbede, cap. 28 irrig ju 1412; 
Ifcftba*, «. etgmuttb, I, 358; £t<tno»9t9, Wr. 1394 1469.1470. 
1486. 1487. 

2) Sanffen, granffurt* »ci^cotrefoonbenj I, 285. 



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2)ie bairiföen $ergoge, St. Rupxtfy unb S&enjel. 



bie Obertfalj betraute 3o$ann, mit bem bon tym gesagten 
$erjoge $etnri# eingegangen mar (16. Oft. 1406), f$Iog fty 
au$ §eraog Suburig, btö^er {Ruprechts feftefte ^tfifce, bem ÜRar* 
backet ©mibe an. SBo^l Regten einige 2Jtitglieber, ma^fc^eut* 
licfr au« gurfy in bie nrittetebaäifdjen tjamilienftreitigfeiten 
Detmtdelt ju »erben, ©ebenlen toegen feiner aufnähme, äuf 
bem läge ju $etlbronn (25. Slpr. 1407) tonnte bieftfbe glety* 
toofcl beurfunbet »erben >). ßubttrig nafyn oon ben bairif^en 
f>erjogen aW ©egner nur feinen Sater ©tepfran unb bie ©trau* 
binger, toeber bie SWün^ner no$ ben ßantötyjter au« s ). Sine 
bauernbe (Sntfrembung juriföen 8ubu>ig unb ffiuprety fcat fxd? 
jebcd? an biefen ©<$rttt nu$t gefnütf*; ber $erjog behielt beim 
Könige fo Diel (ginflug, baß er foater bem Nürnberger Jöurg- 
grafen beffen verlorene ©unft lieber juwenben tonnte. 3m 
©ommer 1407 sogen jtoar bie $)erjoge ©tep$an, $einri$ unb 
ffiityelm mit bem Burggrafen grtebri$ oon Nürnberg gegen 
SRotfanburg an ber Zauber, um bie oon ffiuprety übet bie 
©tabt oer^ängte Ä$t jur äuäfityrung ju bringen, unb Ralfen 
bie rot&enburgiföen @<$löffer $abeM$eim unb flrnbfee erobern 8 ). 
©tep^an aber erföeint fpater ganj im ga&rtoaffer ber üRainjer 
$oßtif. 3n anberer {Rötung &alf (Srnft oon 3Rünc$en jur 
©$u>a$ung be$ tt>ütetobad&if#en ÄBnigä mit, ben er nur 
j&gernb unb nriberuriüig anertannt $atte; glei$ einigen anbeten 
9fei$6förften fd^Iog er fict? lieber ßönig ffienjel an, toofür er 
»entgftenä ba* STOotto ber ©erfötpägerung fcatte. SWit Äubolf 
bon ©acfy'en befugte er 1407 ffienjel in $rag unb bamaW 
foU er ft# bemüht $aben, bag SBenjeW Nichte ffißfabetfr, bie 
lobtet 3o$annä oon ©örlifc, ntyt, tote geplant mar, einem 
SRarfgrafen Don SWeigen, fonbern einem ber bairiföen ffiitteW* 
ba$er, angeblich ßubtoig 4 ), jur ©emaftin gegeben »erbe; 

1) ©eiafÄder in 2>. tt. «. VI, 106-108. 149. 150. 155f.; B.B. 
XI, 411 j. 24. Mai. 

2) B. B. XI, 342. 

3) @t..<5$r. IV, 230; I, 433; B. B. XI, 417. 419; 2X tt. *. VI, 
185-188. 

4) &$ct erwartet man, bag (Srnft biefe ©raut, an bie fi$ Hoffnungen 




216 



£ob Ä. 9foj>re$t9. 



in biefem gaüc meinte er, bog ber ©räutigam mit &ib imb 
©ut ffienjel* ©a$e oerfetyen toerbe. ©enjel beabftytigte b<e 
mal« (Sommer 1407) (Srnft mit brei anbeten (Sefanbten na$ 
Stom }u fcftden l ). 

ftü e* na<$ »tapred&t* lobe (18. 3M 1410) ju einer 
SReun>a$l tarn, beanfoructyte f>erjog Stephan al* ber ältefte ber 
bairifc&en Sitrien be* fcaufe* für ba* ©a#re$t. 5tta$ 
bem $au*bertrage Don $aoia foUte badfette gunftyen $falj unb 
Saiem toectfeln, toäfcrenb freiließ bie ©ofoene ©ufle bie bat* 
riftfcen Linien ganj au*f$lo&. Sttefe SSerfügung aber Ratten 
bie bamföen 85ittel*ba<$er ni<$t anetfannt, urie benn ©tepfyut 
unb feine ©rüber Won 1375, al* fle mit Otto oon SBranben* 
bürg }u gemeinfd^aftli^er Regierung sufammentraten, bie Rur 
t>on ber $falj unter tyren Werten aufführten. 3efct gingen 
au* ber SÖBafcl 3oft t>on äßetyren unb Röntg ©igmunb Don 
Ungarn $ert>or, ba aber au$ SEBenjel in $rag no# immer 
feine Än^finger $atte, befaß ba* 8tei$ jur fetten Bett, ba brei 
<Pfi)>fte bie lixtyity $errf$aft beauftragten, brei ftönige. 3oftt 
raf$er lob &er$inberte ben SBürgerfrieg unb veranlagte neue 
SBa$loer$anblungen. Sei einer $orbefpre$ung ju SRenfe Farn 
e* jtoiföen Stephan unb Wityrectyt* älteftem ©o$ne 8ubto>ig 
t>on ber $falj ju ©treit über ba* SBa$lre$t. Sodann Don 
STOautj, ber feine* ^arteigenoffen Stephan ^ulaffung verlangte, 
fefcte barni nur bur<$, bafc berfette al* f#li#ter gürft, b. ff. 
ofyie ©a$lre$t in grantfurt eingelaffcn ttmrbe, aber au$ bei 
biefem 3ugeft&nbniffe blieb e* ntyt, vielmehr festen na$ 

auf ba* ln|embnrgtf(&e Crbe fnfipfen tonnten, bem tytn nfi$erße(enben 
unb btmal* tuxfc untermfi^Uen $einri$ bon 2anb*$ut bfitte öerf Raffen 
Kotten. 3mmer$in toax bie ©pannung anrif<$en (Srnfl unb 2nb»ig 
bamal* no* nu$t bon ber 8tt, bag toix ben Kamen Snbtmg in ber 
Äorrefoonbena be* 9tot$enburger« ($. 9t. *. VI, 210), bi«$er unfern 
etnjigen Duette über biefe Angelegenheit, fi$et al* irrig begännen Wmüeu. 
3ff er richtig, fo ergibt fty, baß Snbmig* erfle Gemahlin Anna ntyt, 
nrie bie Äug*burger €$ronit (1, 114) berietet, 1408, fonbern föou früher 
geftorben ifL $5utle fefct tyreu £ob, o^ne einen ©eleg ju nennen, 
1406. 

1) 2). «. *. VI, 211. 




Ä. ©igmanb ttnb ba* Bairif^e Äurre<$t. 217 



langen Sßerhanblungen bie ©efanbten bon ^falj unb Irier 
Stephen« au«u>eifung au« granlfurt burch 1 ). XHefer räumte 
bie ©tobt am 15. 3uli, erlieg aber tag« barauf au« STOainj eine 
©efchtoerbe an bie Äurffirften mit bem ©erlangen rechtlichen 
Hu«gletch«. $erjog ftrnft n>ar in granlfurt al« ®efanbter 
ftSnifl ffienjel«. Ohne Teilnahme bon $falj unb 5Erier nmrbe 
am 21. 3uli 1411 ©igmunb jum jtoettenmale gemäht, ©eine 
©a^l fear ohne äWitnrirfung eine« bairifchen gürften erfolgt, 
gleichwohl bereinigte ber neue ftSnig nach langer 3«* J um 
erftcnmale toieber alle bairifchen 85Utel«bacher auf feiner ©eite, 
ba fleh auch ©enjel mit ihm au«föhnte unb beffen Änhang nun 
ju ihm fibertrat. 3a bie Söaiern festen fogar bei biefem 
f)err{cher eine aUierfeimung ihre« fturrechte« burch, »eiche jmar 
burch eine ftlaufel gefchmälert mar, aber barum nicht minber 
in fchreienbem ©iberforuch mit bem 9tei<h«grunbgefe$ ber 
(Solbenen ©uüe ftanb. 3 U ftonftanj anerlannte ©igmunb am 
23. ÜRärj 1415 ba« «unecht« Subnrig im 8art, borbehaltlich 
be« fechte«, ba« bem $fal}grafen ßubtoig al« bamaligem ftur* 
ffirften gufte^e unb am 4. 3uni 1415 erhielt Heinrich ber 
Weiche bon 8anb«hut biefelbe «nerfennung mit ber gleichen 
ftlaufel. S9t« auf ftSnig Sßajrimtlian fytbtn {ich bie Sanb«* 
huter $erjoge in ber golge biefe »nerlennung immer lieber 
bon ben ftSnigen beftätigen laffen 8 ), jur Hu«fibung be« ffiahl* 
rechte« aber ift trofc biefer ©unftbriefe ein bairifcher ©Ittel«* 
bacher nie gelangt. 

5Da6 ober bie glamme ber 3*bietracht am h&u«lichen f)wbe 
8}ittel«bach« nicht erlofch, bafär h«tte mittlerweile ©tepha«* 
©ohn Subnrig geforgt, gegen ben, tote e« fcheint, eine &\t lang 

1) Dleufchlager, (Srl&iterung ber ©olbenen ©ufle, 217.225—228. 
240; Wencker. Apparatus, 307; © em einer, ftegenSb. <£$r. II, 398; 
R. B. XII, 98; 3anff en, gronffurtt HdcWcorrefeonbeng I, 212—219; 
SR uff at, Qefö. b. ba$r. u. tffilj. Stur, 279 f. 

2) B. B. XII, 191. 

3) 30. 3anuar 1443 ; 4. SWfirj 1448 (na* bem Unfall be« Sngol- 
Wbter fctnbe«); 22. SWSrg 1451; 22. SRat 1480 ; 7. September 1495. 
e. SWuffat, 283. 284, too bie £ejrte ber beiben Utfunben am egtuffe 
tertöe^fclt («heilten. 



218 



$etjüg 8ub»ig im ©art. 



fogar ba* üRifctrauen be* »atert rege mar: beim 1402 lief 
fich biefer oon ihm fchrifttich oerfprechen, bafc er ihn jeitleben* 
bei feiner $errf$aft betaffen ©erbe 1 ). @o lange er lebte, 
behauptete fich ßubmig im ©art — ber Beiname bfirfte barattf 
gu erMären fein, ba§ bie oon Öubmig mohl au« granfreich 
herübergebrachte ÜRobe einen SSoübart gu tragen bamatt bei 
btn beutfeben gürften noch neu aar — als ber SRittetpunft 
ber bairifchen $olitif, aber nur in beut ©tnne, baß ade anbern 
©tttetebacher, burch gemetnfcbaftlicbe Abneigung geeinigt , ihn 
att ffiiberfacber in fcheuer Seme umftanben. ©chine ©eftalt 
unb herborragenber perf&nlicher 3Rut maren ihm eigen; in ber 
ritterlichen ffielt mar ihm ber glänjenbfte Marne füher f hätte 
nicht eine ©treitfucht, beren ©chranfenlofigleit gum Sprichwort 
marb, fein Änfehen gefebäbigt unb feine $arte unb Oemaltfant* 
feit bie SRenfcben abgeftofcen. „3e böfere 8eute", fagt einer 
feiner Untertanen, „er gu Dienern haben tonnte, befto lieber 
maren fte ihm" *). SÖBa* feine unaufhörlichen ©treithanbel 
betrifft, ift einguräumen, baß ihm mehr aW einmal befchieben 
mar mohlbegrünbete* Stecht gegen bie Ungunft ber SSerhaltniffe 
nicht burchfeften gu lönnen; bech gum 9Rärthrer brt Stobt** 
gefflhl« barf man einen (Sharalter nicht ftempeln, beffen {Rechte 
auffaffung fo oft vom ©igennufc gefärbt mar unb fo leicht in 
berbtffene {Rechthaberei ausartete. Die erfte (Srgtehung erhielt 
er gemeinfam mit feinem SSetter (Johann, bem iüngften ©ohne 
Älbrechtf I M mahrfchetnlich am $ofe gu $aag*). S5on ent* 
fcheibenber ffiichtigfeit aber marb für ihn bie S3erbinbung mit 
bem frangöftfehen $ofe, melche bie Che fetner ©cbmefter (Slifabeth 
mit ffart VI. gefnfipft hatte. Mach feinem Oheim griebrich 
ber erfte unter ben oielen ffiitteläbachent, bie granfreich« 
greunbe, 93erbünbete, Diener ober SRachahmer maren, brachte 
er bon fetner frühen 3ugenb bt* 1416 faft bie $alfte feine« 

1) ö. Sang, öeföi$tc $. Submig« be9 Artigen ju 3ngolftabt (1821), 
@. 49. Übet tiefen gfirflen f. ferner $fiutle, «r$i»attf$e »citr&ge 
). ©ef*. «. 2ub»ig« be« »Srtigen (Oberbaar. «r*U> XXVIII u. XXXII). 

2) M. G., 2*utf*e (Spornten II. 368. 

3) e. bie Urt., 06erba$er. »r*l* XXVIU, 371. 




©eine Berbmbung mit gran!rei<h. 219 



gebend in $ari« unb franjößfchen 8önig«fchlöffern au, an einem 
$ofe, too nach ber ©chtlberung eine« ftanjöftfäen (Befehlt* 
fchreiber« l ) bet ©ahnfinn be« ftönig« fetner ganjen Umgebung 
fleh mitgeteilt ju ^aben Wien, too Sprache , ftleibertracht unb 
©itten eine Slrt oon fcerrfidter ©chamlofigleit atmeten unb bie 
ftdnigin, bie ehrbareren ©itten ihrer $eimat oerleugnenb, in 
lütffchmeifung unb Üppigfeit ba« SBorbilb bot. &vlt felben 
Bett fa$en bie nieberlänbifchen ffiittel«bacher in $ari« ihren 
©chtoerpunft; Safobäa oon ©aiern*$ollanb, bie Softer 3Bä* 
heim« IL, toarb 1406 al* ftinb mit Jlarl« VI. jtoeitem ©ohne, 
bem $erjoge t>on SEouraine, oermählt, ber bie legten jttei Söhre 
bor feinem frühen lobe (1417) franjöfifcher Dauphin toar. 
Dem ©ruber ber ftönigin, bie an ©teile ihre« getfte«franlen 
(Bcmahl« ben Sßorflfe im Staatsrate führte, mar in $ari« eine 
glänjenbe unb einflußreiche ©teßung gefiebert, ©eit 1392 mar 
Subtotg neben feiner ©chtoefter unb ben $erjogen bon Sdtxxtf, 
SBurgunb unb ©ourbon burch ein Defret be« JlSntg« für ben 
Soll feine« lobe« al« SSormünber feiner Äinber beftedt 8 ). 
©tragburger nennen ihn gerabeju Suburig t>on grantreich 8 ). 
Durch 3ntereffe tote Neigung unb al« SSafaK ber ftrone burch 
Pflicht an ben franjöfifchen $of gefeffelt, ffat er fleh bort (Selb 
imo ®ut in fjfille unb nacheinanber feine beiben grauen ge* 
holt, bort aber auch feinen hetmifchen Settern unb Nachbarn 
fleh mehr unb mehr entfrembet, bie ^rachtttebe, bie al« (Erbteil 
ber (Eltern in ihm tag, noch gefteigert unb feinen hochfahrenben 
©irot, bie jum ©pott geneigte SRenfchenoerachtung 4 ) jn jfigefa 
boOenb« oerternt. 

1) Martin, Hist. de France* V, 472. »gl. über Sfabel an$ 
Vallet de Viriville, Isabeaa de Ba?iere, 1859; 2>erfelbe, 
Charles VII., I,29f.;DaFresnedeBeaucourt, Hist. de Charles VII. 
I, 7f. 

2) e. bie Urf. 9hr. 244 bon 1405 bei Plancher, Hist. de Bour- 
gogne III unb p. 231. 

3) 2). 9tei4«tag*atten VIII, 4L 141. 143. 

4) Derisor hominum; ©untheim bei Oefele II, 568. 569, too man 
au* feinen SiebflngSauSruf erfährt: ,,©o Sau« fol" 3u 2ub»ig« <S$a- 
rattetifüt f. an* *rnj>e<!, 377. 




220 



gnbfcig tat Sförtige in granfrei*. 



SRoch in Italien fteüte ihn 88nig Sluprecht an bic ©ptfce 
einer @ef anbtf c^aft f »eiche in ber grage ber fttrchenfoaltung 
ein einträchtige« äufcmmengehen be* franjSfifchen $*ft* mit 
bem beutfchen anbahnen foßte. 3»8^^ «hielt er bie Sßofl* 
macht, eine betrat jtoifchen 9h$re$t* ©ohne Oohaira unb 
Sßuhaela, ber Softer 88nig JlarlS, einzuleiten, au$ mit Äarl 
Serträge unb ©ünbniffe abjufchliefeen. Seiner Don tiefen 
3&eden ber ©efanbtfchaft, bie Dom SRümberger Sage koeg 
(©ept. 1402) aufbrach, ift erfüllt toorben *). Dagegen Der* 
mahlte ftch Subtoig felbft toährenb feine« bamaligen mehr aW 
halbjährigen Aufenthalte* in $ariö mit einer ^rinjeffin lönig* 
liehen ©eblüte*, Hnna, ber Softer Sohaim« I. Don Jöourbon, 
©rafen be la SWarche unb Don »enbome, ©itfce 3ohann$ Don 
SBerrh, ©rafen Don äßontyenfler, beren Äu«fteuer Dom ftSnige 
auf 95000 granlen 2 ) erhöht »arb. SRach «nna* lobe führte 
Subtoig 1413 ftatharine, bie Softer $eter* Don JUen^n, 
©ittoe $eter« Don <5Dreuf, ©rafen Don äßortaigne h^m- 
Durch biefe Beirat ertoarb er bie ©raffchaft SWortaigne in ber 
SRormanbie, Don ber er fortan auch ten 2***1 führte, nrietoohl 
ihm bie (Eroberungen ber Grnglänber Don bem neuen ©eflfce 
balb nicht mehr als eben nur biefen übrig liegen. Daju erhielt 
er Dom ftSntge eine 3ahretyenßon Don 12000 granfett 
(27. S>j. 1409) unb eine Weihe Don franjSftfchen Wetch*lehen, 
(Shaftel, äßarcoufji«, @t.?)on, (ShatamuQet u. a. 9 ). «alb 
trat Überfluß an bie ©teile ber ©elboerlegenheit, bie ihn noch 
1406 Deranlagt ffdbtn foll, feinen h^mifchen ©ejifc <m ber 
Donau, bie ihm Dom SSater übertragene $errfchaft ©rai&ach, 
für 75 000 ©ulben an bie Ärone granlreich }u Derpfänben 4 ). 

1) Subrmg erhielt ffir bie tteife 6000 fL Sprung; R. B. XI, 390. 
6. ferner 2>. 9t. «. V, 172. 231. 277. 337. 390f. 395. 396.435.494; 
Chmel, Regesta Ruperti, Nr. 1280. 1281. *u* @tej>hon toax häufig 
für 9tupre*t in granfrei* thSttg; 2). 9t. «. V, 197. 

2) »gl. R. B. XII, 180. 

3) Oberbaar. *r*tD, XXXII, 68 f.; 8a ng a. a. 0 , 74. Stoß Snbtotg 
an* ©rogconn&abk Don granfrei* »ar, mirb bnr* ba« 3*ugnfo in 
2). 9t. & V, 395 toohl ni*t genfigenb gcfl*ert. 

4) @o 2)ro$fen, <»ef*. ber j>renff. $oliti( I, 251, tont 1, na* 




Seine @<$5fee. 



221 



3ucrft für einen ©etrag aon 50000 granfen an ber «u$* 
fteuer fetner erften grau 1 ), bann auft anbeten Hnläffen *>er* 
pfänbeten tym ber ftöntg unb bie ftSnigin aflmäfclty eine folc$e 
äÄenge foftbarer ffteinobe, ftunfttoetfe Don ®oIb unb ©Uber, 
(Email unb Ärtjftatl, Serien unb (Sbelfietnen, urie man in 
Deutfölanb öieöei^t nocfe nie betfammen gefe^en $atte, @<$äfce, 
bie Subtoig in ber $etmat jum 5£eil an fttrctyen fünfte, jum 
Seil tmeber t>crfcfetc unb beten (SrlW er jur tluäftattung feiner 
unehelichen ftinber, jum «nfauf »on $errfc$aften, jum Sau 
ber 3ngolftäbter grauenfir<$e unb gu frommen Stiftungen m* 
menbete. SDWt um>er$e$ltem SDWjftergnfigen fa$en bte gran* 
jofen bie mit ben ©$äfcen tyrer ftrcne fömerbepadten SRaul* 
tiere be« Satern$erjog« über bie ®renge jie^en. Der glu# 
be* Styetngolbe« festen auf biefen {Reichtümern ju ru$ett 3n 
3)eutf$lanb »eilte man metft nt$t glauben f bog fle e$rli$ 
ermorben feien *), unb 1419 richtete grtebridfc &on ©rauben* 
bürg an feinen ®egner bie $8fyrifc$e Äufforberung ju erflären, 
tote er ju ben golbenen $eitigenbitbern, ber ftrone unb anberer 
$abe aud granfretc$ getommen fei. Subtmg berief ß<$ in fetner 
Onttoort auf bie „guten ©riefe u mit ben Siegeln be$ ÄJntg« 
unb ber Äöntgin t>on granfreiety, bte er übet biefe ©c$äfce in 
$anbtn $abe, unb baß er tmröt<$ eine Sßenge Don Äletnoben in 
aller gorm Stedtens für ©elber, bte tym ber ftSntg fctyulbeie, 
aerfefct erhielt, lägt jt$ au* ben noäf $eute im ÜÄünctyner 
8leU$$arc$U> liegenben $fanbur!unben ertoeifen. Huf biefen 
(Srioerbungen ru$t $d$ften$ ber ©ortourf, baß bte Königin 
o$ne bie ®eifte$frantyeit tyre* ®ema$W tyren ©ruber meüctc^t 
triebt in fo raajjlofer ©etfe $ätte bereitem Binnen. 9lic$t un* 

bem ©reSbener £r<$toe. 2)ie ©ertfSnbung toJtyrte iebcnfatW nlc^t lang; 
1414 übertrug Subtoig <Brai«ba<$ feinem @o$ne; t>gl. ©n<$ner VI, 231. 

1) ^fanburtnnbe *om 5. gebr. 1404 mit ber Betreibung bon 13 
Äteinoben, Äronen, Äreujen, SReliqnientfifhfcn, ©ttbfSulen, enthalten in 
Xranftfmnpt *om 10. 3uU 1410; 5R. *. Sgl. an$ bie ftegeftot im 
Obcrbatjer- tta$U> XXXII, 65 f. 

2) ®. »nutzer unb €5unt$eim; Oefele, Scr. 1, 101; 11,569; 
Biedel, Cod. dipL Brand. IU,1, 133. 136; *gl. au$ 175. 




222 Sub&ig« im ©ort fran)0ftf(^e ©<$5fre. 



begrfinbet mar bad ©erficht l ), bajj Sfabel intern ©ruber cus$ 
eigene Schäfte mitgegeben $abe, t>tettei$t meil fie eine £eit lang 
felbfi naä) ©aiern jurüdju!e^ren beobfttyigte. Stenn »ad 
Subtoig* natürlicher ®o$n, ffiielanb Don greiberg, 1438 t>on 
feinem Sater an ftleinoben erhielt, toar gum grogen Seil afö 
Privateigentum ber Rönigin gejeubne t *). 85on \tdfi mit ®clb 
belabenen, nac$ S)eutf$lanb jte$enben $ferben, bie einmal bon 
ben SKefcern aufgehalten tourben 8 ), ^ieg e«, fie feien eine 
©enbung ber ftömgin unb $u>ar nic^t bie erfte biefer Ärt. 
SBietteic^t $ängt bie SBefdfruibtgung be$ ffiortbrudM, bie 3fabel 
um 1417 gegen Submig er$ob 4 ), mit ben oerpfänbeten ©dbafcen 
iufammen. 9to# Hoentin 6 ) freiließ $atte Subnrig fpäter felbft 
befannt, bajj feine ©ctyäfce „niebt oon gutem ®en>iffen ^erlangen 
unb mit ®ünben gewonnen feien." Sine Urfunbe be$ $er$og« 
mit folebem Sortlaut bat fi$ jeboeb btefar niebt finben Iaffen, 
unb bei ber n>eit ge$enben gretyeit, bie ffcb ber Sßerfaffer ber 
bairifd&en S^ronif im Gitteren nimmt , ift bie Vermutung be> 
re<$ttgt, baß tym nur allgemeiner gehaltene Äußerungen be$ 
gürften vorlagen , bie niebt an bie ftanjöfifc^en ©ctyäfce an* 
tnüpfen unb für beren unrechtmäßigen Srtoerb niebt« betoeifen 6 ). 

1) e. ©ttbenberg; Oefele I, 311. 

2) @. SReuburger (5.-©., ©b. XXXVII, f. 184. 

3) Chronic. Karoli VI., lib. 25, c. 25 (ed. Bellagaet III, 232. 233). 

4) Riedel, 1. c. 175. 

5) ©erfe V, 574. 

6) 3n erjler Steigt ift n>obl an bie ©tiftungSbriefe für bad 3ngol« 
flfibter ^frünbenbau« ton 1434 unb 1438 ju beuten (@8ltl, gromme 
Stiftungen ber ffiittel«ba<ber, 48. 49), »orin Subtoig bou borraale ber- 
uften ©finben unb SWiffetfotten ftmebt unb ertlärt, er »olle bamit ©uge 
unb ffiiebererftattung be* uurwbten Oute« tbun, bat er etwa eingenommen 
nnb ni$t »ieber gegeben babe. Unliebe Äußerungen tebren in Stiftung«« 
Briefen öfter »ieber unb futb leine beutll<ben @<bulbbefenntniffe. Älud- 
bobn (Snbtoig b. ttei<be), ber €J. 15 unb in bem «rhtrfe 6. 359 f. über 
bie ©<b&$e Subtoig« banbelt, aber bie ^fanbnrtnnben im 9t 9. nfebt 
tonnte, berraag i<b bier ni$t buribmeg jujuftimmen. Über bie fpftercu 
Ctytffate ber Äleinobe fei nur uo<b folgenbe« bewerft. 3u Ibentin« 3«t 
(©erte III, 492) »ar ein 2eil in «Uötting, du anberer in ber 3ugolftfbter 
grauentwbe, wo er {eben $iraraetfabrt*tag bem Solle gezeigt tourbe 



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Subtoig im ©art am fran^ftf^en $ofe. 



223 



(Sä tonnte nic&t fehlen, bog ßubtoig in bie polttiffyn ©irren 
granfreich« htaeingeriffen marb. ©o lange bie burgunbiföe unb 
bte orleanöföe Partei ben be$errfchenben (Sinflug auf bie Äe* 
gferung fleh ftreitig matten, unterftüfcte er ben £>erjog *>on 
Orleans, ben Settrauten feiner ©chtoefter. Älä er biefem unb 
ber Königin 1405 ben Dauphin nach Serbeil aufityren moflte, 
u>arb er com $>er$oge ton ©urgunb bei 3uoifh jtoifchen Sorbett 
unb SSiüejuif ereilt unb gejtoungen baä flinb ^eraudjugeben 1 ). 
Dann unb toann griff auch ber alte $erjog Stephan no$ in 
bie Angelegenheiten be$ ©eften* ein; er bermittelte in bem 
Sertrage ton SWefe (4. ©ept. 1407) bie greilaffung ber ®e* 
fangenen, mel^e bie orleanäfche Partei im Äampfe gegen ben 
f>erjog ftarl oon Lothringen bie Sßieberlage bei Shampigneule* 
geloftet hatte 8 )- 1407 traro ber $erjog &on Orleans auf 
Hnfiiftung be$ $erjog$ Sodann Don Söurgunb ermorbet; man 
fah in feinem lobe bie ©fihne ber greoelthat, mit ber er einft 
bie fcütel$bachi|che Oemahlin feinet 3D?5rber$, $erjog SlbrechW I. 
Don Straubing »$oflanb Softer SBargarete, bebroht fyabt*). 
«m 24. SKars 1408 terbanben öibtoig unb $erjog ffiilhelm 
Don ©aiern^oflano fich eiotic^ mit $erjog Sodann Don ©ur* 
gunb jum ©$u$e ber Königin in ber {Regierung be£ {Reich* 
unb ber ©eioahrung be$ Dauphin*. (Sine fSnigliche Orbonnanj 
Dom 15. SWai erhob Suburig bann jum Raupte be* $offtaate$ 
be$ Dauphin* unb toied ihm felbft einen auf Knigli^e ftoften 

(Überarbeitung gfietrer« im bgl. Pödinger, Ältere Arbeiten, 
194). 2)er größte Seil »arb t>om ^fatjgrafen töuprecfct im (Srbfotgetrieg 
ocaspiert, bamal« toicüei^t manche« eingefämoljen. 2)ie fUbemen ©t(b- 
fäuten ChrifH unb ber jroSlf Bpoftel, um 1500 in ©urghaufen (Oefele 
I, 101), mürben *>on Ottheinri^ na$ fteuburg gebraut, too ftc (trohl 
1535) ein ©raub ierftörte; f. Überarbeitung güetrerö a. a. O. 3m 
HltBttinger Äir<$enf<haö tft nod? heute ba* „©otbene ftöfiel" erhalten. 

1) Chronic. Karoli V J, 294 ; (Snguerrant be 9RonftreUt, ed. Buchon, 
37. Über Subtmg« ftofle in granfret<h »gl. au$ Plancher III; 
Martin V, bef. 476. 534. 540; VI, 28. Eon ben bairifthen «hroniflen 
©itbenberg (Oefele I, 310 f.) unb Hrnped, bentfö 130—133. 

2) Calmet, Hist de Lorraine II, 670; togt. $3fler, 9tupre<$t t>. b. 
Vfül|, 318. 

3) $9fler, Bnprety t>. b. ?falj. 319. 



"224 Sttbtotg« ©efongenföaft in $ari* ; fein ^Regierungsantritt in ©aiern. 



unterhaltenen $offtaat ju. 3umal nach bem grieben ton 
<&hartre« (1. gebr. 1409), ben er abfliegen $alf, ftanb er 
mit bem $eraoge ton ©urgunb einige Bett im beften (Sin* 
hernehmen; fpäter aber fugten er unb anbete ©eTtoanbte be« 
*5ntg$ ben Dauphin bem (Rnfluffe be« ©urgunber« ju ettt* 
jiehen. darüber brach auf Setrieb ber burgunbifdben Partei ein 
©olttaufftanb au« unb am ©orabenb be« Sage«, an bem er 
im $otel ©t. $aul feine jmeite $ochjeit feiern ttoUte, geriet 
Subtoig mit Dielen anbeten fetten unb tarnen Dom §ofe in 
<Sefangenfchaft (20. SWai 1413). Sr fa§ im großen iEurm 
be$ Soutre, bi$ ihm bei ber unblutigen ®egenret>olution be$ 
4. Äuguft ber $erjog ton ®uienne bie Freiheit berfchaffte unb 
ben ©efehl über ben 8ow>re unb bie ©aftifle übertrug. Salb 
batauf rief ihn bie Nachricht oom STobe feine« SSater« (2. Oft. 
1413) nach ©atern jurüd, ba« er auch in bem 3ahrjehnt 
vorher bon 3ett ju Seit immer befugt ^atte *). ©och ging 
er auch fpäter noch mehrmals nach Vattt, too er u. a. 1416 
fcen ftöntg ©igmunb empfing, bi* bie Verbannung feiner 
^chtoefter, bie mit feinet ©emahlm nach ©tote, bann nach 
ZcurQ gefchtdt unb in ihrem $ofhatte auf ba$ föotbürftigfte 
befchtänft tourbe, ihm bort feine ©tüfce ent}og. Äber auch eine 
€ntju>etung jnrifchen ihm unb 3fabel trat ein; ber ÜÄarlgraf 
griebrich ton ©ranbenburg empfing toährenb feiner Äntoefenheit 
in ftonftanj ton Ofabel einen ©rief, toorin fie ihren ©ruber be« 
ffiortbnnhe« befchulbigte Ä ). 

Subttrig* {Regierungsantritt in Saiern rief ringsum bei ben 

1) 2)ie Einnahme Bnrgau« int €ej>t. 1409 f(heint er fet&ft geleitet 
p haben. @o befagt menigfteng bie GfronÜ au« 6t Ulrich bei örunner, 
«cittfige jnt ©efd)id)te ber SRarfgraffäaft »urgan, 31. 3ahre«ber. b. hifr 
»er. t>. ©<htt>aben, @. 49. S)a $einri<h ton (Slrbaäj, an ben ©urgan 
toon £)fterrei<h fcertfSnbet toar, in Ulm al« Pfahlbürger aufnehmen 
lieg unb biefer @tabt ein £>ffnung$re(fct in ©urgau öerlieh, nahm ihm 
Uubtmg, ba bie« gegen ein 5Rel(h«gefefc r*tjrie&, bie gefle mit <&t»att ab 
unb ein ©<hieb«geri<ht gab ihm juleftt barin Stecht. 2>. SR. Ä. VI, 732. 
733; @t.-<5hr. IV, 114; R. B. Xn, 49. 50. 53. 

2) Riedel, Cod. dipl. Brand. 111,1, 175. 




Cubtoig« Sanbertoerbuugeu. 



225 



SRad^arn «Beunruhigung herbor. ©ein Charalter unb feine 
SSorgefchichte oerffinbeten ©turnt unb »tele« toirfte jufammen, 
ihn unbeliebt ju machen: fein gegen ©tanbe«genoffen h<Kh* 
fahrenbe« ©efen, ber fremblanbifche $run!, in bera er alle 
fiberbot; unb fo manche franjöfifche ©etoohnhett, bie er an* 
genommen ^atte; feinen Ongolftfibter $offtaat richtete er gleich 
auf 600 ^ferbe ein; feinen tarnen unterzeichnete er 8oh«, al« 
tooütc er feine $eimat oerleugnen. Daß er mit $arifer 
©ürgermabchen tote mit ben löchtew feiner Beamten ©er- 
traulid^Ieit ppog, hatte in biefer 3eit au«gelaffener ©ümlichfeit 
nicht fo oiel auf fleh; aber mit ber Verführung einer £ifter* 
gienfernontte *) ftanb er felbft bamal« toohl jtemlic^ oeretnjelt 
ba. auf bie oerbächrtge $*rtunft fetner franjöftfchen @$äfee 
lenften bie burch biefe ermöglichten ßanbanfäufe unb ©nlöfungen 
oertfänbeter ®öter immer toieber neue 8lufmerffamlett. ©e# 
fonber« ben SRfinchner $erjogen tourbe Subtoig burch bie 
SJertoenbung feiner {Reichtümer unbequem, ba mehrere feiner 
(Srmerbungen tote Effenberg , Hanhofen, Baierbrunn (1399 
um 6000 fl. ung. oom SSifetum ftonrab oon Reifing gelauft), 
Steider jhofen, Siedenberg in ihrem 8anbe, lagen. SSon ber 
gamilie oon gretberg löfte er (1403) griebberg au«, Dorn 
trafen ffi&erharb oon ©irtemberg (Sunbelpngen (1405), ben 
©einje^nten oon $eilbronn unb $8chftäbt, ba« leitete um 
13000 fl., oom ©ifchof oon Hug«burg um 3190 p. (1407) 
Donautoörth, feinem SSater ^atte er 3000 fL jur Söfung be« 
oerpfänbeten ftufftein geliehen, oon ben Sanbgrafen }u Seuchten* 
berg ertoarb er um 11900 ©ulben $ar!ftein unb ffieiben*). 

93a« aber bei Subtoig« SRüdfehr oor aüem ©törung be« 
grieben« befürchten lieg, toar fein feinbliche« XJerhältni« ju 
$einrich oon 8anb«h»t, ba« bamal« fchon eine lange ®ef<hi<hte 
hinter {ich fattc. • 9He toirfte bie toitteldbachifche gamilien* 

1) B. B. XII. 274. Gin ©ofcn au« biefer »erbinbung, Wilhelm 
oon ©aiern, erhielt oom $aj>fte bie toegen feiner Geburt erforberli<he 
SKtyen* sunt Eintritt in ben griftlichen 6tanb. 

2) B. B. XI, 148. 373. 375. 394. 415; XII, 73. 83. 121. »gl. 
Brnped, 877. »eitere fcrtoerbungen bei Saug, 54f., 59f. 

«leitet, OeftWe Metn«. HL 15 



226 Subtotg« ©trcitigteitcn mit $cmri$ t>on 2anb«$ut 

ya>xttxad)t &etbetblic$et al« in biefen betben Settern, bie in 
©te^an II. unb ©atnaba« Si«contt gemeinfame ©toffoäter 
Ratten unb beten S^araFtcre ßc$ in bie $fitte, @etoaltt$ätigfeit 
unb Habgier be« testeten a(« unheilvolle« (Srbe geteilt ju haben 
fäienen. Suburig lonnte e« nie fcetgeffen, bag ba« SanWhutet 
©ebiet bei ber 8anbe«tettung t>on 1392 einttägltchet geworben 
toat al« bie betben anbeten leite, unb inbem et mit einet 
$artnädigteit, bie ihte«glei$en fud^t, ba« ihm botenthaltene 
Stecht forbette, tief et langtoietige §anbel unb julefet ben 
offenen ©ürgetftieg f)txt>ox. 9la# feinet {Behauptung hatte &et 
?anb«hutet Seil um neun ©tabte unb SKätfte, ölet heften, 
biet ?anbgetichte unb 18 600 $funb ©Uten )U Diel, f Otiten auch 
bie ungeheueten ©Bulben feine« Sätet« (angeblich 700000 ©olb* 
gutben) bon ben btei 8anbe«teilen gleich getragen toetben. Da| 
man bie Sngolftäbtet bafflt in bet Setteilung bet norbgauif^en 
^fanbföaften beootjugt ^atte, festen ihm fein genfigenbet 
8lu«gleich. 

©ourie bet junge $etjog $einti<h ju feinen Sagten ge* 
fommen toat, trat Subtoig, tote e« fcheint, mit ftittf^meigenbet 
Sittigung feine« Sätet«, mit bem 3nfptu$e auf eine (Snt* 
föabigung $etöot (1403). Hl« bamal« ©utggtaf gtiebtich 
oon 9?ütnbetg jnrifchen ihm unb ben 2Wün#net $etjogen &et* 
mittelte, betfotach ihm biefet, bog im gatle eine« Ätiege« 
jtoifchen ihm unb $etnttch bie $etjoge (Etnft unb SBilhelm ihn 
untetftüfcen toütben 1 ). ©ei feinem »ufenthalt in bet $eimat 
im 3ahte 1406 toutbe Subtoig mit feinet gotbetung btingenbet f 
mußte abet etfafren, ba§ bie SWünchnet $etjoge, toeit entfernt 
auch tytetfeit« «nfatüche gegen $einti$ ju ergeben, fuh butch 
bie Bufage be« ©utggtafen nicht gebunben fetten. SÄicht um* 
fonft hatte $einti$ butch bie Ätieg«htlfe, bie et tynen gegen 
bie ©tabt 3Dlün($en geteiftet, fleh änfotuch auf tyten üDanf 
ettootben. Die unerquitfüchen Sethanblungen, bie nun in ben 
3a$ten 1406 bi« 1408 jtoiföen ben biet f>etjogen ober beten 
Setttetew an betriebenen ©tten, befonbet« ju äug«butg, 

l) R. B. XI, 303. 




unb bot 2Rito<$ner ©exogen. 



9Jiünc$en unb gretfing, ju Ulm unb Dürnberg gepflogen tourben 
unb in beten Verlauf fi# gubtoig au$ mit einigen feinet »täte 
fiberoatf, benett et 2Rif$btauc$ feine« ©iegel« Dotmarf, führten 
nur baju bie Ctbtttetung bet ^arteten ju fteigetn. Stuf bem 
SWünd&net Zage fielen fc f$tetfti#e {Reben , bog bie ©d&teb«* 
ticktet fid? m#t getrauten pe niebetjuföteiben. $)a« etfte @$tebä* 
geriet $atte ben, ©ptucfr einem anbern jugeföoben, ba« au« 
gleich »ielen Waten Suburig« unb $eintt$6 mit $etjog (Stnft 
al« Obmann befielen foflte. SRa^bem fi$ $tet, tote ju et«* 
toatten , bie diäte lebet Partei für tyten $ettn au«geft>to$en 
Ratten, trat $ergog (Stuft (4. ÜRätj 1407) al« Obmann auf 
bie ©eite bet 8anb«$utet State unb entfctyieb, $einri$ fei ni#t 
Wulbig bem 3ngolftäbtet etma« $etau«augeben. Sluf bie« et$ob 
Submig ftlage oot Äönig SRitytefy« $ofgeti($t ju $etbelbetg, 
fuctyte auä) bie ©tobt SRegen«butg ju einem SBfinbniffe gegen 
$einti$ ju beftimmen. liefet $atte am 18. Dltobet 1406 
mit Schämt bon $falj»9?eumatlt ein gegen ©tepftm 1 ) unb 
ßubttrig gerichtete« Söünbni« auf btei 3a$te gejd&loffen. Sieben 
bem 8anb«$uter $anbel lief aber au$ eine SWenge Hehtetet 
©tteitigleiten ©tep$an« unb Subioig« mit ben SWfinctytet $et* 
Sogen $et. ©c$on !ara e« an ben ©renjen $te unb ba ju 
Reibereien, toobei beibe Matteten (befangene matten. (Sin bi« 
©eotgt 1407 abgefäloffenet SBaffenfttflftanb jtoifc^en allen 
$etjogen toarb bon ftönig {Ruprecht am 24. Slprit ju 3?ünv 
berg bi« Oafobt, bann bon ben $etjogen felbft no# toeitet ver- 
längert. 3» einem griffen Hbfctyluffe famen bie Sßet^anblungen 
but# bie ©t$tebft>tfic$e, bie @if$of ©ett^olb oon greifing 
unb ©utggtaf gtiebticty bon Dürnberg am 7. ÜRai 1408 ju 
Steffins fällten 2 ). Subtoig« «M>eltation an ben ftönig fodte 

1) (Sine ge$be ©te^an« mit «iföof griebtu* bon <Bi<$|Wbt, in beten 
«erlauf ber apere ben SRartt ©rebtag um 1000 fL branbföa&tc, toarb 
bur* Vermittlung be« SWrnberger ©urggrafctf griebrty am 28. %pxii 
1405 gef*li<$tet. B. B. XI, 361; Mon. Zoll. VI, Nr. 278. 

2) B. B. XII, 10—12. 3mn obigen f. fcf. B. B. XI, 379. 385. 
391-394. 397. 403 f. 414; 2). *. «. VI, 77. 155. 182; Gern ein er, 
Heg. <5$r. D, 372. Saug a. a. D., 61 f. . 



15* 




228 



Subtoig im ©ort 



$iena<$ erlösen feto, $einri$ aber an ßubtotg für berfötebene 
gorberungen 4000 ungariföe ®ulben Bejahten. 8ubtotg aber 
ging no$ im fetten äßonate na$ granlreuty jurfid f o$ne bafj 
er, toemgften« ti>a« feine gorberung an $einru$ betraf, ben 
Sretjtnger @pxu$ angenommen $ätte, unb Heg fi$ *>on feinem 
Setter 3o$ann ton Straubing, fall« er gegen $einri$ unb 
(Srnft ni$t ju feinem Stecht lommen Knne, Unterftüfcung ber* 
formen *). 3m SDejember fd&loffen bann bie 2flünc$ner mit 
$einrtc$ ein ©ünbni« auf fünf 3a$re *). 

Wft Subtoig im $erbft 1410 nac$ Saiern fam, fanb er 
bie politifttye Sage toefentlidfr beränbert. 3n ber Hoffnung auf 
Siroler (Eroberungen ^atte ber alte $erjog Stephan am 
l. September ju {Rattenberg au$ im tarnen feine« ©ofyie« 
mit ben üßüncfyter $erjogen einen ©unb auf 8eben«jeit unb 
lotber iebermamt geföfoffen unb in btefem Sertrage Ratten flc$ 
beibe Parteien berpfltytet fotooflt tyre eigenen al« tyrer Diener 
$änbel auf gütlichem ffiege ju fd&ltyten. Die« tytitt jur golge, 
bat Subtoig nun fomotyf gegenüber ben SRfin$nern al« gegen* 
Aber $erjog $einrt$ im anfange t>erfö$nlt$ auftrat. 3Jht 
ben erfteren einigte er fi$ am 16. Dftober ju Pfaffenhofen 
über ftreitige ®eru$te unb über bie ffintföäbigung, meldte bie 
ftlöfter gürftenfelb, ©feiern unb ba« Sßfintyter «ngerHofter 
bon tym $eiföten. Hu$ mit bem 8anW$uter §erjoge traf er 
in ber äbfl#t eine ©fifcne $erbetjufü$ren toieber$ott t>erf5nlic$ 
jufammen. SBeibe gürften gemeinfam erteiltet bem ¥faljgrafen 
3o$ann toegen eine« äbfommen« mit 9tegen«burg tyren JRat *). 
Xuf einer Bufammenlunft ju Sngolftabt im DItober, too au$ 
bie SKünc^ner Settern erf$ienen, $atte man raünblt<$ über 
einen 9u«gtei$ nafceju berftönbigt; al« aber beffen f$riftlic$e 
Saffung $einri$ borgelegt fcurbe, erltörte biefer, fie enthalte 
bodfr manche«, loa« tym unbißig fcfcine, unb öertoeigerte bie 
Xudfertigung. $)o# lub er bann Subtoig in einem freunbli^en 

1) 6onntag bot «nffarttog 1408; Dfofttyer. «r<$ib XXVIII, 371. 

2) 18. fcej. 1408; R. B. XII, 28. 

3) R. B. Xfl, 75. 79. 81. 




trab feine fettem. 



229 



©^reiben ju einet Weiteren «gufammenlunft. ©tefer aber fuchte 
nun, toietoohl ein früherer »ertrag bet $>erjoge befaßte, bag 
leiner berfelben ohne Kiffen unb ÄBtflen be« anbem ein Sünbni« 
(fliegen bürfe, hinter $etarich« Müden bie SRünchtter $erjoge 
für ein folche« ju gewinnen, ©er SJerfuc^ fc^Iug gänjlfch fehl: 
Cmft ritt nach ©urghaufen ju $erjog $einri$ unb teilte ihm 
eine «bförift be« von Subtotg entworfenen, vom 26. Oftober 
au« gichftabt batierten Sertrage« mit. »ietooht §einrich« 
9?ame barin nicht genannt toar, lonnte biefer nicht jioeifeln, 
ba| ba« ©ünbni« gegen ihn geplant mar. (Sntrfiftet föriefc 
er barüber an 8ub»ig unb erflfirte, er fyztit fleh fortan an 
nicht« mehr von beut gebunben, toa« er in ben bisherigen SBer* 
hanblungen bereit« jugefagt ^atte; ben Sßfincfytern fchlojj er 
{ich burch ein ju SBurghaufen am 11. SRovember mit $>erjog 
(grnft vereinbarte« SBfinbni«, ba« atoanjig 3ahre bauern fottte, 
nun noch enger an. 91« Subtoig in ben testen Sagen be« 
dahre« 1410 nach $ari« jurüdging, festen ein gütlicher »u«* 
gleich femer gerfldt al« ie. Untertoeg« erlieg gubtoig von 
Strasburg au« eine neue »Reflation gegen feine Settern. 
8anb unb Seute befahl er bem $faljgrafen 3ohann, bem 2Warf* 
grafen Sernharb von SBaben unb ben ©rafen (Sberharb b. ä. u. I 
von ÄBirtemberg 

«I« er bann bie $errfchaft feine« 33ater« erbte, machten 
ihm bie mttgeerbten ungeheueren ©Bulben trofe feiner fratv 
j&fifchen ©chäfee viel }u fchaffen. ©ie ©teuer be« jtoanjigften 
Pfennig«, &el<he bie Sngolftäbter Sanbftänbe 1406 betoifligten *), 
hatte nicht genügt ®Upf)M9 jerrütteten ginanjen aufjuhelfcn. 
3ahre lang finbet man nun Subtoig befchäftigt, balb feiner 
Stiefmutter ihre an 3uben veTpfänbeten SRWfc au«jul8fen, balb 
hier einen ©laubiger ju beliebigen, bort einen anbem ju einem 
9tachlaf an feiner gorberung }u bewegen. ®egen viele ber 
(gläubiger erhob er wegen ffiucher« Älage vor ftonjil unb 

1) R B. XU, 82. 85. v. gre^berg, SaubpSobe I, 368f.? 3oh- 
Soigt, ©ttdt^nW jtotf<$en bat Serjogeu 2. unb über bie Sanbe9> 
teifcmg von 1892 (1856). 

2) B. B. XT, 389. 




230 



geheimer ©unb gegen Subtoig. 



$apft, mit meuteren berfelben in ©chtoaben unb granfen, auch 
etlichen in Oettern fofl e$ bi« ju trtegertf^er äuäeinonberfefcung 
gefommen fein 1 ). ÜKtt ?$arjibal unb Sriftram ben 3 en 0 ern 
}u ©chtoarjeneef übertoarf fich Subtotg, toeil ihm biefe fetten 
bie Öffnung t^red ©chloffe« $ityoltfiein bertoeigerten, mit ben 
©rübern bon Frauenhofen, tote e$ fcheint, toegen eine* Sin« 
griffe« berfelben in feine ®ert$t*barfett; auf ein Urteil feine* 
ßanbgerichte« $irfchberg geftfifct, befefcte er biefen ihre gefte 
HroGberg. 8uch mit bem benachbarten 23tf$ofe Sohann bon 
©<hftäbt gab eS mancherlei ©treithanbel, bie am 8. «uguft 
1417 bor ein ©chteMgericht bertoiefen tourben. Oft genug 
unb toohl mit ®runb toarfen bem $erjoge feine Oegner ®etoalt* 
famfett unb »iechttberlefcung bor; ÜÄarfgraf griebrich bef$ul< 
bigte ihn, er h^be (Gläubigern auf ihre ©chulbforberungen 
mit ffiegnahme ihrer ©chföffer geanttoortet 2 ). ®egen feine 
eigenen ©tobte »erfuhr Subtoig nicht meniger getoaltfam. SBohl 
hatte erSWünchen gegen feine Settern unteiftüfct; at« e$ aber 
galt, im eigenen Sanbe bie ftäbtifeben Freiheiten ju toahren, 
tooflte er nicht« babon nriffen. Der ©ranbenburger erjagt 
un«, toie er feine $auptftabt behanbelte: al« ob er ihre grei* 
heiWbrtefe betätigen tooße, höbe er bie ©ürger aufgeforbert, 
biefelben bor ihn ju bringen, bann, att e$ gefchah, fie jer* 
fchnitten 8 ). 

Stach aflem, toa$ borgegangen, begreift man, bafj 8ubtoig$ 
Settern auf einen fchlimmen Machbar fich gefaßt machten unb 
gegen ihn ihre 3Kafjregetn trafen. 9m 17. Jfyril 1414 
fchloffen ju ftelheim bie $erjoge (Smft, ffiilhelm unb Heinrich 
unb $faljgraf 3ohann, bem Subtoig bomehmlich toegen M 
©efifce* bon $irf$au größte, ein gegen aße Kuheftörer gerich* 
tete$ ©finbni« auf bter 3ahre unb gelobten mit einanber al« 
3eichen befonberer greunbfehaft ben ©ittich (?aj>agei) }u tragen. 

1) «rn^ed, beutfö, 133. 3um ©anjen f. R. B. XII, 208. 167. 
225—232. 256. 266. 289. 299. Wo* 1421 twen ©Bulben ni$t be- 
jaht; f. L c. 365, Urt. bom 3. «pttt. 

2) »ei Riedel 111,1, 175; too^u Arnpeck, Chron. 377 ftimmt. 

3) Riedel, 1. c. unb 167. »gt au* oben, e. 201. 202. 



s 




3>te ©aiero auf bcm Äonßanjer Äonjil. 



®<$on Rotten bie 3Künd>ner $erjoge gegen einen oon fiubtoig* 
«beiigen, ®eb$arb Don Äammer, bet toenigften* fpäter al« 8ub* 
toig* oberfter Wat genannt toirb, bte geinbfeligleiten eröffnet. 
(Sine ©urg, bie berfelbe in tyren Sanben am ©aume bet Silben 
befag, @c$aucnberg bei SDftfiabt an ber 8oifa$, am abfalle 
be$ $eimgarten gelegen, toar i^r ätogriff«jiel; aber erft na$ 
elftod^entlic^et ©elagerung, na$ bem ©erluftc Dieler 8eute unb 
eine* grofjen ®eföüfce$ toar e$ tynen gelungen ba« fefte ©etylog 
ju nehmen (2. gebr. 1414) unb ju jerftören *)• 2ta 8- 3ult 
1415 erneuerten bie Äetyeimer ©erbünbeten ju ftonftanj tyren 
nun au«brücflic$ gegen Subtoig unb jtoar fo lange, aW biefer 
lebe, gerichteten ©unb, bem nun auety Äurffirft Subtoig Don ber 
$fal$ unb ©urggraf griebrtety Don Dürnberg beitraten. SKit 
bem etfteren $atte fi$ $etnri($ f$on am 16. gebruar (1415) 
ju Äonftanj auf Dier 3a$re unb barüber bis Sföartini Der* 
bänbet 2 ). ©egen ben Nürnberger ©urggrafen, ben ®ema$l 
ber frönen <5lfe Don ©atern, toar 8ubn>ig too$l |d?on gereift 
toorben bur$ bie «rt, toie berfelbe in ben ©erfcanblungen mit 
feinem ©$ü>ager, $erjog Heinrich be$ ©c$teb$ru$teramte$ pflog, 
unb feine ©erftunmung toucW, al$ ftönig ©igmunb (18. Styril 
1417) fjriebrtcty jum fturfürpen Don ©ranbenburg er$ob. 

ÜWit großem ®efolge, 600 $f erben, fcatte ftc^ ßubtoig 
jum ftonjil nac^ Äonftanj begeben, n>o er jugleicty aW SRcid^* 
fürft unb aW P$rer ber frangöflfc$en ®efanbtföaf* 8 ) auftrat, 
©leiety feinen bairifdpn ©ettern, bie ebenfalls Dofljäfcttg erfreuen 
»aren, empfing er bort Don ftönlg ©igmunb feine 8e$en 4 ). 
Cr ftredte bem ftönige ®elb Dor unb fnüpfte ein befonbere« 
Dienftoer^attni* mit i$m an, intern er fleh (1415) mit einem 

1) @t.«<S$r. IV, 2dl, Dfll $nnb, e>tammenb»$ I» 241, über bie 
Sage ber ©arg tyian, Oberbaar, «r$iD XXXIX, 48. 

2) R. B. XII, 162. 186. 200 ; g i f $ e r , Äleine elften II, 124-132. 

3) 8gt R. B. XU, 185. 194. 

4) 2>a$er, bd v. d. Hardt, Conc. V, 188. 3n 9ti<$entatt 
ÄonjiW^roni! (Äonjianjer SRftyt, f. 76?.) ift u. a. bte ©eleftrong ber 
WünQntx $erjogc abgebttbet; (Stuft erf^eint bort mit langem ©ottbart, 
©«beim bartlo«. 




282 



$ünbnit Sub&igt mit ©aljburg. 



©olt* oon 12 900 p. jum 9?at uttb Diener feinet ßeBenjafrigen 
£o$tet (HifaBety BefteHen lieg 1 ). ©otoo$l bie ungünstigere 
©enbung, toüty bie franjöfiföen SSer^dttntffe für tyn genommen 
Ratten, at« ba« ©ebürfni« be« ©$ufee0 gegen eine Übermalt 
bon getnben unb Leibern nrirb tiefen entfälufc Beeinflußt $aBen. 
ÜBrigen« toar Subtoig Don fiSnig Stuprety $er getootytt in 
Befonber« engem 8Ser$ältniffe jum »ei$«oBer$aui)te 3U fteftn, 
toä$renb man anberfett« Bei ©tgmunb au$ fonft bie Neigung 
beobachtet fi$ gürften anjttfdjliefjen, bie ein luftige« unb lodere« 
geben führten gleich tym felBer. Sine ©dfrulboerföreiBung, bie 
©igmunb bem $erjoge am 10. 3uli 1415 ju ftonpanj au«* 
fteflte, lautete auf 12000 ©ufaten für verfallenen 3a$re«ge$alt 
unb 11000 ©ulaten für ein «niesen, gür bie «ficfjafrfang 
verbürgte fl<$ ba« ftonjit; au$ ber Äönig fteflte Subtoig mehrere 
©ürgen, barunter ben Burggrafen f$rtebri$ von Dürnberg *). 
3m 3uli 1415 Begleitete Subtoig ben Äönig von Äonftanj na$ 
«rBerg unb ÜWö^ufen 8 ). 

(gegenüber ben ©ünbntffen feiner ®egner fa$ au<$ er ft<$ 
na<$ 2)unbe«genoffen um, fanb Jebo^ unter ben dürften einen 
folgen nur im Crjbiföofe <SBer$arb bon ©aljburg. «m 
5. fJeBruar 1416 fötojj er mit biefem ein ©ünbni«, ba« bt« 
©eorgt über gtoei 3a$re toäfrren foflte. SJeibe gfirften *er* 
ftrad&en ß$ gegenfeitig, Jebo$ nur bte«feit ber lauem unb 
t\il\6) ber 3far, im ftrieg«faOe eine $ilfe Don Je 200 ©Riegen, 
Jeben ®f tef ju jtoei $ferben geregnet. <£« toar au$ für bie 
Bairiföen $erjoge, in«Befonbere ben angrenjenben 8anb«$uter, 
Bebeutung«oofl, bag mittlettoeile bie Vereinigung be« ©tifte« 
©er<$te«gabett mit bem flhrjftifte ©aljbutg aufgehoben foorben 
toar* 1402 hatte ^apft SBonifaj IX. bie «ufoebung ber ©n* 
berteiBung Befohlen, brei 3a$re barauf 3nnocenj VII. biefe 
Verfügung Beftätigt. ©er greifinger ©uBbtafon $eter $tenjen* 

1) & *gl. ©ürbinger, 230, 8mn. 3; Biedel 111,1» 165. 

2) 29. 3oni tttib 10. 3uli 1415; B. B. XU, 199. 201; Sang, 81; 
«Autle, Beitrage, 58. 

3) Sulinger* ©erner$tonif, ed. etuber, 81. 



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Suburig unb ble $ob*burger. 



28S 



ästet toax feit 1404 als tropft in 2Jeri$te*gaben eingefefct l ) 
ttnb, tote eine ntc^t gana fiebere 9ia$ri$t befagt, foll mit tym 
au<$ $erjog Subtoig im auftrage feine« SBater« borfar na$ 
9lom gegangen fein *), um feine ©nfefcung ju eroirlen. 

8u$ jtoifd^en ben $ab«burgern griebriety unb (Srnft unb 
bem 3ngolftäbter $eraoge $atte ßt$ ein gute« S3er$ältni* $er* 
gepellt. Der geästete griebrlc* rief, als er be« Jttnig« $ulb 
uriebergetoinnen toottte, fiubtoig« Vermittlung an. Dem $er* 
joge Smft $atte Subtoig in beffen Stiege mit ber Siroler 
©auemfc$aft feine @$töffer unb bie Strafen bur$ feine 8anbe 
geöffnet. Sine 3ufammen fünft, toelc^e beibe gürften im @efv> 
tember 1416 in Subtorig« ©renjftabt {Rattenberg abhielten, ber* 
fc^affte bem ©aiern ba« gleite 83erferec$en bon feinem SRaty 
bam, au$ einen ©etetttbrief für ade Sanbe (Srnftt (beffen er 
bie0ei$t beburfte, aW er bie ftönigin Sarbara na$ Ungarn 
begleitete) •), führte |ebo^ ju feinem ©unbtfbertrage, ber 8ubtt>ig 
im ftrieg$fatte genügt $ätte. 3n ftropfeberg $alf Subtoig bann 
(4. Oft.) bem ©aljbnrger Ghrjbiföofe bie inneren ©treitigfeiten 
ber liroler dürften gütli$ beilegen 4 ). 

3n ffirftli^en Streifen ftanb ßubtoig bo<$ jiemlic^ aereinfamt. 
Sbett ba« »etoujjtfein biefer »ereinfamung torirb i$n beranlafjt 

1) R. B. XI, 337. 868. 

2) «ugeblty 1403; f. b. Äo<$-©temfetb, ©efö. b. ©er<$te*gaben 
I, 47. StftMföof Oregor* 2ob, ber ben €Wfrritt veranlagt baben fott, 
erfolgte 10. «Rai 1403; alfo müßte fiubtotg« Keife na$ feiner 9tfi(ffe$r 
auf granfreidfr eingereiht »erben unb na$ feiner ffotoefen^eit in $em$* 
ba$ im 3uni (3). 9t. H. V, 512—514). ©regor toax getarnt »orben, 
bag Subtoig auf bie Suffcfcnng ber Sntorporatton Anarbeite, nnb Ä. 9tup- 
re$t, ber btefe im September 1401 beflfitigt $atte, ^atte i$n (um 
8*rU 1402) beruhigt: er »iffe ntyt* bawn. 2). 9tei<Mtag«atten V, 
60. 286. 

3) Crtotynt 2. u. 6. 6etf. 1417; R. B. XII, 263. 

4) R. B. XU, 218. 235; Arnpeck, Cbron. Anstr. 1279; 2i<$- 
no»«t$, 9hr. 1647—1651, tno Jebo<$ SÄr. 1650 &u jtrei^en tft, ba e9 
nur auf einem ungenauen Citate auft Sang beruht, ©ei bem ©ertrage 
*om 22. etpt fyitte fcrnfi »on fcirot bie 2Rfln$ner $erjoge aW Gegner 
aufgenommen. 




284 



®airif$er KUterBmtb. 



haben ju fcerfudpn, ob ihm nicht ber Äbel in bcn toieberauf* 
tebenben SRttterbünbmffen eine ©tüfce bieten fönnte. ©d>on ju 
8ebjeiten be$ ölten $erjog« ©tephan Ratten pch bie Ongol* 
ftäbter $erjoge, burch nachbarliche &erfi$*ungen barauf ^in- 
getoiefen, in ben meift and Schwaben beftehenben, jun&hft gegen 
bie appenjeHer Säuern gerichteten töttterbunb be* ©t. (Seorgen* 
föUbe* begeben 1 ). ffiar ihnen auch griebrich oon Öjierrekh 
hierin fchon Derangegangen f fo blieb boch ber (Beitritt öon 
gürften ju biefem mächtigen «bettbunbe ein fehr auffallenber 
©chritt. Sei feiner «moefenheit in ©atern 1410 fytlt Subtoig 
ju Saningen eine (Beratung mit beut ©unbe. SBon ber bat* 
rifchen Mitterfchaft aber fchloffen am 5. 3uni 1416 *) fünf- 
unbjtoanaig $erren fckoo^I au* Subtoig* aW feiner Settern, 
inflbefonbere au« $einrich$ Sanben einen ©unb auf fünf 3a$re 
jur SSerteibigung ihrer Freiheiten unb {Rechte gegen iebermann, 
auch i^re gnäbige $err[chaft nicht aufgenommen. Die Warnen 
ber mächtigften Sanbhmen waren f)\n vertreten: äbenflberg, 
®ran«, Rammer, ßaber, Irring, Saimtng, grauenberg, ?$ienjenau, 
SDtojelrain, $ar«firchen, ftammerberg, ffialbeci, ©olfftein, 
grauenhofen, bie SEurner, ©fenhofer unb bie $ütrich oon 
Keicherihaufen. &üt ©chlichtung ber ©treitigfetten unter 
©unbeägliebern warb ein Staäfchufj unter einem Hauptmann 
niebergefefct. S)er ©eitritt oon ©täbten unb SWärlten in bie 
(Sinung blieb borbehalten. Dag 8ubwig, ber ben ©unb foater 
für fleh auänüfcte, fchon bei ber ®rünbung bie $anb im ©piele 
hatte, ift wohl möglich; jebenfaü« war berjenige gürft, gegen 
ben bie (Sinung in erfter {Reihe gerichtet war, 8ubwtg« fchlimmfter 
geinb, Heinrich von 8anb$hut. 

Huf bem ftonjH ju ftonftanj lief neben ben ©erhanblungen 
über fragen, welche bie Shriftenheit bewegten, auch bie über 
ben wittettbachifchen gamilienftreit her. 8ubwig$ ganje« ©innen 

1) Crtofihnt 1411, 4. aRürj; R. B. XII, 90. 3n ben Bei Bürger - 
meister, Cod. dipL equestr. I, 1—30, gebrachen ©nnbeSbricfen bi$ 
1413 toerben jebo<h bie 3ngolf!8bter $erjoge nicht genannt 

2) t>. 2er<henfe(b, gretbriefe, 59 f. 



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Stabfeigt Berufung an bat $aj>fl. 



285 



unb Staaten toar beherrfcht oon ben bitteren ®efühlen, bog 
feine State in bet 8anbe«tcilung oon ber lanW^utifd^cn über* 
vorteilt unb bog ihm oon ben @$ieb*ri$tern, bie barflber 
gebrochen, ntc^t fein fliegt geioorben fei. Siefen fleh ju Der* 
f<haffen, toie et e* oerftanb, fefcte er aOe $>ebet in öetoegung. 
SBie an ben ftSnig {Ruprecht ^atte er auch an ben $apft 
®regor XII. eine Berufung gerietet. SBon biefem toar batm 
(l. Styril 1408) an ben ötfehof Don 8fog«burg ber öefehl 
ergangen, bie ©ache gu unterfuchen unb ben ©chiebftrwh 
$erjog (Srnft*, faü« fleh beffen oon Subtoig behauptete gorm* 
toibrigfett ertoeife, fraftlo« ju erflaren *)• 8luf bem Äonjil ju 
$ifa (1409), ba$ au<h ber (Srjbifchof Don ©aljburg unb bat* 
rifehe ftergoge befchieft Ratten 2 ), fear aber fomohl ®regor 8 ) 
tote beffen Nebenbuhler ©enebift XIII. entfefct unb an ihrer 
©teile «lejanber V. geteilt toorben. Nach beffen balbigem 
lobe folgte ber untofirbige ftarbinal ßoffa al« 3ohann XXIII. 
3n beffen Namen ^atte ber Äarbinal Sanbulf Heinrich oon 
8anMh«t innerhalb fechjtg Sagen oor ba« ®ert<ht be$ ^ßapfted 
gelaben (16. 3uti 1411) unb am 7. Ottober bann ben $rojeg 
ber päyfttichen ftanjlei fibergeben. Dag $apft 3ohann ben 
$anbel oor fein ©eritht }iehe, h^tte aud> Äönig ©igmunb 
anfangt gebilligt, fü» aber Heinrich oor ihm ft(age gegen 
Subtoig erhob, auch b** Zapfte« 3ohann äbfefcung unb glucht 
au$ Ronfianj erfolgte, nahm fich ©igmunb felbft ber @a<he 
an. 3 U Subtoig* ®nnften, hMptfachlich gegenüber ben Dielen 
Gläubigern be$ oerftorbenen $erjog$ @Up^an, fyattt er 
berorbnet (16. SKai 1415), bag berjelbe ein 3ahr lang mit 
feiner gorberung beläftigt »erben bärfe. ffienn Heinrich 
auch bei bem ©finbntffe, ba« er am l. ©ejember 1415 mit 
feinem ©chtoager Silbrecht oon Dfterreich abfchlofj, noch ade 
batrifchen $erjoge aufnahm, fo treffen totr ihn boch im fot 

1) R. B. III, 7. 3um ftgb. 1. c. 97. 125. 190. 194. 195. 211. 
227. 250. 252. 254. 260. 266. 

2) Corner bei Eccard, Corp. hißt. II, 1194. 1195. 

3) SMefer behielt jebo<$ in öaiem no# lange Anhänger; *gt. R. B. 
XO, 205. 




28« 



genben grüfta$r mit JRfiflwngcn gegen Subtoig Bef<$äftigfc 
Subnrig« Sage öerfölimmerte ftd^ , al« Beim ftonjil tote beim 
ftönige bte ftlagen über feine Übergriffe fi$ Rauften. 9Son 
oerföiebenen 9ia$barn tourben aflmä$ß<# bretonbad&tjfg ftlage* 
fünfte gegen i$n &orgebra#t. SBegen ©eeinträc^tigung tyrer 
Äe^tc unb gretyeiten Ragte bie 33ärgerf$aft ©onamo5rt$« 
beim ftönige, Ragten ftai«$eim unb anbete fttöfter beim ftonjil. 
©te ber ftönig jugunften ©onautoörty« entföteb, fo befahl ba« 
ftonjil ßubtoig unter Hnbrofying be* Hnat^em«, Don ferneren 
Singriffen in bie 9ta$te unb ©nfünfte oon ftai«$eim ab* 
auflegen unb für bie Bi«$erigen ®$abenerfafc ju leiften. Dem 
fttofter ftai«$eim fera<$ ba« ftonjil (1419) auf feine ftlage 
gegen Subtoig eine Gntfc$äbtgung tum 7000 fl. t bem ©tfäofe 
ton Wegen«burg ber ftSnig ba« 8öfung«rei$t an ber öerpfän* 
beten gefte $o$enburg im SRorbgau au l ). 

9m 6. 3uli 1417 begannen in ftonftanj bie ©jungen 
be« 5Reic$«gert<$te« toegen be« totttel«bac$tfc$en (SrBftrette*. 
Subtoig föeint bie i$m ungünftige ©timmung be« ®eri$t«$of** 
Bereite gefannt ju $aben ; er Beftritt beffen ftompetenj anfangt 
mit ber jämmerlichen ©nrebe, ba| er au$ 8e$en«träger ber 
ftanjöfifc^en ftrone fei; am 2. Huguft, al« ftönig ©igmunb 
mit ben 8tet($«fürften im oberen ©aale Bei ben äuguftinern 
toieberum ju ®ertd>t fafj, Berief er fi$ auf einen 3lu*fpru$ 
be« $atfte« 3o$ann, toona<$ ber $anbet oon einem geiftlic^en 
Stifter entföieben »erben follte. £)a« ®ert$t aber, tote tt 
bie etfte (Sinrebe abgelehnt $atte, erlannte au$ Jefct auf bie 
gorberung griebrty« Don ©ranbenburg, ber al« feine« ©c^tw 
ger« $einric$ SJorftretyr auftrat, bajj bie (Sntfd&eibung be« 
Streite« o$ne grage bem ftöntge unb ben 9fei$«ffirften juftefo 
ba berfelbe toeltltye« ®ut unb 9tei$«le$en Betreffe. 8fa$ 
ßubtoig« ©ene^men Bei ben S3er$anblungen erregte 8lnfiofj. <E* 
Detftieß gegen bie geterlictyfeit be« ©be«, bag er o$ne du 

1) 8fll. ©inbede, c. 129; Ried, Cod. dipl. Ratwbon. II, 979; 
R. B. XII, 331; Sang, 86 f. 3»m ftgb. f. SEBinbcde stnb bie oben 
Be jct<$ncten Urfonben in R. B. 



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bor bem (Stricte be* Äönig« in Äotiftottj. 



287 



louBni* be* ftitaig* unb ®eri<$te* bie $onb jum ©<$tour auf* 
hob unb fetttte, auch anbete* bajnrifchenrebete. Der 23ranben< 
Bürger befötoerte ftc^ barüber unb ber ftönig erteilte Subtotg 
einen Stattet*. Da biefer hierüber ärgerlich erblaßte, Rottete 
griebrtch: Oheim, xd) bä<htc, tyr faftet mxh, eine fo glimme 
garbe habt ihr! Der Äönig fragte bie SJfirften, »>el<he ©träfe 
fiubtoig toegen feiner Ungebühr bor ©ettc^t Derbiene; e« erging 
barauf lein Urteil; bo$ glaubte man allgemein, baß Subteig 
unter ber $anb beut ftönige, um ihn ju Befchtoichtigen, eine 
bebeutenbe ©umme Bejahlt ^abe. (Enblich am 19. Otteber 
fällten ber ftdnig unb bie 9teich«fürften in ber Verberge be« 
©if<hof* oon $affau, be* föniglichen Äanjler«, bei ben ©ar* 
fugem ju <$eri$t fifcenb, ben entfd&eibenben ©pru<h, beffen Ste 
folgung beibe fterjoge borget mit $anbgelübbe berforothen 
hatten. Der frühere ©chiebferuth be« JSiföof* bon Reifing 
unb be* Nürnberger Burggrafen foflte bemna<h in Straft unb 
$einri$ fo lange bei feinem sollen (SrBe Derbleiben, bt* 8ub* 
toig betoeifen fönnte, baß ber ©$iebf)>ru$ ungiltig unb traft* 
tot fei. 

Der Sngolftabter $erjog toarb hi*bur<h auf* empftnbliihfte 
getroffen. 5Eag« barauf, al* ber Äitaig unb mehrere gürften 
lieber in ber Verberge be« ©tföof* bon $affau jum 5D?ahle 
jufammenfamen, toarf er fi<h bor ©igmunb auf bie ftniee unb 
flehte, ihm fein SRe$t toerben ju laffen. Da aber au* $etnrich 
unb beffen ©etytoager zugegen toaren, entsann fU$ ein gereijter 
SBorttoectfel. griebrich toarf bem Ongolftäbter bor, er ^abe 
behauptet, baß er Don $einri$ falfd&e ©riefe Befifee unb baß 
$etnri$ ihm gegenüber ein $anbgelübbe gebrochen ^abe. 8ub* 
»ig feiberfpra$ nicht, erbot fich oielmehr biefe ©eföulbigungen 
ju Bekräftigen; er befc^ulbigte $einrich überbie«, baß berfelbe 
feine getnbe beherberge, in*befonbere ben 3örg ©unbelflnger, 
einen ©WuBiger $erjog ©tepfyin* in feiner Surg SBolfftein 
an ber 3far, Don too au* biefer nun ba* Ongolftäbter ©ebiet 
Beunruhige. 3ule^t ließ er fich ju tSbli^en ©eleibigungen 
feine* Setter* hinreißen, tarie benn bamal* feine Äußerung ge< 
fallen fein f oll : $einri$ fei nicht ber ©ohn beffen, ben er al* 




288 



$. $€itm$t grettlthat 



S3ater betraute, fonbern ber ©ohn eine« fto<$e« l ). ffiütenb 
toifl fich ber 8anb«huter auf fetnett ©eleibiger Kerfen, fein 
©chroager griebrich mehrt ab, föiebt ihn, um ba« Strafte ju 
beteten, jur I^ürc hinan«, rücfmärt« gemenbet aber ruft 
$einrich feinem geinbe no$ ju: „®int bu nicht« al« festen 
miflft, mart', bir foü be« gelten« noch fatt »erben, ba« laf 
ich bich befehenl" 

Sin unerhörter grebet jeigte balb, mie bie« gemeint mar. 
Denn nun eilte ber ©chmerbeleibigte nach feiner $erberge, hieji 
fünfje^n feiner Seute, barunter ©feiger ben ©unbelpnger, 
(Srafmu« Saiminger, Crafmu« ©etbolb«borfer unb ftafpar ©aler, 
totemohl biefer auch 8ubmig« 8ehen«tnann mar, fich panjero 
unb ju fferbe fteigen unb legte fich mit ihnen in einen $inter* 
^alt bei bem $>aufe jur »rmbruft, mo Submig bei ber $eim* 
le^r oom SWahle vorüber mugte. ©otoie er um bie fficfe bog, 
nur oon jtrei (gbelfnabcn begleitet — e« mar jmifchen 10 unb 
11 Uhr Stacht« — brauen bie üauernben f)ttt>ox t $einrich 
ftach ihn &on hinten unb ob er ft$ auch tote ein SBerjmeifelter 
mehrte, feinem Detter fogar ba« ©chmert entmanb — ba bie 
gan}e ®$ar übermächtig über ihn Verfiel, marb er mit bieten 
ffiunben bebest unb oom ^ferbe geftogen. $erjufommenbe 
greunbe fanben ihn in feinem Stute fchmimmenb. 211« ftc ihn 
heimtrugen, ermiefen fich }mei feiner Verlegungen fo ferner, 
bafc an feinem «uffommen gejmetfelt mürbe. Der feige Xffittx 
hatte mit feinen ^Begleitern fofort bie gluckt ergriffen unb 
enttarn mit $ilfe einiger ©etymaben, eine« «eifchach unb be« 
38rg oon Surgau, in feine ßanbe, miemoht ber ftönig auf bie 
ftunbe ber Ztyit fogleich alle Xffoxt fchliefjen lieg, bie 85er* 

1) Ärnjjed, c. 377, berfl($ert, bie« an« guter Duette )u tytben. 
6. au* c. 381 unb beflen fceutfäe «hromt, 133 f.; ba« «ehnuirtett 
gegen $. $erjog (bei Z$Ux\$, «truemmtg be« $erjog« $eutru$, 
67); ©inbede, c 71; ©Uben&erg (Oefele I, 311); «ug«burget 
«hromt I, 118 unb ben bei 2 an g, 88 beulten »eri$t; tfirjer u. a. 
Stabrea« wm 9tegen«burg (beutfö @. 450); Ulri<W w>n 9tf<$entaJ <5on- 
jiUcftontf, ed. »ud («i&l. be« 2iter. «erein« CLVI1I, 115); Sulinger« 
©ernerchrouif, 0. 237. 




in Äonftonj. 



28t 



folgung anotbnete unb am nächften Sage, um fie au Betteiben, 
felbft au« ber ©tobt htnau«ritt. 

3m erften 3orn tooflte ©tgmunb Aber ben greofer, bet 
fein unb be« «onjit« Oeteite fo fchnöbe Deriefet hatte, bie «cht 
»errängen, ©ieber fear e« bet flurfürft Don ©ranbenburg, 
bet fuh feine« ®ch»ager« nachbrücf lieh annahm unb ben ftönig 
burch fnieffiflige« Sitten betoog ba« Urteil toenigften« fo lange 
3U betrieben, bi« fich gejeigt, ob bet SBertounbete mit beut 
geben baoonfommen toürbe. 3n ben nächften Zagen reifte 
©igmunb nach &üx\$ ab unb al« et nach Äonftanj jurfid* 
fehrte, ioar fein 3orn bereit« oerraucht, aumal ba Submig« 
©enefung tafele gortfehritte machte: am 11. SRooember, al« 
bet neugetoählte *ßapft Sßattin V. ju feinet 3nthronifation in 
ba« SDWhtfter jog, toar berfelbe fchon fotseit hergeftetlt, bafj et 
im feierlichen 3"fl e mitgehen tonnte. Stach einem längeren 
©erichte *) fofl er bei biefer (Gelegenheit oor bem Zapfte ftch 
mebergetoorfen unb ihn um Oerechtigfeit gegen ben SWeuchler 
angefleht ^aben. Cubtoig« völlige Teilung unb bie gfirfprache 
griebrich« oon Sranbenburg tote ber üttfinchner $erjoge be- 
ruften bann, baß be« 8anb«huter« ruchlofe SC^at oon ©eite 
be« ftSnig« oöDig ungeahnbet blieb. Daß ©tgmunb htrj oorher 
oon $einrich ein Darlehen oon 6000 p. erhalten ^atte s ) f 
blieb toohl auch nid?t ohne (Einfluß, »m 3. 3anuar 1418 
fotach bet tönig $eintich feine Cerjeihung au« unb oerbot, 
baß berfelbe toegen feiner SC^at irgenbtoie beeinträchtigt toütbe; 
ba« fliegt oon $einri$ ©enugthuung ju forbern lonnte et 
freilich Subtoig nicht nehmen; bie« toatb in bet föniglichen 
Utfunbe au«brfi(Ilich oorbehalten 8 ). Subtoig« SSereinfamung 
riet ihm, ben $>alt, ben et am ftönige befaß , nicht £rei«* 
angeben. @o bürfte fid^ erllären, baß ber fonft fo leicht ge* 
reiste fjütft ©igmunb« nachfichtige ©chtoäche nicht etnftlich übel 
nahm, ©ietoohl et fpäter toegen be« ftonftanjet greoel« bei 
bet tSmifchen ftutie eine förmliche ftlage gegen Heinrich erhob 

1) «t>entin III, 497. 

2) $5ntle, Oberbaar, *r$. XXVIU, 228. 
8) R. B. XII, 271 




240 



Subnrig im ©art unb Äönig ©igmunb. 



unb babei au«brücßii$ $eroor$eben lieg, baj$ tym bur<$ bat 
Röntg fein 9ic$t ni#t getootben fei 1 ), Blieb et mit biefem 
bo$ in gutem (SinDetnefynen, ba« et au$ bann nic$t bta<$, 
als ©igmunb bie 3^»«8 feint* ©<$ulb an i$n immet triebet 
Detfäumte. 3m SWat 1418, ba gtiebttd) Den $ab«butg fic& 
Dor bem ftönige bemütigte, fu$te 8ubtoig feinem reuigen 
greunbe no<$ einige »erteile ju erlangen, ©igmunb aber $ief 
i$n abtreten, unb at« biefet trofcbem mit feinen ©Uten fortfuhr, 
machte er, tote ba« feinet leisten Statut entforac$, bet ©a<$e 
burc$ einen Knbif^en ©d&erj ein ßnbe, inbem er i$m bie 
$aube Dom Stoffe na$m unb einem anbem auffegte. 

©igmunb frttte im SWärj 1417 bem ftönige Don granf* 
tei#, Suburig* ©<$toager, ben Ärieg erllärt unb Derfcanbette 
mit ben beutfd&en gürften übet tyre $ilfe. JBon ben ©atern 
toar ni$t$ ju ertoarten, ba fte fic$ feit bem ftonftanaet ©or* 
falle noö) gekannter gegenübet ftanben als Dornet. Ott ftut* 
fürft Subtoig Don ber $falj Dietfymbett Stiege gegen gtanfteidfr 
gerüftet $atte, erinnerten i$n feine ©etbfinbeten, ba| et i$nen 
$Ufe gegen ben 3ngolftöbter fd&ulbe 2 ). liefet Derzeit fu$ 
junäd&ft no<$ tu$ig unb traf mit bem ftönige im gtü$fommer 
1418 in SRabolfSjetl, bann na# bem ©bluffe be« Äenjitt im 
«uguft 1418 in $fotj$eim jufammen, too ©igmunb erfolglos 
jtoif^en tym unb feinen (Segnern ju Oermitteln Detfuttyte 3 ). 
Dann begleitete et ben ftönig übet Ulm unb Hug«butg na$ 
Sngolftobt, »o i$m bie ®&te toatb, ©igmunb unb fein ®e* 
folge in ben $etbetgen au«julöfen. Untemeg« mußte et er* 
leben, ba& ber ftönig in £)onau»5tt$ für bie 3*ü feiner 
«btoefenfcit gtiebtiety Don ©ranbenburg aum 5Rei($$Difar er* 

1) R. B. XII, 345. €tyott im erftat Äonfütetrom be« $<tyße9 
Martin (29. «Rod. 1417) $atte 2nb»ig bnr$ einen «n»alt ftlage fleOen 
laffen, bamal« aber Ijatte ber $<4>jl erflfirt, ber $anbel gehöre ni#t Dor 
i$n, fonbern Dor ben ÄBntg. 2>tefer Deroie* Snbtoig bie Starufmtg bed 
getfUt^en ©erity«, 18. Sprit 1420; Dgl. «f$*a($, ©igmunb, II, 308; 
III, 433. 

2) 2>. ». «. VII, 354; $&utte im D6erba*er. *r$tD XXVI1I,203. 

3) $*utte a. a. D., 205. 206. 




3o$amt *on fiftttitf unb Straubing. 241 



nannte. 3n Ulm Ratten bie «ug«burger ernrirft, tag ßubtoig 
Dom ftönige $art angelaffen toarb, toeil er gleich ben aWön^net 
$eraogen infolge feinet ^arteiftetfong im ©treite atoifd^en ju>ei 
ttog*burger ®egenbifc$5fen bie ©tobt bur$ 3ufu$roerbote fdfrfr 
Wgte. 3n biefem $>anbel trat Subtoig übrigen« ba« 3a$r 
barauf auf einem Sage au fjriebberg s&iföen ber ©tabt unb 
ben üßündfrner $eraogen felbft al« »ermittler auf 1 ). 3n 
$affau oerfora# $einri$ (29. 9iot>. 1418) bem ftönige in 
feinem ©treit mit 8ubtoig p# bem ©ertöte be« ftbnig« unb 
beutfcfcr gürften ju fteflen unb, bi« beren ®pxud) gefällt fei, 
bie ©äffen ru^en ju laffen *). 

ffiä^renb be« ftonftanaer ftonail« unb ber bi« auf« $W&fte 
gebie^enen Spannung gmifd^en ben bairtfäen gürften gef$a$ 
ber eifte @$ritt baju, bajj bie 9lieberlanbe bem $aufe Sittels 
bad> verloren gingen. Äm 31. 2Äai 1417 toar ber Regent 
ber u>ittet«ba$if$en SRieberlanbe, «Bttyelm IL, ber ältcfte ©o$n 
8llbrec$t« I. geftorben. 3n ben bairiföen Sanben trat babur$ 
(eine S5eränberung ein, benn ffitlfclm II. $atte nur in ben 
SRieberlanben regiert •), ba« ©traubinger Canb $atte na$ 
«brecht« I. lobe (13. ©ej. 1404) beffen iüngfter ©o$n unb 
bi«$eriger ÜÄitregent 3o$ann allein übernommen 4 ). 811« Dritter 
ber SBrüber $atte berfelbe, ba in ber nieberlänbifd&en 8inie be« 
$aufe«, toie e« föeinl, nacft Hlbre^t« I. Hugem ©unföe bie 
Abteilungen nic$t toeiter al« bi« aur Trennung ber bairiföen 
ton ben nteberlänbifctyen Sanben getrieben toerben foflten, ben 
getftli^cn ©tanb getollt, too fl$ tym «u«ßc$t auf ba« 2M«* 
tum Sfitti$ eröffnete. 1390 toar er bort }um ©iföofe ge* 

1) @t..<5$r. IV, 119; V, 78-80. 83. 870; 2). 3t. *. VII, 367. 
$et}og ©il^elm batte 1414 jörffcfren ben j»d ©ifööfen vermitteln »oHen; 
©t-«$r. V, 60. 61. 

2) Oberbaar. *r*i* XXXD, 72. 

3) 9tar um bie Statoirrnng ju t&ermeiben , bie fl<b an bie Äuberung 
tiner allgemein übfcfcn 3$bfo>eife fnfitft, fitytn xoix tyn in ber Steide 
ber batrifötn SBUfclme mit. 

4) Hrnj>e<!« «ngabe, 358, toirb beßfitigt bnr$ bie Urfnnben, n. a. 
toom 18. gebr., 11. tyrU, 8. 3uni, 31. «ugufl, 31. 2**. 1405, R. B* 
XI, 859 f. 

«teilet, OkfWte ©alent«. III. 16 



242 



@$la$t bei Gl*. 3aloWa bou «oiern. 



toahlt toorben; ba er aber bie h&h**en Siethen nicht empfangen 
looOte, blieb er immer „düo^Utx 1 * (Cleft). ©arüber un* 
jufrieben, Ratten ft<h bie gültiger in »ütenbem »ufftanbe gegen 
ihn erhoben. Die furchtbare ©flacht bei (Sich ober £>th& 
(23. ©ept 1409), too 13000 tote Sutticher ben ©oben gebedt 
^aben foüen, gab ihm bie $errfchaft jurfief. ©ein ©etter unb 
<Srjiehung«genoffe Sttbtoig im ©art hatte ihn in biefen ftämtfen 
unterftfifct *); fein ©ruber SBtlhelm, faft bie ganje burgun* 
bif$e »ttterfchaft, baju meie SÄieberlänber unb granjofen*) 
fochten in feinem $eere bei <Slc^. £)a« graujame Strafgericht, 
ba« bann jtber bie gebemfttigten Sütticher erging 3 ), trug bem 
©iföofe ben tarnen Jean sans pitil ein unb toarb in ber 
(Erinnerung ber SWieberlanber auch burch ba« foatere üerfö^nltche 
©alten be« gürften nicht au«gel5fcht. 

ffitlbelm II. hatte au« feiner <&f)t mit Margarete, lobtet 
Vhttipp be« ftühnen oon ©urgunb, eine einige Tochter 3a* 
tobäa. Diefe erflarte er gur Srbin feiner 8anber $oflanb, 
©eelanb, grie«lanb unb $ennegau, inbem er {ich jugteich &on 
ben nieberlänbifchen Sanbftänben eiblich berftchern lieg, bag fie 
ihr hulbigen toürben. Um ber erft fech«jehniahrigen, boch 
bereit« bertoitioeten Safobäa männlichen ©eiftanb }u fichern, 
hatte er in feinem leftamente beftimmt, bag fie mit bem 
f>erjoge Oohann bon ©rabant eine gleite Che eingehen feilte, 
bie ba« 3ahr barauf oofljogen toarb. $a)>ft SDiartin V. lieg 
fuh beftimmen, bie loegen ber ©ertoanbtfchaft notige ©i«j>en« 
ju erteilen, mürbe aber balb Don ftönig ©igmunb veranlagt, 
biefelbe toieber jurficfyijiehen. ©enn mittlermeile ^atte ftch 
Oalobaa« Oheim, 3ohann oon Sittich unb Straubing, ber ba« 

1) Cttotym 1408 in ber tat, Oberbaar. «r*i» XX VIII, 371. 

2) Äber, toie e9 fthetnt, leine ©aiern. EBenigfien« toetg ber ©taget 
bei fxanjdjlföen Siebe« auf bie €><$la<$t (Collection de chroniqaes Beiges ; 
Documenta relatifs anx troubles da pays de Liege, pnblies par de 
Barn, 304—319, fco ba« Sieb in ber Überfärift falfö anf bie öchlacht 
»on Sflttich 1468 bejogeu »itb) in feinem anlffihriufcn Äataloge ber 
«Jtfatyfer feine folgen jn nennen. 

3) Die $inri<$tnngcn erfolgten jnm Xeil bnrth ba« gaflbeil , f. Lea 
drayures de Jean de Baviere, 143. 




ÄlBflerltcdc «efömerben über $. ?nb»ig. 



»teberlänbiföe <£rbe be« ©ruber« für ft$ beanferufye, aber 
nur in SDortrety Unterftüfcung fanb, bem ftönige mit einem 
locfenben «ntrage geniert. 3n Äonftanj ließ er bei bemfetben 
um bie $anb feiner 3lic$te (Slifabetfr, einer SEod&ter be« $er* 
30g« 3o$ann oon ©örlifc, unb um bie ©ele$nung mit $oCanb 
anhalten l ). ©en $atft bat er, inbem er feinen 9iücf tritt 
00m ©tetume 8ütti# anjeigte, um bie SMtyenfation oon ber 
©ubbialonattoetye.. «He feine ©finffy tourben erfüllt: ©ig- 
munb belehnte i$n (30. SBärj 1418) mit ben nieberlänbifd&en 
$rooinjen unb im 3uni heiratete er mit fir^ltyer (Erlaubnis 
bie lu$emburgtfc$e $riniefjtn. 3n ben SRieberlanben entbrannte 
nun »ilber ftrieg jtotföen Dfatm unb SRic$te, in bem auf 
3o$ann« ©eite au# einaetne bairtfäe SRitter fönten *). Die 
anberen SBittel«ba$er aber mieten fic^ , fooiel toir toiffen, 
ni$t in biefen Crbftrett, toietoo$l bie SWebertanbe, tocnn fie 
an 3a!obäa fielen, i&rem $aufe oorau«ßi$tHi$ für immer Oer* 
loren toaren. 

amttleweile fyitte fl<$ ba« »ermahnte be« 3ngolftabter 
$er30g$ ju ben fir^li^en ©etoalten bebenHicty iugefeifct, ba bie 
oon t$m in tyren Derbrieften ober oermeinten gretyeiten an* 
gegriffenen ftlöfter nit$t abliegen, tyre ©ac$e na$brfi(fli<$ ju 
betreiben. <S* $alf Subnrig nichts, bajj er oon feinem Stoib* 
fcogte gu $ö$ftabt eine (Srflärung beibrachte, laut beren bie 
©fiter be« Älofter« Äai$$eim bt$$er ftet« Steuern, Sogtei* 
Menfte, Sachen unb ©d&anoer! geleiftet Ratten, unb bafc ä$n* 
lic$e* oon ben ©auernfd&aften oon ©eil unb (Slmau inbejug 

1) 3n 9tt*eutal« Äonjittd&ronif (Äonflanjer SWfot. f. 76?.) iji oon 
ber au* bUblic^ bargefiettten S3ele$ming eine* $erjog« $an« oon ©aiera- 
3Bön<$en, toi* e* Weint, Montag na* Satobi 1417, bie »ebe. 9to$ 
ber ftnlenborfet $anbf*rift (ed. Back, 108) empfing Sodann oon 
©aiern-SWfln($en am 13. 2M feine ?e$en. ©a$rf<$einti<$ ij! Sodann 
oon ©aietn - Straubing nnb beffen ©elefcnung mit bem ©tranbUiger 
Sanbe* teile an oerßefcn. 

2) 60 $an«oon$ar«6erg; ogl. R. B. XIII, 48. %xnptd t 859—366, 
ifl über biefe nleberflfobiföen ©inen, bonl bem oon aRanerttafcr 
an« $ottanb gebrauten »eri*te (in clm. 19487), fefyr mitteilfam nnb 
gnt nntentytet. 3*gl. an* 8f$ba$, Ä. ©igmunb II, 361. 1 



16* 




244 



auf bie um ftufftein gelegenen ©fiter ber ÄlSfter fcegernfee 
unb ©d&eiern eiblty bejeugt mürbe. 2)aS ftcnftanjet ftonjil 
(29. Oft. 1417) unb bann $at>ft SBarttn (13. Sunt 1418) 
beauftragten bte SJifö&fe bon SBorm*, ftonftanj unb SSBttrjburg, 
bte JBebränger ber ftUfter ftai*$eim, Ober* unb SRieberföönen* 
felb mit (Sffommuntfatton unb Slnat&em ju ßrafen, au$ an 
Subtoig* ©ofrt erging ber fömgti$e ©efe$l, Äai*$etm nicty 
ine$r ju fd&äbigen (23. gebr. 1418) unb ber ©cfytfc biefe* 
Älofter* warb ßubtoig* (Segner f griebri$ bon ©ranbenburg, 
fibertragen. 5Ra<$bem <Sber$arb bon ©Olsburg, Subtotg« früherer 
ShmbeSgenoffe, unb ade ©aljburger ©uffraganen fic$ gegen bte 
©ebranger be* Äleru«, b. in erffcer Wetye gegen ßubtrig, 
»erbönbet unb beföloffen Ratten gegen biefelben mit <£f fommum* 
lation unb Snterbilt borjugefcn *) , marb fiber bte beiben 
Sngolftäbter ^erjoge, SSater unb ©o$n toegen ©ebrücfung 
Äai«$eimS ber ttir^enbann »errängt unb im Huguft 1420 ju 
Gtd&ftäbt unb in anberen ©täbten an ben fttrc$ent$firen an* 
geflogen, flhrft am 12. 3uni 1423, na$bem Submig b. |. 
Sag* borget ju 3ngolftabt au$ im tarnen feine* Später* 
abbitte geleiftet unb fl# ben (Entfc^eibungen be* ftonjil« ju 
unterwerfen gelobt $atte, $ob ftarbinal ©ranba bie (S^ornmunU 
lation auf; biefelbe toarb iebo$, ba ßubnrig* »erhalten neuen 
(Brunb jur Unjufriebenfcit gab, burd> benfelben ftarbinal am 
27. danuar 1425 ju ffiien erneuert, wogegen Subtmg (5. unb 
13. üßai 1425) an fapft STOartin V. unb an «öttig ©ig* 
munb appellierte. 

93on Subtoig« weltlichen ®egnem war e* ntyt ber „fahrige 
STOörber $einric$, ber fitfy nennt bon ©aiern* — wie er in 
Subtoig« Sßunbe $ieg — fonbem griebri<$ Don ©ranbenburg, 
gegen ben fein lange behaltener ®roO juerft au«bra<$. Hnlaf 

1) R. B. XII, 258. 259. 267. 277. 284. 287. 306. 3n Ulm $atte 
fctbttig bem ftott bon *at*$eim bie 9üraa$me eine* tömgtt$en «riefe« 
bertoeigett; L c 294. 

2) ©ic W «t« R. B. xni, 12. 13 ergießt; f. ferner 44. 49. 52. 
63. 57; ««title, «eitrige, 6. 234. 




$. £ub»ig nnb gricbtt<$ fcon Sranbentarg. 



gn nettem ©treit bot bie ©ürgföaft, Die griebri^ für bie 
23000 (Mbgulben betragenbe @d&ulb beft ftöntg* an Subtotg 
übernommen $atte. SBiebet^oU mahnte ber $erjog ben WlaxU 
grafen, bie oerfaflene @$ulb ju jaulen. Der Sftarlgraf $iett 
i$n $in, oertröftete tyn auf bie 3e$nten bet branbenburgifcfctt 
Öeiftltyfeit, auf bte Subtotg oom JWnige oertotefen »orben 
toar *), meinte aber aucty, fattö Subürig beten Cinlauf nid^t ab# 
matten tooüt, ffaht er ftatt be* entfernteren ©ürgen erft ben 
Äönig unb bie ftönigm in Slnfpruc^ ju nehmen, SBie rt jebod^ 
mit ©tgmunbS ä^foflgSfityigfeit befiettt toar, toujjte iebermamt; 
ftatt feiner SSet^ftid^tung nactyjufommen, bat berfelbe Suotoig, 
ben SWarfgrafen ntd^t ju mahnen. Vergebend (lagte Subttrig 
bem Röntge aw$, baß ber SWarfgraf feine Untertanen gegen 
ba6 $erfomraen t>or ba* Nürnberger Sanbgerictyt jie^e. SRmt 
trübte oon ben beiben dürften jeber au* ber ®eföt$te ber 
legten 3a$re auf, toa$ nur immer ju ungunften be$ Oegnert 
gebeutet toerben rennte; mit SBertounberung lieft man tyre 
$afc, neib* unb $o$ngetränften ©riefe. SBie bei ben $elben 
$omer$ t>or bem Äamtfe Rauften fiety bie gegenfeitigen 
€<$ma$ungen. ßubtoig forberte griebrtety urieber^olt (6. gebr., 
3. ÜWärj 1419) jum £ti>t\tampi $erau«, ben biefer aertoeigerte, 
inbem er feinem ®egner SWeineib oortoarf. Da Subtoig oom 
franjöftfc^en Dauphin fd&ieb, fytbe er biefem — fo fetyrieb 
griebric$ — laut feiner eigenen <5rjä$lung oor Äfotig ©igr 
munb ju ben ^eiligen gelobt nie einen anbern $erw ju nehmen 
att i$n; $erna$ aber fei er, triebt au* Outtoiöigfeit, fonbern 
toegen ber berfprodjenen 12000 ®ulben, eine« ftebenjiä^rigen 
9OTäb$en*, ber Ä8nig$toc$ter Diener getoorben, nur um bie 
Sluftrebe 3U $aben, er biene feinem £>erro, fonbem einer ftrau. 
Sine ©eföulbigung, ber man trofc 8uburig$ ffiiberfpru$ laum 
©lauten oerfagen tarnt, ba fte ba* feltfame Dtenftoer^ülttti« 
eine* regierenben §erjog« ju einem Äinbe erHfirt. Dagegen 

1) ffet Urf. t>ora 30. ©firj 1418; B. 6. XII, 281. Über btn 
ganzen ©ttrit unterrichten genauer als ©inbetfe c. 145 bie töten bei 
Biedel, Cod. dipl. Brand. IH,1, 84—177. 




24« 



$. Subtoig unb griebrty ton ©ronben&nrg. 



berbäd&tigte ßubtoig bcm ftSnige bie Xreue be$ ÜÄarlgrafen: er 
fd&idfte i$m bie «bfc^rift eine* ©riefe«, ben na<$ feiner S5er* 
ftyerung griebridfr an bie r$emijc$en Äutfürften gefd&rieBen 
$aBe; barin $ieß e«, ©igmunb fei ein $nfit, ba$er tnStyen 
bie fturffirften an eine neue ffia$l benfen l ). Der Äönig mäge 
i$n immerhin — fd&rieB Subtoig bem ÜÄarfgrafen — mit 
tarnen unb Out Begnabigen unb er$ö$en, an i(m fei bo<$ 
©rief, Rapier unb lütte berloren. <Sr renne einen fd&SBigen 
Böfen $unb, tarnen« SRoIanb; bur$ ben frönen Tanten fei 
ber au$ um nid&tt Beffer geworben, $ö$nte ber Sngolftäbter 
feinen ®egner: „Die Äglafter (Clftem) laffen i$r Rupfen 
tttyt", fo ertoriberte bieder: „SDWt bem Bift bu an bir felBer, benn 
ein Böfer Sögel fingt Böfen ©efang." ffrtoa^nen mir no<$, 
baß in einem ber ©^reiben griebri<$$ an Subtoig bie Snrebe 
lautet: „Du unenblityr (b. i. erBärmlicfcr), lugen^aftiger, 
f<$amlli$er SWann, ber fid& föreiBt ®raf ju SWortain, toä^renb 
bu bo<$ biefem 8onbe bi$ ni$t einmal nähern barfft!" unb 
baß ber ©eföimpfte hierauf nid&t jäumte, bem „neulich ^odj* 
gemalten" SWarFgrafen biefelben ©eleibigungen jurüdfjugeben, 
fo finb ungefähr bie ©runbtöne bejet^net, bie in biefer erbau- 
liefen Äorrefoonbenj angeflogen mürben. 

83on Unter^anblungen ließ ft$ Bei folget (SrBitterung ber 
(Segner toenig me$r $offen. 2faf einer großen gürftenoerfamm* 
lung (3uni 1419) ju SRfirnBerg festen e* anfangt gleicbtooft, 
al* Knuten bie Dinge no$ eine gfinftige ffienbung nehmen. 
ÜÄtt 8u*na$me be« $er$og$ $emric$, ber iebo$ bur$ SRäte 
vertreten toar unb toa^renb ber S3er$anblungen in 9mBerg mit 
bem fturförften ßubmig jufammentraf, fanben fi$ in Dumberg 
4Öe Bei ben ©treitigfeiten nä$er ober entfernter Beteiligte 
Surften ein, außer bem 3ngolftSbter unb SBranbenburger, bem 
Äutfürften ßubtoig bon ber ^falj unb ben Beiben aWfind&ner 
$erjogen ouäf $faljgraf Sodann oon 9?eumarft, SBurggraf 

1) Biedel, 181; bgl. ©ejolb (Ä. ©ignronb unb bie »ei$«trtege 
gegen bie $nfiteu, 51), ber bie $$$eit bei »riefe« M jwetfdfcft, aber 
ni$t nnbentfar erflSrt. 




ftegenfttargtr ©finbnfo gegen 2ubt»tg. 247 



3o$amt fcon Dürnberg, bie ©if<$3fe oon Samberg, ©ürjburg, 
©peier, 9tegen«burg, <2ri$ftäbt. 3n grojjer Unruhe, tote 
©cftoatben oor einem (Staoitter, jogen überhaupt in Mefen 
HRonaten bie fübbeutfäen gfirften $in unb $er. 3mif$en 8ub* 
totg unb ben 3Rfin$nern !am nun in Dürnberg eine 83er* 
einbarung juftanbe, u>ona<$ Subtoig fcon ber $falj als @<$teb«* 
rietet übet i$re gegenfeitigen 8foftrüc$e aufgeteilt loarb 
(16. 3uni). Die (Sntföeibung feiner ©treitigfeiten mit 3o* 
$ann Don SReumarlt, über bie f$on 1417 auf einem Sage ju 
Uffen^ehn unter^anbelt morben mar *), fiberlieg 8ubtoig(l8.3uni) 
bem {Burggrafen 3o$ann oon Dürnberg. Km 23. 3uni enblid^ 
toarb ein SBergleicty vermittelt, to>ona<$ bie $>änbet }toif$en 
Submig unb griebri$ bem @$tebtyrucfc be« ftöntg* unterbreitet 
toerben fotften*). ®lei<$ barauf aber ritten bie Äurffirften 
griebri<$ unb Subtoig, bie 3Rän$ner $erjoge, 3o$ann von 
SReumarft unb bie SBiföSfe oon <Si$ftäbt unb Wegenöburg nac$ 
Siegendburg, too fie mit $erjog $einri<$ jufammentrafen unb 
mit biefem (29. 3uni) ein SBünbni« ju gemeinföaftfi<$em 
ffiiberftanbe gegen ben 3ngoIftäbter fätoffen, ber fie an i$ren 
$errf#aften, gretyeiten unb {Renten bebränge unb unbillige 
gorberungen an fie gefteüt $abe. griebriefc feinerfeitt benfifcte 
feine ©teflung al« !5nigH4er Statthalter, inbem er fat biefer 
©genf($aft (9. Huguft) 9ieid^^ftSbte ju einem Sage in $eit* 
bronn einlub, too über bie ffiieberfcrfteflung bei bur$ ßubtoig* 
Unge$orfam flegen ÄSnig unb Weicty geftörten 9ie$t4)uftanbet 
beraten toerben fotlte. ©ein ©erben blieb ni$t o$ne Srfolg; 
«Ottenburg a. b. Sauber, 9Wrblingen, ÜDtefeWbfi^l, ©eiffen* 
bürg, ©Opfingen etföeinen fpäter unter Subtoig* (Segnern 8 ). 
®lei<$ im beginne ber geinbfeligfeiten aber treffen toir unter 

1) Sfintle, ©etarfige, 57, itnb im Oberbaar. *r*to XXVIII, 209f. 
Huf bie leitete 2>arflelfang wroetfe i$ überhaupt für bie toertoWetten 
nnb toeiitöufigett ©er^anblungen biefer 3a$re, Don benen $ier nnr bat 
fBtytigfte ertotynt toerben tatra. 

2) Biedel L c. 188; 8eri$t an ben Äforig, 142. @. an$ et-Cfrr. 
I, 869. 488; B. B. XII, 814. 815. 847. 

8) S>. 9tei<ft«tag«atten VD, 879; B. B. Xn, 856. 897. 401. 




248 



fiub&ig im boirifcftn ttitter&nnbe. 



tiefen bie ©rafen von Öttingen, toietoo$l ©raf ßubtoig in ben 
lefcten Sagten n>a$renb ber Hbtoefen$eit be« 3ngolftabter §er* 
|og« ton bet $etmat Don biefem al« fein Hauptmann in 
latent befteflt toar 1 ). Der ftSnig toar in Ungarn, führte 
ftrieg mit lürfen nnb Senetianem unb mochte ft$ ber ©a$c 
um fo toeniger me$r annehmen, al« ftc für i$n felbft tvenig 
ehrenvoll fear unb feine erften ©entrungen feine grucft ge- 
tragen Ratten, «uf bem SRetd^tage au ®re«lau im Sanuot 
1420, too er unter ben verfammelten Surften bte beiben 
$aiq>tgegner Subtoig« traf *), befestigten tfot ftrieg«j>läne gegen 
bie $ufiten. gubtoig aber fu$r in feinen Angriffen auf ben 
©ranbeuburger fort, verbreitete eine ©$mä$fc$rift gegen ben* 
felben au$ bei feinen 9ia$baw im Horben unb in ben $aupt* 
[tobten ber 3Warf unb lieg bur$ feine 8anbgeri$te Urteile 
ausfertigen, toet$e feine Stmoeifung in ©eftfcungen bei 9»arN 
grafen au«ftra($en (Oft. 1419), toorauf ber Staig toegen 
tiefer unb anberer Übergriffe bie Huföebung ber Sanbgerid&te 
$irfcbberg, ®rat«bac$ unb $ö#abt verfügte, o$ne jebo$ <&e* 
$orfam ju finben »). 

SJlittlertoeile gab fi<$ ber ©aljburger Crjbtfcbof vergebliche 
SWü$e bie SKflnd&ner unb SanW^uter $erjoge mit jeinem 
SSerbünbeten Subtoig ju vetföfaen. Submig unterhielt mit biefem 
ftir^enffirften vertrauten ©rieftt>e<$fel, verfefcte tym ftifcbfifci 
unb fcfcint trofc feinet &txtovtfrAflt& mit ber ftircfc, al« bann 
ber ftrieg au«bra#, bei $m einige Unterftüfcun$ gefunben ju 
haben 4 ). 9Jo$ »tätiger aber festen für ibn ber «üttyalt be« 
bairifd^en Sfttterbunbe«: mit feinem ©o$ne Subtoig, ber ganjen 
«UterfVft unb allen ©täbten unb SRSrften feine« fttnbe«, 

1) ©. u. a. R B. XU, 182. 183. 

2) fteütttagtaften vn, 387. 

3) K. B. XH, 324. 325. 337. 338. 344. 3nr 3eit be« »ei** 
feqnefttrf verfügte ©tgmnnb ttfidpeflung ber 8anbgeri$te, 9. 9tav. 1422, 
L c. 402. 

4) Sgl «einriß (SrftSrung bet Bremberg I, 232; $«ntle, «r*. 
Seitrfige, 232 f. 9ia4 $Sntle, 234, &arb am 6. gebrnar 1418 ein 
neue«, nunmehr jc$nj5$rig<$ $finbni9 j»if<$en €>aliburg nnb Snbtotg 
vereinbart. 




Äafoat ton lörring. 



ptfammcn 61 Hbettgen unb 16 ©tobten unb SWarften trat et 
mm (16. 3anuar 1420) ju SCtd^ad^ auf elf 3a(re btefem 
©ünbniffe Bei, beffen Hauptmann bamal« Äafeat SEöttinget ju 
5E9tring toat *). (St naftn ffit ben Ätieg«fatl al« (Segnet nut 
ben beutfcfcn unb franjöftföen Röntg, feine ©tieftet 3fabel 
unb ben (Stjbtföof t>on ©aljbutg au«. 3)ut$ bie ©efttm* 
mung, bog ofyte feinen Killen fem anbetet gütft in bie Cimmg 
aufgenommen toetben bütfe, foOte jebet 93etfu$ feinet (Segnet 
fein ©eifpiel etma nacfouafcmen aeteitelt toetben. 

ftafoat t>on Dötting, au« einet bet ätteften baitiföen 
Äbettfamitien unb mit ben beften ®efc$let$tetn bc« Sanbe« 
DettDanbt ober öetfötoägett, $atte fc^on Subnrig« SSatet ©tej>$an 
im litolet Stiege untetftüfet ÜÄit $etjog fyvxtty lag et, 
toietootyt al« Wat in beffen Dtenfte fte^enb *), in heftigem 3 er " 
tofitfni« toegen jtoeiet $et$oglu$et (S$tenämtet, bie et al« 
gamilienetbe beanft>tu$te, be« ©annetamte« unb be« Saget« 
metftetamte« ober ®ejaible$en«. ^nmal ba« leitete toat ein 
tielbege&tte« Ärat, meil fein 3n$abet im ganzen Sanbe jagen 
butfte, n>o et tooflte. ©ietteid^t bejiefct ficty batauf ba« alte 
fibettteibenbe ©prictytoott: Die Sbelleute in ©aietn mögen 
lagen, fotoeit ftc$ ba« ©lau am Gimmel etftredt. üßetfmütbig 
iß, bag in bet na$ intern ©ctytiftctyataltet in ba« 11. 3a$t* 
$unbeTt gehörigen Äuf jeid&nung einet ©age übet bie (Stünbung 
be« fttofiet« Xöeffobtunn einet bet beiben 3äget, mit benen 
$et}og SCajftlo in ben Jßälbern jtotföen Ämpet unb Öcc^ ber 
3agb obliegt, I^atingeti genannt toitb '). Die SWögltd^feit, bafj 
S^nen bet Söttinget fctyon im 11. 3a$t$unbert unb no$ ml 
früher ba« 3ägetmeiftetamt am baitiföen $erjog«$ofe bcfleibeten, 
ift but<$au« nicfct t>on bet $anb ju toeifen. Da« Smt toat abet 
ni$t bie gan^e 3eit übet in bet gamilie geblieben, Äafoat« 3l$ne, 
©etfc ton Dötting, $atte e« 1355 al« 8e$en #erjog ©teptyui« 
aon einem ©ettoanbten, $arj>re$t $at«ftt$et, etfauft. Äafoat 

1) *. Set<$eiifelb, greibriefe, @. 62-74. 

2) 9ia$ 5fc5j>f er, 38, fott er fogar no* 1420 bie Pflege Hciifrentyül 
tum $einri$ erhalten $aben. 

3) Clm. 22021, f. It. 




250 



&n«brn$ 



behauptete nun, bafj ihn $erjog $einrich toiberrechtßch triebt im 
S&eflfce biefe« ämte« anerfemte, toährenb nach $eütrich« thsgabe 
bie ©a<he fcietmehr fo lag, bafj bet SSrringer ba« Ämt nicht 
*on ihm ju flehen nehmen toottte trab feine Säger mit ihren 
Änfyrüchen auf freie ©erpflegimg großen Unfug trieben, «uf 
einem Sage be« »titterbunbe« ju ©afferbnrg (ÜÄSrj 1420) 
ertohtfte Jeboch ber ISrringer in biefem Streite ein für i^n 
günftige« Urteil »). 

$erjog $einrich befötoerte fleh über ben Hichacher ©unb 
beim ÄSnige; boch bergeben« befahl biefer (21. «pril 1420) ») 
bem ©unbrt^auptmamte ba« SBünbni« aufjußfen, htbem er an 
ba« ©erbot politifcher Oefeflfd^aften ohne ©moiüigung be« 
9lei<h«oberhaupte« erinnerte. 3»ei 3ahre fpfiter gab er felbft, 
ba er ju oft fcon anberen ©elften ferngehalten, fcerhinbert 
fei Unrecht abgutoehren, toieber bie Crlaubni« jur ©tlbung t>on 
Witterbünben. 

$)a« Ungetottter, ba« fo lange gebroht hatte, fam enbltdj 
)um 3(u«bruche, getoann aber erft allmählich fcta* 8^ ©tärle 
unb Hirtbehmmg. Zxo% ihrer toieberholten ©ünbniffe traten 
Subtoig« ©egner nicht t>on Änfang an gefammelt in ben ftampf 
ein unb toährenb ber 3ngoIp5bter $erjog ben Sranbenburger 
f(hon al« erttärten geinb behanbette, tonnte er mit anberen 
Sürßen no<h Unterhanbtungen fortfefcen. Wt ben STOünchner 
$erjogen öerftanb er {ich (7. 3uni ju Dürnberg), jutn öe* 
fuche eine« gütlichen läge«, fall« ein 33erraittlung«berfuch burch 
ben $faljgrafen Subtmg nicht vorher jnm £vtlt führen foflte 4 ). 
Xhatf&hüch blieb ber Krieg toihrenb be« 3ahre« 1420 im 

1) Clm. 22021, fol. It. 

2) greijberg I, 214f., too nrnflngtithe «ften. Geltere« SRaterial 
bei ©ernh- $hierf<h, Bertenrang be« $erjog« Heinrich b. Keinen 
(1835). Die Urfnnben be« S3rrtagf<hen «r*to« flnb bernt^t ton Opfer, 
2>a« ObeTftjJgermeifter- trab ©anneramt int öefUe be« $anfe« Irring 

(1842). 

3) Bremberg I, 230; 8u$net VI, 289 ($lgraunb« Stinerat geigt, 
bog bie Datierung in E. B. XII, 367: 1421, 18. «J>ril Irrig tP); |ttm 
ftgb. *. 2er<henfelb, 74. 

4) R. B. XII, 347. 




U9 Bdiriföen «rieg« 1420. 



toefentltchen jtoiföen Subwig ttnb griebrich unb bie mit bem 
leiteten terbünbeten ®rafen ton Öttingen fotoie auf bie Sanbe 
nflrblich ber Donau beföränft. SBiewohl Subtoig nod^ immer 
triebt fanb, bog ber ©orte genug getoechfelt feien, lieg er bie 
ffielt enbltd^ auch Saaten fehen: im SRfirj unternahm fein 
SRarfchafl ton Obemborf einen CertofiftungSjug in« Ötttngifche, 
im ©oipmer brang er felbft in bie frfinfifd^en Sanbe be* SWarN 
grafen ein unb fügte benfelben ungeheueren ©(haben ju. 35a 
ghrtebrich in ©ranbenburg abkoefenb war, leitete feine mittels 
t>o$tf$e ®emahlin ©ifabeth bie SSerteibigung unb forberte 
ihre SBerbünbeten ju föteuniger ^>tlfe auf. 9m 28. Äuguft 
erlieg griebrich* @ohn, ©urggraf (Johann ton Dürnberg, feine 
Ärieg«crHarung an Subtmg, am 5. Oftober unternahmen bie 
Äurggröfßchen einen $lünberung«jug in bie $errf$aft $ikh* 
fttbt. 3nbeffen errang bie energtföe Kriegführung ber ingol* 
ftäbtifc^cn $auj>tleute im Horben einen (Erfolg um ben anbem: 
8nbmig$ Pfleger ju Sauf, Q^riftoph Saiminger, eroberte unb 
jerftSrte (21. Oft.) fogar bie burggröfliche gefte ju SRfirnberg, 
auch in Dürnberg* 9iachbarf<haft toarb eine Weihe ton $läfcen 
gemoimen. ©efümmert Aber bie Seiben feine« 8anbe$ bat ber 
SRarfgraf (10. Ott.) ton Sangermfinbe au« £>erjog (Srnft 
bringenb um firie^^tlfe. 3m Sinter fünbeten att ©unbe* 
genoffen ber ®rafen ton Öttingen ®raf Äbolf ton SRaffau, 
®raf Sohann ton Seiningen unb tmnberte ton Wittern ben 
Sngolftäbter §erjogen fcen grieben auf l ). 

$)a| Subioig gegenüber feinem älteften geinbe, bem 8anb$* 
huter £>erjoge, ber ihn fo furchtbar gereijt §attt f lange jögerte 
bie getabfeligfeiten ju eröffnen, gef<hah, »eil er ba$ $anb* 
gelübbe nicht brechen wollte, unter bem er ß<h bem Äonftanjer 
Spruche unterworfen hatte, bezüglich be* Äonftanjer Überfalls 
aber bem ton ihm befchrittenen {Rechtswege nicht torgreifen burfte. 
immerhin jeugt e$ auch ton bem gewaltigen (Sinbrud, ben bie 
Überja^l feiner ®egner bo<h auf ihn machte, ißach feiner 
eigenen ©arfteüung Witt er erft burch ein wieberholte« unb 

1) @t.-Chr. 1,370. 440 f.; 2 an g, 103 f.; R. B. XII, 350. 352—355. 
362; Riedel 111,1, 179; 3>. tt. *. VIII, 41. 




2>cr Ärieg 



bringenbe« $ilf«gefuch be4 SEörringer« befttmrat toorben feilt 
ben Ätieg gegen $einrich ju eröffnen unb thotfächlich entbrannte 
ber ftampf nach biefer ©ette erft in ber Saften 1421. $einri<h 
fammelte Stupfen an ber ®renje, in SWeuftabt a. b. Donau, 
ba$ ihm t>on ben STOünchener $et)ogen aerpfänbet mar; am 
4. gebruar 1421 aber bewältigte jich Subörig« $ouptmamt 
«dhart 3»uggenthaler biefer Stobt burch Überfall 1 ). Die 
SWfinchner $erjoge trieb auch bie« noch nicht fogleich au« innrer 
jntoartenben Stellung; noch am 10. SMärj erffärten flc ihre 
Neutralität. SWtttlermeile aber brauen, tote an einem fätoülen 
©ommertage t>on allen ©eiten bie ©ettertoolfen aufzeigen, bie 
ganje ®renje entlang bie ingolftäbtiföen 5Eruppen unter 
thafar SWurad^er &on 9U$a$ au$, bem grauenberger bon 
Hohenburg, bem Pfleger bon ffiafferburg unb anberen in 
$einrich$ Sanbe ein unb hinterließen in ^unberten öon nieber* 
gebrannten Dörfern bie ©puren ihrer ©ege. Unb nun er- 
folgte am 10. aprit auch bie Ärtegflerflärung ber SKflnchner 
$erjoge, am 24. Sprit jene Subtoigä oon ber $falj. do^ann 
bon Steumarlt hatte fich trofc feine« ^Beitritt* $um 9tegen6* 
burger ©unbe fpäter mit Submig fo freunblich geftettt, baß er 
ihm, al* er in ©igmunbd Sager, jur Belagerung $rag« ritt, 
fogar feine ®ema^lht unb ftinber, 8anb unb Seilte empfahl. 
(Ein verhältnismäßig geringfügiger 3toifchenfaU iebod^ f bie ®e* 
fangennahme oon oberpfätjifchen Untertanen in bem ingot» 
ftäbtifchen greiftabt («uguft 1420) hatte bie alte gemb* 
fchaft mieber entjfinbet unb am 5. 3Ȋra 1421 hatte auch 
3chann Subtoig feine ftriegäertlärung gefanbt, ber er fofort 
bie JBerennung be* Schlöffe* $olnftein folgen ließ*). Die 
Seibenföaft ber gfirften ubertrug fi$ auf ihre Unterthanen. 
Äbt SWartin oon ben ©iener ©Rotten erjählt aW eine 
Sugenberinnerung, »ie bie auf ber Siener Unioetfität in 

1) gte^berg I, 230; Arnpeck, 382; «Dentin HI, 499; 
Sang, 105. 

2) R. 6. XII, 364. 3n ba8 3a$r 1421 gehören an« bie h c. 342 
irrig unter 1420, 26. SRfirj, geraten ©«reiften Snbtoig«; vgl. $5ntle, 
»r«. »citrfige, 252. 




gegen Snbtoig im ©art 1421. 



berfelBett Surfe mit i$m ftuMerenben Seriem au« bett Sanben 
Subtoig« unb $etnri<$«, tyren (Seitoffen jux läftigen Störung, 
fty bamal« Zage lang ferumsanlten, inbem febe Partei für 
tyren 8anbe«$errtt fi<$ ertoärmte 1 ). ©te bie gfirften, fanbten 
fic$ i$re bittet unb felbft tyre »ftrgerf<$aften gegenfeitig i^re 
geifrbebriefe. ÜÄtt ben 2Rün#ner $erjogen fagten 560 Witter 
ben 3ngotftäbtem ben gtieben auf; ffinbigte bem $etjoge 
Subtoig, ftufftetn ben £>etjogen (Stnft unb ffiilfctm fttteg an 2 ) 
unb fo ftanben in ganj ©aiem bon glofj unb Sieiben bi« 
Wattenberg unb oon ber Ulmer ©egenb bi« jum bairtföen 
ffialbe bie ©etoofttet gegen etnanber in ©äffen unb ein 
Sruberlrieg entbrannte, fo fömad&oott unb f$auerli$, tote er 
in ber ®ef$i$te be« ©tamme« no<$ m$t er$drt toat, toenn 
au$ bie Htt, tote er geführt toarb, tote getod$nli$ fi<$ me$t 
jerftftenb für ba* 8anb ») al« blutig für bie «riegfü^renben 
felber ettoie«. ©od tottb man bie ©$re<fniffe biefet inneren 
3u>ietra^t nur toßtbigen, toenn man but$ einen ©tid auf bie 
Statte fic$ oor Äugen ffi$tt, in toeld^em SWafe jerriffen bie 
fltoflolftäbtet 8anbe faft but<$ ganj »aiern fid^ $inbur<foogen, 
fo bafc }. S9. in feinblutyen Sagern fid^ gegenüberftanben 
©dfroben^aufen unb Pfaffenhofen, SBafferburg unb SRofenfcim, 
Jtofftete unb 9Rarftoarbftein. ©ergeben« geboten ©eboflraad&tigte 
be« ftJnig« trieben; oergeben« tourben au$ bur# bie brei 
geiftlt^en Äurffirften unb anbete gflrpen bie Unter^anbtungen 
fortgefefct; ein ju Dürnberg (15. ©ept) betroffener «nlaf 
auf ben ©ifctyof oon ©ßrjburg lam nic$t jur «u«ffi$rung 4 ). 

fcerjog ^einri^ fd^eittt juerft jur Belagerung ber tngot 
fläbtif<$en S9urg ftling an feiner ©renje geföritten ju fein 6 ), 

1) Pez, Script. Aastr. II, 632. 

2) ©firbinget I, 223, «ntn. 2; R. B. XII, 364-367; $«tttle, 
*t$. «eitrfige 242, jfytt au« ben fteuburger <E. 8. über 5000 9tt« 
fageu an Sabtoig. 

3) fi6er ©eföÄbtgnngen ber JttiHto im bairifdfren Ärieg bgt au* 
B. B. XIII, 18 f. 37. ©em SWün^net «ngerHojta afleUt tourben 43 
$*fe nieber gerannt; ZotoxhuQ biefeö Älojkr« im tt. f. 5t. 

4) U. a. 2). H. «. VIII, 68. 115. 121; Sang, 106. 110. 

5) 6. feixe eigene <Stj«$Uutg, gretjberg I, 232. 




254 



ging aber bafo feinem alten geinbe, ftafoar bem SEörringer, 
juleibe, bem er neue getnbfeltgfeiten jur Saft legte, auf beffett 
Stoftiftung er ütfbefonbere ben Überfall SReuftabt* ton ©eite 
Subnrig« jurüdführte. Unterftfifct oon bet SWannfchaft feiner 
bem lörringer benachbarten ©tSbte ©urghaufen, 9tei$en$aa, 
j&tting unb Braunau, tfldte er nach erfolgter Äbfage oor 
£9rring, erftfirmte, plünberte unb jerftSrte bie »urg. Daf 
auc^ Äafaart $unbe bamatt erfragen tourben, toar bem alten 
3äger fein geringerer ©<hmerj aW feiner $au*frau Dorothea 
ber Serluft i^rc« ©chmucfe« unb ihrer ganjen $abe. Die 
Quabern ber niebergeriffenen gefte bertoenbete ber $erjog jur 
(Srbauuug eine« £urm£ in ©urghaufen, ber bem erhalten 
ffiiberfacher }um $ohn ben tarnen SReu'Xörring erhielt 1 ). 

Sie SDlfinchner $erjoge richteten ihre angriffe jimoc^ft auf 
jene Seften, bie Subtoig mitten in ihren Sanben Befaß: 92an« 
hofen unb Baierbrunn*) tourben genommen unb gebrochen. 
Dann ging e* gegen bie S9urg ©chtoaben, toelche bie SSer* 
binbung jtoifchen bem Sftünchner unb 8anb$huter Sanbtf teile 
fo unbequem ftörte ; fte fiel nach tapferer (Segentoehr am 
17. Sunt, toobei bie ©ieger achtjig Weifige ju (gefangenen 
matten. Such Siedenberg am 8e<h toarb oon ben fS/timty 
ner f>erjogen erobert. Dagegen fährten angriffe auf ©affer* 
bürg*) unb Pfaffenhofen nicht jura &\el, ba #eraog Heinrich 
leine $ttfe fanbte. Dtefer begnügte fich Steicherjhofen unb 
anbete unbebeutenbe $lftfee ju befefcen unb Wothened nieber* 
jubrennen. Die Belagerung ffiafferburg« toarb, tote ti fcheint, 
im «uguft eröffnet, nach einem SWonat aber ohne (Srfolg ab« 
gebrochen. Da« 3ahr barauf im SRooember, toarb, toie e* 

lJUbenitn III, 499. 

2) G. an* Andr. Bat. ehr. Bav., 98. 

3) ffienn tlbraham Äcm (©einriebet I, 146) ton einer ©e- 
lagerung ttafferburg* bnret $einru$ im fLuguft 1418 fyrtyt, fo liegen 
brwgenbe ©rflube bor, bie tttytigteit biefer «ngabe ju bereiten. ©te 
e€ innerlich ttn»ahrf<$einlic$ tfl, bog $einru$ naeft feiner ftonfanier 
grewtthat aiuft no$ juerjt loOgefctyagen habe, fo berieten fLxaptd 
nnb Serjog «Heinrich fdbß, bag ber Krieg ttoifchen fetterem unb 




gegen Subttig im »art 1421. 1422. 



266 



febeint, ein neuer SSerfuch auf <bie bon Subtoig tot 2lu«brucb 
be« Äriege« neu befeftigte ©tobt unternommen, ber nicht beffer 
glfidte. SWan tottt 1360 große ©tetnfugeln gejault haben, bie 
auf bie ©tabt abgesoffen tourben. 

3n ben $erjog«burgen am 3jarftranbe fehlte e« an ge* 
fchtoffenem 3nfammenkotrfen. ©ebon im $erbft 1421 Nagten 
bie SWfinchner $eraoge: toenn ^einrieb Wnftig nicht beffer 
helfe, toürben fte Dorn ftriege abfielen. Die fc^toac^e ftrieg* 
ffihrung be« 8anb«huter $ersog« aber erllärt fieb leicht barau«, 
bat ein großer Zeil feine« eigenen Übet« al« Zeitnehmer be« 
SRitterbunbe« auf ©eite be« (Segner« ftanb. 3m 3unt 1421 
hatten er unb mehrere ber SSerbfinbeten, bie Sftarlgräfin diu 
fabeth, f)ersog (Srnft, ^faljgraf 3ohann, ®raf griebri<b b. a. 
ton Ötttngen Beratungen in 8tegen«burg abgehalten unb be* 
fötoffen, auf 22. 3ult bur$ einen gemeinföaftlicben angriff 
auf Sngoljtobt einen ^auptfötag ju führen. Snbeffen (am 
unter ber Berfammlung bie Unjufrtebenheit jum 9u«brud, 
ba| SJJarfgraf griebrich, ben ber ftampf boeb oor öden anging, 
ffö perfönlicb *on bemfelben fern hielt; ber Slnfölag auf 
3ngolftabt toarb baoon abhängig gemalt, baß auch er ebenfo 
toie Subtotg ton ber $fat) ftcb baju im Selbe einfänben, unb 
ba bie« nföt gefebah, blieb er unau«geführt. 

©icher hätte ber Sngolftäbter erbrfidt »erben müffen, toenu 
bie SBerbünbeten ihre gefommten ©treitfräfte Dereinigt unb 
nach einheitlichem $tane hätten teufen (äffen. 5Daju lam e« 
aber auch in ber fjolge nid^t, vielmehr fu#te feber oon Subtoig« 

2nb»ig etfl mit ber Überrumpelung Sfcußabt* bur$ bie Sngolftöbter 
1421 begann. ffifae ein tingriff auf SBafferburg lange botaufgegangen, 
fo mürbe Subtoig in feinem ©^reiben bei 8 r et? ber g I, 231 biefeu An- 
griff, ni$t er? ein urieberbolte« $Uf$gefn<b be« SJrringer* al« Ärieg*- 
grnnb nennen. 34 jweifle ni$t, baß Äern, ber im 17. 3a$r$unbert 
Übte, eine alte totale «ufjei^uung bennfcte; ba« 3a$r aber hat er ent- 
»cber bort ni$t richtig gefnnben ober xtföt richtig »iebergegeben. da- 
gegen haben »ir feinen <&runb, bie bon ihm genannte 3a^re«jeit ju 
beftoeifeln. gür bie obige 2>arfleuung f. aueb ba« ©treiben ber STOfUubner 
£etjoge *om 9. Ott. bei ©ftrbinger, 225, «nra. 2, unb B. B. XU, 
392; »Dentin III, 499. 500; Bremberg I, 232; Biedel L c 181. 



2>onaato5rt$ tmeber »eUfafiabt 



©egnern ben Vorteil ju erringen, ber ihm am nächften lag. 
Die« jtoang auch 8ubn>ig, feine Gruppen an Dielen fünften 
feiner feerjcttclten Sanbe ju »erteilen unb p$ oornehmlich in 
ber ©ertetbigung ju galten, bo$ ber enbliche 8fo«gang formte 
bei ber ungeheueren Übermalt feiner geinbe triebt jioetfelhaft 
fein. Deren &o#l mehrte p$ immer noch. 3obp Don Sben«* 
berg trat in ben Dienp ber SRünchener $erjoge, mit benen 
er bor einigen Sauren in f$e^be gelegen mar *), unb öffnete 
benfelben feine Surgen. dm gebruar 1422 oerbfinbete fty 
©if*of 3o^ann oon ffiürjburg mit bem ©ranbenburger, fanbte 
$er$og »bolf ton ßleoe bem Sngolftfibter feine gehbebriefe. 

(Sine oon 8ubtoig« ©täbten felber, bie im Saufe ber 3^ 
noc^ öfter jum &arüfy\tl »erben foöte, Donauwörth ftanb feit 
22. Dejember 1421 in ®<hufcbünbni« mit ben (Segnem ihre« §er* 
jog«. Urfprfinglich 9letch«pabt, oon Äart IV. an ©atern Oer* 
tfänbet, tyätt fie, toie bereit« ermähnt, in Äonftanj über ihren 
^fanbherrn Subtoig bei ftönig ©igmunb ©efchtoerben erhoben, bie 
ein geneigte« ®e^5r fanben. ffiie ihre ©ärger Ragten, toaren 
fie feit $erjog ®teph«t« lobe burch beffen Nachfolger, ber 
bie ©tobt 1407 oom ©tfchofe oon Äug«burg au«gel5p unb 
ihr bamal« aüc ihre Siebte unb Freiheiten betätigt hatte, mit 
mannigfachen ungemöhnß(hen ©jungen unb Dienpen fchtoer 
bebrfieft; binnen jtoei Sahren tydttn fie bem $erjoge allein 
an au&erorbentlichen Oelbpeuern über 5000 p. bejahlt. ©ig* 
munb hatte bem 3ngolpäbter fofahe ©ehanbtung unterfagt, ber 
©tobt ihre alten Stechte beftätigt unb ihr jugefagt, bog pe p<h 
im gafle erneuten Drude« oon ©eite ihre« $erjog« koieber 
„an ba« »eich toerfen unb haften" bürfe (4. 8tyr. 1417). 
SSon biefer Srlaubni« machten bie ©ürger nun (Gebrauch, 
toorauf pe ber ftöntg gutiadhft bem ©chufce ber machtigften 
iRachbarreuh«ftäbte Ulm unb 8fog«burg empfahl. SSon ben 

1) $*rjog ©einriß hatte bamal« CBaffenfHapanb fcenmttett; 26. 9totx 
1413, 20. 3an. 1414; B. B. XII, 152. 156. Cr vermittelte am* in 
ber ge$be ber SWfincfcner $erjoge gegen ¥eter nnb ffieinmar bie Wer; 
f. Urt. Dom 14. 9*o*. 1414, 1. c. 177. fi*er anbere %ttyxu örnjfc suft 
JBiQdm* mU «bcligcn f. L c. 210. 212. 213. 




-fttbtotg* Eetlnfle im ftotbgau. 



257 



bairifd&en $erjogen, bie Subtorig« ®egner toaren, erbat ftd^ We 
©tobt »emgftenö fyinbert Weifige aW JBefafcung ttnb in ber 
Saften fanbte fie Subtotg i^re ftrieg&rltörung. liefet lief 
einem DonautoSrtyer ©ürger namen« Sang, ber ba* Unglfid 
$atte in feine ©etoalt ju geraten, bie Bunge auflfäneiben unb 
betbe $&nbe abfragen unb breite allen Mitbürgern bleiben, 
toenn fie gefangen toürben, ben SSerlnft tyrer meineibigen 
3nngen *). 

©ett bem 14. Sfyril belagerten Zxuppen be« 3ttarfgrafen 
griebriety Sauf Bei Dürnberg, im ©ommer 1421 aber ersten 
ber SWarlgraf enbltcty felbft im Selbe. Cr befätofc gemetnfam 
mit bem $faljgrafen Sodann ju tymbeln unb junac^ft ©$toß 
fterfftein unb ©tabt ©eiben, bie Subtoig im $fanbbefifc (atte, 
anjugreifen; $ieju berftracb (22. 3uni) au$ Sanbgraf Sodann 
ju Seucfrtenberg feine üJJittotrfung. 8m 16. unb 22. »uguft 
lagert ber Sftarfgraf bor <ßarfftein, ba$ er im September ge* 
toten t, am 14. Ottober bor $>ilf>ottftein f ba$ bem Singriffe 
vtäft beffer toiberfte$t. (Sbenfo fättt Seiben; bie öurg 
gloß $at Subtoigä 85urg$auj>tmann f$on früher fibergeben; 
greienftobt $atte ^faljgraf Sodann mit hartem ©türm 
erobert (24. 3uni); ©efcenftetn bei frityottftein legte er na<$ 
ber (Einnahme in Irfimmer. dm gangen 9Zorbgau ftanben 
bie Dinge für Submig fo föle#t, bafj am 11. Oftober 
<£$rtfto)>$ oon Laiming unb bie ©Arger ton Sauf mit grieb* 
ridfr unb Sodann ffiaffenfüflftanb föloffen*). Slu$ in ben 
Sanben um bie Donau tourben bie geften Dingolfing unb 
Himberg Subtoig mit bem ©d&toerte abgewonnen, bie ©tabt 

1) R. B. XII, 378. 380. 383; übet 2>onautoört$ bef. R. B. XI, 415. 
8ori, Se^tain, Utfanben <5. 102f. 107 f. ; Sang, 112. *u$ ein Ur* 
teü bc« m. «0fgerUbt9 bom 8. San. 1418 (R. B. XU, 272) fyttte be- 
tagt, baß bie ©tabt bei tyren Helten unb greiften bleiben unb 2ub»ig 
feine anbeten 5)ienfU leiten fülle, oft fie bot tytet Cettf&nbwig bem 
tteicfc geleiftet. 

2) R. B. XII, 369. 371. 375; Riedel, 1. c. 181; Andreas 
Ratisp. 2148 ttnb Chr. Bar. 98; Arnpeck," 311. 382; ©t«€$r. 
IV, 119 ; *. 8 es o Ib , Ä. eigmunb n. bie 9tei(^ttiege gegen bie $uflten, 72. 

Wtejlcr, *cW4te ©atern«. IIL 17 



25S 2>er Bairiföe Stieg. Crobcrung gtiebfcetg*. 



3Won$eim bon ben ©rafen aon Öttingen unb ben SWarfgrfif* 
lt$en erobert unb jur fmlbigung an bie ©ieger (20. Äpril 
1422) gelungen 1 ), ©ajurij^en liefen etfolglofe grieben«- 
bemfi&ungen auf Sagen ju Starnberg (Äuguft 1421) unb 
(Sid&ftäbt (Oft. 1421 u. 2Watj 1422) fort. 

3m HWära 1422 jog §erjog ffittyelm mit ungefähr oier* 
fytnbert reifigen $ferben unb ben Sftünd&ner @tabtfa$nen unter 
ben $auptleuten Sorena ©c$rent, gronj Stotel, $an« $ätri$ 
gegen griebberg. (Sin nätyltyer ©türm (22. 2Rära), ber 
beiben Parteien nur einige SBernwnbete loftete, braute ba« 
©tfit>tc$en unb Subnrig« Hauptmann $>einttc^ oon ©edenborf, 
genannt (Sgerflborfer, in feine Oetoalt. S5on ber ©tobt au* 
toarb bann bie fjefte angegriffen, bie, oon $eter ÜÄarfcfcafl ton 
©tumpfäberg tapfer oertetbigt, erft na$ öier SWonaten, um 
dafobi fiel, nad&bem ba* $eer ber ©elagerer eine SBerftarfung 
erhalten $atte. (Sin SDtüncfyiet, ÜRartin am Mnger, u>ar ber 
erfte auf ber SRauer unb toarf bie gefürctyete ©tetnfäleuber 
in ben ®raben hinunter, SBir glauben e$ gern, baf? bie S3e= 
Iagerung bie Angreifer me$r ®elo loftete, al$ bie SBurg toett 
toat. «13 bie ©ieger abzogen, brannten fte ba« @tfibt<$en 
nieber. ©fifrrenb biefer Belagerung maren bie SWünc^ner $er* 
30ge (Snbe Hpril in &mb*$ut mit $erjog §etnrk$ jufamraen^ 
getroffen, Ratten mit bemfelben glet$$ettli<$e leilung aller (Sr* 
oberungen «vereinbart unb fi$ oon tym *erfpre<$en laffen, bafj 
er bie Belagerungen grtebberg« unb ffiafferburg« untetftüfcen 
»erbe *). 

©cbeutenb oerftärft, angeblich biö auf 3000 $ferbe mit 
900 Sagen, sogen bann bie baitif$en (Segnet 8ubtoig«, babei 
$erjog ffiilfclm petfönlty, gegen {Rain, too fte oier Zage 
lagerten. Da§ ein Singriff unterlagen toarb, bantte bie ©tabt 
too$l ben neuen ©efeftigungen, mit benen 8ubn>tg in SSorau** 
ft$t be« ftriege« bie legten 3a$re feine bebeutenberen $lfifce 
aetftätft $atte. Senfeit be« aber, ber bei £$ier$aupten 
Übertritten toarb, fielen ©d&toabed unb Sfirtyeim ben S3er* 

1) et.-<E$t. a. a. C; Stent in a. a. C; R. B. XII, 390. 

2) R. B. XII, 392. 393; et..«$t. IV, 120. 232; ba« e^ret&tn 




treffen bei ®rai9fa$. ©affenrufa im Horben. 25» 

bfinbeten in bie $änbe* <8rai$bad& unterlag im 3uli einem 
Angriffe be* 8anM$uter Hauptmann« (Sber^arb ton Wofenberg. 
Setgebend Ratten bie 3ngolftäbter $erjoge, ©ater unb ©o$n, 
biefeä ®täbtc$en )u entfern gefuctyt; in bem ®efe<$te, ba* ft$ 
batfibet entsann, foflen fte 125 Weitet uetloren $aben, to&f)* 
tenb bie ©ieget freiließ einen ©rafen &on Ötttngen, Subtoig 
ratet ben Zoten, einen anbetn, Stiebrtcty IV., untet ben ®e* 
fangenen ju beöagen Ratten 1 ). £)er gefangene ®raf, ben 
Subkoig be$ SWorbe* am Stuc&feffen \llx\d) bon Eingingen jte$, 
fömad&tete naä) jeitioeifet Sebigung bi$ ju feinem Sobe (1439) 
in üReubutg in 8ubtoig$ $aft *). 

Subtoig ftanb gegen eine SBelt in ©äffen, abet ni$t grunb* 
lo* nennt tyn bet ßfcronift einen „$errlic$en, frei$$eimen M 
gfirften; et toe^tte fiety tote ein 83erjn>eifeltet. ©$on toaten 
anfe$nlic$e leite feine« ofyiebteä nic$t gto&en 8anbe« in 
geinbe$$anb unb feine Hilfsmittel bebeutenb eingeengt. 9m 
15. Äuguft na$m et einen fcom SRfitnbetget {Rat vermittelten 
SEBaffenftUIftanb mit bem SWatfgtafen unb $etjog $etntic$ 
an 8 ). SWittletmeile toat ftönig ©igmunb bem fttieg$$auplafce 
nd$et gelommen, etfcfcien in SRütnbetg inmitten einet }a$ltet$en 
9leic^t>etfammlung, bet au$ bie f>etjoge $einti$ unb (Srnft 
mit feinem ©o$ne Sllbted&t 4 ) tote anbere (Segnet ßubtotg* bei* 
too$nten, unb erlieg öon bort au* (l. ©ept.) an alle frieg* 

ber ItagSburger ebb., 120, %am. 4, jeigt, baß toir ni$t mit Söür- 
binger, 223 f. 226 jtoei «elagernngen griebberg«, 1421 unb 1422, 
anfefcen bürfen. 

1) «Dentin in, 500 , $at übet biefen gelbgng 9to$ri*ten an* 
einet fterlorenen glekfaeitigen Duelle, f^eint aber <$ronologif* nnfUfcr. 
9Ra$ längeren »engten (Stetten, ©efö. flugfourg« I, 151) unter- 
ftfifcten bie fcugSbnrger bie 2)onannrfrt$er bei Eroberung be9 @$(of[e6 
©raiSba*, 1421 aber $atte SlugSburg no$ ben grieben ju Vermitteln 
gefugt; & gte^berg, SanbpSnbe I, 377. 378. 

2) M. G., fcentföe «$roni!en n, 366. Sgl. t>. »eUi in 3eitf$r. 
f. ©aiern I, 205; $fintle, 293 nnb ben Bttingiföen ©tauunbanra bei 
*. S8ffel$olj t>. Äolberg, fcttingana. 

3) $«ntle, ©eitrSge, 289. 

4) 2). «. «. VUI, 221. 231. 

17* 



210 



$nbt»ig9 angriff auf 2Rün<$en. 



ffifrenben ÜRätye ba« ®ebot, We geinbfeligleiten auf fcier 
3a$re etnjufteflen. Dur($ bte Drohung be« ftird&enbanne« 
gegen bie 3utDiber$anbelnben lie$ bet päpftlid&e fiegat, ftarbtnal 
©ranba beut ©efe$le be« ft5nig« Sftad&brud 0- Subtoig »ar 
na$ SRßrnberg geloben toorben ; ba aber bte crfte 8abung f ent» 
fpredfrenb bet früheren »bfl^t be« ftöntg«, auf »egettfburg 
gelautet $atte, na$m er bie« )um SSorfcanbe, um Don ber 
SRfirnberger SSerfammlung femjubleiben. ©tatt ba« grieben«* 
gebot in beachten , jog er &or, ben SSorteil airöjunufcen, bog 
i$m bur$ ben ffiaffenftiflftanb mit jtoei ©egnem ber JRficfen 
frei gemorben toar. Sin fräftiger SSorftofj auf 3TOün$en, mo 
er p$ fcieUetc&t mit alter 8n$ängtt$!eit ber ®firgerfc$aft 
fömeitylte, foOte feine Sage berbeffern. 9?ac$bem er feine 
©treitfräfte bur$ Sauern berftärlt *) $atte, rftöte er mit feinem 
©o$ne no# im September in ba« ®ebiet ber ajffind&ner 
$erjoge ein, unb fanbte feinen Hauptmann ffieffenader mit 
peben$unbert $ferben Dorau«, bte §auptftabt ju fiberrumpeln. 
S5on ©fibtoeften $er, unter bem Stufte ber ffiälber be« ©hrm* 
t$al«, näherte p$ ber ingolftabttfcfc Hauptmann 3Wftnc$en. JÜe 
geuerffiulen be« fogenannten SKünctynet 3Rtt$martte« iebo<$, 
ber Dörfer Oauttng, $apng, Aubing, ®ermaring, bie feine 
©ölbner unborpd&tig anjünbeten, verrieten ber ©tabt bie 9?ä$e 
be« getnbe«; &on ben Zürnten erllangen bte ©turmgloden unb 
al« ffieffenacfer trofcbem einen angriff auf ba« 8nger$or unter* 
na$m, f$tugen i$n bie too^l vorbereiteten 3Rftn$ner jurüd. 
81« »nbenlen an biefen Zag bemalte bi« auf unfere Zage 
bie 3unft ber ®$la$tgett>anber ober Zuc&mactyer eine Stäftung, 
bie bei ber SSerteibigung be« 3 toin 8 er ^ am Snger einem 
tngolftäbtiföen $auptmanne abgenommen tourbe; aüiä^rtt* 
prunfte bei ber f$ronleic$nam«projefpon eine« tyrer ÜWitgUeber 
in ber fötmmernben ©eute. 

©otoie ber ©türm abgefd&lagen tt>ar, brachen bie $erjoge 

1) B. B. XII, 897; 2>, 91. «. VIII, 200f.; Andr. Batfepon. de 
exped. in Boh., ed. Höf ler, 415. 

2) Eon gefangenen (raeijt n>ob( bei ÄHtng) Stauern fpri^t an$ bie 
Urf. toom 2. Oft. 1422, B. B. XII, 401. 




Steffen (ei «Hing. 



Crnft unb Sityetm unb beft erfteren ©o$n «lbre#t mit best 
«ufgebote bcr 37 ^ott^tft&blif^en 3finfte unb bon 28 Ort* 
f Soften , ou$ mit einigen «beltgen, bte tote ber ÄmMberget 
Pfleger lotet bon <Sura«burg eben bei tynen toeilten, jur 
»erfolgung be* gembe* auf. ©länaenb füfytte Jefct bie $aupt* 
ftabt, baf fie e* im Anfange biefe« 3eitraum« an Ireue gegen 
tyre gürften jutoeilen frttte fehlen laffen. Sei gretyam tourbe 
ber fliefcnbe (Segnet juerft erblidt; jtoifäen ben Dörfern 
Äfling, ©u$$etm unb $ofta$ tarn e« (19. ©ept.) jura enfr 
fcfceibenben Steffen. 3m toefentlid&en toar e« ein ©ürger* unb 
©auernfaer, ba« gegen bie 3ngolftäbter Kittet unb ©auem 
fo<$t unb o$ne biel ©lutoetgtefcen einen Sieg etrang f bet aW 
(Erfolg im ©tubethiege tufynloä toäte, gebüßte tym nic$t ba* 
©etbienjt, bo| but$ i$n eben ber ttouttgfte aöet Ätiege beenbet 
tourbe. loWityn toatf ft* $iet bet junge $etjog ÄlbtecW, 
um Subtoig« ©annet ju etobetn, mitten in bie geinbe; balb 
fte^t i$n bet ©atet mit bem bettounbeten $fetbe ftütjen; et 
urafa&t feinen ©tteitlolben mit beiben gäuften, ba« S3atet$etj 
oetboppelt feine Ätaft unb mit „plumpen unb fübigen ©tteid&en" 
jur Kenten unb Sinlen batytt er ßety einen ffieg ju feinem 
@o$ne. ©$on $at biefem ein (Sbelmann jugemutet fid? ju 
ergeben; ein toud&tiger $ieb M ©treitfolben« toirft i$n niebet f 
begleitet oon (Srnftf $8$nif($em 3utuf: „©, tooflteft bu einen 
gfirften fa$enl" (Sin 3ngolftabter Kittet 3ubmann foü juerft 
bie gluckt ergriffen frtben, bie bann allgemein tourbe. S3om 
©c$la$tfelbe gegen SRorben etfttecft ft<$ ba« fmfpelmoor. Äl« 
fi$ bet ©trom ber gtte^enben $ter burd&juatbeiten oetfud&te, 
blieben biete ber @<$toetgepanjetten fteden unb mußten ftd? ben 
Setfolgern ergeben. 3n bet großen &afjil bet (gefangenen lag 
triebet oor ädern bie ©ebeutung be« Sage« : e« toaten angeblich 
übet 400, batuntet na* betfd&iebenen ©erlebten 80—200 
Xbelige unb bie tütyigften $auptleute fiubtoig«, ffiilfcelm 
unb (S$rtfiop$ Sohninget, bet 3Katfc$aIl bon Dbetnbotf, 38rg 
bon gtauenbetg, ein Reifing, ein ©umppenberg, jtoei ©anbijeö, 
^ermann oon ®ü&. Unter ©iegefljubel unb ©lodengeläute 
tourben ade in 2Wün<$en eingebracht. S)te ©ieger be^anbelten 



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262 



gttbttigft ^Demütigung. 



fie mitbe unb entließen fte bolb gegen baft S3erfprec$en auf 
SDlartim in ÜWurnau ftd^ urieber ju fteflen. Do bie (gefangenen 
aud? geloben mußten, triebt me$r toiber bie 2Rünc$ener $erjoge 
}u Wegen, im goüe fie ober ju einet biefen f$äbtt$en ftan^ 
lung genötigt tofirben, m$t« me$r gu genießen als Orot unb 
©äff er, unb inbeut fte au$ ferner 3abre lang, etnjetoe bis 
1428, p$ immer aufs neue fteflen mußten, mar bo$ ber ftern 
ber feinbltc^en ©treitlräfte für immer unfc$äblic$ gemalt 1 ). 
3um Oebäd&tniffe liegen bte ÜHünd&ner $erjoge auf bem 
©cfyfod&tfelbe bei §oflac$ eine Staptüt erbauen unb bort in einem 
großen ©anbgemälbe fkfc unb i$re ©iegeSgenoffen beretoigen 8 ). 

3n toenigen lagen toar fo ber lefcte 8!t be* gelbjuge« Der«* 
laufen unb 8ub»ig« ©iberftanbtfraft gänjli^ gebrochen, ffioflte 
er nid&t »erfaßten Oegnem in bie $änbe faden, fo bot nur fein 
peTfBnli$e* 83er$Sitni« ju Stöntg ©igmunb no# bie Hoffnung 
einer 3«P«*t, freiließ einer f täglichen; in granfrety ftanben bie 
Dinge fo, baß er auc$ bort niefy* ®ute« me$r ermatten lonnte. 
tiefgebeugt begab er fi($ alfo an ©igmunb« $of(ager na# 
ÄegenSburg, rief beffen ©$ufc an, bemfltigte fi$ Dor bem 
$etrn, beffen SBefefte er mißartet fcatte, unb empfing ben 

1) gfirftenfacfcn III, 88 f. 3)tefe gleta)jetttgen ttnb aut$enrtfä>ett 
8fofjefo)nungen foreäjen t>on ben am ©am Pag tot SWatt^fiuS (19. <&tpt) 
gemalten Gefangenen nnb bieten unS baburd) au$ baS tätige 2>atum 
gegenübet ben ©iberforüdjen ber Überlieferung. 2>tefe entWtt au$ fonft 
Untlarfciten unb ffitberforü^e, *gl. bef. bie (Efyronit bei ©eftentieber 
IV, 352 unb ©t.-<5$r. IV, 121; außerbem «rnfcecf , lat 382, beutf* 
135; @t-<E$r. IV, 232; Andr. Batispon. de exped. in Bon. 415; 
«benttn a. a. O.; Seit t>. <5ber«berg bei Oefele II, 729; $atrifd)e 
Ännalen a. a. O., Sang, öürbtnger, t>. $orma$rS Saften- 
buä) (1831), 276 f. 2)0« an tyfhniföem ©efytlt jietnti^ atme Sieb auf 
bie ©$ta4it (t>. Sil teuer on 1,278) genügt gletd)too$l, um biefltanafyne 
eine« fcoranSgegangenen Gefettet bei Mintenburg gu totberlegen, bte fic$ 
nur an ben mißterfianbeuen Ortsnamen getnütft *u $aben fäjeint; *gf- 
meine Ortsnamen ber 9Rün$net ©egenb (Oberba^er. *rd)to f 1887, 94). 

2) ertftungSbrtef ber $oflaa)er ?frünbe t>on 1467 bei Oefele II, 
247; ©efä)reibung be« Milbe«, ba« eine Heftanratton entflettt $at, bei 
@tg$art, Änuflgefötäjte, 572 ; Heprobuttton bei t>.« tetin, «Itertyümer 
unb Äunftbenfmale be« baüer. $errfd)er$aufeS, £af. 25. 




2>et ftrieg beeubtgt. 



f<$otfen SSettoei«, bcn t$m biefet in ©egentoatt feinet geinbe 
ober i$ter ?Jertreter unb beä patftlicfcn Senaten erteilte, 
©igraunb $atte (18. ®tpt) oon Weic^toegen ben 3ngoIftäbter 
C*tS<>gen, SSater unb @o$n, toegen i$re« Unge$orfam* gegen 
feine ©efe$le geinbfd&aft ongefogt «m 2. Oftober erFlärte 
er nun feierlich auf« neue, bog auf oier 3a$re grteben fein 
fofle jtoifc^en ben 3ngoIjtöbter $eraogen unb beren Oegnern. 

bte lederen toerben $ter, ebenfo tote im September, ge* 
nonnt: SRarlgraf grlebricfc unb beffen ©o$n 3o$ann, bte 
©ittettbatyr 3o$ann oon 9fcumarft, Anruft, ffiilftlm, «Ibrecfct 
oon üRfindfren, f>etnric$ ton ?anb«$ut, ©iföof 3o$ann oon 
©cfttabt *), bie ®rofen Subtoig unb griebrtt$ oon Öttingen, 
Subtoig« früherer 93tfctum s ) $an« au $etbeif, ein Certoonbter 
be* (Styftfibter JBifc$ofS/ ber benfelben tarnen trug, Donau* 
toMff unb bie fünf anbeten oben ermähnten {Reic^ftäbte. 3n 
biefen $aben mit bie geinbe ju fe$en, toeld&e ben ftampf gegen 
Subtoig toitfli($ aufgenommen Ratten, ©otoeit tfubtoig« (Segner 
(Eroberungen gemacht, butften fic biefelben behalten; binnen 
eine« 3a$te« moüte ber Röntg über ade« ftteitige flrtbe unb 
(Eigen, au$ über DonautoSttfy entleiben. 'Die leitete ©tabt 
$atte er inbeffen bereit« an ba« 8tei($ jurüdgenommen, i$r bie 
©a$l eine« Pfleger« geftattet unb ben (Srafen Subtotg oon 
Böttingen beauftragt (6. ©ept.), in feinem tarnen tyre §üU 
bigung entgegenjunefynen 4 ). ©a« oon Subtoig« tfanben nodf 
nic$t in geinbeäfrmb gefallen toar, raupte an ben Äönig über* 
geben toerben, ber eä in be« 9leic$e« Ob$ut na$m unb (26. Oft.) 
JBtunorio oon ber Setter mit bem Xitel eine« $ofmeiftet« 
M $tinjen ßubtoig unb Hauptmann« ju ©aietn barüber fefete. 
83on ben (gefangenen foltten Sble unb ©ütget auf Sreutoott, 
bie Säuern gegen ©ttrgföaft ausgeliefert toerben. ffiegen feiner 
©^ulbfotbetung an ben SBranbenburger toatb Subtoig auf ben 

1) Gudenus, Sylloge I, 668; togt ©fiuttc, 290. 

2) 9la$ ben Vitae pont Eystett. ed. Suttner, 15, unterhielt biefer 
im Äriege gegen Subtotg 300 berittene @3lb«er. 

3) 1418 öl« fott$er befiettt; B. B. XII, 297. 

4) 20X1, Wxain, VLxl 3, 108. 109; B. B. XU, 398. 




264 



2>ie $mot bon ber Seiter in ©aiern. 



JRechttweg oertoiefen. 93er ftch gegen bic ©eftimmungen be* 
grieben« oergtnge, ©arb mit bera fttrchenbanne bebtest 1 ). 

9(0 Surft ohne Sanb unb Diener bem tarnen na* ber 
$rmjefftn eiifabeth, eigentlich boch be$ ft5nig«, begleitete baim 
Subtoig biefen Don 9legen«burg au« na* Ungarn. SRach einer 
iüngeren (Srjahlung *) Ifeibete er baraate fleh unb feine Irtener' 
f*aft in ftittel, bie mit üRarberfetlen befefct toaren. 9Kemanb 
»erftanb, loa« bie« bebeute, bt* er felbft bie «ufllärung gab, 
er toofle bamit feiner ©egner fpotten, bie ihn in folgen ftitteln 
belriegt Ratten. 3m 3ngolfiäbter Sanbe aber mattete nun bur* 
merftoürbige gügung aW fönigltcher Statthalter ber «bBmmling 
Jene« berühmten SJeronefer £tyrannengefc$lec$te« ber ©caliger, 
beffen ®ef*i*te fleh f*on mehrmal« mit ber urittel0ba$if$en 
aerfölungen ^atte. ©runorio beda ©cata ober oon ber Setter 
toar ber Ururenfet jene« Sangranbe I., §errn oon SSerona unb 
SSicenja 8 ), ohne ben Subtotg be« ©aiern italienifc^er gelbjug 
vielleicht triebt unternommen, jebenfoIW in ben Anfängen nic^t 
fo glüdlich herlaufen toäre. 6r toar ber ärafel iene* (San* 
granbe II., ber beäfelben Äaifer« Zoster (Slifabeth geheiratet 
hatte. Sud einer unehelichen Serbinbung ßangranbe* II. 
flammte ©runorio« Später, ©ilhelm beüa ©cala. »achbem 

1) R. B. XU, 400. 401 (©t*B.); XIII, 20; $affauer tta*trag«- 
befHmmung bom 11. Oft. jugun|Un Subnrig« 1. c. 402; b. Bremberg, 
Sanbftönbe I, 380. Saft bertytigte Saturn be« grieben«f($tuffe« : 2. Ott., 
ba« b. »ejolb, 99, na$ Cinftyt be« Or. bejengt, flabet fH föon in 
ben R. B. »gl. ferner gtf$er, Äleine ©Triften II, 135; Andr. 
Batisp. 1. c. unb 416; *f$ba* HI, 157. 444 f. 

2) Ulmer (Shronit an« bem Anfang be« 16. Sahrhnnbertf, ©erhanbt 
b. herein« f. Ännß u. «Iterthnm in U(m u. Oberfd&fcabeu, fteue tttify, 
3. $eft, 1871, ©. 34. 

3) ©. ben ©tammbanm bei Litta, Famiglie celebri Italiane, 
unter Scaligeri, unb ©immer, JBerify über ©an« b. b. Seiter, Ober- 
baar. *r$ib XXXI, 85 f. ©enn Sitta fcltaluna, bie Softer SRaPt- 
no« II. betta ©cala, mit 8nb»ig bem «ranbenburger bermfihlt fein läßt, 
fo ift bie« ni$t nnr m3gli$ertt>eife, toie ©immer meint, fonbem gang 
fUher ein 3rrtnm. 3fafprei$eub ift ©immer« Vermutung, bat fcltalnna« 
<&emahl ein unehelicher ©ohn 2ubn>ig b. »atern, et»a Snbnrig ton 
Leitershofen, »ar. 




$. $etori<h in Greußen. 



$erjog Stephan« Sßerfuc^ ben Scala tnteber }u ihren ttalienifchen 
$ertfchaften ju Betreffen gevettert unb SSerona nebft SSicenja 
nnttrieberbtinglich an Cenebig mloten toat, ^atte SBtunotio 
ben $of ftdnig ©igmunW aufgefucht unb ba« Vertrauen triefe* 
dürften getootmen. ©eine geftfefcung ttt ©aiem erleichterte, 
bog fein ©ruber SRilobemu« feit 1421 auf beut greiflnger 
©ifchofftohle fag. Salb jogen auch anbete Oefcbtoifter ber 
beiben nach JBaiern; jtoei ©chtoeftern heirateten batrifche Cbel* 
Herren, ©eifc Don £8rring*@eefelb unb $abemar fcon gaber. 
Unb aW fflrunorio 1425 bie Sertoaltung be« 3ngolfttoter 
©ebiete« niebettegte, übernahm biefelbe aW „be* Söntg* $of* 
meifter in Satern - *) fein ©ruber $aul, ber eine baitifche 
©emahttn hatte, «matte non grauenberg. $aul« 9la<hfommen 
blieben in ©aietn, etmatben 1)itx mehrere $errf$aften unb 
ftarben im äßannäftamme 1598 mit $an$ Dietrich fcon ber 
Seiter au«. 

$etjog $einri$, &on einem gefährlichen ©egnet befreit, 
fonnte leichter aufatmen unb fich JRuhm unb ®enufj eine« 3uge* 
gegen bie Reiben gönnen: auf Hnttteb Äönig ©igmunM trat 
er am 23. SRobember mit einer $eerf$ar ben Sßarfch nach 
$reufen an, too ber Deutfchorben feit ber ungüWtichen ©flacht 
bei Dannenberg in groger ©ebrangniä mar. Schon im grüh* 
iaht 1413 hatte ber koadere $ocbmeiftet be$ Drbenä, Heinrich 
»on flauen, ben ©tafen Hlbtecht &on ©<htoatjbutg an bie 
baitifchen $etjoge gezielt, bittenb, baß fie bem Otben in 
feinen Sftöten gegenüber $oten juhUfe lommen möchten, unb 
fchon bamalS fcheint Heinrich einen 3ug nach Greußen unter- 
nommen ju haben 8 ). Hl« et jefet in Greußen etfehien, fanb 

1) @o no<h 1429, 3uli 2.; KB. Xin, 150. @. femer ®«fä)i<hte 
b. ©traubtoger Erbfolge I, Urfanben, 150. 154; ebb. 139—149 bie 
»oflraachten be* $errn t>. b. Seiter im Sngotjtfbttföeit. 

2) Silbenberg, 312, hiernach arnped, 398. 3hre 3eitbefHm- 
nmng für ben erfien 3ng (1412) tonn um fo meniger als gejUhert gelten, 
ba bie €khla<ht *on Dannenberg, auf bie fie hinbeuten, im 3uU 1410 
gef<hlagen nmrbe. 3nm@anjen fcgl. Sßoigt, ©treithfinbel, 3; ©ef<hi<hte 
^ren&en* VII, 452. 454. 460 f.; Andreas Ratisp., Font. rer. Anstr. 1,6, 
431; <5aro, ©efö. $olen« in, 545. 546. 




2M 



$. Heinrich unb ber 2>eutf<he Orben. 



er bort leine Steigung ben im September mit $oten am 
SWetwv©ee gefchloffenen Stieben ju Breden, unb bie* entforach 
feinen ©finden toettig, benn er ^atte erflärt, nur bann in« 
gelb jiefcen ju tooflen, toenn c« ficher jum ftriege fomme. ffite* 
tDO^I er alfo feine $ilfe nur mehr im SDWtraten betätigen !onnte f 
tnelleicht auch berftimmt barüber, bafj man ihn nicht recht* 
iettig über ben ©tanb ber Dinge aufgettärt tyittt, überreichte er 
beim äbfchiebe bem $ochmeifter, ber ihm aüerbmg« gejiemenbe 
3ehrung jugefagt hatte 1 ), beffen fchtoere ©elbnot aber SRücfc 
ficht forberte, eine {Rechnung über 6761 ungarifch* ©ulben. 
£)ur$ eine ÄbfchlagSjahlung be$ $ochmeifter* nicht befriebigt, 
erhob er bann Wage bor König ©igmunb, lieg auch auf in* 
ftänbigeä Sitten be* §ochmeiftet« bon feiner gorberung nicht« 
nach, befehle bietmehr, um ß<h bejaht }u machen, bie Orben*- 
lommenbe ©angfofen unb fann barauf auch anbere batrifche 
©fiter be« Orben« mit ©efchtag ju betegen. Sin ben Än* 
gelegensten be« Often« unb SRorben« fpt Heinrich auch fpater 
noc^ Änteil genommen. Sßohl gleich bom preufjifchen 3uge 
au« toohnte er im SWärj 1423 ber SSerfammlung ju fta«marl 
bei, too ©igmunb bon Ungarn unb Sagieöo bon $olen im 
SBeifein be* Litauer $erjog« ffiitolb unb einiger beutfehen 
gfirften ihre Setföhnung feierten. 1425 fanbte er feinem 
©chtoager, bem Äurfürften griebrich, 200 Weiter unter 3ohann 
©taufer bon (Srnfel* juhilfe in bie ÜJlar!; nach fünf Wochen 
lehrten {eboch auch biefe Iruppen, ohne einen geinb gefehen }u 
haben, nach $aufe*). 

1) Sgl. au<h 3). tt. «. VIII, 149. ftotf im SRat 1426 mx bie 
&a$t unausgeglichen. Ä. a. O., 485. — 15. gebr. 1423 tarnen einige 
*on Heinrichs Gittern uach föegenSburg jurfief. Andr. Ratisp. L c, too 
irrig berichtet wirb, ba§ Heinrich ebenbort „mit ©igmunb" bis $ftagfleu 
aertoctlt habe. 

2) Andr. Rat. Diarium; Oefele I, 18. 25. 




©aient- Straubing. 



Mnfit* Äopttei. 



Sam (gifte be« fcairifdje* Äriege« Ms jttm Softe 
$ei«rii$S fteS Krisen (1450) MtftHltreifttS III. (1460). 
«rlof<$e* fter Stilett Do« ©Irott&hig «nb 3ngo(ftabt 



„«n tyren gürftenftamm getoö$nte (Srbftaaten finb leicht au 
betoa$ren. Um aber ein neu gewonnene« Sanb feftju^atten, 
jumal eine« mit fcerföiebener Sprache, abtoei<$enben Sitten 
unb flrinrid&tungen, ift eine« ber toirlfamfien 2Wittel, bafc ber 
Sürft in eigener $erfon bafelbft feinen ©ofytfifc auffölägt/ 
©o 3Mac$iat>eÜi, unb no<$ biefem ©runbfafc Ratten bie $>erjoge 
t>on ®traubing*$oflanb, bie furje Regierung SHbred&t« II. au«* 
genommen, bie töeftbenj nic$t in ber $eimat, fonbem in ben 
nieber(änbif$en $ro&injen gemäht. 93on ganj Slltbaiern allein 
traf fo ba« ©traubinger 2änb<$en, ba« aon 1353 bis 1429 
cm gefonberte« ®taat«toefen bilbete, ba« Oefd&id, au« ber Srembe 
regiert ju toerben. ©o getoann bort leine ©tabt ben Huf* 
fönmng, ben @c$mu<I unb Olanj einer $erjoglic$en SRefibenj; 
au« bem gleiten ©runbe aber erfreute ft# au# ba« 8anb bi« 
gegen ben ©c$Iujj bie[e« 3eitraume«, ba bie Sinfätte ber $uftten 
begannen, eine« too$l $ie unb ba bur$ f feinere gelben, nie 
aber bur# bebeutenbere Äriege unterbrochenen trieben«, ©eine 
$)erjoge toaren bur$ bie nieberlänbiföen $anbel fo fcoüauf in 
Snfprud^ genommen, ba§ tynen leine 3ett blieb au<$ in SBaiern 
eine e$rgeijige äußere ^Jolitil ju verfolgen unb mit tyren Settern 
unb 9lac$barn anjubinben. 3n i$rem Huftrage ^ermatteten ba« 
itieberbairifc&e 8anb al« Statthalter SJifctume ober Pfleger. Unter 
3Ubre<$tI.erfc$eint al«folc$er8anbgraf 3o$ann ton 8eu#tenberg *). 

1) U. o. D. unb <5r. VI, 503; B. B. IX, 204. 215. 




268 Xob So^anttS wn etran&ing-gottassb. 



Unter $erjog 3o$ann x ) mtrb 1407 ®raf <£^el ju Orten* 
bürg ¥P<|« be* Straubing« 8anbe* genannt, 1411 $eter 
ber galfenfteiner ju gatfenfete at« Sermefer be« Cifctumamte*, 
1419 unb in ben folgenben 3a$ren $einric$ 92ot^aft }u ffiern* 
berg, be« $erjog* „^referier" in $ottanb, al« fein a3ifctum 
in SRteberbaiem. Dicfer ftttte 3o$ann au$ im $ollfinbif($e» 
ftriege Irtenfte getriftet unb erhielt bon tym 1421 @$tofi 
Mittersberg unb ben ÜÄarft $offirc$en ju eigen, 1423 @$lo§ 
unb $errf$aft ffiörtfc at« $fanb. SReben $einri<$ f»ot^aft 
erfd&eint in ber testen &\t fein @o$n $eimeran al* ©ermefer. 
©te etnjelne SBaiern burcfc bie ©teöung i$rer dürften na<$ 
ben SRieberlanben gejogen mürben, mo fic$ u. a. ein 3tt*tß 
ber gamilie ©attelboger bauernb nieberlteß, fo famen au$ 
etnjelne SRtebertänber na$ SJaiern, mie beim 1424 unter ben 
jmotf Raten $erjog 3o$ann« für SRieberbaiern au$ ber $er* 
mefer JJban Don ftortenbacfc, Sanblomtur be« £)eutföorben« 
}u ÜBaftricty, begegnet; na# be« $>erjog« £obe aber forgten 
bie gegen grembe eiferf Antigen ©tänbe, baß biefer balb ba« 
8anb räumte, mtemoty $erjog (Srnft ben 2lu«Iänoer eben megen 
feiner Unparteiltyfett al« folget gern länger im Ämte gefefcn 
$Stte 

8m 6. 3anuar 1425 ftarb $er}og Sodann vergiftet, ©ein 
abgefegter $ofmarf#all, Sodann tan Sliet, matb be« SJWorbe« 
beföulbigt unb Eingerichtet s ). De« gürften <S$e mar finber* 
lo« geblieben, ber männliche ©tamm ber State ©traubing* 
§oüanb mar mit tym erlogen unb ba« ©traubinger Sanb 
fiel na$ ben $au«oertragen an bie anberen bairif$en Linien 
ber 8ttttel«bac$er jurfict ©einen nieberlänbtföen SBeftfc ber- 
machte 3o$ann bem ©ofyte feiner ©tyoefter ÜKargarete, Merjog 

1) gür bie nicbert&tbifd&cn $rot>injctt führte Sofyura na* f<inem «b- 
lotmncn mit 3atob£a ben Xitü: €>o$n Don ©etraegau, $oflanb u. f. » ; 
R. B. Xni, 12. 20. 27 it. a. 

2) t>. SR« ff in an, ©ef<$. ber Sittie Straubing -fcoflanb, 42. 89; 
«Utbrea« *on ftegenftfrtrg, 446; R. B. XI, 411; XH, 95. 96. 106.113. 
810. 365. 404 n. a.; XIII, 3. 12. 35. 43; Qtfö. Oer etranfcingiföat 
Erbfolge I, Urf. ©. 30. 106. 

3) €5. au* «nbrea«, 448; «tn^ecf, 121. 




©traubtager (Stfifotgejireit. 



$$iliM> bem ®uten Don ©urgunb. 3toif*en blefem unb 
Sodann« Süchte Safobäa, toel*e ba$ (Erbe ebenfalls beanft>ru*te, 
fam e« ju toilbem Ärteg. Die bairtf*en $erjoge erhoben 
feinen Änforu* auf bo« nieberlänbif*e flrrbe unb fo enbete 
na* neununbftebenjtg 3<*ren bie toittettba*if*e $errf*aft in 
biefen ^rooinjen. 

Um fo eifriger bemfifte fl* Jebe bet brei Sinten in ber 
©traubinger (Erbfolge ni*t oerfürjt ju toerben. Dag bie 
Settern hierüber unter fl* in ©treit gerieten, mar ni*t anber* 
ju ertoarten; bafj berfelbe ni*t toieber ju blutigem ©firger* 
friege ausartete , banfte man too^l nur bem Umftanbe, bafj 
bie SBunben be* testen bo* ju tief gef*merjt Ratten unb no* 
triebt oernarbt toaren. Sebe ber brei Knien oertrat bie SRe*t«* 
auffaffung, bie tyrem 3ntereffe entfora* : Subtoig, ber oon ffiien 
au* bie ©tffnbe jur fmlbigung aufforberte, beanf pruste atö 
ber ältefte be$ Stamme« unter Berufung auf bie ©enefl«, bie 
Slobetle unb bir golbene Stalle, ti>el*e Teilung ber gflrftetu 
tfimer oerbiete, ba$ ganje (Erbe, toä^renb §etnri* eine gleite 
leilung na* ber 3a^l ber Sinten, (Srnft unb ©ilfctet eine 
fol*e na* ber 3 Ö W &*r Adpfe forberten *). 

Da tote ganj SRieberbaiern au* ba« ©traubinger Sanb 
oon ftaifer Subtoig , bem gemeinfamen ©tamraoater ber brei 
Surfen $errä$rte, bie ®efamtbele$nung, toel*e ber ftaifer 1338 
feinen ©ö$nen erteilt batte, au* auf bie fp&ter erworbenen 
Sanbe fi* erftredte, ein (ErftgeburWre*t aber im toitteWba*if*en 
$aufe ni*t beftanb, toar Har, baß ade brei Surfen «nfpru* 
auf baS (Erbe Ratten. Die« toarb benn au* fotoo^t oon ftönig 
©tgmunb al* oon ben ©traubinger Sanbft&nben anerfannt 
Aber bie Zeilung ju entf*eiben erttärten bie teueren fl* ni*t 
erm5*tigt *). ©ie frmbelten in tyrer oeranüoortli*en Stellung, 
in einer Sage, beren ©cbtoierigleit bur* bie bem Orenjlanbe 

1) <»ef*. ber ©traubtagif*« Erbfolge, Crfter (etojiger) 3a$rgang 
1425 (1779); Urfiuiben, ©. 21. 47. 110; R. B. XIII, 71; ^refcburger 
Urteil tom 26. «prtt 1429. 

2) <&ef*. ber ©traubtagtf*en Erbfolge, Urt. 6. 28. 3>te tarnen ber 
©tfinbe ebb. 133. 




270 



2nbtoig unb SEBUfclm 



bro$enbe $>ufitengefa$r no$ geftctgert tourbe, mit Umftty, 
ftlu$eit unb Sot^alUftt. Die leitete mar um fo $eroorfte$en* 
ber, al« fie nun fürchten mußten, in ben Strubel ber inneren 
ftriege, oon bem i$r 8anb bi*$er mc$t berührt toar, hinein* 
geriffen ju toerben; rityrenb Hingen tyre ftlagen, bog bie $räten* 
benten um i$re alten ftriege Ieioer no$ nu$t oertic&tet feien 
unb baß Ja niemanb gern mit ffitffen unb ffiiüen in ftrieg 
unb »erberben fty begebe 1 ). «I« „SSertoefer be« «mte«" 
Ratten fte junäd&ft ben Sonbgrafen 3o$ann )u 8eu$tenberg, 
©tafen }u $al« befteüt; im Sttooember 1425 toarb berfelbe 
bur<$ ben Srb^ofmeifter $an* Dom Degenberg abgelift*). 
Sine 3eit lang, tote e« fctyeint, ftanb bem ©ertoefer ein ftan- 
bifefcr 8u«i$ufj, Je jmet $erren au« $c&laten, Wittern unb 
©täbten, jur ©eite 8 ). 

Seit me$r al« jioet 3a$ren »eilte ber gefürd&tete Sngol* 
ftäbter $erjog ru^ig am f5niglt$en $oflager in Ungarn, bo$ 
feine alten ®egner fonnte biefe 9lu$e an ben liger erinnern, 
ber p$ na$ migglüdtem Sprung mfirrif* in ba« Didi^t 
jurüdgejogen $at. S5on einem aufgeben feiner »nforfic^e ober 
gar 83erfö$nung toar bei biefem eigenjümigen unb re$t$aberif$en 
6$arafter leine Webe. ©egen ben 8anW$uter Setter betrieb 
er, toietoo^l gebannt, feinen $rojefj bei ber fturie. ©eine 
tägliche ©erfi&rung mit bem ftftnige unb eine getoiffe ©a$l* 
oertoanbtfäaft tyrer Naturen, anberfeiM bie j>olitifc$e ©j>an* 
nung, bie }totf$en ©igmunb unb 8ubtoig« geinbe, bem ftur* 
färften oon ©ranbenburg, eingetreten toar, toirften barauf $in, 
ba| ber ftönig trofc be« Unge^orfam«, mit bem Subtoig feine 
S3efe$le mißartet $atte, beffen ftlagen gegen feine (Segner 
®e$ör fäenlte. 3m ©ommer 1424 Ratten flc$ in Ofen au* 
bie $erjoge $etnri$ unb ffittyelm bei ©igmunb eingefunben; 
ber lefctere blieb bann, too$l oome$mli$, um Subnrig ein 
(Segengetoi^t ju galten, längere 3«t feg ftJnig« Dienft in 

1) *. a. D., 97. 131. 

2) *. o. O., 155; R. B. Xffl, 65. 69. 74. 80. 

3) 8. a. D., 106, fco tiefe oW fe<W „Vawt\tt" bejetynet »erben. 
2>em $erjoge Crnft Wim biefe £($1 ju groß. 




am !3nigli<$en $oflager in Ungarn. 



271 



Ungarn, ©eibe Settern fagett im föniglifyn Kate 1 ); Subtoig 
traf öfter mit ffitlfclm jufammen, o$ne tyn febodfr eine« ©orte« 
ju toürbigen. fyeinric^ foö bamal« bur$ ben $erfu$, eine 
8u«f5$nung be« ftBnig« mit feinem ©tyoager, bem ©rauben* 
bürget, einjuleiten, ©igmunb fo ,fe$r geteijt $aben, ba§ tym 
biefer beim Äbföiebe ben üblichen ®ru& berfagte *). dagegen 
fefete ber 3ngolftäbter bur$, bag ©igmunb in ©a$en feine« 
Streite« mit bem Äurfürften oon ©ranbenburg nnb ben SDiün^ 
net §erjogen biefe auf ben Äatfcarinentag bor fein ©eri<$t 
na$ ffiten tob. griebricty aber fanttte bie gereijte Stimmung 
be« ftönig« gegen t$n jn gut, al« baf? er bort erföienen toäre, 
tDtetoo^l $>etnri$ felbft ju tym gereift toar, um i$n einju* 
laben s ). S5on ben 3Dtfin<$ner $erjogen ift biefleid&t ©ttyelut 
ber 8abung gefolgt; au« $refjburg förieb berfelbe ((Snbe gcbruar 
1425) an feinen ©ruber, er möge bem ftdnige ftenfen au« 
bem ffiirmfee jufenben. äfiem 8nf($etn nad? gelang e« bem 
eifrigen unb getoiffen^aften ©ttyelm aUma$lt($, Submig in ber 
®unft be« ftönig« gu überflügeln; f$on tonnte er baran beulen, 
für ßc$ unb ben ©ruber um erlebigte ©Uten au« ben 9fei$«< 
ftäbten ober anbete Sorteile ju »erben. Äu<$ bie früher bott 
ben ©ittel«bac$ern bermaltete fd^tpäMfd^e Sanbbogtei fagte er 
in« äuge, unb al« ©igmunb eine Keife na$ Danemar! be* 
abfityigte, bie bann ni<$t ausgeführt tourbe, tooUte i$n ©il* 
$elm begleiten 4 ). Onbejfen riet ba« erlebigte ©traubinger (Srbe 
aüen batriföen $erjogen e« mit ©igmunb nic$t ju oerberbett 
unb rief gubtoig im ©ommer 1425 nac$ ©aiern jurfief. 
3n Straubing berfammelten ftc$, toäftenb ©ilfcelm nb# 

1) 2>. K. % VIII, 373. 

2) „J)en6egen", fagt ffiinbede, c. 191, jn bcflen©eri*t*.©ejolb 
II, 34, jn Dergleichen. Über ©ityclm f. ©ef$. ber ©trau*. Erbfolge, 
Urt 6. 10. 39. 167. 

3) 2). ». «. Vffl, 360. 424. ©tnn eine 92a^t (*gl «crler 
a. a. £>., 424) befagt, Subttig fei jura SRarfgrafen gereift, tyn na<$ CBien 
eingnlaben, liegt j»eifello« Cert»e<$felnng mit $einri<$ *or. 

4) öef*. ber ©tranb. Erbfolge, Uct. 6. 8. 40. 42; tgl an* 55; 
Sang, 120. 



272 £>fterrei$iföe «nforfoft auf etraubtog. 



im Dienfte be« 8»ntg« in Ungarn »eilte, im 3uli 1425 bie 
brd anbeten bairifchen $ersoge auf einem bon ben ßanbftönben 
angefefcten Sage x ). Sine ©mgung toarb feboch nicht etjielt 
unb batb machte baä auftreten eine« neuen $rfitenbenten ben 
$anbel noch oeriofcfelter. Huf einem jmettcn Zage in Strau- 
bing erfchienen bor ben ©tänben am 3. Ottober ©efanbte be« 
$e*Jog* Sllbrec^t oon Öfterreich unb fiberbrachten bie gorbe* 
rung i^reö $errn, ba| biefer al« ber nächße (Srbe anertannt 
toerbe, ba feine SKutter 3ohanna eine ©chtoefter be« Crblaffer« 
gemefen fei Da bie nritteWbachtfchen $au«gefelje nur ein (Erb* 
recht ber männlichen 9iach!ommen anerlonnten, ti>ar ber ^abd* 
burgtfehe Änfpruch unbegrünbet; toa« ihn gteichtoohl für bie 
SJittefcbad&er bebenllich machte, mar, baß »brecht eine Zoster 
be« ftönig« jur ©emahltn hatte, ©ottte fleh ©igmunb ju 
beffen ®unftcn einmifchen, fo fehlte e« baju nicht an $anb* 
haben, ba ba« ©traubinger Sanb 9leich«lehett unb bie btthtngen 
8anbe«teitungen ber ©ittettbacher nach ftrengem 9teich«recht un* 
{jefefclfcb toaren. ©igmunb hatte fchon im «uguft erflärt: toenn 
{ich bie bairifchen $>erjoge nicht einigen fönnten, toerbe er fie, 
ba fich ber ©treit um ein 9f etlichen brehe, an feinen $of 
t>or bie SReichäffirften ju »echt laben. Da nun bie »erhäng 
fangen ber $erjoge unter fich unb mit ben 8anbflänben ju 
feinem anbeten Crgebniffe fährten, al« baß fle gegen ©eftötigung 
ber ftänbifchen Freiheiten einfttoeUen bie (Eoentualhulbigung be« 
Sanbe« entgegennahmen, auch ein Zag ju 8fog«burg (9lob.), 
ben außer Srnft unb ßubtoig« gleichnamigem ©ohne Vertreter 
ber Süttergefeöfchaft jum @t. (Seorgenfchtlbe, bon Ulm unb 
Dürnberg befugten, ohne toefentlichen Srfolg blieb, lub ©ig- 
munb gfirften unb ©tfinbe auf ben fjebruar 1426 nach ©ien. 

Such h*** fam <• noch nicht jur Sntfcheibung, Dielmehr be* 
gnfigte fich ber «3nig (10. SWärj) bie SWünchner unb ben 
Sonb«huter $erjog, auch ben Öfterreicher , „ju ihrem »echte 4 



1) 3um flgb. f. Qtfö. ber Straub. Erbfolge, Urf. e. 62—78. 95. 
114-124. 157. 162 f. 194; R. B. XIII, 59. 




©erfytnbfangcit über ble ©ttoubtager Erbfolge. 209 

ja Werten *), eine SWaffregel, burc$ toel<$e feinem berfetben 
ein 9ttd)t erteilt toarb, ba« er nt#t Dörfer befog. 3n ffiien 
berföfrtte fli$ bamoi« (16. STOora) ber «3ntg unter Vermittlung 
ber $erjoge $einrt$ nnb ©il^clm mit griebrty Don ©rauben* 
Burg 2 ). 3n#mf$en Ratten bie $erjoge Don SOWtec^en unb 
8anb«$ut na* Beratung mit bem STOarfgrafen griebri* ben 
$attbet, fo toeit er fie betraf, Dor tyre ©unbe«genoffen ge* 
bracht (Sin Don biefen befteßte« @$ieb4geri$t, toorin $falj* 
graf 3o$ann ton SReumarft, ©tföof 3o$ann Don ®c$ftäbt unb 
©raf ?ubtoig Don Öttingen al« Obmfinner fafcen, fällte am 
27, üJlat ju Dürnberg, n>o auf bem Äeic^tage bie $erjoge 
(Ernft, HJU^etm unb ^einrieb antoefenb toaren, einftimmig ben 
©pruefc, baß nur ber r5mift$e ftönig al« 8e$en«$err in biefer 
6a<$e Winter fein foße 8 ). ©ieber toarb alfo ©igmunb um 
feinen @pru$ angegangen. SDiefer aber erflärte nun f ba er 
al« 8e$en«$err felbft 9te<$te ju $aben meine, toode er ni($t in 
eigener @a$e Äid^ter fein ; juglety fcemafyn man feine ftefcnbe 
Wage, ba| er mit ben ©elften ber 6$riften$eit fo DoHauf 
bf laben fei, bafj t$m jur Crlebigung be« eben an i$n gebrauten 
feilte 3ett bliebe. Cr beauftragte ben Crjbifd&of Don SDiainj 
mit ben anbeten fturfärften einen £ag jur 83er$anblung an* 
jufefcen unb baju aud) «Ibrec^t Don Öfterreicf Doriulaben. 
Sin 8ub»ig richtete er (10. 3uli 1426) ba« ®ebot, bi« jum 
6. Oftober 1427 grieben ju falten, ©otlte e« 8ubn>ig auf 
eitlen Stieg anfommen laffen, fd&rieb ber ftdnig am 19. 3uli, 
fo »erbe er atteä galten, u>a« er mit $erjog $einri($ unb ben 
anberen gürften Derabrebet $abe. Slud? ber SRainjer aber 
f<$ob ben @t>ru* an ba« ©<$teWgeri($t jurfld. ©iefe« ftradfr 
(17. ®ept 1426) ju «mberg eine Teilung be« 8anbe« na$ 

1) gif *eT, Äl. ©Triften II, 402. £e$en9*rief für $. *lbte*t bei 
*roß.$offinger, Sofctf II, IV, 51. 

2) 2>. tt. ». Vni, 445. 

3) R. B. XIII, 74. 3um ftgb. Dgt bef. bie Ur!mibe»on«jüge bei 
*. gte^berg, fcmbfUEnbe I, 441-476; 2>. tt. «. VIII, 474. 487. 497; 
Andr. Batisp. Bei Oefele I, 28; Sang, 128 f.; B. B.; *f*ba*, 
Ä. ©Igmmib, III. 

fticsle*, 9<W*tt Boiemf. in. 18 



274 



©traubinger ©rbfotgcftrett. 



ben brei Sinien au«, fo ba§ bie SRfinchner $erjoge jufammen 
mir ein drittel erhalten follten, fanb Jeboth mit feinem ©pruche 
lein ©ehör. Subtoig mar, fo lange ber fönigltche ftommiffär 
Don bet Seiter noch in Sngolftabt »eilte, nach Auburg über* 
gefiebelt. 3efct ging er toteber an ben fönigltchen §of nach 
Ofen imb ließ fich bort (3. Oft.) Don ©igraunb auch feiner* 
feit« ;u feinem Weckte belegen. Der Dterjä^rige grieben 
jtotfehen ihm unb feinen (Segnern ging bamalS ju flrnbe, toarb 
aber oom ftönige auf ein ©eitere« 3a$r unb fpäter bi« jum 
6. Oftober 1428 verlängert, bem $erjoge $einrich burth ein 
befonbere« fönigliche« ®ebot (8. «pril 1427) feine Beobachtung 
elngefchärft l ). 

Den »eiteren Serhanblungen, bie f«h nun unerquieflith unb 
langtoterig jtotfehen ben ©tänben, ben $erjogen, ben ©unbe«* 
genoffen unb bem ÄBnige fynföUppttn , folgen mir nicht im 
einjetnen. SWehr at« einmal mußte man einen neuen ©äffen* 
gang befürchten. flhrnft, ffiithelm unb $einri$ Ratten einft* 
»eilen ©tabt unb gefte Straubing gemeinfam befefct unb aüe 
bortigen SBorräte ju^anben genommen. Suburig al$ iener ber 
<ßrätenbenten, ber am toenigften ju SRachaiebigfett geneigt mar, 
befanb ß<h auch in btefem Streit meift in ber oereinfamten 
Stellung, bie feinem Sfynrafter fotrie ben früheren Vorgängen 
entfprach, in einem ©egenfafee nicht nur ju feinen Settern, 
fonbern auch su ben ©traubinger ©tänben. ©ein ©ohn Subtoig 
hatte oor $aut oon ber Seiter Ätage erhoben, baß bie SWünch' 
ner $erjoge noch nach ©eenbtgung be« ftriege« einige fch»ä* 
Bifche ©chtöffer befefct, baß fflilhelm« natürlicher ©o$n Ronrab 
einen nächtlichen Überfall ber gefte ©afferburg geplant $aht *). 
Uber auch jurifchen ber SWünchncr unb SanWhuter Sinie fehlte 
e« nicht an {Reibungen, jumal at« $etnrith bte Öffnung ber 
gefte @ch*rbing für ftch oerlangte unb an ber ©efampfung 
Iriftram 3 en 8 eT * jum ©chneeberg teilnehmen oertoetgerte. 
Diefer Witter behauptete, baß ihm burch ben oerftorbenen 

, 1) 2). H. «. IX, 80. 81. 
2) gfirjictifachcn III, 6-9. 



> 




ge$be ber 2Rün<$ner $erjoge gegen fcrifiram 3enger. 276 



$erjog Sodann an feinem mütterlichen <5rbe Unrecht toiber- 
fahren fei. Die $errenloftgfeit be* ©traubinger 8anbe« er- 
munterte ihn jur ©elbfthilfe, tooju ber trofctge «bei ohnebie* 
immer geneigt fear, unb inbem er in Kaub- unb ^lünberung* 
ftügen bur<h ba* offene Sanb 9?oc^e unb <Sntf$äbigung fu^te, 
ja fi<h nicht freute bie f>ufiten herbeigurufen *), erftanb ben 
ungleichen ©etoohnern be$ Stieberlanbe« neben bem äußeren 
geinbe, ber e$ bamal* bebrängte, ein innerer, Huf bie Älagen 
be$ Sanbe* nahmen bie 2Rfin<hner $erjoge ben ftompf mit 
bem SRuheftörer auf unb ließen im Styrtl 1427, nachbem er 
eine Vermittlung anjunehmen abgelehnt (atte, feine SBurg 
galfenftein belagern, $erjog $einrich aber oerfagte auf iebed 
Hnfinnen ber SWfinchner feine SÄittoirlung an ber gehbe, em* 
Pfahl jtoar einmal bem 3«nger für einige &t\t IBaffenruhe ju 
galten, oerforach ihm aber jugleich feine Unterftüfcung gegen- 
über bem Sngolftäbter, gegen ben 3 en 8 er ebenfaü« Hnfprüche 
erhob, fobalb berfelbe jurüdfehre. Die gehbe jog fub 3ahre 
lang ^in, M* am 27. 3uli 1429 burch einen ©<hieb|>ru<h be$ 
^faljgrafen Sodann Stieben erjielt tourbe. Die SDlünchencr 
$erjoge johlten bem 3wger 840 fl. unb oerforachen ihn nicht 
ju ^inbetn, feine gorberungen gegen Suburig oor (Beriet ober 
mit ben ©äffen ju oerfolgen 2 ). 

3n>if$en biefem unb ben SWünd^nern hatte {ich in bem 
(Srbftreite eine Annäherung infofern ^ergeftettt , als biefe brei 
$erjoge jufammen fleh an bie ©tänbe toanbten. 2Rit ihrem 
©pruche oom 24. 3uli 1427 ©iefen biefe bann — jur großen 
Unjufriebenheit fyxnxxäfl, ber bamaW in ©öhmen toeilte — 
bie ©a<he nrieber an ben ftönig jurüd. Srft nach geraumer 
3nt aber ließ fleh biefer burch »ieberholte Sitten unb Älagen 
bemegen, ben oerlangten 8te<ht$tag auf 6. äRärj 1429 anju- 
fefcen. „Sßetnenben $erjen$ unb auf ben ftnieen" hatten ihn 
bie ©tänbe, befonber* in $infl(ht ber $ufltengefahr, erfucht, 

1) 6o Andr. Ratisp. j. 3. 1425; Oefele I, 25. 

2) R. B. XIII, 94—97. 120. 153; bajn «Wommen oom 8. <5<pL 
1429, L c. 157. 



18* 




276 ftttföeibttng bet $tronbinger Gtbfolgefhtitt* 



fle estblic^ mit feinem Urteil ju toeifen unb tyre* Stenb* fty 
ju erbarmen. SDian begreift ed, ba§ fid^ gutefet !aum me$r 
SWanner fanben, toeld&e bie ©firbe be« »ertoeferamte« im 
©traubinger 8anbe auf fl<$ nehmen motten. Sine 3ett lang 
ftanb biefe* 9mt ftermaift; an bie ©teile $an* beA Degenbergrr« 
toaren im 9lo&ember 1426 $an« $aibe<f unb ffiigalofc ®en>olf 
getreten; ber lejjte SSertoefer totytenb be6 ^robiforium* toar 
toieber ber Sanbgraf 3ö$ann }U 8en$tenberg. 

<£« »ar ein frittf^er SKoment für ©aiern, al« am 26. ttyril 
1429 Äömg ©igmunb mit toeit me$r ungarischen al6 beutf^en 
{zerren — unter biefen ¥faljgraf Sodann ju SReumarlt — in 
$reßburg tu ©erid^t fa§. S5on ben bairifcfcn $erjogen be* 
fanb fi# nur 9Ml$etm jugegen, Subtoig unb Gruft untren 
bur$ Hmtöfte »ertreten. 8ttbtoig lief* in erfter Steide ba* 
gange 8anb für fty forbem; füllte biefer gorberung ni$t ftatt* 
gegeben merben, fo brang er auf eine Drei*, ntd?t SBier«* 
teilung. 3m tarnen be* «önig« unb 9teic$* führte ©igmunb« 
Kot, S&wxpt t>cn yapptnWm, ba« ©ort. 3um ®ökf für 
©atem toar ©igmunb, eine me$r auf ©eniefcen al« auf $err* 
f#en angelegte Statur, at« $err breter SRetctye, bon benen bie 
©egtoingung be« einen, bie SRegierung ber beiben anbem $m 
f$on genug ya (Raffen machte, ni$t na$ neuem 8anbbeßfr 
lüftem; au$ $atte er für feinen ©$u>iegerfo$n bereit« eine 
anbete <Sr$ö$ung in* Huge gefaxt, ©ein borttaltenbe« 3ntereffe 
ging baftn, bafc bie bairiföen $erjoge ju tätigem (Eingreifen 
gegen bie $ufiten gedornten toürben. Diefen Umftänben bor* 
nefyulty banlte ©atern bie »btocnbung ber ®efa$r, bie tym 
bamal« in furchtbarer 3iä$e breite: für immer jerftüdelt ju 
toerben, inbem bie Heinere {Wülfte t>on Stieberbaiern bi« natt 
ftetyeim herauf ber uritteUbagtfcfcn $errf$aft endogen toürbe. 
Da« Urteil *) lautete: Da bie bairiföen $erjoge Won me^rmatt 
o$ne duftimmung tyrer 8e$en«$erren tyre Sanbe geteilt unb 

1) Uttetobrtef W eentfenberg, Gamal. 1,12. 3n ben R. B. Xm, 
148 toitb ton biefer fogtoigtigen Urhtnbe ein Kegeß bon biet 3eUen 
nutet falfc^cm Datinn mitgeteilt 




§u $ref$urg. 



*erf*rieben, bo fle, ohne ba« »ei* au«junehmen, ©ünbniffe 
getieften, au* anbete« oerf*ulbet hätten, toa« au« i^xeit 
eigenen Utbtnben bei (Gelegenheit biefe« ©treithanbel« iefct an 
ba« 8i*t gefommen fei, erfinbe fi* Hat, ba§ ni*t nur ba« 
ba« SWieberlanb, fonbem ganj ©atern oon 9te*t«t»egen beut 
ÄSnige unb 9tei*e ^eimgefaüen fei. Der ftSntg aber motte 
na* bem ©eifriele be« ^8*ften 5Ri*ter« bie Strenge be« (Be- 
ruhte« mit feiner ®nabe linbern unb an« Siebe unb greunb* 
f*aft ju ben $erjogen feinem We*te auf ba« oertoirfte Sehen 
entfagen. Sin ben ®ert*t«hof erging bann bie anfrage f in 
ftrie otele Seile ba« Sanb gef*teben »erben fette. JDie Slnfr 
»ort lautete , ber gorberung ber äßfin*ner entft>re*enb, ba§ 
bie Zeitung ni*t na* ben ©tammen, fonbem na* ben fttyfen, 
alfo in oier Seile, ju gef*ehen ^abe. 

S3on ben Sfoferfi*en be« $ab«burger« mar feine Webe 
mehr. Sie lonnten nur ®ehör finben, toenn man ben Sittels 
ba*ern ba« 8?e*t bie (Erbfolge in ihren Sanben bur* $au* 
gefefce ju regeln ooflftänbig abfpra*. 3Wit einer fol*en 3Äa§# 
tegel aber ffittt ber Äönig ni*t nur bei ben 3unä*ft ©e* 
troffenen, fonbem bei alten 9fei*«färften Slnftog erregt. Sitte 
$atten ä$nli* gehanbelt unb alle lonnten in biefelbe Sage 
fommen, in ber fi* nun bie ©aiern befanben. Slu* toirb in 
biefen ftreifen toenig Neigung ju einer öerftörlwtg ber fyabQ* 
burgif*en $au«ma*t beftanben haben. {Kitte ®igmunb bret 
3ahre Dörfer SUbre*t« «nforü*e ni*t oon ber $anb getoiefen 
ober fogar begünftigt, fo bfirfte er mtttlertoeile Gelegenheit ge* 
habt fpbtn bie (Stimmung ber dürften unb feiner Käte in 
Wefer $infl*t lernten ju lernen, jjaju !am f ba§ ©igmunb 
feinen ®*toiegerfohn bereit« al« feinen 9ta*folger auf bem 
beutf*en Xhron in 8u«fi*t genommen hatte; nun trug er »oht 
@*eu, biefem $lane in ben bairif*en $erjogen ®egner ju enoeden. 

Sie befannt, liegt hier ber feltene Satt oor, bag 9te*t* 
anfprfi*e, bie längft al« befeitigt gelten butften, na* oierthalb* 
hunbert 3ahren toieber aufgegriffen tourben: bie Erneuerung 
ber h<*^urgif*en 2faft>rfi*e auf Straubing bur* bie Äaifertn 
SRaria Z^erefia oeranlafite 1777 ben ©airif*en Crbfolgelrieg, 




278 



$abtfargif$e auftrüge auf Straubing. 



foftete ©aiern baS Snnbiertel unb $5tte ihm o$ne griebrt^ 
beS (Stögen Dajtoifchentreten noch fchtoerere Opfer auferlegt. 
S5on öfterreichifcher ©eitc berief man ftch bamalS auf eine am 
21. SRärj 1426 ju ffilen auögefteüte Urfunbe bon fehr auf* 
faüenbem 3nhalt. Der Ä5nig erflart (ter 9Keberbaiero als 
ihm unb bem 9tei$e hergefallen; ba er baS ßanb auf feinen 
galten nach Deutfchtanb oft &u burdfoiehen ffabt, bebürfe er 
bort eines ju&erläffigen CertoeferS, au meinem er benn feinen 
©chtoiegerfohn ernennt; nach feinem, ©igmunbS, Tobe fode ba« 
8anb an feine männlichen 9ta$fommen, Unterlägt er feine 
folgen, an feine £o$ter ffißfabeth, Wibrechts ®ema$(in, unb 
nac^ beten Tobe an beten Grtben, fehlt eS aber an folgen, 
an ^erjofl ?ttbre$t unb beffen (Srben übergeben. (5S bebarf 
lefater (Erörterung, toie toenig ber 3nhalt btefer Urfunbe l ) mit 
ben anbem SJtajftegeln beS ÄönigS im ©traubinger (Erbftreite 
fleh in Übereinfttmmung bringen lägt. ^ebenfalls toar biefe 
fönigliche Verfügung burch ben $re|burger töechtfpruch au§er 
Straft unb IBirfung gefegt. Dürfte man fobann einer angeblich 
am 30. SRobember 1429 in SRegenSburg ausgepeilten Urfunbe 
$erjog 8lbre<htS glauben, jo ©fite jtoif^en ihm unb ben ©aiern 
bamalS ein gütliches äbfommen erjtelt toorben. Der §ab*» 
burger fofl gegen eine (Selbfumme, bie er nach bem SluSfpruche 
beS ÄönigS empfangen, unb gegen bie Sfafgebung ber batrif^en 
(Eigentumsrechte in Öfterreich unb bie $fanbfchaft ju SOlUben* 
ftabt auf feine Hnfprüche auf baS ©traubinger 8anb &er}i$tet 
haben. S5on biefem Dotument fonnte nie eine Urfchtift, fon* 
bern nur eine Äopie angeblich bon 1569 oorgejeigt toerben 
unb fotoohl im ffiortlaut ber Urfunbe als in ber (Ertoagung, 
bafc bie ©aiern nach btm $tegburger töechtfpruche feinen Knlag 
mehr hatten, bem Habsburger für baS preisgeben feiner Sin* 
fprüche 3ugeft&nbnif[e au machen, liegen bie ftärtften ®rünbe 
baffir, ba§ bie Urfunbe eine gälfchung ift »). 

1) 9?a<h Äopie ton 1778 t*röf[eutli<ht bei ©roß - $of fingcr, 
3ofeph II., IV, 52—56. 9to<h SRitteilung M f. f. $auS-, $of- unb 
©taatSanhiW beflnbet fuh ober bort ein Original ber Urfunbe. 

2) 9fo(h ber mir erteilten SfaStuuft ift tocber in SRümhen noch in 




Verteilung be$ @tran$|nger Sanbe*. 



©a* ®eri$t in $regburg urteilte juglety auf Subtoig* 
ftlage gegen bie Sföfinctyner $cr*oge toegen be« Ärieg« oon 
1421 unb 1422. ßubtoig gab ben Äriegäfäaben, ben er bürg 
bie SWüncfrier erlitten, ouf 300000 ©ulben an unb forberte 
»üdgabe ber eroberten ©d&töffer. Die 2Wünc$ner entföulbigten 
tyten Angriff mit ben ®eu>attt$aiett unb Übergriffen ßubtoig*, 
bie jie jum Äriege genötigt Ratten. Da* Urteil be4 ©erictyt« 
befagte au$ in biefera fünfte, bag beibe Parteien gefehlt Ratten 
unb ©träfe berbtenten, bag tynen aber ber ftönig biefe gnäbig 
nadfte^en ©olle, ©i$ 3o$anm$ foflten Don beiben Seiten bie 
(befangenen freigegeben unb bie Eroberungen jurfldgefteflt, bi* 
ba$in au$ burc$ fünfunbjtoanjig ©$ieb*ri$ter au£ ben 8anb* 
ftänben bie Teilung beä ©traubinger Sanbe* ooöjogen toerben. 

3u biefem ©e$ufe fertigten neun oon ben $erjogen be> 
ftimmte Reiten jtoei leilungienttoürfe unb legten biefe beut 
in Straubing berfamraelten günfunbjuMniiger<8lu«fc$uffe jur 
Äitf&afyt bor. ©obann lieg man ba* 8oä barüber entleiben, 
meinem $erjoge jebe$ ber oier abgegrenzten Viertel jufaüen 
foflte. Subtoig erhielt $iena# (29. Sunt) u. a. ©etyarbing, 
©tngolfing, ftir^berg, bie Sofung auf ©c^toarjenburg, SBaltv 
munden, 8?efe, bie 3uben }U Wegendburg; $einrt$, ber erft 
na$trägli$ jur Annahme be$ föniglictyen @pru#riefe$ flc$ be» 
quemt $atte, erhielt 33U«$of*n, $ilfer$berg, $enger$berg, 
8anbau, SRattewberg; Srnft ©traubing, äRitterfeW, ©ogen, ben 
$erjog$$of unb bie 9tec$te ju 9tegen«burg; ffittyelm ftel&eim, 
SMetfurt, (Sfc^elfam, gurt, fiöfcting, bie ßofung auf fityam unb 
Deggenborf *). 3ebe* ©iertel ^atte eine bur$f$nitt(i$e 3a$re* 
rente oon 1600 $funb 9iegen$burger Pfennigen. 

©im ein Original bei Urt., bic bei 8i$nöto*tv V, 9h. 2821 na$ bera 
regejHertu. n. a. in (Brnbt*) Sammlung »on @taat*föriften I, 
552 gebrudt iß, ju flnben. Über bie Une$t$eit »gl bie Erörterung bei 
Sang, 148 f., »ieber$olt bei «f^ba* III, 292 f. (Sin bort ufaty er* 
Hinter auflfölaggebenber ©tunb gegen bie (Styfcit ijl au$, bag bie 
batrif<$en Öüter in Df!errei$, bereu (Eigentum bie bauiföen ©erjoge ba- 
matt aufgegeben $aben fotten, tynen noa) foäter gehören, fo bie $err- 
fäaft @M; tgl. u. a. gre^berg III, 46. 

1) Arnpeck, 367; gre^berg a. a. D., 475. 




2Hc $nfUtttfrieg« 



aKc^r unb me$r breite bet ©eftonb be« Steide« für bie 
mSd&tigeren ©njelftaaten ju einet t(eoretif$en ffiafytfett jm 
»erben, mit beten Hnerlennung man pralttf^e fiHrlungen tanm 
me$r oerfnüpft glaubte. 9H$t fo faft burdfr bie flrrlebtgung be« 
©traubinger 8anbe« al« bur<$ bie UnmJgßd&leit übet beffen 
Teilung untet fi<$ felbft ju einet (Einigung ju gelangen tourben 
bie bairifdfan gürften nun batan erinnert, bat bie $o$eit be* 
ft&ntg« unb Weiche« übet bie 8e$en«fürften no<$ nu^t erlofd&en 
toar. 3ur felben 3 e ^ ^ax nacb langem ©tiflftanb ba« $Rei$ 
au$ att militärifd&e SWadfrt toteber in S^ätigfeit getreten. Sin 
berber Unftofc rüttelte ben ungefügen Äolofc au« bumpfer 8iu$e 
empor; aber al« er fic^ nun aufrichtete unb in ©etoegung fefcte, 
getoafcte man mit ©<$am unb ©Breden, bafc et f$toac$ unb 
unbeftlflicb toar tote ein Äinb. (Sin ©aoib übettoanb ben 
(Roliaty, ni$t einmal , fonbetn fo oft fid^ bet 3ufammenftof* 
toteberfcolte, 3a$r ffit 3a$r. «n ben ©dfreiterftwfen tyrer 
Jtonftanjet SWartyrer, M $u« unb {rietontymtt* oon frag, mar 
bie nationale unb religiöfe ©egeifterung bet ©Jörnen in gellen 
gtammen entjfinbet fcorben. ©er lob «8mg ©enjel« berief 
in ©öfcmen jut {Regierung benfelben ©tgmunb, bet $u« trofc 
feine« ©eleiWbriefe« preisgegeben $atte. (Segen bie fcufittfdfre 
ftefcerei (teilte er ber ftird&e ben «rm be« ftei$e« jur »er* 
fügung, im SSeretn mit bem Zapfte feuerte et bie Deutfcfat 
jum Stampfe füt bie 8ttein$ettf$aft bet rSmiffyn Jtttdfre an f 
unb fo toar — banf ber Rt^li^en görbung brt beutfefcn 
ftSnigtum« — ein 8?eligion«!rieg ber etfte 9teic$«Irieg, ju bem 
fi<$ bie ©eutfdfren na$ langet Seit »lebet auftafften. ©erat 
nut al« großartige Übertreibung tonn man e« bejeidfrnen, menn 
ber päpftltd&e flarbinallegat ©ranba au« oereinjelten fommu» 
niftifd^en ©eftrebungen, bie innerhalb be« $ufltentum« auf* 
traten, folgerte, bajj biefe Äämpfe rnd^t allein für (glauben unb 
«ird&e, fonbern au# für bie (Erhaltung ber menfd&lid&en ®e* 
fettfd&aft geführt »ürben. 

3n bem großen §eere, ba« ©igmunb im Sommer 1420 
gegen frag führte, befanben fi$ bie bairif$en $erjoge ffitlfclm 
unb $einri$, au$ ber Witter 3afob fütri^ oon 9tei($erj* 




tmb bie fairiftfcti fcerjoge. 



Raufen *). 5Der Sturm auf $rag toarb blutig abgeflogen 2 ) unb 
nun brach eine %tit be« ©Breden« unb bet ©chanbe an, toelche 
über Me ©eutfchen für ihre realtionäre $olitif unb bie grobe 83er* 
na^läffigung ihre* ©emeüttoefen* entfe#i$e ©trafen beringte *). 
Die SWhmen Ratten ihre Megertfche Überlegenheit nicht fo 
balb lernten gelernt, als fle ben ®egner auch bur$ berheerenbe 
©treifeftge auf feinem eigenen (gebiete beunruhigten. Stein 8anb 
^at me^r barunter gelitten als bie £>berj>falj unb ba* ©trau* 
binger (Brenggebiet nörblich ber Donau. 3m Februar 1422 
mürben Cfchelfam, 9ieuKr$en unb jtodlf Dörfer oon ben ©ityraen 
cui«gej>lftubert unb niebergebrannt. 3m Oftober blefe* Oahre» 
jogeft bie Aufgebote ber ©tabt SRegenäburg unter SBigaloi* 
©eioolf unb be« 8Jegen«burger« ©if<hof$ unter bem bifch&flichctt 
$ofmeifter Sodann ©attelboger oon ©eltolflng gegen bie 
fmfiten*). 3m Dom hatte ihnen, toähtenb eigen« ffir biefen 
3md angeorbnete liturgifche ®ef finge angefttmmt tourben, ber 
©iföof 3ohann ©treitberger felbft bie Äreuje angeheftet. Der 
Selbjug fcheiterte infolge einer @eu$e unb ber 3Rifcftänbe 
be* Sertflegunggtoefen*. S3on ben bairifdhen $er$ogen toar 
»eber bamatt noch bei bem großen Unternehmen oon 1421 
einer im gelbe erfchienen. 3uerft innerer Ärteg, bann bie 
glimmen 9?a<htoehen beÄfelben liegen 3ahre lang bie toteber» 
halten Äufforberungen be$ ftfctig* an ben 3% n BW« M* 
$ußten teiljunehmen nach biefer ©eite ungehört oerhallen. 
3um täglichen Ärtege, ba* ^ctßt ju fteter S3erfflgung feilten bie 
Dergoge Jeboch nach ber auf bem Nürnberger 9fei<h*tage oon 
1421 aufgeteilten SWatrilel eine Keine SWannfchaft bereit halten: 



1) e. beffen öfcrenbrief in äcitför. f. bentfa. Wtcrtnm VI, 41. 

2) einbette, c. 139. 2>er ton «Dentin (III, 498) im ©ort» 
lernt angeführte ©rief ©einriß* an* brat Saget bor $rag fann ntyt 
richtig dtiert fein, ba er bereits ton fünf jurüdgef^tagenen Kngriffm 
anf ©tyraen metbet. 

3) Andreas Batispon. de exped. in Bob.; Font. rer. Anstr. 1,6, 
428; DiAiinm bei Oefele I, 16; Geraeiner, 9fegenfl6. <£$ronit II, 
443. 




282 



©aicnt 



€rnft, ©tl^elm unb 3o$amt \t 10, Cubnrig 16, $einri$ 20 
48le*en l ). 

ffiie bie fc^merfte Ärieg«not, fo entfällt auch t>on ben fpär* 
liefen gorbeeren biefe« 9leligion«lriege« auf batrifd^ct (Seite ber 
flrögte Seil auf bie Dbetpfalj, too jtoei ber pfäljifthen ffiittel«* 
Bacher, 3ohann oon 3?eumarft unb bejfen ©ruber Otto, mit 
SWut unb (Sifer bie ®egentoehr leiteten unb bie tapfere ©er* 
teibigung be« toieberholt bergeben« befiütmten ffialbmünchen 
burch ben Pfleger $einrich $flug (1425 unb 1426) ') juerft 
toteber einiget Vertrauen in bie eigene ©iberftantofraft toach* 
tief. Salb nach ber furchtbaren SWteberlage be« 8leich«heere« 
bei »ufftfl (3uni 1426) braute ^fatjgraf Sodann mieber 
Gruppen aufammen, befefcte bie $(äfee läng« be« ©öhmewolbe« 
unb brang fogar über bie Orenje oor. 8ra 11. September 
«rfodfrten in ber Stiftung gegen Älattau, aber no<h auf bairtf^em 
©oben einige fcunbert bairifche unb fchtoäbtfche 9teiftge einen 
Sieg, ber bie $u{iten ihre Sßagenburg toftete. 2Rtt «u«* 
jeichnung nannte man ben ©urghauptmann auf ärnfehtoang, 
€ra«mu« ©attelboger, ber in biefem Steffen ba« «ufgebot ber 
©tabt 9iegen«burg befehligte, $einri$ unb 3ohann $flug, 
$eter Äammerauer, ben gähnrich ffiilhelm $aul«borfer unb 
anbete 8 ), greilich fonnte ber errungene Heine ©orteil nicht 
hinbern, baf* bie ©o^men balb batauf mieber oetheetenb in bie 
Dberpfalj einfielen, ©einerfeit« unternahm auch $faljgraf 3o* 
hann im ©pätherbft 1426 noch Jtoei ©treifjüge über bie 
<8renje. 9uf bem granffurter 8?et(h«tage im ftxtyitfx 1427 
toatb eine 9teich«heerorbnung betroffen, meiere ben bamfehen 
$erjogen im SRieterlanb auferlegte, eine jmei 3entner fchiegenbe 
©teinbfichfe, 4 Reine ©teinbüchfen, 12 $anbbfichfen, 10000 
Pfeile, 200 geuerpfeile, ©üchfenmeifter , fytfoer, Äugeln unb 

1) 5>. ff. *. VIII, 159. 

2) Andr. Batisp. Diarium; Oefele I, 25. 26. 

3) Andr. Batisp., Font. rer. Aaste. 1,6, 444. 451; Diarium, 28. 
1431 30g (Sroftranft ^attelboger alz ongSbutgif^et Hauptmann au«; 
@t.-C$r. V, 94 f. 




rntb bie gufUentriege. 



3*nfl jn fetten *)• 3nm biertenmale übertritt im ©ommer 
1427 ein große« beutföe* Äreujheer ba« Orenjgebirge, mit 
ihm §erjog $einrich Don 8anb«hut, ber am 17. 3ult bon 
Slegenöburg auärüefte unb bor 3Wie$ an ber ©pifee bon 3000 
Weitem erfchetnt. Da* Unternehmen enbete nicht beffer at« 
bie früheren: in toilber gluckt ftoben bie Deutfetyen auf bie 
ftunte bom $eranrfi<fen be$ geinbrt bei Sachau (2. «ug.) 
auäetnanber unb acht Sage barauf lehrte $erjog Heinrich nach 
Äegenäburg aurüd *). 

gelb^erren tote 3tjfo unb $ro!oj>, 3beale bon fanatifchen 
®otte$ftrettern, laffen ben ÜÄanget an heroifchen < ?erj5nltctyfeiten / 
ber in ber beulten Nation feit langem ftehenb toar, um fo 
lebhafter emppnben. 3¥ Ä toQt nun geftorben, aber er hatte 
ben fmfiten feinen $efoenmut eingeflößt unb t^rer laftif neue 
erfolgreiche ©ahnen getoiefen. 3ahrjehnte lang behauptete ftch 
nun auf ben ©$la$tfelbern bie bon ihm eingeführte Hnioenbung 
ber Äriegätoagen, bie in Weihen aufgeteilt , mit Stetten unter* 
ehtanber berbunben, burch ©rettet unb ©tro$bfi$er geformt, 
att ©agenburg bem gufcboll fefte ÜDcdung boten, bis im rieh* 
tigen äugenblid bie 93erteibigung$n>ehr jur 9ngriff«n>affe um* 
getoanbelt toarb: au« ihrer SBerbinbung getdft f mit ©lüften 
befefct, oon Weitem umgeben , festen fte fich nach fünftlichen 
Figuren in SBeioegung unb umftridten ben geinb tote mit ben 
ättafchen eine« Wefee«. ÜDa« fchredliche ÄriegSmittet tourbe balb 
bon ben Oegnern nachgeahmt unb fortan fielen bie Sagen* 
bürgen auch im bairiföen $eertoefcn eine nichtige Wolle; bie 
8ngriff«betoegungen iebodh mit ben Sagen au«juführen haben 
bie SDeutfchen, ttrie e« fcheint, ten Jmftten nie abgelernt. 

3m gröhiahr 1428 braufte torieberum ein bermttftenber 
(Einfall ber ©aifen (fo nannten ftch 3ijfa« Anhänger nach beffen 
lobe) über bie Oberpfalj unb ben nörblichen Seil be« ©trau* 
binger Sanbe«, too ber geinb befonber« bie Äir<hhof«befeftigungen 

1) 2). 9fci<h«tag«aften IX, 40. 

2) 2). tt. «. IX, 67; Andr. Ratisp., Oefele I, 28. 30; R. B. 
XHI, 104. 




284 



$u|UenetafSfle. 



bet ©renjbörfer jerft&rte. 9tar ba* fefte Cfarn, bcm 120 
nieberbairifcbe 9?eifige juftlfe geeilt toaren, trotte bem «ngriffe 
be* geinbe«. JDringenb bat ber ©traubinger Cifctum 3o^amt 
*ou 8eu#tenberg um $ilfe; am 21. dum melbet et, baß ba* 
Ctraubinger 8anb ganj oon ben $ujiten fiberfd&toemmt fei 
$erjog Subtoig fofl bamal* einen Serfu$ gemalt $aben, Struppen 
bt* Vföljfltafen 3o$ann, bie bei Straubing ß$ fammelten, ju 
überfallen, au$ berühmten ßcb bamal«, »enn man einem 
©^reiben be« SWarfgrafen griebtMfr glauben barf, bte ffiaifen, 
ba& tynen ber 3ngolftabter $erjog Reifen tootle 1 ). 3nbeffen 
jeigt ein ©^reiben Subtoig«, bafj biefer bamal« gegen bie $ufiten 
rüftete 2 ); me$r bflrfte ber flrrmartung ber Staffen Faum ju» 
grunbe gelegen fein al« bie Ifcatfac&en, bafj auf Subtoig ber 
Sann ber ftirc^e laftete, baß er mit ben eifrigften ®egnern ber 
f>ttfiten, bem SWarfgrafen griebrty unb bem ?faljgrafen 3o$amt, 
ferner oerfeinbet unb ba§ ber Dom Äönige abgesoffene Staffen» 
ftiflftanb jtoifc^en i$m unb feinen Gegnern eben bem ablaufe 
na$e mar. JDurcb beffen Verlängerung mürben bie ©effir$» 
tungen, bag ftibmig lo«f<$lagen mürbe, mieber jurfidgebrängt 
(Ein neue« ©anb jmifd&en ©egnern Submig« $atte bte im @ep* 
tember 1427 Ä ) ju töiebenburg gefeierte Bermätyfong be« Der» 
toitmeten $faljgrafen 3o$ann mit $erjog ffirnft« Softer 
»eattif, ©Urne be« ®rafen ^ermann oon (SM, gelnüpft. 

Um 3Ri$aeli* 1428 fetten bie $uftten mieber reiche deute 
bei (Sfcam gemacht $aben. SJon ber ©efafcung ber ©tabt, bie 
in einen $inter$alt gelodt marb, oerloren Diele geben ober 
gretyeit. «I« aber ber geinb balb barauf normal plflnbernb 
unb brennenb oor ß$am rfidte, marb er unter rfi$mlic$er Zeil» 
na^me be« SanboolW jurüdgefölagen 4 ). Huf bem (Reistage 

1) *. ©egolb, Ä. 6igmmtb unb bie 9tei4*triegc gegen bie ©njlten 
II, 135 f. 

2) ffifirbtnger I, 170. 

3) @o Arnpeck, 311; $5utle, 24. 128 nennt 8. @tpt 1428. 

4) 6o «artmann @<$ebel im clm. 476, L 244. 2>ie Ktyttgfrit ber 
3eitangabe ift jebo$ nic^t gtoeifetlo«. 




yi gronffurt, mo ßc$ bte 3Äfin<$ner $erjoge bur<$ ben ^folj* 
grofen 3o$atm vertreten liegen 1 ), mar (2. Dej. 1427) bte 
(Erhebung einer allgemeinen 9teic$«friegfieuer, be$ fogenannten 
$itffengelbe*, beföloffen morben, bet Unfang }u einer all- 
gemeinen bireften 9Jety$fteuer, an ber tf bisher fehlte. 3eber 
®etfitt<$e foHte bon bera jä^rli^en flrrtrage feiner $frfinben 
ober ©fiter 5 ?rojent bejahen, |eber ©raf 25 ©ulben, ein 
gretyerr 10—15, ein {Ritter 5, ein (Sbelfaety 3 ©ulben; 
Jeber 3ube o$ne Untertrieb be« «Iter* ttnb ©ef<$le<$te* l ®ul= 
ben; bte übrigen 8aien über fünfje$n 3a$re o$ne Unterfc&ieb 
be9 @ef<$le<$M na$ SDiaggabe i^red 93erm5gen$: bei einem 
©efamtmerte unter 200 ©ulben einen ®rof$en, bei einem 
folgen t>on 200—1000 ©ulben einen falben, bei 1000 ©ulben 
unb barfiber einen ganjen ©ulben. Cofale lluäföfiffe fammelten 
We ©teuer unb lieferten fie an fünf $auptfaffen. gfir bie 
bairtfäen Sajibe mar Dürnberg at* ©ammelfteöe beftimmt. 
3n biefer SReUWftabt tagte au$ ber «u*f<$u&, ber bie S3er* 
maltung ber ©elber beforgte unb über i$re $ermenbung utu> 
umfd&ränft verfügen foflte, an feiner ©pifce aW Hauptmann 
9riebri$ bon ©ranbenburg. 

Die «u«fü$rung biefer ©efälüffe lieg iebo$ faft überaß 
tnel ju mfinfd&en übrig. 3n ©aiem mürbe bte ©teuer moty 
erhoben — mte $erjog 8ubmtg flagte *), fogar unter ©träfe 
beä Sanned — aber nic$t, toie angeorbnet mar, an ben <Er> 
bifc^of t>on ©aljburg abgeliefert. Hfle $erjoge maren barbt 
einig, baß man ba« ©elb bem ftutbe ntd^t entjiefan bürfe. 
£>ie SÄün^ner $erjoge liegen fid^ felbft im SRooember 1429 
bie Don ben gretfmger (Einnehmern gefammelte ©teuer be* 
Oberlanbe« ausliefern; ben ©nnefynern erflärten fie, fie mürben 
bie« gegenüber bem $a)>fte über bem Äarbinal fcfym oerant* 
»orten, mürben übrigen« ba* ©elb }u ntyt* anberem ber* 
toenben al« Xxuppm gegen bie $ufiten ju befolben *). Dur<$ 

1) D. ». *. IX, 76f. 

2) $. ». *. IX, 119, *m». 1. 

3) «rennet I, 23; f. an* 25; 2). 9t. *. IX, 151 f. 154. 235. 256. 



267. 




286 



gufüentriege. 



ba* tyren ©unfein entfpretynbe ^reßburger Urteil tourben 
gerabe bie SWüncfyter $erjoge iefct ju lebhafterem (Eifer in ber 
großen Wei#«angelegen$eit angefeuert. 9m 21. Ottober 1429 
fötoffen fie einen ©unb mit bem $faljgrafen Sodann jur 
©etömtfung ber $uftten 1 ). ffiilfclm toottte bamatt (6. SRoo.) 
felbft na# 895$men jicfcn; ba ftdfr $tnberniffe entgegenfteHten, 
lieg er toenigftenä bur$ feine Struppen einen 93ertoüftung«jug 
über bie Orenje ausführen *). 

«1$ ber »önig im »uguft 1430 auf bem ©traubinger 
Wei$$tage erfd&ien, toarb er bort oon ollen bairif$en §erjogen 
begrüßt. $einri<$ 9lot$aft tourbe bamal« als be* ftfotig« oberfter 
Hauptmann bor bem ÄBalbe mit ber Leitung be$ täglichen 
ftrtegtf beauftragt, auf 6. Ottober toarb jur «btoe$r eine« 
brofcnben boppelten ©nfaü« ber $>ufitett bie änfamralung 
{tarier $eere«ma<W in 6$am beföloffen 8 ). 3m gebruar 1431 
fanben außer Crnft, ber }ebo# burety feinen ©o$n oertreteit 
toar, lieber ade bahrif^en $erjoge in Dürnberg auf bem 9tet$6' 
tage ein 4 ), gür bie ftrtegä&ilfe ber ©tänbe koarb bort eine 
neue SWatrifel feftgefteflt, beren ©äfce bebeutenb $ö$er »arm 
aW ber erfte Mnfälag Don 1422. gür jeben ber oier hau 
riföen $crjoge tourben iefct 120 ©leoen feftgefefct mit ber 
©eftimmung, baß für jeben Meifigen brei Sßann gußoolf in 
9tafc$Iag gebraut toerben bürften. ©a$ biefe« betrifft, fo 
fotlten alle bairifd^en $erjoge in tyren Sanben ben jtoanjigften 
SWann ausgeben unb ein ©efety ber SWüncfcner $erjoge an tyren 
Crb^ofmeifter im SRieberlanbe, $an$ oon üDegenberg, Dom 
1. SWai 6 ) jeigt, baß fie biefem »efd&tuffe golge leifteten. 
gerner foüte $erjog $einri# eine große &ü$fe, 6 ftammer* 
bü^fen, fonft brei, „bie groß tote ein $aupt fließen", unb 
6000 Pfeile, Suboig ebenfo Diele Pfeile unb 4 ©fidften ber 

1) R B. XIII, 163. 

2) Andr. Batisp. ehr od. nn. bei Eccard I, 2158. 

3) 2>. «. «. IX, 454 f. 

4) Sinn flgb. ©Ubctfe, c. 255. 256. 259; *. ©«|Olb III, 90, 
tum. 3; D. «. «. IX, 517f. 599f.; ©ürbUger I, 177 f. 

5) «rroben IV, 17. 




2>ie $omt bor San«. 



28T 



festeren 3trt, bie 3D?ün<$ner $erjoge eBenfo biete Pfeile un> 
8 Äammerbfi($fen fteflen. S3on ben bairiföen SBifö&fen $atte 
Cid&ftabt 30, $affau 40, greifing 20, 9tegen«burg 5 ©leoen 
ju fteflen. 

Die £ruM>en ber SWünctyner $erjoge fammelten fidfr, tote 
im ftriegfylane befd&loffen toar, am 30. 3uni jtDtfc^en <5$am 
unb bem ©ö§raern>albe 1 ). Die $erjoge felbft, au$ ber junge 
«(brecht 2 ), jogen am 7. 3uti im Oefolge be$ fcäpfttid&en gegaten, 
beä Äarbinate Oultan ßefarim, au£ Börnberg au«. (Sin ge* 
toalttge« §eer, tootyl an 100 000 SDGann, toat oerfammelt, auf 
ba* man na$ fo Dielen <£nttaufc$ungen normal bie befte 
Hoffnung fefcte, toien>o$l e$ jum großen Seil au* IriegS* 
ungeübten SBauern beftanb. Unter ffir$terti$en SJertofiftungen 
unb SWefceleien erfolgte ber 83ormarf<$. Ära 14. Äuguft lagerten 
bie Äreuafafcrer bor £au$, aW bie SRacbrutyt, baß bie $uftten 
unter <ßroIop fcranrüdten, benfelben panifäen ©Breden er* 
jeugte, mit bem ade früheren ffreugjüge f$mä$li$ geenbet 
Ratten. Die ST^atfac^e lägt fi$ ni<$t beföönigen 8 ), baß bie 
©atern in ber 5Ra$t mit 3urfi<f(affung tyrer ©agenburg 
alö bie erften ben Wfldjug antraten, o$ne baß flc einen 
geinb gefe^en hätten. Öftrem SBeiftriet folgte am nackten 
SMorgen ber Oberfelb^err griebri^ Don SBranbenburg; au$ ber 
brüte $eer$aufen unter bem Äarbinal unb bem $erjoge oon 
©aebfen fcielt bem gelnbe ni<bt lange ©tanb unb in toirrem 
ftnauel flo$ batb ba$ ganje $eer Aber bie ffialbberge jurütf, 
$art bebrängt bon ben ©erfolgern, fo baß Diele lote unb ber 
Serluft faft be« ganjen ftriegämatertaW ju beflagen toaren. 
Die Äug«burger bantten bie Rettung be$ irrigen ber untätigen 

1) K. B. XIII, 207 ; 2>. m. 8. IX, 545. 

2) 2>er ©ert$t in 2). 9t. B. IX, 560, nennt fester im Sager bei 
fBeiben nnr Hlbre$t. 

3) SWan $at ju tiefem 3wde betont, baß ber Äurfürjt bon @a$fen, ju 
befien $Üfe bie Sürßen &orne$ratt$ in* gelb rüden moflten, fic$ geweigert 
bafce, eine #erbtnbü<$tett für ben @$abenerfa$ ju übernehmen. SRag 
barfiber SWtßftimmnng ge$errf$t fyiben, jebenfafl* bnrfte man nic^t in 
bem Sfagenbtid, ba ber getnb in 6ic$t mar, ben Äfidjng antreten. 




gufltentrtege. 



gtyrung ifftt» Hauptmann* <5xa*mM ©attetboger, bagegen 
©erlore» bie Äegeitfburger, bie unter beut $au)>tmamt ©aller 
astfgerfidt toaten, alle*, fo bat fle no<$ }u SlDentttt« 3*tt bon 
ben folgen btefe« »erlufW fty utyt erholt Ratten 1 ). 

SDWt fo freDel^aftem ganatttmu* $atte man ein 3a$rje$nt 
borfcr ben Stampf gegen bie $uftten aufgenommen, bat bie 
fturfütften bamatt befahlen in ©tymen aüe$ totjufälagen mit 
Äu$na$rae ber mtmfinbigen ftinber, unb nun toar ein ftotje* 
$eer ber Deutfetyen na$ bem anbern, tote ein $ufitif$er Dieter 
fang, * {ergangen örie 9tau$ unb jerfloffen mte ©a$«. fc ©gen* 
tümtt$ mar, bog bie @$ma$ ber geigfrit, ber gluc$ ber Un* 
fätygleU unb be« SRtßerfolg« fü) regelmäßig an bie großen 
8reujfa$rten ber ®efamt$eit fnfipfte, mä^renb Heinere Unter* 
ne^mungen lofaler ©treitfräfte öfter glitöttt# »erliefen. ÄW 
ftSnig ©igmunb fcon ber f$redtt$en 9Keberlage erfuhr, mahnte 
er in befonberen 3fa*f$reibett bie rfctnifcben ©tänbe unb ben 
$erjog gubtoig oon Sngolftabt jum Stufte ber bairifefcn 
©renjen au*jurtt<fen ; ba fle fU$ an ber großen $eerfa$rt ntt&t 
Beteiligt, foQten fle nun tyre Aufgebote brei Sßonate lang am 
«tymertoalb )um täglichen ftriege auffteden. 3nbeffen $alf 
man fl<$ bort au* eigener ftraft. 9m 15. September erlitt 
eine Wtymtfctye @<$ar, bie «rnföfcoug niebergebrannt $atte, 
burety bie tafety gefammette 3Rannf$aft bed öejirK eine &dfiappt. 
3n ber ©egenb Don ©<$8nfee maren !at$olif#c Söhnen unter 
P^rung fyntd ftrufätna« Don ©(fyoamberg, eine« alten 
$ufttenfeinbe«, eingebrochen, um 9tac$e )u nehmen bafftr, baß 
au^ tyre ®lauben*genoffen bei bem legten ftreuajuge oon ben 
S)eutf($en mifftanbelt toorben koaren. (Segen biefe jog $erjog 
Smft oon Straubing au* unb trieb fte au* bem 8anbe. 
Schloß «eidfrenftein im ©tymertoalfce, ba* ben Jmfiten burc$ 
»errat ausgeliefert »orben mar, ließ ?faljgraf Separat im 



1) et-C^r. V, 94f.; Gemeiner III, 22; Streunet I, 68. «n<$ 
ber ©iföof wm gUWffbt öerlor feine 32 fttiegtoagen nub bie gan»e 
tfoWlftamg. Vitae pontif. Eystett, 16. 




@ieg fij&er ble $njltett bei $Uter*rieb. 



289 



September 1432 belagern, bt* bte SBerteibiger fich jur Übet' 
gäbe bequemten 1 ). 

3u einet großen Unternehmung gegen bie fmftten oermochte 
man fleh nach ber $amf oon Saud nic^t mehr aufouf$u>ingen. 
Such ber $lan ber Witterfchaft, ohne bte gutften, nur mit einer 
©elbbeifteuer ber Ätrche, im Sommer 1432 einen neuen gelb* 
jug &u unternehmen, gebteh nicht jur Xfyat 8uf bem Sage 
ju ©inb«h*tm, ber batflber im September 1431 beriet, toaren 
bte Witter f c^aften Ober» unb hiebet batem$ burch $etmeran 
ülothaft unb Wibrecht greubenberger oertreten*). 

Die toaderen Oberpfälzer aber errangen in bem Wachfptet 
ber grofen Äriege einmal fogar in offener gelbfchlccht noch 
Siegestor beeren. SU« ^rofop im September 1434 einen $eer* 
häufen jur ^lünfcerung läng* bc$ SBöhmirmalbeS über bie 
©renje emfanbte, trat bem getnbe bei $>tlterörteb eine oon 
¥faljgraf Sohann rafch gefammelte Schar entgegen. 3n 
Äreujeflform auf bem ©eben auägeftredt, flehte ter ^faljgraf 
oor bem Ältar ber flirre in Weunburg ©ott um ben Sieg 
an. XBahrenb fceffen ftanben bie Seinen fchon in feigem 
Stampfe. Heinrich $flug oon Schmalenberg mar ihr fmupt* 
mann, SBilhelm tywttborfer, ben ein ^feilfchug fehler oer* 
nmnbete, trug ba$ Sanner; in ben Weihen ber Witter fah man 
ben fubjigiährtgen Sohann 3 en 8^t. Die Böhmen flohen, nach' 
bem fte, mie es f)t\it, 1400 lote unb 330 fchtoeroertounbete 
befangene oerloren hatten, toährenb ber 33ertuft ber Sieger 
nicht mehr aW 10 Witter unb 129 äMann betragen fyabtu foCL 
3m Weger.Sburger ÜHünfier toarb eine Danffcier für ben Sieg 
oeranftaltet unb aW «nbenfen be$ ruhmooüen läge« £ing 
3ohann$ Sanner biö in unfere &ät in ber ftirdbe oon SWeun* 
bürg oor bem Salbe. (Sine »richtige SRachnritfung trt Srfotge* 
toar ba$ 3Wi|trauen in bte gührer, ta$ nun im bShmtfchen 

1) Andr. Ratiap bei Eccard, 2161. 2162; Arnpeck, 312; 
©inbede; *. »ejolb III, 158; ffiürbinger, I, 186. 

2) Äerler in 2). 8. *. IX, 502; Ogt 627. 
«tejte*, Ocftiftte Calcrn«. m. 19 



290 $ro)tß Jtafpart be* jWrringer* gegen $. fceinruh. 

Saget ewachte : e$ gab fuh fo entfetteten funb, baß $rofot> für 
einige 3 ci * $ e<r berltejj 1 ). 

SKittleweile hatte $erjog $einri$* alte« geinb, ftafpar 
ber Idtringer, ©on $au$ unb $of bertrteben, ohne 9?aft unb 
Stüh' bie ©fihne alte* Übel*, ba« ihm fein gurft jugefügt, auf 
bem fte<ht*toege }u erlangen gefucht. 3 ttnäc W 1*22 in 3?ürn* 
berg bor bem ftönige, unb feinen SJorftettungen toahrfcheinlich 
hatte e« bie beutfehe {Ritterfchaft ju banfen, baß ©igmunb ba* 
matt (13. @ept.) ihre ©ünbntffe nicht nur gemattete, fonbem 
fogar }u folchen aufforberte. Huch in feiner eigenen ©ache 
hatte ber lörringer in Arnberg fo Diel erreicht, bafc ©igmunb 
ben §erjog §etnrich annrieä, ben $anbel bor fieben ober neun 
feiner State, bie be* lörringer« ffiappengenoffen »ären, ju 
bringen *). ©ei e* , bafc ber $erjog ben föniglichen Sefeht 
nicht beamtete, ©ahrfcheinlicher boch ©eil fich ftafpar oon $einrich$ 
Beamten al* Stiftern nicht* ®ute* erwartete, er toanbte fich 
nun an ein neue« gorum, an bie toeftfälif^e SSehme. Unb 
nun beginnt ba« eigentümliche, aber für bie £eit bejeichnenbe 
©chaufpiel, baß länger als ein 3a$tje$nt hinburch ber rechtliche 
tütftrag ber toichttgfien bairifchen ©treit^anbel bor toeftfalifchen 
(Senaten gefugt ©irb. Die firflärung liegt in ber $erfon 
unb ben SSer^altniffen be* Äönig*, ber in unb außerhalb be# 
{Reich* }u btel in Änfpruch genommen mar, um ben $fft$ten 
feine« oberften {Richter amte* geregt ju ©erben, beffen leicht- 
lebiger 9iatur aber auch &*r rechte firnfi für Oefdjäfte, Stfer 
unb Sbt^axxlxdfUxt fehlten. 

Die alten (Berichte ber toeftfältfchen Sehnte richteten in be* 
ftönig* tarnen unb an beffen ©teile unb folgerten barau* ba* 
Stecht ihre ®erichtägetoalt auch ö&« Surften ju erftreden. 8u* 
bem gaiQen {Reiche toanbten fich an biefe fftciftfihle SBebrängte, 
bie sor ihrem nächften {Richter nicht {Recht erlangen fonmen. 

1) ©ff. Arnpeck, 312; Andr. Batisp. 2164. 2165; ©Inbede, 
c. 292, »o $f!ng irrig aß ©»hme bezeichnet toirb; »erh. b- hW- «er. 
b. Obertfalj XIV, 324 f. Sgl. an$ ©flr binger, 189. 

2) Dürnberg, 1422, 18. ©ept; gre^berg I, 228. 



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$ie nKßfttiföen ®ert#te. 



291 



©ei bcr $errf$enben 9ie($t$unji<$er$cit mar i$r Hnfe&en mächtig 
geßiegen unb ber ftretö tyrer ©erbinbungen fe$r erweitert. 
9üi$ unter ber bairi)<$en 9iitierfc$aft lebten mele, toeld&e bie 
ffifirbe eine* greiföSffen erlangt Rotten , ein Slofner, ^tntzx, 
©eibolbäborfer, 8eoj>rec$tmg, £aitenba<$, ©tauf er ju Grrnfel«, 
SBolf fteuter f ©anbijell u. a. 1 ). ©ejonber« aber ti>uc$« bcr 
Änbrang ber batrifctyen Slbeltgcn jum ©eftfälifcfcn ©ctyöffentum, 
all nun gegen unb jum SCett burdfr tyre $erren eine Äetye bou 
Wecfytäfireitigleiten oor ben ©eingeritten eingeleitet mürbe, 
©on ben §eTjogen felbft glaubten 8ubn>ig, $einri$ unb ffiityelm 
bur# ben gleiten Stritt i$re ©a#e förbern ju uiflffen. 

Die ungemein bertoicfelten ^Jrojcffc , bie fi$ bamaW ent* 
fi>annen, mährten länger al$ ein 3a$rje$nt. 3n tyrem ©er- 
laufe ift fotoo&l gegen ftafcar ben IBrrtnger al* ben $erjog 
$einn$, gegen tiefen fogar jtoeimat, in einem weiteren $iemit 
nit^t jufammenfttogenben ^rojeffe awfc gegen ben $erjog 8ubti>ig 
ba« ©eroe$mung«urteil ergangen , ofyie bajj jebod? eine« biefer 
Urteile oollftrectt toorben toäre. £)e3 lörringer« Silagen im 
erften ^rojejj gingen bafcin, bag i$m ber $erjog ba* Säger* 
meifter* unb ©anneramt entriffen ober vorenthalten, feine 
©tammburg jerftört $abe unb ber <£$re tote bem Weckte au«* 
getöteten fei. §einrt$, ber bte 3uftänbigfeit be* toefifäliföen 
<&eri$te$ feineätoegä beftrttt, mar bur$ ©eoottmäc^tigte ver- 
treten, ©eine ©erteibtgungaförift ift und erhalten; ebenfo bie 
für tyt gfinftigen 3^9«^/ bie er bon bairifd&en gretfe^öffen 
beibringen tonnte s ). Hlä er aber im SKooember 1424 in ©e* 
gleitung feine« getreuen branbenburgifäen ©c^magerd bor bem 
(Beriete erf$ien, oon bem nun ber ©egner für feine ©ic$er$ett 
fftrt&tenb loegblieb, marb (14. Sttoo.) unter ber 8inbe ju ©a$fen<» 
Raufen unter bem ©orfifce be* fturb SRube, Breigrafen ber 
$errf$aft SBalbed, ein Urteil gefällt, baä ben $>erjog oon allen 
8faft>rfic$en unb Älagen be$ Sflrringer« entbanb. 

1) ». gte^berg I, 235. 237. 286. 340. 360. 370; £$ierf$, 80. 
8gl über bte Duetten oben, €5. 250. 2)arßettimg au<$ bei *. gtev- 
fcerg, SanbpSnbe I, 386—408. 

2) ». grelfberg, 229. 235. 237; jum ffgb. 287. 244. 

19* 




292 ^rojefj ÄafoarS bt« Xöninget* gegen $. $einri<$ 

Dtefcr toanbte ft$ nun tirieber an ben Äönig, inbem er 
burcfc Beugni^ erwartete, bag fturb Stube felbft oer&efynt fei, 
bemnadfr Aber niemanben rieten Knne. ©igmunb übertrug 
bie ©eitere Unterfud&ung bem <£rjbifc$ofe Dietrid^ oon Äöln, 
&or beffen ®eric$t tooty ber 23rringer, nic^t aber $einric$ 
ersten. Site biefer ©fi$neöetfuc$ ift bann au$ ein t>on ßubtotg 
Don ber $falj unternommener o$ne (Srgebni« geblieben, $erjog 
^einrieb aber $atte mittlerweile (11. Styrit 1426) bur$ fturb 
Stube ba« Urteil ber S3ert>e$mung gegen ben lörrtnger ertirirft. 
Dagegen fyitte ftafpar bie metften gretgrafen auf feiner ©eite. 
3Xd?t berfelben mahnten ben $erjog (24. gebr. 1427), fic^ 
gütlich mit feinem ®egner auäeinanbcrjufefcen, toibrigenfatl« i$m 
ba$ $etmlic$e ®eric$t fo na$e tommen ©erbe, tote fte ni#t 
münzten, bajj einem gürfien gefc$a$e. 

Die Drohung toutbe jur 5E$at, fotoie $erjog Subtoig nac$ 
ber 8tü<ffe$r in feine Sanbe ten lörringer beftimmte, gegen 
$einri$ einen neuen ^Jrojeg anjufirengen. 9U6 ßubtoig« $ro* 
furator unb juglety im tarnen be« 9titterbunbe$ trat nun 
Äafpar bor bem 93e$mgert$te mit ben neuen ftlagen auf, bajj 
$einri<$ gegen feiner SSoTfa^ren unb feine eigenen ©riefe ge* 
fcmbelt unb feinen Detter ju Äonftanj meuchlings überfallen 
$abe, unb ertoirfte oor bem greiftu$le ju Himburg gegen $einric$ 
ba« Urteil ber S5ert>e^mung (21. 3uni 1429). Der $er}Og 
toarb „oeroe^mt unb verurteilt au« ber regten £a$l in bie 
unrechte 3 a W# au * buc e<$ten 3&W in bie unechte 3 ö $*f au * 
ber oberen 3*^ xn tie niebere 3 Q #> Don aUen Kenten ab« 
gerieben, gemiefen oon ben vier (Elementen, bie (Sott ben 
SRenfc^en yam Irofte gegeben, bag fein &t$nam nhnmer baju 
gemengt »et ben fotte, toenn er niebt baju geführt »erbe aW 
ein miffet^ätiger 2Renf<$ unb fein $att unb feine 8e$en Der* 
fallen feien bem heiligen 8teicbe unb bem Äönige.' $etnruh« 
Untertanen »urben burch atunbfdjreiben aufgefotbert , ihren 
$erjog nväft mehr ju belaufen noch ju beherbergen unb ihm 
feinertei menfcbli^en Iroft au gewähren; ber bairifche grei* 
fd^öffe ffiilhelm SBolfftetner erhielt ben ©efefcl in biefem ©inne 
ju öritfen. 8ln ben König aber erging ba* änfudben, er möge 




»or ben 8e$mgerlc$ten. 



jur SJollftrecfung be« Urteil« feinen ©eiftanb gefahren, ©ig* 
munb, ber in Ungarn toeilte, ffattt jmar um biefe £eit au« 
Änlafc ber SJeroehmung eine« anberen Sötern, be« (Sr^art 
ÜÄudentyaler, ben §erjogen (Srnft unb ffitlhelm crttären laffen, 
baß fein $err, gürft ober fturffirft t>or ben heimlichen ©eruhten 
gefreit fei. 9uf ba« Änfinnen ber S3ehmrichter fcott Simburg 
einjugehen mar er jebod^ um fo meniger geneigt, ba ihr Urteil 
balb t>on einem anbern meftfälifchen Oerichte umgeflogen mürbe. 
$erjog $einrich nämlich ^atte mittlermetle al« feine ©e&ofo 
mfichttgten ben ^faljgrafen Otto t>on 2Ko«bach, ber eben feine 
lobtet Johanna geheiratet hatte, unb fünf (Steuerten nach 
ffieftfalen getieft unb ermirfte t>or bem greiftuhl au $alfer 
an ber fttrch«labe, einem ©ertöte be« $erjog« Slbolf ju 3ülich, 
einen ©pruch be« ^reigrafen $einrich Don Sal6re$t, ber 
(2. SDtat 1430) feine $ert>e$mung a(« ungiltig er Härte, mo* 
gegen bann tirieberum bie Simburger «Ritter proteftterten *). 

Äaftar ber lörringer ^at biefe fflenbung ber Dinge nicht 
mehr erlebt, er fcheint in ben erften SWonaten be« 3ahre« 1430 
geftorben ju fein *) ; Aber fein <£nbe felbft fehlt j[ebe Nachricht, 
©ich au«jumafen, mie ber feit fcier Sauren mit bem 83er* 
t>ehmung«urteil ©elabene ber fchauerlidfcn 3uftij ber heimlichen 
Berichte erlegen fei, ift ieboch nur einer um bie ^tftortfc^e 
gorfchung unbelümmerten ^ß^antafie geftattet. Dag ber alte 
Stifter eine« natürlichen lobe« geftorben, müffen mir al« h&hft 
mahrfcheinlich betrachten, meil ein gemaltfame« Cnbc be«felben in 
ber großen äftaffe ber über tiefen $anbel erhaltenen Urfunben unb 
Äorrefoonbenjen boch mohl ©puren hinterlaffen hätte, jmeiten« 
auch bar um, toett ftafoar« ©ohn 33rg in biefem gaüe faum 

1) *. a. D., 272—284.290.306; £$ierf$, 66.79.83.85.11.96. 

1) 3 n «ff tt>itb er 12. SRSra, dominica Reminiscere 1430 oft t*r* 
Porben ertönt; b. Bremberg, 307. ©eitere 3engniffe bann bom 
26. mtt nnb 9. tyrtt; a. a. O. 303. 305. fcö^fer« (©. 60) an- 
gäbe, bog fein £obe9tag jttiföen 20. Sunt 1429 unb 26. SDWrj 1430 falte, 
ifl alfo ungenau, einen gegriffen «n^alt baffir, baß Äafoar auf feinem 
Stoffe $ertenfcin geftorben ifl, bo<$ feinen ©etoei« bietet, mA X8£fer, 
2>. 51, «nra. 72, erneut. 




2M $ro)ef} |tt)if*en ben $er)Ogett Subtoig 



nnterlaffen $ätte ben $rojefj toeitet ju Verfölgen. 3örg aber 
tonnte (18. SWärj 14dl) }u Starnberg bor Ädnig ©igmunb 
befätoSren, ba§ er ben ^rojefj bor ben toeftfällfc^en (Senaten 
toeber in eigener $erfon nod) burd? einen 8e*oUmä$tigtett 
n>eiter betrieben $abe. Cr fu$te bietme$r burdfr Vermittlung 
einiger gfirften bie ®nabe feine« 8anbe«$errn ju erlangen, 
meiste febodfr erft na$ Serfcnblungen auf beut Äonjil ju 
©afel bur$ bie ©ertoenbung $erjog ffiityelm« ©egnabigung 
unb bie Mfrtgabe feine« dxtt», fotoett ba«felbe ntyt bereit« 
bom $erjoge fceräugert morben toar. Die SBurg SEörring fette 
Jebo^ nie toieber aufgebaut toerben; au$ blieben ba« 3Sger* 
metftet* unb ©anneramt bent $aufe SEörring endogen 1 ). 

ffia« ftafpar« ©o$n unterließ $atte bagegen $erjog 8ub* 
»ig, burdfr ben lob feine« ©erbfinbeten unb ©eboflmäd&rtgten 
triebt beirrt, mit re$t$aberifc$er $artnätfigfeit fortgefefct. ©c$on 
im SWai 1430 erhoben neue $roturatoren 8ubtoig«, bie 8rei* 
fäöffen Sienfart ©anbijefler, Äonrab 3efler, unb fein SRat 
ffiityelm $ütinger, bor beut ©e$mgeri$te Älagen gegen $eism$ 
m$t nur toegen be« ftonftanjer Überfall«, fonbern au<$ megen 
feine« ©erfahren« gegen ben berftorbenen lörringer, beffen 
©a<&e Submig nun ju ber feinigen machte. ÄI« neuer ftlage» 
punft toirb nun betont, bafi ber ?anb«$uter $erjog bei ber 
(Eroberung lörring« au$ „ein fänöber grauenfcfyänber" an 
ftafoar« $au«frau getoorben fei, ba er i$r ftteiber unb ffiäf^e 
genommen $abe. Der ©eHagte toarb toieber^olt bor ben 
greiftuty ju $emeting$of gelabert, lieg aber in ftötn burdfr feinen 
»tat, äÄeifter $>ebirt^ ©aruter, einen greifd&öffen , bagegen 
proteftieten (21. SRoo. 1430), ba ber $anbet oor ben ftönig 
gebraut fei unb er fic$ nk$t oor jtoei ©engten toegen ber* 
felben ©a<$e ju oeranttoorten brause *). ©eim fiönige aber 
gelang e« $einri$ in ©traubing ben ^eftigften £oxn baTüber 
toaetyurufen, ba| gubtoig ben $anbel oor ben ©eingeritten 
normal aufgerührt $abe. ©igmunb ging fo loett, ßubtotg befr 

1) b. gtev&erg, 308—313. 

2) fc$ierf$, 99f. 132; grev&erg, 352. 




nnb $ewrtih bot ben ©e$mgtruhten. 



2» 



toegen auf acht Sage ttac^ ÜÄtchaetiS ben gtieben aufjuHhtben. 
Subfeig tooflte bamat« felbft nach SBeftfalen gehen, um ©iffenber 
ju toerben, fah fi<h aber nun burch bie getabfchaft be* Röntg* 
baran berhinbert *). Dem greigrafen ©ernb Imfer unter* 
fagte bet ftönig toieberholt (juerft 16. Dej.), bie ©ache toetter 
ju »erfolgen, fanb iebod? lein ®ehör. 3uerft liefe fl<h Dufer 
nur )u einem Kufföub beftimmen, bann entf<hteb bet 9tat ber 
greigrafen, ©enn in einer aufgeworfenen ©ehmfrage an ben 
ftönig appelliert toorben fei, ßnne Wefer nur bor einem greW 
ftuhte toeiter barflber berhanbeln *). Diefe u>eftf&Iif$en ®e* 
richte traten augenf<hetnltch intern ^öd^flen ©eric^tt^errn felber 
über ben ftopf getoathfen. 

äRittleweiie (@ept. 1430) föicfte ber ftdnig ben $erjog 
flrrnft nebft bem ©ifthofe 3o$ann oon «gram na<h Litauen, 
um ben jum Shriftentum fibergetretenen $erjog ©tarfb jum 
ft&tige ju frönen. Da febo$ ber ft&nig bon $olen, ber einer 
Sr^ebung ©ttolbS toieberftrebte, ben Durdfoug burth ®rofr 
polen Einbette, teerte bie (Sefanbtfdfraft unoerrichteter Dinge 
heim, ohne, nrte e* fcheint, meitet al* M* ©erlin oorgebrungen 
ju fein s ). 

3n bem gegenfeitigen »er^ältniffe ber bairifd&en $erjoge 
toareu toohl mandfre $änbel ausgeglichen »orben, aber auch 
neue Sollen aufgeftiegen. 8ubtoig hatte nicht fo balb bie 
{Regierung feiner burch bie (Stoberungen be* ©ranbenburger* 
unb SReumarltert fehr gefchmälerten Sanbe toieber übernommen, 
all auch bie gelohnten nachbarlichen {Reibereien toieber be- 
gannen. 3u ©traubing lam nicht nur ber ©treit jnrifchen 

1) e^fiter aber hat et fein »orhaben ausgeführt; 1436 erfcheint et 
•tt gt«if(hWe; greijberg, 372. 

2) £hietf<h r 89. 90 114. 117. 119. 121—131. 3n bem treiben 
bet tngolftöbtifchett Ä&te, 89, nnrb $. $einri<h aW „ber Statut" f^lec^t- 
toeg bejelchnet, mclffi nicht um ein öeheimni« ja »ahren, fonbtnt toegen 
feinet ©ertehmnng. 

3) Andr. Batisp. ehr. Bav. 112; ©ilbenberg (cgm.5219, f. 413). 
3 oh. Rothe (t>. flliencron, Rüting. <&eföuht«qneflen III, 670) nennt 
irrig $erjog Ctnft bon £>fterret<h alt ©efonbten. 



296 



Nürnberger Urteil gegen $. $ehtri$ 



Subtoig unb $einrich aor ben ftSntg, Dom Äuguft 1429 bis in 
ben SWäta 1431 mühte fleh boxt auch ein ©chietogericht Don 
fünfunbjtoanjig ftänbifchen $>erren unter beut »orfifce be« Srb* 
hofmeifter« {Kind Dorn Degenberg bamit ab, in einer langen 
Steide gegenfettiger Wogen jtmföen Subtoig unb ben 3Rän$ner 
$erjogen Stecht ju fpretyn, toegen ber Dorn ÄSntge angeorbneten 
Städgabe ber (Eroberungen, toegen Leitung ber t>on §erjog 
3ohann $tnterlaffenen fahrenben f>abe, »egen ©tragen unb 
»r&fen, alten ©Bulben unb S5fung fron $fänbew. Durch eine 
ton ben 3Rfin$ner $erjogen torgenommene SDMnjänberung 
fah fi# Subtoig beeinträchtigt, toährenb bie üWün^ner barflber 
unjufrieben toaren, bafj Subtoig im ©tberforuche mit ben Sanbe«* 
frei^eiten Ämter mit gremben befefcte. Über aBe biefe Streik 
fünfte ergingen nun Urteile be« ©chietogerichte«, metft ju Utu 
gunften Subtoig« lautenb, ber ft$ etnerfeit« geioaltfame Über- 
griffe erlaubt, anberfeit« manche ganj leichtfertige unb un* 
begrfinbete Älagen erhoben hatte. 

(Snbltch lam bann in Dürnberg bor bem ftönige unb einem 
gürftengerichte, in bem u. a. bie CrjbifchSfe fron ftJtn unb 
üftain), Stfc^of ftonrab oon ftegetrtburg, $erjog ©tlhelm oon 
Satern unb $faljgraf ©tephau fajjen, auch -feSStg« Klage 
toegen be« ftonftanjer Überfalle* jur Serh^ubtung. Durch bie 
grieben«auffünbigung be« ftSnig« eingefchüAtert , ^atte auch er 
fleh bereit erflärt, t>or bem ftSntge Stecht }u nehmen, »ierjehu 
3ahre lang toaren feine XBunben nun vernarbt, aber h*ß 
brannte noch immer feine SRachfucht. SRachbem $einrfch *er* 
geben« oerfucht tyittt, bie Wage feine« Setter« burch bie ®egen> 
(läge, baß biefer ben Düringer unb ©anbijeöer toiber ihn ge* 
heftt, ju burthlreujen , forberte Subtoig al« ©ühne, bag ber 
Sanb«huter $erjog ehrlo« erflärt unb aller feiner ffifirbeu 
enttleibet toerbe, feine Sanbe aber ihm, bem ftläger, jufaHen. 
gerner foQten ihm fieben ffiunben, barunter jtoei leben«- 
gefährliche, beigebracht unb überbie« bie $anb abgefchlagen 
toerben, mit ber er ben ©ttch gegen ihn geführt hatte. Dabei 
fchtoebte Subtoig toohl ber bei fchtoeren 93ertounbungen geltenbe 
tte<ht«fafe feine« §irfchberger Sanbgerichte« t>or: ein ©lieb ge* 




fecgett beS Äonftanjer Ü6etfaSe8. 



hört ttribet ba« anbete 1 ). Sie fleh benfen tä§t, fanb bet 
(SettthMh^f biefe gotbetungen boch aflju ftatf. Cr mefaite f 
bie« toäte fein „gefeilterer ©anbei", fonbern eine gtaufame 
SRache, unb fein Urteil, ba« am 22. 9ftät$ 1431 auf bem 
9tötnbetget {Rathaufe erging lautete Diel tnilber. $eintich ^atte 
feinen SSetter um SSerjei^ung ju bitten, ihm 3tf)Tm$%< unb 
Ätjneifoften ju etfefcen, btri enrige äßeffen, eine in Äonftanj, 
bie anberen in Subtoig« Sanben ju ftiften unb binnen 3ahte«* 
frift enttoebet felbft ober bnt<h ©teltoetttetet, einen (Stafett 
ober grei^errn mit jtoei Begleitern, fünf ©allfahrten ju Oer* 
tickten: jura ^eiligen (Stabe nach 3erufalem, na<h {Rom, Sachen, 
Sinftebeln unb jum ^eiligen ©lute nach SEBilfnacf in ber 2Watf. 
Auch fottte et für gubtoig ^unbett (Steoen gegen bie $ufiten 
fd&icfen unb btei Sßonate auf feine Soften unterhalten. Auf 
ben §aupU unb Äu«gang«punft aflet biefet ©tteitigfeiten, 
gubtirig« ©efchtoetbe übet bie 8anbe«teilung , ging ba« (getickt 
ni#t ein. $einti<h untettoatf fi<h bem Utteite unb letftete ju 
Slfitnbetg, fo fettet e« ihm gefallen fein mag, feinem grimmigen 
geinbe bie ootgefchtiebene Abbitte. Die gebotenen SBaUfa^rten 
lieg et but$ ©teltoetttetet au«ffihten: nach 3etufalem ging 
®raf $einti<h oon SWontfott, nach ©nfiebeln beffen ©tuber 
SSil^elm, nach {Rom $ett Uttich oon gäbet, nach Slawen ®raf 
(Emicho oon Seiningen, jum ^eiligen ©tut in ffiilfnad ®taf 
Albrecht oon Sinbau unb Vtuppin s ). gubtoig hatte bie Abbitte 
feinet Rettert mit bet flftflätung entgegengenommen, bag et 
t^m bie 2$at oergebe „nach 3nhalt be« Urteil«", aber 
oon aufrichtiger 33erf&hnung toat feine {Rebe. An feinem 
ffiiberftanb tft bamal« toohl auch bet $lan gefcheitert, bet bi« 
jum (Snttoutf be« $eitat«oetttage« (25. 3uli 1431) 8 ) gebieh, 
monach fein ©ohn gubtoig eine Sottet feine« feiten <St$* 

1) Äalfer Subtolg« £anbgeri$ttorbniitig f. $trföberg bon 1320; bei 
Jt renn er, $of geriete, 59. 

2) 2). ». *. IX, 594f. ; Urteil bei «autle, »citrfige, 62f. ; gte^- 
berg, Sanbflfinbe I, 482; ffiinbede, c. 258; R. B. XIII, 153 f. 196 
bi« 198; Arnpeck, 383; Uttanbe (1431, Ott. 26.) im tt.-A. 

3) ©ei «fintle, »eitrSge, 14 f. 




296 $5nbel ber SRün^net $er)Oge mit $. $«inrt<$. 



feinbe«, SBargarete bon ©ranbenburg heiraten unb bereit 93ater 
griebrfch baffir feine ingolftäbtifc^n Eroberungen herausgeben 
fottte. 

3leue 2ßt6heöigfeiten toaren jtoifchen bem 8anM^uter unb 
ben SWfinchner $er)ogen erioachfen. 3n $einru$* 9Vatnr toox 
bic f>abgier ebenfo mächtig urie ba* SRech«* unb Pflichtgefühl 
fchtoach ent&ufelt; ohne bie 3RäfHgung ber SKftnchner Settern 
unb ohne bie fiänbige ©ebrohung beiber Sinien bur# einen 
gemeinfamen fchlimmen Machbar toäre auch nach biefer Seite 
^tn ein Megerifcher 3ttfcmtntenftog im Saufe ber Seit faum 
bermieben toorben. ©ur# eine Steide bon tanbe*herrttcheu 
Übergriffen, Errichtung einer neuen SWaut ju ©ttt^fen, 3°^ 
neuerungen }u Iraunftein unb Ötting, Stamagung be* ©eleited 
ju Kbach u. a. gab $etnrUh feinen Settern ®runb ju ©e* 
fötoerben, noch empfinblicher aber traf biefelben ein fchamtofer 
©ortbruch §einrich*. ©afrrenb ber noch fchmebenben ©er* 
hanblungen Aber ba« ©traubtnger Erbe hatte biefer ein Drittel 
M 8anbe$ oorläufig befefct unb gegenüber ben SDföncfrtern 
(ich berbtnblich gemacht, in bem Satte, bag auf eine ©iertettung 
erfannt tofirbe, ben bi* bahut genoffenen SRehrertrag ihnen 
herauljugeben. 9hm toar et jur ©iertettung gefommen, aber 
$etarich toetgerte fleh fein ©erfrechen ju Bfen. ®emfig bei 
©unbe«briefe$ bon 1415 Ratten bie ÜWfimhner biefen fmnbel 
jun&hft ihren ©erbfinbeten, bem SWarfgrafen griebrich unb 
bem $fal)grafen Sohann borgelegt; boch ber ©chtebforueb, ben 
biefe jugunften ber SKfinchner fällten (16. lug. 1430), fear 
bon $einrich nicht beachtet toorben. Dann fuchten bie SRfinchner 
burch ben ftfottg ju ihrem Stechte ju gelangen. 3u ©chomborf 
tarn e* in ©igmunb* ©egenfcart (gebr. 1431) jtoifchen Stlhebn 
u«b $einrich ju Erörterungen: ©igmunb gab jioar bem 8anW- 
huter fein aßigfaflen ju erfennen, bie rechtliche Entfcheibung 
bei $anbel* aber, bie ber ftSnig junächft auf ben 9türn* 
berger 9teich*tag anfefcte, berftanb Heinrich burch 9udftächte 
hinauhalten 1 ). 

1) 8g(. JtttKfhohn, $«rjog SBUhdm I1L bon tttycrn, ber $ro- 




$erjog Stttyetm III. 



St&geftogen Don fo fletDaltt^ätigen efrrrafteren toie Subtoig 
unb $eüm#, lägt man ben ©lief um fo liebet auf ber ntenf$* 
luderen <Srf$eiming be« $erjog« ©ttyelm Dertoeilen. £4 toaren 
Seine leeren SRebenflarten, toenn bie oerfammelten ©äter be* 
©afeler Äonjtl* tyn al« einen üftann Don großer grSntmtg* 
leit, Steinzeit unb $Rec$tf($affen$eit priefen ober toenn ber 
Domintfaner (Johann SRiber i$n einen Sater ber Sinnen nannte, 
beffen 8ob bie bei feinem lobe oon ©ittoen unb fflaifen Der* 
goffene» tränen Derfünbeten. Sine toa^re unb tiefe, ni$t in 
äufjerluber ftir$li$Ieit aufgefcnbe iReligiofUät burt&brang biefen 
dürften; fie Fulberte tyn ntyt, in ben ©taat«geföäften mit 
JRfifcrigfeit fi$ ju betoegen unb feine« Borteitt ti>a$rjune$men, 
aber ftc prägte allen feinen fmnblungen ben Stempel ber 
STOafcigung, griebenöliebe unb H^tung oor frembem Sterte auf. 
Sine fettene, fd&on Don ben Sthbtnofitn angeftaunte *) Sr* 
föeinung in ber tmttel6ba$if$en @eföi$te toar bie eintragt, 
ja innige greunbfefaft ber beiben 9Rfin$ner ©rüber, Don Denen 
bo$ leiner Don ber (Regierung ft$ jurihtytelt, bie über ade 
©dritte jufammen {Rat pflogen unb bann in Dottern ©n* 
fcerftäubni* fanbelten; unb barf man na<$ ber GJebulb unb 
Wadfiüft urteilen, toomit SBityelm in einem nityer befannten 
gatte*) (Smft gegenüber Derfu^r, fo torirb man ba« $aupi* 
berbienft biefe« glüdli^en ©erftältniffe* Dem längeren ©ruber 
juf^reiben. Ctyne fcroorragenb begabt ju fein, toar ©itfrelm 
eine bur$au* tüchtige unb ac$tung$to>erte Statur, ©eine geiftige 
©Übung mar Dernactytöffigt roorben. ©a er iebo$ in ben 
biplomatifd&en ©ef^äften gemanbt unb unermübli$ rührig, au<$ 

teftor be* ©afcfcr «onjiW; gorf^nngeu II, 528—530. Stort, ©. 599 f. 
o*$ öelege jinn ftgb. 

1) Olm. 3554, f. 147 v. (Soteistifd^e ©ebäätnterebe eine« Jtarmeßtert 
auf SSBityelm, f. 145 v.— 147 v.) 2)arin finbet fl<$ u. a., er $abe bem 
©if$of »im 9fcgen*&urg pro ineeptione reformationis Castrum Werdeam 
reßitniert, quod proantea plurimum recusarunt facere (f. 146 v.) 

2) HugetegeuftU ber an €rnß »egen M Setrattgute« feiner <8t- 
»a$ttn pfanbmeife überlaffenen @#t3fler. Ü6er ©itydm« dritte Sterin 
Dgt an$ gflrftenfatftn V, 338; Brroben II, 655f. 



800 



SBifylm HI. 



al« Äriegömann too$lbetoä$rt mar, genog er gro§e« Unfein, 
ja e« tourben ©timmen laut, toonaefc i$m, toenn et länger 
gelebt fcätte, too&l bic fldnig«frone jugefaBen toäre 1 ). 3eben* 
faß« mürbe er auf bem ©aljburger ©tu$l, um ben er fic$ 
1396 beworben (f. oben @. 147), m$t bie übliche untofirbige 
{Rotte ber gürftenföfcne in ber 3nful gefpielt $aben. ©einen 
$of berftanb er trofc fe$r befd&ränfter üWittel ftattltc^ unb in 
guter Drbnung ju galten. Qtyrbarem 8eben«genufj ti>ar er titd^t 
ab$o!b; i$m mar toofy mit Sagen unb ©aifjen, fagt ärnpetf. 
S3on ber leichtfertigen Slu«gelafjen&eit be« Ä8nig« freiließ fiadfr 
fein ftrengere« ÄBefen grell ab; er fetbft fd&reibt, toie bie ©a* 
feler grauen über i$n urteilten, al« er auf ba« Drängen be« 
Äonjil« jur 8a«nacbt ba« lanjen berbot: ber Äönig $atte ba« 
nie getfym; ber $erjog aber, ©eil er felbft feine greube $abt 
unb ntdjt ju tynen ge^en trolle, n>ofle tynen au$ feine gönnen *). 
@lei$ feinem ©ruber Smft unb beffen ®ema$lin $atte er 
fi$ in bie Äonfratewitat be« SWinoritenorben« aufnehmen 
laffen 3 ). 

ffiityelm fear bie lefcte 3eit $er biet in (Sefeüfäaft be« 
Äönig« getoefen. Hl« er benfelben nun im $erbft 1431 audj 
na$ ge(bftr$ begleitete, bon too ©igmunb na$ SDlailanb unb 
JRom aufbrach, ernannte i$n bort ber fiönig (ll. Ott.) jum 
SBeföirmer be« in ©afel berfammelten Äonjil« unb ju feinem 
©tatt^alter bei bemfelben. 3n feinem Slamen follte er Sin* 
labungen jum Äonjil erlaffen, für ben @$ufe ber 83erfamm* 
lung tote ber 3"' nn<t > Äbjie^enben, für Äufrec$t$altung be« 
grteben« unb ber 9tu$e in ber 9la$barf($aft forgen. SDKt 
3uftimmung be« fett 3uli unter bem SSorft^e be« Äarbinal« 
Sulian (Sefortni oerfammelten Äonjtl« marb ffittyelm biefe« 
Statt übertragen, tooju i$n, tote ber Äönig bemerft, ba« S3er- 

1) Vitus Ebersberg, bei Oe feie II, 729. 

2) Sin unehelicher 9to<$tommenf<$aft $at e« jebo^ an$ ffiil$elm nld)t 
gefeit. (Sine natürliche Sottet biefe« $erjog«, ©arbara, &erftrac$ 
»forest III. 1439 aufyuflattcn, toenn fle in „ben Orben ber fl Äannfc&aft" 
(sie; konschaft m$b. <5$eftanb) treten »erbe, gfirflenfatyn IX, f. 1—3. 

3) 1405; R. B. XI, 364. 



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ate $rote!tor bcö »afeler Äonjtrt. 



801 



trauen, ba« er bei tyra genoß, feine ©ernunft, SRebluhfcit unb 
geftigfeit empfahlen, ©n ftörenber üttanget freilich, ben ber 
C^^og fetter f<$merjlic$ empfanb, n>ar feine Untenntni« ber 
lateürifchen Sprache 1 ). Irofcbem 2 ), meinte foäter ein «ar* 
meliter in feiner ®ebachtm«rebe auf ben verdorbenen gfirften, 
habe er bie Angriffe ber ftefeer toie ein Reiter STOatathia« 
befömpft. 

Stach vielen unb furchtbaren Demütigungen auf ben Schlacht* 
felbem verftanb man fi<h nun bagu, mit ben fwjtten, bie 
man al« ftefeer vertoünfeht unb tirie gefährliche ©erbred&er vom 
Srbboben ju vertilgen gefugt $atU, toie mit einer gleich* 
berechtigten 3tta<ht ju unterhanbeln. ©om ftonjtl eingelaben, 
erfchien eine ©efanbtfchaft berfeiben in ©afel; an ben 23er* 
hanblungen, bie mit ihr gepflogen tintrben, nahm ffiilhelm, 
ber am 27. 3anuar 1432 in ©afel eingetroffen mar, heroor* 
ragenben Hntetl. Stuf feinen ©orfchlag ging man, ba bie 
öffentlichen Diftmtationen nicht jum &itlt führen tooflten, von 
biefen ju vertraulichen ©eforechungen jtvifchen j»ei «u«f<hüffen 
ber beiben Parteien über, ffir {elbft toarb vom ftonjil be* 
auftragt f)\tU\ bie ©ermiittung ju übernehmen. (Sin Hbfommen 
toarb jeboch unter feinem ^roteftorat nicht mehr erreicht, fon* 
bern erft bann, al« eine ©efanbtfchaft be« ftonjtl« bie jurüd* 
lehrenben ©8hmen in ihre $eimat begleitete. 

Die ffiirffamfeit, bie ber bairifche $erjog als ^roteftor 
be« ©afeler ftonjil« entfaltete, gehört nicht eigentlich ber bat* 
rifchen ©efchichte an unb fann ^ter nur in ihren $auptjfigen 
feftgeftellt »erben, ffiie befannt, bejeichnen bie großen fttrehen* 
verfammlungen von ftonftanj unb ©afel ben $öhepunft einer 
antipapalen Snttvidlung innerhalb ber ftirche. 81« $apft 
Cugen IV. ba« ©afeler ftonjil auflöfte unb beffen Überfiebelung 
nach ©ologna verfügte, forach ihm biefe« bie ©erechtigung baju 

1) 1452 (treibt ©lityad&er an ben 6airifihen $rin jener jieher Ubalrt(h 
Orcimolt üoh ffieilhetra: Sie viel (Selb hätte bamal« $erjog SUhelm, 
ber Jtamm unter ben ©«lehrten faß, bafür gegeben, toenn er ?atcin ge- 
tarnt ^tte! Clm. 19661, f. 13 v. 

2) Licet literatns non fuerit. Clm. 3554, f. 146 v. 



892 



©ttfcltn III. 



ab unb betretierte feine ©upertoritfit übet ben $afrft. ©m 
«8nig $atte e« anfangs ganj auf feinet ©eite t ba biefer bur# 
ba« ftonjil jum trieben mit ben $uflten unb pm ©efifce 
feinet b8$miföen Steide« gelangen moHte. ©<$on in feinem 
etften ©riefe au« Italien unb bann mteber^olt forberte ©ig* 
munb feinen Statthalter auf, ba$in ju mirfen, baß bie Oer* 
fammelten ©ater gegenüber ber Dppofition be« $apfte« feft 
blieben unb ni$t au« ©afel fortjögen, unb ba ber $apft ben 
anfang« fdjtoad&cn ©efu$ be« ftonjtl« al« STOotio ber Äuflöfung 
benufcte, brang ber ftönig in ©ilfcelm baffir ju forgen, baß 
bie ©erfammlung ja^lreidjer mürbe. Diefer mar mit ben 
Patern be« ftonjtl« einig in ber ©erurtetlung be« ptyfilbäpn 
93erfa^ren« unb erfannte mo$l, baß ber $apfi einer inneren 
{Reform ber ftirc^e unb befonber« einer Hbftettung be« Un* 
mefen« ber <ßfrünbenan$äufung mtberftrebe. SRac&bem er ben 
Sünden be« ftönig« millfafct, tonnte er balb freubig berieten, 
ba« ftonjil fei nun auf einem ©runbe befeftigt, baß e« bem 
Zapfte burc^au« ni$t me$r gelingen merbe e« ju jerftören. 
©tgmunb« Sage in Otalien mar eine 3*i* long fo au«fi$t«lo«, 
baß er an bie $eimfe$r backte. Da er aber ben guten @$ein 
retten moüte, foüte ffittyelm nad? feiner ffieifung (18. SDlai 
1432), o$ne ben ftänig at« Urheber be« <ßlane« ju oerraten, 
butdrfefcen, baß ba« ftonjil unter ©erufung auf feine große 
©ebrangnt« tyn at« ben Sogt ber (5$riften$eit ju föleuniger 
§etmre$r aufforbere. ffiie täufd&enb 2Bil$elm biefe Kode bur$* 
führte, jeigt ein ©rief be« legernfeeer ©efanbten Ulrich ©tMt 
an feinen Jlbt: £>erjog Sßil&elm ft>ri$t, miü feine faiferlicfc 
SKaieftSt ni$t balb fommen, fo mirb er i$n beim ©art nehmen 
unb an« ftonjil jie^en 1 ). 3m $erbft !am ber ftönig auf ein 
anbere« ^rojelt: 2Btl$elm unb f$riebri($ oon ©ranbenburg 
foflten bie ©tfinbe be« SReic&e« berufen unb tyre $ilfe für ben 
ftönig erbitten, ffittyelm bemühte ftc$ barum, bodj oftie Cr* 
folg, fo baß, mie e« föeint, ntc^t einmal bie ©erfammlung 
iuftanbe fam. SWittlermeile ftnfcte fi$ ber «onfltft jmtfcfcn 

1) 13. *ugnß 1432. Oberbaar. *r*t* XLII, 205. 




alt $totc!tor to tafelet Äonjil*. 



ftonjil unb $apft mehr unb mehr ju. Sine ©ufle, toorin ber 
tyapft ein in feine $änbe gelangtet ©freiten ©igmunb« an 
ben $rote!tor bewertete, um ben flönig ju fompromtttieren, 
©urbe bem päpftlicben ©oten in ber SRähe Don ©afel bur# 
SQSil^elmö 8eute abgenommen, ©ie päpftlicben Kenten lieg ba« 
ftonjil allerorten in feine ftaffe abführen , bie f>errfc^aft 
Stoignon burch einen feinet Segalen oermalten, ben $apft lub 
e« oor feinen »ichterftuhl. 

»I« Statthalter be« ftitaig« unb $roteftor b* ftonjil« 
aber geriet Sttthelm oon bem Äugenblkt an in eine fe$r 
fc&urierige Stellung, ba fich tyerauäfteBte, bajj ©igmunb bocb 
auf bie ftaifettrone ntc^t oerjichten tooHe, bafj er ^te^u be« 
Zapfte« bebürfe unb barum nic^t gefonnen fei, biefen bem 
ftonjil ju opfern. HBe ftofforberungen be« ftonjil« unb feine« 
©tatthalter« bie Unterhanblungen mit bem $apfte abjubred&en 
unb nach ©afel ju tommen toie« ©igmunb entföieben jurfid 
aber ba« erfäütterte Vertrauen jtotfäen ihm unb bem ftonjtt 
toarb toieber ^ergefteflt, al« ba« ftonjil, banf toohl ben eifrigen 
©emühungen ©ilhelm«, ben ftitaig in feinen befonberen ©chufc 
nahm unb feierlich alle SWajjregeln be« Zapfte« gegen biefen 
al« nichtig erflärte. gottan lautete ©igmunb« Seifung an 
feinen Statthalter, bat er ba« ftonjtt Derf^nltd?cr gegen ben 
$apft ftimmen möge, ©o mahnte benn SBilhelm nach beiben 
©eiten, ben offenen ©ruch ju termeiben. 3m tarnen ©ig* 
munb« banfte ihm einige Sage na<h beffen ftatferfrönung 
(31. üJlai 1433) ber faiferliche ©ijefonjler für ben (Sifer, ©o* 
mit er am ftonjil „ben ÜÖiurmel" )um beften fehre. Sticht 
ohne SMfihe brodjte e« bann ©ilhelm bahin, bafj bie Cr* 
8ffnung be« angebrohten ^rojeffe« gegen Cugen fcerfthoben unb 
nach ©erzreichen be« legten SEermin« bie ©ufpenfion be« $apfte« 
nicht au«gefprochen tourbe. 3ugleich aber brang er in ben 
ftatfer, feine änfunft in ©afel ju befchleunigen. ©eine mag* 
oofle unb fcerf&hnliche Statur fear ju einer ©ermittlerrode toie 
gefchaffen unb bem Sifer unb ©efehief, toomit er btefelbe bur<&* 
fährte, barf man großen Anteil an ben (Erfolgen juföreiben, 
bog ba« ftonjil feine Unabhangigfeit gegenüber bem $apfte be* 




804 



SBityetm III. al* @<htrmheir bet Sanbfitcben«. 



faustete, fein Hnfehen fich f)ob unb ein 3ertoürfni$ beSfelbea 
mit ©igmunb oermieben nmrbe. 

9tt$t minber eifrig lieg fuh ber $erjog, bem eine »mg* 
liehe Vollmacht Dom 28. 3uni 1432 l ) ben @<htrm beS 8anb* 
friebenS im ganjen Weiche übertrug , bie Unterbrüdung ber 
gelben unb Zaubereien in ber 9?ac^6arfc^aft angelegen fein. 
(Er brachte einen ©affenftillftanb juriiehen bem $erjoge bon 
SBurgunb unb grtebri<h bon £)fterrei$ juflanbe. (St jog in 
eigener $erfon oor baS JRaubfchlog 3ung$oIj (bei Sulfc, fn>. 
bon Colmar), unb lieg baSfelbe, unterftüfct bon Xxupptn beS 
Äurfürften gubtoig oon ber Pfalj, nrie eS fcheint, mit (Erfolg, 
berennen (Sluguft 1432) *). Um feine «utorität ju berftärfen, lieg 
er fich &om Könige baS Reichsbanner fenben unb neue 93olk 
matten erteilen, ohne freiließ baburch ju erreichen, bag alle fetten 
ber s Jiachbarf<haft feinen ©eboten gehorchten. Ergebend fuc^te 
er ben Krieg jtoifchen jroei ßinien ber §erren t>on ©erolbSed 
beizulegen, in ben mehrere Sßachbarn verflochten toaren, fo bag 
ber ©reiSgau, bie Drtenau unb toette ©triebe beS ©chmarj* 
toalbeS barunter litten, 2US er bann um ber Sicherheit bc* 
SBerfehrS toillen ©chlog Schultern jnrijchen 8ahr unb Offenburg 
befefcte unb boxt baS {Reichsbanner aufpflanzte, trat ihm ber 
SDiarfgraf 3aIob oon ©aben mit ©ort unb Zfyat entgegen; 
auch fein ©emühen um Errichtung eines SanbfriebenS jtoifchen 
ben Surften unb ©tabten beS jübtoeftluhen Deutfchlanb h^e 
toenigftenS feinen namhaften (Srfolg. 

3n einem Schreiben an ben ©ruber bemerft ffiilhelm 
einmal, er höbe bie fchn>ere ©ürbe beS ^roteftoratS nur über* 
nommen, bamit fie beibe gegenüber ben Settern }u ihrem 
Stechte tarnen. £umal ber $anbel mit Heinrich Wien ihm 
nichtig genug, bag er, um ihn ju betreiben, trofc feines ftrengen 
Pflichtgefühls ftch oier SBochen lang oon ©afel entfernte. Sin 
bertrauter iRat, 3afob Iruchfeg, ber ben 9?^ein hinab junt 

1) Slu* Succa. ®ch- ©au«archio. 

2) (Sinige 3a$re »orfet hatten auch ber 3fierrei(hif<he Sanb&ogt im 
Oberelfag unb benachbarte etSbte bUfe ttanbburg belagert. Urt. ». 1426, 
3citf(hr. f. ©efa. b. Oberilm« XI, 337. 




Sk$nq>roj€f[e gegen ©einriß. 



895 



$erjoge t>on 3filtc$*©etg unb anbeten gteunben gefanbt $atte, 
braute al« bereit ®uta$ten jutfid, baß man ben ftörriffyn 
8anb«$utet $etjog am fid&etften but<$ ba« 33e$mgettc$t et" 
reiben toetbe. Um bie« }u förbetn unb, tote et felbft angibt, 
mn fu$ mit mefyreten t$einif$en gtttften, ben ^faljgtafen, bem 
$et)oge bon 3ült#, bem ©tfdjof* ton ©ttajjbutg, ju betaten, 
reifte ffiityelm felbft gegen Gnbe 3uni 1432 tfcinabtofitt« unb 
na* ffleftfalen. ©eine S3ettoefung beim ftonjtl übertrug et 
für bte 3eit feinet 8bn>efen$eit bem ÜWatlgtafen ffiityelm &on 
fmc$betg*9i8ttetn*®aufenbetg *); bei bem @tu$le in bet 8tt«labe 
im ©ünbetlanbe lieg et fi$ famt einigen feinet {Räte al« freier 
©tröffe be« $eimlu$en ®etic$t« aufnehmen unb et$ob ftlage 
gegen $etjog $einti<$. 

£>iefet fa$ fi<$ nun gteidfoeitig in jtoei SJe^mptojeffe t>cr- 
toidelt; benn bet Don ßubnrig« ©eooflmäd&tigtem 8ten$att ©an* 
Wjeüet angefttengte 9tec$t«ftteit nafyn au$ na<$ bem föniglid&en 
©$iebfptu$e feinen Sottgang unb flutet bem »läget ftanb 
ttofe bet Nürnberger 83etfö$nung«fcene au# iefct no<$ al« fd&fi* 
tenbet unb tteibenbet ®eift $etjog Subtoig, toietoo^l nun 
©anbijettet fotmell nt$t me$t al« beffen SBeboflmac$tigtet auf* 
trat, fonbern geltenb ma$te, al« gteifööffe fei et öetpflttyet, 
alle SSe^mftagefa^en &ot ba« $eimli#e (geriet ju bringen *). 

Slm 20. »uguft 1433 brauten Untertanen bet 3Wfln*net 
ffctjoge, bie Oteifööffen toaten, bie j»eite SSotlabung be« 
fjteigtafen $eintic$ Don S3olbta#t toegen ffittfclm« Älage bem 
#etjoge $einti<$ in feine ©tabt (Stbing. SSot bem ©tabtt$ote 
Übergaben fie ben ©tief mit bem Sufttage i$n ben fctjog* 
liefen Hmtleuten ju fibetanttootten bem ©d&ulmeiftet, legten 
bemfelben au$ feine ©efteügebü^t hinein unb fd^nitten )um 
ffia$tsei$en be« richtig befotgten «ufttag« na# De^mtedfftlic^et 
©Ute einen ©pan au« bem @tabtt$ot 3 ). 8Bien>o$l nun ba« 

1) 23. 3tmi 1432; Schöpf] in, Hist. Zaringo- Badens. VI, 184. 
9la$ ©afel teerte ©U^etm am 24. 3«tt aurüd. 

2) 2>iefe« 8er$5ttni« erhellt du« 8erglei<$twg ber ©tfldfe bei gte*- 
*erg, 352. 360. 372. 

3) gtetjberg, 336. 

tttejler, Oefyiftte ©atew«. IIL 20 



806 



fteue Jtlagot 



anrufen bet Sehnte ffiilfafat nid^t bireft aum Biel ffifrte, 
$otte e« für tyn immerhin ben SBorteil, bajj bie ©eforgni* bor 
biefen ©engten ben 8anM$uter trieb, ftc^ einem anbem Stifter 
jn unterwerfen, bem Ä8nige. 8n btefen appellierte er, toorauf, 
ba ©igmunb triebt im Sanbe toar, junä^ft $fal$raf ßubtoifl 
bei 9tyein att SSifar be$ ftönig« bie ©a<$e in bie $anb 
na$m 1 ). Die Beilegung ber ©treitigfeiten erfolgte |eboc$ f 
nad&bem auc$ bie STOfintyier ganbftänbe i$re »logen gegen 
$einri$ fotoie gegen öibtoig oor ©igmunb gebraut Ratten, 
burc$ einen laiferltd&en 8ted&tfpruc$ *), ber am l. Sanuar 1434 
ju SJafel erging, im »efentli^en ade Sefötoerben ber attfind&ner 
aW begrßnbet ertonnte unb $einric$ oerurteilte biefen genug« 
jut$un. Der 8anb«$uter fear fe$r gefränlt, ba§ i$n ber 
!aiferli$e ©pruc$ aW meineibig unb treulos erflärte, unb 
toanbte fid^ an fflil^elm, bafj biefer ben ftaifer um eine Stabe* 
rung erfudfc. Dtefer lehnte iebo# ab, toietoo$l $einric$ burefc* 
bliden lieg, baß er fi$ anbemfaB« ntyt an ben ©ptu$ 
galten ioetbe 3 ). 

9?o<$ gtfjjer al« $einri$« toar be« 3ngolftäbter« 83er* 
föulben. 9lvd)t getoifcigt burc$ alle* Unheil, ba« er fi<$ fc$on 
)uge}ogen f forberte Subtoig, feit er bie {Regierung toieber über« 
nommen $atte, neuerbing« 9ia$barn unb Untertanen $erau& 
S3on allen ©eiten liefen beim »onjil »lagen gegen tyn ein. 
83or feinen ©efeöen, $ieg e«, fei tn JBaiem unb anberttoo 
fester niemanb me$r fidler; offenbtnbige Übeltäter $alte er in 
feinen Dienften, {Räuber laffe er in feinen ©puffern ein« unb 
au*ge$en. Die ©fiter, toeld&e bie Untertanen benachbarter 
dürften in feinen Sanben beffijjen, belege er mit ungetotynli$en 
abgaben, beren 3*$hutg bur<$ einlagern oon Sägern unb 
gallnern erjtoungen »erbe; manche (Srunbbeft^er feien bur$ 

1) gretjberg, 343. 

2) «rennet I, 95 f.; Sefötoerbt» ber ©tfinbe bafetbff 86 f. etpte- 
rang U» 8e$raptöjefle« anf ©erlange» &ifydm* fo»o$ aU ^dntfa^ 
bei gre**erg, 336. 345. 351. 

3) e$reifot ffiü^elin« au Crttfl botn 25. 3anuar 1434; gürten« 
fa$en V, 894. 




gegen Subtoig im öart. 



i$n t>on $au« unb $>of bertrieben; bie Sauern loffe er nic$t 
au«* unb eintoanbern. Seiner ßanbföaft $atte ßubtoig in 
einem befonberen grei$eit«brtefe geftattet mit jener be« SDWhtd^ 
ner Sanbe« ju gemeinfc$aftlic$er ffia$rung tyrer dntereffen 
jnfammenjutreten ; na^er aber Heg er fl<$ tyren ©rngung«* 
Brief au«anttoorten unb fömtt felbft bie ©iegel einiger Seil* 
neunter ab, fo ber ©täbte Sauingen unb $B$ftäbt. SMefe« 
unb anbere« befagten bie ©efötoerben, toel<$e bie 3D?ün<$ner 
$erioge unb auf beren «ufforberung i$re SanbftSnbe bor 
Äonjil unb ftatfer brauten 1 ). 9fo<$ Jene SBerbünbeten, toelfy 
mit Subtoig no<$ nt<$t ^rieben gefd&loffen Ratten, ÜÄartgraf 
ffriebriefc, ^faljgraf 3o$ann, $erjog $einri$, bie ©rafen bon 
Öttingen, mehrere SRei$«ftäbte unb abelige befeuerten fid^ 
Aber Übergriffe unb grieben«ftörungen Subtoig«. Huf beren 
Äfagen entfanbte ba« Äonjil im Huguft 1433 brei geiftlid&e 
©ürbenträger na$ Satern, toel<$e bie Parteien na$ {Regen«* 
Burg beriefen unb Subtoig ju bem SBerforetyn brauten ben 
Dom Äaifer verlängerten ffiaffenftillflanb ju beobachten *). £He 
Äuf Hebung br« Jttrdbenbanne«, bie eine 3*tt fong tn ?lu«fi<$t 
geftanben toar, $atte 8ubtoig burc$ feine fortgefefcten S9e* 
brfiefungen unb Übergriffe gegen Wem* unb fttöfter, befonber* 
bur$ bie Übung be« Cinlager« feiner 3figer unb galfner 
toieber oerf$erjt. 3a nun brauten bie betroffenen Älöftet 
©feiern, $K8n<$«mfinfter, fjürftenfelb, 3nber«borf, ©eifenfelb 
unb ba« STOün^ner «ngerHofter i$re Wagen bor ba« ftonjtf, 
ber $roteftor unterftflfcte biefelben unb am 5. ©eptember 1433 
ft>ra$ bie ©erfammlung ben berföärften ftir$enbann über 
Snbmig au« unb mahnte ben Äaifer, fein toeltlic$e« ©<$toert 
gegen ben SBerurteilten ju gebrauten unb feine Sanbe ein* 
jujie$en s ). Über ben Ort, too er fid^ jetoeU« aufweite, toarb 
ba« Snterbilt beringt; toie ber ftaifer fagt, „feineitoegen toarb 
(Sefang unb ®otte«bienft berfölagen". 

1) gotf^nngen a. a. D., 539. 586; Ärenner I, 84—94. 

2) R. B. XHI, 266. 267. 270. 

3) R. B. Xin, 267; Ä(agef<$rtft be* Wem« unb tfattoort be« Äon- 
jü« Bei Meichelbeck, Hist. Fris. II, 213f. 

20* 



806 



Äaifer Sigmunb in ©afel. 



3n a$nlt<$em ©tnnc toanbte ft$ ba« 83e$mgeric$t an bat 
Äaifer. S3or biefe« toar öon bairifd&en Slbeligen, Ulti^ IIa* 
gerer, 3örg grauen$ofer, ffiityelm unb 3örg lurner unb 
(Srafmu* f>aflanger, einer ber Dielen $rojeffe toegen einer oon 
£>crjog ©tep^an III. $errü$renben @<$uIbforberung gebracht 
toorben. £>ie gorberung, beren 3 a ^« n 8 8ub»tg oertoetgerte, 
Betrug 11000 p. Subtoig mußte nun erleben, baß bie Äu* 
torttät, bte er mit Vorliebe angerufen ftttte, fi$ gegen i$n 
felbft toenbete. (Ein »^urteil ber S3e$me (25. SRoo. 1433) 
gab jebermann feinen 8etb unb fein ®ut prei«, tote« best 
Äaifer feine 8e$en ju unb erlaubte t^m, mit feinem 8anb unb 
Seuten ju oerfa$ren, toie ftc^ in ber fabulieren 8c$t gebühre. 
Subtoig lieg bagegen bur$ feine ?rohtratoren 8ten$art ©an* 
töjeüer unb SWatfaa« {Richer {Berufung an ben Äaifer an« 
melben 1 ). 

@o foKte benn ba« JBafeler ftonjil für bie ©treitigleiten 
ber bairif<$en $erjoge nid^t mtnber bebeutung«ooll »erben, att 
bereinft bie ftonftanjer S3erfammlung getoefen toar. ©igmunb 
traf am 12. Df tober 1433 in ©afel ein. «u* beut ©$iffe 
fteigenb, umarmte er feinen getreuen Statthalter unb fprac^ 
gar gnäbig unb frö$li$: Riebet Ofcim, 3$r $abt un* aljo 
ju ffiiffen gelebt unb gebtent, baß 3$r unb ade (Suere greunbe 
beffen gegen rot* billig unb too$l genießen unb ni#t unergtfet 
bleiben foflt" *). 3n ber Zfyat $atte e$ anfangt ben Änfd&ein, 
aW ob ffittyelm für fein raftlofe« 5D?ü$en unb bie großen 
Oelbopfer, bie er gebraut, entftrecfanbe ©elofytung finben 
foUte. ©o lange e* fu$ nur um f$rifttt$e SSerfügungen $an* 
bette, f$rttt ber Äaifer rafö unb ftreng gegen Subtotg ein, 
toobet er auger ber $anb$abe, bie i$m be$ Äonjtl* Suf* 
forberung bot, au# iene be$ oe^mgeri^tlidden Urteils m$t 
*erfömä$te. <S« gef<$a$ unter Berufung auf biefe betben, 
baß er am 25. SRooember erHfirte, er beabftytige „nac$ bem 

1) &ttt)ttg bei Ä(u<f$o$n, 592f. unb B. B. XIII, 308, »o bie 
flemtnng Äaifer griebri^« nur auf Srrtum berufen tarnt; ©tnbede, 
c. 319, u>o irrig Cronenberg; £$terfdfr, 58. 

2) prfcnfa^en V, 323. 366. 




Subnrig im ©art geästet. 



8«» 



fjerjoge unb feinen Sanben unb Seuten ju ftellen". Urfunblii$ 
berforaefc er biefelBen $erjog ffiityelm ju beriefen in 9?üd^ 
fic^t auf bie treuen XHenfte, bie berfelbe tym unb bem Äonji! 
geleiftet, jur (Erftattung [einer grofjen Höpen, au$ um biefe 
Sanbe Beim $aufe ©aiem 3U erhalten. £0$ behalte er fii$ 
bor ade ©efifcungen, bie }ur ffrone ©itymen gehören unb an 
fiubtoig gelommen feien, bie iRegenSburger Suben unb fta* ben 
ber SDtor! ©ranbenBurg ober bon be« Steide« toegen an 8ub* 
toig gefallen fei. $u$ toolle er Bei feinen SeBjeiten alt ber 
rechte $err unb ©efifcer aller Sanbe ßubtoig« Betrautet fein, 
fo ba§ SBityetm unb beffen SrBen bort junäd^ft nur al« feine 
©ertoefer unb Statthalter toalten unb erft na$ feinem lobe 
bie Santo toxt anbere 9iet$6le$en innehaben fodten 1 ). 3>m 
laifcrlidjen Jtanjler ©<$lid berfpraety 8Bil$elm jum £)an!e für 
feine Unterftfifeung unb für bie loftenfreie Huäfertigung ber 
Urhinbe bom 25. 5RobemBer, beren SCajren nac$ ber üblichen 
©erecftmng 3000 Dulaten Betragen $aBen bürften, in 8ubn>ig* 
8anben, foBalb er biefe unb BefonberS ben Donauftrom in 
feine ®emalt Belomme, ein @c$lofj unb gute ©efyiufung mit 
einem 3a$re«ertrage bon 500 fl. ju überlaffen *). 

3lm 14. 3anuar 1434 lub ber Jtaifer Submig bor fein 
®ertct)t unb ba biefer ntc^t golge letftete, fprac^ er fec$« 8Boc$en 
foäter bie 8<$t über i$n au« unb erllarte i$n (28. Jtyril) 
für bogelfrei. Subtoig $atte in ©afel burefc feinen ®o$n, ber 
bor ©ertyt gar trofcig auftrat, burc$ ®eb$arb bon ftammer 
unb anbere JRäte erflären (offen r nur feine« ©leiten, ni$t 
geiftlic^e Prälaten ßnnten über ifyt, ben älteften unb toflr* 
bigften $er&og bon fflaiew, rieten. (Sr $atte fmfiten in 
feinen ©olb genommen unb bem ftaifer bie früher geüBte 8ang* 
mut mit fönöbem $o$n bergolten, inbem er einem ©oten 
beäfelben bie £)$ren aBföneiben lieg, einen anbern ©oten be$ 
Jaiferlic&en Sanbgeritye* ju Dürnberg jtoang, bie Oerlc&WBrtefe 
hinunter ju »Argen 8 ). 2luf einem 9iei<$«tage ju Ulm, ber im 

1) 8t|e^Berg I, 373—376. 

2) R. B. XIII, 274; ögt. Älu<f$o$n, 594, gegen b. Sang, 160f. 

3) R. B. XIII, 285; ©eraeinet, Hegen«*. <5$r. Iü, 43-50. «m 




310 



öibttig« gntftynirag 



3um eröffnet tourbe, traf matt SBorberettungen jur Cjefutton. 
©<$on flotte m ©igmunb US ©etftanbe« ber fömäbifcfcn 
8teii^ritterfc$aft oerfi^ert, bic ©bgenoffen jur $ilfe gemannt 
unb alle Wetd^ftfinbe aufgeforbert bis jum 8. September ge* 
rfiftet in feinem gelblager bei £t$a$ fväf einaufteflen. „©in 

einmal", fagte ber ftaifer in Ulm, „übet bie Donaubrikfe 
geritten, fo toitl i# triebt me$r rieten laffen, fonbern bem 
ftörrifd&en Sßanne &mb unb 8eute abgetöteten" 1 ). 

©o fd^ien enbltc$ ba« SSerberben über ben trofcigen Ztp 
rannen $ereinjubrec$en — aW ©igmunb« ©$toä$e unb ffianfel- 
mut, bie nie greller jutage traten, i$m no$ einmal ftettung 
föufen. 6$ fünbete föon Neigung jum (Sinlenlen an, gefc$a$ 
freiließ auf einftimmigen 9?at ber Sürßen, bog er 8ubtwg auf 
feine gorberung jefct (Seleit an feinen $of bemiüigte *). Die 
2ttfih$ner $erjoge toaren toeit entfernt ben ftaifer }u brängen 
unb ben i$nen toinfenben ®etoinn na$brücflt$ anjuftreben. Sin 
©rief (Sruft* an feinen ©ruber geigt tiefen dürften, ber freiließ 
au$ lein fo na$e6 3ntereffe $atte toie ©ityelm, oofl oon SBe* 
beulen. S)er ftaifer fei ein alter unb fränflic^er $err; bie 
Cjefution tofirbe, ©enn ber ftaifer fte, bie üHüncfyter $erjoge, 
bamit betraue, fte in einen ferneren ftrieg oertoideln; mürben 
8tet$«ftabte beigejogen, fo toürben biefe i$ren (Stooinn ntyt 
toieber fahren laffen. Dann fei ja au$ ber 8anW$uter ein 
«ntoarter auf 3ngolftabt; »effen mürben fte fi$ too# oon 
biefem au oerfefcn $aben? Um bie ©$ttierig!eiten &u min* 
bem f backte (Sraft föon bamaW toieber an engeren Snföluß an 
$erjog $eutru$. 

«nberfeit* aber fanb bo# au$ ber 3ngolftäbter $erjog 
attgefi$t6 ber fo na$e bro(enben ®efa$r SRacfojiebigfeit geraten. 
Cr fanbte feinen ©o$n na$ Ulm, ber nun, anber* att oor 
bem ©ertyte in Safel, ben ftaifer fugfaflig um ©nabe anflehte. 

7. 2Hai erging normal ein Urteil gegen Subtoig »egen SRaieftöWbelei- 
bignng; B. B. XIII, 294. 

1) 6t-«$r. V, 155 f.; ©inbede, c. 313; Sang, 167. 

2) &tu<f$o$tt, 597; bort au* ba* ©^reiben «rnfl« (gfirftenfa^en 
V, 430). 




mit Äaifet ©igmunb. 



311 



9ioc$ toWfuitft*öoßcr als btefe Untertoürfigleit toar toofl, bag 
fiubtoig auf Donamoört$ »erntete 1 ). £$atfä<$Iic$ fd^ott feit 
bem baitif^en Ärtege (1422) an ba« 9?eid^ gesogen, tourbe btefe 
totd^tige ©tabt nun au$ re$tlic$ Dom $aufe ©aiern auf* 
gegeben. Den Äitffölag bflrfte gegeben frtben, bag Subttng 
adent Onfd^ein nacb bent ftatfer ntyt nur feine ©dfrulb Don 
23 OOO Dufaten erlieg fonbern au# jur regten 3*i* *m feinen 
reiben ©aar&orrfiten etoa* opferte, ffiinbede fagt: „Dem 
Äaifer gab er auc$ ein „etiam", bag biefer bamit aufrieben 
fear". 3nbem bann Donautoört$ 3um Dante für bie, toie e« 
Wien, nun gefiederte JReid^umntttelbarfeit ©igmunb« 3*$nmg* 
loften in Ulm übernahm, au$ beffen in ©afel berfefcte« ©Uber* 
geföirr au«föfte, im ganjen 13000 fl. opferte, floffen bem 
ftaifer weitere ®elböorteile JU, bie i$n frbfticb unb milber 
ftfanmten. Ob au$ bie ©efür^tung, bag Subtoig in ber 
fingerften SRot flc$ ju ben $ufiten fragen »erbe, bie friebti$e 
Sbfung beförbert $abe, (offen totr ba$ingefteflt. Slm 11. Hu* 
guft $ob ber Äaifer bie 8$t über Subtoig auf unb t>erfpra$, 
in 9iegen«burg, too$in er fi<$ nun über 8ug*burg unb 3Rün$en 
toanbte, feinen ©trett mit ben ftlöftern ju bereinigen. Dort 
mugte er übrigen« felbft bie (Erfahrung machen, toie fe$r in 
biefen ©egenben, begünftigt bur$ Subörig* treiben, bie Un* 
ß$er$eit gefliegen mar; feine eigenen Diener fturben untoeit 
ber ©tabt niebergetoorfen unb beraubt unb täglty liefen Älagen 
über ©tragenraub ein, ben jumeift, toie e« fd&eint, abenflbergtfibe 
Weiter »erübten '). 

3n ftegenftburg fora# bann ein {Rec$tforu($ be« Äaifer* 
ben ÄBftern bie erbetene Oenugtfrmng t>on ©eite Subörig« au. 
Dem Sngolftäbter toarb ba« (Einlagern feiner Säger unb galfner 

1) 8erjii*t&rief *om 11. «uguff bei Sfinig, 8fci<W«$to XIII, 420. 
fitafkfrt ber@*idfate 2>onam»8rt$* bei *. $a|fel$olbt»©to<!$etm, 
$. fObre^t IV. *. »a^rn, I, Urt.e. 43—58. 3«« <&anj<» f. ©tn- 
betfe, c. 313; 3inf, 166; R. B. XUI, 307. 308; «rnfced, 884; 
Sori, 2c$tain, Uttmtbe» n, 130. 131. 2>ie ®$trtb an UM* «agettt 
unb Qestojfen »erft>ra<$ 2ub»ig (11. 8ug.) jn besagtest, R. B. XID, 308. 

2) Gemeiner III, 59. 60. 




312 



$. ©üfclra ge$t leer an«. 



in ben Äloftergütern, bie «u«be$nun& feinet SSogteien, feine 
grofytforberungen an bte Köfterltd^en $)interfaffen »erboten; bie 
görften be* <8rbrei<$«, erHfirte ber ftaifer, feien nt$t gefegt, 
um bie armen Säuern ju brfiden unb bebrangen, btelmefc fte 
bor Drud unb Unrecht ju föüfcen. Die bon ben Älöftera 
geforberte ©umme bon 9084 p. ©d&abenerfafe unb 1000 fL 
^rojegfoften minbeite ©igmunb auf 5000 fl. $erab, beten 
öejatyung beut $erjoge auferlegt nmrbe 1 ). 3nbeffen $atte 
Jtobtotg, (aunt bag fi$ bie unmittelbare ©efa$r berjogen $atte, 
feinen alten Zxo% f$on nrieber gefunben. SSon 3ngolftabt au* 
appellierte er fofort an $apft (Sugen *) unb e* fd&eint ni#t, 
bag er bem laiferlid^en @pru$e in irgenbeinem fünfte golge 
leiftete. Der fttrd&enbann, ben be« ttatfer* (Sntföeib ni#t be- 
rühren tonnte, toare ofttebie« auf i$m laften geblieben, Äuf 
bie ©efötoerben ber alten ©egner Subttrig* aber erfolgte lein 
fcttfäeib; bag ®raf Subnrig bon ©ürtemberg barüber «ec^t 
fpre$en foßte 3 ), befagte bo<$ nur, bag ber ftaifer, ohnmächtig 
bie 9iu$e mit ftarfer $anb ju fiebern, bie Dinge gefcn lieg, 
tote fte gingen. 9?a$ biefer ©eite mugte man föon au* 
frieben fein, bag toenlgften* ber ©affenftittftanb erneuert toarb 
(22. ®ept). 

Dem $erjoge ffiityetm toar alfo ber berfcigene 8anb* 
getoimt entfölüpft unb ber ganje 8o$n biefe* gürften für eine 
opferboUe £$ätig!eit im Dienfte ©tgmunW unb be« »onjtt« 
6efc$ränfte fidfr auf bie faiferlictye Cntfd&eibung, bie i$m unb 
bem ©ruber gegenüber bem 8anb«$uter Setter ju i$rem Siebte 
ber^alf. &toaT $atte ber ftaifer, um SBUfclm auf Jeben gatt 
toenigften* eine Heinere <5ntf<$äbigung jujutoenben, bemfelben 
gleidfoeitig mit bem ©^tuguiteile gegen Subtoig (28. Jfyril) 
bie föon bormal« bon bairifefcn $erjogen befeffene Sanbbogtei 
©cfyoaben betrieben. Diefelbe mugte iebo<$ erft bon ben 
£ru$feffen bon ffialbburg, benen fte ©igmunb 1415 ber* 

1) 9ta<* M. B. XIV, 283-293 tji bie« Urteil bom 15. ©ept, na$ 
B. B. XIII, 312 wwt 18. @e$t battert. 
- 2) 22. ©ept.; R. B. XIII, 314; tgl. Arnpeek, 884. 

3) Sang, 169; Älu<f$o$n, 598, «um. 3. 




Weite* $e$murteU gegen $. $einru$. 



Pf cinbct $atte, um 13400 fl. emgclöft toerben unb baffiityelm 
ber SEob ereilte (13. ®ept. 1435), e$e er über biefe ©aar* 
fimtme wffigte, Blieb ber 8o$n für ben $erjog ein ©tfid 
Pergament, ba« baburcty ni#t toer tooller toarb, baß i$m ber 
Äaifer unter toieber$olter »nerfennung feiner großen 33erbtenfte 
um ba« Äonjil 9000 fl. oft oon i$m no$ ni$t erfefete 
£e$rung«foften auf bie $fanbfumnte ber Sanbbogtei tynjuförieb, 
fo baß btefe« Hmt oon i$m unb feinen (Srben fortan nur um 
bte Summe oon 23 000 fl. $ätte eingelöft »erben Knnen. 
Sergebend bemühten ß<$ fpater bie $erjoge «{brecht in., bann 
Subtoig ber Steide btefe ererbten Änft>rüc$e auf bie f$u>äbif$e8anb' 
Dogtet bei ftönig $rtebri$ III. jur ©eltung }u bringen; bte 8anb* 
Dogtei Ober* unb SRieberfd&toaben blieb bi« 1486 imjßfanbbefifce 
ber Irudfteffen bon ©albburg unb fiel bann an £)fterrei# l ). 

Wcä) immer fätoebte ber S3e$mprojeß, ben ©anbijeHer unb 
Düringer gegen $erjog $etnri$ angeftrengt Ratten, unb nac$ 
erfolglofem (Singreifen be« ftaifer«, an ben ber ©eHagte 
appelliert $atte, foracfc ber Sreigraf Subtoig ®<$um!ctel auf 
bem gtetfiu^I ju SSelgoft in (Segenroart oon 18 greigrafen unb 
an 800 greifdfföffen eine neue 33erbe$mung gegen $erjog $ein* 
riet) au«. $erjog ffiityelm mürbe bei Mitteilung be« Urteil« 
(15. 3uni 1434) jugleidfc erfu$t, baju }u Reifen, baß bem 
Berühmten fein 9ie*t gefc$e$e unb er au« bem ^eiligen {Reiche 
getoorfen toerbe. ©oüftredung fanb biefe« Urteil bo$ fo toenig 
tirie ade früheren, beren totr ermahnten. 3m 9io&ember 1435 
braute ein ®efanbter Srnft« bom faiferli^en $ofe bie SRac$' 
ri<$t na$ $aufe, baß bort ber ©anbijeüer ftart gegen $einri$ 
arbeite 2 ); Da« 3a£r barauf wollte ber ©anbijeüer au« 
SWangel an ©elb unb toeil er jt# oon bem 8anM$uter §er* 
joge bebro$t glaubte, fein SWanbat unb ba« Urlunbenmaterial 
in bie $anb feine« 8anbe«$errn jurüdgeben, toorauf jeboc$ 
biefer nktyt einging 8 ). 

1) *ln<f$o$n, 598; t. ©tSlin, ©irlemb. ©efö. III, 404; 
SWittermfiUer, «I6re*t III., n, 18f. 

2) prfhnfa^en V, 303. 

3) gre^berg, 340. 352. 360. 364—369. 372; Ärenner IV, 19. 21. 




814 



fK6re$t III. 



SReue fjamilienhonbel Brachen aber bamal« am SWfinchner 
$>ofe au«, nun innerhalb berfelben ßinie, ja jtolfchen Sater 
unb ©ohn. f)erjog Srnft trieb benfelben ©ohn, bat er bei 
Htttng mit eigener Lebensgefahr au« ben fjeinben herau«gehauen, 
3ur 33erjtoeiffong bur<h eine ST^at, bie in beffen ©eele alle« 
Stanfgefühl erfttden mufcte 1 ). Seit Oanuar 1433 bereitete 
SHbrecht im tarnen feine« S3ater« unb Oheim« ben leil be« 
©traubinger SanWhen«, ber ben 9Jlfin<hner ^ergogen jugefaüen 
toar. SSohburg, Pfaffenhofen, ©eifenfetb unb $o$emoart befaß 
er al« ©chenlung feiner SWutter fchon feit 1424. 3m 3anuar 
1428 toar ju $eibetberg burch ben bem tofirtembergifchen $ofe 
naheftehenben Pfaljgrafen 8ubtoig eine Verlobung mit (SlifoBcl^, 
Zoster be« »erftorbenen ©rafen <5ber$arb be« SRilben bon 
SBürtemberg berebet toorben. ®letch im äKai ober Sunt fodte 
na^ ber (Sheberebung bie $o<hjett ftattpnben ; jenem £eile, ber 
ba« S5erI6bni« bräche, toarb bie 3a$lung Don 10 OOO ff. ©träfe 
auferlegt. <£« toar aber, mie {ich balb jeigte, eine Abmachung, 
nur »on ^olitit unb ©gennufc, nicht aon gegenfeitiger £u> 
neigung biftiert. (SItfabeth liebte ben (Srafen 3o$ann III. 
bon SBerbenberg * ©argan« ju fcrochtelftagen. Um ber ihr 
angefonnenen mißliebigen SSerbinbung ju entgehen, lieg fie fuh 
heimlich mit biefem trauen, unb nachbem fie barum ©efängnt« 
unb h«te SBeh&nMung erbulbet tyutt, fcfcte fie ihren ©Utat 
burch unb erreichte, baß auch ihre ©rfiber unb SBormfinber 
gute SRiene jura böfen ©fiel machten. SBürtemberg mußte 
bie au«bebungene ©traffumme an bie SWftnchner $erjoge au«* 
johlen. 

Ob ben »erlaffenen SBräutigam biefe ©enbung fehr be* 
flimmerte, uriffen mir nicht, ©p&ter aber, fei e« fchon im 
$af$ing 1428, ba er in 8ug«burg an einem Stornier teilnahm, 

1) Ducflenbelege unb ringehenbe ©egrfinbnng be« ffgb. f. in meiner 
Hbhanblung: 8gne« ©ernanerin unb bie bairiföen $erjoge (mit Ur- 
tonbenbcilagen); ©^..«eri^te ber hifl *l b. b. «f. b. ©iff. 1886, 
e. 285—354. e. anßerbem 2ij>oto«!t>, Kgncg «enuwerin; $or<$Ier, 
Hgne« ©ernauerin in 0ef<$i<$te unb Stiftung, Programme ber ftealfönle 
Straubing, 1883. 1884. 




nnb ÄgneS ©ernauerin. 



315 



fei e* bei anbetem Snlaß, entbrannte et in heftiger Siebe ju 
ttnem 8ug«burger SWäbchen bon tounberbarer Schönheit, aber 
niebrigftem ©tanbe. @ie hieß ägne« ©ernauerin unb toar bie 
Stocktet eine« ©arbier« nnb ©aber«, loa« nach bamaligen ©** 
griffen ben ©abbefifeer in (ich fliegt. <£« ffat nicht« unglaub* 
toürbige«, baß Hgne« im bätertichen (Sefchäfte al« ©abemagb *) 
jur $anb ging unb baß albrecht eben bei btefera Hnlaß ihre 
©efamttfchaft gemalt hat. Sange« golbene« $aar unb ein im 
Mittelalter für bie 6$arafterifti! jarter toeiblicher Schönheit 
befonber« beliebter 3«8 werben an ihr gerühmt: toenn fte roten 
SBein getrunfen, h<*e man ben in tyrer Steele hinabfließen fefcn. 

SQbrec^t mar bamal« ein gereifter STOann bon breißig 3ahren. 
SDaß Signet (einem ungeftümen ©erben anfangt tugenbhaft 
au«n>ich, barf man au« bem für Jene 3*ton unerhörten ©dritte 
folgern, }u bem er fich nun entflieg : er lieg fich h^mlich mit 
i^r trauen — tote benn au« 8tat«oerorbnungen unb ©hnobat* 
ftatuten erhellt, baß ^eimlUhe @hen im 14. unb 15. 3aht* 
hunbert nicht« ungewöhnliche« toaren — unb nahm bie junge 
grau mit fleh auf feine ©chlöffer. 

Die grage, ob eine firc^Itd^e Trauung ftattgefunben $at, 
tft oon ben meiften gorfchern berneint ober unemfehieben gelaffen 
toorben. Unfere« (brachten« läßt fich nicht bejtoeifeln, baß eine 
firchluhe Che beftanb, oon ber nur toenige ©ngetoeihte, befon* 
ber« bie nächften ©erlaubten, auch bie mit $erjog (Swft auf« 
engfte ftehenben regierenben Streife SWünchen« ftenntm« h&tten, 
toährenb in bie große JKenge nur unftchere ©erüchte über ba« 
©erhaltni« gebrungen finb. Den mitten ffiteberhatl biefer ®e* 
rückte finben mit bei ben ßhroniften unb barum läßt fich nach 
ihren Angaben bie grage nicht entleiben, toohl aber oerhelfen 
im« baju bie Urfunben, einige SRotijen ber ÜÄfinchner @tabt* 
rechner *), Ägnefen« ©rabftetn, too flc in fürftlicher Iracht er* 
fcheint, unb bie innere SBahrfcheinlichfeit. frier begnügen toir 
un« auf bem leiteten ©runbe ju oertoeilen unb auf bie jügel* 

1) ©o bejetynet flc (Snea ©il&io, Cosmographia (1699), p. 307. 

2) abgebrudt in meiner oben citietten HbhonMmtg, 327 f. 



316 



«forest UI. 



Icfe gretyeit be« gefölec$tli($en »erlebt« ^utautDetfett f toel$e 
biefem 3eitaltet oielleic^t bor allen anbeten ber $rifttt$en 
*ßeriobe eigen mar. Une$elt$e SBer^ältntffe jtoifcfcn fürft* 
liefen unb niebrigen $erfonen bilbeten bomatt fo fe$r bie 9legel f 
bog fie an fi$ leinen gro§en «nftog ettrettt $aben Bnnen. 
©on fämtlityn bairiföen $erjogen biefer 3*tt> meber ffirnft 
felbft, ben ftrengen Winter , nod> ben falten unb frommen 
©il$elm ausgenommen, finb une$elic$e ©prößlinge befatmt. 
Cine ä$nli$e 8eben«ffi$rung Hlbrety« tonnte ben Sater ni$t 
jum ätofjerften treiben, dagegen burctyfreujte eine fir$lic$ ein* 
gefegnete, alfo nur burc$ ben lob be« einen (Satten trennbare 
©erbinbung be« einigen ®o$ne« mit ber ©aber«toc$ter (ba ia 
bie Ungiltigfeit einer heimlichen <S$e befanntlidfr erft burc$ ba« 
Jtonjil »on Orient feftgefefct morben ift) ni$t nur bie ty* 
naftifc$en $(äne be« altemben (Ernft in ber empfinblid&fteit 
©etfe, fonbern mufjte auty bei feinen Untertanen fernere ©e* 
fflrc^tungen für bie 3utunft ertoeefen. (Eben mar (Ernft« ©ruber 
ffiil$elm geftorben. Der ameite @o$n au« S3Sil$elm« ber« 
fpäteter &)t lebte f mte e« fctyetnt, nur menige fficctyen ober 
SWonate; ffiil$elm« älterer ©pröjfling, tarnen« »bolf, mar ein 
f<$toä$lic$e«, fränfelnbe« Jlinb, ba« ebenfall« feine lange geben«* 
bauer besieg, ©lieb alfo 3Hbre$t« unebenbfirtige (E$e befielen, 
fo mar ®runb genug ju ber ©eforgni«, baß bie liebeooüeit 
©ettern in 3ngolftabt unb 8anW$ut bereinft Ulbre^t« (Erbfolge 
koegen feiner 9Jiiß$eirat mit (Erfolg anfechten unb oie 8inie 
©aiern*SD?ünc$en mit (Emft enben mürbe. ©i«$er menigften« 
hatte man, fo lange ein römif$e« {Reich beftanb, barin no$ 
nie oon einem regierenben dürften gehört, ber eine Srau au« 
ntyt ritterbfir tigern ©tamme gehabt hatte 1 ). ©o foUte beim 
bie 9tachfolge in ©aiern^SRfind^en ben 3ngolftäbtern jufatlen, 
ben langjährigen geinben, gegen bie (Srnft tiefmurjelnben unb 

1) 2>reißig 3a$re fofiter (1472) $at bann, toie betannt, ein anberer 
©itteWbacfcr, griebri* I. ber Siegreiche ton ber $fal) # tnertoürbiger* 
»eife tmebenim ein 3tag«6urgcr SW5b<$en an« niebrigßent ©tanbe, Älara 
5£ob ober 2öbtin (Lettin) , na<$bem er fle lange a» «Mtebte gehalten 
unb mit i$r amei 6B$ne gezeugt hatte, ju feiner 9ema$Un er^obtn. 




unb SCgne« ©entauerta. 



berechtigten ©roll im ^>erjcn trug, ober au$ jenem habgierigen 
Sanb«$uter, ber ftet« bie SDtöntyter SSettettt ju übervorteilen 
fitste, toenn et auc$ für ben äugenblicf mit tynen serbfinbet 
toar! Die Slngft vor folgern 8u«gang ber Dinge im fc$limmften 
Salle, vor unabfe^baren SBeruridlungen au# im gfinftigften, 
«Hart e« &orne$m!i<$, toarum au# in ber äRümfcner ©firger* 
fd&aft eine Signet feinbfelige Stimmung fibertoog. Denn f$on 
$atte fu$ in ben brei getrennten bairiföcn fianbe«tetlen ein 
$artttulart«mu« $erau«gebilbet, ber bem SDlün^ner bie 8anb** 
$uter unb Sngolftäbter faft toie Äu«länber erfreuten lieg. Unb 
biefelbe Sfagft mufc man in ©etracfct jie^en, um (Srnft« 83or* 
flehen ni#t ju entföulWgen, aber ja begreifen. 3n t$r lag ba« 
tntf$etbenbe SDtotio für ben Stritt, ben er unternahm, fo&ie 
burety ben 5Cob feine« »ruber« (13. Sept. 1435) bie eben 
gef$Uberte ©abläge gefd&affen unb jugleicty ein JRatgeber be* 
feittgt tpar, ber, feinem milben (E^aratter entfpre<$enb, au# in 
biefer Ongelegen^ett bef$n>ic$ttgenb gemtrft $aben mag. 

SU« (Ehegatten lebten Hgne« unb »Ibrety fpäteften« feit 
bem Srfiföa$r 1432 jufammen, meiften« in Straubing. (Sin 
Siegel 8lbre$t« jeigt neben einem ber bamal« üblichen $elm* 
Hetoobe ber ffiittettba^er eine $eralbif$e Äuriofttät: ben 
Stumpf eine« nadten ©eibe«, ba« in beiben $änben lange, 
am $elmf$mitd befeftigte Äetten $alt; »o$I Symbol ber 
Siebe, in beren ©anben ber Zräger be« ©Oppen« gefeffelt 
lag. eintrage in ber SRfincfyter Stabtre$nung au« bem 3ult 
1432 geigen un«, bajj ?lgne« bamal« am tyrjoglidpn $>of, 
toettn i$r au$ ber alte $eraog ben 3utritt in feinen Seffern 
too$I öertoe$rte, bo<$ eine geunffe {Rolle fpielte unb fi$ nic$t 
ettoa *erf$ämt unb verfto^len im frintergrunbe $ielt. 8U« 
8tbre$t« Sctyoefter ©eatrif, bie mit bem ^faljgrafen Sodann 
von Ilmberg vermählt toar, im Huguft biefe« 3a$re«, bann 
toieber im «b&ent 1434 2Äün<$en befugte, $ielt fie mit ben 
Äußerungen tyre« Untoiflen« über „grau SRefen, bie $o$= unb 
grogfeifte *) ©ernauerin" ntc$t jurüd. 8uf« fiuferfte erjfirnt, 

1) ©a« tiiellcic^t bo<$ ni*t fo toörtli<$, tote t$ früher annahm, fon- 
bent bUbfl<$ al* anfgtMafen, $o$mfitig, »erflehen tft 




818 



8gne9 ©ernanerin. 



brang f)et)og (Srnft, tote man annehmen mu%, toieberholt, 
aber ohne (Erfolg in ben ©o$n, bie ©aberStochter gu entloffen 
unb fleh ftanbeSgemäfj ju »ermaßen. <E* muß jeboch betont 
ioerben, ba§ abgefehen oon biefem tätigen fünfte unb trofc* 
bem e« auch fonft nicht flanj an Differenzen fehlte *), in bem 
SSerhältniffe jtoifchen SSater unb ®ohn toährenb Hgnefen* 3*** 
fammenleben mit «tbrecht, fotoeit toenigften« bie erhaltene» 
fiorrefoonbenjen ein Urteil geftatten, toeber bei (Swft bie öster- 
liche Siebe noch bei «tbrecht bie Anblicke Pietät, (Se^orfam 
unb Unterorbnung gegenüber bem SSater oermtfct »erben. 

Crnftt Untoiüe erhielt neue SRahrung bur<h einen Vorgang 
auf bem bon ber bairifchen SRitterfchaft oeranftalteten {Regent 
burger Storniere am 23. SRooember 1434, too «tbrecht toegett 
feiner SBerbinbung mit Hgne* ton ben Storoierfchranfen jurfid* 
genriefen unb in ber $er!ömmlic$en, fchimpflichen Seife, tote fte 
fpätere Stormerorbnungen betreiben, rrgeftraft", b. h- mit bem 
ftolben gelingen iourbe*). ©i* in bie bürgerlichen Streife 
hinein »erbreitete ba« unerhörte ©erhältni« Aufregung. 3m 
üttfirj 1434 iourbe in 3J?ün$en eine ffieibtyerfon, tarnen« 
»icherin, nebft einer ©ettlerin berhaftet unb nach jtoblftfigiger 
$aft gegen Urfehbe entlaffen, toeil fle „bie längeren SBürger 
gegen bie ©ernauerin beschrieben hatte." <S* muß fleh alfo um 
einen ©erfuch gehanbelt ffibtn, unter ber jüngeren ©firgerfchaft 

1) öefonber« tw>ate Gruft trofc Wbre<ht* ©rfingen ber ©traublnger 
ttltterfchaft bie gegen bie gnflten erlittenen *rieg«f<hfiben nt<ht erfefcen 
unb be9 oerfäulbeten €to$neft gorberuug auf Verausgabe be* mütter- 
lichen firbe« ui<ht im ganjen Umfange bewilligen. $eter Äamerauer, 
3afob Oetootf ton Stegenberg, $aimran unb Äoftar bie SRujjberger unb 
90bre$t Wotbaft fanbten an tttbrecht, tote bfefer am 9. «pril 1435 bem. 
©ater Berichtete, toegen ihrer nl<ht befriebigten gorbernugen einen Wage- 
Brief unb überfielen Sogen mit $eere9maät 2He Sorberungen ber 
etraubiuger fltttterfchaft f<helnt Gruft erft bei Gelegenheit jene« Aufent- 
halte* ju Straubing, ber mit bem Xobe ber ©eruauerin bertaityft toar,. 
befriebigt ju haben; ba er ben ©ohu berle&te, mußte er »enigften* ben 
«bei be9 Mnb<hen0 fi<h geneigt erhalten. 

2) €5. ftetbenbmhert 2tornierbu<h bei ». Gumweuberg, ©t* 
öuuu)penberger auf Stornieren, 64. 



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gttiftngcr öfinbni* jtoif<h«n ben SWtotfttent u. fcetarty. 819 

für »gne« al« beteinftige Sanbe^ffirftitt Stimmung ju machen, 
ja fogat eine f<htiftli$e (Stffätung au« tiefen Streifen jugunften 
Hgnefen« aufjubringen. 

Stuft jetgt fich fonft burchau« nicht al« Unmenfch, er unter* 
hält gemütlichen »erlehr mit feiner ©ürgerfchaft, ift Bei biefer 
fehr beliebt, älbreeht gegenüber aber bon wahrhaft bäterllcher 
3uneigung befeelt. ffiie aber ber Ärjt gegen ein bWartige* 
®ef<htoür julefct jum JDleffer greift, entflieg er fich nun ben 
ihm unerträglichen ©chimpf feine« $aufe« getoaltfam ju be* 
fettigen. £>a& ihm bei biefem ©ergaben ©eftanung«genoffen 
nic^t fehlten, ift toeniger merfmürbig al« bie ftreife unb ^er* 
fönen, au« betten fie erftanben. 83or breifjig 3ahren hatte tt 
bie ©ürgerfchaft feiner $>au4>tftabt beWegt unb gebemfitigt; 
iefct, nachbem ein leutfelige« unb patrtarchalifche« Regiment bem 
altemben Sürßen bie $erjen gewonnen hatte, fanb fein $aß 
gegen bie $lebe{erin unter ben äßfinchner ©ärgern unnatür* 
liehen ffiieberhaQ. 9W<ht weniger überragt e«, »enn bie pclu 
ttfehe Äonftellation be« «ugenblief« ihm riet unb ermöglichte, 
ben ©etter Heinrich bon 8anb«hut in getoiffem ©inne fogat 
al« $elfer jur «u«ffihtung feine« $lane« h*tanjujiehen. 3m 
Otunbe toaren ia alte brei bairifchen Sinien burch borau«* 
gegangene, langjährige 3cttoürfniffe r butch ©ferfucht unb noch 
nicht erlebigte ftreitige «nforfiche unter ftch oerfeinbet. Saft 
aber SWünchen unb 8anb«hut bem hänbelfü^tigen unb geaalt* 
thätigen dngolftäbter borjutoerfen unb bon ihm ju beforgeti 
hatten, toog boch unbergleichlich fehlerer, al« tt>a« fte unter fich 
entjtoeite. S« lag baher in ber 9latur ber Dinge, bag biefe 
beiben auf Äoften Subtoig« fleh aneinanber gefchloffen hatten, 
toa« Jeboch erft nach einigen fruchtlofen Slnläufen gelungen mar. 
Um 19. «pril 1435 aar au Sretfing ein ©unbe«bertrag atoifehen 
ben $eraogen Grnft, ©ilhelm unb Heinrich auftanbe gefommen. 
Die gfirften hatten in ®be«»eife gelobt, auf biet 3ahre toibe* 
alle (Segnet fich gegenfeitig betjuftehen unb be« anbetn Sanben, 
Seuten, @hte unb ®ut nicht nachauftefleu. Die Sngolftäbtet 
toaren nicht al« geinbe genannt, abet in etftet Sinie al« folche 
gemeint, ©otoohl Stuft« ©ohn «Ibtecht al« $eintieh« ©ohn 



820 



9gne3 ©entauertn toirb crtrfintt. 



ßubttrig gelobten ba« gleite tote tyre Sätet unb beftegelten ben 
©unbe«bttef. 

©alb na$ bem lobe $etjog WMjdmt, in bet yoetten 
$ätfte September ober in ben etften Ottobettagen, reiften (Etnft 
unb bet ÜRön^net ©fitgetmeiftet 8igfalj na<$ ftetyeim. Dort 
ttofen fie mit ^etjog $eintt<$, ju beffen Sanben biefe ©tobt 
gehörte, jufommen unb hielten eine SBetatung toegen be« 3ngo^ 
ftäbtet $etjog« unb wegen bet ©etnauetin. $einttc$ übernahm 
e«, Älbted&t but<$ bie (Sinlabung ju einet 3agb na# 8anb«$ut 
teafcenb bet Sage, ba bet Schlag gegen Hgne« geführt »erben 
foöte, wn ©ttaubtag fetnjufcalten. gteüi$ log e« in $etntic&« 
Snteteffe, bafc 2Ubte$t« 3»i&e$e fottbeftanb, ba i$m biefe« 
83et$atoi* möglid&ettoeife beteinft ben ffieg jut »etgröfcetung 
feinet Sanbe bahnen lonnte. gttt ben «ugenblid aber tone* 
bie bom 3ngolftäbtet btofrnbe ®efa$t ben 8anW$utet $etjog 
gebieterif$ auf ein gute« SSet^tni« ju Stnft. (Et butfte in 
biefem but$ fein Setzten ni$t ben Ätgtoo^n nähten, att ob 
et geneigt fet, au« Sllbted&t« 3Bijje$e etnft für flc$ grüßte ju 
ernten; et mu|te alfo, toenigften« äufcetli<$, feinem ®roüe gegen 
bie untoiBIommene ©dfariegettod&tet teUne^menb betyfßtyen unb 
auf feine $Iäne in biefet Stiftung eingeben. 

Son biefet ©eite gefiebert, fötitt benn öhrnft mit tü<fr 
fic$t«lofet €ntföloffen$eit baju f feine @$tmegetto$tet au« bem 
©ege ju räumen. <S« bleibt itoetfetyaft, ob ein ®eti$t«bet* 
faxten bot bem ©ttaubinget $ofgetic$te botau«ging. Da« 
©d&toeigen, ba« Stuft ^infi^tlid? biefe« fünfte« foätet in einem 
alle betmeinten SRed&tfertigung«gtünbe fammelnben ©d&tiftfWMe 
beobachtet, lägt nut bie jroei (StHatungen ju, ba| entroebet lein 
geti$tli$e« »erfaßten ftattgefunben $at ober ba$ bet $etjog 
felbft lein ®ettri#t batauf legte, ©oflte au# eine te$tli$e 
fjotm getoa^tt »erben fein, {ebenfalls toar ba« Urteil fo gut 
botau« entföteben roie etma bei ben $tojeffen gegen ftatt ober 
gegen ben $etjog bon (Engden. 

8lm 12. äDItobet 1435 ftteg bet genier $etjog Hlbte^t« 
©attin bon bet ©ttaubinget Stüde in bie Donau $inab, fo nrie 
nac^ bet SWiebettoerfung be« Sftttityr «ufftanbe« 3o$arat bon 




20&re$t UL 6ei best gctnben feine« Steter«. 821 

©<riern'©traubing bte grauen unb ftlertfer unter [einen pott* 
tiföen (Segnern bon bcr 2Waa«brü(fe au« $atte ertr&nlen laffen, 
mit gebunbenen Rauben unb güfcen, ni$t in einen ©ad ge^üüt. 
5Dur<$ bte ärt be« SBofljug« toarb ber f<$ltmme Suftijmorb 
not$ grfifß$er. Die ©anbe, toel<$e bte Unglüdlid&e feffelten, 
toaren ni#t feft genug. g« gelang i$r ba« eine Sein freiju* 
machen, mit ber Kraft ber SBerjtoeiflung ba« Ufer )u meinen 
unb bort einige £t\t p$ fepjufytlten. üWit öfntfefcen bemannten 
bie Umpefcenben tyren Sngftruf au« Reiferer fte$le: $elft! 
$elft! — bi« ber genfer $erjueilte unb mit einer um i$re 
^ langen golbenen gleiten getoidetten ©tange fie in bie gölten 
jurüdpieg, 9io# $eute jeigt man am regten Ufer in ber alt* 
pabt bie ©teHe, too ber ?ei$nam angefötoemmt tourbe. 3ht 
bem bort pe$enben ®retnblf#en $aufe toar eine Heine toeibli($e 
gtgur au« rotem 2$on angebracht (jefct in ber ftportfc^en 
Sammlung ber ©tabt ©traubtng), bie bem ßnbe be« 15. ober 
Anfang be« 16. 3a$r$unbert« anjuge^Bren fctyeint unb bon Je$er 
al« «gnefen« ©Hb betrautet tourbe. 

3n ber ÜRfincfyter ©ürgerfd&aft man auf bie 5Wac$* 
ric$t oon Ägnefen« ßrmorbung föon gekartet )u $aben; man 
na$m fte mit ro$er ©enugtfytung auf unb fanbte bie SBotföaft 
foglei$ nat$ Saneberg toeiter. Älbred&t aber eilte in toilbettf 
@^meri ju ben alten getoben feine« SBater«, ben 3ngolpäbter 
#erjogen. @c$on bor$er toar er biefen nä$er geftanben al« 
fein S5ater unb $erjog $einrid&, er $atte pe im ©ommer in 
Sngolpabt befugt unb feinem Sater bon bort au« einen 3**tel 
gefctyidt, auf bem bte {Ret$t«anforüc$e be« $erjog« Subtoig 
gegen i$n (flhrnp) berjei^net toaren. ©$on bamal« mu|te er 
Bei feinem Sater ®erü$ten entgegentreten, toonat$ er p<$ fogar 
mit bem 3ngotp5bter $erjoge bcrbünbet $abe. 3cfet aber 
lamen bergeben« bon ber ©tabt üttfinctyen unb bon (Srnft, toie. 
e« Meint, au$ bon ber Sanbföaft, Sotf elfter, i$n )u be*- 
fc^iDt^ttgen unb jur $eim!e$r }u bestimmen; fie mürben ni$t 
fcorgelaffen. Smp mugte befürchten, ba§ p$ bie Sngolpäbter 
$erjoge unb fein @o$n bereint gegen i$n toenben toflrben. & 
$tag bo$ too$l mit ftrieg«plänen jufammen, bog 9Ubre$t fo* 

«teilet, «eftWe Oaleni. III. 21 



822 



©erjog «ruft 



gleich feine ©ärger bon Pfaffenhofen unb ©eifenfelb ya juh nad& 
3ngolftabt entboten hatte , toelchem Kufe auch Dterunbjtoanjig 
Pfaffenhofener ©ürger gefolgt toaren. $eutrich fcon 8anb$hut 
toarnte Srnft ft<h borjufehcn, feine ©chtöffer beffer ju befefcen 
unb forgfältig ju hüten. 3n brohenbfter SRähe aber fah firrnft 
einen ftrieg gtotfchen 3ngolftabt unb 8anb«h»t- 3to *>on 3ahr 
ju 3ahr berlängerte ©affenftiüftanb jmifdhen biefen 2Bä<hten 
toat mit 3Jii<haelt$ ausgegangen, ber SBifd^of fron ©chftäbt unb 
©efanbte Don ffiürtemberg, ÖtegenSburg unb »ugSburg hatten 
jioar am 6. September heitere Verlängerung auf ein Satyr 
berebet, aber e$ fcheint nicht, bag bie Parteien barauf eingegangen 
toaren. Subtoig« Pfleger, ©Stoalb Detlinger unb breiunbfechjig 
anbere tngolftäbtifche Witter faulten fchon am 14. Cftober an 
fytthoi $einri$ einen äbfagebrief ; ße begrünbeten ihre Ärieg*« 
etffärung bamit, ba§ ©urfharb SDfagenbuch, ein Unterthan 
$einrid&$, ben Sanbf rieben gebrochen unb 8ubti>ig$ Sanb unb 
Seute gefch&bigt habe, ©$on lief in ganb^hut auch bie ©et* 
fchaft *on »erbächtigen £rui>l>enanfammlungen be« Jüngeren 
Subtoig ein. SMefe Kriegsgefahr fuchte (Srnft junäc^ft baburch 
abjulenlen, bat er ten ftaifer um feine Vermittlung anging; 
gleichseitig aber bereitete er am 8anb*huter $ofe fchon barauf 
bor, bag man bort im ftriegäfafle trofe beS greifinger ©üniv 
niffeS auf feine $tlfe nicht rechnen fönne. Um ben 28. Dftobet 
fchicfte er einen feiner ©eamten, griebrkh Äichftätter, an ben 
in Ungarn toeitenben ftaifer, um ihm ben lob feines ©ruber« 
SBilhcfa mitzuteilen, über 8ubtoigS fortkoährenbe Übergriffe gu 
Sagen unb ben ftaifer um feine Vermittlung anjugehen. St 
lieg ihm Ilagen, bag bie Sngolftäbter $erjoge nun feinen ©oh« 
gang in Rauben hätten, bafc ber Detlinger (DStoalb Detlinger, 
fiubnrig« Pfleger ju ©änSberg, einer feiner rflhtigften ©eamten) 
unb anbere Seute, bereu ©inn am liebften auf ftrieg ftfinbe, 
feine Umgebung bilbeten. (giner ber toidbtigften l$a>titt liefet 
®efanbtf<haft toar aber ber, bafj Srnft bem ftaifer bte ©trau« 
binger Zfyit in feinem ©inne barfteden unb fytmit anberett 
Sbtxxö)tm unb «uffaffungen guborfommen tooQte. 

SBa* Örtnft feinen ©efanbten gur Rechtfertigung be* bott* 




mtb fein @o$n «forest III. 



Brauten 3uftijmorbe« vorbringen läßt, mag auf ben ftatfet 
immerhin ©nbtud gemacht $aBen, vor ber 9iac$toelt aber toitb 
e« ben $etjog nur nod? fetterer belaften, ba e« feinen ©inn 
für Stecht unb ©eted&tigleit auf tiefer ©tufe 3eigt. Da« toaste 
SDlotto feinet 93otge$en« läßt er nato genug butd&flingen; bayt 
aber fd&leubett et gegen bie Unglü<fli$e na<$ intern lobe no$ 
Hnffagen, beten ©tunbtofigfeit auf bet $anb liegt, toenn au$ 
et felbft &otüBetge$enb in bem ©tauben an folgen Älatf# 
©ctäubung feine« ©etoiffen« fu<$en mochte. ÜDet $iet gegen 
llgne« au«geft>tod&ene 93erba$t, baß fte ben ^tinjen äbolf mit 
©ift au« bem ffiege räumen tooflte, ift augenföeinlt<$ an ben 
$aaten $etbetgejogen unb gänjli^ gtunblo«; baß er in <£rnft 
felBft toenigften« ni$t tief tourjelte, jeigt feine fpätere !ird&li<$e 
©tiftung für bie ©etStete. Daß SBityetm« ftinber föon t>on 
bet ©ebutt an f$toäd&lt<$ toaren unb ftänlelten, etfe^en urit 
au« einet ©emetfang be« 2Wün#net ©tabtteetynet« unb au« 
bet lutjen 8eben«jeit auc$ be« jmeiten, Bei bem ja eingriffe 
bet ©etnauetin $tonologifd& unmöglich ftnb. 

©et ftaifet toarb nun &on öfrnft erfuetyt auf SHBret^t in 
Betu$igenbem unb &etfö$nli$em ©inne einjutoirfen. DB et 
bie« getfrm, ift ni<$t befannt, fielet aber ift, baß 3HBte$t« 
Statut nid&t fo tief angelegt »at, um ben ©dornet) ni<$t Balb 
)u fcetnmtben. 9?o<$ toaren nic$t jtoei SWonate nac$ bet 2$at 
Derftrid^en f al« et in &etfö$nltc$et ©efinnung jum ©atet na$ 
Sßfin^en sutfidHe$tte. ©ei biefet etften 3"fö»tmenlunft ttatb 
tnbeffen mir eine gemiffe 8nnä$etung, nocty leine eilige Sin«* 
Innung jttrifc$en ©atet unb ©ofrt etjielt. älBted^t fud&te Stoft 
in fitd&lid&en Stiftungen für ba« Seelenheil bet ©emotbeten, 
bet Sätet Bemühte fiety butc$ gleiche $>anblungen ©etttauen 
unb Neigung be« ©o$ne« toiebetjugetoimten. ÄBie fte ge* 
toünfd&t hatte, toar «gne« im ftloftet bet Karmeliter ju ©trau« 
Bing, too fie fd&on ftü$et einen ältat geftiftet $atte, in bet 
9Jtfolcuiöfcn>eüe Beftattet tootben. 3n biefet ftitd^e fttftete mm 
SIBted&t (12. Dej.) füt i$t ©eeten$eil eine etotge SDleffe unb 
SOmofen. ©ein Sätet, bet biefen ©tiftung«Btief Besegelte, 
Baute eine ftapefle auf bem Äitdföofe ju ©t. $etet in ©trau* 




824 



groß, 9USre*t III. 



bing unb fttftete bort ebenfalls einen 3o$rtag für Ägne$. 3n 
®t. $eter fie$t i$r ®rabftem mit tyrem fernen ©ilbniffe in 
ganjer gigur unb in furftltc^er ftleibung. 

©otoie aber «(brecht ÜÄfinctyen ben SRüden gelehrt $atte, 
nahmen bie Dinge triebet eine bro^enbe ©eftalt an. ©or 
ffietynatyen befürchtete man in 2Jifin<$en einen 5Ra<$ehieg 
8lbrec$t$ gegen ben ©ater, auf Antrag be* State« Sttbler 
tourbe bamatt eine Hnbad&t begangen unb ®ott gebeten, ba| 
er fi$ gnäbig niebertiefce. Sttod&mal fcerjog jl<$ biefe ©oHe. 
Die ältere Huffaffung oon einem Stactyefriege 9lbred^td gegen 
feinen ©ater ift grunblod unb nun &on aßen ©etten aufgegeben. 
(IMeic$too$I befielt ein 3ufammen^ang jtotföen bem im fjrfifc 
Ja$r 1436 au$bre$enben inneren ftriege unb bem getoaltfamen 
Xobe ber ©ernauerin infofern, at« fttbre^t ber 8ta$e für 
ÄgnefenS (Srmorbung, auf bie er gegenüber bem {nuipt* 
fd&ulbigen aerjictytete, meü biefer fein ©ater toar, bo<$ freien 
Sauf tief gegen ben 8ante$uter Setter, bem er in feinem 3nnem 
too$I mit 9te$t ©noerjlänbni« unb eine getoiffe ©etytffe an 
ber 2$at öorgetoorfen $aben toirb. 

8lm 6. 3anuar förieb ber 3ngotft5bter an «Hbrec$t, er *er< 
neunte, bafc fein ©ater mit $einri$ fcerbünbet fei; er möge 
benfelben toeifen, ben 8anb$$uter triebt toiber 8tec$t ju unter-» 
ftüfeen. »uf ein ®efu# um ©eleit für ben 3ngolftäbter fceraog, 
ba« fttbrectyt bamatt an feinen ©ater richtete, antwortete biefer 
am 8. 3anuar mit ber ©Ute, bafj Älbted^t beftifÄ einer ©e* 
ratung normal naety 2Wün<$en lommen unb bann langer bort 
fcertoeilen mäge; fie toodten bann jufammen au$ jum $irf<$en 
fahren; ba lönne 3Ubre$t feine ©etoanbt$eit att ffiagenlenler 
Seigen. SUbrec^t !am (jtoiföen 15. Sanuar unb 25. gebruar) 
unb nun erft erfolgte eine $erjltc$ere SfodfBfytung junfe^en 
©ater unb ©o$n, bie not$ befeftigt toarb, al$ grnft in ber 
näd&ften 3* — biefleid&t unter ben SRa$toe$en feiner heftigen 
©emüttbetoegungen — ferner erlranlte. 

Dagegen mu&te $eittric$, ber auf <SmfW Anregung ebenfalls 
na$ SRünctyen gelommen toar, nun erfahren, bajs «tbre^t tym 
gegenüber m$W oon ©er[5$nung toiffen tooflte, i$n feiner Hn* 




nnb $einri$. 



forad&e Mtbigte, Ja Jebem 3ufammentreffen mit tym anttoty. 
Hl« neue ftränfungen empfanb er, bog $UBre$t einen feiner 
Untertanen, $an« ben gfamenberger ton ÜÄäffenfcaufen, ju 
feinem State unb Diener annahm unb bafj er in ©^reiben an 
feine ©eamten i$n mit lalter görmlictfeit nur £>erjog $einric$, 
nii$t feinen Setter nannte. SDringenb aertoie« er auf ben 
greiftnger ©unbe«t>ertrag, ben ia au$ «Hbred&t eingegangen 
toar, unb toieber$olt gab er Srnft ju bebenlen, ba§ er unföulbtg 
burcty tyn in biefen $anbel gefommen fei. 

ÜÄtttlertoeile tourbe eifrig, aber o$ne (Srfolg baran ge* 
arbeitet, ben bro^enben äu«bru$ ber geinbfellgfeiten jnrifd&en 
bem 3ngolftäbter unb 8anb«$uter ju beträten. Qrinielne Diener 
Subtoig« Ratten fd&on im 3anuar an $einri$ ge^bebriefe ge* 
f$idt. Slbred^t na$m bei ben Unter^anblungen eine 3"* fo°8 
nodfr eine i&ermtttelnbe Stellung ein, erlieg aber trog ber 3b< 
Mahnungen feinet Sater« am 15. Stytil ebenfall« feine Ärieg«* 
erHatung gegen ben 8anb«$uter £>erjog *). ©ergeben« fu#te 
nun $einri$ t>on (Srnft al« feinem SSerbünbeten Unterftüfeung 
nac$, anterfeit« aber mahnte aud& Srnft, bon $einrt$ gebrängt, 
feinen @o$n »ergeben« toieber^olt, ju i$m ju lommen. ffiie 
bebenHid^ p$ ba« 93er$altni« jttrifäen 83ater unb ©o$n noc$* 
mal« geftaltete, fte$t man barau«, bafc (Srnft am 16. Sfyrtt 
bie ©traubinger bei ben tym gefrorenen ©ben antote«, 
8Ibre<$t ni$t einjulaffen unb ©tabt tote gefte too^I ju m* 
toasten, @ed&« Sage barauf fam iebodfc 3llbret$t jum Sater 
na$ SWfind^en, too au$ bie 8anbf$aft tagte, unb Don ba an, 
not$ beftimmter feit bem 3uU erfreuten bie beiben tirieber in 
ungetrübtem (Rnberne^men. Klbre^t felbft $at feine Jtrteg«* 
erllfirung gegen ben 8anb«$uter foäter mit allerlei weniger 
bebeutenben SWottoen begrfinbet, ba« ftfirffte ÜWotio feiner geinb* 
f($aft ift Jebodfc in bem @roQ ju fufyn, ben er *on ber ©trau* 
binger Untyat $er auc$ gegen $>einrid& im $erjen trug. 

Die $auj>tgegner felbft, ßuburig unb $einri$, erliegen mit 

1) gflrftenfa$en VII, f. 64. «ei Ärenner, &mbtag*fymbümgen 
IV, 66 r ift bat Datum: Sonntag Quasimodogeniti irrig auf 11. fyril 
rebujiert. 




Äricg SubtoigS uttb 9tt6re$tS 



»tfidfftd&t auf ben &om »aifer btfticrten SBaffenftiüftanb für fu$ 
leine Jlbfage; e* foßte ben Änfc^ein gewinnen, aM ob nur tyre 
©afallen unb ©erbünbeten gegen einanber toSfd&lügen. Die 
geinbfeltgleiten *) tourben eröffnet, inbem SltBrec^t ba« t>on 
feinem ©ater an $einri$ oerpfanbete SReuftabt a. b. Donau 
befefete, toityrenb $einri$ Dingolpng, eine inmitten feiner ßanbe 
gelegene ©tobt ßubnrig«, vergeben« belagerte. 3o$ann &on 
ÄbenSberg mar im ©eptember 1435 in Stlbre^t« Dienfte ge* 
treten unb öffnete i$m nun feine ©urg SbenSberg. Dagegen 
toerbünbete ftety ein mächtige* ©lieb ber ©traubinger {Ritter* 
fd&aft $einric$ SRotyaft »on ©emberg, ber in ge$be mit ben 
$ertenbergcrn lag unb toegen bamit jufammen^angenber frioat* 
ftreitigleiten au<$ mit feinem 8anDe$$errn jerfaflen mar, mit 
$erjog $einrtc$ unb trat aW gelbfrroptmann in beffen 
Dtenft. (Segen beffen ©efifcungen toanbten fic$ nun älbred&tf 
unb 8ubto>ig$ b. j. flriegäföaren. aufkaufen, üWangolbing, 
Steinhofen unb anbere Dörfer 9Jot$aft$ fanlen in Slfd&e. Diefer 
führte ben Ärieg mit nic$t geringerer ©raufamfeit, aber mit 
größerer (Energie unb ÄuSbauer. Cr überfiel am l. SWai ben 
ÜRarft üRainburg in SrnfiS ®ebiet, lieg i$n plünbew, nteber* 
brennen unb <5in&o$ner al$ ©efangene fortföteppen. Um bie 
ÜRitte üWai na$m er mit ©türm ba$ jur ingolfiäbttfd&en $err* 
fd&aft Rimberg gehörige Oeifetyering, too flirre unb Äirc$$of 
fürjltcty befeftigt »orben toaren unb ber SRactybarjctyaft ©eun* 
ru^igung breite. Um $fingften (27. 2Rai) förttt $einrid?4 
©trettma$t, torieberum fcon SRotyaft geführt, jur jmetten ©e* 
lagerung Dingolfing*, ba* am 14. 3uni in tyre §anbe fiel. 
8m 24. Sunt begann DJot^aft bie Belagerung ber ©urg Ätrd^ 
berg, bie er am 2. 3uli eroberte. 2Ran $atte erwartet, bafc 
ber Rrieg mit SRotyaft« Untergang enben ©erbe ; bo<$ bie Dinge 
geftalteten ß<$ ganj anbei*. 

SWittlertoeile liefen bie ©ermittlungäoerfu^e fort, ©efanbte 
€mft$ unb be« ÜRßn$ner Wate« berebeten am 27. Jtyrtl in 

1) Andr. Ratisp. ehr. Bav. 134— 138 ; Ärenner IV, 37—91; Ge- 
meiner III, 72 -77; R. B. XUI, 6ff. 355. 376. 378. 380. 




gegen ©einriß unb ^affau 1436. 



8anb«$ut einen ©offenftittftanb gmifd^en 8Ubre$t unb $einru$, 
o$ne baß iebo# ber erftere fogleit$ barauf einging, dagegen 
gelang in JRegenSburg um $flngften nac$ längeren ©emü^ungen 
ben ©$n>ägern fywxiäfi unb tllbrectyt«, ffriebrü} oon ©ranben* 
bürg unb bem ¥faljgrafen 3o$ann, bet Äbfd&luß eine« Stoffen* 
ftillftanbe* jmiföen SU6re$t unb £>einri$. (Sin aSergteidfr, bet 
ftater folgte, Heg SReuftabt in 3Ubre$t$ $änben l ). SBtebet 
ja$ fiety ber 3ngolftäbtet fceteinfamt; Ja am 2. 3uni betbanben 
fi$ ju {Regendburg gegen i$n ju gemeinfamet Slbtoe^t Äutffitft 
griebridfr, ¥faljgtaf 3o$ann unb ®raf ßubmig oon Dettingen 
mit $erjog ^>etnrid^. S3on bort begaben fi# biefe gfltften unb 
$etten ju gtieben$untet$anbtungen na$ Sictyftäbt. Slucfy Subtoig 
fanb fi# bott ein, loa« gut golge $atte, baß in bet ©tabt ba« 
3ntetbift beobachtet toutbe. SDet (gtcfcftäbtet Sag mar Dom 
©afelet Ronjil angefefct, beffen S5etmitttung £>etjog (Stnft unter 
^Berufung auf ba« gute Stnbenlen feine« ©rubet« gleich bei 
©eginn bet gelben angetufen $atte. fit enbete ofyte gtgebmi*, 
abet in 8?egen$butg, too ein glänjenbet ftretö oon gütften unb 
fetten ft$ iufammenfanb, oermittelten am 21. 3uli bie ®e* 
fanbten be$ ÄonjiW, ©ifctyof 3o$ann oon Cübcd unb 9ti!olau* 
bon 6ufa im Serein mit anberen einen SBaffenfttUftanb auf 
oier 3a£re. Süßer ben älteren (Segnetn Subtoigä fdtfoß ber* 
felbe audfr bie ©tabt ftoffau unb beren ©if$of 8eon$arb *) ein, 
bie ft$ erft am 25. 3uni mit $erjog $etnri$ jum Angriff 
auf Subfcig* ©tabt ©cfyärbtng unb gefte ßönigftein fcerbünbet 
Ratten. SDaS 5Regen$burger Sblommen beftimmte nun, baß 
©c^ärbtng in Subfcig* ©eftfe Bleiben, ber Rönigftein aber ge* 
brocken unb n\ä)t »ieber aufgebaut »erben foßte. ^affauer 
©ürger t>oßbrac$ten ba« äerftSrungStoer! an biefer ©urg, bie 
erft oor furjem t>on $einri$ SRotfcaft als nieberbairifetym 
©ifctum erbaut toorben mar. Die ®c$li$tung beä ©trette« 
jtoifc^en $ot$aft unb ben $ertenbergew $atte ber Äaifet 
(23. 3uni) bem Äurfürften §riebri$ fcon ©ranbenburg ju- 

1) 8gl. Uxf. t>om 4. ftoö. 1436; R. B, XIU, 388. 

2) 3m Stiege gegen biefe ^atte Subtoig au<$ beffen »etter Ortotf 
ton SaitnUtg @<$loß töotened weggenommen, ß. B. XIII, 337. 



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$28 «Ibrecht« III. ScroUtytung mit Änna von ©ronnfchtoeig. 

genriefen. «Übtest aber tub fich noch eine ätgertic^e $e$be mit 
bem ©rafen $an« von Duingen auf ben $at«, ba er biefem 
in feinen JDienfl genommenen $errn ben bebungenen 3a$re«* 
folb ni^t jaulen tooflte. Crft nach fielen erfolglofen »ergleich«* 
verfuchen marb in 8tegen«burg bur$ einige gürften unb bie 
©eorg«ritterfchaft ber grieben vermittelt 1 ). 

9lo$ im fclben 3a$re tarn bie von $erjog Gruft fehnluh 
getoünföte ftanbe«gemäße eheliche SSerbinbnng feine« ©ohne« 
juftanbe. 9m 6. November 1436 feierte ätbreebt ju SWünchm 
feine 35ermä^Iung mit Änna, Softer be« $erjog« (Srid^ von 
in ©raunfötoeig 2 ). (Sine „hochgelobte $o<hjeit" nannte man fie 
in SRfinchen, »eil fi$ nun ber 3Äün<$ner $artifulart4mu* enblidh 
ber ®efahr entrfidt glaubte, baß Sßunchen lanWhutifch ober 
ingolftäbtifch toürbe. Der $eirat«brtef fotoie bie Urlunben über 
bie flWorgengabe unb bie ©iberlage mürben ieboch erft am 
Hgnefentage (21. 3anuar) unb an ben beiben folgenben 
Sage* be* 3a$re4 1437 ausgefertigt. 2)ur$ bie ffiahl btefe« 
lagen tooOte albrecht jeigen, meiere ©effihle $n noch immer 
befeelten, tote er au$ jehn 3ahre foäter toieberum benfelben 
Sag erfah, um bie Stiftung für feine Ägne« ju erneuern. 

ffite ber gemorbeten ©attin, fo fyd er au<h bem verföhnenben 
Äbfchluffe biefe« Drama« ein f$Sne« SDenfmal gefefct, inbem 
er auf bem ©rabfteine, ben er bem ftaifer Subörig, feinem 
©roßvater, SSater unb O^eim in ber SWünchner grauenfirche 

1) R. B. XIII, 376. 378. 382; gürflenfachen VI, f. 1—204; 
*. $ormavr-ttubhart, fcafchenbnch, 1850, @. 223—231. 

2) 2He ©ehanfctung, baß gnr geier biefet $o<hjeit ba« erjfc $ferbe- 
rennen in SWfinchen abgehalten »orben fei, fcheint fi<h nnr barauf }u 
Püfcen, baß im ©tabttammerbnch von 1437, f. 45 unter 1437, 6amßag 
nach SWari« Himmelfahrt, tta«gaben für €<henf»eitt verzeichnet finb bei 
(Gelegenheit eine« kennen«, bei bem an* frembe nnb ffirflüche titöße 
&ngegen »aren. S« ift aber gum minbefien fehr fraglich, ob nicht ein 
InrnicT bamnter ja vergehen iß. Wach bem bi« in ba« 16. 3abr- 
hunbert hinein f ^gehaltenen @j>ra<hgebran<h (f.2ejerII,405;@chmeUer- 
gromann II, 109) toar ein Rennen" nicht« anbere« al« ein Inr- 
nier. OefUhert iß aber ein ^ferberennen in SRfinchen i. & 1448; fiehe 
€Jchmeller a. a. O. 



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Xob $. (grnfW. 



toibmete, feine afo«f8$nung mit bcm SSotet barfteüen lief. 3u 
gfifen be« laiferlicfcn 8tyn$errn, ber ffiittel«ba<$ grof gemalt — 
tiefet befttmmte unb oon 8Ubrec$t rüfrenbe ©ebanle bfirfte 
jugrunbe liegen — berfffl&nt ft$ ber $eraog mit feinem SSater, 
um ben faifertid&en Intentionen toilteteba^ifc^er (Einheit unb 
STOod^t sticht untreu ju »erben. 

©eit bem ©ommer 1436 ettoa at« flßitregent befteOt, 
übernahm 9Kbre$t III. na$ bem lobe feine* JSater« (1. ober 
2. 3uli 1438) bie {Regierung für fi$ unb jugleidfr alt 83or* 
mfinber feine« Steffen Äbolf, ber Jebo$ balb bie «ugen föfof 
Stobertyalb 3a$re na<$ feinem {Regierungsantritte fa$ er fid^ 
bor bie lodenbe SSerfu^ung einer ft3nig«frone geftetlt: feiner 
SDlagigung unb SRe<$tlic$feit bonlte ba« 8anb, baß eine bem 
dürften ®lanj unb 3D?a$t, SBoiern aber me$r ©d&abigung al« 
»orteil oerfcijjenbe SSerbinbung mit bem 9la$barlanbe S38$men 
jurfldgetoiefen nwrbe. 

ftaifer Älbrety IL, ber ftönig oon ©B$men unb Ungarn, 
ftarb am 27. Oftober 1439 unb Unterließ feine ®ema$lin 
fflßfabet$ gefegneten Selbe«. 8m 22. gebruar 1440 gebar 
biefelbe einen ®o$n, ber ben tarnen 8abt«Iau« erhielt. 3h 
Söhnten aber Ratten bie ®rogen be* 8anbe«, bie an ifcrem 
©a$lre<$te fejtytelten, f$on oor$er, im Dejember unb 3anuar 
ju ÜMelnil unb auf einem alle Parteien oereinigenben Sanbtage 
}u $rag Aber bie SReutoatyl eine« ftönig ftd^ beraten unb in 
$rag mar bereit* 9Ubre$t oon ©aiern bon einigen in« äuge 
gefaßt toorben. 8m $ofe feiner $ater«f$toefter , ber Rönigin 
©optye, in ©itymen erjogen, toar Stbred&t ber bßfrnifctyen 
©prad&e bStfig mad^tig unb $atte unter ben böfcmiföen Herren 
oon feiner Sugenbjeit $er manche perfönltctye greunbe. (Einer bon 

1) «bolf, ber na* ffiinbede, c 313 ju »afcl »S$renb be* Äon» 
jil« geboten mar, muß um 1439 geßorben fein; benn am 29. 3nni 
1445 ertönt »forest, baß «bolf „Hoffl bor fe<$* Sauren geporben fei 
(Ärenncr I, 179). S)tc 3a$rja$l ber Bei 8ettcnt$obcr, ®efö. ber 
©ersoge bon ©a^ern, 324—326 gebroäten Urfanbe $. Crnfto bom 8uf- 
fa$rt«tag 1441, worin 9Cbotf alt lefcenb ermahnt »trb, tonn ni$t richtig 
fein, ba ja Groß S»cifeUo« am 1. ober 2. 3nU 1438 geftorben ifl. 




880- 



«Ibrety III. 



biefen, 3bentoftoltoin bon Moniberg, ©utggtaf oon ©ifc$of*£emifc, 
ein au£ ben Kämpfen gegen bic pufiten berühmter Äriegömann, 
übernahm e$, bic etften Untetfrmblungen etnjuleiten (20. gebr. 
1440). ©pätet braute er bie Anfrage, ob älbrec^t etn>a eine 
85a$l annehmen metbe, f$riftli$ an beffen $ofmeiftet $an* 
t>on ©eblifc, einen gebotenen ©ö$men. 3ta 3. Slptil ant* 
mottete biefet, et fei bon Sllbtectyt beauftragt, beffen ©enetgt* 
$eit jut Änna^me bet bö$mif($en Jitone Dotläuftg oettranli$ 
ju etflaten. älbtec^t felbft etflörte e$ in einem ©tiefe an 
3benIo }toat att unpaffenb, baf? et i$m feine STOeinung felbet 
f treibe, lieg inbeffen feine (Geneigtheit beutli<$ butc^bltde». 
Dag feine ©entarte änna bet fömglic^en Rtone no$ meniget 
ab$olb toax, etfie$t man au* einem ©Reiben, ba* fie intern 
©ema^l flötet bon ©tiaubing na$ $$am jufanbte. 

Um 23. 3Kai toatb bann auf bem ganbtage ju $tag 
aibrec^t faft einftimmig jum Könige getollt. Die SKeinung, 
bag ba$ Sanb o$ne 83etjug unb btingenb eine* männlichen unb 
ftafttgen $ertfc$et$ bebutfe, machte ft$ mit folgern 9tac$btud 
geltenb, baf? bet erbberechtigte $rinj in SBinbeln oot ben 
ffiä^letn feine ©nabe fanb. Slu# gegen bie anbeten ootge* 
fölagenen Äanbibaten, ben polnifdjjen König ffilabtölao unb 
feinen ©tubet ftafimtt, fomie ben alten fiurfüxften gtiebti# 
bon ©tanbenbutg unb beffen ®ö$ne toutben mit Crfolg manche 
©ebenfen erhoben. Den ©aietn$etjog aber empfahlen feine 
böfyniföen ©ejiefcungen, S^ataftet unb $opulatität, unb felbft 
foldp, bie anfangt nid^t füt tyn gejinnt toaten, toie Ulti$ oon 
Wofenbetg, bet Büßtet bet öftettetyiffyn hattet, gaben i$m 
nun tyte ©ttmme. 

Hlbte^t fotberte ©ebenfyeit, et tooüte etft bie Stimmung 
be$ neuen 5Reic$$obet$aul>te$, be« $apfte£ unb be$ ßonjilS, 
erfahren, ben 9?at feine* Setter« $etnti$ einholen , mit bem 
et nun toieber in gutem <Sinbetne$men ftanb, unb bur$ ©eb* 
life, ben et ju biefem Stotdt na<$ ©ö$men fanbte, genaueten 
©etidjt übet bie Sage im Sanbe einjiefcn. Dem Zapfte lieg 
et bie ©a$e but# feinen Setter, ben Äatbinal ©tünioalbet, 
in ©afel tortragen, ©tfintoalbet fötieb etmuntetnb jurikf: 




unb bie böfcmtföe Ärone. 



831 



Da f«h Atbrecht um bie ftrone nid^t beworben habe, halte et 
bie SBaht für eine $ö$ete gügung; ber ^Japft, bem er übet 
bie Angelegenheit oertraulich bettetet, fei ton $erjen barüber 
erfreut unb erbiete fich ju 8tat unb ^>Ufe. ©rümoalber« 
9Rahmmg, bog Albrecht nicht vorgehen möge, ohne fleh mit 
feinen Waten, feiner getreuen $auj>tftabt, auch feinem @$mager, 
bem ^faljgrafen 3ohann ju oerftänbigen, traf toohl mit ben 
Äbftchten brt gürften jufammen. Am 13. 3uli förieb Atbrecht 
an ben SBifar be« ftönigreich« SBöhmen unb fe<h« Sage barauf 
an bie böhmifchen ©tänbe, er tooße gern ihr ftöntg fein, toenn 
ß<h bei ben toeiteren 33erhanblungen $erau$ftelfe, bag er e« mit 
Stecht unb SRufeen fein fönne; lönne er nic^t fo regieren, bag 
bie ftrone ihm unb ber Sanbfchaft „löblich, nüfcltch unb ehr* 
lieh" fei, fo mürbe er fie nicht gern annehmen. Die Söhnten 
Ratten aber verlangt, ©aiern foUte an bie ftrone ©öhmen ber* 
[(^rieben toetben, b. h- mit SBöhmen in Wealunion treten unb 
jutn Anhang eine« fremben ftönigteich« ^erabpnlen. Albrecht« 
Sbt\dft\b hierauf lieg bie ertoünfehte örntfehiebenhett nicht Oer* 
miffen: eine folche Jßerbinbung fei unmöglich, ba ba« bairi($e 
f>erjogtum Sehen com römifchen Weiche fei, auch bie bairtjehen 
Bauverträge oerbieten, bag ein bairifcher gürft fein (Srbe Oer* 
mache ober oerfchreibe. ©oßte er aber neben ©öhmen no$ 
Diet Sauber befifcen, er mürbe fie aße fo oettoalten, bag eine« 
ba« anbete in ben Zagen ber ©efahr unterftüfce. Anbete 
gorberungen ber Warnen fanben Albrecht« fiintoilligung; er 
Der|>rach bie oetpfänbeten böhmifchen ftrongüter mit feinem 
©etbe aitfjulöfen unb fie forte aße unrechtmäßig entfremdeten 
öejitfe ber böhmifchen ftrone jutüd jufteflen. Dagegen forbette 
atbrecht bie grblichfeit ©öhmen«, Fähren« unb ©chlefien« in 
feinem 2Rann«ftamme, bie äJiittel ju ftanbeämägigem ßeben für 
fleh, feine ©emahlin unb fein $ofgeflnbe, bie Unterftüfeung ber 
©täube gegen aße, bie ihm nicht hulbtgen moflten, unb gegen 
bie atäubereien im Sanbe, Öffnung unb ©uhetfteflung aßer 
©tragen, bamit fleh §anfcel unb ©anbei neu belebten, ®e* 
gahtung ber noch «rtftehenben ©Bulben an bie ftrone, ^Bieber* 
anfrfchtung ber oertriebenen unb jerftörten ®etftlt<hleit, £)ff* 



882 



Httrecftt III. 



nung bet ßanbtafcl unb aßet 9?ec^te, tote oon alter hergebracht, 
bamit ärmen unb {Reifert gleiche* Stecht tiriberfahren möge. 

3ur SSerftanbigung über biefe unb anbete fünfte toarb 
jtoif<hen 2ttbre$t unb ben böhmifchen ©regen eine 5Eagfafcung 
ju (Sham am 24. Huguft oerabrebet. Borger aber erhielt ber 
$erjog ein oom 31. 3uli au$ $re§burg batterte* ©^reiben 
ber ftönigin (Slifabeth, ba« ihn ftufcig machen mußte. Die 
ftunbe oon feinen Unterhanblungen mit ben ©öhmen — fo 
färieb bie ftönigin — höbe fic peinlich berührt, ba fte unb 
ber Junge 8abi$lau$ burch $eirat unb ®eburt bie (Srben ber 
böhmifchen ftrone unb eine ffiaht laut ber ©olbenen ©uUe un» 
ftatthaft fei. älbrecht möge baher ben Hntrag ber ©öbmen 
auSfchlagen unb biefelben an ihren rechtlichen $erw oertoeifen, 
toibrtgenfaCW fte bie ©ad&e an ben ftönig, bie fturfürften unb 
ihre greunbe bringen müßte. Wibrecht antwortete , fie toerbe 
fiberjeugt fein, bafj er bie ftrone nicht toiberrechtli<h toiber fie 
unb ihren ©ohn innehaben toofle; lönne er aber ben Antrag 
mit ©ott unb {Recht annehmen, fo hoffe er, fte mürbe bie 
ftrone ihm mehr aW einem anbern ginnen. (Slifabeth aber 
feanbte ftch nun unter Vermittlung be$ ©ifchof« ©tloefter oon 
Shiemfee unb be$ Wetchtfanjler* ftafear ©chtid an ftöntg 
$riebrt<h unb am 23. Suguft fam ju $eimburg ein ©ergteich 
§totf<hen beiben juftanbe, toonach ber ftönig gegen Übernahme 
ber SSormunbfchaft unb ber 8anbe$oertoefung in Dfierrekh 
(Slifabeth unb intern ©ohne [einen ©chufc oerforach. Der Junge 
8abi$lau$ toarb Biebrich jur (Srjtehung unb 33erforgung über» 
geben, ©ogleich koanbte fich griebrich abmahnenb fotoohl an 
Wibrecht tote an bie böhmifchen ©taube. Unter $imoeifun& 
auf ftaifer Wibrecht« unb Sabillau*' Siechte, auf bie ©olbene 
Sude unb bie jtonfehen ©öhmen unb Öfterreich beftehenbeit 
Verträge forberte er Hlbrecht (28. Äuguft) auf, fleh toohl ju 
bebenfen unb fo ju hobeln, bafc bie regten Srben unb $au* 
£)fterreich nicht oerfürjt toürben. ©leichjeitig fanbte (Slifabeth 
normal ein abmahnenbed Schreiben an ben SJtüncbner dürften. 

(5$ beburfte Jeboch biefer ©arnungen nicht mehr, föon bei 
ben entfeheibenben SBerhanblungen in (Eham benahm {ich Wibrecht 




unb bie B8$mif<$e Änme. 



fo jurifctyattenb, bat feine ftanbibatur fo gut tote befettigt gelten 
fomrte. SDen b3$mifc$en ©tfinben eröffnete er mm ben 3n$alt 
feiner ftorrefoonbenj mit ber Äöntgin (Slifabety unb erftörte, 
er toofle jtoar ber ©efrwptung i$re« freien ©a$lred&te« (Stauben 
fd&enten, jebenfaü« aber toare, ba ©aiern 8tei$«le$en fei, in feinem 
unb tyrem tarnen eine ©otfd&aft an ben ftönig ju rieten, um 
alle« mit beffen ®unft unb ©ißen gu Hären , umfome$r, ba 
bem 83erne$men nad& jtoiföen Söhnten unb Öfterrei# ein toe^fel' 
fettiger (Erboertrag befiele. 5Der (Entfd&eibung be« ftonjü« tooflte 
er bie gorberungen ber fflö^men anfceimfteflen, ba§ er bie 
©afeler ftompaltaten anerletfne unbföfifeeunb auf bie9ner!ennung 
unb ffietye SRofyjana« al« <Srjbif$of oon $rag tymoirfe. 

©iefe änttoort mufjte ben ©8$men bie Suft au weiteren 
S3er$onblungen mit 2tlbre#t benehmen, ©fi^renb fie einen 
JWnig tofinfd&ten, ber fie fotoo$l gegen ftönig grtebrit$ al« gegen 
ba« ©afeter ftonjil bertreten mürbe, erKärte Hlbred&t im ©egen* 
teil bon biefen Autoritäten feine <Sntf$eibung abhängig ju 
machen. SlnberfeitS motten u>o$t bie bitymifetyen ffiä^er bem 
$erjoge ba« für feine gamüie »erlangte Srbre^t ni$t juge* 
fielen. Die bö$mtf<$en Äbgeorbneten »erliegen ß$am in ber 
Überjeugung, bafc jtotfctyen tynen unb 8lbre<$t alfe« beenbigt 
fei, unb in ber tlbp^t auf bem nä^ften Sanbtage, ber auf 
28. Oftober einberufen tourbe, eine neue SBa$t t>orjune$men. 
ffite trielen $errf$ertofen 3a$ren bofl «narrte unb Unruhen 
JKtymen bamal« entgegenging, afrtte tooty leiner. 9Ubre<$t 
aber bebottmäd&tigte am 19. September eine ®efanbtf$aft an 
fidtng grtebrid^ befte$enb au« £>ietri$ bem ©taufer unb $an« 
grauenberger, bie bem ftöntge feinen ®Wdnmnfö jum 8te* 
gierungöantritt fiberbringen unb bejfigli<$ ber b^mifc^en grage 
erttären foßten: i$r görft $abe nur für ben gafl jugefagt, trenn 
fi$ fänbe, bag er mit ©Ott unb 9fc$t ©öfrnenlömg fein lönnte. 

©erfifcmt unb bur$ bie 3a$r$unberte in ben ®ef$i$t6> 
bfid^em fortgetffonjt ift ba« 8ob, ba« (Enea ©ifoto *) Blbred&t 
bei biefem anlag gefpenbet $at: er $abe fi<$ mit einer Xugenb 
unb ÜK&gigung benommen, toeld&e, feit e« ÄSnige gebe, äußerft 

1) Hiatoria Bohemica, c. 57. 




884 



Bt&re^t* HI. 8crjt$t onf »8$men. 



feiten ju ftttben feien, gröfcer al« ba« ausgeflogene ffönigrekh 
unb in ffiahrheit al« ber erlauchtefte §errfcher; bemt bie toahre 
$errfd&aft fei nicht bei jenen, bie na<h SRacht begehren, fonbent 
bte fie au«jufchlagen oerftehen. ©egenüber ben bfthmifchen ®t* 
fanbten legt ©ifoto bem f>erjoge bie frönen ©orte in ben 
SDhmb: toer ©aifen ihre« Siechte« beraube, fei ©Ott unb ben 
Sölenfchen wffafy unb toerbe für feinen grebel geftraft »erben. 
5E)a ber geifttei^e 3taliener al« ©eheimfehreiber ftSnig grieb* 
ruh« mit ben ©&hmen in biefer Angelegenheit felbft untere 
hanbelte, festen fein Urteil auf befonberer @ac$feimtm£ ju be* 
ruhen. ®lei<htoohl bebarf fein 8ob einiger ©nfchränfung, üu» 
fofern al« SUbre^t auch nach ber ©eburt be« jungen 8abi«lau« 
no<h längere &xt in fernem (Sntfchlnffe f^manlte unb auch 
julefct nicht burch bte SRücfftd&t auf beffen erbrecht allein be* 
ftimmt tourbe. änberfeit« urteilte bo<h ein neuerer öfter* 
rei$if$er ©efehichtfehretber l ) , ber nur ©ruchftfiefe au« bem 
Äftemnaterial tonnte, gu ^art f toenn er meinte, ©iloto« 8ob 
t>erftoge gegen ba« erfte unb ^eiligfte ©efefc ber ©efd^te: 
nicht« Unroahre« ju fagen. (Sin fcon $errf<hfucht unb rü* 
fl<ht«lofem (S^rgeij erfüllter gürft mürbe t>or ©lutbergteten 
tttyt jurücfgefd&eut fein, um bie burch faft einjlimmtge ÄBahl 
ohne fein üutf/mt ihm angebotene ftrone eine« mächtigen Stetere« 
ffch $u fiebern. 81« gefährlicher ©egner fonnte bamal« toeber 
ba« 9iet<h«oberhau}>t gelten, ba« ftch in feinen eigenen ©tamm* 
tanben mit SWfihe eine« ehrgeizigen ©ruber« crmehrte, noch bie 
ftönigtn (Hifabeth, bte genug ya thun hatte Ungarn ju behaupten.. 
Dem S5ittel«ba$er gebührt ba« »erbienft, ba| er fleh al« 
treuer gürft be« SRei#e« ertoie« nnb »on ftlugheit unb ®e* 
rechtigfeit in gleichem SRage beraten, feinen Don Statur auf 
looht nicht fehr ftarfen ffihrgeij in ber entfeheibenben ©tunbe 
ju bämvfen vermochte, ©o tft immerhin ba« t>on Stoentin 
gefoenbete 8ob nicht unberechtigt, bog «Ibrecht fuh fdbft be* 

1) Äurj, ber j»d @($riftjHkf c au* bem f. ©(H»arjenbetgif(5ett flr^ibe 
gu ©itttagau im *r($to für ©eographte unb $iflorte VI (1815), ©. 257, 
berBffeutUtye. 2He gtraje Heihe »irriger «ftenfHWe f. nun bei greif 6erg 
in, 1-70. 2>aju »gl. $alad*, öef*. * ©8$mea IV, 1, 1-42- 62. 




gubtmg ber ©ucfttge. 



885 



fiegt unb bittet biefen feltneren ©ieg fi$ etorigen 9?u$m ge* 
fc^affen $abe. 8u<$ in ben inneren »ertoidfungen, bie in biefen 
darren, &on Sngolftabt au$ge$enb, ganj ©aiern toieber auf* 
jnregen bro$ten, fta# «fbred&t« SWaßigung borteityaft &on bem 
©eba^ren feinet Settern ab. 



©o riet 3)üftere$ unb ©djmerjlid&eS bte große toitteW* 
bac^tfd^e gamilientragöbte be« 15. 3a$*$unbert« bisher fetyon 
aufgetoiefen, alle* tourbe noety überboten bur$ ben grauenvollen 
fUt, mit bem bte <8ef$t$te be« felbftänbigen SngolftSbter Sanbe* 
tyren »bföluß erreichte. £>ier foflte Jener „$errltd&e, ©Breden 
erregenbe gfirft, ber fonber ©leieren männlitye $err, ber reiety, 
getoaltig unb wältig toar tote fein anberer in Dberbeutfölanb", 
Itöglitfer enben aW ber Srmfte ©ettler auf ber ßanbfiraße. 
8u$ bem ©ctyoße ber gamilie, ba, too er am meiften gefünbigt, 
ertoudj* ßubtoig bte fcerbe üßergeltung. 

S3on feinen e$ettc$en ©8$nen $atte nur ein bur<$ feine 
SWißgeftalt bem SBater unerfreulicher ©Drößling bie ftinberjafce 
überlebt. gubtoig VIII. *) mar au« ber erften <£&e Subtoig« 
im ©ort in $ari£ geboren unb fcatte ebenbort na$ bem lobe 
feiner SRuttcr unter Ob$ut ber ftönigin (Sbarlotte oon Supern, 
ber ©cfyoefter feiner ©tiefmutter, bie erfte (Erjiefcung erhalten, 
dm S3oIfe erjagte man, al$ ftinb fei er in einem Müden* 
tragforbe (bairifö: ftrefcen) au« granfreiety in bie £>etmat ge* 
tragen toorben, unb tooHte babon bie (Entftefymg ber Brper* 
liefen äßißbtlbung herleiten, bie tym ben ©elnamen : ber 83u<flige 
fcerföuf. Sin $8<Ier unb übermäßig lange ©eine, auf benen 
ber torje 8eib auffaß, brauten ben fcoHenbeten ©nbrud ber 
SRißgeftaft fcer&or, aber biefer aertoadftene ftörper toar bo$ 
aller ritterlichen Hantierung fS^ig unb in tym toofytte ein Iluger 
unb äußerft berfölagener ©etft. 

1) 3ttmflgb. f.BefonberSgttrflcnfatynVIH; Ärennerl, 128—141. 
146 f.; UI, 49f.; M. G., 2>mtf4e ^ronifen II, 867f.; Ärn*>e(f 389f.; 
€>t.-<5$r. IV, 121 f. 235. 238; «fcentta« <5$rotti!; Sang, fctbtotg b. ». 



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2nbn>ig ber ©ttdüge. 



. Seit 1419 mar Suburig b. i. bom 83atet mit ber ®raf* 
f$aft ®rai«bach au«geftattet. ©ein gewöhnlicher SBohnßfc toar 
Jebodh mentgftend fpäter grkbberg Bei 8fog«burg- 3n ben 
ferneren ftampfen be« bairifchen Äriege« toar er feinem Sater 
treulich beigeftanben, au<h t>on biefem toieber^olt mit biplo* 
matifdhen Aufträgen betraut toorben. 1432 x ) überlieg ihm 
ber ©ater weitere ©eßfcttttgen, u. a. ©ei&enhoro unb ffiart* 
ftetn. ©eine STOifgeftalt fyüt ihn m$t bon $exrat«plänen 
jurfid SBegen feiner geplanten Verlobung mit 8nna bon 
Sufignan ftanb beten SSater, ftönig 3o$ann bon (Supern, noch 
1427 mit Snbtotg im ©art in ©ricftoechfel. 9la^bem mehr 
al« ein «projeft fWh jerfchlagen hatte, faßte ber $rinj felbft bie 
©raut in« Sluge, bie fein 85ater 1431 beworfen hatte (f. oben 
©. 297): SWargarete, bie SCod^ter be« alten fturfürften grieb* 
rid? bon ©ranbenburg, beren erfte <5h* mit bem früh ber* 
ftorbenen $erjog Wibrecht bon STOedlenbutg nicht jum SSofljug 
gekommen koar. €« lägt fleh benfen, mit meinem 9ttif$bergnügen 
ber unberföhnliche SSater ben ©ebanfen aufnahm, baß fein ©ohn 
bie Softer feine« alten STobfeinbe« al« ©attin ^eimfä^ren 
foflte. SRoch üppiger f$oß bie ©aat be« Unfrieben« jtirifchen 
S3ater unb ©ohn bon anbetet Seite ^er auf. Unter feinen 
btelen unehelichen fttnbem hatte ber alte $erjog einen ©oh«, 
bem er mit leibenfdhaftlicher Vorliebe jugethan toar, ben bie 
Statur fötperlicb auf« glütflidhfte au«geftattet unb glei$fam al« 
©egenfafc feine« ehelichen ©ohne« gebilbet hatte: SBielanb, bon 
Snbmig mit (Sanetta, ber Softer feine« Kate« SBielanb ©melier 
erjeugt. ©päter h*tte bie SWutter einen $errn bon greiberg 
geheiratet unb ber ©ohn ^ienadh ben Warnen SBielanb bon 
greiberg angenommen 8 ). Diefem feinem gieblinge, ben er 
1418 bom Zapfte legitimieren unb bann in ©ologna $atte 

1) 23. 3wii. @. $Sntle im Oberbaar. Wcä>b> XXXII, 25. 

2) (Sin anbetet gteibetget, Äontab, genannt bet giebelbogen, 9tat 
be9 jüngeren Subtolg, fott nach «»entin (V, 576) gtoße ©<hutb an bet 
ttuftefeung be9 ©ohne« getragen haben. 3 in! (€5t-Äht. V, 167) «ritt 
totflen, 8nbtoig b. j. habe biefelbe gtau geliebt tote fein Sätet; bie« fd 
ein »eitete« SWotto ihrer geinbf<haft getoefen. 




2ub»ig b. |. toitbt gegen feinen Sater. 



ftubteten laffett, berltefc bet SSatet bie SBütbe eine« ftammet* 
metfter« unb toanbte tym aümä$tt<$ (Selb unb ©ut in ber* 
fötoenbertföer Bütte ju. 60000 ®ulben, in Wegen«6utg, 
8Cug«butg unb 8auingen angelegt, franjößi^e fttonjutoelen in 
©ttaßbutg, baju eine ÜWenge bon golbenem ®cf$ttt nennt 
eine Utlunbe, worin bet alte $etjog am 2. Dftobet 1438 
ftüfcre ©cfcnfungen jufammenfaßte 1 ). 3m gleiten 3a$te bet* 
mahlte et ben jungen ©iclanb mit Ämalie ©täfln Don ffiett* 
$eim unb ernannte beten SSatet ju feinem 83ifctnm. @o fanb 
bet SHeib, ben bie Statut ben £etfta$fenen al« eine 8tt 
gamitienfranf^ett jum Ängebtnbe gibt, bei Subtoig bem Jüngeren 
t>on lag ju SCag neue 9ia$tung. äßit toactyfenbet SSerfttm-- 
inung fa$ bet rechtmäßige ©ofyt jugunften eine« glfitfltd^eten 
©aftatb« fein (Srbe mefct unb me$t betffirjt. (5t Wagte fein 
8etb bem beftennbeten Älbrety t>on SKünctyen, bet iebocty oer* 
geben« ben SSatet ju anbetem SSet^alten ju bcpimmen fuc&te. 
©dfron fürchtete gubtoig, baß bet SJatet ffiietanb aucty bie (Stb* 
folge jujuroenben gebähte. Die ©raut, bie et fid^ toünföte, 
fa$ et bom SBatet öetä#tlid> befttnbelt, ftc^ felbft au« be« 
»atet« Oegemoatt berbannt. »I« au«gefto§enet atmet $ett, 
flogt et, $abe et umfctteiten unb bei gtemben o$ne Itöftung 
motten muffen. 3n ber 2$at f$etnt e« julefct fo weit ge< 
fommen ju fein, bag tym bet SSatet ben äufent^alt in feinen 
©täbten unb ©utgen betbot unb berührte. 

£>a trieben Crbittetung, $ajj unb Uteib ben Unglü<ftt$en 
ju offenem ftrieg gegen feinen (Erjeuget. SDKt geheimen Stuf* 
ttägen fanbte et feinen {Rat Söityclm <ßaul«botfet an ben 
föniglic$en $of, ö>ü$tf$etnlic$ um bott fein SSortyaben in gün* 
ftige« 2td?t ju fteUen. 3m $)crbft 1438 gewann et feinen 
gteunb SU6te4t Don SWünc&en ju (Stboetbtilbetung unb ©ctyufr' 
bfinbnt«; bet SSettet *erft>rac& tym im fttteg«fafle Untetftfifcung 
mit 150 reifigen ?fetben. Det $erjogin 8nna follte ein 
Diamantenfcattbanb ben (Einfluß lohnen, ben ftc jugunften 8ub* 

1) ©ielanb* 8erf*reibung f. M. B. XXXIV, 1, 352. ©ielanb flar* 
im »owmbcr 1439. 

«Icjlct, «cfttftte ©aUtnf. III. 22 




888 



Ärieg £itbtoigt be8 Sudligen 



n>tg$ auf ihren (Semahl ausübt hatte 1 ). «m l. Samtat 
oerpfänbete 8ubn>ig feinem 35ettet unb äJerbunbeten bie fytxu 
fc^aften Stettenberg unb Baierbrunn um 15200 fl., foäter 
(l. Ottober) auch ®chlo& unb ®eri$t Schwaben bei Srbing 
um 19800 fl. rheta. *). Die eifrtgften ©erbünbeten gennum 
er in Wibrecht Hchillc« unb ben anbeten ©rübern feiner 3fo* 
ertoahlten, mit ber am 31. Ottober ju 92eumartt bie $eiraW* 
abrebe jum Äbfchlnfc gebraut toarb. S3on feinem ©chnrieger* 
oater tourben ihm ©ohenftraujj, $>itpottftem f bie $älfte oon 
glofc, $artftein, ÄBeiben, Sponheim unb Sauf jugefagt, meift 
ingolftäbttfche (Eroberungen be$ fturfürften auä bem bairifchen 
ftriege, fo baß man baran ba$ ©prich&ort Inüpfte: Sbgeioon* 
nene ®$l£ffer unb entlaufene SBeiber fommen mit ber 3eit 
mteber ^eirn 3 ). 8WmähK<h traten auch $einri<h oon 8anb$* 
hut 4 ), bie ®rafen oon $elfenftein, bie Herren oon Hohenlohe 6 ) 
mit bem ©ohne in »ünbni«, bie ©ürgerfchaft oon 3ngolftabt 
»enigftenä in ©noerftänbni* gegen ben Sater unb bie ganje 
äJerhafcthett be* alten trat toieber jutage burch bie Setchttgfeit, 
mit welcher einer unnatürlichen Webetlion §elfer unb Änhanger 
ftch gewinnen liegen. Km 27. Sanuar 1439 tflnbete Subtoig 
feinem Sater ben ftrteg an unter ftlagen äber bie unnatürliche 
$arte, mit ber er ihn nicht bor fein ÄntUfc laffe unb um fein 
(Srbe bringe, nrie äber bie Serfö&enbung, mit ber er einen 
unehelichen @ohn bereichere, mähtenb fo oiele ©chulben noch 
.nicht bejahlt feien unb ba$ 8anb Slot leibe. 

1) Urf. vom 14. ©ept. (Ä tenner 1, 123), 14. JRo*., 23.9fo*.1438. 
$.•«. unb 

2) «rennet UI, 328. 329. 

3) Subtoig« *. 2>ent»ürbigteiten, ed. $ öfter, 119. 

4) Jfctefer fötoß am 9. gebr. 1444 ein ©ftnbni« mit bem ¥faljgrafen 
nnb StönenWnige <£hripo$h für ben gafl, baß Snbtoig b. j. bie gorbe* 
rangen feine« $aterft gegen ihn unb gegen Gfcriftoph @ohn be* 
^faljgrafen Sohann »ieber hervorholen »ttrbe. Wenburger <S. ©. 
XXXIV, f. 68 v. 

5) Stahl auch bie trafen Sohann unb Ulrich von Öttingen, Aber 
beten angriffe auf Höningen feit 1440 ber Wnigluhe 8e<ht*ft>ruch vom 
6.*ugupi442 (€hmel, Heg. griebrich«, «nhang Hr.21) ju verglefahen. 




gegen feinen Sater. 



Sofort erföten er mit Struppen be$ ÜWartgrafen oor Sngol* 
ftabt, beffen Sürgerfchaft ihm bie Ihore öffnete 1 ), toorauf er 
— miber fein ber ©tabt gegebene* ©ort, toie toenigften« ber 
Sater behauptete — im ©chloffe ftammern unb Xrutyn er* 
brach unb beffen ©leget, ©$äfce unb ©Triften an fleh nahm. 
(Er oerfammelte bie Sanbfd^aft unb fuchte bor ihr fein Sor* 
gehen ju rechtfertigen. ©er ölte hielt fleh in 3leuburg, ba* 
er ftarl bef eftigt hatte, unb mußte thatlo* jufehen, tote ber 
größere Zeil feiner Sanbe allmählich jum ©ohne überging ober 
mit Oeioalt bejmungen toarb. ©eit ßhrifti (Seburt, Magte er, 
hat fleh lein ©ohn fo an feinem Sater oergangen. JWit ©e* 
föießung unb ©türm tourben noch im felben Oahre Weicher^ 
hofen oon 8ubtoig b. \. unb Wibrecht, Schwaben unb flrflen* 
fofen bei (Sberäberg oon Unterem eingenommen. Wibrecht mar 
in üßünchen felbft auf ba$ SRathauä gegangen, um bie toiber* 
ftrebenbe ©firgerfchaft für ben ftrieg ju gemimten 2 ). Sange 
mehrte pch unter ihrem tapferen Pfleger Heinrich oon ©(hman* 
gau bie Surg griebberg 9 ), ju beren ^Belagerung auch Wibrecht 
oon SRünchen herbeigerücft mar. ®ie ©täbte SUchach, ©groben* 
häufen, SRain hulbigten bem jungen #erjoge, bem Sater blieben 
außer SReuburg nur Sauingen, ©chärbtng, ©afferburg unb bie 
$errfchaft in ben Hfyen, beren ©täbte unb Surgen bem ©ohne 
leinen ©nlaß gemährten. 

Sergebend gebot ftönig «lbre<ht Stieben. Buch beffen 
Nachfolger griebrich III. ließ auf ©rängen be« alten $crsog$ 
oier* ober fünfmal Stiebendgebote ausgehen, ber ©ohn härte 
auf pe fo menig mie auf bie löniglichen ©efanbten (®raf $an* 
oon ©chauenberg, ©tepfan oon Röhenberg, SBolharb gu<h* 
oon f$u<h$berg) bie einen Sergletdh jmiftJhen ihm unb bem 
Sater jumege ju bringen fugten. 9m 2. 3uK 1440 erftredte 

1) Sgl baju an* H$mtl, »leg. griebri<h«, Anhang 9lx. 30. 

2) €ftabtarchio SWünchen, Äamraerrechnnug oon 1438. 

3) 6ie fofl fleh am 27. 3ult, na* M. ö., 2). «fron, n, 367, erfl 
am 1. €>ept. ergeben haben, nach einet Belagerung oon 31| ©ochen, toaft 
nur richtig fein lann, wenn bie Belagerung fchon oor ber ÄriegGerfWrnng 
begonnen hat. 




Belagerungen 



bet ftönig eüierfeitt ben grieben jurifdjen ben betben 3agol* 
ftäbtet #etjogen unb tyren alten ®egnetn auf toettete btei 
3a$te unb otbnete anbetfeit* jnuföen ben betben Submigeu, 
beten ä^^trad^t unjtemlidj, unnatfitltcty unb faft unerhört fei l ) 
einen oietiä^tigen Stieben an. Unbeirrt aber bu*$ bie fdrng* 
li#e Uugnabe, bie et ft$ babut* jujog, fötitt 8ub»ig b. i. 
gleich batauf gum angriff auf ben Sätet felbft. 83om Cnbe 
3uli biä jum 3. Dftobet 1440 belagerte et i$n in SWeubutg 
o$ne Crfolg. Da« 3a$t batauf (20. 3uli) feierte et in 
Sngolftabt feine $o$}eit mit ÜWatgatete. (Sin jmeitet }u 8ta* 
fang beä 3a$te$ 1442 unternommener 93etfu$, 92eubutg, 
bieämal but$ Überrumpelung ju genrinnen, blieb ni$t minbet 
ftucfctlo« al« bet etfte. Der $atet fcfceint bamal* eine 3eit 
lang an gluckt gebaut ju $aben, lieg fi($ toenigften* oom Äönige 
am 2. Styril 1442 auf ein 3a$t einen OeleitGbtief für fid^ 
unb feine Seute aufteilen 2 ). Der ©ofyt bagegen fanb fu& 
Cnbe biefed SDlonat* bei gtiebticW ßinaug in SRütnbetg ein, 
n>o$l in bet &bjt$t ben flönig für fi$ günftig ju ftimmen s ). 

81m 28. «ptil 1443 oeteinigten fi# bet junge Subtoig, 
8Ubrec$t oon ÜKünctyen (bet am 2. gebruat ju 3nn*btud oon 
Stbnii gtiebtidj bie 8e$en empfangen $atte) 4 ), unb Sllbtety 
SUfciUeä ju einem btitten, mit bebeutenben Kräften untere 
nommenen Singriff auf SKeubutg. Det SWfincfriet $etjog abet 
luat nut mit geteiltet Seele bei bem fteoetyaften beginnen. 
3&m fcatte einft fein Sätet no$ fölimmet mitgeftnelt, att bem 
jungen Sngolftabtet »iberfa^ten mar, unb bo$ fyttte bamal* 
in feinem $etjen bie ftnbltye $ietät taflet toiebet bie Dbet* 
$anb gewonnen. 3n einem Schreiben (23. Sfytil) $atte et 
Subtoig bot bem Stiege gesamt unb betont, baß bet 83atet 
immerhin fein Stbgüt ntctyt bebtofct $abe. ffiilllommen lam 
i$m nun ein neue« griebenSgebot be« ftönig* (9. 9Rai); mit 
bet (Stflätung, ba& e* ni$t Ubliä) unb eftlty fei, btefe* ju 

1) €&mel, Stegcßtn Ä. griebru*«, 9h. 86. 86. 

2) <£$mel, Keg. 9h. 474. 

3) 3anf fen, gtantfnt» 9tet^9cotrefponben) U, 27, 9h. 56 n. 58. 

4) ««entin in, 583. 




unb Ctnnafrnc SRen&nrgS a. b. 3)onau. 



mieten, &erlie6 er ba« Sager ber Sngreifer, benen er Jebodh 
fein SBelagerung«gef(hfifc jurficttteg. Dagegen fibernahm nun 
^einrieb oon 8anb«hut, ber bebeutenbe {Rüftungen gemachtjhatte, 
ben ihm angebotenen Oberbefehl über ba« ©elagerung«heer, 
wie er felbft erllärte, nur bamit nicht 9leuburg etwa an ben 
äWarfgrafen fiele unb fo oon SBaiern lo«gertffen würbe. Dort 
war mittlerweile ber alte $erjog mit feiner eigenen ©Arger* 
föaft in $anbel geraten, erbittert über bie $ärte ihre« 
$erro, hatte eine gartet berfelben fcerfuebt bureb bie Oefangen- 
nannte einiger $erjogli$er Diener oom prften ba« ®etöbni« 
milberen {Regiment« ju erjwingen. Subwig gab gute ©orte, 
bi« feine Diener freigelaffen waren; nachher aber bef$ieb er 
feine ©iberiacher einjeln oor fidb, lieg fie oerhaften unb jwang 
fie mit ihren gamilien bie Stabt ju uerlaffen. 

Die am 7. 9Kai begonnene Belagerung SReuburg« geftaltete 
fldh ju einer ber hartnSdigften be« Oahrhunbert«. (5rft nach 
achten SBochen, nachbem bie ÜWauern burch ba« ©efctyüfc ftart 
gelitten unb ba« geworbene gujjüoll be« alten $erjog« meift 
in ben ®räben 5Rei§au« genommen hatte, wagte man ben 
Sturm. Der Singriff ber SBaiern an ber Donaufeite warb 
abgefölagen. 8Bä$renb aber ein Scheinangriff ber SRarfgräf* 
liefen bie SBerteibtger an einer jweiten Stelle befd&äftigte, er* 
fliegen an einer britten Wibrecht »d&iöe« unb Subwig bie 
SRauern unb warfen ihre wenigen ®egner jurücf 1 ). Such bie 
Burg war nun nicht mehr }u hatten unb ber alte $erjog, ber 
fich borthin jurüdgejogen hatte, ergab Reh bem JWarfgrafen 
Htbrety (4. Sept. 1443). «f« beffen unb feine« Sohne« 'S 
(Befangener blieb er in SReuburg in $aft. Den Siegern fiel 
reiche Beute ju; auf jebe« $ferb trafen 11 ®ulben, ba« Sin«* 
ba(her gug&ol! erhielt 2000, ®raf griebrich »on $elfenftein 
unb ftonrab ton $eibe<f, $erjog Heinrich« Pfleger ju Saber, 
2000 ®ulben. Den Seuten be« alten $erjog«, bie mit ihm in 
®efangenfchaft geraten waren, foH erft ber lob Subwig« b. i. 
bie Freiheit oerföafft haben. 

1) ö$b« IDentoürbigteiten, 122. 




842 



£ob 2nbtoig« b. j. 



Sin 3a$r barauf gelang eä Subtoig b. j. r bie Stofhebung 
ber Kniglichen Ungnabe, bie er burch feinen Ungehorfam auf 
flc^ gejogen ^atte f ju erttrirfen. S)a ber auöbrechenbe liroler 
Äufftanb griebrich ein gute« <Sint>eme$men mit feinem baU 
rtfd^en Nachbarn empfahl, ernannte er (11. ©ept. 1444) ben 
$erjog auf fech$ Oahre ju feinem SRate, toofür biefer ihm unb 
feinem ©ruber Wibrecht jährlich $unbert Weißge ju fteüen unb 
feine ©töbte unb ©chlöffer im Onnt^al ju öffnen oerfprach l ). 
3)o$ nicht lange überlebte ber unnatürliche ©ohn feine <£r* 
folge; in feinem frühen (Snbe (7. Hpril 1445) fah ba$ Soll 
bie ©träfe te« Gimmel«, ©eine SBittoe ging im folgenben 
3ahre mit ihrem früheren $ofmeifter SWartin bon ©albenfett 
eine (E^e ein, bie ftc lange geheim ^ielt*), um ihren ©ruber, 
ben SDlarfgrafen, nicht gegen ftc^ aufjubringen unb ben $er)og' 
liefen SCttcI fortführen ju fönnen. 

Huf bie Nachricht oon Subtotg* STobe brang ber martgräf* 
liehe Pfleger ton ®rai$bach, «berbar oon ©edenborf, nacht* 
lieber ©eile in SWeuburg ein unb bemächtigte ftcb für Sllbrecht 
Hchiöe* be* (gefangenen. 3ur {Rechtfertigung biefe« Schritte« 
toarb behauptet, e6 fei ein Snfchlag be$ Pfleger« Ötlhtger anf 
Subnrigä Befreiung im fflerfe gemefen. Silbrecht felbft fam ben 
bairifchen $erjogen mit ber ©efefcung Ongolftabtt juoor. ©einen 
(Befangenen brachte er auf ©djlofj Äaboljburg unb fpäter nach 
Änäbach. ©chon ^atte bie ©immung beä leicht betoeglichen 
Soll* ju ßubtoigö Ounften umgefchlagen. Sltt er ton 9?eu* 
bürg fortgeführt toarb, lief 3ung unb 91t jufammen unb alle 
meinten um ihren $erm. „Siebe ftinber*, tröftete fte biefer, 
„ gehabt euch toohll totr hoffen ju ®ott, mir tommen fester 
mit greuben h^ttoieber." 

Subtoig« Hoffnungen beruhten auf feinen Sanbftänben unb 
auf beut einjigen 93ertoanbten, mit bem er nicht gänjltch jer* 
fallen toar, auf «(brecht Don München 9 ). ©iefe beiben maren 

1) «hmel, Heg. 9lt. 1733-1735. 

2) @. auty bie 3ugttarger Ähronit in t>. $ormatyr6 £aföen&u<$ 
1834, 6. 128. 

3) 3«m flgb. f. «rennet III, 81-206. 




Oefangenföaft Snbtorig« im Satt. 



Ut ©n&ewehmen getreten unb bemühten fi<h lange 3*i* auf* 
richtig um trie ©efreiung be« Unglücflichen. Äeine Snftrengung 
— fo fchrieb ihm SKbred^t — toollte er fid^ ju biefem 3»ede 
berbriefjen Iaffen. 3 toi W en SUbrecht unb $einri<h bagegen 
ftettte fleh nun fotoo^l infolge ber SBerhanblungen über Subroig« 
Befreiung als au« anberen Slnläffen, auf bie nrir jurücf* 
fommen, toieber ba« alte mifctrauifche unb gekannte SJerhältni« 
her. Die ingolftäbtifche Sanbföaft hatte ber SÄünc^ner $erjog, 
unbeirrt burch ben $rotefl ber $erjogintoittoe STOargarete, 
toelche ihm bie ©efugni« $teju beftritt, gleich nach Subtoig« 
JEobe einberufen unb nun tagten biefe ©tänbe mit einigen 
Unterbrechungen faft bretoiertel 3ahre lang in 3ngolftabt, 
SBafferburg, föeuburg, 9Kün<hen, 8anb«hut, ©urghaufen, Hben«* 
berg, Sfo«bach, ju»etlen mit ben üRfinthner unb ßanWhuter 
©tänben gemehtfam, julefct im ©erein mit föniglichen Äom* 
miffaren unb beteiligten Sürßen. <£« mar alter beutfther 
StechWgrunbfafc, bafc ein in ®efangenfc$aft geratener fjürft oon 
feinen Untertanen au«jul8fen fei. 3n SBaiern mar bie«, fooiel 
toir nriffen, ba« erfte* unb jugleich lefctemal bei $erjog 8ub* 
toig I. gef$e$en. Die Umftänbe ieboch, unter benen nun bie 
Gefangennahme Subtoig« im 99art erfolgt toar, toaren fo eigen* 
ähnlich, bag nur ein auch nach mittelalterlichen Segriffen 
au§erorbeiUti$er Orab t>on Soljalität bie ©tänbe ju Opfern 
für ihren dürften hätte betoegen !5nnen. Unerfchtotnglich fchienen 
bie gorberungen, rottet bie $er}ogintotttoe für {ich felbft 
(60 000 fl.) f für ihr Meine« I&hterlein, ba« einjige überlebenbe 
Stoib au« 8ubn>ig« VIII. ehe (50000 fl.) unb für bie ©ieher* 
fleßung ber dngolftäbter Stiftungen be« alten $erjog« 
(200000 fl.), »eiche toeiter STOarfgraf Wibrecht, beffen ©ruber 
dohann unb anbete Teilnehmer be« legten ftriege* anfang« 
erhoben. Mach einer ©chäfcnng $erjog $etarich« beliefen fle 
fich ungefähr auf eine fyitbt Wäxon ®ulben. 3m Saufe ber 
8erh<mblungen erboten fich bie ©tänbe einmal 15000 fl. felbft 
aufjubringen unb ebenfo Diel toollte $erjog Heinrich borftrecfen. 
dnbeffen befchloffen bie ©tänbe im 3uli in ÜWfinchen, bog ohne 
SJtffen unb SBiflen be« gefangenen dürften nicht« unternommen 




844 



Snbtoig im ©art 



toetben feilte, btefet aber gab nun bte befttmmte (Ertlätung ab, 
et toßtbe ju einem 8o*faufe nie feine 3uftimmung geben, i« 
t>etbot gerobeju ifyt um (Selb oitfjulöfen. (St betttaue feinet 
8anbf$aft unb allen e$tU$en Seilten — biefen ©eföeib erhielten 
bte ©tänbe — baß tfyten bie dfftt tyteä gürften liebet märe 
att fein gebte$ltc$et Stbtptx l ). güt tyn mar bie %nf$auung 
entföeibenb, baß et totbetteetyliety beftiegt tootben fei, alfo au$ 
toibetretyity gefangen gehalten toetbe, unb man tonn ni$t 
leugnen, baß fid? nun al* toütbeooHe @tanb$aftigleit äußerte, 
loa* früher fo oft al$ ftatte unb eigenartige We^t^abetei ju* 
tage getreten mar. 3luc$ gegenüber bem Drangen be6 TOark 
gtafen fic^ mit (Selb auäjuWfen blieb bet ®ret$ unetf<$üttetlic$. 
SRimm ein ®#toett — foü et i$m einmal geantwortet $aben — 
fttcfr ba* in mi$ unb f pxxäf, bu toolleft ®elb traben, tc$ toetbe 
fe lange toiebetfcolen: ni$t« foüft bu traben, bt* mttbie©eete 
entflieg! 1 ). 

3m SÄooembet oetfammelten fkb mit bet 3ngolftabtet 
Sanbfäaft föniglic^e Oefanbte, bie $etjoge $eintt# unb Älbte^t 
unb bet SKatfgtaf oon Än«ba<$ in Abensberg. Die gotbetung 
einet 8anbe*fteuet jut (Stmögltyung be* 8o*faufe$ fölug $tet 
bie Sanbfc^aft untet $tntoei« auf i$te Srmut ab — loa* bet 
nut gegen fi$ felbft nächtige $erjog $einti<$ mit bem 
gerben «u$ft>tu($e tabelte: oon feinet frommen Skutbföaft fei 
etf no$ et$8rt tootben, baß fle tyren $ettn in ©elbfacfcen 
o$ne $ilfe unb Itoft gelaffcn $abe. $etnti# trug fic$ ftym 
bamatt mit bem Oebanfen ben (befangenen in feine ®etoalt 
ju btingen. 8uf feine anfrage an bte Sanbfcfaft aber, ob fic 
$n in biefem galle in tyte ©täbte unb ®$löffet einlaffen 
mürbe, antwortete biefe oetneinenb. 5Äoc$ a^nte fie ni<$t, toie 
leidet fie fpatet, etmübet, etfötedt unb oeteinjelt, bem gemalt- 
tätigen gürften fic$ beugen foltte. (gegen ben ÄBÜlen be* 
befangenen faßten bagegen bte ©tänoe bamat* in« Äuge $n 
mit feinem eigenen (Selb unb Out auäjußfen; fie erbaten 

1) «u«Wreiben ber Sanbf<$aft bei fttentin V, 581. 

2) ©Abenberg, 812; Irnpecf beutf*, 139. 




alt befangener bet SWartgrafra Whxtdft Skiffe*. 846 

fi$ eilt Bnigli^e* @$ufetetfyre$en, toenn ettoa ihr befreite« 
alter $err, mi fich toohl oon ihm ertoarten lieg, bafür feinen 
3orn an ihnen auätaffen toürbe. 3nbeffen ging bie Äben* 
berger JBerfammlung unb ebenfo eine im 3onuar 1446, toieber 
in ®egennmrt fdniglicher ftommiffäre abgehaltene ju HnSbach 
ohne örgebni« au$einanber *). Die ingolftäbtifche Sanbfchaft 
protefrierte feierlich gegen bie ©ehanbtung ihre« gürften*). 
Stn ade „©efchtrmer unb Siebter ber ©erechtigfeit, bie auch 
ftnb «uflrenter be« UbeW, Sertilger oon ©chanbe unb Safter, 
eine getoiffe £uflu$t aüer betrübten, gepeinigten, unoermögenben 
9Renf$en" richtete fie ihre Silagen, tote unfürftlich unb elenb 
ihr $err, in einen antfba<hifchen fterfer oerftojjcn, bort behanbelt 
toorben fei; ber SWarlgraf — fo behaupteten bie ©tänbe — 
habe feinem (gefangenen fogar Hbbruch an ber ftoft gethan, 
um ihn burch junger jum Stöbe ju bringen. SJon anberer 
©eite 8 ) ift überliefert, fogar bie ©chttbbuben hätten in Hnt* 
bach bie bem befangenen gereichte ftoft oerfömäht. 

Da aber Subtoig einen richterlichen (Sntfctyeib bc$ Sdnig* 
angerufen h^tte, bem er, toenn e$ ber SRarfgraf nicht anber* 
haben tootte, fogar mit einem hänfenen ©trief att Ärmbanb 
ausgeliefert ju »erben tofinfehte, galt e* für »(brecht «chifle« 
unb ben £>erjog Heinrich, einer folgert Sdfung, oon ber fie fich 
ihren SSorteil ni$t oerfprachen, oorjubeugen. Heinrich bejuchte, 
tote e9 fcheint, im ©pätherbft 1445 ben Bniglichen $of, ftellte 
bort feinen ©ohn Subtoig cor 4 ) unb oerhanbelte mit bem 

1) Aber ben leiteten Sag f. au$ bie ätagerungen ber 3ngol|töbter 
2anbf$aft bei «oentin V, 580f. 

2) «»entin bat ba« «ttenfiüd in feine <5&ronit (Seife V, 578) 
aufgenommen. 

3) M. G., Seutföte 6&roniten U, 374. 

4) 3n folgern au« bem ©eleitebrief ffir bdbe bom 21. Ottober bei 
Cbmel, 9lx. 1969. 3m grfifyalpr 1446 war $einri$ toieber in Sien, 
n>o er a(9 Vermittler bei ben ©ertrügen über bie Teilung ber $ab«* 
bnrgif<hen ?5nber swifäen griebriefc unb @igmunb mitwirtte. SWit grieb- 
xkbQ ©ruber l(6retyt VI. bon öflerrei$ waren fowoty $etari$ M 
%\bxtäft III. toerbünbet; auf ber ©erfammtung ju Elbingen (11. SWSrj 
1446), wo ein gelbjug gegen bie f$weijerif$en (Sibgeuofien geplant warb, 



846 



Subürig im ©art 



ftdnige über „totytige ©efc^afte". GM gelang tynt, griebridj 
ju beftimmen, baf$ et ftott eine« ritterlichen (Sntf^eib« ben 
©efe$I erlieg, $einri$, Älbrety tt$ttte* unb bte $erjogin* 
tottioe foBten pcb in (güte Verträgen. ÜRttte 3uli 1446 tarnen 
beim biefe btei in SRegen«burg jufammen unb föloffen $ier 
eine Vereinbarung, laut beten bte $erjogüitoittoe 60000 fl. 
rfcein. unb bi« )u beten 3a^lung beftimmte ©täbte al« $fanb, 
ber STOarlgraf oon 8fa«ba<$ 30000 fL bar unb 17 000 fl. 
in Serf$reibungen erhalten, ber (gefangene aber na$ fteuburg 
gebraut unb bort am 14. Äuguft an $erjog $einri$ au«* 
geliefert »erben foflte. S5on ben au«bebungenen ©umtuen 
$atte $einri<$ binnen toenigen Stoßen 30000 fl. an ben 9ttarl* 
grafen unb 6000 an beffen @#tt>efter bar ju bejahen, @o 
umoürbig biefet @$ac$er um einen gefangenen dürften unb 
SSertoanbten fear, er erfolgte mit 3uftimmung be« JKnig«, ber 
bte Ongolftäbter Sanbfc^aft anroie« bem #erjoge $einric& hierin 
toiüfä$rig )u fein 1 ), unb fanb in aßen ©tiefen «u«ffl$rung. 
Der (gefangene toeigerte flc$ ftanb$aft ba« o&ne feinen ffitllen 
gefd&loffene Hblommen gutjufceifcen. ©o toarb er beim oon 
feinem alten SCobfeinbe freitet oon fterfer }u ftetfet geföleppt 
Hn Sngolftabt borfi^tig vorüber — beim $ter fann bie (ge* 
meinbe in rfifcrenber 8fo$ängli($!eit an tyren $errn gegen ben 
©itten be« töat« auf Befreiung be« (gefangenen f ) — führte 
man i$n juerft na$ 8anW$ut, bann na$ SBurgfymfen, fern 
Don feinen alten Untertanen. 

Um $einri$« $anblung«toeife in« ooUe 8ic$t ju fteflen, 
rauf? man no<$ ben einen 3ug $tnjuffigen, baß er öffentlich 
erflärte, er $abe fein (gelb bei biefem $anbel nidjt au* ©gen* 
nufc fonbern au« greunbfctyaft für ben (gefangenen aufgelegt s ). 

»urbe bem erfteren §tqn bie ©teHnttg *on 300, tobtest *on 200 Werben 
auferlegt (@$reiber, U. 8. bei ©tabt greibiirg II, 415), o$ne ba|, 
»te e8 f$emt, «uefü^rung btefe« ^(nffee erfolgte. 

1) Sgl. <£$met, 9hr. 2048. 2093. 2094. 

2) M. G., 3>eutf*e fyxon. U, 376. 

3) 3m« flgb. f. Ärenner III, 207—239; t>. gre^berg, Gefa. 
ber ba^er. 2anbfl*nbe I, 506 f. 




alt (Befangener $erjog $ehtri$9. 347 



3n 88a$r$eit toirb e$ weniger lange oerfaltene {Rad&fuctyt als 
bte fölauefte Beregnung getoefen fein, toaä tyn jum Eingreifen 
beftimmte; u>a&rfc$einlic& erwartete er, bog ber ©tarrftnn be« 
Htten beffen »ufltöfung au# fernerhin terettetn unb au$ fonft 
niemonb fi$ bereit finben toürbe tym feine «Umlagen ju er* 
fefcen: in biefer ©abläge mußte bann ein $lan, ber too$l 
föon bamalä in feiner Seele gereift fear, bie ©efefcung be$ 
ganjen ingolftäbtifäen (Srbeä mächtigen 83orfäub finben. 

3m auftrage ber 3ngoIftfibter ßanbföaft aber reifte ber 
re$t$gele$rte üßeifier flonrab SBolf na$ JJhranlfurt unb trug 
ben oerfammelten Äurfürften, dürften unb Herren be« {Rei#$ 
be6 8anbe$ Älagen bor. Diefelben ©efötoerben, oerbunben 
mit $ilf$gefuc$en, ergingen an baä {Retc$$ober$aupt 1 ) / an ben 
ft&nig Aar! VII. oon granfreiefc, an ben ftönig bon Däne* 
marl unb anbere dürften. Unb e6 Wien, aW f Otiten biefe 
Notrufe nic$t o$ne ffiirfung Serratien, ülbrec^t oon SWüntyn 
mar toieberum ber erfte, ber feine $Ufe in Äuöfic^t fteüte. 
SRe^rere beutföe dürften oertoanbten ftd? beim SReii$$ober$aupte 
für Subtoig* Befreiung. S)ie <ßfoljgrafen entfanbten einen 
tyrer {Räte, um für ben bairiföen SSetter ju toirfen. 3m 
gleiten ®inne berfpracfy ber Äönig oon granfreity (24. @ept. 
1446) fic$ bei griebrty ju oertoenben; er fanbte einen Söot- 
f<$after na# 3)eutfc$lanb, ber barüber unter^anbeln foüte 1 ). 
©er 2anb0$uter $erjog unb 8ltbre<$t Spille« bagegen Hegen 
©Triften ju tyrer {Rechtfertigung ausgeben; ber lefctere erftärte 
e$ al* S3erleumbung, baß bem (befangenen in Än$ba<$ feine 
ftanbeflmäßtge Söefyinblung juteil geworben fei. griebriety $atte 
f$on im September an Heinrich , toietoo^I er i$m juglei<$ 
fein ffio^lgefaüen über ba« getroffene äbfommen auäfpraity, 
ba* ©egefyren gerietet, er möge bafür forgen, baß Submig o$ne 
längeren Hufföub toieber jur {Regierung feiner ßanbe fomme s ). 
3m Dejember fetyrteb er toieber: gegenüber bem oereinigten 

1) Bei «Dentin a. a. O., 583. 

2) «Deutin, 585. 582. 

3) 7. 64>t 1446. dornet, Bn$aog ttr. 67. 




848 



£ob Snbtoigft im Satt. 



Drängen ber Äurfürften, ber ingolft5btifc$en SanbföaftJ, be8 
3ttünc$ner $erjog$, bc« ftöntgä ton granfretdj »erbe er ber 
üblen SRad&rebe falber ntctt me$r lange untätig bleiben 
fömien l ). 

3m STOärj 1447 tagten ©efanbte be$ ftönig«, ber fturfürften 
nnb dürften ju 8anM$ut S5on bort begaben ft$ ©efcott» 
mäd&ttgte be* ÄSntgä unb ber Äurfürften ju bem (gefangenen 
na<$ ©urg&aufen unb brangen in tyn, $etnrid> feine Äuälagen 
ju erfefcen unb $iebur$ feine Befreiung ju erurirlen. Subnrig 
erflärte, er »olle leine Äntmort geben, e$e er feine 8anbf$aft 
gehört. Diefe Derfammclte ft<$ ©noe Styril ju Ötting unb 
lte§ in ©urgfyuifen fragen, mann fte Dorgelaffen mürbe. Den 
©oten aber toarb bebeutet, ber befangene fei fe$r franl unb 
fd&on gefötootten. Um 1 U$r in ber SRad&t Dom l. auf ben 
2. ÜWai erföfte ber Stob ben einunba$tjigiä$rigen ®rei$ au* 
ber $aft, in ber er breiunbeinfalbe* 3a$r gefömacfctet ^atte. 
Der &on einigen ßfrroniften angebeutete SSerba^t eine« gemalt 
famen lobe« entbehrt jeber ffia$rfdjeinlic$feit. Da be$ ©ter* 
Benben lefcte ©orte »aren: „©armfcrjiger ®ott, erbarme bid^ 
meiner!" fcatte fein ©ei$tt>ater, ber ftooperator Snbrea« oon 
©urgfymfen flc$ berechtigt gehalten i$n t>on ben firctytctyen 
3enfuren lo$juf|>re$cn. Suf bie gfirbitte $eTjog §einric$$*) 
erteilte (28. 3uni) $apft Wtfolau* bic (Erlaubnis eine« tird^» 
liefen ©egräbniffe* ; bodj föeint ein fot$e6 Dom Jlbt unb 
ftonoent fcon 9iaiten$aflad> im ©noerftänbni* mit einigen 
Pfarrern ber Umgegenb gewährt toorben ju fein, fetyon e$e bie 
päpftli$e DifoenG befannt geworben toar 8 ). 

Öubmig* Häglic^ed (Snbe unb feine @tanb$aftigfeit im Un* 
glüdf umgaben xffn noc$ julefct mit einem SRtmbuS, ber ba* 
Slnbenfen an feine ©etoaltt^aten, ©treitfud&t unb 3ägelloßgIett 

1) «ei «Dentin, 586. 

2) 9n einen ©aljburger Stawatt richtete ©einriß föou am 3. SWai 
ba« ©efu($ um Hufoebung bet ©anne«. Weuburger <£. ©. XXXIV, 

f. 51. 

3) ffiie au« ber an ben $ro)>fl ton Naumburg gerichteten Sitte um 
«bfolution ju folgern Oberbaar, «rc^iö VIII, 417. 418. 




©eine frommen (Stiftungen. 



840 



»erbunlelte. Sefet fah man nur mehr bie imponicrenbe $er* 
fönlichfett, bie alle ©chtäfaWfchläge nicht ju beugen oermochten, 
fah ben greifen SJater, beut oon einem unnatürlichen ©ohne 
unerhörte JWi^anblung toiberfuhr. ©o erflärt e$ fich, ba& 
biefer für bie oaterlanbijche (Befchichie fo unheilvolle ßharafter 
bei ben 3^tgeaofTen im allgemeinen einen befferen SRachruf ge* 
funben f)at, als er oerbiente. ©ehr otele* trugen baju auch 
bie überaus reichlichen frommen unb tt>o$lt$atigen Stiftungen 
bei, in benen fiubtorig, nicht ohne (Smunrlung feine« (Sennffenfl, 
fich gefallen bat: ber glänjenbe ©au unb bie prachtvolle Ku** 
ftattung ber ÜJiarienlircbe in 3ngolftabt; bie Errichtung be« 
$frünbnerhaufe« in berfelben ©tabt, oon beffen ffinfeehn ©e* 
toohnern jeber täglich fedtf äßeffen beimohnen unb 200 ©ater* 
unfer mit ebenfo Dielen Soemaria beten foüte; enblich ein täg* 
liehet Slmofen, ba$ ber ©tifter too^I im &oxn gegen ben 
©ohn julefct bi« }u ber für bie (Srben laum burebführbaren 
©eftimmung fteigerte, ba& 1000 Sinne täglich brei Pfennige 
geniegen foHten l ). fflie fehr ba« ©erbienft biefer Stiftungen, 
bie nur jum Zeit Ausführung fanben, burch unlautere aMotioe, 
SJrunffudjt unb jum Zeil ©innloftgteit gef<hmälert toarb, ift 
ben äeitgenoffen, mie e£ fcheint, nicht jum ©etoujjtfein ge* 
lommen. 

ffiteber ftanb man nun oor einer erbretylichen Streitfrage, 
boch menigftend Dom ©tanb^unlte ber bairifchen gürften au«, 
meldte {ich i^m äbfehluffe ton $au*oerträgen über ihre Weichs 
lehen berechtigt Rieben, hätte ihre Söfung nicht jmeifelhaft fein 
foßen. (Sntfcheibenb mar ber §au$oertrag oon 1392, toonach 
bie brei teilenben ©rüber ihre Sanbe mit (Erbfchaft einanber 
oermachten unb beftimmten, bafc, toenn einer ohne eheliche 

1) Urtunben; «Dentin V, 576; 63ltl, Sie frommen Stiftungen 
ber ©ittettbacher, 47—51. gubtoig ber «udftge hatte erfolglos bie &nt- 
lieferung ber 20000 fL ©tiftnng«!apital für bie 3ngolfiSbter obere $farr- 
tirche unb baft bortige ?frfinbnerhau« begehrt, totlty fein »ata in 
ftegentburg hinterlegt unb unter tdnigtichen @<hufc gefteUt hatte. Ge- 
meiner, «eg. €hr. IU> Ulf. 6<hon 1429 ^atte Snbtoig 37000 p. 
}u berf ^ebenen $erm&4tnifien benimmt. B. B. XIII, 151. 



350 



$cr Sngotßfibtcr 



©5$ne abginge, bie anbeten ober beten (Erben mit gleichem 
3te*te erben foUten x ). ©alt biefe ©eftimmung na* bem 
4)u*ftaben bet Urlunbe nur für bie btei bamaW teilenben 
örüber, fo muffte fic bo* na* bem (Seifte be* a3ertrage« im* 
jtoeifeljiaft au* auf beten 9ia*tommen au6gebe$nt toerben. 
SRun toar e$ beim Sluäfterben bet ©traubinget Sinie getobt 
$einti* oon 8anb$$ut geioefen, bet au* für biefe ältere 8b* 
jtoetgung benfelben ©tunbfafc oetfo*ten, bet im SBibetfotu* 
mit feinen Oettern oetlangt $atte, bajj baä (Erbe ju gleiten 
Seilen na* bet 3 a W tet 8tmen geteilt toetben foüte. Die 
8nf*auung be$ Sngolftäbtet $etjog$, toona* bem ©etttetet 
bet alteren gtnie ba$ au$f*lie&U*e <Etbre*t jufte$e, toar Dom 
8anb$$utet bamatt eifrig befömpft tootben. 3efct aber ent» 
fpta* ber oot itoanjig Sagten fo entf*ieben oettootfcne ®tunb* 
fafe $einti*3 Snteteffe unb mit gemiffenlofer 9le*ttDeta*tung 
ma*te et tyn fofort ju bem feinigen. 

3toif*en $einti* unb 3Ubre*t f*toebte aber bereitstem 
(Erbfireit, bet bei ftteng te*tli*et ©efinnung be$ 8anto$uter* 
ni*t $ätte entfielen fönnen. (Ettoa fe*6 3a$re toaren feit 
bem lobe be* Jungen Hbolf oerftri*en, als $einri* an ben 
3Rün*net Detter ba« überraf*enbe «nftnnen fteüte (12. 3uni 
1445), i$m einen Zeil Don Hbolfä (Etbe $etau«jugebeu. Diefe 
(Etbf*aft toat offenbar eine innere Angelegenheit ber 3Kün*net 
Sinie; tote §einti* einen re*tli*en änfpru* batauf begtfinben 
tonnte, ift f*to>er ju begreifen. ®let*too$l etHatte et, fall* 
8übre*t fein (Erbre*t ni*t fofott anettenne, ben $anbel bot 
ba* ®eti*t be« ftönig* bringen ju tootten, unb fefcte toirfli* 
bur*, bafc biefer beibe $etjoge jut (Sntf*eibung oot feinen 
$of lub. S5ieüei*t gef*a$ e* unter bem ©nbtutf biefe« »er* 
gebend, baß «lbre*t am 2. Huguft *) 1445 mit ffinfunbstDanjig 
f*toabif*en 9tei**ftäbten (Sinung unb Öonbftieben f*log. j$u 
Änfong 1446 bta*ten bann bie ©if*5fe oon Stetfing unb 
5Regen«butg eine »eteinbatung juftanbe, toona* beibe dürften 

1) a u. Cr. vi, ööö, § 11. 

2) «ftermontag nor Dtoato. Cr. im et.-!. 




(Btbfafl. 



851 



bcn Jtönig um ben ©pruch eine« @chteb«geri(hte« unter bem 
»orfifce be« äßarlgrafen 3afob ton ©aben erfochten. 8m 
20. SWätj 1446 aber hatte ber ftSnig an $einrich bereit« 
feinen Anteil au« Abolf« »etf affenfchaft fcetiiehen *). Anforüche 
Albrecht« auf bie 3agb in ber ©raffc^aft geonberg bilbeten 
einen neuen 3<N*Iai>fel. ©chon oor ßubnrig« lobe, am 6. 3a* 
nuar 1447, hatte ber {Rat ber ©tabt 8anb«hut, unterftüfct 
bon feinem $erjoge, ben {Rat ber oberbairifchen $auptftabt 
crfuc^t f in ©emeinfchaft mit ihm ade« aufjubieten, bafe ihre 
beiben gfirften nicht in Ärieg gerieten, n>a« julefct bo$ nur 
bie armen Untertanen nrieber ju büjjen Ratten *). fiubnrig« 
lob entfeffelte nun bie $abgier be« 8anb«hutet« auf« neue 
unb toedte bie fchttmmften Befürchtungen. 

Älbrecht richtete fogleich Schreiben an bie 3ngolftäbter 
Sanbfchaft unb an $einri$, toorin er fein (Erbrecht mehrte 
unb ben Setter bat, leinen Sorteil gegen ihn ju fu$en 8 ). 
©effen Änttoort aber lautete: er fei ber nachfte gefippte Srbe 
unb bitte in feinem {Rechte ntc^t geftört ju »erben, ©ein 
herrtfehe« Auftreten gegenüber ber dngolftäbter Sanbfchaft, beren 
©efumung fibernnegenb Älbrecht günftig mar unb au« beren 
ftreifen $ilf«gefuche nach 2Wünchen ergingen, offenbarte ben 
rüdft$t«lofen (Srnft feine« Qmtföluffe« ebenfo beutlich tote bie 
ftrieg«rüftungen, bie er fofort in Angriff nahm. $etnrich« 
©erbungen in ©ö$men fuchte Albrecht burch feine greunbe in 
tefem Sanbe ju hintertreiben. Die 3ngolftäbter ermunterte 
ber SRünchner $erjog, fte möchten ihre ©tobt, bie ia au« bem 
©tegreif boch nicht ju nehmen fei, gegen ©ernalt nur Der* 
teibigen; ju ihrer $ilfe im SftotfaQe entfanbte er einige« Ärieg«* 
ool! nach Syburg. Auf feine erften gorberungen ihm ju 
hulbigen erhielt Heinrich ton fiubmig« Unterthanen nur ab* 
fchtägige Antworten. 3n A(bre$t« {Rat lieg fich manche ge< 

1) Chmel, SRr. 2043. 

2) Ärenner I, 178-186; «hrael, Heg. Kr. 2048; SWittet- 
müller, 3före<ht III. ©erjog ton SWün^n-ettaubuig (Programm ber 
etubtenanflalt HRetten 1866/67) II, 10. 11, na<$ Urtunbat im 

3) 3um ftgb. f. * rennet III, 240-298; Brnpecf, 443. 



862 



$eitiri$ ton Sanbttyut 



mistige ©timme oernefynen, bet gfitft möge, oectrauenb auf 
fein gute« Stecht unb bie ©timmung bet ©eöölfenuig, jugreifen 
unb einen Ztxl be« 3ngolftabter 8anbe« befefcen. Der $erjog 
blieb Jeboc$ babei, ba§ er nur auf bem 9fabt«u>ege Do; a wen 
tooüe. 

23on großem ©erntet toar nun bie Haltung be« ftönig«. 
3$m ffattt «Ibrety bur$ ©efanbte in ffiien bie ©itte oor* 
tragen Iaffett, er möge $einric$ bie eigenmächtige ©efefcung be« 
3ngolftäbter 8anbe« erbieten unb entmeber bur$ gütlichen 
Äii«gleic$ ober bur# 9ie<$t«er!enntnt« bie (Srbfrage jum Hu«# 
trage bringen. Darauf gebot ber ftöntg am 6. Sunt betben 
$erjogen leine Steuerung oorjunefcmen unb etllärte e« für 
angemeffen, bajj er felbft alle« ertoäge unb entleibe, ba f«b 
ia bei ben 3ngoIftabter $erjogen „bon Anfang bi« julefct fo 
mam$e« begeben $abe". Da« fßniglid^e ©ebot fanb mtfl bei 
Älbrecfct, nietyt aber bei ^einrieb ©ead^tung. «1« fi# am 
18. 3uni in ffiafferburg bie 3ngolfiabter 8anbf#aft oer# 
fammelte, begab ft$ ber 8anW$uter $erjog in bie fliäfo na<$ 
Dorfen, unb bat bie ©tanbe ju i$m ju fommen. Dort nrieber* 
$olte er benfelbcn münblty fein änfinnen, in ©afferburg ein* 
gelaffen ju toerben unb tyre fmlbigung ju empfangen, lieg 
bur$bli(fen f ba§ er im Weigerungsfälle ©etoalt branden umrbe, 
unb erflätte feine Äbfid&t fic$ im ganjen ßanbe bn.^:. /' ju 
laffen. (Srft toenn er alle« in $änben $abe, »erbe er jidj mU 
S>erjog Hlbrettyt au«einanberfefeen. eingeflüstert unb 
Hoffnung auf tfcatfräftigen ©eiftanb oon irgenb einer ©ette 
unterwarfen fi$ bie ©tänbe unb ba« ganje ßanb tyulbigte bem 
unerfättlic$en fteinbe feine« oerftorbenen gürften. 

SRufjte aber biefe offenfunbige äuflefrtung gegen einen fönig* 
Ityen ©efeW bem gewalttätigen $erjoge nt*t ben UnuriUen 
unb ffiiberftanb be« 9iet$«ober$aupte« jujieftn? — attan follte 
e« glauben, aber ba« ©egenteil erfolgte in fo auffälliger ©eife, 
ba§ man ju jtoeifeln oerfud^t ift, ob ber ftönig nur oor&er 
mit Hlbre^t e^rli^e« ©piel pflog. (Ein 9?e$t«tag nad? bem 
anbern toarb angefefet, unter nichtigen SJortofinben bann ber 
Dermin ftet« toieber berföoben. Die 83er$anblungen, n*l$e 




«itbwig ber »etdje. 



3m toittel$bac$if$en $aufe $atte bisher bie löbliche ©itte 
fle^errfc^t, ba& bte ©ö$ne unter £)b$ut unb geitung be$ SSater« 
frity in ba$ öffentliche geben eintraten, an be$ 93ater$ Seite 
ben iöeratungen ber dürften, ber Sanoftänbe laugten , unter 
be* 93atet$ »ugen in ©ctyimpf unb ffirnft bie 8e$rja$re be$ 
ffiaffenfcanbtoertt burfynagen. 2lnber$ ftttte e$ $erjog $ein* 
rtc$ gehalten, beffen unheimlich gefü^ttofer ®inn au$ hierin 
jutage trat. SSon bret Söhnen toar i$m nur ber iüngfte am 
Seben geblieben, Submig, geboren ju ©urg$aufen am 23.gebruar 
1417 ©ie ber »ater felbft fein Satein berftanb 2 ), legte 
er auc$ leinen SBert auf nnffenfc$aftlid)e »uäbilbung be* 
©o$ne$ unb e$ blieb bei ber $erfömmlt$en religiöfen unb 
friegeriföen (5rjie$ung. <£in uon ßubmig gebictyteteä Sieb s ), 
tote e$ fc$eint jum 8obe be$ gro$flnn$ unb ber StebeSfreuben, 

1) „1417 an #a8na$t"; ®ei&, »eitrSge jur 2eben«geföi<$te Sub- 
»ig« b. 9t., Obcrbaver. 9tr<$to IX, 357. $ie« ift ber 23. gebr., toenn 
man ga*na($t. tote ge»8$nlld&, ol* ga3na<$t*bten8tag auffaßt. Über 
?nbu>ig ben Steigen befifcen toir bte bortreffli<$e 9Ronograj>$ie Ätud$o$n$ 
(1865), auf bie int folgenben überall ba öertoiefen fein fott, »o feine be- 
fonberen Quellen genannt finb. 

2) 3fca<$ eigenem Öefianbm*. @. ®efö. ber ©trau&ingifd&en <5rb- 
folge I. Utfanton, ©. 63. 

3) üMt SRelobie in cgm. 810, f. 37. 

Rieglet, 0eföi$te ©aimt«. m 24 




870 



Snbtoig« be« Leithen Sngenb. 



nicht ganj berftfinblich, ober jebenfall* triebt bebeutenb, bemeift 
immerhin , bag er be« ©inne* für $oeße nicht gSnjlich er* 
mangelte, ©er $rinj mar mit groger förderlicher Äraft au«* 
geftattet. ©ein „ftoljer Seib" mirb al* beneiben*merter 8Jor* 
jug fprichtoörtlich ermähn* 1 ). {Ringen unb ©teinmerfen maren 
feine 8iebling*fibungen unb in ber $>anbhabung be* finden tote 
langen ©chmerte* fuchte er balb feinen SWeifter 2 ). (Ein alter 
$aubegen, $an* £renbecf, ber auf bieten ©cblachtf elbern ge» 
lämpft unb 3erufalem befugt $atte s ), mar fein Se^rmeifter 
in ritterlichen ftünften. üWit liefern unb feiner SButter (geft. 
1448) jufammen lebte fiubmig fern bom väterlichen $ofe, in 
. ©urgfaufen, ber jmetten 9?efibenjftabt be* Sanbe*. SRahm ihn 
auch ber Sater mohl einmal mit nach ffiien, um ihn bem 
ftSnige borjuftetten, fo lieg er ihn boch nicht öfter in bie Seit 
unb nicht bauernb in feine $auptftabt. Sin ®elb, ftletbern, 
<ßferben mar er !arg unb ftreng gehalten, felbft bie 3agb auf 
JRotmilb ihm nic^t bergönnt. ©ebon 31t 3etten ftönig «lbrecht* II. 
erregte feine beengte unb untoürbige Sage folgen Slnftog, bag 
greunbe ihm rieten, burch bie gluckt ju biefem feinem fönig* 
liefen £)$eim {ich tyr ju entgehen. Stach ber ÜReinung be* 
S^roniften ift Submig beghalb nicht barauf eingegangen, meit 
er ben Sater nicht Iränten tooüte. ©i* ju feinem 33. Seben** 
Jahre mugte er in fo brüefenben ©erhältniffen ausharren unb 
erft burch ben lob be* 83ater* mürbe — a>ie gugger e* au** 
brfieft — ber gemaltige Sögel [eine* ©efängniffe* lebig. Dag 
er auch »ährenb ber legten Arantyeit, in ber ©terbeftunbe 
unb beim ©egräbni* Heinrich* fehlte, mar bieQeicht nicht be* 
abfichtigt, entfprach aber bem traurigen liebeleeren Serhältniffe 
jmifchen Sater unb ©o^n. 

1) Cgm. 810, auf bem inneren 2)e<f&fott. 

2) Cbran ©ilbenberg, cgm. 5129, p. 437. 

3) Xrenbecf trat in hohem SHter al« Saienbruber in ba« fleirifdK 
äarthäuferttofier Urning, »o er 1468 flarb, flehet nicht hn «tter ton 
115 Sahren, n>ie fein 3)iener ©enjel ©rueber fabelt. @. be« Unteren 
«ufeeichnungen Äber ba« fieben feine« $errn, gre^berg III, 723—727, 
barunter ein ©ebicht, »orin Xxtnbtd ba« Ctenb feine« ©reifenalter« 
im $erglei(h mit feiner üppigen 3ngenb betlagt. 



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$ubftig* bct Stelchen Hcflierung&w tritt unb gokelt. 371 

(Srft lux firchltchen Irauetfeiet be* Siebenten (4. «uguft) 
erfchien ber SRachfolger in 8anb«hut unb balb marb bie ©Arger* 
fchaft getoahr, baß in ber ^erjogÄurg nun ein neuer ©eift 
milbthatiger, aber auch prunlenber greigebigleit unb leben** 
luftigen grohfinn« malte. <£$ fear, als ob mit Subtoig, ho<h 
auf bem SBagenthrone prangenb, ein ÄSnig reich unb milb, 
(Sott $lutu« feinen ©ujug in bte Ofarftabt gehalten hätte, 
©et ber Irauerfeier be$ Dreigigften tourben auf Soften beS 
$erjog$ gegen 4000 SDtenföen betoirtet, auch ben ärmen unb 
ftranlen reichlich ©peife unb Stanl gefoenbet. 3n ade Sanbe 
brang ber {Ruhm beä glänjenben SanW^uter $ofe$, als Submig 
1452 feine $ochiett mit ber f$on oom ©ater auäerfehenen 
©taut «malte, Softer be« fturfürften griebrich oon ©achfen 
beging. 9000 $ferbe tourben ba auf feine Soften gefüttert, 
auch bte ungelabenen ®äfte, beren &a1)l man auf 11 000 f^afcte, 
au« be* $erjog« ftü$e unb fteöer betoirtet. ffiä^renb ber 
ganjen geftmoche burfte lein ffihrt, gteifcher, ©äder unb giftet 
feilhalten : als Söirt für iebermann mattete ber $erjog. 3^ 
große gäffer mit ffieiß* unb Stotkoein toaren aufgeteilt; ba 
empfing, toer nur jufprach, täglich atoeimal eine SWaß ©ein 
nebft einem Saib ©rot. Huch bie ftanbige Hofhaltung tourbe 
reifer audgeftattet. 3u ben 24 alten StSten, bie Subtoig oom 
©ater übernahm, befteflte er 38 neue. ähnliche ©ermehrung 
erfuhr ba$ $ofgefinbe unb auch außerhalb be« Sanbe* mürben 
oiele (Sbelleute als befolbete 9täte ober Diener aufgenommen« 
Kennen, ©teeren, furnieren unb alle« töitterfoiel toarb in 
&tnb*$ut* $erjog«burg jur täglichen fturjtoeil unb ber SRuf 
fefcte fich feft, baß nirgenb in beutfehen Sanben ein fo reifer 
unb prachtvoller $of unterhalten toerbe. $atte Subtoig lange 
unter be« ©ater« $art$erjigleit gefeufet, fo oerbanfte er boch 
nun ber väterlichen ©parfamleit, bog er feine {Regierung unter 
ben glücflichften ©orjetchen eröffnen lonnte. $äuflge ©elbanletfcn, 
mit benen er benachbarten dürften aushalf, befeftigten fein 
polittföeä Änfehen; beffer toar feine« biefer Darlehen angebracht 
att Jene«, tooburch (neben anberen 3ugeftänbniffen), tote bereit« 
berichtet, ber SRflnchner $eraog M 'etoegen lieg im Crbinger 

24* 



872 



Subcn&erttei&ung burcfc ?ubtmg b. ftricfcn. 



»ertrage enbgtltig auf fein gute« Stecht an bem 3ngolftäbtet 
<5tbe ju aerjtchten. Durch ein anbete« Darlehen &on 40000 
ungarifchen ®ulben l ) fcerpflichtete et ftd? feinen iugenblichen 
Setter f ben Äönig Sabitfau* ton Ungarn unb ©Shwen; aber 
bie Klein obe, bie ihm Sabtelau« bafür fcerpfänbete, fonnten 
nie eingelöft merben unb follten fpäter eine Quelle langen 
Streitet unb umftänbttcher ©erhanblungen jttrifchen Submig unb 
ftaifer griebrich »erben. 

Submig« Beliebtheit tondfi, ba er bereitmtötg manchen 
©ünfrhen be« ©oll« unb bcr Öanbftänbc entgegenlam. «I« 
SCb^Ufe gegen eine mahre Sanbplage begrügte man bie 33er* 
orbuung, meiere mieber gemattete burch $>unbe unb 3äune 8*8«* 
ba« Dom Sater übermäßig geföonte ©IIb ft<h ju fchüfcen. ©ie 
hieburch bie $>erjen ber ©auern, fo gemann ber fjürft burch 
^arte SWagregeln gegen bie 3uben feinen äbel unb bie ©ürger* 
fchaft. Überati mo bie 3ubenfchaft nur einige 3a$rje$nte in 
{Ruhe gelaffen marb, häufte fxe burch b'te ffiuc^erjtnfen ihrer 
Darlehen mit ©chnefligleit mühelo« erworbene {Reichtümer auf. 
SDann aber brach mie bie (Erfüllung eine« iRaturgefefce«, an* 
gefaxt jugleich ton 9ieib unb ©erjmeiflung ber <3<hulbner tote 
t>on religiöfem $anati«mu«, Verfolgung über bie rechtlofe unb 
verachtete ftafte herein. 3n SMünchen mar Älbtecht III. mit 
Vertreibung ber 3uben torangegangen. 3n 8anb«hut mar 
unter $erjog Heinrich« ®$ufe bie 3ubenfchaft am üppigften 
emporgebie$en, fytx tourben benn auch bie bringenbften »lagen 
laut unb fanben beim $>erjoge ein totflfShrige« Cht. Stach 
hier fuchten bie Unjufriebenen burch bie nicht mehr ungetoSh«' 
liehe «tage, bajj bie Ungläubigen ba* ^etligfte Hltar«faframent 
entmeiht hätten, ihre felbftfüchtigen STOottoe ju befchönigen. 3n 
ben grühftunben be« 5. Oftober 1450 mürben auf ©efehl be« 
$erjog« ade 3uben im Sanbe, ©eiber unb fthtber nicht au«* 
gesoffen, gefangen gefefct *). tyxt $fiufer mürben mit ©achen 
befefct, ihre @ch% eingejogen, bie ©d&ulbbriefe ber herjoglichen 

1) Vorauf bejfcft |ty eine bon SabiSlau« jn Breslau aitfgeßdlte UrL 
bon 1455, greitag na# 2)reiWmg«tag. Gt-S. 

2) ©. befoaber« bie 8anb«&utet ttat«($rönit, 300. 303. 




$crfn$ bic 3ubot ja belehren. 



873 



{Räte unb bed $ofgeftobe« berätst, ben anberen ©chulbnern 
toenigften* geftottet ben Settag ber bereite bejahten &va\tn 
*>om ftapital abjujiehen. 3n bie ^er}ogltc^e ftaffe, bamit auch 
triefe nid>t leer ausginge, mußten bie 3uben 30 000 ©ofogulben 
bejahen. Hn mer ©ochen liefe man bie UnglüdKdjen in ber 
$aft, bann erhielten fie ben ©efehl binnen brei Sagen ba$ 
Sanb ju räumen. ®näbig marb ihnen geftattet, ihren $au$rat 
unb bie Einrichtungen i^rer ©tynagogen mit fi$ ju nehmen. 
Die ©tynagoge in 8anb$hut lieg ber $erjog nach bem 83or* 
bilbe be$ SKflnc^ner Stachbarn ju einer Äirche ummanbeln, bie 
ber $1. ©reifalttgfeit gemeint tourbe 1 ). (Einige ber (Geächteten 
follen, angeblich ohne 3*^ng, burch ben Übertritt jum Stiften* 
tum bie Erlaubnis jum ©leiben erlauft $aben. 

3m Solle marb bie entfe^tic^e $ärte biefer SDtajjregeln alt 
eine löbliche Zf)at gepriefen, moburch Diele fromme Sanbfaffen, 
©ürger unb Sauern, bor bem brohenben SJerlufie ihrer häu$* 
liefen Öftren bemahrt geblieben feien, £>erjogltche {Räte Der« 
teibigten ihren $errn elf 3a$re foäter gegenüber einer Drohung 
be* Äatfer* toegen biefer Sorgänge mit ber Serficherung, ihr 
gütft fei nicht nur befugt gemefen bie 3uben au« feinen Sanben 
ju „beurlauben", fonbern fte auch an 8eib unb ®ut noch Diel 
harter ju [trafen. Die 3uben ju belehren toax ein Siebltng«* 
gebanle gubtoigä, ber ihn auch fpäter noch befchäftigte. 3n 
feinem auftrage fcerfünbete in ben Dftertagen 1474 ber Do* 
minifaner $eter ©ch»arj, Settor an ber Unioerfität 3ngolftabt, 
in ^ebräifcher ©prache bor ber an ben $erjog fcerpfänbeten 
SRegenSburger 3ubenfchaft bie ©otföaft be« $eil*. Än ben 
©iföof erging ÖubtoigS Sfofuchen, er möge bie 3uben jum 
fleißigen fflefuche biefer Vorträge anhalten *). (Sin gleichjeitige* 
9Äeifterlieb befingt ben Säuffehen erregenben ©efehrungä- 
Derfuch 8 ), beffen {Wiblingen toohl baju beitrug, in ber {Regen** 
burger ©eoölferung Jene geteilte ©timmung gegen bie 3uben 



1) 6. au<h bie «nlle $w*' IL, S)euttnger, ©eitrige II, 143. 

2) Gemeiner, Heg. Chr. III, 530. 

3) Cgm. 5919, f. 257 y. 



374 



^affoner Snbamrfolgung. 



heroorjurufen, toelche einige 3a$re ftäter jum 8fo«bruch fara. 
©or Vertreibung bewerte bie 3uben hier ber laiferlidhe ©chufe. 

Die lefete 3ubenoerfolgung in großem SHaßftab, meiere in 
altbairtfchen Sanben ju oerjeichnen ift, richtete ©ifchof Ulrich 
oon $affau 1477 an. $ier trat beutlich bie Hnftedung«fraft 
be* Äberglauben« jutage, ba ben $affauer 3uben Sif)nl\$ tote 
beim Daggenborfer 3ubenmorbe (f. ©b. II, 523) unb bei 
gleichzeitigen Subenoerfolgungen in Sirol oorgetoorfen marb f 
baß fte gemeinte |>ofttett enttoenbet, burchftochen unb verbrannt 
hätten, ©eint Durchftechen fei ©tut barau« gefloffen, au« beut 
Ofen aber, in ben bie $oftten getoorfen tourben, feien jtoei 
(Engel unb jtoei Stauben aufgeflogen. Unter ben ©elaflung** 
jeugen, beren 8lu«fagen erhalten finb 1 ), erflehten frühere 
®lauben«genoffen ber SngeMagten, bie fleh jum S^riftentum 
belehrt Ratten. SRach qualoofler Folterung tourben oier 3uben 
enthauptet, fech« anbere, barunter bie jtoet Älteften, mit glühen* 
ben 3 a «Ö^n jerfletfcht, bann noch tebenb verbrannt. läge lang 
oor feiner Einrichtung tourbe ein in bie Auflage oertoicfelter 
S^rtft niebrigen ©tanbe« gemartert. Die Überlebenben 3uben 
mit 8u«nahme oon ettoa oierjig Emilien, bie pch taufen ließen, 
mürben au« $affau oertrieben, Such $ier erhob fleh an ©teile 
ber niebergeriffenen ©tynagoge eine bem (Srlöfer getoetyte Äirche. 

©eit bem !aiferli$en Sinnen hatte lein ffiittel«bacher über 
eine fol$e 2Racht oerfügt tote ber reiche $erjog be« oereinigten 
8anb«hut unb Ongolftabt. 92un getoann benn au<h bie au«* 
toärtige $olittf toteber größere ©ebeutung al« lange oorher. 
hielten bie bairifchen unb tfäljifchen ffiittel«bacher nur feji 
jufammen, fo toar ihrem ru^mooQen $aufe trofe ber 3et* 
fplitterung in mehrere Sinien noch immer bie machtoolljle 
Stellung in ©fibbeutfchlanb gefiebert, liefen Oebanfen fd^eint 
Subkoig mit Harem ©lief al« ben entföeibenben 8fichM>unft 

1) Cgm. 753, f. 119 f. S)er Eingerichtete OE^rifl heißt tytx ebenfo »ie 
in betn ©nblattbrude VIII, 17 n, ber 3Rfin<hnet @taat*bibttothe! 
Chrijioph @9fngrei8$aimer. $ienach »erben ba« EolWtieb bei o. Milien* 
cron unb anbere (Erklungen (f. (Srharb, ©efö. oon $afian I, 192) 
}n berichtigen fein. 




»nnb ber 8BitteWba*er. 875 

feiner qjolitit erfaft unb feftgebalten ju baben. ©et SKfincbnet 
$erjog, friebliebenb unb berträgttcb, tarn ibm entgegen, inbem 
et ben iünfleten »etter gleich in ben erften lagen nacb feinem 
9tegierung«antritt in SanMbut befugte unb bann im (Srbinger 
«ertrage fieb nadbgiebig ertoie«. 1461 fcbidten bie beiben 
Settern gemeinfam eine ©efanbtfcbaft «<«* ©öbmen »). «in 
nngemeln begabter Surft, tbatfrafttg nicbt obne fcürte, regierte 
bomal« in bet SR^einpfal} unb im «mberger SCette be« SWorb* 
gau«. Watjgwf grlebricb, foäter bet ©iegreicbe genannt, batte 
gegen ben ffiißen be« «onig«, «*er na<b bem ffiunföe feinet 
Untertbanen s ) feinen Steffen $btliM> an ftinbe«ftatt angenommen 
unb babuwb feine eigene »ormunbfdbaftlicbe {Regierung jut 
Ieben«langlubai »etttanbeft. SWit tbm toübfte Subttlg einen 
folitifcben unb Sreunbf<baft«bunb, bet alle ©türme übetbauetn 
unb bie »eitgretfenbften Böigen baben foltte. 3n Subtotg« 
©tabt Sauingen famen bie beiben Surften unb «Ibrejt bon 
SRuncben pfammen unb Woffen (17. ^«^^ 

3ff£ garten MWM« freubig begrfifit «rte. 
Se Mt ber bereinigten ©lttel«ba*er m«<bte fi<* jum erften. 
„de bei einem 

ta 3«6te 1453 gettenb, ba 8»b*ig W*** « *« 

ettte unb feine Vermittlung ben btobenben «u«bru<* be« ftriege« 

*1d5 fete »ermabtung mit 2«b»ig« ©Wer unb bur* 
®etbb«rlebe« *ar ein bierter ©Utel«ba*er W-WjfO» 
„on Neumarft, an be« 8a«b«buter fcof gelet« * ®^«nb 
von SCirol, «aifer Sriebricb« »etter, trat 14*5 (5. »uguf ) 
mit Ä unb *lbte«bt oon üHünd>en in ©ünbn « 8ub»ig 
Tetfuite fr«« (1461) in bem etbUterten ©treite biefe« Surfte« 

1) MMM4 »r bie Raubten, an bet« «*: «*« »• ©tauf 
au <8rnfeW «iUtum In Meberbalern, flanb, t>om 21. SWai 1451. ©t.-». 

SBatbia« »• «enraat, Oueüen unb Cr. II, 27 

3) «reiner, griebri* ber ©ie 9 ret$e II (Urtnnben), ©. 22. 



876 2nb»ig$ greunbföaft mit SUbrety »<$ifl<«. 

mit bcm ftarbinal 9?ifotau« *>on ßufa, ©tföof Don ©riyen, 
ju vermitteln 1 ). SÖKt feinem Setter f ftßnig 8abi$Iau« t>on 
Ungarn unb ©ö$men, fölojj Suburig (16. ©ept. 1457) einen 
JBunbeä&ertrag, toonadfr bie beiben gütften ettoa auftaucfcnbe 
©treit$änbel frieblicfc burc$ ®d)ieb$ric$ter ju f$ltc$ten unb fu$ 
in ftrtegSffillen gegenfeitig mit 600 Sßann au gug unb 400 
3U $ferb au unterftüfcen berfprad&en; aufgenommen foHten fein 
$apft unb ftaifer, ba$ römiföe {Rci$, bie panier Öfterrei# 
unb ©aiern, ^fatygraf grtebric$ unb beibe $erren ton Saufen *). 

9?o$ mistiger aber alt bie Hnlefcnung an biefe SBertoanbten 
Wen, bajj ßubtoig einem bur# bie ßraft feiner $erf5nltyteit 
$eroorragenben gürften, bem er bur# »ertoanbtf^aft unb alte 
gamilienoerbinbung na$e ftanb, au$ in enger greunbföaft fu$ 
analog. On bem SHarlgrafen «Ibred&t «tyHe«, ©o$n t>t* 
«urfurften gtiebri* I. oon ©ranbenburg unb ber 2»u$me 
^bmia^Jeierte man, toietoofcl er gerabe bie toifyigften ®tya$U 
P^J^^^aW fflefiegter oerlieg, ben erften Witter ber 
3eit. Son unbeugTamer <Seergie, ein getoanbter {Rebner, fölauer 
$olitifer, aber in feinem <£&rgetj gcsriffenloä , gemutärofc unb 
graufam, toar er eine gfönjenbe, aber für Untermann* unb $laty 
barn unheilvolle (Erlernung. Die greunbf^aft , toelcfce biefen 
gürften anfangt mit i?ubtt>ig terbanb, erinnert fokoo^I bur$ 
ben ©rab ber ©ertraultyfett al« burc$ ifft fpätered Umfragen 
an ba* 3ugenboer$ältni£ jtoifc^en ftaifer Submig unb griebri$ 
bem ©d>önen. 8uc$ biefe greunbe teilten &immtx unb ©ett, 
fie genoffen jufammen bie greuben ber 3agb, SEanje unb Zur* 
niete, trafen fie ftc$ ju gemeinf^aftlic^er lagfa^rt in einer 
©tabt, fo ritten fie too$l na# Slnbrud? ber 9ta<$t mit ©angetn 
foajteren, matten ben grauen ben $of, orbneten fic$ bann 
mit tyrem ©efolge }u {Rotten, fprengten gegen einanber an 
unb jutoeilen !am e$ bei biefen nächtlichen {Ritten }u fo mut* 
nriüigen ©algereten, ba§ an ben fürftüctyen greunben unb tyren 
abeligen Begleitern bie ftleiber in gefcen heruntergingen. „3$r 



1) Oberbaar, *r<$i* I, 439; Oefele II, 243. 

2) Original im et.-«. 



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Subftig b. fteicfc unb Shtfdiftfift 877 

$erren, i$r tvagt einen ftotb bott Unglfid feil — toenn i$r 
i$n $alt einmal au«fd)üttetl" fo tief tynen eine« £ag« ber 
alte Sßityelm uon {Remberg $u, al$ er fie mit einanber ringen 

On Politiker $infi$t einigte bie beiben gfirften ein ge* 
meinfamer 3«8« gertngföäfctge äbnetgung gegen bie 9tet#$ftäbte 
unb ba$ ©treben, beten 2Wac$t einjubämmen f too bie« nur 
anging. Sben toar Dürnberg au« fernerem Stiege mit 9Ubre$t 
fiegreic^ fyrborgegangen. Der griebe tourbe bur$ älbred&t* 
SBtberftreben unb äuäflüc^te berjögert, au$ ber erfte S3ermitt* 
lungSoerfudfc, ben Subtoig ju Änfang 1452 unternahm, fölug 
fe$l. ®egen (Snbe be$felben 3a$re$ mar Submig in bem gfitften* 
rate, ber ju SBten juriften ben unbetföfyiten Oegnew Stecht 
forec^en foflte; at« gteunb ÄlbtedjtS unb entföiebener Vertreter 
ber fürftlifyn lenbenjen tonnte et ben Üiürnbergern nidjt al$ 
unparteiifd) gelten; im -Kamen ber ©tabt proteftierte ö^ie 
non fiaimburg gegen biefen Siebter. £tile#* . "Tlf*,. - 
Mrnberger i* \b, U "«* ^ 
©<bieb«ri<6ter w**«; «* P e * fltten * «* * Bm f"i 
berat »ermittlung gelang (27. H»ml 1453) ju Sauf 
ber Hbfölujj eine« 33ergleicb«, ber bte ©tabt, »tewobl er ibr 
eine «eine ©elbjablung auferlegte, bo# fo befriebtgte, bafc fie 
bem Vermittler für ben (Srfolg ©an! mujjte. 

gubtoig« ®efinnung gegen bie 9feicb«ftabte trat jutage, al« 
ba« Heine !DinIel«bübl bie llm>orfi(btigleit beging, i&n bur$ 
einen unbebeutenben eingriff in feine ®eri<bt«bar!eit ju reijen. 
35e« $erjog« SRacbe ftanb in feinem »erbältni« 8« ber fcerau* 
forberung, inbem er (©ommer 1456)») mit 1500 «eitern 
über bie «eicb«ftabt berfiel, obne ibr nur gebbe anjufagen. 
©ebrlo« unb auf« äufcerfte etföredt, prie« fit* bie ©ürger* 
f$aft febon glfldlicb, baf fte ber Vermittlung eine« Nürnberger 
»ürger« ein «Wommen »erbanlte, »onacb fie bem fcerjoge jur 
©übne eine Vertreibung über 1000 fl. einju&änbigen batte. 



1) ©itbenbttg, 447. 448; »flt. baju Älndbobtt, 3t. 888. 

2) @. SWfili(b« unb 3int« (S&romtett. @t.-<5br. V, 237f. 



878 



Subtotg« Snfprü^t auf 3)onau»8rt$. 



IDie Cetebe be« Dieb« aber, ben bie ftäbtifche ©ehörbe auf 
herjogltchem ©oben ergriffen unb gelangt hatte, mußte anf 
Submig« ©efehl oom ®algen abgenommen unb — mit allen 
<Ehten beftattet »erben. 

Daf Donautoörth oon ftaifer ©igmunb bem $erjoge 8ubnrig 
im ©ort jur ©träfe abgebrochen unb toteber 8teich«ftabt ge* 
korben mar, empfanb Submig ber Steide al« einen unerträg* 
liefen ©erluft, jumal ba burch bie 8teich«unmittelbarfeit biefer 
©tabt ba« ^erjogli^e ©ebiet an ber Donau in ber ftörenbften 
ffieife unterbrochen toarb. ©chon $erjog Heinrich hatte, nach* 
bem er fleh be« Sngolftäbter Sanbe« bemächtigt, ben $lan ge* 
faft, bie ©tabt an Seriem jurudjubringen unb burch ®eorg 
Äheim bem SWarlgrafen Wibrecht oorgefchlagen, fich mit ihm 
jum Singriff auf Donaumörth ju oerbünben. Diefer aber ^atte 
turunter ©ebingungen teilnehmen toollen, an benen ber $tan 
^*^^j6 Heinrich bie ©erföftigung feine« $eere« über* 
nehme mtt^W a ^^.^em ftriege gegen bie ©täbte untere 
ftüfce 9?un toanbtepy^^^n ben »aifer mit bem 
flnfuchen, bag ihm biefer entmeberbtT^ft^a^Uefere ober 
bie Summe t>on 60000 Dutaten jahle, um toelche j?atf IV, 
fie (1376, 3uni 24.) an ©aiern berpfänbet hatte. 3m 2Wai 
1458 mar Subtoig in SBien, um jmifchen bem ftaifer, bem er 
bei feinem Smjuge ba« ©chtoert oortrug, unb beffen feinblichen 
©rübern ju vermitteln. Damal« brachte er feine änfprüche 
auf Donauwörth lieber in (Erinnerung unb ba ber ftaifer tote 
flemöhnlich au«toich, ertoiberte er: „3h* tooöt »i<h ntc^t über 
Donauwörth fommen (äffen ! ffiohlan, fo toerbe ich mich felbft 
baran machen unb e« einnehmen. Sollte ich Guer ©naben 
bamit erjürnen, fo feib mein gnäbiger $err!" Da ber ftaifer 
baju lachte, toill ber $>erjog gefchloffen haben, bafc er für einen 
<Setoaltfchritt toohl ©erjeihung finben tofirbe. 

Sßittlertoeile aber hatte fleh jtotfehen ben engen greunben, 
jtoifchen ßubtoig unb bem üRarfgrafen Wibrecht ein Unheil* 
brohenber 5Ri6 aufgethan. älbrecht« $oliti! toar beherrfcht oon 



N 



1) Falkenstein, Antiquit. Nordgav. IV, 348. 



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Übergriffe be9 Nürnberger 8anbgeri$te«. 879 

einem, man muß fagen leibenfäaftlicfcen 3uge, ber früher ober 
foäter ju einem 3 u f ammen f t0 ß mit ?ubtt>ig fügten mußte. 
Unterftüfct oon bem in toeiten ftretfen empfunbenen ©ebürfni« 
einet triftigeren $Rei#«juftij, no$ tpeit toirlung«ooller aber oon 
ber ®unft eine« 9teicWober$aupte«, ba« in i$m feine feftefte 
©tüfce \ud)tt, beanfprud&te ber SHarfgraf, inbem er ben ©inn 
ber alten 8e$en«briefe fctf oerbrefcte, baß ba« ben Nürnberger 
Burggrafen erblich jufte$enbe fatferli($e 8anbgeri$t ju Dürnberg 
Aber allen lanbe«$errltd)en ©ertöten fte$e. @c$on früher Ratten 
ß$ bie bairifc$en $erjoge gegen 93erfu$e bie 3url«biftion biefe« 
8anbgeric$te« au«jube$nen ju toe^ren gehabt unb bagegen mit 
(Erfolg bie ^fte Autorität angerufen. Da« <£oofation«tmoiteg 
ftarl« IV. fcort 1362 befagte beutlic$, baß bie bairifd&en Untere 
tränen außer in gälten ber 9te$t«oertt>eigerung nur oor tyren 
$eimifc$en (gerieten fi$ beranttoorfen fodten. ffiieberum bat** 
ftatfer ©igmunb foroo^l für $etnric$ om ggjü^*^ 0 ^^ 
bie ü»ünd>ner $>er a oge anerlannt i >i^'^ ert ^ anen mebet 
*or ein faiferltye« $of* m>* B*W>« * etben MW** 

$atte no# 45*tebrit$ feW $ er 3<>9 c m. bie 

8*ri$ett oon fremben ©engten für feine Untertanen beftärigt l ). 
Kit aber föon ©tgmunb bem STOarfgrafen griebri* »ultebe 
tene (Exemtionen jum Seil toiberrufen frttte, fo leiftete nun 
griebridfr III. ben anmaßenben planen be« üttarfgrafen «lbrec$t 
oollenb« »orfäub, inbem er (1454) alle ©erorbnungen , fco* 
bur$ früher ba« Nürnberger 8anbgeri$t beeinträchtigt toorben 
fei, für nichtig erflärte; ber »orjug biete« 8anbgeric$te« befte$e 
eben barin, baß bort ber 8anbri$ter an be« ftaifer« ©tatt su 
9te#t fifce. 1456 erflärte bie laiferltye ffanjlei, ber oon 
Sllbrec$t in einem befonberen galle oerfutye #etoet«, baß fein 
8anbgeri$t befugt fei, in ©traben, ©aiern, granlen unb am 
9i$ein ju rieten, fei gelungen. Nun Ruften fty bic 8or* 
Iabungen bairtföer Untertanen oor ba« Nürnberger 8anb* 
geriet, too man, um nid^t gegen ben uralten Ne#t«grunbfafc 
3U oerftoßen, toonac* ber freie Sßann nur auf bem ©oben 



1) C$tnel r Nr. 1372. 



Sutomg b. fflci$c unb Äatfer gricbricfc III. 



feine« Stamme« gerietet toerben lonnte, an getolffen ©teilen 
bairiföe«, fc$n>äbif($e« unb factyfiföe« (Srbreicty fingierte. 

Sei Subtoig aber $atte e« nu$t ber ©efötoerben [einer 
Untertanen äber biefe ©orlabungen beburft, i$n ju befcarr* 
liebem SBiberftanb gegen bie Anmaßung feine« greunbe« an$u» 
feuern. Durctybrungen bon ben ©ebanfen, ba& ©aiem eine« 
ber bier $äufer fei, barauf ba« römifetye 9tei$ in beutfäen 
Sanben begrfinbet toarb, unb bag feine (geriete Stecht fprad&en, 
noc$ e$e e« ein ©urggrafentum ju Dürnberg gab 1 ), mar er 
feft entföloffen, ni#t bie geringste ©erfürjung feiner lanbe** 
$errli#en JRc^te fid^ gefallen ju laffen, foüte barflber au$ fein 
gute« ©er&altni« }um SÄarfgrafen unb felbft jum ftaifer 2er" 
fiört toerben. Da« leitete toar föon bi«$er ttity ofrte 9n* 
feetytungen geblieben, $artnä<ftg tyatte ber ftaifer bie bon 
Submtg gettünföte ©efiättgang be« $affauer ©tf$of* Ulrich 
Binr^Ä^^^^Ttoetgert. <£r mißbilligte Subtoig« ©orge^en 
gegen fcineOifEcft^wnb gegen £Hnfel«bityt 2 ), er jürnte unber* 
fB$nli# Subtpig« engftem«JtoiMaQi^^ griebri* bon ber 
$falj. «uc$ in ben 3ertoürfniffeiimli^^ bera 
jungen 8abi«Iau« bon Ungarn unb ©fernen, unb" mit jetnem 
©ruber Slbrety fanb et ben 8anW$uter $ersog auf ©eite 
feiner ©egner. SRur ba« Übermag ber ©etynrierigfeiten, bie ben 
ftaifer bon aßen Seiten bebrängten 8 ), unb Subnrig« äujjerli($e 
Untertoürpgfeit Ratten too^l bi«$er ben ©ru# berfcinbert. 

©eit ©eginn feiner {Regierung er$ob Submig toieber^olt, 
balD allein, balb in ©erbinbung mit beut 3ftün$ner ©etter, 
bur$ State ober in eigener $erfon beim ©iener $ofe Magenbc 
<£infprac$e gegen bie Übergriffe be« Nürnberger 8anbgertc$te«. 

1) @. Subtmg* ©^reiben an töegenfiburg, ©emetner III, 295. 

2) 9a<$mann, ©riefe unb Sitten jur Sperr, u. bentföen ©efdtfcfcte 
im 3citalter Ä. griebri*« III., Font. rer. Austr. II, 44, p. 34. SHefe 
©ammlnng (8b. 42 u. 44) i(l <ut$ für ba« ftgb. eine ber »i^tigPe« 
Duetten. 

3) (5* fei $ier baran erinnert, bag ber bitter UCrkfc Ciainger bon 
©Jtng, ber 1451 einen gef$$rli$en «ufflanb gegen griebri$ erregt $atte 
ein ©aier toar. 





2>ie großen beuten gfirjfcrtyarteten. 881 



*Ra$bem julefct au$ einer gemeinfamen ©otföaft ßubtoig* unb 
be« $faljgrafen griebri^ an ben ffaifer „feine fo freunblictye 
unb Kate Änttoort jutetl gemorben, tote fie tofinföten - , fd^Ioffen 
Subtoig unb ber ^faljgraf (6. gebr. 1458) ju 8anb«$ut ein 
neue« ©$ufe< unb IrufebfinbniS auf 8eben$jeit unb gaben beut« 
felben einige ffiod&en fpäter (24. gebr.) ju Dürnberg bie be* 
fonbere Stiftung gegen ben ÜJlarlgrafen 8lbre$t, toetl biefer 
toiberred&tlicty fein Sanbgeri$t Dürnberg auf bie Untertanen 
be$ $aufe$ ©aiern au$jube$nen fu$e *). 3u W*f ctt i wc * 
m5$tigften gfirften be« toittel$ba$ifc$en $aufe$ tyelt au* $aß 
gegen feinen faiferlicfcen ©ruber aud& <8r$erjog Sllbrectyt, ber 
}u ©urgfrwfen (1459) mit tfubtoig ein ©finbniä ju gegenfeitiger 
ftriege$Ufe föloß*). Die (Gegenpartei bitbeten bie ©rauben* 
burger , bie $erjoge &on ©ad&fen unb bie burety territorial* 
ftreitigfeiten mit bem ^faljgrafen griebriety jerfaflenen Wattybarn 
STOains, ©aben, äWefe, au<$ ein 2öittel«ba<$er, $faljgraf Subtoig 
bon 3toetbrfi(fen*93elbenj, enblicty ffiirtemberg, beffen ®raf 
Ulrich jtoar eine @$mefter Subtoig« jur jmeiten grau gehabt, 
aber fäon frfi$ (1451) burety ben lob verloren $atte. ÜÄarN 
graf SUbred^t, Dietger fcon SWainj, Ulri# fcon ©irtemberg unb 
ftibtoig bon ©elbenj fd&loffen ju 3Äergent$etm (20. 3uni 1458) 
ein je$nia$rige3 ©finbniä. @o ftanb ber größte unb mäd^tigfte 
leil ber beutfd&en gürften toie in jtoei fernbliebe Heerlager ge* 
(Rieben unb jeben äugenblicf lonnte ft<$ ba$ Jfriegflfeuer an 
totalen 3ö>iftig!eiten entjünben, um bann &om 8?^ein bis jum 
©S^mertoalbe in gewaltiger ®lut fortjutoactyfen. 

^faljgraf griebri$ mar e$ juerft, ber Subnrig auf ®runb 
be« ©unbeSfcertragä um feine frilfe anging, aW ©irtemberg 
unb beffen ©unbedgenoffen bie ©urg ffiibbern an ber 3agft 
angriffen, beten ©anerben jum leil feine 8e$en$männer traren. 
3m 3uni 1458 berief ßubtoig feinen ßanbtag ein, erhielt beffen 

1) Äremer, griebri* ber ©legrere, Urt ©. 164. 170. 

2) <£$rael, SRatcrtattcn jur öflcrr. ©cfö. II, 171. 3n cod. gall. 
Monac. 868 ift unter Nr. 189 au# ein »unfccStoertrag SubttrigS rai 
^erjofl yfyWipp t>on ©urgtmb bon 1457 toerjei^net. 




882 



ßubtoig ber 9fci<he 



- $Uf«jufage xinb begann Serbungen in ©öhmen itnb Öfterreiih. 
St bereite nicht, bog ihm bet Streit um ffiibbern lein au* 
retchenber ®runb festen bic mä<htigften dürften Oberbeutfchlanb* 
in ftrieg ju entjweien, boch wtrfte bei feinen Stiftungen auch 
bie ©eforgni« mit, baß er fein eigenes 8anb, fei etf gegen ben 
üßarfgrafen, fei e£ gegen ben neuen „aufgerüdtten - ©öhmen* 
lönig ®eorg $obtebrab fchfifcen müffe. ®er erftcre begann 
bereite feine SSerbünbeten jum Kampfe gegen ßubwig aufjurufen, 
lieg fich fcboch burch freunbltche SSerßcherungen be« $erjog* 
befriedigen. ÜRtttlerwette (29. 3uni) mar «Bibbern ohne 
©chwertftreich bom ©rafen Ulrich oon ffiirtemberg eingenommen 
worben, noch einmal aber warb bie brohenbe (Sefahr eine« 
großen ftrieg« abgetoenbet: furj nach ©artholomäi vereinigte 
ein Sag ju Dürnberg ben SanM^uter $>erjog, ber mit 24 
feibenen SBannern einrttt, bie ÜÄarlgrafen 9Ibre$t unb griebrich 
unb bie $erjoge ton ©achfen ju Beratungen wegen be« SRfiw* 
berger Sanbgerithte«, bie burch Storniere mit fcharfen Sangen 
eine wiHfomraene Unterbrechung erfuhren 1 ), ffiiewoht ein 
Begleich in ber bretmenben grage fo wenig erjielt »erben 
lonnte wie borher, (Rieben bie gßrften in grieben , [a fogar 
geeinigt ju einem Unternehmen, ba« im bairifchen Sntereffe lag. 

3e$t nämlic^ gebaute ßubwig gegen Donauwörth feinen 
©<hlag aufführen unb e« lägt fich taum bejweifefn, bag er 
föon auf biefem Nürnberger Sage ^tefür bie ©ranbenburger 
unb ©achfen gewann, bie feinen $ag gegen bie Weid^ftäbte 
teilten. (Sben biefe ©eßnnung führte ihm au« ben ftreifen 
ber Sürßen unb sperren noch weitere Serbfinbete ju. Die 
brei branbenburgiföen üßatlgrafen fanbten Donauwörth am 
13. Oftober ihren gehbebrief mit ber einfachen SSegrünbung, 
bafc $erjog gubwig ber ©tabt geinb geworben fei unb pe um 
$Ufe angegangen habe 2 ), außer ihnen unb ben f&hftfchen 
$erjogen griebrtch unb ffiilhelm waren in Subwig« $eer ber 
^faljgraf Sriebrtch, ber iunge $eraog 3ohann öon SWünchen, 

1) 6t-Chr. X, 236. 

2) Pont. rer. Anatr. L c, p. 29. 3ura flgb. f. p. 30. 31. 




bemfi*tigt fty 2>onauto3rt§« 1458. 88$ 



¥faljgtaf Otto bon SReumarft, Oraf Utric^ bon ffiirtemberg, 
bie ©ifööfe bon ©amberg unb ffiürjburg tritt perf9ntt$ au* 
toefenb, teil« bur<^ ©treitfräfte vertreten 1 ). 3u einem offene» 
©emaltfdfrritt gegen bie Serfaffung unb ba« Oberhaupt be* 
SRetye« liegen fi# o$ne üRü$e Sürßen ber betben feinblid&en 
Parteien Dereinigen 1 Unb boc$ $atte ber Äaifer Subtoig unb 
feine SSerbünbeten gemannt bou bem Unternehmen abjufte$eit 
unb (5. Oft.) bie ©täbte aufgeforbert Donauwörth im gaHe 
eine* angriff« guftlfe ju fommen. Diefe Sufforberung fant 
in ber $am>tfa#e gu fpät, nur «ugflburg, toie e$ f$eint*), 
fanbte ber bebro$ten ©eftoefterftabt einige Unterftüfcung. ffia* 
bebeutete bte* aber gegen ba« gewaltige $eer, mit bem Subtoig. 
am 8. Oftober bie ©tobt umföloß 1 9ta<$ einem Nürnberger 
©erid&te jaulte baflfelbe 5500 Weiter unb 19000 guggänger 
mit ftarfem S3elagerung«jeug unb einer ffiagenburg, fär toeWfre 
flßarfgraf 8Qbre<$t bem ^erjoge auf fein 3nfu$en einen taug* 
liefen güfcrer abgetreten $atte. 3n ber ©tobt, bie fi$ ber* 
gebend ju 9?e$t erboten, toaren Diele ©firger bairifö geftmtt 
unb moQten bon einem ffitberftanb ni$t« $5ren; i$r $aupt 
toar bei ©ürgerraeifler ©unbeltoein, ein geborener ©aier au* 
Sauingen. Sei folcfcer Sage ber Dinge mußte ber fteic$0* 
marfc^aK bon $at>pen$rim, ber att laiferlic^er Hauptmann unb 
»einbogt in ber ©tobt befehligte, trofe ber ftarlen ©efefttgungen 
ba* ©j>iel verloren geben. 9tac$ einer Unterrebung mit ßubtwg. 
übergab tym ber {Rat am 19. Oftober bie ©$(üffel ber ©tobt 
unb toä^renb ber $Rei$$öogt, 5E$rönen in ben Äugen, mit feinen 

1) Sgl. Älnd$o$n«4. (Stfur«, @. 364. gugger* »cri<$t beruht 
größtenteils auf ber €$roni! 2Rfitf($«, neben ber befonber« 3t n! (@t.- 
<S$r. V, 220). «rnped, 402, Nürnberger 3a$rbü<*er (@t.-€$r. X, 237) 
in 8etro$t fommen. 

2) 2>ie gleite Stagobe bejügli* Ulme unb NBrbliugen« ift too$l irrig, 
graute 8ug9b. Qfyrontt (@tei<$efc* 9rc^it> jur <8ef$. b. »ietum* 

9ug9burg II, 101) toaren biefe beiben etSbtc fotote »Opfingen 1458 mit 
Suburtg toerbftnbet. 2>ie unten na* Oberba^er. 8r$to IX, 366 ertoSfate 
»efälagnafyne ton Nürnberger Gütern ift bo# fein auerctfynber ©ctoei* 
bafür, baß au$ Nürnberg ©itfe getieft $abe. 



884 



©cfcfcung 3)onau»8rt$« bur<$ Subwig b. Hetzen. 



Ceuten abjog, $ielt bur# ein anbete« %f)ox Subtoig mit 400 
Wettern feinen (Sinmarfö. 

„O lebenbiger ®ott! M — ruft ber 2tog«burger ©urffcarb 
3in! au« — „tote liebetli^ unb o$ne Sttot ift eine gute toefr* 
lt<$e ©tabt oerloren toorben! O ber großen galfäfrit unb 
Untreue! «fle ©o«$eit $at über^anb genommen unb 9lei<$«not 
ift überaß!" 3n ber £$at Ratten bie 3lug«burger ®ruttb ju 
Aufregung unb ©eforgni«. ©ur# i&re Untetftüfeung £>onau* 
toörty« Ratten fie ben 3om eine« dürften $erau«geforbert, bem 
fie f#on Dörfer toibertoattig toaren. Der $erjog ließ alle« 
in Donauto5rt$ betroffene ®ut oon afog«burgern toie 9iürn* 
bergern mit ©ef<$tag belegen, Verbot fogar feinen Untertanen 
©pulten an Äugäburger yi bejahen. 3 um <MM flte 
©tabt fanben aber nun bie SWfinfyter £>erjoge, ba& ein toeitere« 
Umjid&gteifen ßubtoig« bebro$li<$ toäre, unb am 21. Oftober 
fam jtoiföen tynen unb ber ©tabt «ug«burg ein ©unbe«oertrag 
auf jetyn 3a$re juftanbe l ). 

Subttrig, be« leid&ten CrfoIge« fro$, entlieg feine Ärieg«* 
fctyaren unb eilte ju geften unb Sufibartetten. 3m SRooember 
toar er bei ber $o$jeit brt üßarlgrafen älbrec^t mit einer 
©c^toefter feiner ®ema$lin — ein ©unb, ber bie Hoffnung auf 
<5r$altung be« ^rieben« jmtföen beiben fjürften neu belebte — 
)U ffietynacfcten oereinigten glanjenbe tiefte in $etbelberg bie 
befreunbeten ©ittel«bac$er, toafrenb gleicfoeitig 3U Slföaffenburg 
bie ®egner be« ^faljgrafen um ben SKainjer Srjbifcljof fi$ 
föarten unb tyren ©unb gegen ben $faljgrafen befeftigten. 

ftaifer $riebric$ aber, toietoo^t in feinen (Srbtanben ooöauf 
beföäftigt, mar bo$ ni$t gefonnen ben fönSben 9lec$t«bruc$ 
fätoeigenb $inaune$men. ©egen ÜÄajeftät«beleibtgung erging 
an Öubnrig bie ©orlabung binnen fedj« ffiod&en unb brei Sagen 
oor be« ftaifer« ®eric$t ju erfreuten, ©om SDlarfgrafen 
Hlbrety empfing ber §erjog im Dejembet ben freunbföaft* 
liefen {Rat, er möge gegenüber biefer 8abung ftd& barauf be* 
rufen, baß ein gürft be« SRet<$« breimal unb jtoar ie*e«mat 

1) @t. €$r. I, 327; V, 222. 




886 



bttr$ einen gfirftengenoffen geloben toerben müffe 1 ). ©atb 
aber mußte Subtoig bie ©efc^tcfttc^feU btefe« {Ratgeber« in «u* 
flößten unb ffiinbungen gegen fi$ felbft gelehrt fe$en. Die 
in Dürnberg unb Starnberg fottgefefcten 33er$anblungen Aber 
bie 3 u ftänbig!eit be« Nürnberger 8anbgeric$te« Ratten ju feiner 
©nigung geführt, metme^t fpifeten ftc$ bie $arteigegenfäfce 
immer fd&ärfer ju. 3n 9?egen«burg feftigte Subtotg auf einer 
petföntic^en 3wfamraen!unft fein SBünbni« mit güebric^ oon 
ber $fal} auf« neue, bagegen Wien eine in 3ngolftabt ab* 
gehaltene ©eforccfying jmif^en Subtoig unb bem SWarfgrafen 
Hlbre$t mit ber 8fo«fic$t auf balbigen ftrieg ju enben, ba 
Hlbiedfrt auf bie gorberung, ba§ JBatern« Unab$ängigfeit bom 
Nürnberger Sanbgericfcte au«brfl<ftic$ anerfannt »erbe, ni$t 
eingeben tooflte. 

3m grüföa$r 1459 berieten fic^ Submig, ^Jfafjgraf grtebri$ 
unb ber Sanbgraf Don $effen ju Nürnberg über bie bebro$li<$e 
polittfäe Sage 2 ), gleicfyeitig aber fcerfaramelte 8ttbrec$t ju 
STOergentfcim bie i$m befreunbeten dürften unb ftettte bereite 
ben gelbiugfylan gegen Subtoig unb griebric$ feft. ©efonber« 
bebropety für ßubtoig toar e«, bag bort au# bie jtoei älteften 
©3$ne befräWüncfrter $eraog$, 3o$ann unb ©igraunb erfötenen 
unb mit «Ibrettyt unb bem ®rafen Ulric$ Don ffiirtemberg ein 
©ünbni* auf ae^n 3a$re vereinbarten (30. Styril 1469) *). 
SDlit ber (Sinigfeit jtoifdfren ben brei mätytgften »ittel«bac$if<$en 
Smien mar e« ju Cnbe! @$on mar ber tränfelnbe $eraog 
«lbre$t III. burc$ allerlei lerritorialftreittgfetten, namentlich 
über ben ffieg be« @ala$anbeW von 9teic$en$afl unb über ben 
3ott, ben fcubioig« ©alifu^ren im 3Rfin$ner ^erjogtume ent* 
rieten foflten — $änbel, um beren ©$li$tung ß$ ^fatagraf 
griebrty bergeben« bemüht $atte 4 ) — bem 8anb«$uter Setter 
entfrembet. «tt nun STOarfgraf Älbrety einen feiner »er* 

1) *. $affet$olbt-eto<!$eim, TOte$t IV., 1,1, 59. 

2) Font. rer. Anstr. XLII, 279. 

3) »ei$*ir<$it>. *. etodfetnt 1,1, 42. 

4) €*. äftettftet* »«geften jnr 0ef$i$te gricbri(W be* e>iegrei<$ett, 
O. u. <5r. II, 803 f. 

*U|tc«, teftWe Safere*, m. 25 



886 



«forest %$\M »ci^att^traann gegen Subtoig. 



trauten, ben Kittet Suburig Don <5$b, an ben SDlfindbner $of 
fanbte, $atte e$ leine SWitye gefoftet biefen ju gewinnen. $erjog 
«(brecht, bet föon bur# ba$ ©ftnbni« mit »ugtf&urg feine 
Oeftnnung gejeigt $atte, erHärte trofc afler griebentfiebe: 
toürben bie ©ranbenburger unb ffiirtemberger übet Donald 
toört$ faranrücten, fo tooUe er Don ber anberen ©eite $er* 
jie^enb, in 8anM$ut fu$ mit tynen bereinigen unb mit ben 
jtoet oerbünbeten SKäd&ten bie btei $elme be* 8anM&uter 
ffiappen« teilen 1 ). 

Um aber i$r ©ergeben mit ber Autorität be« 8lei<$3 ju 
umtteiben, befd&loffen bie SScrbünbeten ben £)onauto5rt$er $anbel 
aufjugreifen unb fi$ bem ftaifer als (Sjelutoren gegen einen 
SWaieftaMbeleibiger unb grteben«ftörer jur Verfügung )u [teilen. 
Sin foletye« 33or$aben, foHte man glauben, $atte baran f$eitern 
müffen, ba& bie branbenburgiföen SKarlgrafen fi# an bem 
Angriff auf £)onauto>ört$ felbft beteiligt Ratten. £)o$ neinl 
3n allem (Srnfte richteten bie in SWergent^eim Derfammelten 
gürften bur# ben 8tet$3marfc$afl Don ^appenfcetm an ben 
ftaifer ba« ©egefren, er möge toegen beä £)onautoört$er @c#ag* 
ba« 8teic$$banner aufoflanjen unb Wibrecht Hc$itte$ |um fatfer- 
lictyen Hauptmann ernennen. 3n ber X$at beftettte* ber ftaifer 
am 4. 3uni 1459 i$n unb ben $erjog ffiilfclm Don ©aetfen 
al$ $auptleute im 5Reic$$lriege gegen Subtoig, toorauf ber 
SWarfgraf im tarnen be$ 9?ek$$ober$aui>te$ unter ©traf» 
anbro$ungen fofort gürften unb ©tabte jum flriege gegen 
Subtoig aufrief. 8ngefi$t$ einer folgen £reu!ofig!eit, bie in 
ber ©ef$i$te ihresgleichen fuc^t f begreift man, bog ein neuer 
S3erraittIung«oerfuc$ ju Cicfttäbt o$ne flrrgebni« Derlief unb bafc 
Subtoig im eigenen 8anbe tote in ©ityraen eifrig rflftete. 3n 
einer ©efötoerbeförift an ben Äaifer (28. Sunt) erHärte er 

1) <&t)f>S 2>enta>firbigfeiten, 126. 1458 fanbte Störest feinen 2anb- 
faflen, ben HegenG&urger ©tabtyauptraann $au* grauenberger Dom 
$ag ju $runn in ©elften, bie „fär i$n, feine Äinber, Sanb unb Beute 4 ' 
fe$r triftig »aren, na* granfrei*. (Semeiner III, 286—288. $ing 
biefe eenbung ettoa mit ben $tönen ber 8Rergentbetmer »erbfinbeien jn- 
fammen, an* au|er§atb 2>eut[*lanb* »unbeSgcnoffen ju gewinnen? 




887 



beffett »erfahren al« bem JRe$t unb #er!oramen jmoiberlaufenb, 
bo er unb bie gürften be« Weiche« juerft hätten gehört toerben 
fotten. Stuf einem {Reistage Dor »urfürften unb gürften fei 
et bereit, 9?e$t über ft$ foreetyen ju laffen. 

5Da toar e« $apft $ta« IL, bur# beffen eingreifen ber 
8ta«bruc$ be« inneren ftriege« normal für einige Bett DerjSgert 
nmrbe. ©eit ber Eroberung Äonftantinot>el« bur$ bie dürfen 
$atte ß$ ba« ^apfttura toieber auf bie f>3^e feiner toelt* 
gef$i$tli$en SRiffton aufgezwungen; mit allem (Eifer ging 
bie fturte an bie $arte «rbeit, bie $rifttic$en SWäd&te jum 
Kampfe gegen bie Ungläubigen ju entflammen. 6nea ©üoio 
$atte föon al« ©eDoflmätyigter be« $apfte* ßalij t III. auf 
Subtoig in biefem Sinne einjutoirfen gefugt unb auf bem Sage 
3U 8?egen«burg 1454, too über bie 5Efirfengefa$r beraten mürbe, 
mar Subtoig ber SJorßfe jugebaefct getoefen. S)er $erjog traf 
iebo$ in ®efeüf($aft be« £>erjog« Don ©urgunb »erbätet, erft 
am 3. 3uni *) in töegen«burg ein unb feine £eilna$me an ber 
»erfamralung befd&ränfte auf fc$teb«ri<$terli<$e SEfcätigfeit *), 
auf gefte unb ©elage. 5De« $apfte« Vertrauen aber frttte er 
bamit no$ ni$t Derfc$erat. $ielt er ft$ bo$ toenigften« fern 
Don ber beutf$en Owojttion, bie unter gfi&rung be« SWainjer 
<5rjbif<$of« ber Äurie mit ©efcfyoerben unb gorberungen ent* 
gegentrat I 5Rac$ Criebigung be« 8tegen«burger ®tu#« (1457) 
$atte i$m Salijtu« ©unft ermiefen, inbem er auf feine (fofoie 
be« ftaifer«) »ertoenDung gegen Den nxfy ganj orbnungÄmfigig 
gemähten $einri$ Don »b«berg feinen no$ minberiä$rigen 
©tyoeftetfofri JRnpred&t, einen ®o$n be« $faljgrafen Otto, 
beftätigte. ©i« biefer Jugenblid&e ©tföof feine ©tubien 
$abua ooflenben »ürbe, $atte bamal« ber Äaifer Subtoig bie 
toeltlic$e 8Ser»altung be« #oc$ftifte« übertragen *). 

8uc$ (Snea ©üoio $iccoIomini, ber im »uguft 1458 al« 
$iu« II. Den ^ftlid^en ©tu$i beftiegen, fannte fein $8$ere« 

1) 9leiffermaver r 2>er große <5$rtjUntag ju 9fcgen«burg 1471 
(SRcgenGbnrger ^mnafla^rogramm 1887) I, 5. 

2) hierüber bgt Pont. rer. Austr. XLII, 132. 139. 

3) 3anner, ©cfä. b. »ifööfe *on 9fcgcn*bttrg III, 509—517. 

25* 



886 



2>ie Nürnberger 



3iet att bie <hriftlichen Söller gegen ben (Wlam ju führen, ju 
btefem 3oede aber muffte &or allem ein innerer ftrieg in 
Deutfchlanb bereitet »erben, ÜÄit ben SanWhuter fterjogeti 
fear ber neue $atft Won als ©eheimfehreiber be« ftaifer« in 
jtttfönltctye ©ejiebnngen ber freunblichflen Mtt getreten. STOtt 
Vergnügen erinnerte er ft$ be« ffiohlfeotlen«, ba* ihm $erjog 
$etnrich burch Übertragung ber Pfarrei 9iet$bad& erfetefen, ber 
traulichen ©efprä^e , bie er mit Subfeig in ffiiener*9teuftabt 
gebogen, al« ber junge gürft nach beut „©teine ber ©eifen" 
fuchte 1 ). ©o fe^te e« benn ber päpftlic^e Segat Stephen 
SRarbini burch, baß ju Änfang 3uli 1459 gürften unb <8e* 
fattbte, auc^ bie beiben $>aiq>tgegner Subfeig unb Wibrecht, ju 
^Beratungen Aber ben grieben in Dürnberg aufammentraten. 
Sieben ben Sitten unb Drohungen be« Segalen mxltt hier auf 
Subfeig bie überlegene STOacht be« üßarlgrafen, ber 18000 SWann 
nur eine SWeile tot Dürnberg öerfaramelt ty&tt*), feähtenb 
ber $erjog feine eigenen ©treitlräfte burch einen btylomattfehen 
©egenjug gefchfe&ht fa$: Wibrecht hatte e« beim Söhmenßnige 
©eorg burchgefefct, bog mehr al« 5000 oon Subfeig bereit« 
gefeorbene böhmifche ©Slbner auf ©runb eine« filteren Sanbe«* 
gefe^je« in ihre $eimat jurüdberufen feurben. 

©o entfchlofj pch benn Subfeig feine (Eroberung hcrau^U" 
geben unb lieferte ©onaufeörth vorläufig an ben ©tfchof fcon 
©chftabt au«, bi« ber enbgiltige ©pruch eine« ©dfrieMgerichte« 
in feiner unb be« ftaifer« ©egenfeart, nicht auf rechtlichem, 
fonbem gütlichem ffiege barüber erfennen feürbe. ffia« ben 
$anbel mit S)infel«bühl betraf, fo feurbe vereinbart, baß ber 
$er}og, feofem er fich nicht mit bem ftaifer anber« barüber 
vertrüge, biefer ©tabt ihre ©chulb»erfchreibung jurüdgeben foßte. 
81« aber Subfeig im DItober oom ftaifer baran gemahnt fenrbe, 
Berief er fleh (16- ÄkJ.) barauf, baß ihm ber ftaifer fchon 
früher fein Sorgehen gegen Dinfettbüht ebenfo feie gegen bie 
3uben fcerjiehen habe »)• 3n ber grage be« Nürnberger Santy 

1) ©^reiben an Subfeig; Aene*e Epiit 270, p. 792. 

2) grantft *ng9*. «fatral!, 103. 

3) Pont rer. Ao«tr., p. 82. 34. 




bUnbcn ©j>rfi($e. 



geriete« festen Subtoig cm für iftt gfinfüged Hbloramen ju 
meinen, ba burc$ feine ftäte unb 8Hbre$t« ©ruber Sodann 
üTftmbltd) feftgefefct toarb, bog in 9te$t$ftreitigleiten bon Unter* 
tränen oerföiebener fjürften ber Wäger bem ©eflagten in beffen 
Sanb nadfoufa^ren $abe. ©ie$ entfi>ra<$ ber ©eioofytftit 
itnb ber batrtfd&en gorberung, bod^ jeigte ft$ balb, bafc bie 
Wed&nung o$ne ben ffiirt gemalt mar. 8Hbre$t erflärte, ba 
ba« Nürnberger 8anbgeri$t in bem »ertrage nid&t au*brüdtt$ 
genannt fei, toerbe e« bon bemfelben niefct berührt. Unb fo 
etioiefen fid^ aflmä^tic^ äße biefe Slfirnberger Vereinbarungen 
aW toertlo«, al« „blinbe @ptü$t". Segen ©onautoßrty«, ba« 
ber ©<$ftäbter S9if$of auf Setretben be« SWarfgrafen balb 
Bieber an ben 9?ei#$marfc$aH bon ^appen^etra auslieferte, 
unter^anbelte ber Äaifer bur$ Vermittlung be« t>äp(tlid^en 
Segaten hinter 8llbrec$t« dürfen mit ßubtoig; gegen gemiffe 
3ugeftänbntffe, befonber« ein ®etbgefc$enf erbot er fl<$ nadfr 
einiger £t\t bie ©tabt bem $)er}oge }u bertfänben. <5« !am 
iebo<$ toeber baju no$ ju bem ©$ieb6geri$t, ju beffen Über* 
nomine fiefy au$ ber $apft erboten $atte 1 ). Die fd&ieb«ru$ter* 
liefen ©ptüdje über bie ©treitigleiten jtotföen bem $faljgrafen 
§riebric$ unb SWainj, ffiirtemberg unb Velbenj tourben o$ne 
Ver^örung be« $faljgrafen parteiifety unb früher, al« oerabrebet 
toar, abgefaßt. 81« fte belannt tourben, ^roteftietten bie pffit» 
jiföen ©eooHmäd^tigten, erflärten au$ fcubtoig« 8täte bie bon 
tyrem $erjoge Dörfer geleiftete 3ufage al« bebeutung«lo«, ba 
unttmgängltd&e Vorau«fefeungen nid&t erfüllt feien. Daß einige 
feiner 8täte oftte feine Ermächtigung an biefen Verkantungen 
Aber bie pfaljiföen ©treitigleiten teilgenommen Ratten, erfuhr 
8ubfoig erft im gebruar be« folgenben 3a$re« bon (Erjfcerjog 
Slbredfrt, al« er mit biefem in $affau eine 3ufammenfunft $ielt 
Daju trübte fiefy nun ber $orijont au$ gegen ©ö$men $in, 
too ba* bairifd&e ©ünbni« föon na$ jfoet STOonaten bur$ 
Sabtölaud' lob junietyte geworben mar. Der Dom Sbelmann 
„aufgerüttte" neue ftönig, ©eorg bon $obiebrab, getoann burdfr 

1) Font. 1. c, p. 35. 




890 



Subnrig b. ffleufc nnb Ä. (Skorg bon Warnen. 



bie (traft feinet $etf3nU${eit unb bie 3ttrietra$t bet 9tac$barn 
in furjer &\t großen Sinzig auf bie beutfäen Angelegenheiten 
unb e« Wien anfangt, al« »erbe er feine äWactyt ju 8ubtoig« 
©<$aben geltenb machen. Subtoig fyttte einige 3 eit 8uft Steigt 
an einem gelbjuge be* £>erjog« ffiityelm oon ©ad&fen, bet 
<£rbanfyrfi$e auf ©ö&raen er&ob, gegen ben Ufurpator ß<$ ju 
beteiligen, «uf einer SSerfammlung ju Arger (Hpril 1459), 
too STOarfgraf 3tbre$t, ^faligraf griebri* unb Oefanbte 8ub= 
foig« sugegen toaren, fanb e« ba$er ber SWarlgraf triebt fötoer 
ben ©ö$menf8nig gegen ben ßantoftiter $>erjog aufjufcfcen 
®eorg erllärte nun, er moQe bie noibgauiföen $errfc$afteu, 
bie unter ftarl IV. einige deit mit ©5$men Dereinigt, jur flmt* 
föäbigung für bie SWarf aber an bie ©aiern fcerpfänbet morben 
toaren, ber böftmffyn ftrone gurüdgeurinnen. Die. ®i>annung 
jtotföen ben beiben Surften mutbe, toietooft 8ubn>ig« greunb 
griebriety Don ber $falj mit ®eorg fi# »erbünbet $atte, bur$ 
»eitere 93er$anblungen gu $rag nur geftetgert. (gegenüber 
ber b9$mif$en gorberung erinnerte ?ubtoig an bie no$ ni#t 
bejahten 100 000 p. ber Sntföäbigung für ©ranbenburg. 
®öfon \pxaäf man bafcon, bat* ber Sföfrnenfönig ber ©tabt 
Skiben burety einen $anbftrei$ ß$ bemächtigen tooHe. 3KarF- 
graf aibrec$t, oon Subtoig um feine Vermittlung angegangen, 
fteQte Dielme^r tem ©Bftnenföntge für ben gaö eine« Äriege« 
mit bem ©aiern feine $Ufe in «u«fi$t 

«uf bem Sage au (Sger fatte ein tfätjtfcfrr {Rat, ©oftor 
SRartin SKair, ben ©ö^menßnig insgeheim jur ©etoerbung 
um bie beutföe ftönig«frone aufgeforbert *). ©iefer ©oftor 
üßair, toa$rfc$einlic$ ein geborener Vfatyr, $atte ß<$ burc$ 
Älugfceit unb ®ef$&ft#getoanbt$eit $o$en 9tuf ertoorben, fo bag 
©tobte, gürften unb ber ftaifer felbft ß# gern feine« State« 

1) Sgl. ©a<$maun, ©ö$men nnb feine $Ra$barl5nber unter ©eorg 
bon ?obiebrab 1458—1461, 6. 50. 

2) »a^mann a. a. £>., 65. $ie fcufyigfien Duetten für SRair 
uerjeiefaet mein «rtifel in ber «flg. beutf*en ©iogrotfjie. (Sin fe$r 
llrenge« Urteil über 9Ratr (abgefeimter, getoiffenlofer 5R5n!eftrinner) f5flte 
«. »oigt, «iß. 3<itf*r. V, 464. 




Dr. Martin SDtoit; 



bebienten. 3n erfter Steide ein geuriegter 3urift, tt>ar et boch 
auch theologifch gebübet, hatte fogar in feiner Sugenb eine 3eit 
lang ben geiftluhen ©tanb ju »fielen gebaut. <&x gehört ju 
ben frfihepen SSertretern be« $umani«mu$ in ber $olitif, ju 
ben erften, meiere in ba« SBetcic^ btplomatifcher SSerhanblungen 
nach italienif ehern ÜÄufter formale flrleganj, ©chnmng, $runf 
unb ©ohllaut ber Siebe einführten. 2»it aller ©tärfe trat 
bei ihm gleich auch ber patriotifche 3«8 be« beutfdjen ^mutante 
um* tyw>xi Unleiblich unb einer großen Station nntoürbig 
Wien ihm bie 3erriffenhett, ÜÄacht* unb grtebXofigfcit be* töetch«, 
unermüblieh, burch alle üKijjerfofge ntd^t abgefchreeft, fuchte er 
nach SDJitteln biefen 3«pänben ein Cnbe ju machen, toobei er 
auf bie abenteuerlichen ^rojelte geriet unb toeber bie Prften bei 
ihrem ©gennufc ju faffen noch für feinen eigenen ©orteil ju 
forgen vergaß. 3m perfönltchcn Umgange mit bem phlegmatifchen 
$ab*burger, in beffen ftanjlei er eine &it lang befd&äftigt mar, 
hatte fleh bei SWair bie Überjeugung befeftigt, baß oon biefem 
dürften $eil für ba* jerrüttete {Reich nicht ju ^offen fei. ©$on 
auf bem 9iegen«burger läge im «pril 1453 l ) mar er, toie 
e* Weint, für eine neue ffönigfltoahl unb gtoar be$ $eriog« 
tyiWpp oon ©urgunb thätig, mit bem $erjog Stobtoig eben 
bamaW greunbfehaft gefchloffen ^atte. Später badete er an 
be$ Äaifer« ©ruber, (Srjherjog Silbrecht, bann an feinen $errn, 
ben ^falagrafen griebrich. STOit bem (Eintritt in ben Dienft 
be* fturfürfien 3a!ob Don Itter hatte er auch beffen Weich** 
reformplane ju ben feinigen gemalt, al* ftanjler be* (grj* 
Mfd&of« Diether oon ÜWainj bann an ben neugetoählten, ihm 
^on frfiherher befreunbeten $apft ?tu$ II. ein berühmt ge- 
worbenes ©enbfchreiben 2 ) gerietet, ba$ ben lange angefammelfen 
Sefchtoerben ber beutfehen Nation gegen ben »bfoluttemu« unb 

1) 9l\$t föon vorher. ©. Ea^mann* Äritit an ber SfoSfage 
$. <&rt&a($* (2>ie etfien 93ctfu^>e ju einer tBmiföen Äfaigtoahl unter 
fcriebrich in., gorfäungen XVII, 288 f.). 

2) Freher, Script. II, 686 f. «gl. $eb$arbt, 3>ie Gravamina 
ber beutffyn Lotion gegen ben rBnüffyn $of # 27. 




m 



JDr. Martin Wiche. 



bie finanzielle 8tu«beutung ber Äutie Sütfbrud gab unb mit 
einem allgemeinen abfalle oon SRom bro^te. „laufenb ©$li<$e - , 
förieb er, , »erben erfonnen, urie ber römtföe ®tu$l un« 
©arbaren ba« ®elb auf eine feine Hrt au« bera ©eutel gießen 
fann." Sticht ofyte ®runb $at man jeboefy geurteilt, baß SWair 
unb fein $err burc$ biefe ©efäfoerben bie fturie nur ein* 
föüd&tern tooüten, um ß$ bann bon tyr um guten $rei« er» 
laufen ju laffen l ). 

SDa« $roieft ®eorg ^obiebrab jum beutfdfren ÄSnige mahlen 
ju laffen fcatte foeit me$r flu«fic$t jur »erioirlli^ung al« ade 
früheren, ffiietoo^l ®eorg felbft bei ber erften ffierbung SDlair* 
nt$t barauf einging, toarb e« oon biefem barum no$ ni$t 
aufgegeben, ffienn nun ber Urheber unb Betreiber eine« folgen 
$lane« in ßubnrig« S)ienfte trat, fo mußte bie« einen neuen 
Hbfönitt ber 8anW$uter $olittl herbeiführen. Unmöglich tonnte 
Submig ben ÜÄarlgrafen, ben ©ö$mcnf5nig unb ben Äaifer, 
feine brei mä^tigften 9to$barn, )uglei$ ju Seinben $aben. 
<5r bef$log ft$ Jenem ber brei Sürßen }u nähern, beffen greunb* 
föaft bie geringften Opfer ju erforbern Wien. Ob Submig, 
ton biefem ®ebanfen au«ge$enb, ®eorg« SSertrauten, ben p\iU 
jiföen 9?at f in feine Dienfte na$m ober ob oielmefcr SDtair, 
ben $faljgraf griebrty feinem SBerbünbeten al« geeigneten Ver- 
mittler empfohlen $aben mag, bei Submig biefe ffienbung erft 
angeregt $at, muß ba^ingefteflt bleiben. 3m 3uli 1459 er* 
folgte SWair« ©eftaüung al« bairifd&er 8tat, am 21. iDejember 
be«felben 3a$re«, na$ ben glüdli$en (Srfolgen in Sföfaten, 
feine »nfteBung auf 8eben«jeit unb Überfiebelung na$ 8anb«$ut, 
too er nun, toietoo^l nur mit bem Xitel eine« Wate«, bie 
Stellung eine« leitenben SWinifter« einnahm unb na$ innen 
toie äugen bie rüfcrtgfte S^ätigleit entfaltete. 9to$ iefct erinnert 
in ber nieberbairiföen f>auptftabt an bem $aufe, ba« er be» 
foofyite, fein in ©tein gehauene« ©appen an ben geföäftigen 
unb tielumftorbenen ©taat«mann. Übrigen« behielt äßair, 
auc^ na^bem er in bairiföe S)ienfte getreten mar, feine ©tel* 

1) ö.»oigt(©ifl.3cUWr.V,454); $aflor # <&ef$. b.^jtel,566. 




»ünbni« Subtoig* mit Georg ?obiebrab. 



fangen al« tfäljiföer, bö$mtf<$er unb fogar urirtembergiffyr 
9?at bei, beriet au$ 3llbrec$t IV. ton 2ßünc$en unb bejog 
fpäter au$ Don bet ©tabt 8?egen«burg für bie Erteilung 
f<tyriftli<$er SRatf<$läge ein 3a$re«ge$alt. £)ag ein fcrDorragenber 
9?at gleidfeeitig mehreren fetten biente, mar bamal« allgemeine 
Kegel unb galt ni^t al« anftSgig, nur liegen fi$ dürften unb 
©täbte in folgen Sailen Don tyren ©eamten Derforectyen, bag 
bie anberen geleifteten SDienfte fi$ ni$t gegen fie felbft rieten 
bürften. 

S)urc$ SWarttn ÜRair unb einen einflußreichen b5$mif<$en 
9?at, 3o$ann 3^lta Don ©teinberg (ftaraenafcora), ©urggrafen 
auf SRabenftetn, ber bur$ ein ®ef$enf Don 1600 $)ufaten ge* 
toonnen fourbe, gelang e$ nun Submig ben ÄSnig ®eorg ju engem 
Änfd&lug an ©aiern ju beftimmen. 92ad^ ©orber&anblungen 
Don SRäten ju $au* (ÜRttte @ept.) tarnen im Oftober Subtoig, 
ftitotg ©eorg unb ^faljgraf f$riebri<$ yi 9?eu*$ilfen jufammen 
unb $ier föloffen bie beiben erfteren fjürften (16. Oft.) ein 
lebenslängliche« ©ünbni« be«felbcn 3n$alt«, nrie e« ben $falj* 
grafen bereit« mit ©itymen Derbanb. Submig lie$ bem Könige 
30000 ©olbgulben gegen eine Vertreibung auf bie ftreitigen 
$errfc$aften im SRorbgau. ©öftuen $atte juerft geforbert, bag 
Subtoig enbgilttg auf bie $eimja$lung ber bft$mif$en ©#ulb 
Don 100000 ©ulben Derjitye, lieg aber biefe ©ebingung julefct 
fallen, <S« »arb vereinbart , bag ade gegenteiligen Slnfprü^e 
unb gorberungen, fo lange bie beiben gürften lebten, rufcn 
foflten; erft tyre (Srben unb 9lac$fommen f Otiten fte toteber 
aufgreifen bfirfen 2 ). 

S)e« ©ö$men!5nig« abfielt aber ging ba$in, mit ben maty 

1) 3n feinem ttcfyfertigungSföreibcn bom 25. SRai 1471 gegenüber 
ben »cföulbignngen $erjog ffiolfgang« (Olm. 9809, f. 378) erto5§nt 
SRair, et fei juerfl in nürnbergiföen, bann in ergbtfö8ftt$ matnjiföen, 
Dritten« in bif#3fli<$ toürjburgif*cn 2)ienften geftonben , ftebe jefct im 
2Henfte Submtg« unb überall $abc er fi# treu unb cfyrtufc gehalten. 
Sie erf$Spfenbe Bufjatyfong feiner begebenen bienfUi^cn Stellungen 
tonn bie« entfernt ni<$t gelten. 

2) b. etoef^eim, 117—130; SRnffat, Sntföfibigungen, 51 f. 




894 



ftongreg )u SRantua. 



ttgftcn beutf*en gütften in ©ünbni« ju treten unb titelt eine 
bet beiben feinblufren Rotteten gegen bie anbete ju untetftfifeen, 
fonbern feeibe ju be$ettf*en. ©*on ^atte et ben ftaifet, bet 
ß* im ©ommet fotocit aufgerafft $atte gu feiner feierlichen 
©elefrtung in ®eotg« eigene« 8anb na* ©tünn i$m entgegen* 
jujiefcn, ji* geneigt gemalt but* ba« a3etft>te*en tyn im 
ftriege gegen Ungarn ju untetftflfcen. Dem $lane\ bon ®eotg« 
ftöntg«toa$l, für ben üKattin äßatt julefet bo* be« ftönig« 
Cinnritttgung getoann, toarb batum juna*ft bie gotm gegeben, 
baß bet ©ö$rae toomögli* mit Iaifetli*et 3uflimmnng nur 
jum «bminifttatot be« 9tet*« ober Äonfetfcatot be« 9tei*«* 
ftieben« befieflt toetben fotlte. Die« toatb, toie e« f*eint, im 
SWobembet auf einet jtoeiten glänjenben 93etfamralung ju (Sget 
feftgeftellt, too ®eorg feinen ffiinffag fteitet au«be$nte. Ort 
fc^rog ein ©ünbnt« mit bem fä*fif*en $aufe unb ttat in 
(Einigung mit bem alten $>erjoge »lbte*t öon 2ßün*en unb 
beffen ©öfrien J ). 3mif*en bem ÜÄarfgrafen Älbte*t unb 
Subtoig aber matb ju Sget bie Spannung betföätft, ba ein 
9?at Subtmg«, ffiityelm Itu*tHnget, mibet SWatt« 9?at ben 
üßatlgtafen $etau«fotbetnb, i$m wt ben öetfammelten dürften 
»etttag«btu* unb bie ©Birnen geleiftete $>ilf«jufage aottoatf, 
tootauf «(brecht bie »ntmott m*t f*ulbig blieb. Det ©5$men* 
Bnig fotl £tu*ttinget aufgebt unb fogat bem SWatlgtafen 
in«ge$etm betft>to*en $aben, i$n unb ben ftaifet auf Verlangen 
au* gegen Subroig ju unterftüfcen. 

9lo*mal bemühte fi* bet $apft auf bem ftongteffe ju 
üKantua um (Stellung be« Stieben«. St etbot ß* auf einem 
neuen Sage ju Dürnberg in bet gaften 1460 but* feine 
Segalen 3totf*en Subtoig unb 3U6te*t ju vermitteln. ©et 
8anb«$uter $>erjog toar in SDlantua bur* eine ®efanbtf*aft, 
bei bet fi* griebrt* 3KauetKt*et befanb, &ettteten, lieg fi* 
au* *>on Otegot fcon $eimbutg betaten, ber al« Statoalt ©ig* 
munb« ton öftettei* in SWantua auftrat, aber au* »on 
Subtoig einen töat«folb bejog. S3on biefem toa$tf*etnlt* toatb 

1) @tod$eim, Beilagen «Rr. 25, @. 136. 



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SfoGbrmh beft aJtorfgrafentrteg«. 



bo* 8lu«f Reiben entworfen, in bem ßubtoig (21. De}.) Don 
©itrghaufen au« bie «ufforberung ber branbenburgifd&en Partei 
jur Hnerfenmmg ber blinben ©prüche ablehnte. Der $apft 
jeigte fid^ f tote einer ber batriföen Oefanbten an feinen $errn 
berichtete l ), über Subtoig« Slbtoefenheit berftimmt unb meinte, 
fein ©eiftriel ^abe auch anbete gürften veranlagt toegjubleiben. 
SUbred&t bagegen mar felbft in äßantua erfreuen unb lief 
baburch — ttrietoohl ber $apft anfangt, loie e« fcheint, nicht 
befonbet« auf ihn ju ftred&en toar *) — bem Söaiern ben Wang 
ab. Denn in biefem berühmten Ätieg«hetben hoffte nun $iu« ben 
regten gelbhauptmann für ben Jütfenfrieg gefunben gu haben 
unb burch ein ®elbgef$enf, Cobfprüche unb Shtenbejeugungen 
fu$te er ihn für feine $läne ju gemimten. Der Xitel eine« 
$erjog« in ftranfen, ben ihm ber ?apft öerlieh, fam feinen 
8Jtac&tgelüftett entgegen, mußte ihm aber in ben fränftfehen 
iBtf c^df en f bie fleh in i^rer 3uri«biftion bebroht fahen, neue 
©egner ertoeden. 

®o fcheiterten auch biefe legten ^Bemühungen um einen 
Hu«gteich. ©ergeben« traten ju Anfang SWärj 1460 pfyftti$e, 
latferlid^e unb bairifche S3et>oUmä$tigte mit bem ÜWarfgrafen 
in Dürnberg jufammen, ftatt ernfter ^Beratungen fam e« nur 
ju gegenfettigem ©dielten, ©d&on Ratten Ulrich oon ffiirtem* 
berg unb Subtoig ton Selben) ben ffrieg gegen ben ^faljgrafen 
eröffnet unb infolge feine« SBünbntffe« mit griebrtch fagte nun 
auch Subnrig (16. SKärj) bem ©ixtemberger gehbe an. 

S5ierjehn £age barauf erfolgte auch tfubnrig« ftrieg«erttärung 
an Älfcrecht s ). Da e« nun jtoetfello« getoorben toar, ba§ bie 
Unabhängigfeit feine« Sonbe« *om Nürnberger Sanbgerichte nur 

1) $emri<$ Sctoburg 13. 3uni 1459. ©t.-«. 

2) Setoburg (treibt a. a. £>., roa« ber ^ßa^ft über 3lfl>re($t ju i$m 
ge&ußerr, »erbe er Beffer münbficfc berieten. 2)aß bie grage be« Nürn- 
berger 2anbgert*te« ju Srrnngcn führen »erbe, $abe ber $aj>ft, toie er 
bemerfte, föon in feiner früheren (Stellung beforgt. 

3) ge^be&rief bei Gemeiner III, 314; grlebri*« gehbebrlef an 
«t&recht bom 27. 2RSr$, O. unb Cr. II, 334. Über ben Ärleg $. 8nb- 
roig* mit *lbre*t Spille« bon 1458—62 fanbette ®u#ner in «bhblg. 
b. «lab. b. ©iff. # «ift Ät in. 




Ärieg ßubttig« te« Heiden 



mit ffiaffengetoalt fi<h behaupten laffe, fyüt er e« für Häger 
best ®egner mit bem Angriff iuoorjufommen. ©erbungen, 
befonber« in ©Jörnen unb ber €5<hn>eij, Ratten feine eigene 
2Ra$t auf etn>a 14000 ÜWann gebraut; auch and bem 
SRünchner Sanbe unb au« Xtrot ©aren ftrteg«leute auf ®olb 
ihm jugeritten *). «ujjer ben ^faljgrafen grtebrtch unb Otto 
toaren bie 8teich«ftäbte Ulm, Sälen unb (Stengen mit ihm fcer* 
bünbet, toährenb bie ®tabt 9tegen«burg fein $ilf«gefuch ab* 
gelernt ^atte Die bamfehe ftriegSerHarung toar begrfinbet 
mit ben fortgefefcten Übergriffen be« Nürnberger Sanbgerichte« 
unb mit ber tmeberholten SJehauptung be« SMarfgrafen, baß 
ber Nürnberger ©ertrag biefe« Sanbgericht ntc^t berühre. Stuf 
eine ©egenerflarung be« SDtarlgrafen, bie burch ehrenrührige 
©efchulbigungen bie (Erbitterung nur »erföärfte, erlieg Subtoig 
ein 8techtferttgung«fchreiben an gürften unb ®täbte. Ulrich 
$errn ju 8aber, $>an« Don Degenberg b. \. unb San $otut> 
ernannte er }u feinen $auptleuten im ftriege s ). 

8ln ben ©ifrhof Sodann Don ©chftäbt, beffen Heiner lerri* 
torium Subtorig« Sanb &om marlgraf fielen föieb, ergingen 
toieberholte Äufforberungen gegen ben SDfcarfgrafen $ilfe &u 
leiften ober ftch »enigften« neutral ju Oermten. Da ber 
©iföof nac^ einigem Sfactn mit ber ffirflärung antwortete, 
bog er burch Sinung&ertrag bem ÜWarlgrafen Derpflichtet fei, 
erttfirte ihm ber $erjog oon 3ngoIftabt au« (5. ttyril) ben 
Ärieg unb brang fofort gegen ©chftäbt &or, toobei feine böh* 
mif$en $ilf«truw>en übel Ruften unb befonber« bie fttrehen 
plünberten 4 ). 3»ar tyittt ber SWarfgraf bem oon ihm ab* 
gängigen «irchenffirften, ber felber nur 200 SBertttene in« gelb 
fteöen fonnte f 600 Leiter ju^ilfe gefehlt, boch ju emftem 
ffiiberftanbe reiften biefe nicht au«. Äm Dfterfomttage 
(13. Styril), nach einer ^Belagerung oon »enigen Zagen, er* 

1) granf« 8fag«6. Sfronif, 105. 

2) Gemeiner III, 318. 

3) Urf. bom 30. SRSra 1460 («.-*., $enf$aft J&egenberg, gafo.?2.) 
mit ßnbtmg« $anbjeu$en: „2>n frt^ft mi<$. 2." 

4) granf« Kng9*. «$r., 103. 




gegen <5t$|töbt unb «ttre$t *$ttte«. 897 



fdfrien bte gonje ®eiftfic$Iett ©efrftäbt« t>or bem 3eltc be« $et> 
jog«, übergab bte ©tabt unb flehte um ®nabi. 35er ©ieger 
lieg fid& fcon ©ifd&of unb Äapitel einen greunbf$aft«Dertrag 
Befctyoören, ben leine $ö$ere ÜHac$t bte ©efugni« $aben foüte 
ju änbern unb ben in $tdwrft ieber neue ©ifc$of unb Dom* 
$err &on oow$ereto befötoSren foOte 1 ). 

Unb nun brang Subtoig, o$ne auf be« Äaifer« ©äffen* 
fMOflanMgebot (16. Styril) ju achten, in rafdfrem Siegeslauf 
in bie marlgräflic^en Sanbe ein, eroberte bie ©urgen ©tauf 
unb Sanbecf, erftürmte ben befeftigten ftirc$$of eine« Dorfe«, 
tta$m na$ viertägiger ©efd&iegung bie ©tabt SRot$ unb lieg 
fidfr &on ben ©ntoo^nern bi« jtoei ÜKeilen vor 2fo«ba$ $ul* 
btgen. Die ©e&dlferung tourbe gebranbfd&afct, aber gegenüber 
ben $errfc$enben Jlrteg«getoo$n$eiten regnete man e« Subtotg 
föon $o$ an f baß er feinem ©auern $au* ober Steuer »er* 
Brannte unb bie Gefangenen biefe« ©tanbe« ofyte Söfegelb ent* 
lieg 9 ). SUlen Untertanen be« üßarfgrafen, bie ftd> untere 
toerfen mürben, toarb Grlei^terung tyrer Saften t>erjpro$en. 

3u Ambe be« SWonat« lagerte ber $>erjog, nad&bem er auf 
einem ©orftoge nac$ Sßorboften bie ©urg ©Dönberg ffiblic$ 
t>on Sauf erobert unb jerftört $atte, auf bem $eibenberg norb* 
toeftlitty von 9tot$. Die angebotene ©c$lac$t toagte ber SWarl* 
graf tti$t anjunc^men: trofc feiner langen Vorbereitungen oer* 
fügte er im »ugenblid ber (Sntföeibung über unjulänglid&e 
©treitfr&fte. ©ou feinen ©unbe«genoffen $atte tym ©ilfclm 
Don ©a<$fen einige taufenb üßann, ber SBirtemberger aber, 
ben ber $faljgraf fiegrei* am 9i$ein befd&äftigte, nur fefr 
toemge £ruty>en jugefü^rt. Da« ©erfcfiltnt« jum 9Rün$ner 
$ofe toar ein Malere« getoorben; ber $lan, bag $erjog ©ig* 
»unb eine ZoAttx be« üßarlgrafen ^traten foüte, $atte ft<$ 
jerf dalagen *). Dur<$ ben Zob $re« ©ater« oor torjem j»r 

1) Urt. Don 14. tyril bei 6to<!$etm, 145f. 

2) ftofenplnetft 2obg*H<$t anf ötbtoig; güetrer(OBerBa^et. «r$. 
V, 64). Aber bat gefcjug bef. bie Nürnberger Sa^rbüd^cr, ©t.-<E$r. X, 
248 f. 

3) Pont. rcr. Anstr. XLIV, p. 67. 




896 



äftartgrafentrieg 1460. 



{Regierung gelangt, entfd&ulbigten bie jungen ^erjoge Sonata 
unb ©igmunb ba$ ausbleiben i$rer ftrieg$$ilfe bomit f bafj fie 
bie (Srbfrilbigung tyre* ßanbe* noc$ ntd^t empfangen hätten. 
Stagegen rikften am 16. 3uni bie ©ifc$öfe *on ©ürjburg unb 
Samberg felbft mit 6000 SWaira in ba* baitifcbe Sager ein. 
3uecft (9. aptil) $atte ©eorg &on Samberg mit Subtoig unb 
griebtic$ ein bretjä^rige* ©anbni*, toorin jebotfc bie SWarl* 
grafen no$ au$gef$Ioffen toatjen, vereinbart. Äm 21. SOTai 
aber toarb biefer ©unb auf ScbenGjeit au$gebe$nt, au$ Sodann 
von ©ürjburg trat tym nun bei unb »on einer «uSna^me 
ber SWarfgrafen toar nidft mtSft bie Webe; vielmehr toarb be* 
bungen, bajj feiner ber ©etbünbeten fic$ einfeitig mit aibte^t 
fcerftänbigen bürfe *). ferner führte <£r#erjog «Ibre^t *on 
£)fterreic$ bem bairif^en $eere anfe$nlic$e ©trettlrafte (na$ 
ber ©peirer Sfroni! 3000 Weiter unb 4000 Fußgänger) ju. 
©$on beriet man auf Anregung ®regor$ t>on $eimburg au$ 
in Dürnberg über einen anfölufc an ßubtmg, ber oiedeic^t für 
bie Setiufte be* marfgräflicfcn Äriege* (Etfafc gefroren tonnte, 
©er ©unb mit ©ö$men n>arb bur# bie ©emü^ungen SWartin 
fDltixt unb 3o$ann 3atta$ ju $rag am 8. SDlat in eine frei* 
einung »ermanbeft, u>el$e bie ©etbünbeten 3U gegenfeitiger 
$ttfe toiber jeberraann, nur triebt ben $apft unb, fetoeit e« 
fi$ um 9leic$$angelegen$etten $anbelte , toiber ben Äaifer ber* 
pflichtete. (Sine gleidfaeitige Cfceberebung jtoifdfren ßubloig* 
©ofrte (Seorg unb Submtfla, ber iüngften Softer be$ ©5$mett* 
fönig$, befeftigte ben ©unb ber beiben 3Rä$te. 

»n 30000 3»qnn pari, mar ba* bairifdfre $eer bem mart 
gräflichen etma um ein Drittel überlegen, hinter tyren feften 
Wagenburgen lagen fl<$ bie (Segnet bei 9?ot$ mehrere ©<x$en 
nur auf ©Rufweite gegenüber. Die SSotpoften lieferten fty 
blutige ©(^armüfcel unb Heinere batrif$e unb bd$mif($e ©<$aren 
unternahmen tief in ba$ geinbeflanb hinein ©treifjüge. 

©o lagen bie Dinge für ben SWatfgrafen ungfinftig genug, 
»uf ba$ DtSnge« be$ $etaog* ffiityelm Don ®a<$fen, ber 

1) SRenjcU Hegten, 335. 




2)ie Kotier Äufctunfl. 



89» 



fetbft frieg«mübe toar, bevoflmäftigte er benn tiefen 83er* 
bünbeten im SSeretn mit bem ftarbtnale S3tfc^of $eter von 
«ug«burg unb SRürnberger {Räten, bie feit bem 15. 3unt mit 
grieben«n>erbungett in beibe Saget ritten, eine 8u«einanber* 
fefcung mit ©aiern unb ben fränliff en ©iff öfen $erbeigufü$ren. 
Dberfte ©ebingung mar i$m, baf? er bei 8anb unb Seuten, 
auf feine Prälaten unb Stüter bei tyrem ©eflfce blieben. (Er 
felbft lonnte e« nif t über* $erg bringen bei bem ^rieben«* 
vertrag gtigegen gu fein, übergab einem ®e$eimffreiber fein 
Siegel, um gu fiegeln, loa« fm $ergog Sßttyelm vorlegen 
mürbe, unb gog am 23. 3unt gleich einem ©eftegten mit bem 
grS&ten leite feine* $eere« ab. ©ein ©ruber fjriebrif au« 
ber SWarf unb ber alte $ergog {Jriebrif Den ©äffen, bie 
i$m mit ftarlen ©treitlräften *) ju^ilfe gegen, erfuhren in $of, 
bafc ber Ärieg bereit« gu ffinbe fei. 8m 24. 3uni tvarb bie 
fogenannte Steuer {Richtung vereinbart, 8ubmig, Sßityelm bon 
©äffen unb bie gtcei fränfiff en ©iff ßfe ritten naf Dürnberg, 
too fif auf ©cten be« ©öfcmenfßnig« einfanben, unb bort 
mürbe im tarnen Älbref t« unb feine« ©ruber« 3o$ann bie 
mistige Urlunbe au«gefteOt, toonaf biefe beiben für ftf unb 
i^rc (Erben feierlich auf {ebe ©orlabung fcrgogltf er Unter* 
tränen vergifteten unb ade Privilegien, bie tynen in biefer 
$tnfift vom ftatfer ober $apft verliefen toerben fönnten, für 
ungiltig erltärten. Stfbref t« ©unbe«oertrag mit (Eif ftäbt toarb 
vernietet; ber äWarfgraf fottte biefe« ©tifte« „fürbag mäßig 
ge$en". 8luf ber »ertrag vom 8. 3uli 1459, ber riaf 
marfgräfttf er Suffaffung ba« Sanbgerif t nif t berührt $aben 
foüte, nmrbe vernietet, auf bie blinben ©prüfe griffen bem 
Pfalggrafen unb beffen (Gegnern feierlif at« ungiltig erttärt. 
Über Subtorig« (Eroberungen, bie ftrieg«foften unb bie vom 
f)ergoge geforberte ©enugt^uung für Hlbref t« ©e(eibigungen 
foüte enbgiltig ber ©3$menBnig entff eiben *). 8m 1. äuguft 
verglif fif Subtoig auf mit Ulrif von ©irtemberg, naf bem 

1) g ran 19 (e. 105) 26000 SRatra flnb jebo^ fl$cr übertrieben. 

2) @. bie Utfouben bei v. @to<!$cim, 189 f. 




400 



2>te fraget «crtrfige *. Dftüäet 1460. 



et bemfelben furj vorder nodfr einige Dörfer mebergebrannt 
$atte. 

©o festen bet ©ater entließ feine Stbfic^t bur^gefefct ja 
$aben — ©are nur fein (Segnet bet SWann getoefen, ben Set* 
träge binben fennten. $u$ biennal fanb jebodfr bet Ireulofe 
9bi6flfl$te, tnbent et erflarte, au§er tyut unb 3o$ann feien 
no<$ jtoei ©rüber SDWterben be« ÜBarfgrafentum«, bie nfa$t anf 
ba« 8anbgeri<$t Der giertet gälten ; überbie* fei biefe« ©ertd^t in 
folgern Sinne taifetti$, bog feinem att betn Äaifer eine Set* 
ffigung batübet jufte^e. »u<$ bie (Segnet be* $faljgrafen 
liefen fid^ ntc$t binben unb erneuerten föon am 4. Äuguft i$t 
©finbni« mit bem ÜWatfgtafen gegen griebrufc unb Subtoig }ut 
ffofred&tfyiltung ber vernieteten blinben ®pxüty. 

9fom aber na$m ba« beutle Jtdnigtytojeft eine neue ®e* 
ftalt an: Subtoig unb bet ©öfrnenlömg einigten bie 2Ba$t 
be« leiteten au$ gegen ben Äaifer anjuftreben. 8m 21. @ep* 
tember traf ber 8anb«$uter $erjog mit einem glänjenben ®e* 
folge von me$r aW 500 $ferben in $rag ein, w au$ bet 
tunge $ersog 3o$atm von ÜÄfln^en erf<$ien l ) unb eine Steide 
von nötigen ©erträgen vereinbart tourbe. ©or allem (8. Ott.) 
ein ©ünbni* jtoiföen 8anW$ut unb ©ö$men, toorin nun aud| 
ber Äaifer nfa$t me$r aufgenommen nmrbe, ferner ein 6e* 
fonberer ©unb gegen ÜWatyia« bon Ungarn, bem 8ubtoig fofort 
(16. Oft.) ben ge^bebrief fanbte f enbli<$ ein ©ertrag , bur$ 
ben ft$ ßubnrig, niefct o$ne ffo«fic$t auf namhafte ©ortetle, 
*erbinbßc$ matye, bie (Erhebung ®eorg« }um beutfd&en «önige 
SU förbern. Die beiben gürften Hagteit, bag aOe ü»a$mmge* 
unb bie ^eillofeften 3uftänbe im 9ieic$, too täglty <8e*altt$atett 
gef$a$en, ba« «edfrt unterbtfieft, $anbel unb ©etle^r gehemmt, 
ber Äamtf gegen bie Üfirten gewintert toütbe, ben Äaifer nkp 
ju betoegen vermod&ten feiner $fli<$t unb feine« «mte« )u 
toatten. $temit red&tfettigten fie i$r ©orfaben, bei ben übrige« 
Äutfürften unb gfitfte» für ©eotg« ©a$i fty ju bemühen. 

1) ©a^mann a. a. O. 217; Urfmiben bei *. «to<!$eim, 249. 
233. 255. 



Digitized by 




2)0* BBfyniföc tftfnigtyrojcft. 



401 



JDafür foflte öibtoig gegen eine ©erfd&reiBung t>on 40000©ul# 
ben ©onautoörty gurücfgegeBen toerben unb mit einem 3a$re«# 
gemalte oon 8000 p. ba$ 5Relc$$$ofmeifteramt juf allen, bo$ 
o$ne bie ©erpflid&tung baäfetbe in eigener Herfen gu bertoalten, 
fetner neBen bem ^falggrafen 3riebri($, fo oft ber neue Rönig 
in ben angrenjenben ßänbern fei, ba« ©tatt$alteramt im SRekfre, 
©o oft ©eorg ba« ffieid? Betrete, foOte ber $ergog mit gtoeu» 
Rimbert ?ferben unb fünf feiner ftäte, bie guglei$ lönigltye 
{Räte feien, an feinem $of(ager fi$ einfteüen. £)ie Urtunben 
üBer biefe 3l6ma<$ungen foflten, tote fid& Subtoig au$Bebang, erft 
bann au«getoec$felt toerben, toenn au$ ^falggraf grtebric^ al« 
Vertreter ber pfälgifd^en Sur auf ben Bö$mtf$en $(an einginge. 

©eitumfeannenbe $fäne umrben gehegt. ©c$on gu Anfang 
be« 3a$re$ toar SRartin SRair im Auftrage ftönig ®eorg« 
ttaäf ÜRailanb gegangen, um beffen gürften gur Unterftfifcung 
bt& ©öfcmen gu gewinnen. DerfelBe {Rat toarb nun au<$ be* 
öoflmäd&tigt mit bem $falggrafen griebri<$, mit Sßaing unb 
Zxitx über ®eorg$ Ritoig$tt>a$l ju unterfrinbefa. £)o<$ fotootyf 
ber $fälger al« ber üKainjer matten i$re 3uftimmung bon 
ber (Sintoifligung ©ranbenBurgS unb ©a<$fen$ aB^angig unb 
auf einer &on ®eorg Berufenen gfirften&erfammlung ju Sger 
im gebruar 1461, an ber lebocty SlBrety eBenfo tote gubtolg 
nic$t felBft teilnahmen, geigte fi<$, bafj bie ©ranbenBurger nid&t 
geneigt toaren bem ©itymen gur beutföen ffrone gu &er$elfen. 
SWtttlertoeile mar Subtoig mit Grfolg Bemüht getoefen, ben 
roittelSbad&tfc&en ©unb gu oerft&rlen. 3u Anfang iRobemBer 
1460 tagte er mit bem ^falggrafen t$riebri<$ unb ben ©ifd&dfen 
Don ©amberg unb SBfirgBurg ju SRfirnBerg. Die bier dürften 
fd&loffen ein ©finbni* auf 8eBen«gett, Befd&loffen Bei allen 9tei($* 
berfrmblungen gemeinfam borgugefcen unb planten no$ anbere 
SRät^te für i$ren ©unb gu gewinnen *). 

©dfron auf einer gürftenberfammlung gu SRfiwBerg lebo$ 
(16. geBr.), bie fld& an ben £ag oon ffiger anfd&Iofj unb too 
Subtoig unb »t6rec$t fic$ perfönlidfr einfanben, erfd&ien ba* 65$* 



1) D. ©tüdfeim, Urt., 49. 
mtiUx, 9cf4i4te9a!cnH. m. 



26 



402 



gttrflmbcrfatnmlung ju Dürnberg 1461. 



iniföe ftönigSprojeft, für toelc&e« toeber bte $fäljer noc$ ber 
ben ©orfifc füfrenbe Dietger aon SWatnj Neigung jetgten, al* 
enbgiltig gcfd&eitert, toietooft 8ubu>ig crft Jefct mit ®eorg bte 
im Dftober 1460 entworfenen ?}ertrag$urlunben au$taufc$te. 
<£$ entfpradfr ber fciftortföen Suffaffung fetner ÜRad&tfteHung, 
bte au<$ fonft in Subtotg fceroortritt, toenn er bamaW ben 
©ö$menfönig au$ bitten lieg, ben ©ifd&of Don ^affau, ber 
ft<$ ju ©Sfcmen fotogen toclle, nid^t an ft$ au jiefcn, ba 
ja ba« ©tift $affau bereinft Don ben bairifd&en $erjogen be* 
grünbet nnb ausgestattet toorben fei unb ötclc fetner ©d&Bffer, 
$errfd&aften unb ©täbte in ©aiew lagen. Saut unb $eftig 
aber äußerte fic$ in Dürnberg bte Dppofition gegen ben un* 
tätigen ftaifer, ben felbft bte ©ranbenburger ni$t me$r ju 
Derteibigen toagten. 6in berbeä ©^reiben ber fturfürften Don 
$falj, SWainj unb ©ranbenburg mahnte i$n enbli$ feiner 
$flu$ten gegen ba$ 5Retd? ju gebenlen unb ju einer SBerfamm* 
lung nac$ granffurt ju lommen. ©d&on verbreitete fic$ bie 
SReinung, bafj ein SBüteWbattyer, grtebrid? ober Subtoig, jum 
Äönige getollt toerben tofitbe. Sin feltfauteS <Proje!t, toonatty 
©eorg ton ©Birnen nictyt burcty bte Jhtrfürften getoä$lt, fon* 
bern burdfc ben $apft jum SReid&äoberfcaupte ernannt toerben 
foflte, ift um biefe &eit toa$rfc$einli<$ Don ÜRair ausgearbeitet 
toorben, aber too$I ntd&t einmal bi$ jur Vorlage an ben ^ßapft 
gebieten. (Segen tiefen burfte Dietger Don SDtainj in 5Rürn* 
berg bie $eftigften ©efötoerben ergeben unb an ein allgemeine* 
ftonjil appellieren, »ber btefer Slnfturm gegen ben Äaifer tote 
gegen bie fturie Derltef balb im ©anbe. »uf einer gürften* 
Derfammlung ju SDtainj Derftanben bie papftlidben Nuntien bur<$ 
Örntfd&ulbigungen unb ©erfpred&ungen bie Cppofttion ju be* 
fötoid&tigen *) unb baf? ber Äaifer, toietootyt er au$ gegenüber 

1) ©i<$er nur falföe Gerüste toaren bie 9to<$ri($ten, baß ber $apft 
gegen ßubnrig einen ^rojefj eingeleitet $abe (mic bte batriföen ©efanbten 
bom Präger $ofe (Bube 1460 melbeten) unb foSter, bag au ben r$mif<$« 
£ir<$en bereit« bie ©anubufle gegen 2ubnng augefälagen »orben fei (wie 
ein fflegentburger JKeriterl462 öon ftora na<$ $aufe braute; f. b. €>to<N 
$eim, Urt. @. 476; Gemeiner UI, 351). 




Snbnug b. 9tei$c, 3H6re<$t mitte« unb tf. gricbru$. 403 

ber entfßtebenen üKafywng ber Shtrfürften taub geblieben toar, 
im Weiche no$ immer ®e$orfam fanb, foöten balb bie <£r* 
eigniffe geigen. 

ffia« ben bairtffybranbenburgtfc$en &tD\\t betraf, ertote« ber 
Nürnberger lag nur bie Unbcreinbarfeit ber gegenseitigen gor* 
berungen. Suf Subtorig« »erlangen, baß ber SWarlgraf bie 
eroberten unb jerftörten ©ctyföffer toieber aufbaue unb bann 
Don t$m ju Se$en neunte, bie gegen tyn gebrausten beleibigen* 
ben 2lu«brü<fe toiberrufe unb auf etoige 3eiten nic$W mefr 
gegen ©aiern ju unternehmen &erft>rec$e, antwortete biefer, 
lieber toofle er fic$ au« beut Sanbe jagen laffen. <£« ift $ier 
nic$t ber Ort, ben bertmdelten 33er$anblungen biefer 3a$re 
unb ben mannigfachen ©ßtoanfungen in ber $ottti! be« Äaifer«, 
be« 2)ö$menfönig$ unb ber Sranbenburger im cinjclnen ju 
folgen *). Subtotg $atte feine befonberen &tx>\it\bh\ttn mit bem 
Äaifer, bie um fo mc$r in ben SBorbergrunb traten, je enger 
ber ftatfer feinem branbenburgtföen SBtberfaßer fic$ anflog. 
Cr er$ob än|>rü<$e auf bie dubenfteuer in 8fegen$burg unb 
auf ba« ©ßlojj SReuburg am 3nn. dx mar aufgebraßt über 
neue ©teuern unb neue 3B£te auf ©alj, ©ein, (Eifen, toomit 
ber Äatfer bie in £)fterrei<$ begüterten ©aiern, befonber« Ätrctyen 
unb ftlofter belaftet $atte; ben ©ctyaben, ber t$m unb feinen 
Untertanen $terau« ermaßen toar, fötug er auf nic$t toeniger 
als 300000 fl. an. Sluf ber anbern ©eite tootlte SKarlgraf 
Wbrectyt burefcau« in leine 85erlürjung feine« Nürnberger 8anb* 
geriete« toifligen unb ftrebte ba^in, baß ber unbermeibli<$e 
neue ftrieg mit SBaiern burß ben Äatfer toieber jum Steiß«' 
Irieg geftempelt »erbe. Subtoig felbft erleichterte i$m bie <Sr* 
reißung biefe« &\tl$, at$ er fein ©Ünbni« mit bem ©ruber 
unb $auptbranger be« «atfer«, (Srjfcerjog »Ibreßt, ber biefem 
im Gin&erftänbntffe mit ben ©tünben 9lieber3fterretß$ biefe 
^ro&inj entreißen tooHte, erneuerte unb erweiterte. 

2) Mfyxt» f. in bem grfinbtt<$cn unb feljr eingaben ©erte «a^- 
mannö: 2>eutf<$e »cl<$€gef#$tt im 3eitatter gricbric$$ III. unb 
SWajpimilian« I., 9b. I, neben Älud$o$n nnfetem $am>tfü$tet für 
ba* flgb. 



26* 




404 



Subtoig berbünbet mit B©re$t bott £>fUrrei<$. 



©o fonntcn »eber »erfyinblungen atoifd&en bairif<$en unb 
marlgräflid&en {Räten in (Stc^ft&Dt no<$ bic Vermittlung be« 
Jhirfürften griebri$ Den ©ad&fen, be« ©c$toiegen>ater« beiber 
gürften, ben «u«gleid& fdrbern. 35er ©ö&menfönig $atte fid& 
be« ®<$ieb«ru$teramte« entsagen unb aerbfinbete tfd& 
gebruar 1461, fd&on *or Subtotg, mit <Sr$erjog «Ibred&t. 3n 
bet gefährlichen Sage, bic biefe« ©finbm« bem Äaifer fd&uf, 
oerfufye biefet no<$ einmal mit Subnrig bur<$ btrefte Unter-* 
fcanbtungen fic^ au«einanberjufefcen. 3n ©aftein, too ber $er* 
30g im üßarj »eilte , trafen i$n toieber$olte (Sinlabungen be« 
Äaifer« i$n in ©rag ju befud&en ober feine State ba$in ju 
fd&idfen. ©ne bairiföe ©otfd&aft ging na$ ®raj, bo$ mit 
$od&geft>annten Serberungen, bie nid&t erfüllt »erben tonnten. 
Subtotg regnete t»o$l auf bie ©ebrangni« be« Raifer«, toenn 
er auger Äbfteflung ber neuen ©teuern unb 3&Qe nid&t nur 
Donauwörth »erlangte fonbern auch ba« Umt be« cberften 
Hauptmann« unb ©^u^^erm über Dürnberg unb bie flteidh«* 
ftabte in ©<hn>aben. 5Die Erfüllung be« teueren ffiunfche« 
hätte ben Äaifer fidler mit bem SRarlgrafen triftig entjtoeit. 

3n Subtoig« Sanben mar bie Stimmung einem neuen ftriege 
toenig günftig. 9?eben bieten 8ef$toerben in inneren gragen 
ftrachen bie ©tänbe am 30. Sfyrtf ben S55unf<h au«, bag ber 
$tr}og ohne ihren »at „leinen offenen ßanWfrieg anfangen 
möge" *)• Öra^ SW« Subtoig mit (Srjherjog Slbre^t unb 
anberen gürften in Äonftanj, um gtoifchen Dfterreich unb ben 
fiibgenoffen grieben ju fd&liegen. «I« £aibtng«maim toerffinbete 
tr am l. 3uni ben ©pruch, ber in ber ftauptfadhe ju Uit* 
gunften Öfterreich« lautete. (Sr^ergog «Ibrecht begleitete ifyt 
ton ftonftatt} na<h Sngolftabt unb nun lieg fty ber fcerjog 
bur<h lodenbe 3uftd^erungen gewinnen, »Ibrec^t auch feine 
Unterftfifcung gegen ben Äaifer ju aerforechen. ©dhon oor oier 
Sauren hatte «Ibrecht bem $erjoge eine ^fanboerfd^reibung 
über bie SWarlgraffdhaft unb Sanb&ogtei ©urgau unb über bie 
$errf$aften ©ünjburg unb «eifen«burg au«gefteHt; Jefet fefcte 

1) Ärenner vn, 101. 




Ärtegtaflärung fttmf$en Ä. gricbri<$ unb $. Üubtotg. 405 

et i$n mit au$gebe$nten Stedten in bett ©efifc btefet Oebiete. 
Subtoig foßte ein $itf«$eer Don 2000 SWann, jur $älfte SRet> 
tcrei, [teilen f bo# auf be$ <Srj$erjog$ Sofien nnb Stäben. 
«W $fänber für 45000 p. foßte er bie ©dfrlöffer SWeuburg 
am 3nn, grauenfcau«, ffiernftein, SReufel« unb ffranfenburg 
erhalten. Die neuen Steuern unb 3öüe, fotoeit fte bairifd&e 
ganbfaffen befö&erten, berfprac$ ber Örrjfcrjog, fobalb er in 
ben JÖefife 9lieberöfterreic$$ gelangt fei, abjufteflen. 3um Wh* 
fäluffe famen biefe Vereinbarungen im Säger Dor SWell Dom 
8. bi« 10. 3uli »). 

81$ 83erbünbeter be« <5r$er jogS fyttte Subtoig bereite feinen 
abfagebrief an ben ftatfer abgezielt, al$ i$m Don biefem ein 
©^reiben julam, toorin er erfu$t tourbe, aibred^t unb ben 
©ö$menfönig Dom ftriege abgalten, jugleidfr aber auc$ SBot^ 
f$aft au* ©öfcmen, bafe ®eorg bte Derforocfcene $ilfe gegen 
ben ftaifer jefct nid^t leiften Bnne, Dielmefcr mit biefem in 23er* 
$anblungen getreten fei. Durdfr (SUboten lieg nun Subtoig feine 
ftriegSerflärung jurüdtyolen unb beantwortete (13. 3uni) ba« 
!atferfi<$e ©^reiben ba$in, er fte$e mit einigen greunben in 
folgern 83er$ältni$, bafc er ofyte fte in leine Unterfcanblungen 

einlaffen fönne. Der Kampf jtoiföen (Srjfcerjog aibred&t 
aber unb feinem ©ruber »arb babur$ nt$t aufgehalten, er 
begann noc$ im Sunt unb ba ber 8anbS$uter $erjog feinem 
©erbfinbeten ben Derftrod&enen 3 U J«8 tetftetc, erging nun 
(13. Suli) an i$n be$ ftaifer* abfagebrief, begrünbet bamit, 
bag 8ubu>ig aibrec$t unterftüfce, eine gütliche ©erftänbigung 
unter nichtigen ©ortoänben abgelehnt, ben ©d&ftäbtcr ©ifc$of 
mit $eere$ma<$t überjogen unb Dom 9?ei$e gebrungen $abe. 
atbred&t Don ©ranbenburg, UIri$ Don SBirtemberg unb Äarl 
Don ©abetf mürben )u ftei$6$auptteuten befteßt. SKit ber 
faiferlifyn ftrieglerttärung freujte fic$ Subtoig« abfagebrief Dom 
16. 3uli, toorin ber $erjog jtoiföen bem 8teu$$ober$atq>te 
unb bem öfterrei$ifc$en 8anbe$$errn untergeben toiffen tooflte; 

1) b. @to<!$cltn, 157 f. unb Urt., e. 363f. Sgl. Ältt(f$o$n, 
187; ©a<$mann I, 86. 




406 



Ärieg Subtmg* 



gegen ba$ crftcrc motte et feine $fli<hten getreu erfüllen, nur 
mit lefcterem ftrieg führen. (Süt SRürnberger griebend(ag f auf 
beut Subtotg erft erföten, nachbem ihn fein ©<htoager, (Srnft 
Don Saufen au$ Sanb$hut felbft bettln abgeholt hatte, nahm 
ein braftifd&e« (Snbe, al« üßatlßtaf «Ibrecht ba« laiferluhe 
?fo$f<hreiben gegen ten Satern unb baju eine eigene gegen 
gubtoig berlefcenb gehaltene (Srfförung am SRathaufe anklagen 
lieg. £)ur<h Subtoig unb feine greunbe, behauptete biefe ftunb* 
gebung, teerte alle Orbnung im SReicbe jerftört unb bie beutf$e 
Nation jugrunbe gerietet. 3n einer töechtferrtgungäfchrift pro* 
teftierte ßubtoig bagegen, baß man bie Angelegenheiten Dfter« 
reich« unb be« Weich« jufammenmerfe, unb erflarte bie faifer* 
liefen SWanbate al« SWachtoetle te« üWarlgrafen. üttit bem 
©öhmenfönige, ber eine 3eit lang eine jtoeifelhafte ©teüung 
eingenommen, fyzttc er fi<h (23. 3ult) bahin fcerbunben, baß 
feiner bon ihnen ohne ten anbern mit tem ftaifer ^rieben 
[daliegen »erbe. 

®h\äftDoty toar e« ®eorg« Vermittlung, bie ben ftaifer 
rettete, al« ber f$elbjug in 9Jieberöfterrei<h mit beffen ©r* 
brüefung ju enben breite. £)ur<h ihn toarb am 6. ©eptember 
ber ©affenfttöftanb bon Sojcenburg abgesoffen, ber bis 
24. 3unt 1462 to$ren foflte, unb toorin auch bebungen toarb, 
baß ber SBöhmenWntg fich bemühen fodte ben ftaifer jum 
ffiiberruf ber ÜRanbate gegen ßubtoig ju beftimmen. Gelinge 
bie« nicht, fo bfirfe ber Srjherjog im fteichtfriege nach feinem 
©elieben eine ber Parteien unterftüfcen. ÜDer ftaifer ließ fytxauf 
an bie 9ieich«ftabte, bie bi«her mit ihren Stiftungen gejSgert 
hatten, bie gern befolgte Mahnung ergehen, bem ©rauben* 
burger gegen Subtoig leine $>ilfe ju letften. 

3JKltIertocile ^atte Suburig au« eigenen üttittefa außer ber 
nach Öfterreich gefanbten $ilf«fchar ein ftattliche« §eer ju* 
fammengebracht, ba« in ber jtoeiten $älfte Huguft bei 3ngol- 
ftabt (ich fammelte. 9Wit biefem jog er nach Spanien unb 
bereinigte {ich untoeit Hftborf mit ben $ilf«truppen be« $falj* 
grafen Otto, ben bom Ämberger Statthalter befehligten ober* 
pfäljifchen Scharen griebrich« unb ben Struppen ber 8ifch&fe 




gegen «forest «c$tfle« unb ben Äaifer 1461. 



oon Samberg unb ©ürgburg, bie am 31. «uguft bcm aWart* 
grafen bcn ftrieg erfört Raiten. ®$on Jefct über 10 000 SWarnt 
(tat!, gewannen bie SBaiern unb i$re 93erbfinbeten ootlenb* bie 
Übermalt, al$ auf Subtotgö üKafaung um $ilfe ju «nfang 
September au<$ ftönig Oeorg juerft 3 — 4000 3Kann unter 
feinem ©c$toager Seo oon 9iofent$at unb bem $ofmeifter $eter 
ftbuiinefc, balb barauf einen no$ etwa* parieren $eer$aufen, 
befehligt Don 3o$ann 3alta unb SBenefö oon ©eitmfi$l, über 
ben S3ö$mertoalb jie^en unb in ba$ bairiföe Sager oor Sllt* 
borf einrüden lieg. 

3m Horben unb Slorboften be$ marfgräflid&en Sanbe* fiel 
nun eine ©tabt unb ©urg um bie anbere in bie ©etoalt be$ 
baurifdfcbö&mifdben $eere$. 9?ur 9?eufiabt an ber Sifd& roiber- 
ftanb einige ©od&en, mußte ft$ aber am 18. ©eptember eben* 
fall« ergeben. 93iele oom marfgräftic^en Äbet in biefer ®egenb 
fyilbigten $erjog Subtoig ober ben fränfi)<$en SBifd&öfen. 93on 
SBeften $er brang ?faljgraf griebridfc bor, befefcte Uffen$eim 
unb oereinigte fu$ mit feinen S5erbünbeten. SJom Often rüdtten 
bie bur$ ben ©affenfttflftanb oon Sajenburg frei geworbenen 
bairifd&en $itf$trui>i>en au« Stteberöfterretcty $eran. SWatfgraf 
8Hbre<$t oerfügte nur über 8000 Wann unb mußte in feinem 
feften Sager bei ®c$wabad& untätig jufefcen, tote bie S3er* 
bünbeten Weiter unb weiter um fi$ griffen. äflmä^licty aber 
befferte fi$ Älbred^td 8age f je me$r bie ©oc$en oerftrietyen, in 
benen oieöei<$t ein oernic^tenber ©ctylag gegen i$n geführt 
Werben tonnte, ©actyfen rüftete gu feiner $ilfe, bie $erjoge 
oon ©raunföweig, bie SBtfööfe oon $>ilbe$$eim unb ©reuten 
fanbten Subwig i$re f$e$bebriefe, bie $auptfa$e aar, baß 
griebric$ oon SBranbenburg, ber SBifd^of oon $aoelberg unb 
$einric$ b. J. oon SBraunföweig mit 1600 Uferten in $of 
einrüeften. Der ©ranbenburger befdffäftigte ben JBifc$of oon 
Samberg, bie SSerbünbeten mußten i$re ©treitfräfte teilen. 
Subwig jog fübwärW, nötigte $eil*bronn unb benachbarte 
©d&löffer jur $ulbigung, brannte ffitat$ba$ nieber, eroberte 
SEann unb anbere geften unb ÜBörfte, befefcte jum jwettenmale 
bie ©tabt SRot$. ffiieber erwarb er fi$ bie «nertennung, 




408 



SSaffenfUüftonb. 



bag fein $eer, toenn au# bie ©ö$men in ben ftir<$en übel 
Raupen, be« SRieberbrennen« offener Dörfer fid^ enthielt. »fc 
na<$ ber einnähme eine« $la$e6 einer feiner $auj>tleute, 
ffiolfgang $iensenauer, fic$ erbot, toenn er befehle, olle« nieber* 
mefceln ju (äffen, au$ ©reife unb ftinber, toar feine Int* 
toort: er tooße ben ftrieg führen tote ein fjürft, ni$t tote ein 
gjWtber 1 ). 

9lun aber oermo<$ten neue 3D?a£nungen be« ftaifer«, bag 
ein groger Stell ber 8teic$«ftäbte enbli$ ju ben ©äffen griff. 
(Sine Srfranfung be« $erjog«, ungetoö$nlic$ frfifaeitig eintretenbe 
ftäite, ©cfyoiertgfetten ber SSerpflegung unb eine polittf$e 
©d^toenlung be« ©ö$men!8nig« tmrften iufammen, bie bairiftfcn 
ftrieg«untewe$mungen jum ©tillftanb ju bringen. Dem 
S9ö$men!dnige lag Jefct nic$t« me$r am $erjen al« bur$ bereit* 
toiflige« (Eingeben auf bie ffiünföe be« ftaifer« unb att gtü* 
lieber grieben«ftifter bie burd> fein religiöfe« ©erhalten &er* 
Werjte ©unft ber fturie jurüdjugeioinnen. Darum rief er 
um bie SRitte Oftober fein $eer jurüd, mahnte au$ Subtoig, 
be« üßarlgrafen &mb ju räumen unb erlieg GHnlabungen ju 
einem grieben«tage in $rag auf l. Stooembcr. Äu<$ ber 
$erjog entlieg benn feine Struppen in bie Heimat unb lieg nur 
in ben eroberten feften $läfeen Keine SBefafcungen jurüd. Do<$ 
toar er gefonnen ben ftrieg balb totebet aufzunehmen, lieg föon 
am 19. SRo&ember in feinem Sanbe ein neue« Slufgebot ergeben 
unb brang in $rag, too üRair an ber ©pifce feiner ©efanbten 
auftrat, auf neue Rrieg«$ilfe. Der ftönig fteßte ben 3ujug 
eine« $eere« unter feinem ®o$ne SBictorin in 8u«fic$t, ofttc 
tyn iebo<$ ju triften. 9la<$ langen unb fd&toierigen 33er$anb* 
fangen !am am 7. Dezember ju $rag ein oon SWair rebU 
giertet Vertrag juftanbe, toonac^ bi« ©eorgi be« näc^ften 
3a$re« bie ©äffen ru$en, am 6. gebruar aber ein §rieben«tag 
ju 3«^m eröffnet toerben foflte. Subtoig felbft fölog baraat« 
(9. Dej.) ju Sauingen mit ben 9Rün$ner $eqogen Sodann 
unb ©igmunb eine (Sinung, bie im mefentltyen auf Neutralität 

1) Contin. Andr. Ratisp., 153. 




ffiiebcraufua^me bt9 Ärieg* 1462. 409 



bct 3Rün<$ner $inauSfief, Subtoig alfo immerhin ben JRücfen 
fW&erte: e* umrbe nur eine gegextfeittge ffiaffentylfe bon fünfjig 
SReiftgen bebungen, bon ben 9Wünc$nern aber für bie näctyften 
fteben 3a$re SWarfgraf «Ibred&t, ®raf Ulrich oon ffiürtem* 
berg unb bie ©tabt 3fog$burg al« ®egner aufgenommen. £)e« 
ftaifer* üKafytungen an bte üKüncfyter, ba§ fie gegen Subtotg 
lo$fc$lagen mieten, oerfytttten ungegart *). 

©er Präger Sßaffenftiflftanb toarb oon Subtoig unb feinen 
SBerbünbeten angenommen, au<$ oon 8llbre<$t — tote toenigftcn« 
fein ©egner toiffen ©oflte — anfangt freubtg 6egrfigt. De« 
SDiarfgrafen ©teflung $atte fi$, toa^renb in $rag unter^anbelt 
tourbe, noc$ me$r berbeffert, SReuftabt an ber ätfd& unb faft 
aSe (Eroberungen 8ubtt>ig« $atte er jurüdgetoonnen. S3on feinen 
raftlofen biplomatiffyn Änftrengungen ertoa^nen toir nur, baß 
SWagifter $eter ffnorr in feinem Auftrage ben $erjog ^Uipp 
oon SBurgunb fär ben ©unb mit bem Äaifer ju gewinnen 
fucfcte, inbem er au$ftreute f e« fei im <ßtane bem JBitymeiu- 
ßnige mit ber beutf^en ftrone Sujemburg, bem 8anb$$uter 
aber bie einft toittetebad&ifcben ^Jrobinjen $olfanb unb ©eelanb 
ju oerWaffen. 2lnberfeit$ backte auc$ ßubmig an eine ®efanbt* 
fti^aft ju bem SBurgunber $er$oge, mit bem er oom SRegenS* 
burger $Rei<$$tage be$ 3a£re$ 1454 $er ©e$ic$ungen $atte. 

Ärieg$luftig brängten bie ®cgner auf ffiieberaufna^me ber 
geinbfeltgfeiten. 5lm 3. 3anuar 1462 fetyrieb 9U6rec$t bem 
ftaifer, er möge Sürßen unb ©täbten im Steide befehlen leinen 
©affenftiflftanb ju galten, unb toenigften« bie lederen tarnen 
btefem ffiunföe juoor: am 5. 3anuar befctyloffen bie ju Ulm 
berfammelten SReid&Gftaote i$re £eilna$me am 5Ret$$Irieg *). 

1) b. ©tod^eim, Urf. ©. 588—599; faif. 2Ronbatc bom 3. unb 
14. 2>ejcnu>er; @e$. $au$atc$to. 

2) 3um Äriege bon 1462 f. bic fttttn bei b. £affel$olbt-@to<!- 
$eint, 9U6re<$tIV.; <E$meU ftegcfkn; ©a<$raanu« »i<$tigc Sbi- 
tionett in ben Font. rer. Anstr., XLD, unb bcf. XLIV, p. 309—440; 
Gemeiner, HegenSb. <5$ronit III, 352—359; granf« unb 3tn!« 
*ug«b. Strömten (@tei#clc* «r<$ib jur @ef<$. be* ©istum« Sfog«- 
burg II, 108-122 unb 6t.-C$r. V, 248—279); ©eri$t bc* «ug*burger 



410 



ttei<h«fcteg 



JBiS jum 17. 3anuar Untren in SanW^ut bie gehbebriefe t>on 
31 ©tabtcn eingelaufen. 2luc$ bie ©rafen Äraft bon $ohen* 
lohe unb $an« oon ©erdetet fanbten bem §erjoge ihre ftrteg** 
erflarung. ©etoaltige SRüflungen ffattt fleh befonberä 3lug$burg 
auferlegt, beffen geretjte Stimmung gegen ben übetooflenben 
Machbar erflarli<h ift: 5000 ÜHann fteöte bie »firgerfchaft 
felbft in$ f$elb, ®taf ©3u>alb oon Jierftetn, ©igmunb fcon 
<ßappenhetm, biete anbete äbelige unb 800 ©<htoeijer ftanben 
in intern ©olbe, al$ ©tabthauptmann befehligte ffiilhelm Don 
Kelberg. ©<hon am 13. Sanuar überfchritt ber üKatfgraf, 
ber auch toirtembergtfcheS unb 3ttingif<he$ S5olf mit fleh führte, 
bei SRain bte gefrorene Donau, um ben bairtf<hen 8anbcn, noch 
ehe ber ©egner rec^t geräftet toare, bur<h einen „fltitt mit 
©ranb" möglichft rafch ©cbaben juauffigen. Älofter ftai^m, 
ba$ bairifche Struppen fcerteibigten, ^atte ftc^ nach breitägiger 
^Belagerung ergeben unb mußte 1500 ®ulben bejahen , audf 
bem ftlofter Sergen toarb eine SBranbfchafcung auferlegt. 3fte$r 
al$ breifcig bairifche Crtfchaften toutben erft geplünbert, bann' 
niebergebrannt. 2ln ©chonungäloflgfeit unb 3^ftörung«luft t$at 
eS ber 3D?ar!graf allen jubor; finbet fleh boch ein SBefe^I t>on 
ihm an feine Statthalter, toonach biefelben auch burch ^tm* 
liehe nachtliche ©ranbftiftungen, oon ÜHännern ober grauen 
angerichtet, baffir forgen fodten, bag ber geinb feine ©cheuer 
be^eltel Weht unglaubtoürbig erföeint bemnach ba$ ©ort, 
baä tiefem rohen £rieg$h*lben in ben ÜÄunb gelegt toirb, ba§ 
ber ©ranb ben ftrieg jiere toie ba$ üWagniftfat bie SScf^per. 
55er anbauernbe grimmige fjroft unb eine eilig gefammelte 
@$ar au« ber Bairtfehen SRitterfchaft, bie SubtoigS SWatfchafl 
Safere* bon Frauenhofen in tapferem Snlauf bem getnb 
entgegenfühtte, trieben ihn enbli<h über bie Donau jurüct. 918 
fleh 8ubmig über ben fchnöben ©ruch be$ ffiaffenftiüftanbe« be* 
febfoerte, erflärte ber SWarfgraf, er fytit biefen ©tiflftanb nicht 

^atrijicr« eigtnuub ©oflenbtot an SRetflerlin *om 20. SRai 1462 (©eft- 
beniföe 3citf*rlft für ©cföi<$t« IV, 1885, @. 302-312); «rnpeef, 
c. 404—406. Starftettungcn bei ©u^ner a. a. £>.; Älndhohn; 
©firbinger; ©atfmann, 2>entftye ttddfagefäichtc I. 




gegen 8ubtmg b. Steigen 1462. 411 

als einen richtigen anfe^en fönnen unb $abe bie geinbfeligleiten 
auf !aiferlic$en SBefc^I wieber eröffnet. Unb boc$ batte er ben 
©eföfafc ber 8Baffenru$e, wie Subwig i$m nun fcorftelt, mit 
©lodengelaute unb Te Deum laudamus feiern laffen! 

3n leinem ber früheren Äriege waren bte ßrafte beS SanbeS 
fo aufs äugerfie angefpannt worben tote bieSmal, ba ftc$ 8ub* 
toig junäc^ft wenigftenS fcon feinen ©unbeSgenoffen nietyt unter-» 
ftfifct fa$, @owo$t beim Cr^erjog 3ltbrec$t als beim ©B$men* 
fönige blieben feine bringenben ©Uten um §ilfe unerhört. Der 
Sfjfatjog $atte genug ju ifym einen Angriff beS ftatferS felbft 
abiuwe^ren, Oeorg aber föraf &or geinbfeltgfeiten gegen ben 
ftaifer jurücf, weit er bermeiben wollte, bei ber mit griebric$ 
befreunbeten fturie Sfnftoß ju weefen. firft aQmä^Iic^ im Saufe 
teS gebruar unb ÜWärj rfieften bte geworbenen ©öfcmen, 4000 
ÜWann ftarf, unb bte öfterreictytfctyen ©ötbner, bie fogenannten 
„©rüber" $eran. Um fo boltjä^tiger fammelten fid^ in 3ngofr 
ftabt unb $öc$ftäbt beS §er jogS eigene Sanbfoffen ; faum breifetg 
reiftge ^ferbe, meinte man, feien noeb ba^eim ju finben ; $anS 
fcon Degenberg allein fteßte 100 Steher unb 300 Trabanten 
(gufefne^te) ins gelb. Der an bte Pfleger unb Stifter er* 
gangene ©efe^l, t>on ben ©auern feinen freijulaffen, ben ntd&t 
3ugenb ober Slltcr auSfctytöffen, fann iebodj metyt ftreng befolgt 
worben fein, fonft ^atte baS $eer weit §ö$ere ©tärfe erreichen 
müffen. 

Die ®egner aber Ratten burc$ ben ©ru# beS ©äffen* 
ftiOftanbeS einen ©orfprung gewonnen, ben 2ubwig nietyt fo 
balb einholen fonnte. äm l. gebruar Ratten ber SWatfgraf, 
®raf Ulricb oon Ötttngen unb $einrt$ bon ^appen^etm in 
Donauwörth 1000 {Reiter unb 5000 gufgänger gefammelt 
unb föon prallte ber fanguinifd)e SRartgraf, er werbe jwei 
$eere aufteilen, iebeS 15000 ÜWann ftarf. 8m l. gebruar 
begann er feine Unternehmungen mit einem Angriffe auf bie 
©urg ©Oelsberg. (Sin ©erfueb ber $ödrftäbter ©efafeung tyn 
in SBertingen, wo er über 9Ja$t tag, ju überfallen f$tug fe$l, 
ber bairiföe Hauptmann $anS Don gretberg blieb felbft in ben 
$änben beS getnbeS. »m 4. gebruar fd&ritt «lbrec$t jur ©e* 



412 



ftetöttrieg gegen 8ubmig 1462. 



lagerung SDlonfcim«, aber erft am 2. SWarj ergab p$ biefe« 
@täbtc$en. Um fo raffet fiel ba« nad^fte «ngrtff«jiel, SWarft 
unb ©ctylog ®rai«ba#, ba« ©raf ftonrab fcon $elfenftein am 
4. ÜWarj übergab, morauf bie ©urg gefd&leift tourbe. 

äWittlermeile (16. gebr.) $atte auc$ (Sraf £ber$arb öon 
ffiirtemberg, Ulri$« SReffe, Submig ben Ärieg erttärt unb mar 
Dom Äaifer glety feinem O^eim unb bem SWarfgrafen jum 
SRetdj«$auptmann ernannt morben. Ulrich öon ffiirtemberg 
nafcm am 28. gebruar nac$ neuntägiger Belagerung ©tobt 
$eibenbeim unb ©ctytoji $eöenftetn. 0m 9. 2Wärj vereinigten 
p<$ Ulrich unb bie ftäbttfd&en Aufgebote ju ffiitiäfingen mit bem 
SDGarfgrafen unb am 11. erjdjien ba« bereinigte fernbliebe $eer, 
nun 11000 SWann ftarf, &or Ounbelpngen, um biefe ©tabt 
ju belagern. 

Da« bairifetye $>eer (ammelte p$ um bie üßitte SDlärj in 
bem na^en ßauingen 1 ). Der $erjog felbft aber mar ju einer 
gürftenberfammlung nac$ ©5$mcn geritten, um bort auf feine 
fäumigen SJerbünbeten perf8nli# einjumirfen. 3 U Anfang SWfirj 
traf er in ©ubmei« mit ftönig (Seorg, <£r3$erjog 3ttbre$t, 
¥fat}graf Otto oon ÜWo«ba$ unb einem ^äpfttid^en Legaten 
jufammen unb nun lieg p<$ ber ©öfynenföntg enblicty beftimmen 
entfötebener für bie batriföe ©ac$e einzutreten. (Sin neuer 
Sag marb naety $rag angebt, rnoftn ber ÄJnig al« ©c$ieb«* 
rityer ben SDlarfgrafen ?ttbrec$t beföieb, juglei# aber bebrofcte 
®eorg bie berbünbeten SReid)«ftäbte, menn pe bie geinbfeligleiten 
gegen ©aiern niefct einfteüen mürben, unb [teilte bi« Snbe be« 
SWonat«, faO« bie Präger SSerfrmblungen nietyt jum grieben 
führen mürben, Submig ba« Eintreffen eine« bö$mifc$en $eere« 
in «u«p$t. Huc$ <Sr$eraog »brecht berfora$ Srieg«$Ufe unb 
fanbte bem SWarlgrafen (8. ÜJlärj) feinen gefcbebrief. Dur$ 
©olb&ertrage mit b3$mifc$en unb Bfterrcicftföen Herren fieberte 
P$ ber £>erjog auf biefer {Reife meitere 23erftärfungen unb laut 
feiner mit ©igmunb Don lirol geföloffenen Sinung ermattete 
er auc$ bon btefem gürften 3ujug. 

1) Saningen ßatt Sauff tft bo<$ »o$f au^ bei t>. 6tod$eim, Urt. 
e. 632, ju lefen. 




©elagcrung töunbelftogen*. 



418 



3Jtittlerto>eite $atte bie ©efafeung ©unbetfingen* unter ftafoar 
t>on ffiefternac^ be$ geinbeS ftc$ tapfer ermefyrt, auc$ bereit* 
einen äu$faö getoagt. SRod^ ber SRücffefcr be$ $>eriog$ au* 
©8$men tourbe am 24. SJtärj ein jtoeiter HuflfaU gegen ba* 
»orgeiogene ©elagerungägeföüfc be$ getnbe* unternommen, 
toa^renb jugteicty Subtoig bur# eine @$ar &on 800 üßann, 
bie fd&einbar al$ SJerftärfung in bie belagerte ©tabt geworfen 
»erben foUte, ba* SReic$*$eer §um SSerlaffen feiner feften 
©teüung ju reijen berfuctyte, um tym eine @$Ia$t ju liefern 1 ). 
Der Xnfölag mißlang, ba fid^ bie ÜJlarfgraflid&en nt$t au* 
t$rer ffiagenburg $erau*tocfen ließen unb bie ausgefallene ®e* 
fafcung im ftampfe mit toeit überlegenen ©treitfräften allein blieb. 
(Sine große ©ü$fe mit bem tmrtembergif$en Kappen toarb 
#oar erobert, mußte jebo$, ba man fie mit aller änftrengung 
m<$t in bie ©tobt ^ineinjubringen &ermo<$te, im ©tabtgraben 
liegen gelaffen toerben. Der flampf toar $ifcig un# foftete 
beiben leiten fernere Opfer, ben ©aiern angeblich 200 lote 
itnb Aber 50 (gefangene; auf marfgräf lieber Seite fiel ber 
tunge ®raf Ulri<$ oon $o$enburg, timrben ®raf griebrtd^ t>on 
^>elf enftetn , einer fcon ©unbetfingen unb anbere Sbelleute ge* 
fangen. S5ier Sage barauf ftanben ji<$ bie beiben $eere triebet 
■gegenüber, ofrte baß e* ju ber im ftriegärate ber SWarfgräf* 
liefen betroffenen @c$lac$t lam. SRunmefcr wollten, tote e* 
Weint, bie ©aiern ifcre fefte Stellung ni$t öerlaffen. ©ereit* 
aber (27. SWära) $atte ein (Einfall be* ^faljgrafen griebri<$ 
in bie tofirtembergifetyen Sanbe bie Gruppen be* ®rafen Ulri$ 
jum Hbjug beftimmt. Diefe @$n>&$ung be* $eere*, 2Rangel 
an gutter für bie $ferbe, ber entfd&loffene ffitberftanb ber 
belagerten, bie fieben ©türme abf$lugen, öieöeic$t and) f$on 
ba* (Eintreffen ber &on ßubtoig neu geworbenen ©öfynen unb 
Öfterreidfrer bewogen ben SWarfgrafen am 30. 2ßarj bie ©e* 
fogerung abjubred&en. (Er ging naety ?tug*burg unb übernahm 
bort bie Seitung neuer S3ertofiftung$jüge. Die tapferen ©firger 
4Bunbelfingen* aber belohnte i$r banlbarer $erjog mit falber 

1) «gl. ©a<$ mann, 2>cutf<$e 9M<$*gef<$i<$te I, 253. 




414 



gelbjug im 9tte«. 



Steuerfreiheit auf feieren 3ahre mit einem ©tabttoappen, 
ba« ben aufgert^teteii 8öa>en mit bem britten Seil ber bairifchen 
©ecfen jeigte, unb mit 9fo«behnung ber [tabtifd^en ®ericht«bar*» 
leit übet ihren iöurgfrieben htnau« 2 ). 9loti) befifct bie ©tobt 
als $rei« unb 3eugen alter Iriegerifcher Süchtigleit eine eroberte 
gähne be« SRarfgrafen »tbrecht 8 ). 

SRach bem äbjuge be« 8teic^«^eere^ toar bie {Reihe bet än* 
griff^ftögc an ben ©aiern. Der etfte traf bie ©tabt ©erringen, 
bie fi$ am 3. Sprit ergab, SBabrenb bie Belagerung Ulm« 
bab toieber aufgegeben tourbe, toarb am 9. Sprit ba« meift 
ton ffiebern betoohnte ulmifche ©täbtchen Langenau „au« bem 
©tegreif* erobert, boch erft beim britten ©türm gelang bie 
©nnaftne be« ftar! befeftigten Kirchhof«. £)icfer (Erfolg loftete 
250 lote, braute aber reiche ©eute unb Diele ®efangene, bie 
fleh um 3000 ©ulben au«löfen muften. 9tun sog ber §erjog 
in ba« töte«, too bie ®rafen Ulrich unb ffiithelm ton Duingen 
auf ©eite feiner (Segnet ftanben, toährenb ®raf Subtoig )U 
ihm ^ielt. ©er $erjog eroberte (18. Jtprit) $ftere«heim, ba« 
er an ben ®rafen Subtoig übergab, unb jtoang bie ®rafen 
Utric^ unb ffiithelm (26. 8pril) ju einem »ertrage, toonach 
fie mit ihren $>errfchaften, bie ©tabt ffiembing ausgenommen, 
toährenb be« ftricge« nicht« mehr gegen ihn unternehmen unb 
nur mit ihren eigenen *ßerfonen unb 60 {Reitern in ber laifer* 
liehen $ilfe Verbleiben foßten. lag« barauf aber tourbe 8ub* 
toig Don Öttingen mit 30 SReißgen ww SRarfgrafen »tbrecht, 
ber jum ©chufee be« {Riefe« au« 3lug«burg herbeigeeilt toar, 
bei Cornberg gefangen genommen. 

ÜRittlermeile Ratten al« SSerbünbete be« Sttarlgrafen auch 



1) etwa für fo t>iete 3a$re, aft bie ©elagerung Sage genrityrt hatte? 
©i«her betrug bie j«$rti<$e ©tabtßeuer 100 ?funb Pfennige. 

2) e. bie Urtauben bei £ern$arb flauer, £. Subroig ber 8W<he 
unb bie etabt ©unbetfingen (1862), ©. 63 f. 

3) 3ahre«beri(ht be« $ip. «ereut* im D&erbonaufreife f. 1835, @. 21. 
Ü&er bie Belagerung f. au$ bie U(mer (Ebonit in ben 8er$anbl. b. 8er. 
für Jtunß u. «itertfjura in Ulm unb Oberföwaben, Heue ^eihe, 3. Oeft # 
1871, e. 33. 




©clagernng ffagtfargt 1462. 



415 



Äönig e^rifttan fcon 5Danemar( (28. SWätj), fturfürft gtiebrty 
ton ©ranbenburg (1. «prtl) unb anbete norbbeutf^e gürften, 
geifttid&e toie toettlictye, Subttrig ben ftrieg er(lärt, ofyte iebo$ 
in ber gotge tfcätig einjugreifen. Neutral blieben ber iöiföof 
bon Sfagäburg, beffen ©eßfeungen glei$©o$l oon ber ftrieg«* 
furie ni$t ganj fcerföont blieben, bie ©tabt SRegenSburg unb 
bie 2Wünc$ner $>erjoge, öon benen ©igmunb im gebruar nac$ 
®taj gegangen toat, um Dom ftaifer bte &$en }u empfangen. 
3n perf&nti$en Unter^anblungen, ju äugäburg unb Ulm mit 
bem 3Jtar(grafen, ju Sautngen mit 8ubn>ig, bemühten fic$ bie 
leiteten eifrig , bo$ junäctyft o$ne (Erfolg um ben Stieben. 
8ubtoig$ ®efuc$, i$m 200 Sagen ju leiten, lehnten fie mit 
ber Srflarung ab, fie feien bem ftaifer oerförieben, fcermöctyten 
au$ o$ne tyre 8anbfc$aft (einerlei $Ufe ju teilten. £)o$ gingen 
fic auf SuburigS SBunfö ein, i$re Untertanen ju fceranlaffen, 
baß fie Sugäburg nic$t$ mr$r jufü^rtcn 1 ). Subtoig meinte, 
baß fie ber ©efinnung nacty boc$ auf feiner ©eitc ftänben unb 
Aber fein ftriegSglüd ßc$ freuten. 

Hl$ fcerberblic$e geinbin aber ertorie« ß$ bem $erjoge 
burdfc ben raftto* betriebenen (leinen ftrieg bie ©tabt ÄugSburg. 
Zapfer toiberftanb i$r bie iöefafeung be$ na^en grtebberg. 
916er bie ganje Sie jtoifd&en 8e$ unb Donau Don ber ©renje 
bei äßün$ner ©ebiete« bi$ 9fain mürbe bur$ bie toieberfcotten 
©treifeüge ber HugSburger ©efafeung öertoüftet. 8ln einem 
5Eage (3. SDlai) legte ba$ in einer ©tarle &on 3000 guß- 
Inerten unb 500 {Reitern auSfaöenbe $eer jtoanjig Dörfer in 
%\ä)t. ÜDie ®c$u>eijer, bie unter gttyrung ton Ufc (Utticfc), 
8)au$ unb $an« ftempnater, genannt ©$il$$anä, im ©olbe 
ber ©tabt ftanben, fd&lugen, toie man fi$ erjagte, {eben ©aiern 
tot, ber in tyre $anbe fiel. 3n ber testen 3unta>od&e tfrfte 
nun Subtoig au* ber ®egenb ton 8tain jur Belagerung 
ÄugSburg. ©ein erfte* Sager an ber SRotbfette ber ©tabt 
mußte er, ba bie ©teintogetn ber Belagerten tym bort große 
SBerlufte jufugten, balb mit einem anbern öertaufd&en; bo# 

1) «rennet VII, 112-114. 




416 



&*$mif$e Silfe. 



toä^rte bie ganje »elagerung, tote vorher jene bon Ulm, nur 
toenige läge. Orofce unb toohfoerteibigte ©täbte au übet* 
toältigen toar bie ftrteg$funft ber 3*** *W m ©taube. 5Ra$ 
einem erfolgreichen «u$faü ber belagerten ging ber §erjog 
nach State jurücf unb unternahm ton bort au« oerheerenbe 
©treifjüge in bie ©egenben Don Ulm unb SKemmingen. 

Subtoig« ©chäfce aber Ratten bie toieberholten unb lang* 
toierigen flriege nun aufgeje^rt. $atte er boch Won 1460 
auger anberen grofcen ©ummen, bie ber ftrieg oerfölang, *>ter^ 
mal nach einanber 100000 fl. rhein. an ©olb bejaht. ©er 
ftrSfu«, ber im «nfang feiner {Regierung überall mit ®efi> 
bartehen ausgeholfen, fah fleh nun gelungen felbft um fote^e 
nachsuchen un b auch Keine ©ummen ton ^rtoatleuten nicht 
ju terjehmähen. S5on ben eigenen Unterthanen lonnte er, toie 
«rnpeef fagt f unter feinem SBortoanb mehr eine ©teuer forbew, 
aber er ließ fi* bon etnjelnen (Darlehen geben, für toelche er 
©chulbbriefe unter feinem ©ieget aufteilte. „SJon biefen 
©chulbbriefen", fagt Srnped toehmütig, „fwb toohl einige ein* 
getöft toorben, anbere aber »erben, tote ju befürchten fteht, am 
Jüngften Sage eingelöft toerben." 

3n biefer Sage toar e« für 8ub»ig bo^elt ertoünfeht, ba& 
bie marlgräflichen ©treitfrafte enblich auch im Horben ernftluh 
befchäftigt tourben. Der ^rager 5Cag toar bureb bie ablehnenbe 
Haltung be$ SWarlgrafen oereitelt toorben, unb fchon am 
20. üRarj ^atte ftönig Oeorg auf Subtoig« neue unb bringenbe 
$ilf«gefuche, bie beffen »tat $arjioat «ichberger überbrachte, 
ein $eer unter gühnmg feine« ©chtoager« 8eo oon Wofenthal 
unb be« ©urian oon Outtenftein nach ffieiben oorrüden 
laffen. 5Doch erft gegen Cnbe Hpril, nachbem ber ftönig 
auf SWelbungen au« 8lom bie Überjeugung getoonnen fattt, 
bag feine Hoffnungen auf bie greunbfehaft ber fturie eitel 
feien, lieg er biefe £ruppen bie baireuthifchen Sanbe an* 
greifen- SWit ihnen bereinigten fleh nun bairtföe unb ober* 
^ffiljifche ©treitlrfifte, 3000 gufcg&nger unb 350 . Weifige. 
S3alb !am noch eine ©erftärfung au« ©öh^en unter 3on 
3alta t>on ©teinberg unb ein Seil ber ©rüberrotten unter 




SRarfgrafentrieg 1462. 



417 



9pel unb ©ernharb t>on SBifcthum. ftomtte auch ffiunfiebel 
nicht bejmungen toerben, fo erlagen boch Sreuffen (13. 2M) 
unb mehrere anbere ©urgen bem »nfturm be* oerbünbeten 
$eere*. 9m 8. imb 10. Sunt erflärten bie ©ifchöfe oon S0am* 
berg unb SBflrjburg SUbrecht jum btittenmole ben ftrieg. 
unb im 3uni unb 3uli eroberte ber ffiflrjburger, unter* 
ftfifet oon böhmifchen ©ölbnern, bie Subtotg juhilfe getieft 
hatte, eine Steide oon marfgräflichen ©täbten unb ©urgen. 

2)aju !am nun bie ftunbe oon bem glorreichen ©tege, ben 
^faligraf griebrich am 30. 3uni bei ©edenheim erfochten, 
oon ber Gefangennahme Ulrich« »on ffiirtemberg, ftarW oon 
©aben, be* ©ifchof* oon 2Refc, um Subtoig auch feinerfeit* jum 
SBagnt* einer gelbfchlacht ju ermuntern. SRoch ehe aOe feine 
©treitfräfte eingetroffen loaren, rfldte er au« unb eroberte bie 
gefte $eflenftetn unb bie ©tabt $eibenheim (7. 3uli) jurficf, 
bie ihm bie ffiirtemberger im beginn be* ftriege* abgenommen 
hatten. 9ta<hbem er bann jtoei Zage lang Giengen bebroht 
^Kxtte, jog er in ba* Sager oon Sauingen. £)a§ er um biefe 
3eit Trabanten n>arb, bie er bem Crjherjoge ©igmunb nach 
©chtoaben jufchiden toollte 1 ), Deutet barauf, bog nun auch 
biefer gürft oon ben fcorberdfterreichifchen Sanben au* in ben 
Äaratf einjugreifen beabfichtigte. Der SRarfgraf hotte (5nbe 
3nni ein neue* $eer gefammelt. (Er ahnte, baß ber örnt- 
fcheibung*fampf nahe, „Getoijj »irb binnen acht Sagen ge* 
fönten loerben", fchrieb er (11. 3uli) an feine SRäte; „feilten 
toir unterliegen, fo nehmt euch unferer ftinber an, foUten totr 
aber gefangen »erben, thut, al* ob ihr unfer nit hättet unb 
mehrt euch <tf* biebere 8eute!" (Sbenfo ermahnte er feine 
trüber, toenn er gefangen toerbe, fich nicht um ihn ju fümmem; 
er toerbe fich nicht martern laffen unb unterfchreiben, loa* 
man oon ihm oerlange, — ba er nicht* ju hatten oorhabe, 
muf? man erlfiuternb htnjubenfen. ©eine bflfteren Äsungen 
aber entfprangen toohl ber Äenntni* oon Subtoig* Überlegen* 
heit. Da« bairifche $eer begriff mit Den ©ö^men unb ben 

1) Oberbaver. *t<hh> IX, 384. 

ftieileT, •cfWteeaicTnf. m. 37 



418 



oon äuguftin 5Eriftram geführten 5ftcnei*tfc^n „fflr übern' 
9400 SWann ju gu§ unb 1600 ju $ferb. Dagegen mar 
SttbrecbtS $eer na* angaben $>erjog 8ubtoig$ nur 8000 *) 
ober 7—8000 Sßann ftarf, barunter auger marfgräflichen unb 
reic$6ftäbttföen Gruppen 1000 gufefnechte unb 100 {Retter be* 
®rafen (Sberfcarb oon ffiirtemberg; bie 9?etd^dftäbte toaren mit 
ihren Lüftungen tote gcmö^nltd? ettoaä fautnfelig getoefen. 

Hm 17. 3ult befäojj ba$ {Ret^^eer §eibenhetm, toub aber 
jurfief, als bte Sötern jum (Sntfafce heranrfidten. Um S3cr* 
ftarlungen an fieb ju jieben, toodte Älbrecbt nacb Ulm }ie$en, 
als er am 19. ffiblicb oon (Siengen unerwartet auf bie ©atern 
flieg. (Sben hatte er noeb &t\t f auf bem ®flffenberg f einer 
$öh* am regten ©renjufer, hinter fetner ffiagenburg eine fefte 
©tellung ju nehmen, koelcbe vorteilhaft genug febten, ben Unter* 
febteb Oer 3 a W auäjugleicben. <£$ nahm bem Singriff nfcbW 
oon feiner ®<$ioierig!eit, baf? ber 3wfammenf^lug ber SBagen* 
bürg, ba$ (Stnfd^menfen ber äußeren ©tretttoagen auf ber SRücf* 
feite noch niebt ooüenbet toar, al$ bie ©atern, unter bem gelb* 
gefebrei „©aierlanb* bereit« bie $öh* fceraufftürmten. Die 
Sofung toar an bem benftoürbigen Sage in SubtotgS $eer 
„Unfere Siebe grau 4 ', ba$ »bjeieben (Siebentaub, toäbrenb bie 
JDlarlgrafltcben iöirfenlaub trugen. 

£>erjog Submig toar getoamt toorben, niebt felbft in bat 
ftampfgetämmel fieb ju begeben, ©eine änttoort aber lautete: 
„gebenotg ober tot, heute muß ich bei meinem 93olfe bleiben I * 
93or bem ©türm lieg er mit einer Weihe feiner Hoeligen 
oon XfyomaQ oon Reifing, Pfleger ju Äranjberg, fidh ben 

1) in einem @<brriben an Äönig ©eorg (8ru<bftfld in ber SJtömbner 
©taatSbibliotbet), ba« mit bem ber fpeiriföen Shrouit (SRone, Duellen« 
fammtang I, 473) eingereihten an ben $faljgrafen grtebrieb meift Aber« 
einfttramt, bo<b einige Abweisungen anfaetfl. 3nr @<bla<bt bei Tiengen 
f. außer ben oben angeführten Duellen bie ©ertöte bei JHn<tbobn,374f., 
bie Sufgeubnmtg eine« äRittömtfer*, be« $an« SRagenSreiter (au« cgm. 
1934, f. 13, bei Oefele I, 398), ©<$ebel« (Shroni! (a. a. £>., 397), 
© t Iben ber g, «öenttn« (Ebonit, 598. 599, too befonber* bie tarnen 
oider Gefangenen; grieg bei Snbeurig, ©efthtytf Treiber oon bem ©tfcbof- 
thnm ©firjburg, 836. 




bei Giengen. 



41» 



{Ritterfchlag erteilen. (Sntoeber toeil bie$ inmitten ber eigenen 
Sagen gefchah, ober toetl bie neuen Stüter fofort jum ©turnt 
auf bie feinbli<he ©agenburg anforengten, nannte man fie 
fcherjhaft bie „©agenritter". 

Da bie ©efd&offe be« getnbe* meift }u hoch gingen, feftete 
ber Sturm ben iöerg ^inan weniger Opfer, att ju befürchten 
mar. ©er ^eute nicht toohl fliegen faitn — fangen bie 
batrtfd&en {Reiter unb ftnechte — ber ift feinem $>errn ein un* 
nfifcer 3Rann. Doch foö ber getnb brei ©türme abgefötagen 
haben. Der $ersog felbjt trug von einer ©teinlugel eine leiste 
Sertounbung am Stopfe bavon. & muß bahingefleöt bleiben, 
ob SWartgraf »lbre<ht toohlunterrichtet fear, toenn er fchreibt, 
ber £>erjog $abe fpäter 3ngolftäbter unb Sauinger, toelche JU* 
erft geflogen feien, enthaupten laffen. 3ebenfafl$ tnujj bie 
$anif unter bem bamfd^en gufjvoll rafch vorübergegangen fein« 
SSon ber ©teig fftx brang ba$ bairifche unb bdhmifche gujjvolf 
unter 9MHa$ bon 8ben$berg unb $an$ $olup von ©todach 
ju ÜWattiglofen *) in bie ©agenburg ein. Die &)xt be$ 5Eag$ 
aber gebührte ben bairtfehen unb öfterreichifchen {Reitern, beren 
jn>ei {Rennhaufen juerft bon vorn an jioei verriebenen ©teilen *) 
in bie ©agenburg einbrachen. ®raf ©olfgang von ®chauen* 
Berg, ein Öfterreicher, toar ber erfte, ber mit parier $anb 
einen Sagen ergriff unb au« ber Steide $erau*ri&. Da« 
bairifche $auptbanner trug ©olfgang bon ftamtner, ba ber 
®raf von Drtenburg, bem biefe df)xt julam, noch J« iwg mar. 
8US $auptleute befehligten ®eorg von lörrtng, ftanS^Jienjenauer, 
$einrtch Hhaimer, Heinrich SRaroltinger unb $an$ (Sbran von 
©ilbenberg, ber ®efchuhtfchreiber. günfjeh« Trompeter bliefen 
auf beiben ©eiten unb tote ®loctenflang ertönten baju bie 
@<htoertH5nge auf ben $arnifchen. 

„©ohl angerannt ifatb fochten iftl' fagte ein ©pri<htoort, 
ba3 pch nie beffer betofihrte att am £age bon ©iengen. Durch 

1) 1464 Pfleger jn griebburg im 3nn*iertel. DBerbaijer. IX, 396. 

2) 2>emt ber SWartgraf untertreibet in feiner Ännbföaft für bie 
Herren von {Remberg, „brei treffen, ihr iegü<$* anf feinem fonbem Ort". 



27* 




420 



Steg bei Wengen. 



ben glücfltc^en ©türm, ber bie ©tfcfodfrt eröffnete, toaxb fte ou# 
foglei<$ entföieben, ja beinahe beenbet. Unter bem gelbgef^ret: 
„9Wmifc$ Weidfr!" toarf fl$ gtoar ber SRarfgraf felbfi mit einer 
©#ar, bie unter bem Banner bed $eil. ©ityetm ritt, bett 
bairiföen Weitem entgegen. ©o# afl' feine Styferteit mar 
bergeben«. SRad&bem guerft ba« toirtembergtfcfc gnffoolf in 
Unorbnung bie glu$t ergriffen unb einige ffiogen mit fi$ 
fortgeriffen $atte, tonrben balb au$ bie anberen feinblit&en 
Raufen gerforengt — am langften gelten bie ©ttytoeiger ftanb — 
nnb in toilber gluckt, mit feiger $aft, bafc unten biele in ber 
Breng ertranfen, ftßrgte ba* gange $eer bie fteilcn $änge be* 
(Stäffenberg« hinunter, ©er SÄarfgraf felbft aber mit bier 
Begleitern berliefc unter ben legten bie ffialftatt. 

©er $ergog $atte geftattet, bajj „©admann gemalt toerbe", 
b. ba§ |ebem bon ber Heineren Beute guftele, toa« er er* 
griffen 1 ). ©agu ftemmte er fi<$ iefct, einem ®effl$le ebler 
ÜRenfölictyleit nadfaebenb, mit feinen Dienern ben ©erfolger* 
entgegen unb rief tynen gu, ber fjlüd&ttütge gu fronen. ©o 
!am t& f ba| bie Berfolgung mit toenig 9ta$btu& betrieben 
timrbe, bo# berlie$ eben bie überaus reiche Beute bem ©lege 
befonberen <8>lang. Denn faft bie ganje feinblfa^e S3agenbur& 
300 Streit* unb 700 »eifeuxigen *), 1300 Werbe f Dtele ®e* 
3elte, be« SJtarfgrafen ©übergefäirr, ba$ 9iei($0banner, 
ba« na* Burg^aufen geführt marb, bie Banner be« üßarN 
grafen, <8ber$arb« oon ffiirtemberg, ber ©tabt Ulm, bie {Reiter* 
fafrie be« 3Warf<$aU« ?aw>en$eim, im gangen an 30 Banner, 
fielen ben Baiern in bie $änbe. Unter ben 240 Gefangenen 
toaren 24 Witter, 20 ffifrrbare, ®raf ®eorg bon ffierbenberg* 
©argan«, ber ba« 8teu$«banner getragen, ^>eüiric^ bon Rappen* 
$eim, grtfc ©$enf gu ©#enfenftein, bie 8ug*bitrger $am>t* 
teilte $ilpolt bon Anbringen unb ffiilfclm bon Kallenfels. 
£6 toarb 8ubti>ig $o$ angerechnet, baß er bie gefangenen Grbel* 

1) 8gt baja bie «erorbnung wm 20. Styrtt 1462 Aber Verteilung 
ber ©ente, Oberbaar. «nftfc IX, 383. 

2) ©emt 8ttre$t bon 282—284 ©agen ftrt($t f meint er »o$t nur 
bie martgr5fft$eu. 




3t»eite .Belagerung tfagtburg«. 



421 



tette o$ne Cöfegclb entliefe l ). Crfchlagen unb ertrunlen »arm 
Dom »eichtheet angeblich 130 ffllatlgtäfltche, 500 ffiittembetget, 
12 Sfogtbutget, jtoähtenb bie Sieget in Samtigen 132 Zott 
begruben. 

3ttner$alb brei ffiochen Rotten fo bie pfäljifdfren unb baiti* 
fefren Xxupptn bem tarnen nach übet bat Weich, im ffiefen 
glfieflichettoetfe boch meht übet nachbarlich ffitbexfachet, bie 
ein unffihiget Weichtobethaupt partetifc^ begünftigte, triumphiert. 
Äuget bet Huftöfung bet JReiehtheetet aber tnütften jich an 
8ubn>igt ©ieg feine melteren mttUärif$en (Stfolge. (St gelang 
bem $etgoge nicht, (Tiengen, öot beffen SBauetn et binnen 
furjem meht als 50 3Kann verlor, einjune^men. SRaehbem 
et bit in bie 9ia$e fxiUt geftteift unb bort einige ©utgen 
jetffött hatte, machte et nochmalt einen ©etfuch auf Slugtbutg. 
am 28. 3uli lagerte et oot bet ©tabt bei ©t. JRabegunb. 
XB&htenb feine Seifigen tingt umher oetmfifteten unb btanb* 
föafcten, berannte ein Seil bet gujjoolfet täglich ametmal bie 
©tabt Sin SlutfaU bet ©chtoeijet loftete ben ©elagetetn oiete 
8eute. ©et üßatfgtaf aber, oon leinet SRlebetlage gebeugt, 
etnriet fleh nie größer alt in ben lagen bet 9tot unb ®efahr. 
©chon tytitt et fleh in Ulm an bie ©pifce einet neugefammelten 
$eeret gefteüt unb batfelbe längt bet Donau bit SReubutg 
geführt, fcibtoig brach bähet bie ©elagetung ab unb jog ihm 
entgegen, toorauf bie Stogtbutget foglety hiebet ihre $lünbe* 
tungtjüge begannen unb, alt ob bet ©tanbftatten, Öettler 
unb Sxüppd noch nicht genug getoefen täten, überall mit 
geuet unb ©chtoert muteten. $iet !am et am 14. »uguft gu 
einem bet legten (Befechte bet Stiegt. 300 bit Aichach *ot* 
gebtungene »ugtbutget befiegten ebenfo Diele gu&ganget unb 
80 Weitet, bie ben $eimfehtenben ihre SSeute abjagen tooüten. 
SRan gemährt bie fchtoinbenbe »ebeutung bet Vetteret, menn 
man lieft, bag bat bürgerliche gufcooll mit feinen $eßebatben 
ben Stoffen einfach bie gfijje butchf^nitt. Unter ben baitifchen 

1) Sobfontch t»ost bair. Sürßen. *. $ormat?r-9Ubhatt, £af<hen- 
f>nä> 1850, e. 9. 




422 



©affftiftUßcmb. 



Weitem toaren 15 „ftürtffet", ein Warne, ber fter tn ber 
batrij^n ftrieg*geföt$te guerft auftritt für etfengerfiftete Weiter, 
bie leine Sonje führten unb letztere $ferbe ritten att bie 
ßanjenreiter. Huf bem fränftfcfcn ftriegSfd&auplafce mar bem 
ffifirjburger 8Mf$of am 22. 3uli mit ber (Einnahme $rkffen* 
jiabt* noc$ ein triftiger @<$lag gelungen. ©tefer ©erfofi 
$atte ben SIBarlgrafen fo fe$r gereijt f bafc er ben graufamen 
©efe# erlieg, iebem ©firger ^ridfenftabt*, ber ergriffen tofirbe, 
bie $änbe abju^atfen. 

©#on im grfifta^r Ratten bie 2ßfin$ner $erjoge burc$ 
tyren $ofmeifier $an« oon grauenberg bem Äatfer einen 
griebenätag in Wegeitfburg oorfd&lagen laffen. ßubtoig fotoie 
ber SWarfgraf gaben tyre 3ufttmmung, bo<6 fcarb al* 83er* 
fammlungSort Dürnberg getoätytt unb im Sluguft traten bort 
bie ©emittier, bie beiben 2Wün$ner Serjoge, ber pätftlicfc 
Segat, flfrabiföof $ierontymu$ oon ftreta unb ber ftarbinal, 
©iföof $eter oon »ugäburg, jufammen. $atte auc$ 8ub»tg 
na<$ bem ©lege oon (Siengen feine Stiftungen fortgefefct, fo 
mugte i$m bie (Srfc^Spfung feiner Wittel bo$ ein <£nbe ber 
geiubfeltgleiten »iülommen erfctyelnen laffen. Der SWarlgraf 
freiließ tofinföte ben Sinbruct feiner Wieberlage ju oernriftfcn, 
beburfte aber, um &tit ju neuen Wüftungen ju gewinnen, 
toenigften« eine* ffiaffenftiDftanW. ©o warb benn in Wflrn* 
berg unter ©eiftlfe be$ !aiferli(^en ftanjler«, ©iföof Ulri$ 
oon (Surf, berebet, bafj bi$ SWk&aeli« 1463 bie ©äffen }tmf$en 
bem ftaifer, $erjog 8ub»ig unb allen tyren §elfern ru$en 
foKten. auf ben 16. Ottober aber tourbe, jur Anmietung eine« 
enbgiltigen 8u$gletc$$, ein neuer Xag ju Wegendburg fefi* 
gefefct. 

3Mefe ©erfammlung fanb bie Sage fe$r oeranbert. SSon 
ben aufftänbifäen ffiienern unter bem ©üxgermeifter $>o!jer 
unb feinem ©ruber Wibrecht in ber $>ofburg belagert, toar ber 
ftaifer in bie grögte ©ebrängntä geraten, ©ringenbe 2üif« 
forberungen um $ilfe ergingen an bie in Wegengburg Oer* 
fammelten Wetc$$ftanbe. Subnrig mied e$ ab, bie ®unft be$ 
ftaifer« auf biefem ffiege ft$ ju erlaufen unb oerfagte entf$ieben 




$artctoc$fel ftcorgt ton ©Birnen. 



428 



jcbe £etftung. Durch eine am 6. Oftober mit ©igmunb t>on 
£irol unb <£rjbif$of SBurfharb Don ©aljburg gefchloffene (Sinung 
hatte er fleh einen alten ©erbünbeten neu geßchert unb einen 
neuen gewonnen, ftber nun nahmen bie (Sreigniffe eine SBen* 
bung, tottyt ihm ben mächtigften S9unbe«genoffen entjog. Der 
ftaifer ^atte in feiner SRot auch ben ©d^menBnig juhilfe ge* 
rufen unb btefer mit ädern (Eifer bie uridlommene (Gelegenheit 
ergriffen ba« Wei^Äober^aupt fl<h ju ©an! )u berpfttchten. (Sin 
böhmifche« $eer unter feiner gü^rung entfette ben ftaifer, ber 
tum mit ®eorg ein enge« ©finbni« fchlog unb ihm fiberlieg, 
auf einem f$rieben«tage ju $rag nicht nur bie gütliche (&nU 
{(Reibung ber jnriföen ihm unb ßuburig fchtoebenben ©treit* 
fünfte )u fällen, fonbem auch bie Serföhnung foiburig« mit 
bem üßarfgrafen (erbei}uffi^ren. Dur$ $an« oon Degenberg, 
ben bei ihm beglaubigten bamföen Vertreter, lieg Oeorg biefe 
Berabrebung na* SanWhut melben mit bem <£rfu$en, bag 
8ub»ig ihu att ©chieb«richter anerfenne. Der ©efanbte hatte 
auch aufbringen, bag be« $erjog« gfirforache bei ber fturie, 
um bie ihn Oeorg borbem angegangen hatte, unterbleiben möge, 
ba bie« nun bur$ ben ftaifer beforgt »erbe. Da 8ubu>ig« 
ShtUoort oerftimmt unb au«u>eichenb lautete, fcolljog ©eorg 
urieberum eine jener rafchen ffienbungen, burch »eiche er feine 
Unab^ängigfeit gegenüber ben beutfehen gfirftenparteien ju toasten 
liebte: er üerfS^nte fich mit bem SKarfgrafen »brecht, ber 
feiner (Sinlabung nach $rag golge leiftete, unb erneuerte ba« 
einft )u Cger mit ihm geftyloffene SBfinbnl«. gfir ben f$att 
eine« neuen ftriege« oerftcherte fi$ ber üftarfgraf b5hmif^er 
@olbtruw>en, er lieg ft$ »om ftönige erllären, bag berfelbe 
Subtoig nicht »eiter gegen ihn unterftfifcen »ftrbe, fall« ber 
$erjog feine Vermittlung jurfidtariefe, erhielt auch bie äufage, 
bag er in ben (gebieten bon ffiunßebel unb »rjberg bie bon 
ben ©rfiberrotten für Subioig eroberten unb befefeten iöurgen 
unb üßarftfleclen, toenn nötig, mit ge&altfamer $anb uneber 
einnehmen bfirfe. 3nj»ifchen hatten bie 8tegen«burger grieben«* 
beratungen nicht jum &\üt geführt, am 6. gebruar aber oer* 
fammelte fich auf Anregung ber beiben hafcfbitrflifcheit Set ' 




424 



gricbenSanttr^anblmigaL 



bfinbeten bie nrittel«ba<$ifc$e Partei in ©afferbutg, um für bie 
loeiteten Unterfrmblungen tyre eintragt unb ©ottbarttät feft- 
jufteflen. Subtoig unb ©igmuttb tum Xitol maren feftft an* 
©efenb, fturffirft gtiebri# unb $erjog SUbrety bur# ©efanbte 
Dertreten. 3n einem t>on SKarttn ÜBair rebtgierten €fc$rift* 
pde erfaßten bie JSerbünbeten ben ftaifer um einen götfid&en 
Zag an feinem $ofe, inbem fte jugleicfc i$re gorberungen jb* 
fammenfafjten *). \ Da& mehrere ttet$6ftäbte auf eigene Sauft 
eine Berftönbigung mit bem 8anb«$uter $ofe fugten, bag audfr 
bie ©S$ne unb bie 8anbftfinbe be« gefangenen ©irtemberget« 
um be« $erjog« SSertoenbung beim ^faljgtafen ßc$ bemühten 
unb gerabeju einen ^artetoe^fel in 8u«fic&t fteüten, tonnte ben 
$erjog nur batin beftärfen, bafc et oon feinen gorberungen 
ntyt« nachgab. SRocfc günftiger festen fi$ bie Sage für bie 
ffiittel«ba<$er ju geftalten, al« am 30. 3Jiärj be« ftutffirften 
f$riebri($ ©ruber W^P J«w Grj&iföofe *on ftöln getoitylt 
tourbe. 

Suburig beftanb alfo bat auf, ber gegen $n geführte ftrieg 
fönnc ni$t al« 5Ret#«frieg betrautet »erben, Don einer Strafe 
ba$er, bie ber ftaifer in« 8uge gefaßt, grunbfätfi($ feine Webe 
{ein. S)em gegenüber $aif e« ni$t«, bag SWartin üßair bor 
bem ftaifer Bei ben grieben«beratungen )u ffiiener*9ieufiabt 
(3Jtai 1463) eine burdfrau« e$rfuri$t«oolle @pra$e führte unb 
im SRamen ber terbünbeten dürften bie latferltcfc SÄaiefföt 
bemfltig bat SRittel unb ffiege oorjufölagen, tote bie i$r totber* 
fafaenen SSettufte unb ftränlungen gutgemacht , ©nigleit unb 
grieben im Reitze toieberfargefteflt ©erben Bnnten. 3m Äb* 
fehlet oom 21. 2Bai mufcte ber ftaifer bie Serfranblungen al« 
gefd&eitert erffären unb, toenn fict^ auc$ gubioig bagegen Der* 
toaste, bie ©rünbe be« Scheitern« lagen aüetbing«, toie ber 
ftaifer bemerlte f in feiner Steigerung, ftaifer unb Stetig (Betrag* 
tfrmng )u leiften, ben ftnfprucb auf bie SDonautoörtfcr $faitb* 
fumme oon 75000 (Bulben faden au Iaffen unb bie Gi$ftäbter 
Betreibung $erau«jugeben. 

1) e. flRcnjcl, Keft. gTicbrW, 398-398; «t^rnaun I, 368f. 




fraget gfticben 1463. 



SKun abet einigten fleh ftatfet unb gfitften, bajj JWnig 
©eotg auf einem Sage 311 $rag be$ ihm jugetoiefenen @$ieW* 
tic$tetamte$ malte. ?ubtoig ^atte feine (Stellung bi« bahin no$ 
betbeffett, ba am 29. 3uni bet feit jmei Sttonaten au« feinet 
ferneren 4>aft entlaffene ©taf Ulrich bon ffiittembetg für fl# 
unb feine ©ö^nc fleh Verpflichtete gegen i$n nicht meht fetnblich 
aufzutreten SRach $tag gingen unter gühtung üßair* ato 
baitifche (Sefanbte bet $ofmeiftet föil^elm Ituchtlinget unb 
ffiolfgang hon Äananet. „SÄeiftet ÜRattin*, bet fc^laue unb 
getoanbte Diplomat, Riefte eine gtoge 8toUe; bie ©efanbten 
bet ftäitfifäen ©ifchöfe, bie et „führte unb übte*, toaten gan} 
in feinet $anb; mit SRachbtucf unb geftigleit toat et tote für 
feinen $etjog fo für alle berbßnbeten dürften t^ätig. £)utch 
bie Betreibung eine* neuen, von ©5^men ausgegangenen SRefotm* 
ptoiefte«, ba« bem ftaifet gto&en SRufcen oerfptach, verftanb et 
bie taifetluhen 8täte mürbe ju machen unb ba auch ftöntg 
®eotg gefchidt unb eifrig vetmittelte unb julefet beibe Parteien 
fleh &u Opfern betftanben, !am entließ am 22. Suguft 1463 
bet fraget Stiebe juftonbe. Det Äaifet lieg bie gotbetintg 
fallen, baf? Submig »egen feinet Setgehen an Äaifet unb 9fei$ 
®enugthuung leifte unb eine ©ttaffumme ja^le. Such bie von 
Äönig 8abi$lau$ ihm verpfänbeten ftteinobe blieben bem ftetjoge, 
ö>ieu>o^l bet fiaifet geltenb gemacht hatte, bag biefelben nicht 
8abttlau$ allein, fonbetn bem ©efamthaufe Öftetteich gehört 
hätten. Dagegen gab 8ub»ig bie <Srfafeanfprfi(he auf 300000 fl. 
auf, bie et toegen bet *on baitifchen Untertanen in Öfiettcich 
erhobenen abgaben gefteUt hatte, toähtenb bet ftaifet fich oet* 
pflichtete, biefe Untertanen in B^funft bei ihren verbrieften 
Sfteiheiten unb beim $er!ommen ju belaffen. Donautt>5tt$ 
abet blieb $Reich$ftabt unb bie SSetfchteibung bon 75000 fl, 
bie bet $etjog oon feinen SBorfahren fax batauf befafc, foüte 
niefeunb ruhen", (große ©churietigleit machte ba« Überein* 

1) Font rer. Austr., XUV, 537. 9m 1. Sugnß toerförieb et 
£nbn>ig für 10000 fL, bie er »ohl für fein SUfcgetb bebnrfte, bie etabt 
Appingen, gr. ©tSlin, #tf$. ©flrttem&crß« I, 652. 




426 



Crgebutffe unb Wa^toe&en 



fommen toegen (Skfttäbt. Der ftaifer tollte etiblty oon jtoei 
in bic gricbenSuttonbe aufgenommenen SJorfälägen, jtoijchen 
benen t$m bte 8Ba$l beioffen mar, jenen, u>ona$ er bie ©er* 
f<$reibung ©c^fttoW oon ßubtotg au*ge$änbigt erhielt unb bann 
einen JRed&Wtag anfefete. Über tiefen ift nic^W toeitere* belannt 
fto bie ©teile ber J3erf$retbung aber fett ein einfache* 93er«» 
fprec&en betf ©iföof* getreten fein f auf &ben6bauer ben $erjog 
bei Serben unterftüfcen gu »otten 1 ). Von ben 9iegen*burger 
3uben burfte 8ub»ig bie 8000 fi, bie fie bem ftaifer &u ber* 
e$ren Ratten, einnehmen unb bie $filfte babon für fi$ behalten, 
oä^renb er bie anbere §alfte an bie faiferlicfre ftammer ab* 
führen fettte. 

3n bem ipauptftreitpunfte, ber ben ftrteg entjfinbet fatte, 
in ber grage be« SRfirnberger ßanbgertyteä, befiegette äWarttn 
SRater* btylomatifcfr« ®ef*icf trofc alle* «Biberftreben* be* 
Sßartgrafen ben bon Subtoig« ffiaffen erfämpften Sieg. 3n 
einem befonberen ©riefe eröärten bie fatferli^en S9eboflmS($tigten, 
i$r $err motte Submig gegenüber m$t* tfym no$ bur$ feine 
(Scripte ober ftommiffäre oorjune^men geftatten, toa« gegen 
ben Bertrag oon 9tot$ in Sachen be« Nürnberger ftmbgeritye* 
oerftofce *), unb in ber 2$at gab ber ftatfer fortan Älbrecfrt* 
nrieber^olt erhobenen Änfprüc^en, JMagen unb Sitten in biefeut 
fünfte lein ®e$8r me$r. ©ernährt blieb alfo bie Unabhängig» 
feit Saiern* oon einer fremben 3uri$bi!tion, ber toertbottfte 
©iegetyrei« be* breijäfcrigen ftriege*. Dagegen traf bie S9t> 
fttmmung, bajj atte (Eroberungen jurfidfcugeben feien, 8ub»ig 
fernerer alt ben ©egner; binnen 3Äonat«frift mufcte er bie 
etabt {Roth, bie ©urgen ©tauf, Sanbedf, lann unb ©cflto* 
berg an ben STOarfgrafen herausgeben. Die (befangenen tourben 

1) @aj, <&ef$u*te ber «if*8fe ton «fafWfot I, 821. 

2) Fontes rer. Anetr. XL1V, 458. fraget griebenSberrrag bei 
Schöttgen et Kreysig, Diplomataria 11, 63; &n$ner a. a. O., 
90—96. 3u ben Nürnberger, fteuftäbter, $rager «erfanblungen f. an$ 
Wtülltx, «eicWtag«t^eatrnin U, 168 f.; d. etocffcetm; Font rer. 
Austr. XLII n. XL1V; ba9 tatf. «n<$ be« SRartgrafen «Hbre$t «$iOe«, 
«*• $5fler, 92f.; ÄU(!$o$n; «a$ntann I, 293f. 




beft aWatfgrafentrieg*. 



gegen gemd^nttc^e Utfe^be entlaffen. SBegen bet unjtemltyen 
©orte, bie bet SDtarfgraf gegen Subtotg gebraust, entfc^teb bet 
ftaifer foäter, hierüber folle nic^t länger geftrttten toerben. 
(Steige toentger bebeutenbe ©treityunlte, tote bie ®efätte }u 
5Eru$enbtagen, ®etetWrec$t unb äBitbbann bei &mf, btlbeten no<$ 
na$ bem Stieben ben ®egenftanb oon Cerftmblungen unb 
trugen baju bei, bag bad 33er$äfatt$ jtotfd&en ben beiben ®egnern 
no$ einige 3a$re ein fe$r gekannte* blieb, ffia* entließ bie 
gorberungen ber $ab*burger 8lbtec$t unb ©igmunb betrifft, 
fo mied ber ©5$menföntg bie (Entföeibung barflber bem $erjoge 
ju. Diefer lub bie beiben Sürßen na$ ©dfcärbtng, too au$ 
bie $erjoge Sodann unb ©tgmunb Den äWünc&en, bie ©ifööfe 
oon Sreifing unb $affau unb Vertreter ber ©tobt ffiien ftc$ 
einfanben. Da e$ SUbrec^t unb ben Stenern bort nu$t gelang 
Subtoig neuerbtng* gegen ben ftaifer aufjufcefcen, entflog fi$ 
Älbrectyt enblidfr feinen Stieben mit bem Äaifer }u fudfren unb 
ju biefem 3toede bie Vermittlung be« ©aljburger (Sr)bif$oft 
anjurufen 1 ). 

äußer ben ®ebteten im SWorbtoeften unb befonberd ber 
grfinbli^ oer$eerten ©egenb um 8ug$burg Ratten ßubtoig« 
Sanbe bie ©Breden be* ftrtege* nu$t unmittelbar erfahren, 
iebedmal toar e* bem $erjoge geglütft ba« geinbrtlanb jum 
ftrtegtftyiuplafe ju machen. 3m S3er$ältnt« jur langen Dauer 
ber ftämtfe toaren au$ bie äRenfäenoerlufte auf bairiföer 
©eite nic^t gro& &u nennen. ffio$lfeil toaren gleic^too^l bie 
glänjenben Irop&äen oon ©tengen, bie ©etoa^rung ©atern« 
oor $o$enjoflerifc$en Übergriffen unb ba« gehobene 8lnfe$en 
feinet Sfirften ni#t erlauft. 3n meldte 3errüttung ber Stieg 
Subtoigö oorbem fo too^lbeftettte ginanjen geftürjt fcatte, jeigen 
bie ja$lreic$en S5erpfönbungen oon ®ütetn unb bie üJlenge oon 
©tytlbbriefen, bie ber $erjog im Saufe ber 3a$re 1462—65 
aufteilte. 

3laä) bem Srieben oerfolgte Subtoigä $oltttf jtoei alte 3iele, 
nur ba| neue gormen getoannen; ba* eine bie Durdj* 

1) »gl. $a$tnann, 446. «forest ßatb balb barauf (2. 2>ej. 
1463). 




428 



totttofriebetittanb. 



ffihtung einet 8?eich*tefotm, bei bet bte ©ittettbachet nicht leer 
entgegen foflten ; ba$ anbete bte »etföt&ing unb SttoeUenrng 
be* nrfttefcbachifchen Cinfbiffe^ butch einen oon SanM^nt unb 
$eibelbetg au« }u lettenben 8anbftieben*fonbetbunb im Weiche 
On biefet Stiftung ging be* $etjog« leitenbet ®eban!e ba^in, 
bte enge Cetbinbung mit ben bisherigen poltttfchen greunbm 
nach SRteberlegung bet Stoffen ju erhalten, jura Inföfaf an 
biefelbe nun auch bie obetbeutfchen Äeich*ftabte ju gelohnten 
unb but$ biefe Seteinigung ben @$ufe be$ 8anbftieben* in 
©betbeutfchlanb befotgen ju laffen. 3n einem betattigen ©unbe 
»äte Submig unb feinem tfäljifd&en Setter al* ben m&htigflen 
©unbtf gliebern bet größte politifche Cinftaf oon felbft angefallen. 
®<hott maten Ulm unb 9tötblingen, oon meldten ©täbten iebe 
noch eine Heinere nach fich jog, auf bie $läne be« $etjog< 
eingegangen, att ein fatfetlkhe* SDtanbat an bie 8teich*ftäbte 
(4. Ott.) toeitete gottfötitte ju ^emmen btotye. STOatlgtaf 
Blbtety übermalte eiferfüchtig ?ubtoig« ©emfibungen. 8on 
ihm aufgeftacheft, entflog fic^ bet Äatfer bem battifaeu 83ot* 
^aben al* einem gemeingefährlichen entgegenzutreten unb betbot 
ben ©täbten, ohne feinen ffiifien in ©ünbnt* ober S3etftfinbignng 
mit itgenb Jemanben fich etnjulaffen. ©leu^mo^l folgte im 
Sttobembet eine Änjahl bon prften unb ©täbten 8ub»ig* <5in- 
Iabung f einen Sag ju $&hftäbt a. b. Donau butch ©oten ju 
befehden unb biefe SBetfammlung nahm mit ©eifaü einen bom 
f)etsog i^r vorgelegten 8anbftteben*enttoutf auf. 9fcadh bent* 
felben foüten bie S3unbe$gltebet DeT)>fiic^tet fein fi<h gegenteilig 
gegen jeben geinb p untetftüfcen, nur ftatfer unb fypft unb, 
oon $etjog Subtoig, auch bet SWhwenfönig tontben au** 
genommen. JWarfgraf »brecht abet teufte fleh ben (Enttontf 
biefet Sinung ju berfc^affen f fchufte ihn an ben ftatfet unb 
ermtrfte, bafc biefet am 26. 3anuat 1464 fein ©nungSbetbot 
an bte ©täbte toiebetholte. auch bet ©öh^enKnig etftärte fty 

1) %n$ hiefür f. bie tvtytigften Kttatftüdt bei *. @to<f heim, Urf.; 
Font rer. Anstr. XL1V; $alad$, Urf. ©eitrige; J&arfleflnngen bei 
itlncfhohn nnb 8a$tnann. 




»et<$«tcfortttj>lan. 



gegen ben $5<$ftöbter (Entwurf, ber bte fttrftlidfre ObrigWt 
Wto&fre unb ben «bei unterbrflde. 9la# bem ©Aitern feine« 
Retd&treformplanet na$m Subtoig gteid^too^l feine ©emityungen 
rat eine Sanbfriebenteinung toieber auf unb nic$t o$ne (Erfolg: 
am 22. 3annar 1465 vereinbarte er ju Ulm mit ©tgmunb 
bon Öfterreitfc, <5ber$arb Don SBirtemberg, bem ©tföof t>on 
Äugtburg, ben ©täbten Ulm, «ugtburg, «alen, Oiengen, 
SWemutingen einen brei|ä$rigen Sanbfriebenöbunb, ju toelcfcm 
anberen gürften unb getreu, befonbert ben SWün^ner ^erjogen 
ber »eitritt offengehalten blieb. Do$ fcerftanb et ber «aifer 
auf jmet »eiteren SBerfammlungen ju Ulm (gebruar unb äprit) 
ben ©unb auf ganj ©cfyoaben autjube^nen unb fo ju geftalten, 
baf* sticht ffittteltba$, fonbern $abtburg barin bte Oberfcanb 
befielt 1 ). 

Sine 9fci$treform naty Subtoigt SBünföen toarb ntc^t 
erjielt, toie»o$l biefelbe eine 3eit lang in Stutzt ftanb. Der 
neue SReformplan toar bietmal toa$rf$einli$ Dorn Seemen» 
fönige autgegangen unb mürbe Don bairifctyer Seite erft auf* 
genommen, na$bem er im toittel*ba$if$en 3ntereffe geänbert 
unb ergänjt toorben mar. @$on auf bem Präger grtebenttage 
Ratten Unterfymblungen baruber begonnen; ber ©ö&mentönig, 
ber flc leitete, fa^ oon bem alten Agitator für Weicht* 
reforraproiefte, ton Martin 2ßatr, auf« eifrigfte unterftfifct. 
Ouf ben 26. gebruar 1464 follte na$ ©eorgt $tan eine 
»eii$toerfammlung ju <5ger gufammentreten, um über bie {Reform 
ju beraten. Dem neuen ftrieg*un$etl, bat bie polirtfcfre 
Spannung an me$r alt einem fünfte breite f fottte oor* 
gebeugt, ben föreienben Übelftänben ber Äee&ttoertoetgerung 
unb ber ©elbftfilfe fodte begegnet toerben bur$ bie »ertön* 
bigung einet allgemeinen ßanbfriebent im Steide. £üt £>e<f ung 
ber Soften toar eine allgemeine ftopffteuer unb in ben Weicht* 
ftöbten ein bon ben ©efuc^ern ber 3a$rmärfte ju erfabenber 
3oü geplant, ton ben Crträgniffen au$ ben gfirften ein «nteit 
jpgeba$t. 3ur »erbefferung ber JTOünje foöte ber ftaifer an 

~ 1) 6. ©ad&mann a. a. O., 541. 




480 



9ttid)4reformtfatt in bairiföcm 3ntereff«. 



breifcig bt* oierjig Orten im Steide neue« taugliche* ®elb 
prägen laffen, foflten gfirften unb ©täbte fortan nur gleich 
mertige Pfennige fragen bürfen. 

3u Unfang DItober mürbe SWarttn ÜWair mit anbeten 
bcuriföen {Räten an ben fatfetlic^en $of nach XBiencr^eufiabt 
abgeorbnet, um megen ber noch offenen ©treitpunfte eine Ver* 
ftänbigung ju erjielen unb jugletch be* Äaifer* 3 u f^ m ung ju 
bem SReformprojefte ju geminnen. <S* fam &u langen unb 
gegebnen ^Beratungen gmifchen äßartin SWatr, bem Äaifer unb 
beffen ©ertrauten, bem ©tfäof Ulrich Don ®utf. ©et aOer 
Neigung ju abenteuerlichen $ro)eften mar STOatr bo$ ein ge* 
miegter SRealpolittfer, ber e* oerftenb ben Äaifer an fetner 
(Selbgier unb an fetner Liebhaberei für 3umelen unb Äleinobe 
ju faffen. 3nbem er bie ftaanjteHen Vorteile be* $lane* mit 
glänjenben garben au*malte unb Äu«ficht eröffnete, baß Öfter* 
reich jum Äampfe gegen SSenebtg bie Unterftfifcung $erjog 8ub* 
»ig« unb be* 9iei<he* gemimten löttne, inbem er ben {Bieber* 
geminn iene* Derpfänbeten foftbaren Äreuje* Reffen lieg, ba* bie 
©ammlerleibenf<haft be* Äaifer* fo h*i& begehrte, gelang e* 
ihm ben jähen unb mifjtrauifchen gürften für ben $lan ju 
ermärmen. Stte mefentlichften änberungen ber bairifchen Vor* 
läge gingen bahtn, bog ber 9leich*tag nicht in (£ger, fonbem ht 
SRürnberg ober JRegen*burg ftattfinben, baß Jeber über 16 3ahre 
alte JReich*einmohner ben ßanbfrteben befchmören unb Anteile 
an ben ©teuergefäüen nicht nur ben dürften, fonbem auch ben 
®rafen unb Herren pfaUen foflten. gür ade gäfle, in benen 
©trafgelber gegenüber bem Äaifer oermirft mürben, foQte ber 
Stfchof oon greiftng jum faiferlichen Äommiffär befteBt merben. 
Daneben aber lief eine Weihe oon gorberungen im mittel** 
bachtffyn 3ntereffe. 5Die neue Cinung ber gürften mit bem 
Äaifer foflte bie S3tttel*bacher nicht verpflichten ihre früher 
gefchloffenen ©onberbfinbniffe aufzugeben. 3n ber 9I^etit)>faI& 
foKte bie Hrrogation, im Äölner Stifte ber tfäljtfche Crjbiföof 
anertannt merben. gfir bie 8anb*huter $erjoge mürbe ein neu 
ju föaffenbe* erbliche* 5Rei<h*amt, bie flhrjhof nteiftermürbe be* 
gehrt. gür ftch felbft münf^te Sßair. bie ffiürbe eine* beut* 



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©ibetpanb M SWarfgrafen 30bre<ht 48t 



föen ftanjler«, beten S3erW$ung er fd&on oor je$n Sauren in« 
Äuge gefaxt $atte. Sogar über bte Dotation biefrt ftanjler* 
amte« nxtrb fäon gefetlfc^t. Sßair beanforuchte $iefür ein 
fcoße« (Drittel oon ben «anjleigefättcn, »äfcrenb ber ftaifer 
meinte, er foflte &on biefem Drittel 9000 ©utben an i$n ab* 
geben. Da man firf? ntefet einigen fonnte, mürbe tynffchtlicfr 
biefe« fünfte« bie (Sntfäeibung be« ©ö$men»ntg« in «u«fidht 
genommen. 

©otoeit fcatte bie Schlauheit be« bairifchen Diplomaten bie 
Unterhanblungcn geförbert unt> fchon toaren bie S5oHma^ten für 
ben ©ifd&of oon greifing entworfen f at« ein Vertrauter be« 
SWarfgrafen afferent, ber Samberger Dombechant Dr. §artnib 
Dom Stein, oon ber Sache ftenntnt« erlangte, bem SWarfgrafen 
berichtete unb betbe nun mit folgern (Erfolg beim ftaifer ba* 
gegen arbeiteten, bag biefer bie SSer^anblungen abbrach- Doch 
gab er ben (Sebanfen an eine {Reich«fteuer unb an ben ffiieber* 
getoinn ber oerpf&nbeten ftleinobe noch nicht gänjltch auf unb 
lieg Subtotg in 8anb«hut burch feine (Sefanbten $an« oon 9tohr* 
ba$ unb Wartung oon ßappel al« $ret« feiner ffiiflfäfcigfeit 
in biefen fünften ein {Retch«amt in «u«ficht fteHen *). Der 
$erjog forberte für bie $erau«gabe ber ftleinobe Donauwörth 
unb ertoetfte burch biefe« unb anbere ©egehren neuerbing« bie 
eiferfüchtigen (Segenbeftrebungen be« SWarfgrafen. ffitetoohl 
biefer felbft ba$u geholfen hatte Donauwörth Subnrig in bie 
f>änbe ju fpielen, lieg er nun bem ftaifer erHären, biefer 
mistige $lafc mit feiner Donaubrfide an ben Strafcenlreujungen 
Don Schwaben, granfen unb ©aiem bürfe unbebingt nicht bairifch 
»erben. Submig« Unterhofmeifter ju machen, baju toerbe er 
fich nie fcerftehen, fofle ein erbliche« {Reich«hofmeifteramt ge* 
f (Raffen »erben, fo benle er, bt«her ber einjige $ofmeifter am 
laiferlichen $ofe, biefe ffiürbe boch toohl beffer um ba« «eich 
mbient ju tyibm al« be« 8leich« ffiiberfacher, — toogegen ber 
ftaifer fehtoerßeh einen triftigen ©intoanb erheben tonnte. Suf 

1) «Ken bei $8fler, grifotifche etubien («r<hto für Äunbe öflerr. 
Oef4i«te VIT, 27-32). 




482 



fteictttonbfriebeti 1467. 



einem neuen 5Eage ju ffiiener*SReuftabt, bet Dom SHärj bi« 
3uli 1464 tagte, Don ßubmtg aber erft nach einigem 3ögern 
befchidt mürbe, fchlug ber Dereinigte ffiiberftmich be« 9Wart* 
grafen unb be« ©öhmenlönig« bie mittel«ba<htfthen Änforüche 
fiegreich au« bem Selbe, vereitelte aber bamit für« nächfte auch 
bie Äei<h«reform. 3n bem Kbföieb, ber ben batrifchen Ääten 
nachgefühlt mürbe, !am ber ftatfer glei<hmohl normal auf bie 
fünfte jurfltf, bie ihm fo fehr am $erjen lagen ; um ben $ret« 
feiner DJltigen Hu«f5$nung mit 8ubn>ig unb für ben Ittel eine« 
oberften $ofrichter« oerfuchte er bie $erau«gabe ber ftleinobe 
ober bie $älfte einer in ©aiern anfadenben 8ieich«grofchenfteuer 
ju erlangen, Durch feinen ftanjler, SMfchof Ulri$ Don $affau, 
lieg ber ftaifer am 8anb«huter §ofe bie Unterhaltungen noch 
einige 3^t fortführen, normal fökfte auch Submig (gebruar 
1465) ©oten nach ffiiener*3ieuftabt, boch gelang e« toeber bem 
ftaijer noch bem $erjoge ihre befonberen ffifinfche }u erreichen, 
nur ber allgemeine Sanbfrieben Don 5Rctch«megen blieb oon bem 
Steformproielt übrig unb bie Beratung hierüber marb im 9to* 
Dember 1466 Dor einen 9teich«tag ju Dürnberg gebraut. 9m 
20. Huguft 1467 lonnte entließ ber befchloffeue ßanbfrieben 
Don ffitener* s Jieuftabt au« veröffentlicht toerben, nachbem einer* 
feit« bie ffiittetebacher mit einem neuen gürftenbunMplane 
feinen Sfallang gefunben Ratten, anberfeit« Älbrec^t« (Sntmurf 
eine« Sanbfrieben« mit Hu«fchlu6 ber jmei mächtigften SBtttel«* 
backet unb ffiürjburg«, ein $lan, über ben man auf Sagen 
ju Ulm, Donauwörth, Erblingen Dom gebruar bi« in ba« 
grühiahr 1466 hinein beriet, burch bie SSorftedungen ber mittel«* 
ba$tf$en {Räte glüeflich befeitigt morben mar. 

3n ben ftämpfen jmiföen 2Btttel«ba$ unb £>ohenjotlern 
hatte ber ©öhmentönig eine Hu«fchlag gebenbe Stellung be* 
Rauptet Ohne beffen ^Beihilfe mären fcubmtg« friegerifche Cr* 
folge räum fo glfinjenb, ohne beffen ffiieberannäherung an ben 
ftatfer unb ben SWarfgrafen aber märe fein poütifcher ©eminn 
mohl gröjjer gemefen. Submig trug bem ftönige feine polittfc^e 
©chmenfung nicht nach unb legte auch to ber golge no<h großen 
ffiert Darauf, ba« ©ünbni« mit ihm ju erhalten, ffiahr* 




2ubtoig, St. @eorg unb bie Jtarl*. 483 



föeinlic$ leiteten i$n nodfr geraume 3eit XBunfö unb £>offnung, 
bog bie verabrebete ©etbtnbung feine« ©o$ne« mit ®eorg« 
lobtet juftanbe lommen möge. Diefer ffiunfcty, SBö^men« 
überlegene ÜWad&t, e$rti#e Irene gegenüber einmal eingegangenen 
$erpfli$tungen unb ber (Einfluß SWartin ÜRair«, ber Ja au$ 
bö$mif$er {Rat toar, mögen jufammengenrirft $aben unb mögen 
e* erflären, ba& ber £>erjog in bem &txto&xfniftt be« ftönig« 
mit ber fturie mit einer Hu«baucr, bie man bei feiner fireng 
fir$tic$en (Sefinmmg nt#t erwarten foUte, jugunften feine« 
Berbünbeten ju vermitteln fud&te. ©c$on ertoog man in {Rom 
bie Sbfefeung ®eorg«, ber fi$, im ©ibetfpru# mit feinen 
ftrönung«gelöbniffen, offen für ben Utraqui«mu« unb bie ftompaf* 
taten erflärt $atte, unb von ©eite eine« ftarbinat« toarb ber 
8anW$uter $erjog al« fein paffenber SRadftoIger bejeid&net *)• 
81m 2. »uguft 1465 verfünbete $apft $aul II. bie no$ von 
feinem Vorgänger vorbereitete S5orlabung be« lefceriföen ftönig«, 
ja ein päpftlid^e« SDefret ermächtigte bereit« ben ©ifd&of SRubolf 
von Savant atte SBanbe ju löfen, freiere 93erbünbete, 93ertvanbte 
unb Untertanen an ben ftönig fnüpften, unb feine .$elfer mit 
bem fttrd&enbanne ju belegen, ffiie anbere dürften tourbe audfr 
Subtoig von ber fturie (29. 3uli 1465) aufgeforbert ^obiebrab 
feine greunbfd&aft au fünbigen unb jur Hu«fü$rung be« ^roaeffe« 
gegen tyn £>ilfe ju leiften. HHe Verträge, bie Subtoig mit t$m 
eingegangen, au$ koenn fie etblidfr befd&tooren feien, erftörte ber 
$ai>ft al« aufgelöft unb unverbinbltcty *). ©tatt iebodfc biefer 
3ßa$nung golge ju geben, unternahm ber £>erjog iefct auf* 
faflenbe ©dritte jur SJerteibigung feine« fd&toer bebro^ten 
S9unbe«genoffen. (Sr gemattete ÜWartin SWair na# frag ju 
ge$en unb feine getoanbte unb umtoorbene geber für einige 
3eit ganj in be« ftönig« SHenft ju fteflen. 3n einer SRetye 
von ©d&riftftfiden fu$te SRair, inbem er über bie $auptfac$e, 
bie bogmatifäen (Segenfäfee unb be« ftönig« ffiortbru$, tyntoeg* 

1) » a$ mann I, 483. 

2) et.*«. €tyon votier $atte ber ?<H>fl Ut einem greifen an 
2ubn>ig anf Georg« 5tfl unb $crflbie tyugetolefen. Font. XLIV, 593. 

fttcilev, «cf^te Oaicrnf . IIL 28 




484 



Subarig ber 8fci<he 



ging, sur ®eltung ju bringen, baß ein gewaltfame« »orgehen 
gegen ®eorg unzeitgemäß unb mit SRücfficht auf bie fachliche 
Sage in SBB^men auch unbillig fei. ßubtmg felbft fanbte im 
SRo&ember 1465 feinen SRat Dr. SJalentin ©ernbecf nach 9tom 
mit ©ühneoorfchlägen, beren p^antaftifc^er ß^aralter toohl auf 
3Katr« geiftige Urhebetfchaft beutete. $ienach fodten bie böh* 
mifchen $ufiten auf ©runb ber Rompaftaten in Stieben gelaffen 
toerben, trenn nur ®eorg felbft jum 9?itu« ber fatholifdhen 
ftirdhe jurfidf ehrte, foüte ber ftßntg ben Oberbefehl eine« gegen 
bie 5£ür!en ju entfenbenben Äreuaheere« unb im oorau« ben 
Xitel eine« ftaifer« öon Äonftanttnopel erhalten, toährenb einem 
feiner ©ö$ne ba« (£rjbi«tum $rag, einem anbern bie Nachfolge 
auf bem b3$mif$en I^ron beftimmt n>arb 1 ). ffiie faum anber« 
ju ertoarten, lautete bie änttoort be« Zapfte« entfchiebcn: 
non possumus, benn fo tief fei bie flirre noch nicht gef unten, baß 
fte bei fiefeem unb fttrchenräubern ©chufe fuchen müßte. 9ÄU 
ber Skrficherung, baß er Subtmg« SBotföaft nicht jürne, too^t 
toiffenb , baß fie au« aufrichtiger Siebe }ur (Einheit unb jum 
grteben entfpringe, mahnte ber $apft boch bringenb, fortan 
leben SBerfehr mit ben fiebern ju meiben. 

®eorg richtete am 1. CItober 1466 ein längere« ©treiben 
an tfubtotg, toorin er fein ©erhalten ju rechtfertigen fuchte unb 
bie ©chtoierigteit feiner Sage fchilberte *), unb in ber Ifcat gab 
Submig feinen Serbünbeten noch nicht prei«. Stuf bem 9iürn* 
berger {Reichstage im "Jioöember, ben er burch ®efanbte be* 
fchitfte, toarb eine gemeinfame gürfprache ber gürften beim 
Zapfte geplant. 9Zoch einige ÜKonate nachher hernehmen mir 
au« SKair« STOunbe Seteuerungen feiner (Ergebenheit unb feine« 
Sifer« für ben Äönig, öerbtmben mit ber SWahnung, baß man 
t>or bem Zapfte, ber „unter bem 3eichen be« Sötoen geboren 
fei 14 , nur bittenb unb fanft aurebenb auftreten möge, ©einem 
greunbe unb ftoüegen im bShmifchen State, ®regor ton $eim* 
bürg, legte e« SWair nahe, baß ®eorg ben ihm Dorn Zapfte 

1) Cßt ?alac!i>, 377, Bnm. 240; *r$i* VU, 40; Älu'cfhohn 
261. 

2) Clm. 232, f. 213-218. 




unb ber gebannte ©öfynenWmg @eorg. 



485 



abgebrochenen ftönigflitel wenigften« jeitmeiltg niebertegen unb 
fich mit bem SHtel eine« {Regenten begnügen mSge *). Denn 
föon hatte {Rom ba« (Snburteil gefroren, 8m 23. S)ejember 

1466 war @eorg als ffefcer unb SKeineibtger aller fetner 
©ürben oerluftig erflärt, waren feine Untertanen ton allen 
Vermietungen gegen ihn entbunben worben. 3Den $erjog 
Subwtg, bem biefe« Urteil in einer befonberen Suite (3. 3an. 
1467) mitgeteilt mürbe, mahnte ber $apft t» mit ©ehorfam 
aufjunehmen unb feine Ausführung mit allen Äräften ju förbem. 
8uf einen nochmaligen Vermittlungäoerfuch antwortete er 
(29. 9Wai) mit neuen Warnungen unb ©trafanbrohungen. 

#iemtt mar ba$ SSer^ältntd ju Äönig ®eorg für Subwig 
eine groge ©chwierigfeit geworben. Dur* (Beratungen mit 
8lbre$t oon Stünden unb $cttorragenben SWännern ber eigenen 
Sanbföaft fuchte er fic^ ben 6ntf$luf; ju erleichtern. 5Hoch auf 
bem Nürnberger {Reistage im 3uli 1467 oerharrte er in 
feiner ÜJtittelfteöung, arbeitete bem ©erlangen ber fturie ent* 
gegen, baß bie {ReichSejefution gegen Oeorg betroffen werbe, 
unb oerfuchte im Verein mit anberen dürften, ieboch oergebenS, 
ben ftaifer jur Vermittlung ju gewinnen. Dtefer Nürnberger 
{Reichstag warb auch babur<h benfwfirbig, bafc fytx Subwig unb 
ÜÄarfgraf albrecht, genähert burch bie Sfytlutyfeit ihre* Ver* 
hältniffe« ju Jtönig ®eorg, nach langer erbitterter geinbfehaft 
jum erftenmale wieber nicht nur felbft mit einanber berieten, 
fonbern auch jufammen tafelten, ffitrtf<haften unb lanjpläfee 
befugten. 5Doch bie geplante Vermittlung ber dürften in ber 
bBhmifchen Angelegenheit, über welche noch im ©eptember 
branbenburgifche unb f&hftfche {Rate mit ?ubwtg ju 8anb$hut 
berieten, würbe junac^ft fchon burch ®eorg« ftolje Shtforfiche 
vereitelt. <5« entforach bem Srnft feiner Sage fölecht, wenn 
ber oon ber fturie Verurteilte nun barauf po<hte, bafc bie 

1) @. bie brei @c$mben SRair« com 26. Sannar unb 12. ge&ruat 

1467 an fteimburg nnb bom lederen Sage an ben !3nigU$en ©efretör 
$anl; Diplomata et epistolae Georgü regia Boemiae, hanbfc$rifttt<$e« 
«otfattu* in ber fttrfltt* SoMonrife'föen «btiotfet in ?rag, f. 217 t., 
218 v, 219 v. 



28* 




436 



$. Subtmg, Äaifer griebru* 



Sürßen, bie tym ol$ »ermittlet antrugen, taut ber S3er* 
träge i$m oielme$r Ärieg«$tlfe fd&ulbeten. 

3e$t erft fanb e$ t'ubnrig mit fetner lir$lt$en ®efinnung 
unverträglich an bem böfcmiföen SBünbniffe no# länger feft* 
{uralten, o$ne ba& er iebo$ einen feinbfeligen Stritt gegen 
feinen früheren 93erbünbeten unternommen $ätte. 5)ur# SWartin 
SHair, beffen SRebnertalent auf bem SWhcnberger {Reistage 
mieber oor aßen geglänjt $atte, mar bie Vermittlung ber dürften 
angeregt toorben, nun aber tabelten bie Stöhnten ba* Verhalten 
bc« bö$mtf$en «ate« bitter att Abfall unb Verrat, aber 
„ni$t in bem ©inn" — antwortete SDiair ®eorg* ©efretär 
$aul auf beffen Bortofirfe — „$abe i<$ mi# in ben ©ienfi 
be« Äönigä begeben, baß, toenn er Dorn ®e$orfam gegen bie 
römtföe Stirpe abfiele, i#, ber xäf in biefem ®e$orfam geboren 
unb erjogen bin, bann auc$ meinen (glauben unb bie Sirene 
preisgeben müßte* *). Die Verfuge ein toittettbacftfdHranben' 
burgiföe* ©ünbnU juftanbe ju bringen, bem Subtoig nun bie 
beftimmte SRic&tung gegen ©ö&men ju geben •toünföte, tourben 
in Dürnberg bur$ ©er^anblungen Derbrängt, bie ber Äaifer 
bur$ ben ©rafen §aug ton ffierbenberg mit ben dürften an* 
fnüpfte. Älen ben öerföiebenen ©nungfylänen, in benen ber 
Äaifer nun ©$ufe gegen ben ©öfynenWnig unb feinen eigenen 
räuberiföen äbel fu#te, ftedten iebo# unfibermtnblid&e 
©i&toierigfeiten entgegen. £)$ne Srgebni* löfte eine t>om 
Äaifer na$ JRegeneburg (28. Oftober) gelabene Serfammlung 
ber bairif$en unb fränfiföen gfirfien, Prälaten unb ©tobte 
auf. ffiietoo^l ?ubtoig no$ immer ®efanbtf#afteu nac$ $rag 
fökfte, festen i$m ein Singriff ®eorg« auf feine 8anbe triebt 
auflgefd&loffen unb biefe ©efürtyung beförberte feine ttnnäfcrung 
an ben oon ©3$men bereit« angegriffenen Äaifer. 3n berfelben 
Stiftung arbeitete bie Äurie. än ben SDiarfgrafen «lbre$t 
fam bie Äunbe, baß in 3ngolftabt unerhörte Dinge fic$ oor* 
bereiteten unb Subtoig« {Räte in (Site jura Äaifer fic$ begeben 
gälten. 3n ber Xffat fam jtpar fein SBünbniä gegen ©ö$men, 

1) 24. 3uni 1468. Dipl. et epist. Georgii, f. 266 t. 




unb it. @eorg von $8$men. 



bo$ bie t>dOige ?(u«fö$nung itoiföen Subtoig wnb bem {Rcld^* 
oberfywpte nun enblu$ juftanbc. Der £>erjog lieferte bem 
ftaifer bie fe$nffic$ttg begehrten ftteinobe be« ftöntg« 8abi«tau« 
au« *), toogegen griebru$ (28. 3anuar 1468) erftärte, bat* er i$n 
triebet ju Onaben aufgenommen $abe, unb t$m jur 8bja$lung 
von 40 000 ungarifd&en ©ulben bie (Srfcebung eine« &otltQ auf 
feiner (Subtotg«) £>errf$aft ©pifc in Dfterreic$ gemattete *). 

3n ber $otittt gegen ©öftnen fanb fu$ $erjog Subtpig 
einig mit »tbred^t IV. von 2Wünc$en. Huf ba« ©ege^ren be« 
}>äpftli^en Segaten liegen beibe §erjoge in tyren Sanben ba« 
ftreuj gegen ®eorg prebigen unb »blajjfttöe aufftetten, in benen 
(Selb jum ftriege gegen ©ö$men gefammelt nmrbe. Anfang« 
bebangen fie fi$ au«, baj$ ba« gefammelte ®elb liegen bliebe, 
bi« bie gürften felbft ben fireujjug antraten; erft im $erbft 
1470 ließ Subnrig ben firrtrag ber Sammlung verabfolgen, 
©njelne bairiföe Witter unb ©Arger, Raufleute unb befonber« 
©auem sogen in aufgelöften Sparen al« «reujfafyrer gegen 
©öfcmen. Die Cwjoge felbft aber bauten ni$t baran, in ben 
vom Zapfte geföürten ftarapf ein ju treten, toenn fte au$ im 
©inter 1469 auf 70 für alle Satte unb ni$t nur mit «ütffi^t 
auf ©ö&men ©efe$te jur JRfiftung ber Untertanen fon>o$t im 
2Jtfin$ner at« 8anb«&uter 8anbe erliegen 8 ). Dagegen fotten 
fie bem ftaifer ftrieg«$iffe gegen bie Üflrfen geteiftet $aben 4 ), 
bie 1469 unter entfestigen ®reuetn in ftrain eingebrochen 
maren. ®egen bie ©bgenoffen toarb Subtvig von ©igmunb 
von lirol, ber mit biefen in neuen ©treit geraten toar, taut 
feiner flrinung jur ftrieg«$ilfe aufgeforbert 6 ), föernt biefetbe 
Jeboc$ anfang« abgelehnt ju $aben. Später bot er jtoar für 
©igmunb eine Hnja$l ©ötbner auf (1468), bo$ tvurben bie 

1) 3®ci gotbene Äreuje unb einen gotbeneu ©e<$er, alle« rri<$ befe|t 
mit fcbctfletnen unb perlen, nennt bie fibergab«urfunbe be* ^affauer 
©iföof« unb be« Grafen $ang v. ffierbenberg vom 1. SRai 1468. ©t.-*. 

2) 1468, W5rj 19.; <5$met, 9lr. 5373. 

3) tt.*»., SRuftaungen I, f. 47. 49. 

4) ©o $ata<f$, 598. 

5) 1467, 3. 6ej>t u. 21. Oft. Pont rer. Anstr. XLIV, 642. 646. 




488 



8ftttet9fa$if$e ©ünbniffe. 



geinbfeligleiten bureh ben gütlichen Ausgleich vereitelt, best 
Subtoig felbft aW ©chtebsrtchter (6. gebr. 1469) ju Äonftanj 
vermittelte. 

Die ©erföhnung be« $fatjgrafen griebrich mit bem ftaifer 
blieb immer ein $ca$t}te( in 8nbnrig$ $olittf. 3n biefer 
{Richtung aber fam man trofe feiner unb üKartin äßatr* eifriger 
Bemühungen leinen Stritt voroartG. £>er ja^e $ab«burger 
betrachtete e$ fd^oit at$ eine ®unft, baß er Suburig für ben 
Satt eine* 9?ei(h$frtege« gegen ben $fä(jer Don ber $ilfeleiftung 
entbanb *). 3^W cn ben £>öfen von 8anb«hut nnb $eibelberg 
mar ein neue« SBanb geklungen, ba 8ubmig im grühiahr 1468 
feine einjige noch lebenbe lobtet Margarete mit $$ttiw, bem 
SWcffen unb ffirben grtebrich* von ber $falj verlobte. 3ieue 
©unbeägenoffen gewannen bie ffiittettbac^er im Sommer unb 
$erbft 1469. 9m 8. 3utt btefe* Oahre* fam ein vierjährige« 
©ünbniä jttrifchen ßubtnig unb SUbrecht IV. einerfeit«, ben jungen 
£>erjogen Srnft unb älbrecbt von ©achfen anberfett* juftanbe; 
in SluSficht genommen marb ber Hnfchlu§ ber $faljgrafen 
griebrich unb Otto fotoie ber Sifchöfe von ffiürjburg unb (Sich* 
ftäbt *). Hm l. ©eptember 1469 fchloffen bie bamföen §er* 
joge Shibmig unb $Ubre$t unb fiurfürft griebrich von ber 
amb ein ©ünbni$ mit bem einigen Surften, ber ben Stampf 
gegen bie fefeetiföen ©itymen aufgenommen hatte, mit ÜJiathia« 
von Ungarn, unb für ben gaü, baß fie von Sö^men an«» 
gegriffen toürbcn, verwerte fie ber Ungarnlönig feine« ©ei* 
ftanbe« (2. ©ept.) 3 ). äHartm OHair hat fleh auch nach biefer 
©eite hin mieber mit einem abenteuerlichen $lane hetvorgethan. 
Durc^ einen Vertrauensmann, ben er in tiefftem ©eheimni« 
an ben Ungarnfönig fanbte 4 ), lieg er biefem Vorfragen, im 
Königreiche ©öhmen, beffen (Eroberung tym ja hoffentlich ge- 
lingen »erbe, einen ©ubernator einjufefcen in ber $erfon be* 
dürften, ber burch SSerftanb, ÜKäimtichleit, ßharafter, auch al* 

1) 1468, SWSrj 26.; Chmel, ttr. 5377. 

2) Font. L c. 664. 

3) Originale im ©eh- @taat«ar<hto. 

4) Unbahettc 3nfhu!tion; gürjteufa<hen XIV, 86 f. 




Steißlage ju HegenSbarg unb SRÜrttbcrg. 489 



©öhmen« 9la<hbar cor aüen baju geeignet fei: #erjog Wibrecht« 
Don anfingen. Sin ^roieft, ba« bem 2Wün<hner $erjoge felbft 
bamal« vielleicht berfchttriegen blieb — SWair tooßte erft nach 
ber geheimen Sttufäufjerung be« ftitoig« unb im Satte feine« 
Cinverftanbmffe« mit Wibrecht barüber verhanbeln — ba« aber 
foäter ju SWatr« ©traben aufgebecft tourbe. 

8uf bem 9iegen«burger {Reichstage im gebruar 1469 ^atte 
ber päpftli$e Segat toieber nachbrüdltch auf einen 9?eich«frieg 
gegen ©ö^men gebrungen. Sßartin STOair, ber augtetch at« 
bairifcher unb pfaljtfcher ©efanbter yigegen toar, führte tote 
immer ba« große ©ort unb faßte am 6. üMärj im tarnen 
ber meiften Sintoefenben in einer nach $umamftenart fchtoung* 
tollen frunlrebe beren SBUlen«metnung bahtn jufammen, baß 
3ett gewonnen unb bie mißliche (Sntfchetbung $tnau$gef$oben 
toerben foüte. Damal« regte auch ®raf $aug von ffierbenberg 
in {Befreiungen mit ben Katen ©aiern«, Saufen«, JBranben* 
bürg« unb $erjog ©tgmunb« normal eine engere Bereinigung 
ihrer dürften mit bem Äaifer an, bo<h ein 9legen«burger 
©efanbtentag, ber fleh bamit beföäftigen foflte, verungtfiefte, 
auch auf ber Nürnberger 8?eich«i>erfammlung, bie nach »teber* 
holter Vertagung erft am 8. ©eptember 1470 eröffnet mürbe, 
toarb nicht« erreicht, ©er Jfaifer ^atte bamal« auf« neue feine 
^ßarteilichleit beliefert unb ben berechtigten Unmitlen ber Sittel«* 
bacher hervorgerufen, ba er in bem ©treite be« ^faljgrafen 
griebrich mit ber ©tabt ffieiffenburg ben h^rtnadigen ®egner 
be« $fal}grafen, Subtoig von SSelbenj, mit Überfenbung be« 
8teich«banner« jum ratierlichen Hauptmann ernannte. 81« er 
nun auf bem Nürnberger {Reistage frilfe gegen bie lürfen 
verlangte, nahmen bie Oefanbten unter SWair« gührung bie« 
jum SSorroanb ihrer Ablehnung. 

©a« ben ©öhwenßnig betrifft, fo voüjog fleh in ber öffent- 
lichen SWeinung nHe in ber ^oltttl be« ftaifer« julefct ein Um* 
fch&ung ju feinen Ounften. ©d?on mar ein 9teich«tag ju 
9iegen«burg angefefct, auf bem bie «u«f8hitung jmifc^en bem 
ftaifer unb ®eorg volljogen »erben foüte, al« ber 5£ob be« 
«önig« erfolgte (22, SWfirj 1471). SKoch im legten 3ahre feine« 



440 



Subtmg ber Steide unb tfag$butg. 



Sebent, nachbem ber Stiebe mit ©aiern allen Einfettungen 
jum Irofc fich fo lange behauptet, $atte ernfte ®efahr gebroht, 
baß ein innerer Streit in ©atern, auf ben mir in ber ©eföicfcte 
ber Sßfln^ner $erjoge jurücffommen »erben, fich jum bairifch* 
böhmifchen ftriege erweitere. $an* ton ©egcnberg, ber gegen 
$erjog aibre^t fich aufgelehnt fydtc, fachte unb fanb Unter* 
ftfifeung bei bö^mifd^en greunocn; je$n böhmifche ftrieg«^erren 
ftanben, tote Sßartin Sßair nach SRün<hen berichtete, bereit, 
mit ihren Sparen in ©atern einjufallen. Ätbrecht unb fein 
Serbünbeter 8ub»tg rflfteten jur 8b»ehr, ein 3ufammenfto& 
mit ben ©ö^men fcheint ieboch nicht erfolgt ju fein, »enigftcnä 
fehlt e$ an 9ta$ri$ten barüber. 

(gegenüber 9ia<hbarn, »te ber ftaifer, Sbtymm unb SßarN 
graf »Ibrecht, beren Oeftnnung balb unftcher, balb ibebrohlich 
»ar, mar Subtoig unabläfftg bemüht, ft<h burch ©ünbniffe ju 
terftärfen. ©eit bem SWarlgrafenfriege fanb er auch ein 
freunbli$ered SSev^altni« ju ben {Rei<h*ftabten im allgemeinen 
geraten unb im lefcten Dejennium feiner {Regierung trat er mit 
ben brei mächtigften {Rei<h«ftäbten ber ^lad^barfc^aft in (Sinung. 
3n 8ug$burg aber glimmte tom ftriege ber ®xoü gegen 8ub* 
»ig noch lange 3eit fort unb fanb nicht nur in ienen ®potU 
liebern unb ®ebi<hten HuSbrucf, über »eiche ber $erjog feinen 
®efanbten $an« SWünich im 3uli 1468 tot Crjhcrjog ©ig* 
munb l ) flagen ließ, ©er h**jogliche 3&Hner ju {Rain, Äafoar 
Dchfenfuß, unb j»ei ©enoffen hatten, angeblich ohne Snmen* 
bung ber göltet, geftanben, fic feien ton einigen 8fag*burger 
{RaWherren unb tom ©rafen Ulrich ton Öttingen angeftiftet 
»otben, SReuburg, Main unb anbere hwjogltche ©tabte bem 
geinbe in bie $anbe ju fielen, ffitetoohl fic ba« ©efenntni« 
foäter toiberriefen, lieg fte ber $erjog im ©eptember 1466 
ju Sngolftabt hinrichten, »nbete, fo bie Urheber einer geuerfc» 
brunft in ©afferburg, befannten bann, ton Äugflburgern jur 
JBranbßiftung gebungen »orben ju fein. Cnbe «uguft 1467 

1) 3ngW* R«6 er benfelben bitten f an$ in feiner SRarfgraffcfcft 
©urgau ben $anbel9*er!ehr mit 3tag«burg ju verbieten. 9i.-S. 




Sutmrig* «etbünbttc. 



lief? Subtoig Jtoei ^tnttd^ten, toetc^e laut tyrer ©eftänbniffe ber 
8lug«burger 9?ot oW ©jrione unb ©iftmifctyer gebungen $atte. 
3n Dotier Überzeugung bon bet 8Ba$r$eit biefer ©eftänbniffe 
$atie bet £>erjog bie 8lug$Burger eingelaben unter freiem ®e* 
lett ju lommen unb feXber ju ftJren, toa« bte (befangenen gegen 
fte auäfagten, toorauf ber SRat toirflicty jtoei 2Ibgeorbnete na$ 
8anM$ut fötdte 1 ). Subtoig rächte ftcfy an ber ©tobt bur$ 
©renjfperre, $anbeI3oerBote (1467 unb 68) unb mancherlei 
geinbfeliflleiten. ?ln tiefen Beteiligte fi$ auc$ 8llbrec$t oon 
2Wfinc$en, ber einen oon ben 8lug$burgern Eingerichteten mit 
®etoalt oom ©triefe nehmen lieg. ©ergeben« Ratten mehrere 
Surften, felbft ber Äaifer unb ein päpftlidjer Segat ju »er* 
mittein gefugt, oergeBenä ber Äaifer f$on im äuguft 1467 
grieben geboten. Da« 3a$r 1469 aber Braute ni^t nur ben 
Stieben fonbern felbft ein SBünbnifl mit ber ©tabt, bie ba$ 
3a$r barauf brei bairiföe C>et joge , ßubmig, »Ibrectyt unb 
<S$riftoj>$ in t^ren üßauern begrüßte 2 ). 

SWit Dürnberg fdfrlofc Subtoig am 9. unb 12. «pril 1470 
eine fünfjährige (Sinung. 1476 folgte ein @$u&« unb £rufc* 
bünbniä mit Siegendburg, baä fi$, felbft toenn Submig mit 
ben oberbairiföen £>erjogen in Streit geriete, ju einer Keinen 
ÄriegSfcilfe verpflichtete. Ulm, Erblingen, Donaumikt^ Sälen, 
©iengen, ©Opfingen ftanben in be$ £>erjog$ ®<$uft unb @$irm. 
2$on dürften* unb Herren aber toaren, mte ber SBunbeäoertrag 
mit Dürnberg befagt, feine SSerbünbeten: bie ftitoige oon Ungarn 
unb $olen, bie tmttel$ba$if$en Oettern in SBaiern unb ber 
$falj (mit äu$na$me be6 S3elbenjer$), bie $erjoge oon 93ur* 
gunb, ©ad&fen, Öfterreidfc, bie ®rafen oon SBirtemberg, bie 
geiftli^en Surften oon SBür^burg, Cid^ftabt, greifing, $affau, 
SRegenSburg, Sugäburg, ©aljburg — ber lefctere, (Srsbtfc^of 

1) 3int, ©t.-G$r. V, 321 f. ©emeiner III, 406. 419f. 431. 
552 f. et.-G$r. XV, 313. 3m tt.-fl. liegt bie Urfc^bc einer *ug«- 
bnrger ©ürgtrin, Hnna ©»appmairin, bie afc obgefonbte Äunbföafterin 
berer toon Hug$burg in 2ub»ig* Sanbe gttommen, um ju fpionteren 
(*om 20. gebr. 1469). 

2) Sugftburger Gfronif in to. $orma$r$ £af$enbu$ 1834, 136. 




442 



9iegcn«burger £<*9 ber <E$riften$eit 1471. 



©ernfytrb 1 ), na<$ 3rrungen, bie am 30. 3um 1466 bur$ 
einen grteben unter «ufftellung be« SBifd&of* *on Reifing al« 
©#ieWri($ter beenbigt toorben toaren. 

Dagegen gelang e« ni#t, ben fiatfer nad& SWair« ©er* 
fragen für eine engere SSerbtnbung mit ben ttrittel«ba#iföen 
Surften t>on SanWfcut, $eibelberg unb Äöln ju gewinnen. 
(Eine SBerlobung be« ^rinjen ©eorg mit einer Softer be« 
Äaifer« blieb ein frommer StBunfö Subnrig« ebenfo nrie bie 
SBiebererBffnung be« ®rai«bac$er 2anbgert#te«, ba« na# ber 
Hufle^nung Subtoig« im ©art bur# faiferltcfyen ©efe$l ge* 
föloffen toorben toar. Subtotg fcätte e« gern erneuert gefefcn, 
nad&bem tyn bie Nürnberger 8anbgeric$t«frage belehrt $atte, 
»et($ $o$en SRang ber Äaifer ben alten faifertietyen ßanbgericfcten 
beimag. ©orbebingung für einen !aiferli#*toittel«ba($if($en 
©unb toar be« Äaifer« 8lu«f8$nung mit bem ^faljgrafen grieb* 
rid>, unb &on biefer »ollte ba« 5Rei#«ober$aut>t nid&t« toiffen, 
mochte Subtoig barum au# ©oten nac$ ©oten an ba« faifer* 
li#e $oftager entfenben. Die pfäljifd&en ©efanbten nmrben 
fogar Dorn SRegen«burger SRei$«tage (SMat 1471) jurüdgettriefen. 

3u biefer fett üßenfd&engebenfen glanjenbfien SReid&«oerfamm* 
lung, bie fi# ju einem großen Sage ber ß^riften^eit erweiterte, 
$atte ßubtoig mit feinem ©ofrte ®eorg, nrie auc& $erjog 
»(brecht Don 3Rün$en bem Cinjuge be« Äaifer« fi$ ange* 
föloffen *). Der 8anb«$uter toirb in einem ttalienifd&en ffierid&t 
al« ®#ufc$crr ber ©erfammlung bejei<$net unb frrtte in biefer 
flrigenföaft eine bebeutenbe $eere«ma<$t mit fi<$ geführt, bte 
außerhalb ber ©tabt lagerte 8 ). aufgeboten »aren iebo$ bie 
jEruppen nietyt eigentlich ju biefem ä^eef, fonbem »eil ft$ 
Submig &on ©eite ©ötymen« eine« Singriff« &erfa$: er $atte 

1) 9l\$t &on$arb, n>ie er irrig im Oberba^cr. *r#to IX, 401 ge- 
nannt mirb. 

2) SRone, Dneflenfainrafong I, 500. 

3) $ie Angabe: 5000 Weiter unb 20000 ju guß tfltx berienige, ber 
fte überliefert $at, Antonio be ftoraagnauo, Ubitore be« Legaten (bei 
fteiffertnatyer, 3)er große <£$riflentag ju ftegenftburg 1471, I, 74) 
fetbfl für übertrieben. 




2>ie (Enthüllungen be« $an« toon <Srl6a<$. 



448 



für nötig befunben ben Ärgtoofyi be« Äaifer« toegen biefer 
£ruppenan$äufung burcb eine ®efanbtfc$aft ju beftb&icbtigen 1 ). 
©c$on toaten bie ßrieg«leiben fotoeit öertounben, baß ber £>erjog 
bur<$ ^racfctentfaltung atte anbeten gürften überftra$len fonnte: 
man betounberte feine ja^lreic^e, ganj in ©d&arlacb gelleibete 
Wetteret. Sßieber aber ftaren bie t^atfä^lid^en Srgebniffe biefe« 
fotoie ber jtoei folgcnben 3lug«burger 9leicb«tage (grfiftabr 1473 
unb 1474) überaus gering, »ergeben« bemühten fitty fiaifer 
itnb $apft bie ganje ß$riften$eit jum ftampfe gegen bie 2ür!en 
ju entflammen 8 ), bergeben« forberte ber Äaifer, burdj bie 
matbfenbe ®efa$r für feine $au«tanbe enblicb au« feiner ®leic$* 
giltigfett aufgerüttelt, bom Steide 10 OOO SWann gum außen* 
Midli$en ©d^ufe ber ®renje, bie Vorbereitungen eine« gemein* 
famen Selbjug« für ba« näcbfte 3a£r unb bie (Erhebung be« 
je^nten Pfennig« &on allem ßinfommen im 9?ei$. fterjog 
Subtoig terfprad? 600 üBann gegen bie Jürfen, be« Äaifer« 
JBegebren aber, baß er biefe Struppen amb gegen bie äufntyret 
in Öfterreicty bcrtoenben bürfe, nmrbe bon ber 8anb«$uter 
Sanbfdbaft abgef$(agen. 

3n ben inneren ©treitigfeiten ber jungen SWün^ner fterjoge 
mar üubnrig mit »abruft väterlicher gütforge toieberfcolt al« 
Vermittler aufgetreten unb batte burcb feine unbeftrittene 
Sutorität bie beftcn (Erfolge erjielt. Damal« nun erfolgte »on 
©eite be« jungen $crjog« ffiolfgang ein ^eftifler Singriff auf 
SDiartin SDiair au« ®rünben, bie in ber ®efcbicbte ber SWüncbner 
$er$oge barjulegen fein »erben. Subroig nafcm feinen 9tat 
in ©$ufc unb erteilte tym ba« Sob, er fei immer befliffen 
getwfen, i&m unb bem ganjen $aufe ©aiern in Ireue ju bienen. 
Crin früherer Diener ßubtoig« aber, ber toäfcenb be« töeic$«* 
tag« al« $erjog ffiolfgang« ©etretär (ftanjler) beföäftigt mar, 
$an« bon <£rlbac$, unterste ben angriff feine« $errn, in* 

1) gürflcnfac&en XII, 28f.; j<fct gebrudt bei tteif fernher I, 76 f, 

2) 2>a«fel&e 3iet fefct fty „ein bttbfö« ®pnu$ *>om $1. ©eifi", ber 
an ben Hegeuflburg« Sag bon 1471 anfnüpft. Cgm. 5919, f. 343 f. 
Über bie ©renelt^aten ber SEürlen in b«n freifingiföen Sanben in ÄSrnten 
unb eteiermar! 1473 f. Gesta epist. Fris., Scr. XXIV, 331. 



444 Subtoig, ^faljgraf gricbri* unb SRartgtaf «forest. 

bem er fich &on ben etnft burch SWotr geführten SJerhanb* 
fangen, treibe ®eorg &on ^obiebrab bie beutle Äitoigflfrone 
jumenben feilten, abtriften aerfchaffte unb biefe ^eimltd^ bem 
Äaifer fotoie bem Äarbtnallegaten aufteilte. Buch biefer 9tn* 
Wag jum ©turje be$ machtigen Wate« migglüefte unb rig 
nur feinen Urheber in« XJerberben. ffiährenb ber ftaifer 
grogmütig genug mar, üßair, ber früher boch auch in feinen 
Dienften geftanben mar, feine &etiä$rten ÄBühlereten nicht nach* 
jutragen, ftrafte 8ubmig an feinem früheren Diener (Srlbadh 
bie XJerlefcung be$ ämtSgeheimniffe* mit unerbittlicher Strenge: 
noc^ bem ©bluffe ber WeichS&erfammlung lieg er tffti in 
Wegenäburg gefangen nehmen, foltern unb hinrichten. 

ffiährenb fiubmig feine Bemühungen jugunften be$ $falj* 
grafen griebrich fortfefcte — im ©ommer 1473 ffattt er bar* 
über im ©ilbbab bei (Salm mit griebrich felbft, ben (grafen 
Don ffitrtemberg, ben ©ifchöfen bon ffiormä, ©peier unb (Sich* 
ftäbt fich beraten — , entfölog fich ber Äaifer jum äugerften 
unb verhängte am 27. SRai 1474 bie Weichet über grteb= 
rieh, ba er ohne laiferliche ©elehnung Äurmürbe unb We* 
gierung ber $falj an {ich geriffen unb mieberholt ben &uib* 
frieben gebrochen ffaU. ©chon im folgenben 3uni aber tonnte 
Submig burch bie $erfon feine« erften Wate« mit bem Äaifer 
in äugflburg mteber Unterhanbtungen megen beö ^faljgrafen 
anfttfitfen, burfte SWair bei feiner Unterrebung mit bem Äaifer 
e$ magen, einen fcherjhaften Ion anjufchlagen , auf ben biefer 
in heiterer Saune einging. (£in t>on SWair vorgelegte« »er* 
gleichtyrojeFt fcheiterte julefct nicht am Äaifer, fonbern am 
$faljgrafen, ber bie laiferlichen gorberungen nicht bewilligen 
tootlte. 

ßubmtg« SSerhaltni« jutn SWarlgrafen Wibrecht, ber feit 
1470 Äurfürft bon ©ranbenburg mar, mar normal ein ge* 
fpannte* gemorben. Glicht nur bag alte nachbarliche ©tretrig* 
leiten fortbauetten, Submig fanb auch neuen ®runb ju ©e* 
fchmerben in einem von Wibrecht 1471 ermirlten Privileg, 
monach nicht nur be$ Äurfürften Untertanen, Wate unb Dienet, 
fonbern auch beren Seute unb ©üter, felbft menn fit ju ©aiern 




$o$}eit M $erjog$ (Beotg. 



fle$8rten, ben bairlfchen ©ertöten endogen tourben. 1473 
toxtr bie ©pannung fo toeit gebieten, ba§ Ärieg Befürchtet tourbe, 
ober ba« 3a$r barauf gelang e« ber Vermittlung be« ©ifchof* 
von (Stc^ftäbt unb ber $erjoge von ©achfen enbltch aüe ©treitig* 
leiten jtoifchen ben belben gürften beijuleflen Stach allem, 
toa* vorangegangen, tvirft bte Unbefangenheit gteichtoohl übet* 
rafchenb, mit toelcher ber üttarlgraf bei ber $ochjeit be* $rinjen 
<8eorg bie töotle eine* alten väterlichen greunbe* be* 8anb** 
huter $ofe* lieber aufnehmen fonnte. 

SMcfc glänjenbe $ochjeit jählt ju ben prunfenbften geften 
eine« 3 e tolter*, ka* in ber Entfaltung ritterlichen ©chau< 
gepränge* unb freigebigen ätofioanbe* fd^metgte. ®ie jeigte bie 
ffiunben be* ftriege* vernarbt unb trug auf* neue ben 9iu$m 
be* reiben 8anb*huter $ofe* in alle ©elt hinau*. $rinj 
®eorg, ber bi* ju feinem brennten 8eben*ia$re unter Obhut 
ber STOutter in ©urghaufen erjogen Horben toar, hatte im 
9tovember 1468 an ber ©eite be* SBater*, unter geiftlichen 
©efängen, bie mit ben SBeifen ber Pfeifer unb ^ofauniften 
toechfelten, feinen ©njug in ?anb*hut gehalten, cor bem ©tabt* 
thore empfangen von ®eiftli$!eit unb 8bel, vom State ber 
©tabt, ben bürgern mit ihren grauen unb ber gefamten 
@$uliugenb. Die Jtinber fötvenften gähnlein in ben bairifchen 
garben, bie Crtoachfenen trugen brennenbe fterjen. ©chon 
1470 hatte Subtoig, toie bie* im toittel*bachifchen $aufe bie 
Weget toar (von ber nur bei ihm felbft eine $u*na$me gemalt 
Horben) feinem ©ohne von ben ©tänben gültigen taffen. Die 
erften 83ermählung*pläne jerfchlugen fich, juerft ber lange fefi* 
gehaltene mit ®eorg ^obiebrab* Softer , bann auch &*r nur 
flüchtig in* Äuge gefaxte mit einer lochtet ftaifer griebrich*. 
3m ©ommer 1474 aber fanb bie ffierbung ®ehör, mit ber 
al* Subtoig* Oefanbte ©if<hof Heinrich von $Regen*burg unb 
®raf griebrich »on $elfenftein am polnifchen §ofe auftraten *). 

1) Klagen über Übergriffe be* Nürnberger SanbgerUhte« würben jebo<h 
no<$ im SRai 1491 auf bem «nürnberger Sage vor £. äJtojimtttan von 
ben bairifchen $erjogen erhoben. Ärenner X, 404. 

2) 2>ie erpen Unterhaltungen am polnifchen £ofe ^atte fxopft 




446 



^Japft @ij tu« erteilte bie n?egen naher ©ertoanbfchaft bet ©taut- 
leute nötige $eirat«bi$pen« l ) unb am 14. SRo&ember 1475 
jog al* ©eorg* ©raut $ebtoig, bie lobtet JWnlg ftafimir«, 
in SanbS&ut ein, too fte ein au«erlefener ftrei« bon ftochjeitf' 
gäften empfing, gaft alle gürften öon ©üb* unb SKittet* 
beutfflanb toaren erfchienen, nicht nur bte Oettern unb ©er* 
bünbeten ber 8anb«huter, ^faljgraf Philipp, M« SWünchner 
£>erjoge, ©igmunb t>on STirol, bte f&hfifchen £>erjoge, fonbent 
auch ber ftaifer mit feinem ©ohne aRajimiltan , aibrecht unb 
griebrich &on ©ranbenburg, bie ©rafen Ulrich unb Sberharb 
*on SEBirtemberg, äßarfgraf »Ibrecht &on ©aben, bet (Srjbtfc^of 
&on ©atjburg, ber bte Irauung fcofljog, bie ©ifföfe t>on 
Slugäburg, ©amberg, greifing, ßichftäbt, $affau. ßubmig mar 
bamal« ffon feit Sauren ferner *on ?obagra heimgefucht unb 
feine früher fo ftattltc^e ©eftalt mar unförmlich burth ein Über* 
mag bon ©eteibt&eit. ©ier Diener hoben ihn au« bem Sagen 
unb führten ihn, unter ben Hrmen ftüftenb, ber ©raut ent* 
gegen. Die ©egrüßung«rebe hielt ba« oratorifche latent unter 
ben gürften, Sllbrecht &on ©ranbenburg, unb ba bie ©raut be* 
Deutzen noch unfunbig mar, überfefcte fie ihr ein Sbetmatm 
ihre« ©efolge« in« $olnifche. Sllbrec^t $atte feinen ©tolj 
bareingefefct, hinter bem <ßrunf fce« &mb«huter $>ofeö m$t 
jurüdjufte^en ; in 25 Sagen folgten ihm über 100 (Sbelbamen, 
hinter feiner ©emahlüt ritten auf Altern 14 Jungfrauen; 
fein ganje« ©efolge jählte über 1300 $ferbe. SUbrecht mar 
e« auc^ ; burd? ben ber ©räutigam am folgenben Sage feiner 
SReubermählten bie ÜRorgengabe überreifen lieg, bie in einem 
toftbaren $al$banbe unb 10 000 ungariföen ®ulben beftanb. 
©on allen gürften, auf öon ben ©täbteboten mürben ©effenfe 
bargebracht, nur ber geizige Äaifer mar mit leeren $änben 
erfchienen, ffidte jeboch fpäter, bom fturfürften Wibrecht bar* 

friebri^ äftauertiräer geführt, »orauf ein polmf<h«r 9tat nach 2anb«hut 
gcloramen mt. Cgm. 1953. ©. auch Contin. Andr. Katispon., 157. 
$drat«*ertrag, an«geflettt 31. 2X). 1474 in Habom (SRUgift 32000 fl. 
ung.), fteuburger <£.*«. XXXIV, f. 369—374. 

1) Scrtunbet *om ©if<hof &on «egenttnrg 19. H»firj 1475. $. *. 




©eorg* be* töetchtn. 



447 



über jur 9tebe gefteCtt, ein „^äftletn", ba« er felbft auf 1000 p v 
anbete aber nur $alb fo h oc h fragten. Söetm $ochjeit$mohl 
tourben mehr als breijjig (Sänge aufgetragen unb unter ®e* 
lagen, £änjen unb furnieren »erging bie geftooche. 

©ieben 3a^re fpäter befteüte {ich ein bairiföer Cbelherr, 
Xfamtö 3ub oon SBrudberg, bei bem ©eligenthaler Älofter* 
fd&reiber §anS ©etybolt oon $8chftäbt a. b. Donau eine ©e* 
fchreibung biefer §ochjeu$feftltchfetten unb ban! ber ebenfo 
trodenen ald ausführlichen Slufjeichnung, meiere infolge biefeä 
auftrage« entjtanb, fotoie bem lebhafter gehaltenen ©ertöte 
eine« ©ranbenburgerS äu$ SttbrechtS ©efolge l ) finb mir über 
Vorbereitungen unb Verlauf beä gefte* auänehmenb genau 
unterrichtet. SBir toiffen, in tpcld?cr Drbnung bie §erren unb 
grauen jur Äirche gingen unb bei ber lafet faßen, too fte 
beherbergt, welche ©egleiter ihnen jugetoiefen toaren, nrie Diele 
Dchfen unb ftälber, ©chafe unb ©chtoeine, ®änfe unb §ühner 
berjehrt tourben unb nrie fciel &on jeber ®attung bie einjelnen 
Ämter im Sanbe ju liefern hatten. Vor unferen äugen ent* 
ftehen nach ©toff, garbe unb Schnitt bie prächtigen 2tnjüge 
aus ©ammt unb ©eibe, SltlaS unb Damaft, überfät mit 
®olb, perlen unb flrbelfteinen, bie oergolbeten Deden, £aum 
unb 3eug ber eblen SRoffe. Der Jtranj oon großen perlen 
unb Sbelfteinen auf bem $ute be$ ©räutigamö mürbe auf 
50000 fl., bie lunft&olie $afte, in bie fein 9teiherbuf<h gefaßt 
fear, allein auf 6000 fl. gefchäfct. 9loch toar man frei oon 
ber ein äßenfchenalter fpäter fo ausgeprägten Vorliebe für 
fremblänbifche brachten; bon ber polnifthen ©raut meinte 
ber ©ranbenburger : fo fie einmal nach beutfeher ©itte [ich 
fleibet, loirb pe eine fehr toohlgeftaltete unb fthmude gürftin. 
9264 frembe $ferbe ttmrben toährenb be$ gefteS in 8anb«hwt 
gefüttert, in ber herjoglithen ftüche arbeiteten 146 Röche, bie 

1) 3n 3. 3. aRüUer« Cntbtcftcm ©taatScabtaet II, 351—384. 
@cv*ott« ©ihilberung bei ©eflcnricbcr U, 105—221. 3« bat 
gtnanctcu @<httberungen gehört au<h bie im beutföen Hrnped, Cgm. 
2817, f. 323—332. Über (S^xiflo^9 Stornier f. tat flgb. Äap. 




448 



gutarigft btf Heiden 



<&famtfoften ber $oc$jeit beregnete man auf 60766 fL rfatu- 
unb 73 Pfennige *). 

©erfen tmr aber oon biefetn beftec$enben Olanje einen 
©lid auf gubtoig« innere« Familienleben, fo a$nen toir ben 
trfibften ©egenfafe. Der $erjog $atte 1463 oon ber ftanjel 
$erab gegen (Seeleute, melc&e, o$ne re$tli$ gerieben ju fein, 
oon einanber getrennt lebten, ftrenge ®trafanbro$ungen oer* 
fünben laffen*), fic$ felber aber banb er ni#t an biefe Cor* 
förift. 8luf ©f^etg i$re« ®ema$l« lebte Amalie Don ©a$fen, 
nac^em ftc i$m jtoei ftinber geboren $atte, feit 1463 nfcbt 
me$r in 8anM$ut, fonbem in ©urg^aufen. $au«$alt$* unb 
$oforbnungen 8 ), bie ber $erjog für tyre $ofmetftertn , bie 
<Sifen$oferin, für tyren $ofmeifter, ftüctyenmeifter unb Pfleger 
3U SBurgfymfen erlieg, fünben oon ber ©orgfalt unb ©enauig* 
feit eine« 93erto>altung«geifte«, ber bie fleinften Dinge ni$t 
unbeachtet lagt, aber au$ oon einer Ctttette, beren fteife Strenge 
an ftanifcfce« $ofleben festerer 3a$r$unberte erinnert. Dag 
bie §ofmeiftertn toeber Sag no# 5Wac^t bie „furctytfame unb 
föridige" gürfiin allein laffen burfte, entfara($ jtoar nur ber 
allgemeinen $offttte 4 ), ber $erjogin gebraety nic$« Don fürft* 
lifym $runf, jie erfreute ß<$ bie erften fünf 3a$re ber ®e* 
feQfc^aft i^rrt Meinen ®o$ne«, empfing $te unb ba ®efu$e 
tyre« ®atten. 3mmer$tn bleibt bie befrembenbe £$atfa$e, bag 
ber $erjog feine grau ängftlicty abgesoffen $ielt unb faß tote 
eine ffiitme leben lieg. Der »erbaut, bog i$m i$r ©anbei 
ober eigene <5iferfu$t baju Hnlag gegeben $abe, ift jurü* 
juioeifen; na# ber $erfi$erung eine« 3^genoffen, ber fi$ 

1) @. bie offfjiBfen unb foejiftjierten HufjciAnunflen im Cgm. 1953 
unb 1955 (1956 ift nur «bförift ber lederen), toona$ Älud$o$n« 
««gäbe jn betätigen \% — Cinen fonberbaren Öegenfafc ju biefer 8er- 
föttenbung bieten bie tetttoeife gerabejn Ketotifen Vnorbnungen über bie 
$au*»trtf<$aft an Georg* $ofe ton 1491 (8er$. b. $ft. herein« f. 
ttteberbaient XVIU, 64f. r *gl bef. 71). 

2) Gebrndt bei Oe feie II, 245. 

3) Ed. © aa ber im Oberbatjer. *r$to XXXVI, 23 f. 

4) Stiege bei ©eeliger, S>. bentfd&e fcofranfieramt, 46. 




e$eli$e« «er^ltni«. 



440 



^iefür auf ba« 3*uflnte be« ganjen SanbeS beruft 1 ), mx 
«malie eine grau oon ganj tyroorragenber 9tec$tfc$affen$eit. 
S95a$ beit $erjog ju feinem »erhalten betoog, lägt oielme^r 
fc$on Hxnptit bur^bttden, toenn er fagt: Subtoig liebte feine 
<8ema$lin anfangt $erjli$ unb fie meinte bei i$m in Sanbd* 
$ut — bann aber oerfefcte er fie na* ©urg^aufen. Äußerungen 
be« äbte« ängelu« {Rummler *) laffen feinen Bmeifel über bie 
ffia$r$eit, bajj ber finnli$e gütft bie ®ema$lin au« feiner 
SRäfa entfernte, um ungeftört Oelüften nadfoufcangen, benen er 
felbft feine ©etyranfen auferlegte unb toetetye bie 3a$re feiner 
®efunb$eit unb Äraft überbauerten. Snbeffen lebten in biefer 
3eit nur toentge gürften, Don benen ni$t galt, loa« Subtoig 
oon fltyb oon 9Ubrec$t «dritte« fagt 3 ): üßein gnäbiger $err ift 
aud) oft im 9larrenfc$iff ber ©u$lfc$aft nachgefahren! 

©$on neigte fid? ßubtoig« geben bem Snbe ju, als i$m 
bie Hoffnung auf reiben fianbgetoinn nrinfte, bo# nur um ficty 
aWbalb at$ trüger ifc$ ju ertoeifen. Äm 5. (Januar 1477 fiel 
Äarl ber ftü^ne oon ©urgunb im Kampfe mit ben Cibgenoffen 
unb Unterlieg als (Srbin nur eine Softer SWaria 4 ), toelctye 
tyrem ©räutigam, äßojimilian oon Dfterreicty, mit ©urgunb 
aud^ bie früher n>tttel«ba<$ifc$en SWeberlanbe, bie ®raff$aften 
f>oflanb, ®eelanb, grieälanb unb $ennegau jubringen follte. 

1) $auer, clm. 1214, f. 223. 

2) ©<i Oefele I, 105. 106. 2Ritter mfitler, 3Kbre<$t in., $at 
biestere ^arafteriftif^e ©teile nt^t nur bea&gtt<$ ber qterfon be« ftürften 
mijjoerfianben. Sti u d$ o$ n »itt (351) töumpler« Angaben feinen Glauben 
fluten, »eil fie ein äJfcnftynatter foSter getrieben »urbar. 2)«« $er- 
jog« lefete 2eben«ja$re fielen icbo<$ mit töumpler« Sugeub jufammen; 
ob biefer früher ober fofiter aufjd^nete, toa« man fty baraal« erj$$Ue, 
fc^eint mir in biefem Salle gtei<$giltig. 

3) 2>enfo>ürbigfeiten ed. ©öfter, 125. 

4) 3nr ©efeitigung «ine« gRißterWttbnfffel fei bemerft, bafi ber 
„$erjog Subttrig ton ©alern", ber na<$ gugger« ©eföreibung (cgm. 
896, f. 14 v.) im 9tyril 1477 ju ©rügge al« $rofurator SWajcimilian« 
ba« ©eilager mit SRaria na$ bem auffälligen gfirftenbraud>e be« Seit- 
alter« feierte, ui$t £. Subtoig ber 9fci<$e, foubern ?fatjgraf fiuburig L 
ber @<$toarje t>on 3u>eibrfi<fen-©elbenj toar. 

Htejlc*, «efAi^te ©afcnt«. HI. 29 



450 



<£$ tft ni$t befannt, bat ßubtoig gegenüber ÄarlS Sater, 
Itpp &on SBurgunb, mit bem er perfönliche ©ejiehungen an* 
gefnüpft, jeänfprüc^e auf biefe Öanbe erhoben hätte; je^t aber 
machte er ein n>ittel6ba$tf$e£ (Erbrecht geltenb, inbem er mit 
ber ^Behauptung fcröortrat, fcer frühere (Srtoerb ber lieber* 
lanbe &on ©eite ©urgunbS fei unrechtmäßig gemefen. Cr er* 
innerte Wibrecht IV. öon SWünchen an bie ©emeinfamfett i^rer 
3ntereffen unb am 9. gebruar 1477 lam jtoifchen ben betbett 
Settern ein »bfommen juftanbe, toonach fie ihre änfpröche 
gemeinfam geltenb machen unb bie ettoa ermorbenen 8änber 
teilen trollten 1 ). ©alb barauf bra$ eine ©efanbtfchaft ber 
beiben Sürßen nach ben SRiebertanben auf. Sie beftanb auä 
}tt>et (Sbelherren, $etnri$ 9?othaft unb ©igmunb *>on grauen- 
berg, unb jtoei iDoltoren, 3o$ann SKeuhaufer unb bem SHtötttnger 
tropfte grtebri<h SKauerfircher ; 3örg ©chieb mürbe toegen 
feiner Äenntniä $ollanb$ beigegeben. (SS ift ein ©chreiben an 
bie ©tabt JBeer erhalten, baä nebft ber äufforberung, bie 
bairifchen $erjoge al$ rechtmäßige (Srben ber üttieberlanbe an* 
juerfennen, ba$ SBerfprechen enthält , ba§ bie alten Freiheiten 
beftätigt unb neue verliehen »erben foUen. SBa^xfc^etnltc^ 
toaren ähnliche ©^reiben an alle niebertänbifchen ©täbte ge* 
plant, famen aber nicht jur 93erfenbung, ba ber öollftänbige 
SWi&erfolg beä planes alsbatb entjthicben mar SDie Oefanbt* 
fchaft gelangte nicht metter als in bie ©täbte ®orfum unb 
Dorbrecht ; an bem Unteren Orte tonnte fie cor oerfammeltem 
©tabtrate baS anliegen ihrer Herren vortragen, Söriefe an 
bie Statthalter ju $aag, na$ 3lotterbam unb JDelft, »eiche 
bie ©itte um ®eleit enthielten, würben ben ®e|anbten un* 
eröffnet jurüdgebracht. Die Sanbftänbe jufammcnjurufen fehlte 
ihnen ba$ Siecht tote bie äWacht. Über beren ©efmnung aber 
blieben fie nicht in 3toeifel; jte erfuhren, ba§ bie ©tänbe einig 
feien ber Zoster beS ^erjogS t>on Surgunb au hulbigen, fo* 

1) gürflcufo*en XI, f. 356f.; Brenner VIII, 260. 

2) 3ura ftgb. f. Wenhaufet« $eti<ht bei *>. SWuffinaa, Öefö. ber 
ttnie Straubing- $ottanb, 88 f. 




auf bie SRieberfonbe. 



451 



fern fie einen beutfd&en dürften gum ®ema$l nannte, unb ba{j 
pe aW folgen ben $ab$Burger SKajimilian gern fe$en tofirben. 
35on einem (Srbred&t ber 8Bittel«Bac$er sollten bie SRteberlänber 
nichts toiffen; na<$ i$rer Sluffaffung toar baäfelbe Befeitigt, 
na<$bem 3afoBäa bon S3aiern*$oüanb mit freiem gutem StBiflen 
Bei Sebjeiten bie Sanbe i$rem 93ertoanbten, $er}og $$iltyt> bon 
©urgunb, übergeben $atte. 8luf einen neuen $tan, ben ber 
um bie Unterftfifcung ber ®efanbtf<$aft eifrig beforgte, einer 
Bairifd&en gamitie entftammenbe §oflänber #einrtc$ ©attel* 
Boger anregte, baj? nämltcfy £>erjog W>xtä)t mit ber (Erbto$ter 
bon (Selbem ficf? fcerloben foHe, tonnten bie (Sefanbten toegeu 
mangelnber S3otltnac$t nicfyt eingeben unb audf fpäter ift man 
nt$t barauf jurüdgefommen. 

üßittlertoeile »ar an bie $erjoge ber faiferltd&e ©efe$l er* 
gangen 1 ), friegeriföer $tffe, bamit bie 5Wieberlanbe nicfyt 
beut Steide entfrembet mürben, ji$ Bereit ju galten. Die 
9nttoort, tt>el<$e bie Beiben dürften gemeinfam aBgaBen, mag 
am faiferlid&en $ofe ein bon $eiter!ett nictyt freiem ©taunen 
erfoedft $a6en. Sie Befagte in lalonifd&er Sfaffung, baf* bie 
$erjoge, ba bie 5RieberIanbe ifcnen erBtidfr juge^örten, Bereit* 
eine ©efanbtfd&aft borten abgeorbnet Ratten, um fi$ $ulbtgung 
unb ®e$orfam ju ertoirfen. 3Bä$renb aber na$ ber SRüdfe^r 
ber Oefanbten Subtoig feine ©a$e no<$ ni$t foglety verloren 
gab, ertoieS ber SWünd^ner $erjog trofc feiner 3ugenb unb 
feines nid&t geringen <S$rgeije$ gereiftereä politifctye« SSerftänbni«. 
8uf ba« toieber^olte Drängen be$ SSetter* ju »eiteren gemein* 
famen ©dritten lehnte er bie ^Beteiligung an folgen ab, ba 
er ficfy nun übergeugt $aBe, ba& pe Beibe lein Siecht auf bie 
SWieberlanbe hätten, unb ba tyre Stnftrengungen in biefer 8?ic$* 
tung nur jur gofge $aBen mürben, tynen bie Ungnabe be« 
Äaifer* unb ba$ üßigfaüen be« (Srj^erjog* SWajimitian gu* 
jujiefcn. ffiie unerwartet ber SWijjerfoIg ßubtoig traf, fte^t 

1) 25. gebr. an WBxe^t, gürpenfa^en XI, f. 425. 3mn ftgb. f. 
ebb. f. 390. 434. 435. 2>aß bie «nttoort an ben Äaifer, f. 390 (f. au<$ 
Mon. Habsbargioa I, 1. ©b., 463) toirflt<$ abging, jeigt t 434. 

29* 



452 



Sanbertoerbnngen fiubnrig« be« Mtyn. 



man barau«, bag et bem ©J^menBntgc auf bie ötnlabung 
feine« ©ohne« Oeorg jur fraget Ärönung«feter bereit« $atte 
antworten laffen f ©eorg toerbe nicht lommen fönnen, ba er 
toahrfcheinlich fehr balb jur Übernahme ber {Regierung nach 
$oHanb reifen muffe. aibrecht« töüdtritt tum ber gemeinfamen 
»Won aber toirb bann neben anberen ®rünben barauf ein* 
getoirlt ^aben, ba& ba« 93er$ältni$ itoifchen bem 8anb«huter unb 
aßünc^ner £>ofe in ber lefeten 3eit Subtotg« ein lühlere«, ja 
beinahe gefpannte« tourbe. 

Sßa« SBergröjjerung feiner Sanbe betrifft, fah fi$ alfo 8ub* 
toig auf ein paar Stofäufe befchränft, meldte ererbter toie er* 
toorbener Weichtum unb günftige (Gelegenheiten ihm i^atttt 
Ratten. Die toichtigfte (Erwerbung toax gleich bie erfte, burch 
welche bie 8anb«huter $erjoge auch in Schwaben guf? faxten: 
Harbern bie §errf<haft £>eibenheim (bei ©iengen) 1448 fcon ben 
©rafen oon §elfenftein an ffiirtemberg erlauft Horben mar, 
laufte fie Subnrig (16. Oft. 1450) um 60000 fl. oon feinem 
©chtoager, bem ®rafen Ulrich &on ffiirtemberg 1 ). 83on ftonrab 
ton §eibe<I ertoarb er 1455 um 50000 fl. ©tabt unb ©chtofc 
$eibe<I, Dorn ©rafen Ulrich &on Dttingen (1468 ober früher) 
bie ©tobt ffiembing (um 15 500 fl.) unb 1474 ©dfrlofi ©albern 
im ftieß, oom ©iföof SBilhelm Don ©chftäbt 1478 Dorf ©teta* 
heim *). Den oerpfänbeten bairtfehen Hnteil ber ©tabt ©eiben 
hatte fchon fein SJater 1450 eingelöft, ba« oerpfänbete ©eigen* 
horn löfte Submig 1475 oon 35rg oon {Remberg 5 ). 

9?a<h unb nach h«^e be« $erjog« Seiben gortfehrttte ge* 
macht, toelche toeber feine Ärjte, unter ihnen auch ein Subc, 

1) ©efäretbung be« Oberamte« $eiben$etm, 107 f. 

2) Oberbavcr. «r<$to IX, 404. 421. 433. 438. 

3) 8renner*@$äffer, $ef$. ber @5tabt ©riben, 41; *rn*e<I, 
412, ber an$ bie norbgauif^e fcerrfäaft Saber al« (Eroberung Sub»ig« 
nennt 1463 überließ 2ub»ig bem legten $errn bon 2aber, mit bem 
am 30. Suli 1475 biefe« julcfct fe$r Seruntergetoramenc grrifcerrm« 
gef$le$t an«fiarb, bem ©aljburacr 2>ombdon fcabemar VII., 2aber in 
Wegtodfe. «renner XIV, 353; $laf , 2He Herren bon Saber, 8erh- 
b. W- »et. b. Obertfatj XXI, 139 f. 




Snbtoig« ärantyeit. £flrtengefa$r. 458 



ÜWeifter W6ra$am l ), no# ber 8ltc$emift, äWeifter $einric$ Don 
$etbelberg — toietoofcl btcfer ba« Seben be« dürften no# um 
je$n 3a$re ju verlängern fcerfproctyen ftrtte — ju belämpfen 
&erraoc$ten. Hm 26. gebruar 1478 manbte ft$ ßubtoig an 
ben orbentlic$en ^rofeffor ber SKebijin an bcr Sngolftäbter 
$o#föule, feinen 9tat Crfytrb Sßinbflberger, Beauftragte tyn, 
t$m bie SRattoität ju ftcüen unb feinen Buftanb ju beutteilen 
unb fanbte i$m ju biefem 3^cde außer brei mcbtjtnifd^aftto- 
nomiföen ©Triften feinen lauffd&ein. £>ie Hftertoiffenfd&aften 
ber Äftrologie unb Slldjemie, Oeomantle unb Sfcefromantie 
ftanben bamaW in tyrer erften ölüte unb Ratten an Subnrig 
einen gläubigen 3ünger; au# „bte Stunft nictyt tounb ju tuet ben" 
toedte feine £eilna$me, toie ein an Utrtc^ &on greiberg ge* 
ric&teter ©rief be« gürften jeigt 2 ). $rofeffor Öintaberger 
aber fteflte na$ (Smpfang be« $erjogli$en «uftrag« fofort feine 
SSorlefungen ein, um monatelang mit fötoerer SWitye „für 
feiner ®naben ®efunb$eit ju arbeiten". Da« (Srgebni« feiner 
©tubien toar, ba& ben ptften im lommenben Sinter eine 
fernere ftrantyeit befallen unb töbli<$ verlaufen toürbe, toenn 
nid&t getoiffe ärjneien bagegen angetoenbet tofirben, bie er 
glfidßid&ertoeife bereiten ju ßnnen glaubte. BM er ieboc$ mit 
tynen na<$ 8anb$$ut !am, fa$ er ß$ oon feinen ftoßegen am 
|>ofe mit ©pott empfangen. 

Damals brauen bie lürten nrieber über bie ®renje be« 
Weid&S, bi« (Srbing »urben einzelne glfl^tlinge mit ffieib unb 
ftinb gefc$euc$t. 3um ©#ufc ber 8anbe$grenje jogen bairifcfc 
Streitfrage im Sluguft 1478 na# Iraunftetn unb flifebü^l 
unb am 29. ©eptember tagten in 8anb$$ut jur Beratung Aber 
bie »bn>e$r mit ben Sanbftänben SJettreter ber ©ifc$5fe 8 ). 3» 
Jlnfang be« 3a$re« 1479 berfud&te Subtoig jtotfc^cn ben <&xy 

1) 1471 in Subtoig« «rjt ernannt; Oberbaar. «r$ib IX, 414. 
3um flgb. f. 3citför. f. «aiern, 1817 (11,2), 377 f. 

2) Com 3a$re 1464; Oberfotyer. «r$to IX, 398. 

3) @t.-G$r. XV, 322. (Sine größere »erfararatung ju glei$ent 3tt*(! 
tourbe na$ SubtorigS £obe, am 15. SWfirj 1479 in greipng eröffnet* 
e. tttnpect, c. 414. 



454 



fflüdblid auf <S$aratter uub fflegicrmtg 



btfchöfen bon ®ran unb ©aljburg ju vermitteln; aber föon 
am 13. 3amtar tourbe feine Äranfheit bebenflich unb am 
Äbenb be« 18. fcerfchieb er. ©eine Seiche mürbe nach feinem 
ÄBunfche ohne fürftlichen ©chmud im Ätofter Seligenthal in« 
®rab gelegt unb mit Äall unb (Srbe überf chüttet, mit fürft* 
liebem $runl aber, in Antoefenheit vieler ©efanbten von gürften 
unb ©tabten beging man bie £rauerfeiertt$feiten. 

Diefe* meberbairifche 8anbe$fürftentum mar ju einem in 
fleh abgesoffenen, toohl abgerunbeten, mit reichen Hilfsquellen 
auägeftatteten Äörper im Steide ertoac^fen. Huf feine ©tärlung 
unb ©efeftigung, auf ba$ 8Bach$tum mittet6ba$if$er üJiacht 
unb <&hre jielte bie 2#ätig!eit eine« Surften, ber burchbrungen 
mar von bem lebhafteften ®efü$l für Weckte unb ©ebeutung 
feine* fürftlichen Amte«, gefchtoellt von unttaren (tftorifc^en 
Erinnerungen, toelche bie SSergangenheit ©aternS über bie 
Sßahrheit groß unb glänjenb erfcheinen liegen, geftüfct auf per* 
fönltche ®aben, tone fie in ber ritterlichen ©efettföaft am h&hften 
galten, unb auf ererbte ©chafce, tote fie noch feinem batrifchen 
$**joge jugefallen maren. SWeben biefen ©eftrebungen blieb 
toenig Kaum für bie Teilnahme an ben Angelegenheiten eine« 
jerfaüenben unb fehlest geleiteten {Reichel, beffen Autorität fogar 
auf tätliche SWifcachtung ftieß, toenn fie mit ben 3ntereffen 
be$ SanbeS unb be$ gürften in 3roiefpalt fletriet. 3Wit feinen 
©egnern, Wibrecht Achilles unb Äaifer griebrich oerglichen, hebt 
fleh Subtoig« ^erfönlichfeit gerabe burch ©orjüge, »eiche auch 
bie moberne fflelt ho<hf<h&fet, vorteilhaft ab. «Bohl toar Wibrecht 
geiftreicher unb glänjenber; aber von ihm hatte niemanb rühmen 
Knnen, roa« (nidht ohne ©ettenblid auf be$ ©ranbenburger« 
treulofen ßharafter) ber Nürnberger SDtdhter §an$ SRofenpluet 
von Subtoig fang: ©ein 3a, baS toarb nie Stein gefunben; 
toeS er mit Sorten fich fcerbunben, bie Knoten tourben nie 
aufgeföft! Cor bem Äaifer ^attc ber ffiitteldbacher ba« echt 
fürftliche unb echt ritterliche ffiefen, Wühtigfeit unb Energie, 
auch öerftänbniS&olte ©orge für bie SSertoaltung aorauS. 

(Sin ©lid auf bie innere Regierung be$ Sanbe* geigt un« 
übertoiegenb erfreuliche 3%. ®er öffentlichen Sicherheit blieb 




Subttig* be« 9iel<hen. 



455 



ber ^etüorraflenb flute {Ruf getoahrt, ben fic unter ber JRe* 
gierung be« SBater* ertoorben ^atte. gfir bie {Rechtspflege unb 
$olijei bezeichnete bie 8anbe*orbnung, toelche Subtoig nach langen 
Borbereitungen unb toieberholten Beratungen ber ßanbftänbe 
1474 erlieg, mannigfache gortfehrttte. $anbel unb SBerfehr 
tourben vom $erjoge gefc^ü^t unb geförbert ©chtvere Übel-» 
ftanbe im 2Rünjtoefen teilte ba* Sanb mit ben SRachbarn. Sange 
hatte {ich 8ubtoig bemüht, bie flechten üßünjen ber üRachbar* 
färften burch ©erbot fernjuhalten , mit feinen Sanbftänben 
SRünjreformen ju vereinbaren, bei ben dürften von SWünchen 
unb ber $falj torie bei ben 33ifch3fen auf gemeinfame SWag* 
regeln jur $erfteHung befferer Oelbverhältniffe ju bringen. 216er 
ba anbere gfirften, befonberd Öfterreich, ©aljburg, ^ßaffau, 
mit ber Ausprägung mtnbertoertiger üBfinjen vorausgingen, 
lieg ftch auch ßubtoig toie früher fein SBater auf biefe Verhängnis* 
volle ©ahn verleiten. Cr lieg bie guten SUiünjen einfehmeljen 
unb neue prägen, bie nicht ben vollen fflert hatten 1 ). Unter 
bem tarnen ©chinberlinge toaren biefe mtnbertoerttgen toeigen 
Pfennige übelberücbttgt. 3 U * Grntfchulbtgung feine* ©erfahren* 
aber lonnte man barauf htotoeifen, bag, toenn ber gürft felbft 
nicht fo hanbeltc, bie gute SWünje in ba* SluSlanb ging, bort 
eingefchmoljen tourbe unb in Rechterer SluSprägung nach ©aiern 
jurfldtftramte. SMe natürliche golge aber ber äßünjverfchlech* 
terung toar allgemeine unb augerorbentliche Neuerung. 3uk# 
fott bie Steigerung böhmifcher ©ölbner in biefen flechten 
SDWnjen ihren ©olb ju empfangen ben Anflog baju gegeben 
haben, bag Subtoig au befferer SRünje surüeffehrte 2 ). 

1) ftaih ber 2anb$huter töatSihronif, 308, im Sah« 1459. Wach einem 
€aljburger (Shronijfcn (vgl. ©. »oigt in v. ©$befe $iftor. 3eitf(hr. V, 
450) ift ber Äaifer mit ber «ufyrfigung von ea)inberlmgen voran- 
gegangen, von öflerreic&ifiher Seite heißt e$ umgefehrt, Crjhetsog «lbre*t 
unb fofiter ber Äaifer feien bamit nur bem balrifchen «eifoiel gefolgt 
($uber, (Sefö. Öflerreia)« III, 158) , »obei an $. $etori(h« SKag- 
uahmeu (»gl. oben, @. 362) ju benfen fein nrirb. 

2) «veutin. Über bie SWünaverh«tnif[e f. aua) Ärenner, V— VII 
passim. 




456 



3nnere Regierung 



3n ber ©ertoaltung fftxxfött ©rbnung unb ftrenge Über* 
toachung. <£* fehlte nid?t an SWagregeln unb ©erorbnungea 
jur $ebung be« Hcferbau« unb ber ffialbtoirtfchaft. Der $erjog 
lieg Don Überfcbtoemmungen angerichtete Stäben au*beffern, 
forgte für btn Hnbau fcon Öbungen, erleichterte nach S&w* 
gerungen be* Ärieg* bie ffiieberbetoirtfchaftung fatt mit* 
genommener ®üter burch ©orfchüffe unb 3infenna^Iäffe. Der 
Setrieb ber ©aljtoerle ju 9teichenhaH erfuhr beffere Drbnung, 
befonbere ffiichtigleit aber für ben ffiohlftanb be« 8anbe* unb 
bie ©lüte ber ^joglichen ginanjen Ratten nun bie 3nnthaler 
©ergtoerte gewonnen unb Subtoig berfäumte nicht , bem ©ei* 
foiel feine« Sater* folgenb unb unterftüfet &on feinem ©erg* 
bertoefer geonharb ©auernfeinb, über bem ®ebei$en biefer 
fegen*rei<hen dnbuftrte mit beforgtem Äuge ju machen x ). 

SWit feinen ©tänben lebte Subtoig in grieben, inbem er 
ihre Stechte toahrte, ohne feinen eigenen ba* geringfte ju ber* 
geben, gaft alljährlich berfammelte er fie unb lieh ihten oft 
weitläufigen Klagen unb SBünfchen ein geneigte* Ohr. Die 
©erfchmeljung ber Sanbföaft bon ©aiern*3ngolftabt fotoie fchoit 
borher be* an Heinrich gefallenen ©traubinger Anteil* *) mit 
ber 8anb*huter ßanbfchaft boHjog fich ohne ©chtoierigfett, anber* 
al* im SWünchener Sanbe, too in ben ©täuben be* räumlich 
abgefonberten ©traubinger SWcberlanbe* noch 3ahrjehnte nach 
ber Bereinigung eine partilulariftifche ©trömung fftxxfött. 
©chon al* gefchloffene* Territorium toar ber 8anb*huter Teil 
in günftigerer Sage ; gegenüber bem SÄünchner SEeil genojj hier 
bie fürftliche ©etoalt auch ben ©orteil, baß ihr Träger ftet« 
nur eine $erfon toar. Dag e* gleichtoohl auch im Sanb** 
hutifchen nicht ohne {Reibungen mit ben ©tänben abging, be* 
}eugen auger anberem bie ©orte, bie Don ffiolfgang bon Hheim 
erjählt »erben. „<£rfenne, gürft", — foll biefer mit ebtem 

1) m$ttt» f. unten im 4. flautet. 

2) Offizien toirb ba* 3ngotftäbter Sanb an ber 2>onau nun „enhalb 
2tfy" ober Dberlaub, ber ©traubinger fceil „t>or bem »ehamer ©alb" 
genannt €>o im 41. greibrief bou 1450. 




greimut ju Subtoig gefagt $aben — „bat* bu be« SJolfe« toegen 
ba btft, ni$t ba« SJolf beinetn>egen ! ffio^l bejlfceft bu bie 
fürftlic^e Oetoatt na# (Srbred&t ; aber toa« toäreft bu, tocnn bu 
leine Untertanen $ätteftl" *) Der langwierige SWarfgrafen* 
Weg er$eiföte fötoere gorberungen an bie ©teuerfraft be« 
Sanbe«, bie nur erfüllt »erben fonnten, toetl bie „reiben" 
$erjoge au# Aber ein toptytyabenbe« 8anb $errf$ten. Com 
ganjen Solle, rei$ unb arm, geiftlicty tute toeltlicty, toarb ba* 
mal« ber jtoanjigfte Pfennig geforbert unb bejaht. 2l(« aber 
foäter für bie HuSfteuer ber ^rinjefftn Margarete normal 
eine $o$e außerorbentUd&e Steuer erhoben ttarb, flieg Submig 
beim »leru« feine« Sanbe« auf ffitberftanb. Die $if$öfe 
fd^icften eine Oefanbtföaft an ben $erjog mit bem änfuctyen 
&on biefer Steuer abjuftefcen. Da er ni$t barauf einging, 
tarnen fte felbft an ben $of (1475), Ragten, bog bie gretyeit 
ber Äirctye beriefet fei, unb brotyen mit fir$li<$en 3 cn faren. 
9iun fanb ber $erjog SRad&giebigfeit geraten unb lieg bie Dom 
Äleru« bereit« erhobene ©teuer in greiftag an SBtföof ®i$tu« 
jurücf [teilen, toorauf bie 89if#öfe bur$ eine freitoiötge Siebe«" 
gäbe einen Keinen firrfafe gemährten 8 ). Unter ben görberew 
ber Rrc$lic$en JReformbeftrebungen feiner 3eit fte^t Subtoig mit 
in erfter JRetye unb in ber Untoerfltät Ongolflabt $at er ber 
geiftigen Hrbeit unb ber Ougenbbilbung ein $eim gegtünbet, 
ba« 3a$r$unberte Überbauern unb mit tynen machen feilte. 
Die nähere ©dfrilberung feiner 2$ätigfeit na# biefen {Richtungen 
aber gehört in ben 3ufamraen$ang be« lir$li$en unb geiftigen 
Seben«. 

1) ©o m KnmpUx; Oefele I, 116. 

2) *rnj>e<!, 409. 




458 



Gr)ie$ung ber ©Bhne «forest« III. 



«Ureflt *er »etfe. 



gtn botte$ 3ahrhunbert lang, burch brei ©enerationen, 
hatte im nieberbairifchen 8anbe$tetl ftet« nur ein Srbe bie 
$errfchaft übernommen. ©eiche ©unft be$ ©chitffaW barin 
lag, tritt am ftatften jutage, toenn man bie mißlichen SBer^ält* 
niffe in ber ÜWünchner Stnie bergf eicht, too unter ben s Jiach* 
folgern »Ibrechi« III. ba« Crbübel be$ $aufe$, ber ©rubere 
jtoift, auf« neue in giftiger ©aat emporflog, günf ©ö$ne 
fiberlebten «Ibrecht in.: 3o$ann, ©igmunb, «brecht (IV.) f 
ßhriftoph unb ffiolfgang, bon benen ber altefte bamaW im 
23. , ber ifingfte im 9. Sebenäjahre ftanb. Sern ©ater, ber 
felbft einige Sugenbfahre am ©ifce einer Uniberfttat jugebracht 
hatte, toar bafflr geforgt toorben, bag bei ihnen Jene firinfeitig* 
feit ber ritterlichen Ghrjiehung, toie fie am ÖanM^uter $ofe 
Ablief toar, bermieben, bielmehr auch ber ©inn für SBtften* 
fchaft unb ffünfte in ihnen getoeeft toürbe. Magister artium 
Ulrich ©reimolt bon SOBetl^cim tourbe 1452 als Srjieher ber 
älteren ©6hne beftedt. SRoch finb ©Triften erhalten, toelctye 
©reimott im Dtcnftc feine« ©erufe* anfertigte ober abfaffen 
lieg: 2lu$jüge au« bem Suche be$ Sgibiuä bon 9tom de re- 
gimine prineipum unb eine bon &iea« ©ilbiuä für ffönig 
8abiStau* berfagte Hbhanbtung, bie (Johann ©lityacher bon 
2)?el!, einer ber ft&fyxtx ber Ilöfterlichen SReforrabetoegung, ©reU 
molt auf feine ©Ute nebft brieflichen SRatfchlägen mitteilte *). 

Sodann unb ©igmunb ffattt ber Safer noch bei Sebjeiten 
at* feine STOitregenten eingefefet unb ,in ber {Regierung geübt*. 
Die lefete 3eit bor be* ©ater* lobe fcheint 3ohattn in fflom 
gemeilt ju ^aben, mohin ihm Hlbrecht unb ffiolfgang nach* 

1) Olm. 19651. 




2>ie $er$oge 3ohann unb ©igmunb ton SRflnchen. 



gefolgt toaren 1 ). SHbretyS III. lefeter ffiiüe befagte, baß bic 
gtoet äfteften ©ityne mit einanber regieren foüten *), fuchte alfo 
»eiterer 8anbe«tetlung, bie ja aud^ unter feinem SJater unb 
£>$etm glüeflich bermieben »erben fear, fcorjubeugen. ®emäß 
biefer väterlichen änorbnung übernahmen 3ohann unb ©ig* 
munb gemeiufam bie 3 ö 8 eI ber ^>errfc^aft , »ährenb bie 
Jüngeren ©rüber in SBolfrat^aufen 3 ) ihre ©tubien betrieben. 
Die ©tänbe ^ulbigten (7. äug. 1461), nachbem ihnen ihre 
greihetten beftätigt toorben, 3ohann unb ©igmunb aW regier 
renben Herren, ben jüngeren ©rübern, „bie noch nicht ju ihren 
bogtbaren Sauren gefommen feien", al$ regten Srbherren unb 
8anbe$fürften. Die SWünchner unb ©traubinger ©tänbe tour* 
ben befonberä einberufen unb jeber ber beiben SanbeSteile ffnU 
bigte für fleh. Die ©traubinger 8anbf<haft beharrte auf ihrem 
Staforuch nicht außerhalb be$ SRieberlanbeö fcerfammelt ju 
»erben ; ihre 9titterfchaft, $an$ bon Degenberg an ber ©jrifee, 
proteftierte im 2tuguft 1463 gegen bie Einberufung ju einem 
ganbtage nach Pfaffenhofen, ba fte fout ihrer Freiheit „an 
folche* Cnb ju fommen nicht fchulbtg fei" 4 ). 

Die $erjoge foüen fich anfangs mit bem ®ebanlen getragen 
haben gegenüber bem Sanböhuter $>ofc ben ©rbinger Vertrag 
anjufe^ten unb auf ba$ 3ngoIftäbter ßrbc nachträglich Slnforüche 
ju erheben, ba ihr S3ater nicht berechtigt geroefen fei burch 
Serjicht hierauf feine Äinber ju berfürjen 5 ). 3nbeffen toarb 
biefer $lan balb fallen gelaffen, ba$ in ber legten 3*ü 
ÄlbrechW III. geftörte gute firtnbernehmen mit $>erjog Submig 

1) 2)ie8 ergiebt ftch au« be3 tötfolauS b. (Jufa Dialogi de ludo globi, 
in beren erjiem ©u$e 3ohann, in beten jtoeitem 8lbre$t ben 2>ialog 
mit bem Äarbinal unterhält. Nicolai de Cusa Opera (1565), p. 208. 
224. Ü6er bie 3eit bgl. @4art>ff, b. (Sufa, 220. 

2) 2>aß biefe *Ra$ri$t Brünett richtig ijt, geigt eine (SrflSrung, bie 
«brecht IV. um bie SRUte be« 3ahre* 1465 au« «nlaß feiner 3fofortt<he 
auf SWüregierung erließ; cgm. 5482, f. 138—143. 

3) Bu« cgm. 5482, f. 146, bei ffieften rieber V, 40. 

4) Ärenner V, 57. 65. 100; VI, 7f. 

5) to. ©affetholbt-Stocfheim» «I6re<ht IV. I, 3^6. 




460 



$. ©igmnnb nttb feine ©(fyoeßern. 



lag ju fe$r im 3ntereffe ber beiben ßinien, um nidfrt ttrieber 
^etgefteUt ju »erben uno toarb am 17. Dejember 1461 bur$ 
einen Vertrag befiegelt, toorin Subtoig ben 2Wün#ner Settern 
toegen ber ©auftrage unb be$ ®al$anbeW (Sntgegenfommen 
ertöte« 1 ). 3m STOarfgrafenfrtege bulbeten bie SDWin^ner $er* 
joge jioar, bag ber größere Seil i$rer 9iitterfc$aft in Subioig« 
@olb trat, behielten ft$ ieboc^ felbft neutral, tooju nic$t nur 
bie Abmahnungen i$rer ©tfinbe uno be* Äaifer* rieten fonbern 
au# ber ungflnftige ©tanb i&rer ginanjen. Än bem 3öftanbe^ 
fommen be« grieben« $aben bie $ er i°8 e to" 11 «faB 8** 
arbeitet *). 

Die befd^ränften STOittel ber $erjoge toaren au$ ba$ tou$* 
tigfte fmtbernt*, an bem bie f$on 1456 berabrebete SJermätyfong 
©igmunb* mit SWargarete, Softer be$ Äurfürften griebridfr II. 
bon ©ranbenburg föeiterte, infofern fte ben dürften ju über* 
triebenen änfrrü^en oeranlagten 3 ). ©igmunb blieb nun uiu- 
oermä^It, lebte aber jahrelang mit Margarete ^fättenborferin 
jufammen, mit ber er jtoei ©öfyie unb eine loctyter erjeugte 4 ). 
SSort ben ®#toeftern ber $erjoge tourbe bie iüngfte, SBarbara, 
ba f$on bie äuäftattung ber betben älteren ©tyoierigfeiten 
machte, bereit« als fünftägige« ftinb 1460 im 3Äünd&ner 
HngerKofter untergebracht, too fte f^ätcr bie ©elübbe ablegte 
unb in iugenblidfcem älter (1472) ftarb 6 ). gür 6lifabet$« 

1) Oefele n, 359. 

2) Sgl. oben, ©. 415 u. 422. 

3) hierüber unterrichtet genau bie Äorrefoonbenj bei Songoltu*, 
9Ga<$ri($t bon einer borgetoefenen Beirat ©igmunb* ;c. ($tftor. «bfymb- 
lungen b. turfürfll. baier. «fab. b. ffiiff. II, 1764, 140—181). Über 
ben bajmiföen ttegenben ©eiratfytan mit einer Softer befi SWarfgrafen 
SKbre^t f. ergctngenb oben, @. 397. 

4) @. u. a. Oefele II, 267. Waä) ©tod$eim, 332, n>ar Mar- 
garete bie ©&efrau be* Sien^art $artn>eiu. 

5) *Ra<$ einer % uf jeii$ nung au« bem Sfagerftoßer (erfi au« b. 16. 3a$r$bt, 
im£otenbu($ biefe9 Äloficr« im 8., f. 67; gebrueft bei @totf$eim, 757) 
$abe ber Äemg bon granfrei<$ (Subnrig XI.) bei tyrem ©ruber «tbretft 
um tyre $anb angehalten, bie «prinjeffln aber au« Siebe jum ftöper- 




Statteniföer ©tublenaufenthalt ber jüngeren $rtajen. 461 

83ermähtung mar noch bom 83ater geforgt morben; im SRo* 
fcember 1460 warb fic mit bem fturfürften (Srnft bon ©achten 
getraut. 3m September 1462 braute eine na$ SWantua ge* 
fdbidte bairif$e ®efanbtfchaft auch bie (Sheberebung ftU>if$en ber 
älteften ©chtoefter SWargarete unb bem SWarfgrafen Subtotg 
©onjaga juftanbe. 9iur gegen mannigfache 3ugeftänbniffe unb 
Vertretungen bewilligten bie ©tänbe eine $eirattfteuer, )U 
treibet bte ©tabt STOünchen aüein 2000 fl. ju jaulen hatte 
Die 83ermfi$lung fanb, toie e* Weint, im 3ttai 1463 in 
SWantua ftatt. 

Vielleicht gab btefe* (Shebünbni* ben »nlag, ba& auch bie 
brei jüngeren $rinjen, Wibrecht, 6htiftoj>h unb ffiotfgang, 
auf ben {Rat be$ ^etioglfahen Äanjterä, be$ 9tegen«burger 
Domherrn Stomas $irfhetmer, jur gortfefeung ihrer ©tubien 
«ach 3talien getieft nmrben. ffitr hören , ba& in $afcta für 
fie Urberge befteHt toirb, ftnben fic bann alt ©tubierenbe in 
Perugia, ©tena unb {Rom. 1464 wohnte SBolfgang mit feinem 
€rjteh^f tew greiftnger Domherrn, STOagifter ftafoar ©chmtb* 
häufet au* München, in Perugia *). STOit bemfelben unb fünf 
anberen bairifchen Segleitern finben totr ihn bat 3ahr barauf 
in ©ologna immatritoliert 8 ); 1467 unb 1468 ftubierte er, 
begleitet oon feinem $ofmeifter Heinrich Äbeljhaufer, an ber 
Unfoerfitat $abia »irchenrecht 4 ). $irlheimer ertohrtte für bie 
$rin)en ßhriftoph unb ffiolfgang um fehlere* ®elb manche 

lüftn 8cben ben Sfotrag anSgeföfogen. 2>ie fttfte «Ra<$rU$t tann in 
biefer gorm f$on barum ni$t richtig fein, toeU fiubtoig* XI. jtoeite Qk- 
ma^Iin Charlotte bon ©aboien (feit 1457) erji 1483, 1. ©ej. ftarb; flehe 
P. Anselme, Hißt, gänöalogique de la maison royale de France 
(1726) I, 122; Litta, Duchi di Savoia, Tay. X. 

1) Ärenner V, 93f. 98. 

2) Clm. 19652 toarb bort in feinem $aufe unb toohl jum 3**** 
feine« Unterste getrieben. Sgl. au<$ b. ©tod^eim, 330; ©unt- 
heim bei Oefele JI, 571. 

3) Acta nation. Germ. univ. Bonon. 

4) gfirftatfatfen XI, 127; ©eflenrieber V, 206; Bremberg 
IU, 189. 




462 



Zob 3o$onn0 *on 3Rün<$en. 



©nabenbrtefe unb ©ityenfe, u. a. bic (Erlaubnis brei l ) ,3)ignv 
täten" gleid&jettig inne ju $aben; anbete« toarb bon beut 
borauägefcnben empfang ber ©etyen abhängig gemacht. 

SDcr früfoettige SEob be$ alteften ©ruber* beenbigte bie 
erfte ©oppelregierung in biefer (Generation. 3o$ann, an bem 
83a$r$eit$liebe unb greigebigleit gerühmt »erben, erFranfte an 
ber <ßeft, bie bamat« in SBaiern unb ber 9ta$barf$aft biete 
3Eenf$en bafcinraffte 2 ), in $art$aufen 3 ) (ber jeftt }u ÜJtfindfren 
gehörigen Sßenterfötoaige) unb ftarb raf<$ in Wlünfyn, am 
18. Sftooember 1463. hieben bem SJater, in 8fobe<$$, toarb 
er jur SRu^e beftattet. 

(Stnem $lane be$ SSaterä folgenb, hätten e$ bie älteren ©rüber 
gern gefefcen, bag bie jüngeren ben geiftlictyen ©tanb ermö^Iten. 
SBeranlaßt bur$ feinen Jtinberfegen, $atte Sllbred^t in. ben bor 
jtoetunbfedfeig 3a$ren in ber bairif<$en Stntc be$ totttel$ba#ifc$ett 
Kaufes juerft aufgetauchten $lan nrieber aufgenommen, beffen 
S3ern>irfli$ung erft in einer fpätcren ©eneration erfolgte, bamt 
aber 3a$r$unberte $inbur$ als gamilientrabition fl<$ be^au)y 
tete: bag bie jüngeren ®6$ne bur# geiftlid&e $frünben, too 
m5glt<$ geifilietye gürftentümer berforgt toerben foQten. @#ott 

1458 fcatte er eine ©efanbföaft, befte^enb au* feinen {Raten, 
äbt 3o$ann bon Prüfening, £)oftor £$oma* $irf$etmer, $robft 
bon Verrieben, unb 3o$ann ©olbner, SRegenSburger ftanonifer, 
an ben $apft abgeorbnet, um für älbre^t unb ffiolfgang 
$frünben ju ernrirfen. Srlebigte SDomfcrrenfteflen in äug«* 
bürg unb ©tra&burg tourben in« Äuge gefajjt unb «(brecht 
föeint bereit« bie nieberen ffietyen erlangt ju $aben, ba er 

1459 in einer 9lotarSur!unbe al« ftlerifer be$ greiftnger 

1) @o(III) ifi in ber 2fofjei<$nung be9 9t.*«. ju tefen, ni$t 111, tote 
in $efner$ Stöbrad, 77, fie$t. 

2) Chron. SalLsbarg. (Canisins, Lect. ant. 111,2, 493); 2Bej*en- 
rieb er V, 195. 3n 3lug«&urg erlagen ber ?eft na$ 3int (294) *on 
Oft 1462 bi« @ej>t. 1463 an lOOOO SRenföen. 

3) ©. ben ©rief ©artmann @$ebet« toora 23. Mo*. 1463 in Clm. 
224, f. 294. 2)er Warne $aib$aufen, ber fi<$ meifi genannt finbet, $at 
fty nur bur$ 2Rtfit>erflSnbm8 eingefunden. ©tfyeta III. batte ©an- 
kaufen 1431, 2)ej. 21., ton einem 3Rfin$ner ©Arger gefanft. 




SHbret&t IV. anfang* betn getfllufcen ©tanbe befHmmt 463 

©prengelä begegnet u>irb. üJon ?irf$etmer tourbe ber 93or* 
fc^Iag gemalt, ber ®raf bon $elfenftein fofle gegen eine 
3a$re$rente jum SJerjid&t auf bie ©trafcburger SDombectyantei 
jugunfien be$ jungen 8Ubre#t beftiramt, ober au$ : bet leitete 
fofle }um tropft oon Hnbedfr* erhoben toerben, no^bem bte 
©nffinfte biefer iungen ©tiftung burety i$re 83erehttgung mit 
bem Älofter Dteffen aufgebeffett morben toären. 1460 reiften 
3o$ann, Älbrec^t unb SEBolfgang felbft na$ töom, tote «(brecht 
erflärte um mit $aj>ft ?iu$, Sufo unb anberen Jtarbinälen 
befannter ju »erben, ft$er aber au$ um bie angebeuteten 
$Iäne ju förbew. Äorrefoonbenjen 3o$ann$ unb ©tgmunb* 
au« bem folgenben 3a$re 2 ) jeigen, bag bamaW für SUbrectyt 
$frünben ju Äonftanj, Sßürjburg unb fiöln in« äuge gefaßt 
tourben. Sine JReife, bie 2ttbre#t im auftrage fetner ©ruber 
1461 na$ Äöln unternahm, $ing too$l mit biefen äbftd&ten 
gufammen, bte jeboety, toie ft# balb ertote*, toeber bei Sllbrectyt 
nodf bei SBolfgang in innerer Neigung ber jungen gürpen 
tourjelten 8 ). 

«uf bie ftunbe bon 3o$ann$ lob, ber ifyt jum jtoeitäfteften 
ber ©rüber er$ob, ließ »Ibrectyt ben i$m aufgebrungenen $lan 
gänjli$ fallen unb eilte au« 3tatten, mo er ben ©tubien ob- 
lag, in bie $eimat jurücf 4 ). äm 15. SDejember 1447 geboren, 
$atte er ba$ Älter ber Sßünbigfett, bamaW ba$ bodenbete 
18. 8eben$ia$r, no# ni$t erteilt. ®(ei$too$l er$ob er nun 
«nfj>ru$ auf äßitregterung, geftufet auf bie bereit« ermähnte 
Stnorbnung be* SSater* unb gereift burety ben ungünftigen (Sin* 

1) Cusani Opera (1565), p. 224. 

2) 3m geheimen $au8ar<$to. 

3) gürflenfa^en XI, 91 f. 101. 151 f. Otto Sitan *. ©efner, 
«(6rt*t IV., 75. 

4) gür ba* flgb. bef. «(breite eigene (Brttfirung im cgm. 5482, 
138—143. 2>a& biefelbe ben 2anbjtönben ober Vertrauensmännern ber- 
felben nrirfli<$ mitgeteilt »urbe, möchte t<$ für »a$r[*etntt<$ galten. 3u 
»ergtei^en ftab ba* ©ru^flütf bei *. @to(f$eim, 332. 333, nnb bie 
«tten bei «rennet V, 106—141. gür ©igmnnbe <5$aratterijHt fic$e 
%xnptd, c. 444, güetrer, Stentin, ©unt^etm. 



464 



$etjog ©igmunb. 



brucf, bcn er baheim Dom ©(galten unb «Batten be* filteren 
©ruber« empfing. 

Senn ©igmunb« mitbe unb freigebige, aber auch fütnlid^e, 
leichtfertige unb bequeme SRatur mar nicht für bie emften Hn* 
gelegenheiten be$ (Staats geföaffen. ©ein $erj befafjen bie 
greuben ber Siebe, 3agb, STOufil unb ftunft. „3^m mar moht 
mit frönen grauen unb mit »eigen Stauben, Pfauen, SÄeer* 
fcha>ein<hen, Sögeln unb allerlei feltfamen SEierlein, auch mit 
©aitenfptel." ©tetä mußten gute ©änger in feiner Umgebung 
fein; ein eigener $offteru3 in roten {tappen fang ihm täglich 
bie $oren. «Sie feinen S3ater «brecht III., fagt «oentin 
begleiteten ©igmunb bie ©enfiffe ber STOufil bi* in fein Atter. 
Sei ber ftaiferin (Eleonore hatte ber fch<5ne Öüngling mit fraufem 
$aar einige &zit ba$ Hmt eine« Äämraererä befleibet. ©ein 
8eben lang Meibete er fleh fätoara, rot unb toeiß *). 

Wibrecht mußte beraerfen, baß fein ©ruber größeren £uf* 
manb trieb, at$ bie SKittet gematteten unb am ÜWünchner $ofe 
bisher üblich mar. ©$on hatte er fleh in beträchtliche ©<hul" 
ben geftürjt. 3»ei mächtige Herren be* «bete, im Sliebertanb 
ber (Srbhofmeifter $an* fcon Degenberg, im ©berlanb $an« 
ber grauenberger jum #aag, f)Mtn ba* $eft in $änben, 
beuteten bie Sage eigennüfeig au$, liegen fleh für Sarlehen 
herzogliche ®üter betreiben unb führten, tote Silbrecht be* 
häuftet, ein ffiillfürregiment, inbem fle ©eamte auf ihren 
©chlöffern gefangen fefeten unb ihnen Söfegetber erpregten. 
SSJohl bie bebentlichfte «erföleuberung be* toitteWbachifchen 
$au$gute$ lag barin, baß ©igmunb bie fogenannte $errfchaft 
im «Sinkt, meldte gurt, SReufirchen unb ftfchelfam umfaßte, 
nicht ettoa att $fanb ober Sehen, fonbern at« botle* ©gen 
$an« jum Degenberg unb beffen ßrben übergab 8 ). 

1) «tief an ©igmunb« «Reffen, Crnft (©ette I, 584). 

2) 3n biefen gatben jeigt btn gütften auth bie toahtf<heintt<h bon 
ihm befiellte gfitftentafel («opie im Wattonalmufeum, MM. 9h. 681). 

3) 7. «ptit 1465. tt..«., $ettf$aft ©egenbetg; «rennet XI, 91. 
»othet hatte $rjibti<! bon (Sienato bie $ettf<haft ton ©igmunb inne- 
gehabt 




8tbre<$t IV. Begehrt Anteil an ber ^Regierung. 



465 



Um über 3Ubre$t6 gorberung &u beraten, berief ©igmunb 
feine 9*ätc au* ©ber* unb SRieberlanb unb auf befonberen 
SBunfdfr ^3ltbrec$t$ autty bret SWünd&ner ©tabträte jufammen. 
3>a« ßrgebni« biefer ©eratung toar, bag er an ben ©ruber 
bte Sitte richtete, fid? felbft, bem ßanbe unb beut $aufe JBatern 
ju tytyerem Stuften unb S$re möge er no# ein 3a$r tang au£ 
bem ßanbe jie$en unb feine ©tubien fortfefeen, um erft, menn 
er ju feinen oogtbaren Sauren gefoaimen fei, fi$ ju entfd&eiben, 
ob er toeltlttty ober geiftlicty »erben tooQe. 3tuf älbredjW 
Oorberung bte Sanbfdfraft jufammen ju berufen erllärte ©ig* 
munb ftd^ anfangt bereit i$r bte grage oorjulegen, ob e$ beffer 
fei, bag ein gärft regiere ober mehrere, unterließ aber bann 
bie (Einberufung. 3Ubre$t benahm fl#, fo jung er toar, mit 
groger geftigfeit. £>a ©igmunb erflärte, niemanb folle i$n 
oon ber {Regierung Derbrängen al$ ®ott, ba$ 9iec$t ober ba$ 
©cfyoert, antwortete er: „©Ott $at Oetoalt über un$ alle. 
SDietn &äterltc$e$ Srbe unb 9?ed^t mit bem ©dfrtoert ju forbern 
bin i# ni#t gemißt, ba bie« 8anb unb 8eute Derberben lönnte 
Cincr ßntfdjeibung auf bem 9?e$t$mege aber »erbe id& nidjt 
entgegen fein." Sßftyrenb er $riebrt$ oon ber $falj unb 
fiubtoig opn 8anb$$ut um tyre Vermittlung anging, ritt ©ig« 
munb jura ftaifer. Sin biefen unterlieg jtoar auety 8llbrec$t 
ni#t burdfr ben fatferlidfren SRat Orafen 9iubolf Don ©ulj fid& 
}u toenben, gab jebod? oann, tote e$ föeint, ben toieber^olten 
Sabungen be$ ÄaiferS JU gütlichem äu$glei# bor tym ju er« 
f feinen 2 ) feine golge. Die ©traubinger ©tänbe, ju beren 
Einberufung fi$ ©igmunb enblidj entfdjlog, rieten jur 35er* 
fammlung ber gefamten Sanbföaft. ©igmunb fagte bte« ju, 
föritt Jebocty lange ntd?t jur 8luSfü$rung. ©ein &$btxn fotoie 
ber enblicfce HuSgang machen toa$rf$etnli$, bag bie 33?e^r^eit 
ber Sanbfcfyaft bie Sage ni$t anber« beurteilte als Sllbrectyt. 

sßon ben jüngften ©rübern ftitte ©igmunb ß^rifto^ auf 

1) t>. ©to<!$cime «ngabe, 333, Älbre^t $abe ernftli<$ ERiene 
maöft, fein ftegt nötigenfalls mit bemalt gu crjnnngen, Weint mir bem« 
ua$ nl$t begrünbet. 

2) 8. <5r$tag na# Sfitarc unb 1. 3»li 1465. 

«teilet, OeWftte ©aiern«. III. 30 




466 



Qemebifasne Regierung 



feine ©eite ju bringen gemufft. JDtefer oerforac$ (14. gebr. 
1465) tym auf 8eben«bauer feinen {Regierung«antetl ju über- 
taffen, felbft menn burc$ bie betten anbeten ©ruber eine 
Stellung be« Sanbe« beranfajjt mürbe 1 ). Dagegen traf SSJolf- 
gang, ber nun au$ au« Italien jurfi<fgele$rt mar, gu {Regen** 
bürg (4. ©ept. 1465) mit Sübre^t ein eiblty befömorene* 
Hbfommen, mona$ ftc& biefe beiben ©rfiber oerpflid&teten, t$r 
oätertid&e« (Srbteil al« gemeinfame« ©ut ftet« mit einanber 
ungeteilt p genießen. 9?a# bieten 3lu«flüc$ten unb Skr- 
{ögerungen unb nac^bem Hlbre^t unb ffiolfgang felbft ben ©er* 
fuety gemalt Ratten bie ©tänbe naety SRegen«burg einjuberufen, 
bequemte ft# ©igmunb entließ baju bie 8anbfc$aft in SDWtnd&en 
}u oerfammefo unb billigte — tute man annehmen muß, auf 
tyren {Rat — in Hfbre^t« ©ege^ren. Hm 10. (September 
1465 mürbe «Ibrety IV. al« 2Äitregent aufgeteilt unb bie 
JBeamten na$ 85fung tyrer alten Sibe auf bie beiben fterjoge 
neu oerpfltctytet. 

<g« ift ein merftofirbiger {Ratfctylag erhalten, ber entmeber 
oom fürfttid&en {Rate ober oom 8anbf$aft«au«f$u& an bie 
färftlifyn ©rflber gerietet, benfelben eine neue Orbnung tyre« 
ft&nbigen $oföalte« unb anbere SDJafcregeln ber ©parfamfeit 
empfiehlt *). Die ganje ©abläge tote man$e (Sinjetyeiten er- 
innern auffällig an bie nieberbairiföe $oforbnung tum 1293. 
S5en gfirften toirb oorgefölagcn tyre ftänbigen $ofbeamten unb 
$ofgefinbe auf 164 $erfonen mit 121 gerben feftjufefcem 
fluger biefen fott niemanb oom $ofe oerlöfiigt »erben, ©ig* 
munb fofl 14 $erfonen unmittelbare« ®efolge $aben mit ebenf* 
Dielen gerben, Slbred&t 12, <S$riftop$ 10, toä^renb bon ffiolf- 
gang oorau«gefefet toirb, baß er toieber in bie grembe gef^kft 

1) Dr. im 8gt. *. ©todfreim, 335; «rennet V, 252 
unb sunt ftgb. 135. 

2) gfirßenfatyn, gafj. 25, 9lx. 252. 2>a« unbatterte etüd bürfte 
1465 , in bie legten SWonate toon ©igmunb« OTcinregienmg getreu, 
©otfgang erf^eint bereit« au« Stalten jurüdgete^rt, BIbrety ift xoöQi 
noö) m<$t SRitregent, fonft toSren für i$n tt>o$t ebenfooiel $fetbe~unb 
befolge angefefct tote für ©igmunb. 




©tgraunW n. Ätbre^tS IV. 



467 



toerbe. Den $erjogen toirb ju bebenfeit gegeben, baß fie t>iel 
erfparen mürben, menn flc t^rc 9Ra%etten gemeinfam abhielten. 
Die ©efolbungen bet ©eamten foflen $erabgefefct, ©eftimmungen 
Aber ©efolbung fortan ftet* f#riftttc$ mebergelegt toerben. Der 
$)offüc^entnei(ter fett toMftnÜufy einmal bor bem $ofmeifter 
unb einigen {Räten SRed&nung ablegen, äße ©eamten iä$rlic$ 
einmal unb too möglich in ®egenn>art be* regierenben dürften. 
„Kenn 3$re ©naben fi$ an biefe Hrtilel galten, $abcn toir 
gute Hoffnung, 3$re Onaben »erben babur$ ettoa* erfparen. 
So ni<$t, fönnen mir ntd&t anber* berfte$en, al« baß 3$re 
©naben täglich je länger je me$r in grfinbli$e$ ©erberben 
fommen." 

Diefer u>o$Igemeinte {Rat ift toenigften* in ber $auptfa<$e 
fe$r toa$rfc$einlid& ni$t befolgt »orben. 2Iuc^ bur$ 3llbre$t6 
(Eintritt in bie {Regierung toarb ©igmunb* ffiirtfd&aft nietyt 
tyarfamer 1 ). Hf$ älterer ©ruber meinte er bo$ au$ in ber 
gemeinfamen {Regierung ein getoiffeä ©orreetyt }u befifcen, ba« 
er befonbera für bie (Sinfänfte gettenb machte. D$ne baß ber 
©ruber erfuhr, too^in ba« %tb tarn, Heß er ft# bon ben 
©eamten Kenten, (Sitten unb SRufeungen ber Ämter aufteilen, 
ber Hufmanb mit überflüffiger SRe^rung be$ $ofgeftnbe« 
toäfcrte fort, ebenfo bie ©erfd^retbungen bon ftammergfltew. 
S3on jenen Jerxen be« Bbett, beren treiben Älbred&t berberblic$ 
geföienen, $atte jmar ber grauenberger fein $ofmeifteramt 
niebergelegt, $>an$ bon Degenberg aber, neben bem nun au$ 
$an6 SRußberger genannt toirb, behaute in feiner einflußreichen 
©teflmtg. Diefe beiben gelten ß<$ eng an ©igmunb unb 
toaren, tote ber ©ruber meinte, „mit ganjer ©egierbe ju ftrieg 
unb Ungemadfr geneigt" *). 

«uf «fbred&t* Drängen nmrbe am 14. SWärj 1466 bur<$ 

1) 3um ffeb. f. «renner V, 142 f. 165f. 220—286. Sfamogra- 
^ieen über tttbre$t IV. fcer3ffentU$ten O. fcitan t>. $efner (1852), 
6übernagl (1857) 

2) 8m 8. gebr. 1467 na$m ©ignntnb $an8 jura ©egenberg- mit 
einem 3a$re$ge$alt bon 200 ff. r$ein. M Hat auf. $errf$aft 
JDegenberg. 

30* 



468 



ftegtcrwtg$verji<$t ©igmunW. 



$erjog Subtoig, ber ju biefem 3^ed neun feiner Wate, barunter 
Üttarttn SWait unb ben ®rafen Cberharb b. \. von ©irtenu 
berg nach Üßünchen fchicfte, unb burch bie gefamte ÜWünchner 
Sanbfchaft bie SRegierungäform in neuer SBetfe geregelt 1 ). Durch 
ein eigentümliche« SWtttelbing jtvifchen geteilter unb gemeinfamer 
{Regierung verfugte man eine ©efferung ber Sage ju erjielen. 
ffiährenb 93eit von Cglofftein al« gemeinfamer $ofmeifter ber 
beiben Sürßen unb außerbem fech« gemeinfame State beftettt 
mürben, erhielt jeber ber $erjoge feine befonberen ihm allein 
verpflichteten {Rentmeifter, ftaftner unb 9Rautner, fo bafj bie 
ginanjen ber beiben dürften geföieben froren, mahrenb in ädern 
übrigen ihr {Regiment gemeinfam blieb. Die beiben längeren 
©ruber mürben auf bie (Einfünfte beftimmter §errfchaften unb 
Ämter angemiefen. SSon ©igmunb« ©Bulben vernimmt man, 
bafc fie baraal« 22260 fl. rhetn. betrugen. 

{Rachbem biefe« fonberbare SSerhältm«, moburch gleich ju 
Snfang ©efchtoerben einiger ©tänbe be« ©traubinger 8anbe« 
hervorgerufen tourben '), etma anberthalb 3ahre gemähtt hatte, 
entfchlojj fich ©igmunb mit rühmlicher ©elbfterfeuntni«, aber 
auch unter ber firtnmirfung früh erfchütterter ©efunbheit von 
ber {Regierung iurücfyutreten. „infolge ber SBlöbigfeit feine« 
ßeibe« nicht gern 3Äühe unb Hrbett tragenb unb mehr geneigt, 
fich ein geruhige« ffiefen ohne ade ©efümmerni« gu machen, 
motte er" — fo lauten feine eigenen ©orte — „fein {Regiment 
in eine $>anb fteüen, unter ber für 8anb unb Seute beffer unb 
fleißiger geforgt fei." »m 22. «uguft 1467 fchloffen beibe 
©rüber einen Vertrag, ber bie Untrennbarfeit be« Sanbe« auf 
ihre 8eben«jeit feftfefcte, unb am 3. ©eptember fibergab ©ig* 
munb in »nmefenheit ber h^aoglichen {Rate unb eine« Zeil« 
ber Sanbfffinbe bie Htteinregierung an Wibrecht. (Er behielt fich 
nur bie Vergebung ber geiftlichen Sehen vor, ein iährliche« ©n* 
fommen von 4000 f[. f bie SRufeniegung ber jum Seil von ihm 
gebauten ober verfeuerten ©chßffer Dachau, {Hanhofen, 

1) «rennet V, 165—193. 

2) 1466, fyttt 10. «reuner VI, 90. 




©erjog 6$rtftoj>$. 



ÜBenjing (b. t ©fotenburg), Starnberg, (Srüntoalb, femer ben 
ffiilbbann lintt ber 3far unb im ©rünmalber gotft 1 ). Der 
(Srtrag ber fünf ©chlöffer, ber auf 1205 fl. rhein. gefd^ä^t 
tourbe, foQte Don ben 4000 fl. abgejogen werben. Wibrecht 
übernahm von be« ©ruber« ©Bulben 1900 fl. }u jaulen. 

<5« gehört ju ben fcbönften Vorrechten begabter ©elfter, bafc 
fl<h anbete ohne 3mang ihnen miüig unterorbnen. SUbred&t 
toarb bicfe greube von ©eite be« älteren ©ruber« juteil, um 
fo fötoerer jebod^ foüte er ftc auf ©eite ber iüngeren Der* 
miffen. @<hon mar ber brüte ©ruber , (Shriftoph, mit bera 
Unfpruch auf Üßttregterung hervorgetreten. 3n ihm fanben fleh 
(Etgenfchaften vereinigt, meiere in ber ritterlichen ®efeüf$aft am 
leid&teften greunbe ertoarben: $elbenmut, natürliche« ©efe^ief 
ju aßen ©affenübungen unb bie fetnfte 3lu«bilbung in ben* 
felben, letzter ©inn unb eine lieben«toürbige 2lrt ju ver* 
fchtoenben. Sin 93olf«lieb greift ihn, ber mit gürften unb 
Herren ftritt, aber mit armen Seuten toohl lebte — boch feine 
eigenen ®ut«unterthanen litten unter ben <ßlagereien, ju benen 
ihn enrige ©elbnot veranlagte. {Riefige ©ehnen* unb ÜJiu«!el* 
fraft toohnte in feinem hageren ftörper. 3m ÄBnig«fchloffe ju 
Sßünchen erblicft man nod? heute einen ©tein von brei Beninern, 
ben er mit ben $änben gefdjleubert, barüber in einer $8h* 
von jmölf gu§ einen 9Jagel, mie bte angebrachte 3nfd>rift be* 
fagt, ba« ffiahrjeichen eine« jener gemaltigen ©prfinge, toie fie 
nur bem 4>erjog gelangen. 3n 9iom tonnten fich bie JBelfchen 
nicht genug über bie ftraft unb ©ehenbigfeit be« 3üngting« 
vermunbem. 211« ein guter ©SrenfSnger auf ber 3agb, (urj 
at« ber ritterlichfte unb berühmtefte gürft feiner £eit toarb er 

1) 3m SJejember 1485 bertauföte er Starnberg unb <&rünn>atb (be« 
|ügft$ beffen ttrnped, c. 444, bemna$ irrig berietet) mit ber ©chtoatgt 
Saufjorn gegen Baierbrunn, einige $Bfe unb bie 3agb tot iefctgen (Eng- 
tifchen ©arten unb ber ©irföau (St renn er VIII, 495). (Sinige SKcnate 
na<h feinem ttegierung«*eraid&t befreite er — au<h ein 3«8 J u feinem 
<Sh*ratterbUbe — einen (Befangenen be« 9J?ün$ncr fflate* gewaltfam ou« 
ber €>c$ergenjtu&e, ,,n>a« einem »at faß fremb fflrtam". ©eftenrieber 
V, 199. 




470 



$erjog fl&rifiotf 



gepriefen. ©reifen ttrir bem ®onge ber <5rj5$tung um a$t 
3a$re vor unb verfefcen und auf bie 9tatnba$n bei ber glanjen* 
ben $odfoett ®eorg« be« Weisen ju 8anb«$ttt: toie jubelte aOe« 
bem iugenblifyn <S$rtftop$ ju, al« er, rot, met§ unb fötoarj in 
©eibe gefleibet, auf gleichfarbig gefd&müdtem $ferbe rettenb, 
einen tyn an ©röfje unb ftörperfufle feltfam überragenben poU 
mf#en $erm, ben ffioimoben von Subün, mit fixerem ©tofj 
fo fraftig au« bem ©attel $ob, ba§ be« Oegnert 9?og fic^ 
flberftürjenb no$ auf t$n fiel I Um fo fetter toar ba« gteuben* 
gef<$rei, al« bie 8anb«leiite be« $olen bei biefem Kennen fi$ 
borget fe$r mijjtrauifcty gejeigt unb ben $erjog famt feinem 
Roffe toieber$olt unb genau unterfu$t Ratten, ob er ntyt etea 
eine« verborgenen 25orteil« ft$ bebiene. 2B$renb aber btefe 
Unterfud^nng nic$t« ergab, Ratten bann ber ®raf von ©Clauen* 
bürg unb ein $err von äbeitfberg bei ber Unterfu$ung be« 
$ola<fen immerhin ettoa« SSerbäd&tige«, nämlty ein breite« 8eber 
unter feinem ©attel gefunbenl l ) Den gewonnenen ©iege«prei* 
aber, ein Äleinob im fiJert von 100 p. unb baju ein foßbare« 
$ferb föenöe S^rifto^ grogmutig bem $ola<fen. 

Irofe feine« SBerjictyte« gegenüber ©igmnnb (f. oben @. 466) 
$atte C^riftop^ bereit« gegen ben 93ettrag, ber ©igmunb« unb 
fübrec^t« gemetnfame {Regierung feftfefcte, ©dfrurierigfeiten er* 
$oben 8 ). ißoUenb« nnjufrieben mar er nun mit bem ab* 
lommen, ba« bie SUJeinregierung in Wbre^t« $anb legte. (St 
$atte ba« Älter ber SWünbigleit vor furjem erreicht unb machte 
nun geltenb, i$m ftefc lein geringere« 9te#t auf bie Regierung 
ju al« ben älteren ©rübern. 3m änfetyluffe an einen eben 
neu befeftigten töitterbunb hoffte er feinen 8nf)>ru$ burc^ 
jnfefeen. 

1) ©o ein &ranbenfargif$er *ugen§euge in 3. 3. SRüttert Sut« 
bedtem ©taatteabinet II, 375—377. ©. au$ güetrer, 80; Vtnptd 
in cgm. 2817 f., 325. $ag bei $©le angefönaflt xoat, ift Übertreibung 
fiterer Scripte. 

2) gilt bae ftgb. f. 9ttre$t« IV. ©^reiben an 3Hbre$t «dfritte«, int 
fertig bei 8oigt, Uber bie ®efangenf<$aft $erjog C&riftort* v. ©aient 
(«b^anbtongen b. $iflor. «t. b. Stab. b. ötff. VII, 1855, ©. 511 f.); 
Ätenner VI, 93 f.; Gemeiner , ttegeueb. <&$romf III, 411 f. 




unb ber 5Rittet6unb bom Ctnge^ürn. 



3m «uguft 1466 fatte ft# nomlic$ gu 9legen«burg ein 
SEuwierberein aerfammelt, meldet unter bem tarnen ^©efeü* 
fcfyift oom ©inge^rn" im toefentlid&en bie 8?ittetfc$aft be« 
©traubinger 8anbe« unb einige »beiige be« SRorbgau« umfafcte. 
94ac$ bem Sbbilb eine« ©ode«, ba« bie aHitglteber ber ®efeO* 
fcfyift al« ©unbe«geic$en an einer Äette auf ber ©ruft trugen * 
— bte Witter oon ®otb, bie CbeHnec^te &on ©Uber — nannte 
man fte bie ©5cöer. »m 30. »uguft 1466 fdfrloffen einunb* 
bierjig Herren, barunter §an« t>on SDegenberg, 9KHa« t>on 
Hbenäberg, 3o$ann ©taufer gu (Srnfel«, ©ebaftian $flug Dorn 
Wabenftein, einen ©unb, gu beffen fymptmann ber lefctgenannte 
Witte* ertragt nmrbe, rr im tarnen be« aOmSd^tigen ®otte«, gu 
<S$ren SWaria« unb oder ^eiligen, um tyre« unb ber Gärigen 
gemeinen grteben«, ®c$ufce« unb ®c$irme« toiöen unb befonber« 
um beffer tmberfte^en unb bem fyiftfityn (glauben Reifen gu 
fönnen uriber bie Äefcer unb Ungläubigen , bie man nennt bie 
puffen. 14 9tor biefe 3toecfe nennt ber ©unbe«brief. & untren 
sticht bie eingigen, al« Woge ©ormanbe »irb man fie iebo<$ 
fetae«toeg« betrauten bfirfen, toenn au$ bie Dinge balb bie 
ffienbung nahmen, ba| na<$ Huflöfung be« ©unbe« eingetne 
©Wler in tyrer ©ebrängni« eben mit benachbarten |>ufltcn ft$ 
tterbanben. 3m nfic^ften 3a$re, freiließ, tote e« Weint, erft na$ 
«uflöfung be« ©erein«, fiel einer ber ©unbe«ritter, «lbrec$t 
9tot$aft gu ©ernburg, im ßampfe gegen bie fmfiten 1 ), unb 
t« ift lein ätfaü, bajj ber ©unb au« ber Witterfc^aft an ber 
WtymtWen ®renge unb eben gu ber Beit erftanb, ba bie ftir$e 
gegen ben utraquifttföen ©ö^menfönig ®eorg ^obiebrab ben 
Äteujjug plante. 3n ben großen $ufitenlrtegen oor brei&ig 
Sauren, in Jenen für ba« ©traubinger 8anb fcrrenlofen 3^ tt / 
ba bie $eimtf$e gürftenltnie erlogen unb bie anbeten ffiittet«* 
backet Aber ba« (Srbe notif nväft geeinigt toaren, $atte bie 
9titterf$aft be« ©traubinger Sanbe« vielfach felbftfinbig bie ©er* 
teibigung ber ®rengmar! übernommen. ©$on borfcr mar 
unter Sürften, bie in $oflanb too$nten, tyre ©tettung eine 

1) IL B. II, 94. 




472 



$airiföe fflei$tfretyerren. 



felbftänbigere getoefen. Sfa$ biefer ©onberfteöung tttoudfl unb 
behauptete ftc^ in ber ©traubinger {Ritterfchaft ftatted ©elbf^ 
gefügt unb ein engerer 3ufammenhalt, al$ in bem Äbel ber 
anbeten 8anbe«teile ju finben trar. 3n eiferffichtiger ffiahrung 
ihter ©onberrechte toaren bie ©traubinger ©tanbe bereit« mit 
«Ibrecht III. in {Reibungen geraten (f. oben ©. 358 f). 3m 
üttärj 1465 oerlieh «aifer griebrich, toohl au* bem «nlag, ba& 
§erjog ©igmunb oon ihm bie {Regalien empfing, oier bairifchen 
ÄbeWgefchlechtern, feinem {Rat, §an$ oon Degenberg ju fttten* 
nufjberg, Srbhofmeifter in ©aiew, beffen ©ruber $eter unb 
beffen Setter f)an$ b. ä. oon Degenberg, ferner ben grauen» 
bergern jum $aag, ben ©taufern ju (SrnfeW uno ben $ret* 
fingern ju Sßolnjach bie {Rci$4frei$eit, ben beiben erfteren 
gamilien in ©eftättgung angeblicher älterer Privilegien, unb 
ba$ {Recht mit rotem ffiach* }U fiegetn *) (bamatt ein befon* 
bere* S3orrecht be$ tyfpn äbel$). Sinti biefer gamilien ge* 
Nörten ju ben ©ödtern. 3^re 2to$jeuhnuug mag baju bei» 
getragen $aben auch in anberen ehrgeijtge Pläne 311 toeden. 
©ie nährte einen gegriffen ©egenfafc jum 8anbe$$errn, beffen 
fteim föon oorher in biefer {Ritterfchaft lag, ber aber in ootler 
©(fcärfe erft ^eroortrat, al$ fca$ ©teuer ber {Regierung oon 
«Ibrec^t IV. ergriffen mürbe. Sin bur$ h ö h* rc fflilbung bem 
gewöhnlichen treiben ber {Ritterfchaft enttoachfener gürft, ber 
mit Straft unb <Sntf$ieben$eit auf bie HuÄilbung einer mach* 
tigen unb einheitlichen Staatsgewalt hinlenfte, bem hingegen ber 
«bei mit liteln »ie ©chulmeifter unb geberhelb feine ©efinnung 
fanbgab*), unter ihm mugte ber moberne ©taatSgebanfe mit 
bem mittelalterlichen ftorporationdgeift feinblich iufammenftogeit. 

1) 91.-9. ©unb, ©tammeubu* II, 62; Shrael, Heg. 9ir. 4159 
bit 4162. tikgeit bie behaupteten älteren tBniglicftn Privilegien ber 
2>egenberger forkfrt bie Urt. $. ©einriß oou 1437, treibe nur bie nie- 
bere 3urltbi!tion ber gamitte erahnt, fourie bat Sehlen oon t3nlgü<$en 
Freibriefen in ber Sammlung ihrer Privilegien , toeldje bie 2>egenbcrger 
1448 fceranfialteten. 2>egenberg, gafj. 20. 

2) 2>te <S^ronit bei 2t*o»$t$, $. Chriflophr 160, unb 6unt- 
heim, 571, berieten biet befoubert oora $>egeuberger. 




*lbre*t IV., ^riport u. bie Cödler. 



$)er mäc^ttgfte $err unter ben fflödlern aber mar Jener |>an* 
ton ©egenberg, ber unter bem inbolenten §erjog ©igmunb feine 
3Ra$t über ®ebü$r ausgebest, ber in ben 3u>ifttgfeiten ber 
«rüber fU$ «(brecht fetnbli# erjeigt , beffen (Entfernung t>om 
Hmte biefer geforbert $atte. 5Rac$ ber neueften Vergabung 
Cfcrjog ©igmunb« erftredten fic$ bie begenbergti$en $err* 
ftyiften (3©tefel alte« SReU$3le$en, «Itennußberg Süob, Degen* 
bcrg, $art$eim, Sßeißenftein erft bamaW fcom üDegenberger bem 
Wetd&e ju 8e$en aufgetragen) l ) mie ein Heine« gürftentum 
lang« ber böfcmiföen ©renje. 2luf biefe« ®eföled>t trifft ieben* 
fad« ju, loa« ber ß^ronift güetrer*) übertreibenb &on ben 
„toälbiföen Cbelteuten (oom ©airiföen ffialb) ungemein be* 
Rauptet, ba§ fie 3Ubre$t aW tyren 8anbe$fürften mißarteten, 
Obrigfeit an ftc$ jiefcen, tyren Vorteil fuctyen, furj ju &o# 
$inan* tooüten. «ber auc$ $an« 3lußberger beftritt, baß er 
no# bairiftyr Öanbfaffe fei; er fei ein freier (Sbelmann, ein 
freier Dienftmann be« SReidj« 3 ). 

Sin ©^reiben Äonrab ©injen^ofer« Dom 20. September 
1467 braute Hlbrety bie fixere Äunbe, baß e&riftopfr bie 2l«f* 
na$me in ben ©Wferbunb na$gefu$t unb — trofc be« ffiiber* 
fpructy« einiger SWitglieber — erlangt, aucty bei biefcm Snlaß 
feinen 9nfpru$ auf SDtitregierung betont $abe. ©c$on Dörfer 
Ratten ?Ubrec$t unb ©igmunb bie Sage aW etnft aufgefaßt, 
ffiietoo&l ©igmunb bie {Regierung bereit« niebergelegt, Ratten 
beibe gfirften (10. ©ept.) no# gemeinfam an tyren ©trau*» 
binger 83ifctum 3o$ann oon ©tauf ben Söefe&l erlaffen, in tyren 
©$löffem, ©täbten unb üWärften be« Untertanbe« außer Sauf« 
(euten unb $armlofen töeijenben niemanben Sinlaß ju gewähren. 

3u burc^greifenbem (Sinföreiten entföloffen , toanbte fic$ 
8lbre$t an ftaifer griebri^ unb an feine Settern, ju beren 
Untertanen einzelne Sföcfler gehörten unb beren fürftli$e $>o^cit 

1) @o na$ ©ertfy ber &erjog(. Beamten ton 1495; «rr oben IV, 123. 

2) Oberbaar. «r<bto V, 70. flJton beachte, baß einer ber »Bdter unb 
ber neuen 5Rei<Wfreiberren, Sodann Stanfer )u CrnfeW, «forest* ®ifc- 
tum toar unb au$ na$ SfofWfung be« ©mibe« blieb (Ä renn er VIII, 160). 

3) ©emeiner III, 429. 




474 



HnfWfung be9 ©Btflerbunbe«. 



oon ber Xenbenj be* ©unbe« ebenfalls bebroht festen: bie 
$faljgrafen griebrich unb Otto, oor allem an bett ftet« mit 
Äat unb £$at hilfsbereiten 8anWh*iter $eraog. SDiefe biet 
gürften im ©erein entboten bie ©efeflfd^aft oom ©ngehürn auf 
ben 28. Oftober auf einen Sag nach 9legen$burg, too fie felbft 
erfchienen unb bem für bie ffirfüid&e Oetoalt bebrohluhen Steele 
bfinbni« ein jähe* (Snbe bereiteten. ©$on toar ein totferliche« 
SRanbat er teuft, ba« bie Unoerträglichfett ber ©efeflfehaft mit 
ber SReicbSorbnung ausbrach unb ihre 8ufl5fung gebot (19. Of* 
tober) l ). Demnach toarb in 9tegen«burg ber ©unb aW auf» 
geldft erllärt, ber ©nung«brief jerfönitten, iebem ber Seil* 
nehmet fein Siegel jurüdgefteßt. Die (Snergie, ©efc^idttt^feü 
unb ©erebfamfeit, mit toelcher ber fugenblid&e üßün^ner Derjog 
hier auftrat, liegen bie ffielt erlennen, toelche bebeutenbe $er* 
fönlichfeit mit ihm unter bie regterenben dürften eingetreten n>ar. 

Such $erjog Shtiftoph toar in 9tegen«burg erfchienen. (St 
hatte oerfud&t bie ßanbföaft be« 9?ieber(anbe$ bahnt ju berufen 
unb hatte offen bie @a<he ber ©?<fter oertreten. Ungeffihnt, 
in ausgekrochenem Unfrieben mit feinem ©ruber fdtfeb er oon 
{RegenSburg unb begai fleh ju flrrjhttjoa ®ig«nunb oon Öfter* 
reich 9 ), tote man toobl nicht ohne ®runb oermutete, in ber 
abficht, biefen gürften gegen Wibrecht aufjuhe^en unb ju feiner 
Unterftöfcung ju gewinnen. Wibrecht mar auf feiner $ut, befahl 
forgfame ©eioachung ber norbgauifchen ©chlöffer (7. 9too.) unb 
erlief acht Zage barauf ein allgemeine* Aufgebot Shriftoph 
fcheint bei Griherjog ©igmunb nicht« ausgerichtet )u haben, 
lieg aber in ©öhmen unb anbertoarts Iruppen toerben, mit 
benen, toie er felbft geftanb, ein Angriff auf «tbrech« 8anbe 
unternommen toerben fofltej bann begab er fleh in bie SRitte 
feiner ritterlichen greunbe im ©atrifchen ©alb. ©on ber ©urg 

1) «hütet, Heg. 9hr. 5220. @. ferner ©eraeiner III, 422f; 
Ärenner VI, 103. 121 ; SRfimfoier »at^ronif bei ö e en r i eb er V, 198. 

2) 3»m Pgb. f. Ärenner VI, 120f.; *.$efner, W*re$tIV,, 75. 
1438 fo$t ni$t ein $er)og Chri^h *o» Talent (fo $nber, $ef#. 
£)fterreic^ III, 8), fonbern ^fatjgraf «hri^h, ber fitere Wamtönig, 
unter Ä. 8l&re<ht in ©lernen. 




(tyrifiotöft «nftrü<$e auf SHitreftiermig. 



475 



Degenberg au$, beren $err in feinen SMenft trat *), fchrieb er 
(22. 9?ob.) an bie ju ©iraubing berfammetten Sanbftänbe, jle 
steten feinen Stuber bitten, fein (Srbe unb Sanb ihm au$* 
folgen ju taffen, toibrigenfafl« er SBege einklagen müßte, für 
beten unhettboöe Solgen er Sdbrec^t borau« beranttoortlich 
mache, ©ie ernft Htbrecbt bie Sage auffaßte, erhellt barau*, 
baß et Anfang« ©ejember ben $fal}gtafen Otto bon SReumarft 
erfuchte, tym auf Setlangen 50 Weifige ju fenben, unb baß et 
an bie SSeamten im ©airifchen ffialbe ben ©efehl erließ, bie 
Untertanen jur Lüftung unb jur glüchtung ihrer $>abe in bie 
feften ©chlöffer ju berantaffen. 

Die Sanbftänbe etboten ftch ju frieblicher Vermittlung unb 
biefe gelang, at$ auf einet Xagfagung ju ßantohut (31. 3an. 
1468)*) #erjog ?ubtoig, bie ^faljgrafen WMpP unb Otto 
unb bet ©ifchof SRathia* Don ©peier ihre {Bemühungen mit 
ben ©tänben bereinigten. Da G^riflop^ nur oerlangte, toa£ 
ber ältere ©ruber einige 3a$re borher ©igmunb abgerungen 
hatte, lieg fi$ Wibrecht« SÖiberftreben nicht mit (Srünben be* 
Rechte* ftüfcen, feine Sintoenbungen richteten fich nun aucb nur 
lue^r gegen eine 8anbe$teilung. (Sine folche, erflärte er, 
tofirbe nicht nur ben bier ©rübern, fonbern auch 8anb unb 
Seuten fehr fchäblich fein; fte fei bon gemeinen faiferlichen 
Stedten verboten unb bon ihren ähnen unb Oettern feiig unb 
beren bewünftlgen unb trefflichen Sanbjchaften glüdlich verhütet 
toorben. 9m 16. gebruar toarb bcnn ein ©chiebfpruch gefällt, 
toonach Wibrecht nur biefe« 3ahr noch allein regieren, ßhtiftoph 
fogleich bie ©tabt Äelheim unb ein Viertel ber hetgogltchen 
©nfünfte erhalten, im 3ahre 1469 aber in bie SWitregierung 
eintreten follte. $6 tourbe genau beftimmt, treibe unb urie 
otele ffifyxt ©eamte bie dürften gemeinfam haben feilten. 
Chviftoph Wi* mit jkoeihunbert Reimen in SanWhut erfchienen, 

1) ©a« ihm $. ©igmunb 1468, tyr. 4. bertoie*. 3t.-«. 

2) 2>fc Stten biefe« Za^rt, babet einen fehr eingehenben, toohl bon 
ÄRartin SWair anarbeiteten S3ermittlinigSborf<hlag, f. bei Ä rennet 
V, 250 f. 




476 



$. ©olfgaug. Klärest IV. 



aber btefe* ÄriegSgefolge, bad tym meift bie ©Wler geftettt 
§atten, mußte et nun enttaffen. 

•Der jüngfte ber ©rüber, ÖJolfgang, toar mit Sübre^t 
immer in gutem (Sinberftimbni* geblieben unb berftanb fU$ nun 
(28. ÜÄärj) )u einem jtoölfjityrigen S3erjic$t auf bie §ettfc$aft, 
in (Ertoägung „ber löblichen, guten {Regierung, bte 8lbre$t mit 
gro&er SDlü&e unb Hrbeit fi$ angelegen fein laffe". Dafür 
toarb er mit bem ©Stoffe ®reifenberg unb einer 3a$re0* 
rente &on 2400 fl. r$etn. in ben erften Sauren, t>on 
3000 fl. in ben folgenben fec$« 3a$ren entföäbigt. 81« bann 
mit ß$riftop$ toegen ber Übergabe oon Äelfcim jt$ ©c&mkrig- 
leiten ergaben, bie ben ©ruberjtoift neuerbing« aufleben liegen, 
fcerfora* ffiolfgang (25. 3uli) Ätbrefy, bag er fic^ immer ju 
tym galten unb m#t S^riftop^ anfangen rooöe. 

$>erjog Subtotg fyttte bte {Retyäfretyerrntoürbe be« §aufe* 
Degenberg nur unter bem 93erbe$alt anerfannt, baß babur$ 
feiner lanbe$fürftli$en Obtigfeit nid>t$ »ergeben ©erbe 33on 
Älbrecfct liegt felbft eine fo eingeföränlte Hnerfennung ni($t 
bor. ©eine ©eforgniä, bajj bte Degenberger, auf i$re neue 
Sßürbe poctyenb, fi# aUma$li$ feiner 8anbc$$o$eit enijiefcn 
tönnten, mar too$l nictyt unbegrünbet unb oon tyr geleitet, 
föritt er bei bem nä$ften Änlag, ber fi$ barbot, mit föonung** 
lofer Strenge ein. Segen getoiffer gut$$errlU$er Streitig* 
feiten 2 ) fünbeten bamaf* einige Cbelfnetye, ©eorg Donner* 
fteiner, $and Ireflroifcer unb ©aliud ÜÄofer bem Degenberget 
ge$be an. {Bar ber mächtige f)err anfangt geneigt, bie ftrieg** 
erllärung fo ärmlicher Oefeüen oon ber Reiferen ©eite aufju* 
faffen, fo jeigte ber (Erfolg balb ben (grnft ber ©ac$e. Duufr 

1) WotariatStnflrument U* Ulri* ©djtltberger ü6er biefe $erjogfi$c 
Cntf*etbung (1466, gebr. 26.) unter $errf$aft SDegenberg. Die 
im flgb. benufcten Urt. btefer Hr^foabtetlnng , ferner «rroben IV, 
Tom. privileg. XIV. unb HegefleuMStter be« bienen trielfa* jut 
©erufcttgung ber ^ter aieralt* mangelhaften <5&roniffcn, gfietrer (Ober- 
baar. *r$to V, 71) unb Brnped (c. 447. 448). 

2) 2>ie Urtunben geigen, baß babei ni<$t etma, toie man tjermnteu 
«mite, 3lbre$t bte $anb im epiet fcatte. 




unb ber HetySfreifarr #an$ t>. 2>egenberg. 



eine 8tfl brauten bie geinbe, angeblich 80 SReiter unb 100 $u§* 
flänger ftarf f bte ©urg ©egenberg in tyre ®emalt, fie be* 
$aupteten biefelbe gegen einen ängriff beS DegenbergerS unb 
franbten ftc$ brieflich mit ber Sitte um ©cfcufc an f>erjog 
Hlbrecty. 2fac$ ber ©egenberger fanbte fcier toerroanbte f)erren 
an ben f>erjog, um fiety ju befeueren. SIber auety beim Äaifer 
er$ob er Älagc unb biefer lub burety ÜJianbat Dorn 4. ®ep* 
tember 1468 ben ©onnerfteiner nebft ©enoffett &or fein ®e* 
ri^tunb gebot 3Ubre$t (nrieber^olt 13. Oft.), ben ©egenbergern 
tyre $errfcfaft prü<f jufteßen. Denn bereits mar biefer, ber 
als 8anbeS$err bie Sntföeibung äber ben $anbel beanfprudjte, 
mit $eereSmac$t oor ber ©urg Degenberg erföienen, auf fein 
Serlangen toarb fie tym am 24. 3uni ausgeliefert unb auf 
fein ®e$ei§ nun Don ®runb aus jerftört. Sn ben Äaifer 
föidfte er feinen ©efretär <5rnreic$er unb $eter ©luber, um 
tyn günfiiger ju ftimmen, toaS freiließ um fo fd^toieriger fein 
mu|te, als er gleichzeitig bur$ bie in SSerbinbung mit fjerjog 
Subtoig unternommenen geinbfetigfeiten gegen bie ©tabt 9lugS< 
Burg gegen baS griebenSgebot beS ßaiferS oom Sluguft 1467 
berftofen $atte; am 29. Oftober 1468 erging bann an bie ober* 
bairiföen $erjoge ber ftrenge 23efe$l ieS ÄaiferS, StugSburg 
in SRu^e ju laffen. SRadjträglicty aber forgte äfbred&t bafür, bur# 
einen ftauf&ertrag mit ben brei (Sbelfned&ten (1469, 3an. 12.) 
twd) einen befferen SRectytStitel auf ben Degenberg ju ermerben, 
als tym bie lanbeSffirftlid&e autorität allein gefräste. Sin 
©c$iebfyruc$ $erjog ßubtoigS *) (3uli), tt>ona# fwnS bon 
Degenberg Älbrectyt als feinen 8anbeS$errn um SRectyt erfu^en 
foHte, fanb bei biefem fein ®e$ör; vergebens forberte au# 
Jttbre^t (5. 2lug.) bon ben begenbergiföen ©rfibern bie 88fung 
ber tynen berfefcten Ämter 8engborf, ®#iJne<f, Kolmberg unb 
©eftoarsae^. S3ielme$r f!o$ ber f#merbebro$te 5Rei#Sfrei$err 
mit mehreren {Rittern beS aufgelöften ©WflerbunbeS, bie ft# 
tym anföloffen, über bie ®renje unb aerfdjmctyte nun ntyt 
auc$ mit ^ufitifd^en 5Ra<$baro ft$ au aerbinben. ©ein Hbfage* 

1) «rentier VU, 222. 




478 



gctbjug 9K6re<*tt IV. 



brief on «Ibred&t ift au« ©tralonifc bartert. Unterftüfct Don 
ben bairifäen glüfylingen, unternahm ber ©tyme SRafcfo bom 
JRatyol Don ber ©urg aitennufeberg au«, mo er al« be« Degen* 
berger« ©urgfauptmann fa§, berfceerenbe Cinfäfle in 8lbre<$t« 
ßanb. 3n 8anM$ut mürbe barum gegen ben S)egenberger imb 
$an« bon ftufjberg at« ©egünftiger unb Reifer ber ftefeer ber 
8irc$enbann aerfünbet unb Älbrectyt beauftragte ben Dr. üWatr, 
eine Ärieg«erflarung an bie ©egenberger unter SSermertung 
biefe« firc$lic$en Urteil« ju entwerfen. Unb nun mugte ber 
©egenberger erfahren, ba§ bie fcom ftaifer einem bairifcfcen 
Sanbfaffen oerliefcne SReic$«fret$eit nic^t me$r al« ein ferner 
2itel toar, toenn tyn nic^t juglei# bie 8anbe«$erren ber Untere 
tfcanenpflicty entbanben. 9tac$ beut ©erlufte feiner Stammburg 
$atte er bur# änle^nung an $erjog Subtoig beffen ©$irm ju 
gewinnen beifügt unb too$l in ber ftillen Hoffnung, auf biefem 
ffiege DieHeic^t bic $erjoge unter ft$ ju entjtoeien, im 3uli 
al« ßubtoig« SRat unb Diener fi$ aufnehmen (äffen. Dtefer 
©etfuc$ mar fe^lgefölagen, ba tfubtoig über bie $flic$ten bai* 
rifc^er ßanbfaffen ni$t anber« backte at« ber 3Rün$ner ©etter. 
Da bie $errf$aft Degenberg in 8lbrec$t« Sanb liege, $atte 
Suburig verlangt, bafj fcer Degenberger bor 8lbrec$t ober beffen 
Waten 9te$t fu$e, unb ba biefer ni$t barauf einging, $atte 
er i$m föon im Sluguft 9?at unb Dienft lieber gefünbet. auf 
älbrec$t« $üf«gefu# aerbanb er fk$ bann mit biefem gegen 
ben Degenberger unb föidte biefem oerf pätet (31. Dej.) feine 
Ärieg«erflärung, inbem er jugleicfc San f>olup ju feinem oberften 
Hauptmann ernannte, ber ade« fo beforgen foffte, al« ob er, 
ber $erjog, fetbft jugegen toäre l ). 

©effere grucfct trug bem Degenberger unb SRufjberger t$r 
Dtenftber$altnt« §u $erjog 6$riftop$. ®$on im 3uli förkb 
Submig an »Ibrecty, ß$riftop$ fei toillen« biefe Herren feu 
unterftüfeen. Hm 29. Sßobember melbeten SRatfo Dom Äatyol 
unb ®eorg fcuföl, Hauptmann unb Pfleger ju Hltemtufjberg, 

1) 2>ic ^fiuflg n>teber$olte «ngabe, baß Stob&lg felbjl am gdbjuge 
teilgenommen, $ä(t gegenüber ben Urfunben ni$t ®ti<&. 




gegen best $etrn fc. ©cgenberg. 



479 



an <S$rifto$, «[(brecht $abe tynen mit Wettern unb gußoolf 
ade 3ufu$r Derfoerrt, unb baten tyn um eine $i(fe oon 
20 $ferben. Unb Don #an« $eutf$er, einem Dienet e&riftop$$, 
liegt ba« ©elenntni« Dor, bog er Don feinem $errn na# Hften* 
iwßberg, oon bort at$ Hauptmann na$ bem ffieißenftein ge* 
fc^tcft tourbe. 83on einer perfönlic^en £etfna$me S$riftot>$« 
am ftriege ift iebo# bi«$er nictyt* befonnt getoorben unb nam* 
$afte Unterftfifeung ju leiften fear tym bur$ feine SKittellojig' 
feit oertoe^rt. 

9m SRooember eröffneten »forest l ) in eigener $erfon unb 
3an §t>lup aW **ubtoigä gelbfauptmann mit beträchtlichen Streik 
fräften ben gelbjug, ber einen raffen unb bur$au4 glü<fttc$en 
©erlauf na$m. Die ÜKün^ner 8anbfc$aft hatte fär bie ftrteg«* 
riiftungen unter ber ©ebingung, baß einigen ©efömerben ftatt* 
gegeben »erbe, eine Steuer betoifligt, bie man in Anbetracht 
beffeti, baß bie ©egner benn boch nur ein paar (Sbetyerren 
toaren, at$ fe$r h^h bejei^nen muß. 3m Obertanbe toar fie 
auf 17 365, im SRorbgau auf 4429 p. rfcin. angeflogen 8 ), 
©t* jur jmeiten 3anuartoo$e 1469 toar ba« ganje begen* 
bergifäe ®ebiet, bie f)errfchaften Degenberg mit ©$öne<f unb 
Sengborf, SBelßenftein, 3n>iefel unb im ffiinlel mit ben ©urgen 
gallenfelö, ginben, $aibftein, SBeißenftein, ©älbenburg, äften* 
nußberg 8 ), Äotmberg in ben $anben ber ^erjoge. ©Stben* 
bürg mußten bie SSerteibiger am 4. Dejember gegen freien 
Hbjug an ^>oluj) übergeben. Den SBeißenftein nahm »(brecht 
felbft in ber SRacht auf ben 5. Dejember f ohne merfluhen 
Schaben", $eter# Don Degenberg $>auäfrau SWargarete, toefche 
bie ©urg übergab, mußte in* Slenb jiefcn. SRach biefem (Sr* 
folg glaubte »(brecht ber beftettten öfterreichifchen ©ölbner ent* 
raten ju lönnen. ©alb aber rieten bie ©urghauptleute, bie 

1) Hm 15. €ept. hatte er ju £anbt$at an* ein ©<hu&- unb £rnfe« 
bfinbni« mit ©tföof ©ühetm um (BtyjlSbt geföloflen. 

2) «rennet V, 326 f. 349 f. 

3) 3ut (BtoBetung biefe« @<$fof[e« hatte üubtorig *ftre*t (16. 2>ej.) 
100 Keifige, 300 ju guß unb 100 mit $anen unb ©Räufeln jugefagt. 
tt.-H. ©ejieflung SolufrS al« beten «nführet, Obttba^et. «t$. IX, 407 



480 3lf6re$t IV. gegen $an« t>. 2>egen&erg. 



Hlbrety in ©eigenftein einfefcte, 100 öfterrei($ifc$e ©ölbner, 
bie bereits in Raffern ftanben, nic$t umleiten 31t laffen, ba ba« 
aufgebotene ©auern&oll „jur SBe$r untauglich fei". 

8uf Ättennufberg, u>o fonft $an« Don Degenberg gekauft 
$atte, mar feinem ©urg^auptmann {Rafcfo oom JRatyol eine 
SBarnung jugefommen, unter ber ©efafcung fei einer beftotyn, 
im ©$lof? an mehreren Steden geuer anjulegen; fonrie bie 
flammen auffliegen, »ofle ber geinD jum ©türm (breiten- 
Der ©ö$me forgte bafür, ba| e« nid)t fo toeit lam; am 
5. 3anuar, am felben Jage, ba Sübrety unb $olup meint 
&or ber ©urg erfetyienen, lieferte er fte tynen au« unb u>a$r* 
f#einli# toar freier Äbjug ber ©efafcung nur bie gerftigfte 
®unft, bie tym jugeftanben toarb, benn fetyon am 13. 3anuar 
erhielt er bon fjerjog »Ibre^t auf brei 3a$re unter äugerft 
günfttgen ©ebingungen bie ©eftatlung al« Pfleger ber $err* 
fc&aft im ffiinlel: auger einem tieinen 3a$re«folt>e feilten t$m 
fämtlt$e Lüftungen ber f)errföaft jufaßen. 

Die Sage an ber böfcmifcfcen Orenje blieb infolge ber 9Ser* 
binbung be« 3>genberger« mit böbmifc^en ©aronen noch einige 
3a$re bebro$li#. 3m 35ejember 1469 erlief Älbrecfct Hu«* 
treiben ju SRüftungen gegen ©ö&men *), im gebruar 1470 
fam bie 9k$ri$t, ba§ je$n bd$mif$e ftricg«$erren in ©aiera 
einfallen tooüten; lieber im SDtai ff\t\t Wibrecht auf Ortmb 
eingelaufener 9la$ri$ten einen angriff ber ©Bfcmcn für unmittel* 
bar beoorftefcnb 2 ). Der Degenberger, ber am 25. 3anuar 
1471 mit 41 f>elfern Hlbred^t einen «bfagebrief s ) fanbte, fofl 
mit 5—6000 SWann toirfli($ eingebrochen fein. 1472 brang 
eine bö&mifcfce ®$ar bi« über ftSfcting &or, brannte einige 
©urgen unb bie ©orftabt ß$am nieber, unb no# in ben 
©teuerregiftern oon 1475 lieft man allertoärt« läng« ber ®renje 
Don „ verbrannten (Sötern" 4 ). <5nbli$ loarb bur# bie 5£$ron<» 

1) «rentier V, 384. 3m Sanuar 1470 folgte ein Sfrtltyer 8efe# 
Subtotg«; 92.-9., HRufterungen I, 47. 49. 

2) Ärenner X, 18. 

3) flrroben IV, lOOv. 

4) Ärenner X, 42. 45. 




*torfiberge$enbe ®intra<$t unter bat ©rübern. 



befteigung be$ jungen ftönigä ffilabitfauS in ©ö$men unb burity 
enge ©ünbniffe, toet$e Sllbred&t im 3uli unb »uguft 1472 mit 
tym unb feinem SSater, Äönig ftafimir von $o!en abfc^Iog 1 ) / 
bie ®efa$r von biefer ©ette abgeivenbet. ©er ©egenberget 
ftanb verlaffen *). 3m November 1471 $atte er an bie ©trau* 
binger ßanbfdjaft eine flägtiefce ©efetytoerbe gegen bie von Slbrectyt 
an tym verübte ®eu>alt ergeben laffen s ). Sei manchem feiner 
greunbe unb früheren 93erbünbeten mag fein 9lotförei {Bieber* 
$aH gefunben $aben, bo$ bi* jur Slufte^nung gegen ben 8anbe$* 
$errn lieg fid? fetner fortreißen. Siactbem $>eriog ßubtoig am 
25. 3anuar 1474 einen ffiaffenftiüftanb vermittelt fcatte, ber 
bann tirieberfcolt verlängert mürbe 4 ), gelang e« bem vertrie* 
benen SRetc$$fret$errn fpätcr unter Umftänben, bie no$ ni#t 
völlig aufgeflärt finb, bur$ gütlichen ©ertrag von 91bre$t bie 
<5infefcung in feine ®üter, auc$ in ba« in ber Samilie erbliche 
©traubinger f)ofmeifteramt, bo$ nic$t in ben fogenannten 
ffiinfel, ben fi<$ ber $>erjog nun vorbehielt 6 ), tirieber ju er* 
langen. 

<S6 tonnte nid)t fehlen, baf? 8Hbre#t$ burctygreifenbe (Erfolge 
im ©airiföen ffiatbe au# auf feinen feinbltyen ©ruber jurfid* 
toirlten. ©ie ©emütigung be$ ©egenbergerö toirb C^rifto^ 
geneigter gemalt $aben auf feinen (Eintritt in bie {Regierung 
ju verjictyten. «m 6. SWai 1469 vertrug er ft# in üWünd&en 
mit Slbrec^t, fteflte tym Äetyeim jurüd unb überlief i$m auf 
fünf 3a$re feinen Slntetl an ber {Regierung gegen eine Jährliche 
{Rente von 3000 p. rfcein. unb ben ©eftfc be$ ©<$toffe« $S$t 6 ). 

(Sä folgte eine furje ^eriobe ber eintragt unter aßen 
©rübern. 3n folgen Reiten tonnte <S$riftop$ too$l tote ein 

1) ©e$. et.-«. Oefele n, 249—251. 

2) &a$rf4einti4 mit ttfidftyt auf fyn unb €$ri|tort erneuerte 
tttbre<$t im Bjmt 1469 ba« »erbot ber «erafüng au bie toejtffittf$en 
<&ertyte. Ärenner V, 373f. 

3) Ärenner X, 12. 

4) «rroben IV, Ulf. 

5) Ärenner X, 378. 393. 394. 

6) Äreuner V, 380. 

»ieilet, OeftWe »ateml. III. 31 




482 ©olfgong« *ergebtt<$e« ©erben um bot ÄatbtaaW$ut. 

bienenber Äämmerltng bem älteren ©ruber fty gutmütig untere 
orbnen x ). gür ffiolfgang lam «forest, nun mit beffen ©ei* 
ftimmung, auf ben $lan einer geiftlid&en ©erforgung jurütf. 
SRictyö geringered aber at« ein ftarbinaWfrit foüte i$m 6nt- 
f^äbigung für bie $erjoglic$e 2Ra$t bieten, erlaubte 5ürfore$er, 
ber ftaifer, ber ftönig &on Ungarn, $erjog ßubtoig, ein fcerjos 
ton @a$fen, auc$ ein päpftlicfcr 8egat liefen ft# gewinnen, 
SBolfgang* ©etoerbung um ein ftarbtnalat bur$ (Smpfetyfong«- 
treiben an bie Äurie ju unterfiüfcen *). Dag biefe »et* 
toenbungen tyre §ru<$t tragen toürben, mochte man um fo 
fixerer hoffen, ba $apft $aul II. no$ aW ftarbinal bie ©ruber 
bei tyrem ©tubienaufentfcalte in SRom fennen gelernt $atte. 
9ia#bem Älbrectyt in 8anW$ut fein Sanb ber gürforge be* 
©etter* ßubtoig empfohlen fcatte, befugte er mit <5$riftop$ unb 
ffiolfgang bie ©etytoefter unb ben ©etytoager in SKantua unb 
toityrenb ÄBolfgang bort jurfief blieb, Begaben fi$ 8Ubre$t unb 
<£$riftop$ na$ töom. 3Rit <g$ren empfing fte ber $apft, 
manche ®naben mürben irrten getoä^rt, boety ber ffiunfö, ber 
fte &or ädern an bie Äurie geführt $atte, fanb leine (Erfüllung s ) 
unb in ©olfgang* ©ecte föeint Don bem ©Reitern biefe* 
$lane$ eine ©erftimmung jurüdgeblieben ju fein, bie ft# gegen 
Sllbred&t toanbte. 

Viuä) Sfcrifto^ fanb in feiner beföeibenen Stellung unb 
in bem ruhigen geben ju $>aufe nk$t lange ein (genügen 4 ). 
®#on 1465 $atte man am 3Rüm$ner $ofe ft$ mit planen 
getragen t&n im Äuätanbe ju befctyäftigen. ©igmunb färieb 
bamaW an ben Äurfürften gtiebriety &on ©ranbenburg, ber 
junge too$lgefc$i<fte $err fei fe$r begierig frembe Sanbe ju fe$en; 
ob er ni$t an feinen, an ben polniföen ober bäniföen f)of 

1) Äugerungen jebo$ nrie jene, ton ber gfietrer, 81, berietet, 
nxtren »o$t ni*t frei »on Sronie. 

2) gfirflenfad&en XI, 127 f. 

3) «lbre$t« treiben bei Ärenner VIII, 18, jdgt, bog «rupetf 
(c. 445) au$ über Hefe Homreife mangelhaft unterrtytet ifl. 

4) 3um flgb. f. bie Äorreftonbenj bei ©oigt a. a. O.; ftreuner 
VUI, 10f., X, lf.; Ätu<f$o$n, Subtoig ber Hei$e, 7. Cjturf. 




488 



lommen Knne? 1 ) 3m $etbfi 1470 faßte nun (S^ripo^ ben 
bon nihxtfy fteitbtg begrüßten (Entföluß feine fiberföäumenbe 
3ugenbfraft in ber grembe ju oertoerten unb in ben Dienft 
be$ glänjenben £>erjog$ Äart bon ©urgunb ju treten. Dur$ 
eine ®efanbtfc$aft empfahlen tyn Hlbre^t unb ber Setter 8ub* 
feig am burgunbifäen f)ofe unb $erjog Äarl na$m ba$ 3ln* 
erbieten auf$ befte auf: ni#t at$ Diener, tote einen greunb 
tooüe er ben jungen ffiitteWba^er galten. Um fo me$r ber* 
ftimmtc e$ Htörectyt, al$ fi($ na* (Eintreffen biefer günftigen 
©otfc&aft ertoieä, baß (5$riftop$ mitttertoeile feinen ©Inn ge* 
anbert fabe unb nid&t* me$r t>om burgunbifdjen Dienft Riffen 
tootle. (Sr backte nun bo$ lieber an SBerbefferung feiner 
$eimif$en ©teflung, »erlangte Dorn ©ruber (Einberufung ber 
8anbf$aft jur {Beratung über mistige Dinge unb Heß ft$, ba 
Wbred&t bie« abfölug, me$r unb me$r in gereijte Verbitterung 
hineintreiben. Äned&te beä in feinem Dienft fte^enben ©eilen* 
borferS Ratten bei gretmann untreit ÜKünd^en einen ©fraß* 
burger ©ürgcr Utric$ bon Düten beraubt. Da fic$ biefeö 
Äbenteurerd, toie i$n ß^rifto^ nennt 2 ), bie Sibgenojfen an* 
nahmen, bef$u>i$tigte 9ttbre$t beren gorberungen burcty eine 
©elbfumme. aber S^rifto^ tootlte fic$ m<$t gefallen (äffen, 
baß «Ibrectyt biefe HuStage oon feiner SRente in Äbjug braute. 
Durcty einen SRaufoanbel jtoifäen $erjogli<$en Dienern toarb 
enblicty fein $aß gegen ben ©ruber }u $eHen flammen ange* 
jac^t. 3n einer gafd)ing$na<$t, ba 8lbre$t mit feinem ©e* 
folge jur Äurjtoeil in ben ©äffen ber $auptftabt fic^ $erunu 
trieb, toarb £$riftop$ Diet$o<$, genannt Sung, ein Diener 
<5$riftop$$, oon einem bon Älbre^t« Dienern oertounbet. 5Ra<$ 
»brecht« Darfteilung mar e* ?ung, ber ben Äamtf gefugt 
unb begonnen fatte. ®lei$too$I berbot <S$rifto)>$ feinem 
Diener ben angebotenen ©d&abenerfafc anjune^men unb auf eine 
friebitdfre ®ü$ne |i<$ einjulaffen. (Sr unb fein ®efoIge trugen 
oon bem 8fogenbli<f an große üWeffer, unter ben Stödten $ar* 

t) gottgoltu*, 9}aW 170. 

2) Ärenner VIII, 122; t>. $efner, «Kraft IV., 75. 

31* 




484 



$crjog «hrtfloph 



nifd^e, bei 3?ad)t ärmbrüfte. »(brecht glaubte ju toiffen, ba§ 
fie ihm auflauerten, um ihn }u entführen ober umzubringen. 
Sine Äußerung S^riftop^ toarb ihm Unterbracht: er bebauere, 
ba§ er nicht eine« Tage«, ba er Wibrecht auf ber ®affe be* 
gegnet, bie Gelegenheit wahrgenommen habe über ihn fftxiu* 
fallen. 

Hm 23. gebruar lieg Wibrecht feinen ©ruber ju ÜWünchen, 
toährenb er im ©abe fa§, oerhaften unb in einen Turm ber 
ÜReuen gefte fperren. SRur $erjog ©igmunb toar in« ©er* 
trauen geigen unb einoerftanben. ffiotfgang entfloh auf bie 
ftunbe oon ber Zfyat au« ber $auptftabt. 

ihm fanb ßhriftoph nun ben rührigften ©ertetbiger. 
2Wit unermflblichem ©ifer fuchte ber jüngfte ©ruber in Schrift 
unb {Rebe Wibrecht« ©orgehen at« föreienbe« Unrecht ju er* 
metfen unb feinem gefangenen ©ruber hilfreiche gteunbe ju 
Werben, ©eine ©riefe gingen an ben ftaifer, an ben päpft* 
liehen ßegaten, ftarbinal granj t>on ©iena, an ©igmunb oon 
Öfterreich, Srnft unb albrecht oon ©achfen, an »Ibrecht «chitle«, 
an bie ©tabt SDtünchen unb an bie oberbairifche 8anbf<haft. 
Gegenüber biefer betonte er, baß Wibrecht nicht für fleh allein, 
fonbern für alle ©rüber, al« beren verpflichteter Amtmann" 
ba« gemeinfame Srbc regiere, baher feine ÜÄa^t nicht ju ihrem 
©chaben brauchen bürfe. JDie Sanbftänbe aber feien Wulbtg, 
iebem ihrer rechtmäßigen ©rbherren gegen männiglich Öetb unb 
Seben, Shre unb ®ut ju fchirmen. Wibrecht fei bureb einige 
9?äte, in«befonbere burch ben fallen unb ungetreuen f ©üben", 
^Detter ÜÄartln SDlair oerleitet toorben, mitgeunrlt habe auch 
be« 5DoItor« ffieib mit ihrem fortbuch 1 ). Oft, auch nächtlicher* 

1) 2ü*btt<hcr, out benen man, jutoetten mit 3nhUfeuahme oon ©fir- 
fcln, toahrfagte, begannen bamal« jur SWobefptelerei ber botnehmen 
<&efellf<$aft jn »erben, toicn>o$l föon im 14. Sahrhnnbert Otto ton 
$affau in feinen „Sfterunbjtoanitg Hlten" ihren <5ebrau<h, ber toiber ©Ott 
unb bie hl @<hrift fei, beworfen hatte. HRehrere iHufirierte üoSbücher 
and biefer 3eit (1461—1499) mit Oebrauchtantoeifungen unb frönen 
Malereien haben fl<h erhalten im cgm. 312. 9m @$luffe einer ©e- 
branchtamoeifung, f. 97 v., fleht: Glaubestu es nit, so bista dennocht 




in SRümhen gefangen. 



toeile, fyibt SUbrecht 3Rair« $au$ befugt, unb lange £eit hl 
aüen Dingen unbebingt beffen {Rat befolgt. §Ra<h 3Rair* 
$(an foüte Hlbrecht auf best Sage ju SRegenäburg jum $aupt* 
mann tiriber Oeorg ^obiebrab aufgeteilt (ogt. oben ®. 443), 
ba$ (Selb au« ben ÄbtagftMen ihm jugetoenbet, enblith fogar 
bie böhmifche ftrone oerfchafft »erben, ßhtiftoph unb ffiolf* 
gang foBten Dom väterlichen Srbe oerbrängt, toomöglich au« 
bem Sanbe entfernt »erben unb ba bie* nicht gelungen , fei 
— auf SDtairä 9?at — ber erftere gefangen gefefct »orben. 
Einige gleuhjeitig jur f>aft gebraute Diener €hnfioph$ ^abe 
Wibrecht foltern laffen unb fcor etlichen Sanbftänben bie ihnen 
erpregten »udfagen *) al$ 3 e ngniffe ^Xbn i^ten f)errn burch 
Notare aufteilen laffen, eine fmnblungä&etje jtoif^en ©rü* 
bern, bie unter £>etjogen oon ©aiem unerhört fei. 

SRach SDtartin ÜKair ttaren biefe ©^reiben SEBolfgang« 
©chmähbriefe, tme fie im SRetht al« libelli faraosi bejeichnet 
unb bei ^o^er ©träfe oerboten feien. Cr unb $erjog SUbrecht 
f&umten nicht 33erteibigung$fc$riften *) ausgehen ju laffen unb 
toenn e$ auch richtig fein toitb, ba| »tbrecht ju Änfang feiner 
Regierung ben erfahrenen 8anb*huter Staatsmann Diel beraten 
^at, fo ifl boch lein ®runb oorhanben an fetner (Srflärung ju 
jtoeifetn, bafc SWair um ben geplanten @$lag gegen fihtiftoph 
nicht oorau* gefugt habe, Hm elften bürfte oon ffiolfgang« 
Hnllagen bie auf bie Folterung ber Diener bejfigltche ©tauben 
oerbienen; in unferen Sitten toentgften« toirb ihr nicht toiber* 

ain Christen. 3n$ ein gerat* ju $anb*hut im Anfang be* 16. 3ahr- 
hnnbett« gebrudte« 2o*bu$ mit ©oljfönitten beftfct bie ©taattbibUothef. 

1) III* biefe barf man toohl betrauten bte toon Bremberg, ©efö. 
ber Sanbftönbe I, 643 t>eröffentU<$ten ©eflSnbniffe be* <5$riftoph Tiengen- 
auer unb 3örg ©<$ambed, au9 benen hier nur no<$ ertönt fei, baf 
(Shtiftoph mit Ggfof öon föiebhetm, ©otf t>on ©(froangau unb bem 
2)egenberger geheime »er^anblungen gepflogen nnb einmal auc$ an St* 
bre*t« Entführung nach $ohenf$tt>angau gebaut h<*be. 

2) ün einen ungenannten Äarbinal (n>oh( grauj b'on @iena) ift ein 
e^reiben SKatr* t>om 25. SRai 1471, £anb*hut, gerietet, toorin er fleh 
mit bem üblichen Sfofaanb humanifllfifrer (Sloquenj »ettUfoftg gegenüber 
IBolfgang« ©eföutbigungen terteibigt. Olm. 9809, f. 377. 




486 



forochen. gür bic entfe$H$e Ungerechtigleit unb ®raufam!ett 
eine* berartigen ©erfahren« finben fid^ auch fonft im Wttd* 
alter unb gerabe in SBünchen ©etfpiele; e« tft nicht nötig bi« 
auf bie römifchen ©ftaoen jurücfjugehen , bie bei einem rätfel* 
haften 5Eobe«fatte be« $errn gefoltert mürben. Pehmen totr 
ober auch ben für Hlbrecht ungänftigften gatt, fo bfirften bo<h 
bie «u«fagen biefer gefolterten Diener «Ibrecht« ©eu>ei«material 
für be« Omber« glimme abfluten nur oerftarft, nicht erft 
gefchaffen $aben. 

Hlbrecht nullit*, an ben $erjog «Ibrecht befonber« ein* 
gehenb }u feiner {Rechtfertigung förieb, erflärte fich für feine 
ber Parteien, fonbern begnügte fich mit ber Änttoort, bog ihm 
bie 3roietra<ht ber ©rüber fehr leib fei, $erjog Subioig tabette 
ffiolfgang« ©orgehen ernftlich unb bat ihn innehalten, bot 
bem Aaifer {eboch oerhallte ber ausgeflogene {Ruf um $ilfe 
triebt ungegart. Stuf bem großen läge ber S$rtften$eit, ber 
jur Beratung über bie Hbtoehr ber £ür!engefa$r im ©ommer 
}u SRegen«burg abgehalten tourbe, erfchien ffiolfgang, begleitet 
tton $an« SRugberger unb anberen {Rittern be« aufgelösten 
©öeflerbunbe«, unb oerfocht mit ©erebfamfett ßhriftopb« ®ac&e. 
ffienn Hlbrecht, ber mit 200 $ferben in {Regettfburg ein* 
geritten mar, bie ©erfammlung balb unb plöfelic^ oerltefi, ge* 
fdfah bie« too$l nicht toegen be« oorgefchfifcten ©runbeS, ber 
<5rfranfung feine« ©ruber« ©igmunb, fonbern »eil er bie 
«Stimmung ber oerfammelten Surften unb 3Ra$tboten nicht 
nach feinem SBunfche fanb. Schon oorher, mie e« fcheint 1 ), 
maren im Huftrage be« Aaifer« unb ber ©erfammlung $falj* 
graf Otto oon SReumarft unb ber ©tfchof ©«heim oon (Sich* 
ftäbt nach SWfinchen gegangen, um Shriftoph« greilaffung ju 
ermirten. Km 3. Huguft erlieg bann ber Aaifer, ba btefe ®e* 
fanbten nicht« ausrichteten, an Wibrecht unb ©tgmunb ben ©efehl 
<5hriftoph freijulaffen, too nicht, fleh öor einem {Recht«tage ju 
fiellen. {Räte be« Aaifer« unb be« $erjog« Stabtoig fnfipften 

1) 9to<h tixnptd, c. 449, am 18. 3utt. «u&crbcm f. bef. Ve- 
rneinet III, 483 f. 




©cfangenfchaft in SWfinchen. 



in ÜÄfinchen neue Unterhonblungen an, im September beschäf- 
tigte p$ ein SWfinchner Skmbtag mit ber Angelegenheit, auch 
fofl SUbretht mit bem ftaifer normal im ftlofter Prüfening 
nahe bei 8tegen«burg jufammengetroffen fein, aber feinen (ge- 
fangenen g^b er trofc be« faiferli^en Oebote« nicht lot. (St 
fuc^te unb fanb bamatt ©finbniffe im {Rüden be* ftaifer*, bie 
baju bettrogen mußten biefen ju oerftimmen, »enn er auch att 
Gegner ausgenommen toarb: am 19. 3uli 1472 toarb ju 
$rag ein ©unb Hlbrecht« mit ffilabislau« bon ©5^men f am 
12. Huguft ju ftrafau mit ftapmtr bon $olen beurfunbet. 

Um ben gefangenen ßhtiftoph nahm ftch außer ffiotfgang 
auc^ $faljgraf Otto oon SReumarlt mit (Sifer an. 3n einer 
SRacht erfebien tiefer gütft mit einigen (Setreuen heimlich bor 
JKfinchen, um einen ©efreiungäoerfuch ju toagen. SRachoem fie 
ihre SRoffe in ben ©emüfegarten bei ber Seprofenftrche (oor 
Schwabing) jurücfgelaffen Ratten, näherten fte p<h }u gufs bem 
Xurm ber neuen gefte, in bem (Shriftoph gefangen faß; Jefct 
fte^t bort ber gegen ben $ofgarten fchauenbe ndrblic^e glfigel 
ber neuen Siefibenj. Der grauenbe Sag unb ba$ ängftliche 
@ef$ret aufgepörter Sögel riet ihnen oon ihren firpeigung** 
fcerfuchen abjuftehen, ehe fte gelungen toaren 1 ). 9?och am 
1. Huguft 1472 »erfocht Otto in durchreiben an «tbrech» 
©tfibte unb SRärfte <£h*tftoph« ®*$*, forberte »»recht« Untere 
thanen auf, ihrem gfirften feine $ilfe gegen ihn ju leiften unb 
erhob gegen «tbretht bie ©efchulbtgung , er Ifaht einige b5h* 
mifche $erren ju einfallen in fein Sanb aufgeftiftet. 

Glicht biefen ftärmifchen SBerfuchen, fonbern ber gütlichen 
Vermittlung anberer S3erti>anbten, be$ $erjog« Subtirig, be« 
$faljgrafen griebrich unb ber $erjoge (Emft unb Wibrecht &on 

1) gfietrer, 71; «rn^eef, 449. Otto vermittelte anch am 2>oro- 
theentage 1471 jmifchen ©«heim töomnng, ©nrggrafen jn fceinj, unb 
anberen böhmifchen $cnen emerfeit« unb «brijlort anberfeit*, gegen beu 
biefe toegen ni#t bejahten QoVbt* {maty ton ber begenber giften gc^bc 
her) unb ©chabenerfafcfofberungen eine gehbe begonnen hatten, in ber 
bereit« Gefangene gemacht »orben toaren. Sieben «briftort »erben auch 
feine ©rüber genannt. Prjtatfachen XI, 162. 




488 



Saufen oerbanfte (S&riftopfc enblty feine Befreiung. 92a$ 
einem ju {RegenSburg (9. Oft. 1472) oon $erjog Subtmg unb 
{Räten ber anbeten gürften erlaffenen ®c$tebfpru#e mürben 
ß$riftop$ unb feine Diener na$ neunjefttmonatlic^er $aft 
gegen 8Iu$fteflung einer Urfe^be, toorin fte fk$ mctyt ju rächen 
gelobten, entlaffen. Saut be$fefl>en ©pruetye* Ratten fic$ bie 
fcier ©rfiber gegenfeitig ju oerfetyreiben, bag fynfort feiner Don 
tynen „ben anbern bom i*eben jum 5Eobe bringen, töbti<$ ber* 
tounben, fangen, mit $eere$fraft überjie^en ober befe^ben" 
tooüe, unb am folgenben Sage ftettten bie ©rüber tyrer 8anb* 
föaft urfunblty ba$ ®elöbni$ au$, in 3"tonfc ^rieben unb 
Sinigleit unter ftety ju erhalten. 

3ur Regierung aber Heg 2U6re$t ben ©ruber au$ bann 
ntyt ju, aW bie fünf 3a$re berftrietyen toaren, nac$ benen bie« 
gemäg tyre« lefeten äbfommenä gefc$e$en foöte. &$riftop$, 
ber bamalä einige 3^* $°f e Wne« greunbeä Otto in 
SReumarft toeilte, fu<$te bie Sanbftänbe gegen ben ©ruber auf* 
ju^efcen unb mahnte fte tym feine ©teuer ju bejahen 1 ). Dag 
Hlbrety in bem ©ünbniffe, ba« er mit SUbrety »<$ille$ ab* 
fölog, feinen dürften oon ©aiern au£na$m, bot i$m neuen 
(Srunb ju ©efötoerbe. Vergebend bot i$m $erjog Subtoig at* 
$ret* be$ 8u$glei<$« mit bem ©ruber ein ©finbni* auf jeftt 
3a$re an *). (Srft nac$ langem ©treit fügte ft$ <£$riftop$ 
bem ©pruetye eine« au« $erjog ©igmunb unb fec$je$n äRtt* 
gliebern ber Sanbfctyaft beftefcenben ©$ieWgeri$te$ (20. ÜRärj 
1475) , ti>ona<$ Hlbre^t weitere je$n 3a$re allein regieren 
foflte, ß$riftop$ ©c$tog $a$l, ©tobt ffieityeim, ©tabt unb 
®$(og 8anb$berg (icbod^ o$ne bie obrigfeitlidfren 8te<$te in 
btefen ©efifcungen) unb auger beren 3taf*n ia$rli<$ 1400 fl. 
r$ein. erhielt s ). Älbredfct« Sanbfc^aft braute burety eine ©teuer 
20000 p. auf, loomit 8Ubre<$t eine ®<$utb 6$riftop$« beim 
$falagrafen Otto bedte 4 ). 

1) 9. 3ani 1473; «renner VIII, 120—127. 

2) Oberbösa, IX, 418: 1473, 3uni 3. 

3) «renner Vin, 50f. 67f. 79f. 156 f. 

4) «reuncr VIII, 214f. 233f. 




(Efctijiort im 2>ienjlc M Ä. 3Ra$ia* fcon Ungarn. 489 

£)aj$ S$riftop$ innerlich trofcbem mit bem ©ruber ni<$t 
au«gef5$nt mar, geigt ber ©orfölag, ben er tym am 8. ÜJJai 
1476 brieflich machte: Jeber fotte oon $arnifc$, Stoffen unb 
©äffen ju ftety nehmen, wa« i$m beliebe; fo gerüftet wollten 
fte gwiföen (Srbing unb 2Wün<$en, an ber ©renge be« 
SDtänc^ner unb 8anb«$uter 8anbe$ treffen unb bur$ 3roeifampf 
tyren ©trett jum HuGtrag bringen. 9Ubre$t antwortete auf 
ben fonberbaren Antrag, er wolle barüber feine ©ruber unb 
State $ören. ©afc biefe gegen bie Annahme waren *), lägt flti) 
benfen. 

Gnbttcty entfölog ji<$ ber unruhige gfirft, feine gityigfeiten 
ba ju oerwerten, wo fte beffer angewenbet waren, ära 25. Stu*» 
guft 1476 melbete er Älbrecbt au« 9legen$burg *), baß er Dom 
Uönige »on Ungarn ben Auftrag erhalten $abe fi# gu tym gu 
begeben, ffiie in $regburg am ©amftag bor SWartini be* 
urfunbet würbe , na$m ftönig 2ßat$ia$ (Sbriftop$ mit oiergig 
^ferben in feinen Dienft gegen einen 3a$re$folb oon 3000 fl. 
unb 40 p. für lebe« $ferb 8 ). ßr be^anbelte ben ritterlichen 
gürften mit 8fo$geic$nung unb übertrug i$m Oefanbtfcbaften 
na# Neapel, na# $rag, nac$ $olen. ©on Neapel geleitete 
<5$riftop$ be* ft8nig$ ©raut ©eatrij na$ Ofen, wo im ®e* 
gember 1476 tyre ©ermäfctung gefeiert warb, gür Ä&mpfe 
mit ben lurlen aber war ber ftreitluftige gürft gu fpat na$ 
Ungarn gelommen unb lange litt e£ i$n ni$t in ber grembe. 
8U$ STOatbia« mit Hälfet griebri<$ in ftrieg geriet, richtete 
au$ ß$riftop$, ,ba e8 für i$n ni$t e$rem>oü fein würbe jefct 
be$ ftönigfl ÜHenft gu oertaffen*, an ben ftaifer eine ärt oon 
Äbfagebrief 4 ), fctyeint fid^ aber an ben geinbfeligteiten ni#t 

1) (gebrwft bei 2ipöto$t$, ©erjog (E$rijlöp$ ober ber Kampf 
über SRitregierung in ©aicrn, 1818, @. 142 f.) unb güetrer, 81. 

2) 3n biefem 3a$re, n>o$l Dörfer, treffen nrir €$rijlort an$ in 3nn** 
brud. 9tö$ri#t, 2>cntf<$e «pitgerreifen (1889), 160. 

3) <&e$. $au9ar$U>. 

4) 1477, o$ne £ag; Gemeiner III, 592. 9ta$ Ohron. Salisb. 
(Canisins, Lect. Antiq. 111,2, 493) ijl €$rifiört ju Opern 1477 
gugtei$ mit ben $erjogcn Georg unb Sigmunb ju ©alj&nrg mit bcm 
Äaifer jnfammengetroffen. 




490 



2He $erjoge Gfciflort «nb ©olfgang. 



mefc beteiligt ju fcben unb Diefleicfc mar e$ bo<$ eben biefer 
»tteg, n>a* feine 8tfi<ffefc in bie $eimat befd&leunigte, jwu 
Unheil für ben regierenben $erjog unb ba« 8anb, benn ffym 
im SWärj 1477 befestigten neue Srrungen ber ©rüber bie 
8anbf#aft l ). 

Um fo freubiger mußte e6 Älbrety begrüßen, baß jk$ 
ffiolfgang bamatt (21. 3Jtai 1477) ju einem neuen 9iegierung*> 
fcerjicfc beftimmen lieg. St erhielt eine 3afce$rente Don 
4000 fl. r$ein., worunter bie (Einfünfte ber ifcn jugetoiefenen 
©ctytöffer ®reifenberg unb $egnenberg (au# $(aned mar in 
feinem ©eftfe) inbegriffen untren. SDaju etmarb er nac$ einem 
©($tebfpru<fc ber $erjoge Subttrig unb «Ibred&t (6. Dej. 1477) 
um 7300 p. rfcin. oon ben ©rübern Ufe unb ftonrab »on 
Stiebfcim bie $errfcfcift ©d)toabe<f jurüd, toelcfc bie $erjoge 
3ofcinn unb ©igmunb an beren ©ater oerpfänbet fcttten. 5Die 
©epfcergreifung erfolgte ieboc$ erft na$ blutiger ge$be mit ben 
{Riebfchnem, )u beren Durctyfämpfung ffiolfgang Sibgenoffen 
in ©olb nafcn 8 ). 

ÜWit bem jungen $erjoge ©eorg bon 8anWfcit ging Sfci* 
1480 na$ ffiten, gleic^too^l trug er fpäter fein ©ebenfeit 
in ben ©olb einer Partei ju treten, bie ©eorg fotoie feinem 
fräfcren Dienpfcrrn ftönig ÜWatfcia« feinbli# gegenüberftanb. 
9ta# bem lobe be* ©iföof* Ulrich bon $affau (2. ©ept 
1479) toa^lte ba« ftajritel $erjog ®eorg« ftanjler, griebrty 
SRauertir<fcr 3 ) yim ©tfäof- Dem ftaifer aber, toiemo&l ber 
»perretyifcfc Seil be« Sprengel« feit 1468 aW ©tetum ffite» 
abgeneigt morben, mar in $affau fein ftirefcnffirp genehm, 
ber ben bairtfefcn §erjogen fo nafc panb. Cr unb ber $app 
tooOten bie erlebigte ffiürbe bem ftarbinal ®eorg fcäfler ju* 
toenben. SDie Soften be« unfeligen Streite« trug bie ©tabt 

1) tLxnptd, c.463; Vitus Ebersperg. 730; ftrenner Vm, 254f. 
gftetrer ftfiebt and) €fciftoj>$« Hficflefc auf feine <Wb*erlegenfcit. 

2) Ärenner VIU, 263—280. 

3) Georg fctte bieten bei fernem ^ierungtoitritt an ©teile Hubotf 
«Iberger«, ber jebo<$ fein Rat blieb, jmn Äcrajter ernannt «rn^ed, c.414. 




$af[<met ©iföofjftcit. 



491 



IJaffau. 3»wft auf ©eite be« ftapitel« fiefcnb, bertoeigerte fie 
bem ftarbtaal, al« er im Ottober 1481 bor tyren Sporen 
fristen, ben eintritt unb toarb bafär bon ber 9?ei$*a$t be* 
troffen, ©eibe Parteien rfifteten ft$, i$re 8tnfprüc$e mit ben 
©äffen ju berfe<$ten. 3)em ©ifäofe 8ttebri<$ fanbte ftönig 
SWatfta« bon Ungarn 300 SDiann, $er|og ®eorg 50 Weiter 
unb ba« }ur ©efefcung ber geften ©ber* unb SRieberfcau« 
itätige gufjoolf unter bem Witter äfobrea« ©d)toarjenfteiner. 
$)ie ©tabt $affau unterwarf fic$ au« »ngft bor ben golgen 
ber 9?eic$0a$t am 22. Sprit 1482 bem ftarbinal unb nun 
lieg ©c&toarjenfteiner, um beffen ©njug ju ber^inbew, Dorn 
Obernau« au« fein ®efd)üfc gegen fie fpielen. 9m l. 3uni 
ersten ber ftarbinal mit $erjog (£$riftop$ unb bem fmupt* 
mann be« 8anbe« ob ber <£nn«. £$riftop$ leitete bie ©e* 
fc&iegung be« 5Rteber$aufe« unb na$m ein große« ©cfc^üfe u>eg, 
ba« bon 8anb«$ut au« bem ©c^toarjenfleiner jugeffl^rt toerben 
fottte. Dann fam $erjog ®eorg felbft bor bie ©tabt, ber* 
brannte bie ©orftäbte, futtyte aber bergeben« bie bon ber 3lj* 
ftabt nac$ ber eigentlichen ©tabt fttyrenbe ©rüde in ©ranb ju 
fteden *). ©n am 1. »uguft ju ©il«$ofen gefd)loffener ©äffen* 
ftittftanb gab $äfler ba« ©i«tum, beftimmte Jebocfc ÜWauer* 
firmer ju feinem SRactyf olger, eine ©eftimmung, bie f$on nac$ 
einigen «Bochen in ftraft trat, ba $äfter am 21. ©eptember 
1482 ftarb. 

<£$riftop$ toar, toie ber Gtyronift güetrer e« au«brflcft, „fein 
©parer ober ®<$afcbe$alter, fonbern lieberli#; $atte er aber 
fein ®elb, fo $ielt er auch toeber grieben noc$ 8lu$e\ ©eine 
$änbel mit bem ©ruber mährten fort, trofc aller Vermittlung«" 
berfuifa be« Setter« ®eorg, ber $>erjoge Crnft unb 8Ubre$t 
bon @a$fen, unb belogen julefct ben ftatfer normal jur (Sin* 
miföung. Sßac&bem berfelbe (3. SWai 1482) ©eorg beauftragt 
$atte auf einem gütlichen Sage ju vermitteln, u>a« bann ju 
SanMfcut berfuctyt, aber nictyt erreicht mürbe, na$m er enbli$ 
cntföieben gegen S$riftop$ Partei mit einem SWanbat (13. De}. 



1) <5r$arb, ©ef$. bon $affau I, 205f.; SBftrbtnger II, 141. 



492 



gttbjug «IbretyS gegen <£^riflo^. 



1484), toortn ihm Bei 95erluft feine« (Erbteil« unb bei einer 
©träfe Don 100 Sflarl ®olb befohlen toarb *on bem ©egehren 
einer 8anbe«tetlung abjulaffen ober t>or bem ftaifer ju {Re$t 
ju flehen *). Die je^n 3ahre, für ti>el$e ba« lefcte »bfommen 
ß$riftop$ fcon ber {Regierung au«fchlo6, näherten fich nun 
ihrem (Snbe, aber fo toenig toie Dörfer, ia nach ben mittler* 
»eile gemalten (Erfahrungen tooht noch toemger, toar «»recht 
gemitlt beut ©ruber einen «nteil am {Regiment ju geftatten. 
»t« ba« einfachfte üRittel ben unbequemen Dränger jur {Ruhe 
ju jtoingen bot ft<h bie (Sntjtehung feine« Sanbbefifce«, ber ihm 
\a auch nur auf jehn 3a$re unb nur al« Oegenleiftung für 
ben »erjicht auf bie $errj<$aft eingeräumt toorben toar. (Eine 
(SefanbtÄaft ber ©tabt Saneberg, bie über (tyrtftopf* üble 
ffiirtfchaft nagte, tonnte «Ibrecht ju folchem »orgeln nur 
ermuntern unb mit ber ihm eigenen ©orftcht unb reiflichen 
Vorbereitung, aW ob e« gälte ein grofce« feinbliche« ftrieg«heer 
ju belämpfen, ging er an bie »u«fü$rung. Äm 23. gebruar 
1485, toa^renfr er S^riftoph *<>n 8anb«berg abtoefenb tougte, 
rfiefte er *on 2Rünc$en au« mit 1000 {Reitern, brei gro&en 
ftanonen unb bielem Heineren ®efchüfc. Die abeltgen Herren, 
bie mit ihm jogen, ber bie gufcfnechte befe^tigenbe greifen: 
SRifta« fcon »ben«berg, ber $ofmeifter 3örg oon (Eifenhofen, 
ber 3Rar[chali (Erafmu« *on ^appenheim, bie ©rafen 3örg fcott 
$elfenfteta, 3o^ann unb Ulrich *>on ÜRontfort, gretherr ©ern* 
harb bon ©tauf ju (Emfel«, fünbigten (S^rifto^ in einem 
©^reiben an, bafj fie im Dienfte feine« ©ruber« ettoa« ootU 
bringen müßten, »a« gegen feine Ounft märe — ähnlich »ic 
(Shrifioph 1477 im Dienfte be« ungarifchen ft&iig« an ftaifer 
griebrich getrieben ^atte: at« gehbebriefe im ftrengen ©inne 
be« ©ort« tann man bie beiben 3"f4riften ntc^t auffaffen. 

Dem gelbarmen unb ftet« tetföulbeten Shtiftoph aber 
Ratten, auch menn er bie 3eit gehabt ffittt Gruppen gu toerben, 
boch bie SKittel baju gefehlt. Dhne auf ffiiberftanb au ftoßen, 
fonnte alfo Wibrecht y&ffl, ffieilheim unb Saneberg befefeen 

1) Ärenncr VIII, 385; gütflenfa^en XIII, t. 6. 17. 24. 66. 




£ob M greifyrrn 9Hf(a9 bon Bbentf&crg. ' 493 

unb in toenigen lagen toar ber unblutige gelbjug beenbtgt. 
Do$ ein blutige« 9la<$fpiel follte batan fnütfen. 3tt« 
5RiIta« bon Abensberg in ÜRfint$en bom $erjoge fid^ »er* 
abfötebete, um fcimtoört« ju jie^en, toarnte i$n biefer bor 
feinem ©ruber. üRtt bem 8eben mugte Slifla« e« büfjen, bafi 
er biefe ©arnung in ben ©inb fölug unb auf bie angebotene 
^Begleitung bon 200 »eitern berjid&tete. ß$riftoj>$ grollte bem 
»ben«berger fd&on lange *), benn biefer toar e«, ber mit feinen 
Seuten auf fflefe^l 2llbrec$t« i$n in SKün^en im ©abe gefangen 
genommen $atte. ©ei gretfing lauerte er iefet bem $eim* 
!e$renben auf unb auf ber $<tye bon 2Bei$enftep$an 8lu«föau 
$altenb, fa$ er batb bon 9ttünd&en $er bie reifige ®c$ar $eran* 
jtefcn. SRun ein rafd&e« Oebet in ber ftirc$e jum ^eiligen 
3afob, bag ber ^eilige bur<$ feine gürbitte bei ®ott tym ben 
Sieg jutoenben möge — bann mit bem Oefolge hinunter auf 
bie Siefen, über toeld&e ber 3ug ber aben«bergifd&en Leiter fic$ 
fcinbetoegtel (Sin Denffiein bejeid&net nod& fcute bie ©teile, 
too ftifla« bon «benäberg (28. gebr. 1485) im ftampfe fiel. 
Durc$ ben Dieffer bom $ferbe geflogen, $atte er fic$ bereit« 
al« (gefangener ergeben, al« ©iegfrieb bon grauenberg, ber 
eine greifinger Domfcrrnftetle mit bem ungebunbenen {Reiter* 
leben »ertaubt $atte, ^injulam unb bem ©epegten in ber 
$ifce be« ®efec$te«, o$ne bon biefem «Wommen ju toiffen, 
ben (Sarau« machte*). 3»it tyrem $erm fielen ©urtyarb 
bon 8torba$ au« altem ^inifterialengef<$led&t unb Sorenj 
©ogner, ein aben«bergift$er ftaftner. üRefcrere be« aben«* 
bergifc^en ©efolge« nmrben bernmnbet, anbere gefangen, bie 
Diener $att*n bie glud&t ergriffen, 8luc$ ein «itter, Degen* 
$arb bon Offenfietten, toarb jtoet 3a$re fester in »egen«burg 

1) 92at^ ber <S$rom! bd Sil>o»*tV, (3^ri|lo^ r 161, au* beS- 
$alb, »eil »forest tym geteifie 2e$en gegeben unb babur$ bie örüber 
bettfirjt $abe. 

2) @o bie »togratfie ber $eraogin «unigunbe, fcrauSgegebeu bou 
$e*reuba$, 62 f., bie unter ben fty »lberfore$enbeu ©ertyteu ben 
»otjug berbieneu bürfte. 



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494 



Steuer ttegtenutgflDeratyt $. £$rißotf9. 



ni$t ium SCurnier jugelaffen wegen ber ftelbfluty, beten et 
ficty bamal« Der greifing fctyulbtg gemad)t fcaben foH l ). 

Der Überfall lieg fu$ nictyt mit eftlid&er geflbe entföul* 
bigen unb Styriftopfc, in feinem (Sewiffen beunruhigt, janbte 
na$ {Rom unb bat um »bfelutten Don einer £$at, für beten 
(Belingen er Derber ben ^eiligen angefleht $atte. Arn $hnmel* 
fa$rt«tage empfingen er unb bie ©einigen im ftlofter Änbet^ 
bie 8o«fprec$ung unb bie ©aframente 2 ). 

3Äit 5Rifla« erlofdfr ba« berühmte $au« StbenSberg, eine« 
ber wenigen no$ bfityenben ®efc$lec$ter be« alten $e$en Hbel* 
in ©aiern. $erjog älbrecfct föidte foglei<$ bewaffnete 3Wac$t 
na$ HbenSberg unb ließ bie $errf$aft, wiewohl fie {Reu$«le$en 
war, befefcen. Den 9ie<$t«tttel auf tyren ©efifc aber feilte er 
erft na$ langen Unterfcanblungen mit bem Äaifer gewinnen. 

Diefer ©erteil war laum ber einjige, ben Älbre^t au« ber 
greijinger Untfrat jog. ffia$rfc$einlic$ toirlte bie Stimmung, 
in bie 6$riftop$ bur$ ba« aüju gute (gelingen feine« Änfölag* 
öerfeftt würbe, baraufoin, bag er fiety nun na$ einigem Untere 
$anbetn neuerbing« ju einem frteblictyen ©ergleicty mit bem 
©ruber bereit pnben ließ* 3u (Srbing !am er (20. «pril 
1485) mit biefem überein, bag über feinen Sfafprucfc auf üJltt* 
regierung ober 8anbe«teitung ber ftaifer, über feine anberen 
Serberungen ein 3lu«f($ug ber Sanbj^aft entfc&eibcn foöte. 3n 
biefen Äu«f*ug wählte ieber ber beiben ©rüber 32 $erren, 
6 au« ben Prälaten, 14 au« ber ffiittetföaft, 12 »on ben 
©täbten, überall bie eine $alfte Dem Ober-», bie anbere Dem 
SRieberlanb. Huf Bureben be« fe gebilbeten 8u«fc$uffe« unb 
in änbetra^t ber guten, Üblichen {Regierung Wbred^t« lieg ft# 
bann S$riftop$ am 17. 3uni herbei, auf feine unb «Ibredfrt« 
Sebjeiten auf feinen Änteit an ber {Regierung ju Derjic^ten. 
Dagegen erhielt er {efet ®#tog $ä$l, ©tabt ©eityeim, ,®tabt 

1) »egenflburger Stormerregifler; gre^berg III, 80. 
' 2) gaß at« Äugenjeugen beraten $ter fo»o$t «rnped (c. 464—468) 
al« ber S)i$ter be« «otWflebe« 6ä *. 8iltencron D, 174; gut unter« 
rietet iß an$ ber ©iograp$ Ännigiraben*. Sgl. auc$ öe meiner 
HI, 754. 




ttförety IV. ttnb ©igmnnb ton Xhol 



595 



unb ©chlofj ®$ongau (too er fortan toohnte) unb ©chlofj 
9lauhenlech«berg unter ben ©ebingungen, bog er nicht« baoon 
oerfefcen ober berfaufen bfirfe unb bag bie obrigfeitlichen {Rechte 
Wibrecht getoahrt blieben l ). SDag ihm 8anb«berg nicht toiebet 
jugeuriefen toarb, erflärt ftch toohl au« feinen 3ertofirfniffen 
mit ber ©ürgerfchaft tiefer ©tabt. 

@o toar bie Kraft eine« tüchtigen gfirften burch ftet« er-» 
neuten häu«Uchen 3toift unb unjufriebene Sanbfaffen lange Bett 
lahmgelegt »orben. Hber fotoie er ftch nur ettoa« freier regen 
lonnte, hatte auch Iiibrecht, toie Dörfer ßubtoig ber Weiche, bie 
»ergrößerung feiner Sßacht in« Sluge gefaxt. $telt er fleh 
babei auch oon recht«oer!efeenben ©ett>a(tfc^ritten nicht oöüig 
fern f fo entfprachen boch feiner SRatur mehr friebliche unb 
gefefeliche SEBege. ffibenfo Ilug entworfen toie mit Umficht unb 
8u«bauer oerfolgt, loaren feine langgefoonnenen $täne bem 
Belingen nahe, at« jutefct boch bie Ciferfucht ber $ab«burger, 
bie mit bem ©chilbe be« 8leich« ftch beefen tonnte, unübertoinb* 
liehe ©chranfen fefcte. 

3noem bie ffiittetöbacher, in erfter 8inie älbrecht, mit über* 
legener ©Flauheit bie ©chtoäche unb Oetbnot rine« burch jüget 
lofen 8eben«genug abgeftumpften , burch feine Serfötoenbung 
trofc be« unerfchöpftichen fciroler ©ergfegen« oerarmten gürften 
au«nufcten, eröffnete ftch ihnen noch einmal bie lotfenbe Hu«* 
ficht einen Steil lirol« ju getoinnen. 3n umgelegtem 25er" 
hältni«, gleichfam jur ©fihne, fehlen nun bie Umgarnung ber 
SDtargarete Sßaultafch burch SKubotf oon $ab«burg ftch ju 
toieberhoten. firmer jog ©igmunb, ber $err STirol« unb ber 
oorberöfterreictyiföen 8anbe, hatte fic^ fd&on immer mehr ju ben 
toittel«ba$if$en Nachbarn at« ju feinem !aiferli$en SBetter ge* 
galten, Hm l. 3ftärj 1478 *) fchlofc »Ibrecht ein ©ünbni« 

1) Bntyecf totrb hierin b«r# bic Urtanbe benötigt. Ä renn er VIII, 
460 f.. 477-488. 

2) Regeflen ber im flgb. ertönten Urtanben bei gfirf* 8i$noto«!$ 9 
<Bef<$. b. $anfe« $afc«6urg VIII, Originale jum Seil im 91.-8.. Sgl. 
3 5g er r 2>er Übergang Sirolft nnb ber öjlerr. «ortanbe öon bem <5rj« 
hersoge ©igmunb an ben Ä. äWajimiUan ton 1478—1490; Kr$it für 




496 



«rbbertrSge «forest* IV. 



mit ihm, fraft beffen er ihn, toerni et ftrteg«oolI brauchte, 
mit 300 Weifigen auf brei SDionate ju unterftfifeen unb in 
allen Angelegenheiten ju beraten oerfprach. gerner erbot er 
fleh jur Übernahme oon (Sefanbtfchaften an ben ftaifer ober 
an Äönige, gewährte ©igmunb« Untertanen freien Änlauf oder 
Lebensmittel in feinem 2anbe unb oerjichtete auf bie au« Der 
3eit Subtoig be« ©ranbenburger« rührenben «nfprüc^e auf 
einige liroler tmter. 3«w Dan! für biefe« mannigfache 
(Sntgegenfommen unb u>o$l auch für eine (Selbhitfe »ermatte 
©igmunb (5. SWärs) für ben gafl feine« finberlofen lobe« 
Wibrecht unb feinen ffirben 24000 fL rhein. auf feinen ©<htöffem 
unb Ämtern gragftein (bei 3irl) unb Sanbecl im Oberinnthal, 
bie Wibrecht at« $fänber fogleich in ©efifc nehmen burfte. äuf 
biefen Schritt hin lieg ber ftaifer, ber leine SSeräugerung 
hab«burgifchen Crbgute« bulben tooKte, eine SBarnung an ben 
©etter ergehen, aber e« fcheint, bafc biefer fchon bamal« be* 
fürchtete, ber ftaifer moüe ihn Don ber {Regierung Derbrangen, 
unb e« toirb behauptet, bafj Wibrecht biefen ärgtoohn genährt 
habe. Unter ber ©ebtngung, bag Wibrecht baju helfe ihn in 
ber $errfchaft ju erhalten, oerfchrteb ihm ©igmunb am 19. SWärj 
1479, mteber für ben gatt, bafj er oor ihm unb ohne eheliche 
männliche 8eib«erben *) mit 5Eob abginge, 60000 fl. rhein. 
auf ben ©chtöffern ^Ottenburg unb Ortenberg im Innthal 
in ^fanbtoeife, mogegen Wibrecht an ©igmunb in gleicher Seife 
22lj unb ffiolfrat«haufen oerfchrieb. Klbred^t burfte bie beiben 
Snnthaler ©chtöffer al« $fänber innehaben unb nufcen unb 
beren ©eamte mußten ihm »erfrechen, im gafle be« föhnelofen 
Stöbe« ©igmunb« ihm bamit untertänig }u fein *). Sil« am 
25. 3uli 1479 ba« ©ünbni« jtoifchen ben beiben dürften er* 

»fierr. <&ef$. LI, 297 f. fcreffeube« «haratterbitb be« ingenblichen @tg* 
munb bei SRe^er b. Änonan, Än« mittleren unb neueren 3ahr- 
hunberten, 66 f. 

1) <5in Vorbehalt, an« bem man ftyer nu$t mit 35g er, 310, fol- 
gern barf, baß eigmnnb, beffen erfle <&ema§ltn 1480 flatb, föou ba« 
3ahr borher an eine jtoeite ©&e ba$te. 

2) 1479, SRSrj 12. $eri<ht Battenberg. 




mit ©igmnnb ton %\xcl 



497 



neuen mürbe, t>erma$te ©igmunb feinem greunbe ferner 
lOOOOO p. rhein. in $fanb»etfe auf feiner ^errf^aft grunb** 
berg unb auf bem JBergmerf &u ©ch»afc. 

3n biefe 3 eit fW fce * W an c we« gemeinfamen Unter* 
nehmend gegen SWaitanb, ter »enig aufgeHart ift, {eboch nicht 
über ba« fü^ne S3orhaben $inau*gebie$. 8lbre<ht oerfprach 
bem Crj^erjoge (20. Huguft) für bcn gaü, bag er ba« $erjog* 
tum aWatlanb mit ®e»alt an fleh Bräute, jährlich 10000 fl. 
©igmunb mar fchon früher t>on j»ei fteiriftyn (Soetleuten, ben 
©rübern ©rabner, gänjlich abhängig getoefen. 3efct »ufjte fleh 
Wbrecht, ber oft in ber Xiroler fwuptftabt »eilte, feinem 
greunbe burd) ©elbbarlehen fo»ie aW {Berater unb Vermittler 
in feinen ©trettigfciten ebenfo unentbehrlich ju machen. Sin 
neue« ©finbni« jmtfehen ben beicen gürften mit bem ®elöbnt« 
lebenslänglicher greunbfehaft »arb am 7. SWärj 1480 ju 
SWünchen beurfunbet l ). «uf SUbrecht« Vermittlung ift roohl 
auch ba* ©finbnt« ©igmunb« mit einem j»eiten ffiittetebacher, 
bem ffurfürften Wilipp oon ber $fatj (1482) jurficfjuffihren. 
Sßoch mistiger »aren bie engen 8unbe$oerträge j»ifchen ©ig* 
munb unb albrecht« Setter ®eorg (27. Dej. 1482 u. 3. gebr. 
1483). 3um Sohne für biefe oon Wibrecht betoirfte Annäherung 
oerfchrieb ©igmunb feinem greunbe (24. gebr. 1483) »eitere 
32 000 fl. auf grunMberg unb bem ©ergmerf ju @ch»afc. 
©chon am 6. Januar 1480 tyztu Wibrecht ®eorg bie $älfte 
ber 100000 fl. auf grunWberg überlaffen unb bei biefem 8ta* 
tag offen ausgebrochen, e« fei feine Hbflcht, ,ba« löbliche $au« 
fflaiern ju ermeitern, gumal an ben finben, bie normal* baju 
gehörten' *). ®eorg »eilte bamaW monatelang in 3nn«brucf 
unb erlangte ton ©igmunb bie Bergfinftigung, bag feine ©aum* 
Jfige joüfrei bur<h Xirol jiehen foOten. ffienn ®eorg (28. ©ej. 
1482) bei bem «bfchlufj be$ ©ünbniffe« mit ©igmunb erflärte, 
bag er auch feinem JBetter Wibrecht gegen ihn leine $ilfe leiften 
»erbe, fo »ar bamal« »ohl nicht ju befürchten, bafc e$ je 



1) Oefele II, 256. 

2) 0eh. Staatsarchiv 

«teilet, «eftiftte Baiern». III. 



32 



498 



Blbrec&t IV. u. ©corg SanW^ut. 



baju fommen mürbe; öietteicht trat ber 3 u f a fc abjuhfltch er* 
fonnen, um ben flhrj^erjofl über ba« gemeinfame ©orgehen ber 
nrittel«bachifchen Settern ju tauften. 

Die bairifdjen Hoffnungen, bie fich an ade biefe ©erträge 
fnüpften, beruhten barauf, ba§ ©igmunb, nach bem 3 eu fl n ^ 
fetner 8anbftänbe ©ater oon mehr al« oicrjtg unehelichen ftin» 
bem, ohne eheliche 9iachfommcnfcbaft mar. @ie mußten ftnfen, 
al« ber »ermitmete (Srjherjog (24. gebr. 1484) mit Äatharina 
con Saufen jur jtoeiten Che uhrttt, aber biefelbe blieb un* 
fruchtbar, ba« enge ©erhäüni« ber SRachBarn »arb baburch 
nicht beeinträchtigt unb bie ©erfchreibungen nahmen lern ßnbe. 
3m SWai 1485 traf ©igmunb mit ben beiben toittel«bachtfchen 
$>erjogen in (Sr&ing jufammen, t>erf<hrieb ihnen nun gemeinfam 
gragftem, 8anbcd f {Rottenburg unb ^Ortenberg unb erhielt 
bafür ba« ©erfprechen einer bebeutenben JtriegS&iife fcon 4000 
SDIann ju gufj unb 600 {Rettern. 3m Salle &on ©igmunb« 
äbleben fcerbanben fich Wibrecht unb Oeorg biefe 3nnthaler 
©eftfcungen, toenn nötig, mit ©affengemalt an fich )u bringen 
(7. unb 8. ÜKai). 

8ln biefe ju (Srbing getroffenen Abmachungen mit ben jün* 
geren ©rübern, mit bem S5e(ter ®eorg unb ffirjh«Jog ©ig* 
munb fnüpfte ft$ balb eine Verfügung älbrecht«, ©eiche jeigt, 
baß er im Sifer für 2Wacht unb fönheit feine« $auje« nicht 
bacor iurüdfchrat, gegenüber ben jüngeren ©rübern fich itt 
offenbare« Unrecht su fefcen. 3n ber äbficht, ,ba& ba« löbliche 
$au« unb gürfientum ©aiern in mehr ffiürbe, @hre unb 
Kufnehmen fommen möge, toofür fich nicht* Seffere« unb güg* 
lichere« crfinben laffe, al« baß ba«felbe gürftentum in eine« 
einjigen gürften ton ©aiern ©e&alt unb {Regierung fomme 44 , 
fefetc er für ben gafl {eine« lobe« ohne eheliche ©öhne am 
7. 3uli i486 )u München feinen ©etter Oeorg al« nächften 
örrben ein. ©ein älterer ©ruber ©igmunb, ber bie Urfunbe 
mit ausfertigte, foüte in biefem gatte bie ihm au«gefefcten ©chlöffet 
behalten, feine Oelbbejüge um jährlich 2000 p. erhöht toer* 
ben *). ©er jüngeren ©rüber unb ihre« änrechte« gebaute 

1) Ärenncr VIU, 489f. 




2Railfinbif<he« $eirattyrojeft «lbre<ht$ IV. 499 



biefe SSerffigung mit leiner ©übe unb fie hätte toohl noch ju 
herben SBermicftungen geffi^tt f toäre fic nic^t jehr balb burch 
9UBre$t$ Verheiratung unb ftinberfegen gegenftanbälo« ge* 
toorben. (53 tft fogar möglich, baß in Wibrechts eigenen Slugen 
fein ßntgegenfommen gegen ben Sanbäfyiter SSetter nicht fo 
großartig toar, toie eä ben 9lichteüigen>eihten erfreuten mußte, 
tocil et feine Vermählung bereit« in naher 3ufunft al* toahr* 
fcheinlich oorauäfah. 

fturj Dörfer hatte er Unterhaltungen toegen einer ©raut 
abgebrochen. Vom maitänbifchen $ofe mar ihm ffltania SMaria, 
bie fpätere jtoeite ©emahlin Äaifer üHa$imilian$ L, angetragen 
loorben. SDie Unterhanblungen barüber maren fcon SRooember 
1484 an einige SHonate lang geführt toorben unb fcheiterten 
©ahrfcheinlich an Wibrechts fehr ffotyn gorberungen. Seine 
©efanbten, Dombechant Sodann 5Reuhaufer, Dr. $ir!heimer, 
{Ritter ©urfyarb oon ftnöringen unb. $ofmeifter 38rg oon 
©jenhofen, foOten nämlich — nachbem fie »or allem burch 
Slugenfchein ber Oefunbheit unb Untabelhaftigfeit be$ gräuleinä 
fleh oerfichert hätten — nichts geringere« oerlangen, aW baß 
©tanfa fdjon oor bem Seilager famt ihrem §eirat$gute nach 
©aiew getieft toerbe, angeblich meil fie Derber bie ©prache 
erlernen müßte. 81« $eirat«gut aber mürben 200000 93e» 
nebiger Dufaten gef orber t; »eher als auf 140000 follten bie 
Unterhänbler feineGfaÜS ^erabge^en. Die (Sefanbten l ) Ratten 
in STOailanb mit bem 8obe ihre« $errn nicht gefargt unb 
gerabeju geäußert : toenn ber Raifer heute fterben unb bie Sur* 
fürften nach ihrem Oetoiffen hanbeln toürben, müßten fie aibre^t 
ju feinem Nachfolger mählen. 

ffiahrjeheinlich loar ba« matlänbifche $eirat«proieft bereits 
gänglich aufgegeben *), al« ein höh**** 3**1 Wibrecht erftonb, 
W)Ttt\i unb $erj be« »ierjigiährigen zugleich befchäftigenb. 

1) Shre 3njUuttlon ijl bon Anfang 3annar 1485, bie be« niailän- 
bifd&en ©efanbten Nicotin ton ©nrmio bom 9. «Rod. 1484. Beirat«* 
fa<hen IV, f. 79. 82 f. $. V. Bericht übet ben ©ortrag ber bairiföen 
©efanbten bei *rr oben III, 159. 

2) Belege nnb nähere Sudführungen sunt ftgb. f. in meiner ©tubie: 



82* 




600 



«forest« IV. fBerfang 



8uf ber glucht *>or ben Ungarn, bie ihm feine $auj>tftobt unb 
SRieberöfterrekh entriffen, toar Aaifer griebricb im ©ommer 
1485 nach Z\xo\ gefommen unb ^atte in 3nn«brwf unter ber 
Obhut feine« »etter« , toäfcrenb er felbft ^>Ufe fucbenb in ba« 
{Reich toeiter reifte , feine jtoanjigifihrige lobtet ftunigimbe 
jurficfgefaffen. ©ort lernte fie «(brecht fennen unb befcbfojj 
um $re $anb ju »erben, ©Uber toar politifcber S^rgei] 
biefem (Sntfchluffe nicht fremb; bafj aber auch toahre $erjen«* 
neigung im ©piel mar, barf man boch o>o^l, um oon ben 
poetifcb gefärbten Säuberungen in ber ©iograp^ie Aunigunben« 
abjufehen, au« bem ungetrübten ®lfi<f fliegen, ba« ber fofr 
genben <S$e belieben toar. Den (Srj^erjog für ba« Vorhaben 
feine« greunbe« ju ermannen toirb nicht fchtoer gefaden fein 
unb nun beföfof? man, eine vertrauliche anfrage noch vor bem 
Aaifer an beffen ©ofyt, ben eben (16. gebr.) jum römtfchen 
Äönige getollten SRafimilian )u rieten , auf beffen freuitb* 
föaftlicbe ©efinnung albrecht bauen tonnte. Der ju biefer 
SWiffion au«erfe$ene ©ifchof Don Cichftäbt, ffiUhelm Don »ei* 
cbenau, lehrte benn auch mit einem münblicben JBefcbeib jurücf, 
ber fehr ermutigenb gelautet haben mufi. ©o fehlen ber $anbel 
günftig eingeleitet, al« fleh ber öifaof von Sic^ftäbt, begleitet Dom 
©rafen Hlmig Don ©utj, auch bem Aaifer näherte. Diefer hatte 
bi«her ade ffierber, bie toegen Aunigunben« angettotft, auch ben 
Ungarnlönig SRatthia« SorDhtu«, jurücf getoiefen unb fott ben 
abenteuerlichen $lan gehegt $aben, burch bie $anb feiner 
£o$ter bie ©elehrung be« türKfc^ett ©ultan« junt S^riftentum 
ju erfaufen. Die (Sreigniffe ber legten 3ahre »erben ihn Don 
biefer 3üufion geheilt haben. 3u(efet toar über eine ©ermSh* 
fang Aunigunben« mit einem ©ohne Äaftmir* von $oIen unter* 
hanbett toorben unb in getoiffen «reifen betrachtete man bie» 
fetbe fchoit fo gut toie gefiebert, al« ba« auftauchen be« toittett» 
bauchen $rojefte«, bem ber Aaifer ben 93orjng gab f baneben 
Diedeicht auch anbere un« unbefannte ®rünbe betohrften, baf 

2)te »ermÄhlttttg $. Ättrc<ht« IV. mit tnnigirabe ton £)ßerret$; eifc.- 
©er. ber htft. SO. b. äRftnchncr «f. b. IBiff., 1888, 377-394. 




um Äunigunbe t>on £)f!errri<h. 



bie SSerhanblungen mit <ßolen abgebrochen mürben. £)te 83er* 
ftimmung beS polnifchen $ofeS äußerte fich balb barin, baß 
biefe Wlaäft (DItober) ihren Snfchluß an beS ftaiferS geinbe, 
©9$men unb Ungarn öolljog *). 

8KS ber SBtfc^of t>on ©chftäot — es mar in bem für 
Slbrecht fo ereignisfebmeren 3uli i486 — an ben $of ©ig- 
munbS jurücfle^r te , überbrachte er bie Slachricht, baß fotoo^I 
ber ftaifer als fein ©ohn bem <ßlane nicht abgeneigt feien, baß 
ber erftere |ebocb eine fchtoermiegenbe SBebingung [teile : alle t>on 
©igmunb jugunften ©aiernS ausgepellten SSerfchreibungcn feilten 
jurüdgenommen merfcen. äts SWitgift molle ber ftaifer feiner 
lobtet außer ihrem mütterlichen ©chmude bie bem SReicbe 
heimgefallene $errfcbaft Abensberg jufommen laffen ; auch 2Wa« 
jrimilian gebenfe etmaS beijufteuern. 

DiefeS Angebot, fo geftellt, als ob ber ftaifer fich nie 
mieber feiner augenblidlichen SNotlage enttoinben fSnnte, mar 
nun offenbar über alle (Ermattung febäbig. Glicht nur, baß 
ber Übergang beS mütterlichen ©chmude* auf bie einige Softer 
fleh eigentlich t>on felbft öerftanb, auch 1)011 **r tieinen $err* 
fchaft Abensberg, toelche ringsum t>om bairifchen Territorium 
umfchloffen mar, beren Herren gu ben bairifchen Sanbftänben 
gehört hatten unb »eiche albrecht bereits in ©efifc genommen 
hatte, burfte ber $erjog nach ben h^rfchenben ®emohnheiten 
füglich annehmen, baß ihm bie ©elehnung bamit ohnebieS nicht 
entgehen f&nne. (Sin eigentümliches ©erfahren mar eS auch, baß 
ber ftaifer ein SReichStehen gur SuSftattung feiner Softer öer« 
toenben moflte. Seim Sichte befetyen, befagten bie SBebingungen, 
baß griebrich bie $anb feiner lochter gemäßen moUe, menn 
er erftenS feine üKttgift ju geben brauchte, gmeitenS baneben 
mit ber Wfidgabe ber liroler <ßfanbbrtefe noch ein glänjenbeS 
©efchäft machen fonnte. Dagegen erflärte fich (Srjherjog ©ig* 
munb bereit, feiner SWuhme als $>ocbjeit$gut 20000, unter 
Umftänben auch 40000 fl. auf bie $errfchaft Röhenberg an* 

1) »gl. bie 3««ömffe bei Ulmann, St. SWajhniUan I, 53, Hnm. 1, 
ton beffen Auslegung ich etmaS abtoeichc. 




502 



9H6re*t« IV. «ermtyfang 



3UU>eifen. SUbrec&t verlangte nun — fooiel ift belannt — , 
bag 8ben«berg nt$t al« ÜWitgift feiner ©raut, fonbern t$m 
unb feinen Srben al« ©eftanbteil be« $erjogtum« berliefcn 
werbe. 9to$mat oerwanbte ficfy ber öhrjfcerjog auf« wärmfte 
für bie geplante ©erbinbung, bie bem &ab«burgiföen $aufe in 
feiner tefetgcn ©ebrängni« Politiken duften bringen, Sunt« 
gunbe aber einem ©tanbe entreißen werbe, in meinem länger 
ju verbleiben in anbetraft tyre« Älter« fctyimpflicty wäre. s Jioc^ 
fcatte aber einerfeit« ber ftaifer leine erneute ober beftimmtere 
(Sinmifligung me$r au«geft>roc$en, anberfeit« 9Ubre$t nic^t in 
bie JRüdgabe ber liroler ^fanbbriefe gewilligt, al« am 30. 8u* 
guft in 3nn«bru<f bereit« ba« ©erlöbni« gefeiert würbe, ©ig* 
munb, ber bie (Sfcberebung abfölog, erflärte in berfe(ben f bag 
er fomo$l bom ftaifer al« bom ftönige baju bevollmächtigt fei. 
Der Söifctyof von fiicfcftäbt unb ber ®raf bon ©ulj follten bie 
SRadjridjt tyeoon an ba« faiferlic^e $oflager bringen unb waren 
bereit« auf bem ffiege bafcin, al« wo$l alle ^Beteiligten tote 
ein Sölifc au« fetterem §immel ein ©rief be« ftaifer« oom 
11. ©eptember au« Sße^eln traf f worin er ©igmunb für feine 
SBemüfcungen in biefer ©a$e jwar banfte, bo$ Äuffäub ber 
©a$e gebot, bi« er unb fein ©o$n felbft lommen mürben, 
ffia« griebriefc gegen ben Sßünc&ner $>erjog mittlerweile oer* 
ftimmt fcatte, »erben bie genaueren 9ia#rt$ten von ben Sor* 
gängen in 5Regen«burg getoefen fein f bon benen mir foglei$ 
berieten werben. Irofc aller Sitten ©igmunb«, älbrectyt« unb 
feiner Softer Heg ft* ber ftaifer, wenn bie bairiföen ©e* 
fanbten au$ einmal mit bem* ©nbruefe bon ifym gingen, bag 
i$m bie $eirat wo&l gefalle, von feinem ©tanbpuntte au$ 
femer nicht abbringen. Dagegen erflärte SKafimilian unter 
$o$en 8ob|>rfic$en auf älbrecft« lugenb unb trofft Vernunft 
feine unumwunbene Stimmung jur Jpeirat. gür tyn mar 
nod> ein weiterer ®runb maggebenb, ber au# unter ben {Räten 
am faiferlic&en $ofe ntd?t ungewürbigt blieb: bag nämlicfc ben 
$ab«burgern jebe erfolgreiche Söefämpfung be« Ungarnfönig«, 
ber fie fo ferner bebrängte, ofcne ben ©eiftanb ber bairifetyen 
$erjoge unmöglich fei. 9m 21. Dejember antwortete ©ig« 




mit Jtumgunbe oon £>flertei($. 



508 



rauno auf bie SRafymng be« ftaifer«, mit ber $eirat toolle er 
e« nun berufen laffen, aber bereit« am Sonntag *>or$er 
(17. Dej.) toaren bie $eirat«oerträge ausgefertigt toorben unb 
balb föritt man, unbefümmert um be« ftaifer« XBibetfprucfc, 
au$ aum SBoüjug ber §o$jeit. 2lm 2. 3anuar 1487 fanb 
in Onnöbrud in ©egenmart ©igmunb« unb feiner ®ema$lin, 
£>eraog ®eorg«, be« ^faljgrafen Otto, be« ®rafen oon ©irtem* 
berg, ber ©ifööfe oon $affau unb ©rijen, burcty ben ©iföof 
ton ©#ftäbt bte fir$li$e Irauung ftatt r ber ba« ©eilager 
»orau«gegangen toar. ©igmunb $ielt fein ©ort unb gab eine 
SBeifteuer oon 40000 fl. rfcin. äm 9. danuar gelten bie 
SReuoermäfclten tyren feierlichen ffiinjug in üßünctyen. 

Daß Slbrec^t biefe SBerbinbung nur baburch erjielt $abe, 
bog er 6r$erjog ©igmunb uno ber ^rinjeffin ein oon ifcm 
gefälföte«, bie oaterli#e 3uftimmung au«forec$enbe« @$rift* 
ftfitf be« ftaifer« oorgettriefen $abe, biefe fernere Änflage ift oon 
Bfierretdtffdpn §ifiorifern toieberfcolt erhoben Korben, barf aber 
mit <£nt]$ieben$eit jurthfgetmefen toerben ! ). Unbeftreitbar aber 
ift, bafc fccr iBittettbac^er mit rücffic$t«lofer <£ntfc#offen&eit 
ßc$ nid?t gefreut $at, bte Jöraut o$ne 3uftimmung, ja gegen 
ben trenn au$ fötoanfenben äBiüen tyre« SJater« $etmjufü$ren. 
Sßit i$rer §anb hoffte er too^l auch {Regendburg behaupten 
ju fönnen. Überbie« aber oermeinte er nicht« geringere« al« 
burch biefe $eirat feiner gamilie ein ^ab«burgifc^e« (Erbrecht 
ju gewinnen in einer £eit, ba §au« $ab«burg auf wenigen 
Äugen ftanb. Cr lieg Äunigunbe leinen (Srboerjicbt au«fteüen 
unb oon bairif^er ©eite finbet man fpäter bie anfielt au«* 
gef^ro^en, baß ftunigunben« (Erbrecht ba« gleite fei toie ba« 
SWaytmiBan«. Sllfo eine Seit oon frönen 3nfonft«träumen 
nicht nur für ba« fttöe ®lü<f ber gamiiie, auch für bie polu» 
tifc^e @rö§e feine« §aufe« ^atte fich Wibrecht aufgethan unb 
föon ^ing fein §erj ju feft bat an, al« ba& er jurüdioetctyen 
mochte. Unb ^atte ber alte, für ben »ugenbluf fo ma$tlofe 
$err im Grjil burch fchamlofen ®eij unb ärgerliche« ©tyoanteit 

1) 6. meine oben erwähnte «fchanblung, bef. 387—392. 




604 ©iberffttbcn St. gricbrlc^« gegen bie betrat feiner XoQttx. 

eine geringfügig* ©etymblung ni$t getoiffermafcen $erau6* 
geforbert, tofifcrenb auf ber anbeten (Seite SDiatimilian* ent* 
föiebene 3 u Piwmung ermunternb nrirftel ffiar ftunigunbe 
einmal bermfityt, fo muffte ber ©ater bo$ »o$l gute SRiette 
jum üblen ©jriel machen! SMan toeifc ni$t, »ar e* me$r 
Optimtanu* unb Ungeftüm be6 tfiebenben ober ba* toeite ®e* 
»iffen unb bie fityne ©eredfrnung be$ fifcrgeijigen, loa* ft$ in 
biefem ©ebanlen au*fpra$ unb »a$ Hlbrecfct trieb, bie bur$ 
feine greunbföaft mit ©igmunb, bur$ bie lange äbtoefenfcit 
unb bie ©ebrängniä be* 83ater$ i$m in bie §finbe gefpielten 
Sorteile aufljunfifcen unb bie lobtet trofe tyrer finblic^ e$r* 
baren ®efinnung in 3®iefralt mit intern firjeuger ju brfingen. 

£)a$ »ieberfcolte ©cbtoanlen be$ ftaiferä, ber »ä&renb ber 
fritifctyen SWonate in Slawen unb ftöln, bann in ben iHieber* 
lanben »eilte, erflärt ft$ jum Seil bieöeictyt barau*, bafc balb 
feine eigenen (Ertoagungen balb ber 3 u fa* u * f e * ne * Älbrecty 
geneigten @o$ne$ fibertoog, noety me$r aber unb beftimmt 
barauä, bafc bie um fi$ greif enbe <ßolitif ber ffiitteWbacfar 
eben toä^renb ber 83er$anblungen erft, in ber jtoeiten $älftc 
i486 bie größten gortföritte gemalt $atte. 9la$eju mit 
®i$er$eit lägt fi<$ ber im September erfolgte 9tü<f$lag in 
ber Stimmung be$ ftaifer* bon ben Wegenflburger Borgfingen, 
ber jtoeite 9tü<ff$tag im ©eginne Dejemberä bon ber mittels« 
ba$if<$en (Erwerbung ©urgauä herleiten, ffiie loeit au$ bie 
grage bon ftunigunbenä Grrbberjutyt auf be$ Äaifer* Bertolten 
eingetDirft $abe, entsteht fi# unferer ftenntm*. 

ffienn aber tllbrc$t$ ©erecfcnung bafcin ging, bur$ bie 
$ab$burgif$e gamilienberbinbung feiner ehrgeizigen <ßolttif bie 
©a$n ju ebnen, fo »arb ba$ ©egentetl erreicht. Der Äaifer 
$at SHbrecty« <£$e toiberftrebt, »eil tym beffen $olitif »iber* 
toärtig »ar, unb er $at biefc $olitif um fo nad^brücflicter be* 
fampft, nac$bem Slbrety fiety tym jum ©ctyttriegerfofyi auf* 
gebrungen $atte. ©er ganje jfifc ©genfinn feiner 9?atur 
»ar »abgerufen unb fo na$e e$ geftanben, ba§ er f elber 
toüuföte unb förberte, »ad nun gef$e$en »ar, in ber Ärt, mit 
e$ gefd>e$en, fa$ er einen i$m angetanen ©ctyimpf, ber gerächt 




Crtoerbung ©urgaut bur<$ öeorg. 



merben muffe unb ber atleä, maä tyn gegen bie ffiittettbad&er 
berftimmte, no<$ bruefenber erfreuten lieg. 

3a$lrei<$ unb f^metiPtegenb maren bte ©rflnbe biefer 83er* 
ftimmung: bte nrittettbac$ifc$e ^olitif, fityn unb bere^nenb, 
$atte unter ber Seitung be$ energiföen Hlbrec^t ©afyten ettu 
gef plagen, bte ba$ $ab$burgif<$e 3ntereffe oon me$r al$ einer 
Seite $er ernftlicty bebro^ten. 3n Jfagäburg $atte im äRärj 
1486 eine ftreitige ©tf<$of$ma$l ftattgefunben, t>ter bairifäe 
4>*rjoge, 8Ubrec$t, S^rifto^, ffiolfgang unb ©corg toaren mit 
ja$lreic$em (befolge erfäienen, um tyren ©nflu§ für einen 
pfäljtffyn SSetter, ben Dompropft 3o$ann, geltenb ju machen, 
bo$ ba* £)omfa»ritel $atte ben ffiunfö be$ Äaifer* $5&er ge* 
fteüt unb beffen ©ünftling fjricbrtd^ bon 3ottew gemitylt. ©eorg 
mar barfiber fo erbittert, bafc er o$ne Äbfage ba$ bem Saturn 
unterworfene ftlofter Ottobeuern befefeen Heg 1 ), unb meHeictyt 
toaren e£ auti) 9ta$toe$en be$ fär bie 83ittel$ba$er unerfreu* 
liefen Sulgangä ber Slugflburger ©if^ofdtoa^l 2 ), bog ber 
8anb*$uter nun mit <£r$erjog ©igmunb SBer^anblungen toegen 
(Srtoerbung ber SWarfgrafföaft 83urgau anfnüpfte, bie feit 1470 
an ba$ SMätum Äugäburg berpfänbet, bann bom Grrafcrjoge 
bergebenti aW laufögegenfianb gegen bie ©raffebaft $o$enberg 
ber 9teid&$ftabt Ulm angeboten toorben mar. Jim 28. SRo* 
bember 1486 mar nun ju $att ber ftaufoertrag jtotföen 
©eorg unb ©igmunb abgefctyloffen morben. Sie fiauffumme 
betrug 52 011 fl. r$ein., fo ba§ ber ftet« getbbebflrftige (Srj* 
farjog naety <Sinlö|ung ber $errf$aft oom tlugäburger ©ifefcofe 
um bie urftrungli$e ^fanbfumme bon 37011 fl. no<$ einen 
anfe$nli$en ©etrag äbrig behielt. &\xtx$ $atte er fi$ unb 
feinen Srben fär bte näctyften fe$$ 3afcre ba$ ffiieberlaufflrectyt 
borbe^alten *), balb aber (14. 3uli 1487) berjityete er hierauf 

1) ©raun, ©efö. ber ©lf$5fe ton »ng*6urg III, 92 na$ gleich 
jeitigem ©eri($t. 

2) ©efttmmt behauptet bie« Hrnj>e<f, c. 419 (ber ben 9ug9burger 
©egentanbibaten irrig ffluprtty nennt). 

3) S)em Äoifer antwortete er am 20. 2>ej. 1486 auf beffen SWa^nung 
megen ©urgau: biefer möge i§m nur bie $fanbfnmme galten; er fei et 
nic^t im etanbe. H., $etrat«atta IV, 163. 




506 Umfutgrciftn bcr 2Bittet*fa$er in @c$»abcn. 



unb ba$ 3temlicb auägebe^nte ©ebiet ber SDiarfgraffcftift ©urgau 
nebft @cblo§ unb ©tabt ©finjburg ging $iemit, nrie e$ ben 
Änföein $atte, bcftnitio in u>t!teldbac^tfc^e §anbe über. 

©ctyon früher mar bie $errfc$aft $eiben$eim , im 3uni 
1481 fear bur# ff auf oom ©rafen ffiil&clm öon ftm^berg 
au$ bie $albe ©rafföaft Straberg, ©$lo§ Sflerjeü unb $etr* 
fäaft JBuüenftetten l ) oon ©aiern*8anb$$ut eroorben morben. 
SRtt Übernahme ber ©ctyirm&ogtei über ba$ ©ttft ffempten, 
bie 1472 junäcbft auf je$n 3a$re erfolgte, bann toieber auf 
brei 3afcre erneuert unb mit ber fciftorifdjen gabel begrfinbet 
tourbe, baß bie ((. Stau $ilbegarb, be$ ®otte$$aufe$ ©ttfterin, 
au« bem ©eblüt ber Surften üon ©aiern gemefen fei '), fefete 
aud? $erjog tübreetyt feinen Öufj nad? ©c^maben. ÜJJit einem* 
ma(e fa$en fid? bie fetymäbiföen 9leicb3ftabte in biefer ©egenb, 
Dor ädern baä ftolje Ulm, faft auf allen «Seiten t>on bairif$em 
Gebiet umföloffen, &on uritteWbacbiföer Übermalt bebro^t. 
JUä bie SBürger &on SRörbiingen einen i$rer geinbe auf ttrcV 
bergigem ©ebiete gefangen genommen Ratten, ^atte fieb ©eorg 
oor allem bureb bie ©efangenna^me oon fiebjc&n 9?5rblinger 
bürgern gerächt, uberbie« aber fo rafety jum £o$fc$lagen fi$ 
entföloffen (1. Äug. 1485) foie einft fein SBater gegen DinfeW* 
bfifrl. 8uf bem ©aigenberge lagerte fein ftarfeä $eer, barunter 
100 {Reifige, bie »lbrec$t auf feine »itte getieft $atte 3 ). 
%u$ §ilf$truw>en ber ©tfööfe oon ©ctyftäbt unb äugäburg 
unb $faljgraf Otto felbft mit fcunbert Ererben feilen fi$ im 
$eere befunben tytben. 813 ©eorgä $auj>tleute befehligten 
©urfyarb oon Änöringen unb Äafpar Don SJeftenberg 4 ). Da* 
gegen toarb bie ©tabt &on griebrieb fcon Öranbenburg untere 
fiüfct. SDian glaubte fi$ in bie 3eit 8ub©ig$ be« {Reicben jurüd* 
fcerfefct. Wai) fect^iDö^eiitltd?er Belagerung $atte Slörblingen, 
bem taiferli$e SWanbate an ©eorg jufcilfe tarnen, unter SSer* 

1) 1489, 22. Sanuar, betätigte ber Äatfer tiefen «ertauf. <g. 2i$- 
notoSfv VIII, ftegeften. 

2) Urt. bei Oefele II, 248. 257. 

3) gürfteufatyn XIII, 73. 

4) gürftenfatyn XIII, 80 f. 




®eorg« Singriff auf Erblingen. 9fcgen«fcurg. 



507 



mittlung be8 ©ifctyof* oon ©ctyftäbt beä ©egnerä »bgug mit 
einem ©elbopfer erlaufen müffen 1 ). 3urif$en Ulm unb ben 
fcerrifö auftretenben Beamten be$ neuen $ergoglic$en SRactybarn 
nahmen bie {Reibereien fein (Snbe; öergebenä $atte $ergog 
Älbrectyt berfuctyt ein äfyiltdjeä ©dfjufcoerfcältni« jtt>tf^en ®eorg 
unb ber {Rei$$ftabt in« Seben gu rufen 8 ), loie er e$ mit 
9?egen«burg Inüpfte. Stuf ®eorg al$ ben einigen SBaiern* 
ffirften f ber an ber 3üer $errfc$te, toirb gu begießen fein, n>a$ 
fjelijr gaber berietet 8 ): ein ben Ulraern feinblicty geftnntcr 
©aiern^crgog $abe fi# mit Plänen getragen bie 3Uer in ein 
anbetet ©ett gu leiten, fo bafc fie ni$t rae&r bei Ulm mit ber 
£)onau fic$ vereinige unb biefer ©trora, »afferarm geworben, 
feinen Stofcen für Ulm verliere. üKe^r unb me^r regte fi* in 
®$u>aben, gumal unter ben £Rei$3ftäbten, ©eforgniä unb SBiber* 
uriHen gegen bie bairijdjen $ergoge, ntd?t minber aber grollte 
t$nen ber Äatfer, baß fie ifcren (Sinfluß auf ©igmunb nun auäf 
jur (Srtoerbung $ab$burgiföer 8anbe in ©ctytoaben auägenüfet 
Ratten. 

®oc$ ni$t nur $ab£burgtf$e6, au# {Reic^gebiet fear Don 
ben 2BitteI6ba$ern befefct toorben: in {Regendburg f ber alten 
$>auj>tftabt ber SBaiew, bann ber etngigen SRci$$ftabt im &mbe, 
teerten gähnen mit ben toeiß* blauen Stauten. $)iefe etnft fo 
Müfcenbe ©tabt festen feit 3a$rge$nten unauftaltfam bem Verfall 
entgegengugefcen. Die $ufitentriege Ratten tyren SBotylftanb 
mit fo furchtbaren Stögen erföüttert, baß Sloentin oon tynen 
gerabegu bie Verarmung be* ©emetntoefen* ableiten gu müffen 
glaubt. 3n bem 3Kaße, toie ber §anbel Dürnberg« ftd? $ob, 
ging ber regen£burgif$e gurü<f. 3lm SReidjöoberfriupte aber 
$atte bie ©tabt ftatt be« erlernten ©eföirmer* nur einen 
unerfatilic$en Dränger, ber ofyie {Rüdfity barauf, baß tyre 
Seiftung$fa$igfeit gefetymälert toar lote nie guoor, an fie Sin* 

1) 8gt. gütffcnfa<$eu a. a. O.; ©cvf^lag, <8efö. b. ©tabt Erb- 
lingen, 56 f.; ffiürbinger II, 147. 

2) güetrer, 66. 

3) Hist. Suevor. Lib. II, c. 1; Goldast (1727), 81. 




608 



Äegeniburg 



fprücfce er$ob, bte bi«$er triebt üblid? getoefen tooren So» 
ber verlangten ftrieg$$ilfe gegen Ungarn , bie ber ©tabt un- 
erfctytoinglicty geföienen, mußte fie fiety 1483 bur# bte Summe 
bon 6000 p. lotfaufen. 31» ber »tat ber ©tabt ftebjr$n 
Onben unter ber Stellage be* S^rtftenfinbermorbed jur $aft 
gefegt $atte*), mar bte« bent «aifer al$ günfttge Gelegenheit 
erföienen, ni<$t nur bon ben Gefangenen ein 85fegelb oon 
10000 p. fonbem au$ bon ber ©tabt (1478) bie Summe 
tum 8000 fL ju erpreffen. 35aju er$ob f>erjog Georg gor- 
berungen an bie ©tabt, toetl bie Suben feit ber über fie herein* 
gebrochenen Verfolgung ben an feine Rammer föulbigen 3in* 
ni$t rae$r bejahten rennten. Su$ mit $>erjog «ibred?t fehlte 
e* ni$t an Reibungen, ba tiefet ben in feinem Sanbe gelegenen 
Gütern bon Wegenflburgern leine Steuerfreist me$r jugeftefcen 
tooflte; 1479 mußte man tyn bur# eine @$ulbberf$retbung 
über 6000 p. für feine ©teuerforberungen entföabigen. Dur<$ 
biefe großen Suälagen, ben allgemeinen ffiücfgang be* bürgere 
liefen ffio^lftanbeä, bie Befleckungen, mit benen 9tegen*fcurg« 
Vertreter am !aiferti$en $ofe ftetä arbeiten mußten, ben Huf* 
manb ber unauft5rli$en Gefanbtf^aften toaren bie ginanpn 
be$ Gemeintoefen* in eine 3«trfittung geftürjt, für bie man ß$ 
bergeblic^ naöf einem Heilmittel umfa$. SDie 3a$re«einna$me 
blieb um me$r att 6400 p. hinter ben ausgaben gurfitf, toekfre 
fu$ auf iä$rü* 16173 p. beliefen. «tt ber «at jn ben 
SDittteln griff ein Ungelb ju ergeben unb bie S3erm8gen$fieuer 
ju erfrören, fteigerte fiety ba« Won lange g&^renbe SWißoergnflgen 
in ber Gemeinbe unb im «uguft 1485 tarn e* ju offenem 
Sufftanb. 26 3& n f re r bcnen P# aU( ^ anbere Gemeinbeglieber 
angefctyloffen Ratten, ertrofcten bur$ tyre beim 9tat eingereihten 

1) gür bat flgb. f. bef. bie anf reifem ar$U>alif($em Material be» 
rnfcnbe 2>arffcflung im III. ©anbe Gemeiner«, femer Anonymi 
Farrago rer. Batiap. (Oefele II, 5181) unb Xrnpecf. 

2) 1471 tourben bte HegenSburger Susen auf me$r alt 300 gef<$tyt, 
bie „große (Stoffe mit Dielen tößttyeu $Snfern", bie fle benannten, an 
Umfang mit ber €>tabt Tautenburg am tö&eto toerglufcn. ©ertyt bei 
Keifferma^er, (Jfrriflentag jn »egen«burg 1471, I, 41. 




50» 



©efötoerben, benen 3u(amuienT0ttungcn be« »olto ein bro^enbe« 
©etotyt gaBen, bie Stbföaffung ber neuen Saften. 

3n biefem «ugenblid mifd^te fi$ $>erjog «lbre$t mit einem 
Itntrag ein, ber für bie ginanjen ber ©tobt mißfommen Wien, 
ffiie mir uriffen, toaren bie alten burggräflictyen 9te$te in 
9tegen$burg, ba$ ©ctyulbfaifcenamt mit bem baoon abhängigen 
Äammeramt unb bem gtteben$geric&t, alfo tyffrt unb niebere* 
®eri#t, femer ber 3oü unb bie SJorftabt, ba$ iefelge ©tabtanw 
H, bei ber ganbetteilung ben 3Jiün<$ner $erjogen jugef allen, 
Don biefen aber faSter an bie ©tabt »erpfänbet morben 1 ). 
Wad) einem 1479 jmiföen Slbrec^t unb ber ©tabt getroffenen 
Äbfommen mar ber <ßfanbföifling auf 11000 fl. ungarifö unb 
7700 fl. r$etn. feftgeftedt. 3efct lieg ber $>erjog bur$ feinen 9?at 
unb fpäteren Äanjter, ben SRegenflburger Demanten Weuftmfer, bie 
©nföfung biefer ^fanbftücfe anffinbigen, trofc ffitberftreben* ber 
3finfte ging ber 9?at auf feinen ffiunfö ein, baf? er einen 5Eeil 
ber $fanbfumme bur$ ©c$ulboetfc$reibungen erlegen bürfe, unb 
batb barauf mürbe bie (Sinldfung fcofljogen. (Sin benachbarter 
Cbelmann, {)and t>on guc^ftein ju ®!aubenborf, ber aW §anpu 
mann im üDienfte ber ©tabt ftanb, bemühte fic^ mit (Erfolg 
unter ber öürgcrföaft für »(brecht ©timmung ju machen, aber 
mer möchte glauben, ba§ nur SRSnle unb ffiü^lereien Sud?^ 
fteiner* unb anberer Agenten bie batriföen ©tympatfteen ermedt 
Ritten? ffiie bie »erfcättniffe lagen, föien enge Hnlefyiung an 
ben ffiittel$ba$er, beffen Senitorium bie ©tafct gänjli$ um* 
Wlo&, beffen $erf5nli$feit Vertrauen unb Hoffnungen toedte 
unb beffen JBeamte nun bie ftabtifc^e 3uftij mteber in bie $anb 
belamen, ni<$t nur toünfd&enätoert fonbern geboten. 9tat unb 
©emeinbe Regten biefen ©ebanlen unb im DItober 1485 na$m 
fttbre*t auf ©Uten ber ©tabt, bie ju biefem 3 towle eine f****' 
ß$e Hborbnung au« beiben {Raten na$ SWfinc^en gef$idt $atte, 
SRegenflburg auf 15 3a$re in feinen ©$ufe, mofflr er ein Jä^r* 
lu$e* @$ufcgelb Don 300 fl. erhalten foflte. $* mar ein 

1) 2>te Corftabt 1408 um 2600 fl., @*u(b$et6cnamt, griebgerfät 
unb Äammeramt 1409 um 4500 fl., 1419 alle« jufarnmen um 11000 fl. 
R. B, XII, 13. 33. 328. 



510 



ähnliche« SJerhältni«, tote e« 8ubmig ber Weiche t>or jehn dorren 
mit ber ©tabt angelnüpft ffattt, aber nur ber Sortäufer eine* 
meitergehenben ©dritte«. 

Denn ju tief mar bie Autorität be« Wate« gefunfen, ja 
hetllo« jerrüttet bie ginanjen, al« ba& bie i*age auf bie Sauer 
faltbar festen. <5« taufte ber $lan auf, bafe man über bett 
©*uty>ertrag mit f>erjog Älbredfft hinau«gehen unb ft* Ddüig 
unter beffen $>errfchaft begeben foüte. 91« in ber ©emetnbe 
Umfrage gehalten mürbe, fanb btefer 83orfchlag eine toett über* 
mtegenbe üßehrhett unb na* Oftern i486 ging eine ©efanbt* 
f*aft mit gu*«ftemer al« ffiortführcr na* SHünchen, um bem 
S>crjoge bie Unterwerfung anjubieten unb al« ©egenprei« eine 
Weihe oon S3ergünftigungen ju erlangen, ©ei e« nun, bog 
81bre*t anfang« bo* ©ebenlen trug ben «atfer fo ftarf herau«* 
juforbern, ober baß mirfltch, mte er angab, bie ©ebtngungen 
ber ©tabt ihm feine $oheit«rechte ju fehr einengten, er griff 
fetne«tt)eg« mit beiben §änben ju; bie Unterhaltungen über bie 
Übergabe toasten fort, al« f*on (20. 3uni) au« fiSIn ein 
faiferltche« SDtanbat erging, morin bem Wate bei ffotyx Ungnabe 
unb SSerluft aller Grhten unb greihetten geboten mürbe, ben 
Slbfall oom Weiche, menn er bereit« erfolgt fein follte, rüd* 
gängig ju machen. 

SBelche ©timmung aber in ber ©tabt bur* ben felbft* 
ffi*tigen ©gennufc, mit bem griebri* bie ©tabt behanbelt 
hatte, gqettigt toorben mar, trat nun erft re*t beutltch jutage. 
3ufammenberufen unb befragt, ob fte trofc be« faiferlichen S$er* 
bot« auf ihrer Hbftcht beharre, antmottete bie ganje ®emetabe 
mit einhelligem 3a. Hm 6. 3uli i486 mürbe ber »ertrag 
beurfunbet, ber bie ältefte unb natürliche »aternhauptfiabt 
mieber unter bie $erjogti*e $oheit fteflte. Die ©tabt follte 
bie erften fünfzehn 3ahre 800, in ber golge 1200 ff. ©tabt* 
[teuer entrichten, überbie« an jeber oon ber 8anbf*aft ben>ittigten 
Sanbfteuer mit 1200 ff. teilnehmen. Die ftfibtifchen ©ehörben, 
bie öier ftammerer, bie oiertel|ährig toe*fetten, ebenfo bie SRit* 
glieber be« inneren unb äußeren State« hatte ber $>erjog nur 
ju betätigen. 3ugunften be« Wate« begab er ft* au* be« 




toirb bairifäe Eanbftabt. 



Weckte« ©d&ulbfceigen unb ®eric$t«beamte ernennen unb be* 
gnügte fi$ mit i$rer SBeftättgung, bocb mußten ber ©cfculb&eifc 
unb bie grieben«ric$tcr ftet« (gbelleute fein. Da« erflerc Ämt 
toanbte ber $crjog balb feinem ©ünftlinge guc$«fteiner ju. 
Übrigen« fieberte Sllbrec^t ber ©tobt tyre alten ©eredjtfarae 
unb änteil an ben 3^en ju unb terfpraety tyr einen ©urg* 
frieben ring« um bie ©tabt ju geben, beffen SWangel bie 
©ürgerföaft bi«$er al« golge ber atlfeitigen Umföliegung burefr 
ba« $erjogltc$e Territorium fömerjli# erapfunben $atte. Der 
Jtafauf be« regen«burgifcfcen Donauftauf burdj ben $erjog joüte 
bie ©tabt in ben ©tanb fefcen oon brüefenben ©Bulben fic$ 
ju befreien. äm 6. äuguft ritt 3Ubre$t, begleitet oom SBiföofe 
t>on $affau, mit groger $rac$t unb $errli$tcit in Wegen«burg 
ein, fanb jubelnben ßmpfang unb empfing mit reiben ©efetyenfen 
bie $ulbigung. Der 9?at lieg eine ©$rift abfaffen f worin bie 
©etoeggrünbe feiner Unterwerfung unter ben $erjog bargefteßt 
©aren, lieg fie burety SWat^e« Worifeer, einen ©o$n be« Dom*» 
baumeifter«, in 600 gjemplaren bnufen unb au$ bem ftaifer 
jufteßen. 

Salb prangten auf 8U6re#t« Söefe^l an ben lürmen, 
Thoren unb öffentlichen ©ebäuben ber ©tabt bie bairiföen 
Stauten, SBelctye Hoffnungen für ©aiern liegen fufc an biefen 
Umfänrnng fnfipfenl äber au# bie oon ber 5D?c$rja$l ber 
©ürgerfäaft gehegten ßrroartungen für ba« $eil i$re« engeren 
©emetmoefen« Lienen befriebigt ju »erben f bie rei$6ftäbtif$e 
SSerfumpfung, bie« füllte man beutluty, begann frii'cbem Cebcn 
ju meinen. Dereinft mar in ber Unabhängigst ber Weicto* 
ftäbte bie ebelfte Straft be« Söürgertum« gebieten. Senn aber 
3errüttung unb 3mietrac^t in republtfaniföen ©emeinioefen tyre 
ffiurjeln fo tief f plagen toie nun in 9tegen«burg, mug bie 
$errfäaft eine« tüchtigen dürften al« ffiotytyat empfunben 
werben. 8u<$ ber befte ftenner ber regen«burgifc$en SJerfcält* 
niffe, ftarl I^eobor ©emeiner, fo fe$r er ben SBerluft einer iit 
tyrem SBefen überf<$äfcten 9tet$«fretyeit beflagt, !ann ni<$t 
um^in anjuerfennen, bag Älbrec^t mit oäterlictyer ©orgfalt unb 
ben>unberung«toürbtger ©efcarrlicbfeit für ba« SBefte ber ©tabt 




512 



9tcgen96urg unter fatrifcfcr $cnf($aft. 



forgte unb baß feine furje {Regierung bur$ eine Steide oon 
«infityigen unb too^U^Stigen ÜDfaßregeln unb <Sinri<htttngen 
bejeithnet ift. Buch auf bie ©tabt marb nun bie ftrenge Orb* 
nung übertragen, bie in 8l6re$t6 fürftluhem §aufe tytrfött, 
bie Überfielt be« fläbttfc^en 83ermögeii«ftanbe« unb bet neue 
$au«halt, ben bet $erjog auffteQcn lieg, ©erben al« mufterhafte 
arbeiten gerühmt. Die (Srrityung eine« gemeinen ©aljftabel«, 
finer ffieinnieberlage, eine« Sagerhaufe« für (Sifenmaaren, ber 
Sau einer neuen ©rüde, tottyt ©tabtamhof mit bem oberen 
SBörth oerbanb, famen bem $anbel unb SSerfehr jugute. ©e* 
(ebung be« Berfehr« festen eine« ber n>i$tigften ÜJttttel ben 
flefunfenen ffiohlftanb ber ®ärgerf$aft 3U ^cben. 3« Mefeut 
3©ecte mürbe auf S3ermenbung be« Wate« im gebruat 1487 
ein glänjenbe« Stornier abgehalten, bem bie §erjoge Hlbretbt 
unb ®eorg beimohnten unb ba« Sparen oon (Säften in bie 
©tabt jog 1 ). 3n Dürnberg fptte man erfahren , melden 
grembenjufluß eine ugelmäßig mieberholte 3to«ftellung ber in 
ben flirren ber Statt fremahrten, meift f oftbar gefaxten 9?c^ 
liquien, an bie fich bort auch bie 9leich*fleinobe reiften, be* 
mirlen tonnte. Um biefen SBorteit au<h 9tegen$burg jujumenben, 
frmirfte «(brecht Don $apft 3nnccenj (ÜÄai 1487) eine ®uOe, 
moburdh bie 9tegen«burger @eiftli$feit angehalten murte Jährlich 
•eine feierliche ÄuSftetlung ihrer $eiltümer ju oeranftalten. £rcfc 
einigen ffiiberftreben« be« ©ifchof« marb bie gute Slbfkht be« 
$er3og« erreicht. Sine ber michtigften SRaßregeln 3Ugunften 
ber ©tabt mar bie Verlegung be« $ofgertyt« oon ©traubhtg 
nach 9tegen«burg. Sticht nur baß efaijelne Äbettfamiiien baburch 
jur Überfiebelung gejmungen mürben, ber ganje Äbel be« Untere 
lanbe« mußte attmähluh lernen in Wegen«burg feinen ftäbtifchen 
©ammelpunft ju erbliden. Der $erjog felbft »eilte mieberbolt 
längere 3 ei * in 9tegen«burg unb ließ fleh in ber 9tähe be« 
^renprunner X1)ot* ein neue« ©<hloß erbauen. Die maffen* 
hafte 8u«manberung, melche ber Umfchmung ber $erhältniffe 
herbeiführte , mürbe burch bie Sinmanberung oon etma 700 

1) 89T. «rn^cef, c. 419; Inrnierregiptr bei gre^Serg III, 71 f. 




«©recht« IV. 9Ra$tyt5ne. 



513 



gremben, meift au* ben Nachbarorten, ungefähr aufgewogen. 
SRanche SRagregeln beä §craog$, fo bie jum ©chlogbau ge* 
forberten ©chartoerttletfiungen, riefen freilich neue Unjufrieben* 
heit Verbot, ber ©ifchof f tagte über (Eingriffe beä h^oglichen 
@$utb$ei$en in fein <ßroj>ftgertcht, ber ftleru* überlauft ftanb 
bem $>erjoge miggünfttg gegenüber, felbft mit bem Setter ©eorg 
entftanben Srrungen megen feiner {Rechte auf bie 3uben, trofe 
allebem mar bie Behauptung ber $errf$aft über 9tegen«burg 
nicht in grage gefteflt, toenn nur ber ftaifer nicht unoerföhnlich 
toar, ber einstige unb unbefangene leil ber ©ürgerföaft aber 
nutzte ben Unterfchieb ermeffen, ber jnrifchen ber jielbemugten 
Leitung eine« fingen unb t^atfräftigen $errfcher$ unb ber 9Wa<ht* 
unb JRatlofigfeit be$ früheren 8tegiment$ beftanb. 

SWit Unterftfifcung ÜÄajrimilianS , ber bie fefte Hoffnung 
hegte ben ftaifer noch nachträglich für älbrechtä Beirat ju ge* 
toinnen, märe e* bem Sitteidbacher Gedeicht bo$ gelungen, ben 
©chtoiegeroater berföhnK<h cr ju ftimmen, toenn er auf biefem 
fünfte innegehalten unb mit ben bisher erreichten nicht geringen 
(Erfolgen fleh begnügt hätte. Snbeffen oerfchloß er ftch felbft 
bie Schüre jur SBerföhnung. 3n bem faft fchranfenlofen ©n* 
fluffe, ben er auf Crjherjog ©igmunb übte, fcheint für ihn eine 
untoiberftehliche 8o<fung gelegen ju fein. Sticht unbegrünbet 
tft auch bie »uffaffung eine« bairifchen Shroniften ^ : „eine* 
Seils oerachtete Wibrecht ben ftaifer, anbernteilä mar er ju 
ftolj, ba erging e* ihm benn banach." SBeiter unb metter lieg 
er ftch in ehrgeizigen ÜÄachtplänen fortreißen. 3efet erft erfolgte 
eine {Reihe oon Abmachungen jtoifchen ihm unb ©igmunb, »eiche 
ben ftaifer aufs äugerfte reijten, ba fie ben ©efifefianb be* 
Sfterreichifchen ®efamthaufe$ ernftlich gefährbeten unb bie Sittel 
Bacher jur erften SWacht in ©chtoaben au erheben brohten. Unb 
jugleich fugten bie beiben bairifchen $>erjoge gegen ben bom 
ftaifer ju ermartenben ffiiberftanb einen SRücfhalt in gerabeju 
reich^feinblichen Serbinbungen. 

9m 26. danuar 1488 betrieben fleh ©igmunb unb 



1) g fie tr er« gortfefcer, 76. 
«lealer, Oeffttftte Batentf. HL 



33 



514 



ftrieg ©igmunta toon Xxxot gegen Sencbtg. 



aibred^t gegenfeittg eine SWülton ©ulben auf ben Sanben beffen 
unter tynen, bet t>or bem anbern o$ne männlidje (Srben fterben 
tofirbe. Dag bieä nid>t Sllbredjt fein toürbe, lieg ftety o$ne SÖagniä 
borfcrfagen. 3m SÄärj eröffnete ©igmunb auf ben {Rat feine« 
6amf$ gefinnten &owe$mften Wate«, ber bann au$ ben Ober« 
befe$l im Kriege übernahm, be$ Bogtc« ©aubenj t>on ÜRatfö, 
©rafen ton ftirctyberg, einen Ärteg gegen bie {Republif SBenebig 
mit ber (gefangennähme Don 130 fcencjianiföen ftaufleuten auf 
bem STOarfte ju Sojen, ©o entfliehen biefer fcfireienbe ©ru$ 
be$ 93ölferre$t3 ju verurteilen ift, fo toirb man bo# benen 
triebt beipflichten lönnen, toel^e ben Krieg felbft als einen mut* 
toitttgen unb ganjlicty ungerechtfertigten $inftellen. Der liroler 
gürft toar vielmehr burc$ eine $Rei$e von ©etoaltföritten, bur$ 
rüdfl^WlofeS Umftc^greifen ber ©enejianer in ben ©übalpen 
ftarf $erau$geforbert l ). (gegenüber biefen t$atfä$li$en ÜRottoen 
fann e$ nietyt ferner fallen, bie öereinjelte , fiberbteä au« bem 
©aiern feinblic^en Ulm rfi^renbe 9lac$rid>t, baß bie XBittelSbactyer 
jur ftrieg«erllärung ge^efct hätten 2 ), auf tyren toa^ren SBert 
jurüd jufityren, aber fieser ift, bag Sllbre^t feinen S3erbfinbeten 
mit Iruppen, ®elb unb ©ftreibejufufcr unterftfifete unb bag 
biefer gelbjug, inbem er ©tgmunb in neue ©Bulben ftfirjte, 
baju beitrug i$n noety tiefer in bie ti>ittel«ba$if$en Wefee ju 
»erftriden. Urfunblic^ feftgefteflt ift ein Darlehen im ©etrage 
Don 4000 p bar, ba« «(brecht (16. SWai) au« anlag be« 
Äriege« fcorftredte. XBäfcrenb ®eorg Slbre<$t gur »ermittlung 
jtoiföen ben ftriegfltyrcnben beftimmen tooBte, rüdten be$ lederen 
$ilf6truppen unter ©urfyarb &on Andringen bereit« na$ iirol, 
too fie am 19. SWai mit bem Wo&ereto belagemben §eere 
©igmunb« ftd? oereinigten. ©d?on bamals $errf$te groger 
SWangel an Lebensmitteln ; Andringen fürchtete, bag bie $aupt- 
leute, toenn nietyt balb rei$li$e 3ufu$r fäme, M* Zxuppm ni$t 
me$r lange beifammenfcalten fönnten, unb n>a$rf$einli$ n>ar 

1) ©ignwnW ©efc$n>erben im einjefaen entölt fein töecfctfertiguug*- 
^reiben an ben Äaifer toom 12. Suni 1487; gürffcnfa^en XIV, f. 19. 

2) gaber Bei Goldast, Script. Suey. (1727), p. 68. 




Cerfouf ter &orb«r8flerr«i($if($cn Sanbe an ©atem. 



515 



biefer üßangel, niäft, tote behauptet toirb, SSertat, bet ©tunb, 
toe$$alb ©aubenj öon ÜRatfö balb na<$ bet einnähme bon 
©tabt unb ©$loß Wobereto *) fein $eer entließ, o$ne ben 
©ieg auäjunüfcen. 

Hu« biefer 3eit erfaßten toit au$, baß Slbted&t auf bie 
Sanbe bet ®tafen oon ©ötj no$ immer alte toittel$bac$if$e 
Snfotfic^e (ögl. oben ©. 162) aufted&t #elt. «I« ©taf 8eon* 
$atb &on ©ötj baraatt beben!li<$ erfranfte, gab ©igmunb 
(29. ÜÄarj) Slbrectyt Rieben 9toc$ric$t mit bem Wate, et möge 
Slctyt $aben, baß beffen Sanbe füt Deutfölanb unb befonber* 
©aietn ni$t t>etIoten gingen , tootauf älbredjt (l. Slpril) mit 
bet Sitte antwortete, ©tgmunb möge no* bei ßebjeiten be« 
©rafen beffen Sanb für i$n in Söefifc nehmen unb jut Amt* 
föäbigung ein drittel für fi$ behalten. 5E&atfä$Iic$e golgen 
fcotte biefet SKeüiungSauStaufcty ni$t, abet et ift bejeietynenb 
für baS 93et$ältni0 bet beiben gürfien unb' für «(brecht« 
ÜBatyftreben. 

X)et $auptf$lag erfolgte in ben oorberöfterreic$if($en Sanben. 
9ia$bem ©igmunb biefetben am 19. 3Kai «(brecht auf fe$$ 
3a$re gut SSermaltung übertragen $atte, ging er „aus SRot* 
burft unb guter greunbföaft" am 19. 3u(t fo tocit, fte um 
50000 fl. r^ein. unter 83orbe$alt be« ffitebetfaufä, bet bei 
bem befannten ©taube feinet ginanjen toenig befagte, an bie 
$etjoge 8lbte$t unb ©eorg ju »erlaufen. 2Wtt einem ©etylage 
ermarb fo ba$ $au$ 2Bttte(0ba$ füt eine lä<$etll<$ geringe 
ftauffumme, bereu etfte $älfte bereit« na$ einigen SBo$en ab* 
bejaht toutbe, nifyä toeniget als Dbetelfaß (ben @untgau) f 
ben SBreiägau mit anftoßenben Seilen be$ ®($u>arju>albe$, bie 
t>ier ©täbte am Ötyein: ffialb$$ut, ©ädingen, gaufenburg, WfciiU' 
felben, ferner bie ©tobt S3tÜtngen, bie Sanbbogtei in ©$maben, 
bie f$on früher bairifö gemefen toar, bie bann ©tgmunb 1468 
t>on 3o$ann Iruc^feffen fcon SBalbbutg eingelöft ^atte 2 ) f 

1) ©ein ©cri^t über bie ©nnafync be« ©#>ffe« *om 12. 3uni, t>on 
©igmunb in Hbfärlft an «Ibre^t gefault, flefct in gfirftenfac^tn XIY, 
16. 3um obigen f. benfelben »anb, f. 8—19. 

2) Saft ber «aifer 1487 at9 nichtig ertWrte. 

33* 




616 



ftficfföfag gegen bie »itteW&achifchen SWachtylfine 



bie Sanbgraffchaft SReflenburg unb bie obere unb niebere $err* 
fchaft Röhenberg. Schon erging bon ©igmunb ber Skfehl in 
bie[e Sanbe ben bairifchen $erjogen ju $nlbtgen unb eine 
Oefanbtfchaft be$ (Srjherjog* berfuchte bort, unterftüfct bom 
bairifch gefinnten Sanboogte, bem ®rofen OSroalb bon Zitx* 
ftein, bie ©emüter mit biefem fiberrafchenben ffiechfel ber $err* 
fchaft aufljuföhnen. 

©omohl in ben oorberen Sanben als in SSrol tarn aber 
nun bie Unjufriebenheit mit ©igmunb* SDltßregierung ju fpfkm 
«u$bruch. 83om ftaifer geföfirt unb geleitet, berhinberte eine 
lanbftänbifche ©etoegmtg bon untoiberftehlichet Energie bie 8u$* 
ffihrung ber Serträge mit ben ©aiern. $ier fanben bte taifer» 
liefen ©efehle einmal bereitwillige« ®e$ör, al« ben ©tänben 
ber Sorlanbe verboten toarb ben SBaiern ju fytlbigen, al« bie 
©täbte SReran, $atl, 3nn«bru<f bie ©eifung erhielten fleh nicht 
bom $aufe Öfterreich berbrängen ju laffen. ©ie ©tfinbe ber 
SSorlanbe unb lirol«, iene in greiburg, biefe fett bem Hugufl 
in $atl berfammelt, traten mit einanber in ©nberftänbni« unb 
©ünbni«, bort toarb Dietpolb bon $ftrt al« Statthalter bem 
®rafen bon lierftein entgegengefteflt, ffitt mußte (Erjherjog 
©igmunb felbft gegenüber ber 2Bu$t freimütiger unb nur ju 
©ohlbegrünbeter Hnflagen in eine ©efc^ränfung feiner {Regierung«* 
jjetoalt toiHigen. SBa« ©ignranb bom ftaifer befürchtet hatte, 
bat et ^ n entfern unb jura ,<ßroblfloner" machen tooHe, 
toiberfuhr ihm nun burch feine eigenen Untertanen. 3m 
Dejember toarb eine neue Sanbe«orbnung vereinbart, meiere bem 
Crjherjoge nur mehr einen Steil feiner SRegierung«befugniffe unb 
Sinna^men belieg. Um für bie Sufunft oorjubauen, toarb 
bom Sanbe bereit« bie $ulbigung für ben ftaifer, feinen @o$n 
SWajctratltan unb alle ihre (Srben geforbert unb geleiftet. $>te 
Äfite aber, bie ©igmunb burch ihre ©nflttfterungen gegen ben 
ftaifer aufgebraßt unb ju ben Abmachungen mit ben Sittel** 
Bachem verleitet hatten, mürben burch faiferliche« SRanbat 
(6. Oft.) al« SRajeftattoerbrecher ertfört, ihre (gefangennähme 
angeorbnet, am 8. 3anuar 1488 bann, al« ber ftaifer felbft 
nach 3nn«bru<f gefommen toar, bie 5Reich«acht über fie au«* 




in $orberSßerrei$ unb Zixol 



gefpro<$en. Hufcer ©igmunb« flanjler 3o$ann ©iegenegg, feinem 
etnflujpetyften ©taattmanne ©aubenj oon SDlatfö l ) unb beut 
borberöfterreic$ifc$en Sanboogte, (Srafen ©Stoalb oon lierftein, 
fcaren e£ borne$mlt# ©raf ©eorg Don SBerbenberg*©argan«, 
Pfleger bon 8anbe<f, ©raf $einri# bon gfirftenberg, ber $of* 
marfcfaU $ttbebranb bon (S(e$ unb 3o$ann ©erntet oon 
3immern, SBogt ber f>crrfc^aft $o$enberg, bon benen nun bie 
metften bie gluckt ergriffen. Siner ber (geästeten , £$oma* 
$uperlin ober Styperl, erfcfceint fortan aW Pfleger $erjog 
»brecht* }u Starnberg s ). Slnna ©pießin, bie ©ittoe be« 
$ofmetfter$ unb JRitter* ©pte&, auf beren unfinnige SBerleum* 
bungen $in ©igmunb biele Unföulbtge $atte foltern (äffen, 
fitste bei $erjog ©eorg bon 8anb$$ut 3 u ffo<#. 

Sin bie bairif^en $eraoge fcatte ber $atter Sanbtag ben 
Saublomtur $an$ ton ©Allenberg unb 3obft 8llper$&ofer, 
Pfleger oon ©trafeberg, entfenbet, um fie gegen JRtWerfafc ber 
bereits bejahten ober borgeftredten ©ummen jum SBery^t auf 
bie abgesoffenen ftauf* unb $fanbbetträge ju befttmmen. 2tof 
bem neuen Sanbtage, ber fid? am l. Diobember }u ÜWeran oer* 
fammelte, toarb bon ttrolif<$er ©eite fogar bie Ungiltigteit biefet 
Vertrage behauptet, ba ©igmunb babei um ba$ Dreifache 
flberborteilt »orben, au$ ntc$t befugt gemefen fei biefe ßänber, 
meift 9lei<$$le$en, }u beräufcern. Dagegen liegen bie SBaiern 
bur$ ifcre ©otföaft bie Wec^tmagigleit ber ©ertrage berteibigen 
unb an bie bielfa$en Opfer erinnern, bie fie ©igmunb „au* 
Siebe unb greunbfctyaft" gebraut Ratten. 

©a« bie n>ittel$bac$if<$en <ßlane (Reitern machte, mar in 

1) 2>tefer reifte eine »erteibigung«f<*rlft ein (aom 17. Ott. 1487, 
bei ©ran bi«, ®efc^. ber Sanbefl&aupttente oon £irol, 337 f.) unb marb 
fpSter tton St. SWajrintitian lieber eingelegt — »a« für bie ©ttrbigung 
ber erhobenen Staffagen bo<$ fe$r in* <$enri$t fSttt. 

2) 2>enn an ber 3bentität U9 Vornan fyiperlin (gfirßenberg. U.-8. 
IV, 61) unb 2$otna9 be9 ?wert (Ober6a$er. *r$h> XXVI, 128) toirb 
fty ni$t jweifeln (äffen. Ob au$ ber 1479 oft gflrfler jn 2Mj ge- 
nannte Spontan $ity)ert (Meichelbeck, Chron. Benedictobur. II, 192) 
berfelbe ober etwa beffen Sater if*, bleibe ba^ingefiettt. 




518 



©rünbung beS @>($töfibif$en ©unbeS. 



legtet Öintc ber allgemeine UntoiUe unb baS ®efühl ber ©e* 
brohung, baS bie batrifchen ©ebietSertoerbungen, Übergriffe unb 
©ergrößerungSabfichten in ©ch»aben hervorgerufen Ratten. S)enn 
biefer ©olfSftimmung allein banfte ber Äaifer bte ©rünbung eine« 
©unbeS, ber an Stelle beS Weiches eintretet*, bte SRtttel gur 
©efämpfung ber ffiittelSbacher bot. ©chon nach ber Äuflehnung 
SubtoigS bcS {Rethen, unter bem Sinbrud ber oon biefem dürften 
errungenen (Erfolge unb gegenüber [einen fortgefegten ©erfuchen 
eines &mbfrtebenSfonberbunbeS mar oom Äaifer feine eigene 
engere Bereinigung mit einem letl ber WeichSftänbe geplant 
unb in getoiffen ©rengen auch burchgefcfct toorben. JBett 
bebeutungSoofter aber geftaltete fich, toaS nun erreicht tourbe, 
als vom Nürnberger {Reistage aus (26. 3uni 1487) an 
Prälaten, äbel unb ©täbte ©chtoabenS ber fatferliche ©efe# 
erging auf einem Sage in (Eßlingen im 3uli über bie ©rünbung 
eines @<htoäbif<hen ©unbeS gu beraten *). Den größten Anteil 
an $lan unb (Seiingen beS ffierfeS hatte ber faiferliche JRat 
©raf $ugo von ffierbenberg, fehr erleichtert tourbe baS 3u* 
ftanbelommen baburch, baß ber fchmäbifche Äbel bereits in ber 
©efeöfchaft jum ©eorgenfchilb geeinigt toar, an beren ©pifce 
als Hauptmann berfelbe ©raf oon Serbenberg ftanb. Unter 
ben ©täbten geigte fich Ulm, tote es am meiften oon ben 
©aiern gu leiben hatte, fo auch am rührigften unb bort fchrieb 
man fich fpater gerabegu baS ©erbienft ju oerhinbert gu haben, 
baß ©chtoaben ben ©aiern in bie $&nbe gefallen fei. Nach 
langen ^Beratungen fonnten am 14. gebruar 1488 bie ©unbeS* 
briefe befiegelt toerben, laut beren ©chmabenS 3lbel unb Weichs* 
ftabte junächft für bie 3ett beS grantfurter tytnbfriebenS, näm* 
lieh bis gum 17. 3Kärg 1496 fich Dereinigten. 8US Hauptmann 
für bie Nitter toar in ben erften 3ahren ®raf $ugo oon 
ffierbenberg, als jener für bie ©täbte ffiilhelm ©euerer oon 
Ulm aufgeteilt. Nur unter (Jrintoirfung eines oom ftaifer ge* 
übten DtucfeS f(hloffen fich tem ©unbe bie gtoei mächtigften 
Herren in fchtoöbifchen Sanben an, Srghergog ©igmunb unb 

1) Sgl. % g. ©tfilin, ©efötyte ©ürttemberg« I, 690f. unb bic 
bort aufgeführte Sttteratur. 




$ie famföen ©erjoge unb bie ©ohenjottern. 



51» 



©raf (gberharb oon ffiirtemberg. ?luth bie ©tabt »ugäburg 
unb bcr ©ifchof oon HugSburg erflärten ihren ©eitritt erft nach 
längerem SBiberftreben. allmählich aber getoann ber ©unb 
eine Weihe mächtiger Surften unb auch folche außerhalb ©<h»aben« 
ju aRttgttebern, fo bie SKarfgrafen griebrich unb ©igmunb oon 
©ranbenburg^änSbach unb ©aireuth, ©öhne be« ßurfürften 
Hlbrecht, bie flnrjbifchöfe ©ertholb oon SKainj unb Sodann oon 
5Erter unb ben SDlarfgrafen Ehrifioph oon ©aben. 93on btefen 
©eitrittäeröärungen toar bie ber $ohenjotlew für bie ©atcrn 
bie bebeutungäooüfie, ba fic einen großen ärrfolg ihrer $olitiI 
oernichtete. Denn 1473 hatte Wibrecht mit ben beiben WlaxU 
grafen ein enge* ©ünbnt* gefchloffen, ba* in ©erbmbung mit 
einem mit $erjog ©eorg juftanbe gefommenen ©ertrage bie 
toohlthätige golge ^atte f baß beibe Parteien bie mannigfachen 
©treitpunfte, meiere noch Dom SKarfgrafenfriege ^er jmifc^en 
ihnen beftanben, berufen ließen. Den ffieg über biefe ©er* 
träge fid^ ^intoegjufeften eröffnete ben ÜÄarfgrafen nun ein 
faiferliche* SKanbat, ba$ unter Aufhebung aller fonftigen 93er* 
btnbltd? feiten, bei ©ermeibung ber faiferlhhen Ungnabe unb 
ftrenger ©trafen ihnen gebot bem @chu>äbifchen ©unbe beiju* 
treten. $iemit mar ber alten flrifetfucht unb geinbfehaft jtoifchen 
©ranbenburg unb SBitteläbach Zffüx unb Xf>or geöffnet, ©alb 
traten bie ©ranbenburger lieber mit Hnfrröchen auf bie 9u6* 
behnung ihres Sanbgetitye* tyrtox, erließ ber ftaifer, um ihre 
leilnahme am nieberlänbijchen gelbjuge ju belohnen, in biefer 
$injicht mieber ein SKanbat ju ihren Ounften. äßußte bie$ bie 
©aiern reijen, fo Ratten bie ©ranbenburger anberfeitS eine 
lange gifte oon ©efötoerben gegen fterjog ®eorg, megen be* 
©Stoffe* ©tein bei Äulmbach, bat er ntc^t herausgeben tootlte, 
toegen 3agb unb ©eleit, toegen totberrechtlicher ©efteuerung 
branbenburgtfeher Untertanen oon Seite ©aiern« unb ber noch 
immer nicht gelöften Dienftoerfchreibung, bie Oeorg* ©ater im 
testen ftriege einem Seile ber marfgräflichen SRitterfchaft ab* 
gebrungen hatte 1 ). 

1) Sgl. g. ©agner, 2>cr f($t»S&if<$e ©unb unb bie fränttföen 
©ohcnjoHent (gorföungen XXII, 270—274. 285). 



520 



£tc Jöaiern trab ber €tyfe$bif$e ©unb. 



©ner furchtbaren Äoalition fafcn ßc$ fo bie SBittetebadjer 
gegenüber geftettt, bereit mttitärtfcfcr 9Kac$t Won an fic$, ah* 
gefefcen bon beit öfterrei$if$en unb SReic$$truM>en, fie fömerttcfr 
gemacfcfen maren. Da« erfte Hufgebot be* fc^to&bifc^en ©unbeS* 
$eere* betrug 12000 üHann ju gufc unb 1200 ju ?ferb, beim 
jmetten traten weitete 6000 3Rann ju f$uß unb 700 ju ?ferb 
$inju, beim britten maren ade ©erbünbeten gehalten mit ganjct 
ÜÄa<$t auäjurüden. ©ie menig $erjog Hlbrec^t bie ©ebeutung 
btefer neuen 2Wa<$t unterföä&te, jeigt bie 9ta$ric$t, ba§ er 
felbft anfangt berfuctyt treibt feine Aufnahme in ben ©unb $ts 
ermirfen l ). Da« (Seiingen biefe* SSerfud^ $ätte bem ©unbe 
eine mefentlic$ berföiebene gärbung geben mäffen, aber er tonnte 
nic$t gelingen, ba ja getnbfcfcaft gegen ©aiern ba« mtrlfamjie 
SDtotib ber iungen Bereinigung mar. 

3n biefer Sage fugten fi$ benn bie ©ittel«bac$er fomofct 
burc$ engen Hufälufc unter fi$ al$ bur$ auämärtige ©unbe«* 
genoffen gegen bie brofcnbe ®efa$r ju fäüfcen. 3" 3ngolftobt 
fam im 3uni 1487 ein ©unbeSbertrag jmiföen bem fturfürfteit 
yffitipp unb ben ^erjagen 8llbrec$t unb ©eorg juftanbe, beffett 
mictyigfte Srtilel ba$in lauteten , bag im gatte ber ©ebro^ung 
be* einen ©erbünbeten bie anberen i$m mit getarnter 9Dia$t 
3Ujie$en, na$ bem Äriege aber leiner ein einfeitige* Stbtomrnen 
mit ben ©egnern treffen foöte 2 ). «lbrec$t$ erftgeborene Softer 
©ibonie mar menig über ein 3a$r alt, als ber ©ater föott 
©orge trug fie mit einem pfäljiföen <ßrtnjen ju berloben: im 
3uli 1489 mürbe tyre ©ertöbni« mit be« fturfflrften $#ltyp 
älteftem ©ofrte 8ubmtg feftgefefct ; bie »äpft(i$e ©ityen* megen 
ber ofaebie* fe$r entfernten ©ermanbtf^aft marb o$ne 2Ru$e 
(1490) erlangt 3 ). aber <*u$ um ouflmSrtigen JRüdtyolt mores 
bie $erjoge beforgt, no# e$e fie fic$ eigentlich in ber äbme$r 
befanben. ©c$on im SÄai 1487, alfo bor ©rünbung be* 
©c^mabiföen ©unbeS, berieten älbret$t unb (Seorg auf einer 

1) @o bic gortfcfcmig gfietrer«. 

2) »ei gif* er, Steine elften II, 696. 

3) «ettenl^ofcr, 76; öeifj im £>6er&a*er. *r$fo VI, 422. 




$ie Qaunt unb St. 9Wat$ta« ton Ungarn. 



3ufammen!unft ju (Etbing über 8lnf($lu§ an Ungarn, an gtanf- 
retc^, an bic ©bgenoffen *). ffia* Ungarn betrifft, fo toar 
ba$ S3et$5ltni« ber $etjoge ju biefer äRafy feit bem ©ünbniffe 
oon 1469 (f. oben ®. 438) nie toiebet üötßg erfaltet. (S* 
liegen ©^reiben be* ftönigS 3)tat$ia$ an Hlbtecfct Dorn 16. Äptil 
1477 unb 8. Styril 1480 oot, tootin er fi$ über ben S3et- 
ttag*btud> be$ ftaifet* bcfdptoert unb mit gutem ©runb biefem 
bie SJetanttoottung für ben ju befürtyenben fttteg }uf$iebt *). 
Setgebend bot p# gleicfc na# feinem 9legietung«anttitt $erjo& 
©eotg, att et in SGBien bie 8e$en empfing, bem ftaifet al* 
gtiebenSoetmittlet gegenübet Ungarn an, um, toenn bie$ ge- 
lungen, feine SWacbt gegen bie dürfen führen }u fönnen. ©egen- 
übet einet fo jämmerlichen, ja frevelhaften $olitif, tote fie bet 
unfähige $ab*butget mit 3Hat$ia$ (Sototnu* trieb, mar bie 
3urü(fyaltung bet bairifd&en $ergoge too$lbere$tigt. Da« oom 
92ütnbetget SRetc^tage 1481 beföloffene Aufgebot jum 9lei$** 
frtege gegen Ungarn oertoeigerten bie $etjoge ju fteHen, nic$t 
o$ne baß güt unb SGBibet teifli$ ettoogen motten märe. (Ein 
füt #etjog ©eotg oon einem {Rate entworfene* ©utaetyten Oer- 
Wtoteg ni$t, bog fotoofcl nationale al« Se$entyfli$t füt ben 
ftaifet fptätyn, unb neigte baftn, bag bet $etjog gegen au«* 
tei^enbe ©ic^erfteHung biefen mit ganger SRa$t untetftüfcen 
foüe. Sin 9u*f$u(? au* ben ©tänben betbet 8anbe$teile fanb 
bagegen bebenflicfr Ituppen äuget Sanbe* }u föiden, toä^tenb 
im $affauifc$en Unruhen $ettfc$ten unb oon ben lütfen ®efa$r 
bto$te; gumal gegen ben Ungatnfönig, bet ben JBaietn am 
leityeften fefaben fönne, ba et tynen am nä$ften fifce unb $att 
an bet ©renje etliche ©atgburget ©c$löffet inne $abe. älbtec^t 
entföulbigte fi$ fibetbie« mit ben oielen ©Bulben, bie et übet* 
nommen $abe, mit nottoenbigen Lüftungen gegen bie Stämmen 
unb bamit, ba§ et gu $od> angelegt fei. 9lu$ $atte tyn <ßa}>ft 
©i$tu$ IV. befcfyooten alle* aufgubieten, bafc e« nic$t jtoiföen 



1) gfirjlenfacfcn XIV, 78. 

2) $au«ar$i&; Oefele I, 319. 




522 



Unterhaltungen mit Ungarn 



bcm ftaifer unb Ungarn jum ftricg tarnt l ). SRitttermeile 
maren einerfeit* be* ftönigä SRathia* glänjenbe militärifcbe <£r* 
folge anberfeit* ber ffiiberftanb be$ Jfaifcr* gegen bie bairifche 
$oltttf ferner für btc Ungarn in bie ffiagfchale gefallen unb 
fo blieben mieberholte Aufgebote be$ ftaifer« gegen Ungarn 
unbeachtet *). 3m $erbft 1487 ging ipeinrich &on Schauenburg 
al$ ©efanbter Oeorgä, ein {Rat ©chachner in SllbrechtS Auftrag 
an ben ftönig SKathiaä, mit bem f$on wrher unterhanbelt 
morben mar 5 ). Die ©aiern tonnten ba$ SBünbniS oon 1469 
in (Erinnerung rufen, famen jeboch jefet jur Unjeit, benn eben 
arbeitete Slbrec^t oon ©achfen eifrig an einer äuäföhnung 
Ungarn* mit bem ftaifer unb am ©teuer $ofe galt btefelbe 
bereite als nahe beoorftehenb. Die fünften ©erüchte fanben 
©tauben: bie Ungarn mürben ihre ©äffen anftatt gegen ben 
ftaifer gegen 83enebig rieten, ba$ 9tei$4$eer bann nicht gegen 
SWathiaG fonbern gegen bie ©aiern jiehen. SRu$t gonj frei* 
miliig trat Schauenburg eine befchleunigte äbreife an. Sütf bem 
$eimmeg befugte er SGBofo oon SRofenberg, einen böhmifchen 
Diener ber batrifäen $erjoge, ob etma burch biefen eine Än* 
näherung an ben ftönig oon Söhnten ju erjielen märe. Der 
8anb$huter ©efanbte hatte jeboch bie Jpeimat nodj nicht erreicht, 
als bie griebenäauäpchten am ungarifchen f>ofe mieber tief 
fanfen. 9m 25. SRo&ember bevollmächtigte 3Äathia$ ju Sien 
feinen ©efretar 8ufa3 ©chnifcer ju neuen Unterhanblungen an 
ben f)öfen *on ?anb$hut unb SKünchen unb nachher gingen 
mohl ein halbe« 3ahr ober langer fortmahrenb ©efanbtfchaften 
jmifchen ben brei gfirften hin unb her. Die JBaiern betonten, 
melch ungeheuren 2Bert ihre ©unbeägenoffenfehaft für ben Ungarn* 
lönig hatte, ba fie ben Donauftrom über 40 ÜReilen ffieg« 
beherrfchten. aber pe mollten pch freie $anb mähren, ©te 

1) Oefele I, 320; ©öfter, Eöfatfche etubien («rtf. f. öfterr. 
©ef*. XII, 366); *. gre^berg, ©efö. b. bair. Sanbfl&tbe I, 650{. 

2) «n ©eorg *ora 3. gebr. unb 9. Ott. 1487. @t«3C. 

3) $a« flgb. na$ gttrftcnfacfcn XIV, 78—117. 2)iefe «treu laffen 
bie au<h tfronofogifö fcertmrrte 2)arßettung ©öfter« a. a. O. 364 f. in 
mannen fünften alt ungenau erfreuten. 




unb ben ©bgenoffen. »ertyKtm* jum Ämftr unb Äitatge. 528 

fltngen ntd^t auf attat^a«' 83er fangen ein, feinen geinben un* 
bebingt ben ©ur<$gug gu mehren, mottten bie« nur t(mn, „fo 
Diel tynen gtemlidfr unb fügli$ märe." Dagegen foflte ÜWatfcia« 
tm gatle eine« ängriff« bon ©eite be« Äaifer« i$nen binnen 
fec$« 2Boc$en 1000 gerfiftete {Reiter unb 3000 guggänger fteflen 
unb biefe $ilf«macfrt felbft befotben. Saft fd&eint e«, al« ob 
bte gu $o$ gekannten bairtföen gorberungen ein SBünbm« ver- 
eitelt hätten ; e« liegt eine 9iei$e bon (Sntmfirfen eine« ©mibe«* 
Dertrag« bor, oftte baj? einer berfelben gur Ausfertigung gelangt 
wäre *). 

Sludfr mit ben Sibgenoffen !am man gunä<$ft ni$t meiter. 
9iac$bem <£rg$ergog ©igmunb btefelben im 3uni 1487 gu einem 
©unbe mit brn ©aiern aufgeforbert $atte, mürbe im Sluguft 
auf einem Sage gu 3nn«bru<f ber (Sntmurf eine« Neutralität^ 
J&ünbniffe« ber $ergoge aibrety unb ®eorg mit ben ge$n ber* 
bünbeten Orten vereinbart, bod? tonnten auf ber &&T\$tx lag* 
fafcung im ©eptember bie batriföen ©efanbten bie Sudfertigung 
triebt ermirfen, ba e« einem Seil ber eibgenöjfif$en JBoten an 
ber »oHmacft ftefür fehlte *). 

Daneben mar glei$mo$t ba« ©eftreben ber $ergoge fort* 
mäfcrenb barauf gerietet, e« mit bem ftaifer ni$t gang gu ber* 
ber ben f bor allem aber bie mofclmoflenbe ©eftnnung feine« 
©ofyie« fi$ gu erhalten. 8H« SKafimilian bon feinen auf* 
jtänbiföen Untertanen in ©rflgge gefangen genommen marb 
unb ber ftaifer bie gürften be« 5Rei$« gu feiner Befreiung 
aufrief , maren beibe $ergoge einig biefem Wufe, menn au$ 
uicty perfönft$ au«rü<fenb, gu gefcoretyen. Unter bem ©efe$l 
be« Witter« ©urtyarb bon Knöringen unb Cberfcarb« bon 
Dür^eim machte ß# eine ©#ar tyrer Meifigen auf ben ©eg 
4ta$ gtanbern, erhielt jeboefc fc$on in SWaing bie 9la$rid>t, bag 
ber ftönig befreit fei 8 ). ©egrünbeten 9n[pru$ auf ben $ab«* 

1) gür $Sfter« gegenteilige ©e$am>tung uermiffe i$ einen ©etoei*. 

2) Sgl. $robji, Die ©ejie^ungen ber Wtoetseuföen ©bgenoffen- 
faaft gum beutföen 9tci<$ 1486—1499 («r$to für ©ctyuetaeriföe ©efö. 
XV, 97. 98). 

S) berieten bte beiben $aupt(eute 21. SRai 1488 an tyre ©er$oge; 




524 



£ic ©aieru, ber ©<$tt>56lfä)e ©nnb 



burgifd&en Danf ermarben fi$ bagegen m btefem ftanbriföen 
gelbjuge bur$ i$re ru$mtu$en ftrieg«t$aten bte $erjoge C^ti- 
ftof>^ unb ©olfgang 1 ). 

3n>ifc$en $erjog ©eorg unb bem ®c$n>fibif($en ©unbe aber 
$atte ft$ mütlertoeilc ba« S3er$ältnt« no<$ föärfer jugefoitf. 
©on brei ftlofterbrfibern ber Äbtei Poggenburg, bte mit intern 
Übte jerfaücn marcn, um frilfe angegangen, fcatte ber $erjo& 
burc$ feinen ämtmann Subtoig Don $aMbetg ba* ftlofter über- 
fallen unb jriünbern, feine ©auern i$m abbringen laffen. Übet 
$ab$berg mar barauf (3. San. 1488) bie 9tei$4a($t au«* 
gefprocben, ber $erjog bom @c$toäbifc$en ©unbe$geric$t juut 
©dfrabenerfafc verurteilt toorben. Da er ß# nic$t fügen Unräte, 
fcfrritt ber ftreitbare Äbt bon Poggenburg, unterftfifct bon einigen 
©unbeägfiebern, ben Ulmern unb etlichen bon ber 9litterfc$aft r 
3ur ©elbft^ilfe, nafyn bem f>erjoge ©cfclojj <£rba$ unb feinem 
Pfleger ju ©urgau, 35rg bon ffiefternac^, ©ctyol ©leiffenburg 
toeg. Diefeä ©ergeben unb anbere* gab ftntoieberum bem 
$erjoge ®runb ju ©efötoerben, befonbert $ielt er fi$ audj 
barfiber auf, bajj batriföe Untertanen in ©c^maben genötigt 
toorben toaren bem @$toäbifc$en ©unbe beitreten, o$ne i$n 
al$ tyren 8anbe%rrn auszunehmen *). 3m Öttingiföen Farn 
e* bereit« jum ©affengang. Dort $atte Oeorg na$ bem 
lobe be$ ®rafen Submig bon beffen locbter SWagbalene, bk 
mit bem ©rafen Ulrich bon äRontfort bermafclt »ar, beren 
(Srbteil an ft$ getauft unb al« bie ©rüber, bie ®rafen SBolf# 
gang unb 3oac$im, i$re 3uftimmung berfagten, ba$ öttingijc^e 
(gebiet mit $eere«ma<$t überfallen. Um Oftern 1488 empfing 

gürflenfaä)en XIV, 157, fcgl. 167. 2>aneben I5§t ftä) fötoerli* aufreä> 
Ratten, n>a$ ber €tänger be« HegenGburger £iebe* (t>. Sütencron n, 
202) an« ©erfyirbta« wn ©tauf eigenem SWunbe ge$3rt fytben tritt, bag 
biefer in Äöln beftfyrib umgefe^rt fei, »eil er bort vernommen, baß ber 
Äaifer mit «Ibrecbt unrin« fei. 

lj «rntoed, 467; Seit ton Gberftberg bei Oefele IL 730. 7S7. 
©olfgang toar um biefe 3ett, &or bem ungarifä)cn gettguge, in <2korg* 
SHenfle Pfleger in ©etffen^orn; «rnfced, 472. 

2) ©efänxrben ©eorg« t>om 20. «ngnft 1488 bei ©attler, öeftf. 
©ürtenberg« unter ben Grafen III, 211, ©ttfage Hr. 126. 



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ttnb bie Habsburger. 



er bie Übergabe bei ©tabt Öttingen unb balb mar, mit Stuft* 
nähme be« ftlofter« 9iere«heim, toohin bie Orafen ihre ©chafee 
-gefluchtet Ratten, bie gange ©rafföaft bi« $arburg in feinen 
$anben. Dann aber Famen SSerbünbete ben ©rafen guhilfe 
»nb brauten ben $ergoglichen einige ©klappen bei 1 ). 

äl« im 3anuar 1489 ber ©ch»ftbifche ©unb gu ®münb 
tagte, toar man bereit unb gefaßt gegen Oeorg lo«gufchlagen ; 
nur mürbe befchloffen vorher ben ftaifer um Srgielung eine« 
gütlichen 8u«gleich« angugehen. Die grieben«au«ficht geuxmn 
Jeboch bie Oberhanb, at« ftönig SWaj imilian im grühfah* nach 
©chtoaben fam, Wibrecht bem ©$mager na* Ulm entgegeneilte 
unb fpäter (Snbe 3Äai) in SDWtachen beffen ®egenbefuch em* 
Vfing. Dem Röntge lag vor allem baran ben ftrieg gegen 
gjranlreich, ba« ihn fchmählwh beleibigt f)attt, unb gegen bie 
aufftänbifchen glamänber in (Sang gu bringen. (Bbenfo ^ielt 
ber noch immer au« feinen (Erbtanben vertriebene ftaifer feinen 
©Ikf mehr auf ffiien unb Ungarn al« bie fch»äbifch*bairifchen 
$änbel gerichtet. Diefe ^arteiung toar Betben höchft unbequem; 
für fie galt e« vor allen bie Oefahr gu befämpfen , baß bie 
©atern in ihren eigenen (Erblanben guß faßten, fobann aber 
womöglich beren $ilfe gegen Ungarn gu erlangen. Der ©chtoä- 
bifche ©unb foUte nur ihr ©erfgeug fein; nun aber verfolgte 
er atlju eifrig feine eigenen 3ntereffen. ®eorg verfäumte nicht 
perföntich auf ben ftaifer gu toirfen; bie gange gaften- unb 
Dftergeit bi« ^fingften brachte er unter ungeheurem Äufroanb 
am faiferlichen $oflager gu 3nn«bru<f gu ') unb vielleicht fpt 
fchon bamal« ba« ^ro|eft ber Verlobung feiner Xotyn diu 
fabeth mit ¥hüiM>, bcm ®*>hne ftönig SWajimilian«, feftere 
©eftalt gewonnen. 

Ruf bem Zage gu $afl im «pril trat bie vermittelnbe 
Stellung be« ftaifer« tme be« ftönig« fo augenfällig hervor, baß 
bie ©unbe«glieber ernfttich verftimmt tvurben. Der ftaifer 
befahl bem ©unbe bei ©träfe ber Seht nicht« gegen Oeorg 

1) «rttj>e<!, 420; AnnaL Neresheim., M. G. Scr. X, 30; ©tre- 
lin, <8efä- te* trafen von Örtingen, 167 f. 

2) «rnj>c<I, 422. 




626 «irtgWch jtotf<hen ©. Georg u. bem ©<$to56t[c$ra Staube. 

Dorjunehmen. Der ©unb bagegen befchloß auf beut läge j» 
Clingen (22. SWai) auf «nregung be$ ergbtfchof* ©erthott> 
Don äRamj, ©efehlen beS ftatfetf, meldte bic ffiirf famfett be£ 
S9unbe$ beeinträchtigten, leinen Oe^orfam ju leiften. 

®lei<hmoht gelang e$ ben eifrigen ©emühungen SHajimifian* 
am 10. 3um }U DtnfeWbühl einen S3erglei<h x ) jtoifchen bem 
©unbe unb $erjog ®eorg ^erbetjufü^ren, ein (Erfolg, ber burdh 
greubenfeuer unb Illumination gefeiert mürbe. $ab£burg 
hatte ben $aupterf olg, benn Oeorg ©ittigte barem Surgau gegen 
(Srfafc ber ftauffumme an Öfterreich jurücfjufteüen. Der Äbt 
Don Poggenburg fottte gurfief erhalten, toaä ihm ®eorg ab* 
gebrungen hatte, anbete Streitfragen, fo über bie {Rechtmäßig* 
fett be$ öttingifchen ftaufoertrag*, über ba$ 8anbgericht gu 
©eigenem, über bie ©raffchaft Äirchberg, »urben bem ©chieb« 
foruche be$ ©iföof* SBilhelm Don ©chftäbt unb be* ©rafen 
(Sberharb b. ä. Don Sßirtemberg übermiefen, Don benen ber 
erftere mehr mit ben ©atern, ber anbere mehr mit ben 
©chroaben oerbunben mar. Öfinige ffiochen fester oetpanb pch 
©eorg auch ^aJ u ; bie Don feinem ©ater bedungenen branben* 
burgifchen Witter Don ihren ©ertflichtungen gegen ©atern fo** 
guferechen. 211$ ihn ber ftönig im September in 8anb$hnt 
befugte, eröarte er ihm nur bann gegen Ungarn bienen ju 
fönnen, menn er Dom ©chmäbifchen ©unbe nicht* gu befürchten 
habe, unb ermirfte baburch eine neue ©eifung be$ JtönigS an 
bie ©unbe$hauj>tleute unb bie ©ranbenburger nichts geint* 
feiige« gegen ben $ergog gu unternehmen. Der ©infettbühler 
©ertrag aber fchien burch ©treitigleiten über feine Äuälegurtg 
ba(b mieber in grage gepeilt, bie alten <ßarteigegenfäfce traten 
in DoUer ©chärfe toieber ^ert>or, DergebenG arbeiteten ßnigtiche 
ftommiffäre in (Sümangen (3an., gebr. 1490) unb ÄugSburg 
an einem 8lu«gleich *). 

Unb nun machte pch boch allmählich geltenb, bat Slbre^tt 
unb ®eorg$ politifche Sntereffen, mie fehr pe pch auch berührten, 

> 1) »ci Datt, De paoe publica, 257—264. 
2) »gl ©agner a. a. D., 292f 




SHbre^t IV. unb ber Äaifer. 



nicht bie gleiten maren, bog ber erftere bei Verfolgung feinet 
SWachtpläne mehr mit ben ipabSburgew, Oeorg bagegen mehr 
mit ben fctytoabiföen ©tänben unb ben branbenburgifchen ÜWarf* 
gtafen al$ (Segnern ju rennen fydtt. ffienn auch ba$ SBfinbniS 
gmifchen «Ibrech*, ©eorg unb tyfyVxpp ju »mberg erneuert 
tinirbe, fo marb boch ba$ innige <£in&erftänbni$ jtotfe^en ben 
$öfen oon 8anb$$ut unb SWünchen, ba$ föon bie Vermählung 
aibred&tä ettoa« gelodert fyrtte, noch mehr abgefch»öcht, als 
®eorg, um ben Äaifer für fi$ ju gewinnen , beffen ©ohn im 
ungariföen gelbjuge perfönlich unb na$brädti$ unterftüfcte. 
9?un lieg cö jtoar auch «(brecht nicht an perfönlicher In* 
näherung gegen feinen ©chnriegeroater fehlen , im ©eptember 
1489 motte er mit SWajtmilian unb ®eorg an ba* faiferliche 
$oflager nach 8inj gehen *), aber in feinen politifchen Plänen 
!am er baburch um nicht* metter. Unerftyütterlicty ^ielt er an 
feinen 3bfi$teu auf SKat^tertoeiterung feft, meber auf Siegend 
bürg tooüie er berjichten noch bie SSerfchreibung über bie 
3fterreichtf<hen Vorlaube herausgeben noch feine ®emahin einen 
Sxboetjtc^t aufteilen laffen. ffleim ftaifer aber ftieß fein fefter 
©ille auf nicht geringere $artnä<figteit. än ben WegenSburger 
9lat erging (13. 5)ej. 1489) ber faiferliche ©efehl binnen 
SRonatäfrift junt Steide jurüdjulehren. Die Sippedation an 
ben $apft Onnocenj VIII., meiere barauf bie ©tabt burch ben 
SWagifter Simon ©fenhofer ju äWünchen einlegen (1490, 
22. 3Äai) unb in beutföer Sprache im Drud ausgeben ließ *), 
hatte feinen (Erfolg, mie benn auch bie bairif$e Partei faum 
große Hoffnungen barauf fefttc. Der $apft beobachtete tooht* 
bemeffene 3urfidhaltung, inbem er in ©^reiben an ben ftaifer, 
an äWafimiltan unb Wibrecht 9 ) fleh bamit begnügte feinen 
©unfeh auSjubrfiden, baß ber ©treit frieblich beigelegt toerben 
m5ge. 

1) Ulmann, Äaifer SRajrunittan I., I, 78, «nm. 1. 

2) ©ei epteß, «T$Hrif*e Nebenarbeiten II, 9-13. 

3) 2He brei e<$reiben, ba« an Wärest mit bem 2>atuut: 7. 3nli 
1490, f. in dm. 12033, f. 376 f. 




528 



©itteW&atf trab $a686urg. 



3tt biefem fünfte mar auch iDtojimitian, mie e« fchetnt, ja 
feinet SRachgiebigfeit gegen feinen ©chmager geneigt. »tt er 
*uf ber Donau an WegenÄurg oorfiberfuhr, bliefen feine ©piet 
leute bie ÜWelobie eine« bamal* atlbefannten S3olttltebe$: £) bu 
armer 3uba«, ma$ ^aft bu gethanl Die JBürgerfchaft mußte, 
ma* bie« ju bebeuten ^abe. Überhaupt mar e* gerabe SRaji- 
mttian, bur$ ben älbrecht, trog aller perfflnHchen greunbfchaft 
jmifchen ben ©chmägem, nun bie (erbften (Snttäufchungen in 
feinen ehrgeijigen $rojeften erleben mußte. Die Abtretung 
lirott unb ber öfterreichifchen Corlanbe mit Surgau Don ©ig* 
munb, ber fleh mit einem 3a$rge$alte begnügte, an ben ftönig 
<16. 3Jtärj 1490) ließ jebe Hoffnung fchminben, baß ©aiem 
au« ben fo fölau etngefäbelten Verträgen mit bem (Erjherjoge 
einen bleibenben ÜWachtjumach* ba&ontragen »erbe. Sin neuer 
©chlag für bie bairifche ?olitit mar ber (Eintritt be« flömg« 
in ben ©chmäbifchen JBunb (5. 3Kai 1490). Huch in ber 
flörjtfchen (Erbfrage fam Wibrecht ber mächtigere unb glücffichere 
©chmager juoor. 83on ben bislang feftgehaltenen Slnfprücheu 
Sllbrecht* auf gSrjtfcheä ®ebiet tonnte (eine 9tebe mehr fein, 
feit ber legte ©raf oon ©örj, ©ewharb, bie auf alte (Erb* 
Verträge begrünbete Nachfolge SRajimtlian* 1490 feierlich an* 
erfannte, unb jehn 3ahre fpater trat $ab«burg in ben ©efig 
be$ öanbe*. 

Über alle aRagen aar ba* ®lüd ben $ab«burgern ^olb. 
9uf allen ©etten fegten fie ber bairiföen $olitt! ffiiberftanb 
entgegen unb boch erfreuten fie fleh ber mirlfamften bairifchen 
Jhiegähilfe, als fie nun nach bem lobe be$ flönig* üWathia* 
(6. Hpril 1490) enblich baran gehen tonnten bie öfterreichifchen 
<Erblanbe jurüdjuerobern unb in $erfe$tung ihrer Änfprüche 
auf bie ungarische fiönig*trone gegenüber bem oon ben ungarifchen 
Magnaten ermahlten Äönige ffilabiälau* Don ©öhmen ben ftrieg 
6i$ na* Ungarn hineinzutragen, ©chon im 3uni begleitete 
$erjog Ehriftoph SWajimilian nach ©teiermarf unb fanb bort 
unb oor SBiener»SReuftabt (Gelegenheit feinen friegerifchen {Ruf 
ju bemähten, ffiilmolt oon ©chaumburg erjä^lt einen 3ng, 
ber bemeift, mie rafch unb faltblütig ber $>elb auch in ber 




Oeorg n. C&rifUtyh im ungarif^en gclbjuge. 



52» 



f)tfee bet ©efechtet bie ©abläge überbaute. Seim ©turnt 
auf bte ©urg oon ffiien, bte 8abitlaut VLpox mit einet gurücf* 
gebliebenen ungarifchen ©efafcung bergebent gu galten aerfuchle, 
befestigte Shriftoph einen ber btei ©turnthaufen. ®eorg $atte 
mährenb bet ©ommert in ©chärbing 1200 Weiter gefammelt 
unb mit ihnen am 14. September auf 24 ©Riffen, bie gahrt 
Donau abmartt angetreten. <£t mar eine auterlefene Gruppe, 
aortrepch beritten, auf« befte betoaffnet. 3mifchen SBten unb 
©rucf an ber Seitha trafen bte ©aiern in ben lagen bor 
SKichaelit mit bem flönige gufammen, ber ficb ie^t erft ftart 
genug füllte bte ungarifche ©renje ju überleiten. Um bat 
gttttern ber $ferbe ju erleichtern, markierten ber ftönig unb 
®eorg einen £agemarfch ^intereinanber in bat fernbliebe 8anb 
hinein. Buch 9lbre$t ^atte eine Äeiterabteilung gefault; er 
erhielt oon feinem ©chmager mährenb bet gelbgugt SRachrtchten 
über ben Serlauf ber ©emegungen. (Seorgt perfönlichet flrr* 
fcheinen aber unb fein ungemöhnlich ftarfct Aufgebot mußten 
ihm um fo h&$e* angerechnet werben, alt ©labitlaut oon 
©öhmen fein ©chmager mar. Der $ergog fanb benn auch 
geraten {ich oon SKaftmilian eine ©chufcberfchretbung miber 
©tarnen autftellen ju taffen, auf bie er fleh fpäter (28. San. 
1492) berufen ffat 

Ütach achttägiger Belagerung ergab fich bat ©chloß ©tein- 
amanger. Die glängenbfte friegerifche Seiftung biefet gelbgugt 
mar bann bie Srftürmung bet ungemein feften ©tuhlmeijjenburg 
unb hier mar et Chnftoph toxi ©aiern, bem bie $a!me ber 
lapferfett gebührte. ©om $ferbe fpringenb, riß er einem 
ftnechte bie Sange aut ber $anb, mit bem 9iufe: „ffiohlauf, 
liebe ©rüber, mir nach!" ftürmte er bem gufbott boran, fprang 
in ben ®raben hinunter unb erflomm alt ber erfte bie SRauer. 
3hm folgte, bon feinem $elbenmut hingeriffeh, bat gefamte 
guffrolf. 3m geftungtgraben raupte et oon ©tahl unb Sifen, 
alt hätten ihn plöfclich bie mitben Stuten einet ©ebirgSbachet 
angefüllt, ohne ©erjug mürben bie Seitern angefegt, unter 
£rompetengefchmetter mogte ber ftampf 1f\tt unb her, aber balb 
tonnten bie glüdtichen ©türmer ben Seifigen bie ©tabtthore 

«teilet, 9ef<*i<$te »aiern«. III. 34 




680 



$. Georg unterßfifet ©aWburg. 



Sffnett. Der glongenbe Steg marb bur$ au$ji$toetfungen unb 
SWeuterei bct £anb*bie$te gefc^nbet. 9?ac$ bem ftampfe fctyfog 
SWof tmtltan eigen^anbig mehrere görften, barunter bic §ergoge 
®eorg unb (£$riftop£, ferner oon ©aiern Sllbrec^t oon 8fe$* 
berg, ben Pfleger *on ffiei&en^orn, $an$ Clofner, ©eifc *on 
fcörring, ftafpar ©$enf, ©olfgang oon 3Beic$$, $an$ ©c$itt* 
mafc unb anbere <£ble gu {Rittern (17. SRo*.). ©eorg unb 
(5$riftop$ gogen bann mit beut ftöntge no$ bor Ofen, u>o ba« 
$eer ettoa ge$n Sage lagerte. @$on $atte <£$riftop$ bie ©tobt 
gur Übergabe aufgeforbert, aW ber SBefefcl be$ ftönig« gum 
SRüdgug eintraf. Unter ben 8antöfnec$ten , benen ber @otb 
ni$t au«bega$It »erben tonnte, mar offene SWeuterei au$* 
gebrochen; vergeben« $atte fi# ®eorg bemüht fie gu beftyme^ 
tigen. Der griebe gu ?regburg, gu beffen Äbfötug ÜWajimütan 
bie Unbotmäfjigfett feiner Struppen nötigte, gab Ungarn an 
SßlabWlauä unb beffen männliche flrrben, beließ aber ben $ab0» 
burgern bie ilnmartföaft na$ bereit (Srldföen. 9nt 4. De* 
gember fam ®eorg nac$ ffiien, am 26. na<$ 8anW$ut gurüd 1 ). 

äuf bem SRüdmege empfing tyn ber ftaifer mit einer <£$ren* 
bejeigung, bie er nU$t einmal feinem €o$ne ermieä: er fu$r 
i$ra perfönli$ entgegen. ®c$on beim Äbföieb aber mar feine 
Haltung nrieber eine ßtyte, ba tym ©eorg bur$ ben Stüter 
t>on $offemberg einige Sänfte unb Sorberungen $atte vortragen 
(offen f bie SWifetrauen unb fflebenfen meeften. 2Ba$r$einft$ 
ift e$ att SRfitffölag biefer abtoeifenben $altung be« ftaifer« 
aufgufaffen, metm (Seorg nun eine ®efanbtf$aft gu ftBnig 
SBIabtätauS, feinem ®$n>ager, na<$ Ofen aborbnete unb biefem 
in geheimer Äubieng »ortragen lieg: nur mett er Don ben 
SJranbenburgern unb bem ©<$»abifc$en ©unbe bebrängt fei, 
$abe er, um ben ftaifer unb ftönig für fid? gu gemimten, am 
ungarif$en gelbgug teilgenommen ; er bitte tym barum triebt gu 
gflmen unb erbiete tym bur$ feine Vermittlung gu nfifcen. 
Die ©erbung machte auf ben ungarif$en ftönig fo toenig Situ 

1) @. bef. ©Umolt t>. 6<baumburg, 75; güctrer, 80. 81; 
Vxnptd, c 424; bie S)entti?ÜTbig!eiten SRi^ael« t>. G$en$ehn bei Jung, 
IfisceUanea in, 330. 332. 




ffleutralitfittfcertrag mit bett ©tbgenoffen. 581 



brud, bag er balb barauf bcm SIRarlgrafen griebrty unb bem 
@$mäbif$en ©unbe ein ©ünbni* gegen ®eorg antrug 1 ). 

Die ©eforgniä, meiere im Sager ber ®<$toaben $errf$te, 
bag ber ftaifer ®eorg für fein flrntgegenfommen auf i$re ftoftett 
Belohnen toerbe, mx alfo übertrieben, 3mmer$tn nafcm ft&nig 
SRaf imilian, ber auf bem WüAoege bon Ungarn ben üKünc^ner 
$of befugte, auf bem Nürnberger {Reistage, too im 3Rär) 
1491 bie Beilegung ber bairif^^fc^toäbif^cn $änbel berfud&t 
mürbe, eine oermittelnbe ©teflung ein unb lieg ba$ ÜJtttglieb 
be$ ©unbe$ hinter bem fatfertic^en ©eboflmätytigten (neben 
tym toar att feiger ber ©ifdfrof bon flr«$ftäbt beftedt) jurfid* 
treten, äße 83ermittlung$üerfu($e aber föeiterten an ber ftoljen 
unb frirtnädtgen Haltung ber beiben bairifd&en $ergoge. ©ie 
Sttarfgraf griebridj botf ©ranbenburg berietet, feierten fie 
ni<$t, bei Statteten, ©d&toeijern unb ©B$men um $>ilfe ju 
„arbeiten* 2 ). Über franjöjifd&e Unterftmblungen ift nichts 
toeiter befannt geworben, ©a$ aber bie (Sibgenoffen betrifft, 
fo erreid&ten bie ©aiern trofc ber ®egenbemü$ungen be$ 
bif#en ©unbe« auf einem Sage gu ßujern enblicfc baä feit 
3a$ren angeftrebte 3ict. ©er am 16. «uguft 1491 auf fünf 
3a$re abgefd&loffene, auf bem (Entwürfe bon 1487 beru^enbe 
SReutralitatäbertrag jtoiföen ben (Sibgenoffen, ben $erjogen 
«lbre<$t unb Oeorg unb bem Jturfürften tytityp berpflifyete 
bie Parteien freiließ nur ben beiberfeitigen getnben leinen 83or* 
föub ju leiften unb mußte bon ben f>erjogen mit einer i&$r* 
liefen 3 a ^ung oon 200 fl. r$ein. an (eben ber a<$t etb* 
genSfjlfäen Orte erlauft toerben. 5Ric$t ju uttterföäfeen toar 
Jebo<$ ber ®etoinn, bag bie frtegägeübten äßannföaften biefer 
jugenbli$en SKac^t nid^t al$ Oegner }u fürchten, bag ade Äiu» 
ftrengungen bie Sibgenoffen jum (Eintritt in ben @$n>5bi><$en 
©unb ju belegen $iemtt bereitelt toaren. 

äWittlertoetle aber $atte ft# gegen «(brecht bon 3a$r ju 
3a$r bro^enber ein neuer (Segner im eigenen 8anbe erhoben. 

1) ffiogner o. o. O., 318. 314. 

2) «r$fo für Sperret*. ©ef$. VH, 117. 




©<$on im ©eginne feiner {Regierung $atte biefer gürft anf* 
rü$rertf<$e ©etoegungen feine« mtterlänbtfcfym «bei« ju befänden 
gehabt. Die gefttgleit unb 8lug$eit, toomit er fie erftidfte unb 
fi# al« bie 83ertörperung ber ftaatltyen Dbrigleit behauptete, 
Ratten ni<$t toenig baju Beigetragen feinen 9lu$m ju Begrünben. 
3efct aber, ba er ringsum Don äußeren geinben bebroft mar, 
brängte er btefelbe {Ritterfäaft bur<$ bie $artnfi<figkit, mit ber 
er tyr läftige Neuerungen im Sntereffe be« ©taate«, aber 
gegen ba« berbriefte Stecht burc$fü$ren tooflte, ju neuer Stof* 
na$me be« Jtampfe*. Unb ba ber Sbel nun ben Äatfer, mä<$* 
tige ©unbe«genoffen unb in nric$tigen Streitfragen au$ ba« 
SRed&t auf feiner Seite $atte, geftaltete fld& bie Sage für ben 
$erjog aflmä$ftc$ überaus föttrierig 1 ). 

«uf ben 10. Huguft 1488 fatte SUbred&t einen Sanbtag 
na# 2Äünc$en berufen unb bort oon ben ©tänben unter f)tn* 
toet« auf bie Dom ©<$tt>äbif<$en SBunbe bem $aufe &aient 
bro^enbe ®efa$r unb auf feine (Einung mit $erjog ®eorg 
$ilfe $u Srieg«rüftungen begehrt. JBon einem Aufgebot be« 
Sanbboltt, beffen müitäriföe Unjufönglictyteit bie lefeten gelbjüge 
ertoiefen Ratten, moUte ber $erjog nichts me$r tmffen. (Er 
$ielt e«, toie er ben ©tänben erHfirte, für beffer, bafj bie 
Säuern ju $>aufe blieben, ruftg tyre ttdfer befteflten unb ffieib 
unb ftinb ernährten; bafür aber feilten fie bur<$ eine ®eltv 
$ilfe, ba« fogenannte {Reifegelb, i$n in ben ©tanb fefcen geübte« 
gufcool! anjutoerben. 

«uf biefe« ©egefcren antwortete bie 5Ritterf#aft einbettig: 
fottte ber $erjog |e nriberre<$tli<$ angegriffen werben, fo wollten 
fie al« getreue Untertanen na$ ftraften ©eiftanb teiften, bodfr, 
tirie alte« $erIommen fei, auf feine ffoften unb ©$aben. £>a* 
neben aber fotlten, ba fie felbft au«reiten müßten, ni<$t au$ 
wx$ tyre JBauem ju einer ©teuer ^erangeiogen »erben, «tbretfrt 

1) »etyrt SWaterial fax 8orgeföi$tt unb $eföi$te be« Wwcubmibe« 
f. bei «rennet VIII, 634-550; X, 99 f. 124—599; XL »gl au* 
*. SRuffinan, @ef$. be« 2d»fcrtmtbc« (1817); t>. ttubfcart« unb 
b. gtevberg« ffierfe übet bie bairiföen fianbfHfobe; Soffmann, 
©cfö. ber btreften ©teuem in ©aiem, 25 f. 32 f. 




mit feinet (Straubing« »itterföaft. 



gab bte* JU, aber nun jeigte fi$, bafc bie 9titterf<$aft ntyt 
nur i$re (Eigenleute, fonbem aud? i$re SSogtei^, 8e$en«* unb 
©eri#t$leute Don ber ©teuer befreit fcaben tooßte. 35cn fo 
toeitge$enben äu$na$men toottte ber $erjog ni#t$ toiffen: na# 
ben 3nftrufttonen, bie er im ©eptember an feine JRentmetfter 
unb ©teurer ausgeben lieg, feilten Don ber ©teuer befreit 
fein nur bie SBauern, tt>el<$e auf ben freien (Sütern be$ »bei* 
fifcen, nebft beren Dienstboten, unb bie ©ebetyöfe, bte nur 
jur Stellung Don ffiagen üerpfltd^teten »bettftfce auf bem 
Sanbe. 

211$ nun bte ©teuerner^eber Don üßitterfels auf ®runb 
btefer ©efetye am 15. Oftober 2lu$fc$retben *an bie $ofmartt* 
Herren erliegen, Derfammelte fi# bie 9fttterfc$aft be$ ©trau« 
btnger SCntetl^ }u ©traubing unb ton bort fanbten 24 $erren, 
an ber ©pifce ber SBifctum beä 9lteberlanbe$, ©ero^arbtn Don 
©tauf, $err ju (ErnfeW, unb 3o$ann }um Degenberg, ber 
®o$n be$ Dor jtoanjtg Sauren Don Sllbrec&t vertriebenen VttiäfQ* 
freifcrrn, eine ©efd&toerbe an ben $erjog. 3m toefentltcben 
toar e* ber 3lbel be$ ©traubinger 8änb#en$, biefelben gamilten, 
beren Sßamen unter bem S3unbe$briefe ber ©ödler geftanben: 
u. a. bie 5Rotfeift f $auWborfer, ftamerauer, 3 en 8 e */ üßurad&er, 
©attelboger, Submann, Seubelfing. Sluf ©nlabung be$ $erjog$ 
gingen bann bret Sbgeorbnete ber 9Ktterfc$aft, $>eütri^ 9tot* 
$aft, $an$ 3ubmann unb älbred&t äßurad&er, na# üßüncfcen. 
3ur ©tfifce i$rer ©efd&toerbe brauten fie tyre alten grei$eit$* 
brtefe mit, Dor allem bie Dttoniföe $anbfefte. 

Diefe* ^attabium ber ftänbiföen gretyeiten SWieberbaiern* 
fanb iebo<$ beim $erjoge Dööige 3Kt6a<$tung unb in feinem 
Auftrage Derfafite fein re<$t$gele$rter 9tat (unb balb ftanjler), 
ber 8tegen$burger Dombec&ant 3o$ann iReu^aujer, eine au$* 
ffi$rlic$e ©iberlegung ber 9toforü#e, bie auf Orunb biefe* 
gretyeitäbriefe* erhoben tourben. Die SRtttetföaft mag mc$t 
loenig erftaunt unb erbittert getoefen fein, als fie bie Dentitionen 
einer tyr Detfafcten juriftif^en ©ei^eit ju $ören belam. 
Crften* bfirfe fein 8e$en$mann ofrte 3uftimmung be$ 8e$en3» 
$errn fein 8e$en fömälern ober minbern. D$ne be$ ft5nig$ 




«brecht IV. befreitet 



©n»tfltgung $abe baher auch Otto oon SRieberbaiern bin Stecht 
gehabt bie niebere ®er«ht$barfeit ju Kräutern. Sin $unlt, 
bei in ber Ottontfchen $anbfefte ntc^t unbeachtet geblieben 
mar: bet $erjog hatte vielmehr fclbft anerfannt, bag bie 
fönigltche 8tnerfenming erforbert fei, unb hatte gelobt, biefelbe, 
»enn nötig, fogar burch feinen Ungehorfam ju erjtoingen. 3n* 
beffen »ar erft breigig 3ahre fpäter burch flaifer 8ub»ig, att 
biefer SRieberbatern an fleh jog, eine ßnigliche »eftättgung be« 
Srtet^eitöBttefe^ erteilt »orben. gür* j»eite bemerfte SReu* 
häufet, bag ein ftaufoertrag, tote ihn bie Dttomfche $anbfefie 
Ja enthalte, erft perfeit »erbe, »enn ber Kaufpreis bejaht fei. 
«Ifo mügte erft biefe öejahlung bettriefen, überbte* aber ber 
5Rach»et$ erbracht »erben, bag flc gerabe &on ben Coreltern 
ber S3efchtt>erbeführer geleiftet »orben fei. <& beftehe „nicht 
geringer 3lrg»ohn", bag unter ben 24 ©efchtoerbeffihrern nur 
»enige fleh ffinben, beren Ähnen fchon oor 177 Stohren im 
Sanbe ge»efen feien. fto$ feiner Obrigfeit — fo erflfirte ber 
$erjog — fliege ber «ber h°fcn ©char»er!", nämlich 

ba$ Stecht 8eib unb ®ut ber Unterthanen jur Dienftbarfeit ju 
forbem, unb barauf beruhe bie Anlage be« {Reifegelbe«, ba$ 
nicht aW eine ©teuer aufgefagt »erben fönne. ©a$ ber {Ritter* 
fchaft an nieberem @char»erf, al$ Ädern, $euen unb anberer 
täglicher Dienftletftung bei ihren Unterthanen juftehe, begehre 
ihr ber $erjog nicht ju fchmälern. 

Da bie Steuern mit unerbittlicher ©trenge eingetrieben 
unb ben ©auern, bie nicht johlten, ba$ SRufcoteh gepfSnbet 
»utbe, fanbte bie Witterfd^aft, na^bem ein leil berfelben (Enbe 
Dejember mit beut ©ifchofe ton 8tegen$burg fleh beraten hatte, 
eine neue $orfteUung an ben $erjog mib legte nun auch ben 
greiheitSBrief ffatfer 8ub»ig$ &or, bcr bie Ottonifche $anbfefte 
betätigte. SUbrecht aber fanb auch hieburch ba$ öhrforbenri* 
einer löniglichen ©eflfitigung nicht erfüllt, inbem er geltenb 
machte, 8ub»ig ty&t hier nicht aW ftaifer fonbem al$ $erjog 
oon ©aiem gehanbelt. SRur aW ®nabe »ofle er geftatten, 
bag bie {Ritterfchaft bie ©teuer felbft anlege, »omit fich Jeboch 
biefe nicht jufrieben gab. 




bie fte$t*traft bct Ottonifäen ^anbfefle. 



Sine Steide jurtfttfcher ffontroberfen mar »abgerufen, bie 
int Saufe ber folgenben 3a$re lebhaft erörtert mürben. 3n 
unferer ®ef<hi<h** ift bie« ber erfte ftaatSredhtlkhe Streit bon 
©ebeutung, in bem bie fachmännische ©elehrfamlett ber 3uriftcn 
ba$ groge ©ort führte unb ta$ römifche SRe^t jur (Sntfchet* 
bung oon Streitfragen te$ batrifchen Staatsrechte* ^erangejogen 
murte 1 ). ffiir begnügen und eine ©emerfung jur ©eurtet* 
lung be$ $anbel$ borauSjufchiden. D$ne grage lag ber Op* 
pojttton oeö $erjog$ gegen genriffe ftänbiföe Freiheiten bie ge* 
funbe ©nficht jugrunbe, bag bie fortgef$nttene Cnttmcflung 
be$ Staataleben* fleh ntc^t me$r mit fo u>eitge$enben Sonber* 
regten bertrug f toie fic ber nieberlanbifche Äbel genog. Wibrecht 
jeigt fleh gierte al* ÜWann be« gortfehritt*, att Vorläufer unb 
©a$nbrecher ter mobemen üWonard^ie. gragt man aber nach 
ber rechtlichen ©egrünbung be* ^ericgltd^en ffitberftanbe*, 
fo fann bon einer feieren $5$ften* je toett bie {Rebe fein, al* 
e* fleh um bie Auslegung einjelner ^ribtlegien hanbette. äber 
ber $erjog unb fein ftanjler gingen toeiter, fte beftritten bie 
3?ec^t^fraft ber ottonifchen $anbfefte unb anbetet fcrjoglicher 
greibriefe im ganjen — unb jur »bu>ehr biefe« 3togrtff$ mugte 
ein einjiger $inn>et* genügen, ben [ich bie {Ritter felbftberftänb* 
lieh nu$t entgegen liegen*): Wibrecht felbft fpttt 1471 ju 
Straubing ben nieberbairifchen Stünben ade ihre gretheitt* 
Briefe — an etfter Stelle toirb bie Dttomfche $anbfefte namens 
lieh aufgeführt — beftatigt .mit allen fünften, «rttfetn, tyxtn 
unb {Rechten, bie baran begriffen unb beschrieben ßnb, nicht« 
barin ausgenommen*. & ift ber 45. ©rief in ber ©antra* 
lung ber altbairifchen tanbftönbifchen Freibriefe. Such biefe 
©eftättgungSurlunbe meinte ein jeitgenöfpfcher 3urift entfräften 
ju fdnnen: „bie Stäthaltung, auf Satein {Ratififation genannt, 
befräftiget nicht eine Übung, bie am Anfang eine Nullität ge* 
mefen ift* s ). SBie aber, toenn ber ©eftätigenbe bie Quelle 

1) €to n. a. in bem beachtenswerten glei^eitigen SRethWgutachten bei 
Ärenner XI, 396—416. 

2) 6o in ihrer JHagfärift bei Ärenner XI, 74. 

3) *. a. D., 415. 




586 



©rünbung 



US «echte«, ber SonbeSfürfi felber toorl Stttt ooilent «echt 
formten auch bie 88toler borauf hintoeifen, bag ihnen ihre $ruri* 
legten auäbrücfßch bie ©efugni« einräumten, toenn ihnen ftran* 
hing ober Sbbruch an ihren Freiheiten gefchäfc, fich bagegett 
ju mehren mit Seil) unb ®ut, fogar mit $ttfe anberer f>erren 

Daju lam nun, bafc bie metften üRitglieber ber ©traubinger 
Äitterfchaft eine SDfcenge bon (Einjelbefchtoerben gegen «tbrecht 
erhoben. #einrtch SRothaft beanfpruchte al$ (Sefchmifterfinb 
be* legten §errn oon Abensberg ein (Erbrecht auf einen Zeil 
Don bejfen frtnterlaffenfchaft im gBerte Don mehr al$ lOOOOOfl., 
ben Wibrecht miberrechtlich an ftch gejogen ^abe. Siele Ilagtett 
Aber (Eingriffe ber ^erjoglic^en ßanbrichter in ihre $ofmarW* 
gerichttfbarleit, über toiberrechtltche (Entstehung ihrer 3agb, ©c- 
einträd^tigungen in $oljmar!en, in SBogteien, furj über mannig* 
fache 83erlüriung althergebrachter Meente *). 

Die golge biefeä ferneren 3ertoürfniffe$ mar bie ©rünbung 
eine« neuen 8bel$bunbe$, ber ungefähr au« ben gleiten (Ele* 
menten jufammengefefet mar tote ber JBöcflerbunb, bem aber 
nun bie politifche ftonfteüation eine ber fürftlühen Sßacht ge» 
fä^rltc^ere ©ebeutung fcerlteh. „3n anbetraft ber Bermaitb* 
lung ber 3«* unb unglücflicher ütiftitk, bie fich unoerfehett* 
im Sanbe begeben", (Stoffen am 14. 3uli 1489 ju tyam 
46 SDtitglieber ber unterlänbtfchen Ättterfchaft einen ©unb, 
ber bte ®enoffen bei ihren Freiheiten erhalten unb oor unge* 
rechten (Eingriffen in ihr »ermägen formen feilte 5 ). Die 
©efetlfchaft nannte fich nun „Dom 8ötoen", al$ ©ahrjeichen 
trugen bie {Ritter an einer ftette oon jechjehn ©liebem ba* 
felbe ©unbeäjeichen, ba$ HO 3ahre Dörfer ber in ber ffietterau 
entftanbene ältere Sötoenbunb gemault hatte: einen oergolbeten, 
bie Anette einen filbernen Ötoen, „auf feinen mer Fronten 
gebrueft, tyuityrib, mit aufgehaltenem $anj>t unb geftredtent 
$att, mit burchgefchlagenem ©chmanj jmtfehen ben ffinUxtn 
Dieken aufgerichtet, boch ein toenig gefenftem SBebel an folchem 

1) U. a. a. a. O.. 298. 

2) e. bcf. bie «lagförift bei Ärenncr XI, 72—115. 

3) «nnb<«brief bei £ rennet X, 173. 




{bet 26»en&nnbe*. 



637 



feinem ©<$ttxmj, allenthalben na# ®ebü$r fr5$lty unb burc$* 
ftytig." SDic* ©unbe«jei<$en foflte n>o# Symbol tyrer ®e# 
finnung fein: ©ntgfeit unb Äampfeflntut nic^t o$ne einen 9?eft 
bon <£$rerbtetung gegen ben 8anbe$$errn. 9lur ber $apft unb 
ber «atfer nmrben aW (Segner aufgenommen. Hauptmann 
unb äu$f($ufj foflten fu$ Jä$rli<$ jioetmal in £$am ober, to* 
e* bem Hauptmann gut büntte, oerfammeln. 2U3 3a$re3* 
Beitrag tourben für einen ®rafen ober Öretyerm 5, für einen 
bitter 3, für einen ftne$t 2 ®ulben feftgefefct. 3um $aupt* 
mann tourbe ©ebaftian $fhtg, $err jum JRabenftein ju ©tyoarj* 
bürg, Pfleger ju £$am, ermaßt. HI$ State nwrben i$m JU* 
georbnet $m\x\$ SWotfcaft }u ffiernberg, $an$ bon Harsberg 
unb 3obft 3^0^* Unter ben ÜÄitgliebern fehlten nt$t bie 
Herren bon Degenberg, bon ©tauf ju Grnfel* unb ein 9?ufr 
berger. ©ern^arbin bon ©tauf $atte f#on im gebruar bem 
$erjoge fein ämt aW ©traubinger ©tfctum gelfinbet, hn 9to* 
bember faßten no# anbere ©unbe$ glieber Wibrecht tyre Dienft* 
pflichten auf. 3m ®eifte fa^en manche föon bie ©etoegung 
oom Slbel auf ba$ SSolf fortgepflanjt. ©ottte ß# ettoa$ er* 
$eben — berichtete ber ©berrt^ter ju Straubing, $an$ $autt* 
borfer, an ben $erjog *) — fo ift ber gemeine STOamt „forte* 
nnb bie ©emeinbe geneigt Jebem jujufaHen, ber tyr bon $anb* 
$abwiB ber gretyeii foric^t. 

3unä<$ft muffte ft# ber ©unb bo# mit fürftlic$en ©mibe* 
genoffen begnügen. Otto bon SReumarlt trat fogfety am 
©rünbungfltage ber ®efettfc$aft bei. 3n feiner JReßbenj 9leu# 
marlt mürben bie ftr$li$en 3a$rtage be$ ©unbeä begangen, 
ju benen ade ©unbeflgtieber bei ©ermeibung bon ©träfe fi$ 
einjuflnben Ratten. 3m Sfcobember bofljogen au# bie immer 
unjufriebenen jüngeren ©rüber «lbre$t$ tyren ©eitritt, dfftu 
\topif t ber bamal* ju 8inj toeilte, neuerbing* gereijt baburfy 
bafj aibretyt feine gorberung an bem Grträgni« ber ©teuer 
teiljunefcmen iurüdgetoiefen $atte *). 3n ber 9la<$barf#aft, f* 

1) 29. SWai 1489; «rennet VIII, 172. 

2) «renner VIII, 548f. 



538 



2)er gSfeenbnnb, 



Bei ben ®anerben jum {Rotenberg, bei ber in ©(froeinfutt 
berfammelten fr5nlifc$en 8titterfc$aft, bei $>erjog ®eorg unb 
feiner 8anbf#aft »arb ber ©unb um Unterftfttymg ober boc$ 
um tootytooflenbe ©efinnung. ©ereit« marb au$ ein Xntrag 
auf ©erbtnbung mit bem @$toäbif$en ©mibe gefteöt, aber noc$ 
tonnte bie SDieinung bc« mafiboflen ©unbeähauptraann« $flug 
bur<$bringen, bag ber @c$toäbif<$e ©unb in femblic^er abfielt 
gegen ba« $au« ©aiern gegrfinbet, ber 8nf$luß an biefen 
ba$er }u bertneiben fei, wenn man ni$t bem §erjoge guten 
®runb ju ©efcfyoerben geben wolle. 

3Kbre<$W ©rüber »oflten nun ni#t« me$r bon bem 1485 
getroffenen ©ergleicfc toiffen, befonber« mar ffiolfgang toegen 
eineä neuen &tDtfM r in bem Äbre^t jtoei feiner ©eamten ju 
©reifenberg, feinen Oägcrmeifter unb ben Pfleger (Erwarb ton 
Verfall in« ©efängm« gemorfen, ben erfteren fogar ber göltet 
überliefert $atte (1487) *), auf« $8<$fte gegen ben ©ruber auf* 
gebraut, ©eibe erneuerten tyre afofprü^e auf 8anbe«teilung 
unb fanben beim ßaifer, an ben fte fk$ um frtlfe toanbten, 
leicht ein geneigte« C)$r. ffiolfgang $atte fu$ 1488 bon ftbntg 
9Ra$ imilian mit einem 3a$re«f olbe bon 800 ft att 9tat unb Diener 
unb im felben 3a$re au$ oom Äaifer al« Diener aufnehmen 
[äffen *). Äbgefefcn baoon unb bon bem ©an!, ben <S$riftc)>$* 
unb ffiolfgang« frtegeriföe Dienfte in ben SWeberlanben mtb 
in Ungarn er$eif$ten, ergriff ber f>ab«burger mit greube bie 
Gelegenheit, bem aufgebrungenen ©c$u>iegerfo$ne neue Scfyoierig* 
leiten ju bereiten. 8m 13. 3anuar 1490 förieb griebrtc$ an 
ben $faljgrafen ?$ittw>, ben ffiolfgang al« @$teb«ri$ter bor* 
gef^lagen hatte, er möge al« faiferlicfcer ftommiffär ben $anbel 
entfd&etben 8 ). ffiieber begann bie @ifty>$u«arbett ber ©er* 
mittler, unter benen toir ben ftSnig SKojcimilian, ben ©rafen 

1) mtytt* in ffiolfgang« e$rribcn bei 2ii>üto«t$, $. €$ri|totf, 
155 f. unb in bent SRotariatlinproraent ebb., 167 f. 

2) grtitag na<$ ÄTcnjcr^nng, %ütmtxpta, n. 28. 2>ej., SWemmütgen. 
$an«at$fo. 

3) gürflcnfa^cn XV, l 7. 2>er ganje ©anb entyOt xd$t* SWaterial 
Aber biefe brübertttften ©tttitigleiten. 




lftre$tt ©rttber n. ber Äaifer. 



€ber$arb oon SJtrtemberg, ben ©tfd&of Don ©trafiburg unb 
anbere gürften treffen. Auf bem Nürnberger {Reistage er* 
(ob SJolfgang oor bem ÄJntge unb bem faiferlißen Anmalt 
feine ftlage gegen ben ©ruber , toorin tym S^rtftop^ balb 
(9. 3um) folgte 1 ). ©tc$er fonnte man }um f>eite be« 8anbe« 
nur tofinfc$en, bafc Albreßt« Afleinregierung fortbauerte, auf 
manche ©efßmerben ber ©rüber fonnte au$ Albreßt mit fjug 
unb Stecht ertoibem, e« jteme i$m ntßt um tyrer SJünfße 
ioiflen „ gemeine« 8anbe« 9?ufc unb SRotburft ju untertaffen." 
Änbere ftlagen aber tonn man ni$t anber« al« »ofclbegrfinbet 
nennen. SDtit Siedet erflarten bie ©rüber, bafc Älbreßt o$ne 
tyre 3itfttmmung nißt berechtigt getoefen fei, bem Srjfcrjoge 
©igmunb eine SDtillion auf ©aiern }u oerfßreiben; ba über* 
bie« biefe enorme ©umme nie $ätte aufgebraßt toerben tönnen, 
erföeine ber Serluft be« gfirftentum« al« mögliche golge be« 
Sertrage«. (Sbenfo nriberreßtliß, aber eine broftnbere ®efa$r 
in Pß bergenb mar Älbreßt« Crboerfßreibung jugunften Oeorg«. 
Son biefer fliegen bie ©rüber offenbar nur be«$alb, »eil 
e« gelungen mar pe oor tynen geheimhalten. 

SJie in bem ©treite ber ©rüber pellte Pß ber Äaifer au$ 
in ber ©aße be« fiömcnbunbe« auf bie ©eite oon ÄlbreßW 
(Regnern. SRaß 9teiß«reßt toar bie neue AbeWgefellfßaft ebenfo 
unjuläffig tote oorfcr ber ©Mlerbunb, beffen Aufldfnng Stieb* 
riß geboten hatte. Stenn er bieftmal ben Dom Weßte flar 
»orgejeißneten SBeg nißt befßritt, fo gefßah e«, toeit Älbreßt 
mittlerweile an mehreren fünften [eine 3ntereffen unb $lfine 
in fotßer Steife burßfreujt hatte, baß er Jebe ©ßtoäßung unb 
©ebrohung biefe« gütften mißfommen ^ieg. 3n ihrer ganjen 
fJarteilichlett enthüllte pß Jeboß feine $olittf nicht oon Anfang 
an. 3unäßft begnügte er p$, $hifiw oon ber $fatj, an ben 
auch Albreßt in biefer Angelegenheit p$ bereit« getoenbet (atte, 
mit ber Unterhanblung jmifchen betten Parteien ju betrauen. 
Auf einem läge ju Arnberg im üßfirj 1490 fußten W^PP 
unb $erjog (Seorg einen Sergletß ^erbeijufü^ren. ©ie fßtugen 

1) gürftenfatyn XV, 124 f. 128 f. 




640 2>ie SSmter toerbfinbet mit tan e$to&biföcn ©nnbe n. Seinen. 



oor, älbrecht fofle bie atitterfchaft bei ihren gretheiten belaffett r 
tote Sötoentttter bagegen eine (SrHarung aufteilen f monach fte 
ben ffiitteWbachern al$ ihren gnfibigen Herren gefcorfam unb 
untertänig fein unb ffinftig niemanben me$r in ihre ®efe£I* 
fc^aft aufnehmen moUten , ber nicht ben gleiten «eoer$ au** 
fteflte. Sfadh $faijgraf Otto mar ber SWeinung, bafc bie Witter 
barauf eingeben fottten; ba fuh tiefe feboch triebt boju oerftanbeu, 
fagten W^PP ««b ®e°*ß ( 19 - WBredfrt ihren ©eifianb 
ju fo lange, bi$ et „feine Untertanen im 8dtoen* geftraft 
unb jum Oehorfam gebraut ffitte. ©a$ pffiljtfch'bairifche 
©ünbnt« toarb erneuert unb getoann nun al$ neuen SCeilneftner 
ben ^faljgrafen Otto, ffiährenb iebo<$ bie anberen ©erbünbeten 
nur ^apft, Äaifer unb Äönig aW Oegner ausnahmen, fc$Io§ 
Otto auch Ungarn, ©öhmen unb ben Ötoenbunb au* *)• 

©o in bie (Enge getrieben unb bereits bur$ Lüftungen 
«Ibrecht* ') bebroht, traten bie Sfooler au* ihrer anfänglichen 
3urüd^altung fftxauß, Fnütften Unterhaltungen mit bem 
©chtoäbtjchen ©mibe an unb am 15. ©eptember 1490 tourbe 
ein ©ünbni* yu gegenfeitiger $ilfe jmifc^en $erjog ffiolfgauj 
unb ber Qtoengefeüfchaft einerfettS, bem ©unbe anbcrfeiW ab* 
gefchloffen. 8uf ber anbern Seite fugten bie 85»Ier bei JWnig 
©labtSlau* oon ©ö^men Unterftüfeung, bem fte mit gutem 
(Erfolg einPftem liegen, ätbre^t habe fty einft in ben $an* 
beln be* ftönig* SDiatyia* gegen ©öhmen unfreunblich ertoiefen *), 

bie brei benachbarten SStttteWbacher hätten bamatt fogat 
beabfichtigt gleidfoeitig mit. äßatyta* ©5hmen anjugreifen. ©er* 
geben* braute «tbrecht am bö^mifd^en $ofe fein ©ünbni* in 
(Erinnerung: ©labiÄau* toar für bie 8ön>ler gewonnen mtb 
na$m in einer Dorn 2. Oftober 1490 batierten Urbtnbe beten 
©efettfehaft mit ihren 78 namentlich aufgeführten ©chlöffera 
auf fünfzehn 3ahre in feinen ©chufc, eine ©erbinbung, bie bann 
auch burch bie bdhmtföen Sanbftänbe anerfannt unb befräftigt 

1) Imberg 1490, SWfirj 19. gif* er, «leine 6<$riften II, 700. 

2) ©ebot jn folgen an bie Beamten Dom 30. SWSrj 1490, 
SRnflernngen I, f. 131. 

3) »gl. oben, @. 485 Martin SWair« $roJeft. 




ftfirnberger 9tei4*tag, SM 1491. 



541 



tourbe. Sin ©erfu<$ «lbre#t« einen b8$mifc$en $errn ^rolop, 
ber mit $eintt$ SWotfaft in ge$be geraten mar, ju einem 
Überfaß ber SRotyaft, ©tauf er unb anberer SStoenrttter 311 
gewinnen (^eiterte. 

Diefe auswärtigen Serbinbungen ber Witter bebrüten unb 
reijten au<$ $erjog ®eorg unb ben gleid&fatW mit bem ©tyoä* 
bifd&en ©unbe übeworfenen «urfflrften tytöpP- 9täte biefer 
Selben gflrften oerfammelten fi$ mit fterjog SUbrety im De* 
jember ju 3ngolftabt unb auf Antrag 9?eu$aufer* marb an 
ben Äaifer ba* ®efu# gerietet, er möge an bie Sötoler, ben 
©$toabtf<$en ©unb unb ben ©öfcmenlönig ein STOanbat au$* 
ge$en laffen, toonadfr tyre ©erbtnbung als gegen bie ®olbene 
Sude berftofjenb aufgehoben »erbe, 0u$ $faljgraf Otto na$m 
an ben auswärtigen Serbinbungen ber 88©Ier 8tafto&, belieb 
flc pr ©erantmortung na$ SReumarlt unb trennte fi$ balb 
völlig oon tyrem ©unbe. Unb toietoo^I ber Äaifer nur ben 
©efc$eib gab, e* jteme ntc$t bie Stufet unge$5rt ju Oer* 
urteilen, Wien e* boc^, feit Ä5nig äßajimilian ju Gnbe gebruar 
1491 nac$ Santofytt gelommen toar, aW ob bie $atoburgifc$e 
$olitif nun gegenüber ben 8Bittel$ba<$ern einlenlen toofle. 

3m üßai 1491 unter^anbelte 2D?a$imilian auf bem läge 
ju Stfirnberg l ) in »nti>efen$eit mehrerer 8tei#3fürften unb be« 
©iföof* oon ©tyftäbt als faifertityn «ntoalW mit »bgeorbneten 
be* 85toenbunbe*. Die götoler überreizten tyre ©efömerben 
gegen 81bre<$t, bie nun auger ber ©teuerforberung au<$ auf 
bie Crfytyung ^on 380en unb SKauten unb bie ooQjogene ©er* 
legung be$ $ofgeri#te$ oon Straubing na# 8tegen$burg jic$ 
erftredten. 33on bretje^n JWitgtiebern be* ©unbeä aber, ben 
Herren oon Degenberg unb ©tauf, ben 9tot$aft, $auWborfero 
unb anberen tourbe fiberbie* eine lange Stfte oon ©efötoerben 
eingereiht, toelc&e fi<$ auf (Singriffe ber $erjogltcfren ©eamten 
in tyren $ofmarfen, auf mannigfache Unterbrfidung tyrer f$rei* 

1) Eon bort au* mußte Sfla* in einem ©treiben an 8r#erjog @ig- 
nmnb (17. StyrU) fogar 6ef4mi$tigenb bem ©erfifye entgegentreten, baß 
er tttbxtty gum ©nbernator fytbc befieflen motten. 0. Äran«, aRojimt- 
Uan0 ©ejic^nngen ju ©igtnunb, 45. 




642 



8ffire$t9 ©trat mit tat Wwentittent. 



feiten unb 5Re<$te bejogen. Die neuen greiferren erfannten, 
tote ©entfärbte Don ©tauf an ben ferjoglicf en Stfctum Steiler 
Sanbfcfab fcfrieb 1 ), um i*rfönlicfe ©prficfe leinen anbem 
otbentlicfen {Richter an aW ben römifcfen ßaifer. 

3n feiner eingefenben Slnttoort auf biefe ßlagen fcftug ber 
$erjog einen ftrengen, |a mitunter geringfügigen Ion an. 
3n feinem SRieberlanbe, machte er geltenb, fägen an 100 ©>el* 
Ieute; Don biefen feien 27 im 85toenbunbe, Don benen fin* 
mieberum nur 13 anlag }u befonberen JHage? gefunben ffitten» 
©äre er ein fo ftrenger $err, tote feine ifm feinbfeligen Untere 
tfanen auflfprengten, fo würben bie Sefcftoerbefufrer toofl 
jaflreicfer fein. „Der Degenberger", erflärte ber $erjog, 
„ nennt fitf einen gretferrn; mag fein, bie laif erliefe SKaJeftät 
fabe feinen Sater gefreit; bag er aber fieburtf Dor und unb 
unferer fürftlufen ©brigfeit, unter bie er unmittelbar gefBrt, 
frei fei, ba$ geftefen toir nuft/ 2Ubrecft betonte, toelcfe 
©naben er ben ©egenbergern, Sater unb ©ofn, ebenfo ben 
©taufern, Sater unb ©of n, ertoiefen, nrie er ben leiteten Don 
3ugenb auf erjogen unb ifm fein Sifctumamt übertragen, tote 
er anbete 85toler buref Ämter unb ©ob, Serfeiratung ifrer 
ftinber unb (Srjiefung berfelben an feinem $ofe unb in feinem 
grauenjimmer geförbert fabe. 

3RajtmUian$ Sergleuf$Dorf(fläge gingen nun bafin, bag bie 
85©Ier ifren ©unb auftöfen, ifren Serbinbungen mit beut 
©<f toäbifcfen Sunbe unb mit Söfmen entfagen, 8(lbre<$ t aber 
äße Ungnabe gegen fte abfteUen unb iebem finficftlicf feiner 
©efef toerben Dor bem ftBnige ober einer föniglicf en «ommiffton 
ju ffleeft ftefen foßte. ©ietoofl biefe SorfcfWge, mit benen 
Ulbrecf t »oft jufrieben fein lonnte, Don ben ßörolern nitf t an* 
genommen mürben, fatten pe bodf jur golge, bei einem grogen 
Zeil ber ©unbeäglteber üRutlofigfeit ju ertoeden. «ber SDtap* 
milian fatte in Dürnberg augenfefeintief nfaf t na$ ben 3nten* 
Honen feine« Sater* gefanbelt unb mugte fief nun gefallen 
Iaffen Don bem eigenfinnigen alten $errn in ein anberrt gaf r* 

1) «rennet XI, 143. 




9iet$ta$t über fflegentburg. 



54& 



toaffer getrieben ju »erben. 3>r ftaifer entf$to6 fi<h jebe 
SRüdfuht auf ben ©chunegerfohn faden ju Iaffen. ©d^Iag auf 
©c^Iag folgte nun fotoohl in ber Angelegenheit ber Söroler al* 
in beut 5Regen$burger $anbel eine {Reihe ber feinblichften SDiafc 
regeln gegen älbrecht. Um bem $erjoge SRegenSburg ju ent* 
reißen, benfifcte ber ftaifer junächft beffen unjufriebenen Sbel 
unb beffen grollenbe ©rüber, bann, al$ biefe fleh unzureichend 
ermiefen, auch ben ®$toSBtf$en ©unb al$ ©erzeuge. 

9m 6. 3uli 1491 beftärigte 2Ka$imilian bie »erbinbung 
ber Sötoler unb $erjog ©olfgang« mit bem ©chtofibtfchen ©unbe 
unb fcerfprach bem teueren feinen ©eiftanb, toenn er barum 
angegriffen »erben feilte 1 ). frieburch ermuntert, tte£ bann 
Jffiolfgang einen gebrudten Hufruf an bie ganbftfinbe ausgeben, 
toorin er auf Abtretung feinet ihm restlich juftehenben 8anbe3* 
öierteitt brang*). 2lm l. DItober, nachbem lurj fcorher 5 } 
SRäte ber ffiittet$ba<her unb ihrer »erbünbeten in «mberg ge- 
tagt Ratten, erfolgte bie taiferlt$e ä^Werftärung gegen {Regent 
bürg, am felben Sage erhielten bie $erjoge ©olfgang unb- 
(Ehriftopb vom ftaifer bie ©eifung, aW $auptleute be* ©chtoa* 
bilden ©unbe« bie »cht }u bofljiehen 4 ) unb am 21. 9?ot>embet 
erging berfelbe ©efehl an ©ernharbin t>on ©tauf, ber brei 
SGBochen vorher älbrec^t feine Pflicht aufgelünbet hatte. Snbe 
SRoaember umrbe bie SReich$acht gegen {RegenSburg veröffentlicht, 
nachbem Sßajimiltan« ©emühungen bi$ bahin Sfoffctyub ertoirft 
Ratten. 3 u flfcu$ tourbe ber SRut ber SStoler baburch gehoben, 
bat t*r ftaifer (3. 5Rofc.) ihren ©unb unb ade greiheit$briefe r 
toelche bie SRitterfchaft fcon bairifchen #erjogen erlangt %attt r 
Betätigte. 

©ergebend mahnte nun ber befonnene ©unbe^hauptmann 
$flug jur »erficht, (gegenüber bem Drängen $erjog ©olf* 
gang« unb ber ©taufer blieb fein {Rat, ba§ bie 85ti>ler juerft 

1) 3uw flgb. f. «renner X, 428f.; bie 9fcg. bei 2i<hnü»«t$ VIIL 

2) 6. Buguft; gfirffcnfatyn XV, f. 174. 

3) 19. &tpt e. Ulmaim, 2Raarfoultan I, 318. 

4) 9t.*«. ©ei Slihnottrtty unter 9hr. 1461 um ein 3ahr ja frfifr 
batiett. 



544 



gelang «forest« IV. 



ber $Ufe Don ©elte be« @$toäbif<$en ©unbe« unb ©ö$men« 
Derfidfrern möchten, ungegart Um ©nföig auf Röntg 
SB5tabl«lau« ju gewinnen, lieg ft$ ffiolfgang unter beffen „Diener 
Don $au« au«* aufnehmen l ). 

@#on Ratten einjelne Sömler «Ibrec&t i$re ge^bebriefe ge# 
fenbet, 5Regen«burger ©ürger unb Untertanen mutben $ie unb 
ba auf ben ßanbftrafcen niebergemorfen, ba überfiel frferoity* 
mu« Don ©tauf (13. Dej.) Don feinem ©ifce ftöfering au« 
«Ibred&t« Dorf $fatter unb föte^te «mtleute unb Säuern 
att (gefangene ftnmeg, in ben nackten lagen Derfterte unb 
^Iflnberte fein ©ruber ©ern$arbin Don <Srofel« au« neun Dörfer 
nm $emau unb Äalmünj, Don tyrer ©urg glügettberg au« 
nahmen bie $ar«berger (16. De}.) ba« Dorf $erd(>tolb«$of*tt- 
©ei btefen Überfällen mürben Don ben im Dienfte ber ßömler 
ftefcnben 8anWtaec$ten, tote «übtest in einem ©^reiben an 
ben ©ö^menlönig llagte, entfe^e ®raufam!etten Derübt. ©eim 
©türm auf bie ftir^^öfe Ratten bie ängretfenben, um bie ©er* 
teibiger Dom ©gießen abjufttlten, ttinber auf fyaupt unb Wüdett 
genommen, nad& ©nnaftne ber Drtfd&aften einigten fie bie 
grauen, um tynen ba« ®eftänbnl« ju entlüden, mo etma ®elb 
Derftedt märe. 

©c^mer aber rächte fu$ an ben ttömenrittern bie )>ottttfc^e 
«urjftytigfett tyre« übereilten 8o«fd&lagen«. ©om ©d^mabif^en 
©unbe Farn unter ©ertröftung auf ben nackten Cgiinger ©unbe«* 
tag ber ©efc^etb, ba§ ber rau$e SBtnter triebt geftatte bie Der* 
fpro$ene $tlfe Don 4000 Sftann na# ftöfering ju bringen; 
au« $rag berichtete i$r ®efanbter Senget, bur$ ben Doreiliges 
Sfaßfiff ßtoge 3rrung in bie ©ac&e gefommen, nid&t einmal 
$erjog ffiolfgang mar gerüjtet in« Selb ju rüden. Irofc be« 
(aiferlic^en Auftrag«, in bem fte gefcnbelt, unb trofc tyrer 
ftarfen ©unbe«genoffen jtonben fo bie 9?itter allein, al« Xlbrety 
mit gemo$nter 2$atfraft unb 9taf$$eit tynen }u Seibe rüdte. 

Der frerjog $atte fogleicfc an feine ©erbünbeten, $erjog 
®eorg'), ben pfäljifd&en ©tfctum ju Smberg, Otto Don 9?eu= 

1) Urt. bt« St. ©tabfetan*, 1491, 3. 2*j., Ofen; et-«. 

2) 8on biefera mürben 60 Seifige unter bem Hauptmann @^eftaler r 




gegen ble fiömenritter. 



545 



marlt, bie ©tabt SRfirnberg bie Stoff orberung erlaffen ihre 
$rilf$truw>en ju fteQen, auch Snftalten getroffen, bag ba$ $ufs» 
Dolf einiger böhmifchen ftrieg$höiH>tteute, bie er in feinen ©tenft 
genommen, ihm jujiehe. »m 19. Dejember lieg er in feinem 
Dberlanbe jeben achten SDiann jum Sluämarfch aufbieten, bie 
übrige waffenfähige äßannfchaft tn SBereitfchaft fteden, unb fchon 
jtoei Sage barauf rücfte er mit 1237 Sßann ju gujj unb oier 
®ef<hfifeen au$ SRünchen ju einem geltyuge, ber auä einer un* 
unterbrochenen SRethe bon Siegen befielen foflte. 2lm 26. unb 
27. Dejember tourben bie ftaufiföen ©chlöffer Äöfering unb 
Sriftlfing erobert unb gereift, $ieronhmu$ &on ©tauf famt 
achtjig 8anMfne<hten gefangen. 3o$ann t>on ©tauf flüchtete 
fich au$ ©Anzing nach 8anb$hut unb flehte ben $erjog ©eorg 
um Vermittlung an. ©ährenb bie Oüter Jener ßötoler, »eiche 
bem #erjoge toeber ge^be angefagt noch geinbfeligfeiten jugeffigt 
hatten, unbehelligt blieben, mürben bann bie umliegenben Ort* 
fchaften ber ©taufer, ©attelboger, $ar«berger unb be* (Elfen« 
bed geplfinbert unb gebranbfehafet; SBranblegung toar ftreng 
»erboten. Stach biefem erften (Erfolge begab fleh ber $erjog 
nach 8tegen$burg, lieg jum ©chufce ©tabtamhof* einen ®raben 
mit 3äunen auftoerfen unb fibertrug ben ©efeht in biefer 83or* 
ftabt bem $auptmanne SBttyelm Sucher, ber 600 SWann be« 
länblichen äufgebot* unter fich hatte. 

hierauf ereilte bie $ar$berger ihr ©chidfat. 3h* ftolje« 
©chlog glügeWberg, bon beffen &\xmtn bie gähne be$ 8ön>en* 
bunbe* toehte, fiel beim erften Angriff (5. 3an. 1492), bie 
öeßfcer ®eorg unb $an* $ar$berger mugten fich «l* befangene 
ergeben. Ä5nig SRajcimilian, an ben Wibrecht feinen $ofmetfter 
39rg bon (Sifenhofen gefanbt 1)titt, richtete nach beben ©eiten 
Mahnungen jum trieben. 3n ffialbmünchen unterhanbelten 
feine unb $erjog ®eorg$ ®efanbte mit ben ßönrtern, erhielten 
ieboch abfchßfliße Snttoort. Der Ä6nig befehle }u rechten, 
meinten bie SRitter, ber ftaifer aber ju fechten; ba* bertrage 

»Ott WüpP 70 fteiflge juhttfe geföWt; Kxnptd, c. 428 u. 457. 3um 
ftgb. f. fcef. %xnpt&, 457{.; «renner XI, 93f. 

«ieile«, «eWlAte Daten!, m. 35 



646 



ftetyftaty übt «I6rc*t IV. 



ftd? triebt miteinanber. 880hl hätten fie bi* jefct berloren, 
ober e* Umrte lommen, bafc ber SSetluft bei anbeten Acuten 
aufhöre. >Jioch festen bie Witter ihre £>offnung auf ben ©<htt>S" 
btfehen S3unb ; S3emharbin ton ©tauf ging nach Sulingen, um 
bie ©äumigen jur I^t anzufeuern. Raum toar er borten 
abgereift, fo rücfte aibrecht (15. 3an.) Dor fein Sd?to§ (Srnfel* 
unb am 22. 3anuar fahen fich bie SSerteibiger, nachbem gegen 
60 SRann ber $er jogluhen , barunter ein btym\\tyT anführet 
unb ber burch feine SRiefengeftalt berühmte Hauptmann 3ohan» 
$ret$torfer, unter intern Oefchüfcfeuer gefallen maren, jur Über» 
gäbe genötigt, ©igmunb ©attelboger, ©tep^an Hßau^^eimer 
unb fechjig SanWfnechte fielen f)\zx in bie ©emalt be$ Sieger*» 
Unb nod? immer Derftärfte fich ba* ^erjoglic^ f>eer; am 
24. 3anuar fanbte ihm bie ©tabt ÜWfinchen 300 Wann ju 
gut, 20 ju $ferb unb 4 (Sefchüfce. 

äßtttlertoetle toar ber ©öhmenlönig, ber ben 88rolern in ber 
$erfon $einrich$ Don stauen jtoar einen ftrieg£$auptmann, 
aber leine Iruppen geföüft hatte, burch ben gortje^ritt ber 
Unterhandlungen, tpelc^e flauen mit bem ÜRflnc^ner £>ofe führte, 
unb ein SRechtfertigungGfchretben Älbre<ht$ noch mehr beftimmt 
toorben mit ber ben Ötolern besprochenen Unterftfifcung }urüd« 
ju^alten; ber ©chtoäbtfche ©unb erteilte auf bem (Sgiinger Sage 
einen abfehlägigen SBefdjeib, Unterhanblungen, bie flfnbe 3anuar 
jurifchen ihm unb ben ©aiern geführt mürben, föienen eine £nt 
lang nicht auöfichtälo*. ÜRajimUian hielt fich neutral, liefe 
aber feine greunbfehaft mit bem ©Enniger beutlich burchbliden. 
SSon i^ren Cerbünbeten im Stich gelaffen, festen bie Ärieg*» 
partei be$ ßötoenbunbe* verloren, ihre $äupter toaren irieber* 
getoorfen, föon bemühten fich einjelne ©unbe^glieber um Hut» 
föhnung mit bem fterjoge, att bie Nachricht Don einem grofjen 
(Srfolge am faiferlichen f>ofe eintraf: am 23. 3anuar erneuerte 
ber Äatfer bie »cht gegen SRegenGburg unb fprach Jbiefelbe nun 
auch gegen alle f>elfer ber ©tabt, t>or aflem Älbrec^t au*, „als 
gegen feine unb bei heiligen Weich* ffiibertoärttge, ju Satetn 
rebelies imperii genannt", toeil fie bie ©taufer all (Sjefutoren 
ber 8teuh$acht gegen Stegenöburg mit ftrieg überjogen hatten. 




©olfgang u. fchriftoph »erben jurüdgef^lagen. 547 



Die ©oüftreclung bct Urteile toarb mit bem {Reichsbanner bem 
SDiarfgrafen gtiebtic^ Don ©ranbenburg übet tragen 1 ). 

Um biefe &tit hatte auch £>erjog ©otfgang feine Lüftungen 
gegen ben ©ruber boßenbet. <£nbe 3anuar übertritt er mit 
ben in feiner £>errfchaft Sürl^eim angefammelten Sxuppen 8 ) 
ben Sech, plfinberte Don feinem ©chloffe Siedenberg aus bie 
Benachbarten Dörfer unb jtoang bie Untertanen ihm ju f)uU 
bigen. Buch S^rifto^^ toeilte ^ier ; beibe ©rüber unternähme» 
einen ©orftojj bis Sölj, baS fte ber $lünberung preisgaben. 
Huf bie ftunbe Don biefem Angriff eilte Wibrecht mit Seifigen 
unb Bujjbolf aus bem Unterlanbe jur äbtoe^r herbei unb [teilte 
(ich an bie ©ptfce beS f$on länger in ©ereitfehaft ftehenben 
SanbeSaufgebotS ber bebrohten ©egenben. ©olfgang behauptet, 
er ^be alle SRänner Aber 16 3ahre aufgeboten. S)a ©olf* 
gangS Angriff ebenfo beretnjelt blieb tote Dörfer Jener ber 
Sötoler — ber ©chtoäbifche ©unb fanbte ihm nur eine Heine 
JReiterfchar juhtlfe — umrbe er rafch in bie iBerteibigung jurfiel* 
gebrangt, jtoei feiner ©chlöffer, ©retfenberg am 13. , $ejneru 
berg 8 ) am 15. gebruar Don HlbrechtS Gruppen erobert. 

Unterhanblungen ju frag, too SRSte beS ©öhmenfönigS, beS 
fturfürften bon ber $falj unb beS $erjogS ©eorg im 9Äärj 
bie Sötoler mit Wibrecht 4 ) auSjuföhuen oerfuchten, fährten nur 
jur Seftfeftung eine* neuen Sage* auf ben 6. 2Wai. Snjnrifchen 
aber toaren entließ ber ®chu>äbifche ©unb unb baS Weich in 
Shittgfeit getreten. (Eine gewaltige SDlacht fammelte fleh (Snbe 
Sprit auf bem Sechfelbe: bie Gruppen beS ©chtoäbtfchen ©unbeS 
unter bem Oberbefehl beS ©rafen Sberharb bon ©trtemberg, 
ben ieboch balb ©raf £>ugo oon ©erbenberg abßfte, ber 3 u J u fl 
aus bem Weich unter griebrich bon ©ranbenburg. ©aS f>eer 
jShlte 2150 {Reifige, 1600 fogenannte fjreireiter, 18000 &ufr 

1) Ärenner X, 536 f. 

2) 2>eren ©tfirte fUfcer übertrieben auf ttm 9000 SRann angegeben 
toirb; »eri<ht bei älfipfel, Urtunben jur ®ef<$. beS fötofib. ©unbe« 
1, 126 (©ibl. b. fiüer. »erein* XIV). 

3) SRa<h Hrnped &toei Ourgen biefe* SRameu«. 

4) ©eUittbriefe beS St. ©fobfelauS für Btbre<ht* ©tfaubte batieren 
Dom 21. 3an. unb 11. gtbr. 1492. @t.««. 




548 



2>at 9tei(Weer jie^t gegen «(friert 



fttedfrte, 1400 Wagen nnb 57 ®ef<$flfce. Daju lamett no<$ bie 
©trettfräfte ber $erjoge ©olfgang unb ß$riftop$ — 200 Wetter 
unb Diel gujfooK — bie am 10. SKai bei ©tabel mit bem 
9leic$$$eere jic$ Dereinigten. 9la$bem ber 2ec$ auf einer Don 
gäffero getragenen ©rüde Übertritten toorben ioar, erflörmten 
bie Aufgebote Don SWemmingen unb ©ibera^ am 12. 2»ai 
ftaufering. ®anj na$e, hinter 8anb$berg fatte Ätbre^t fein 
$eer gefammett, teil« 8anbe«aufgebot teil« geworbene Xxupptn, 
im ganjen 2000 $ferbe unb 15000 gufctaetye. 500 tteiftge 
unter ®eorg Don {Rotenberg $atte tym ber fturfürft Don ber 
$falj jugefd&idt, aber bie« fear ber einjige Sterbünbete, ber i$m 
in ben Stampf gegen ba« SRei$ folgte, toeber Otto Don 9ieu* 
marft no$ $erjog ®eorg Ratten Unterftüfcung gefanbt. 

Diefe 3wfid$altung be« 8anb«$uter £>erjog$ muf; man 
gerabeju aW entföeibenb für ben ÄuSgang betrauten. Denn 
bie ganje ftüfytfctt ber ÜJWtad&ner folitit fear getragen Don ber 
83orau$fefcung, bag ber nieberbairiföe ©etter al$ juDerläfßgcr 
S3unbe«genoffe ß$ beeren toerbe. 0$ne biefen $Rfid$alt bem 
ftaifer unb bem ©dfrtoäbifd&en ©unbe, fernblieben ©rübern unb 
ben Sömlern jugleicty bie ©tirn ju bieten, }u folgern SSJagnt« 
fonnte ft$ nur toflfüfyte 85ermeffen$eit auffötoingen, Don ber 
Äbredfrt« fluge unb bere^nenbe SRatur u>eit entfernt mar. ffiie 
nun ®eorg bie legten 3a$re $er jmifcfcn bem ftaifer unb feinem 
Setter unb SBerbünbeten $ln unb $er f<$n>anlte, ift f$on an* 
gebeutet toorben. Die Sudfic^t auf eine gtfinjenbe $ermä$tung 
feiner Softer (Slifabety mar ber lodenbfte ftöber, mit bem tyn 
bie $ab$burger Don »forest« ©eite ju ßc$ $erfiberjie$en lonnten, 
unb fotoie ber ftaifer fi$ entföloffen $atte gegen »egen«burg 
unb Eternit au$ gegen ben SRündfrner £>erjog (Srnft ju ma$en, 
fatte er au$ Sorge getragen biefe* SKittel auf ®eorg tohrlen 
ju laffen. 81m 11. Ottober 1491 toar ju 3nn«brud mit 
®eorg« £>ofmarf<$afl ©igmunb Don grauenberg &um $aag bie 
fd&on früher beferoetyene Beirat jnriföen Srsfcerjog $$ility>, bem 
©ofyte 9Äa$imtlian$, unb ber Vrinjeffin flrltfabetfc Derabrebet 
toorben. greift^ toarb biefe« $roJeft Don $ab«burgif$er ©eite 
batb jugunften eine« glfinjenberen faden gelaffen: man nimmt 




©tcflmtg ©eorg* t>. 2anb*$nt. 



an, baß Won (Snbe 1491 ber $tan gereift toar, ^^tltpp mit 
bet ffHimfc^en Onfantin 3o$anna ju Dermalen unb $iebur<$ 
©ganten jum ©unbeägenoffcn gegen gtanfteicfc ju gewinnen 
25aß aber ®eotg in btefe* ^rojeft, ba* erft im SRo&embet 1495 
jum <£$ebetttag führte, fdfron in ben erften SDlonaten feine* 
(Entfielen* eingetoetyt tootben fei, ift $B$ft untoa$rfctyetali$ 8 ). 
SBir bürfen annehmen, baß et in ber %t\t ber (Sntföeibung 
feine Softer no$ al* bie Staut be* öotau$fi<$ttt$en beulen 
5E$tonetben träumte. 3n biefem 3ufammen$ang mitb au$ bie 
2$atfa$e ju »flrbigen fein, baß bet ftaifer ®eotg* tätigen 
ftanjlet ©olfgang ftolbetget eben in bem 3eitpuntte, ba bie 
politiföe ftttfl* in SBaietn na$te (9. SWärj 1492), bur$ bie 
(Erhebung in ben erblichen $Rei$$fretyerrenftanb au$jei<$nete. 

5Die nieberbairiföen ©tönbe lamen, ftc$er mit bet größten 
©eteitnrifligfett, bet gtiebenfyotittf t$re$ dürften entgegen unb 
betroffen auf einem Sanbtage ju 8anW$ut, baß ber geartete 
3Rfinc$ner £>erjog au* Wieberbaiero leine $tlfe gegen ben ftaifet 
erhalten foßte. ©et bem 2Wün$net £>ofe but$ eine ®efanbfc 
fdfraft mitgeteilte ©efd&luß u>at bamit begtünbet, baß $etjog 
®eorg be$ ÄaiferS SBafafl unb geheimer SRat fei. %rnpt& nriß 
jtoat toiffen, üWitte SKärj fei auf einet SBetfammlung bet 
ffiittettbad&et in Sauingen, an bet bie $etaoge $Ubre$t unb 
®eorg, bie $faljgtafen Vfyltyp ui* Otto unb bet ©tfctyof oon 
©onus teilnahmen, befötoffen »otben, baß aüe biefe gütften 
Jebet bem $aufe ©aietn bto$enben ®efa$t nad? Ätäften be* 
gegnen foßten. «bet enttoebet ift unfet 6$ronift $ier mangels 
$aft unterrichtet ober bie Bufagen toaren nidjt fo ernftttcty ge* 
meint. Umfonft beftflrmte Slbrety n>ieber$olt, jutefct nod> am 
14. üWai ben 8anbS$utet $>of mit bringenben ©Uten um Unter* 
ftfifcung. SRut jum ®c$ufce feine* eigenen Sanbe* oerfammelte 
®eotg jmiffyn gtiebbetg unb 8fo$a<$ 872 auäerlefenc 9?eiftge s ). 

1) Ulmann, äWajimtttan I, 241. 

2) 2i<$nö»*t$ VUI, ftr. 1863 färteb er no$ 1. Mo*. 1492 
an SWajrimttian »cgen ber 8ermä$fong feiner Softer mit ©rjfcr jog 9tytttM>- 

3) 2t<$no»$f$, 11. Ott. 1491, 28.gebr, 15. Mai 1492; <£$rael« 
Heg. Mr. 8779 ; St r c n n e r XU, 357 f . 363 f . ; % r n p c d , c. 428- 430. 468. 




550 



JBermtttfang St. Karuntüan*. 



8u<$ auf feinen ©ctyoager, ben rdmiftyn ftönig, formte 
Äftrety, n>ie er au* bem ©ertöte feine« na$ dmtöbntd ent* 
fanbten $ofmeifter« 35rg fcon <gifen$ofen *) fogleidfr erfefcit 
mußte, leine $offnung fefcen. STOopmilian münzte gtei$ atten 
SRationalgeftanten im Weiche fe$nli$, ba§ ber famere $aber 
enblty berftumme, bomit et freie $anb betöme jura ftriege 
gegen granfrety, jur ©ü$ne ber ®($ma$, meiere ftarl VIII. 
burdj feine S5erma$lung mit ber Dörfer tym verlobten JUraa 
mm Bretagne i$m angetfan $atte *). 8u« biefem ®rmtbe unb 
au$ metl er 8lbre<$t toofytooöte, toar er jur gtf eben&ermtttlung 
bereit, bo<$ nur unter ber ©ebingung, baß «forest auf ade 
feine efyrgeijigen Änfprü^e fcerjtdfrtete. 8m l. Styrtl forberte 
er Älbrexfct auf, ba6 9Äaß feiner 3 tt 8 e P änblri fT c tonbjugeben 
unb erflärte beffen $Bunf$ ben Ärieg foglei$ abjufteöen att 
unerfüllbar. 8m 8. HprtI tarn er au$ Itrol na$ 8fag$burg, 
n>o fi# fogleicty $erjog ®eorg bei tym einfanb, n>fi$renb 8tbre$t 
in ber 9?%, in 8ß$a$ weilte, ©efeelt ton bem lebhaften 
©unf$e, baß SBlutoergießen ber^inbert »erbe, ließ er p<$ bie 
3Wfi$e ntyt terbrießen, na$ Oftern (22. ftyrtl) über gretjtng 
unb 8anM$ut jum SSatet na$ 8inj ju reifen 8 ). SD2tt ber i$m 
eigenen ftlugfcit, meint Ämped, fei e* i$m ba gelungen ben 
geregten SRad&ejorn beö alten $errn jur ÜRttbe umjuftimmen; 
bo$ toerben und bie griebenäbebingungen belehren, toa$ unter 
biefer Sßilbe ju t>erfte$en ift. &tbre$t* ©efanbte, <Rfen$ofer 
unb ber Pfarrer $unbertpfunb, Ratten laut tyrer 3nftru!tion 4 ) 
bem faiferltyen *Dtarf$aft ©igmunb $rfif$enl öorgcfc&lagra, 
ber ftaifer möge Älbre^t SRegenäburg auf Sebenäjeit fiberlaffen 

1) «rroben III, 184f.; 2i<$no»*t$ 9hr. 1699. 

2) 2>iefe ©fftaimng, toomit auö) ber ©nnfö eine« ÄriegeS gegen bie 
lütten t*rtafipft ift, flnbet HnGbrncl in bem ton $erjog <5$riftort€ 
@pre$er ©an« @<$neiber *on Äug«bnrg gebtyteten €j>ru$e „*om taifer- 
ll<$en $eere, fo fU$ 1492 onf bem 2e$felb gefarnmelt $at" (©. Sitten - 
cron II, 302f.). 

3) Krnpect, c. 458. 459, ber fU$ $ier bnr<$ genaue 3eitangaben 
an«jei<$net. 

4) Hrroben III, 182. 2>em $rtif<$ent fottten fle ein Oeföen! *on 
800—1000 fl. *erfere<$en. 




8riebat*tmter$anbfaitg«! ju ÄngSbnrg. 



551 



unb tyn mit 8ben$berg belehnen f baffir tooUe bet $etjog auf 
ftunigunben* $eitaWgut beteten; ober bet Äatfet trat toett 
entfernt auf fold&e SSorföläge einzugehen. 

Hm 13. STOat etföien bet Ä5mg, Don 8inj jutfidgefeftrt, 
felbet im 8tei<$*$eere. 3ur Seiet feiner «ntunft lieg bet 3ÄatI* 
gtaf bon ©tanbenbutg, bet ebenfo toie <£bet$atb t>on ffiirtem* 
berg unb bie $erjoge ß$ttftop$ unb ©olfgang etft am 12. 3Äai 
Htttecft ben gefcbebtief fiberfd&idt $atte, eine gelbübung t>et* 
anftalten, wobei ba$ gufbol! im freien gelb SSietede bttbete 
unb ängrtffe bet JReiterei abtoe$tte. Den unoetbtoffenen 8e* 
mäfytngen be$ Ädnig* $atte ©aiem ju banfen, bog e* bei biefem 
unblutigen ffiaffenfiriel fein SBetoenben $atte. SRacfcbem Sßaji* 
milian ben SDiarfgtafen beftimmt $aüe Aber ben 8e$ jutA* 
|ujie$en, alfo Hlbre$t3 8anbe )u räumen, eröffnete et }u ÄugS* 
bürg, too et ben ^erjagen unb ben 85tolern einen Zag angefefet 
$atte, mit (Sintotütgung beö ftatfet* grieben$untet$anblungen. 

3n i&^em «bfturj bra$ nun bie SMe jufammen, bie in 
fo langet 8inie aufgeftiegen toat. 8lbtedfrt$ äWadfrtbefttebungen 
Ratten i$n bt* an bie ®renjen ber ftlugfcit geführt. 3efet 
gekoann e« bie Überlegung bo$ fo mett über feinen ©tolj unb 
ÖEfrrgeij, ba| et ba* W\$\ty feinet Sage unb bie WoU 
toenbigfeit bebingungälofet 9la<$gtebigleit ft# niefct &er$e$lte. 
8uf allen fünften, feo et Sttoeitetung feinet 2Wa$t an* 
geftrebt unb jum Zeil erteilt, jum Zeil toenigften* bie 2H5g* 
Ityleit eine« unbeftimmten ®lü(tt für bie 3ufimft fi$ fatte 
offen galten tooBen, toarb et nun gelungen jurücfjutoeic^en — 
für ben fo angef ebenen unb bi$$et ftcW erfolggeftönten gürften 
eine furchtbare motaltf<$e SRiebettage. Um fie ju betfärnetjen, 
mufte man fi$ ausmalen, n>el$e golgen eine ©ejtotngung im 
gelbe für tyn unb ba6 8anb gehabt $aben mürbe. ®etn abet 
glaubt man bem Ä5nige, toenn et feinem 35atet bie $atte 2Wfi$e 
betont, bie e* i$n gefoftet $abe ben ©$toaget jut 9la$giebig* 
feit ju überreben 1 ). Dag im 8anbe üJJtpmmung über bie 
eigenwillige ^Jolttif feine« güTften fcerrföte, ift begreiflich. 
Hlbrec$t berftanb ben @inn bet ©Ute, bie feine obetbaitifetye 

1) Bn« bem Sinjer Sanbe*ar<$U> bei t>. Ära««, flRa;. u. €>tgm., 23. 




652 



2)ie griebeufbebüigimgen. 



8onbfc$aft batb nach bem »u«gang ber ftrifi« an $n rtd^ttte, 
bog et fortan ohne ihr ©iffen unb SBiflen feine ©ünbnijfe 
mit au«tofirtigen 2W&hten fliegen unb in fchtoeren $&nbeftt, 
bie 8anb unb 8eute berührten, auch SRat unb ®utbünfen feiner 
Sanbfchaft ^ren möge 1 ). 

9m 24. 9Äai tourbe mit ber Sudfertigung ber Urfunbe* 
Aber bie einzelnen S3ertrag«i>unfte begonnen, tag« barauf ber* 
fünbete ber ftönig ju Slug«burg ben grieben, erflarte bie Hcht 
über Htbrecht unb bie ©tabt iRegen«burg al« aufgehoben unb 
föon am 26. mürben bie bei Saneberg lagemben bairtfcheu 
Struppen in ihre $eimat entlaffen. «Ibrecht fteüte Wegen«burg 
bem {Reitze jurficf, ben batrifchen £>erjogen blieben nur bie (Sin* 
fünfte unb {Rechte, bie fie f$on oorher in unb um 9fcgen«burg 
befeffen. Hn ba« »eich fiel auch ba« ©chlog, beffen S3au 
«brecht in ber ©tobt begonnen ^atte. Sfodfr auf bie $err* 
fchaft »ben«berg mu&te Sübrecht jugunften be« Weiche« Der* 
jlchten, boch foQte er fie fo lange in feiner ®etoatt be* 
galten, bi« ber ftatfer ihm bie $älfte be« $eirat«gute« für 
ftunigunbe entrichtet $aben toörbe. ferner mufcte Htbrecht atte 
oon ©igmunb ju feinen ©unften erlaffenen SSerfchreibunge« 
unb SBermachtniffe al« ungiltig erftären, ebenfo barein ttrittigen, 
ba| ftunigunbe gegen (Smpfang ihre« $eirat«gute«, ba« äRaji* 
milian binnen 3a$re4frift ju bejahen oerforach, enbltch ben 
bi«her oertoeigerten Crböerjicht au«ftefle. 92od^ bem lobe be« 
ftaifer« toarb bann (20. De). 1493) jnrifchen SDlayhnilian unb 
Hlbrecht bie ©a$e bahin geregelt, bog bie $errf$aft 8ben«berg 
für 32 000 unb 20000 fl., ben öetrag oon ftunigmtben« 
$eirat«gut, an Wibrecht gegen ©ieberlöfung »erfauft umrbe. 
Den 88n>tern fotoie feinen ©rflbem follte Hlbrecht jurflcfftefleu, 
loa« er ihnen im ftriege abgenommen, auch ade (befangene» 
freigeben. Men Bafaflen unb Untertanen «Ibrec^t«, ttxlc^e 

1) Ärenner IX, 226. 

2) e. 2i*nott>*t$« Kegeffra 9lx. 1787 f. 1797. 1800. 1803. 2025. 
SRajimtfian* €>pruc& &om 25. SRai bei ÄrennerX,585f. Änni- 
gimben* «rb&crjtyt w>m 26. 3Wai 1492 bei Herrgott, GeneaL gent 
Habsborg. III, i, 48. 




3ftre$t, Georg u. ber <&$ttäb\\$t ©unb. 568- 

bem ©<$tt>äbif<$en SBunbe beigetreten, untren bie abgebrochenen 
fielen jurfidjugeben. 

Die gänjticfce Umfefcr ber 3Rfinc$ner fyrtitil befiegelte 
Hlbre#t$ eigener ^Beitritt jum ©$u>äbif$en ©unb. @$on 
am 11. Sunt toirb gemelbet, bog ber f>erjog in ber Keife tote 
öftetreicty, ©ranbenburg, ffiirtemberg aufgenommen ju »erben 
ti>ünfc$e unb nur bie ©ebingung fteOe , bag er feinen SBerbäif" 
beten, bem $faljgrafen unb ber ©tabt Dürnberg im Salle eine* 
«ngriffö beiftefcen bürfe. Stuf ber ©unbeSberfammlung ju Ulm 
nmrbe bann (23. 3uti) »lbre<$W aufnähme auf bie bon i$nt 
borgelegten Sirtitel $in beföloffen 1 ). 

2lu$ jtoiföen £>erjog ©eorg unb bem ©<$tt>äbtfc$en ©unbe 
na$m nun ber ftöntg ntctyt o$ne (Erfolg bie Vermittlung in bie 
$anb, inbem er einige fünfte be$ Dinlel$bfi$ler Vergleich 
neu erläuterte 2 ). Der dttingiföe $anbel fanb baburdj ©ei* 
legung, bag bie ©rafen ffiolfgang unb 3oa<$im bon Öttingen 
bem $erjoge bie Äauffumme, bie er ber ©täfln SDfagbalene 
bon Öttingen, »erheirateten ©räfin bon SWontfort, für tyr 
(Erbteil gegeben, in bier griftcn jutü<!?juja$len berfpractyem 
ffieg'tt be* 8anbgeri#te$ ber ©urggrafföaft Dürnberg förteb 
äWaj an ben SKatlgrafen grtebrtdfr, er möge biefe 8togelegen$ett 
etnftoeilen frieblttty berufen laffen, ba ft$ ©eorg fonft toeigero 
mürbe ben Vertrag mit bem ©^mäbif^en ©unbe einjuge^en. 

8uf allen ©eiten Ufte fi$ bie Spannung, bie einen fo 
$o$en ©rab erreicht $atte, in grieben unb (Sintrad^t — nur 
ni$t beim ftaifer unb nid)t bei ben 8ön>lern. Den erfteren 
Ratten bie ©emfifcungen feine* @o$neä unb aße SRactygiebigfeit 
SUbre$t$ bo$ nur für eine äuferltdje ©erföfttung gemonnen, 
im falten $erjen grollte er nod) immer unb trug fein 93er* 
langen feine Softer toieberjufe^en, feine (SnFelfinber tennen ju 
lernen. 9io$ am 17. 3uni fanb SKajctmilian nötig eine gär* 
bitte für bie in Ungnabe befinbli$e ftuntgunbe unb tyren ®e# 

1) Ä(üt>fcl, Urtunben I, 132. 134. 

2) 4. Sunt. Datt, De pace publica, 264; £i$nott>tt9 VIII, * 
Hr. 1795. 



654 



Unteroerfnng ber 28toamtter. 



ma$l beim Sätet einzulegen bog erft im ©ejember fam e« 
fo toeit, baf SHbregt unb ftunigunbe ben alten $errn in gut} 
&efu$en tonnten. 

9log toeit fgltmmer ober ftanb e6 bei ben Stolern, bereit 
Oefanbte 3*nger unb Oubmann HugÄburg bitter enttäufgt 
oerlaffen Rotten *). 9Äapmilian$ Hbmagungen »erließen tynen 
nur SRejiitution be« im Ärtege Verlorenen, aber nigt bie 8b* 
ftedung i$rer urfprfingltgen ©efgtoerben gegen «Ibregt. 3n 
biefer $infigt befagte ber ©prug be$ ftSmg* nur, bog ein 
(geriet, gebilbet au* i$m felbft r mehreren Sürßen unb ben 
beiben $auptleuten bei ©gtofibifgen ©unbe*, barfiber am 
25. 3uli ju Erblingen rieten feilte. 

JDiefe Witter führten i$re ©age mit bem Ungefgid unb 
ber ©tanffipfigfeit Don $rooinjialen in einem entlegenen ©afty 
toinfel. 3ucTft Ratten i$re ftäupter ju frü^ lo«gefglagen. 3efet 
folgte bie ganje ®efeflfgaft $tnterbrein, nagbem i$re 8er* 
bfinbeten fig bereite toieber }um ^rieben entfgloffen Ratten. 
8m nämlichen Sage, an bem SDta^imilian ben Sugftburger 
grieben oerffinbete, am 25. ÜÄai überfanbten bie 85toenritter 
bem ©traubinger SMfctum 93 gefrbebriefe unb fgritten fofort 
tum Sngriff auf «Ibregt* ©efifcungen im ©airifgen ffialb. 
SWit tyren 200 Weitem unb 1000 SanWFnegten gelang 
e* tynen bie fgtoagen fceraogligen Streitfrage jum 9töd» 
)ug }u nötigen unb einige Ortfgaften eüqune^men, beren 
Untertanen bann gejtoungen tourben ben $erjogen SBolfgang 
unb 6$riftop$ ju $ulbtgen. Siegtag mürbe berannt, ba* 
Älofter Wingnag oon $an$ oon Degenberg, }u bem 400 
SNtymen fliegen, befefet. ©gon am 31. SKai aber tonnte ber 
©efe$l*$aber ber $erjogligen, ©urtyarb oon ftnSringen, unter* 
fräfet oon pffiljifgen $ilf$tnq>i>en unter bem «mberger SSifctum 
©rafen Sßigael oon ÜBettfcim feinerfeit« jum Angriff oorgefcn. 
Äm 8. 3uni getoann er nag heftiger ©efgiejjung bie ©urg 
galfenfets, too toiefcerum mehrere ©unbeflmttglteber, {Kind 

1) *. Ärau«, aWojhnilian« oertrauliger ©tiefwegfet mit ^rftfgenl, 
61; Hrnfced, 461. 

2) 3mn fCgb. f. Ärenner XI, 3f. 




Äegen*bntg »lebet taifettic^. 



^taufet t>on ©ündfring, ber alte {Rittet German $aibetf, $an* 
unb ©ityelm bie $aul6botfer in ®efangenf<$aft gerieten, unb 
nun fonben bie i*5toter bo$ geraten fi$ bem in Slug$burg ber* 
Unbeten ffiaffenftiüftanb ju untertoerfen. 

©ä$renb biefe* testen ©affengange« toar (4. 3uni) an bie 
Äeid^ftänbe be$ ftaifer* Hufgebot gegen granfreiety ergangen. 
<W fd&eint in ©aiern, too too$l beibe $erjoge bie innere Sage 
no$ nt$t at$ gefiebert betrachteten *), leine SBead&tung gefunben 
ju $aben; aber au$ au« anbeten $robinjen Famen nur fp&r* 
lidft Zxvppm, bie ntyt« ausrichteten unb balb torieber fctmjogen. 

gfir Kegendburg aber brauen nun trübe läge herein. 9ii$t 
nur ba| f$3ne Hoffnungen, bie be« $er)og* lanbe^t>äterltc^e^ ©al- 
ten $atte auffprießen taffen, frity gefnidt tourben — bie foatere 
Verlegung be« 9teic$*fammergettyt* in bie Statt festen einigen 
€rf<*4 }u getoäfcren, $atte iebo$ j/a furjen SBeftanb (1503 bi* 
1509) — eine graufame SReaftion Heg e$ au$ bie Häupter ber 
©firgerfdfraft fdfrtoer entgelten, baß fie ber ©tabt einen $errn ge- 
fugt Ratten, ber fie no$ anbere* füllen ließe alt ben £)rud ber 
$errfäaft. Der »aifer $atte e* eilig bie Statt toieber an 
ju jiefcn. ©c$on am l. Sunt nahmen SRarfgraf griebrty 
oon ©ranbenburg unb ®raf ©telfrifc oon $otinn f ber jum 
9ttiäfif)aüptmatm in ber ©tobt beftettt toutbe, auf bem SRat$au$ 
bie (Semeinbe auf« neue für ba$ SRet# in ¥flt<$t, naefcbem 
Äbgeorbnete 8Kbre<$t$ fie tyrer flribe gegen ben $erjog ent* 

1) ©o$t aua) auf ba« gute «etfltttnfo be« tfStjtfäjen ©ettet« jn gtanl- 
teu$ ftüdflft nahmen. 9to<$ totanSgegangenen ©nnbe$t>ettt5gen jtotf<$en 
$fal}mtbgtanttei<$ t>. 1444, 1453, 1456 fätoß «utffitfl W^P 5.€Sej>t. 
1492 mit Äatt t>. gtanttei<$ einen neuen ©unb auf SebenSjett. Wiflft 
nmtbe baraal« eine jä$ttt<$e $enfton ton 12000 gtanfcn jugefagt, bie 
jebo<$ naä) wenigen Sagten nt$t me$t bejaht »ntbe. 2)ie batan* ent« 
flanbene (Sntftembnng »atb bntä) neue gteunbföaftft&etttSge |u SBotm* 
1500, 28. $q. u. @eban, 30. San. 1501 befelrtgt, twma<$ $ttaj Snb- 
toig an ben ^atifet $of fommen nnb nntet ©ejng einet 3a$tetyenfüm 
ton 8000 gtanten n>ie ein $tin$ ton gtantteH gehalten toetben foUte. 
2>amafc tetft>ta<$ Ä. fiubmlg au<$, »enn einet bet jüngeten j>f5ljlfc&en 
qhtnjen an bet UnfoetfltSt $ati« ftubteren tooOe, baffit $n fotgen, baß 
bemfelben ein ©tetum ober eine Bbtei in gtanttei<$ tetUe^en tofitbe. 
Uthtnben im 8t.'3. 




656 



Keaftion in Kegesttfisrg. 



bunben Ratten. Die SSolttpartei $atte nun für eitrige 3ett ba* 
Übergetönt unb benufcte ba«felbe, fi$ bie JTOa^t unb mit i$t 
bie 8?a#e an tyten alten ©egnern, ben bairtfcty gefilmten »lätra, 
}u oeiföaffen. (Ein neuer ©emeinbeaitfföufc, bie ©e^unb* 
breifciger, tourbe getollt, bet jicfc bann felbft jum grSgten Zeil 
m ben inneren unb äußeren {Rat befSrberte. gu<$«fteiner $atte 
triebt getoagt bur$ feine 8ntoefen$eit bem S3ol!«$ag ju trogen, 
angebß^ auf ba« Strängen oon (gläubigem toarb tym nun $ab' 
unb Out mit SBefölag belegt Da« ©^ulbfcigenamt W** **r 
$erjog a « feinet ©teile 8eon$arb Cd, bem Sater be* festeren 
ftanjler«, übertragen; biefer entging al« Opfer bet SSoltttout 
ni$t bem ©efängniffe. »Ibredfrt tief bur$ ©fen^ofen beim 
ftaifer ©efdfrtoerbe über ba« Vorgehen ber 8tegen«burger gegen 
feine Diener ergeben, ffitetootyl ber Bertrag mit bem JWmge 
allgemeine S3erjei$ung au«bebungen $atte, tourben ade SWitglieber 
be« alten 8?ate« in Hnflageftanb oerfefct unb jur $aft gebraut 
Die 54 ftlagepunfte, auf bie fie, jum Zeil unter ber Softer, 
ftcfy oeranttoorten foßten, betrafen teil« eigemtüfcige ®ef$5ft«* 
füfrung teil« bie Übergabe ber ©tabt an SBaiern. ®e#« 
ffioc$en lang (14. »ug. bi« 29. ©ept.) mährte ber ©reuel, 
baß ©reife, in benen man bi«$er bie angefefcnftot unb tofir* 
bigften Bürger ber ©tobt gefeiert (atte, allen Qualen ber göltet 
unterworfen tourben. Sin untoütbiger unb befte$li$er laifer* 
tiefer Beamter, ber giäfal ©effel, tarn ber bemofratif^en 9to($* 
fudjt ju^ilfe. <Sr $atte eigen« einen ©$arfri$ter au« ©alj* 
bürg berufen, er nötigte einige ber neuen Matfmitgtteber trofr 
tyre« ffitberftreben« ber Tortur tyrer Borgänger beijutoo^nen, 
er gab felbft 9?atf<$läge für fceren jtoedoienlicfcfte «ntoenbung. 
®e$«mal tourbe Degenfcart ©raoenreuter aufgejogen, ber in 
ben fritiföen SWonaten ber Untertoerfung unter ©aiern ba« 
ftämmereramt oertoaftet $atte. Sin ftebjigictyriger ©rei* 
legte, um ni$t unter ber SWarter ju unterliegen, bie toiber« 
finnigften ©eftönbniffe ab, gelähmt unb oerftümmelt ging «nbre 
ftarg au« oierjefytmal toteberfcolter göltet faroor. <Snbli$ 
erfaien eine neue laiferlic&e Äommiffion in ber ©tabt, fefcte 
ben äu«föreitungen be« neuen {Rate« ein %\t\ unb gab ben 



Digitized by 




9tegen9torg crtoitbt t>on fttbxtty ba* @$ttlb$ctf}ettgeri$t 567 

(befangenen bie gteiheit jutficf. Die »etfaffung befam (1495) 
eine neue, nichts loeniget at$ bemofrattföe ©eftalt, inbem bet 
äußere {Rat unb noch meht bie ©emeinbe faft aßen (Sinflufc Der«* 
loten; eine Oligarchie innerhalb be$ inneren State«, ber fpätcr 
fogenannte „geheime Hu$fchu{j w jog bie (Setoalt im öffentlichen 
an fleh- 

35a« CtnennungSte<ht be« ©chulbheißen fotote ade anbeten 
verliehenen Freiheiten ffattt älbtecht ber ©taot nach ihrem 
Setlufte toieber entjogen. Daß aber bie ®ericht«geu>alt in ben 
$änben be$ £>erjog$ geblieben toar, mußte nach ben lefeten 
Vorgängen al$ unhaltbar erfreuten, ©ei ben Singer SBerhanb* 
lungen tourbe ihr Serlauf an ben ftaifer befchloffen, ohne baß 
e$ feboch bagu gelommen märe. (Sin oor bem ftammergeri<hte 
eröffneter ^rojeß jwifchen «(brecht unb bem SRegenäburget State 
über ba$ ©chulbheißenamt unb anbere ©tteitpunfte hätte toohl 
ben üblichen unabfehbaren iBertauf genommen, hätten fleh nicht 
bie Parteien am 23. ttuguft 1495 über einen gütlichen Set- 
gleich geeinigt. Wibrecht trat ba6 ©chulbhet{jengeti<ht an bie 
©tabt ab, toogegen biefe auf ihre ©chulbfotbetung oon 31 510 fl. 
an ben $etjog oetjichtete unb ihm übetbie* iähtlich 400 fl in 
Oolb ju entrichten oetfptach. Dod) toahtten fleh bie $etjoge 
auch iefct noch bie Verleihung be$ ©lutbannö an ben ©chulb* 
heißen. ©onft blieb oon bem alten butggtäflidjen S3eflfc nur 
bie SSotftabt .am $of, ba$ alte ©chietftabt ober f an ber 
Stetten 4 ' (ad ripas), ^ergogtidh unb tourbe oon atbrecht 1496 
jur ©tabt (©tabtamhof) erhoben. Such bie oon Wibrecht ein- 
getöfte $ettfd>aft ©onauftauf blieb baitifch, bem SWarfte oerlieh 
ber $etjog ein Sappen, ba« in änfptelung auf ben oon ihm 
gefchäftten ©ein bet ®egenb bie Siebe geigt. 

(Ein fchtoete* ©tfid «tbeit toat «lbte<ht nach ben «ug«* 
butget ©etttägen noch übrig geblieben: bet Sudgleich mit ben 
unjuftiebenen SBtflbetn unb mit bem SSmenbunbe. ffia« bie 
etfteten betrifft, fo oetfptachen alte Untethanblungen toenig 
Sudflcht, fo lange bet ftaifer ihte «nfptfiche auf ÜÄitregietung 
untetftüfcte. ©eibe toaten, um fleh bet Ounft be$ ftaifet« noch 
meht }u oetflehew, untet feine JRäte eingetteten. «m 22. @ep* 




658 



lutglety mit ©olfgang n. C^tiflo^. 



tember 1492 erlieg griebrich an bie batrifchen Sanbftfinbe beii 
©efehl ben $erjogen Chtiftoph unb ©olfgang ju hulbigen, unb 
jugletch beauftragte er ben $erjog ®eorg unb ben $faljgrafe» 
Otto bie «uäführung biefe* ©efehle* *u förbern. 2Ran barf 
fagen, bag Älbrecht biefer ©chwterigfeit $err würbe, »eil er 
bie ©tänbe auf fetner Seite ^atte, ebenfo tote er ben 85wlem 
unterlag, weil bie öanbfäaft fic^ gegen ihn erflärte. IDenn alt 
ßhtiftoph unb ©olfgang auf ba« laiferliche 9Äanbat hin einen 
Sanbtag nach greifing aufrieben, mußte 6$riftop$ feine <&> 
Jffnungärebe bor faft leeren ©änlen galten, ein jweiter Don ben 
örfibern auf ben 18. SRooember nach Sreißng anflgefchriebener 
Sanbtag aber würbe bur$ Älbrecht* ©erbot ihn ju befugen 
gänjltch vereitelt, ©aben fo bie Sanbftünbe bur<h ihr ©er« 
galten ju erfennen r bafc fie Don ÜWitregierung ber immer in 
©chulben ftedenben ©rüber ober t>on einer neuen Sanbetteilung 
nicht* wiffen wollten, fo fanb fleh bann, feit »Ibrec^t in Sin) 
perfönlich auf ihn eingewirft hatte, auch ber ftaifer jum (Rn* 
lenlen bewogen: ein neue« SKanbat an bie ©rüber (31. 2)ej.) 
empfahl ihnen nun gütliche Huäetnanberfefcung. ©ei biefer 
©abläge brauste ®eorg bie ©ermittlung, um bie ihn 8lbrecht 
(5. Dej.) angegangen, nicht mehr ausüben, bielmehr waren 
e* bie Sanbftanbe, bie ben »uägleich herbeiführen Ralfen. Stuf 
einem ßanbtage )u 2Wün$en gelang e« ihnen (20. SWära 1493), 
ßfaiftoph unb ©olfgang &u ber erneuten Crflärung ju bewegen, 
bafj fie ihren ©ruber nicht wtber Siecht ber {Regierung entfefeen, 
fonbern ihrer früheren ©erfchreibung getreu bleiben wollten 

©olfgang erhob bemungeachtet balb wieber neue ftlage bor 
SKafimilian, mit bem er um Oftem 1494 bei $ohenfchwangau 
unb am Äaiferbrunnen am $lanfee auf ©firen jagte *). ©pater 
wanbte er fleh mit feinen gorberungen gegen Älbrecht, bie nun 
auch auf einen Anteil an 6h?iftoph* Srbe fich erftreeften, an 
ben 8anbfchaft$au$f(hu& unb fogar an ben ©chwäbifchen ©unb. 

1) «efonber« Ärenner IX, 130f. 144 f. 15lf. 180. 192—225. 

2) 2>ort „gtebt eft btel bon blefen »Üben Xietcn, auf bie ber ftaifer 
großen $ag unb «erlangen trägt", b. ftorma^r, Öotbene fchronif 
bon $ohenf$u>angau, wo ©olfgang ßatt ©tfyelra ja lefen tß. 




£ob ©erjog -€&rifh>j>h*. 



55» 



ÜDa er %lbre$t leine ernftliche Verlegenheit mehr Bereiten, ge* 
fc^meißc feine Hnfprfiche burchfefcen lonnte, bürfen toir über biefe 
unerquidli^en $änbel htatoeggehen. ßhriftoph aber überlebte 
ben »ungleich nur einige JTOonate. ®emeinfchaftlich mit bem 
fturffirften griebrich oon Saufen, bem ©ohne feiner ©chtoefter 
(Hifabeth, ber ihn in 8anb$berg abholte, unternahm er eine 
Pilgerfahrt nach bem gelobten Sanbe. 3n ißenebig f$rieb er 
(16. 3Äai) feinen tefcten ©illen nieber *), beffen Urfunbe bann 
in ©$ongau hinterlegt tourbe, unb fefcte, beS langjährigen 3trifte$ 
bergeffenb r aibrecht ju feinem fjaupterben ein. Die Saft feiner 
©Bulben mar freiließ fo groß 2 ), baß bie <Srbf$aft als ^öc^ft 
jtoeifelhafter ©enrinn erfreuten mußte. Hm 27. 3uni famen 
bie Pilger nach 3erufalem, bon too fit am 2. 3uli ben SRüdmeg 
antraten. Schon in Paläftina fyattt bie ungewohnte unb un* 
Dorfichtig genoffene ftoft (hervorgehoben toirb ein Xrunf falten 
ffiaffer* nach bem ©enuffe von SDietonen 8 )) be« $erjog3 ©efunb* 
heit erfchüttert. Äranf tarn er ftnbe 3uli na$ 1Rf)obuQ t too 
er am 15. äuguft in ber Pflege be$ eben bort toeilenben 
3ohannitermeifter8 4 ) (trafen Stubolf ton ©erbenberg au« bem 
geben fchieb unb im Hntomudttofter begraben toarb. Sine 
mertoürbige gfigung mar c«, baß ber ®raf t>on ©erbenberg, 
in beffen Ärmen er ftarb, ber ©ruber jener SWartha oon HbenS* 
berg fear, beren ©emahl bei Reifing im Stampfe gegen ihn 
gefallen. $erjog Wibrecht ließ bem ©ruber in SRhobu* ein 
loftbare* ÜÄarmorbenlmal fefcen. ßhriftoph* jurüelgebrachte* 
©Amert bient noch iefct al$ ^remonienfehtoert beim SRitterfeft 
befl ©eorgirttterorben* 6 ). 

1) ©ei Ärenner IX, 284 f. 

2) 2>ie atten barüber füllen fünf ©tobe ber gürßenf«*" (XVI, 
pars 1—5). @. ou$ Ärenuer IX, 290. Sttbrety bezahlte bie Bulben. 

3) Crbfyfel nennt fle ©an« ©<$neiber. 2>tren munüßlger (Bennß 
hatte an* ben 2ob «aifer griebri<$* III. beWlennigt 

4) ©roßraeifler be* Drben«, tme man weiften« ließ. 

5) ©gl ©anottt, ©ef<$. b. (trafen *. SWontfort n. ©erbenberg, 
©enealogifäe XabeHe fflr. 4. gür «hriftotf« Pilgerfahrt f. ftrnpeä, 
c. 469. 470; «frronit bei 2ij>ott>*tv, ©. €&riftol>hr 161. 166, nnb bat 
»on Chrfyotf* frecher, ©an« e^neiber, berfaßte Gebiet bei tt»hrt$t 



mbxtdft IV., bie S3»ter 



<£* tonnte nicht fehlen, bag bie SSetföhnung bet ©tfiber, 
meldte bie 85mlet tytet legten fütftlichen S3unbe$genoffen ht* 
raubt?, auch auf ben äuSgletcb mit biefem föittetbunbe gänfttg 
lutücfoitlte. SSiet WechWtage *) (*u Erblingen im 3uli nnb 
Stuguft , ju Ulm 23. ©ept. 1492 r gebtuat unb 23. Sprit 
1493) toutben in btefem $anbel ohne Cntfchetbung abgehalten, 
bo<h tonnte ft$ Sllbrecbt nicht Deelen, bag bet $tojeg fflt 
bie gö&let gfinftiger fianb als für tyn unb bag e« in feinem 
3ntereffe lag einem 8?echt$|>tuchc butch gütlichen Sütfgleich 
juöotjutommen. Die SDiöglidfrFeü beffen betfdjaffte et fleh butch 
(SttwtFung eine« Faifetlichen 3Wanbat8, baä feine ßttation k>om 
3uni bi« in ben SRo&embet 1493 aufhob. SWochmal Ratten 
bie Sötolet tyre butch ben «Umgang be$ Stiege* beträchtlich 
betmehtten S3efchtoetben in weitläufigen Älagfchtiften gufammen^ 
gefaxt, normal Ratten bie Sutiften be$ £>etjog* biefe JHagen 
mit bem äuftoanb äffet ®elehtfamfeit ju entftäften betfucht 
Die Jötolet liegen ihre ©ache but<h ben ©oltot ®eotg Sam* 
mattet 2 ) unb ben ßijentiaten 3ohann Supfbty fügten, al* 
8ttbte<ht$ SJetttetet toaten äuget SReuhaufet, bem $ofmeiftet 
©olfgang Don «haim, $an* guch«fietnet u. a. triet auStanbifche 
Sutiften, ein ©achfe, ein $fäljet unb jioet Wfitnbetget et* 
föienen. 

3ulefct toutbe bet ©ttett, toie et einen intetnen S^ataltet 
hatte, auch butch bie SSetttetct be« Sanbe« unb im ©inne be* 
8anbe$ gewichtet. „Denn in bem »atetlanb" — fagt bet 
<S$t<mift 8 ) — „ift gut leben, in bem alte ©itte gilt, Stecht 
unb Otbnung; nicht bie biet ffiälbet (bie ©tenjtoätbet: S35hmet*, 

unb SWetfner, fcratfehe Pilgerfahrten nach bem hl. Sanbe, 299 f.; ferner 
«5hricht, 2>eutf<he pilgerreifen (1889), 193-196. €><hneiber* Oe- 
toährfcnann »ar <Ehrifloj>hS Äo* So^anne*, ber bt« jum legten Sngen- 
hlid an ber edte feine* $errn ftanb nnb ber ^erjogin Jcumgunbe al* 
beffen tefcte« «nbenfcn ein Ätetnob )n überreichen hatte. 

1) 3um ftgb. bef. Ären n er XI unb IX, 225 f. 239f. 247 f. 

2) ©ahrfcheinlich ein €fohn be* SWfluchner «rjte* Peter 2anu>arter. 
e. bie Chwnif bei 2ii>ott>*t$, fyxxftopb 165. 

3) «. a. O. 




imb bie Üanbftänbe. 



561 



Düringer*, ©d&toara* unb ©d&arnifcermalb), nicfct glüffe unb 
S^äler, ©täbte unb @#löffer feigen bafl SBaterlanb, fonbern 
8lufrec$t$altung frommer Sitten, alter grei&ett unb alter {Rechte, 
toie fie Siegel unb ©rief auätoeifen." SUbredjt $atte auf ben 
©traubinger Sanbtag (2. Dej.) bie Söroler md?t einberufen, 
aber bort brangen bie ©tanbe barauf, ba§ bieG auf bem näd&ften 
Sanbtage ntd^t unterlaffen mürbe, unb baten felbft mit ben 
Sörolern unter$anbeln ju bürfen. SRun lub ber gürft auf 
10. äpril 1493 aud? bie Sföroler ju einem ?anbtage na$ 
SKünctyen. Sin Sinlenlen Wien um fo me$r geboten, alG bie 
ßanbftänbe manche ©efdjtoerbcn ber ßStoler fid? angeeignet Ratten. 
SKit Kuger ÜWä&igung fam SUbrecfct nun in einer 9?et^e oon 
S3erorbnungen ben ffiünfdjen ber ©tanbe unb jum Seil aud? 
ber Sömler entgegen. Die }ur Aufbringung be« Deputat« für 
bie $erjoge ß$riftop£ unb ffiolfgang unb für anbere Aufgaben 
bemiüigte Sanbfteuer, über beren €r$ebung$mobu« 64 35er» 
orbncte ber 8anbfd?aft am 23. SWärj ©efctyujj faxten, folltc auf 
bie alte ffieife eingebracht, »a$ bon alterä&er nidjt gefteuert 
$atte, nidjt herangezogen ireroen. Prälaten unb (Sbctyerren, 
©ertdjtä* unb 93ogtetyerren burften tyre Öauem felbft ein* 
fdjäfcen, nur Ratten fie bei tyrer Ireue an ©beäftatt ju geloben, 
Don benfelben feinen fytyeren ©teuer betrag ju forbern, af$ 
tynen felbft auferlegt toar. Darin lag f$on ein nricfytgeä 
^Jraiubij bafür, baj? bie ©teuerfrage, meiere bie Staffelung ber 
fiöroler i>or allem entjünbet &atte, in beren ©inn entf$ieben 
toerben mürbe. 2Ubrec$t gemattete ferner, bajj bie Steuern juut 
@$ufee gegen ba$ Silo entmeber tyre gelber mit (Stäben unb 
$o$m 3äunen einfrieben ober fid> einen $unb galten burften, 
er oerbot feinen {Beamten bei 9ie$t3tagen auf ftoften ber $ar* 
teien ju jeetyen unb gemattete ben fibelleuten toieber auf SRe&e, 
©ettoeine unb ©aren ju lagen, nur ni$t in o&er na$e bei ben 
$erjogli$en ©annforften. Da« lefcte 3wfl*ftänbni$ jeigt, bafc 
ber $erjog in feiner jügellofen 3agbleioenf$aft oor&er fo roeit 
gegangen mar bie ganje fyty 3agb fief? allein oorjufcefcalten. 
gerner »urben abgeftellt bie Srtyö&ung ber ffietnmaut auf ber 
Donau unb jene (Singriffe in ba$ $ofmarf$rec$t, meiere in ber 

«iejler, Qk\ty$tt ©aitnt«. HI. 3G 




562 



9lu8gtet$ mit ben Sömenrittern. 



allgemeinen Durchführung ber jparniicbbefcbau bei ben Stauern 
unb in ber au«nabm«lofen x ) Prüfung bet ftirdjenrecbnungen 
burcb be« $erjog« ©eamte gefunben morben marcn. 

©o U)ar burdj (Sinlenfen in bie ©afcnen be« pojitioen 
9?ec^td ber ©oben geebnet, auf bem ein 3lu£glei$ mit ben 
tfömlern erjielt merben fonnte. Sm 7. Sluguft 1493 tarn unter 
Vermittlung oon 24 ©erorbneten ber ganbfdjaft ju SDiüncben 
bie ©eriöfywng mit a$t ber mäcbtigften ajlitglieber be« ©unbe* 
guftanbe, mit ©ernbarbin unb Jpierontymu« ben ©taufern, 
Herren ju (Srnfel«, ^einrieb unb ftajpar 9iot&aft, <£ra«mu« 
$aut«borfer, älbredjt ÜKuracber, ©igmunb ©attelboger unb 
3örg $ar$berger *). Der midjtigfte ärtifel be$ ©ertrag« be* 
fagte, baß bie gemeine l*anbe$fretyett in Kraft bleiben, Errungen 
äber tyre Sluölegung bor bie &mbfdjaft gebogen merben foüten. 
<S« mar tytemit entfcbteben, baß in ber ©efteuerungäfrage, meiere 
ben einlas jum 3rotft gegeben tyatte, ber $ergog feinen SBillen 
niebt burdtfefcen fonnte. ©on (Smpörern, beren fflurgen er 
gebrochen, bie er uberall im gelbe überrounben unb al« @e* 
fangene in jeinen ©erließen gelegen batte, marb er gulefct be* 
fiegt burdj bie 3Jlad?t ibre« verbrieften 9tecbt«; ber moberne 
©taatägebanfe, burcb einen fräftigen dürften ntd>t o&ne SBillfür 
unb be«potifd?e Neigung oertreten, mar bem ^iftorijc^en SRecbt 
unterlegen. Übrigen« foüten bie {Ritter SUbredjt al« tyrem 
redeten natürlichen Jperm unb öanbeäfürften berpflidjtet fein, 
mie e« tyre ©orbern unb fie felber oortyer gemefen laut ber 
(Srb^ulbigung. Den oier julefct gefangenen tfömlew, bie ber 
jperjog nur gegen ©erfebreibung unbebingter Sreue au« ber 
©efangenfdjaft entlaffcn batte, mußte biefe ©erfebretbung jurütf* 
gefteüt merben. Die erlittenen Äriegäfdjäben aber mürben ben 
Sömlern ntebt erfefct. Orrungen megen Eigentum«, 3agb, 
©ogtei, ©Jilbbann u. bergl. iollte ein ©ebiebägertebt unter bem 
©orfifee 3örg« bon (Stfen^ofen entleiben. 

8lm 2. Oftober 1493 mürbe Meier ©ertrag auf einem 

1) @. SUbretft« ganbflebot fcom 24. gebr. 1488; Ärenner V11I,529. 

2) Ärcnner XI, 434f. 




SDie $erren t>. Eegenberg. 



568 



3u6f$uf3tage gu 2Rünchen auf »eitere SKitglieber be$ ibmn* 
bunbed auägebehnt, überbteG mürben mit etnjelnen ßömlem noch 
befonbere ©ertrage abgesoffen. Die ®efettf#aft mürbe nicht 
förmlich aufgelöft; noch 1495 fonnte ber Schmäbifche ©unb 
eine 3 u Wwf* 0,1 ft c rieten, fonnte $einrich SRothaft, ber lefcte 
SBunbeShauptmann, ÜÄitglieber ber (Sefellfchaft nach SRegenä* 
bürg berufen *). Doch mar bie$ nur mehr ein Scheinleben 
für furje 3*ü- ®a ber SBunb fein &\tl f fomeit eä im Stecht 
begrünbet mar, im öffentlichen erreicht ^atte ; mar fein gort* 
beftanb jmeciloä gemorben. Dem §erjoge ift e$ an* 
juredjnen, bajj er mehreren Häuptern be$ S3unbe3 in ber golge 
mieber $mter unb SEBürben oertieh, SBcrn^arbin ton (Stauf ju 
(£rnfel$ nach bem Slnfafle &anb3$ut3 fogar mit bem mistigen 
Soften be$ Hauptmann« bafelbft betraute 2 ), innerlich aber 
fcheint er feine 9iieberlage nie völlig oerfchmerjt gu ^aben. 
Daoon jeugen gleichjeitige S -Berfe 3 ) in einer Sammlung aon 
äbfebriften jum 8ömlerproje&, morin er feine (grben bittet, nach 
feinem Sterben ,bie unlöbliche @ef Richte r Die hier betrieben 
ftehe, in ihr fürftlich ©emüt ju nehmen unb nicht ungerochen 
ju laffen". 

Die gamilie Degenberg marb nach tote oor oom föniglichen 
$ofe al$ reich$frei, bon Wibrecht aber at$ lanbjäjfig behanbelt. 
ftatjerlicbe Sehendbriefe (fo 1487, 1495) übertrugen ben greu» 
herren ben Jölutbann, ffiilbbann, ®elett unb SBogtei in ben 
(Berichten 3w>tefel, Degenberg, SEBeiBenftein ; oergebend marb oon 
bairifcher Seite entgegengehalten, bag SEBei&enftein in ba$ h er 3°9" 
liehe ©ericht be$ SJiecbtreichä gehöre, $ergog Sigmunbä Über* 
gabGbrief über ben ÜBtnfel an Degenberg mürbe am 3. äßarg 
1494 ju Straubing an Sübrecht „frei übergeben - unb bann 
burchichnitten. Mach bem SEobe te$ neuen SReichäfreiherrn $an$ 
oon Degenberg (27. äug. 1495), ber fich nacb einer Siufjerung 

1) Ä renn er XI, 127. 477, mit beffen Belegung ich nicht t>M% 
fiberemjtttnme. 

2) gürfienfatfen XX, f. 313; Sipo ©. <5&riflort, 124. 125. 

3) t>. üWuffinon, @. xin. 2)tc Auslegung, wonach Wibrecht bie 
»erfc felbjt verfaßt ober bo$ infoiriert $at, bürfte richtig [ein. 




564 



«tbrety IV. nnb feine ©t&nbe. 



älbrectyta bie lefcte 3ett t&m gu ®cfaßen bereiten ^atte, übernahm 
ällbrettyt „bie tym al$ 8anbe$fcerrn gebityrenbe 14 ©ormunbfctyaft 
über beffen ©o&n 1 ). ÜRaj imilian aber Wien ein befonbereä 
©ergnügen baran }u finben, JUbrectyt mit biefen neuen 9iet$3* 
f reifer ren p ärgern, ba er i&n 1496 beauftragte, ftatt 
feiner, bc$ ftönig*, bie Se^enSpflictyt be$ Degenberger« ju em- 
pfangen *). 

Änfnüpfenb an einen ärtifel be* 2lbIommen$ mit ben 
Sömlcrn, mollte älbredfct auf einem Sanbtage p Straubing, ber 
im gebruar 1494 feine ©tanbe be$ Ober* unb Unterlanbeä 
Dereinigte, ftreitige Slrtifel ber $rei$eit$briefe jur (Srlauterung 
bringen. 5Do# bie ßanbföaft antwortete, bie gretyeiten feien 
Kar unb bebärfen feiner Srlauterung, überbieä feien Snberungen 
berfelben nidjt möglich, o^ne baß bie Sanbjctyaften $erjog 
®eorg« unb be£ $faljgrafen Otto beigejogen mürben. 8luf 
tyre ©efömerbe über mancherlei (Singriffe in bie ftänbiföe 
©erid&täbarfeit bon Seite ffirftlic^er ©eamten f orberte ber $erjog, 
ba& ieber einjelne gatl formuliert unb an ifyn ober bie ©ifc* 
turne gebraut mürbe ; er motle bann gnäbig barein fe$en s ). 

811« ber ©djmäbifd&e ©unb na$ Jlblauf ber juerft be> 
ftimmten Stift erneuert mürbe, erKarte aud? Sübrecfct (24. Sept. 
1498) »ieber feinen ©eitrttt. ©alb barauf fam ber feit 
langem bro$enbe Ärieg mit ben ffiibgenoffen jum Jluäbructy unb 
auf 2Bunjd> be$ ©unbcS mürbe (28. gebr.) 4 ) Älbred&t bom 
Könige, fo lange btä er felbft im $eere erfäeinen mürbe, }um 
oberften gelbfctuptmann be* 9?ei$6 ernannt, ©eine 8anbf$aft 
riet i$m bie ffiürbe anjune^men unb bewilligte $ieju eine $ilfe 
bon 15 000 fl., bie in (Site erhoben rouree 6 ). 

1) Sirrobcn IV, f. 119v.-120v. 

2) 3>egenberg, gafj. 25-27. 1491 ja&tte 2>egenberg 52 fl. 
ftatt ber tym auferlegten 2 SWaun tfei($«trnw>en. 

3) Ärenner IX, 316f. 

4) @t.*B. 11. SWai 1498 $atte SWarimiltan ju Ulm *lbre<$t mit 
100 Vferben alt feinen 3)iener aufgenommen gegen ifi$rli<$en €fotb *on 
2000 fl. nnb 8 fl. für jebe« $ferb. 

5) 3>a« „wiberumb" bei Älü£ fei, 307, bar f man ui$t bafcin au«- 



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Störest Ketytfelbferr gegen bie (gtbgenoffen. 565 

14. Slptil 1499 lam bcr neue SReichSfelbherr mit 
250 {Reitern, einigem ftufjbolf unb 3 ®efd>üfeen nach Überlingen. 
(5$ ftanb fein glücMicher ©tern über feiner gelb$erwföaft. (Sben 
toar baS $eer be$ ©chtoäbtfchen ©unbe« am ©chmaberloch ge* 
fdjlagen »orben; einige läge barauf lief bie SRachricht bon 
einer neuen SRieberlage bei ftraftenj «n, n>o neben $an$ 3afob 
öon ©obman SUbrechtä früherer Hauptmann, ©urfharb bon 
Knöringen, bie Deutzen befehligt ^atte. ©efanntlich »erlief 
ber ganje ftelbjug für bie Deutzen als eine ftette bon Stieber* 
tagen auf ben brei ftriegSfchaupIäfcen, im Dften toie im ffieften 
unb £tntxum. Wibrecht felbft aber follte baS ftriegäglüd ntd^t 
erproben: foroie ber Äönig (28. ober 29. äpril) nach Über* 
lingen fam, geriet er mit ihm in ÜÄijfteHigfoüen , bie ber 
(Sulinger SBunbeärat Ungelter toohl richtig barauf jurüdführt, 
bag 2Wa$imiltan efl nicht leiben fonnte, trenn ihm bareingerebet 
tourbe. 3m Unmut, bcr »ohl fchon borher burch {Reibereien 
mit ben @<h»aben genarrt toorben mar, erbat unb erhielt 
Wibrecht, ba ber ftcinb für ben Slugenblid nicht brohte, Urlaub, 
(gegenüber falfchen Sluffaffungen ift baran ju erinnern, ba§ ihm 
ber Oberbefehl oon Anfang an nur biG jur ?ln fünft be$ Ä5mg$ 
felbft jugebacht unb übertragen mar. ©<hon am 8. SDiai ber* 
ließ er, jur Unjufrieben^eit be$ öunbeä, ba$ $eer, bei bem 
er nur 100 {Reiter unb feine ©efdjüfce jurüdliefe : )- 9Iuf bem 
toeftltcfyen JtrtegSfchauplafce, im ©untgau, fiel in einem Schar* 
müfcel biefefl gelbjugeS ber junge ®raf $an$ bon Ottenburg. 
Slbrechtä Änfehen aber hatte burd) feine Unthätigfeit als gelb* 
herr unb feinen raffen Slbjug au« bem Sager nicht gelitten. 
®Ieich im folgenben 3ahre marb er auf bem 8lug$burger 
{Reistage toieberum jum oberften Hauptmann be${Rei<h$ gegen 
bie Ifirfen unb anbere SReichSfeinbe ermaßt, fam aber bie$mal 
noch tteniger ju friegeriföen Stiftungen. 

legen, baß 9U&re#t erft einer »ieberhoUen Äufforberung be$ flömgä (*>om 
30. SWfira) golge leiftete. 

1) ®. Älüpfel, Utf. iux ®efä. be« ©(htt>56iföen Eunbe* I, 270. 
301. 307. 308. 317. 323. 333. 334. 



666 



<Sta>rg im ttatiemf$en unb getbrifd&en gelbjnge. 



$erjog ®eorg ffattt fich im 5>erbft 1496 bem oon ftöntg 
SRajtmtlian im 3ntereffe SJenebtg* unb SWailanb« gegen grant* 
reich unb glorenj unternommenen ftelbjuge na* Statten an*» 
gefchloffen unb ftanb bort jmei SWonate im gelbe, ffiieber Kefc 
er fi<h 1499 oom ftönige neben Älbred^t bon Saufen jur 
P^rung be$ gelbrifchen ftriege* gewinnen. Diefe gürften be* 
ftettten ihrerfeitä ffiitooft bon ©Naumburg aW ihren oberften 
Hauptmann. 3m SWärj fchlog ®eorg ju Ooch Serträge über 
bie Kriegführung unb feine (SntfchSbigung mit ffiilhelm bon 
Sültch, Sodann bon <£tebe unb bem ftönige. Cr hatte 200 
$fetbe unb 1500 ftnechte gegen Selbem geführt unb totetoohl 
fleh bie getnbfeligfeiten meift auf ^Jlünbern unb ©ranbfchafcen 
befchränften, lag er boch brei SWonate &u gelbe, big julefct fein 
gugbolt meuterte unb feine ^lünberungölufi an Den iülichfchen 
unb clebefchen ©unbeägenoffen autfief? 1 ). 

Sin ungewohnter ftriegäetfer, ber nur burch befonbere 
©rünbe gef^firt fein tonnte, gumal nachbem SJlajimilian ben 
$erjog in ber oerabrebeten gamütenberbinbung treulos im 
Stich gelaffen ffatttl Den reiben dürften fonnte nicht ber 
®olb oerloden unb bem früh alternben ffiüftttng, ber au« 
©equemKdjfeit oft auch Heinere Sieifen unterlieg unb barüber 
potitifche Vorteile berfcberjte 2 ), mußte ba$ gelbtager überaus 
befchtoerlich fallen. ®eorg« SRührigfeit erflärt fich aber barau*, 
baß ihm alles baran lag beä JWnigS ®unft unb 3ufttmmung 
für feinen Srbfolgeplan ju gewinnen. 

Der ©unb ber ffiittettbacher hatte «Ibrectt im gefährlich* 
ften äugenblid berfagt. Doch war biefer gürft ein ju be* 
fonnener {Realpolitik, al$ ba§ er fich beö^alb oerftimmt babon 
loägelöft hätte, btelmehr bewährte bie (Sinung ber bier {Bittet** 
bacher fich in gragen ber 9teich$politif noch öfter. HI« $falj* 
graf ^hüipp bem Crjftift 3»ain* ba* ftlofter 9luprecht«berg 
bei ©ingen entreißen wollte, fanb er feine bairifchen Settern 

1) Ären n er XIV, 539; <&t-<ü)T. XV, 343; ©ef*i<$ten unb Xateit 
©itoolt« ton ©Naumburg (Eibl b. Eiter, »ereinSL, 179); Ulmannn, 
Ä. aWafimilian I, 627 f. 

2) @o fein Äanjler Äotberger; f. Oberba^er. «r*it> XI, 194 f. 




2>ie bairifd&en $crjoge unb bie ftei$4ttform. 567 



feft entfdtfoffen ifyt im Notfälle ju unterftüfcen 1 ). Sluf einer 
3ufammentunft in 9ieumarft (ÜÄärj 1494) oerfpracfcen fte tym 
ben ®olb für 2000 @d>»eijer, fottte aber ber (Segner bom 
@$u>äbi{$en SBunbe unterfttifct »erben , SJeiftanb mit tyrer 
gefamten Üßadjt. (älüdlidjertoeife gelang eä ber )>erf5nltc^en 
Vermittlung be$ ftönig* ben bro&enben SEBaffengang ju oer* 
fcinbern. 8uc$ in ben fragen ber ÖteicWreform, bie nun enb* 
Kc$ brennend mürben, ftanben bie ffitttetebadjer im öffentlichen 
einmütig jufammen. iöetonntlicb ift e$ ber Weformpartei auf 
bem im 5Wärj 1495 eröffneten Weicfcdtage ju ffiorm« gelungen 
bier miebtige Oefe^e ju bereinbaren, meldte einige Orbnung in 
bie zerrütteten SBerftiltniffc be$ {Reictyeä ju bringen berfpraityn. 
(Ein emiger ßanbfriebe toarb oerfünbet, eine iäfcrlidj juiammen« 
tretenbe 9teidb$oer|ammlung follte tyn ftrob^aben unb ot?ne 
beren 3ufltmmun0 lein ©lieb be$ 9tet$« fortan ftrieg führen 
ober öünbniffe fcfcliefcen. Sin ftänbigeä ftammergertdpt follte 
ber entfestigen 9ted>t«unfid>er$eit fteuern, eine allgemeine 
8?ei<$3fteuer, ber fogenannte „gemeine Pfennig", bem Äönige 
bie SDtittel gur 2lbu>e$r ber lürten gemäßen. 3Jier 3a$re 
lang fottte feber ©efifcer eine« Vermögen« bon 1000 fl. unb 
barüber 1 fl., oon 500 fl. Vi fl-f »eniger alt 500 fl. 
befifet, ben 24. Zeil eine« ©ulbent fteuern. 

Die bairifdjen $ergoge Ratten fd>on ben {Reformborfölägen 
SÄapmiltant auf bem Nürnberger Weidjttage bon 1491, bie 
übrigen« bie 3ufttmmung Äaifert felbft nid>t fanben, 
toiberfproeben *). äuf bem ffiormfer Sage maren fie nur burd> 
©efanbte Oermten, SUbrectyt burefc ben $ofmeifter ffiolfgang 
bon »fatm unb ben in biplomatifcfeen aßtfftonen bielerprobten 
bormaligen ftofmeifter 3örg oon <£ifen$ofen, Oeorg bur<$ ben 
$ofmari#alI ©igmunb oon grauenberg jum $aag, bie {Ritter 
©igmunb ßatminger unb $an$ filoiner unb Dr. $eter Saum* 
gartner. tlUet Drängen oet Äönigt unb ber Äurfürften ffattt 
bie dürften nu$t bermoett perfönlicty ju erfreuten, 8llbre*t 

1) Ulmann, SRajunilian I, 229. 

2) Ulmann, SWajrtmtlian I, 316 f. 




568 



2>ie bairiföen Sanbftfinbe 



$atte fu$ mit einem ®utad)ten feine« Seibarjte*, äRetfter $an$ 
ton ©öppingen entfctyulbigt. ffiafcrenb feine ©efanbten he* 
auftragt maren einbettigen ober 2Jle$r$eit$befd)lüffen ber 93er" 
famralung jujuftimmen, menn au$ ber Söntg etngemifligt $ätte, 
$atte Oeorg feinen SRäten nur bie beliebte SBeifung erteilt alle* 
„hinter ftd? }u bringen" unb äußerte gegen 3(bre$t unberufen 
fein üfli&faUcn an ben SBorfölägen. 3$re Slnna$me, meinte 
er, mürbe bie SBaiew auGeinanberfarengen unb tynen bie flur* 
fürften alö Herren geben. Süd älbrectyt erfuhr, bafc xfftn oon 
einigen ba$ 2lmt be$ Äammerrictyterä jugebadjt fei, wollte et 
nichts baoon mtffen. Sur} bie ffiitteläbadjer füllten fidj in 
tyrer ©onberftettung unb in i^rem engen änfctylufc untereinanber 
fo be$aglt#, ba§ tynen ein feftereä änjiefym beä 9iet$4banbe* 
unbequem unb unermünfdjt mar. ©t$ ju fcartaädiger £ppo* 
fitton liegen fie fidj Jebocty burefc btefe ©timmung ni$t treiben: 
julefct Ratten fomotyl 9Ubre$t£ al« Ocorgd ©ejanbte ben 
SBorrafer ©efefcen bo$ jugeftimmt 1 ). 

8tt e$ aber nun galt oon ben Sanbftänben bie ©emitttgung 
jur ©r^ebung beS gemeinen Pfennig« ju erlangen, jeigte [\$ r 
bag biefe oon Opfern für ba* SReicty fo menig miffen mollten 
mie i$re dürften. &utx\t marb bie Einberufung be$ Sanbtag« 
burc$ eine in ©aiem mfitenbe Spibemie geraume £e\t oerjögert. 

mar leine leere Su£flu$t, menn SUbrectyt melbete, im ganjen 
gürftentum fei feine ©tabt, in ber nietyt idjmere* ©terben 
$errf$e, er felbft unb fein ©efolge lebten jerftreut in ©$l3ffern, 
manche com Übel feien auger 8anbe$ geflogen*). S5on einer 
3ufamraenfunft mit bem fiönige in fflugäburg (3an. 1496) 
trug Älbre^t bann überbieG ben ffiinbrud baoon, bajj e$ biefem 
mit ber 9?ei$4fteuer gar nietyt fo fe$r grnft fei. ©leic$a>o$l 
berfammelte er auf erneute« Drangen ber föniglicfcen ©efanbten 

1) Ärenner IX, 350. 360; Ulmann I, 345. 353. 382 na<$ Be- 
rieten im @t.-£. 

2) Ärenner IX, 361. Snbe @ej>t. 1495 erbat unb erhielt ba« 
Äatftel ber grauentir^c *>om $erjoge, ber felbft in ©rüntoalb toeüte, 
bie ©rlaubnte toegeu be9 in 2Rün$en $errf$cnben großen Sterben« au« 
ber ©tabt ju fliegen, «rroben IV, 121 v. 




gegenüber bem $efdtfuffe einer Weu$$ßeuer. 



im äuguft 1496 feine ©tänbe unb jmar, ba bie Spibemte in 
äWünchen noch rüc^t erlogen mar, in Straubing. 3n ®eorg« 
8anbc u>urbcn megen be« gemeinen Pfennigs im Saufe be« 
3a$re$ 1496 rrier ßanbtagc abgehalten. 3n beiben Sanbeä* 
teilen fähigen bie ©tänbe baäfelbe ©erfaßten ein, bie ihnen 
mibermärtige Angelegenheit auf bie fange ©anf ju Rieben. Da 
in einem fo neuen unb unerhörten $anbel feine Ungleichheit 
unb 3 e **rennung ter batrifchen Sanbe eintreten bürfe, forbetten 
ftc eine 2Jlafcregel, oon ber ftc mußten, baß bie $erjoge nicht 
gern barauf eingehen mürben: bie (Einberufung eine« gemein* 
famen ßanbtage«. 8luf ba« Drängen be$ Söntgä fotote ber 
$erjogc fam e$ enblidj bod) ju crnftltcher SSerhanblung ber 
grage auf gefonberten ßanbtagen unb nun fonnten bie ©tänbe 
nicht mehr anberä at« garbe befennen. 3luf bem im Sluguft 
1497 ju SWünchen Derfammelten läge erflärte Sllbrechtä 8anb* 
fchaft: ba« römifche Weich fei fd&on öfter öon Ungläubigen unb 
anberen geinben bebroht gemefen unb nodj immer fei eö ge* 
lungen ffiiberftanb ju (eiften ; baß belegen bie beutfehe Nation 
mit einer {RetchGfteuer befchmert merben foHte, fei unerhört. 
91« bann bie töntglichen ©efanbten unb Wibrecht felbft lange 
fchöne {Reben ffklttn f liegen fich bie ©tänbe burd) $an$ bon 
$aul$borf ganj furj oernehmen, fic blieben bei ihrer äntmort. 
Suf eine neue 9lu$rebe oerftelen bie 8anb«h«ter ©tänbe: als 
ber unter ber iüngften Sinie beä ©efamthaufe« ftehenbe ?anbe$* 
teil fßnnten pe nicht vorangehen — mie auch fonft im 9iei<he 
bie Ausflucht beliebt mar, ber anbere müffe ben Anfang machen, 
unb in lefeter Snftanj, nicht mit Unrecht, alle auf ben ftönig 
»arteten. (5rft n>enn bie ffiormfer Orbnung burchauä bofl* 
jogen unb bie SRetch$fteuer von anberen ©tänben unb in«* 
befonbere ben älteren güiften be« $aufe$ SBaiern eingebracht 
fei — fo erflärten fchlteßlich ®eorg« ©tänbe — bann mürben 
auch f le feem ©unfehe be« $erjog$ entgegenfommen 1 ). 

ßrft nach ben Demütigungen beä ©chmetjerlrieg« unb in« 

1) Ärenner, bcf. IX, 357 f. 385f.; XII, 403f. Ultnann 1,555. 
563. 



610 



©rott Qeorgg gegen «Ibrec&t. 



folge ber ©efdfrtüffe be« &on beiben $erjogen befugten Äug** 
bürdet 9teid)$tag« im ©ommer 1500 geltet bie ängelegenhett 
in rafd&eren glu§. Der äugäburger 9tetcb«abfchteb Dom 2. 3ult 
1500 beftiramte: ßurfürften unb gfirflen foüten jum minbeften 
500 9teiftge [teilen; jeber ®raf oon ie 4000 fl. jährlichen 
©nfommen« 1 SReiftgen; Je 400 SDiann in einer Pfarrei, 
1 ©ölbner; bie ®eiftlic$en, ©tifter unb fttöfter, cbcnfo bie 
Äommunen foüten t>on je 40 fl. ®ut 1 fl. geben, jeber 3ube 
jährlich l fl. Die Drbnung foHte fech« 3ahre mähren. 3m 
SRo&ember bequemte fich bann ber oon $Ubre$t nach ÜÄünchen 
tinberufene ßanbtag jur Durchführung biefer ©efchlüffe. Die 
Änlage ber ©teuer marb im Ober» unb 9?ieberlanbe einer 
Äommiffion &on ie fünf $erren, beftehenb au« einem fürfttt$eit 
State unb mer Vertretern ber 8anbfd>aft übertragen, $ofmartt* 
Herren fomie ©tabte unb ÜWärfte Ratten ©erjei^niffe ihrer 
fteuerbaren Untertanen unb Angehörigen einjufenben 1 ). 

3njmifchen ^atte flc^ in bem perfönltchen Verhältnis ber 
beiben $er$oge ein flaffenber 9?tg aufgethan. Slbgefehen Don 
JUbreAt« (Eintritt in ben ©$tröbtf$en ©unb, ber boch ®eorg 
nicht bireft fdtfbtgte, lagt fich nicht nachmeifen, bafj ber SDlfinchner 
$ergog je gegen ba« 3ntereffe feine« Setter« gehanbelt hätte, 
ffienn in ®eorg« ©ruft gleicbmohl ein julefct ju unüerföhnltcbem 
$a& gefteigerter ®roll gegen «Ibrecht fich feftfefete, fo ift bafür 
taum ein anberer ®runb gu finben aW niebriger 9leib. Hu« 
fo verächtlicher ffiurjel foüte ber graufe ©djlufaft ermaßen, 
mit bem bie mtttelSbachifche gamilientragöbie biefe« 3eitraum« 
abfliegt 1 Unb tote meit mar SUbrecht &on einem $otyfrate« 
entfernt 1 Doch feine geiftige Überlegenheit machte fich bei jeber 
(Gelegenheit fühlbar unb föuf ihm höh** äfofehen im State ber 
dürften. 3hm toar bie gamiltenöerbtnbung mit $ab«burg ge* 
glüd t f bie ®eorg, nadjbem fie ihm felbft entgangen mar (f. oben 
®. 442), auch für feine Zoster vergeben« anftrebte. Den 
pfäljifchen öfrben hatte albrecht für feine Softer al« ©räutigara 

1) «renn er IX, 462 f. 475 f. gfir 2anW$ut f. XIII, 259. ©ort 
mar)) bie ©a$e, »ie e* f^eint, fo lange fcerfölewt, bis <Sfa>rg6 eigene 
Lüftungen unb £ob bajwif^en tarnen. 




©eorg« (grbfotgetfan. 



571 



toortoeggenommen. ÜWit einem frönen greubenfeuer unb beut 
®eföute aller ®loden toar in 3Rün$en am 13. SRooember 
1493 bie ®eburt be$ erften $rinjen, ffiityelm, gefeiert toor» 
ben, balb toar ein jtoeiter ffnabe nachgefolgt, n>S$renb ®eorg 
toon feinen ftinbern nur jtoei £öd>ter am Seben blieben x ). 
Älbred&t toar ©d&toager unb greunb be* Röntgä, um beffen 
®unft ber SanbS&uter mit Opfern unb Mnftrengung werben 
muffte. Dachte ®eorg an bie 93erfd>reibung jurüd, burd> bie 
Älbredjt i$m cinft fein i*anb jugefagt $atte, fo ftieg too&l ber 
SJerbactyt in i$m auf, ob ntcbt ber Setter bamaW mit $eud>* 
lertfcfcer SWaSfe nur einen fföber ausgeworfen $abe, ber i$m 
eine g(et$mäf?tge SSerfdjreibung ju 2Ubred>t$ ®unften entloden 
foate. 

3lu3 folctyer Stimmung $erau«, bie fid> mit järttid&er 
JBaterliebe oerbanb, reifte bei ®eorg ber unfeligfte <£ntfd)lu§, 
ber je in ber ©ruft eine« ffiitteWbacfcerä gejeitigt tourbe. ©eine 
ältefte lod&ter <5lifabet$ 2 ) foßte bie Orrbtn feine« SanbeS 
toerben unb einem pfäljifctyen ^Jrinjen bie $anb reiben. 3e 
me$r fic$ ®eorg innerlich t>on Stlbred?t entfernte, befto enger 
$atte er fidfr feinem ©ctyoager, bem Jhirffirften tyjBipp t>on 

1) 9ia$ $fiutle, ffiitt. ©en. 116, ntfren t>on brei e$eli*en ©ftynen 
©eorg$ jn>ei in früher Sugenb, ber Kttcfie, Subnrig, aber erjl im 3a$rc 
1500 geßorben. 2>a$ testete nrirb nriberlegt bur* ba$ leftament t>on 1496 
(Jfrenncr XIV, 64), n>o ©eorg au«brfi<fH<b ertlärt, er $abe feine efceUcben 
€58$ne. ftuntyler (Oefele I, 106) $at nur gerü$ttfteife ton einem 
Änaben (Oeorg) gehört, ber babur* einen frühen £ob gefunben $abe, 
baß tyn bie Hebamme fallen lieg. 

2) ©eorg* jtoclte Softer Margarete trat 1494 in ba$ 2>ominifanerinen- 
flofter 8lten$o$enau. 2)a$ t>fiterli*e £eftament befttmmte i&r eine Hu$- 
fieuer ton 16000 fi. r$ein. ©eint «uSbru* be$ Kriege« (1504) flo^ fie 
t>on bort o$ne ffiiffen tyrer getfttt#en Obern na* Auburg nnb fcoHjog 
na* erlangter Äbfotution unb pfyßlüfcr (SrlaubniS tyren (Eintritt in baft 
»enebiftinerineutlofier bafelbfi, n>o fie feit 1509 al« Äbtiffln waltete, 
1521 triftete fie ©erjtyt auf biefe SBürbe unb flarb 1531. @. u. a. 
Nienburger Soflettaueenblatt III (1837), 78. Über jtoei vereitelte »er- 
Wbniffe SWargareten« mit bem Sanbgrafen ©ifyelm III. t>on Reffen unb 
mit einem Jüngeren Sanbgrafen beSfelben $aufe« berietet ÄolbergerS 
He*tfertigung«f($rift; Oberbaar. 9lr*ib XI, 207. 



672 



2>a* £efiament 



bcr $falg angeföloffen. 3n feinem ©inne mufj e$ gef$e$eti 
fein , mietoohl feine eigene Irägfait me$r aW einmal ben (Sr* 
folg bereitelt Reiben foß, ba§ fein ftanjler ftolberger bie ©e* 
merbungen pfäljifcber $rin$en um ©ifc^offtu^e mit einem Sifer 
betrieb, al$ gälte e$ ©öfaen be$ eigenen gürftenfymfeä. @o 
hatte benn @eorg mit Philipp audj bereit« öerabrebet, ba§ 
einer fcon beffen ©bluten (Süfabeth heimführen foflte. Öhr befahl 
nun feinem Äanjler Äolberger für ihn ein leftament abjufaffen, 
bad (Slifabeth unb beren fünftigen ®emahl aW Srben be* 
ftimrate J ). 

Dafe eine berartige Snorbnung bie fd&nöbefte SRechtäDerlefcung 
toar, tonnte Fein fcerftänbiger unb ehrlicher SWann bejmeifeln. 
Die ginien 2anb$$ut unb ÜÄündjen maren burch ben leilung«* 
Vertrag ber §erjoge ©tephan, griebrieb unb 3ohann Dom 
3ahre 1392 begrünbet. Darin mar mit Haren ©orten au£* 
gefprodfcen, baf? beim Langel männlicher SRachfommen ber einen 
?tnie ber erlebigte ganbeäteil ben anberen Sinien juf allen follte. 
Überhaupt fdjloffen im tMttel$bad>i}c$en $aufe $erfommen nrie 
gefchrtebeneä SRecbt üon jeher bie Ü&hter Don ber (Erbfolge au«. 
3um Überflug $atte Subörig ber 9tei<he im SBeginn feiner Re- 
gierung, als t9 galt bie SRündjner Sinie megen be$ ihr ent* 
riffenen Ongolftabtcr (SrbeS ju befchtorichtigen, Stlbrety III. unfc 
beffen ©öhnen, fall« feine eigene Sinie erlösen foßte, au«* 
brüdlidfr ben Slnfaß feine« 8anbe« jugefagt *). ©elbft&erftänblich 
toar ferner bie Ungiltigfeit jeber teftamentarifetyen SBerfügunj 
über ein SReicbälehen , menn nicht bie fömglicbe 3 u f^ minun ft 
gewonnen mürbe. Unb toer $ätte ni$t mit ©icberheit vorher* 
gefehen, ba§ fld> ber SÄüntyner $erjog feine« <Srbe« ni*t toiber* 
restlich berauben laffen mürbe, rner hätte nicht bie (Sinmtfchung 
beS SluSlanbeS, bie Oreuel be« ©ürgerfriegeä , ba« SSerberben 
mm ganj ©aiern al$ unoermeiblic^e golgen folcher ffliflfür }U 
prop^eien gemagt! 

1) ©. ÄotbcrgerS 9?e^tfertigung«f(hTift im bie im flgb. 
3ftcr benufct x% unb ©ctß im Oberbaar. Britto XI, 187 f. 

2) Uttunben &on 1450, 2>«j. 16. u. 17., bei 3ainer, Oefele II, 
356. 358. 




#er$og ©corg« *>. £anb«t)ut. 



578 



5Der Jfanjler ^atte ben 2But, feinen $errn auf tote« alle« 
aufmerffam ju machen f audh ju bemerfen, baß bie Sanbfchaft 
nur ihm unb feinen männlichen (Srben gehulbigt habe. Doch 
bei feinem $intoei«, ba& bie rechtmäßigen Srben bie äßündjner 
$>erzoge feien, braufte ©eorg auf: eher tooüe er, ba& fie „bie 
geifel - l ) hätten, al« bajj fie einen Pfennig feine« ©ute« erbten, 
ftolberger lenfte bann ein unb riet ba« 3iel, menn e« benn 
fein müßte, boch lieber burch Unterhanblungen anjuftreben. <Sr 
entfchulbtgte feine Steigerung ben herzoglichen Auftrag ju t>o(l* 
Ziehen mit Sßangel an (Erfahrung in ber Slbfaffung bon SEcfta^ 
menten, erreichte aber baburch nur, bafj ©eorg fiefa eine« 
anberen SBerfjeugeö bebiente. 

Sm 19. ©eptember 1496, beoor ber ^erjog nach Statten 
aufbrach, mürbe ju griebrich«burg, bem iefcigen 9?eufchlojj bei 
8ampert«heim in Reffen ba« leftament *) nach ©eorg« SSJunfche 
ausgefertigt, ffilifabeth timrbe, fall« ©eorg feine männlichen 
Crben mehr erhielte, al« bie (Erbin beftimmt. 811« (S^efteuer 
mürben ihr für biefen gall 32000 fl., fonft 70000 fl. au«* 
getoorfen. 91« fünftigen ©emahl ffilijabeth« bezeichnet ba« 
leftament Sub&ig, {Ruprecht ober grtebrich, ben elften, britten 
ober bierten ©ohn be« Äurfürften ^ß^tlipp. 5Der jmeite ©ohn 
Philipp towfot nicht in ©etracht gezogen; burch feine anlagen 
toett beffer al« {Ruprecht für ben fachlichen SBeruf geeignet, 
befleteete er bereit« mehrere DomhenenfteUen unb mar oon 
ber gamilie für einen JBifchofftuht beftimmt. öl« £eftament«* 
bollfirecfer mürben bezeichnet : $falzgraf $hUipP r ©eorg« 
©<$toager (oon bem ber $erzog bemerfte, niemanben gönne er 
fein 8anb lieber al« ihm), ©ifchof öorcnj bon SBurzburg, 
^faljgraf Dito bon SReumartt, ©raf SBolfgang z« Oitenburg, 
ber fianzler Äolberger, beffen JBiberftreben ber Herzog bamal« 
mohl noch in überminben gebachte, ©igmunb oon grauenberg, 

1) ©ne 2>rfifenfranthelt ber^ferbe; f. ©cbmeller-gromann, 695. 
©eiß la* «genfer, »a« feinen ©inn gibt. (Sine anbere berbe Äuße- 
rung Öcorg« in gleichem ©inn f. cgm. 1590, f. 158. 

2) SSoUpfinbig bei Brenner XIV, 63-85. 



574 <Slifabet$4 JBctnrityhmg mit 8toprec$t t>. b. $fal$. 



§err jum $aag, bie Slentraetfter unb bie Pfleger an ben 
mtchtigften $läfcen beS §erjogtumS. 

10. gebruar 1499 mürbe ju §eibelberg ©lifabetfc* 
SSetmitylurtfl mit bem achtjehnjährtgen JRuprecht oon ber $falj 
gefeiert. Dag m$t $$ilippS ältefter @o$n gubmtg als ®e* 
ma$l auSerfefcen mürbe, geföah otelleidjt in ber (Srmägung, bag 
eine ^Bereinigung ber $falj mit Sßieberbaiern in einer £>anb 
auf nod> größeren SBiberftanb flogen mürbe. Hu$ 9?upre($t 
mar tote fein älterer ©ruber Philipp bereite mit oetföiebenen 
geiftlichen ^Jfrunben auSgeftattet, ja feit Anfang beS 3afrc$ 
1496 als Stominiftrator beS JBtStumS greifing befteüt unb feit 
24. 3uni 1496 bort int^roniftert. Da er jeboch nur bie nie* 
beren äBetyen empfangen hatte, fonnte er (3. Dej. 1498) auf 
feine geiftltchen ffiürben Oermten. 2)aS Söistum &reiftng, u>o 
ber fiinflug beS SanW^uter $ofeS übermächtig mar, liegen bie 
$fäljer barum nicht aus ber $anb. SRach bem 2$ergi$te 
{Ruprecht« erhielt eS ber ältere ©ruber Philipp, ber bie ^rieftet* 
meihe erlangt hatte, juerft als Äbminiftrator, fpäter als SJtfchof. 
Dag ber $apft feine DiSpenS jur (£h* ber ©efchmiftertinber 
erteilte, erregte grogeS SlrgetniS; aus folgen SJerbtnbungen, 
miber bie Sßatur, miber $rtftli$e Orbnung unb ©efefc, meinten 
3eitgenoffen *), emfpringe nichts als Unheil. 

S3on nun an mar ©eorgS tytytrt 3iel ber (Erfüllung feines 
SieblingSmunftheS ben SBeg ju bahnen. <£S galt SRuprechtS 
Änfprüche auf bie Srbfdpft nach firäften ju oerftärfen, bie 
Untertanen für ben ©chmtegerfohn als fünftigen SanbeS* 
herrn ju geminnen unb ihm jebon jefct einen Seil ber 3Ra$t 
in bie $änbe ju fpielen. Darum aboptierte ®eorg feinen 
©chmtegerfohn (1501) ') aber auf ÄotbergerS 9tat, bag er ihn 
nach SanbS&ut jelbft berufen möge, ging er nicht ein, mahr* 
fcheinlich ©eil ihm ein feiger 3euge feines ÖebenSmanbelS un- 
bequem mar; fröhnte er boch feinen SBegierben noch in ber 

1) Cgra. 427, f. 251; Rainer bei Oefele II, 348; güetrer, 66; 
«ilian 2eib, 543; ©ebalb ©amberger, 253. 

2) @o naä) bem Sortrage beS Grafen oon 2eonfleiu öor ber Sanb» 
f«haft; *Jöiner. 371. 




albrecht« (Erbrecht bon Ä. SJtojc anertannt. 



57* 



3eit, ba er ben lob fchon nahe bor fidj fah- £>amit SRuprecht 
für ben gall feine« lobe« gleichttoht ber SJefifc ber Öanbe«- 
bauptftabt gefiebert märe, fchrieb er (2. ÜÄärj 1502) eigen- 
hänbig eine SBollmacht nteber, meiere feinen $ofmarfchall ©ig- 
munt) bon grauenberg jum §aag, Mbam bon Störring gum 
®tein unb <£ra«mu« bon ®eibolt«borf anroieg, in biefem Salle 
©tabt unb @d>lo§ 8anb«hut fogletdj an SKuprecht uno beffen 
Oemahitn ju äbergeben unb bie ^Beamten für biefe in Pflicht 
}u nehmen 1 ). 

Sllbrec&t febeint frü^eittg oon bem 3n$alte be« leftament« 
ftunbe erlangt ju ^aben unb beeilte fi$ oon feinem föniglichen 
©chfcager eine Slnerfennung feine« (Erbrechte« }u erlangen. 
©d?on am 23. SDtoi 1497 [teilte ihm ÜÄafimilian ju Kauf- 
beuern eigen^änbig ohne SEBiffen fetner Äanglei bie urfunbltche 
3ufi^erung au«, er fei nicht gemeint ju buloen, bag ®eorg 
fein gürftentum ober etma« baoon, fo oon altertet jum §aufe 
©atern gehöre, ben natürlichen (Erben, treibe 3Ubre$t unb feine 
©öhne feien, entgehe; follte ein SBerraächtni« berartigen 3n» 
halt« bereit« erfolgt fein ober fortan erfolgen, fo toirb e* 
hiemit für fraftlo« erflärt 2 ). ©ergeben« bemühte fich ©eorej 
ben ftöntg, bei beffen neu errichtetem (Dej. 1497) Jpofrat er 
bie ©teile be« $ofmeifter« übernahm 3 ), gu feinen Ounften g& 

1) ärenner XIII, 345 f. 

2) bei ffrenner IX, 382. 9ia<h Kölner in cgm. 1592, 
f. 291, hat 3llbre*t biefe eigenhänbige (SrflSrung be« $önig«, tmemoht 

niebt« anbere« befagte, aß baß ftedjt föecbt bleiben fofle, nicht einmal 
ohne 3ugeftSnbni9 bon feiner ©rite erlangt: er [oü SRajimilian auf ber 
3agb bei @tam« jugefagt haben, bie burch ba« anwerben ber ©rafen 
»on ©örj eröffneten bairtfehen <5rbanftrü<he, über beren gemeinfame S5er- 
fe^tnng er vorher mit ©eorg ju ftat gegangen mar, fallen ju laffen. 
2)a 2RajriraUiam? eigenha'nbige (Srtlärung bon 1497 batiert, ber le&te 
©raf bon ©örg, Seonharb, aber erfl cm 12. Styril 1500 flarb, tann fich 
bie ©ache nicht böttig fo behalten haben, to'xt Äölner meint; ettoa« 
ffiahreö bürfte jeboch bem ©eriebte be« h^)Ogli(hen Sertrauten jugrunbe 
liegen, toahrfcbeinlu* hobelte e« fleh um bie borauSgefchcne (SbentualitSt 
be« fcuSjtaben« ber ©Brjer. Sgl. auch oben, @. 515. 528. 

3) 2)ie er bi« 1502 inne hatte. 6. ttofcnthal, ©cfö. b. ©cricht«- 
toejen« u. b. EertoaltungSorgamfation ©aiern« I, 263. 



576 



ftfiftungen ©corg*. 



ftimmen. Sttbredjt* ©efonbte fchriefcen einmal an ihren $errn, 
toenn ®eorg fich fo eifrig am fönigtichen $ofe tummle, an 
fiuftbarfeiten unb Stornieren bort fcheinbar nicht genug be* 
fommen fönne, geföehe e$ nuht ju feiner ßuritoetl, fonbern 
nur um ben ÜWüncfcnern einen blauen $)unft torjuma<hen; er 
toiffe, n>a$ er motte: bie SÖeftöttgung feine« leftamente« 1 ). 
£>od> baä eifrigfte eingeben auf 2Jiaf imilianä Liebhabereien ter= 
fehlte ebenfo ba$ 3^ öh* Wn* iEetlnahme am itatieniföen 
unb gelbrifdjen gclbjuge. 

(Ein fernerer Jfcieg fdjien unoermeiblid^ unb beibe Settern 
rüfteten nach ffräften. ®eorg erlieg feit 1501 tmeberfcott äuf* 
geböte in feinem 8anbe unb nahm eine ja^Iretd^e SRitterfchaft, 
befonberö au$ granten, in feinen ©olb. 2ln feinem $ofe 
fammelten fid? allmählich Sanbgraf 3ohann ton Seuchtenberg, 
®raf ©althafar ton ©chmarjenberg , ®eorg ton SRofenberg, 
®eorg ton fibleben, ©igraunb ton I&üngen , tfubtoig ton 
Hutten, ®raf Öubroig ton ßömenftein (Öeonftein), ®raf $aug 
ton SDiontfort unb Sregenj 2 ). 35on furftlichen ©unbeägenoffen 
aber formte er nur auf bie $fa(jer unb ben ©ifchof ton SBürj* 
bürg rennen. Um bie ÜRittel ju feinen oorbereitenben SRü* 
ftungen ju gewinnen unb feinem Nachfolger ©eitere ju fuhern, 
trieb ber „reiche $erjog\ fcer SBefifeer be$ ungeheuren ©urg* 
haufer @d?afee$, eine fehlere ©teuer ton 100000 fl. ton 
feinen Untertanen ein 3 ), |a freute fich nicht ben ©chafc ber 
altberühmten SBallfahrtälirche ältötting juplünbern: juerft ent* 
nahm er ihm 20000, bann nochmal 60000 fl. unb mehr att 
fteben tyntmx ungemünjte* ®olb 4 ). 

1) Brrobcn III, 446. 

2) 3attier, 363. 364. ©eitere Warnen ton $elfern »m>re$t« 
(u. o. Graf ffiil&flm ton $enneberg, ©raf ©ernfcarb ju (Sberftein, öeorg 
$err ju Himberg, SRang ton $aföburg, SSBUaolt ton ^ajaumburg) an« 
ben Abriefen bei Oe feie II, 442. 478. 

3) ffieläjc jebo$ bei feinem Xobe bie Sanbfäjaft i^m noa) niäjt au«* 
gehanbigt hatte, ©. «renner XIII, 360-366. 

4) @o flogt $ropp Sodann ton «ttßtting; Är cnner XIV, 139. 
3nr ©eftätiguug bienen Urtnnben einerfeit« brt ^faljgrafcn Äuprtdbt, 
anberfeit« bcG #an« wn ©obman unb ©eifrieb ton $5rring t. 5. Styril 



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©turj be« Äanjler« Äolberger. 



577 



«brecht fam e« iefet guftatten, baß er fleh bcm @<htoäbifchen 
©unbe angeföloffen hatte. 1500 lieg er jich auf »eitere gtoMf 
3ahre barm aufnehmen. SRach bcm gu (Sglfatgen am l. gebruar 
1500 gefchfoffenen ©unbe«&ertrage foHte er gum ©unbe«heere 
200 SJlann gu $ferb unb 1000 gu guß ftetten. 

SSä^renb fo beibe Parteien unhetloerfünbenbe SSorbercitungen 
trafen unb mit ängftlicher Spannung fleh beobachteten, forberte 
©eorg« »erblenbung bereit« ihr erfte« Opfer. 2lm Oper- 
fonntag (27. SJlärg) 1502 toarb gu ?anb«hut auf ©efehl be« 
$ergog« fein Äangler SBolfgang Äolberger gur $aft gebraut, 
au« melier ber Unglficlliche erft nach fiebgehn Sauren, al« ge* 
brod&ener ®rei«, befreit »erben foHte. Über ben Hnlaß feine« 
©turge« toarb mancherlei gefabelt; ber toahre ©runb mar, mit 
fich faum begtoeifcln lägt, be« $>ergog« SBerba$t, baß ber Äangler 
ben 3nhalt feine« SEeftamente« an $>ergog Hlbrecht »erraten 
habe. «forest« »tat $an« $aul«borfer tirirb al« bie SRittel«* 
perfon genannt, ber Äolberger ba« ©eheimm« mitgeteilt ffaht. 
SBie mir ermähnten, hatte ber Äangler feine äßi&btUtgung be« 
leftamente« gu erfennen gegeben. £)agu fam f baß er t>or 
einigen Sahren (8. gebr. 1498) Don $>ergog 2llbre<ht bie $of* 
matt ©Dönberg im ©erichte Donauftauf gefauft hatte. £)iefe 
beiben Umftänbe »erben in ®eorg« argtoöhnifcher ©ruft SDH^ 
trauen gemedt haben; ob noch anbere 83erbacht«grfinbe ein* 
totrften, ift nicht befannt. Äolberger beteuert in feiner 83er* 
tetDtgung«(cbrtft, bie er im Äerfer in 9ieuburg oerfaßte *), baß 

unb 27. SWärj 1504, »orin bie genannten bereinigen, ba« auf $efe$l 
$. ©eorg« „toegen ber forglichen iföufe" ton Bltötting in ba« ^loß 
Storghaufen gebrachte (Mb nebß Äleinoben übernommen gu haben (9t.»9., 
«horjHft «Itötting, gafo. 10). «rnped« gortfefcung faßt bie« al« ein 
Qeorg (toohl nicht gang freiwillig) gegebene« Darlehen; cgm. 2817, f.368v. 

1) S)iefe« jc^t im 9teich«archit> beflnbliche Schreiben, unfere »ichtigfk 
Duelle, iß (1517?) an 3bam t>on fcbrring al« Statthalter, Sttfctmn, 
Hauptmann, unb Ulrich t>on $Kber«borf, bte Äolberger »egen einer Rechts- 
frage um Rat angegangen hatten, gerichtet. Geiß h<*t e« in feinem Der- 
bienfUichen Stoff afce über Äolberger im Oberbaverifchen «rchi* XI, 187 f. 
guerft aenoertet, auch fonfl reifte« SWaterial gefammelt. €>. bef. aueb 
etainbl bei Oefele I, 542; <5hmel, «egeflen Ä. griebrich«, Wr. 8779 

«teilet, ©cföU&tt ©alentl. III. 37 



678 



gergog (fikotgS Jtostiter. 



bie ©efd&ulbigung ®eorg$ unb feiner SRa^foIger eine unbe* 
grünbete fei, ba er meber feinem §errn no<$ ben $fatjgrafen 
Je ju Schaben gehantelt $abe, unb biefe Huäfage erf<$eint um 
fo glaubroürbiger, al* ba« leftament Diele SRitnriffer $atte unb 
att $>eraog SUbredfrt loenigften* fyäter beim grieben«oertrage 
ßc$ bodfr too$t für ftotberger bertoenbet $atte, ofire er p$ 
bemüht getoefen, baß biefer feinettoegen im Äerfer fömatye; 
ftatt beffen $at aber Älbrec&t fogar feine ©eftfcung iReufoIberg 
eingejogen *)• 

©taunenb Ratten bie 3 e ^noffen bisher bie unerhört glücl* 
Iväft Sebenäbafyi biefeä 3Ranne6 »erfolgt, ber oon niebrigem 
©tanbe }um Äanjter, SRcicfcflfretyerrn unb Orofjgrunbbeftfeer 
ftc$ aufgezwungen $atte. ©ein Sater toar @$ulmeifter unb 
SRegner in «Itötting. Drei ©rüber Ratten fic^ beut geift* 
liefen ©tanbc getoibmet, noc$ einer tum i$nen, (Seorg, ftieg 
ju $o$en 8$ren empor, i$n fömüdte bie btfööflictye 3nful in 
(Surf, ffiolfgang, Don ©eftalt Kein unb unanfefytlufc, aber 
ein fluger unb ungemein getoanbter Hopf, ftttte in ©aljburg 
ftubiert, bann in ber $erjogIic$en Äanjlei in 8anM$ut unter 
äRartm STOair eine Ie$rretc$e ftaattm&nnifcbe ®$ule burdfr* 
gemalt. Dag er gleich feinem ßefrrmetfter für fetbft too$l 
ju forgen berftanb, zeigten föon in feiner Sugenb bie ja$t* 
reiben Pfarreien unb geiftti$en $frünben, bie er attmä^lty 
ertoarb. Hl* jeboc$ feine toeltltfy 8aufba$n gefiebert toar, jog 
er e$ oor, ben geiftlkfcn ©tanb aufjugeben unb ftd? ju Der* 
heiraten. Unter bier ftanjlern $atte er ben $>erjogen ?ubtoig 
unb (Seorg bereit« gebient, als tyn ber" lefctere 1487 felbft ju 
feinem Äanjler ernannte. 3n biefer Stellung oetftanb ber ge* 
toanbte 3&8K n fl ÜÄartin 9Rair$ mit beftem Srfolge bem 3nter* 
effe feine« $errn ju bienen, ber tyn toä^renb feiner Hbtocfen* 
$eit toieberfcolt (fo 1489, 1495) aW Statthalter befteUte, mit 

unb 8831. 2>ie 2anb«$uter @tabt($romt berietet falfä, ba| Äolberger 
eingemauert »otben fei. 

1) ©rollte et Äolberger etma megen bei Haltung be$ Sanbtyttter 
$of* 1492? 




ffiotfgang Äolbcrgcr. 



579 



bem ©ertöte 2Rermofen, ber $errf($af* ffiilbened unb anbeten 
(Sütern belohnte. 96er aucfc bem alten Jtaifer griebridfr toufjte 
ftolberger fic^ fo angenehm gu machen, bafc tyrn biefer mit 
feltenen Sütfjeid&nungen feine ®unft ertpieö. Sta ber ©teile 
be« ©auern^oftf, tum too feine Sinnen ausgegangen, $atte er 
ftcfc ein ©ctyog gebaut, baä nocfc $eute fte^t: SWeufolberg bei 
Ältötting. $erjog ®eorg er$ob bie ©efifeung jur $ofmarf, 
ber Äaifer erflärte fte (28. Stuguft 1492) jur «eic$$graffdWt, 
nad&bem er intern ©efifeer (9. üRärj 1492) bie Keimfrei* 
$errenn>firbe fcerliefcen $atte. Unb Don folget $ö$e nun fcerab* 
geftfirjt unb verbannt ju »erben Gintec fterlermauernl Die 
SRetbcr ju befötoid&ttgen mar bem (SmporKmmling nicfct geglfidt. 
dt tpirb fcerjicfcert, biefer 3ac$Su$ bon ©tatur, ber fo prunfoott 
aufgetreten, fei $oc$* torie SGiebriggefteflten gleich toibermärtig ge* 
toefen unb jebermann $abe feine 93er$aftung gern gefe^en. ©er 
Dieter (Seltiä, gegen ben er fi<$ $oc$mfitig benommen )u $aben 
föeint, erteilte i&m in beigenben (Epigrammen $8$nif$e 9tatf<$läge, 
toie er ft$ att Äanjler gu benehmen $abe, fpottete über ben ©tot} 
be$ äleugeabelten unb über bie perfide, bie ben fallen ©Reitet 
be* früheren ftleriferä beberfte *). 3n ©urgfywfen, too^in ber 
(gefangene juerft gebraut tourbe, mar feine $aft no$ mtlbe; 
er burfte bie ftirc$e, au# ein ©ab befugen, burfte fein ffiiffen 
jur Äbfaffung ftaat$ret$tlic$er Hbfymblungen oertoerten, tooju 
man tyn mit ben nötigen SUten unb ©fiebern t>erfa$. ©eine 
f$lhnmften Sage brauen erft an, att bie pfäljiföe Regierung 
®eorg$ $afj gegen i$n erbenb, ja fiberbietenb, tyn naety 9ieu* 
bürg a. b. 2). braute, in ein finftere«, fibelrie^enbe* ®efangni$ 
n>arf, SMangel an 9ia$rung leiben lieg unb Don ber Hufjemoelt 
fo abgesoffen $ielt, bafj er nic^t einmal toufjte, ob feine grau 
no$ am geben fei. flfrft 1519 (16. Stprit) öffneten fi$ tyw 
bie fterfert$ore, oieHekbt weil feine 83erteibigung$fc$rift tyre 
ffiirlung ni$t t>erfe$lt $atte. ©eine eingejogenen ©fiter aber 



1) gfinf ©üc^er Epigramm« ton Gcltift, ed. $artf«Ib«r II, 76. 
78. 80. Kolborna ift Äotfcrgcr. 



37* 



580 



8or ber Äotafrroj>$e. 



erlangte er m$t jurfid unb arm, tote begonnen, fcfcutt er fem 
8eben Befc^Ioffen ju $aben 1 ). 

3m §erbft 1503 lieg eine ernfte Srlranbing ®eorg* ba* 
(Eintreten ber Äataftrop&e ermatten. Die trjte Woben bie 
@#ulb ber Ärantyeit auf ein Nürnberger Stornier, too ber 
$erjog Don ftSnig aWajimilian, einem ber erften SEumterfclben 
ber 3eit, gar ju berbe ©töjje unb Treffer auf ben ÜRagen 
erhalten $abe*). Sie rieten jum <$ebrau$e be« ffiilbbabe* 
bei Salto unb in einem Wofltoagen trat ber $erjog bie Steife 
ba$in an, nad&bem fein lefcter ©efe$l au« 8anb$$ut (23. ©ept) 
S3ereitf($aft ber 8anbtoe$r angeorbnet $atte 8 ). Untertoeg*, in 
Eutingen, Derfäletyerte ju$ fein ©eftnben fo fe$r, bag er auf 
ben Wat be« Ulmer ärjte« Dr. ©toder ju @<$iff na$ 3ngot» 
ftabt umte^rte. Dort befteHte er töupre^t, ber am 24. Ottober 
feinen Cinaug in 3ngolftobt fytlt, ju feinem Statthalter im 
$eraogtum 4 ) unb forberte junäd?ft bie ©firgerfefcaft 3ngolftabt* 
auf, feinem @<$toiegerfo$ne ju fyitbigen. aber föon liefen 
toarnenbe ©^reiben Älbred&t« (Dom 4. 9?ob.) unb be* Ä5mg« 
(Dorn 24. Oft) ein: ber erftere begrünbete unb toafcrte fein 
(Erbrecht; ÜRajimiltan bro^te jebem, ber einem anbeten att 
»tbred&t ^ulbtgen toürbe, ©träfe. Der 9tat beföloji bem 
lanbe*fürftli$en ©efe$l leiste golge ju letften, mufte fic$ aber 
bann ju feinem Cntfefcen gefallen laffen, ba§ ®eorg ber ©tobt 
brei $aui>tleute Dorfefcte, ben ®rafen ©altfcafar Don ©$toarjen> 
berg, $errn ©ern$arbin Don ©tauf unb Ulri$ ÄlberGborfer *)• 
9to$ toi^tiger für ba* (Seiingen be* $erjogft$en $tane* mar, 
ba§ fty Wupre^t ber @<$ldffer 8anb*$ut unb ©arg^aufen be» 
mäßigte, fo lange noefc ba* äÄad&ttoort feine* @$toiegerDater* 
fcerrföte. 3n ber legten 9loDembertoo$e erfolgte bie ©efefcung 
ber beiben burdfr ben $fät)er o$ne nennenttorrte ©cfyoiertgfett, 

1) ÄÜian fcib, D. «retin, öeitrSge YU (1806), 552. 

2) ©fyrenb 3ainer, 350, meint, bie Äranfl&dt t6nnte au$ Mm 
Dielen »3utrinten" getanmen fein. 

3) Jtrenner XIII. 357. 

4) Oefele II, 473. 

5) 3ainer r 350-361. 




Xob $. <8eorg« ton Sankst. 



681 



toenn au$ in ©urgfcaufen bic ©ürgerfctyaft ein paar ©tunben 
fi$ toeigerte i$m (Hnlag gu gerttyren ©ew $ofmarfc$alI 
©igmunb oon grauenberg oerba<$te man e« an «lbred?ts §>ofc 
ferner, bag er fltupred&t no$ Bei ®eorg$ Sebgeiten frilbigte*). 
(Sin f^etet ©d&fog für bic $fälger mar c«, baß $ranfrei$, 
mit bem fturffirft ¥$tlipp ein ©ünbnrt abgesoffen fratte, im 
$erbft 1603 feine Huäföfrwng mit Äönig 3»ayimilian ooQgog 
unb infolge beffen feinen früheren SSerbfinbeten im ©ti$e ließ 8 ). 

Hm 1. £)egember morgen« na# 7 U$r ftarb ®eorg im 
neuen ©Stoffe gu Sngotftabt, toä^renb er in einem ©tutye 
ßfcenb ber SWeffc betoofyite. ©ein lob toarb bi* gum 6. ge* 
$etmge$alten. Hm 6. toarb bie £ei$e na* 8anW$ut über* 
ffl^rt unb bort am 9. beerbigt 4 ). 

ffiäre (Seorg im äbrigen ber oortreffli^fte gfirft getoefen, 
bie rec^Wtoibrige ffiillfür, mit ber er am ©bluffe feine« geben« 
felbftffi$tig ba« SSerberben über fein 8anb $eraufbeföu>or, mürbe 
genfigen ade feine früheren SSerbtenfte ju oerbnnfeln. aber in 
feinem gangen geben fibertoogen toeitau« bie ©dritten. Dem 
ÄröfuS toirb eä immer leicht ßobrebner gu finben. 3mraer$tn 
mögen bie 8obft>rfic$e ni$t unbegrflnbet fein, bie i$m na* 
mannen Seiten gefaenbet »erben. 5Do* biefelben 3*Ü8*n°ff*ii 6 ) f 

1) «rnpeef« gortfefcung, Cgm. 2817, f. 364. 

2) ©unneberg« @t>ruä>, &. fiüiencron II, 499. 

3) 2>ie Unflat, baß biefe ©enbung für ben Serlauf be« Erbfolge» 
triege* gerabeju entfa^eibenb geworben fei, vermag i<$ ieboa) nt*t gu teilen. 
$ie franj8fifa)e Unterßfifcung mürbe fi$ fe$r wa^rfaVlnlfo) auf Gelb be- 
fä)r5ntt unb nur fo biel betoirtt $aben, ben tfSljtföen ffiiberftanb gegen 
bie Übermalt etma* ju fcertöngern. 

4) 3ainer, 362 f. S)ort au* @etrion0befunb, toona<$ ba« $erg 
gefuub, aber bie &ber „toi* erfotten unb botter bBfer ©faitern" »ar. 
<5in gtoeiter Sngolpfibter ©eriajt bei Oefele II, 494. Cgm. 5009, 
f. 140, ebtert bei ©eftenrieber II, 222f. ffiürbinger* Urfunbeu- 
aufyfige, €>. 304, Wr. 24. gugger* anelbotenbafter ©eridjt (cgm. 
900b, f. 4v— 5v) ISßt fw) burä) bie 3eugniffe SRSfcrfte&enber in mehreren 
fünften miberlegen unb berbient im allgemeinen (eine ©eaä)tuug. 

5) ©ef. ttumtfer bei Oefele II, 106. $er 9tber9ba$er füt Tiaxtx 
(Marius) beroeifx bura} ba« Georg gefoenbete 80b nur feine Untenntni« 
ober Urteitttofigteit. — $ortrteettef be« jugenbtt<$-fä)itoen Georg unb 
feiner ©etnatyin in ber @c$loßfaj>efle gu ©urgfywfen. 



582 



(SfyrcatterfcUb Oeorgt be« föeü&ett. 



bie an i$m ©erechtigfeit im ®eri<$t, ®eneigt$ett ©<hulbtge ja 
begnabigen, 3Wilbt$fitigfctt gegen bie Srmen unb ben bent ftleru* 
gemährten ©chufc rühmen, fabeln boc$ fdfron feine ®ier nach 
(Selb nnb ®äfifyn f feine ungejügelte 3agbleibenfchaft, Aber ber 
er oft ernfte ©efchafte berfäumte. Sine eigentümliche (Semohn* 
hett be9 Surften mar, ba§ er oft in ärmlicher, ia fchmufeiger 
«teibung bie ©täbte feine* Sanbe* befugte, »ei ihm 3utritt 
)u erlangen mar nic^t leicht, menn mir ben fttagen ber {Ritter* 
fchaft bon 1499 glauben *), fogar unmöglich, ©eine Neigung 
ju 3wrücfgejogenheit unb (Einfamfeit bertrug juh jeboch mit 
jeitmeiligem prunfbotlem auftreten an fremben $5fen. @ie hing 
moht mit feinem ^erborftec^enoften Safter jufammen: bie f^on 
bei feinem 33ater ftat! ausgeprägte ©tnnlichfeit mar bei ihm 
ju folgern ®rabe gefteigert, ba& auch bie in biefem fünfte 
äugerft nachfichtigen £eitgenoffen Hnftog nahmen. SeltiS $at 
(SeorgS jügellofe Äuäfchmeifungen in Epigrammen gegeigelt, 
bie fich ber ffiiebergabe entjiehen*), auch ^ettmfe^e unb (Seorg 
fonft mohlgeftante S^roniften mie ärnped, $auer unb JRumpler 
laffen ihren «bfdjeu burchbliden s ). ffiie ber leitete erjählt, 
jog ber gürft feine „greunbtnen" fogar an bte ^erjoglU^e 
SEafel unb bei feinen äuäfahrten prunlten fic neben ihm im 
$erjogti$en ffiagen. ffitber (Sott unb getftliche Orbnung, 
flagte bie ffittterföaft 1499 , fei e$, mie ber §erjog grauen, 
unter bem ©otmanb fte unter feinen @$ufe ju nehmen, oon 
ihren Sßännem reiße 4 ). Die beHagenSmerte $olenprinjeffin, 
beren <&fft ein fo glfinjenbe« $o$jeit6feft eingeleitet hatte, fah 
fich balb nad^ ©urghaufen bermiefen, mo fie nur ff\t unb ba 
ben ©efuch ihre* erfalteten (Satten empfing. fihebrecherifch — fo 
fingt Äbentin 6 ) brei 3ahre nach ®eorg$ lobe — berfchtojj 

1) Ärenner XHI, 28. 

2) gfinf »ü($er (Epigramme, ed. ©artfelber II, 92—94. 

3) Charafteripifch ift Ärnpecf* (c. 416) ©$Ubermtg ton $corg€ 
Aufenthalt in SBien 1480. 6. au$ @untheim bei Oefele D, 568; 
gfietrer* gortfefcer, cgm. 1590, f. 145v. 

4) Ärenner XUI, 27. 

5) Mgebtty auf «ftrety IV., ed. ©. 2Re*er, ftrft 48. 




Stellung Ä. SWafimtliauö im 2anb«huter (St&fafl. 68S 

bet $erjog auf einfamer ©urg bie (gemalte, bie einen beffeten 
(Batten Derbient hätte. Wach einanber mar brei bairtfchen 
gürflinen ba6 fpxtt ©efchid belieben in biefem ©chloffe fem 
vom lieblofen ©atten bie 5Eage ju vertrauern. 

Sluf bie Sttachricht von ®eorg« lobe ritt atbretht ohne 
©äumen nach Ulm, too ber Röntg eben einer Serfammtung 
be« ©chtoäbiföen S3unbe* beitoohnte, unb erlangte am 9. De* 
jembet auf bem Wathaufe für fict> unb feinen ©ruber ffiolf* 
gang (©igmunb fear am 1. gebruar 1501 geftorben) bie ©e* 
lehnung mit ®eorg« 8anbe«eil. 3u feiner gerben (Snttäufchung 
mufcte er jeboch föon bamatt erfahren , bag fein föniglicher 
©chtoager in biefem $>anbet nicht allein von ben Sorberungen 
be* SRech» unb feinem früher gegebenen 83erft>re<hen fleh leiten 
laffe. aRofimilian belieb «(brecht« ©efuch juerft abfötägig 
unb fuchte ben §erjog auf eine gütliche Vermittlung mit 9tup* 
recht unb ber Sanbfchaft ju verttöften. <5tft att «Ibre^t fleh 
bamit nicht jufrieben gab unb at« bie State be* ©chtväbifchen 
SSunbe* auf be$ ftSnig* Anfrage ftc^ einbettig bahin ausbrachen, 
baß ben STOfinchner $erjogen al$ ben einigen ötrben vom SOlann** 
ftarame bie ©elehnung nicht vorenthalten »erben bfirfe f ^atte 
er nachgegeben unb jugletch nach 8anb$h«t eine ®efanbtfchaft 
gefchiclt, um Öiuprec^t abjumahnen, bafj er fleh ^ulbigen laffe. 
9Luf SBunfch bc« ftönig* richtete fogar ber $apft unter an* 
brofying Ärmlicher ©trafen ein abmahnungäfchreiben an ben 
«urfürften Wiltyp (20. Sanuar) l ). ©er ©etehnung aber 
tearb vom Äönige eine verhängnisvolle »laufei hinzugefügt 
©eil ®eorg burch ba« toiberrechtliche leftament mit feinem 
gfirftentume bem Sehen^errn unb {Reiche ju ©(haben gehanbelt 
habe unb au« anbeten Urfachen eröärte SJlajfimilian „uteri* 
liehe* Sntereffe unb anfprfiche" auf bie (Srbfchaft ju tyüm. 
Daher motte er bie ©elehnung nicht anber* vottjogen tyibtn, 
al« ihm an biefen {Rechten unfchäblich fei, in bem guten 83or* 
fafee, mit aibrecht unb ©olfgang mit ber Seit in aller greunb* 
fchaft {ich barfiber ju vertragen *). auch toax in bem Sehen«* 

1) Älüpfel, Urt. I, 490; «tenner XIV, 11-19; 3*iner, 402. 

2) «tennet XIV, 504. 



684 



2Xt sicbetfairiföe «bei 



briefe feine Webe bon bet Äur, toietoofct bie &utb$$uter $er* 
iPbt, julefet nodfr ®eorg 1495 bon STOopmitton fetter, lönig* 
ti$e Snerfenttungen tyrtf fturre$te* erlangt Ratten. 

Den Sanbtag, ber bamatt in 8anb«$ut jufammentrat, ffottt 
no$ ®eorg berufen. 9lie »or einer Serfammtung batrifefcr 
©tfinbe eine nötigere töoOe jugefaöen. ©teilte ft<$ bie 8anb* 
fc^aft entföieben unb einmütig auf bie ©eite be« 9?e$te* unb 
»erjagte SRuprecft ben ®e$orfam, fo lieg fi$ immer no<$ hoffen, 
ba| baä bro$enbe Unzeit abgetoenbet ober boc$ in enge @$ranfen 
gebannt toerben fönnte. Dag e4 baju nid&t fam, $at ber 
nieberbairtfe^e Äbel berf<$utbet, toemt man au$ jugeben muß, 
baß ftuprety bur$ bie no# eben re^tjeitige ©efe^nng 8anb* 
$ut* großen Drucf ausübte, ffiie bie ©tenen an ber $onig* 
loabe Hebten bie eut$eumf$en unb bie fo )a$lrei$ fcrbei* 
geftrSmten fremben Kitter an beut reiben Surg^aufer ©$afce, 
ber fi<$ bereit* in WupxtfyQ $änben befanb unb im ftrieg** 
fade ttk ein golbener Stegen über ba* 8aob $ernieberge$en 
mußte 1 ). Die* toar ber ftärffte SWagnet, ber eine ^fäljifc^e 
ftriegtyartei jufammenjog unb jufammen$ielt, ber befonber* 
bie Sugenb unter Wuprety« galten führte 2 ). ÜRit gutem 
©wnb mar man an Älbre^t* $>of erbittert über bie gityrer 
be$ nieberbatriföen Hbett, bie burefc i^re $aftung ben ffrieg 
biefleiety Ratten berfcinbern fSnnen: bie grauenberg, (Slofner, 
@eibolb*borf, lötring, Sahning, Reifing. »tt „frommer 
9Rann" marb bagegen ber SWoroltinger gepriefen, ber in 
ber ©tfeung be$ 8anW$uter 8u*f$uffe* $eimli# einen bon tym 
getriebenen, gegen 9tuprec$t gerichteten Äufruf berbreitete, 
bann aber f$leunig bie gluc&t an Sllbrety* $>of ergreifen 
mußte*). Daneben fehlten bo<$ bei Stupretty* 8n$ängent 

1) 3n btefer Suffaffung ftttnmcn Stoentin, ber ©prn<$ „ton bem 
äartnmd im ©aiertanbc", t>. Siliencron II, 502, unb anbere gleU$- 
ftdtige Ottdten überdn. 

2) güetrera gortfefcnng 1 170v. nennt mehrere gainttien, in benen 
bie «fiter für ttbrety, bie ©fl&ne für ftnprety fönten. 

3) @pru<$ toom Jtartnmd, 503; »umpler, 106; güetrerS gort- 
fefcnng, f. 158 t. Über bie gamitte ber SWoroftinger (niijt SWarolttnger) 
$nnb, etaramenbn<$, III. Xeü (grev&erg III, 481). 




nnb bie SanbfWnbe. 



ibealere äÄottbe ni$t gänjltc^. 35ie ^etjogin <Slifabet$ genoß 
We ©tynpat^ieen, auf bie ein ©prSfcling be« angeftammten 
8$rften$aufe6 in ©atern jeberjeit rennen fonnte. 3n intern 
®ema$l fanb bie Stitterfc^aft einen gürften na<$ intern $erjen, 
gKnjenb, freigebig, fampfluftig bis jur Sermegenfait, mäfrrenb 
SUBtec^t toegen feinet angriffe auf bie rüterf$aftli($en ©onber* 
re^tc unb na$ feiner ganjen $erfönli#ktt bem 8bel lein er* 
tofinfc^ter 8anbeS$err mar. Äennjetcfcnenb für bie Stimmung 
in tiefen Streifen ift eine bon Sbam bon Irring berichtete 
Äußerung: Sieber tooüc er bem leufet in ber $5He bienen als 
bem $erjoge Älbrec^t, biefem ©tubenfäreiber unb Äränjet* 
binber, ber fein 8ebtag fein guter ftriegSmann gemefen unb 
meber jum SRitterfptel no$ anberer ffirftlic^er fturjmeil taug* 
lu$ fei 1 ). (gegenüber fo ausgeprägtem ffiibettoilten beS «bei« 
unb bem Drude ber fürftlicfcen 3»a$t fonnte bie 3U6re$t 
freunblid&e ©ttmmung, meiere in ber ©ürgetföaft ber ©täbte 
fibertoog unb unter ben Prälaten menigftenS anfe$nli$ ber* 
treten mar, nt$t bur$bringen. @e$r in« ©erntet fiel au$ 
bie $errfc$enbe Unfid^er^ett über bie re$tli$en SorauSfefcungen 
beS CrbfalleS; fetbft ein SJlann tote «bt »tumpler, 9Wttglieb 
beS 8anbfc$aftSauSfc$uffeS, gefielt, bafc er barüber ni*t im 
ftlaren fei. 

Hm 13. ©ejember eröffnete bie 8anbf$aft tyre ©eratungen *). 
9topre$t begehrte $ulbigung unb lieg bureb ben Orafen bon 
fiömenftein feine auf leftament unb Hboption gefrästen 8ln* 
fpr&be berteibigen. gflr baS Stecht ber SDiüncfaer $erjoge 
fprac^en beren ©efanbte fomie ©oten beS JtönigS, beS ©c$©&» 
biföen ©unbeS unb Ulrid&S bon ffiirtemberg. £)te Sanbföaft 
begnügte fld> junäc^ft mit ber SBa$l eines «uSfäuffeS bon 
64 üJiitgliebern, ber bann Dr. $eter Baumgartner als Äanjler 
befteflte. Ilm 29. ©ejember aber toäfctte fie eine probiforifc^e 
Wegentfc^aft oon 16 SWitgliebew, 8 bom Hbel, an tyrer ©pitje 

1) 8»8Ö«t, cgm. 900bf. 

2) 3atner, 370f.; «rennet XIV, 41 f.; 117f.; «tn^etfS gort- 
fffcttttfl, egm, 2817, f. 364vf. 




686 



€feföftfü$tiget eingreifen Ä. flWatfmißane. 



®raf ©olf oon Ottenburg, 4 Prälaten unb 4 Vertreter ber 
©täbte. SRac^maW foHten tiefe Regenten, bie in 8anb«$ut 
Rauften, in 3ngolftabt unb ©urg$aufen je a$t leitete {Regenten 
beftellen. 9tuprec$t erfannte bie «egentfe^aft (3. San. 1504) 
an, t>n\pxadf if>x, feine meiteren $läfce im Sanbe ju befefcen, 
ofyte ber 8anbfc$aft ©emifltgung fein frembe* ftrieg^Dott ju 
metben, mit ben ©efefttgungSarbeiten in ben ©puffern Sanbt* 
$ut unb ©urgfymfen innjufcalten unb feinerlei ftegiernngtafte 
fcorjunefrnen. Die Sntffyibung beä Crbftreite« foHte na$ 
biefem ©ertrage beim ftönige liegen unb bie 8anbf$aft eröärte 
iene Partei att feinbli^e betrauten ju motten, mel<$e ß$ feinem 
»uSferud&e ntyt fügen mürbe. Später ftimmte au$ 8lbre#t 
biefem ©ertrage bei, miemoty feine #nberung$öorföläge fein 
®e$5r gefunben Ratten, unb gemährte ber töegentfcfcaft feine 
Änerfennung. 

SJlajrimiltan, in beffen $>anb bie re$tlu$e 8ntf<$eibung be4 
Streitet gelegt mar, fratte M*$er, o$ne ber Sßümfyier 
$olitif irgenbmetc^e 3u&eft5nbmffe ju machen, bo$ feinem 
©etymager freunblic^ ermiefen. 3n biefem mid&ttgften $anbel 
aber griff er nun unfailooH in bie bairifc^en ©erfcältntffe ein, 
ni#t al« unparteiiföer {Ritter, m$t al« ber f8mglu$e ©tyrm* 
$err be« 8te$te«, fonbern mte ber SRafler, ber fein ©efcfcäft 
ba abfliegt, mo tym bie größten ©orteile geboten merben. 
©erlodenb nrinfte bie (Gelegenheit ffiittel«bac$ ju f$mäc$en, 
$ab«burg neuen Sanbgeminn jujumenben, unb ton Anfang an 
ftanb äDtajimilian« <Sntf$luß feft, bafc fte ntyt ungenufet oor* 
übergeben foöte. »1« ben „lebenbigen ©runnen alle« dltQM* 
^riefen bei ben ©erfcanblungen, bie nun folgten, bie ©oten 
ber SKüncfcner $erjoge ben Äönig. ®ie ahnten mo$l nid&t, 
mel^e bittere Sronie in biefer ©er$errlt$ung lag. Da Älbrcc^t 
fic$ ntd?t baju Derftanb bem Könige be)figli$ ber &on tym an« 
geftrebten ©orteile eine binbenbe &u[\ä)exunb ju machen, mar 
ber lebenbtge ©runnen alle« Siebte« bereits fcerftegt. Hn ©teile 
be« 9?t<$ter« trat ber $olttifer $ert>or, treulos unb felbftffi$tig, 
unb fnüpfte Unterfanblungen mit {Ruprecht an, bie jmar nid&t 
jum 3 ie ^ führten, aber biefen gürften in ber $>artnädigfeit 




2He «ug«burger Serfytnblungen. 



587 



feiner «nfprücfc nur beftärfen tonnten, ©enn tym Muprety 
gelobte o$ne feinen ©Uten toeber mit »tbrec^t no$ mit ber 
Sanbföaft ein «Wommen ju treffen, oerft>rac$ tym 3ßa$imtttan 
in jioei Urfunben (6. 3an. 1504 au« 2Remmingen) ein Drittel 
be« ertebigten gfirftentum« unb bie $älfte alle« Oetreibe«, 
©eföfity« unb $au«rate«, bo$ o$ne ®o!b unb ©Uber. Die« 
ju gewinnen »oBe er t$m im Satte ber Sttot feine Untere 
ftfifeung leiten *). 3um ®tüd für ©aiem fear fflupre$t in 
feinem Übermut toeber gefonnen mit einem Drittel be« 8an* 
be« fxö) abft>eifen ju Iaffen no$ ben ©urgfcaufer ©#afc farau«* 
jugeben. 

3n 8ug«burg fottten toie oor jtoMf darren au<$ bie«mal 
toieber bie ffifirfel über bie bairiföe grage faden 8 ). «uger 
bem Äötrige fanben ft$ «lbrec$t mit feiner ®ema$lin, SEBolf= 
gang, 9iupre$t, Diele anbere gurften unb Herren unb bie ®e* 
fanbten be« @#mäbif$en SJunbe« ein. Die ernften 83er$anb* 
lungen tocdftelten mit frö^li^en geften, toie fie ber ftönig liebte, 
mit {Rennen unb @te$en, SWummereien, länjen unb ©anfetten. 
Da fa$ man ben ädnig unb fein befolge in ©auerntrac^t 
(Anblicke Steigen tanjen, bann bie ©auernfteiber abwerfen, unter 
biefet $ülle in prad&toollen golbcnen ©etoänbern auf toelfcfce 
8rt erf^einen unb jierlic$ in »eiferen länjen fU$ Urningen. 
8$om 5. bi« 18. gebruar jogen fict? bie weitläufigen Vorträge 
ber beiben Parteien im 9tec$t«fireit $in, in benen bei ädern 
«uftoanb iurtftifcter ®ele$rfamfeit manche abfonberlicfce $3e$aup* 
tungen aufgeteilt tourben. ffiatb bo$ gegen ba« beanforuc^te 
(Erbrecht <£lifabet$« Don ber 2Wün#ner ©ette beiläufig barauf 
tyngetoiefen, bafj 8ubtoig im ©art eine Softer tynterlaffen $abe, 

1) «rennet XIV, 163-157. 

2; 3»m ffgb- bef. «lüpfet I, 498f.; Ärenner XIV, 177-450; 
3aincr; genbt« Ephemerides bei Oefele II, 473 f. ©immet, $er 
SauWfater (Srbfolgefireit in ben Sauren 1503—1505 (3a$re«beri<$t ber 
Ärete-töealfäulc in «ug«burg 1881) tqBQlt unter ©enufcung eine« äojrial- 
bu#e« aue bent aug«burgtf<$en @tabtar<$U> toorne$mttt$ bie 8er$anb- 
lungen in «ug«burg. Uber ein $rototott berfelben toom 5.— 18. gebruar 
im et.-«, f. «odinger, Ältere «rbeiten I, 53. 




688 



bie Jttnigin oon granfreich getoefen (ei unb ihn triebt beerbt 
habe! So trübe mar bie tyftoriftye (Erinnerung in tiefet 
bag ein namhafter Staatsmann föon nach jtoei (generationeil 
nicht mehr tougte, bag bie f$5ne 3fabeau oon ©atern $et)og 
8ubmig« Schleper »arl 3m öffentlichen aber lomiten für 
Sdbrecht« gute« Stecht fchlagenbe ©rfinbe in« Steffen geführt 
»erben, »Shrenb bie flechte Sache be« $fäljer« mit bnt$ 
leere S3e^au^tungen f Scheingrünbe unb 83erbre$ungen fich ftüfcen 
lieg, ©ie fchon $erjog ®***8 in ber bem germanifchen Hechte 
lodUtg fremben aboption feine 3ufto$t genommen hatte, manbte 
nun auch 8tuprecht« ffiortführer, ber bambergifch* Domherr 
8eonharb oon (Sgloffftein ©runbfäfce be* römifchen ^rioatrechte* 
loie bie Zeftirfretheit auf beutfehe Staat«oerhältniffe an unb 
betoie« au« bem Waturrecht bie (Sieichberechtigung oon ©d^nen 
unb IBchtem. SDKt Stecht betonte bagegen ber nrirtembergifche 
ftanjter Dr. Stomparter, »brecht* früherer ©egner im Streite 
ber Sötoler, ber nun bie Sache ber Münchner §erjoge oertrat, 
baß hie? nur ber bairifche »echtägebrauch entfeheibenb fein tönne. 
SRach ©eenbigung ber gegenfeitigen Streitreben brang Wibrecht 
in ben ftönig ben $anbel binnen acht Sagen ju entfeheiben, ba 
eine SerjJgenmg nur bem über ®eorg« Schäfce oerfügenben 
Ruprecht juftatten fommen mürbe. 

aWittlertoeüe toar auf ben 17. gebruar bie nieber bairifche 
Sanbfchaft nach Aichach berufen morben 1 ). Der ftdnig lieg pe 
burch feine ®efanbten, um feine Snfprüche ju begrünben, an 
feine Serbtenfte um 8aiem unb an bie Soften erinnern, bie 
er bei feinem eingreifen in biefent 8anbe toieberholt, befonbet* 
oor jmötf Sohren bei bem 3uge auf ba« 8echfelb {ich aufgelaben 
habe, ffifeber fam bie Selbfttäufchung jum 8u«brucl, al« feien 
bie bairifchen Beriotcflungen allein ober oornehmlich fchutb baran 
gemefen, bag ihm bie Bretagne unb Ungarn entgingen. Cr 
erflarte iefct nicht nur ®eorg« leftament, fonbern auch ben 
5£eilung«oertrag oon 1392 für ungilttg, weil auch biefem bie 
JBeflätigung oon Seite be« oberften Se^ett^^errn fehle — eine 

1) €>. «rennet XIV, 454f.; 3ainer. 




Unterfconblungen Ä. SWaitmiÜan« mit ben Parteien. 589 

©nfprache, bie etwa* t^crfpatct !am unb gegenübet ben thät* 
fachlichen allgemeinen Gepflogenheiten in ben lerrttorten, auch 
im höMburgtfchen $aufe felber fUh fonberbar genug ausnahm. 
Übrigen« war Wbrecht bet näc^fte ©chwertlehenäerbe, ob mm 
bet £eilung$oertrag oon 1392 gütig mar ober nicht, ffiährenb 
2Jia£irailian in bie 8anbf$aft brang ihm in ber (Erwerbung bet 
oon ihm beantragten Gebietsteile nicht hinberlich )u fein, gab 
er jugleich feine entföiebene »bficht ju erfennen biefe* fein 
„Sntereffe" nicht fahren ju Iaffen. Die ganbfehaft, geleitet oon 
©aumgartner, antwortete, fte mürbe nur thun, wa* fte berank 
Worten ßnne, unb löfte fleh unter 3urädlaffung eine« tLui* 
fchuffe* am 2. SKärj auf. Den SKärj htoburch führte ber 
ftönig mit beiben Parteien langwierige Unterhanblungen ju bem 
3»ede in ben ©eflfc feine* „dntereffe' gefegt ju werben. Sein 
erfte* Ängebot an bie ÜÄüncfcner $erjoge war fehr jurüclhaltenb. 
Stürben fte ihm ju feinem 3ntereffe bereifen, mooon bie Sanb*» 
^uter 8anbf$aft nichts toiffen wolle, fo wolle er ihnen gur Sr* 
langung be$ 8anbe$ jwtfchen Donau unb 8e<h behilflich fein, 
bo<h ohne 8anb*h«t unb ©urghaufen. Die SJlfinchner ant* 
»orteten , bog biefe beiben ©chtöffer inbegriffen fein müßten, 
unb erflfirten htaflehtlich be$ Sntereffe nur im allgemeinen ihre 
©ereitoiUigfeit *). Sin anberer Sorftylag SJlafimilian* wie« 
alle« 8anb irörbluh ber Donau {Ruprecht, ba$ übrige, abgefehen 
bom fönigliehen Sntereffe, ben SJlfinchner $erjogen ju. SDWt 
Ruprecht ^atte ber ftJnig einmal eine nächtige 3ufammen!unft; 
fein SJater — warnte er — »erbe noch fleh unb fein $au* 
unglficflich machen; ber junge ^faljgraf blieb unerfchütterlich. 
Dagegen erreichte SWajimilian enblidh fein 3M & ri ten nieber* 
bairifchen Regenten, bem 8anbfchaft*au$fchuffe unb ben Münchner 
$crjogen. Die erfteren oerfpraehen ihm (30. 3Rärj), bag bie 
Sanbfchaft bie für ba* fönigliche Ontereffe beanfpruchten Gebiete 
befefeen unb für ihn aufbewahren wolle fo lange, bi* er {ich 
mit ben dürften bertragen hätte- Unb in biefer 3^ n 9^8 e 

1) Snflntftion flWajUnilianS t>om 3. flJtörj an« Äi<$a$; «rroben 
II, 158. 3um flgb. ebb. 162. 




600 



Abtretung t*9 „Wmtfxtyn 3ntereffe". 



fa$ fi# julcfet au$ ber Surft, bem bie <gtn$ett unb ®röge be« 
SBaterlanbe« am ^ctftcn ftanb, jur 9la$giebig!ett gelungen. 
SWof unilion* Unterftüfeung, baten lieg ft# ntd?t me$r i»eifeln, 
mar nur burc$ fernere Opfer ju getoinnen, Ja eä beftanb bie 
bringenbc (gefaxt, bag o$ne fol#e Opfer ntyt einmal bie ffiiebet* 
bereinigung be* größeren Seile« Don SRieberbaiern mit Ober* 
Baiern gelingen toerbe. SWii büitenbem §erjen torirb e« ge- 
feiert fein, bag «Ibrety für ft$ unb ffiolfgang am 2. Hprtt 
bem ftdnige eine Srftärang aufteilte, n>ona# fie in bie 8b* 
tretung be$ fönigli^en „3ntereffe" billigten. 9io$ im felben 
äRonat erlieg ÜKaf tmilian an bie in biefen ®ebieten anfäfftgen 
Sanbftänbe toneberfcolte Hufforberungen ben batriföen dürften 
m$t me$r ju ge$or$en 1 ). 

Der fctymerjlutyfte SSerluft, ben biefe »bmad&ungen Söatern 
auferlegten, toaren bie frönen Ämter ftufftem*), Kattenberg 
(beffen einträglicher &oü mc$t »erlegt »erben burfte), ba« 3*0*** 
t$al unb bie ffialber in ber $>errf$aft ftifebityet. SDtefe Striae, 
bie feit mer, fünf 3a$rje$nten burety tyren ©ergfegen für bie 
8anb«$uter ^erjoge ju einer ©olbgrube gemorben maren, ge- 
ehrten feit ber ©ntoanberung ber ©atomaren ju ©atetn, untren 
nv$t erft, nrie man häufig lieft, 134 3a$re &or$er Don SEtrol 
ertoorben toorben. DamaW toaren fie nur aorüberge^enb ber 
Margarete SWaultafö afo ffiittum jugetoiefen. 3* Ättbaiern 
gehörten augerbem Don bem föniglidjen 3ntereffe: @<$log 
©$mtet$en öftltc^ oom 8e<$, @<$log SReuburg am 3nn, ®$log 
JRannartgl, jefet {Rannaribl an ber Donau, toenige ©tunben 
dftlic^ ber iefcigen bamfd&en ©renje, borbem bem ©tföofc tum 
$affau, nun }u ©eorg« Sanben gehörig, ferner bie 3uben in 
9tegen$burg, bie ©ogteten über bie ©tifter ©aljburg unb $affau 
unb Älofter gormbaefc. 3n Öfterrety lag bie $errf$aft 6|>ifc 8 ), 

1) «renner XIV, 561f. 565f.; Kölner; «rroben II, 175. 

2) 8on ben ©auern biefe« Bmte* $atte $erjog «l&rety bur<$ $ar|ifat 
Urfarer, ben Pfleger *on Sluerburg, bereit« bie $utbignng*g€tber für fty 
ergeben laffen; gfirftenfatfen XXI, i, 399. 

3) 2>ie a»ei Surgen in €>pifc hatte no<$ $. 3K6re<$t HL 1437 »ob 
Ätoftcr Hieberaltau$ aW fcfcn empfangen; M. B. XI, 324. 




8töre$t9 Suttbetgenoffen. 



beten Obrtgfeit unb Sßilbbann abgetreten toerben foQte unb bie 
bann nach ©eenbigung be« ftrieg« 2Wa$imtlian« $ofmeiper (Sraf 
öitelfrtfc oon Bollern erhielt. 3n ©chtoaben begriff ,ba« 3nter- 
effe" im öffentlichen bie neueren Erwerbungen ber 8anb«huter 
$erjoge: ®raffc^aft ftirchberg, ©tabt unb $errfchaft Skiffen* 
horn, aWouerftetlen unb $uch, Obernhaufen, Pfaffenhofen bei 
Ulm, ben ©8rther unb ffieijfenburger gorft unb bie fitörther 
Kuen, toa« jur 3ßarfgraffchaft ©urgau gehörte, Dbrigfeit unb 
©ilbbann in biefer 2WarFgraffc$aft, bie {Redete auf Ellerbach, 
bie SSogtei über fttofter ft5nig«brunn bei (Siengen. £e* »eiteren 
beanforuchte ber ftönig bie 100 000 p. ©teuergelb in 8anb«hut, 
fär 10000 p. (Setreibe unb Sebigung Don allen feinen ©Bulben 
an toeilanb $erjog (Seorg. 

(Srft nachbem ihm bie« ade« jugeßcfyert toar, lieg p$ ber 
$ab«burger bereit pnben «Ibrecht Unterpfifcung ju geto&^ren. 
9uf einer 3ufammen!unft ber beiben gürften ju gürpenfelb 
aerforach ihm SWaftmilian 10 000 SWann $tlf«trui>i>en ju pellen 
unb über bie ftrieg«au«lagen, meiere er als ©unbe«glieb fchul* 
bete unb toelche er auf nicht ganj 30 000 (Suloen oeranfchlagte, 
toeitere 150000 p. für bie ftrieg«führung aufjuioenben 1 ). «I« 
oberper ftelbherr fodte Sllbrecht auch bie töniglichen Struppen 
befehligen, fech« fSnigliche unb ebenfo oiele herzogliche ftrieg«* 
unb tJinanjrate follten ihm jur ©eite pehen. Diefer »ertrag 
tpar ba« lefcte ©lieb in einer ftette oon ©ünbniffen, bie SUbrecht 
erfefeten, loa« ber (Segner an (Selbmitteln oorau« ^atte. Hu«* 
giebige $ilfe ^atte oor allen ber ©chto&biphe ©unb jugefagt. 
«cht Zage nach Opern fodte ein ©unbe«heer oon 14000 SWann 
ju gut, unter 100 SWann Je 70 mit ©piegen, 20 mit $elm* 
parten unb 10 mit ©üchfen bewaffnet, unb 1200 ju $ferb 
auf bem Sechfelb pehen. 600 {Reiter toaren oom ©unbe fchon 
iufolge eine« ©eföluffe« oom 21. Dejember bem $erjoge nach 
ÜRünchen gugefchieft. ©irtemberg, beffen iugenblicher $erjog 
Ulrich mit Wibrecht« britter Zoster ©abine oertobt toar, ffattt 
laut eine« ©unbe«oertrag« oom 15. Dejembcr, fall« ber ftrieg 

1) 8gt Ärenner XVI, 76. 




fclbre^t* ©nnbeegenoflen. 



nur gegen Ruprecht ju führen toäre, 2—3000 guftnechte unb 
2—300 Weitet, toenn auch gegen Wtlipp, etilen Ängriff auf 
bie $falj mit gefamtet 3ßa$t, toenigften* 20000 SWann ju* 
gefagt. Dafür berfprach ihm Sllbrecht au6 ben gu machenben 
(Stoberungen einen SJeuteanteil im ffiert bon 125 000 fl., 
nämlich Hmt $eibenheim mit ber SSogtet über bie bret ftUfter 
im S&renjtbal, anhäufen, $erbrecbtingen, ftftniglbrunn, bie 
©raffchaft ftirchberg unb ben pfäljtfchen 3e^ent^of in $eilbronn *). 
3ur Teilnahme am Angriff auf bie $falj hatte fleh burch 
Sertrag bom l. Oanuar auch ber Sanbgraf ©ilhelm oon $effen 
berpflichtet; toaä er bon rheinpfaljifchem ©ebiete erobern »ürbe, 
foQte ihm berbleiben *). üKit bem Sßarlgrafen griebrich bon 
©ranbenburg ^atte SUbrecht am 30. Dejember unb 5. gebruar 
S3unbe«oerträge abgesoffen. Der äßarfgraf berfprach für eine 
(Sntfchabigung bon lOOOOfl. unb 3uflcherung feiner pfäljtfchen 
(Eroberungen Sllbrecht 5000 Sßann ju [teilen. Die alten §änbel 
mit ©ranbenburg megen be« Sanbgerichtt bnrften nun um fo 
eher aM abgetban gelten, ba gugleicb ein Sertöbntä gmtjcheit 
ftaflmir, bem ©ohne be$ äßarfgrafen unb Sllbrecbtä Zoster 
©ufanne berebet mürbe 8 ). «n einem ftriege gegen bie $fatj 
modte auch Ulejanber bon &wdhxüdtn*%üUnt, ber ©tamm» 
bater unfere* ftönigd^aufe«, teilnehmen gegen bie 3uß<htntng 
jurücfjuer galten, ma* griebrich ber Siegreiche feinem S3ater 
abgenommen ffattt. ©o maren e$ im toefentlichen bie alten 
®egne: griebrich* oon ber $fat} unb 8ubttrig$ be« «eichen, bie 
fleh nun unter Hlbreehtä ©anner jufammenfeharten. Daju fam 
noch bie ©tobt Starnberg, »eiche fleh mit Hlbredfrt neuerbingä 
am 2. gebruar oerbanb unb ihm gegen {eben geinb mit 150 
gerben unb 500 gugfnechten, gegen ben fturfürften $h*Kpp 
aber mit ganjer SWacht beijuftehen gelobte, ©a$ bie ©tabt 

1) 3&rcn ©einjehnten s« Wtbttnn fcertauften bie SHün^ncr £xqog< 
am 27. «Roö. 1504 um 12000fl. rhein. an bat SRartgtafcn griebru* 
wn ©ranbenburg. 9Ui<h«ftabt $eUbronn. 

2) «rroben n, 152. 

3) »rrooen U, 154; in, 272; t>. $ef «er, 82. 1518 »urbe biefe 
<äty geföfoffen. 




Stellung ber $if$8fe. 



Don pfäfjtfchem Seßfe erobern toürbe, foüte fle Behalten, toat 
au* ber $interlaffenfc$aft ®eorg$, gegen eine flmtfehättgung 
t>on 40 000 p. an tUbrecht abtreten. SUIe Stufen, bie für 
SUbrety fochten, trugen att (Srfennungäjeichen auf ben ftleibern 
rote ftreuje, bie $fäljer bagegen »eif$e ober »eisgraue ftreuje 
oerföränlt *). 

3m ©Mtum Sretflng hatte ber frtebliebenbe Hbminiftrator, 
StuprechW Sdruber 9$ßW oon ber $falj, in richtiger 93orau^ 
ftc^t be« furchtbaren Unheil*, baä ber unttettbachifche gamilien* 
gtoift über ©aiern bringen toürbe, mit ädern (Eifer fi$ bemüht, 
burch gütliche Vermittlung einem ftriege oorjubeugen. Hl« bie« 
nicht gelungen, beobachtete er Neutralität unb toarb oom Jtbnige, 
ber jugteich (7. Söiai 1504) fein ©tift unter föniglichen ©chufc 
fteUte, toegen feiner unparteitfehen Haltung belobt '). Xrofebem 
tnufcte er fich im Serlauf be* gelbjug* äber fehlere ©efc^a* 
bigungen feiner Untertanen burch Wibrecht« Gruppen be* 
fc^toeren 8 ), »ährenb anberfeiW bie ©aiern greifing ber Hin- 
neigung jur pfäljifchen Partei befchulbigten. ©firjburg unter* 
ftüfete bie $fä(jer offen. Such Don ©aljburg, Samberg, ©ch* 
ftäbt Wagte man auf bairifcher ©eite, bog fte mehr ju Ruprecht 
neigten: , ©aljburg, ©aljburg, tote haft bu bich fcergeffen! ©ie 
Herren oon ©aiern werben'* ermeffen!" 4 ) 

3Ätttlern>eile toar in SanMhutf n>o bie pfäljifchen $aupt-» 
leute auf ber Xrauänife bem Sertrage jumiber bie SBefeftigungen 
»erftfirlten, gtoifchen biefen unb ben Stegenten mehr unb mehr 
eine gereijte ©timmung enoachfen 6 ). Um 17* ttyril früh 
üRorgen*, att bie Stegenten ben neuen ©tabtrat m Pflicht 

1) «rennet XIV, 706 f. ; 3ainer, 347; Älttpfel I, 491. 501; 
Oefele II, 472. 

2) Cgm. 1686, f. 382. 

3) hierüber tote über $biflw>« grtebenSbePrcbnnßen f. feine ftorre» 
fponbenj im cgm. 5384. 

4) ». Siliencron n, 505. 534. 

6) 3mn flgb. f. @t.-<5$r. XV, 349 ; 3 a in er, 437, unb ^reiben 
ber £anbö^nter an bie 3ngolftöbter, ebb. 414; cgm. 2817, f. 369 f.; 
Kurapter, bef. 110f.; genbt, 478; «rroben II, 167. 

KieiUf , «kW$te ©almil. m 38 




2>ic ?föjcr eröffnen bie gtinbfeligfeiten. 



nahmen, toatb litten ein ©^reiben überreizt mit bem ©egehr, 
baß fle bie Stobt betlaffen foOten. &ux ©etatung aber Heg 
man ihnen nicht lange 3eit: balb fölugen oon ber Itaitfnifc 
herunter bie <&efch&fthtgeln im ©eratung«haufe unb anbeten 
©ebäuben ein. STOit etoa 1000 2Wann rfidten bic $aut>t(ente 
9tofenBerg nnb 85ifft>ed Don ber ©urg tyxab unb ba bie 9te# 
genten fich nicht entföliefjen fonnten ben ©efehl jum ©turnt» 
läuten ju geben, bemächtigten fte fich, ohne ©iberftanb )u finben, 
ber 8tft* unb 9?euftobt. ©ergebend berfuchte ber toadere ©Arget* 
meiftet ©incenj ©chatfachet „al« geotbneter ©annermeifter nnb 
©utget unb al« ein ©tebermann" feine SWitbürger jut ®egen» 
trifft iu fammeln. De« ftbnig« anerbieten einer ©etftättnng 
toar ju foät gelommen. Buch Don ben ©ölbnern im ©ienfte 
ber 9iegentf$aft maren nur 200 jufammenjubringen ; fie tiefen 
nach ihren $auptleuten, bie fich nicht bliden liegen; tfaljifche« 
(Selb fcheint ffxtx getotrft ju fpbtn. ©o fuhr grau (Slifabety 
in batrifchem Waffenrod mit ihten £>eetpaufen ungefährbet jum 
9tat$au4 unb nahm bie ©ürgerfchaft in errungenen (gib unb 
Pflicht. Die Siegenten flogen juna^ft nach Dtngolpng. fflaren 
biefe jum SBiberftanb entfchloffen ju ihnen getreten — fo 
trieben bie 8anb«hnter jur ffiahtung ihrer <&f)tt an bie 3ngoU 
ftöbtet — gern hätten fie als fromme Seilte 8eib unb geben 
für fte gelaffen. Um biefelbe 3eit unb in ähnlicher ©Seife 
befefcte ber pfoljifche Hauptmann ©igmnnb bon ^h&ngen ©urg* 
häufen. 3Ktt fchmählichem Sertragdbru^, urie man e* am 
töniglichen $oflager fchon geahnt unb befürchtet hatte *), toaren 
Don tfäljifchet ©eite bie gctnbfeligfeiten eröffnet. Denn bon ge» 
ringet (Slaubtofirbigleit tft, tocA ®eorg bon Wofenberg fpätet ben 
Sßaffetburgern jur ©efchönigung biefe« ©orgehen« erjählte: in 
ber 8onb«huter ftanjlei hätten fich ©riefe ber Kegenten an 
albrecht gefunben, au« benen ber $(an erhellte, bag 8anb«hut 
bon biefem mit etlichen hunbert 3Rann befefct toetben fodte; 

1) 8gL «crhanblungen b. tyfL 9er. ton ftieberfetyern Tin, ad6w 
Ä&entin tnifyft an bkfen ©crtrag«&ni<h eine feiner bdieben fct^ 
motogieen: a reqnie fracta dictum eni nomen (9ht|>techt) adhaeret 




Angriff anf Shannon. 



befftalB feien au$ bie ©tabtt^ore in bet 9ta$t offen gefianben; 
nur um SUBre<$t ju&orjufommen, hätten bie $ffiljer bie ©tobt 
in tyre ©emolt Bringen ntfiffen 1 ). 

33on 8anW$ut aus traten bann SRofenberg unb Sttfjped 
tyre (SroBerungäjJige an. 35er erftere Bra# gleich in ber 9ia$t 
nadj beut $anbftreic$ auf unb Befefcte o$ne ©^»ierigfett Xtä* 
Ba$, ©ingolfing, ton too bie Siegenten freien KBjug na* 
©$ärbing erhielten, ganbau, Dfter^ofen, $farrfirc^en. ffiifo>e<f, 
ber am 19. auäjog, Bemächtigte ft$ ber ©t&bte äßooÄurg, 
(Srbing, 9ieui5tting, ftraiBurg. ©raunau mar bie erfte ©tobt, 
bie ben $fäljern ©ntafc loeigerte, fo bat 2Bifo*<! t>on ©urg* 
Raufen ©elagerungägefcbüfc $olen laffen mußte. SRit biefem 
rfldte er am 4. 2Wai neuerbing* bor bie ©tabt unb Bef$o§ 
ftc mit glfl^enben Äugeln. Die Oraunauer Ratten einen tyrer 
©firger, ben friegöerfa^renen $latner, jum ®tabt$auptmann 
gemalt unb ertoefcrten ß# unter beffen funbtger gfifcrung tapfer 
aller Angriffe. Da au* ©i&ped« ÜBerrebungÄtünfte leinen 
(Erfolg Ratten unb bie 9la$ri$t tarn, baf ba* eBen Befefcte 
Srbing &on Ht6re*t Bebro^t fei, $oBen bie $ffiljer f*on am 
6. 3Äai bie Belagerung auf. 

Ctnen großen Seil be$ Sanbe* $atte 9iupre*t bo* f*on 
in feiner ©ennrit, att ber ftönig, über biefe Sorgfinge $o$ er* 
}ümt s ) ; am 23. Ityril auf bem 8tat$aufe }u SlugflBurg bie 
testen <Sntf$eibungen fcerlünbtgte. »IBred&t unb ©olfgang er* 
gelten ate bie nfi*ften Agnaten unb ©#toertle$en«erBen nun 
befinitio bie SSelefcnung über alle {Reu$$te$en ®eorgä, bo* unter 
Sorbefyilt be« I5nigli*en 3ntereffe. «upreety, feine «n$finger 

1) ©olf Baumgartner bei©eftenrteber, $iflor. Ctyrtften 1, 184. 

2) ©nbtettbnic!(6taat«bibliot^f): »ermereft bie (Bf berejog «(breiten 
mib berqog ©otfgangen bon batrn jn gut. SHefer 2>ru<f, ber in bat 
Ufte drittel bt€ ttyrü &u fe$cu i% bringt unter anberen für bie 3Rfin<$ner 
$er&oge günfltgen fta<$rid>ten, baß btefc fteifige, bie ben VfÄjcrn |n- 
jiefcn tooBten, bnr$ ba6 Wtotgtt#e SRanbat jurftcfgefatten »orben feien. 
Lumpur, 110, erfetynt att (Berfl^t, SHafimlliau $abe auf bie Wac$- 
rtyt ber 2anb*bnter »orgfage aufgerufen. t$ut mir leib um ben 
»äderen görflenl" 




506 



$fal)graf ttnj>re$t 



unb $auptleute mürben (4. 2Km) auf bte ftlage be« ttei$6* 
fidfald Dr. $atb att 8anbfrieben«bte<$et unb Stebetlen gegen 
ftaifet unb 9tei$ geästet. s Dta($bem Der no$ in Slugäbiitg 
oetfammette Öanbföaft«au«f<$n§ mit bet fwlbigung an SUbtecft 
botangegangen u>at, leiteten einige läge foätet in dngolftabt 
au$ bie Sanbftänbe be« 8anb«$utet Oberlanbe*, be« alten 
Ongolftäbtet 8anbe« an bet Donau, ben SWün^net $etjogen 
§ulbtgung. Dagegen ftanben bie ton ben Stegenten na$ ©#ät* 
bing einberufenen Sanbftänbe au« bem größten Stile be« 8anbe«, 
au« ben {Rentämtern 8anb«$ut, ffiafferbutg unb ©utgfcaufen, 
bereit« fo fe$t unter bem Drude bon »upteefc» SKactyt ober 
e« übettoog unter tynen fo fe$t bie Wlafy U» Hbel«, ba& bort 
ben obetbattiföen $etjogen bie $ulbigmtg bettteigert umtbe. 

SÄit federn Sugenbmut jog SRupred&t in ben ftebetyafte» 
fttteg l ), als gälte e« nur einem SRittetfpiel. „3$ tritt Heiben 

1) OneHen unb Siteratur über ben £anb€$uter Crbfolgehieg, fotoeit 
berfelbe in ©aiern fpielte, feien $ler t>orau8 jufammengeftellt, ba ber 
föeitbtum ber Überlieferung ni$t gemattet für jebe <5injel$eit ber folgenbcn 
gebrSngten Jfcatfteflung bie ©elege anjnftt$ren. 2>ie $auptqueflen finb 
ÄBlnerS II. ©n<$ (cgm. 1933; mangelhafte (Sbition in 8er$anblnugcn 
bc* tyft. Sereind »on 9tteberba$eru I, 11 f.); bie ton geübt an« Ml« 
ner« brei $ü$ern gef(Wpfte Summa negocii de hello Bavarico bd 
Oefele II, 472 f.; be$ Snbreaft 3<*iner Liber memorialis (cgm, 1598, 
bei Oefele II, 345—468), be* »bte* Ingeln« Humpier ton gorm- 
ba<$ Libri calamitatum Bavariae (Oefele I, 99 f. föurajrier* J»oetif<$e 
©efymbluug beSfelben (Begenftonbe* L c. 139 f. ift gragment geblieben), 
gemer «rnfreef« gortfefcnng int cgm. 2817, f. 449—451; gfietrer« 
gortfefcung im cgm. 1590, f. 158—190. 2He ^aWbnrgif* gefSrbte 
2>arftellung gngger« (cgm. 900b), eine gnnbgrnbe ton flnetboten, ift 
nur mit ©orfro)t anzunehmen. Kilian Leib, Hiatoriae sni tem- 
poriß bei t. «retin, ©eitrige VII, (1806), 542-553. £rit$em 
befynibelt in feinen Annal. Hursaugiens. (ber betreffenbe Sbfönttt ift bd 
Freher, Script III, 97 — 120 ol9 Historia belli palatino-boici 
befonber* gebrndt) bie tfÄljififcn Äriegfereigniffe an*ffi&rlw), bie boi* 
rtf<$en nur tnrj. gerner bie »oUeßebtr bei t. Siliencron U; 
«*euttn§ gobgebtyt auf fttbre^t IV., jmei Heinere tikbitye nnb fim- 
trÄge im $an9talenber (ffierte I, 618. 620. 660 f.); Uri. jur Okf*. bet 
2. erbfolgetriegeft, fcranfgeg. t. ©ürbinger im Oberba^er. «r*. VIII; 
Urt jnr öefc>. be9 ©^tofib. $ttnbef, $eran«geg. ton Älüpf et; Uresner, 




geltet. 



607 



$fal}graf om Styeüt, Unb u>tbetfte$en ollen geinben mein, 
©dornen nimm ju (Schilfen i#, §ennebetg Derlag nit mty, 
8eu$tenbetg baä lobe idj, (Sine neue SDWteje bennag tcb, Det 
ganje ©unb fte$t totbet mty, Da tmberftreit' u$ tittetlty!" 
©iefe SSetfe unb anbete, in benen er bie ganje Steide feinet 
(Segnet betonte, n>iü man in fctyttatjem (Smail auf einem 
golbenen {Rittetbanbe 9hipte$t* gelefen fcaben. (Et unb feine 

XIV f.; $8$lbaum9 SRitteilnngen au« bcm €>tabtar<bto *on StUn, jut 
Oefö. be« (grbfolgelriege«, 11. ©eft ; bie bur<b gefunbe« Urteil bemerten«- 
teerten Stafjricbnungen be« «bte« @ebalb©ambergert>on $ett«bronn 
bei «raf ©tillfrieb, «Toller $etl«bronn, 253—285; Heinubronif be« 
batrifä geftanten ©u(jba*et SWeiftetflnger« (E^riflop^ fcrtjmann (ober 
fcrietmann?), ed. t>. ©um^euberg, Berbanblungen b. tyfL Berein« 
bet Obertfalj XXXIV, 77—136. öine Watbabmung ber Sita«, in bet 
alle ©ötter be« DfynU)« auftreten, ift ba« großartige <Sj>o« be« »on 
Ä. SWajrimllian gefrönten Siebter« RicardusBartolinusan« Perugia : 
12 libri Austriados seo de bello Norico (u. a. cum scboliis Spiegeiii 
1531). 3>er $)i$ter förint bie unb ba tym eigentflmli$e Äunbe ju erraten, 
beten «erflSnbra« jeboeb jutoetten bur<b bie boebfroetifäe ©ntletbung erfätoert 
toirb nnb bereu Bertoertung meifl unfitber bleifct. Über bie triegerif^en 
(Sreigniffe auf einjelnen (bairifeben) Ärleg«fcbauj>lSfcen f. 3 ob. SRfill- 
ner« Nürnberger «nnalen, cgm. 2073—2076, toorau« im 3abre 1792 
bie „®ef<$i<bte be« bair. (grbfolgetrieg«" t>eröffentli(bt »nrbe; Ottonis 
WaldsassensiB descriptio eiterminii monasterii sni sub bello bavarico 
(Oefele I, 83f.); Delation ber tbtiffin Urfula $fSffinger wn 
graueutbietnfee, ed. *on Oeig im Oberbaar. Brcbi» VIII, 224 f. ; ©olfgang 
Älopfinger« ©ef(bi<bte ber Belagerung Bilöbofen« (1533), cgm. 1594 
(Berbanblungcn be« bifc »erein« *on ftieberbavern V, 83 f.). (Sinjelne 
OneUen bon no$ geringerer £ragtoeite toerben am geeigneten Ort citiert 
»erben, «bfagebrtefe beiber Parteien in Spenge in cgm. 1933, Serbanb- 
lungen be« bift öetein« f. «Rieberbavern I, f. Dbertfalj XXXIV. — 
Literatur: ». 23»entbal« ©efcbtfye be« bairif(b*lanb«butif(ben Orb« 
folgetriege«, 1792, i|t bcm Äurffirflen Äarl Sbeobor gewibmet, in pf5l* 
jifeber Xenbenj gebalten unb befonber« gegen bie Staforütbe «Nürnberg* 
auf obertfaijif<be Gebietsteile gerietet. Äurj bebanbelt ben Ärieft 
$. SKüller; ?renjlau, 1876. $ie an«ffibrlkWte, auf nmfaffenben 
Dneflenjtubien berubenbe ©arfleUung bietet ©firbinger, Ärieg«gefcbt<bte 
Bauern«, II. »b. $ie ©ürjburger 2)iffertation bon öbfe«, Duellen 
nnb Literatur jur (»eföitye be« ?anb«bnter Crbfolgefriege« (1880) ift 
bei toeitem nitbt fo erfd]5pfenb, toie man e« fcon einer SD^onogra^bie for- 
bem barf, nnb in ibren Urteilen jutoeilen »enlge jutteffenb. 



£anbt$uter örifolgefrieg. 



Rottet oetliegen fty auf i$te reuten Cottate an ®elb unb 
(Betreibe unb auf ben ©eftfc ber $auj>tftäbte 8anb«$ut unb 
©urgfcwfen mit tyten feften ©Slöffern. ÄugenfSeinlMfr toarb 
ber Kot 8ubtt>ig* Don ©jb Befolgt, man m8ge glek$ im Seginn 
bc* fttiege* gtogen Äufaanb für Lüftungen madfren, toeil $iet 
ba« ®db am beften totrfe. Die $f«jet Rotteten übet «Ibretft 
„mit ber leeren 3£af$e M uub regneten bar auf, bag er feine 
eigenen ÜHittel balb etf$5tfen, bie $ilf«ttuw>en be« fönig* 
aber unb be* ©$tpäbtf$en SBunbe* nt$t lange bei i$m au«* 
Marren toürben. Do$ bie ©tage lamen anbet«; inbem Älbtec$t 
bie fttäfte be* Sanbe* auf* äugetfte anfpannte, gelang tym ba* 
für Jene £t\ttn Unet$5tte, a$tje$n ©oc$en lang mit feiner 
ffiagenbutg unb einem ftatfen §eete ju gelbe ju liegen, fo bag 
e* julefct ni$t »upte^t toat, beffen Hilfsmittel bie be* (Segnet* 
überbewerten, SBaietn abet litt entfefelicb batuntet, tote biefer 
gelbjug Der lief, SWonate lang o$ne einen ^auptfölag, untet 
$in unb $et »eSfelnbem 8ofe ber ©äffen. Äteuj unb quer 
jogen bie Oegner im £anb*$uttf$en unb in ben Oreiqfttid&en 
be* üRünctytet ©ebiete* um$et, jeber fu$te fo Diel $lafee al* 
m5gli$ »on bem ftteitigen 8anbe*teil in feine $anb ju bringen, 
toteber^olt fianben fiefr bie £cete na$e — immet jogen |le f 
tote einft Subtoig bet ©atet unb gtiebtiS bet ©Sitae, au** 
etaanbet, o$ne bag bie gelbfctten getoagt Ratten in einet gtogen 
@$la$t alle* auf* ©piel ju fefeen. 

9iut bie mistigeren biefer ©etoegungen tönnen im folgenben 
geföilbett toetben. ©te Siegenten Ratten ben 83etfuS gemalt 
n>enigften* bie ©ejifeungen bet niebetbaitifSen ßanbftänbe oot 
bem brofcnben Unheil ju bemalten, inbem fte am 3. «ptil 
ju Äugäbutg mit ben SRünSnet $etjogen einen SSertrag 
f Stoffen, toonaS biefe Sanbe al* neuttale* ©ebiet be^anbeU 
toerben foflten ffiie bie Dinge na$ bem 8anb*$uter Senat 
lagen, fam biefe* Äbfommen nut ben $faljtfSen jugute, ba e* 
biefen gemattete flS &or lebet ®efa$t auf neuttale* ©ebiet 
jurikfjujiefctt ; u>ie e* fc^eint, toatb e* be*$alb mSt beobachtet. 

1) $ttf4*erg, $tf$. bei Caufe* Ottenburg, 807. 306. 




Sefetytng ©afferbttrg« bnr<$ bie ^fttjer. 



Stuprecht ^atte fein $eer in Imberg gefammelt. »m 
1. SWai Braute et SReuButg a. b. am 4. Stain in feine 
©etoalt. (St fcertofiftete bann bie ©ttichc gegen 8anWhut hin, 
vereinigte ßch mit feinem gelbhertn WofenBetg, einem im ®e* 
fchfifctoefen Befonbert erfahrenen ftriegftnanne, bem bie (Erftabung 
bet ftartätfehen jugefchtieBen toitb, unb rücfte gegen ©tbing, ba* 
bie ®rafen Sodann unb Subrea* ton Ronnenberg am 28. tlpttt 
für SllBtety Befefet Ratten. 2Wit erfotggeftöntem SWute toibet* 
ftanb biefe ©tabt (21. 2»ai) bem Angriff bet $fMjet. 35a* 
gegen tourbe ffiaffetButg ton biefen ohne ©chfcietigfeit, toenn 
auch erft nach langem Untethanbeln am 24. 2Wat Befefct 
Sßan fchtteB biefen (Erfolg ootnehmlich bet pfäljifchen (Sefinnung 
be« SßaffetButget pfleget« 38tg oon Reifing gu, toietoohl biefet 
€nbe april bie tönigti$e «Mahnung, SßafferButg fotte fleh ttic^t 
gleich Sanb^ut unb ©ingolfing fiBettuutyeln laffen, an erftet 
©teile neBcn bem SRentmeiftet unb ben ftäbtifdjjen ©etttetetn 
ba^tn beantwortet hatte, baf fte na* intern ^ften ©etntögen 
gehörten tofitben 2 ). ©er ausführliche ©etiiht über ©äffet* 
Butgä ©efefeung s ), ben toit bem Baittfch gefinnten Wentmeiftet 
ffiolf Baumgartner, einem ©tuber be« Dr. $etet ©aumgartnet, 
fcetbanfen, läft erfennen, mit melden Mitteln bie $fäljer 
arbeiteten: ffiiltoolt oon ©chaumbutg nahm Bei ben Untet- 
hanblungen ben SRentmeiftet Bei Seite unb Bot ihm 4000 fl. 
unb anbete ©orteile, toenn et 9hipte$t einliefe. ^Baumgartner 
erteilte bie geBfihtenbe «ntoott, formte aber bie Übergabe bet 
©tabt ni*t oethinbern. Auf bairifcher ©eite Rottete man: bie 
$fäljet nähmen nut iene ©täbie, bie fie mit golbenen Äugeln 
Begießen 4 ). 

»Ibtecht traf am l. 9Wai, an bemfelBen läge, an bem 
fein ©ruber ©olfgang StiebBetg nahm, in Ottenhofen Bei 
Äichach mit bem ftdnige jufammen unb öoBjog feine ©eteinigung 

1) (Shronologtf* finb hier (tote öfter) Äölner, 15 f. 51 f. n. 3ainer r 
440, u\$t in ©nttang jn bringen. 

2) Cgm. 1586, f. 384t. 

3) ©ei ©einrieb er, $tj». e^riften I, 183-206. 

4) Cgm. 1590, f. 171. 




wo 



eUtptg 8töre$t9 in Sngotpobt 



mit einem Seile bet Stulpen be* ©c$toäbijc$en 0unbe*, bie 
im Saufe ber näd&ften ©od&en aßmfi$li$ fcofljaflßger ju tym 
fliegen, «r Befe^te bann «icfou$, $ö$ftöbt a. b. $>., Sauingeu. 
Ruf bie leitete ©tobt erhoben fon>o$l er ott ber Wnig 
ftmufr; bie©ürgerf$aft fetbft »finftfte r^ftäbäjd? ju »erben O 
unb ein @$iebforuc$ be$ ©ifäofä oon &ug*burg entfc^tcb ju* 
gnnften be* JWntg«. S3on Sauingen au« liefe SRapinittan 
iWauerfietten, ©eigenem unb bie Qrafföaft Straberg, ©tüde 
feine« 3ntereffe, für fi<J) in ©eftfc nehmen, ©eiter na$m 
Wbre<$t ©unbelftugen, $riben$eim, ©c$roben$aufen, Äetc^erj* 
$ofen. Da bie ®raff$aft Äir^berg ju ben ®ütem ge^ftrte, 
toelc^e JUbrec^t laut be« ©unbe«oertrag$ Dom 15. Dezember 
1503 ffiirtemberg oerferod&en $atte, befd&toerte fi* $erjog 
Ulrich bei Hlbre<$t, bag ber 88mg fiety bort frtlbigen lieg unb 
bie ®raff#aft an (Sttelfrifc oon Rollern oerpfänben »oOte. 
Hlbred&t antwortete, bag er an biefem Borgeln feine @$islb 
trage. 8m 16. 3uli 1504 erfolgte bie Abtretung $etben$eim* 
an Ulrich *). 

3n Sngolftabt fehlte e* triebt an ben Umtrieben einer 
pfäljiffyn Partei, bo# mar bie Oemeinbe fetbft ftarl genug fie 
ju vereiteln. SSon Sfirgerf^aft unb Untoerfitat freubig begrftgt, 
#elt Hlbrec^t am 21. 3Kai feinen ©njug, in ber SDloTifcfirfle 
tourbe ba« Te Deam laadamas gefungen. Die ©tärfe be4 
$eere* tptrb um biefe 3eit auf beiläufig 1000 Weiter, 8000 
f$ugfne$te unb eine ©agenburg bon me$r att 2000 ©agen 
gefW 5 )- «m 24. SKai fliegen in 3ngolftabt 200 Keifige 
}um $eere, bie Vlbxt^t» @$u>5ger, fturfütft grtebri* unb 
$eriog Sodann bon ©aebfen fötdten. 9(9 bat $eer, Da« bann 
na$ flMflnd^en jog, am 29. SWai oon bort gegen Often au* 

1) €fo da ©oltilieb über ben ürbfotgefrieg, ton beut fi$ nnr ber 
Änfang erhalten fytt. ©aber, Über ein auf ber fteftgen tym- 
naflalbibUot^et ($ennebergif($e$ Ö^nraaflum ja @$tenfingen) beflnbli<$e$ 
gragraeut eine» ^ipotifc^en »olMliebe*. Dfletyrograntm 1885, 14. 

2) «renner XIV, 714; Äötner, 58. 

3) 3ainer, 439. Äifti>fel«, 506 (16. SWai), niebrigete 3a#en 
bejie^m anf bie Strusen bet ®$»Ä&if<$en 9nnbel. 




©igraunb oon granenberg ju $aag. 601 



rifrfte, mar e* angeblich 2000 Kettet, 12000 gußlnec&ie imb 
1600 Skigen ftarf. Dorfen marb geplünbert, arge Bermüftung 
erlitt bie ®raffc$aft $aag, beten ©efifcer ©tgmunb oon grauen* 
berg, oorbem ®eotg$ $ofmatfc$aH, ju ben rüfrigften unb 
mäd&tigften 8n$angetn 9toptec$tt jä$Ite (et oetfügte über 300 
Weifige) mib Don manchen gerabeju bet $auptf#ulb am ftuft* 
btu$ be6 fttiege* gejiefan mutbe 4 ). $)a$ ©#lof $aag rettete 
mit bie ©nfetaty be* I8niglt($en Hauptmann* Citelfriebridfr 
ton 3ottern oor bem SRteberbrennen. Der Honig felbft betüie^ 
gleich $ier, bat et »forest triebt ju mächtig merben (äffen tooflte: 
am 20. 3uni fefcte er ©igmunb toieber in ©eftfc feiner ®raf- 
f$aft, bie att neutral erftärt mürbe. Snbeffen trat ©igmunbtf 
©o$n 8eon$arb balb (19. Oft.) in «ttred&t* ©ienfte. ©igmunb 
$at foatet an gürften unb ©täube be« 9teic$6 eine Sefömetbe* 
fätift *) au«ge$en laffen über einen im Drutf erfebienenen ge* 
bieteten ®pxud) r ber tym megen feinet Parteinahme für 9tupre$t 
<5$toergeffen$eit oottoatf; et bat tym jur (Sntbedung be6 
anonymen w <Srje$renbieb$" ju oer^elfen, bamtt er benfelben 
re$tli$ oor bem ftSnige belangen Btone. 

Den Übergang über ben 3nn, ben Oeorg oon Holenberg 
unb »baut oon Irring, ber leitete an ber Bodbrücfe ju WfyU 
borf oettetbigten, oetmocfcte Slbrecfct, beffen $eer bamat« auf 
bem SDWtylborfer ®($Ia$tfelbe lagerte, ntd?t ju erjtoingen. (St 
befeftte bann ba* SRottyal, mo SReutnarft gegen feinen ffiißen 
geplünbert unb niebergebrannt mürbe. Stoib gegenfettiger SBe^ 
Regung ber beiben $eere, bie fi$ am 5. 3uni bei bem oon 
3nn unb ©aljac$ umftrömten „$art* gegenüberftanben , jog 
SUbred&t am 7. in bem getreuen ©raunau ein. Übet 10 000 ft 
batet ®elb, bat oom ©tift JKattigfofen, oon anbeten ftircfcen 
unb Xbeligen borgte geflüchtet morben mar oermenbete er 

1) €5o an* bat um © ab er ebierte ©olttfleb, 14. Süßer tyra nennt 
**entin (©erte I, 660) at* tyutytförberer Sfotyrety« einen Gfofner, 
©raten« €5eibolb«borfer , bie ©rüber «baut nnb ©tgfrteb (€>eifc) bie 
Sflrringer unb ben ©urg&aufer ©urgfauptmaiin Sodann *on ©obman. 

2) $aag, 7. gebr. 1505; cgm. 1586, f. 386. 

3) epäter mußten auf ©efe$l ber tffityföen Regierung alle Äir$en- 



«02 



Jtfatyfe im ©aittfdfrcn ©alb. 



al« totfllommenen gunb jur ©ejaflfong feiner Dtenftleute. (Srft 
feine ffiiüoe ftunigunbe $at bie Quittung, bte et betrübet au«* 
fteflte, eingeßft unb #eju tyre STOorgengabe geopfert. 

9htt feiten leiftete Bei biefent Um$erjie$en bet beiben $eere 
ein $lafc ernften ffiiberftanb. Set juerft bot ben ÜÄauetn 
einet ©tobt erföien, bem fiel fle in bet Siegel ju. ©ejetynenb 
für biefe übernriegenb gletcfotltige unb unentfcfyebene Stimmung 
toar e«, ba& ©<$ärbtng «lbre#t mit ber »taufei fyitbigte, tB 
fottte feinet <Sibetyftt$t entbunben fete f fobalb ein ©tfirferer 
erfötene. Dafc abet au$ ©eamten fcie bem ©artl Ungelter 
)u gtiebbetg (fonft ein trefflicher Seifiger) gelang ß$ toä$renb 
be« ganjen Äriege« neutral ju galten bfirfte ntd?t häufig 
toteberholt haben. 3n anbetet Stiftung fteht Sttbreth« treuer 
Pfleger )u ®rat«bach ©igmunb @iger«hofer »ohl einjtg ba: 
er Derpfäitbete feine eigenen öüter, um ben ©olb für bie 
farjogltd^en Gruppen in feinem Dtenfte aufbringen. 

$teron^mud Don ©tauf toar t>on Wibrecht jum 8aube£* 
hauptmann für ba« SRieberlanb ernannt toorben. SRachbem er 
ba« Don ben ^fäljern bebrohte S3il«hofett entfefrt hatte, jog er 
nun $eran, um fleh mit Wbred&t ju Dereinigen, ©eine Struppen 
hatten bereit« Stottfcalmönfter unb «lofter IMpach gestoben, 
al« tyn bte Slachrtcht Don einer ©klappe ber $erioglichen im 
$airif$en ffialbe über bte Donau jurfidrief. Der Hauptmann 
„Dor bem ffialbe", ftonrab Don ffiadbrunn, ©igmunb Don 
©attelboger unb anbere Staunte Hlbrecht« Ratten mit ihren 
gräfjtentetl« au« 8anbaufgebot, fogenannten „ffialbfnechten 1 ' be* 
ftefanben Struppen ein Don Cham au« aufgebotene« töhmtf<he« 
©dlbnerheer bei »unbing überfallen, im ftatnpfe aber ben 
ttrjeren gejogen. (Sin jtoeiter Dom ©taufer unternommener 
Überfall auf bie ©dornen gelang beffer unb foftete bem getttbe 
60 Zote unb Diele (Befangene *). 

ffityrenb 8lbre$t in ©raunau »eilte, unternahmen bte 

gdbet im Sanbe na$ tonbthut „geflirtet" toerben. SHefdben toaxm 
»enigflen« 1511 no$ ntyt jatfitfetflattet. «rrobett U, 461f. 

1) iWner, 22. 

2) ««Itter, 65f. 




ftftttty nimmt Canban a. b. 3far. 



608 



^fäljlf^ett $auptleute WofenBerg unb ©i§pe<J berheerenbe ©tretf* 
jfige. Der erftere brang &on ganbau au« bonauauftoärt« 
Btt gegen SReufiabt, SBtftyed jog oon SanM^ut au« übet SRoo* 
bürg burdh bie $ottetau. ©eibe liefen hinter ftd^ nur 3er* 
ftörung unb ©enb, bon ffiigpectt Iruppen allein toutben 
an 60 Drtfchaften in ©ranb gelegt, batunter Pfaffenhofen, 
totetoohl biefe ©tobt Dornet ©ranbfchafcung gejault ^atte. 
WBred&t* ©orfölag an ben tfäljiföen 93ifetum Subtotg *>on flfyB, 
bafc lebet Zeil ben anbem mit ©raub fterföonen möge, fanb 
lein ®e$3r. SRun befc^Iog er ba$ Don WofenBerg befefcte Sanbau 
anjugreifen, ba* ®öfc t>on ©erlid&ingen al« „faule« 9teft" Be* 
jeid&net, toietoo^I »ofenBerg bie geftungäoerfe berftärlt hatte, 
©on ©trauBing !am fchtoere* ©elagerungägefdhfifc, unter ben 
löntglichen $auptleuten SÄichacl Don (Sijing unb $an$ t>on 
©ilfer«botf fliegen jefet auch öfterreichtfehe $ilfto3lfer au« 
©$ärbing ju «Brecht ; aber beffen Sitte, baß 2Wo$tnrflian felBft 
nach ©aiern ju $ilfe lommen möge, toarb no<h nicht fo Bote 
erhört. Hm 28. 3uni trat Stuprecht, bon ©tngolftag jum 
<5ntfafee herbeigeeilt, mit fetner $auptma$t, 2000 ju $ferb 
nnb 8000 ju gufj, ben Belagerern entgegen. Da fic^ feboch 
toeber bie ©atem tynttx ihren ©chanjen f^xt>oxlo<tm liegen, 
noch er jum ©türm auf biefelBen fich entfchlie&en mochte, 
hatte e* nrieber Bei gegenfeitiger ©efchtegung fein ©etoenben. 
Dem fampfluftigen Orafen ton ©chaumBurg mehrte Ruprecht 
ab, er foQe ihm fein gute« ftrieg&olf nicht aerberBen, ba* fo 
fchtoer ju erfefeen fei. Sag« barauf aber 30g WofenBerg mit 
ber ©efafeung unb einem Zeile ber ©ärger *) ab , nachbem er 
vorher ba* ©chloß in ©ranb geftedt hatte, ©chon $khi\ 

1) 9&a<h bem Siebe bei ». Stliencron II, 533 fotlen biefe gebunben 
htameggeföteift toorben fein. Wa* Ä Bin er (cgm. 1933, f. 112t., £>nuf 
0. 75) »erlangten mehrere $au)>tlente, man fofle ben gelnb Bei feinem 
Sbgnge nach 2>ingolfing am ©affer angreifen, ©raf «itelfriebru* *on 
3olIem aber habe bie* fcon be9 Äönig« toegen nicht jngelajfen, benn 
in ganbau fden bamal« bie trefflichen Strusen 9taj>re<$t« getoefen, bat- 
n*ter ein 6obn be9 Grafen <Sitelfriebri$. 2>emnac$ h^tte BoKem *om 
fiönige bie SBeifnng gehabt bafttr su forgen, baß 9toj>re$t nicht ju fehr 



«04 



SWentereie» tot &utbttne$te. 



ging <m$ ein 5Eeil ber ©tobt in Stammen auf, bet 8?eft urarbe 
bur$ einen ©raub jerftört, bei na$ bem ©njuge bet bairififc» 
Etüden toäfctenb tyter $lfinbenmg autf&ra$. 

Die flrrlaubnt* ju biefer ^Ütaberung Ratten bie 8anMtne^te 
bem »tberftrebenben $erjoge bur$ offene SReuterei abgebntngen. 
S3on gieber unb 9tu$r arg mitgenommen unb geretjt bur$ 
5Ra#ric$ten, bafc in {Ruprecht* Sager bie ©olbjatynngen regel* 
mäßiger erfolgten, untren bie ftne^te fctyoierig geworben, 3Ubre$tft 
Steigerung einen ©turmfolb auäjuja^len, toetl e$ \a nity jum 
©türm gefommen fei, $atte ba$ 2Waf$ ber Unjufttebenfctt gefüllt 
8U3 ben befötoorenen Ärtegäartifetn jum Itofe bie Sanbfttnectye 
ju einer „(Bernein" jufammenttaten, mngte ber $er$og tyrem 
Serlangen ber $lfinberung nachgeben, nat$$er aber lief er 
einige ber Änfrü^rer in Straubing ertränfen. <£* mar mcbet 
ba$ erfte* no<$ ba* lefctemal, bajj fic^ aufrü^rerif^er (Seift in 
ben Stoppen regte. ®let$ im {Beginne be* gelbjug* l ) ftrtte 
fty Änbrea* fcon ©onnenberg auf bem §auptplafce in 3Wfinc$ett 
gelungen gefefcen, feine Weifigen in bie Sanb*fne$te einbauen 
ju Iaffen, bie fi$ toeigerten gegen (Srbing ju marföteren. Da* 
mal« $atte ber üßfinc^ner 8tat ben Meuterern $erjetyung et* 
toirft. ©j>äter fam e« auc$ in Wupred&t* Sager, »ie e$ freist 
infolge oon 3ö>tetrac^>t juriföen Deutfd&en unb ©öfrnen, jtotfcfcn 
benen, mie ber übt oon gotmbac^ fagt, emiger $ag $errf$te, 
ju fo flimmern «ufru^r unter ben Santofned&ten, bajj ber 
$fa(jgraf felbft oor tynen bie $Iu$t ergreifen mußte. 

ÜRit ber Sänge ber 3eit toarb e* SUbrety fiberau* fötoer 
feine XruWen au« eigenen SWitteln ju erhalten. (Et Sagt ein* 

gefö&a^t unb Störest ber ©ieg nic^t ju leicfct gemalt »firbe. ©egeu 
tiefe «uffaffung ftretyn jebo$ geunc^tige (Brflnbe. ffifire bie «bftyt 
be9 IWnig* ba§in gegangen, $fftte er bo$ »oft oor allem Wbre*t feine 
$Uf0tmwen entjogen. 6tanb »irtti* ein 6o$n 3ott«n« im f einbilden 
Sager, fo etüfirt biet am einfachen be« örafen Cinfi»ra$e gegen ben 
geplanten Angriff. 3ebenfafl* fteli man in ©aiern, mk au$ Süttorf 
fcortfefcer (fcrutf, €5. 86) e* au*ft>ri$i, ben Grafen oon Boaern für 
einen jmeibentigen 8nnbe*genofJen. 
1) *m 4. SWoi. e. Äötner, 21. 




©efc*te bei ftmbfttnt. 



mal, bat et über 4000 SDlann ju ernähren $aBe. Seim 
©d^tDSHfien ©unbe, Bei gfirften unb ©tfibten, bieten Ätrd&en 
betf 8anbe* l ), au$ einzelnen ©ärgern tourben ©Bulben ge* 
maeft, ben Untertanen marb eine neue brütfenbe ©teuer, näm< 
li# ber floanjigfie Üeü brt a3ermdgen$, allerbtng* nur al« 
Onle^en auferlegt; Bei SWangel an Barem (Selbe mußten fogar 
bie (Sflter t>er)>fänbet »erben. 

913 9UBre$t mit feinem $eere oon 8anbau bie 3far (erauf* 
rfitfte, ftief er bor 8anb6$ut, jtoifd&en Hltborf unb Seligenthal, 
auf ftuprecfct, ber $ier, too no$ bie ®ef#ü$e ber 5Erau«nifc in 
ben ftampf eingreifen tonnten, mit 1000 Weitem, 2000 gut* 
gSngern unb ®ef$fifc eine fefte Stellung eingenommen $atte, 
um bie 33orüBerjie$enben ju Beunruhigen. 3n jtoei @$armüfeetn 
mürben iebo$ bie $fäljer (13. 3uli) gurütfgemorfen. 3n bem 
jtoetten biefer ©efetye rig eine ftugel au* bem eigenen Säger, 
au* einem Nürnberger ©efcBüfc, bem fpäter Berühmt geworbenen 
®5fc oon ©erlid&tngen, ber im Dienfte feine« »etter* SReibfart 
oon Stüttgen Ktbre^t« gähnen folgte, bie §anb meg, fo ba§ fie 
nur no# an ber $aut $ing *). Der ©dfrtoer&ertDunbete fanb 
auf feinem langen ©tynerjenätager unter ben Seinben in Sanb* 
$ut forgfame unb teilnahmsvolle Pflege, ©inen Berfudfr Wu^re^W 
ba< Säger «lBre$» Bei 3farecf ju überfallen vereitelte bann 
bie ffiaetfamfeit ber »orpoften. «IBred&t Befefete o$ne 2Biber* 
ftanb SRooSBurg, vor beffen 3Äauern er j»5lf Sage lagerte. 
5Die 9tu$e unterBradfr eine jtoeimalige SBerennung Ofarectt, tooBei 
fi$ bie ©tfirmenben febe^mal burc$ bat feinbltye geuer raf# 
jurfldtreiBen liegen, ©er $erjog lieg fester feiner ganbfefraft 
Ragen, bie fremben ©5Ibner hätten bort toie in ber golge bor 
SReuBurg ben ©türm oermeigeri 8 ). 

1) 3<$trei$e ©$utbf$etoe an JHrdforfyfte au« bem 3uni f. Bei «r- 
roben in, 215—221. 

2) $kfdbe ihigel fott, koie man bem t*mmnbetcn (Wfc erjfflfrtte, auf 
*ffil|ifd)er edte ben »oigtltaber ga&ian ton ©aWborf irm %dbt ge- 
troffen ^aBen. Mbcn bei «itter« QSfe »on ©ertt<$tagen, ed. @$5n$nt$, 
1858, 26 f. ta» einen miggttttften angriff ber ©aiern anf Sanb^ut 
tottb man bie <8efe$te wm 13. 3uti tri$t auffaffot bftrfen. 

3) ftnmpler, 131. 



606 fkrgeMtye Belagerung Stat&urg«. 



ffiäfrrenb beffen erföienen bei «übtest (22. 3uli) ©efanbte 
ber ©rfiber 9tupxt$t* t be« $faljgtafen Subtmg unb be« ©ifaof* 
oon ghreifing, ttm toegen eine* Dom ftönige angeratenen ©äffen» 
ftittftanW ju unter^anbeln. Kupre^t aber fölug ba* Hnfinnen 
ab unb SDlajimilian mufjte bie «Erfahrung machen, ba§ ber alte 
tote ber junge $faljgraf no$ lange „nic^t genug gepufct nnb 
gemergelt" feien. Huf SRat be* ftöttig« r&fte Wbrecfct mm 
gegen SReuburg. 3n feinem Würfen ftreiften bte $fäljer (5. Xu* 
gnft) oerfcerenb bi* Jeimann tot Sßüntyen* 3lorbt$or mtb 
brannten bie Dörfer mtb @c$toaigen bafelbfi nteber, bt* ®raf 
$an* ton ©omtenburg au* ber ©tabt $eroorbra$ mtb fte txx* 
föeud&te. S3or Stteuburg lagerte ba* £elagerung*$eer bei 3*ö- 
frier bra$ am 11. Äugttft eine STOeitterei au*, unter ben bietet 
aufrfi$rerif($en Oetoegmtgeu ber Zxuppm too$l bie geftyrltyfte. 
$erjog Äbre^t mtb ©raf (Sitelfriebrty oon 3°öern mußten 
fliegen, STOarfgraf griebri^ bon ©ranbenburg, toietoo^l felbfi 
breimal ju ©oben gefölagen, foö me$r al< 50 dmpixtx felbfi 
bernnmbet ober getötet $aben. Kalbern e« ben föniglic$e» 
Xruppen mtb ben Hug*butgern enNtdfr gelungen fear be* ftuf» 
ftanbe* $err ya »erben, mürben biete ber ©cfyttbigen enthauptet, 
anbete mit ©(ftmtf au* bem $eere geftojjen. Die Belagerung 
Sleuburg« führte nic$t jum %kl f auc$ ein Unternehmen auf 
Rain migglfidte. SOlan mufte fi$ $ier mit Seineren Erfolgen 
tote ber (Einnahme ®rai*bac$* unb ber (Befangemte^mmtg 200 
bd^mif^er 3u|&te$te bur$ Snbrea* bon ©onnenburg (12. Äug.) 
begnügen. Dann aber berltef fty ber grdfere Seil oon ben 
©ölbnern be* ®{$to4bifc$en ©unbe« unb gegen Snbe flnguft 
toar 8tbre$t* $eer, ba* in einer ©t&rfe oon etma 12000 
Sföann gegen Sßeuburg au*gejogen toar, bi* auf 2000 äRamt 
$erabgef unten. 

STOittlertoeile $atte «Ibrecty« ©efanbter, ber Domherr unb 
©traubinger Pfarrer Ulrich oon ©efierftetteu, au* bem laifer* 
liefen Hauptquartier in ber Ortenau gemelbet, bafj ber Staig 

mit bem ©ebanfen trage ben fturffirften $$iltpp ber Sur* 
tofirbe ju entfern *), unb balb !am bie 9ia$ri$t, SKajimiliau 

1) «renncrXI7,728; 9Rnf fat,öeW.b.baver.u.rtÄ|.titr r 285f. 




Die tfttftiföc ftur. Bu^nbe in SanWftit. 607 

fötoanle, ob et bte ftur VfUippt ©ofrte Suburig, bera $erjogc 
©eorg oon ©a^fen ober $erjog Wbrec$t Derletyen fofle. Die 
gfirften ber äBfincfyter fitnie toaren bi*$er baDon abgeftanben, 
fi#, tote tyre Settern Don 3ngolftabt nnb 8anM$ut getfan, 
ein Änrec^t auf bte pfaljtfd&e ftur Derbriefen ju (offen; ieftt 
festen bte 3R8gft$feit geboten me$r jn ertotrfen. 8Ubre$t for* 
bette an* bera Säger Don SReuburg feinen ftanjler 9tat$aufer 
auf, au* ben Urbtnben über ba* $iftorifc$e 9te($t SSatern* an 
ber ftur fi$ ju untersten unb tym 83or[$töge }u machen. 
Sur einen bamföen Staatsmann btefer 3«t tft e* nun tytyfi 
aner!ennen*n>ert, bag ber Sanier bte ©olbene ©uUe $5$er fteßte 
att ben $au«Dertrag ton $aoia unb baß er mit 9töcffi$t auf 
biefe feinem gfirften riet ba$in ju toirfen, bag bte ftur $$Uift>6 
©oftte Subtoig, feinem Ktoftigen ©c$»iegerfo$ne, fibertragen 
toörbe. 3n btefem ©inne lautete benn au$ bie 3nftruftion, 
bte ber Don Hlhxtty SRttte Huguft na$ granlfurt entfanbte 
Demant (Sifenreidjf mitbelam. Sin 93erfu$ aRapmtlian« ba« 
<Srjtruc$feffenarat aufjufaben, bie pfaljifd&e ftur mit einem 
neuen (Erj^ofmelfteramte auf Sirol ju fibertragen unb feinem 
©o$ne tyüxpp jujumenben $atte Don oornfcrein feine Hu$fu$t 
bte erforberltye 3"fttmmung ber fturffirften ju erlangen unb 
gebte$ tooty au* btefem Orunbe niefct }ur Hu*ffl$rung. Der 
©eparatfrwlKn jn>if($en aWajrtmillan unb bem ftUrffirften 
Xtpp Dom 10. September befreite bann ba« pfäljifäe $au« 
Don ber ®efa$r bte ftur ju Derlieren. 

3n 8anb*$ut $errf$ten inbeffen ffir$terit$e 3uftänbe. Die 
bairifä geftnnte ©firgerfd&aft toUTbe nur bur$ ®emalt nieber* 
gehalten, unter ben Struppen untren Meutereien an ber £age** 
orbnung, bte 8iu$r nofttete in tyren Keinen. (Stntge Unglfitt 
Itye enbeten auf bem ©Weiterlaufen al* Dermetnte ©rumien* 
Dergtfter. Der äßut be* Jungen gfirften blieb bi« yam Snbe 
ungebrochen, aber fein ftörper erlag aflmitylkb unter ber ffiu$t 
Don ©orgen unb «nftrengungen. 8m 20. Huguft l ) ftarb 

1) Streiften ©ifabet^, D. $orraa$r* Zaföenbu* für 1830, 
306 f. 



«08 



£ob 9titytt$t#. 2>ie $f5Ijer erobern Braunau. 



$faUötaf JRupte*t ; ber eine föle^te ©actye mit ©e^arrlu^Ieit 
unb (Energie fcerfodfrten $atte, an ber 3tu$r. ©eine (Betreuen 
aber Warten fu$ unentwegt unter (Eltfabet^ gafyie unb f$ent* 
ten Blbrety« Bufforberungen nunmehr jur geregten ©ac$e 
fiberjutreten leine &ea$tnng. 

3mmer mietet lächelten ber pfäljifäen Partei öereinjette 
©trafen ber ®lfi<ftfonne, bie leine Entmutigung auffommen 
liegen. ©o jefct bie (Einnahme Don Öraunau, too e* )u einem 
ber getieften ftämpfe be« gelbjug« fam. Die $fäljer Ratten, na<$* 
bem fic juerft ©$lo§ 3ulba# unb Älofter Wandhofen eingenom* 
men, eine bebeutenbe üRaty jum Singriff auf biefe ©tabt bereinigt. 
®raf ®eorg Don ^elfenftetn f ber ®efe$l«$aber be$ $tafee*, 
oerffigte übet 70 Steifige unb 400 gufc!ne#te. 500 Säuern, 
bie in ©^ärbing jur Cerftärfung biefer Sefafeung aufgeboten 
tonrben, Ratten fit^ getoeigert nad> ©raunau )u jtefcnj ba fk 
©teuern für bie Unterhaltung ber ©Mbner jaulten, erttärten 
fie, fei e« au$ beten ©a$e für fte ju fämtfen. Stat 27. 8to* 
gnft toagten bie $fäljer na# elftägiger toirffamer 0ef$ie{frittg 
ben ©türm. Die SSerteibiger fölugen ft$ auf« top ferfte, ba« 
anf geriffelte $flafter bot tynen ©urfgef^offe, ©eiber teilten 
flebenbe« ©affer fctum, ba« auf bie ©tflrmenben $inabgef$ättet 
tourbe. 2Btt fclbenmfittger Änftrengung toarb ber ©tnrm ab* 
gefölagen, gletc^ioo^l fibergab $elfenftein am folgenben Zage 
bie ©tobt, ©ein ©eridfrt an ben $er)og nennt auger einem 
fünfte, ber nur mfinblt$ mitgeteilt »erben fitane, aW ©rfinbe, 
meiere jur Übergabe jnxmgen, bie in bie geftungtoerfe ge* 
fäoffene ©reiche unb ben eingetretenen SKangel an $ufoer, 
eine SDlottoicrung, bie ben ©rafen bo$ nic$t oor «Übtest« 
bauember 1 ) Ungnabe faöfcte. Sei ber Übergabe ftanb bie 
£efa$tng in SRety unb ©lieb, ade fötoarj »ie Äö$ler; fie 
mu§te geloben eine 3cit lang ntyt gegen bie $faljgr8fta bie 
©äffen ju führen. 

SWittlertoeile »aren au$ in ben batrif^en 8anben n8rbli(| 
ber Donau, in ber Dberpfalj, in ©tyoaben unb in ber »fretn* 

1) «Dentin, Gerte I, 662. 




Äfaipfe in ber Dberpfalj. 2>ie ©S^men im pfffljiföen Sager. 609 

pfalj blutige ftämpfe geführt toorben. Sie ©tobt Dürnberg, 
bie über 3000 STOann unb ebenfo jahlretcheS »le treffliches 
©efthüfc oerfügte, hatte im 3»ai ihre Unternehmungen mit beftem 
<2frfoIg gegen bie benachbarten ©eftfcungen beS Äurfürften tyu 
lipp gerietet. Sauf unb nach oiertägiger 8ef$tefjung Hltborf 
(25. ÜRai) mürben oon ihren Iruppen erobert, fterSbrucf, 
©chlo§ {Reichened unb anbere Orte ohne ffitberftanb befefct. 
SRtcht ebenfo gludte es ihnen im 3ult mit SReumaift, aus bem 
ber #5nig eine SleichSftabt machen tooflte. Siachbem Subtoig 
Don &)h f ber pfäljiföe »ifctum unb Oberbefehlshaber im 9lorb* 
flau, 300 SRetfige in bie belagerte ©tabt gebraut unb babur$ 
bie ©efafcung ju fernerem ffiiberftanb ermutigt hatte, hoben 
bie Nürnberger am 28. 3uli bie ^Belagerung, bie mehrere 
^Bochen gewährt hotte, auf. 3n einem befonberen Schreiben *) 
banlte »urfürft tyttipp ben SReumarftern für bie bettnefene 
SEapferfeit unb HuSbauer. Such Don ® eitc ^S 2Warfgrafen 
griebrich oon Sranbenburg toar im üKai ber ftampf eröffnet 
toorben. Diefer hatte $tlpoltftem erobert, fonnte bagegen 
$aibecf , baS immer ein ©tüfcpunft in $änben ber $fäljer blieb, 
nidht in feine ©etoalt bringen. Die ©berpfalj litt fchreclltcb, 
{janje {Reihen oon ©urgen unb Drtfchaften »urben erft au** 
{jeplünbert, bann niebergebrannt; an einem Zage (25. 3ult) 
ftanben breifjig Dörfer, teils oon ben $fäljern teils oon ben 
Serbünbeten angejünbet, gleichseitig in flammen. 

3m 3uli trat ein (Ereignis ein, baS bie Sage ber Vfäljer 
auf bem nSrblichen UriegSichauplafce mit einem ©chlage be* 
beutettb oerbefferte; )u ihnen fliegen böhmifche $ilfSoölfer, 
700 Weiter unb 5000 Fußgänger, bie fchon länger an ber 
Oberpfälzern @renje lagerten unb nur auf HuSjahlung beS 
besprochenen ©olbeS gewartet hatten, ©eit ben $uftten!riegen 
behaupteten bie ©öhmen ihren 9tuf als gefürchtete ftriegSleute, 
gleich ben Cibgenoffen bienten fie als »eisläufer ohne »fiefficht 
ber ©ache iener Partei, bie ben haften ©olb jah^# wb wo« 

1) »ei $oljf<$uher, 2)ie Belagerung *on ffleumartt im Söhre 
1504 (tteumarlt 1888). 

«leilet, •eWWefJatacni. HL 39 




610 Eintreffen ber b3$raif<&en $ilf8taW«t im pfSljlWeu 2^8«. 

begegnet tynen faß in allen Striesen biefer <&po$t. ©emt aber 
ber 3ngolßäbter ©tabtföretber Batner bittere ftlagen anßtmmt, 
ba6 bte $fäljer biefe gottlofen ftefcer in« 8anb führten, fiber* 
ße$t er, ba|j bie ©erbßnbeten teeriger religiöfe ober moraßf<$e 
©rflnbe aW bie ©efäränftfcit i$rer ©elbmittel $inberte ebenfo 
jn »erfahren. SUbrefy $atte ß# föon im Februar um b8$* 
miföe ©ölbner beworben unb ben böftniföen ftanjler »on 
@$mie$au burc$ ein reiche« ©elbgeföenf jn beßimmen gefu<$t, 
bafj er ein ©erbot pfäljifct)er ©erbungen in ©ö$men ernrtrfe. 
3m pfäljiföen ©olbe tömpften otele ©dornen, mel^e bte ®renje 
Übertritten Ratten in ber Stoßet unter Älbrectyt* gähnen ju 
festen unb bann nur bur$ ausbleiben be* besprochenen 
©olbe* in ba$ Sager ber ©egner geführt morben toaren x ). 
ftleinere, immerhin au$ anfe$nli$e b5$mifc$e ©Mbnerß&aren 
befanben ß$ jeboety au$ unter ben Struppen ber Serbflnbeten 
unb toieber^olt fam e$ }toif<$en btefen unb ben beutfc$en Santa* 
fronten ju blutigen $änbeln. ütun aber toar ber neue bd$* 
miföe »anjler ftolowrat, toic e£ föeint, bur$ ©eßecfcung ge* 
toonnen morben feinen ftönig ©labfclau« für bie pfäljlfc&e ©a$e 
gfinßig jußiramen. ©labiälau« plante, ba§ Stopred&t* ©eftoeßer 
Umalie feinem ©ruber bie $onb reiben foflte, unb in einem 
©^reiben Dom 27. 3uli fpro$ 8tuprec$t bie $offnung an4, 
ba| fein ©ater bamit einoerßanben fein »erbe*). 

Sin Seil ber b5$mif$en Gruppen oereinigte fid? mit ßubnrig 
oon &jb f au# Sanboolf ber Oberpfalj »arb aufgeboten unb 
ein mit friföer ftraß geführter «ngrtffSßog traf nun bie un* 
glfi(fli<$en Untertanen Älbre^t« im 9?orbgau. gia# brettfigtger 
©efdfriejjung (10. bi* 12. Huguß) ergab ß$ ©tyoanborf unb 
bie gejagte ©ranbf$a$ung rettete bie ©tabt ntyt oor bem 
SRieberbrennen. ©obann tourbe ftalmfinj erobert unb nieber* 

1) Umgefcfyrt ließen fty im »egton beft Ärtegel last be* Cinbtatt- 
brmff: «ermerft bie $ilf «. f. to. 1500 gnte Äneajte bei Safel rtnb 500 
bei 3üri4, roeU^e jU$ fftr bte $fft}er gefammelt Ratten, ber «nfforberung 
be* Ä3nig$ fotgenb, bnr<$ jroei !5mgli$e Trompeter in bat Säger bei 
€$toföif$en ©unbe« geleiten. 

2) Ä3lner, 89; ffiürbinger U, 215. 




Ä. 2Ra#mttian auf bem bairtf<$en äriegeföduplafee. 61i 

gebrannt, feine SSerteibtger na$ bet Übergabe Don ben ©öfynen 
niebergemacfct. 3Me üBarfgräflufcen brannten bagegen ftlofter 
ffialbfaffen (4. Äug.) nnb Diele tfätjifcfa Dörfer nieber, er* 
litten aber, als flc unter Wejanber Don Sückau bie ©urg 
flrbnat ffibtt# oon ffiunftebel angriffen, bur$ ben pfäljiffyn 
Hauptmann ftafpar Crlbei, ber au<$ Säuern aufgeboten $atte, 
eine fötoere SRieberlage, mobei fie angeblich 1000 Sßann auf 
bem ®$la#tfelbe liegen. Unter ben (gefallenen toar ©altyafar 
$tybrifc, ein Unteranfityrer 8uc$au$ *). 

Der erfte $tan ber Serbfinbeten ben ©öfrmen nnb ^ffilgem 
mit oereinigten Gräften entgegenjutreten filterte, $iena<$ 
foöten $erjog 2Hbre#t, ber SKarfgraf unb bie SRfirnberger am 
19. Suguft in Serngau jufammenfiofjen, boc$ ben SWarfgrafen 
$inberte ein Hufftanb in feinem $>eere ber S5erabrebnng golge 
}u leiften. (Srft aW $ier ber Äönig felbft im Selbe erföien, 
nahmen bie Dinge für bie SJerbünbeten eine künftigere SBen* 
bung. SWafimilian $atte im Jluguft bie $auptorte ber Ottenau 
erobert unb fanb e$ nun an ber &t\t au$ in ©aiero perföiu» 
li# einzugreifen, «n ffißfabety fott er na$ bem 5£obe tyre* 
®ema$l$ ein Iroftfc^reiben gerietet unb fi$ erboten $aben 
tyre ftinber in feinen ©#ufc ju nehmen unb Hlbrecfct nebft 
beffen SSerbfinbeten jur ©nfteflung ber geinbfeligfeiten ju be* 
ftimmen 8 ). Die gortföritte ber Sßfätjer im Slorbgau unb ba* 
(Singreifen ber ©Jörnen lehrte tyn aber nun bie 9tottoenbigfeit 
ben ®egner erft grfinblicfc ju bemfitigen. 9m 2. September 
fam er nac$ Donaumörty unb erhielt oom ©$u>äbifi$en ®unbe, 
in bem bie ftriegäluft tief gefunfen loar, „auf tyfeige äßafytung" 
2000 $ußfne$te. 3n ben nS^ften Zagen ooHjog er feine 
Vereinigung mit $erjog «Ibredfrt (800 Steifige), bem 2Dlarfc 
grafen griebrty (790 «eitfge, 2500 gufctoetye), ben SRflm* 
bergem (700 gu&toetye, 160 btymifcfc Steifige, 300 Säuern) 
unb $ersog (Sric$ oon ©raunftftoeig (200 Steifige). Die ftunbe 

1) Otto Don ffialbfaffen bei Oefele I, 83; «eber bon ber 3er- 
(Wrang ffialbfaffen« unb bora Steffen bei fcbnat, b. Sitiencron II, 
523. 527; anfgeOebtc* »latt im dm. 1091. 

2) eiebnf*. 31. 

39* 



612 



bon ber Sereinigung btefe* $eere* mtrfte too^t mit, um 8ub* 
»ig bon öfyb, ber mit 9000 ÜRann ba* Dom batrifc$en fxtupt* 
mann SUbrety ©tieber tapfer berteibigte ©uljbadb belagerte, 
jum Äbjuge ju beftimmen. Da bie ©uljba^er bor 8ttrec$t 
berleumbet umrben, ohne ba$ eintreffen einer $ilfe and 9förn" 
berg »firben fie bie ©tabt too^l in ein paar Zagen übergeben 
haben, rühmten fie fleh in einem ©ertöte an ben 8anbe«herni 
ihrer gnten §attung unb ihre« (Erfolg«; in einer 9la$t Ratten 
fie 1506 Äugeln berföoffen *). Der ftSnig aber toanbte ftc^ 
bann nicht gegen ba* pfSljifö*böhmtfehe Siorbheer, fonbem gegen 
bie $auptma<ht ber ©5^men f bie mehr im ©üben ftanb unb 
eben baä ©ehtoß ©Dönberg trofc ber tapferen S3erteft>tgung be* 
Pfleger* 3Wu$ael 3*nger eingenommen ffattt. 3©ei beroegene 
„fcedenreiter*, ftunj bon ©$ott unb $$ilipp bon ©tetn, Ratten 
fleh bor^er aW Säuern berfleibet in bie Sager tiefer bö^mtfe^en 
Iruppen bei <&ham unb $freimt eingefetteten unb bem ftdnige 
bie ÜRelbung überbracht, bafc biefelben unter gfi^rung be« 
©rafen bon »ofenberg ftfinben unb 6000 ÜRann ftarl feien. 
äÄajftmttlan ^egte r tote au« einem ©riefe an (Selti* ^erbor^ 
geht *), leibenfehaftttchen Äbfchen gegen bie tefeerif$en ©Jörnen, 
bon beren retigtöfen ®ebrauchen man i^m fonberbare S3or* 
fteKnngen beigebracht ffattt. 

«m 11. September lagerten bie 93erbünbeten, nur toenige 
©tnnben bom geinbe entfernt, auf ben $3$en bei ffiegetttburg. 
©$on um aWittemac^t lieg ber ftfottg Trompeter unb Pfeifer 
jum «ufbrueb btafen. 3n bunffer Stacht jog ba* $eer, $er* 
iog «tbrecht an ber ©pifce ber »orhut, über bie ffialbberge 
itanfe^en fletter^aufen unb bem ©teintoeg, Beamte 91bre$t* au* 
biefer ©egenb unb ein btymtfctyer (Sbelmann bienten att gü$rer. 
fflä^tenb man bie Wegenbrficfe übertritt, ging bie ©omte 
auf, bon SRegenÄurg herüber ffbxtt man bie ©Ioden für einen 
fluten flkrigang läuten, urie e* ber ftdmg angeorbnet fpitt. 
„9iun helf und ®ott", fpradh SRajtmilian, „tott haben pr* 
bitter! -1 

1) Serhanbbmgcn be« 8er. b. ObetpfaJj XXXIV, 147 f. 

2) 2>eS «dttt „RapeodiA" übet bie £tymenf<$!a$t t>orgebtn(ft 




bei SBenjen&a^. 



auf bie Wachruht Dom $eranrü<fen be« ©egner* traten bie 
©öhmen auf ber ©trage gegen S^am ben Wücfjug an. ffitfr 
pecf , ber ftc* bei ihnen befanb unb feit Wupred&t« lob ben 
Oberbefehl übernommen f)attt, eilte mit feinen 600 Weitem 
fcorau* unb entlam ben Verfolgern, Da* bBhmiföe %ufcott 
aber, fytx noch 3000 SRann ftarf, mürbe Don ffabrea« t>on 
©onnenburg in ©charmfifcel aermicf ett unb fteflte ftc^ nun auf bem 
SEBenjenberge, jmei ©tunben norböftli^ &on Stegendburg in 
©chlachtorbnung auf. (5* mar vortrefflich bemaffnet, intf&efonbere 
mirb hervorgehoben, bog e« oiele fogenannte w b5hmif^e©ü^fen* f 
^atte, „$anbbfi$fen, meldte fith felbft anjünben" 1 ). 3m Wah* 
fampf gegen Weiterei maren au$ bie „Ä^Ifplege" eine gefä^r^ 
liehe ©äffe; mit ihren unterhalb ber ©pifee angebrachten $acfen 
riß man ben Weiter oom $ferbe herab, $tnter ihren „$aoefen, 
grojj mie ©tabelthore", bte mit ben eifernen ©ptfcen in bie 
firrbe gerammt unb mit Stetten unb ^aden oerbunben, eine feftc 
SWauer bilbeten, erwarteten bie {Böhmen bei bem heutigen 
$ofenruith ben Änfturm be$ ($etnbe$. auf einem menig enfc» 
fernten jmttten $üge( ftanb bte ffiagenburg aufgefahren, bie 
Don 800 SWann befefct mar. Unten im Zfy&t ftanb Dorf 
ffienjenbach in Rammen. ai$ ber ftönig mit ber fcerbünbeten 
Weitetet hte anfam, lieg man bie <ßferbe auäfönaufen unb 
martete auf ba$ gufjoott, ba$ oom anftrengenben Wachtmarfth 
erm&bet langfamer nachfolgte. Der jugenbfeurige JKatfgraf 
ftaftmtr &on ©ranbenburg aber erbat fleh bie <&f)tt fogleich jum 
angriff vorgehen ju bürfen. Doch Don oernichtenbem geuer 
empfangen, gingen bie marfgraflichen Wetter in Unorbnung 
jurfief, ihre (Sefchüfce mürben erobert, einige Stüde fogletch 
umgemenbet unb gegen ba* föntgliche $eer abgefchoffen. 

Wun aber mar ba$ gefamte gugbolf eingetroffen unb unter 
bem Schmettern ber trompeten ging ba« ganje $eer jum 
angriff bor: 4000 SWann gu&fcolF in ber SDlitte, auf beiben 
glügeln bie Weiteret, 1600 $ferbe, an beren ©pi&e eine ©char 

1) Sugget in cgm. 900b, f. 44t. ffieber $atxfen iebo<$ no$ 
ahtfpfcge nnb $anbbft<$fcn maren ben Böhmen eigentfimtt<$. @. n. a. 
Ärenner X, 16. 17. 




«14 



eicg über bic Eöfyneu 



ton fürftlichen Patent, isie fie flc^ feiten auf einem Schlacht* 
felbe jufammenfittben: als ,ber etfte im treffen unb bet 
borberfte im @pife* bet JWntg, fobann trofc feiner 57 Söhre 
tmb feinet Beleibtheit 1 ) «lbre<ht bon ©atern, beffen ©ruber 
Öolfgaug, bie SJiarfgrafen griebrich, Oeorg unb ftojlmit »oit 
©ranbenburg, $erjog (Srich Don ©raunfchtoeig, bet $erjog bon 
ötegnife, bom $o$en übet ©raf ©telfrifc bon %oütxn unb biete 
anbete. $eifc entbrannte bet ftampf unb »erat bie „frommen 
Kittet" bet 3eit meinten, fo fie nicht in einem Steffen auf 
ben btitten unb feierten ®aul gelommen, hätten fie lein $elben* 
toer! gethan*), fo tonnten fie nun ihr ©elufte reichlich be* 
friebigen. Sin prachtbofle* Stelief auf SKaf imilian« berühmtem 
©rabbenfmal in ber 3nn«6ru<fer ffranjtöfanerfirche gemärt 
und ein anfchauliche* ©ilb bon ber feften Stellung ber Sdbffmm 
hinter ihren fptyn, ausgebauchten ^aoefen 9 ) unb bon bem 
bi$tgebtängten Hnftutm bet bornehmen ©fenreiter. Den 9flatN 
gtafen ®eotg unb ftaftmir »utben bie $ferbe unterm Seib 
erftochen unb e* »at leine leiste Hufgabe bie ©(htoergepanjerten 
unter ihren Stoffen herborjujiehen. Der ftönig felbft lam au£ 
bem ©attel unb htog nur noch am $ferb. §erjog (Stich, 
fcietoohl bereits burch ben %xm gef<hoffen, half ihm fleh triebet 
hmauffchtbingen, toatb abet im nämlichen Äugenblii felbft bon 
einem botnehmen ©öh^en in oetgotbetet 9tfiftung angegriffen, 
©ein $ferb „©elf tourbe biermal bernmnbet, er felbft er* 
hielt, ungerechnet Diele Streiche, jtoet 8anjenftuhe unb einen 
©oljenfchufj burch ben bisher unbermunbeten SLrm. Aber ff mir 
fchabet nicht« 1 *, fötteb er mobtgemut bon feinem »egenäbutget 
@<hmetjen*laget au« an feine (Semahlin — unb f(hon nach 
biet {Bochen ftanb ber tapfere gflrft »riebet im gelbe. Die 

1) güetrer« gortfefcung, f. 166. «forest Weint frfth gealtert \u 
fein, ba mehrere ©eri*terftatter baft 2Wi6tt*e betonen, ba| er fu$ nod) 
als (9ret$ ben Jtrieg9bef$n>erben anSfefcen mußte. 

2) geben Jtumgunbenft (ed. $e$renba<$), 121. 

3) Qbenfo in ber glei^jeitigen geberjeicfcnnng in cgm. 1596, f. 137, 
unb in bem ettoaS längeren großen €tyla$tgemftbe bei gngger, cgm. 
896, f. 207. 




bei ©enjenba<$. 



615 



©8$men »ehrten fi$, fo lange fie Stern Ratten. 9la($b*m 
i$re ©#lac$torbnung bur$bro$en fear, (teilten fvä) Je t>ier mit 
ben JRüden jujammm urib fampften, bi« ftc fielen, ätt ttär'* 
ein äßaieutyaue — fo fingt ba* ©olttlieb — toateten bie 
Dcutfd^en in ber Steuer Wut. 9?ur 600, bie fU$ in ein ®e* 
$Mj geflüchtet Ratten, Dieöetyt bie ©efafcung ber Skigenburg, 
ergaben fU$ aW befangene. Dagegen jä$lte man na$ ber 
©$la$t 1620 tote ©tymen, bie in neun 2Raffengr5beru be* 
erbigt tourben *), unb no* auf ber gluckt tourben manche bon 
ben ©auern erfd&lagen. .Die ©Jörnen finb fo abgefertigt", 
förieb $erjog 8ttre$t an ©ern$arbin oon ©tauf, „bafj toir 
im* oerfe$en fortan oon tyrem $o#mut oerföont ju bleiben". 
Über 250 erbeutete Sßagen, rei<$belaben, tourben na$ {Regen** 
bürg gebraut Huf ©eite ber ©erbünbeten benagte man Diele 
©cftoerDertounbete, aber faum 200 £ote, barunter Don älbrecfct* 
Seuten 35rg @$enf oon SReibecf unb einen ©o$n ffiityelm« 
Don {Remberg. 8üe gefallenen {Ritter mürben am 16. @ep* 
tember mit @$Ub unb ©äffen in ber SRegentfburger Dominttaner* 
Hrc^e beftattet 8 ). Huf Dem ©ctyfoctyfetbe erteilte ber «5nig 
ben $erjogen Älbredbt unb ffiolfgang unb anberen Sfirften, 
aucty oem fpater fo berühmt geworbenen ®eorg oon grunb** 
berg, Hauptmann Don SWemmtngen, beffen greunbe SRarj ©U* 
tk$ oon <5m*, ben Dornberger $auptteuten Cnbre« Zucker, 
©eorg gütterer, «Bolf $5mer u. a. ben SRitterfölag. Die 
reic$*ftäbtif($en Gruppen Ratten fic$ im Stampfe befonber* au** 
gejetynet; {leben eroberte b5$mif($e gähnen brauten bie SRfiro* 
berger, oier bie ©trafjburger na^aufe. ©einem 8eben«retter, 
$erjog <Srt$, erteilte ber JWnig am 5Eage nadb ber @$la$t 
auf feinem ftranfenlager ben Stitterfd&lag, „mehrte" fein ©Oppen 
bur$ einen $fauenf$u>eif mit golbenem ©tern unb oerfttyrieb 
tym auf 8eben*sett bie Ginfönfte ber ®raffc$aft ®5rj. $«*i 0 8 

1) @o Bainer. 2)ie «ngaben bei 3tegler nnb ©lebufifc bfirftai 
toemget genau fein. 

2) 9ta$ StartmSIera unb (iefct jerflflrten) anstiften bafetbfl f. bfe 
tarnen bei Öraf ©alberborff, SÄegenS&utg 164; Dgl Oefelell, 
521; Älüpfel I, 518. 




616 



fcob ber $foljgrÄfin öüfobeth. 



»brecht lieg auf ber ffialftatt }ttm Huberten be* glfinjeubets 
©tege* eine ftapette erbauen 1 ). 

Drei Sage nach bet SSerotchtung ihrer beften $ttftftruwen, 
in bet Sßa^t oom 14. auf ben 15. ©eptember, traf bie $fäljer 
ein neuer ©chlag, ber 5Eob ber ^falggrSfta ©tfabeth- Da im 
ffrühfommer auch ihre fitteften ftinber ®eorg unb ftupxtfy, 
ein äwflingfyaar, gefiorben toaren, rief biefe* rafäe $infterbea 
bon bier gamiliengliebew grofe« Äuffe^en unb bie getoagteftat 
Deutungen h*tbor. SRoch lebten aber bie jmct iüngften ©öhue 
att Crben ber österlichen 9fa$te unb Hnfcruche, Otto $einrfch 
(geb. 1502) unb $$ttipp (geb. 1503). 3n beren tarnen 
übernahmen bie pfä(}if$en »fite in Sanbtf^ut bie Regierung. 
9ioch bei 8ebjeiten ffiuprecfct* hatte ber «bmimftrator tyüipp 
oon greifing in äufchriften an SUbrecht unb feinen ©ruber 
Ruprecht 9 ) feine Bemühungen um ben gruben nrieber auf« 
genommen, auch ber ftSnig Caffenftiflftanb^unterhanbtungnt 
begonnen. SWatthau« Sang ttiU uriffen, (Hifabeth felbft höbe 
bann bringenb um ^rieben gebeten. UngWcflichermeifc famen 
be* ftönig« ©efanbte gerabe am Hbenb bor CUfabeth* £obe 
nach SanMhut unb nun tooöten beren 8Wte be* Röntg* Cor* 
fchlfige nicht annehmen s ). &h*n*treue unb <Sigennu| Joirfteu 

1) Oefele II, 521. 0ie ift jefct fimrlo» oerfänrnnben; f. ©<$ne- 
graf, ©eförei&ung M @o}lad)tfetbe«, ©er&onbfongen be« herein« 
ber D&ertfalj I, 76. Über bie „©tymenfölait" (fo tneifl bie 3cttgenof[en) 
bei e$lo& ©Anberg (fo «loredjt) ober ffienjenba* f. ÄJluer, 
114 (.; 3atner, 448; ttnmpler, 123; gugger a. a. O.; cgm. 1590, 
f. 167t.; cgm. 2817, f. 449; ©artolinn«, 274; »rief CruW an 
feine Gemahlin in Äalten&M« £>ffcrreu$. 3cUf<^rift, 1836, 208 (»ieber- 
holt mit 3uf&fren iu ber „«ufiria" für 1846, 74); ©^reiben Äafoar 
Regler«, ed. »eb Ii* in Mitteilungen b. 3nft. f. Sperr. Öef*. IX, 6; 
eiebuf* (®. 28. 29), ber hier fceniger gnt nnterrtytet fo)eint; Sieb 
oon &an* Gern &on (Sm€, j»ä lieber &on Ungenannten nnb €tyrn$ 
»Ott $an« ©c^neiber bei o. Siliencron II, 536—549. 2>er £nmamft 
©ebel fd&rieb eine „Egloga triumphal» de victoria Maximiliani contra 
Bohemos" unb ber 2)i<$ter €elti* feierte bie @$laa)t in einem oor 
jWarunttion aufgeführten etyamfoiele. 

2) Com 19. 3nli; cgm. 5384, f. 2 f. 

3) SRütheil. be« 3n(tit. f. Bfterr. Oefd). IX, 6. 7. 




©affenßiflftanb mit bem Äurfürflen Styttipp. 617 



jufammen barauf Ifta, bafj bie pfäljif#en gürtet ben ftrteg 
unoerbroffen fortlegten. SBtjjpecf erhielt oon ber {Regierung bie 
ffietfung bie Änfunft neuen böfymfctyen ftriegflootte* abjumarten 
unb bann einen 3ng in ba$ Wieg ju unternehmen. 3"«^ 
fe^te er feine ftaubjfige in bie oberbairifetyen ©renjftri^e fort, 
eroberte Coburg unb machte in ©eifenfelb einen foftbaren 
gang: Sübrecfc« oberfter f$elb$auptmattn, ber rührige ®raf 
ttobrea* oon ©onuenburg, unb mehrere $auptleute, barunter 
ftafpar SEBinjerer, ber in SRieberbatern bur$ f#onung«lofe 
ftrieg*fü$rung fu$ oerfafct gemalt $atte *), unb ein ®raf oon 
$3ftofc gerieten mit 63 ^ferben in feine ®etoalt. 

SB3ä$renb fo ben ^fäljern ba* ftriegäglücf toieber ein toenig 
Kielte, mar auf Seite ber SSerbfinbeten Uneinigfeit eingeriffen. 
3n ber Hoffnung nunmehr ben <£ntfc$eibung*fto§ führen ju 
lönnen, $atte Hlbre<$t einen Bug gegen 8anto$ut oorgefd&lagen, 
aber fteber ben äßarfgrafen noc^ bie anberen gfifrer ffir feine 
Meinung ju gewinnen oermoefct. Hnberfett* tonnten au$ bie 
ftrieg«räte be* ©$toäbifc$en ©unbe* einen Angriff auf SReu* 
bürg unb Wate, mit beren (Einnahme fte bie $fäljer Don 3"* 
fu$r unb 3uflröracn neuen ftrtegfloolte* abjuföneiben oermeinten, 
ntyt bur^fe^en. Die ©täbte be« »unbe* betroffen (21. ©ept.), 
ba ber ftrteg im öffentlichen beenbtgt fei, tyre SRannföafteu 
jurüdjuforbem. JDiefe fanguinifäe {Beurteilung ber Sage grün** 
bete triebt nur auf ber Serntytung ber böfynifcben $ilf$truppen, 
fonbern oor allem auf ben furchtbaren ©dalägen, bie ftur» 
ffirft $$Uipp in feinen pfäljifc$en Sonben getroffen unb eben 
(10. ©ept.) gelungen Ratten einen oon äRarfgraf <£$riftopfr 
oon ©aben vermittelten ffiaffenftillftanb bi« jum 23. Sprit 
1505 anjunefynen. ©icben $ecre maren aUmä^lkb gegen 
Ruprecht unb feinen Sater in 2$atigtett getreten, bem lefeteren 
Ratten in ber $R$einpfalj unb in @$toaben um bie ffiette ber 
Sanbgraf oon $effen, ber ^faljgraf oon j&mUüdtn'Wtlbtni 
unb $erjog Utttc^ oon Sßtrtemberg jugefefet. &um<d ©irtem* 

1) «bt ftumpter $5tte fi* »o$t ni$t träumen (äffen, bafs biefer 
„floelestiflsimuB Winzerer" (Oefele 1, 118. 119), na* 380 Sauren M 
oaterlänbifcfcr $clb bur<$ ein 2>entmal geehrt »erben toürbe. 



«18 



Skfogerung 



berg, ba* ben gelbjug Änfang« 3uni mit ftarfet 3Ra$t eröffnete, 
$atte ftattlic$e Eroberungen einge^etmft unb na$bem bet ffönig 
felbft noc$ bie Ottenau erobert $atte, mar $$iliw>« ftraft ge* 
brocken. 

«Ibre^t aber marb in 9Rfin<$en neue Strusen unb br«$ 
am 2. Oftober mit feinen Steifigen auf, um bor Äufftein gum 
$eere be« ftbnig* ju ftojjen. $atte SRajimilian mit bem äuge 
gegen bie Söhnen ber batrifdjien ©ac$e genügt , fo mufte fit$ 
Älbrecft nun föou bagu oerftefcn feinerfeit« jur ©i^erftdtong 
be* $ab*burgif($en Sntereffe mithelfen. S5on bem gangen 
©euteteü, ben ber ftbnig für fi# beanfpru^te, lag bem leiben* 
f$aftti$en fikiibmann ni$t* me$r am $erjen aU bie an SXrol 
angrenjenben nieberbairif<$en Ämter in ben Upen. 3$r ®$lüffel 
mar bie ftarle gefte ftufftein, mo $au« Don ^ienjenau fcom 
$erjog (Beorg att Pfleger befteQt morben mar. Son biefem 
fomie oon bem Pfleger }u {Kattenberg , bem nä$ftmt$tigen 
<ßlafce am 3mt, $atte nun ber ftönig im 3uni einen Vertrag 
ermirft, mona$ bie beiben Beamten gegen ©elaffung auf $ren 
Soften bie mistigen ©$löffer $m übergaben. Ob bie Über* 
gäbe im übrigen bebingnng£to0 erfolgte, biefe für bie ©e* 
urteilung ber folgenben Creigniffe fo mistige grage bleibt offen, 
ba fl$ bie Serträge bisher ntyt auffinben liegen. Die $ul* 
bigung an SWaytutilian al* 8anbe*ffirften toar jeboc$ mit biefen 
Übergabfloerträgen noeb nu$t oerfnüpft. ttu$ ber Pfleger oott 
Stoltenberg, &$riftop$ bon Laiming, mar trofe tiefer Übergabe 
niebt IBniglttfr gefinnt; er äuferte: „tf märe immer f<$abe, 
meim Kattenberg oom $aufe ©aiern fommen fottte!" l ) 

3m pfäljif<$en Sager aber mar man ntyt gefontten bie 
frönen unb einträglichen (BebirgWmter fo leichten ftauf* prett* 
jltgeben. S5on ©afferburg au£ maren pfäljiföe $auptleute mit 
anfe$ttli$er 9Ra$t, angeblich 6000 SDlann, ba ber ffieg burc$ 
bat 3nn$al burt$ bie bairifc^e ©efafcung ber Xuerburg Oer« 
fperrt mar, mü$fam über bie ffialbberge bei ©aefcrang bü 
bor Äufftein gebrungen. 9m 9. Stopft fatten fie bat ju güfcen 

1) Vtad) 8eri$tra int 3nn«bn«fer €)tatt$altereiar($t*. 




Änffletu«. 



619 



bet geftang Eingelagerte ©täbtchen überrumpelt unb ftch bort 
fo feftgefefct, bajj jie Dom ftett auftagenben ©Stoffe tyxab nü^t 
betroffen »erben tonnten. Dtefe« toarb bann belagert unb 
$ienjenau jut Übergabe aufgeforbert, bie er am 13. Sugnft 
boOftog. Sr behauptet, t» ffabt ihm an ®efchüfeen, Wlawu 
fcfyaft unb Vorräten gefehlt, eine Angabe, ber »on anbetet 
©ette unbetfprochen tottb. SDte ffiahrhett brt Oerüchttf, bafc 
er oon ffii|pecl mit 30000 fl. in fchtoarjen Pfennigen befunden 
tootben fei, läßt fleh nicht erhärten, öieHeid^t finb in biefet 
Summe, bie bei ber fpäteten Übergabe an ben 85nig in ber 
Seftang gefunben nmrbe, nur bie jur Unterhaltung be* ©iber* 
ftanbe* bestimmten üRittel ju filmen, ©icher ift aber fo Diel, 
bag ^ienjenau nun mit aller <gntf$ieben$eit auf bie ©eite 
feiner ßanbäleute jurücf trat, meüct^t toeU er erft iefct ton ben 
eigeratfifcigen äbjichten be* JWnig* unb fcon ber meit über* 
toiegenben Parteinahme feiner abeligen ©enojfen für Stuprecht 
fleh fiberjeugte. «m 18. Huguft rüdten bie $fäljer Don Äuf* 
ftein nach Huer bürg (Oberaubotf) jutücf, too Jeboch ein alter 
erfahrener ftriegSmann, ber tapfere ^atjioal &on Utfarn, ade 
ihre Angriffe jurficffchlug unb ihnen ben nach Äofenheim füh» 
tenben $a|j vermehrte. (Sbenfo mißlang ber SBerfu* ber $fäljer 
Kattenberg ju nehmen. 

8m l. Oftober eröffnete nun ber ftSnig ben Angriff auf 
Äufftetn, mit bem feften (Sntfchlujj, baß e* fallen muffe. 83er* 
gebend ffattt bet ®raf Don &oütxn l ) ton bem Unternehmen 
als aüju fch»ierig abgeraten. SJtit bem 3 u i u 9 »on luoler 
unb SBorarlberger Sanb&olf fyattt 101*$ fein $eer auf ettoa 
9000 ©treiter gebraut, bie in jroet Abteilungen bie ©tabt 
umlagerten, am rechten 3nnufer befehligte Inhalt, am Unten 
bet ftSnig felbft. 2ßit oier $auptftücfen, fech* öuartanen, 
biet Sßotbüchfen unb jehn ©chlangen tourbe bie ©tabt heftig 
betroffen, ein Zuxm butchlöchert, ein anbetet )um flrinfturj 
gebracht. Die Serteibiger bet ©urg toie ber ©tabt letfteten 
heftigen ffiiberftanb; befonber* &on einem ihrer ®efchüfce jotl 

1) ©♦»arj'ioeiS na<h feinem ©appenfihttb. ©artotinuS, 312. 



620 



(Eroberung ÄufffctnS. 



feber ©chufc getroffen haben; ber befte ©flc^feraneiftet unb ötele 
Seilte im löniglichen $>eere mürben erfchoffen. Die ©erteibigung 
ber ©tobt leitete ot* Hauptmann ber Whmifchen ©efafcung 
$an« ©ambolt *), ein W^einlänber, ber borbem al* $er)og 
®eorg« Sehen! in beffen ®unft geftanben mar. (Snblich fnfipfte 
berfelbe ©erhanblungen megen ber Übergabe an f brach fie aber 
nVteber ab, fctefleicht befftalb, meü ber JWntg ba* Seiter nicht 
einftcüen lieg. SRapmtltan marb barflber fo erjürnt, ba$ er 
fagte, »er jefct noch &on einer Reibung ba* 2Waul auftaue, ben 
»erbe er in* ®eft$t fragen, ba§ ihm ba« ©Int herabriirae. 
8m 12. Df tober mufjte bic ©tobt, beten ©ürgermeifter bon 
Xnfang an für bic Übergabe gemefen mar, bem Jtömgc ihre 
5Ehore öffnen; bie Whmifche ©efafcung, nach einer Angabe 100, 
nach anberer über 200 ftne$te, 30g auf ba* @$lofs hinauf 
unb berftfirlte beffen ©efafcung, bie Dörfer nur 50 äßann ge* 
johlt haben fott. 

©egen biefe fefte ©urg Ratten bie getbgefaüfce be* ftdmg« 
bi*her menig ausgerichtet, <g* mirb erjahlt, bog bie 83er* 
teibiger bie ©älle ba, 100 bie Äugeln auf] fingen, jum §ohne 
mit ©efeu lehrten, morauf ber Jtönig aufgerufen h&be: „Sei 
©ott, ba* ift eine neue gorm be* Äricg*; bie* Sieiterfiücfchen 
muffen mir auch lernen l u 9lun aber benufcte ber Ä5nig einen 
breitägigen ©affenftiQftanb *), um fcon 3nn*brucf fein fömerfte* 
®efchüfc tommen ju laffen, ben Sedauf bon £)fterret$, ben 
©urlebau«. <5r felbft, ber berühmte ärttdetift, richtete bie 
gemaltigen geuerfchlfiube gegen bie geftung unb im ©erlaufe 
*on brei Zagen mar biefelbe in Xrämmer gesoffen. 2Rit 
gefalteten $änben fah man nun bie ©erteibiger hinter ihren 
Üftauern auftauchen, „griebenl" riefen fie mit lauter Stimme 
herab, „grieben um ®otte* unb aller lieben ^eiligen mitten I 
ffiir fefcen 8eib, geben unb ®ut in ber töniglichen äßaieftät 

1) 60 ober ©amott, ni*t SWamott, lautet bie nötige 9&araen*form ; 
»gl. bie Äorrefoonbenjen in ben $er$anblungen bc« hiß* herein* für 
ftteberbapern VIII, 317. 326; Äfllner unb 3ainer. 

2) 9to<$ €>tebnf$, ber au<$ über bie Unterhaltungen abtoei<henb 
berietet, »urben bie geinbfeligteuen nur Ii Jage unterbrochen. 




$inrt$tirag beS $anft *on tyenjenau. 



$änbe unb ©träfe!" SWajcimlltan aber befetyieb ablefytenb: $abe 
$ienjenau bte ©urg jerfetyießen Iaffen, fo motte er i$m nun 
<ui$ bie Irfimmer laffen. 8uf 17. Oftober 11 Ityr mürbe 
ber ©türm angefefct. 9m felben SRorgen um 8 Xlfft unter« 
nahmen bie gfi$rer ber ©efatymg mit etma 40 ÜJiann *) ben 
bei ber Sage beft ©ctyloffe« fo gut mie au*fi($t$lofen ©erfu# 
$etmlic$ burd&jufölfipfen, mobei ftc alle in ®efangenf$aft fielen. 
Der flöntß fiberließ bie ©urg, bie fogleicty o$ne ffiiberftanb bt» 
fefct mürbe, feinen Struppen jur $lfinberung unb, bur<$ bie 
$artnädige ®egenme$r, feine namhaften ©erlufte unb bie »er« 
geblichen Unter^anblungen auf« äußerfte geretjt, oerurteilte er 
bie (befangenen jum lobe, „jum (Sjempel für anbete Ber* 
bred&er", mie er an feine ®ema$lin förieb. ©ei «inliffen, 
auf einem dben $ofe fanben angefk&t« ber oerfammelten gfirften 
bie Einrichtungen ftatt. Der $lafc, na$e oor ber ©tabt, ift 
bur$ eine Äapefle bejeid&net Die Verurteilten lieg man in 
einem ©auern$aufe beizten, bann marb juerft $an* oon 
$ienjenau in feinem oerfönftrten Stamm* oor ben ©$arf* 
rietet geführt, ein ferner, ^o^gemac^fener 2Ratm mit langem 
©art, 36 3a$re alt, oon unbeföoltenem {Ruf, mit oielen 
(Eblen im Sanbe Derfippt unb befreunbet. ©ergebend mofite er 
ju feiner {Rechtfertigung fpre$en; man ffixtt ni$t auf ifyt. 
Umfonft fofi au$ bem Äöntge eine $o$e ©umme, für bie fi$ 
ein reifer ©ürger oon ©c$maj namen* güger •) oerbürgt $abe 
— mieber merben 30000 fj. genannt — für feine ©egnabi* 
gung geboten morben fein. Dem Unglüdlic^en marb ber 
3o$anni*mein gereift, ben man beim Hbföieb )u trinfen pflegte. 
,Um aöer ©aiern mitten' 1 — läßt i$n ba« fööne ©olttlieb 
fagen — «muß \äf mi$ $eute tapfer galten! •) 2Ruß ic$ benn 
fterben, fo malte beffen ber liebe (Sott! $ab' Urlaub, liebe 

1) 9ta$ 61ebuf$ waten außer biefen ftulefet no$ 42 SRamt auf 
bem Gtytaffe. 

2) $an* gfiger fatte $ien}enaisert f^meflet SÄagbaJene geratet 
8) $aß bte* ni^t teilte Crftabung be* ©i^tert, jdgt 6lebuf*« 

8eti$t as Nottberg. $ienac$ (outeten ^tatjenauert öotte: et motte 
gerben alt ein ftouiuiet fkdet fftt alle Oaletn. 




«22 



2>ie $inrk&tungen 



©elt, ®ott fegne bi$, 8aub unb @ra*!" Unerföroden Beugte 
er fein $aupt beut lobeSftretye. 9to# tym tourben no* fie^ 
je$n enthauptet, borunter ber Hauptmann $an* ©ambott, ber 
alte $an* ©ürriegl bon «iegelftein, ber Winter 38rg flrgüigcr 
Don ftufftetn, Cbran ton Krautenberg, i©ei ©Bftnen bon Xbel, 
bret ©ef^ü^meifler. Der a$tje$nfc, beffen $aupt fiel *), mar 
ein boroefater S38$me ton riefiger Äötpcxftarf c f ber fo oer> 
jmetftlten Sßiberftanb letftete, bog ft* feine (Enthauptung jur 
Schlächterei geftaltete. Sei biefem Änblid tonnten bie dürften 
unb $erren, bie ben ftöntg uniftanben, ni^t länger an fi$ 
galten ; aüe, ooran be$ ÄSnig* 8eben$retter, <Sri$ bon ©raun» 
fötoetg unb ber ftürft *on Hnfrilt, baten, baß ba$ ölut* 
bergießen beenbigt »erbe. <2rri$ unb anbere Ratten fty bei 
äRarünilian fc$on Sag« bor$er, bodf offne (Srfolg für bie 8n* 
nannte ber bon ben Serteibigem angebotenen fretoiüigen flh> 
gebung bertoenbet. 3efct gab ber ftönig tyrer görbitte ua$ 
unb fünfte ben bretunbjtoanjig ftriegtfeuten, bie noä) be* 
SEobtfftrety« darrten, ba* feben*). 

1) So @lebnf$ unb 3ainer, »ona<$ Äölner, ber i$n alt bat 
erfkn ©egnabigten nennt, ju benötigen fein bfirfte. 

2) 3ainer,451f.;Ä3lner, 127 f.; guggeif(cgm.896, f. 202v.), 
tbtiffln Urfnla bon granen<$iemfee, 232. 283; ttnmpler, 126; cgm. 
2817, f. 450 v.; cgm. 1590, f. 169; *. SUiencron U, 549 [.; Ober- 
ba^er. «rd?tt V, 142. 2>er in b. $orma$rt Xiroler «Imanacfc 1804, 
122 f. gebrndte ©eri$t beruht in ber $au)>tfa$e nur auf gugger, 
ebenfo ber 2)rn<t bei grety. b. ©ranbit, ©ef$. b. Sanbetfauptfeute in 
Xirol, 384 f. Kene« Si#t berbrehen bret «riefe, welifc ber ÄMner »att- 
fefretfir SRagifler $einri<$ €Hebnfc$ im gelbe bor ihtfftcin na$ $aufe 
f<$rieb (*er3ffentlw)t bon $8 Albaum in ben SRittetlnngen an« bem 
©tabtarflwe ton *8ln, 1887, 11. $eft ©.33—37) nnb bie bon Heb- 
Ii $ au« bem Snntbructer Sr^ibe ber3ffentfi($ten ©^reiben Äafpar 
3iegter9, «oßauert unb bet «Snigt felbft (SWittyeUungen b. 3nft f. »ffcrr. 
<&ef$. IX, 6—9). $nr$ (Eoflauert ©^reiben roirb ertoiefen, bog SRar> 
miliar befamite ©robnng einer 9Ranlf$efle ant ffofafs ber bon IBambolt 
beroeigerten Übergabe ber €>tabt gefallen ift. Senn 3ainer, gagger nb 
bat grifiere Eolttlkb bom ^ienjenantr bcnfriben 3ng an^f^mfldenb bon 
ber $mrra)tung erjÄ&len, roirb man biet mit 9iebU$ alt eine Über- 
tragung bet fagenbttbenben Sotttmunbet anfjnfaffen haben. 9m 
tBdgtnnig jeigt ein ©otjfj^nitt 9nrgtmaierS fiengenaner« tnt^nr^tnBg; 




na$ bet ©nnaftne ihifjlein«. 



628 



211« tragtfäer $>elb lebt $an$ Don $ienjenau im Sbtbenlett 
be« batrifdfren SBolfe* fort. Die pfät&tfc^en $auptlente in 8anb«* 
fytt aber fanbten eine SBefötoerbefcfrift an ben ftönig, tooritt 
ftc f tagten, baß er ben Stieg anbei* fü$re, att in beutfd&er 
Station $erßmmüc$ fei 3u fcto** Rechtfertigung lieg 2Wo$U 
milian bur<$ feine gelb$auptteute unter bitteren Wagen über 
bie pfäljiföe ftriegfüfrung, meldte tiriber aller SKenföen, fogar 
ber Störten unb Reiben, iWatur unb ©efefee fei f antworten *): 
«ßienjenau $abe fein ®etöbbe, ©rief unb Siegel gegen i$n Der* 
geffen unb flc$ beträtet^ gehalten; feine ©enoffen aber nac$ 
einnähme ber ©tabt Äufftein i$re Bufage üon bannen ju jie$en 
nietyt gehalten unb fiety ju $ienjenau$ Unterftfifcung in bad 
®$Iof? begeben 2 ), fiberbie* t$m felbft etliche fc$mä$lic$e, ux* 
äc$tlt$e ffiorte na^gerebet; iie Der$ängte ©träfe fei ba$er eine 
billige getoefen. S5or bera Urteil ber ®ef$ic$te feirb Mefe 
©elbftred&tfertigung nid^t Dößig befielen Bnnen. ®a§ ^tenjenau 
felbft ba$ SBenmfctfetn ber ©ctyulbtoftgfeit $atte, fd&eint au« 
einem Settel $erDorjuge$en, ben er am Zage feiner Einrichtung 
an ben in Kattenberg befe^Hgenben <£$riftop$ Don Saiming 
fetyrieb: nun fe$e er f tote e$ i$m ju Äufftetn ergebe; er möge 
ba$er tpo^l äc$t $aben, mit toem er $anble. Derfetbe Sahning 

bie abbilbtutg bei gugger, 204, fUttt mit bet ©elagerung juglei<$ au$ 
f$on bie $inri$tungen bar, bie §ier ffilföli<$ auf ben SRarttylafc toerlegt 
»erben. 3n ©rünpeef« Hist Maximiliani ifi ba« 44. ©Ub, ba* 
übrigen« nt$t« neue« bietet (ed. £$mel im Öfierr. öeföifyGforft&er I, 
96) tyefcr gu begießen. 

1) fcroftberg, 2. ftoaember; 3ainer, 451. 

2) $er ©eri$t be8 tgl. ©etretSr« Sollauer über bie ©erfymblungen 
mit ©ambolt lautet: „©orgefler $at man mit ber $e$aim fyiubtman 
gefanbelt ber flatt falben bie aufzugeben, alfo $at er ein »eil »ort geben, 
man $at aber ni$t beft minber hinein gef<$offen unb am 
letflen ift ni$t(«) bef Stoffen »orben." «tfo bie Unterftwb- 
tnngen, bei benen, »ie SKajimttian fagt, «bjug ber ©efafcnng in« «nge 
gefaxt »ar, führten }n feinem «bfäluffe unb bamit fiel fetbfh>erjl&tbtt<$ 
bie $fU$t ber ©efafcung jum «bjuge. 2>ie« Hingt ganj anber« at« bie 
2>atfieflmtg ber Wnigttyen $auj>tteute. 3to<$ @Iebuf<$, 34, »riß nur, 
baß ber ©efafcung freier «bjug mit $abe, bo4 gegen einen fonbertt$en 
<8ib, angeboten »ar. 



«24 



ärugferagniffc im Starben. 



$atte na$ ber Übergabe ftufftein« an bie ^fälger ott ferne 
«nfU&t aitfgefprotfen, $ienjenauer $abe bamit ni$t anber* ge* 
$anbelt, al« er mit gug «* C^ten moty berantmorten ffimie. 
ü)Wgli($, bog $ienjenauer al« bettagen«merte« Opfer einer 
»oütfton bon $fli*ten fiel, nrtglty au*, bafj ber ftönig gegen 
i$n al« ©ortbrüd&igen ein firenge«, aber nicfrt ungerechte« Urteil 
fäüte ! Um barübet beftimmt ju urteilen, mfifjten mir bie 
2}er$ältmffe genauer rennen, dagegen tann man bie $ra* 
rtytung aller Untergebenen, bie ia bur$ bie $flu$t be« mttt* 
tärifäen ®e$orfam« an ^tenjenauer unb ©ambolt gebunben 
toaren, nur al« ro$e (Braufamlett bejei^nen, ju ber SWajttnilian 
in leibenfc^aftlidbem 3 ont ft$ fortreißen lieg, eine Un$at be« 
gehörten fltomantiter«, bie un« mit einem ©$lage au« ber 
3eit be« $umani«mu« in bie anttfe SBorbarei internationaler 
9te$t«lofigfeit jurüdberfefct. 

SRörblty ber Donau Ratten mittlertoeile bie ©äffen ntc&t 
geruht 1 ). 9lac$bem bie ?fäljer bon 9?eumarft au« berfcerenb 
bi« bor bie 2$ore Himberg« geftreift toaren, bergalt tynen ber 
nümbergif^e Hauptmann ^regier mit einem bon »Itborf au« 
unternommenen 5Bermfiftung«juge. Ruf Strängen be« ftdnig« be* 
fäloffen SRftmberg, üRarfgraf griebri* unb bie SKfcfcöfe bon 
Samberg unb ©firjburg (ber leitete fctte feine anfängltye 
Parteinahme für bie Pffiljer aufgegeben) einen gemeinsamen 
Angriff auf $aibedf, ber jebo* ni$t über ba« 93or$aben $inau«' 
gebie$. Der nfirnbergifcfc Hauptmann flrnbre« luc&er $atte 
mit einem Angriff auf bie ©urg ftönigftein (2. Ott.) leinen 
Crfolg, eroberte bagegen Zag« barauf ©urg Deinfcfcmang, bie 
famt bem Dorfe jerftört tourbe. 9fac$ pifinberung unb ^lieber* 
brennung einiger metterer Ortföaften mürben bie nfirnbergiföen 
Struppen auf 16. Ottober na* $aufe berufen unb bort bi« 
auf 1000 äßamt berabf<#ebet. Da nun aber bie entlaffenen 
©Wbner foglety in ben Dienft be« Oegner« traten, mürbe tiefer 
ju nenen ©orftöjjen ermutigt. 8nf einem Waubjuge be« $aupt" 
mann« bon Äuerba^ in ben ®$u>aba<$er ®runb gingen 

1) 8g(. öfirbtuger, 269f. 




Sfagriffe ber ^ffitj« auf SWünc^ett unb töofcnfcira. 625 

33 Ortfd&aften in Stammen auf. Sßäfcrenb be« ganjen ©in* 
ter« bauetten 93eru>fiftung$jüge unb Heinere 3ufammenftöfje 
jtoifd&en ben SRürnbergem unb ^faljern fort. Der SBifctum 
Submig fcon ßtyb, ber bie pfäljiföe ©ad&e im Horben ebenfo 
tnergifö »erfocht toie im ©üben ffiigpcd unb {Rofenberg, na$m 
tta$ tapferer ®egentoe$r ber ©efafcung ©efcenftein unb ©d^Iog 
©tierberg. 9io$ am 23. gebruar 1505 mad&te bie pfätjiföe 
©efafcung fcon $artenftein einen frud&tlofen angriff auf ba$ 
©fenroerf Grnjenborf an ber $egnifc unb felbft ba« grtebenä- 
flebot be$ ftBntgS Dorn 13. april legte ben geinbfetigfeiten in 
ber Oberpfalj nocty nid&t gänjltctyen ©tittftanb auf. 

Äudf) auf bem bairifctyen ftrieg4f$auptafee toaren toäfcrenb 
ber ©elagerung JhtfftetnS bie pfäljiföen gelb^erren SBijfredf unb 
JRofenberg ntc$t untätig geblieben, ffiijfred jog am 11. Oftober 
mit 1400 {Reitern unb 2000 gu§hte<$ten fcon 8anb«$ut au« 
gegen 3Jlünd&en. «He auf bem 3J?arfd&e berührten Ortföaften 
tourben geplünbert, bann niebergebrannt. Cor SRünctyen fteflte 
tr feine Hrtilferie bei bem ©pitat auf bem ©afteig auf unb 
eröffnete am 12. Oftober um l U$r üRittag« ba$ geuer auf 
bie ©tabt, ba$ t>on ben Stötten unb ber SReuen gefte aus 
beantwortet tourbe. Da jid& ber Singriff fogtei$ att fruchtlos 
trmie«, jogen bie ^fStjer nacty ber $lünberung be* na$en 
iSrüntoalb urieber ab. Huf tyrem {Rüdtoege tourbe 2Ubre$t öon 
Sanbenbcrg, ber Oberft be$ gufj&olfeS, bei einem Angriff auf 
©ctytoaben ferner öertounbet. {Rofenberg plfinberte ba$ fttofter 
<gber$berg unb unternahm (9. Oft.) oon ©afferburg au« mit 
300 {Reitern unb 600 gufjfned&ten einen Angriff auf {Rofen* 
$eim, ben bie Heine ©efafcung mut&ott jurü<f|d&lug. Da Aber" 
bie« ftunbfd&aft einlief, ba§ 1500 Sanbtfnectyte Hlbred&t*, auf 
bem üRarföe nadfc Jfufftein begriffen, in ber 5Rä$e lagerten, 
jogen bie ?faljer au$ #er fctyon am näctyften läge triebet auf 
unb baton. Da« ©c$lo6 t>on SRofenfaim toar na$ einer S3e* 
fc^iegung bur# bie $fätjer (15. 3ult) t>on ber bairifc$en ©e* 
fafcung geräumt, Dörfer aber in ©ranb gefterft toorben *). 



1) Sollauer« e^reibm, 8; StUntx, 124f. 
•Heiler, OeftWe Safere«, in. 40 



«26 



ftiebtrtage ber <5$tcmgauer ©auent. 



SBafferburg mar immer ein $aui>tftfifct>unft ber pfäljtfcfca 
2Rac$t. 3m fönigli#en Saget faßte man bamaU ben ^lan 
gegen btefe ©tobt ya jiefcn, ber jebo* mcgen früfc eüitretenber 
SBinterdfälte aufgegeben mürbe. Statt beffen marb beföloffen, 
bafc be« Äöntg« Iruppen Iraunftein, Iroftberg, ftraiburg, 
SWeudttiug, aibrefy aber, ber mä$renb ber Belagerung ffuffiein* 
in Huerburg gemetlt ftitte, bie ©ebirgälanbe einnehmen, bann 
über Sofer unb SReicben$atl gegen Burgfcaufen rüden unb jur 
Belagerung biefer ©tobt mit bem ftönige jt* oerbinben follte. 

Bei ber %u*fü$rung biefe* $lanc$ geriet bad föniglkfc 
$cer, bad beim Äbjug t>on fiufftein no* 1100 mo$lgerüftete 
«eiter unb 8000 gute ftnetye jaulte , juerft in ftampf mit 
bem 8aub&olf be$ ©ebirg«. 3m ©raffauertfcale l ) — fo $te| 
bamatd na* bem behäbigen Äir*borfe, ba$ an feinem Suftgang 
liegt, ba$ ST^al Don SDtarlmartftem — Ratten fic^ 5000 Bauern, 
augenf*einli* bad Sanbaufgebot be$ Chiemgau* unb ber 9?a*bat# 
fd^aft r in ber »laufe ocrf*anjt. 3$re fefte ©tellung mußte 
mit ©türm genommen merben, mobei 42 Bauern an Ort unb 
©teile blieben, etma 200 auf ber gluckt erftotyen unb ©tele ge* 
fangen mürben (27. Oftober). lag« barauf übergab ber Pfleger 
®eorg Sagelberger au* bie gefte be* I$ale$, ba* öon SRubolf 
ton Anwalt besoffene ©*lo| SDtartmartftein. Den Bauern 
be* ©raffauertyaW marb eine an bie Zxupptn ju jatyenbe 
Branbf*a$ung *on 5000 p. auferlegt 8 ). 

(Ed mar ni*t bad erftemal in bieiem ftriege, baß ba« 8anb* 
oolf fi* bemaffnet jufammenrottete unb ben berbünbeten Zxuppm 
ffiiberftanb leitete. Sto fojiale «ufftäube, an Borläufer be» 
Bauemfrieg* ift babei ntd^t ju fcenfen; alle biefe Bauernföaren 
maren ni*t* anbere* al« ba$ feit 3a$ren auf ben ftrieg oor* 
bereitete Sanbaufgebct gemiffer Bejirfe in SRieberbaiern, meiere« 
fi* auf bie Seite feiner 8anbe*fürftta unb feine« $eimi|*en 
Äbelä fteöte unb beim $eranna$en be« feinbli*en $eere* au* 
ofyte feine abeligen gü$rer unter bie Waffen trat. 5Da§ ef 

1) ©raflcrtfal 3ai»er, 454, ©rofer 2>ale etebuf*, 38. 

2) gugger, f. 39. 




XeÜnafrne M nieberfcaitif^en Saubvottd am Ätieg. 627 

babei ebenfo toenig ober no<$ »eniger al« in ben fürftlic^en 
©ölbnerfceren an 3lu$f($toetfungen gefehlt $aben urirb, tft felfcft^ 
verftänblicty, prägt aber biefen SBetoegungen no$ feinen fojtalen 
©tempel auf. 33on batrifc$er ©ette totrb gef Ulbert , toie bie 
l>fäljifc$en gityrer unter bie ©bergen unb kröpfte in ben 8anb* 
gerieten ®clb verteilten , toie fie bad 83olf beim Sein ju* 
gunften {Ruprecht* bearbeiten unb ©pottbilber auf „Älbel mit 
ber teeren %a\fy M verbreiten Ue§en *). ©o Ratten im SKai 
im Sfengau um Dorfen über 1000 dauern unter beut ©efe# 
alten (Sugl^ofer* unb feiner ©öftie fi$ )ufammengef$art, 
ber fogenannte „Ätttelbunb"; gegen bieiBefafcung ton (Erbing, 
bie mehrmals gegen fte aitfrfidte, gelten fie nie ©tanb. 3m 
3uni, für) na$ 8Hbre<$t$ Hbjug von ©raunau, belagerten an 
300 dauern au« bem «Beiwort unb ber $enfc$aft ©ttbenedf, 
unterftfifct bur<$ 30 gußfnec^te au« ©urg&aufen, o$ne (Erfolg 
©$lo§ Uttenborf. 3m Dorfe ©tföettborf tourben fie bann 
von Hlbrec$« $auptteuten ftafoar ffiinjerer unb ©toffel Un* 
gelter angegriffen, ber 8irc$$of, too fie fi$ ju galten verfugten, 
toarb erftürmt, me$r aW 80 Sauern erfragen. 9$re ge* 
fangenen gurret enbeten auf bem $>oc$geric$t. Jim 30. 3uni 
nahmen Sauern au« bem 3Hatti$t$al unb ©Slbner vereint 
ba* ©etyloß gtiebburg unterhalb ©raunau unb legten tt in 
«föe. 8luf bem ftud&elberge bei ©<$ärbing festen fi# 700 
Säuern feft, boc$ bie 9lac$rt<$t vom Jfaange ber ©c^ärbinger 
©efafcung genügte fie ju jerftreuen. (Ebenfo verlief fi($ €nbe 
Stoguft in ber $oQetau ein „©auernbunb" von etoa 300 ftBpfen, 
fotoie nur ein SSiertel ber OngolftObter ©firgerf<$aft, 50 Weiter 
unb 200 Stntäftt, bagegen auftütfte. SE^oma« 8öffel$olj, 
Blbrecft* Hauptmann ju 9ben«berg, na$m von gefangenen 
Sauem 303 fl. ©$afcung$gelb ein, toovon ein Drittel tym, 
jtoei Drittel bem $erjoge jufielen. (Segen bie Sauern in ben 
©ertöten ftling unb ©ilbemoart sog im 8foguft bie »ofeiu» 
Reimer ©efafcung; fie na$m tynen 50 (gefangene ab uub f$lug 



1) Cgm. 1590, f. 171. 



40* 



«28 



Jtriegtadgttiffe im ©üben unb Often 



bie übrigen in bie $lu$t *). 92ur gonj auSnahmätoeife be* 
merfen mir au* auf oberbairifcher ©eite eine eigemn&htige 
SWttorirfung ber Säuern am ftrieg. ®o überfielen in ben 
etften Zogen beft 3ahre$ 1505 bei 3nber$borf bie Säuern 
einen toürjburgifctyen Diener, $>erm $an« oon ©(htoarjenburg 
mit 32 $f erben; er loarb oertounbet, auftgeplftnbert unb aW 
(gefangener na* 3ßün$en geführt 8 ). 

Da* fönigliche $eer, ju beffen ©eioegungen totr jurüdfehren, 
fefcte am 30. Ottober feinen SRarfö fort unb befefcte ohneÄampf 
Iraunftein, ba* auf 9tat ber tfäljifchen gelb^erren felbft feinen 
ffiiberftanb leiftete. 3n ben nähten Zagen nahm SRifolau« oon 
©olm« SRarf t unb ©c$Io§ Iroftberg. 8uf ber Surg Stein flatterte 
bie pfätjifche ftriegäfafyte, ba$ toeifje ftreuj auf rotem ©runbe; 
ba« fefte ©chlofj, bereinft ein berüchtigte* SRaubneß, toarb oon 
flbam unb ©eifc oon Zörring na<hbrfi<flich oerteibigt unb blieb 
in pfäfjifchen $>5nben. 2Rittlertoetle ^atte Älbrefy au* bie 
nieberbairifchen Sanbe tiefer im ®ebirge befefct. Die (Einnahme 
ber ©urg 3tter öffnete ihm bie ©trage na* ffieften, toorauf 
er über $otfgarten unb Sofer nach {Reichenhafl rücfte, bort bie 
$ulbigung empfing, bann na* fttybühel umf ehrte, ba« im 
3uli oon «nhalt mit ttrolifchem gufjoolf für ben Äönig befefct 
toorben mar, nun aber au* 8Dbre*t fyilbtgte. Huf pfäljifcher 
©eite hatte Oraf VStytlm oon $enneberg 4000 üRamt in 
SReifrJÖtttng oerfammeCt Subtoig oon &fh f um 3 u i u 9 
gegangen, mufte melben, bafj feine bShmifchett $>ilf*truw>en p* 
me^r unb mehr oerliefen. Die oereinigten föntglichen unb 
bairiföen Xxvpptn toaren alfo bem ©egner am 3mt mehr att 
gemachten, gWchtoohl orbnete ber ftSnig ben Stfid^ug an. Da* 
8anb, ba« er für p<h beauftragte, mar erobert, ob Wibrecht 
etoa« früher ober fyäter in ben «kjifc be« übrigen fem, toar für 
ihn feine fo bringenbe grage, bafj er fleh barirat bie erfehnte 
$o$gebirg*iagb oerfagen mo*te. Com 7. bi« 22. 9iooember 

1) Ä8lnet 18.73; 3ainet, 447; «efnet, 86; $f$fftugettir, 
231. 

2) Oefele II, 497. 




M £cmb*$uter Sanbe*. 



629 



flieg et in ben Sergen um Kattenberg, $afl unb 3nn«brud, 
}um Seil f$on in feinen neugewonnenen bairifdfren 3agbreoieren, 
ben ©emfen na#. Um ben ©(tymager bei guter Saune ju er« 
galten, mußte i$n Älbrecbt begleiten, fo fauer bie ©efötoerben 
ber ©emäjagb bem alternben gfirften mürben. 3m unteren 
Snntyal aber ergoß fi$ bie unglfidlic^e SBeoBtferung in bitteren 
Wagen Aber bie beiben gürften, bie ft<$ mit ber 3agb Oer« 
gnügten, toä^renb fte fcfyifelo* bem fteinbe preisgegeben maren. 
£)enn bie pfäljifd&en Gruppen gelten fic& nun für bie Un« 
regelmäßigst tyrer ©olbjatyfangen bur<$ ^lünberung, 3et" 
ftörung unb unmenfc^lic^e 8lu$f<$toeifungen f#ablo$. Äußer 
oielen Dörfern gingen bamalä bie Surgen Drtenburg unb 
©t. SWartin, bie ©taute ©$arbtng unb ©urg^aufen (biefe bur$ 
unglüdlid&en &ufaü) in flammen auf. ätt *be« ©atan* Cor« 
trabet unb ®efeUen ber dürfen* branbmarft ein SSolMlieb bie 
pfäljifctyen $eerfü$rer 3örg oon {Rotenberg, Subtoig unbüJiang 
oon §ab$berg. 8lm 19. SRooember eroberte Siofenbetg ba« 
oon 600 Bniglic$en ftnectyten oerteibtgte Itaunftein jurüd. 3n 
bem lutjen ftampfe um bie ©tabt nmrben et fetbft unb (Er« 
finget oon ©ein$$eim ferner oertounbet. {Rotenberg behielt 
eine ©leilugel im Seibe, al« ©ranbmal be$ 8anboerbetber$, 
U)ie bie ©egner meinten, SBeiter gelang e* ben ^fäljern bo$ 
nictyt oorjubringen ; einen Angriff auf 8teic$en$afl f$lug ber 
tapfere ©tabt^auptmann lefönifc fiegreicfc jurüd. 

<Slifabet$ fyrtte in intern Seftamente i$ren ©cfyoager, ?falj« 
grafen griebric$, ber im $eere be« ftönig« $&ilipp in ben 
SRieberlanben biente, jum Sormunb tyrer ftinber beflimmt. 
tiefer lehrte nun in bie $eimat jurfld, empfing oom Könige, 
an beffen $of(ager aW grtebenSoermittler au$ bereit« fein 
©ruber $$ilipp, Jlbminiftrator oon greifing, »eilte 1 ), einen 
©affenftiüftanMoorf^Iag unb überbrachte benfelben am 4. 3lo« 
oember ben »Jäten unb §auptleuten in 8anW$ut. Diefe aber 
lehnten üWajünitianS gorberung ab, toonac$ fte feinem ©$ieb* 

1) Äönigltyer ©eleittbritf für ¥$Uipp, baticrt 21. Ott. au* ttofen- 
^eitn; «bföicb, 14. SRofc., 3nn*brud; cgm. 5384, f. 26. 27. 




680 



gru^tlofcr Angriff bcr $fÄljet auf CiU^ofen. 



foru($e jlc$ unterwerfen unb, bi« Mefer gef&Ut tofire, 9leufarg 
att Untetpfanb an tyn ausliefern fottten. 33om fturfürften 
¥^Uq)p betraut , gingen bann üRarfgraf <£$tlftoi>$ t>on ©abett 
unb ber ©ifäof fcon ©ürjburg att Unter^finbler juerfl an ben 
©(fyoäbifd&en ©unb na$ Slugfturg, bann (13. 9?ooember) jmtt 
ftdnlge na$ 3im$brud. 91m 4. Dejember traf aud? $faljflraf 
griebric^ mit bem Äbnige in Kattenberg jufammen, webet 
toieberum fein ©ruber, ber Hbminifttatot mm Stetfing r att 
©etmlttler tyätig war. <S$ Warb eine 3ufammenfunft jwiföen 
Vertretern ber beiben Parteien auf 10. Dejember in SRltten» 
walb öerabrebet, bie iebotty o$ne (Ergebnis »erlief, ba bie pfSU 
jifc^en ©efanbten o$ne iebe S3oflmac$t erföienen. 

ffia^renb btefer ©erfyinblungen ruhten bie getnbfeligfetten 
nt$t, ju ben ©ewegungen im Often Famen ©treifjfige beiber 
Parteien, burcfc welche bie ©triebe jwifc^en 8anb$fyit unb 9ieu* 
bürg aufö grSjjlicfcfte &er$eert wutben. Um bei bem betör* 
fte^enben trieben ber pfä(gf$en ©aetye gfinftige ©eblngungen 
SU erjiefen, raffte fogar ffiijfoed nod? einmal bie tefcte ftraft 
ber gartet ju einem 8lngrifffto§e auf S3il6$ofen jufammen. 
9?ac$bem tym (7. Dej.) ein ©etfucfc biefe ©tabt )u über- 
rumpeln trifft geglfidt fear, eröffnete er jwei Zage barauf mit 
feinen 5—6000 SDtonn eine regelmäßige ©elagetung ber ©tabt *). 
$ier entfpann fic$ einer ber $et§eften unb $attnä<figflen kämpfe 
beä ganzen 8Wbjug*. greunb unb fjeinb wetteiferten an Zapfet* 
feit, bie aitfgefufyeften SKittel ber 3erftörung würben ange* 
wenbet, bie ?fäljer ftyoffen mit ©#wefel unb $e^ gefüllte 
©omben ton ber ©t5§e eine« attenWenfopfe*. Hm 11. De- 
jember $atte ba« fonjentrierte Seuer i^red ferneren ©efäfifce* 
bereit« eine 60 gu§ breite ©tefd&e In bie ©tabtmauer ge* 
fc^offen, aber am Obenb jogen bie ©etteibiger baftnter einen 
tiefen unb breiten ©toben , ben fte mit gufjangeln fpidften. 
Äußer ber tapferen ©ürgerfc^aft waren e« juerft nur 80 guf* 
tne$te, att beten gürtet ©igmunb ©<$warjenfteiner Don finget 

1) 2>ie ©etagerung 8tt«$ofen* $at ffiolfgang Älopftnger 1533 
betrieben; cgm.1594. @. au* u.a.Wnmp(er, 129; gugger, f. 40b. 




$er „ÄcfaaB" W gelbjug*. 



bürg, »Hgeter, «Iban (Slofner, <5ra«mu« ©<hilt unb Wfiatl 
Sbttx genannt »erben. (Sben in ber SRacht be« 11. Dejember 
aber gelangte eine ©erftärfung *>on 180 ftnechten t>on ©te<hta<h 
her in bie ©tabt. £ag« barauf ^ritten bie $fäljer jum 
©türm, ffitßpedf hatte ben ffiettftrett jtoifchen feinen beutfchen 
unb bBhmifchen ftnechten um bie (S^re be« ©türm« jugunften 
ber leiteten al« ber jahlreid&eren entfchteben unb biefen ihre 
gorberung betoiüigt, baß in ber ©tabt niemanb oerfchont toer* 
ben foflte, ber über jehn 3ahre alt »äre. Die £apferfeit ber 
©erteibiger rettete bie ©ntoohner *>or folgern ©<hfcffal: binnen 
anberthalb ©tunben tourben brei ©turnte unter großen 83er* 
lüften ber Angreifer jurüdgefchlagen. ©ilhelm bon ber $>eib 
ftürjte einen bfäljifchen gahnrich t>on ber SDtauer, »o ber 93er* 
toegene bereit« feine gähne aufgepflanjt ^atte. Da fiberbte« 
toährenb be« ©turnte« (Srfafttru^en unter ^ierontymu« &on 
©tauf auf bem linfen Donauufer anrüdten unb bereit« ba« 
pfaljifche Sager ienfeit be« ©trom« beföoffen, befahl ffiißped 
mißmutig ben Sbmarfd?. üWit biefem oerluftrei<hen unb miß* 
glücften Unternehmen toar bie Straft ber $fä(jer erfc^öpft ; ein 
groger 5Eeil ber ©Shmen, auch bie Iru^pen be« ®rafen Sil* 
heim bon $enneberg unb be« Sanbgrafen oon Luchtenberg jogen 
nac^ $aufe. Die in 8anb«hut jurücfgebliebenen ©öhmen aber 
Ratten Dornet (16. Dej.) noch ba« ©crtc^t $aibau unb bie 
©traubinger (Segenb auf einem ©ertofiftung«juge alle ©rcuel 
be« ftrieg« füllen laffen. 

Ömblich erfolgte ber fogenannte „ftehrab" be« gelbjug«. 
Die legten Unternehmungen be« geinbe«, ©eiche bie bereit« ein* 
geleiteten grieben«unterhanblungen burchfreujten, beftimmten ben 
ftönig boch noch einmal feine Jlrteg«macht für Wibrecht in bie 
©agf<hale }u merfen. ©ein gelbhauptmann {Reinbrecht fcon 
Welchenberg erhielt ben ©efehl mit fBniglichen unb bairifchen 
5Eru}>>)en ba« Bftliche Slieberbaiern oom geinbe ju fftubern unb 
überall Sltbrecht hu^igen ju laffen. Unter {Reichenberg be- 
fehligte anhält bie Siroler gußfnechte, $olheim bie DberBfter* 
reicher f {Hin« öon ©onnenberg, $an« t>on ©eißborf unb Ulrich 
ton ffieifpriach Wibrecht« fcrupben. Da« ganje $eer jählte 




682 



<$cfe$t bei ©angtofen. 



3000 $u$tne$te unb 700 Kettet. Der 3«fl 9^0 ü&« SReu$en# 
$all, Iraunftein, ba$ ben $fäljem imeber abgenommen mürbe, 
Saufen, Uttenborf, {Rieb, ©d&ärbing, 3Wpa$, $f anformen, 
Gggenfelben. Die fetteten ;©ranbf$afcungen, bie {Rettenberg 
befonber« im {Rott$al unb 25U«t$al eintrieb, oertoenbete er jum 
großen Unmut ber bairifcfcn güfcrer für ft<$ felbft unb bie 
töniglk&en Struppen. 3n ber ®egenb ton üWauerlirc^en erlitten 
bie jufammengerottetcn ©auero, bte t$r Eigentum Dor ber 
$(ünberung ju bemalten Der juxten, bei einem Angriff ©ig» 
munb« oon Supfen ftarfe 23etlufte. ©raunau, ba$ Dietrich 
Don ©trieben ^artnäefig ju Derteibigen entföloffen mar, lieg 
man unangegriffen. Am 23. 3anuar 1505 überrumpelte ®eorg 
Don ©einäfcim SBiWbiburg, toobei einige feiner {Reiter fi$ ber 
ftrtegdlift bebienten, ftatt tyrer roten bie toeifjen pfaljif^en 
fireuje auf tyre ftleiber ju näfcn, unb na$m bte pfaljifc^en 
$auptleute bafetbft im SBabe gefangen. Der im pfaljifcfctt 
Dienft fte^enbe ®raf $ug Don SKontfort erhielt $ier einen 
@$ufj in ben {Rüden. Set ©angtofen, too ber fcrbeieilenbe 
SBifcped auf bie ©aiern flieg f (am e$ bann, als fd?on ber 
flbenb bammerte, jum legten @$armüfeel auf bem bairtfe^en 
ftriegäfcfywplafce. SBifcped forberte ®eorg oon ©eindfcim jum 
3«oet!ampf angefügt* ber beiben $eere $erau$. 3uerft rannten 
bie gelbberren mit ben Speeren gegen einanber, al$ biefe jer* 
fplüterten, griffen fte ju ben ©c^ioertern, bann aber foll ein 
Aneckt SBifcped«, feinem $errn beifpringenb, ©etu«$eim erfto$en 
$aben. 3n bem folgenben 3ufammenftoi ber {Reiterei mögen 
ft$ beibe Seile ben ©ieg ju, bo$ verloren bie ^fäljer einige 
$auptleute al$ ®efangene, barunter ben oermunbeten ®rafen 
Don äKontfort unb Submig Don 8ön>enftein 1 ). Sin Xtü biefer 
Gefangenen, toelc^e ber ©$tebfpru$ be$ Äönig* bem §erjoge 
8Ubre$t iumie«, toarb gegen bte Gefangenen oon ®etfenfelb, 
(Snbre* Don ©onnenberg unb ftafpar ©tnjerer, au$geu>ec$felt. 

1) 9ia$ ber tfa«gabe ÄBtner«, 147, voäxt auf «ibreeft« ©eite u. a. 
$erjog $ewric$ *on Lüneburg „mcbergetegen"; t» ift jebo$ ju intet» 
pwtgieien: $erjog ^eintieft«) ton Lüneburg SRarf^att u. f. n>. 8gL 
Oefele II, 486. 




SBaffenftittfianb. 



688 



«m 9. gebruar trat SBaffenftiöftanb ein, ber allmaVti* bi« 
jum 23. 2tyrU verlängert mürbe. 

9ca$ neun SKonaten ber jerftörenbften ftrieg$ffi$rung marb 
enbtidj 8to$e im Sanbe. gfir ganj SRieberbaiern, bie Ober*» 
pfatj unb grofje ©triebe Don Dberbatern bie 8tu$e be$ Ätr<$* 
^ofdl 93tele Ortföaften toaren im Verlaufe be« langen gelb* 
jug* juerft Don ben $fäljern unb Söhnten, bann, nad&bem fie 
angefangen fic^ ein menig ju erholen, Don ben bairiföen unb 
QmglifynjEruppen normal auSgeplünbert Horben, äbt SRumpler 
Don gormbaety $at und ein erföüttembe* ©emälbe oon ben 
Seiben be* ÄrtegS ^intetlaffen. S3om 3iüert$al bis jum gic^tcl* 
gebirge manbelte eine Derannte unb Derjipeifelnbe ©ebötferung 
über ©ranbftätten unb gluren, ju beren fflefteflung ftraft unb 
Littel festen, ©eit ben legten Ungarneinfällen Dor 550 Sohren 
tyatte ©aiern ein fol#e$ 2ßag ber Seiben nic&t me$r getoftet 
unb no$ mar ber ^rieben m$t gefiebert, no<$ immer mugte 
fi$ ba$ SBolf auf neue ©rangfal gefaxt galten. 

Denn balb überjeugte man ft$, bog fflaiern »eitere Opfer 
bro$ten, inbem ber Äönig bie unmünbigen ®ö$ne bc$ geästeten 
^faljgrafen JRuprectyt ni$t leer ausgeben laffen molfte 1 ). Äur* 
ffirft $$ttiw ^ettte bie fturfürften um i£re Vermittlung an" 
gegangen unb feine brei geiftli$en Äollegen mirfliety baju Der* 
moc^t. 3n ©aiern verbreitete fic^ ba* ©erficht, alle* Sanb 
nörbfiety ber Donau fei jur Abtretung an bie pfäljifäen $rinjen 
beftimmt. dagegen proteftierte felbft jene ©traubinger {Ritter* 
fttyaft, bie im Ötoenbunbe 2Ubre$t fo fcartnädig mtoerftanben 
$atte. ffinbe Dejember Derfammelten fi$ bie ©traubinger 
Sanbftänbe unb richteten an 2Ubre$t ba$ bringenbe ©efu$, 
eine Abtretung be$ ©traubinger ßanbe« nid>t ju bemtüigen. 
Der 4>eriOg lieg auf einem gemeinfamen Sanbtage ber 8anb«* 
$uter unb ©traubinger ©tanbe ju ^affau (17. Öanuar 1505) 
burc$ ©ern^arbin Don ©tauf erflären, er merbe Seib unb ®ut 
jur <£r$altung be« Sänke« baran fefcen. 9fco$ mar er feft 

1) 3um flgb. befonber* «rentier XIV, XV, XVI; 3aincr, 465f. 
»ntnpler, 131 f. 




6S4 



Sfltnt 9tüfhtngen. 



entfötoffen, um leinen $ret« tn eine toeiiete £ttft&dtlnn$ 
SJaietnS ju nriöigen unb bie opfettwtßge Haltung feinet ©täube 
fomtte i$n Sterin nur beftärfcn. S3on feinet früheren Botliebe 
für ftembe ©ölbnet but$ beten nnbotmäfjige« ©erhalten bot 
3fated unb 9?eubutg geseilt, fctyfog bet $>etjog jefct bot, 4000 
&mbe«finbet anjutoetben, toeld&e im Setein mit feinen ^au* 
Kuppen feine 2Ra<$t auf 7000 9Rann bringen unb ifrt, tote 
et meinte, in ben ©tanb fefcen mfitben, ben $eimif#en ©oben 
bom geinbe ju fäubetn. Cot einem obetbaitiföen Sanbiage 
tu SWünctyen (10. gebt.), too au$ bie Sanbf duften bon SanM* 
$ut unb ©ttaubing but$ Slbgeotbnete oertteten maren, führte 
«Ibted&t felbft ba« .©ort unb ttofe bet großen Ctfööpfung 
be* SanbeS befäloffen bie ©tänbe (16. gebt.) intern gütfien 
neuetbing« SReijige unb gujjfned&te auf btei SKonate ju be* 
billigen unb ju beten ©efolbung ein anlegen ju etfcben, 
beffen ©ettag untet bie brei ©tänbe gleichmäßig betteift toetben 
foflte. 9iac$ ©eenbtgung be$ ÄtiegeS foflte eine ©teuer *) et* 
$oben unb bon beten Stttag bie jiebem einjelnen aufgeteilten 
©$ulbbtiefe eingelöft toetben. $auptleute unb Weifige be6 
neugetootbenen $eere$ fottten famtti$, bie fjußlnec^te jinn 
gtöfceten Seil ?anbe*ange$ötige fein. 

9ioc$ ju Snfang üWätj fa$en flc$ bie Dinge ftiegetifö 
genug an. Älbtec^t befahl feinen ßanbfaffen unb bem Bewor- 
benen fttiegäooll auf ben 20. 8pttl, einige Jage bot Hbtauf 
be* ffiaffenftiüftanbe*, getüftet in üWün^en fi$ etnjufinben. 
Dagegen erlieg $faljgraf fjriebrtc^, bet aW Cotmftnbet feinet 
Jungen Steffen in 8anW$ut mattete unb bott }u Htbte#W gtoget 
Unjuftiebenfcit bon ben $auptleuten unb »täten ben <5ib be« 
©efcotfam« entgegengenommen $atte, an bie Sanbfaffen in ®eotg< 
8anben ben S9efe$t, getüftet in Santotytt ju etfcfcinen. Im 
22. STOätj abet richtete bet Äönig, bet föon im gebtuat eine ®e= 
fanbtf($aft na$ SRünc^en gefaktt $atte, an SUbte^t ein ©$teiben, 

1) fciefe ©teuer, »et<$e bet 3ngolftäbter Sanbtag im September 1507 
bewilligte, trag bem $erjoge na$ Stöjug ber Ausgaben 74475 fl. *. gr e$- 
berg, SanbfUtabe II, 77. 




2Xr JtSttter ©pru<$. 



ba« toa$rfc$einlic$ riet baju Beitrug ben $erjog jur 5Rad&gteBig* 
lett ju Beftimmen. Dringenb bat er feinen ©etytoager bem 
©eifpiele beä $fatjgrafen griebric$ ju folgen unb i$m bie <2nt* 
Reibung an^eimjufteflen. 3nbem er bte ®$toierigtetten ber 
europäiföen Sage Betonte, mit benen er ju rennen $aBe, lief 
er burc^bliden, bag er bie Bairifd&e grage unter äffen Umftänben 
na$ feinem SBiffen erlebigen »erbe. 9iunme$r rieten au$ bie 
$erjogtid&en {Räte unb ber auf ben l. äprtl cinBerufene 8anb< 
tag«au«fc$ufc bem ©prud&e be« ftönig« jt$ ju unterwerfen. 
SWtt Blutenbem £>erjen mag fi<$ SUBrec^t bem Untoermeiblid&ert 
gefügt $aBen; Ulrich oon ffiefterftetten unb ©igmunb öon 
9to$rbac$ überbrachten bem JWnige feine 3"frtt«mung; bie Ur* 
funbe, toorin bte 3J?fin$ner $>erjoge bie flrntföeibung be$ ©treite« 
fiBer $erjog ®eorg« $interlaffenföaft bem Röntge überltefjen, 
ift bom 30 »pril 1505 batiert. 

9Jun erfolgte (13. äprtl) toon Hagenau au« ein allgemeine« 
griebenägeBot be$ flönig«. Die pfäljifctyen Struppen räumten 
£anbd$ut, ©urgfrutfen, ©raunau unb jogen fi$ hinter bte 
Donau gurfiA Der SReid&Stag, auf bem SKajimtlian feinen 
©prudfr fällen tooffte, toarb na$ Äöfa au«gefd>rieBen. Dort* 
$tn entfanbten bie 2Ründ&ner $>erjoge als i$re ©eboümäd&tigten 
ben 8ug«Burger Domherrn Ulrich fcon ffiefterftetten, ben Deutf$* 
orbenSfomtur ju ©lumem^al 3o$ann abelmann, ffiolfgang 
oon ä$atm, ©igmunb fcon 9to$r6ad>, $an« »on $aul$borf, 
Dr. $cter ©aumgartner, Subtoig bon ©ernten, ©art^olomä 
©tyrenf unb ©ett geringer 1 ). 21m 30. 3uli oerlünbete 2»a^ 
müian inmitten einer glänjenben gürftenoerfammlung feinen 
©$iebfpruc&, ber jtoar auf bad Hugäburger 9te$tterfenntni« 
Dom Äpril oorigen 3a$reä ©ejug na$m, aBer ben ^fälient 
3ugeftänbniffe getoä^rte, bie fie nur bur<$ Äufte^nung gegen 
biefe« Bntglic^e Urteil ertrofct Ratten. Der ffölner ©pruc$ 
berfünbete affgemeine Srnneftie unb ÄufoeBung ber ä#t unb 
ÄBerad&t, bie üBer bie ^fäljer gürfien unb tyre 8n$änger au«* 
gefprot$en toaren. Sluä Batriftyn ßanben toarb für 8tupre$t$ 

1) Ärenner XV, Ulf. 




636 - örünbung be« gfirftcntum« $fat)-9taifaTg. 

Junge Sö$ne Dtt$einric$ unb $$Utpp ein neue« gütfientum 
gebilbet, bo« junäcfcft bent ^fatjgrafen griebriefc al« bent oom 
ftönige befteflten »ormfinber bet $rinjen eingeräumt »ijrbt. 
Diefe „iunge $falj" foflte SReuburg a. b. Donau begreifen 
famt ödem, loa« $erjog ®eorg oom Oberlanbe nörblfcb bet 
Donau, mit Sto«na$me ber ©tabt 3ngolftabt, fcinterlaffen fcttt, 
bi« jum ©efamterträgni« oon 24000 fl. ©ürbe biefe« (t> 
tragni« au« bem Oberlanbe atiein nietyt erreicht, fo foflte« 
©ebiete au« ®eorg« SRteberlanb au$ jenfett ber Donau, unb 
8anbe 9l(bre$t« unb ©olfgang« im iWorbgau unb oor bem SBalb 
baju genommen »erben. 3m übrigen foflte alle« öanb, ba« 
®eorg befcerrfebt $atte, mit äu«na$me be« Kniglic^en 3ntereffe 
ben 2Jiüncfyter $erjogen jufaflen. ©arfefcaft, ©tynud unb 
fafrenbe $>abe in ben ©cfclöffern 8anb«$ut unb ©urg^aufen 
»arb grieoriefc überliefen, ©eföüfc, SBüdjrfen, $uloer, betreibe 
foflte unter beibe ^arteten gleich verteilt »erben. SM« ÜÄi^aeti« 
foflten griebrty überantwortet »erber: Sieuburg, SRekfcrjfcofen, 
Sauingen, ^ityftäbt, Ounbelfingen, $etbe<f, ©uljbacfc, 33urg« 
lengenfelb, ©elborf, Bernau, ftalmünj, Reiben. Die ©$äfetuig 
ber ©nfünfte, ju »etefcer beibe Parteien ie brei Äommiffäre 
}u ernennen Ratten, foflte bt« ©eorgi über« 3a$r oofljogen 
»erben unb bi« ba$in foflte grtebric$ au$ einige fünfte füb* 
lid? ber Donau, nämltcfc Sßafferburg (o$ne ba« SRentmeifter* 
amt), Üraunftein, Sßalb mit bem Öttinger gotft, Iroftberg, 
äßermofen, 2Rarf»artftein , ©$lo6 unb ämt Illing befefct 
galten. Der bo$mif$e ©^ulbbrief, ber }u ben (Sntf^äbtgungen 
für ©ranbenburg gehört $atte, oon ben 3ngolftäbtern an bfe 
8anb«&uter §erjoge gefallen unb no$ immer ni<$t eingeUft 
»ar — julefct $atte ©eorg 1497, »ieberum erfolglo«, in $rag 
bte 3a$lung anregen laffen x ) — , »arb ben $fäljero }u« 
ge»iefen. 

Die böfltge 8lu«fü$rung biefe« @j>ru$e« »arb bur$ bte 
Unttarfcit einiger ©efttmmungen, bte »eit au«einanberge$enben 
®$äfeungen ber ftommiffare unb griebrt<$« 93erfu$e »eitere 

1) Mfpct* bei SRuffat, öntf^äbigungen, 21—27. 




@4fcierigtelten in ber «u«fü$rung M ÄiJfaet @pra<$e«. 687 

Vorteile ju erlangen no$ einige 3a$re DerjSgert. 8u$ be* 
urteilte ber t>enejianif($e ©efanbte Quirino 2Ra$imüian« $oliti! 
nft&t unrichtig, toenn er fagte, fie ge$e barauf au«, Saicrn unb 
1*falS gegenfettig in ®($adfr ju galten 1 ). Da ju befürchten 
testen, bafc ber ftönig in feiner $arteiti$!eit für grtebri$ no$ 
tttttter ge$en »erbe, trat ber ©cftoäbiföe ©unb für feinen 
balrifcfcn Oenoffen ein unb erllärte (20. Ott.), ber ffölner 
&pT\i$ müffe um>eränbert jur 8u«ffi$rung lommen; toer ba* 
toiber fcmble, koürbe e« mit bem Sunbe ju t$un befommen. 
9ta$bem SKajimiltan toäfyrenb be« ffiinter« ju Ofter^ofen, 
Sin} unb <£nn« au«Iegungen be« ©prw$« gegeben $atte, laut 
am 25. gebruar 1506 }u Sreiftng ber $>auptt>ertrag über bie 
8to«ffi$rung juftanbe. 8faf bie $etmlic$e Unterftfifcung be« 
JÖnig« bauenb*), legte iebo$ ber ^falggraf auefc ber »ott* 
jtefymg biefe« ©ertrag« $inberniffe in ben ffleg unb fcerfteigerte 
bie $erau«gabe ber i$m al« Unterpfanb eingeräumten Sanbe. 
9?od)mat bro$te ber ©cftoäbiföe ©unb feine üßa^t jugunften 
tllbrety« aufzubieten, normal »erlangte unb erhielt ber $>erjog 
<mf bem auf 7. Äpril 1507 einberufenen Sanbtage ju 8anb«* 
$ut bie ©etotüigung t>on ftrieg«$ilfe. 9htn legte ßc$ ber ftönig 
in« STOtttel unb entflieh am 2. 3uli 1507 auf bem ftei$«< 
tage ju ftonftanj, too au$ Hlbrettyt fi# eingefunben $atte, baß 
ber ^faljgraf bt« jum 10. Stuguft bie $fanbf$aften räumen 
müffe, baß i$m iebo# bi« jur oöüigen ©ercinigung ber Oefäfie 
einige ©ertöte an unb ienfett ber Donau, ©eggenborf, Donau* 
ftauf, gaHenftein u. a. ju überlaffen feien 8 ). Doc$ tourben 
bie Ortungen jurifd&en ben beiben Parteien au$ $ieburc$ no$ 
tityt beigelegt unb erft na* «Ibre^t« lobe führte ein jtoeiter 
ftonftonjer @pru$ Dom 10. «uguft 1508 jum gänjH^en ®ofo 
jug ber 8anbe«tettung. 

1) öd Alberi, Relazioni degli ambaßeiatori Veneti, Serie I, 
VI, 34. 

2) 3>em er am 6. Sanuar 1507 au$ feinerfeit« eine H&tretnttgtttttmibe 
-über ba« WnigU^e 9ntereffe antfleflte. Jtrenner XVI, 62. 

3) «renner XVI, 200. 




688 



$ettuß fron SRonbfee, ©Ubenecf, Äifcoüfcl. 



§Ru$t »eiliger att bie pfdl^fc^c ©ege$rli#!eit mürben bem 
8anbe neue gorberungen be« ftSnig« &erberblt#. ©afcrenb bet 
Unter fcanblungen ju 8inj im Dejember 1505 *) unb 3anuar 
1506 lieg 2Jta$imtltan ben $et)ogU$en anmalten erltären, bag 
et auf ©runb be« mit »Ibrectyt getroffenen Übereintommen* 
eine »erme$rung feine« „Ontereffe" beanfpruc&e, ba feine ftrieg«- 
foften bie t>on i$m jugefagte Summe Don 150000 fl. übet* 
fliegen hätten. Der ftönig forberte ju bem, ma« er bereit« in 
$änben $atte, 83ogtei unb ftlofter üHonbfee, ©#lofj ©ilbenetf 
unb ba« ganje Canbgericbt ftifcbityel, mo bamal« adein juxu^tg 
©ergmerfe in ©etrieb ftanben, mit $enf<$afo ©tobt unb ®#lot, 
mityrenb na# bem erften Vertrage nur bie ftifcbüfcler JBal* 
bungen an öfterretefc abgetreten »erben foflten. Älbrecfct mar 
anfang« ni$t gemitlt, bem Kniglic^en @<$mager, ber fic$ bie 
C^elution feiner eigenen Urteile fo teuer bejahen lieg, bkfe 
neuen Opfer ju bringen, boc$ bie Drohungen, mit benen äßafie 
milian feiner gorberung 9ia<$bru<f gab, jmangen tyn na$ 
menigen ©o#en feinen ffiiberfprucfc fallen $u laffen. 9m 
8. gebruar 1506 mürbe t>on ben 3Wfin#ner $>erjogen bie ib* 
tretung ber beanfprueften ©ebiete an SWajftmilian beurtunbet *). 
92oc^ einen anbeten Singriff be« ftöntg«, gegen ben er fieb 
lange gefträubt $atte, mußte Übtest um biefe 3eit fi$ gefallen 
laffen: bie 9u«f Reibung ffialbeif« al« neuer JReu$«$errf($aft au« 
feiner 3uri6btftion. Dfytmädjtig mußte er, um no$ ©flimmere« 
abjumenben, bie 3*rftü<felung be« Sanbe« burc$ feinen ©$mager 
bulben, im ©üben, Cften unb ©eften $atte $ab«burg mieber 
anfe$nli$e unb fööne ©triebe ©aiern« an fi$ geriffen, immer 
brüdenber geftaltete ftc^ £)fterreic$« Übergetönt über ben altere« 
©tamme«genoffen. 

Unter folgen Umftanben (ann bie fityle Haltung ni$t be^ 

1) 8m 8. 2>ej. 1505 berieten «ttrety« Öefanbte cm« ttn} juetfl 
*on ben neuen gotbermtgeu be« Ädnig«. «rieben II, 191. Im 
18. $q. 1505 er^Ut eine neue öefanbtf^aft «Kbre*» bie ©eifirag, bem 
©eggten be« StMfr entgegenintreten unb n>om9gUä) ana) ftesforg am 
3nn in retten. IL a. £>. V, 437. 

2) «renner XY, 213; XVI, 72—81. 




Klfcrety IV., «enebig unb bie $erren *. b. Seiter. 639 

fremben, tottyt albrecht gegenübet bet ftettytyottttt feine« 
©c^tDagerö beobachtete. Die JReich«htlfe }u einem JRomjuge, 
meiere gleich früheren »efchlüffen bet abrieb be« ftonftanjer 
JRetcb«tage« (26. 3uli 1507) bem $erjoge auferlegte, timtbe 
bon ihm nid^t geleiftet, miekoo^t fxe befreiten genug bemeffen 
toax, auch be« fiöuig« Änftnnen, bafj bet bamal« öietjehnjähtige 
$rtnj ©ilhelm in 3talien ju ihm flogen ntfge, toarb abgelehnt. 
Daß Slbtecbt gegenüber 93encbtg al« einet ber Irteg«luftigften 
gfirfien gefchilbert »erben tonnte, foll feinen befonberen ®tunb 
gehabt ffibtn. Der benejianifche ®efanbte Quirino nriü Hüffen, 
Hlbrecbt ffabt ben Herren bon ber Setter, ben in ©atern 
lebenben 92achtommen ber au« SBetona unb SMcenja berttiebenen 
$erren beda ©cala, ihre Hnfprüche auf bte verlorenen $err* 
fchaften abgefauft unb batum )um Stiege gegen ©enebig gebrängt, 
ffiietpohl eine utfonbltche Seftätigung biefer Nachricht fttb bi«her 
nicht finben lieg, mag etma« ©ah*** baran fein. Wibrecht mar 
im allgemeinen geneigt bewährte ^tftortfe^e 9letht«titel geltenb 
ju machen, unb ba§ ber ©tammbater ber bairifchen Herren 
bon ber Seiter nur ein natürlicher Siachlomme ßangtanbe« II. 
toar, Hieb in Deutfchlanb augenfcheinlkb unbetannt. 01« SBor* 
munb be« jungen $an« bon ber Seiter hätte auch Älbtecht IH. 
1451 beffen ffirbanfprücbe gegen ben ®rafen Volbert ju 2)rätt, 
$errn ju ^refonifc betfochten 1 ). 

©chon nährten fich Älbtecht« Sage ihrem (Snbe, al« ihm 
betgönnt matb burch bie (Einführung be« (Stftgebutt«rechte« al« 
$au«gefefe ber bairifchen 2Bittel«bacber feine lanbe«böterlt<he 
©irlfamleit ju frönen. iRach einer Trennung bon anberthalb 
dahrhunberten — ja, toenn man bte nur jutölf 3ahre mfihtenbe 

1) Alberi, Eelazioni degli Ambasciatori Veneti, Serie I, t. VI, 
43. 44. »cm faiferli^en Äamraergcri^t erlangten bie getreu ben ber 
Setter ein ftefütuttonfturteit gegen Senebig, auf ©runb beffen fle 1511 
benejianif^e Äanfmann«güter in öenebig mit ©efötag belegen »ollten. 
gfir ihren öifer nnb ihre Serlnfte im 9anb*huter (Brbfotgetriege »nrben 
fU 1508 *on ben $erjogen bur<h bie $errf<haft ©atb an ber fttj ent- 
fch&btgt tt.-«., «befcfeleft, Herren ton ber Seiter; $nnb, ©tamnten- 

bn<h n, 44. 



640 



«tbrc«t« IV. 



Vereinigung nach bem 3lu«fterben ber erfien meberbairifchen 
Sinie (1341—1353) nicht in Hnfchlag Bringt, oon britt^aI6 
Sahrhunberten — toaren Ober* unb 9tieberbaiern triebet unter 
einem dürften oerbunben. ©Hefte man in bie Vergangenheit 
jurücf, fo toar leicht ju erfennen, baß oon bem fchtoeren Unheil, 
toelche« ba« 8anb in biefem 3^traum betroffen, ber größere 
STeil nicht burch au«toärtige gembe ihm augefügt, fonbent au« 
bem 2Rangel eine« (Srftgeburt€re$te4 in ber toittel«bachtfchen 
gamtlie unb au« ben toieberholten 8anbe«teilungen entfprungen 
toar. „Stach oon unferer flehten 9?ation", fagt ber 3ngol* 
ftäbter ©tabtfehreiber &axmx, „gilt ber btbltfche ©pruch: ©n 
iegltche« JReich, ba« in fich felbft jertetlt toirb, toirb jertremrt 
unb serftört. 1 ' ©$on nach ber erften ©ieberoeretnigung be« 
getrennten Ober* unb 9?ieberlanbe« ^atte Äatfer Subtoig (f. ®b. II, 
©. 452) bie Verfügung getroffen, baß bie beiben 8anbe«teile 
nie toteber getrennt toerben foUten. Die ©B^ne Ratten pch 
nicht baran gefehlt unb ihre üble X$at mußte fortjeugenb ©8fe« 
gebären. Von ben $>erjogen <£mft, ©tlhelm unb «Ibrecht III. 
toar bann toenigften« eine toeitere 3lu«behnung ber Teilungen 
Oermieben ober oerhtnbert toorben. 3efct toar bie Gelegenheit 
einer ffiteberfehr be« Übel« oorjubeugen noch günftiger al« in 
ber faiferlichen %nt, ba burch bie (Einführung einer $rimo* 
geniturorbnung nur toenige lebenbe ©lieber be« $aufe« ge* 
fchabigt tourben: jtoei ^rinjen, bie noch in ben ftinber jähren 
ftanben (Subtoig unb ffirnft), unb SUbred&t« unoermählter ©ruber 
SBolfgang. Von «Ibrecht« ©nficht unb $atrioti«mu« ließ fleh 
ni^t anber« ertoarten, al« baß er bie ®unft be« Sfagenblid« 
ju bem entfeheibenben ©chritt benüfeen tofirbe. Such bei ber 
übertoiegenben SRehrheit ber Sanbftänbe toar freubige 3uftimmung 
t>orau«3ufehen, toenn auch etnjelne ^efftmiften neue 3n>tetracht 
unb ftrieg al« golge einer $rimogeniturorbnung toei«fagten *). 
graglicber toar, ob auc^ ffiolfgang, ber burch ba« Jochen auf 
fein Erbrecht bem ©ruber bi«her fo manche ©chnrierigfeit be* 
reitet hatte, jefct genug ©elbftoerleugnung beßfcen toürbe, um 

l)gfietrer« gortfefcung, 77. 




«ßrimogemturotbnung. 



641 



bem ©emeinioofcl ein Opfer }u bringen, aber bicfe grage tourbe 
ialb in erfreulicher SBetfe bejaht. 

Dem Sanbtage Don ganj SBaiern, ben 8Ubre$t auf ben 
3uni 1506 nac$ 5Dtünc$en einberief, fiel bie totd?tigfte unb fünfte 
Aufgabe ju: er foüte beftegeln, ba§ beut 8anbe forno^t bie 
-©ctyHa einer gemeinfamen {Regierung mehrerer dürften ot« bie 
<£$artybbi$ einer itonbeäteilung fortan fern bliebe. 9lac$ münb* 
liefen 33er$anblungen gurif$en beu $ergogli$en ©rübern unb 
bem 9lu6f$uffe !am am 8. 3uli 1506 „auf SRat unb 3ut^un 
ber Sanbfd&aft" unb, »ie e$ fd&etnt, na<$ bem Snttourfe be« 
Äanjler« SReufywfer bie $oc$ti>ic$tige ^rimogeniturorbnung l ) 
$uftanbe, burd) toeld&e bie ©efötde be$ 8anbc$ na# 3a$r* 
$unberten be$ gamitien^aberö enbli$ in eine glu<flt$ere 5Ba$n 
flelenlt mürben. $erjog SBolfgang berjtd&tcte „au$ brüberlictyer 
Siebe unb Ireue" gegen älbre^t jugunften btefeö feine« SBruberö 
unb beffen @ö$ne unb ffirben fotoo&l auf ba« i$m burd) ©eburt 
jugefaüene al$ auf ba$ neu ereibte 8anb, o$ne bo$ fein ©e* 
burt$re$t um ein Sinfengerictyt ju opfern. 93ielme$r tourben 
i$m auf Menuett einige ©tabte, @<$löffer unb ©ertöte im 
ffiefien be$ Sanbeä, too er au$ bt$$er feinen ffiofcnfifc gehabt 
$atte, jugefaro^en, nämli^ 2lic$a$, griebberg famt bem 3°ö 
am $td), ÜKertng, Saneberg, ©d&ongau, 9fcau$enlec$$berg, 
SBeityeim, <ßityl, bie ©etylöffer $egncnberg, Stettenberg, ©reifen* 
berg unb Jährlich 12 000 fl. r$ein., fomeit biefer ©etrag nic^t 
bur# bie ffirträgniffe ber genannten ©efifcungen gebedt mürbe. 
ÜDie Sanbfaffen unb Untertanen in ben ÖJolfgang jugetmefenen 
©ebteten tourben bon SUbre^t, bie im übrigen Sanbe ebenfo 
Don ffiolfgang tyrer Pflicht entlaffen 2 ). eine genriffe Tei- 
lung be$ 8anbe3 führte bemnad) auety biefe$ Slblommen gerbet, 
aber abgefe^en babon, baß nur für furje 3"t ein ber$ältni$* 
mäßig flehte« ©ebiet abgetrennt tourbe, galt bie Trennung au$ 

1) «rentier XV, 355—381; Pödinger bei t>. Sertfcenfelb, grei- 
briefe, Hnm. 930. ft<u$ güetrer« gortfefcung, 77, toeroelgertcn etliche 
toom Übel bie Orbnung ju befiegeln. 

2) ärenner XV, 389 f. 391 f. 

«icjler, OcfWeCaiem«. III. 41 



(42 



^rimogemtarorbnwtg. 



nur in befchränftem ©inne, beim e« toarb beftimmt, baß bie 
Untertanen ©olfgang« gleich ben anbeten Sanbfaffen an bm 
bairifchen Sanbtagen teilnehmen unb „in Ärieg unb ©e* 
friebung be« Sanbe«" gleich biefen fxc^ ju Detriten Ratten. 
Orrungen jtoifchen ben SBrübern fodten burch bie Sanbfchaft au«* 
geglichen »erben. 2Me bairifchen gfirftentümer aber, fo marb 
feftgefteüt, feilen fortan auf enrige 3eit nur ein $>etjogtum fein 
unb genannt »erben, leine Teilung noch 3 e *ttennung foU meht 
gefchehen unb in biefem $erjogtum foü nur einer regierenber 
$erjog, 8anbe«ffirft unb $err fein. ©a« $erjogtum oererbt 
fich in männlicher 8mtc nach bem Siechte ber (Srftgeburt. ©tirbt 
bie fyutptlinie au«, fo geht bie {Regierung an ben nächften älteftra 
©ettenerben männlichen ©tamme« über. 3fingere ©öhne foden 
bem regierenben dürften unterworfen unb untertänig fein mit 
anbete Sanbfaffen, ftc erhalten nur Xitel unb ©tanb öon ©rafen 
unb nach erreichter ÜÄünbigfeit mit 18 Sahren eine tätliche 
SRente oon 4000 fl. rhein. 

8m 15. 3ult empfing Wibrecht bie $utbtgung feiner Unter- 
thanen, am 20. betätigte er bie lanbfehaftlichen Freiheiten unb 
Derorbnete, baß fortan jeber regierenbe gürft ben Öanbftänben, 
fotoie fte ihm Pflicht unb $utbigung geletftet, ihre Freiheiten, 
alte« $erfommen unb löbli^en ©etoohnheiten ohne SJerjug be* 
[tätigen foHe. Über bie CrHärung ber 8anbe«freiheitcn kourben 
auf biefem Sanbtage Beratungen eröffnet, beren Sbfchtuß Wibrecht 
ni(ht mehr erleben foüte. Der fiönig toarb um ©eftätigung 
ber ^rimogemturorbnung angegangen (ll. u. 12. äug. 1506) *) 
unb erteilte biefelbe unüerjöglich 2 ). 

m Wibrecht am 18. ÜKärj 1508 bie «ugen fchlojj 9 ), ^atte 
©aiern ben SBerluft eine« Surften ju beflagen, ber e« oerbient 
hätte oom ©efehief auf einen banfbareren Soften gefteüt }u 
koerben. 2Bie anbei« tyättt fein ftaattmännifcher ©eift fich be* 
thätigen fönnen, um tote Diel glüdlicher hätte fich toahrfchetnlich 

1) ftrennir XV, 395f. 414f.; güetrer, 77. 

2) 21. 9lu%u% Seoben. ©eh- ©auSar^to. 

3) 3« feinem £et$tnfcg&!gm6 f. bie fcoforbmrag, ©efleurieber 
II, 239 f. 




m*re$t IV. ol« «Staatsmann. 643 

auch SBaiern« ®efcht<hte gehaltet, toärc «Ibrecht ber ffieifc al« 
unmittelbarer Nachfolger Äatfer Subtoigö in beffen teile (Sri* 
fchaft getreten, ©eine 3^ e toaren GHnheit unb ®röße be« 
SSaterlanbeä, Graft unb Orbnung ber {Regierung, tote er felber 
e* auöbrüdt, „gemeine« 8anbe« 5ßufc unb SRotburft." liefen 
(Sötern nadfouftreben galt ihm aW h&hfa Pflicht, Harer unb 
entfehiebener, al« mittelalterliche Segriffe e« mit ftch brachten, 
fefcte er bie I^ätigfeit be« Stegenten in bie ©orge für ba$ 
ffioht be« 8anbe«. ©olchen 3ielen aber nachgehenb, hatte er 
überall mit ben gehäuften geilem ju lämpfen, meiere feine 
t(^nen forglo« unb furjfichtig begangen Ratten, julefet noch mit 
Jenem größten, ben fein 33etter launen* unb freoelhaft beging. 
9fa fid> fchioierig genug, mürbe bie Aufgabe erfchtoert burch ben 
mächtigen Nachbarn im Often; auch mit Wibrecht »erfchtoägert, 
toasten bie §ab«burger mit ffitferfucht barflber, ba& für SBaiern 
untoieberbringlich berloren bliebe, toa« ftaifer Subtotg« unfähige 
(Sptgonen »erfcherjt Ratten. 2Wan fennt bie brei fetnblkhen 
fmuptleute, bie ben ftaifer SWafimilian, tote er im leuerbant 
fchilbern liefe fein ßeben lang »erfolgten unb gefährbeten : gür* 
toifc, Unfall unb SHeibhart. 3m ßeben feine« bairiföen ©(hioager« 
hat fürtoa^r ber Hauptmann gürtoifc, ber bie eigene iugenbliche 
Unbefonnenheit jeic^net, eine geringe Stolle gefpielt, um fo 
größere aber Unfall unb 9teib$art, nribrige« ®efcht<f unb üßifc 
gunft ber 2Renföen. $)a« ®lüd festen ftch für »Ibrecht föon 
erfchöpft ju haben, inbem e$ ihn mit reiben ®aben be$ ®eifte$ 
befchenfte. ©o toar ihm nur belieben bie ©n$eit be$ 8anbe$, 
auch biefe n«* wit SSerluften, ju retten unb fieser aufteilen, 
grettich biefer ®etoinn toar ber foftbarfte unb toäre, toenn nicht 
bamalä errungen, oielleicht für immer entfchlfipft. Denn nach* 
bem im Sauf ber Sahrhunberte Dfterreich unb ©teiermarf, 
lirol unb ein 5Eeil be$ SRorbgaueS oom ÜKutterlanbe fleh ab* 
gelöft hatten, brohte nun biefeä felbft in eine Weihe fleiner 
gürfientümer ju jerfatlen. 9Mit Slachbrud machten fich jugleich 
bie ©onberintereffen eine« bevorrechteten ©tanbe* unb jene 
ber 8anbe«teile geltenb unb toährenb einem fraftooüen ©taaW* 
toefen bie Serfefcung in fachliche ftleinftaaterei brohte, lief 

41» 



644 



<S$aratterMtb 



ba« gemetnfame bairif<he ©tamme«geffihl Oefahr t>on einem 
mä^tig empormachfenben ober* unb nieberlanbifchen $artu 
lulartemu« erfticft }u toerben. aibrecht« (Einfielt unb (Energie 
ift e« ju banlen, bog ber gänjliche 3erfaü be« bairifchen ©tamme« 
abgemenbet unb ber bairifchen ©efchichte ber ©orjug bemalt 
tourbe, baß fie toenigften« im ®roj$en mit ber @ef$t$te eine« 
beuten Stamme« ftch bedt üßit Stecht ffat man bie grunb* 
gefetfliche geftftellung ber ftaatlichen Unteilbarfeit al« ben größten 
ffienbepunft in ber ©taatägefchichte eine« beutfehen Territorium« 
bejetchnet, alt ben glänjenbften Iriumphf ben ba« ^ö^ere Staat«* 
pxxniip über bie unberechtigte Äntoenbung prtoatrechtlich'patri* 
monialer (Srunbfäfce baaontrug l ). 

©<hon 3ettgenoffen haben Sllbrecht „ben ffiifctgen" ober 
„ben ffietfen* genannt unb Don fcßfcerer ©arte $erabbfidenb f 
barf bie ®cf^ic^te biefen SBeinamen fefthalten. SBi« in ferne 
g&nber brang ber 8?uf feine« f Warfen, burchbrtngenben S3er* 
ftanbe«. ftönig f>etnrt(^ VIII. öon (Snglanb fchrieb ihm, er 
habe Diel oon feinem gereiften (Smft unb feiner ©et«heit*), 
Don feiner lapferleit unb (Erfahrung im ftrieg«mefen Der* 
nommen. ©chon al« junger üßann betone« er ftaat«m5nnifche 
(Einfielt, al« er ben Dom Setter Subörig au«gehe<ften $lan bie 
nieberlänbifchen ^ßroDinjen torieber beibringen rafch fallen lieg, 
ftonnte er fpäter im entfeffelten <S$rgei) feiner potittfe^n Wacht* 
plane auch über bie ©renjen be« Unrettbaren fleh täufchen, im 
allgemeinen leuchtet boch au« feinen Saaten tote fchriftlichen 
ftunbgebungen bie „hochberühmte Sernunft", bie ihn nach einem 
HuGbrucf be« Shrontften 3 ) jierte. Dag er nicht ber (Srft* 

1) $erraann @<hulje, 2>a* Stecht ber Grftgeburt, €J. VI. 

2) Matura gravitas ac sapientia. 1489, 7. Ott $.»&, $eirat*- 
acta IV, f. 187. 

3) güetrer« gortfefcer, 77 (cgm. 1590, f. 191t.). 3hm verbauten 
toir bie beachtenswertere (S&araftetijU! fitbrecht«. Sag Sfoentin« 1507 
verfaßte« Sobgebicht auf «(brecht j>anegörif($ gefärbt ift r liegt in ben 
»erhfittniffen. ©. ferner jmei lürjere ©ebichte unb bie <S^ronif Hbentin« 
(SBerfe I, 618. 620; V, 602). ökid)jettige ©Ubmffe Wibrecht« u. a, tu 
cgm. 1598, f. 2, 125, auf feinen ©olbgutben, auf bera $la9gera5(be 




$erjog »forest« IV. 



645 



geborene unter ben ©rübern toar, braute ihm oteüeicht mehr 
©orteil al« ©chaben: banfte er bo<h nur ber anfänglichen ©e* 
fttmmung für ben Hctilolen ©tanb, meldet ihm al« längerem 
<ßrinjen jugebacht toar, baf? er eine feinen anlagen angetneffene 
geiftige 8lu«bilbung genog. Unter ben regierenben batrifchen 
gürften toar er ber erfte, ber mehr al« einen Anflug oon 
gelehrter ©Übung befaß, ©er lateinifchen ©prache toar er in 
einem ©rabe mächtig toie lein anberer beutfcher gttrft feiner 
3eit. SRehrJährtger ©tubienaufenthalt in 3talten tyb ihn über 
bie Snge ber heimatlichen Slnfchauungen empor, fefete ihn in 
©erfihrung mit ber in herrlicher griffe unb güfle aufblühenben 
italientfchen ftuttur unb befruchtete ben (Sifer, mit bem er ba$eim 
«Biffenfchaften unb Sünfte pflegte. Sine ber mcrtoürbigften 
©Triften be« Äarbtnal« 9itfolau« Don (Sufa geigt, »eiche h<>h en 
geifttgen Probleme Wibrecht toahrenb feine« römifchen Aufenthalt« 
n&her geruclt tourben. (£« ftnb bie jtoei ©ücher Dialoge über 
ba« ftreifelfpiel 2 ), in benen ber getfioolle ftarbinal ba« OefprSch 
juerft mit 3ohann, bann mit Wibrecht, „ben talentvollen unb 
gebitbeten Söhnen" feine« erlauchten greunbe« Wibrecht« III. unter* 
hält, ©ei bem ftreifetfpiel, ba« feit lurjem unter ber römifchen 
dugenb beliebt gemorben fear, galt e« ben Äreifel über eine gtäc^e 
von jehn fpiralförmtgen ff reifen fo nahe al« möglich an beren 
2Rittetyunft r ben Äöntg, hinjutreiben. liefern finbifchen ©fiel 
legte nun (Sufa hohen ©inn unter: ßhtiftu« ift ber SKittel* 
punft, ju bem ber Streifet, bie menfchltche Seele, burchbringen 
foll; ba« £tel ju erregen fleht nicht gänjlich in unferer ©ea>alt, 
toohl aber oermögen mir burch ©ermeibung fchlechter Sit* 

au« Äarthau«-$rütt unb bem SUtarbitb ber alten SWünchner granji«- 
fanertirc$e im SRationaltnufeum. 

1) ©ci ©ilbernagl (Wibrecht IV., 6. 106) flnbet fl* bie Angabe, 
SU6re<ht habe ben Nürnberger Sehern (sie) jur StaSbilbung al« 3Jtoter 
nach 9tom getieft. Sebenfall« tann feiner ber berühmten ©rüber ©e&am 
in ©etra<ht tommen, ba $an« ©ebalb 1500, ©artel 1502 geboren toar; 
»a$rf*eintt* ift bie Angabe überhaupt irrig. 

2) Dialogi de ludo globi (Cusani opera, 1556, p. 208—239). ©gl. 
@(har*>ff, 5Rit- *• <5ufa, 220 f. 



646 



(S&orafterbttb 



geto5$mmg unb Übung in ber STugenb ben Unfang bcr ©etoegung 
jtoedmäßig ju geftalten. SMe ©#rtft ift in tyrem größeren 
Steile rein ^ilofopftfö, jte be^anbelt ba« ffiefen bet menf$* 
Iü$en ©cete unb tyren Untertrieb Don ber Jierfeele, ba$ 83er* 
$ältni$ ©otteö unb be$ SKenfcfcen jum UniDerfunt unb ben 
$o$en iBert ber menföli^en SnteHtgena, bie baS näd&fte fei 
an ®otte« ©ert 

Durc$ unabläffige politiföe ©orgen ift bann atterbingA 
Älbred&tt ffltrfen na$ ber geifttgen ©eite fe&r eingeengt »erben, 
bo$ fte$t oon bebeutenben Vertretern ber jeitgenJififd&en Lite- 
ratur, Don güetrer, ftölner, 8oc$er, «Dentin, feft, baß fte 
8Ubrec$t görberung ober Anregung Derbanften. ©päteften* feit 
1501 treffen mir ben in Statten gebildeten $umaniften Dietricfr 
Don Plieningen, einen ©cfyoaben, ber Dörfer im Dienfte be$ 
Äurfürften $$ilipp Don ber $falj geftanben fear, greunb 9?ubotf 
ägricola« unb be6 ffiormfer ©iföofä Gewann Don Dalberg in 
Älbrec^W Dtenft unb Dielfa$ ju biplomatiföen ÜWiffionen Der« 
toenbet 1 ). Daß älbred&t bie ©cbeutung btefe« 9Wanne$ erfannte, 
ber fpater gerabeju aW &ü$rer ber batriföen Sanbftanbe auf« 
trat, unb no$ nte$r, baß er ba$ größte unter ben aufftrebenben 
latenten be$ 8anbe$, ben iugent>lt$en fmmaniften 3o$ann 
lurmaier, jum <5rjie$er feiner @ö$ne au$erfa$ 2 ) f Derrät feinen 
®<$arfbli<f in ber ^Beurteilung Don SRenföen. (Sbenfo toie bie 
JRücfberufung be$ $umaniften Soc^er na$ 3ngolftabt jeigt e6, 
in koelc^er JRkfrtung er ben gortfetyritt ber 3ufunft fuetyte. Stecht 
bejetefaenb für feine ©tnneäri$tung ift au$, baß er für ben 
(Srbfolgelrieg in feinem ®e$eimfc$reiber Kölner einen offiziellen 
$iftoriograp^en befteüte — eine bei bem bamaligen ©tanbe 
$iftorif$er Überlieferung fcödjft einfi$t*ooUe Sürforge, bie noc$ 
$eute tyre gruc^t trägt. äBerlroürbtg, baß fid) mit feinem Ityl 
Derftänbigen fflefen eine romantifetye Vorliebe für bie altbeutfcfcn 

1) €>. u. a. Ärenner XIV, 626. 636. 642; @$ott in ber «ttg. 
2>eutf$en ©iogra^ie unter Plieningen. 

2) ©enigpen« ip fc$r wa$rf($efoU$, baß e« bie bon «beutln (1, 663) 
tndtynten $3crft>re($ungeu Älbre^t« waren, »d<$e bur$ feine am 19. 2>e- 
gember 1508 erfolgte ©crufnng als $rinjenerjte$er eingelöp umrben. 




$erjog «tbre<$tt IV. 



647 



föitterromane »ertrug — tote ber nebelhafte Dfftan ber fiiebling«* 
bietet eine« Napoleon I. trat! Stuf mufifaltföen ©inn be« 
Sfirften barf fcteßeuht gebeutet »erben, bog ber berühmte blütbe 
äßußfer, äßeifter Äonrab Naumann au« Dürnberg, at« fein 
ßrgamft ben ^o^en ©olb oon 80 fL rhetn. begog 1 ). 

3m Streit mit bem SSmenbunbe tote mit feinen Srübero 
fämpfte aibrecht gegen ba« pofttioe Stecht unb gegen ba« $er* 
lommen, aber für ein höh** ftehenbe« ®ut: feie ©ohlfahrt be« 
©taate«, menn auch nicht ade feine $anblungen burch biefen 
©<hilb fleh beden laffen. gürforge für ba« Oemeintoohl koar 
auch ber Seitfiern fetner inneren Regierung, ju beten ©üb erft 
ba« folgenbe Ramtel bie aulfüdenben 3üge liefern »irb. Ob 
er bem juchtlofen SWüjjtggang behäbiger Chorherren ein (Enbe 
fefct ober bie üBer&altung be« ftirchen&ermögen« beauflagen 
läft, fchtmerige ®ebirg«ftra§en baut ober über ben UBalbbeftanb 
feine fchirmenbe $anb hält, eine bi« in« Äleinfte aufgearbeitete 
Ärieg«orbnung erlägt ober ba« SKünjtoefen be« 8anbe« burch* 
greifenb Derbeffert: immer ift e« ba« einfi^t«ooöe ©treben, 
nur ®ute« }u betoahren, fcon Sßangelhaftem aber }u SBefferem 
fortjufc^reiten, toa« au« feinen SWafjregeln hervorleuchtet, ©einer 
ftrengen $anb$abung ber 3uftij banlte ba« 8anb fcerhältni«' 
mäßige Sicherheit in einer 3*it, ba broblofe SanMfnecbte fcharetu» 
toeife umherjogen unb ba ein Otaliener ba« geben be« beutfehen 
Äbel«, aUerbing« mit arger Übertreibung, bahin fchilbert: toemt 
er nicht im ©olbbienft befchäftigt fei, beluftige er fkh mit 

1) ©etfenrieber V, 210 in 1468. Über ^anrnann (t 1474) 
f. ferner Sotfcner, $er ©j>rn$ von Dürnberg, 6. 29f.; ©tainbel bei 
Oefele I, 539; Naumann« ©rabflein an ber ©übfeite ber SRün^ner 
grauentird&e (baju f. öttner, 2Ronat«$efte f. 2Rufltgef $u$te, 1886,110); 
Chron. Salisburg. bei Canisius, Lect. III, 2, 493). 2>er al« ^SWcipetc 
ob aßen Wltifttxn" ©ejmefene, ber feine (Srjie^ung bem Nürnberger $a- 
trijter U(ri$ ©runbherr berbantte, toar Birtnofe auf ben Snftruntenten, 
bie fein ©rabflein auftoeif*: Orgel, $arfe, Saute, gifte, Älein-Geige. 
gürfim beriefen tyn an ihren $of nnb bef^entten ihn, in Statten füll er 
toegen feiner Ännft ben ttitterfötag empfangen haben. 1446 toar er no<h 
Organift ju ©t. ©ebalb in Nürnberg. 9la$ SRün^en berief tyn totefleufa 
f$on ber muflfalif<$e 3tbre$t III. <5r förieb eine ars organisandi, au$ 
finb (in ffiernigerobe) Drgelflüdfe bon ihm erholten. 



648 



Gharattetbttb 



Straßenraub. 8W guter §au6$alter toohnte ber gfirft in ber 
Sieget felbft ber SRechnungöablage feiner SRentmeifter unb !lmfr 
leute bei. peinliche ©enauigfcit in ben ginanjen mar ihm burch 
feine befchränften SRiitel bei gefteigertem ©taattfbebarf gebeten, 
©arau« entfprang auch feine Neigung Vergebungen mit ®elb 
ju ftrafen. 

(Sin für iene &tit auffaUenb abfolutiftifcher (Seift (priest and 
Dielen feiner 2Rafjnahmen. oft brauchte man in feinen ja^U 
reiben Sanbgeboten nur bie Sprache ettoa« ju änbera, um fit 
att Srjeugmffe beS aufgellärten 8lbfoluti«mu$ be* 18. 3ahr* 
hunbert* ausgeben. Überlegenheit ber fönji$t, parle« ©elbft* 
gefügt , XBiberuriUe gegen verrottete 2Rt§brauche toaren bie 
ffiurjetn biefer SRegierungtoetie, mannigfache Unjufrieben^eit 
ber privilegierten ftlaffen bie golge. Dag Älbre^t mit feinen 
fianbfiänben boch fo frieblich auäfam — benn ber ©treit mit 
bem Sömenbunbe koar nicht eigentlich ein ©treit mit ber 8anb* 
fchaft — lag »ohl toeniger in feinem ßharafter unb feinen 
Politiken Änfchauungen aW in bem Bmang ber SSer^attniffe 
begrünbet; gegenüber ben Änfprüchen feiner ©ruber unb ber 
geinbföaft ber ffäljer burfte unb tonnte er ihrer Unterftufcung 
nicht entraten. Ätt aber feine gesagte aufcere folitil ba* Sanb 
hart an ben Äbgrunb geführt hatte, braute ihm feine ganbfctyaft 
in ber milben gorm einer ©itte in (Erinnerung, baß auch in 
»richtigen fragen ber auswärtigen $olittf ein (Einvernehmen ber 
Sanbfchaft ratfam mare. 3m Änfange feiner {Regierung pflegte 
er alle wichtigen Angelegenheiten gemeinfam mit feinem Kate 
ju erörtern. Sei ber 9iatur feiner Politiken flane (ann man 
fuh nicht tounbern, bajj er von biefer ®e©ohnheit allmählich 
abfam (miemohl er fogar feine $eirat noch mit ben Waten 
beriet) unb fpäter nur mit etlichen bevorzugten ®ünftlingen 
Rat pflog. {Bie toeit bie Angabe begrünbet ift, baß er trofc 
feine« SWijjtrauen« von biefen eigennüfctgen $erren betrogen 
toorben fei, muß bahingefteüt bleiben. 3ebenfalW bärfen mir 
in SUbrecht« bebeutenbftem ©taatömanne, bem ftanjler 9teu* 
haufer 1 ), einen ÜKann von ^eroorragenber (Etnficht erfennen. 

1) „<5r führt ba« ©appen ber tteuhanfer in Patting am 3ufaramen- 




$erjog aibrety« IV. 



649 



gmieiracht jmtfchen (einen {Räten unb Seamten fofl ber £>erjog 
nicht ungern gefehen ^aben, in ber SKeinung, baß baburch manche 
felbftfüchttgen SRänfe vereitelt mürben. »Dentin rühmt an ihm, 
bog er ben SBebrängten gern ein milbe« Ohr lieh, baß er immer 
unb überaß unter ben ©einigen ju ftnben mar unb lein ^ab* 
gieriger ©Treiber jmtfchen ihn unb fein S3ol! fuh brängen 
lonnte — 8obfprfi$e, bie mohl mit einigem SJorbehatt auf* 
junehmen finb. Denn oon anbetet unb mahrfcheinlich weniger 
befangener ©eite mirb berietet, baß bie große Popularität, 
beren fleh 9Ubte$t in feiner 3ugenb erfreute, ihm in ^ö^eren 
darren fo ganjlich »erloren ging, baß man ben Sauf ber ©teme 
für eine fo auffällige ffianblung berantmortlich machte, ©ir, 
bie nicht mehr aftrologifö beulen, finben natürliche (Srfinbe 
genug, um biefe ffianblung ju erfläten, menn mir SCIbrec^t« 
abfolutiftifche Steigungen unb ÜWaßregeln berüdfi^tigen, fein 
SKißtrauen, feine peinliche ©enauigleit unb eine gemtffe Kälte 
feine« ffiefen«, femer bie unnahbaren ©cheimniffe feiner $olitiI, 
bie großen Opfer, melche ber gefteigerte ®taat«bebarf bem Sanbe 
auferlegte, fomie einjelne ©emaltmaßregeln, bie fuh md?t leugnen 
laffen, auch SBcbrüdungen be« SSolIe«, ju benen ben dürften 
feine Sagbleibenfchaft fortriß. 

SRoch biet mehr Unglirapfliche« rebete bem dürften ber h<>h* 
llbel nac^ f ber neben mannen nichtigen unleugbar auch too^I* 
begrünbete ©efchmerben gegen feinen 8anbe«herrn erhob, (gut 
gürft, ber ben ©täbten mohlgeftnnt mar unb bie SBürger liebte, 
ber fi$ gegen glanjenbe SBaffenfpiele gleichgiltig bettelt, bagegen 
fleißig über ©üchern, »Ken unb {Rechnungen faß, mar ben 
{Rittern eine unheimliche <£r|cheinung, „er mar ihnen ju oer* 
nünftig, ju überfchmtn! — fie fürchteten ihn", mie Ja noch 
heute mit bem Jabel ber „Überfchmenglichfeir bie große {Wenge 
gern ablehnt, ma« jenfeit ihre« befchränlten $ortjonte« liegt. 

fiuffe ber großen nnb Keinen 8U«. 2)aß er ein ©ofcn $etjog (SrnflQ 
ober SUbte^t« III. getoefeu, fötoß man etjt foäter au« feiner Beliebtheit 
am 2Rita($ner #ofe." ©o t>. Defeie in ber Stög. 2). ©iogra&bie gegen- 
über einer toeit fcerbrriteten Stonabme. Über 92.'« Uneigennüfeigteit al« 
Pfarrer ja Ä8mg«borf f. Oberba^er. «rthto XXX, 197. 



650 



<£fynratterbiIbcT «forest* IV. 



©iefe Hbeligen Ratten lein 93et[tänbm« für beit bon albrecht 
bertretenen ©taategebanlen, maren baher um fo memger g* 
fonnen, biefem jultebe irgenb ettoaö oon ihren ©onberrechten 
pretejugeben. Jllbrecht* ©tberftanb gegen bie SRitterfchaft ent* 
fprang im legten ®runbe nur feinem jielbeumfjten (Sifcr für 
eine fr&ftige Staatsgewalt, für bie ungefömälerte (Erhaltung 
ber fürftlichen „©elbftobrigteit". Perfönlicher ©roll mar babei 
nic^t im ©piel. fflie er SRitglieber be* Sömenbunbe* nach 
gesoffenem ^rieben mietet in feine Dienfte nahm, ja auf bie 
höchften fJertrauentyoften [teilte, fo lieg er e6 auch nach beut 
Grrbfolgefriege ben ^o^en Äbel M Üanbö^uter leitt nic^t est« 
gelten, baß berfelbe burch feine Parteinahme für {Ruprecht ben 
ffiaffengang ermöglicht unb burch ^artnäeftge^ Seßhaften an ber 
pfäljifchen ©ache bie Seiben be$ firieg* oerlängert tydtt. 5Da* 
mal« — fo meint ein funbiger 3 e ^fl eW0 ff e x ) — M 
Hlbrecht leicht an biefen Herren rächen fönnen, menn er bie eben 
aufglimmenbe fjeinbfchaft jnrifchen höh«» unb nieberem Äbel 2 ) 
angefaßt $ätte; boch ben ©lief auf ba$ 8Johl bed (Sangen gtv 
rietet, bennieb er barauä 5Rufcen }u jiehen, fuchte bielmehr bk 
auffeimenbe 3n>tctracht )u erftitfen. 

25om Äteruö toaren ihm bie Sanbpfarrer, Prälaten unb 
SDWnche ber retten ftldfter gram, megen ber ferneren Saften 
unb Anleihen, bie er ihnen auferlegte, au<h tocil er mit h«^ 
famer ©trenge gegen flerilale 3ud?tlofigfett unb SRt&bräiiche 
eintritt. Senn Soentin in bem 8Ubrecht gefeibmeten 8o&* 
gebichte $u fchreiben magt: „Die hoffähigen Prälaten geftatten 
fleh alle«, fie machen ffieig au* ©chtoarj", fo bfirfen mir barau* 
ohne ©ebenfen ben ©chlujj jiehen, baß fein ffirftlicher $err in 
biefem Punfte ebenfo backte, fflie einen Sater liebten ihn ba* 
gegen bie nach ber ftrengen Obferoanj lebenben, befonbert bie 
©ettelmönche, beren ftlöfter er reicht befchentte. 

3n feinem ftttlichen ©anbei, at9 järtlicher (Satte unb 

1) Cgm. 1590, f. 189 t. 

2) Gin Qegenfafe, ber »o^l jum Seil auch iufammenffiflt mit ben 
Heerlagern be* Ärieg«, bem neu huqugetretenen mächtigeren 8anb«huter 
nnb bem alten 3Rfin$ner Äbel 




unb feiner ©ematyin ftmtignnbe. 651 



fjamilien&ater gab »Ibred&t bem SSoße ein SDlufter, ba« bei ben 
dürften ber &\t überaus feiten fear unb jumal t>on ben Un* 
fttten am 8anb«$uter $ofe glänjenb abfta<$. ©ratete i$m bie 
<£$e mit ßunigunbe feinen &on ben politiföen Vorteilen, bie 
er fid& t>on einer SSerbinbung mit bem ftaifertymfe ertoarten 
burfte, fo entfd&äbigte fie tyn burc$ ba« reinfte @lüd ber Sa* 
milie. (Sine fromme unb $erj$afte, befonnene unb aerftänbige 
^au^frau, mar Äaifer griebric$« £o$ter fo frei &on allen 
toeibltyen ©d&toad&en, bag tyr fonft oerfd&loffener unb )U Üßig" 
trauen geneigter ®ema$l fie in ade feine Äbfid&ten unb ße> 
Reimen ©ebanfen eintoetyte. 3$re ©ilbniffe, fcon benen eine« ] ) 
Partei ©e$am jugefd&rieben toirb, beuten auf männliche ©iüen«* 
feftigfeit, gepaart mit einem ettoa« $au«baden nüchternen m* 
ftänbigen 8Befen. Ä#t Sage na# bem Xobe i$re« ©ema#« 
fiebelte fie jur grogen Überraföung be« $of«, i$ren $ofmeifter 
überttftenb, au« ber SReuen gefte in ba« na$e $fitrtc$ftofier be« 
@t. ftlarenorben« über, too nunmehr Ore«fen ba« änbenlen bet 
eblen Äaifer«to#ter fehlten, bejog bort ein $öc$fi btfd&eibene« 
©tübletn unb legte geiftlidje« ©emanb an gtei$ ben anberen 
@$n>eftern. ©o lebte fie trofc alle« Abraten« ifcrer ftinber, 
ber Sanbftanbe unb JRäte bi« au tyrem lobe (1520), ffierfen 
ber fjrömmigfeit unb 2Bo$(t$ätigfett ft# toibmenb, aud& Ute* 
rarifd&en Ontereffen nietyt entfrembet. (Sine jä$rli#e {Rente 
Don 1000 fl. toar alle«, ti>a« fie ton tyrem SEBittum behielt; 
alle« übrige berteilte fte unter tyre Äinber. 3$rem gegriffen* 
haften ©inn mar e« eine ^eilige ^flidjt, baß bie ©Bulben, bie 
i$r ®ema$l toä&renb be« ftrieg« bei Strien unb Stiftern 
gemalt $atte, gebedt mürben: inbem fte im Saufe ber 3a$re 
barauf 10 000 ®ulben tyrer SDJorgengabe aertoenbete, erwarte 
fte bieje «u«gabe ebelmütig SUbre^t« 9ta$foIger unb bem 
ßanbe. 

1) 3n ber @<$leig$cimer (Sataie. Über Äunigunbe bef. bie gleify- 
ttamtge, balb na* tyrem £obe toerfagte ©iogra^ie, ed. $e$renba$, 
113 f. (»gl. barfiber meine etnbie: 2>ie »etmSflnng «tbrety« IV, 390); 
güctrer« gortfefcung; ftttentin, ffierte I, 664. 



652 



Skiern 



Drittes ÄajnteL 
3miere 3«flarte «nt SSantlttttgett bau 1347 W8 1508. 



©eit ßarl IV. toar ©aiern ju feinem 5Rei<$«ober$am>t in 
fo fc$le$tem S3er$ältni$ geftanben tote ju griebrtc^ III., bem 
beutfc&en $errfd&er, ber am längften regierte unb unter bem 
ba$ 5Rei<$ am tiefften gefunfen ift. Dafc griebri^« $olitif anf 
©d&toäd&ung ber tt>ittet66a$if$en (inarbeitete, berriet bie Orr« 
$ebung bairifctyer ßanbfaffen ju JRei$$frei$erren unb be$ ftaifer* 
»erhalten in ben fragen be« SMfirnberger 8anbgeri$teä, be« 
brüberlid&en Crbftreiteä unb beä 85n>enbunbe$. 3^ eimal unter 
i$m ift ba$ SReic$$banner im Selbe gegen bie ti>ei§* blauen 
SBeden aufgemorfen »erben. ®erabe bie geiftig bebeutenbften 
Surften ber beiben ßinien, in 8anb$$ut ßubnrig ber 9leu$e, in 
anfingen 8Ubre$t ber Seife, finb, tote fd&on borfcr ßubtoig im 
Start, in offener 8lufle$nung fiaifer unb SReicty gegenübergetreten, 
finb alä {Rebellen ber 5Retc$$ad&t verfallen. 3m 9tei$ unb jum 
Srofce be$ JRel$« erftanb ein ©unb aller ÄBitteläbad&er, ber 
filteren mie ber jüngeren Sinte, ber ft<$, toenn aud& mit einigen 
©d&toanfungen, fo lange 3eit behauptete, baß biefe nrittettbadbtfc^c 
©onberftellung gerabeju einen ber toid&tigften 3% in ber polu 
tif^en ©eftaltung be« 3 c to au °i$ Bitoet. Daß an biefem ®ange 
ber Dinge e^rgeijige, toeber bur# nationale ©efinnung no<$ 
burd& ©$eu oor bem Stecht genügenb in ©Uranien gehaltene 
SDtad&tbeftrebungen ber bairifc^en gürften große ©<$ulb trugen, 
fann ni$t geleugnet »erben. flubtoig ber {Reiche $at bur# ben 
Überfall Donauti>5rt$$ ba$ ©ignal jum Äampfe gegeben. Do<$ 
toirb man ber batrifd&en $olitif nid?t &öütg geredet, toenn man 
fic einfach al£ engfcerjtgen unb felbftfüc^tigen <ßartifulari$mu$ oer* 
bammt. ©taat ift oor allem bie SSerförperung be$ JRed&te* unb 
ber üßadjt. SSom r5miföen SReic^e nun tonnte man ba$ erftere 




trab ba« ttei($. 



bejtoeifeln, ba« jtoeite fidler nicht behaupten, ffia« ba« SRetc^ 
oon ftaatlithen aufgaben erfüllte, toax neben ben Seiftungen 
eine« frafttgett lerritorialftaate« tote ©aiern &erf$toinbenb 
ijering; bie Pflege be« {Recht«, bie ©orge für bie allgemeine 
©ohlfahrt in S3ertoaltung unb $olijet, geotbnete gtnanjen, 
flenügenbe müttärifche SJlacht : ade biefe toichttgften gorberungen 
be« politifc^en geben« erfüllte ba« $>erjogtum, mahrenb fich ba« 
SReich ber ftaatlichen gunftionen teil« gänjlich entfd&Iagen h<*tte, 
teil« biefelben in bet mangelhafteren Steife aerfah« <£« n>ar 
baher ein ungefunbe«, ja unnatürliche« 33erhältni«, bafc ber 
$err eine« fo Iräftigen @taat«tocfen« in 8ehen«abhangigleit oom 
©behaupte be« ohnmächtigen Steide« ftanb, unb biefe Unnatur 
rächte fid^ babur$, baß ba« 8ehen«banb feinen urfprünglichen 
©inn mehr unb mehr verlor. Die 5Reid«oerfaffung u>arb eine 
(jrofce 8üge, nur bie Iragheit be« ©eftehenben unb bie Unfähig- 
fett ©effere« an bie ©teile ju fefcen friftete ihr ba« 8eben, aber 
mcüeic^t nie in ber ®ef$i$te ^at fleh fo lange ber fc&rofffte 
SBiberfpru<h jmifd^en bem, u>a« fonft ein natürliche« ©treben 
be« «u«gfeich« immer balb nneber jufammenführt, jmt]*c^en 
©irtlichfeit unb 9te<ht«orbnung behauptet. 

©tanben fic^ aber oollenW ber Präger ber JRetch«getoalt 
unb ber $err be« lerritorialftaate« toie bie Käufer $ab«burg 
unb fi$ittel«ba<h al« eiferffidjtige SRachbatn gegenüber, beren 
Ontereffenfreife jufammenftiegen, fo mußte, nrie ein giftiger ©toff 
nach äugen brängt, ba« Ungefunbe unb 2Biberfpruch«&olle biefe« 
3uftanbe« in traurigen ftonflilten jutage treten. ÜJleift nur 
jmiföen ftü^I^eit, ©pannung unb offener Auflehnung fcftoanfenb, 
bauert feitbem ba« ungünftig ueränberte SBerhältni« SBaiew« 
jum {Reiche im öffentlichen fo lange fort, al« bie beutföe flrone 
beim $aufe $ab«burg bleibt. S5Mttel«bach« alter Nebenbuhler 
hat enbgiltig ba« Übergewicht erlangt unb bebient fid? ohne 
©ebenfen be« ungeheueren ©orteil«, baß er bie «ngelegenheiten 
feine« $aufe« mit benen be« SReiche« vermengt. $ab«burgifche 
SWa<htfragen ju löfen, ttrirb ba« 5Reid> jur $ilfe entboten, t>om 
Schübe be« Weich« gebedt, balb &on feltener Ounft be« Olüde« 
überföüttet, greift $ab«burg nach allen ©eiten begierig um 




654 



ffiütel*ba<$ uttb ^abeburg. 



ji<$, fte$t bagegen ftet« argtoö$nifc$ auf ber Sauer , um bem 
toeniger begünftigten 9?a$bam jeben, aud? ben fleinften 3Ra$t* 
jttoa<$« ju bereitete. 5E)aju lommt ein anbete«, toa« geeignet 
ift ba« SBer^alten ber bairifd&en $erjoge in milberem &$te 
erfreuten ju laffen. JBenn bie ®efamt$eit bem einzelnen Qtiebe 
borent^ält, loa« i$m bon SRecbt« toegen unb na<$ »ifiigfeit ge* 
bü$rt, barf man fic^ nicht tounbern, mrm biefe« fein §eil Hebet 
in Sfolierung al« in treuer unb opferwilliger Unterorbnung 
unter ba« Oanje fu$t. Durch ben %u*f$(uf bom Äurffirfleii* 
rate mar SSaiem in einem toohlertoorbenen Siebte oerfürjt 
u>orben. JBerhinberte biefe üWajjregel ein toittel«bachif<he« Übet* 
gemixt im obcrften {Rate ber Nation, fo brängtr fte bafür 
©atern in eine unjufriebene ©onberfteflung. !Erofc ihrer inneren 
3ttietra$t toaren bie $erjoge bon Satern bo<$ immer noch ju 
mächtig, um ben 8u«fchlu6 nicht al« unbillige 3urü<ffefcung 
ferner ju empfinben. Konnten fie auf bie ffia$l eine« ftfottgt 
leinen (Sinflug mehr üben, fo lag bie ®efa$r nahe genug, bog 
fie bem ohne ihr &ütf)un ®eti>ä$lten mit Oleichgiltiglett ober 
Abneigung bergalten. @o toaren in ©aiern bie dürften unb f 
bon btefen tote bon ben flhreigniffen fortgeriffen, balb auch ba« 
Soll nur }u fehr geneigt ba« ^eilige römif$e {Reich beutfcher 
SRation ju mißachten unb feine ©chto&he burch ihr eigene« S5er- 
galten fort unb fort ju fteigern. äl« am ©chlujje be« 3«** 
räum« enblich berftönbige {Reich«reformplane mit Siachbrucl unb 
nicht ohne (Srfolg betrieben mürben, toar in SSaiern bie (fort* 
frembung Won }u toeit gebieten. 5Rt<ht al« ob bie nationale 
(Sefinnung burchau« erfticft toare — bo<h gegenüber neuen 
(Einrichtungen, beren Saft man unmittelbarer empfanb al« bie 
Sohltet, oer^ielt man fi<h übertoiegenb gleichgiltig ober toibet* 
ftrebenb. 

3ladf tote bor empfingen trofe aüebem bie $erjoge am 
föniglityn $oftager perfönlich bie Se^en. ÜJtefrere batrifche 
$erjoge traten auch al« „Wate", ja befolbete {Räte in be« 
flöntg« Dienft, eine ©itte, bie gegen (Snbe be« ßeitraum« bei 
ben bairifchen dürften allgemein unb überhaupt bei ben beut* 
fchen dürften fehr berbreitet marb. 8« ift bejeichnenb, baß au« 



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litel ber $erjoge. 



665 



biefem befonberen ©ienftoerhältniffe bte ©e^orfamdpfltd^t gegen 
ba$ 9leich$oberhaupt gefolgert rnirb, toä^renb man fiel? fo oft 
übet ben ©ebanfen ^inmegfefete, bag biefetbe f$on ba$ 8ehen*banb 
erhöhte. Such nach beut $au«oertrage &on <ßaoia nannten 
fi$ bte toittetebad^tfdben dürften ber bairifchen 8inie nicht nur 
$erjoge in SBaiern, fonbern auch ^faljgrafen bei W^ein, fogar 
unter SBoranftettung be$ teueren Ittels, ebenfo toie bie ältere 
JRubolfiniiche 8ime, bie ^faljgrafen bei Wfyexn, baneben auch 
ben Ittel: $erjoge &on fflaiern fortführte. <£$ foUte hieburch 
bie 3"f a mmengehßrigfeit t>on Söaiern unb $falj jum SluöbrucI 
gebraut, bie Irennung biefer Sänber nur al$ t>orüberge$enber 
üWoment (ber bann freiließ fünfthalb Oahrhunberte mährte) 
bargeftetlt »erben. Such bte fönigltchen Ce^enöbrtefe, fotoeit fie 
bie Sehen namentlich aufführten, lauteten jugleich auf SBaiern 
unb $falj *). SUbrecht IV. erhielt (1. Oft. 1466) außer feinem 
allgemeinen {Belehnungsbrief eine befonbere Urfunbe, toortn ihm 
ber ftaifer mit SBiffen unb 9tat ber gürften bie $falj neben 
feinen bairifchen Sanben betätigte. 

Dcrfelbe ©runbfafe machte ftch bann auch geltenb, als bie 
SanbeGteilungen innerhalb ber bairifchen Stnte begannen. 3Dic 
$erjoge ber bairifchen leilfürftentfimer nannten {ich nicht nach 
ihren Sanbeäteilen, fonbern nach bem ganjen Sanbe: $erjoge 
in SBaiern ober $>erjoge in Ober* unb Siieberbaiern, lefctereä, 
feit nur mehr jtoei Sanbeäteile, 3}tünd)en unb öanb^hut be* 
ftanben. ©ettbem führten bie ÜBünchner $erjoge ben Ittel: 
$erjog in Ober* unb SJiteberbaiern, bie 8anb$h«to : £>er$og in 
SRieber* unb Oberbaiern. Die jüngeren ©öhne Ätbte^t« III., 
toelche nicht jur {Regierung gelangten, nannten ftch ebenfo toie 
ihre regterenben fflrüber. ßubtotg ber ©ranbenburger nannte 
ftch mit oollem Ittel : SWarfgraf ju ©ranbenburg unb ju gaufifc, 
$M$raf bei SR^ein unb $erjog in ©aiern unb in Kärnten, 

1) @o griebrlcW Urt. für «(brecht III. 1443, 3an. 23., unb für 
@igmunb 1465, SWärjlO.; unbeßtmmt baqegen 2Rarjmiltan$ ©efiSttgwtg 
für ©eorg 1495, ©ej>t. 7.: über aüe Sehen in Ober* unb ftteberbaiern 
„unb außerhalb <* n anberen (Snbcn gelegen". €>t.*8. 



656 



Xitel unb Sappen ber $erjoge. 



be* (I. rSmifd&en SRei$$ oberfter Kämmet er, ©raf oon lirof 
unb ®örj, ©ogt bcr Stirnen ton »quileia unb ©rijen. Sit 
lönnen aber fcaoon abfegen, bie Xitel aller barrifc^en gürften, 
bie au$ auger batrifd^e ßänber be^ertföten, anjuffi^ren. Da* 
gegen fei ncä) bemerft, bag 8ubn>tg im Satt auger feinem 
tfalagtäfltcfcen unb $erjoglid& bairiföen Ittel nacb ber oom 
ffönige oon granfreicb i$m verliehenen ®rafft$aft in ber %or> 
manbie fi# aucb ®raf von äßortaigne nannte, femer bog 
8lbre$t III. ben Siebentitel: ®raf ju Coburg nic$t nur fo 
lange führte, al* tym ju Sebjeiten feine* SBater* bie Regierung 
über SBotyburg allein eingeräumt fear, fonbern toä$renb feiner 
ganjen ßebeitfjeit *)• 

1) ©ei ber mittelalterlichen ©ebeutung ber $eralbif finb $ter au<$ 
einige Sorte übet bte @ef$i$te be« toittel«ba<$if($en Sappen« nStig: 
bon einem bairiföen barf man, wie betannt, in biefer ?eriobe eigentlich 
ni#t fprecfcn; in ber ©lüte^eit ber $eralbtt gab e« (eine 2anbe«-, nur 
<Bef$te($t«»appen. 9lnx infofern al« fürfttt^e nnb abelige $5nfer bei 
(frtoerbung neuer Sfönber ober ^errf^aften in ber Siegel baß Sappen ber 
früher bort $errfc$enben gamilie annahmen ober an$ mit tyrent alten 
Sappen berbanben unb auf tiefe Seife ein lange tofiljrenber 3nfaramen- 
$ang jttrifcfcn fianb unb Sappen fidj fnüpfte, fonnte fp&er ber ©egriff 
eines 2anbe«»appen« entfielen. 3n folefcm 3ufamtnen$ang fte$t nun too$l 
ber 23»e mit ber $falj, ni$t aber oon $au« an« bte »eig- blauen Kauten 
ober Seelen, toenn fie au$ nunmehr fdfcon ßebeutyalb 3a$r$nnberte al« 
ba« batrifcbe SappenbUb gelten, mit ©aiern. 2>a« Slteße leuntlicfce 
toittctöbac^ifcbe Sappen flnbet ßd) (ba ber @$ilb anf einem tteitetfiegel 
be« $faljgrafen griebricfr bon 1166 ni<$t me$r ertennen I5ßt, ob fi* ein 
Sappen barauf befanb) anf einem Siegel bet $faljgrafeu, fp*teren 
$erjog« Otto oon 1179 nnb geigt ben linWgetoenbeten «bler, ber fieser 
al« einnbilb be« Hri$«, mit Hfidflcfct auf bie bairifefc ^faljgraffcfaft 
jum Sappenbilb erloren toarb. 2)ie Sa$rf<$einltc$lett biefer Äuffaffung 
tann babur$ nt<$t erföfittert toerben, bafj na$ ©roerbnng be« $erjog- 
tum« bnr$ bie Sittel«bat$er ber Äbler nidjt nur oon ber jüngeren Sinie, 
toelc^e bie bairif^e ?faljgraffc$aft erhielt, fonbern auc$ oon $crjog ?ub- 
nrig I., totetoofcl biefer bie ?faljgraff<$aft nidfrt befaß, no<$ eine 3eit lang 
fortgeführt tonrbe; benn Sfrnlicfc« gortfü^ren eine« Sappen« na* 8er- 
lufl ber $errfc$aft ober be« «mte«, meiere« feine Sa$l manlagt $atte, 
finbet fi$, nnb jtoar ui$t feiten, f$on in ber Siteren $eralbif. €obann 
fü&rt 2nbtoig I. auf brei Siegeln oon oerfc^iebenen Sauren, fein ©o$n 
Otto II. 1224 einen gegaclten Ouerbalten. 2)iefe« Sappenbilb tonrbe 



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Soppen. 



657 



3m $cui6t>ertrag ju $at>ta Ratten bie SBiiteWbadher ben 
©cc^fel be$ Äutredjteä jnrifdhen bcr pfäfjtföen unb batrtfd^en 

nur febr furje 3eit feftgebalten, gleid&mobl genügen bie erhaltenen ©tegel 
(f. bie toon ?rimb« f($ita eingerichtete Sammlung t>on ©iegelabgüffen im 
fö.=Sl.), um e« jmeifetto« ertennen ju laffen unb ben na^eüegenben ©er- 
baut, baß e« nur unbeutlic^e bauten feien, &u befeitigen. Sabrfcbein- 
lt<h iji auä) ber gejadte ©alten öon einem ber ©a'ufer entlehnt morben, 
bie Sittel«ba<b bamal« beerbte; toon welkem, läßt flth na$ unferer gegen» 
mffrtigen ©iegeltenntni« nitfct entfe^eiben. SDamal« büifte ba« mittel^ 
baebifebe $au«floßer ©feiern fein Sappen angenommen haben, ba ba«* 
fetbe ebenfatt« einen gejadten Ouerbalten jeigt. 3)en b*rcf<b«nben öe- 
mobnbetten mürbe e« entfpro$en haben, menn bie Sittel«ba<ber na$ 
(Srmerbung be« bairifc^en ©eriogtum« ba« Sappenbilb te« früheren 
©erjog«, ben Sömen, angenommen Ratten. Otto I. $at üftünjen geprägt, 
auf benen fein ©Üb ju feben ijl, roic er, mit ©tbtlb unb ©cbmert be- 
maffnet, bem SBmen, at« ©innbitb be« abgefegten Selfenberjog« , einen 
gußtrttt giebt. ©on biefer 2)arfieflung au«gebenb, flnbet man mobl am 
elften bie richtige (Srftörung bafür, marum ber 2öme ni$t al« bamfä)e« 
SappenbUb gemä'blt mürbe. Sftidjt nur baß ber Präger btefe« Sappen« 
notb lebte, er mürbe fogar toom neuen ©erpge al« geinb betä'mpft. So 
fam e«, baß für ba« ©erjogtum ©aiern nicht fo balb tote bei anberen 
gfirflentümern be« ffleieb« ein ftebenbe« ^ralbif^e« ©mnbol feiner gürften 
fleh feftfe^tc unb baß ba« fpSter gemalte unb fi$ bebauptenbe Symbol 
©efcblecbtern entlehnt mar, meiere an SRacht unb $ißorif$er ©ebeutung 
hinter ben bairifeben ©ergogen meit jurücfjianben. 1230 erfcheint im 
Sappenfdrilbe Otto« II. $uerf* ber getrönte £öme, ben ber neue ?falj- 
graf bei föt)ein »on feinem ©orgänger in biefer Sttrbe übernahm unb 
ber fleh feitbem immer al« ba« pfcü&if$e Reichen behauptet ^at. 2)e« 
jefcigen bairif^en SappenbUbe« aber, ber bauten ober Seden (metebe, 
fobalb fid) eine ga'rbung ertennen la'ßt, febon meiß»b(au erf^einen) be- 
biente ftd), foroett bi« jefct betannt, juerft Submig II. 1247. ©iefc 
bauten (beren £ayi beralbifcb gleicbgtltig iß) roaren ba« Sappen fomobl 
ber ©rafen bon ©ogen at« ber ©rafen »on Safferburg. äJUt beiben 
<3ef$te<btern maren bie Stttet«bacber »erflppt, beibe erlof$en um biefe 
3eit unb mürben t>on ben ©erjogen beerbt, e« läßt flä) baber taum be« 
jmeifeln, baß ba« neue Sappenbilb, meta)e« p4 ^n ba an ßa'nbig (menn 
aua) an fang« no$ neben anberen) behauptete, mit Mdflä)t auf ba« 
bogenfehe unb mafferburgif(be Srbe gemäht mürbe, («gl. ^rimb«, 102.) 
$iefe Äuffaffung mirb geßüfct bur^ bie ihatfad?en, baß ©einrieb XIII. t>on 
9heberbaiern, feit er 1256 ba« Ortenburger <5rbe öom ©rafen ©artmann 
öon Serbenberg ertauft hatte, auä) ben fteirifchen Panther, ein Sappenbtlb 
SRie^lev, <9efAi^te «aiern«. m. 42 



«58 



&nrre<$t. 



Sime bereinbart, eine geftfefcmig, n>elc$e auf ber ftttffaffmtg ber 
ftur aW eine« gamiliewetye« berufte. Dagegen brachte 
Staxl IV. ben ©runbfafc jur ©eltung, ba& bie ftut m$t an 
bet gamilie, fonberu am (Erjautt unb beut bamit oerlnüpften 
8anbe, in biefem Bade alfo an ber $falj ^afte, nnb in ber 
©olbenen ©uüe toarb aW «eic^gefeft aerlfinbet, baf bie pfäl* 
jifc$e Stur m$t bon ber $fa() getrennt toerben ßnne. Irofcbem 
gelten bie bairiföen Surften tyre Änfptücfc auf Intet! an 
biefer ftur feft unb ber 3ngolftäbter unb SanWbuter 8inie ge* 
lang e« 1415 bon ftdnig @tgmunb (freiließ ntyt o$ne »laufei) 
bie Xnerfennung tyrrt fRtäftt* auf bie ftur ju erlangen, bie 
bann ben 8anb$$uter $erjogen bon griebrt<$ in. u>ieber$olt 
erneuert u>urbe. <£$ gelten biefe Änerfemtungen ju ben itt 
ber föniglicben ftanjlei ni#t feltenen ©unftbriefen, bie nur ent* 
»eber al* gänjticty nicfctefagenb ober alö företenber ffiiberforudfr 
gegen ju Stecht befte^enbe Weic^gefefte aufgefaßt toerben Bnnen. 
©e$r bemer!en$n>ert ift r baf fogar Wbrety« IV. Äanjler 
9?eu$aufer bie ©olbene ©ulle fcöfcer fteUte al$ biefe fömgti$en 
©unftbriefe unb ba& Älbre^t auf beffen SBorftellung ftn bon 

bet Grafen bon Ottenburg, führte unb bag Bnbnrig ber ©ndtige, beut 
ber Sater bie 0raff$aft ©rafoba<$ übertragen $atte, bie Saiten ber 
Grafen *on örafcba<$ in feinen 64tfb aufnahm. 2>er $ant$er $at fty 
bann int Sappen Jener gürften, toeU&e über ftieberbaiern allein berrfäten, 
behauptet, »erf^winbet aber &8ttig au* ben toitteWbad&ifd&eu Sappen, feit 
Ober- nnb ftieberbaiern Kleber bereinigt nxtren. 2)ie bairif^en Kanten 
nnb ber pf5tjif($e 28»e giriertet erföeinen jnerjl in bat Siegeln ber 
$erjoge Snbtoig int ©art (1399), Crnft unb ©tt$elm ITL nnb $eüm$ 
be« Steuden. 8(9 $e(mjierben fhtben fUfr 1256 mit Sinbenjtoetgen be- 
fletfte ©üffefy8rner, unter gnbtoig beut ©aiern unb fpfiter an$ ber pffl- 
jif$e ?8»e. ffiilftlm m. erfefcte bie ©üffetyUrner bur$ einen gefätoffeneu 
unb geranteten ging, Subtoig im ©art bur$ einen geöffneten mit ba- 
)toif$engefefetem Eömen. Ätt €fc$ttb$alter erfreuten Gngel, grauen, toübe 
SW&tner; ilxota erfl feit bem 16. 3a$r$unbert. Sgl. *. SWatoerf el«, 
3)er ©ftteWbacfcr ©tarnm-, San«- nnb Gkföfaftttoappen (1880); 
$rimb«, 2>ie Cnttoidelung be« toitte«ba<$tf<$en ©appen« *on 1180 bt* 
1777 (Oberba^er. «r$it> XLI, 90 f.), too auSföUefjlra) bie ©p$rag$i! 
berüdfkfrtigt ift, toelc^e jebo<$ alle anbeten Dneüen ber ©appentnnbe an 
©UWglett todt übertrifft. Sulinger (Oberb. *r<$. VIII, 291 f.) tonn 
man nur teitoeife )ufhmmen. 




2<utbftöttbe. 



«9 



allen ©emfifymgen jur SEBtebererlongung bcr ftur abftanb. 3u 
einer ©et$ätigung be$ ©a$lre#te$ aber auf ©runb ber pfäV 
jifd^en ftur ift toäfrenb tiefer gonjen $ertobe feiner ber bai* 
rifdfren gürften gelangt 1 ). 

auf ben 9W<$«tagen gehörten bie $erjoge bon ©aiern am 
Cnbe biefer $eriobe mit ben anberen toeltlid&en 9tei$«ffirften, 
ben ©rafen unb ber freien 9tttterf$aft jur toeltlid&en ©an! be* 
gßrftenrate*. ©aiem führte im gürftenrate fo biele Stimmen, 
al« t» reif^ffirftttty Steten $atte, feit 1504 alfo nur eine, 
boc$ behielten fi$ bie $erjoge bie ©timme ber auägeftorbenen 
SanW^uter State bor 2 ). 

2$atfä($iic$ ift bie 2ßa#t ber £anbe*$erren bem 9?eu^e 
gegenüber weniger befctyränft aW nac$ innen. Der Sinigungä* 
trieb in ben ©tänben unb bie ©dboerlegen^eiten ber gürften 
Ratten jufammentoirlenb ben ©runb jur laitbftänbtf$en S3er* 
faffung gelegt. Senn nun in btefer Verlobe bie Sanbftänbe 
me$r unb me$r erftarlenb, als ftätige« ©lieb bem ftaattid&en 
Organismus eingefügt toerben, toenn fle ben frityepuntt tyrer 
©irffamfeit unb eine größere SWad&tffitte aW irgenbmo anber« 
in beutf<$en Sanben erreichen, fo banlen fle bieä bem traurigften 
£uge in ber bamfctyen @efc$tc&te btefer 3etten r ber unabläfflg 
fiäf berjüngenben &tD\tttaä)t, mit ber bie betriebenen Sinien 
unb jutoeifen fogar bie ©lieber einer unb berfelben gamttie 
be$ regierenben $aufe« fl# gegenfiberftanben. ©treitigfeiten 
mit ben nädftten ©tot$beru>anbten, ©efafcren, bie bon SBrfibero 
ober SSettem bro^ten, berfefeten bie ÜJle$rja$l ber SCeüfürfien 
in Sagen, toorin fte ber fräftigen Unterftfifcung tyrer Sanbftänbe 
triebt entraten !onnten f matten fle geneigt, biefe $llfe bur$ 
3ugeftanbniffe ju erlaufen ober boten ber 8anbf<$aft ©etegen* 
$eit bur$ tyre JtaSföfiffe bermittelnb einjutreten. Soft anbert* 
$alb 3a$r$unberte lang tonnte flc$ fo bie lanbftänbtfc^e ÜRad&t 
ungehemmt entarideln, ausbauen unb befefrtgen; große gort* 

1) 6. SRnffat, ©efötyte ber ba^erifd&en unb tfS(jif($ett Ättr, mtb 
oben bef. 6. 46 f. 216f. 607. 

2) ©gt 3)om!e, Sie SttrttjHramen im «ei^fürpentat^ wm 1495 
bis 1654, 6. 99, 103. 122. 

42* 



660 



©irffamteit 



fd&rttte oerbanfte fte au* ben finanjiellen SRöten, in meiere 
Äaifer fiubmig« ©ityne bur<$ i&re auswärtigen ftrtege ge* 
ftfirjt mürben. Seinem gürften toarb gefrtlbigt, ber ntc$t 
juerft bie lanbfiänbiföen gtetyeitäbriefe beftätigt unb burc$ 
einen neuen oermefcrt ff&ttt. £)te »icbtigfte SBefugnt« ber ©tanbe 
bilbete immer ba« ©teuerbetotlligungSrecbt, ba« regelmäßig at* 
üßittel jur (Erlangung lanbe«$errli$er ©egenletftungen, ©e* 
ftätigung alter ober 83erlei$ung neuer ®ere$tfame benufct 
tt>uroe unb in biefem 3^traum nie ju einer Mögen gorm $erab# 
gefunlen ift. Slbrecbt IIL tourbe na# feiner 9tieberlage im 
$ufttentriege oon ber £anbf$aft eine begehrte Steuer Der* 
weigert *). äber aud> änlage unb ßr&ebung ber Steuern 
gingen nun an einen lanbföaftlictyen Äuäföuß, fei e« atiein ober 
gemeinfam mit $erjogltdjen ©eamten , über. Der erfte gtet* 
Brief f ber biefeä B^ftänbni« enthielt (oon 1356, f. oben 
@. 41), betraute ben ftänbiföen ©teuerauäföuß fogar mit ber 
Sermenbung ber ©teuer, ©pater aber Ratten bie ©tänbe auf 
btefe leinen Sinflu§ me$r; e$ jctyetnt nur eine HuSflutbt, toenn 
$etnrid> ber Weiche 1428 bejüglicty ber $Reid?$frteg«fteuer gegen 
bie 5>ufiten geltcnb machte, er fei bur# ba« Stecht feiner 8anb» 
föaft hierin mitjureben gebunben 8 ). 

3m übrigen aber Ratten bie ©tänbe au«gebe$nten fönflug 
auf bie 8anbe«oern>altung getoonnen. 3Bteber$olt errangen fte 
in Ober* unb Stteberbatern bie 3ugeftänbntffe, bag alle ämter 
im Sanbe nur mit 3nlänbern befefct, bag jebermann bei feinen 
althergebrachten {Renten belaffen toerben foüte. Die Stanbe 
legten ben $etjogen auf, ni$t ofyte ©efragen tyrer diäte 
getoiffe 8tegterung«$anblungen oorjune^men, fte liegen fic$ fogar 
JDttttoirtong bei ber ffia^l biefer 9?äte einräumen 8 ). Da« 
1374 erlaffene ©erbot alle« ©engen« unb ©rennen« bei ber 
ftriegäfityrung in bairifdjen Sanben joüte bte $erjoge felber fo 
gut binben urie tyren Übel; e« toäre für bie ©tänbe eine foft* 

1) @. Oberba^er. *r$U> XLII, 202. 

2) 2X 9?ei<fe8tag*attett IX, 235. 

3) <So 1363; 2er<$enfetb, greibriefe, 24. 




bcr 2anb|Winbe. 



bäte (Ettungenfchaft getoefen, $ätte e« länger als bie aller- 
näc^ften 3ahre ernftltd^e ^Befolgung gefunben. X^atfäc^U^ con 
höhet ©ebeutung mar bagegen, baß ba$ 8anbftieben$gefefc, 
toelcheä biefet fogenannte „große SBranbbtief oerlünbete, oon 
ben $erjogen nid?t nur unter SBetjiehung ihreä {Rate*, fonbetn 
auch ihter 8anbftänbe erlaffen tourbe. (Sbenfo toaren fchon 
»or^er bie Sanbfriefcenägefefce oon 1352 für >Rieberbatern, 1362 
für Oberbaietn, 1365 für betbe leile x ) auf ganbtagen fcon 
ben oetfammelten ©tänben befd&loffen toorben. 2)amit Ratten 
bie ©tänbe ber neueren Oibnung jenen änteil an ber 8anbe$« 
gefefegebung jurücferobert, ben bie alten Sanbtage befcffen Ratten 
unb fortan mußten fie fi<h bieje »richtige örrungenfdjaft ju 
toa^ren: bie Oefefcgebung biefer (Epoche erfolgte unter äDtitnrirfong 
ber 8anbf<haft unb ift jum größten Seil bur<h beten ©efchtoetben 
über öffentliche Ubelftänbe hetootgetufen. Die ©tänbe berieten 
unb faßten SBefd&lüffe übet alle fragen be$ (Semeimoohtt unb 
ber inneren {Regietung, beren ©e^anblung fie für gut fanben: 
über ©elaftung ber Säuern unb lanbn>itt|$aftli$e üßaßtegeln, 
über ©chäben unb {Reformen ber {Rechtspflege, übet $anbel, 
3Rünj©e|"en f äRarft* unb ©ittenpolijei, fie entfehteben auch {Recht*- 
ftteitigfeiten anrijehen ben $etjogen unb einzelnen Sanbjaffen. 
(Sine tegelmäßige 3lu0übung be$ ©ei^toetbete^t« läßt fi<h un* 
gefähr btd jur äRitte be$ 15. 3ahrhunbert$ jutüd oerfolgen. 
S3on ba an bringt faft jeber 8anbtag ©efchtoerben, bie meiften 
über SRißbtäuche im ©etichtätoefen, ferner über ©ebrüdung 
butch bie 3agb, neue ©<hattoetfe, Übetmaß ber oogteiltyen 
Saften u. a. 2)ie älteften auf <£tlaß neuet (Sefefce gerichteten 
Anträge, bie ft<h erhalten haben, finb im 2Rün$net 8anbe 1444 
oon ber 8anbf<haft unb ben herzoglichen {Räten gemeinfam ge* 
ftellt toorben*). 

3n fragen ber äußeren $olitif tourbe anfangt nur ber 
Äbel, „bie Sanbhetren" beigejogen — fo jum grieben oon 

1) O. unb <5t. VI, 517 f. 420f.; *. gre$6etg, 8anbflSnbe I, 251 f.; 
263 f. 310 f. 

2) trennet I, 159 f. 




662 



©charbtag 1369 — fpäter ^Auftg bte gefamte Sanbfchaft ober 
boch «bei unb ©täbte. 1364 imb 1392 liegen bie 8aubS- 
huter ©firger oon ihren gfirpen oerforechen, bog fte fortan nur 
jn folchen Heerfahrten aufgeboten »erben foUten, bie 8anbe6* 
not oeranlagt unb ju benen bte Sanbftänbe ihren Wat gegeben 
hätten 1 ). «I« bie üJHhtc^iter $erjoge Subttrfg« be* »eichen 
Xnfitmen ihn im ftriege gegen baS 9tei# ju unterftfifcen ab* 
tolngen, fonnten fie fleh auch barauf berufen, bag ihre Sanbfchaft 
unb ber gemeine SDtann barob „ein Srfchredtn nehmen", bog 
fie bie $llfe oerfagen mürben *). Sin «brecht IV. richtete feine 
8anbfchaft baS Crfuchen, baS bte ©traubinger ©tänbe Won 
feinem Sater ohne flrrfolg borgetragen Ratten: ba§ er ihre» 
ftat an$ in gragen ber auswärtigen ^olitif h^ren unb ohne 
ihre 3«pimmung feine ©ünbniffe abfliegen m9ge. 

©o ein ganbeSffirfi fehlte, fanbelten bie ©täube gerobejn 
als ftegentfchaft an beffen ©tefle. 3n biefer {Richtung fornmt 
befonberS ihre 2$ätig!eit nach bem lobe f>erjog SDietnharbS, 
nach bem HuSfierben ber ©traubinger, Ongolftöbter unb 8anb6- 
huter 8inie in ©etracht. Huch bei ben SanbeSteilungen machte 
fl<h balb ber ftänbif$e ©nflug geltenb. Äaifer Submig ^atte 
feinen ©tänben 1341 berforochen, baf baS 8anb etoig ungeteilt 
bleiben fottte; aber Mefe 3ufage toar feine unbebingte unb toarb 
bon ben SRachfolgern nicht eingehalten. 3uerft bei ber Zeitung 
bon 1392 finbet man einen Xntf$u& ber 8anbftänbe sugejogen, 
24 «bgeorbnete beS «bei« unb 16 ber ©täbte. Staut bie 
teUenben SanbeSherren bamalS tote fchon 8ubtoig V. 1356 (f. 
oben @. 41. 42) i^ren ©tänben geloben mußten nichts oon ihren 
Sanben unb ®fitcrn )u oerfeften ober ju oertümmern, }u Oer* 
taufchen ober )u oerfaufen *), fo erfcheinen bie ©tänbe als bie 
©chirmer ber Integrität beS Staatsgebietes. 1429 toarb bte 
Xettung beS ©traubtnger SanbeS burch einen lanbfchaftttchen 
«uSfchug oon 25 SDWtgliebern borgenommen. 

1) foutWhnter Urt. ed. «al$er. 73. 94. 

2) Äremier VII, 114. 

3) *. 8er<$enfelb, grelbriefe, ©. Lxxvm. 




SanbßSnbe. 



Set bcr 8anbe«tetlung fcon 1392 Ratten fich jmar «bei unb 
«tobte be« «Dlfinchner, 3ngolftobter unb 8anb«huter Seile« 
unter 3ufiimmung ihrer dürften jur gemeinfamen SJerteibigung 
ihrer grei^eiten oerbunben *) ; boch fnüpfte fich an biefen ©unb 
in ber golge feine«n>eg« gemetnfame« ©irlen ber getrennten 
©tanbe. 3eber 8anbe«teU ^atte oielmehr feine befonbere 8anb* 
fchaft, bie für fich ^onbelte unb fich in ber Kegel in ber $atq>t- 
ftobt oerfammelte. 3n Straubing mar bie lange Äbmefenheit 
ber gfirften, gulefet ber einige 3ahre mähtenbe gänjlicbe ÜJiangel 
eine« legitimen $errfcher« ber politifchen ©ebeutung ber 8aiüv 
fiänbe befonber« förberlid?. <S« fann nicht überrafchen, ba| 
nach ber Aufteilung be« ©traubinger Sanbe« toenigften« in 
©aiern'äßünchen unb ©aiern*3ngo!ftabt neben ben urforfing* 
liefen ?anbfchaften Jene au« ben angefallenen ©traubinger 
(Gebietsteilen trofc beten ffiinjigleit eine 3eit lang al« befonbere 
Ianbftönbifcbe Jtörper fortbeftanben. (Sin eigentümliche« ©erhältni« 
begegnet im 3ngolftäbter 8anbe, ba« räumlich in jmei (Gebiete 
Serriffen mar: »iemohl auch ffitx ein gemeinfehaftlicher Sanbtag 
bie Kegel mar, fo tagten boch öfter« bie ©tänbe biefer beiben 
(Gebiete befonber«, tene „an ber 2)onau unb am 8echrain" ober 
„bie obere $errfchaft $erjog ßubmig«' ju 3ngolftabt, bie „am 
3nn, bann inner unb auger ©ebftrg«" ju ffiafferburg. ©ogar 
in bem Hebten (Gebiete, meldte« ber ©itroe fiubtoig« be« ©uet» 
ligen überlaffen marb, beftanb jmifc^en 1445 unb 1448 eine 
befonbere „Sanbfchaft be« ^erjoglic^en ffiittum«*8anbe«', Sine 
„gemeine Sanbfchaft be« $au|"e« unb fterjogtum« ©aiern" btt* 
bete fieb erft mit ber ffiieberoereinigung ber fo lange getrennten 
8anbe«teile. Älbrec^t IV. $at bann bie menigen Sanbtage, bie 
ju berufen ihm noch oergönnt mar, mechfelnb in ÜBfinchen, 
SanW^ut unb 3ngolftabt oerfammelt *). 

3ule^t begann bie Sanbfchaft fich al« unentbehrliche« Drgan 
ber {Regierung m betrauten. Unter Submig bem Weichen er* 

1) 14. u. 15. greibrief, beftftigt bur$ ben 13. 

2) e. bie in ©b. II, 512, ttara. 8 ätierte Literatur r ferner: Är cn- 
ner, ©aiuf<he 2anbtag*hanblnngen in b. 3. 1429—1518; ttoefinger, 
3)ie golgen ber Stellungen ©aiern« für feine Sanbedgefefegebung im SR.*. 




664 



$er tonbft&ubiföe «uSföug. 



$oben bie ©tänbe bie gorberung Jebe* 3a£r ober, toenn bte* 
bem $erjoge ni^t gefalle, toenigfienä atle jioei 3a$re berufen 
ju toeroen, ber Surft aber lieg ftd^ bei aller ffiiüfftyrtgfett, bte 
er fonft gegenüber feiner Sanbföaft betoie$, in tiefet Stiftung 
ntyt btnben unb behielt fid^ oor fte ju berufen, fo oft e$ 
i$n SRot bflnlte. Denfelben ®ef$etb erhielt btc 8anbf$aft 
auf tyre erneute Sitte oon Subtoigä ©ofrte Oeorg 1 ). 

3m Saufe ber 3 eit a6c * &<* r b °te$r unb me$r fibli<$, 
bafc bte 8anbf$aft nur jufammemrat, um einen flu6f$u& ju 
toatyen, ber allein bie ftänbifäen ©efölüffe fafcte unb ®ef$&fte 
erlebigte. 8m (Snbe be3 3eitraum$ mar biefeä Won bur$ bie 
große Snjafcl ber ©tänbe bebungene ©erfahren fo fe$r jur 
Wege! getoorben, baß j. 83. Äoentin f ) lein anbetet me^r tennt. 
Die fragen, nrie biefer ftu*f$uf} gemäht unb jujammengefefct 
toerben foüte, führten toteberfcolt ju ©trettigfeiten. Huf bem 
©traubinger ßanbtage Hlbre^W IY. 1494 befeuerten fic^ 
ftleru* unb Sfirgerfdfraft gegen bie Übung, baß bie SRitterföaft 
bie oolle $älfte be$ Hu$|#uffe$ (teilte, unb verlangten gleiten 
Änteil ber brei ©tänbe. 30 Prälaten unb 48 ©täbte unb 
äßätlte oereinigten fic$ p biefem $roteft, o$ne baß ber «bei 
nachgab 8 ). Da auf bem toietytigen SWüncfyter ßanbtage ber 
Oereinigten Sanbfäaft bei ber ffiatyi be$ äuäföuffe* oon 
64 2Bitgliebern (25. 3uni 1506) biefelbe ©efömerbe nrieber* 
^olt touroe, entjefcieb ber $erjog, ba§ e$ junäd&ft bei bem $er* 
fommen oerbleiben, auf bem nädrften Sanbtage aber bie ©trett* 
frage burc$ ein ©$ieb*geri$t erlebigt »erben foüte. Stuf bem 
8anb«$uter Sanbtage im SDfärj 1507 touroen bann in ben 
ttudfouf? 32 au* bem »Del bur$ Prälaten unb ©täbte unb 
ebenfo oiele au« biefen beiben ©tänben burd> ben Äbel getoa&lt. 

Die bairiföe Öonbfc^aft $at fty bur$ tyre grogartige töirl* 
famteit im 15. 3a$r$unbcrt ein e$renbe$ Dentmal gefefct. 
©egen bie matrimoniale ©taatäauffaffung, ber *!anb unb Seute 
nur alä lanDe$$errlic$e$ $au$gut erfdjienen, btfoete fte ein tooffU 

1) Ärenner VII, 292. 330. 417; XII, 281. 

2) «Bette IV, 43. 

3) Ärenner IX, 332f. 




©ebeutung unb 3nfammenf<fcung ber Sanbfäaft: $r$taten; ©täbte. 66& 

thattgeS ©egcngetDtc^t unb nicht feiten bertrat fie mit politifc&er 
©nftd^t ben ©taatSgebanfen auch gegen We fianbeSherren. Durch 
ben mannhaften fjreimut, mit bem bie ®tänbe befonberS unter 
Oeorg bem {Reihen färftltcher SBiBKir fich entgegentoarfen, 
burch bie pflichteifrige (Sntfchiebenheit, mit ber fie ©ebrechen ber 
SBertoaltung unb {Rechtspflege geigelten, ^abcn fie fich um baS 
JBaterlanb toohl berbient gemalt, u>teu>o^[ anberfeitS ni$t 
bertannt werben barf, bafc bie jtoei machtigften ©tänbc bon 
eigennfifctger Ausbeutung ihrer bevorrechteten Stellung fich nicht 
böüig frei erhielten. 

Die 3ufammenfe^ung ber 8anbf<haft mar in biefem 3 ei ^ 
räume ihres geßcherten unb geglichen SBeftanbeS nicht mehr 
biefelbe u>ie im Seginn ber lanbftönbtfchen SBcmegung. SRach 
tote bor ftanben bie SBifchöfe beS 8anbeS ben Sanbtagen gänjltch 
fern, ebenfo bie reichsfreien ÄtSfter. AIS fol<he hatten fich nur 
bie Abteien ©t. (Smmeram, Ober* unb SRtebermfinfter in 
JRegenSburg unb bie $ropftei fflerchteSgaben, alfo (ein etnjtge* 
innerhalb beS bairifd&en Territoriums gelegenes ßlofter be* 
Raupten fSnnen, benn bie brei erftgenannten ftlöftet lagen in 
einer SReichSftabt, ©erchteSgaben nur an ber Orenje beS bairifchen 
SanbeS. gerner trat infolge beS SanbShuter (Srbfolgeftreite* 
baS im ©ebtete ber neubegrflnbeten Jungen $falj gelegene ftais* 
heim unter bie SReichSabteten jurücf, inbem ftönig ÜRajimilian 
am 4. Dejember 1504 bem Äbte, ba er unmittelbar unter 
ihm unb bem {Reiche ftehe, ben ©efuch bairiföer Sanbtage ber* 
bot 1 ). 95on ben unter bairifcher SanbeShoheit ftehenben Settel« 
flöftern tourben, toie es fcheint, nur folche mit (Srunbbefifc n>ie 
baS ftlariffinenHofter am Anger in ÜJlünchen, jur Sanbfchaft 
gelaben. 3m ganzen jahlte ber ÜRünchner SanbeStetI 37, ber 
SanbShuter nach bw Bereinigung mit 3ngolftabt 42 jur 8anb* 
fchaft gehörige fflöfter, beren SSorftänbe ben ©tanb ber Prälaten 
bilbeten. Der weltliche ÄleruS toar nicht vertreten. 

£)h ne Ausnahme entfanbten bie ©täbte Vertreter in ben 
Sanbtag. Der üßünchner Steil jahlte 11 (6 im Dberlanbe, 
5 im ©traubinger $iieberlanbe), ber SanbS huter Teil 31 (8 im 

1) 9tei$*ar4h>, ÄaU^eim, gafg. 136. 



«66 



$>U etSnbe: etfibte; «bei. 



$anb4$uter, 6 im &urg$oufer, 4 im Stafferburger, 3 im 
Skibener ftentmetfteramte, 10 im dngolfföbter Oberlanbe an 
ber Donau). 9?eu ift, bafj nunmehr gleich ben ©täbten audj 
bie feinem Sattbfoffen untergebenen (fyäter fogenamtten gefreiten 
ober gebannten) SRfirfte au6nabm6lo* jur 8anbf<baft geloben 
»erben. S3on folgen jtylte ber ÜRün^ner Zeil 25, ber 8anb* 
tyster 53. 

©a« ben «bei betrifft, f o befafsen jefet ntyt me$r bie früher 
fogenamtten „8anb$erren" allein (*gl. II, 513 f.), fonbern ber 
flanje ©tanb in feiner ®efamtbeit bie 8anbftanbf<baft 99 
$&ngt bie« offenbar mit ber eingetretenen £erf$iebung ber 
*bel«gnq>pen, mit bem (Erlöfcben be« üJHnifterialttä^oet^aUntffe« 
jufammen. Semer fcat fu$ im 15. 3abrfytnbert, tob bie 8anb* 
tafeln x ) jeigen, bie «nfdjawtng autgebilbet, ba| bie Sanbftanb» 
fdfraft an bem Oute, an bem abeligen «nftfc $afte. Dafcr 
toerben in ben Sanbtafeln auc$ ffiittoen, $ütterlaffene I&bter, 
unmänbige ftinber aufgeführt. Die toeitau* gröjjte 3a^l ton 
tfbelftfcen, fogenamtten ©ebeln, befanb fl<$ in SRieberbaient, 
bef on&er« im ttentmeifteramte Sanbtyut ffiäfrrenb «brecht« IV. 
Sanbtafel im Oberlanbe 164, im (©traubinger) 9Keberlanbe 
72 Cbelftfce nennt *), erfebeinen in ©eorg« 8anbtafel minbeften6 
7—800 ffibelfifce, barunter im ftentmeifteramte SanbÄfytt allein 
über 400. Da« gante 8anb jäfrlte alfo etnxt 1000 lanbftanb^ 
fähige ®üter im SBefifee Don «beiigen unb nafou ebenfo oielc 
abelige gamUien. Oucb bie toenigen r eisfreien Xbeligen ge# 
Nörten infolge eingegangener &$est** unb Dienftoer^&ltniffe 
meift )u ben Sanbfaffen unb befugten bie Sanbtage. 

1) gut 8anb«$nt (. bef. ©eorg« Sanbtafel jtoif*en 1486 n. 1492, 
Brenner XII, 274 f. gür SWfin$en «forest« IV. Sanbtafd wn 
<5. 1466 («rennet XV, 422f.), mit ber ba« 8erjei$ni« ber ©iran- 
btnger SanbflÄnbe bd ber Sntbtgnng bon 1461 («rennet VI» 9f.) in 
ben 3a$len fafl genau Mereinßimmt. Um>otIßJnbig tfl bal Watäpm 
«erjeufcm« *on 1460, «renner V, 52 f. 

2) 2)a beim ^Regierungsantritt 3o$annf nnb ©igraunb* 212 (Sin« 
terufnng«fd)reiben an bie 9Rfin$ner, 105 an bie ©traubinger ©tfinbe 
«gingen («renner V, 4. 52f.; VI, 8), erfleht man, irie gr©8 ba* 
«nraertföe Übergenn^t be$ ÄbeU »ar. 




<9efefcg«&ung. 



607 



Der SJauernftonb toox ittfofem nicht ohne oDc SBertretung, 
aü Ja in ber ©e&ötferung ber SÄfirfte ber bäuerliche Uralter 
toohl mehr ausgeprägt ü>or al* ber fleinbfirgerliche. Der 
®ronb baffir f baß e* bic öauern Bei un* triebt ebettfo tote im 
Siachbarlanbe SEirol ju boller lanbftänbtfcher Vertretung gebraut 
haben, liegt jun&hft barin f ba& bie batrifchen 8anbftänbe an« 
©finbniffen Jener ©tänbe ertoachfen ftab, an toelche bie lanbe* 
herrlichen ©teuerbitten gerietet mürben. Die« baren nur 
»bei, Prälaten unb ©täbte. Die oollfreien Säuern fcaren jur 
3eit biefer ©etoegung an 3<*ht unb in S3erm5gen fchon ju fehr 
gefunlen, at4 bag fie ftch }u einer pottttfehen Kode al* ©tanb 
anffchtoingen tonnten. 

3n ber ftaatlichen ®efefcgebung folgte auf bie rege 2$&tig' 
feit, mit welcher bie oorige Verlobe abfötog, junächft ein 
ranm berhfiltntemäfjigen ©tiüftanbe*. Doch nmrbe in öden 
8anbe*teilen ba* S3erfaffung*recht burch bie t>on ben Sanbe*» 
Herren ihren ©tänben verliehenen Freibriefe, jui'ammen 42 an 
ber Ba$(, fortenttoicfelt, bis gur ÜWitte be* 15. 3ahrhwibertt 
bauerte auch bie Äufrichtung oon ßanbfrieben fort — ber t>on 
1374 ift unter bem tarnen be* tf @rogen ©ranbbriefd" x ) 
befannt — enblich nmrben, meift }ur Äbhilfe oon Übelftänben, 
über »eiche bie ©tänbe SJefchtoerbe führten, jtirifchen ihnen unb 
ber Regierung fogenannte *8anbgebote w vereinbart. ®egenftonb 
ber lefeteren mar weniger ba« $rfoatrecht, ba* nur oon ganj 
bereinjelten »efkimmungen berührt toirb, al« ber ©d&ufc ber 
8anbe*ft<herheit, bie 8anbe$polijei, Orbnung unb Übertoachung 
ber SJerfehr* unb ®elb»erhältniffe, Hnorbnungen über Stecht* 
pflege unb gerichtliche* Verfahren. Oft lägt fleh nachreifen, 
bafc biefe ©ebote fchon nach wenigen 3ahren ber SSergeffenheit 
anheimfielen; im allgemeinen ftnb gleichwohl bie höchft tooifi* 
tätigen folgen biefer ®efefcgebung nicht ju beftreiten. Sebhafte 
Zfyxtxtftit toarb hierin unter Subtoig bem deichen unb ®eorg 

1) Ct. unb Cr. VI, 517 f., anbere a. a. D., 420f.; t>. gre^berg, 
«anbfHtobe I; «renner II. «gl Pödinger, 2He golgen ber £$ei- 
lungttt öateni« für feine 2anbe*gcfefegefang im Mittelalter. 




668 



©efefcgebung. 



in SRieberbaiem, 8U>re<$t IV. in Dberbaiern entfaltet unb jmar 
metft in parallelem 33orge$en ber beiben 8anbe«teile: entmeber 
$aben fi$ bie gürften oon »orn^erein ba$tn geeinigt, gleich 
jettig baäfelbe Oefefc in tyren lerrttorien $u erlaffen, ober t& 
\at menigftenS ba$ in bem einen 8anbe$tette oerlünbete ©efefc 
ben Änftofc gegeben, bog bie barin be^anbelte f$rage aud* in 
bem anbem 8anbe$teile aufgegriffen unb in ber Siegel in bem* 
felben ©inne entföieben mürbe. Die gefe$geberif$e 5E$ätig!ett 
eine« 3Ubre$t IV. fte^t f miemo^l fte ntetyt in umfaffenben 
8te$tSbfi($ertt fonbem in einer SWenge oon einjelnen 8anb* 
geboten erfolgte, nxäft Diel hinter bem gefeierten SBirfen Äatfer 
8ubmig$ jurüd. Dur# feine Sanbgebote marb ba« 8anbrec$t 
be$ ftaifer* m#t nur ermeitert, fonbern oielfaety aud? mobtfijiert 
ober aufgehoben. £ux Söetoimtmaetyung ber lanbeä^errlicfcn 
83erorbmmgen mürbe fd>on in ben legten 3a$rjefyiten be* 
16. 3a$r$unbert$ au$ bie treffe bemtfet 1 ). 

8U$ ba$ 9tet<$ auf bem Sage ju ÄugSburg 1500 mit 
fUtcnpoltjeilic^en (geboten, Äletberorbnungen unb bergleic^en ein 
Oebiet ber (Befefcgebung betrat, mo bisher bie 8anbe$fütften fo 
gut mie au$fcfclie&lic$ ge$errf$t Ratten, erachteten ttlbre$t IV. 
unb bie ju SDWtac^en im 92ooember 1500 oerfaramette 8anb* 
fctyaft für nötig tyre früher na# biefer Stiftung erlaffenen 
Sanbgebote na* ben neuen ©efe^en be$ 9tei$$ }U erläutern 
unb abjuänbern *). ©o machte fl$ bamal* jum erftenmale 
eine ®efefcgebung be$ 9tety$ au$ für bie innere bairif$e 85er* 
maltung mieber gettenb. 

3n Oberbaieru fcrrföte mä$tenb tiefet ganzen 3ettraum4 
ba« 8anbre$t Äaifer fiubmig«. <S* gä^lt gu ben frü^eften 
©erfen, bie in ©aiern gebrueft mürben; oon 1484 bi« 1516 
eruierten brei SuSgaben. SRieberbaietn erhielt etft gegen ben 
©$lu6 biefer $eriobe ein etroa« umfaffenbere* ®efefcgebnng$* 
merf in ber am 6. SRooember 1474 oeröffentlictyen 8anbe$* 
otbnung $erjog Submig« be$ Meißen 8 ). 3m folgenben 3a$r> 

1) U. a. 1488; «rennet VIII, 517. 

2) «rennet IX, 498f. 

3) ©et «rennet VII, 472—512. 




Sanbeforbnnngen. 



«69 



ge$nt mürbe ber 83erfu* gemalt baö ganbrecht fiaifer ?ubu>ig« 
umjuarbetten unb ba$ umgearbeitete au* für SRieberbaiern mit 
(Sefefceffraft einjuführen. a»ün*ner unb fianWhuter State be* 
rieten hierüber ju Crbing unb im 3uli 1487 fanbte $erjog 
<8eorg« Äanjler Jtolberger ben umfänglichen (Entwurf einer 
neuen 8anbe$orbnung ') an ben 3Rün*ner $of mit bem Cr* 
fu*en ber (Genehmigung; f*on feien jo Diele Soften barflber 
erlaufen, bemerfte er, baf? e$ f*limm »äre, menn bie ©a*e 
}u feinem 3iele führte, Die* ift glei*u>ohl gef*ehen, ohne bog 
tt>ir bie Orünbe be$ <2*eitern$ erfahren, ©er ©ebanfe marb 
au* in ber ftolge ni*t faden gelaffen, gebieh aber in unterer 
$eriobe no* ni*t jur Xt)at. Dagegen erfuhr bie nieber* 
bamf*e 8anbe$orbnung 8ubmig$ be$ Weichen unter feinem ©ohne 
(Georg na* urieberholten ©ererben ber ßanbtage 1491 eine 
Heinere unb am 16. Suguft 1501 eine umfaffenbcre (Srgänjung *), 
gegenüber Äaifcr 8ubn>ig$ 8anbre*t aber etf*etnt ba$ nieber* 
batrif*e ©efefcgebungätoerf au* mit biefen (Srgänjungen aW 
bfirftig. 9ta* ber Sereinigung be« SanM^uter mit bcm 
Üßün*ncr Sanbe ttwrben oon ben ganbftänben eingehenbe ©e* 
ratungen über ein neue« ©efefcgebungäoerf, bie fogenannte 
erläuterte 8anbe$fretyeit, gepflogen 9 ), bie iebo* bei 8Ubre*t$ 
lobe no* ni*t jum Äbf*luffe gebieten maren. 

3n ber inneren 93crn>altung boüenbet fi* in biefem 3eit* 
räum ber früh begonnene Übergang bom 8ehen$ftaat jum 
mobeinen JBeamtenftaat. Die Organifation ber ©ehörben 4 ) 
enttDtctclt ft* auf ben ©runbtagen metter, toel*e |*on im 
13. 3ahrhunbert unb teitoeife no* früher gef*affen marcn 
(ogl. II, 171 f. ), nur führt bie fortf*reitenbe äufbehnung unb 
Kräftigung ber ftaatli*en SBirffamfcit naturgemäß baju, bafj 

1) «renn er XU, 57-184. 

2) «. a. D., 336 f.; XIII, 261 f. 

3) ©ei «rennet XVI. 

4) 2)er folgenbe fcbf*nitt über btefe mar bereit« aufgearbeitet, alf 
mir bnr* freunbli*ef (Sntgegentommen be* ©erfafferf no* erm3gli*t 
tourbe bie 2to«hfingebogen t>on 91 o (enthalf gebiegener ©ef*i*te bef 
©eri*t$n>efenf nnb ber ©erroaltungf-Orgamfation ©aiemf, I. ©b. (bif 
©ogen 23) )U benu&en. 



670 



Orgonifation ber Bcrtöattung: $auptleutc 



bie eigene SEhätigfeit be« 8anbe$herm bur<$ Vermehrung fcou 
SBe^örben uitb Staaten mehr entlaftet, unter biefen ©eamtcn 
(„amtleuten") fettft »eitere «rbeirtteilung burchgeffihrt, bte 
ihnen ptornmenben gunltionen auch mohl genauer benimmt 
unb fcharfer abgegrenjt toerben. Diefe ©pejialifierung ift bereit* 
im 16. 3a$r$unbert auf eine meit ^ö^ere Stufe gebieten, al$ 
man gemöhulfrh annimmt. 

©tatthalter be$ $erjog« mit auferorbentli^er £ottma$t 
unb mit bem Xitel „Hauptmann, ©eneratyrofurator ober 
Pfleger in Saiern (Oberbaiern)" ffabm mir föon unter ftaifer 
Subtoig gefunben. SDte ©nfefcung biefer Beamten mar in £ub» 
»ig« föniglicher ffifirbe begrünbet, bie ihn oft au« SBatern abrief 
unb anbauemb »on ben 8tegierung«gef($äften be* ©tammlanbe* 
fernhielt (ogl. II, 528). ®a Submig ber ©ranbenburger neben 
©aiem ©ranbenburg unb Itrol beherrfchte, mährten unter 
biefem Sürßen ähnliche »erhältniffe unb bemgemäß au* ba* 
Statt be« Statthalter« fort, ber nun regelmäßig ben Xitel: 
„{xuiptmaun" unb Pfleger in ©atern* führt unb ebenfo mie 
unter bem ftaifer bie meiigehenbe ©efugni* hat Seamte euu 
unb abaufefcen. 1349 mürbe $erjog ftonrob oon Xtd, bem 
jugletd? ber $erjogttc$e $of ju äßün^en am ©enblingerthor ju 
(Sigen fiberlaffen mürbe, 1353 mit 9HWfu$t „auf ben groß» 
Summer unb bie Oebrechen be* Sanbe*" $ilpolt oon Stein 
al$ Hauptmann in SBaiern befteflt, 1358 erf$eint mit bem 
gleichen Ittel $einri$ ber Uamerauer 1 ). 9io<h 1371 mürben 
oon bem in bie ÜKart jtehenben $erjog griebrt* {Km* oon 
«benSberg unb $ilpolt oon Stein für bie 3eit feiner Xbmefetu 
^ett al* Sanbeöoermefer befteflt *) unb füiben fleh bie Pfleger 4 ', 
meiere bie Vertretung be* $erjog« übernehmen, fo oft biefer 
nic^t im Sanbe ift, al* eine regelmäßige <Rnri<htung aufgefaßt 8 ). 
Äm längften behauptete {ich ba* «mt im ©traubinger unb 
3ngolftäbter 8anbe, mo mieberum bie «bmefenheit ber dürften 

1) *. gre^berg, Snbm. b.öronb., 155. 178 f. 201; M. B. XV, 407. 

2) 3. gebr. 1371; B. B. IX, 255. 

3) 3tt bem ttmibeftertrag mit feqftiföof $iSgrim; IRitthettagett 
b. 3nft. f. 3|fcrr. IX, 626. 




$ofmeifter. 



671 



in bett 9?ieberlonben unb granfret# feinen gortbeftanb erHärt 
1370 roirb Sanbgraf Sodann jum 8eu<$tenberg al« pfleget in 
9iieberbaiern*©traubing genannt. 1402 befahl $erjog 3o$ann 
feinem Staunt $an« ©etoolf jum Degenberg fein ©ifetumamt 
an 3o$ann ben Mieten Sanbgrafen jum fcud&tenberg abjutreten 
unb ernannte ben lederen für bie £eit feiner Hbtoefenfceit mit 
(StotoiÜigung feine« ©ater« «forest unb feine« ©ruber« «Bit* 
$elm }um Pfleger »on sttieberbaiern. 1407 erföeint ©raf 
Cfcel in Drtenburg al« 3n$aber biefer ffiürbe 1 ). 3n ©aiern- 
Sngolftabt mattete ©raf gubürig öon Öttingen al« Hauptmann 
be« abtoefenben $erjog« Subtoig im ©art *), $ier tourbe audfr 
1422 bur$ ftaifer ©igmunb für bie 3eit ber ©erbannung 
Subnng« im ©art bem ©runoriu« (unb fpäter $aul) t>on 
ber Seiter bie Stellung eine« oberften Hauptmann« übertragen, 
meiere mit Jener ber älteren $aiq>tleute unb Pfleger fic^ boH* 
ftänbig gebedt $aben bfirfte. 

Qtefe ^auptleute ober Pfleger erf^einen alfo unter allen 
fjfirften, bie au# über 9lebenlanbe regierten ober au« anberem 
anlag lange 3eit im 8lu«lanbe toeilten. Unter ben ftanbigen 
lanbe«$errli<$en ©eamten aber mar ber $ofmeifter, ber feinen 
SBo^nfife in ber «efibenaftabt $atte, ber erfte unb etnflufjreicbfte *)♦ 
Chatte er au$ nic^t bie umfaffenbe ©efugni« ©eamte ein* unb ab* 
gufegen, fo $anbelte er bod> an ©teile be« 8anbe«$errn überall, 
too biefer außer ©tanbe ober ni$t geneigt toar felbft aufzutreten 
unb griff barum in bie *erf$iebenartigften ©ebiete ber Äe* 
gierung ein, in ©ertoaltung unb ginanjen ebenfo »o$l n>ie in 
bie 3uftij unb btplomatifäe ©er^anblungen. 3n«befonbere $atte 
er bie Seitung be« ffirftltyen $au«$atte« unb führte ben ©ofifc 
im ffirftli^en Kate unb im $ofgeri$t. ©eine ffitrlfamfeit lägt 
fi$ mit ber eine« mobemen $au«* unb ftabtneWmtnifter« unb 
jugleic$ eine« perf&nli$en «Mutanten be« 8anbe«$errn t>er* 
gleichen. 

1) M. B. IV, 485; R. B. XI, 270. 411. 

2) e. u. a. B. B. XH, 182. 183. 

3) 8gt. Stetiger, 5). bentföe ^ofmeifieramt im festeren SW. 8., 
bef. @. 18. 34 f. 48 f. «erjeifyriffe bairifc^er $>ofraci|kr, 40 f. u. 132. 



«72 



2)ie 3)egenbergcr a!9 Straubinger örbbofmeifler. 



äuget ben $ofmeiftetn ber tegietenben $etten gab e$ feiere 
bei fÜTfiltyen Stauen, meiere ben utfprünglicfcn C^ataftet be* 
ämte* bemahtenb, nut Öetter be$ $au$h<*lte$ unb al$ feiere 
ohne biteften polittfc^en Sinfluf? maten. Daäfelbe gilt mohl 
Don ben «^au^ofmeiftetn* bet dürften, melche in Statem» 
3ngolftabt fett 1418 er feinen (mähtenb bie fottefponbietenbe 
©ejeichnung bet bid^ettgen $ofmeiftet aW „Sanbhofraeifter* in 
©aiern etft nach unfetem ^titxaumt beginnt). 

3n Slieberbaiern beftanb etma ein 3ahrhunbert lang auch 
«in „äufceteä* $ofmeifteramt, beffen 3n$abet nicht in ber 
herjoglichen »eftbenj matteten. 1329 Ratten bie §erjoge ben 
©egenbergern btcfeä Ämt erblich übertrafen. 3lach ber 8anbe$* 
teilung Don 1353 traten bie Degenbetget aW „Crbhofmetfter* 
in ben 35ienft bet ©ttaubinget unb nach bem Anfalle ©trau» 
bing« bet SDtönchner $erjoge. Ml« JJorfifcenbe be* ©ttaubinget 
§ofgertchtc$ Ratten auch fte eine richterliche gunftton unb mran 
*tma — maäftch aüerbing« nicht ftcherfteüen lägt *) — ba« ©trau* 
binger $of geriet jufammentrat, um über Slgne* ©ernauertn 
)u urteilen, fo mirb barin ber <5rb$ofmeifter t>on Degenberg 
ben Borfifc gefuhrt haben. (S« mar baher üieüeidjt nicht nur 
SHficfftcht auf bie geänberten 3^tt?er^ältniffe f fonbern noch mehr 
ein Ktt perfönlicher ©enugthuung, bag SUbtedjt III., nachbem 
er jut SWegietung lam, ben Degenbergcrn ba$ (Srbhofmeifter* 
amt entjog. «uf ihre Silage befahl ftaifer griebrich 1447 
bem $erjoge fie mieber in ba« ämt einjufe^en, ohne ieboch 
©ehör &u ftnben. »tt $an6 ton Degenberg 1450 aW $of« 
meifter ba« ® traubinger $of geriet befifcen mollte, marb e* 
ihm oom äMfctum betmehrt, ftach langmietigen ©tteitigfeiten 
mürbe erft 1488 ton SUbtecht IV. an $an« oon Degenberg 
ba« äufcere Jpofmeifteramt (im ülieberlanb) mieber aW (firblehen 
übertragen 2 ). 

2$on ben anberen höhten $ofbeamten: äWarfcbaü, ©cheuf, 
Oägermeifter, ffammermeifter, Äüchenmeifter, $offaplan, nahm 

1) Sgl 9tie)ter, £gne* ©ernanerin unb bie bairiföen $er*oge, 304. 

2) ftei<he* Material Aber Hefe ©finbel bietet «rroben IV, bef. 
f. 19v.f. 114 v. 116. 



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$of Ämter: äRarföatf. 



673 



toer erftere ftegett feinet militäriföen Munitionen, auf bie toir 
bei ©dfrilberung ber ffie$n>er$dltniffe surüdfommen, bie be* 
beutenbfte Stellung ein. Diefelben Ratten jic^ au« feiner Huf* 
ftc^t über ba« befolge unb ben SRarftatl be« 8anbe«$errn 
«nttoidelt. ©er 2Jiarf<$all übte au$ neben bem $ofmeifter bie 
SuriSbiftion über ade im unmittelbaren Dienfte be« dürften 
ftefcnben unb al« beffen $au«genoffen lebenben ^erfonen *). 

Diefe $ofämter toaren in ber Siegel mit 8e$en«gütew 
fcerlnüpft unb mehrere berfelben al« erblid&e 8e$en berlie^en. 
@o toaren bie ©umwenberger (feit 1411) (ähbmatfd^afle in 
Dberbatern *), bie ©rafen oon Drtenburg in SWeberbaiew, bie 
XBrringer feit 1355 na# ftauf te$ le^enbaren Slmteö (Erb«* 
i&germeifter (ogl. oben ©. 249). Die SWufcberger Ratten bon 
Hlbre$t I. 1360 ba« ÜKarf^aOamt im ©traubinger Sanbe in 
ber SSSeife al« 8e$en empfangen, baß immer ber ältefte be« 
<8ef$lee$t« ober tt>er unter tyren flfrben „ber $errfc$aft am 
beften unb nfi$K$ften fei", ba«fetbe innehaben foßte. 9lo<$ im 
3a$re 1500 betätigte tynen «lbre$t IV. ba« ©traubinger 
SWarföaüamt, naetybem gamilienftreitigleiten über beffen ©efifc 
beigelegt toorben, in berfelben gorm *). 1397 fugten bei $ersog 
«lbre$t II. na$ bem lobe <S$riftot>$« bon äWuradfr ju glfigel«* 
berg einerfeit« beffen SSetter «Ibrecty bon 3Wura($ ju Outeneef, 
anberfeit« bie ton Harsberg ju glügel«berg um ba« (Srbfd&enlett* 
amt na$. Die lederen beriefen ft# auf nähere 93ern>anbtfc$aft 
mit bem SSerftorbenen fo&ie barauf, baß ba« ©ctyenlenamt famt 
}uge$ötigen 8e$en nietyt auf bem tarnen SD?ura($, fonbern auf 
bem ©efifc be« ©c&loffe« glügel«berg $afte; erft na* bem Hu«* 
fterben ber @$enfen Don gtfigeWberg hätten bie 3ßura$er mit 
bem ©ctyloffe glüget«bcrg au* ba« (Srbfctyenfenamt erhalten 4 ). 

1465 nmrben am SRüntyier $ofe 32 (Ebelleute, bie (Sin* 
geborene fein foßten, at« ftänbige« (Sefolge be« $erjog«, at« 

1) «gl. »oftnt$al, fcerttfttoefen I, 229f. 639. 246. 

2) «gl. 2. «. grei^err b. ^umwenberg, 2>a* $rblanbmarf<$afl- 
amt t>on Dbctbaijern; D6etba$er. Brc$ib III, 97. 

3) «renner XI, 630. 

4) B. B. XI, 112. 113. 

KUjUt, ©tftWc ©aianj. 1IL 43 



674 



3entralbe$5rben: ber $erjogtt<$e Hat. 



„tägliche* £>ofgeftabe J , ba« ganje $ofgefinbe abet mit (Sinfctfag 
bet $o$en tote nieteten $ofbeamten auf 164 $etfonett mit 
121 $ferben angefefct *). (Sine botgefötiebene gletyfiJtmige 
$oftta$t lägt ft$ in ©atetn toie aubettoätt« juerft in ber 
gtoeiten $älfte be« 15. 3a$r$uubett« naetytoeifen 
©ommet* unb ffitntet&oflletbet, beten SWuftet iebe* 3a$t %u 
toecfcfelt )n faben fcfatnt. 9?ot toot bamal«, toenigften* am 
nieberbairtföen $ofe, bie m>r$ettf<$enbe garbe. 

^olitif* toityiget aW bie eigentlichen $ofbeamten ift bet 
$erjogli$e SRat, beffen SJeftanb föon 1258 natyutoeifen ift. 
»i« über bie SHUte be6 15. 3a$r$unbetW betoafrtte betfette 
ben (tyaraltet einet nt$t ftänbig am $ofe oetfammelten ©t> 
fcötbe, bie bet gürft jtoat ju ben mannigfachen Regierung** 
öefd?aften f aber nut fo toeit e* tym gut bOnfte f jujog unb ju* 
toetlen aucb an feinet ©teüe fymbeln lief, Dann unb toatm 
tarn e6 iet>o<^ ftfron t>ot, bafj bie gütften an 3»ftimmuug ober 
aWittoitfung tyte« Wate« bei 8iegietung*$anblungen fic$ felbft 
banben obet oon tyren ©täuben batan gebunben mürben, 
©ogat SWitmirlung bei bet ffia&l bet State toarb ben ©täuben 
in meuteren Tretbriefen feit 1363 eingeräumt. VA „9töte" 
betufen »utben meift bie 3n$abet bet obetften ^offtettett unb 
anbetet Ämter, fibertoiegenb abelige &mbfaffen, au$ einzelne 
Prälaten, nut feiten »icbtbaietn („®äfte*) »). Da« tti$t* 
gelebtte Saienelement mar meit fibertoiegenb, bie 3a$l bet 9Äit* 
gliebet fe$t betrieben. Unter ben Ääten $einti$« be« SRetcben 
treffen mir im 3a$re 1443 an bet ©pifee btei ©tafen Don 
Ottenburg, bann $of weiftet, ftammetmeiftet, 2Ratf$atI 4 ). 
8ubtoig bet Weiche etnannte ju ben 24 Stöten, bie et bom 

1) Rflrffcnfa(*en, gafg. 25, ftr. 252. 

2) eo inster Sitbwig bem Keiften 1471. €>. f rimbf, ©ftfofi 
$o$<naföau unb feine $mcn, 34 gür bie nrirtemberglfftcn »dte unb 
beten Anette 1483: gurpenbergiföe* U.49. IV, 9h. 32. $a€ iltcffe 
fcrjoglift. bair. $otttetber6u$ (ftrautgeg. ton $Snt(e im 3aftb. f. 
SWftn*. Oefö. II, 87 f.) beginnt mit bem Safte 1508. 

8) eo nnter Slbrety IV. $raf Jtonrab n. $elfenßcitt. 
4) fteifttarfti*, SWnpernngen I, f. 69. 



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«75 



»ater üBernafyn, 88 neue »). 1469 finbett fl* für Me «fite 
8UBre*t$ IV. 3a$re«Befolbungen bon 200 ff. Bi« ju 20 fL 
unb 8 $funb Pfennigen herunter notiert *). 

Die Bebeutfame $erau«Bilbung eine« fte$enben {Regierung** 
loOegimn«, ber „täglichen «fite 44 , au* biefem ffitftlt^ett Kate 
erfolgte juerfl tm3Wfinc$ner 8onbe unter ben®8$nenHlBre<$t«HL 
3n beut S3orfälag jur Drbnung be« $oföalte«, ber in bie 
lefeten ÜKonate bon ©igmunb* Hfletnregierung (1465) ju fefcen 
tfi, »erben juerft a*t „tägliche 8t8te" ermähnt, barunter ber 
Äammermeifter, Stentmeifter, Äanjler unb 38flner 8 )* 
bie S3ereinBarungen t>on 1466 »urben bann ber $ofmeifter 
(93eit »on (gglofftetn) unb ber fürftltyen «äte, barunter 
ein ®etft(i$er, al« ftefcnbeä ftoflegium BefteCtt, bad im alten 
©*loffe in ber getoöfytlid&en WaWpuBe ober, toenn ©igmunb 
ni#t in ber ©tobt »eilte, in »IBre*« $ofe ba« $ofgertyt 
Bejifcen unb Jebermamt ©e$ör geben foflte. Sogar ber mobeme 
©runbfafc, ba| bie SJtttairluttg be* SRinifterrate* in toic$tigen 
©taat*gef*äften unerläiß* fei, finbet eine Analogie in beut 
bamatt ausgekrochenen, freiließ auf bie Dauer m$t Befolgten 
©efölufie, bafi ber »atfölag ber fo Derorbneten 9iäte Don ben 
$erjogen in allen ©ac$en, bie ifft gemeinfame* {Regiment Be* 
rühren, eingeholt unb i$re STOe^r^eittBef^Iflffe Befolgt toerben 
foüten. 3n ©ae$en, bie nt$t bie $erjoge, fonbem bie $ar* 
teien allein Berührten, tourbe biefem Kate in «Btoefen$eit ber 
gfirften felbftänbige (fotfäeibungSgetoalt eingeräumt. Die 
übrigen Räte timrben na* Slotburft einberufen unb Ratten 
bann im Kate ebenfo tyre ©timme toie bie ftänbigen »täte 
3m State erlaffene Ianbe^errli^e SSerorbnungen tourben nun* 
me$r mit ber gormet: d. d. per se in consilio als fol$e 
Besetztet 6 ). 

Da| biefe Einrichtung au* unter «IBre*M IV. »Hein* 

1) Stabnrger <L-8. XXXIV, l 853. 

2) «rrobe« IV, f. 92. 

3) gfitpenfa*en r gaft. 25, 9fr. 252. 

4) «rennet V, 179f., *gt 290f. 

5) «rennet V, 212. 

43* 



3entraföe$3rtat: bet ferjoglufc »at. 



tegiermtg fortfeftoitb, iftjtytt, ba u. a. 1476 We „tagten 
Äate" *on ben Wätai f<$fa$t»eg untergeben »erben *)• 
am 8anW$uter f)ofe f$rttt man 1489 js einet ft^iß^enf^ 
*tbmmg. DamaW gab $erjog ®e*rg auf $efi$»etben bet 
Saubfc^aft feine *bfl#t tanb, bog jur »efotgung bet tSgttyefc 
®cfc^Äfte eine ttnja$t *on tym befttmmte* »täte fetoeit IBetfttg 
«m 7 tt$r morgend in bet Äönjtei erfcfceinen wb b*tt in 
«eifern feine* ftanjfer« ober in beffen »erStaberung eine« tber 
jweter £<ra§leif<$reiber i&en, bet an ben $of fommt, anfSren 
nttb t$m fötberficfc nnb jiettlidfre tfo&tt^tung tfm \*tton* 
Diefe „geotbneten State« erhielten au<$ bie ©efagni* götltye 
nnb «e^tttage ttn$uf*fcert, Umbette e* fi<$ afcer um »fc&ttßere 
@a$en ober 83er$8ngung Don ©trafen, fo fetten jte btm 
dürften nur tyren «nt nnb i$r ©utbfinfen «u«ft*re$en. **** 
tyaen ober wt anbeten Wfiten fotlten bie fttagen übet 5Wifr 
brd^e bet ^Beamten oetfStt »etben *). 1501 fpra# bet 
£n9f$u$ bet ftmM^ntet «tfinbe *etf$ieben* «Stoffe 6ejflg1i$ 
be$ $etjoglH&e* State« an*: baf* aOe feine Wien tttft einem 
Onatembet aum anbetn in ein ©u<$ teglftriert, bie eingelaufenen 
«tttftrtfte* öot ben »fiten otbentttdfr *er$8tt, fdn »a**g*i$fift 
fceflegeft nnb ausgefertigt »erben möge, beoot e* mtabeften* 
Me Sle$r$eit bet »Ate m$5tt $abe. DamaW «mtfbe ant^bie 
«tage laut, tme fdfaer e* fei am $ofe mit Wagen übet ftoffc 
ftc^e Beamte bur^jubthgen 8 ). Die 8anbe$otbmrag ton 1601 
Befielt bann bie permanente »aWft>mmtffl0K tm fcefentö^en 
«nietänbett tei nnb gebrannte für bie fftt(tft$en »fite }ttetfl 
bie e^ei^mmg „fjoftfitt". 

Der Sföntynt «nteü bet ©ttanbtager Sanbe* befblt an$ 
na$ feinet «eteimgmtg mit üßfln^en feine eigenen ttfite, bie 
na# einet tanbe*$errli$en 3nfa8* *>on 1463 »ie bie IKfetine 
«* afle «eattten ftet* KngeflWgc bet ftetnen 8*nfte*ietf* fein 
follten 4 ). 

1) «renner vni, 196—198. 

2) & a. D. Xn, 275. 280. 

3) & a. D. XHI, 161. 162. 

4) «. a. O. VI, 64. 




Gefanbte. OftjUtye fl&tc. 



«77 



«u* feinen Ääten tollte ber fcerjog in ber »fegel feine 
(ftefonbten, bie immer nur t>on goß ju goß mit einer Be* 
fttmmten sjwiftton, nc$ nkfct fiänbig mit ber SSertretmtg i$re* 
gfirften an einem fremben $>afe betraut tmirben. 3Melf«# 
fcurben aber aud> anbete fanbe«$erdic$e Statute, jutoetfen fogar 
Sntfänber im btyfontatiföen JDfenfte öewenbet. 1483 emnrfte 
»i&r*$t IV. burc$ ein ©efutfc »an $aj>ft ©i#u« IV., baf jp 
ein Domherr ber Stifter StogSburg, gretftng unb Wegettfbitrg, 
ben et ju feinem State ernennen toefle, bei i^m feinen ftönbigefr 
9luf enthalt nehmen nnb boe$ feine ©am^enneinlünfte . fort^ 
begießen bftrfe, unter ber Sebtngung, bog er ft$ au$ 
unb ©efd&äfte feiner Sir$e emtfofcfen fein {äffe. SDajj baS 
festere bur# eine berartige Sinrid^nng um \*> leidster erjielt 
unb ben flirren babut^ foftfpieligc ©efanbtf^aften t>on Nuntien 
unb $r*Iuratoren erfoart mfitben, batttit $atte ber ftßrft me$t 
fölau unb trirlfam al$ aufrichtig fein <&efa$ motiviert;, er 
Werte ft# bur$ biefe ©etoiflignng einige gelehrte nnb re$tt* 
erfahrene aRänner, an benen fein 8anb m>d(f feinen ÜberfWI 
fcatte, unb erwarte jugleidfr bie ®e$älter für biefetten. Da| 
aber biefe geiftlid&en State t$atfä#li($ au$ als Referenten für 
Ifa$Ik$e Angelegenheiten toirften, fear natnrgemäf unb infofem 
barf man in, äl&re^tä fimtic^üing bie Anfänge eine« freitty 
no$ nicht ort JöeflJrbe abgefonberten geiftfichen 8late« fuchem 
3«nocetij VI1L betätigte biefe felaubni« 1485, mibenief fie 
j»ar bann auf bie ©efchtoerbe bed greiftnger Stapitä* $«> 
nahm aber, att Slbred&t ben übertriebenen ©ehauptungen ber 
greiftnger, aW fei ihr Stapxtd burch bie fielen »bfenjen oft 
auf 4—5 Äanwttfer swfaromengefchntoljen, toiberforach, ben 
©iberruf in jmei neuen Sutten t>on 1489 unb 1490 jurfid. 
2luf Orunb biefer Privilegien ftanb 8Ubre<ht$ bebeutenbfter 
^toatfmflnn, ber ^gen$bwrger.$efan unb 8rejfinger ©pmhm 
Dr. 3ohatm Meuhaitfer, foäter awh erfter pr^ft be$ nett 
errichteten ftoßegiatflifte« Unferer 8. grau in Sßüttchen, in 
feinem Dienft *). 

1) Oefelä II, 258-266. 



678 



3entraffit$8rbat: Äanjlti nnb Äanjler. 



Die ^etjoflll^e Äaitjlei, bie ©c^Tctbftube bet $erjog$, feine« 
Wate* unb be* $ofgeruht* x ), beftanb nach mie oor attf einer 
Ärtjahl oon ©^teibem (ftattjleif^teibem) unter bent $rotonotor 
ober Äanjler al« 83orfianb. Die ©ejeUhnung Äanjler tritt an 
@teOe ber allmählich oerfchnmtbenben „^rotonotar" tnbenfechjtfler 
darren be« 14. Sahrhunbert* nnb gleichseitig erfchetat ba« ttet 
j«m erftenmale in ben $änben eine« fioten *). gortan toechfelten 
<8eifittche mit Saietu ®o maren bie Äanjler Subttrtg* im 
©ort, Ulrich ffiarenhofer (1412), unb «brech» IIL, $cm6 
SRdfler (1456), fiaien»), Separat nnb ©igmunb hatten ben 
©eiftfichen Storno« $Wheimer, »Ibrecht IV. jnerft einen 8aten, 
Skonto« »ioftaler 4 ), bann (feit 1496) ben ©eiftfichen Sodann 
Weuhaufer, oon ben Äanjlem 8ubnrig« unb ®eorg$ be* Weichen : 
SDüc^ael »ieberer, ©ompropft ju Wegenaburg, Chriftoph Horner, 
SRubolf Älberger, griebrich 3Jtouerftrcher, ffiolfgang Äolberger 
toaren, mie e* fcheint, nur ber erfte unb Dotierte ftterifer. 
Senner be* lauonifchen, fpfiter auch be* toeltlichen rbmifch« 
ftecht* bürften bie Äanjler (biefleicht mit feltenen 9u*nahmen) 
getoefen fein 6 ). tynm oblag mit $ilfe ihrer tintergebenen fror 
ädern bie formale ©eftaltung unb Fertigung ber lanbe*herr* 
liehen SRattbate unb Urtunben. Sin getoiffer (Sinffag auf ben 
materiellen dnhalt ber 8lu*fertigungeu toar babei unaitfbletblich 
unb mufite um fo fixerer unb bebeutenber hervortreten, al* 
ber Äanjler unter ben &txüxoitbtfflxbtn in ber Siegel allein 
ober faft allein ba* gelehrte (Element bertrat «He aber am 

1) »ofenthal, Oeri$t**efat I, 272. 

2) 1367 Crharb ber 2R3rütger, unter $. etetfon II. B. R IX, 
186. unter Snbtolg b. ©ranbenburger geigest bie ÄanjteiborflÄiibe 
„^rotonotar" ober „ober|ier ©Treiber" (d. gre^berg, Snbnug, 155) 
unb no<h 1363 nrirb ftabno bon SWauren, $ropp bon ©palt, oft $roto- 
notar Wibrechts I., 1380 (3nfl 17.; 9t «.) griebr. »olf al* oberfler 
«Treiber 6tetfan6 III. genannt («rroben V, 207.) 

3) M. B. XXXV b, 274; IX, 40. 

4) »eflenrteber V, 202. 

5) g. 8Wauerfird)er bon ©raunau, bamalS no4 greiftager Domherr, 
Sicentiat bei lanonif^en ftea)tt unb 2>ottor ber 9tod)te, n>ar 1451 an 
ber Unfoerfltöt Bologna. Acta Nationii German, unir. Bonon., 196. 




«onjlet. ffafyt. 



beittn^ftett bo« ©eifeiel Martin SRaier« jeigt, tonnte ber bor* 
tooltenbe politlfd&e öinflufc too$l *on einem ber 9?äte, ntyt 
Dom Äonjler <m«ge$en. Sei bem anlag, ba& ©igmunb unb 
8Hbre$t IV. 1466 fi$ baftn einigten, ba§ fie jufammen nur 
einen Äanjler fcaben tooflten, lernen toir beffen Obliegenheiten 
genauer lennen. Cr $atte ben gürften ben gen>ö$nltd(>en Streu* 
eib aöer ©eamten ju fätobren unb ^atte ju fertigen, toa« fie 
ober ba« oben ernannte Wattfoflegium befäloffen unb tym auf* 
trugen. ©ä$renb ba« $erjoglit$e „©tegel" oon ben dürften 
nictyt'au* ben $änben gelaffen nmrbe, toar bem ftanjler ba« 
$erjogli$e „©efret" anvertraut x ), tym fear au$ bie $ut be« 
Hr$to« fibertragen, bi« für ba«felbe, »ieUeity fd&on in ber testen 
Beit SÖbred^M IV. in ber $erfon feine« ©efreimfäretber« unb 
$iftoriograj>$en Huguftfa ftMner ein eigener Beamter beftedt 
nmrbe. Da« ^erjoglic^e 3entralan$to *) toar in allen Sanbe«* 
teilen mit ber ftanjlet oerbunben, in SRfind&en mit biefer in 
ber Sieuen gefte untergebracht, unb f#on im 16. 3a$r$unbert 
foftematifö in Säften unb ©tytblaben verteilt '). ftangletbfic&er 
unb Stegifter fcurben unter 8ubn>ig bem ©ranbenburger nodfr 
forgfam geführt — ein SRa^flang ber ftaiferperiobe — toä$renb 
man fie nad^er, toie e« fd&eint, bewadfrläffigte. 

3»iH^en ben 3entral» unb 8o!albe$5rben matteten al« 
ÜBittelbe^örbe junädftt bie SSifctume, bie fi<$ mit ben mobemen 
»egicrung^Sjibenten verglei^en laffen, nur ba& fie jugleidfr 
abminiftrattoe, rt$terli<$e unb milttärifd&e gunfttonen Übten. 
«He bie ftauptleute ftnb au$ fie in biefer bretfad&en Stetig* 
feit förmliche Statthalter be« 8anbe«$erm unb bie ©teüung ber 
beibeu Ämter fällt fo na$e gufammen, baf $ie unb ba, fo in 
SJurgfrwfen, bie ©ejeic^nungen : »ifctum unb Hauptmann 
toedtfeln, toä^renb unter $einrtc$ bem »eichen au$ ber Xitel: 

1) «rennet V, 183f. 295f. 

2) 3$ nenne e9 fo, toctl an$ 8Wtte(6e$8rben tote bie «ifctnrae in 
tyren PanjUicn Urtnnben anfbetoa^rtm, toie au* einet Sufcetynttng int 

2>eg«n&etg, gafft. 26, fld) ergibt. 

3) »gl «rennet V, 46 (1460). 




680 



2Rittetbe$3rben: Sifetttme. 



SSettoefer *) gebraust toirb. ©ä$renb ober ber {xutptmatm 
ott ©teöoertreter eine« abtoefenben 8anbe«$errn füt ba« gange 
Sonb befteBt ift, übt ber 35i^tinu fein Statt au$ neben bent 
antoefenben $erjog, in ber Siegel ober nur innerhalb eine« ber 
großen »ertoaltung«bejir!e, in toel$e ba« Sonb geteilt ift. Der 
alten ®lieberung in Dier »ifctumätnter , jtoei in Ober*, jfcei 
in SWeberbaiern (II, 173) taugte bie toeitergreifenbe ftutbe«* 
tetfang ein Cnbe bereiten, ©o (ange bie biet gurten neben' 
einanber beftanben, f<$etat e* in Jebent 8anbe«teile mir einen 
»ifctuin gegeben }u $aben. 3n 3Rün<$en begegnet man »tfc* 
turnen neben ben $erjogen bi« 1402 '). 9tat$ bent Änfatt 
be« ©traubinger 8aube« nmrbe für btefe« (ba« SWieberlanb) ein 
»ifctum aufgefteflt, ber feinen ©ifc in Straubing $atte. Dem 
»ifctume toaren bie Pfleger, Winter , ftaftner unb Böüner 
feine« »ifetuntamte« untergeorbnet. 

(Eine befonbere gunftion übten bie »tfctume auf bent ©e* 
biete ber ©trafred&Wpflege, inbem ifrten belegation«»eife ba» 
»egnabigung«re<$t be« 8anbe«$erro übertragen fear. Da«felbe 
tourbe feboety fteW nur in ber ©eife geübt , baf abgeurteilten 
33er brevem an ©teile ber ertoirlten Selbe«* ober 8eben«ftrafe 
eine 85fung«fumme ober ©elbbu&e auferlegt toarb, beren $8$e 
na# beut SRa&e ber »erfd&ulbnng nnb fieser au$ ber »er* 
ra5gen«oer$ältniffe ber »ifctum ju beftimmen $atte. Die fo* 
genannten „»ifctumftmbel*, bei benen biefe Unttoanbhutg ber 
©träfe eintreten loratte, enttoidelten ftdfr ou« ben „bret ober 
t>ter giflen" be« alten 8t«$t«, bie &or bie öfteren ®eri$te 
gehörten, toaren aber aflmftylid& toeit au«gebe$m toorben. @o 
nennt bie 8anbe«orbnung Subnng« be« Steuden Don 1474 al« 
»ijjtum^anbel fünfoefyt »erbre<$en, barunter »errat, »er* 
leugnung be« $errn, SWeineib unb toiffentli$ falf*e« 3eugni«, 
Urfunben* unb SWünafälföung, »erfuc$ be« ©elbftmorbe«, 
toä$renb burdfj bie ©eri$t«orbnung $erjog ©eorg« Don 1491 

1) *. a. 1423; R. B. XIII, 11. 17. 

2) 6o na* bem «crjctymffe ton ö ei 6, ttdfenfofge ber Pfarrer 
u. f. u>. Wunden* (au« bem Dfofctyer. *r$fo 1868, 43). 



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»ifctnmhänbet. 



081 



fogar neununbjioanjig »erflehen , barunter aW neue SMebfta^t f 
{Bigamie, offener tytbxuö), SSerrüdung ber Orenjfteine, Ja 
3njurien als feiere feftgefteflt tourben. Stach einer 83erorbnung 
*>on 1447 foßten nietete ©erbrechen tote »errat, 3Jiorb* 
bremteret, itotfälag, gätfehung nur bann aW SBifctumhänbel 
gelten, toenn ber Verbrecher flüchtig tourbe 1 ). Sag in biefer 
JErennung brt ©egnabtgungerechte« oon ber ©ertchttbarfeit ein 
gortf<hritt, fo tourbe bo<h anberfeiw bie {Rechtspflege burch bie 
häufige Umtoanblung oon 8etbe«ftrafen in ®elbbu&en ju einer 
©nnahmequefle herabgetoürbigt unb ihre Unparteilicbfeit burch 
bie Riebet unoermeibliche WüÄftcht auf bie äuferen aäerhättmffe 
be« ©chulbigen ferner beeinträchtigt. Sluch fcheint e«, bag in 
biefen Säßen eine «rt oon freiem S3ertoaltung«t>erfahren ben 
ftrengen §ormalt«mu« be« gerichtlichen ^rojeffe« abUfte. ®ie 
bamit oerfnfipften SDtifjftänbe veranlagten toieberhofte öefchtoerben 
ber Sanbftänbe unb infolge biefer toarb 1474 verfügt, bag ba$ ©er* 
fahren nur in folchen Säßen eintreten fönne, in benen ber ©cbulb* 
betoei« burch «gichtigen SJhtnb ober loahre X$at k erbracht fei 2 ). 

3m 15. dahrhunbert toarb ber Stame SMfctumamt burch 
SRentmeifteramt oerbrängt. ©eitbem bie 8anbe*teile auf jtoet 
verringert toaren, toar SBaiern*8anWhut in fünf {Rentämter 
geteilt: 8anb«hut; SBurghaufen (ba* toahrfrheinlich feit ber 
8anbe*teilung von 1392 an bie ©tefle be* früheren S3tfctum* 
fifce* ^fanfirchen trat)*); ©afferburg, tooju auger SBaffer* 
bürg felbft bie brei (geriete in ben «tyen, Battenberg, Rift* 
bühel unb Äufftem gehörten; ba« Dberlanb, b. i. ba* obere 
Sngolftäbter 8anb an ber Donau; enblich ©eiben, ba$ bie 
fianWhuter SBefifcungen im SRorbgau begriff. ©a* SDtünchner 
Sanb hatte Jtoet SRentmeifterämter: ba« Dberlanb (SDlünchen) 
unb ba$ SRieberlanb (Straubing). 5Rach ber Bereinigung be« 
ganjen Sanbe* unter Wibrecht IV. aber mürbe baSfelbe in bie 

1) 6. 5ef. SRenbnrger XXXIV, f. 32. 202; Ären n er VII, 
448 f. 476 f. 

2) Weubnrger XXXIV, f. 32; Ärenner VII, 448f. 476f.; 
Xn, 344 f. 3um gangen »gl. Hofenthal, $eri$ttmefcn I, 281. 303 f. 

3) Noch 1362 «ifctunt an ber Hott; B. B. IX, 60. 



682 SRittdM&Brben: Sanbföretbct; ttentmeipcr. 



Dter »entmeifterämter: 2Jtüm$en, 8anb«$ut, Ourgfaufen, ©trän* 
bing eingeteilt 1 ). 

Die ginanj&ertoaltung fatte in ben Unterbe$Jtben ber 
ftaftner, >fitlntt u. f. to. fd&on frfi$ eigene Beamte, f$8r tiefen 
3»cig $at ficty nun am frfl^eftett au<$ ton ber 9Äittelbe$8rbe 
ber »tfctume ein befonbere« Smt lo^gefc^Ält, eine ©onberung, 
bie babur$ befd&leunigt toerben taugte, baf* ber «bei für xtdp 
netifd^e ©efd&äfte toeniger Neigung befaß. Die neuen f intet 
be* Sanbfd&retber* unb 8?entmetfter$ erf$einen benn an$ to 
ber golge in ber Kegel in ftfnben bon Ȁrgerlichen. 9m 
14. 3a$r$unbert $atte in jebem Si^tumamt ein Sanbf^reiber 
bie Natural* toie ©elbgefäfle be« 8anbe*$errn einjune^raen unb 
anzugeben unb barüber, meifl »o$l aöe brei 3a$re, Stetyiung 
3n fteüen *). Seit 1424 in 8anb*$ut, 1425 in £urg$aufen, 
1442 in aJtfind&en föft ffy ber »entmeifter aM ber biefe 0e* 
föfifte oerfefcnbe {Beamte nadfrtoetfen, neben bem nunmehr ber 
Sanbfd&retber (ober au$ {Rentf^reiber) tneift in bie untere 
georbnete Stellung be« ©^reibet* fcrabfinft $auftg bleiben 
Jebodfr beibe ©teilen in einer $erfon vereinigt, wogegen fi$ 
1497 bie 3ngolftäMer Witter erflärten. 2»e$r unb me$r aber 
getoinnt ber ftentmeifter burdfr bie fteigenbe ©ebeutung ber 
ginanjen eine $erborragenbe Stellung im Seamtenorganitmii*, 
toie fdfron bie X^atfactye oerrät, baß bie Sifetumämter nunmehr 
nad& tym benannt toerben. 33kl trug baju eine bon ben £>er* 
Sogen getroffene fe$r too^lt^ätige ©nrid&tung bei, bie iofycYxäfm 
rentmeifterü^en Umritte, Sßifltatioirtreifen, ju toel^en bem 
»entmeifter feit 1470 $ie unb ba au<$ ©firger beigeorbnet 
tourben '). Diefer «ommiffion Ratten alle ©eamte be* ©ejhrW, 
bie tanbe*$errli$e <8ef5öe einnahmen unb ausgaben, Meinung 

1) 6. u. a. «rennet XVI, 267. 

2) Cr^alten iß ba« 9fc$nung«&u<$ bei ©tranbtnger Sanbfarettert 
nm 1390; gre^berg II, 86f. 

3) €5. bie dnßruttUm fflr 9ta$nnng$aufna$me im Sftet U me i f Ura mt 
©off erborg, «rennet VII, 245; t>gl. bie rariß übercinflimmenbe oou 
1485 f. ba« «. «. be9 Obertanbc«, a. a. O., XII, 53 f. 3um ganzen 
ogl. «ofent$al I, 288 f. 




fiotoIM&örben: WW »nb Stifter. 688 



abzulegen, 8u$ bie gorftberoaltung ftanb unter ber Ober* 
auffielt be« SRentmeiftcr«, auf beut potijeitt^en ©ebiete ge&ann 
er toenigftenS im 16. 3a$r$unbert eine uutfaffenbe SEfcätiglett. 
Äuf bie ©trafred&ttyflege erhielt er bebeutenben (Sinflufi, inbem 
i$m in ber jtoeiten $ätfte be« 15. 3a$r$unbertS *) bie Stfctura* 
$änbel jugenriefen »urben, eine SWaßregel, toefc$e beutttc^ jeigt, 
»ie fefr ber ftaanjiefle 3med in biefer (Sinri^tung fibertoog. 
Borger $atte ber Sanbfäretber ben 83ifctum in Srlebigung ber 
»ifttum^äubel abgeßft. Die 3nftruftion be« Sanbföreiber* $u 
SBurgfaufen bon 1445 befogt nic^t nur, bafc biefe §änbel bor 
tyn famen, fonbern bog berfelbe au$ anbere bom $erjoge i$m 
jugenriefene ©trettfaefcn in ®emeinf($aft mit $erjogli$en »fiten 
unb »tattleuten ju entfd&eiben, tpenn er fie aber ni$t felbß 
ausruhten tonnte, an ben $erjog jurfld^utoeifen $atte 2 ). S3on 
ben ©ujjgelbem ber a3ifetum$änbei fiel biefem 8anbfc$reiber ein 
»iertel ju »). 

Die Heineren S3ertpaltungS* unb ®eri$töfprengel feigen 
$flegämter, Ämter, $Peggeri$te, 8anbgeri$te, ©ertyte, $err* 
Wtfttn, ®raff$aften. $)te beiben Unteren tarnen bejetetynen 
eigentlich neu eworbene (Gebietsteile, »erben iebo$ jumeilen 
(fo in ber ßanbtafel Hlbre^tS IV. t>on 1470) ungenau au$ 
für alte $erjoglt$e ®ericbtsfprenget gebraucht. S)er »enDol* 
tungS* unb jugleicb Suftijbeamte für biefe ©ejtrfe Reifet Pfleger, 
nunmehr au# in leiten ©prengeln, too früher fein 33ogt, fon* 
bern ein 9tt$ter toaltete. (Er ift juglet$ ber rnUitärifc^e 
SBefe$lS$aber feinet ©ejirfS unb $at tnSbefonbere baS $er)Og* 
Itye ®$lo§, baS fi$ faft ausnahmslos an feinem HmtSflfce 

1) Hfifrere* Bei ttofent$al I, 304. 

2) ERau toirb biefe ri($terti*e £$8tigteit be« 2anbf#rei&erS, »el^e bie 
JJnflruItion (fteufcurger XXXVIII, f. 104) nt$t eben Kar föUbert, 
bo4 tw>$l auf ©orflfc im $ofgeri$t (ber fonß bem ©ifctum aujianb) ju 
beuten $aben. 3nflruttion t>on 1447, „toie bie ftmbföreiber fortan mit 
ben Sifctumfltobefa $anbetn foflen", a. a. D. XXXTV, f. 32, unb no$ 
unter $. 8ub»ig bem »etyen, f. 202. 

8) B. a. £)., f. 97. 2>em Pfleger ju ©cggeitborf ein drittel unb bie 
$Älfte aller öeri<$t«$finbel. «. a. O., f. 118. 




(jofeitetfr tat : fffcgtr, Kttfrtet 



befinbet, in beiwc&n, in gutem <Stanb ju bottm nnb im ffoöe 
eine* angriff* jn berteibtgen, 3m VKtmÜifyn ift in fetner 
Herfen tan»« bie Hw«g«aft be* fatoltogtf^ Ärtfe« 
e#often. ftenbÄofet.er bie 3wftij feibfl, fo toirb tr an* at* 
8fo&ter ober ftmtoufcter ^eid^ttet. <8* log iebodfc in feiner 
©efwenW, bie »f^tepfiege, matn et bie« »orjog, einem bef*»* 
beten Wktyer m öfcriaffen, nnb in allen gtifextn ffilt&mtvc* 
tft bie« in t>et Kegel fttf$e$en, 3m fonbfifystitöen mnfjte n*4 
einer Äerorbnung fcemrkfc« oon 1446 Jeber Pflege«: einen 
Vinter fcfcen, bete ö$aw>engenoffe unb e$elufr geboren fear, 
gten ©tnnb an na$ feiner ©nfefenng fatte ber lefctere Dom 
f>et|0ge Staut unt>:K$t pt nehmen, bamit bat iwcnst 
eine SHiffetfat oorKme, feine $et}9gerung erleibe x ). 1501. 
fitagte bie Sunbf^üft übet bie bielfa# uimttsgen, nnfä$ge& tmb 
uneWen Unterrichte* ber Pfleger nnb 1507. «mibe erttätu 
toiemo^l laut eine« gretbriefe* ftaifer Subtoig« fem (Sextyt*' 
oorftanb einen UmeiticWet fcoben fofle, fte$e e« in brt gärften 
©ilien, ob er bem pfleget einen Kicker geftatten tooHe ober 
niebt*). 3« ?ffegetn toie »tkbtern foflten nnr Cfrefoteebörene, 
€ble nnb ©awengenoffen befteflt »erben. Die $flcgämter 
ober äuibgeftyte, bte ben Ämtern (officia) be* 13. 3a$t$unbert« 
entforatfren, toaxtn in Meinte »ejirle („ ©iet" ») b. i ®e» 
biete, ober $mter) geteilt, in beren jebem ein befonbemr 
©ert^t*blenet aufgepeflt mar- Die äRigagtung, »eiger bkfe 
nieberen Beamten (bamaW grenboten ober ©bergen) fpatet in 
fo Kobern ®rabe aerßelen, beginnt fi* \$<m in biefem Seit» 
rannt bemeiilty jn mögen. <8anj oerefaqel* trifft man am) 
grauen an ber ©ptfee oon ^flegämtern, fo 1404 Hnna bie 
gtouenbergerin oW Pflegerin ©tep^an« III. ju ftiftbübel, 1448 
Hmolie oon ber Seiter, SBittoe $aul« oon ber Seiter, Softer 
be« $an« opn grauenberg %u $etbenbutg, al« Pflegerin in 

1) Neubörger XXXIV, f. 21. 

2) ftreiset XIU, 184; XVI, 17L 

3) @o im 8anbgm*t 2>a*ait 1442 («rennet, Saab*, fcofwatt*- 
«nb D#rfgawtne, 61); oflkt* in etranbiagtt Saab am 1390; gec Im- 
berg U, 86f. 



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Äaftaet u. ©«amte btt 9tegali«nt>ert*altwia. 686 



«ct^etel ©aWtydnlty WrttStett fld? tiefe gfiHe bäbut<$, 
bog bet &mbe«$ett eine ©etbföulb an betftotbene 8anbfaff*t 
butty Übetttfigung eitle« einträglichen «tute« an bie ffittme ab* 
ttig. Untet tbafytyaft ftoaWtttfimtifdS angelegten fjflrften bütffe 
fl<$ eine betattige $etab»fitbigung be« Hmtefl jum 3^^«^ 
mittel aud(f im SDttttefaftet faum nacheifert (offen, ©ei ben 
©tablettiert, meldte mit ben ^flegämtero auf gleichet ©tnfe 
ftanbwt, etttf prägen 9tt$ier unb Unterti^tet bem pfleget unb 
Stiftet, ffläfrerib in 8anb«$ut bet »wrftonb be« ©ettdjt« 
unter $. $etati$ n<H$ feinen Untettfc&tet $aben butfte *), $atte 
in tWüntyn bet ©tabttttfrtet fett 1410, tote e« fdfreint, ftönbig 
einen Ufttetttytet jut fceite; $iet f^eint ba« ttotetrk$tetamt 
au* bem ®etk$t«f<$telberantt fytborgegangen ju fein 8 ). 

®o $erj»gtt<$4 ©otttönen lagen, war ein Rafienatnt ge* 
6ttbet, beffen ©Grengel mit beut *ßflegamt nicfyt regelmäßig 
jttfamtaeufiel; Jln beffen ©pifce ftanb bet beut Sifctum unb 
fofitet beut Wentmeifter imterfteütc gofalftaattjbeamte, bet ftaftnet. 
liefet *>ar mit bet SBettoaUwtg b« Äammetgut« bettaut, übte 
«u<ty We triebet* ©eti$W6ar!eit Übet bie $et jeglichen Utbct«* 
leute. WK #ilf«6fcamte $atte et im 15. 3a$t$urtbett einen 
ftaftettgegenf^teibet, in größeren Äafteuämfetn autty meutere 
«aftetÄeteitet 

«n bfefe »^Btben teilten ft$ bie tetyflföen ©eamten ffit 
We «ttijefttew gütige fcet SRegalienbettoaltong, fftt ba« 300% 
»Wg*, gotfty 3agbwefen (Obetftferftmeijfct in beiben 
8anbe«te8ett feit bem legten 9ra$t#$ttt be« 15. 3a^imbettt), 
bfe ©f$Äet bet Ittbitclten ©teuetn, bie , tingeltet VW* <&$ret* 
*et bW betfötebetteh ©e$«ben, bie ®egettf^tdbet,>. t :'9le$» 
nung«tebifoten. 81« ti>e$rpfli$tige, berittene ©eamte unb 
»ebienftete $eüttic$« be« ttetyen traben 1443 aufgeführt: 

1)11. 0. XI, 855t Mi R VI, 4G5; Setfattofcmgen b. $i(t. Skttln* 
*on Webtrtalerft VI, 13f. 

% ntüwtfrt xxxvih, f. 9. 

3) ©e$net, ^eityttfcetfafftttig bet ©tabt 9ttn4en, 15. 

4) 8gt 9töfe*t$at I, 348— 355. 3ni Öttatibtager Webettanb 
TOtety* IV. toat bet Wentmtißer }ugta$ Äajhier; Ärcnncr XI, 480. 



686 Cinrfiffer. ©eamteubefolbttngen. 



ttentmeifter, ftafitaer, ©egenföreiber, ftafteulnecfcte, ftrautmeißet, 
$eumeißer, 8anbföreiber, tötetet , 38öner, <8eleit«ne($te, 
8anbri#ter, ®eri$t$f$reiber, ©ücfcfenineifter, SRautner, 3Sger* 
meifter, gorftmetfier, ftutfelwctfler, ©urgfaffen, Überreiter 
(= 9teoierförfter) *)• 

Unter ®igmunb (1465) unb «Ibred&t IV. laffen fidfr jnerft 
bie fe$r beföeibenen Anfänge einet ftefanben 8eibn>a<$e, ber 
ÄuSgangÄpunft ber heutigen $atf<fctergarbe, erfennen in biet 
berittenen Setbtrabanten, ben „ ©nrüffern", toetetye 3a$re*- 
Innungen oon 16—24 fl. begogen 2 ). Der SRame erHfirt fic$ 
barauä, baß gegenüber ber älteren Einteilung in ©leoen, tooju 
Je 3 — 4 $ferbe gehörten, ein eingelfte$enber Weiter ofrte ®e* 
folge unb mit nur einem $ferbe att ettoa* neue* erföien. 

<8elbtö$ne, faft ftet* neben 9iaturatgefäUen, »erben nun 
bom #k$ften bt$ gum nieberften ©ebtenfteten gur Siegel. Der 
Crbmorf^att $an« SJtufcberger erhielt 3. ©. 1466 al« frrgog* 
lieber ffiat unb Pfleger gu Deggenborf ja$rtt<$ 60 $funb SRegen* 
burger Pfennige für bie ©urgftit, ben fjiföbienft unb ben 
3e$nten bon 18 $uben 8 ). Unter #einri# beut Steigen begog 
ber JRentmeifter gu 8anb*$ut ia$rß$ 100 fL ung., ber Äaftner 
bafelbft auger einer SRenge oon 92aturalnu^ungen (u. a. frier 
Simer $ofbter) 40 $funb Pfennige, bagu oon ben Äbten bon 
Setyenftep$cm unb ©feiern je 1 $funb Pfennige, fron erfterem 
aaäf ein $aar gilgfäufre, bie Wate be*felben görften begoge* 
60—100 $funb Wennige, 100 fl, 120 fL, ber STOarf^afl 
200 fl, ber $err oonHbenflberg att $ergoglkfcr Diener 300 fL *). 
Äonrab fron §eibecf begog 1457 at* Pfleger gu dngolftabt 
300 fl. al« ©olb unb ©urg$ut, ben oierten Pfennig oon ben 

1) ftetyftarifrh», aRnßcnragen I, f. 50. 

2) 1465 in bem oben erahnten tottonrf gut Drbmrag be* $on*» 
foltt, 1468 in 9rfi«U Kennug, 208 f. %n bie 6teOe bet flamm* 
„fcinrfiffer" tritt balb baranf ber gtatfbebentenbe „©nfitfnnige". 

3) «rroben IV, f. 56. Sityne oon $ofWenern um 1190 (fto$ 
g. ©. |S$rli* 4 $fnnb Pfennige) f. Bremberg II, 151f. 

4) ttenburger XXXVHI, 1 11,1. 143f. 146; «icr oide tod- 
tm fiityne. 



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9te$tft>re$ung. 



687 



©eric$tt$anbeln unb anbete 9tufcungen 0* Unter «brecht IV. 
erhielt ein SBifetum jährlich 100 fl. rhein., ebenfo Diel 1468 
ber «analer »Wfler, We »äte nteift 50 fl. rhein., ber ftrjoglid&e 
ßeibarjt Sßeifter ©igmunb 32 fL rhein. 1468 mürben unter 
Wefem gürften an ©efolbungen für ba$ tägliche f>ofgefUibe 
nnb bie auswärtigen Wate 1076 fl. rhein. unb 158 $funb 
15 Pfennige ausgegeben '). Hfle ©eamten leifteten ben Sreu* 
eib ober ftatt beffen ein f>anbgelübbe ; unter «Ibrecht IV. totrb 
fogar beffen „gefrorener Setbarjt', Dr. 3ohann JRuelanbt, 
aufgeführt *). 

3)ie Ötechtforechung toar in ©aiem toährenb biefed ganjen 
3eitraum* leine einheitliche. 3n jenen Seilen be« 8anbe«, meiere 
gur geit »atfer Subtoig« SßieberBaiem gebilbet hatten unb bann 
in ber $auptfa<he mit ©aiern*8anWhttt unb ©aiern*©traubing 
jufammenfielen, urteilten in ben ©chrannen ber heraoglt^en 
Sanbgerichte toie ber $ofmarf*gerichte ©chSffen, neben einjelnen 
Äbeltgen fibewiegenb ©auero, nach ungefchrtebenem Stecht, n>ie 
e* im Soltebetouitfein lebte, dagegen toarb in Dberbaiern, ba« 
im öffentlichen ben 8anbe«teilen ©aiern*3ttünchen unb ©aiern* 
Sngolftabt entferach, toon richterlichen ©eamten, Pflegern ober 
{Richtern, nach bem fianbrechte ftaifer Subnnge ba« Urteil gefallt. 
Da an ©aiem^SHünchen auch Seile brt alten 9Heberlanbe*, 
an ©atern*8anb*hut aber faft ba* ganje Sngolpbter Sanb 
gefallen toar, erftredte {ich biefe Ungleichheit ber dtahtfprechung 
fogar auf ba« Sanb eine* unb betfelben Sürßen. £u* jebem 
ber beiben Kechttgebiete vernehmen mir jutoeilen tyxb ab* 
fprechenbe ftritil Ober bie WechWpflege in bem anbew Seile, 
©ährenb bie 8attb*huter Wate ftaifer Subtoig« Einbrecht, auf 



1) ©efteunngGbrief bei Äleentann, <&fc$. ber geftoug 3nfloljtabt, 13. 

2) unb «ecfrmng be« ftammerföreiberft ^tSfcl ju 1468 
(©efien riebet V, 207—210), »o Diele 23$ne aufgeführt toerben. *U 
SWaßfiab bc9 (Selbtoette* fei enro^nt, ba& eine fe^tfigige Steife $erjog 
«tbrety« IV. mit einem Qefofge Don 52 gerben 14 ft rhein. 38 & 
81 h tojiete. «• «. O-, 202. 

3) M. B. XXXVb, 428. 



688 



©eri<$Wberfaffttng. 



beffen ungef<$m5lerte Öeoba<$tung matt bon ingolftäbtfk&et 
©ette brang, fcrabfefeten unb bemfelben aortoarfen, etft^e feiner 
«rtifel berftiegen toiber gemeine« 9ie<$t unb flute bitten J ) f 
ftnbet man auf ber anbem ©ette bte «nfld&t ausgeflogen, 
bog eS ntdfrt übet märe, ben armen ©auertmann im SRieber* 
lanb bei feiner ftelbarbeit ya bclaffeit f tooju er oftte 3»eifel 
„nufcer unb gefdfridter 41 toare als jum Urtettfpredfren 2 ), flnbet 
man au$, bag SSeit Don SESrrtng t>on Äaifer griebridfr 1491 
eine Serorbnung ertoirfte, toona$ in feinen Gerieten 3etten* 
bac$ (bei ftratburg am 3nn) unb ©eefelb famt ben baju ge* 
hörigen $ofmarf$gert$ten , „loo bisher ber ®etoo$n$ett na$ 
ber 9?e$te ummffenbe Urteilfpred&er na<$ tyrem ©utbünfen ge* 
urteilt Ratten u , fortan na# ©afcung unb Crbnung beS SanbeS 
©aiern, b. ff. na$ bem Sanbre^te ftaifer 8ubn>igS, gerietet 
toerben foöe s ). 3)te toieberfcolten fjorberungen obetbairifdfrer 
ßanbftanbe, bag bie Stifter fi<$ genau an baS 8anbre$t galten 
follen, befonberS au# in ÄuStneffung ber ©trafgelber *), beuten 
jeboc^ barauf $in, bag ber oberbairifdfre Wtc^terftanb felbft 
manche ©fifce biefer ®efefcgebung als veraltet ntd&t me&r in 
Hntoenbung bringen mochte. 3m allgemeinen aber n>ar offen«* 
bar ber SRieberbaier ebenfo ftolj auf feine ©auemre^tfprec^nng 
nad& ungefd&riebenem 9?ed^t als ber Oberbaier auf fein We$tSbu$. 

Sieben biefem großen ©egenfafc in ber (Einrichtung ber 
(Beriete beftanb befonberS in ben ni$t lanbeS$errlic$en ©prengeln 
eine güfle oon Heineren lofalen SBerföiebenfcüen, meiere fh$ 
au$ nt$t anntyernb betreiben lägt. 3n ben $ofmarf** 
gerieten toaren in ber Kegel jtoölf ©d&Sffen bie UrteüSfutber. 
3n ber $ofmatI S^ierfaupten mürben biefe 3nälfer fo»o$l 
auf ben 8anbeS$errn als auf ben ®runb$errn, ben «bt t>on 

1) «rentier XIII, 131. 

2) 3n ber 1532 verfaßten „fttyföen «njeignng"; *gt Hofen t$al, 
©ertdjtStoefen I, 88. 

3) <5$mel, ttegeften St. gtiebti^r 9hr. 8635, too fiatt Irtenpach 
Jeteupach ju lefen Iß. — ©eefelb am Jttlfenfee gehörte übrigen« immer 
ju Oberbaiern. 

4) U. a. Ärenner I, 164. 165; V, 326. 



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Sanbgerify $itföberg. 



«8» 



S^ierfrmpten, t>ereibtgt. 3n ber freifingifd^en ®raf fd^aft ©erben* 
fei* »aren (1431) 72 SBauetn vom ©tföof „jur ©#ranne 
belehnt" ; biefe fafeen jäfcrlicb jtoeimal, im 3uni unb SRovember, 
auf ber ©cbranne ju Oarmifcb *u 9?ed>t. 5E)er Startmann burfte 
$ier ben ©runb&olben leinen Winter ^ereinfefcen; biefe felber 
er mähten fi# auö tt>rer äßitte einen folgen, ben bann ber Pfleger 
namens ber $errf$aft nur betätigte. 3m n>etbenfelfif$en 
ÜWittentvalb n>arb bagegen bie ganje ©emebibe ju ben ©ericbtä* 
jungen entboten, bi$ ©ifdjof ©ijrtuä von Reifing auf tyre 
©efctyroerbe 1485 gemattete, ba§ immer nur jtoölf SWann ju 
Stecht ftfcen foüten, unb biefen 3®ölfern eine ®elbentf$äbiguug 
für ifcre 9?ecbtfpred)ung (2 $funb ©erner) juerFannte 1 ). 

3n bem ®eri$te ber Oraffdjaft ^irfdjberg fyrtte fi$ au<$, 
nadjbem eä fcerjoglitb geworben, ein .freie«", b. nur von 
©oüfreten, von äbeligen befefcteä ßanbgeric^t erhalten, ba$ nic$t 
mit ©runbbefifc verfnüpft roar (vgl. ©b. II, ©. 268), ba$er 
ben ßfcarafter eine« föniglicben 8tmte$ beutlid>er ju betrauten 
festen, fiberbieä feit 1304 beä Privileg* de non evocando fi$ 
erfreute. (S$ erftreefte feine ©etoalt über eine 9?et$e von 9?eic&3* 
gebieten unb befonberfl über baä flricbftäbter Territorium ; jeber 
neugematylte (Sidjftäbtet 2Mi$of mufcte fieb perfönlicb an ber 
$irf$berger ©Granne bie ©eftätigung feiner Privilegien er* 
$olen 8 ). 8uf eine anfrage Submig* im ©art verfünbete 1398 
ber Sanbricbter ber ©rafföaft frirföberg, na<$ altem $er» 
fommen bürften $ier nur ffiappengenoffen mit eigenem ©ieget 
3U 9ted>t fißen ; nur tpenn einet ober jtoei feiere fehlen, fönnten 
biefe Dom Sanbricbter burc$ 9teicb$bfirger, „bie tveber an bet 
(Elle no$ SBage verlaufen no$ an ber ÜJia§ fd&enfen", alfo 
$atrijier, erfefct toerben 8 ). 92ad^ einem Privileg Äaifer fjrieb* 

1) ©ritntn, Sertürner IU, 202. 657. 659. 168. 170; ©aber, 
€$ronit be« SWarfte« SRittentoatb, 29. 

2) ttofentbal I, 100. 107. 108. 

3) K. B. XI, 138. Äaifer Snbnrig« Orbnung für ba« Sanbgerity 
$irf<$berg von 1320 f. bei JE rennet, Sanb- nnb $oftnat(Wgeri<$te 58; 
Sammlung ber tm^tigfleu Urtunben in (3<lfUtt$) „®ef<ti<$t* unb 
attenmS&iger Unterricht von bem Sanbgetitfct unb <$raff$aft $irföberg^ 
1751. 

«iejler, Oeftittte »atmt«. m. 44 



680 



$>ofgm($t. 



tic$« bon 1447 ging bic Äppeflation ton biefem (Script an 
ba« $ofgert$t be« SWfincfyter $etjog«. 

£>a« $ofgeric$t, ba« au« einet 8toja$t fütftlfc&et Wate, 
au«na$m«n>eife au$ anbeten «beiigen unb ©ßtgetn, unter beut 
aSorfifce be« 8anbe«$ettn ober feine« $ofmeiftet« (unter $et)og 
®eorg unb au«na$m«»eife au$ fonft be« aJiarfäatW), in ben 
äufjeten Bifctumfimtetn abet be« a3tfctum« beftanb, bilbete Me 
$ö$ete 3nftana für bie Berufungen fcon ben Urteilen bet ©tabt*, 
8anb* unb $ofmarf$geti$te, bie etfte 3nftan$ für bie 6trett* 
fachen bet abeligen unb getftti$en Sanbfaffen. 3n SRiebetbaietn 
etffyint unter ben $etjogen gtiebtic$ unb $einri$ bet $>of^ 
meifter au$ al« befonbere ®eti$t«be$8tbe für bie dttben l ). 
Unter ben SDWtac^net $etjogen Iaffen ftc& f#on feit 1432 teget 
mäjjige Cuatemberftfcungen be« $ofgeti$te« nactytoeifen 3 ). 8uc$ 
Subtoig bet Weiche beftimmte 1474, ba§ fein $ofgetic$t an ge* 
toiffen Sagen viermal im 3a$te ba, too et fi$ eben auffielt, 
tagen, baf? Jebo<$ bie bei $of Kegenben ungefertigten Urteile 
innerhalb fpateften« fec&« «Bochen etlebigt unb bie babei be« 
teiligten {Rite namentlich aufgetrieben »erben foQten. Um 
uberpffige Äppellationen gu t>et$inbetn, wotbnete et, bafj ber 
betlietenbe Äppellant bet (Gegenpartei ®eti$t«foften unb 3*$* 
tung )u etfefcen $abe; no# toeitet abet ging #erjog ®eorg, 
bet |ebem, bet Berufung einlegen tooflte, einen (gib bot offenem 
®eri$t auferlegte, bafc et bie« nut um göttlichen Steckte« tpiflen 
tfyie, ni$t um ben Segnet ju fertigen ober $inju$alten 
JMagen über lanbtf$ettli#e ©eamte foQten na$ bet (Beriet* 
otbnung ®eotg« &on 1491 bur$ ben pfleget ober Stiftet 
(felbft toenn fte fid& gegen biefen felbft richteten) oor be« fcetjog* 
georbnete SRäte bei $of, ben äRat|<$aa, Äanjlet unb anbete 
gebta$t »erben *). %u$ jut (Sntföeibung aller gegen ben $etjog 
felbft getöteten «nfprfi^e bilbete ba« $ofgeri#t ben otbent* 
lityn ©eri$t«$of. Die $ö$fte Onftanj abet toat bet 8anbe* 

1) B. B. xn, 243. 

2) Sgl. «oftnt$al I, 150. 

3) Ärenner VII, 431. 489. 509. 511; XII, 341. 

4) «. a. O. XII, 337 f. 




Saubgeritye. 



tytx felbft »l« bie ©tänbe forberten, bajj lein ©trettfytnbel 
aujjer$alb feine« juftanbigen S3ifctumamte« gejogen »erbe, er* 
Harte »Ibred&t IV., et müffe fic$ borbe$alten in befonberen 
gältet jebermann in eigener $erfon bor fic$ ju laben, »olle fi$ 
aucty ba« JRectyt nk$t nehmen taffen, bafj bon ben Urteilen feiner 
{Rate an i$n awefliert »erbe ober bajj er felbft aweUiere 
gubttrig ber Weiche behielt \\<$ bor, SCobeäurteile, bie ein SRic&ter 
gefällt, burety ©egnabigung aufgeben; bie in folgen gältet 
auferlegte ©elbftrafe fyitte ber Bifctum ju ergeben *). 

2)te S3er$anblungen ber ^erjogli^en Sanbgertyte fanben in 
ber Siegel ettoa alte bteraefyt Sage ftatt. „«n offenem Sanbe«* 
rec$t, ben ©tab in ber £>anb unb ben gefrorenen ©Treiber 
jufamt beut ©u$" 8 ) an feiner ©eite, fo faß ber oberbatrifd&e 
Pfleger ober 8anbrt#ter ju ®eri$t. Sieben tym in ber {Reget 
fünf ®eri$täinfaffen at« SBeififcer, toel^e aber nur in gältet, 
über bte ba« 8anbre#t m#t entfäteb, al« Urtetl«finber einju* 
greifen Ratten. Der Sanbric&ter reifte mit beut ©ertc^tföretber 
in feinem Smtdfprenget fcrum, um an ben einjelnen ©d&rannen 
<8eri#t ju galten. 3n SRteberbatem fcatte ber {Ritter nur ben 
S3orftfc unb bie Seitung ber 83er$anblung, bie Urteilsfällung 
fear @at$e ber jufäütg antoefenben ©er id^t^inf äff en ober genauer: 
ber bom {Ritter au« tyrem ftreife fär jebc S3er$anblung be* 
fonber« ernannten „83orfprec$er be« {Renten*", beren Urteile 
borfdfjlag bie SKenge juftimmte 4 ). Um eingeriffener Unorbnung 
ju fteuern, berorbnete 8ub»tg ber SReid&e 1474, baf ieber 
Pfleger au« ben efcrbarften Sanbfaffen unb Sanbfieblern feine« 
®eri$t«forengel« eine 8lnja$l Urteiler unb 3?edWprec$er, min« 
beften« 15, $8d&ften« 41 auffteöe. Unter btefen burften, fofern 
(Ebelleute unb ©ärger bie Sanbföranne befugten, au$ einige 
SDtänner au« btefen ©tänben fein 6 ), toenn flc ni$t J>artetifc$ 



1) Ätenner XVI, 144—146. 273. 298. 

2) «. a. O. VD, 479. Sgl oben 6. 681: Sifctmn$Snbel 

3) eo bie Urtunben, n. a. M. B. VUI, 570. 572. 

4) «gl ttofentfal, Öeti^Umefen I, 70f. 92. 93. 

5) ©a* nur ber bisherigen $ta#« entfera*. »gl M - B - xv * 348 > 




692 



2anb- nnb ©tabtgerifye. 



unb »Ott feinem Seil gemorben maren. 8u$ bie Untergebenen 
M pfleget* unb Winter« , bie gronboten, beren ?abung«# 
gebühren bamaW neu feftgefteüt mürben, foüten nur bur# ben 
$erjog ober beffen ©tefloertreter aufgenommen nnb bem Sanbe«* 
berrn Dereibigt merben. ©ei Jebem (geriet mar aud? ein 
„frommer nnb reblic&er" Oertc&tfc&reiber }u beftcflett. JMefer 
$atte ba$ Urteil nieberjufäreiben unb, mie bie ©erufcWoromrag 
bon 1491 beftimmte, ba$ niebergeföriebene au$ laut ju 
beriefen l ). ffiie bie Urteile mürben aueb bie ©erfcanbtungen, 
femer Suflaffung Don ®runbeigentum *) u. bgl in ®eri(btS* 
büt&er eingetragen s ). 3n ben ©täbten nnb STOärften be« 8anb«* 
$uter leitt Ratten na# einer Berorbnung $etnri$$ beä Steigen 4 ) 
fämtlid&e ©ürger unb hrfbejonbere bie »aW^erren ben ®eri$t** 
fangen bequmofcnen. tluc$ bie ©tabtriefcter mürben Dom 
$erjoge, in ber Wege! auf S3orfc$lag be« ©tabtrate« ernannt. 
3&re flompetenj mar infofern befdjränfter aW Jene ber ¥P*W, 
als eine beftintmte Slrt Don $rojeffen tynen entjogen nnb Dom 
©tabtrat entföteben mürbe. Slucb bie niebere ®trafgert<$t$bar* 
fett mürbe in üßüncben bem ©tabtgeric^te abgenommen unb 
einer Siattbeputation, bem ©ufcamte fibertragen, ba6 jum erften* 
mate 1364 erföeint unb beffen SBitglieber att ©ufcfcrren ober 
©u&meifter bejeidjnet merben. 1433 mürben bie Dörfer Der* 
einleiten ^olijeiftrafgefefce ju einer ©u&orbnung jufammengefagt 6 ). 

SWo# behaupteten fi$ SKönblic^feit unb Öffentlich at* 
bie befcrrföenben $rinjtyien be$ ^rojeffe«. (Ein altertümliche« 
©emeiämtttel, ber geridjtlitbe ämetfampf, ift bi«inba$ 16. 3a$r* 

too al* ©etfifcer be* <8eri<bt* \n «Ottenburg 1456, jtoei „melfe nnb fefle", 
bann feefc* „e$rfame, befaeibene" genannt toerben. 

1) Ärenner VII, 422f. 479 f.; XII, 337; togl. 277. 

2) $ertr8ge Aber ©runbeigentnm foüten an offener ©Granne, „ntdfrt 
in ©tafeln" (baber ©infettfinfe) abgesoffen »erben. $gt. Meichel- 
beck, ChroD. Benedictobur, p. u, p. 192. 

3) Hofent^at, <&erubt«»efen I, 66. 

4) »ei Äofent$at, ©eitrige gut bentf^en etabtre4«gef*ü$te I, 
204. Über bie Urteil«finbung ber SWfonbner «fite nnb ©Arget fWfre 
©e$ner, Oeri^WDerfaffnng ber ©tabt äRtonfreu, 29. 35. 

5) ©e$ner a. a. D., 10. 31 f. 




@etufctU<$e« Stefanen. 



hunbert hinein f nad? mie öor Jeboch nur feiten unb ftet« nur 
jmifcben »beiigen, jur ftamenbung gefommen 1 ). Über bie Ärt 
ber ä^fl^öerne^mung erlieg Wbrecbt IV. 1489 eingehenbe 
83orfchrtften 2 ). SBebeutungäootl mar ba$ irt ber Sanbeäorbnung 
8ubmig$ be$ Weisen oon 1474 an bie ritterlichen Jöeamten 
erlaffene ©ebot, bei ©iebftählen f auch wenn ber Jöeftohlene 
leine Slnflage ergebe, oon SlmWmegen oorjugehen. fnemit ge* 
mann im Strafverfahren ba$ Unterfuchungäprinjip, ba« in 
SDifinchen febon ju SÖeginn be^ 15. SahrhunbertG, tote e$ fcheint, 
angenommen mar, bie Dberhanb über ben SUrtlageprojefc 8 ). 
£)ie burch bie farolingijche ©efefcgebung eingeführte „{Rügung 41 
(inquisitio), monacb auf ©eftagen beä {Rtcbterä ieber ©erichtä» 
infaffe eiblich anjeigen mußte, ma$ ihm Don Vergehen unb 
Übertretungen jur fienntniä gefommen mar, mußte für bie ®e* 
tneinben eine nie oerfiegenbe Quelle be$ Unfrieben* unb nach' 
barlidjen $affeä biloen. ©ie mar baher f$on burch ben 8anb* 
f rieben öon 1300 auf bie brei febmerften Verbrechen eingefchränft, 
burch Äatfcr tfubmigö 8anbrecht für jene oberbatrifchen ©erichte, 
mo fie noc^ befianb, ganj aufgehoben morben. Wibrecht I. 
folgte bem ©eifpiet feinet SBaterö, inbem er ba$ {Rügeoerfahren 
juerft (1355) für bie ©tabt Straubing, 1365 aber in feinem 
ganjen ßanbe abraffte 4 ). Da« »f tytreebt „fomohl in alter mie 
neuer gretung" mürbe burch ben Sanofrieben oon 1352 6 ) für 
alle f$äbli$en Seute, {Räuber, ©renner, SRörber, Diebe, auf" 
gehoben, mad boch nicht heberte, baß noch ber golge neue 
„greiungen" gefchaffen mürben (fo 1416 oon Heinrich bem 
{Reichen für {Rieb auf öierjehn Sage t>ox unb nach bem 3 a &** 
marft) 6 ). 

Die oon flatfer gubmig eingeführte Nötigung, ba§ jebe 
gartet oor ©ertcht mit einem SBorfprecher ober {Rebner ({Rechts* 

1) e. u. a. *rnpe<t, c. 420 ju 1488; @t*<£$r. IV, 231 ju 1409. 

2) Ärenner IX, 5f. 

3) Ärenner VII, 495; Sehnet, 26. 

4) t>. Serflenfelb, greibriefc, 25; töofenthal, ©etttfige I, 267. 

5) 3n Pödingers Einleitung ju ben tanbjtfinbif$en Freibriefen, 
»mn. 521. 

6) R. B. Xn, 216. 



694 



»orforecfcr. 



anmalt) erfreuten mujjte, fcheint allmählich toeggefatlen ju fein. 
Denn 1484 [teilte «Ibrecht IV. ben 2Jltfjbrau<h ab, tag »or* 
fprecher auch oon einer gartet, bie t^re ©a$e oor ©erfcht 
felbft geführt hatte, ihren 8ohn forberten. Plagen ber 8anb* 
ftänbe über bte mafelofen gorberungen ber $orfpre$er Ratten 
biefen gürften fd&on oorher (1480) veranlagt, Stellung nnb 
Sofrt berfelben bur<h ein Sanbgebot neu )u regeln. Seber 
Pfleger feilte bemnach bei feinem Sanbgericht jtoei taugliche 
©orfpred&er beftellen, bie beften, bte er finben fonnte; btefelben 
tourben in eibliche Pflicht genommen, mußten auch frören bie 
feftgeftedten Sagen (für bie erfte ff läge 20, für bie jtoette 40 
Pfennige nnb ebenfo otel für Jebe »eitere ©erichWfifcung) triebt 
jn überfchreiten. Sinnen, beten Dürftigkit belannt ober oott 
ihnen befchtooren toar, foöte bie {Rechtshilfe ganj loftenlo* juteil 
»erben 1 ), Stach für SRteberbaiern tourbe burch Öubtoig ben 
{Reichen (1474) oerorbnet, baß an Jeber ©Granne jtoei beeibigte 
SBorfprecher aufjufteflen feien. 3m Sngolftäbtifchen müffen bie 
SBorfprecher trofcbem eine 3ett lang abgefd&afft getoefen fein; 
erft 1489 tourben fte auf ba* Drängen ber ©t&nbe toieber 
jugelaffen, bo<h mit fcrabgefefctem ©olb. Die ®ericht*orbnung 
®eorg$ oon 1491 erflärte ieboch au6brü<fli$, bajj ed iebermamt 
unoertoehrt fein foUe bor Oerid^t für fich felbft gu fprechett 
Diefelbc Orbnung legte ben gürfprechern auf, langfam, laut uttb 
nicht* ÜberflüffigeS ju fprecfcn unb befeittgte ben gefährlichen 
SJitfjbrauch, bag bie gürfprecher fleh auch an ber UrteUäfinbratg 
beteiligten*). Hl« bie rechtfoerftänbtgften Seute tourben bie 
83orfprecher nicht nur bei ^tojeffen fonbem überall, too fleh 
um SeftfteOung oon Siecht unb $erfommen hobelte, jurate 
gesogen; fo erfötenen bie ©auern brt Xtyd4 ©ranbenberg mit 
ihren jtoei S3orft>rechew oor bem 9tattenberger {Richter, al« 
berfelbe auf ber @<hramte ju ©reitenbach ein föetätura über 
ihre alten Stechte aufnahm *). 

1) 1507. Ä renn er XVI, 376. 

2) »efonber« Ätenuet V, 334; VH, 425; VIH, 347. 395; IX, 
446; XII, 277. 338. 

3) £)ftoreic$tf(h€ ffici«thüraet n, 135—138. $on ben ©orforc^ern 




(Sbofotionfyriüttegien. 



Dag ber $erjog felbft bcr föniglitfcn ®eri<$Wgen>ait untere 
toorfen fear, betonten in biefer <5poc$e 8ubtotg im Satt, $etnri$ 
ber 9teic$e, ?ubtoig bcr 9?etc^e f Slbrec$t IV. ju füllen. 3n>ar 
forac$en bie (Soofationfyrtoilegten oon 1417 unb 1443 bie 
greift bc« $erjog$ oon ber tfabung an ba$ Knlglictye $of* 
geriet au$, bo$ tonnte fi# btefe ©efreiung nid^t auf ftlagen 
erftreden, meiere 8eib unb <S$re, gefan unb <5rbe berührten. 
3n biefen ferneren ftänbeln ber dürften bnrften jeboc$ na<$ 
altem beutföem ©rau$ nur gürftengenoffen al« Urteiläfinber 
»alten 1 ). 

Dagegen toaren auf ©runb toieber^olter fönigltd&er $ribt* 
Iegien bie Untertanen ber bairifäen $erjoge befreit oon ieber 
fremben ©eric^Wbarfeit, inäbefonbere ben löniglic^en $of* nrie 
8anbgeri#ten. ftarl IV., ber ©aiern fonft fo oielfa# gef<$äbigt, 
toar ber erfte beutfe^e $>errfc$er, ber ben bairifd&en §erjogeit 
unb tyren Srben (1362 , San. 15.) „in Hnfe^ung be* eblen, 
alten unb toürbigen ©tamme* ber Sürßen oon ©aiern, fo ein 
85nigrei$ geioefen", ein (Soofationfyrtoileg »erlief: abgefeiert 
oon gaflen ber SRec^Möewetgerung foüten bie bairiföen Unter«* 
tränen nur oor tyren ^eimifc^en ©ertöten ftc$ oeranttoorten 
unb toeber an baä $ofgeri#t noc$ an ein anbereä atetd&fr ober 
8anbe$geri<$t gebogen »erben bürfen 8 ). <S« fe$lt nic$t an ©e* 
toetfen, bajj biefe gretyeit anerlannt tourbe. 81« bie bairiföen 
Sanbfaffen SBernfcr unb 3flrg bie SEBalbetfer auf ftlage be« 
©urggrafen $aug oon ßünefc oor ben faiferlid&en $ofri$ter 
©rafen 3obann ton Supfen geloben nmrben, erbob $erjog (Srnft 
(1434) mit (grfolg ©nfproctye; ber latferltctye $ofrtc$ter er* 
tonnte an f bog ber $anbel auf ©runb ber !aiferlt$en gretyett«* 
Briefe oor be« Qerjogf ©eric^t ju jie^en fei, unb [teilte nur 
bie ©ebingung, bog bem ftläger binnen fec$$ 2Bo$en unb brei 

untertrieben flnb bie „Sfoioetfer", gefefctt($e Vertreter ton ©tttoen, Un- 
münbigen unb Älerttern. ©. ttofentfcat, <8eri($t$toefen I, 92. 

1) »gl. ttofentfcal, ©eri$t«n>efen I, 15 f. 

2) tteubnrger LXXXVII, 12; £>tcnf$tagcr, (SrUbttertrag 
ber ©otbenen «utte, 118. 3m @t.»«. folgt auf biefe« ?rlbtleg ba« »on 
1417, mit bem eine gefötoflene ffletye eröffnet wirb. 




Reflation an bat ftd$tgm4t. 



Sagen fein 9te$t miberfafre 1 ). ®leic$mo$l $at bie »erlefcung 
biefer Privilegien, befonberä bur$ ben Burggrafen bon Stürn* 
tofr jafyttofe ©efd&merben fceroorgerufen. 3m ÄBege be$ 9fe$t** 
juge«, na$ (grfäöpfung ber juftänbigen bairifd^en 3nftanjen, 
lonnten jebo$ 8lec$t$ftreitigfeüen an baä föniglic&c #of geriet 
gebraut »erben. (Srft unter griebricfc III. begannen bie baU 
rillen $erjoge Privilegien ju ermirfen, meiere tynen allmtylty 
unb auf Umtoegen au$ bie gretyeit bon Jtypellationcn an ba* 
9iei$0geru$t fieberten. 3 unä( W erhielt £>erjog ©eorg biefe« 
Prioileg für äppellationen bon ben ©eiurteilen ober 3nter* 
lofutorien *). 

©aß bie Ötec^töpftege an ferneren ©ebred&en franfte, jeigen 
bie immer mieberfcolten ©efetymerben unb gorberungen ber 
Sanbftänbe, ju benen faum ein anberer ®egenfianb fo rei<$* 
liefen unb regelmäßigen Änfag bot. ©iefe ©efämerben gal* 
ten teil* ben (Singriffen frember (Sericfye teils Übetftänben r 
bie bei ben einfceimiföen jutage traten. S3on ben auf- 
gehellten (Singriffen ber meftfälifctyen ®eri$te, beren $ö$e* 
punft in bie Dreißiger unb ©ierjiger 3a$re be* 15. 3a$r* 
$unbert$ fallt , $at unjere (Srjä&lung mieber^olt berietet'). 
Veranlaßt unb ermöglicht mar bie ffiirffamleit ber 33e&me ba* 
burc$, baß ber 9?ec^tdfc^u^ ber ein^eimiftyn (Senate unter 
Umftänben fein böüig genügenber, ber be$ löniglicfcen $ofgeric$t* 
aber meiftenä gerabeju Uluforifä mar. (£$ läßt fic^> ntd>t &er* 
fennen, baß bie 83e$me jumeilen burefc »uGfüllung biefer Sfide, 
Ja föon burety ben bloßen ©Breden, ber fu$ an i&re SSor* 
tabungen Inöpfte, mofyU^ätig mirtte. ftafpar ber lörringer, 
ber feinen ®egncr f $erjog #einri#, bor ber Seltne berllagte, 
ba er bor bem Äaifer fein SRec&t nic$t finben fonnte, fcat burc$ 
ben (Srfolg biefeä ©dritte« bie auägebetynte SBirffamfeit ber 

1) »eiWatcpto, Serrföaft $o$«iti>aIbc(f. 

2) 1480, 3uli 10. @t.-Ä. »gl. and) «ofent^al, ©ert<$t«»efen 

I, 12. 13. 

3) «gl. oben, ®.290f.; Sinbner, 2>ie Seme; <&eiß, ©eitrige jur 
©ef$. b. toeflffil. Geriete in ©aicrn, Oberbaar. «r*io XII, 188 f. unb 
Reiferer, «eitrag, ebb. XXI, 150f.; Hofent$al I, 24f. 




SQÖirtfamteit bcr SBc$tngeri<$te. 



«97 



»eftfälifd&en ©ertöte in ©aiern eingeleitet, gretfe^öffen ber 
©efcme finben fic$ feit 1424 unter Dem balrifcben »bei, unter 
ben $erjogltc$en ©eamten unb SRäten; bie $erjoge felbft, 8ub* 
toig im ©ort, ^einrieb ber Steide, SBityelm III. liegen p# 
al$ §reifc$8ffcn aufnehmen unb manbten fiety al$ Äläger an 
toeftfälifc^c greiftüfcle. üBünc&ner {Bürger luben ben ©tener 
©tabtrat, ein bairiföer Pfarrer unb fein ©ruber luben bie 
©täbte SDWtylborf unb Eittmoning, ein Dom 8bte oon Sürften* 
felb au* feinem &$en6gute vertriebener ©auer oon Stauf, 
Ulric$ (Srfcart, beffen langwieriger unb oertoief elter $rojefc be* 
rü&mt ge toorben ift f lub feinen 8bt, {Ritter unb ©emeinbe oon 
äßefcrmg, juleftt fogar feinen 8anbe$fcerrn, $erjog Sllbrectyt IIL 
bor ba$ 33e$mgeric&t. Über ben üKt§braud^ unb Unfug, ber 
ft$ an biefe gabungen na$ ffieftfalen Fnüpfte f brausen toir feine 
©orte ju verlieren. (Sine toirffame {Reaftion erfolgte unter 
Submig bem Weisen unb älbrecbt IV., intern Sanbgebote (1456, 
1469, 1474) l ) ba$ lanbeö$errlic$e Stecht auf Abberufung einer 
Sabung von ben greiftfifclen in Erinnerung riefen, am 23. 2Wörj 
1469 einigten ft$ Suburig unb 8Ubre$t ju 8anb$$ut bafcin, ba& 
Urteile ber toeftfälifäen Oericbte in tyren fonben feine ©titig* 
feit $aben follten; SBtbertoärtigfeiten, bie tynen beäfcalb juftiefcen, 
»Otiten fie gemeinfam entgegentreten na$ 3n$alt tyrer Sauinger 
ßinung oom 5. ©ejember 1461 *). Übrigend fcatte gleich ber 
erfte SRatfölag ber ©tänbe unb {Räte oon 1444, ber gegen 
biefe ©orlabungen (fotoeit fie nid>t bur<$ SRec&täoertoeigerung 
im dnlanbe begrünbet maren), mit Strafe oorjugefcen empfahl, 
ben tounben Sied getroffen, inbem er riet ben (Singriffen ber 
fremben (Beriete babureb entgegenjutoirfen, baß bie ein$eimif#e 
SRe($t|>rec$ung eine beffere »erbe, ba§ niemanben im Sanbe ba* 
Stecht oertoeigert ober oer3Ögert »erbe *). s Jio$ aber toaren 
bie (Singriffe ber 93e$mgeri$te niebt böllig abgefteflt, al$ bie 
©orlabungen be* ÜBarfgrafen 8lbre$t oon ©ranbenburg bor 



1) @ei&; Ärenncr V, 375; VIII, 496. 

2) ©e$. ©iaat*ar*h>. 

3) Ärcnner I, 163. 164. 



«96 



©ebtefyn bet 9k($t$l>flegc. 



fein faiferltye* 8anbgeri$t neue Wagen bet Stäube fctbot* 
tiefen, Such na$ betn SDiarfgrafenfriege, bet Subioig bem SReufcn 
buxd) bie branbenburgiföen ©etid^tdanf^tüc^e aufgenötigt tonrbe, 
finb bie Iefcteren unb bamit bie 9ef$merben bet bamföen 
Untertanen no$ triebt fogleich tum @c$tt>etgen gebraut toorben. 

©e$r häufig lourben auch ftlagen übet ungeeignete ober im* 
jureichenbe SBefefcnng ber (Beriete laut. ©o Hagten bie ©trau* 
binger ©tänbe 1437, 1438, 1458, bafc bie (geriete nicht rebtfah 
befefct feien mit Urteilero, S3orfpre(hern unb anberen, bie )u ben 
JRethten gehören £>ie ©tänbe «Ibrcchtt III. tottnföten 1444, 
fea& Stifter gefegt merben, bie ba* fliegt oerfteh« unb fi<h beffen 
befleißen na$ 3nhalt „be* fbuty" (be* oon ftaifer Subtoig 
ertaffenen Soubrette*), ba* fie bo<h betören hätten, j[ene 
«lbre<ht$ IV. 1468, baß bie ®eri#te oom $erjoge felbft mit 
vernünftigen unb reblic^en Beuten unb ffiappengenoffen befefct 
n>ürben s ). Sei allen biefen ftlagen unb fiffinföen tft jum 
Zeil an unfähige ober auch unrebliche ©eamte ju bentot, noch 
häufiger toohl an grembe, bie nicht bem einheimtfehen 8bel 
(b. h- in ben meiften Soden nur: m$t bem «bei be* befon* 
beren ßanbeäteitt) angehörten unb oon benen man leine ftettntni* 
be* etnhetmifchen Siecht* erwartete. SBefonber* feitbem ba* 
3ngolftäbter ®ebiet, too ftaifer 8nbtotg« 9le<ht«buch galt, oon 
8anWhnt an* beherrfcht lourbe, in beffen urfprüngli$em <&ebiet 
ba* 8techt«buch feine (Geltung hatte, mehren fleh biefe ©efchtoerben. 
@o Ilagt bie 3ngo!fttbter ttitterfchaft 1471 über bie ©efefcung 
ber Ämter im Oberlanbe mit (Säften (gremben), »orau* Diele 
Steuerungen entftfinben 8 ). 

3n ben greiheitftbriefen unb in Sanbgeboten ber $e*}oge 
le^rt immer lieber ba* »erfrechen, bie (Berichte mit ehrbaren, 
gut beleumunbeten, vernünftigen, reblichen Seuten, Sfageh&rigen 
be* einhetmifchen 9beld, ju befefcen. aber tote bie ftlagen ber 
©toler *) unb häufige ©efch»erben ber ©tänbe betoeifen, finb 

1) «rennet n, 75. 89. 178. 

2) «. a. O. I, 164; V, 327. »gl. VII, 290 unb triefe anbete etettat. 

3) «. a. O. VJI, 275. 

4) «. a. 0. XI, 77. 78. 




ätorgtiffe tat ©eamtm. 



biefe 3ufagen nicht burchtoeg erfüllt »orben. ©et ber «n* 
ftettung ber ©eamten jchetnen nicht feiten gang attbere {Rücfjuhten 
al$ bie auf töte ©achfenntni*, lüchtigfeit unb Sauterfeit maß* 
gebenb getoefen gu fein. Sin SDlann tote ®eorg oon ©chtoangau 
g. ber öorher giemlich raubritterlich gekauft ^atte, toirb 
al* $et}ogli$er Pfleger ju iRauhenlechäberg toenig Vertrauen 
eroedft tytim. 8u$ ber Aufteilung ungeeigneter Seute entforang 
bann bie oon £>ergog ©tgmunb gerügte Unfttte, baß bie „Ärmen 
Seute" mit ihren Älaggetteln gletcb an ben £>of liefen, toetl fie 
bei ihrem orbentlichen {Ritter fein ®e$ör fanben, fotote bie 
mangelhafte {Rechtfprechung, »eiche }. ©. bie nieberbairifche 
Sanbfchaft 1471 fomohl im $ofgertyt att in ben Sanbfchrannen 
ju rfigen fanb 1 ). «u$ ihr entfprangen bie mannigfachen Über* 
griffe habgieriger unb getotffenlofer Winter, burch toelche be* 
fonberä bie Säuern bebrücft mutben. $aufig fcbeint e$ ge* 
fchehen gu fein, baß bor Oertcht gelabene Säuern &on ben 
©earaten heranlaßt tourben fie in ben ffiirt$häufern frei gu 
galten. 3Me „gorbermaß" ober „gorberfanbel" ©ein, toelche 
bie Parteien bem {Richter uorfefeten, ift gum ftehenben 5lu$bru<f 
unb gur Quelle Dieler ftlagen gemorben. Da« „gutterfammeln" 
ber ®ericht$behörben toar fdhon in bem Sanbf rieben oon 1352 
ftreng »erbeten toorben*), gleichwohl fate e6 foäter tetlmeife 
burch ba* $ertommen toieber einen nahegu gefeilteren Änftrich 
erhalten. 3m 3ahre 1500 riet bie nieberbairifche Sanbfchaft 
toieberum alle biefe SDlißbräuche abgufteüen 8 ). 

©eitere ftlagen ber Sanbftänbe tourben barfiber laut, baß 
bie Stechtforechung toerhinbert ober oergögert, baß manche Streik 
fachen, bie bor bie &nb* ober $ofmartögerichte gehörten, al« 
»ifctumhänbel betrachtet, baß bie «nfäfce ber ©elbftrafen toifr 
Ifirlich oeränbert unb erhöht mürben. Den lederen Mißbrauch 
erftärten bie ©traubinger ©tänbe toohl gutreffenb au« bem 
Cigennufc ber {Richter, ba in ben meiften Sanbgerichten {Richtern 

1) «. a. O. V, 102 ; VII, 271. 

2) 2er$enfelb, gretbriefe, €>. cxcix. 

3) U. a. a. a. D. VII, 60. 61. 265. 284. 324. 378; IX, 241.431. 




700 



gotter. 



unb ®#ergen ein änteU an ben ©ttafgelbetn jufltefce 1 ). Die 
Startet Nagten, ba| bie ©eftimmungen ber grei$cit«briefe ntd?t 
beamtet nmtben, n>ona# jebet Sßifctum unb Stifter eine 9Utf# 
jeicfriung betfelben bei fic$ führen unb ieber Seamte bei feinem 
8mt«anttitt nidfrt nur bem Surften, fonbetn au$ 8anb unb 
Beuten i&re {Rechte ju toafreen unb ya fdfrirmen geloben fotttc s ). 

3n anbeten Oebrecfren ber 8te$t«pflege, bte unfer ®efü# 
no<$ me$r beleidigen f na$m man bagegen feinen Änftofj, toeit 
fte au« bem ro&en ®eifte be« &titoUtrt, au« ber bei $o$en tote 
fiebrigen i>telfa$ nod> ungenflgenben ßnttouflung be« ®ere$ttg» 
!eit«finne«, au« bem Langel magrer Humanität entfptangen. 
£>iefcet gehört bie entfefclit^e ®taufamfeit ber Seibe«* unb 
8eben«fttafen unb bte au«gebefcnte unb finnlofe Ämoenbung ber 
au« bem tömifäen SRe#t eingebrungenen göltet, über beten 
gorm unb üßa§ feine gefe$li$e SSotfätift, nut bet Ort«gebrau$ 
ober bie teufliföen Grtfinbungen entmenf$ter {Richter entheben, 
I&efete« ber gtauen^ofer ^e ©efangene, bte 8ungen* 
maitin „ftoden unb ploden", mit gittern brennen, i&r 9lu§ 
unb (Sjpg eingießen 8 ). SBlättetn mir in ben ftammerre$nungen 
ber ©tobt *JRün$en 4 ), fo ftogen tovt in btefem ©ettad&t überall 
auf bte abf$redenbften 3 e "gntffe batbatifäer ®ebtauc$e: tote eine 
Äinb«mötbettn mit glityenben 3^ngen gejtotdt unb bann lebenbig 
eingegraben ober ein „©übe", beffen ©ergeben nk$t genannt 
ift, mit Wüten ju lobe gei*itf($t toitb. (Einem ÜÄanne »erben 
bie äugen ausgeflogen, toeil er me$t al« ein SEBeib gefreit, 
einem anbern, toetl er „unbetfid&t" (b. ff. »o$l otyte ootfcr 
gebeutet ju $aben) @otte« Setdfrnam genommen — ein gaH, 
toeldfrer jeigt, bog ba« ©tabtgetic$t au* ber ffitcfce feinen Ärm 
lie$. SRadj geuer«btünften toetben „grauen, ©üben, iunge 
Änaben unb ©eftnbe", eine 3Benge, oon ber man ni$t einmal 
annehmen taun, baß gegen fte ade nur einigermaßen jureic^enbe 

1) «rennet IX, 226. 234. 

2) «rennet XI, 77. 78. 

3) R. B. XII, 232 ju 1416, «ug. 25. v 

4) @tabtar$h> 9Wün$en. 2>te angqogenen gfflle fütb an« ben 3&$ren 
1431-1437. 



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®efSttgm$jfrafe. SanbeSöeweifung. 



83erbocht«griinbe oorlagen, bem ©charfrichter, ÜWeifter $>an«, 
überliefert, ber burch „Heine Arbeit" ober w ba« Heine $anb* 
»er!*, b. h- äntoenbung ber göltet, herausbringen foD, toie 
ba« geuer entftonben ift. 1468 laben SWünchner 9?at unb 
Stifter bie (&( lommunilation auf fich, toeil fie einen be« Dieb* 
flaute befchulbigten ©ubbiafon Ratten foltern laffen; in biefem 
gaüe hatte au* bie göltet bem Hngeflagten fein ©eftänbni« 
abjuringen oermocht 

3m 15. Sahrhunbert hatte toie bie ftäbtiföe auch bie lanbe«# 
herrliche 3uftij ftänbige ©(harfrichter („SRachrichter"). 3m 
Sanb«huter Steil toaren folche in 8anb«hut, Sngolftabt, ©urg* 
häufen befteßt *). Äl« neue« ©trafmittel erfcheint nun, toenig* 
ften« in ber ftabtifchen 3uftij, $aft in einem befonberen ®e* 
fängni«raum ober (für Äbelige) in ber ©chergenftube. 2Ber 
bie »ohlerhaltenen ©tabtoerliefce in SRegen«burg gejehen, oermag 
fich bie ©chreefniffe mittelalterlicher $aft au«jumalen. Sine 
nicht feltene ©träfe toar 8anbe«oertoeifung. 1401 toutben burch 
ben ©chiebfprueb oon fünf bairifchen {Rittern $an« ber Otten* 
hofer unb Ihömlein ber $fiftet, bie am £>eraog«hofe in ©treit 
geraten unb, toie e« fcheint, bis }u Ihätlichfeiten getommen 
toaren, oerurteilt, au« beutfehen Sanben gu fahren unb ohne 
Erlaubnis ber $erjoge bei ®efahr ber (£hi> unb töechtlofigleit 
nicht jurücfjufehren. (Sin Sanbgebot oon 1500 bebrohte ©ienft* 
boten, bie oor bebungener grift ohne rebliche Urfache ihren 
SDienft oerliegen, mit 8anbe«oertoeifung 3 ). 

311« mächtige« $inberni« einer guten 3uftij mug bie au«gebehnte 
$atrimonialgericht«barfeit betrachtet werben. 3n bem herjogltchen 
Territorium bilbeten bie mit Orunbbeflfc au«geftatteten ÄlBfter 
auf bem Sanbc unb oiele Oüter ber Prälaten unb be« Slbel« 
größere unb Heinere 3nfeln, beren ©etoohner jtoar ber lanbe«* 
hmlichen ©efeftgebung unb (mit 9lu«nahmen) ©efteuerung fotoie 
ber allgemeinen ffiehrpflicht unterioorfen toaren, toelche aber 

1) M. B. XXXV b, 422. Über göltet in ftegent&urg an einer Diebin 
1441 f. ©emetnet III, 115. 

2) «renn et VII, 493. 

3) R. B. XI, 227; «rennet IX, 427f. 442. 




702 



SHe $ofmarta 



ihre eigene »ertoottung unb ®eri<h«barleü Ratten: bie fogenannt« 
$ofmar!en. ©nen ©egriff ihrer ungeheuren SDlenge gibt e*, 
toenn SUbrecht IV. ihre 3ahl to feinem ©traubinger SRteber» 
lanoe allein (haften* | 83aiern*) auf mtnbeften* 600 f$äfet 
Die größten berfelben »aren bie alten teuren Hbteien, öon 
benen manche tote SBenebiftbeuern unb legemfee in »eitern 
ttmlrei* Don abgerunbetem SBepfc umgeben untren unb au** 
gebeerten $>errfchaften glichen. Dagegen befchränften fty manche 
$>ofmarfen be* ÄbeW ganj ober nafceju auf ben $errenjtfc, ben 
fogenannten ©ebefyof, auf bem ber abelige ®ut$$err Raufte. 
Die f)ofmarM^erren übten 35eru>altung, (Erhebung ber ©efäfle 
unb {Rechtspflege in ihren $>ofmarfen, auch in ben baju ge* 
hörigen, aber oon ber $ofmarf abgefonbert tiegenben ©ütern 
burch Beamte, beren tarnen unb SEBirfungälrei* meift bem ber 
tanbe*$errlt$en Beamten entforach: burch Pfleger, Sfrhter, 
üRater, bie burch grohnboten, ©chergen, SBaibel, »üttel, Untt* 
männer, ©Treiber unterftüfct tourben. 3n größeren $ofmartai 
flnben fleh jmoeUen für S3eru>altung unb 3ufrij bereit* befonbere 
Beamte. Die 3uri*biftion ber $ofmarf*$erren erftredte fty 
auf alle ©ergehen ihrer $interfaffen, ©eiche nicht unter ben 
©lutbann fielen. Die brei ©erbrechen, bie an ben 8eib gingen 
unb feit bem 15. Sahrhunbert „aJtoteftj" genannt tourben, 
toaren oon alter$h*t Diebftahl, ber einen gettriffen betrag über* 
föritt, SRotjucht unb Eotfchtag *). Diefe blieben ben lattbe** 
herrlichen (Berichten borbehalten. 3m allgemeinen galt, baß in 
ben $>ofmarf$gertchten nur ©trafen bis ju 72 Pfennigen Der* 

1) Ärenncr IX, 329. Über bie «erbffltnlffe ber $ofmarta f. bef. 
bie ©cistttmer unb biete Urtunben in M. B. 2)ie etobringenbffc gor- 
föung ip in O. 8. t. Maurer« gelehrter unb inhafttreufcr Öef<bu$te 
ber grohnhöfe in 4 ©Änbeu nicbergelegt. Ärenner« 2anb-, $o^ 
marfl- unb S)orfgeri<$te (golioau*gabe 1795) ift befonber* toegen ber 
urtunbUfhen «ettagen beatyentoert. »gl an* ©itf Ringer, ?atri- 
mouia!geri$t0barteit (1837); Hofentbal, <»tri<ht«toefen I, 188f. r unb 
bie bort aufgeführte Literatur. 

2) ©päter »erben meip frier gfifle (an* ©ranbfliftung ober ©tragm- 
raub) genannt. 



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unb i$re öeruhttbarteit 



(fingt toetbcn burften 1 ). ©chon feit HuSbilbung ber Sanbe** 
hoheit toar auf bie £>erjoge auch bie ©annlethe, ba« SRed^t 
bett ©lutbann innerhalb ihre« lerritorium« ju »erleiden über* 
gegangen *). ©erni bie ÄSnige feitbem an bairifche fetten 
hohe« (Bericht oerliehen, gefchah e« baher ftet« unter ©erufung 
auf filtere, »abre ober erbichtete Verleihungen, ©o betätigte 
ftJnifl ©igmunb 1415 bent (Sblen Ortolf aon Saiming ben an* 
geblich föon t>on früheren ÄSnigen verliehenen ©fatbann j» 
SRotened (Da« biefer (alb &on ben <ßreifingew ju ©olnjach 
erheiratet hatte) 8 ). Stur gan) oereinjelt aber n>ar auch ba* 
(o^e ®ericht bur$ fönigliche ober lanbe«herrli(he Verleihung 
an ©runbherren fibergegangen, ©o behauptete grauend&iemfee 
auf feinet 3nfel biefelbe ®ericht«barfeit ju haben tme ein 8anb* 
geriet, beanftruchte ber Hbt oon SBernrieb 1442 auf ®runb- 
eine* Freibriefe« $erjog SCIbrec^tt bie unumfehrfinfte 3uri«* 
bilrion 4 ), befafcen bie Ountypenberger feit 1310 ben ©tot* 
bann in $3ttme«. 8anbe«herrli<he ©eamte Ratten in ben* 
$ofmarfen leinen 3utritt. ffiurbe ein fernerer Serbrecher 
in ber $ofmar! ergriffen , fo toarb er bent junachft fifcenbe» 
lanbe«herrlichen ©eamten ausgeliefert, „toie er mit ®örtel 
umfangen fear", b. nur mit ber notbfirftigften Äteibungv 
feine übrige $abe Derblieb bem £>ofmar!«herro, nur geftoh* 
lene« ®ut, oa« mit bem Diebe ergriffen lourbe, muffte au«* 
geliefert »erben 6 ). Hufcer ben geringeren Sergehungen ber 
hörigen gehörte jur Buftänbigfeit ber $ofmarWgerichte bie Huf* 
nähme oon gremben in ben $oft>erbanb, bie Seiftung be* 
$ulbigung«eibe« an bie £>er rfchaft, bie freinritlige ®ericht«bar* 
feit, »uflaffung unb Übertragung Don $ofgfitem, 3foitftreitig* 
leiten unter ben hofhörigen Seilten, ©treitigteiten Über (Srbgüter 
ber $5rigen unb folche, bei benen bie $ofgemeinbe fetbft be* 

1) @. }. ©. Schaft ya 9touhenfc(h$Scrg. 

2) 8gL neneflen* *. 3aUinger, 3. ©cfö. b. ©anntdhc; 2Ritttgm. 
b. 3toft f. öfterr. ©eföicfrtSforfög. X, 224 f. 

3) B. B. XII, 187; $unb, ©tanraten&u* II, 141. 

4) M. B. II, 508; Ärenner, »clege, 56. 62. 

6) 6. n. a. Urf. *. 1476, M. B. VII, 301; greibrief *• Subnrig» 
*on 1330, M. B. VI, 248; Ärenner, 63f. 



704 



Sfcfttaibmg. 



teiltgt toar; im übrigen fielen $Re$t«ftrettiglettett um ©raub 
unb ©oben unter bte ftompetenj ber lanbe«$errli($en ®ert$te. 

83orne$mlicb in $ofmarfen, aber $ie unb ba bocb au* in 
lanbe«$errltcben (gerieten x ) lebte, u>a$rfc$einlicb al« JReft ber 
laroltngifc&en ®erk&t«wfaffitng, bie Sitte fort, bafc {abliefe 
jmet» ober breimal (im erfteren gälte weift jur 3«t ber $eu* 
unb ®rummeternte) ungebotene« Oericbt gehalten untrbe, ba« 
fogenannte Cfyifttabing *), too fid^ mit gerichtlichen SBer&ant* 
lungen bie SeftftcKnng ober SSerleiung ber lotolen 8iec$t«tDei«* 
tflmer (C^aft), aud) n>o$l polizeiliche unb nrirtfcbaftltd&e ©e* 
ratungen unb Hnorbnungen oerbanben. 3n mannen ®runb» 
$errfcbaften, fo im Älofter ©eon, tourbe biefe« ®eri#t toecbfelnb 
an befttmmten Orten 8 ) f ba« ©aramt«geri($t be« ©tifte« 0retfutg f 
b. ba« (geriet über bte alten Jöarföallen, nunmehr §inter* 
faffen be« ©tifte«, mürbe jährlich einmal ju £Dtau!en unb ein« 
mal ju ftlettfcim abgehalten 4 ). 

2Bir müffen $ter normal bte Ottoni(c$e $anbfefte in« Suge 
faffen, um eine richtige SJürbigung biefer oielbefyro$enen Ur* 
tunbe ju gewinnen. £)ur$ btefelbe mar ben Prälaten unb beut 
9bel in SWteberbaiern dmmunität gegenüber ben lanbe«$errli($en 
^Beamten unb ntebere ®eri#t«barfeit über i$re ®ut«untcr* 
tränen unb jene, bie fie ,mtt Xffix unb I$or beWloffen" 
(t>. f). bie tyren @$u$ genoffen, fo ba§ fie ftd> im gaöe eine« 
Ängrtff« hinter Zff&x unb Xffox be« ©dfrirmfrerrn flüchten 
burften, alfo i&re S3ogteiuntertbanen), tote bie Urfunbe fagt, 
„gegeben" roorben. Diefe gorbeeren ber SRieberbaiera liegen 
bie oberbairifc^en Prälaten nt$t (Olafen unb gegenüber tyrem 
Drängen fa$ fic$ flatfer Subnrig gelungen juerft einzelnen 

1) öegenüber Hofent^al I, 206f. fei tyefür auf Örimm, Sei«- 
tyümer VI, 146. 151, unb £>fterr. ©ei*t n, 135, berttriefen. 

2) 3n £>fterrei<$ meift ©anntaibing genannt, ©gl 2uf*in t>. (Eben* 
gerentfc, Qbtfö. b. älteren $eri$t9u>efen9 in £)fterrei<$, 162. „Paa- 
taeding" tft fteter an mannen ©teilen, meflei^t überall nnr <$bttion«fe§ter 
flott „Pantaeding". 

3) 11 B. ü, 164. 166. 

4) Oberer. *r$. III, 296 f. 



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@runb$crrü#c <8cri<ht$&arfeit. 



705 



ÄBftern, fo 1314 ©ernrieb, 1319 gürftenfelb, 1321 Segernfee, 
1325 ©enebiftbeuern, 1330 aber allen Älöftern feine« Sanbe« 
Smmunität unb niebere ®ericht«barfeit ju ge»ä$ren 1 ). SWanche 
Ätöfter in beiben ^anbettelten befaßen bie Immunität fd&on feit 
alter 3*tt a «f ®nwb föniglicher $riotfegien. aber auch ba, 
»o feine befonbere Hbtretung ber nieberen ®ericht«barfeit oon 
©eite be« ?anbe«herrn nachjutoeifen ift, finben »ir, fo»o$l in 
fflatern »ie anberwärt«, bte ©runb^erren meift im ©efifce ber 
nieberen ®ericht«barfett über ihre $interfaffen. S)iefelbe ift 
baher gerabeju al« ein mit ber ®runbherrfchaft toerfnüpfte« 
Stecht unb, »a« in ber Dttonifchen $anbfefte al« SJerteihung 
tyngefteüt »irb, nur al« Slnerfennung ober ©eftatigung eine« 
{Redete« aufgefaßt »orben *). Unfere« ©ragten« »erben bureb 
eine berartige Sluffaffung bie (anbe6$errlt$en 3 u 8 e ßättbniffe 
$erjog Otto« unb ftaifer 8ub»ig« boch unterfchafct. Denn 
für« erfte lägt fich bie grage aufmerfen, ob in ©aiern, too bie 
lanbe«$errli$e ®e»alt fich fo ma$tootl ent»i<felte, fic nicht 
auch im ©tanbe getoefen märe bie grunbherrliche ®eri<ht«barfeit 
auf jufaugen, Ȋren nicht ihrem weiteren Vorbringen nach biefer 
Seite $in burch bie £)ttonif$e $anbfefte unb burch bie oon 
oberbairifchen $erjogen erteilten (Sinjetyrtoilegien ©chranfen 
gefefct »orben. gür« jtoeite läßt fich ein Unterfd&ieb in ben 
3uri«Diftion«oer^ältniffen ber ober* unb nieberbairtfehen Stoel«* 
güter beobachten, ber bie Sinnahme »iberlegen bfirfte, ba& bie 
®runbhem*chaft an fich jur Immunität unb ju einer fo au«' 
gebehnten nieberen ®ericht«barfeit berechtigte. Schon in einer 
Urlunbe $erjog 8ub»ig« oon 1310 »erben j»ar bie „Dorf* 
geriete" o5ttig mit ben $ofmarf«geri$ten jufammenge»orfen *), 
e« ift aber jweifello«, baß auch »eit fester, noch am ©chluffe 
unfere« %ttttaum€ ein Unterfchieb j»if<hen beiben beftanb. 
Urfprünglich unb ju Stecht erftredten fich bie Dorfgerichte nur 

1) M. B. VIII, 326; IX, 143; VI, 243; VII, 160; VI, 248. 

2) @o t>. SRanrer, gronhflfc III, 74. 

3) gfir $Sttme9 (Dbetbaiern). Iadicia minora, quae dorfgericht 
vocantur, »erben gcgenfibergeftellt ben maiora iadicia, furta videlicet, 
homicidia et alia criminalia. Ärenner, 53. 

Kiesler, Oeftifttc Baieraf. in. 45 



706 



$ofmarfe* unb 2>orfgerl<hte. 



auf felbpolijetlicbe unb anbete ®emeinbeangelegenheiten 1 ). Star 
au« ber 83ereinigung biefer ©efugniffe mit bet ©i*jii>linat* 
geroalt über ihre unfreien $interfaffen bürfte jene ©ericbttbar* 
feit beftanben ^aben, toelcbe unabhängig ton befonberen 3m* 
munttät«terleihungen bie ®runbherren urfprünglich ju Stecht 
übten. Die Äutoehnung berfelben auf bie ganje niebete ®e* 
ricbt*barleit htüpfte (ich bann in bet Siegel an befonbete ^etjog* 
liehe Verlegungen, beruhte abet auch nicht fetten nut auf Über* 
griffen unb Anmaßung bet ©runbherren. ©t* auf bie 3*** 
«Ibrecht* IV. lägt ftcb beren ftänbige* unb erfolgreiche* ©e* 
ftteben erfennen, ihre 3uri*biftion*recbte au*jubebnen, intern 
befonber« bie ©eftfcer ton bloßen Dorfgericbten für biefelben 
alle Siebte ber $ofmarf£geri$te beanfpruchten. ©ejeicbnenb 
ift bie ftlage be* herjoglicben dichter* ton Dachau (1442) 
gegenüber ben ffirftlichen {Räten: „3$r »erbet au« meinem 
©erid&te erfehen, baß ber 9lame ber ©Granne tiel größer ift 
al* ber SRufcen baton; fett mein gnäbiger $err, $erjog Crnft, 
tot ift, ift bie ©ebranne (ju Jtocbau) gar Diel böfer geworben 
unb lugt ihr nicht baju, fo urirt fie noch Sber." fiben bie* 
toar Älbrecbt* IV. große* »erbienft, baß er „baju lugte - unb 
bie ©etoegung, bie er nicht jurüdjubämmen vermochte, toentgften* 
jum ©ttllftanb brachte, äu« ber SBefchreibung ton $ofmar!en 
unb Dorfgerichten im Oberlanbe ton 1442 ber mir bie 
(natürlich nicht ton Sigennufe freie) filage be* Dachauer {Richter* 
entnehmen, erfteht man, tote beftritten in Oberbaiern Sharalter 
unb Äompetenj tieler 2toel«güter »Daren. Son bem größeren 
leile toirb nicht gefagt, Re feien $ofmar!en, fonbern nur: 
ber ©efifcer meint, beanfpruebt ba* Out al* $>ofmart )u 

1) €5o ba« 2>orfgtri($t «i<hftötter« ju @auerla<b 1442 (Ä renn er , 65), 
tote mir f$eint, ein 3>orfgeri($t alter «rt, beffen ©eflfcer fi<b anSnabm«- 
»eife teine Übergriffe erlaubt bitten. ein lehrreiche« »eiftriel für bie 
©Übung einer $ofmart au« ber Bereinigung t>on jnfammengetauften 
»ogteire<bten unb 2>orfgeri($ten bietet bie fcon Äunftmann, »eitrige 
jur <&ef<$. be« ©flrmtbal«, 355 f., au« ben Urtunbeu gefötlberte önt- 
pehnng ber $ofmart ?lanegg. 

2) 2>iefe« für bie Beurteilung ber Streitfrage t>idkUht lebneUbfle 
ftttenßütf ifl bei Ären ner al« Beilage P, e. 60 f., im gntysg gebrueft. 



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Einbringen be8 römifchcn fttfy*. 707 



befifcen. 3n Obetbaiern fehlte e* eben ben abeligen $of marfen 
an einem fo jtoeifellofen unb umfaffenben {Rechtfltitel, tote i$n 
für SRieberbaiern bie Dttonifche $anbfefie gefchaffen hatte. 

Daß Reibereien unb Äompetenjfonflifte ju>if<hen ben $of* 
martt^erren unb ben benachbarten lanbe$herrlichen ©eamten 
nic^t abbrachen, bebarf nach bem ®orau3gefchi<ften faum ber 
Örrmähnung. Such in ben anerlannten $ofmarfen toaren boch 
manche {Rechte be$ $ofmarf$herro gegenüber ben lanbe«herrlichen 
nicht friert, tote u. a. bie gragen, ob bie $amifchbefchau, ferner 
ob bie ©efchau ber 2Waße unb ®etoichte in ben $ofmarfen bon 
ben lanbe$herrlichen ober ben $ofmarf6beamten vorgenommen 
toerben follte, lange &t\t ftreitig blieben 1 ). Cinem fraftoollen 
»orlämtfer be$ mobernen ©taateä mie »Ibrecht IV. mußten 
bie $ofmarfen, biefe Keinen Staate im ©taate, ein Dorn im 
Huge fein unb fein ©treit mit ben 85tolew toar jum guten 
SCeil barin begrünbet, baß er bie toeit auägebehnten Siebte ber 
$>ofmarf$herren befd&ranfen looltte. 

S5on ben anfangen bc$ römifchen {Rechts gilt im toefent* 
liehen noch in biefem 3*itraume, toenigftenä bis }u feinen legten 
3ahrje$nten, toaä über ben Oegenftanb jum 13. 3ahrhunbert 
bemerft toorben ift (©&. II, 170). grembe* {Recht tarn nur 
in ben geiftlichen (Berichten, too$l auch in ben feltenen gäüen, 
toenn ftlerifer al$ ©chiebärichter aufgerufen tourben, jur 8ln* 
toenbung. 3^r hat auch einer ber 8anbe$herren, Subtoig im 
©art, in bem ju ftonftanj oor bem ftönige geführten ©treit 
mit ^einrieb bem {Reichen nicht nach beutfehem ©etoohnheitä* 
recht, fonbern nach „gefchriebenem faiferlichen", b. h- ^m 
römifchen Rechte gerichtet ju »erben verlangt, ift aber bamit 
nicht burchgebrungen *). fibenfo toenig ^at fpäter {Ruprecht oon 
ber ^Jfalj beim 8anb$huter (Jrbfolgeftreit bie auf römifche* 
{Recht geftüfete S3etoei$führung feine« geiftlichen ämoalt* genügt 
(f. oben ©. 588). Smmerhin erfreute ftch ba« r&mtfche {Recht 
bei ben gfirften fchon einer getoiffen SBertfchäfcung, toährenb 

1) @. u. a. M. B. VII, 301; Ätenner, 66. 

2) »gl. granMin, ©eittSge jur ©efö. ber Hcctytion be« t3raif<hcn 
9tedht9 in Seutfölanb, 178. 



45* 




708 



einbringen bet römifefcn Äcd)t$. 



Äbel, Särger unb SBauem nigt« batton toiffen moflten. 60 
liegen 9iegt«gutagten Don $abuaner 3urijtot über ben 3ngot* 
ftäbter Crbfafl öor 1 ), bie nur ben einem ber ftrettenben bat« 
rifetyen £>erjoge befteßt fein fönnen. @o fcaben in bem Streite 
SUbregt« IV. mit ben Ämtern beffen gelehrte Kate, befonber* 
Dr. 9ieu$aufer, aug Soffen be« römif<$en Siegt« $erborge$olt, 
mertoürbiger ober ift, bog aug bie Stoenritter, biefe nag tyrer 
©Übung unb al« SJorfämpfer be« alten $ertommen« ein* 
gefleifgten geinbe be« römifgen Kegt«, (ig ba« (Sutagten eine« 
gelehrten 3urifien „mit »njeigen unb 8en>a$rung ber ge* 
fgriebenen föchte" fteUen liegen, ein S3otum, ba« au«fgliefcßg 
auf ba« römifge, ba« fanomfge, ba« langobarbifge ge$enregt 
unb bie SWeinungcn ber ©loffatoren fid^ ftüfete s ). 

SRirgenb aber in ben ein&etmifgen WegWqueHen biefe« Sat* 
raunt«, toeber in ben fürftligen Sanbgeboten nog in ben Stobt» 
regten, am menigften felbftoerftanblig in ben ffiei«tümeni 
finbet fig römifge« 9legt. 3n Urbtnben begegnen ganj Der* 
einleite Spuren be«felben, bie au« gortnelbügem flammen unb 
nag tote oor weniger oon t^atfägliger Skbeutung finb al« 
3^uamffe für bie @ugt Don Notaren ober Oerigtfgreibent 
mit frembarttger ®ele$rfamteit ju prunlen, bie fig bei btefem 
Änla§ öfter al« eine unoerftanbene ermeift. 

Die Sufna^me be« römifge» Stecht« erfolgte bürg ba« 
Einbringen gelehrter 3uriften in bie ©erigte, aber biefe« (Sin* 
bringen erfolgte fe$r langfam, begann erft in ben testen 3afa* 
geinten be« 15. 3a$r$unbert« ettoa« ftärfer )u »erben unb $at 
fig in biefem ganjen 3*to<utm auf bie oberften ©erigt«$Äfe 
be« 8anbe«, bie fcerjogligen $of geriete unb auf bie Stellen 
ber ©tabtfgretber in ben ffiäten ber fKiuptftäbte befgrfintt. 
3n anfingen untren bie ©tabtfgreiber, meiere bie 2#fitigteit 
eine« 9tot«fonfulenten übten, feit 1459 grabuierte $erfonen 
JDa§ im römifgen »legt gebilbete aßänner bamal« bie ©tefleit 
bon Pflegern, Sanbrigtern, $>ofmar!«rigtero befleibet hätten, 

1) tCbfgriften au9 ban «rgfo in dm. 1381 trab 1388. 

2) «rennet XI, 397-416; *gl grantlin, 29. 

3) Serjdgnfo bri ©e$ncr, ©erigttttrfaffung, 46. 



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®<tyrtt 3nriflen. 



709 



baß alfo Tömiföed Siecht in ben 8anb* itnb £>ofmarf«gerichtert 
jur «nioenbung gelommen märe, muß entfehieben berneint 
©erben. Unter ben richterlichen SBeamten biefer Ärt läßt fich 
letner nachreifen, ber einen afabemifchen Xitel geführt ober bei 
bem au« anberem ®runbe Äenntni« be« römifchen Stecht« 
&orau«jufefcen toäre. SBenn bie Sanbftanbe im 15. 3a$r$unbert 
imeberhott f orbern, baß leine gremben unb baß nur äbelige 
al« dlitytx angepeilt toerben, folche, bie ba« {Recht berfte^en 
unb fic^ an ba« SRecht«buch fiaifer Subtoig« galten, möchte ich 
barin ^ftend au«nahm«meife einen $intoei« auf ba« <£in# 
bringen gelehrter {Richter erblicfen 1 ). Unter ben gtemben, 
benen hie unb ba SRichterpoften ber liefen mürben, finb in ber 
Sieget nur 9K$tbaiern ') ober fogar Slnge^rige eine« anbern 
Bairifchen 8anbe«teil« ju berftehen, unter ben {Recht«unberftän* 
bigen Seute ohne gä^igfeiten unb ohne ftenntni« be« ^eimifc^en 

dagegen finb toährenb be« ganjen 3^anm4 tote föon 
oorher cinjelne gelehrte durtften (fo SKeifier $einrich Öaruter 
unter $einrich bem Siefen, 3)o!tor I^oma^ $irt^eimer 
unter 2Ubrecht III.) in ben $er}ogli$en SRat berufen toorben, 
haben in biefer (Eigenfchaft an ber {Recfctfprechung ber ^er}og# 
liehen $ofgeri$te mitgemirtt unb burch bie Überlegenheit ihrer 
juriftifchen ©ilbung bort leidet ba« Übergewicht ber Autorität 
erlangt. Qa bie ©öfteren bem nieberen 2lbel al« gleidfrftehenb 
galten, erlitt burch ihr Einbringen ba« mittelalterliche ®ericht«* 
prinjtp, ba« ©tanbe«genoffen al« Urtetler forberte, feine ©n* 
büße, S)iefe« Einbringen bon Sennern be« römifchen {Recht« aber 
mehrte fich natürlich, feit burch bie ©rünbung ber Unioerfität 
3ngolftabt ba« ©tubium be« römifchen SRecht« im 3nlanbe 
ermöglicht toarb. Unb nun erft beginnen bie Sanbftänbe gegen 
ba« Umfichgreifen ber Doltoren auf jutreten. Die oberbairifche 
Sanbfchaft richtete an Wibrecht IV. 1493 ba« Erfuchen, er m&ge 

1) «nber« fc^eint bie« granftin (20) auf guf äffen. 

2) 34 bente an geute to\t j. ©. ©raf aMd)ael *on ffiertheim, 1438 
pfleget ju Sngolftobt, öraf Ulrich wn SWoutfort, 1468 pfleget ju 2anb*- 
berg (tö.-H.). 



710 



Dppofltion ber StSnbe 



feinen 9tot, menn $>ofgertc^te gegolten toerben, fo Diel al6 
möglich mit ganbleuten (einheimifchen abeligen) ober ßaien 
(befanntlkh fagen in Älbrecbt* »at auch einige Domherren) 
befefcen 1 ). 1501 Ragte ®eorg* Sanbfchaft nach bem Sorgang 
(1499) ber «itterf^aft übet namhafte ©efchtoerung in ihren 
gemeinen 8anbe*rechten, toeil in ben $ofgeri$ten, befonber* im 
Dberlanbe (bort mar 3ngoiftabt, bie UmDerfltät*fiabt, auch ber 
©ifc be* $ofgerichte*) Diele ®ele$tte unb »enige 8anbleute, 
b. h- einheimifche Hbelige, Pfcen; barau* entftfinben neue, bei 
ihren Borfahren unerhörte unb ben Sanbe*gebräuchen toriber* 
toärtige Sterte. 3ugleich btongen bie ©tänbe barauf, ba§ in 
ben bormal* oberbatrifeben SanbeSgebieten, uh> ftatfer gubtoig« 
Sanbrecbt gelte, nach btefem, Don bem freiließ bie Hu*l5nber *) 
nicht* Derftünben, gerietet toerbe. ©ie }u ertoarten, nahm fldh 
ba* (Sutacbten ber ^erjogli^en {Räte mit ©arme ber gelehrten 
Stifter an: menn Diele Doltoren in ben $ofgeri$ten fiften, 
liege ber ©runbe barin, bog fic rechWoerftänbiger feien al* bie 
Mm, ba& fic „ förmlicher unb rechtmäfjtger" Urteil fprächen 
unb bie Seute nicht mit ungebührlichen Urteilen befchtoetten, bie 
bann an ba* Äammergericht tofichfen. ©ad Äatfer Subtmg* 
Sanbrecht betreffe, bebflrfe e* einer Sieform, ba etliche «rttW 
be*felben toiber hergebrachte* Stecht unb gute ©itte Derftofjen. 
S)ie neue ?anbe*orbming Don 1501 aber machte immerhin ber 
ftänbifchen gorberung ein &u%tftiaibüvß mit ber &eftimmung, 
bag in bie $ofgerichte fiberall mehr Sanbleute al* Qoftoren 
geerbnet toerben feilten, unb ftettte eine {Reformation be* Stecht*» 
hiebe* in «u«ficht »)• 

1) Ärenner IX, 227. 

2) 2anb*huter im ©egenfafce ju ben 3ngolft5btern flnb in txftcx Äeihe 
ju beruhen. Buch bie gorberung bei oberen (3ngotftäbter) ttitterfc$aft 
Don 1460, bie Ämter foQten gemäß ter greibriefe mit Sanbleuten &efefct 
tmben, bnreh mel^e bie Sanbrechte nnb alten C&ewobnbeiten nicht Der- 
hinbert »ürben (Brenner VIT, 66), bfirfte »eniger burch ba« einbringen 
Don gelehrten Suriflen al* ton 8anb«t}utern, in beten 8anbe nicht tote 
ht 3ngolftabt Äaifer 2ubn>lg* 2anbre*t galt, veranlaßt fein. 

3) Ärenner XIII, 7. 157. 191. 269; «Dentin* Adrersaru I, 
t 124. 



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gegen bie geteerten 3uriftat. 



@egen (Sitbe Don HlbrechW IV. {Regierung fprach bie ber* 
einigte Sanbfchaft ben ffiunfch au$, bog bon ben Wüten ber 
größere leil ein$eimtf$e (Sble unb 8aien feien, bie Erntet, 
namentlich bie ©tobte unb ©chlöffer mit tapferen Sanbleuten, 
bie ®eri$te mit ehrbaren, bon ©eburt fiegelffi^tgen ßanbleuten, 
bie SMfetum*, $ofmeifter*, SWarfchallftetlen begleichen mit tapferen 
Sanbleuten befefct toerben. 8Ubrecht erflärte fi<h einberftanben 
unb fagte ütfbefonbere ju, ba§ in feinem Wate mehr 8aien alt 
®eiftluhe unb ©oftoren ftyen feilten l )- ©erufene fjrembe toie 
Dr. SKartta 9Wair ober (Seiftliche u>ie ber Äanjler 9leuhaufer 
mögen gegenüber biefer i&fyn nattmftiföen Oppofition be« ein* 
heimtfehen Äbett einen ferneren ©tanb gehabt ffibtn. Da* 
SBolf tyit bie ©efahr, meiere feinem ^tmtfe^n Wechtäleben 
trotte, balb beutlich errannt, balb inftinftmägig gemitter t unb 
e$ fehlt nicht an Äugerungen feine« ©ibertmüen* gegen bie 
©oftoren ber fremben Stechte, beren ©irffamfeit bie Stecht* 
fprechung bem allgemeinen 93erftänbni$ entjog unb juglei(h ber-* 
teuerte. „Denn bie (gelehrten finb ju fehler, machen oft einem 
ben ©ätfel leer ; fic führen einen in« Defretal, bis einer nichts 
mehr hat überall" '). Hu* anberen Seifen tönt un* bie ad* 
gemeinere ©<heu be$ SJolte bor bem Bericht entgegen: „®ott 
ber $err behüte mi(h tyut' bor achterlei 8eut' f bor bem genfer 
unb bor bem ©üttel, bor bem Ärjt unb bor bem 3uben, bor 
bem $rofurator unb bor bem giäfal, bor bem ©iegler unb 
bor bem Offijial, ba$ finb bie a$t alljumal!" 8 ) 

Die öffentliche Sicherheit ift innerhalb biefe« 3ettraumS 
ji&eifello* eine biel größere geworben. 3n ber jmetten $älfte 
be* 14. 3ahrhunbert* lieft man noch ziemlich häufig bon über* 
faöenen unb geplünberten ©arenjügen, bie ©tabt Dürnberg 
umgab ein ganjer Rranj bon 9taubf<hlöffern, bie ftönig Wuprecht 
bon 9iei<h$ toegen jerftören ließ, 1401 muß $erjog ©tephan 
befennen, tagtäglich feien ©ürger, ©auern unb befonber* Pfaffen 

1) Ärenner XVI, 10. 11. 21. 122. 296. 

2) «olWtteb bei b. SilUncron II, 497. 

3) Um b. 3. 1465. Cgm. 756, f. 33. 




712 



in feinem Sanbe JRäubereten unb ©efchabigungen auägefefct x ). 
Schon unter $einri<h bem Weisen aber koirb bann bte erfreu* 
liehe Sicherheit in beffen Sanben gerühmt. Da gleichzeitig im 
Gebiete ber $erren Don Abensberg Wegelagerer, meift toohl 
heruntergelommene Seute be$ nieberen 8bel$, ihr ttnmefen trie* 
ben f bemerft man, tote biet ffxtx eine Iräftige Regierung »er* 
mochte. 9tor bie Striae läng« ber bö$mif$en ®renje oerloren 
noch fpäter nicht gänjlich ben alten 89uf ber Unficherheit, ben 
ihnen nachbarliche (Einbrecher berfchufen *). 

©urchgreifenbe SRagregeln berbanfte man auch auf bem 
Gebiete ber Sicherheitfyolijei bem thatfräftigen Älbrecht IV. 
(Er fdpeint ber erfte gekoefen ju fein f ber Weifige auf ben 8anb* 
(tragen ftreifen lieg, alfo eine berittene fianbgenäbarmerie ein* 
führte. 3n ©atern»8anb$hu* oerorbnete $erjog @eorg f ba§ bie 
bisher fchon üblichen Steifen aur Überwachung ber Sicherheit 
oon ben Pflegern koenigftenä jkoeimal in ber ©octye oorgenommen 
koerben foHten. ffiieberholt (1480, 1488, 1489, 1490) tourbe 
eingefcharft, baß nur alte unb gebrechliche 8eute betteln bftrfen, 
alle anbeten ©ettler, alle oerbächtigen Seilte unb , Freiheit** 
buben" jur $aft ju bringen feien. ®eorg$ Sanbeäorbnung oon 
1501 fügte hinju, bag ©ettlerflfinber ben ©etttern abgenommen 
unb ju einem $anbtoert ober ziemlichen ©ienft angehalten 
koerben foßten. ©er ©efefcenttourf oon 1507 kooflte bann ba$ 
©etteln allen Äuätänbern gänjlich verbieten, 3nlanbern nur 
bann geftatten, toenn biefelben oon ihrem juftänbigen lanbeä* 
herrlichen SBeamten ober, faü$ fte $interfaffen eine« Prälaten 
ober (Sbelmannä, einer ©tobt ober eine« ÜÄarfte« mären, oon 
biefen eine Srlaubniäurfunbe aufkoeifen fönnen. SanWfnechte, 
bie ohne ©ienft in ben SBirtähäufern herumlagen, hatten binnen 
oierjehn lagen fkh einen $errn ju fudfren ober konrben an** 
gekoiefen (1490). ©efchah irgenbkoo ein {Raub ober eine anbere 
©ekoaltthat, fo follte „bie Nacheile" nach »IbrechW Sanbgeboten 
(1468, 1490) folgenbermagen oor ftch gehen, ©er erfte, bem 
Don ber Zfpt ftunbe koirb, eilt jur nächften Äirche unb lautet 

1) R. B. XI, 191. 235. 

2) @. u. a. Ärenner VI, 33. 



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713 



©türm ober lägt bteS bur$ ben SWegner tftm; alle $ir$eit 
in ber SRactybarfcfcaf t, fo toett man baS ßäuten oernimmt, folgen 
na^; jugleicb lägt ber Pfleger in feinem @<$loffe baS ©eföüfc 
abfeuern, ©rüden unb gäfren »erben befefct, mit $arnifcb 
unb SBe$r, ju Wog unb ju gug bricht alle« auf f um ben 
Jätern nacfoufefcen l ). @$on bie groge 3 a W ber Staffen, 
in meiere man unter befonberen tarnen bte bettelnb um$er* 
jtefcenben ®auner unb ©etrüger Wieb '), oerrät bie ÄuSbefcnung 
biefer ßanbplage. Seit 1433 mar fie bur$ bie 3^geuner oer* 
mebrt roorben, meiere bei tyrem erften auftreten behaupteten, 
bag fie au« Siggen Famen 3 ). Durd? bie ffirllärung, fte toollten 
ba$ ^eilige ©rab erobern, erfd>lt<$en fie oon $apft (Eugen eine 
Slblagbulle unb biefer oerbanlten fie bis in baS 16. 3a$r* 
fcunbert hinein aud? in ©aiern an mannen Orten gute 8luf* 
na^me unb fogar amtliche Empfehlungen 4 ). 

©ei bem ©etfte polijetlutyer ©eoormunbung, ber bte Oefefy» 
gebung befarrföte, lägt ft$ benfen, bag e$ biefem 3 e i*raume 
no# weniger als bem 13. 3a$r$unbert (ogl. II, 186. 188) 
an fogenannten SujuSgefefcen fehlte. 9lo$ oor ben ßanbes* 
Herren arbeiteten bte ftäbttföen Obtigfeiten auf bie Hbftetlunj 
oerföioenberifctyer filetbung unb üppiger ÜBafcljeiten $in. 3n 
SWflnctyen toarb 1405 oerboten, bag eine ®eoatterfd>aft oon 
me&r als 8 — 10 $erfonen jum ©ein unb bie grauen mit 
me$r als 10—12 ^erfonen jur laufe gingen. 9lad> benfelben 
ftäbtifcfcen ©erorbnungen burften }u einer f)ocbjeit nur 24 grauen 
gelaben »erben, burften bie ©ärgerinnen nur $aarbänber oon 
©eibe ober oon jtoei 8ot perlen unb ebenfo toie bte ©ürger 
am Seibe m#t me$r als anoert^alb ÜWarf ©Uber tragen 6 ). 

1) Ärenner VII, 9. 13. 15; VIII, 393.520; XIU,266; XVI, 383. 

2) Clm. 5212, f. 7, 15. StaWunbcrt. 

3) Andreas ßatispon., chron. Bav. 122; diarium, Oefele I, 21. 
26. 3n anberen Seilen 2)eutf($lanb$ erfötenen bie bcttclnbcn unb fle$- 
lenben „SSgüptenleutt" f$on 1417; @t.-<5$r. IV, 119. 

4) ©. Liebenau, 2ln$io b. 3igeuner in ©urfee; Hnjeiger für 
@$»eijer. 1889, @. 362 f. 

5) SBejUnrUber VI, 120-122. 



714 



1418 befestigten bie unehrbaren unb fofifpiettgen SRoben 
leiblicher Xxad)t fogar ba« ©aljburger $robinjiaHonjtl. 9la$ 
©chtlberung ber ^o^en fttr^enfürften gab e* bamal* grauen, 
bie einen ©chtoanj trugen tote Don einer Siper, anbete, bte juh 
mit Äopftfi<hern, $aaren unb berfätebenem ©<hmud fo fpx* 
Juristen berftanben, bajj man jtoet ®eftchter, eine« born unb 
«ine* hinten ju fehen glaubte. SRach ©efchlufc ber ©hnobe 
fodten bte gamtlienbäter ermahnt »erben bei ihren grauen unb 
Sutern beriet Unfug abjuftellen; bte ffieiber aber, bte fleh 
ittcht fügten, tourben oom Äbenbmahl au*gefchloffen 1 ). 

©te ^erjoglic^en Sanbgebote jteften bor allem barauf ab, 
bte Sauern in ftanbefimägigen ©graulen ju falten. 9ta<h bem 
83orfchIag ber Sanbfchaft bon 1500 burften biefe tote ihre 
ffieiber unb lityter, ftnechte unb Dirnen, nur inlanbtfche* 
•einfarbige* Iu<h ohne ©tiderei tragen, ein ©ebot, ba* auch 
bie $ofmarf*herren für ihre fmitetfaffen ju berfünben hatten, 
©eibene SBrufttücher, $aarbänber Don ®olb, perlen, ©Uber 
ober anberer ©chmud tourben ben SBauerntoeibem bei ©träfe 
ber Äonfi*fation berboten. 3« $o<hjeit*mahlen burften bie 
Stauern nach bem oberbairifchen Sanbgebot bon 1479 nicht mehr 
al* 20 $erfonen, nach ®eorg* Orbnung bon 1500 nicht mehr 
al* jtoei £if$e bott geute, nach bem Oefefcenttourf bon 1507 
nicht über 12 $erfonen laben. Stach burften bei biefen SDlahl» 
jeiten (1479) nicht mehr al* bier (Sange aufgetragen toerbeu, 
gifche unb Ärebfe nur bann, toenn $riefter ober SbeUeute au 
bem geftmahl teilnahmen, »elfter ©ein nur in folgen ®e* 
genben, roo man leinen anbem hatte. 3 U „Ätnblmahleu 1 ', 
toelche mSglichft abgefteflt toerben foOtett (nach bem Cnttourf 
bon 1507 gänjlich berboten tourben), burften nicht mehr als 
fe<h* grauen gelaben toerben '). ffiietoohl bie* alle* bei ©träfe 
bon 10 <Pfunb Pfennigen geboten toar, erfehen toir foäter au* 
Hbentin* ©chUberung, baß biefe 95erorbnungen fchon }u feiner 
3eit menig mehr beachtet tourben. 

91m (Enbe be* 15. 3ahrhunbert* gefiel pch bie ©efetlfchaft 

1) Dalham, Concilia Salisburg., 187. 199. 

2) Ärenner V1H, 315; IX, 428f. 442f. 510f.; XIU, 28. 144 f. 




©ittengefefee. 



715 



in magfofem ftleiberluju«. 3it einet offtjießen 3nftruftton l ) 
heifjt e« 1488: ba bie 3ngolftäbter ©tubenten an ftleiberprun! 
e« bem roetblichen ®ef<hlechte gleichtun, biefe« aber feinerfeit« 
nicht jurücf bleiben tooßte, fei e« gelommen, baß bie grauen 
Sngolftabt« iefet eher Äffen al« 9Kenfchen glichen. Durch ben 
auch in SBaiern oerfünbeten 8(ug«burger Wetch«abfchieb oom 
10. September 1500, tourben bie Äleiberoorfchriften auf Äbel 
unb ©örgetfehaft au«gebehnt. Hbeligen, bie nicht Witter ober 
Doltoren finb, toarb oertoehrt Oolb unb perlen öffentlich ju 
tragen, ©ürgern, bie meber Don äbel, {Ritter noch Doltoren 
flnb, toar auch ©ammt, Scharlach, ©eibe, Sottl* wtb $erraelin* 
ptl} »erboten *). (Stioa« abtoetchenb lauten bann bie ©eftim* 
mungen eine« bairifchen ©efefcentiourfe«: abelige, bie furnier«* 
genoffen toaren, burften ©ammtfehauben tragen, bo<h nid^t mit 
3obelfutter, 3lbelige, bie nicht Witter toaren, I)amaft unb 
fammtene SBamfer, aber feine ©ammtfehauben. abeligen 
grauen unb Jungfrauen mar $erIenoerbramung an ben Älev» 
bem oerboten, ©ammtoerbramung nur bi« ju einer falben 
<Sße, ben ©ürgerinen oon ben ®ef$led?tern nur bt« ju 
Ii »iertel geftattet *). 

©tttengefefee griffen oielfach auf ©ebiete über, bie heutzutage 
außerhalb be« ©trafgefefebudbe« liegen. 1433 erliegen bie $er* 
joge Crnft unb ©il^Im eine ausführliche SJerorbnung über 
ba« ©fielen in ber ©tabt SDWtachen; e« toarb oerboten bei 
©elbfpielen mehr al« 24 Pfennige ju verlieren; ba« gingen, 
ba« gleichfaß« verpönt toarb, fcheint man al« naheju an* 
jertrennlich oom ©piel betrachtet ju h^ben 4 ). (Sin ftrenge« 
SBanbat gegen leichtfertigen 8eben«toanbel, befonber« be« ffteru«, 
lie§ Subtoig ber Weiche im (Sinoernehmen mit bem greipnger 
Sifchofe 1463 für feine ©tabt 8anb«hut oon ber Äanjel Oer« 
lefen. grauen, bie oon ^rieftern unterhalten toerben, (Eheleute, 
bie, ohne rechtlich gerieben )u fein, nicht beieinanber loohnen, 

1) ?rantt, @efö. ber Untoerfitft SRttmhen I, 70. 

2) Ärenner IX, 514. 

3) St rentier XVI, 406 f. (Entwurf). 

4) M. B. XXXVb, 306. 8gt. Ärenner I, 163. 




716 



ettttengefefee. 



Seemänner, bie grauen^äufer befugen, ©otteflfötodrer, JBu* 
euerer, <S&ebtec$er follten $iena$ auf bem Äircföofe Don 
@t. SWartin in ben ©tod gefegt, im ffiieber$olung*falle aber 
auf eine {Retye oon 3a$ren au« ber ©tabt oerbannt ©erben *). 
3m Cnbe btefe* 3 e ^um«, befonberä unter bem (Sinbrud ber 
oerfcerenben guftfeucfce unb ber bemfitigenben ©erläge be« 
©cfyoeijetfrieg* , tourben im 9?etc^ tote in ben Territorien 
neuerbingä ©ittengefefce erlaffen, bie febo$ f$on megen tfcrer 
brafonijctyen ©trenge bie beabftctytigte ffiirfung m#t erreichen 
tonnten. Äartenfptel, überhaupt alle Oelbfptele, bie im 8antv 
redjt Äaifer Subioigä (§ 273) no<$ au£brfi<fli$ geftattet toaren, 
lourben bei breitagtgem Oefängmä unb 1 $funb Pfennige ©träfe 
oerboten *). ®efängnt$ftrafe toarb au$ bem freoentltdjen unb 
unjiemli^en ©ctytoören auf ©otte$ Warnen (glucken) gebrofct *). 
Da« übermäßige Irinfen, ba$ fi$ balb jum SRationallaftet 
auätoactyfen foltte, ift am (Snbe biefer ^eriobe in bie ÜÄobe 
getommen, «uäflufj berfelben fraftftrofcenben Sebenäfreube, toelctye 
ben Übergang oom ÜÄtttelalter jur SReujeit auäjetynet unb 
meldte neben $errli#en au$ giftige grüßte gejeitigt $at. 3n 
einer um 1500 er(af[enen SJerorbnung fagt ttlbre$t IV., et 
fröre täglich mit SWtfcfallen, toie ju ®otte$ ©tfrmacfr, Serberben 
unb 83eri$toenbung ber SRafrrung, au$ Änlag oon ©(fyo&fyrag 
be* 8eibä, £otfd>lägen unb anberen Übeln ba£ 3utrinlen auf* 
lomme. <5r oerbietet t& bei ©träfe oon breitagigem ®efangni$ 
bei SBaffer unb ©rot unb 3 a $ung * on $funb Pfennige, 
eine ©träfe, bie audj ben ©irt trifft, ber eä juläfet. (Sbenfo 
toerben SBetten über bie Seiftungäfityigfett im Irinlen unter* 
fagt 4 ). Stynlutye ©efttmmungen enthält bie nieberbatrifd&e 
8anbe$orbnung oon 1501. Irunfene, bie auf ber ©tra§e be* 
treten toerben, foOen naefr i$r oon ben ©bergen ober Sätteln 
in bie fteu$e gefperrt toerben fo lange, bi$ fte nüchtern feien 5 ). 

1) Oefele II, 245. 

2) «rennet IX, 430. 434. 436. 444. 506. 

3) «. a. O., 438. Hu«fü$rtt($ct im ttci$«abf$Ub, a. a. £>., 505 f. 

4) «. a. O. 437. 448. 449. 

5) «. a. O. XIII, 261. 264 f. 268; ogl. 185. 




$etroefext: &hcn«leute u. ©eamte. 



717 



SJon Ärieg unb gelben ftnb bie ©latter unfeter ©efchichte 
angefüllt. Um fo mehr toirb eä toünfchenätoert fein eine Kare 
83orfteüung baoon ju gewinnen, toie baä $eertoefen biefcr $e* 
riobe befc^affeit toar. günf Staffen ftnb mm in ber bewaffneten 
3Ba<ht ju unterfcheiben l ): 

1. Die $et}O0li$en 8ehen$leute, bie nebft intern ©efolge 
}u <Pferb auärüdten unb bie $auptmaffe ber Weiterei, „ber 
{Retftgen* bilbeten. ®ie festen ficf? jufammen etnerfeitä au* 
ben Sbtamtm be$ $erjog$, ben {Räten, Sifctumen, Pflegern, 
Stiftern, Äaftnem u. f. to., auch ben im eigentlichen $ofbienft 
oertoenbeten ^erfonen bi$ ju ben Äuchel*, $eu* unb ftraut* 
meiftem herunter *), anberfeit* au« jenen äbeligen, meiere, ohne 
ein ^erjogfic^e« »rat ju befleiben, al« Sanbfaffen auf ihren 
©fitem lebten, ffirft gegen (Snbe be$ &\txaum$, naebbem ba$ 
©eamtentoefen fich immer beutluher au« bem 8e$en4mefen 
herauägefcbält hatte, toerben Aufgebote traft £)ienftpflt$t Don 
folgen traft £e$en£pfli$t untergeben 8 ). Sei ber Übertragung 
eines HmteS tourbe in ber {Regel bie Änjahl ber {Reifigen unb 
{Roffe beftimmt, mit feel$er ber Seltehene im ftrtegäfaHe aus* 
jurüden hatte, ©o ftnb für ben 3ngolftabter »ifctum 1418 
12 gerfiftete <Pferbe unb 11 reiftge Diener, für ben Pfleger 
t>on 3ngolftabt 1457 8 reifige <Pferbe angefefct (Sin ©erjeiebniä 
ber ämtleute im Dberlanbe notiert in äßüncben ben {Rent* 
meifter mit 3, ben ftaftner mit 2 $f erben, in Saneberg ben 
Pfleger mit 5, ben {Ritter mit 2, ben ftaftner mit 1 $ferbe, 
in ©chongau ben Pfleger mit 4, ben {Ritter mit 1 $ferbe 
u. f. to. 4 ). ©er Pfleger ju 8anb*hut hat (1441) 8 reiftge 
$ferbe unb 6 ©tu$ltnaty>en ju fteüen 6 ). Serf&umni* ber ©ehr* 
^flic^t hatte ben Serluft be« geben« ober «tute* jur fjolge. 

1) «ußer einet Stenge jerftreuter Nachrichten f. bef. bie erften jwti 
»tobe „SDtoftaungeu" im 91.-9. »gl. auch ffiürbinger II, 299f. 
Aber ©to>en f. oben, @. 110, fi&er Wagenburgen, ©. 283. 

2) Säuberungen II, t 50 f. 

3) ©o 1488; Ärenner VIII, 527. 628. 

4) SRuflerungen I, f. 72. 

5) fteuburger <5.-». XXXVIII, t 10. 



718 



gecrtocfen: ©ienct *on $atst an*. 



Diefer Zeil be* $eere$ tourbe int Selbe auf Soften be$ Sefcn** 
$errn oerföfttgt, (Einbuße an $ferben unb Lüftung tourbe be» 
etnjelnen erfefet. gehört ju ben $eroorfte#enbften 3figen 
bet militärifcfcn (Snturidlung, baß 3 a # «"b friegeriföer SBert 
btefe* $eere$teU* gegen Snbe be* attittelaltert me$r nnb me$r 
abnehmen. 

2. S)ie ©tener unb {Räte „Don $au* an« - , b. $. Äbeltge, 
toeld>e ntc^t in Sebent* unb Untertftmenoerbanb jum $erjoge 
ftefcn, mit btefem aber einen befonberen Dienftoertrag ab« 
geföloffen . $aben, traft beffen ftc tyut im SRotfatle ober auf 
Hufforberung bemaffnet beijupe^en $aben. Diefe ,©iener Dom 
$au$ au$" bejie^en einen im Dienftoertrage feftgefefcten Oabre** 
geaalt. Huf 8eben$jeit ober bo$ für einen längeren äeitraum 
angefteüt, unterfd&etben fte fi# föon babur# oon ben nur für 
einen bestimmten gelbjug ober für eine für jere grift geworbenen 
©ölbnem. ^wmütn tohrb ber «uäbrutf „Liener oon $aa* 
au$" ungenau au# auf bie abeligen 8anbf äffen *), alfo im 
©egenfafce jum ftänbigen (Befolge unb $ofgefinbe be* görften 
angemenbet. 

©iefe beiben erften JHaffen btlben oorjugätoeife, jutoeilea 
auäföltejj Hc^ bie {Reiterei be* $eere*. 3&r Änfü^rer ift, toemg* 
ften* in ben älteren 3^ en / ^r $erjogtu$e 3ßarf(^afl. 

9lac$ einem unter $einri$ bem Weisen 1443 aufgehellten 
Hnfölag ber Keifigen *) pellten im 8ante$uter &mbe, oor bem 
»nfaü 3ngolftabW, bie Prälaten 84 $ferbe, bie $erjogli$en 
{Räte (unter benen brei ®rafen oon Ottenburg mit jufammen 
38 unb $einric$ 9?ot$aft, Pfleger ju fttrtftberg, mit 20 $ferben 
am $&tften angefefct finb) 354 , bie anbeten $er30glt$en ©e* 
amten 303, bie Dienet oon $au* au« (barunter Sodann oon 
«benSberg mit 41 $ferben am $ö$ften) 151, bie 9titterf$aft 
395, bie ©täbte 146, bie 2Wärfte 106, ba* ganje 8anb ju* 
fammen alfo 1539 {Reifige. 

$ierau* ergiebt fi$, baß (3.) au<$ ©täbte unb ÜRärtte, 

1) @o äRujictnnjen II, f. 45 f. (Kitte be9 15. Sa^mtbert«). 

2) «. a. D., f. 50f. 




$eern>cfen: ©firger u. dauern. 



toenn fie auch natürlich übertoiegenb gu&oolf Petiten, mit einer 
Änjahl Don JReiftgen angelegt toaren. (Sbenfo fehlte e« betr 
größeren ©täbten, tocmgften« im 15. 3a$r$unbert, nicht an 
Artillerie. SDie ©tabt BWfinchen Wirftc 1435 einen 3tmmer* 
mann nach 8anb«hut, um $erjog $emrich« ©efchfifetoefen ji* 
ftubieten *). ©otoohl toegen biefer SWtfchung ber ©äffen* 
gattungen al« toeil bie ft&Mtfd^en Aufgebote offenbar toeit öfter 
al« ba« „Sanbaufgebot" im engeren Sinne auch ju Dffenflo* 
Wegen fcertoenbet nmrben, fann man bie ftöbtifchen Stulpe» 
nicht einfach unter bem lefcteren einreiben unb betrautet fie beffer 
al$ eine befonbere, britte ftlaffe be« $eere«, meiere in manchem 
©etracht eine 2Wtttelftellung jtoifchen bem &hen«heer unb bem 
Sanbaufgebot einnimmt. Die 8anb«huter ©ürger toaren unter 
$. ©tephan II. 1362 bereit« fünfmal in« gelb gebogen unb 1364 
treffen nrir fie lieber bor SDffihlborf. ©ie tourben jtoar im 
Selbe oom $erjog oerlöftigt; ttrie ferner fie trofcbem bie Ärieg«* 
laft empfanben, geigt fich barau«, ba& ihnen bie $erjoge 1364 
unb 1392 oerfprechen mußten, fie fortan nur mehr in gäflen 
mirflic^er 8anbe«not unb nach vorausgegangener 3wfttmmung 
ber Sanbftänbe ju Heerfahrten unb ©elagerungen aufzubieten *). 
SRach einem (Snttoutf Don c. 1507 fottten au<h ©täbte unb- 
ÜÄärfte SKufterbücher führen unb jum erften Aufgebot ben 
fechften SWann geräftet ftellen, jtoei Drittel ©Arget ober SBfirger«* 
Knber, nur ein Drittel geworbene 3lu«länber. 3n ieber ©tabt, 
auc^ jebem Sßarft fotlte ein getiefter ©rtümetfter jur (Sinübung 
be« gemeinen SBolfe« aufgeteilt toerben *). 

4. Da« „ßanbaufgebot" ber ©auern. 3»* S5erteibigung 
be« Sanbe« mar ieber ffiaffenfähige verpflichtet auf ®runb be«- 
Äömg«bienfte« , ben na$ altgermanifchem Weckte ber ftönig ju 
forbern hatte, ben feit 8u«bilbung ber 8anbe«hoheit ber 8anbe«* 
herr beanforuchte. {Regelmäßig tourbe biefe Sanbtoehr, lote toir 
fie nennen bfirfen 4 ), nur jur SBerteibigung be« 8anbe« gegeir 

1) SWütKhner @tabtar<hto, «anraterred&mmg von 1436, f. 51. 

2) fianWhuter ffiitt. Urt. (ed. Äalther), 68. 75. 94. 

3) Stxtnntx XVI, 104. 

4) 2>araat« hatte icbo* ba« ©ort nur bie »ebentung: ©renjberhan^ 




720 



$eem>efen: Sanboufgebot. 



äußere geinbe unb nur für furje 3«* aufgeboten , fyxttt fl<b 
felbft auäjurfiften unb ju oerßftigen. ©lieb jte au*na$m$toetfe 
€tnmal längere 3*ü berfammelt, fo mußte ber 8anbe«$err bie 
ftoften ber Verpflegung übernehmen unb fotoeit etioa gänjlic^ 
Unbemittelte aufgeboten tourben , gefebaty bie« au$ in anberen 
gäüen. »ueb «u«rüftung unb ©efoloung auf Äoften be* $er* 
jogg tommt oor. 811« 1431 bie äRüncbner $er§oge gegen bie 
$uftten ben jtoanjigften 9ftann ausgeben ließen, öerorbneten 
fte, ba§ bie 3u^aufeb(eibenben für bie ©erföftigung ber au$* 
rüdenben äWaiuifcbaft forgen fotlten. ©ein unb ©rot für bie 
Stetftgen, ©rot für ba$ gußooll lieferten jebotb bie $erjoge 
5Daß bie £anbtoe$r aud> ju Ängriffäfriegen im fernblieben Sanbe 
Dertoenbet mürbe, gefebafc nur au6na$m6meife, toenn ©elbmittel 
unb $ilf$fräfte be$ 8anbe$b*ftn gänjlicb erf<b3pft toaren, fo 
beim (Einfall ©tej>$an$ III. in Xirol 1413, beim Singriff 
fiubtoig« im ©art auf SRüncben 1422, beim fmfttenfelbjuge 
ber $erjoge (Srnft unb ©ityelm 1431. 

©enn (gefabr breite, loenn, um in ber @pra$e ber 3«* 
ju reben, „bie Saufe ft# frembiglicb anfaulten erging oom 
$erjoge an feine Pfleger unb Wicbter ber ©efe$t bie ftarnifebe 
unb anbere 8Be$r ju behauen unb bafür ju forgen, baß bie 
SRannföaf t gerüftet fei *). »ueb ofyte lanbe«$crrlicben ©efe# 
febrttten toobl bie ©eamten, menn fie e« erforberlicb hielten, 
ju folgen ÜÄufterungen 8 ). üRa$ benfelben fanbten bie Pfleger 
©eriebte über 3 a # unb Sluärüftung t&rer Sßannföaft ein, bie 
in lotteret $infic$t meiften* flägltcb lauteten, ©o melbet $an$ 
SBeiler, Pfleger ju Starnberg, baß in feinem 8anbgeri<bte 549 
gerabe unb junge, na# ©tärte unb ®röße too^l jur ffiefyr be* 
fäbigte ÜÄänner feien; „baß fie aber $arniKbe ober anbere 

1) 1. SRal; «rroben IV, f. 18 ©efefl an ben CrbbofmdßeT 
t). 3>egenberg ; bie ©efefcle an bie anberen ©eamten bürf ien fi&erangefhimut 
baben. 

2) derartige ©efetye u. a. jablrci<b in SWuflerungen I, f. 42 f. 

3) SJton barf bie« »obl folgern au« ber Untertreibung: „SRnfterungen, 
bie ie au 3eiien auf unfern ©efebl ober au« Hotbnrft gefdfcben" 
1491. Ärenner XII, 350. 




$eeru>efen: Canbaufgebot 



Sßehr hätten ober in ben ©offen geübt feien, ba* haben fie 
ntd?t unb finb fte nicht" no$ feien fie bermöglich genug ©äffen 
anjulaufen 1 ). ©effer toor e$ im ämte fflolfratö^aiifen im 
3ahre 1480 befteflt: bon 800 tauglichen, bie ber Pfleger au$ 
2100 2ßann auämufterte, Ratten 300 Panjer, 312 ÄreM 
(®ruftharnif<h in Plattenform) unb Ärmblech, bie übrigen 
Soppen, ©ptege , $elmbarten, ©fenhauben unb $anbfchuhe. 
Stenn 1431 bem bäuerlichen Aufgebot eine auffaöenb gute 
©etoaffnung, nämlich Panjer ober „ ©Jeggen" , (Sifenhut, S3lech* 
hanbfehuhe, ärmbruft ober ©fichfe oorgefchrieben tourbe*), fo 
toar bie* nur möglich, toett fich bie Slu$$ebung auf ben jtoan* 
jigften 9Wann befchränfte. (Ein, tote e$ fcheint, ettoa ber 9Witte 
be$ 15. 3ahrhunbert$ onge^ßriger ©ericht fceqetcfynet für ganj 
©aiern*SWünchen al$ folche, „bte jum SluSjug ju nehmen ge* 
orbnet", b. h- toohl mit genügenben ©offen oerfe^en finb, nur 
2168 aßonn mit 117 «Bogen (barunter ©ericht Starnberg 
mit 30 Sßann unb 2 {Bogen) 8 ). Stach einem anbero ©ericht 
(toohl gegen Grube be$ 15. 3a$r$unbert£) jä^lte ba$ (Beriet 
Starnberg 768 9Wann$perfonen, „bie gut finb"; femer 168 
lebige Söhne unb ftnechte (bie alfo, toie e$ fcheint, nicht ju 
ben eigentlich Pflichtigen gerechnet tourben) unb 120 toegen 
8lter« ober STOfingel Untaugliche 4 ). 1492 jaulte ba« Söljer 
(Bericht 234 Urbarägüter, borouf 411 taugliche unb 114 toegen 
Sllter« ober ftrantyeit untaugliche SKanner, ba$ SBolfratähaufer 
©ericht auferhalb ber $ofmar!en an ftreitbarem S5olf 2034 
SWann, Site unb (gebrechliche 436, in ben $ofmarfen 291 ©trete 
bare. Die $ofmarf (Älofter) fcegernfee i&fytt bamaW 2000 
ftreitbore SRänner. Die Gmtfcheibung über bie SEauglichfeit toar 
oöütg bem Pfleger überlaffen unb ba bie ünfehauungen barüber 
natürlich fc^r toeit auSeinanber gingen, erllären fleh toohl bie 



1) «. a. O., f. 75. 

2) «rroben IV, f. 18. 

3) SWujfcrwtgeit I, f. 100. 

4) 3Rujfcrungm II, f. 250 f.; junt flgb. f. a. a. O. 291. 248 f. 
ttiejlet, Ocftiftte »aier»«. m. 46 




722 



$eertoefen: 



ungeheueren llnterfchiebe jmifchen ben einjelnen Ämtern, meiere 
und in ben ©ertc&ten oft begegnen *). 

ffite nach «Ibrecht* IV. Cerorbnungen, menn bie öffentliche 
Sicherheit gefährbet mar, ba* „Sanbgefchrei" erhoben mürbe, haben 
mir bereit« (f. @. 713) gegittert, ganbgefchret unb ©türm* 
läuten foflten fidh bann, loenn ber getnb brohte, oon einem Dorfe 
jurn anbern fortyflanjen. Die jura gelbjug aufgebotene 3Ramf 
fchaft, ben fogenannten „9lu«jug" Ratten bie Pfleger unb {Richter 
)U fammeln unb jugteich mit ihren Steifigen beut äftarfchatt, 
SSifctum ober bem befonberS aufgefteUten gelbhauptmann ju* 
juführen*). SQSa^rfc^etnlic^ befehligten biefe SBeamten in bet 
{Reget bann auch im Selbe bie ßanbaufgebote ihre« SBejtrfe*. 
ftein h^joglicher ©eamter (mit 9ta$nahme ber menigen gcifu 
liefen SRäte unb Doftoren), ber nicht zugleich mit ben ©äffen 
gebient hätte, lein 93ermaltung$beamter, SMfetum, Pfleger u. f. to. f 
ber nicht jugleich al$ mtiitärifche Dbrigfeit beftellt gemefen märe. 
Den Pflegern unb {Richtern oblag auch bie ©orge für (Erhol* 
tung ber ©chlöffer (fomett hier nicht befonbere ©urghauptleute 
befteüt loaren) unb ßanbbefeftigungen, für $erbetfchaffung bet 
JRet** ober $eermagen, metche jmar »orjugämeife oon ben geift* 
liehen Orunbhenfchaf ten f oon ben Pfarrern 8 ) unb ©täbteit, 
aber boch auch &on ben httjogluhen SBauern gefteflt mürben 4 ), 

1) U. a. SKuPerungen II, 248 f.: tfanbgericht ©chmabeu 800 Sang- 
liche unb 800 Untaugliche , bagegen 2. ©. £5lj 411 fcaugliäje unb 114 
Untaugliche , .$ofmart öenebiftbeuern gar 418 taugliche unb 47 Un- 
taugliche. 

2) 3. ©. SRuPerungen I, f. 13 f.: {»and Älofner (pfleget) mit beut 
©eilhart Gericht, mit allen Leitern unb Änechten unb aller ©auerfthaft, 
n&nltch 800 dauern. 

3) Sgl «renn er VII, 71 f. 1468 peilen bie nieber&amfchen JHSPer 
72 ©fichfentferbe, b. t. ©efoannung ber ÄrHllerie; a. a. O., 236. 

4) 1431 mußte auf Je 10 SRann ein ©agen mit eifemer Äette unb 
befHimnten ©erzeugen gepeüt »erben. « rr oben IV, f. 18. Um 1466 
(lagt bie Oemeinbe SWammenborf bei ©erjog Älbretht, fle fei nicht im 
€Kanbe ben tootn Pfleger <&ural>j>en&erg ihr auferlegten jmeiteu $eermagen 
%n pellen ; bi9$er habe fU pet* 1 ©eermagen, 2 guhrfnechte unb 6 „©fitymer" 
mohlgerfljpet „in bie ©fa)au gebracht", fflenn bie« gefleigert mürbe, 
müßten pe »on $au* unb $of lommen. SKuperungeu I, f. 124. 



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Canbaufgebot. 



728 



bie Verteilung unb Überwachung ber erforberltc^en ftrieg$fro$nen. 
Äuget bem bewaffneten „9lu$jug" würben ©auern auch ju* 
weilen jum 8luf werfen bon ©Donjen unb „8anbwe&ren* (S3er* 
$aue an ober nahe ber ©renje 1 ) aufgeboten. 

Unter ben Pflegern unb »intern führten Dorftauptleute 
ben ©efefcl über Heinere Abteilungen, $einridh <ßauttborfer 
fölug in ber £eit btx $ufltenfriege t>or*): jebe* Dorf, wo 
aber 20 $8fe ober mehr feien, je 10 $8fe fotten einen $aupt* 
mann, jeher biefer ©orftauptleute in feiner Drbmmg 1 <ßa* 
Defner, 5 Strmbüfte unb 4 gute Stiege $aben. Über je oier 
$auptleute fofl einer gefefct fein, bei bem fie fkh mit ihrem 
Stolle fammeln. ©er gegen bie SBöhmen nicht redhtjeittg ffiar* 
nung erhebe, ohne SRot flüchtig werbe, anberen nicht ©eiftanb 
leifte, beffen Selb unb ®ut fei ber $errfchaft berfatlen. Ob 
biefe Einrichtung im ganzen Sanbe fcurchgeffihrt würbe, ift nicht 
belannt, iebenfaß* aber fehlte e6, wcnigftenä feit ben $ujiten* 
Wegen, bie in biefer $infidht cpo$ema$enb (feinen, bem 8anb* 
aufgebot nicht an einer gewiffen Organifation. Um fo mehr 
gebrach eä ihm an mitttärifcher Äuäbilbung, in JBaiern finbet 
fkh leine ©pur Don Iriegerifchen Übungen ber Sanbwehr im 
grieben, fo baf* 2ltbre$t$ IV. ftlage über i$re militärtfehe Un* 
tauglichleit wo# begreiflich ift 8 ). 

Um ftatt fce$ unbrauchbaren 8anbaufgebot$ frieg6tü$tige 
©ölbner werben, forberte Wibrecht, tote auch unter feinen 
Vorgängern hie unb ba fchon gef$e$en war 4 ), ein „8fei«gelb", 

1) auch ber Sanbe« teile. 1422 u>irb eine 2anb»ebr bei 2)a<bau 
unb an ber 2Rün<hner-3ngolfWbter Orenje (Sirroben Ib, 445), 1446 
„ber $er$ag" (Sorl, Bergrecht, 32) ertcShnt. 

2) Orbnmtg, bie gemacht hat „auf berjKffern". SDhifierungen 
II, f. 97. 

3) €5etbfh>erfUfabli<h tmit» fleh ba* fcrobaufgebot ber ©anern niäft in 
©aiern allein fo frieg$nnttt<hiig. Um nur eine« au ertönen, auch 
ba9 martgr5flt(he Sanbbolf in ber ©flacht im Nürnberger ffialbe 1502 
nxutbte fleh gleich beim erflen 3nfammenj>rafl jur gtucht. @. $aafe, 
Schlacht bei Nürnberg bom 19. 3nni 1502, @. 64. 

4) 1418 erttörten bie ©ürger bon Hohenburg bie ihnen bon Snbu>ig 

46* 



724 



$eertt>efen: ftetftgetb. 



eine ftriegflfteuer Don allen nicht jum flteiterbtenft verpflichteten 
Untertanen. Diefe* 8lei«gelb tourbe erhoben, bie Sauern 
aber trofcbem unb toietoohl bte ©teuerforberung auSbrücfttch 
bamtt begrünbet toorben toar, bag bte Sauern beffer bei ffietb 
unb Jftnb am ^eimifc^en $erbe blieben 1 ), nach tote bor at* 
8anbtoe$r aufgeboten — ein ©erfahren, ba$ nicht Sötern 
eigentümlich toar unb felbft bei fo Keinen Herren toie bem Jtöte 
t>on Staubeuren fi<h nachtoetfen lägt 9 ). Sie Älagen, toelc^e 
äber bte $ärte biefer boppelten Selaftung laut tourben *), tarnt 
man nicht anbert att toohlbegrünbet finben. Stach bem gro&en 
Hufgebot fcon 1493 befötoerte {ich We oberbairifche 8anbfchaft 
bitter, bag ihre $interfaffen fotoohl in bie Steuerbücher ein* 
getragen att jur $arni|chbef<hau unb Anlage geforbert mürben; 
(Sbelleute Ragten, bag fic fi<h jur eigenen Sebienung im Selbe 
nach fremben Sauern umfehen mügten, ba ihre eigenen (amtlich 
jur Sanbfolge eingebogen mürben 4 ), ©enn ber $erjog bagegen 
bie 8nf<hauung funbgab, ba$ {ReiSgelb fei leine ©teuer, fon* 
bern fliege „au* ber f)ofpn ©chartoerf", nämlich bem Stechte 
be$ 8anbe$h*trn 8eib unb @ut ber Unterthanen )ur DienfU 
barfeit ju forbem, fo toar bie« freilich eine S^eorie, au« ber 
{ich ftflt* ableiten lieg. 1507 »urbe oorgefchlagen, baf ber 
2lbel felbft feine $ofmarttunterthanen muftem, SBufterbüchcr 
barübet führen unb tm ÄriegöfaB ben jehnten SRann, boch auf 
Äoften be$ $erjog« fteflen folle 5 ). 

im ©art auferlegte ©Mbnerjteuer ton 60 fl. nicht länger befahlen ju 
Manen. R. B. XII, 276. 

1) SRit benfetöen ©orten hatte na<h grotffart WtoP *on Salot* 
ben Ärieg*bieufl feiner Bürger, „bte im ©$la<hteugetümmel bahinf<h»inben 
toie etynee an ber @onne", abgelehnt, um fle baffir ju beftoern. 

2) Äorrefronbenj be9 U. «rfct, ed. ©. Sogt, 9lx. 896. 

3) €J. n. a. oben, ©. 608. 2He „armen tote" jn Egmating Hagen 
in einer ©ittförift, bog fle, bie boch immer, fo oft man ihrer bebürfc, 
11 gRanu anSrücfcn laffen, nun auch no<h einen Oetbbeitrag leiten foQen. 
SÄupernngen I, f. 375. 

4) Ärenner IX, 233. 

5) Ärenner XVI, 103. 



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$ecrtt>cfen: @3(bner. 



725 



5. Die ©Blbner ober „Irabanten", geworbene Zxnppm, 
meiften* SJugoolf, meiere in bemfelben STOage, tote bte (Ent* 
[Reibung ber ©c$Iac$tctt rae$r unb me$r biefer ffiaffe juflel f 
bie anbeten Seile be$ $eere$ an 3^1 unb friegerif($em ffiert 
atlmä$lic$ überflügeln. 3n ben $ufiten!riegen Ratten bie 
Böhmen, in ben Burgunberfriegen bte (Sibgenoffen ben 9tu$m 
$o$er Ärieg*tüc$ttgfeit errungen. Seit große ©$aren !rieg$# 
geübter SRSnner an« biefen beiben 33Mfew in frembe ftrieg** 
btenfte traten, erreichte ba$ ©ölbnertoefen feine Dolle 8lu$bilbung 
unb gegen fifnbe btefe* 3ettraum$ fteflten auc$ bie beutföen 
8anb*Ine$te ebenbürtig neben bie ©<$toeijer. Die ©Blbner 
tourben in ber Siegel Don „ftottmeiftern" gebammelt; mit biefen 
föloß ber $erjog im Bebürfntofaöe DtenftDerträge, in benen 
bie C>5^e be$ ©olbe$, bie «rt ber Betoaffnung unb anbetet 
feftgefefet tourbe. Die Don Snbtoig bem Weiden 1468 ge* 
toorbenen ©Jlbner erhielten auf ben STOann to5c$entlu$ ein $albe$ 
$funb Pfennige ©olb, mußten fu$ aber felbft DerfBftigen. Dur<$ 
Äuflrfiftung unb ftriegöerfa^rung fcroorragenbe ©ötbner er* 
gelten boppelte 8ö$nung unb gießen Doppelfölbner. ?faßer ber 
8ö$nung erfreuten aW ©ejfige ber ©ötbner au$ „bie ?fa$* 
Wfung", b. i. bie Bereinigung ber ffiirt$bau*jec$e bei ber Sin* 
toerbung, ba« SBefrgelb, b. i. ein ©orfäuß für bie Huflrüftung, 
Anteil an ber Beute ober an beffen ©teile baä Beutegelb, ber 
©turmfolb, eine na<$ ©c$la$ten unb (Srftürmungen gejagte 
3ulage, unb ©$abenerfafe für ben Serluft an ©äffen unb 
$f erben. Die ©Blbner toaren ber friegägeübtefte, aber ein 
fötoer im $aum ju fcaltenber $eere$tetl, ber bur<$ feine 2Reif 
tereien oft ade $läne ber gelbtyerren bur^freujte unb bie Don 
benfelben oerlünbeten Ärteg«artifel ober Äriegäorbnungen x ) mit 
güfjen trat. 3n ber Wege! toar ba* gufjDolf in gäfyilein 
(Sompagnieen) eingeteilt. Unter Älbrec^t IV. finben toir bei 
einem gafttlein: Hauptmann, gä$nric$, jmei gelbtoeibel, @$rei* 

1) STOefaro fott&e liegen u. a. Don TOrt^tlV. *>or, eine unbatlerte, 
eine gebrudte Don 1488, eine Don 1504; SWuffcntngen I, f. 109 f. (beten 
3n$ött bei ©ürbinger II, 314 f.), f. 114f. 315f. 



726 



geuettoaffen. 



bet, Stifter, jwei gouttete, £tommlet, Pfeifer, Doi>|>elf5lbnet, 
unb gemeine Atteste 1 ). ©<$on begleiteten ffiunbätjte bie 
2tuw>en auf gelbjügen. (Sin 2Jiünc$net ffiunbatjt erhielt 1439 
einen ® elbbetrag, „bamit et befto williget fei mit tn$ gelb ju 
Siefen"*). 

Der ©ebtau<$ ber geuetwaffen, bon benen bie tragbaren f 
wie e$ fcfceint, mit ben ®ef$üfeen gleiten Stritt gelten, be* 
ginnt in ©aiem ungefähr mit bem ©egüme biefe* 3eitraum«. 
Salb wetteiferten gürften unb ©täbte in bem ©eftreben fte$ 
eine auf ber $ö$e ber 3eit ftefcnbe Artillerie ju oerfc^affeit. 
©i$ bon 8rle* betrieben fic$ bie $affauer 1379 einen be* 
rühmten ©fieftenmeifter namen* 2Balt$er 3 ). Die alteften ®e* 
föüfee waren $interlaber, bie |ebo$ fe£r balb bur$ Sorbet* 
laber berbrängt würben. SDletfwürbig ift, wie langfam ba* 
®efc$fifewefen feine JBirfung bei Belagerungen ju äußern begann, 
©o richtig e$ ift, bafc bie ©urgen unb mit i$nen attma$ti$ 
baö ganje {Rittertum ben ftanonen meinen mußten, fo finbet 
man boc$ gerabe in ber jWeiten $älfte be$ 14. 3a$r$unbert*, 
ba guerft geuergeföüfce gegen bie Üßauem ber ©urgen unb 
©täbte angewenbet würben, ba| faft alte Singriffe auf etwa* 
größere fefte $läfee fruchtlos berliefen. @o bie ^Belagerungen 
bon 3Kü$lborf unb Kattenberg (1364), ÜWatrei (1368), «auf* 
beuem (1377 u. 1388), ©<$auenberg (1380), Siegendburg 
(1388). (Srft gegen (Snbe be* 14. 3a$r$unbert$ beginnt mit 
ber ©erboUfommnung be$ 2Betallguffe$ bie Sfawenbung eifetnet 
®efc$offe, neben benen iebo$ ©teinlugeln noety 3a$rfrtnberte 
lang in ®ebrau$ blieben. Äu$ bem Gnbe unfere* 3eitraism0 
bietet bet tafele gall fämtli^et angegriffenen ©urgen bet 
SöWenritter, ba$ 3ufammenfc$ie6en bet gefte flufftein u. a. ben 
beutltd^en ©ewei«, ba| bamaW bie ©urgen bem f$weten ®e* 

1) 9tomen0*erjei($mffe in gfirflenfa^en XXI, pars II, f. 300f. 

2) 6tabtar<$to, Äamrnerrecfrittng wm 1439 unter 8u9gaben „txm ber 
ttet>* wegen". 

3) Gr$arb, ©ef$. ton $affan I, 379. $ie anfe$nli$e Xtttrfipung 
Sngoipabt* mit ©eföüfcen unb Kriegsmaterial 1488 f. bei Äleeman«, 
Qefö. ber geftang Sngolflabt, 16. 




Sefoaffnmtg. 



727 



föüfe nicht mehr ©tanb galten tonnten. Die grojje Umgeftaltung 
be$ ftrieg$u>efen$ ift alfo aentger bon ber (Einführung al$ »Ott 
ber atimählichen ©erbefferung ber geuertoaffen gu batierett. 

©om gufcool! toax noch am ©bluffe biefe* 3eittaum6 
ttut ein Keiner leil mit geuergetoehren bewaffnet. 1471 
toaren jtoar unter 200 SBehrmannern ber $errfchaft Degen* 
berg HO ©chfifcen, aber nur gum Xeil mit $anbbfid>fen, 
bie anbeten noch mit ärmbrfiften bewaffnet, 15 mit $elm* 
barten, 15 mit «hlfpie&en, 15 mit $at>efen >). Da$ ßantv 
aufgebet »on Donauftauf jählte (c. 1490) neben 54 $elm* 
gärtnern, 18 Stylfpiefjew, 63 »rmbruftfchfifcen nur 33 ©fichfen* 
fc^üfcen r ein gleichgeitige* t>on Straubing neben 294 $elm* 
partnern unb 90 »rmbruftfchüfcen nur 60 ©fichfenfehfifeen *). 
Sei ben ©Stenern toar ba« ©erhättni* nicht günftiger (ogl. 
oben ©. 59l\ ©erittene ©chüfeen finb fchon 1401 nach' 
gmoetfen 8 ). Die Schübe mürben »om gu|»ol! innerhalb biefrt 
3eitraum$ abgelegt, ©et SWühlborf fämpfte man noch mit, 
bei (Siengen ohne ©$ilb. Stur bie al$ $a&efen 4 ) begegneten 
langen ©efcfchilbe, bie bei ber ©erteibigung in bie {Erbe gerammt 
tourben, behaupteten fleh bei einem Seil ber Struppen, befonber* 
ben böfynifdfren ©eibnern bi« gum Cnbe biefe« 3ettraum«. 
©on ben ©ölbnern, bie $ergog fiubtoig 1468 toarb, trug jebet 
ein gute*, lange« 3ßeffer ober ©chmert unb im ®ürtel ein 
©Surfbeil, ein Drittel Hrmbrüfte, ein Drittel ©fic^fen f ein 
Drittel ©piefce, unb unter 100 Je 8 $a*efen. Diefe „fytbefner" 
burften fleh gum Nachträgen be$ fötoeren ©chilbe* einen Jtnaben 
galten. 3n einer böhmifchen ©ölbnertruppe, bie 1491 $ergog 
iiibrecht biente, foflte ber gehnte gujjfnecht ein $aoefner fein; 

1) Ärenner X, 17. 

2) SWuflermtgen I, f. 226. 

3) »gl. B. B. XI, 200. 

4) $a6 enttteber *on $abia al« EerfertigungSort ober ton einem 
$erbum pavesare ftoramenbe ©ort föeint nach ©eutfölanb, too e9 erfl 
feit ben $ujitenfrtegcn naefouroetfen, an« »Bunten eingebruugen ju feto. 
3n »aiern unb £>flerreU$ lebt t», töte €>($meller fagt, noch fort, „in 
ber friebfl<hen epra^c ber att<$e", too na* ber f $nli<htett ber gorm 
eine 9rt bon ©actoerf fo genannt mirb. 




728 



Stetoaffntrag unb Uniform. 



ein fold&er belam ti>3($entlic$ 1 fl., ein ©$üfee Vi ff- r$ebt. 
8o$n. Stiege unb ©d&toerter tourben gegen ben ©<$lufi be$ 
3eitraum$ aufierorbentli$ lang, bie erfleren bi$ ju 18 grufj, 
bie ©tyoerter be* gujfrolte, bie gemaltigen m &toÄffixibtt u bt* 
J« 6 gufc 7 3oü. 

Die Kitter trugen $etm, ©d&ilb mit tyrem ©a^Kn, Sanje 
unb ©ctymert. HM 2$oma$ Don ©c$ti>angau 1436 in ben 
Dtenft $erjog itobfoig« im ©art trat, mußte er an „$arnafö" 
$aben: (Sifen^ut, $amafc$!aw>e, ©ta^lpanjer, ®oüier f Dtenft- 
blec$, ©c&urj, Hrmföienen („«rmrow*), ©le<$$anbfc$u$e, 
©<$n>ert, ©pieß unb SReffer. S3on feinen ftned&ten, toel$e 
©d&üfcen traten, $atte jieber eine brei ®ulben merte Ärmbrufi, 
©$u{s}eug, im ftöc$er an 25 Pfeile, ©ta$tyanjer, ®oüier, 
<£ifen$ut, „Storn", ©lec$$anbf<$u$e, ©d&toert unb 2Reffer- 
Steinet ber ¥ferbe biefer 2Wamifc$aft burfte unter 24 fl. toert 
fein 1 ). 

©teigförmige «letbung lägt pd& fett ber Sßitte be« 15. 3a$r* 
$unbert$ bei einjelnen $eere$teilen nac^toeifen. @o trugen bte 
1468 Don Subtoig bem Steigen au« ben SRattenberger ©erg* 
fnapj>en aufgehobenen Rimbert SKann nadfr ©orförift be« $er* 
jogg *) einen zeigen Sittel unb roten $ut ober Stoppt. Die 
flteiterei, mit ber $erjog Subtoig 1470 in HugSburg etnjog, 
ftat ganj rot gelleibet, ebenfo ba« guffooH, baß benfelbett 
gfirften 1471 auf ben »egenSburger Sag begleitete 9 ). Kot, 
ni$t ©lau ti>ar no$ unter ffiil^elm IV. bie garbe ber bairif<$en 
JCruppen. 1500 beföloffen bie ©tänbe Hlbred&t* IV., alle 
©Mbner be* ftmbe« foBten na$ ®efaflen unb 35orfd?rtft be* 
$erjog$ eine garbe tragen 4 ). 3m ftriege untertrieben p$ 
bie ®egner bur$ farbige Äbjeid&en, befonber« ftreuje, auf ben 
ftleibern ober burc$ aufgeftedtte* Saub. $erjog £$ripop$$ Seute 
trugen im Äampf gegen ben »ben« berger Si^enlaub, im 8anb* 

1) SWuffat, $o$cnfötoatta<w, 79. 

2) 1468, Sali 4.; 8fci**m$H>. 

3) «ng«6urgcr £$ronit in t>. $oxmat)tZ 2af<$enbtt$ 1834 f 136; 
$ritnb«, $ofcenaf*an, 34. 

4) Ärenner IX, 477. 




gtaanjen. 



72» 



$uter (Srbfolgefriege toaren rote Jtreuje ba« 3*t$*it bairif<$en, 
toeige ober toeifjgraue Jene« bet pfaljifd&en Dattel 

£)iefe Söetradfrtung be« $eern>efen« $at und bereite erlernten 
laffen, ba§ ber Huftoanb, bett e« erforberte, in ftätigem Staffen 
Begriffen toar. 3nbem toir un« bie grage borlegen, au« toel^en 
SDWtteln er beftritten toarb, treten urir ben lanbe«$errltyen 
Öinanjen na&er. ©on>ie leine ©renge aufgeworfen mar jnrifctyejt 
ben i>erf8nlic$en ausgaben be« 8anbe«$erro für ftc^ unb feine 
Samilie unb ben Sudgaben für $eer unb 8anbe«beru>altuttg, 
fo fear au$ in ben lanbe«$errlic$en (Einnahmen na# urie bor 
nic$t gef$teben, loa« i$m au« feinen Domänen al« ®runb$erm, 
toa« i^m au« ber SSogtei unb toa« traft ber 8anbe«$o$eit au« 
Steuern, 3öÜen unb Siegalien al« 2anbe«berrn juf!o|. (Staube 
»örbige Überlieferungen über bte $ö$e biefe« ©efamteinlommen« 
ober bie 3Böglt$!eit e« )u ermitteln fcaben toir au$ in biefem 
3ettraum no<$ ni$t 1 ). Stur Dorn ©traubinger Sanbe (ettoa 
ein günftet bon ganj SBaiern) mirb bie 3a$re«rente au« Hnlajj 
feiner Aufteilung 1429 auf beiläufig 6400 ffunb Siegen«" 
burger Pfennige angegeben. 8u« bem ©traubinger 8anbe«teit 
$at fi<$ aucb eine {Rechnung be« 8anbf$reiber« SBolftart über 
(Einnahmen unb 8u«gaben be« £>erjog« Älbrety II. in ben 
darren 1389 — 1392 erhalten *), aber unter ben (Einnahmen 
finb $ier, abgefefcn bon einer Keinen ÜKauteinnaftne, bie ®e< 

1) bie @<$fifewtgen, bie nn« am (Bube beft 13. 3a$r$nnbert« 
ein ölffiffer in ber Descriptio Theutoniae (M. G. Scr. XVII, 238) über- 
liefert $at, toona<$ u. o. ba« 3a$re«einfommen be« $erjog« bon ©aiern 
unb $faljgrafen bei föfcin 20000 Jf (5000 bon ber «ßfatj, ber Heft 
bon ©atern), be« $erjog« bon ®a$fen 2000, be« SWartgrafen bon ©ranben- 
Burg bagegen 50000, be« ÄBnig« bon «lernen 100000 Ji betragen $aben 
foflte, bermögen meine« <5ra<$ten« ni$t bie geringfle ©lanbtoftrbigteit ju 
beanft>rn$eu. derartige @<$fifcuttgen aufjnfleflen toar bamal« fanm einem 
3Renf$en mögli^. ffienn $ off mann, @ef$i$te ber Steuern, 2, na<$ 
Böhmer, Font. II, xn, bon 100000 J( ©nfünften für ©aiern ftmty, 
fo liegt nur eine abn>et<$enbe Sefeart berfetben Descriptio Theutoniae 
jngrnnbe. 2)iefelbe ttngabe bfirfte e« au$ fein, bie b. Sang irrig bem 
SWattftto« bon $ari« jnföretbt (f. «b. II, 181). 

2) gre^berg II, 86 f. 



730 



SanbcSfUnern. 



falle Don 2Raut, 3ott, Saften f Ungelb unb bie ®ert#t«gefäfle 
Dom ©ifctumamt unb Don allen Sanbgerid&ten ntdfrt Deraeufyiet 
©erjeicfriet fmb nur 2Rai* unb ^ctbftftcuer, SWat* unb $erbfi# 
}in^ f 3ubenjtn« unb ©tabtfteuern. 2lu« biefen Atteln betrug 
im 3a$re 1392 be« $erjog« (Rnfommen 1353 $funb 2 Pfennige. 
Den aßangel an ©argelb, ber no$ immer $errföte, vertaten 
S$atfa$en tote baß 8llbre<$t IL, als er na$ $eibelberg ju einem 
Stornier ritt, oon gmet Wegen«burger ©ürgern 700 fL auf* 
nehmen mußte ober baß SBil^elm HL 1404 feinem äRän$net 
$ofbä<fer 54 ?funb 60 Pfennige für ©rob föulbete *). 

2We$r unb me$r aber gewinnen in ber GfnttokHung ber 
$erjogli#en gtnanjen neben ben regelmäßig erhobenen 2Wat* 
unb $erbftfteuern nun bie außerorbentlid&en 8anbe«fieuem an 
©ebeutung. Diefe auflagen ftnb immer bur$ ein befonbere« 
©ebürfnt« be« dürften ober be« fianbe«, meift »u«fiattung 
einer $rtnjeffta (gräutetnfteuer) ober ftrieg«rüftungen begrfinbet 
unb Wnnen ni$t o$ne 3ufttmmung unb üWittoirhing ber ©taube 
erhoben merben. ©irb au«na$m«toeife einmal Derffiumt bte 
ftänbifd&e ©emidigung einju^olen, tote ton Älbre^t HI. 1458 
bei (Erhebung einer gräuleinfteuer, fo bleibt bie« Don ber 
8anbf$aft ni<$t ungerfigt. Derfelbe gürft $ot ouc$ »riebet* 
$olt t>erfu$t, Steuern, toelc^e i$m bie &mbf$aft Derioeigert 
$atte ober mit beten gorberung er gar nic$t t>or bie ®efamt* 
$ett ber ©tfinbe treten tooüte, ton einzelnen ©tanben }u er* 
toirlen, ift jebo$ bamit »enigften« beim Hbte Don SEegerttfee 
ni$t burdfajebrungen. Diefer antwortete i$m: toerm er eine 
©teuer tofinfdfo möge er eine 8anbf<$aft erf orbern 

Die gorberung einer 8anbe«fteuer gibt ba$er ben Äntaß, 
baß ffiünfd&e be« Sanbetyerrn Don ben ©täuben geprüft toerben, 
toobei bie gragen be« $er!ommen«, be« ©ebürfniffe«, ber Gh> 
f$n>ingti$feit, be« öffentlichen SBo$l« ertoogen toerben. @o 
bilbet unb befeftigt ftc$ unDerfe^en« ber ©ebanfe be« ©taate«, 
an beffen (Spaltung unb gBrberung ade beteiligt finb, unb fo 

1) R. B. XI, 343. 

2) Äorrefeonbtnj be« $erjog« im HnSjug, Oberbaier. 8r$to XLII, 
202. 




©teucrarten. 



781 



toirb bie ©teuer ju einem ber toichtigften gaftoren in ber Um* 
toanblung ber mittelalterlichen patriar^altfd^en 8e$en$herrfchaft 
in ben mobernen ©taat 1 ). 

Die «rt ber Söefteuerung toec&felte «nb fcurbe oon gatf 
}u gaß feftgefteüt. 3u ben älteften ge^Srt eine $arttfular* 
bermögen$fieuer, bie flc^ burch bie Seid^tigleit ber Äontrole 
empfahl: bie 33ie$' ober ftlauenfteuer. ©alb fam man au$ 
auf eine UmoerfaloermögenSfteuer, bie u. a. 1395 oon ben 
f>er$ogen ©tepfcan unb Sodann erhoben mürbe. 3eber$flich* 
tige mußte bamate unter eiblicher ©cfräftigung ben ©teuer* 
Beamten, bie jur ftrengften 93erf$miegen$eit Derpflichtet toaren, 
ben 20. Pfennig, alfo 5 ^Jrojent Don allem Out bejahen, 
ausgenommen ber SKänner JRoffe unb ffiaffen, ber Stauen 
©chmud unb Äleibung, ihr, ber ftinber unb Dienftboten SBctt* 
jeug. ^erfönlich befreit »on biefer ©teuer toaren bie Diener, 
Anette unb Dirnen, bie nicht Söarföaft, <5rb unb ©gen hatten 
unb nicht felbftänbig ober al$ leilne^raer $anbet trieben, 
©päter flnbet fid^ Don ben Dienftboten jutocilen eine Cinfommen* 
[teuer, bie fogenannte S^e^altenfteuer, erhoben. Die flopffteuer 
»arb nur bei ftetygfteuern, bei ber $ufttenfteuer unb beut 
gemeinen Pfennig, angctoentet. häufig unb fchon frühjeittg 
!am bagegen eine (Srunbfteuer, ber fogenannte $>offujj, jur 9to* 
toenbung. $ienach fteuerte j. SB. 1445 ein $of, ber menigften« 
60—60 3uchart Hderlanb umfaßte, 9, eine $ube 5, ein Sehen 
4 Schillinge, \ fielen 40, 1 3u#art «der 20, eine ®5lbe 
12 Pfennige. Die geto3$nli$fte SBefteuerungSform toarb julefct 
bie fogenannte Sanbfteuer, toelche mehrere ber ermahnten Steuern 
bereinigte unb bereits bie ©puren eine* ©teuerstem* barfteflt. 

Irofc beträchtlicher SRfidftänbe unb <2h$ebung3!often erreichten 

1) Stynlt* urteilt 3ul. ©offntann in feiner ©eföufcte bcr biretten 
steuern in ©aiern *out (Snbe be* 13. Bi« jura beginne M 19. 3a$r* 
hunberW (1883), 2. Bußer biefer trefflichen @<$rift f. für ba$ flgb. bie 
lurjen ©emertungen fcon Sode, Beiträge jur <§>t\$. ber (gintommen- 
fleuer in ber Tübinger 3eitför. f. etaaWtoifienföaftcn XX, 221—224. 
$a6 urtuublUhe Material Bieten Ärenner unb t>. fier^enfetb« Frei- 
briefe. 



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782 



bte einnahmen biefer ©teuero jutoetten eilte anfehntiche ftöfc. 
©et ber 1464 tum 8ubtoig bem Steteren erhobenen ©teuer l ) 
ftanb ein ertrag bon über 73000 fl. r$etn. (ber fl. = 7 ©chü* 
linge) einem »nfchlage bon mehr al* 141000 fl. gegenüber. 
Die bon albrecht IV. 1493 ausgetriebene ©teuer trug im 
Oberlanbe 16000, im SRieberlanbe 5700, im SRorbgan 2800 fl, 
toobei ©tabte unb SRätfte mit folgenben ©nmmen beteiligt 
toaren: STOünchen 2000, Saneberg 700, ©eilhetm 125, ©$oif 
gau p Pfaffenhofen, SReuftabt je 100, Stdtj 60, Aibling 45, 
ffiolfratshaufen 36, Dachau unb Üßurnau je 32 fL Seit 
^9^ere Summen ertrug bte »on bemfelben Surften jur flrin* 
Wfung ber ®raffchaft S^am auSgefd&riebene ©teuer: im Ober* 
lanb 26 300, SRieberlanb 13 675, SRorbgau 5025 fl. 

(Sin ftänbifcher ober ein au« ganbftänben unb ffirftltd^en 
Beamten iufammengefefeter ÄuSfchujj legte bie ©teuer an unb 
lieg fte bur$ Unterfteurer, mit benen bte einjelnen (geriete 
befefct »urben, ergeben, trd^renb früher, im 13. Oahrhunbert, 
in ber Siegel bte Stifter mit ihren ©chergen, ^ie unb ba au$ 
Äaftner bie (Jr^ebung beforgt Ratten *). 3ucrft bei ber ober* 
bairiföen ©teuer im Sahre 1356 erhielt bte ßanbfchaft ba* 
ffle$t, acht Xbelige unb acht SBürger „gur ©teuer", fotoohl ps 
beten (Erhebung als SSertoenbung ju träfen (f. oben ©. 42). 
Die $erjogli$en Beamten Ratten biefe ftänbtföen ©teuerorgane 
ju untetftfifcen. »Bmä^lid^, ba bte Steuern häufiger timrben, 
bitbete ft$ bie Übung, bag man jur Vereinfachung beS S3er* 
fahrend neue ©chätytngen unterlieg unb auch bei neuen ©teuern 
bie alte ©chäfeung jugrunbe legte. Sine ausführliche ©teuer* 
orbnung, nach mobemen {Begriffen jugleich ©teuer* unb fttnanj* 
gefefe, n>ar juerft an bie oberbairifche ©teuer t>on 1396 ge* 
fnüpft. Damals leitete eine ftommiffion »on 21 IDhtgliebem, 
beftehenb aus bem h^joglichen 83ifctum, t>ier Prälaten, acht 
bon ben töäten unb bom «bei unb acht t>on ben ©t&bten bie 

1) «rentier VII, 115-220. 

2) @. «aaf<h, 2)ie Steuer im $erjogttttn ©aient M6 1311 (1888), 
32 f. 



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Steuerbefreiung be9 IfoeW uub ber $r$faten. 



788 



Steuererhebung. Die Anlegung im einjelnen Beforgten nur 
für bie ©runbholben be« 8anbe«fürften bie $etjogli$ett ©teurer, 
toä^renb fte ben ©tfibten, bem »bei unb ben Prälaten für fleh 
unb ihre SJeute überlaffen blieb. Die ©täbte bejahten in ber 
{Reget tyxt feftftehenben runben ©ummen, SWfinchen }. ©. 
2000 fl. r au« ber (Bemeinbelaffe unb erhoben biefe bann burch 
Umlage unter ihren ©firgern. 

»u« biefer ©efugni« ber Sanbftanbe bie ©teuer felbft an* 
julegen erfcueh« nun im 15. 3ahrhunbert einer ber fchreienbften 
Sßifcbrauche im ©taat«leben, bie ©teuerbefreiung be« Äbel« 
unb ber Prälaten, ffiurben burch einjetne ©teuerarten nur 
getiriffe Staffen ber ©eoSIferung getroffen, fo mar bagegen bie 
gemifchte fianbfteuer urforfinglich in ber 8bficht aufgetrieben, 
foiooht bie brei in ber fianbfehaft vertretenen ©tänbe al« bie 
„Ärmen fieute", ben ©auernftanb ju treffen. Unberfehen« aber 
brauten e« Äbel unb Äleru« Dahin, bajj fte bie ganje ©teuer* 
laft auf ihre ©auern abtoäljten unb felbft fteuerfrei blieben, 
jufolge einer Äuffaffung, toonach, menn ihre £>interfaffen fteuerten, 
föon baburch fte felbft al« beren Herren mitgetroffen mürben. 
Die 8anbe«herren oerf&umten e« biefem Unfug gleich im <5nt* 
flehen entgegenjutreten unb mujjten ihn noch in biefem 3*ttraum 
felbft al« ju ffle$t befte^enb anerlennen, tote fo manche« Un* 
recht im Mittelalter burch ftiltfchmeigenbe« ©efcahrenlaffen föon 
in ber^altntemäfcig furjer grifl bie ©anltion be« rechtlichen 
$er!ommen« erhalten fpt 

@o tomrbe bie ftänbiflhe ©teuerbefciöigung, bie urforünglich 
nur einen Stiegel gegen fjmangmijjbräuche ber 8anbe«herren 
bilben foöte, felbft toieber jur Quelle ftänbiföer ginanjmtgbräuche. 
3mei in ber 8onbfc$aft vertretene ©tänbe, Prälaten unb »bei, 
flhraubten fleh felbftfüchtig babon lo«, ihren Anteil an ben 
©taaWlaflen ju tragen, fflenn ba« brüte (Blieb ber Sanbfchaft, 
ber ©ürgerftanb, nicht ba« (Bleibe t^at, fo erflärt fleh bie« 
einfach baburch, bat berfelbe nicht toie bie beiben anberen ©tänbe 
eine ©auerföaft unter fl<h hatte, auf bie er feine ©teuer hätte 
obtoäljen fönnen 

1) tfobere GrflSrmtgftgrfinbe führt «offmann, 30, auf. Neben 




784 



Stenern. 



Srnped Ilagt, bog bie ©teuernerheber SubtoigS be$ fltewhett 
, gleich böhmifchen 2B5tfen* gegen bie ©runbholben be« ftteru* 
hüteten, bie an mannen Orten für ihre ©runbherrfchaft feinen 
3in$ übrig behalten hätten, »eil bie Don ihnen eingetriebene 
Sanbfteuer benfelben ©etrag erreichte, ftlagen be* Solled über 
©teuerbrud finb ettoaä fo SRatürliche* unb allgemeine*, ber 
(Stab ihrer {Berechtigung, fomeit fte au3 fernen 3ahrhunberte» 
rühren, in ber Siegel fo toenig feftjufteüen, baß toir un« babet 
nicht aufhalten ©ollen. 9iur ber merfroürbigen Äußerung be* 
üRattfeer «nnaliften fei gebaut, $erjog ©tep&an habe bie fernere 
unb bei ben älteren bairifchen $erjogen unerhörte ©teuer, bie 
er 1367 bei feiner Verlobung mit ber lobtet be$ $>crjogö 
Don SWailanb oon ben ©auern in ©etreibe einforberte, beut 
©rafen Ulrich Don ©chauenberg abgelernt 1 ). 1501 tlagtrn 
grateten be« SRieberlanbeS, bafc bie neue ©teueranlage für 
©Slonerantoerbung, Don ber nur bie ©auem be* Äbel« befreit 
toaren, auch auf tieine Bauerngüter gelegt »erbe, oon brnen 
Diele nur mit jtoei Ockfen unb einem Stög gebaut mürben; 
bie golge müjfe fein, bat ^n lag au £ag mehr ®üter Der* 
9ben unb bie armen Seute »erjagt »erben. Wibrecht eruriberte: 
ba bie ©teuer auf einen $of nur 28, eine $ube 15, eine 
©ölbe 10 ftreujer betrage, fei bie* laum ju befürchten; bagegat 
mürben ft^er Diele ©üter oeröben, »erat bie ©auern fetbft 
ausgehoben unb $unoerte berfelben erfiochen ȟrben *). 

«I« Iiibrecht IV. ba« 8anD«h«ter Sanb in ©eftfc nahm, 
ließ er burch feine ©eamten Don ben ©auern, »eiche ihm f)uU 
bigten, überall eine ©teuer „oon $ulbigung »egen* erheben, 
Don ber jtoeifelhaft bleibt, ob fte eine burch bie Notlage be* 
Hugenblida erjmungene Neuerung ober alte« $etfommen »ar. 
Die aufgejeichneten ©etrage fch»anfen 3. ©. im Ämt Siofett^ 
heim Don V» bis 16 fl. für ben einjelnen 8 ). 

bem oben genannten Jebo$ tdnnen biefettcn h&hfta* in fe$r untergeorb- 
neter ©eife in Betraft tommen. 

1) M. 0. Scr. IX, 833. 

2) Ärenner XI, 536-552. 

3) gftrßenfa<hen XXI, 1, n. a. f. 323 f., 399 f. 



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Ungetb. 



785 



(Sine tnbttefte ©teuer, ba$ fogenannte Ungelb *), mar ur* 
ftrünglicfc ein 3ufc$lag gu einem fäon ^rüfar befte$enben 3otl. 
Die|e aSetfe^t^fteucr mar lange 3eit auf ©täbte beföränft, 
btentc au$ meiftenteitö bem ftäbtiföen $au«$alt unb mar nur 
auf bie (Sinfufcr gemiffer ©aren, befonber« 2eben$mittel, gefefct. 
Srft aflmä$lic$ matten bie 8anbe«$erren biefe ginanjquelle für 
fid? felbft nufcbar unb bebten bie ©teuer auf ben 33erbrau$ 
fcon 2eben«mttt*ln im ganjen fianbe au$. Der ©tabt SDlfincben 
fiberlieg ^ergog fltubolf 1301 „fein Ungelb" am cbern unb 
niebem Zfyox fo lange, bis »on bem (Ertrage ber ©au ber 
©tabtmauer boflenbet märe; aber Won 8?ubolf$ ©ruber, Äaifer 
Submig, lieg fi$ bon ben ©ärgern bemetfen f bag ba« Ungelb 
ber ©tabt unb jmar }u tyrem ©au, ©efferung unb ©efeftigung, 
ju SRecfct gehöre, unb überlieg biefe ©teuer auf emig ber ©tabt *). 
©ie trug 1318 über 170, 1320 über 200 $funb Pfennige s ). 
1385 aber liegen fi$ bie $>erjoge ©tepfym, griebriety unb 3o* 
$ann, „toa fie ni$t$ anbereä erfinben noc$ erbenfen tonnten, 
baß für fie fo nüfelicty märe, bamit fie »on ©Bulben tarnen", 
oon ber ©tabt bie (Erhebung eine« neuen, fe$r $o$en unb au** 
gebeerten Ungelbe* bewilligen, ba$ oon eingeführtem SGBettt f 
(betreibe, 5£uc$, Seinmanb unb Sifen erhoben mürbe, ftaum 
eine anbere Sßagregel ber dürften $at fo oft bie Unjufrteben* 
$eit be$ S3ol& ermedt mie ba$ Ungelb, SBäfcrenb $erjog 
griebriety auf ©itten ber 8anb$$uter ©ürgerfctyaft 1390 bon 

1) Uns ^at bter nieine« (Startend trofc ber alten, aber, tote mir f^eint, 
auf SWiß&erflSnbm« berubenben Überfefeung mit indebitum, nic^t *er* 
neinenbe fonbern berßärlenbe ©ebeutung: Ungeib ift nichts anbete« al« 
©elb, ®tlt, n5mli($ Ballung, fotoie Untoflen niibt« anbere« al« Äojlen, 
Untiefe ni$t« anbere« al« liefe, nur mit ettoa« fcerftärtenbem 6üm. 
3eumer (2)ie beutf<$en ©tfibteftenern, 91 f.) Weint bagegen an »er- 
neinenbe »ebeutang ju benten: „3n ber «ejeitSnung liegt, baß man bie 
Abgabe al« ett»a« Ungehörige«, junt pjÜ^tmSßigen alten 3ottfafc, bem 
debitum, ©mjutretenbe« betrafyete." galfö, tt>ie»o$l föon in Sltewjn 
fcotamenten fcorfommenb (»iedei^t nur <5bltion«febler?) ift bie bäuflg 
gebrauste gorm Umgelb, ju ber unfer „Umlage" «nlaß gegeben bat. 

2) M. B. XXXV b, 25. 54. 

3) *. @utner, ©erfaffung ber jtöbtifö. ©etoerböpolljev, 470. 




786 



Ungttb. 



bet (Erhebung eine« Ungelb« abftanb 1 ), $at fu$ Crnft bur<$ 
eine berartige gotberung mit ben 3ßünctynem ßbermorfen. 
1403 jebo$ totöigten (Smft «nb ffiityelm barem, ba§ ba« ba* 
mal« in 2Hfin<$en feftflefe^te Ungelb Don 6 STOag Don iebem 
©wer ©etat unb 2Ret gut $älfte in bie ©tabtfaffe fliege *). 

9(uf ba« ßanb au«gebe$nt unb jum 8fo«fu$rjotl umgemanbelt 
erföetnt ba« Ungelb jucrft 1396 Don ben $erjogen Stephan 
unb 3o$ann. Dtefe festen ein Ungelb auf äße« ©etrairf unb auf 
ba« 83ie$, ba« Don gremben unb ftaufleuten au« bem 8anbe 
getrieben mürbe: Don iebem Cimet ®eträn! 6 Sttag, Don einem 
$ferb unb Ockfen 14, Don einer ftu$ 10 Pfennige u. f. to. *). 
S)a« im ßanbe gefölac^tete S3ie$ foBte be« Ungelb« lebig fein, 
eine ©efiimmung, toel^e bereit« bie lünftige Umtoanblung be« 
Ungelb« in eine allgemeine 93erbrau$«fteuer afrien lägt. 3m 
2Wün<$net, 3ngolftäbtet unb ©traubinger Sanbe beftanb bie 
(Einrichtung be« Ungelb« fort. 3m 9Rünc$net Sanbe tourbe 
fic but($ SUbred&t IV. 1473 neu geregelt. Unge(bpfft$tig mar 
$iena$ au«länbifc$e« S3te$, ba« im Sanbe Derfauft tourbe, unb 
inlänbifctye«, ba« au«geffi$rt tourbe, fteuerfrei Don ben 3Rfin$ner 
SDlefcgern gefölac^tete« unb für ben $au«bebarf angefaufte« 
83ie$. 23om «Bein foüte UngelD bejaht toerben ba, too er 
au«gef$enft toarb. S3ier unb anbete ©etränfe toerben $ier 
nictyt genannt, ©ie mit (Erhebung be« Ungelb« betrauten Sie* 
amten Riegen „Ungelber", toa« no$ al« Familienname fortlebt. 
1502 regelte «Ibred&t ba« S3er$ältni« jmtf^en 3oH unb Ungelb 
in ber SEBeife, ba§ ber erftere fortan Dom SSerfäufer, „bet Un* 
gelb", toie e« bamal« $ie§, Dom ftäufet erlegt toerben foUte. 
Die ©afce betrugen bamal« für ein 8?ojj 14 4 Ungelb, 4 4 
3oö, füt ein 8?inb 7 4 Ungelb, 2 4 3oH u. f. to. 

1488 tofinföte $etjog ©eotg bie in feinen 3ngolftäbtet 
©ebieten föon länget beftefcnbe (Eintictytung auf fein ganje« 

1) ?ant*$uter Urt. (ed. Äal$er); 1390, 3an. 10. 
2JM.RL c. 145. 253. 

3) R. B. XI, 59. 3um flgb. bef. Ärenuer VIII, 116f.; IX, 
540 f.; XU, 217 f. 229-255. 282 f. 289 f.; XVI, 123. 296. 




SWfinjtoefen. 



Skmb audgube$nen unb Begehrte »on feiner 8anbfc$aft auf fünf 
3a$re ein Ungelb »on ©etränfen. Da bie ©eratung »ergögert 
toarb, &erfuc$te er e$ fogleicty einzuführen unb bie ©tänbe ba* 
burc$ ju gewinnen, bafj er ifyten ben brüten Seit ber einnahmen 
t>erfpra$ 1 ). Die Ungelborbnung *>om 2. gebruar 1489 Be* 
fttmmte, bog Prälaten unb ^rieftet für tyren eigenen unb ber 
Älflfter ©ebarf befreit fein unb bie Prälaten foioie ber äbel 
Don beut in tyren $ofmarfen anfattenben Ungelb ben brüten 
Seil erhalten feilten. $ier geigte ftc$ |ebo$ triebet ber tief im 
SSoIfc nmrgelnbe, fo $äuftg $ert>ortretenbe 3"8 großer (Em* 
pfinbli$!eit gegenüber ersten (Setränfepreifen. Da bie Dur<$* 
fü^rung auf unfibernrinblid^e ©etytirierigfeiten [tiefe, einige 9tent* 
weifter gerabeju 8lufru$r Beforgten, fcurbe föon 1490 ba$ 
Ungelb toieber abgefctyafft unb bafür eine Sanbfteuer au$* 
getrieben , bie 100270 fl. ertrug. 211$ bie fianbeflteile »er* 
einigt tourben, beftanben ba$er bejüglidfr be$ Ungelto »erfd&iebene 
•Wonnen, beten 2lu$gleic$ung unter Sllbred&t IV. m$t me$r 
erjielt mürbe. 

3m SWfingtoefen 2 ) ging, toenn auc$ gutoeilen (Einungen erjielt 
tourben, in ber Kegel bo$ Jeber 8anbe$teil feinen eigenen 2Beg. 
ffienn auf biefem (Sebiete au$ Jefet nodfr leine georbneten 3 U " 
ftönbe $crrf$ten, fo trug bie größte @$ult> baran ber fort* 
toä^renbe Unfug ber ÜWünjerneuerung : faft bei iebem {Regierung** 
»ectyfel, gutoetlen auä) inmitten einer Regierung unterlagen bie 
8anbe$$erren ber lodenben 33erfuc$ung, auf biefem bequemen 
©ege fi<$ beträchtliche (Einnahmen gu t>erf Raffen. 1373 erteilten 
bie ßanbftanbe ©tepfcan IL unb beffen ©ö$nen i$re (Sintoiüigung 
gu einer SWüngerneuerung nur unter ber ©ebingung, baß »on 
nun an baß Äorn ber 2Hfinge befielen bliebe, bo$ bie @ö$ne 
gelten ft$ foäter nic$t baran. 3mar fcafcrten fi$ bie ©tanbe 

1) Sie es in ber @tabt Sngolflabt bid^er f$on gehalten toarb; 
Ärenner XII, 219. 

2) SRuffat, «ettr&ge jur <8ef$. b. bair. SWjlnjtoefeu«. 2>ie Ur- 
lunben f. in O. unb <Sr. VI, unb Bei 2 ori, SWfinjredbt I. Bbbilbungen 
ber aWunjen Bei « eierl ein, 2)te Bairiföen 3Wünjen be9 $aufe* ©ittel*- 
Ba<$, OBerba^er. ttaftb XXIX. 

«iejler, OeföWc ©aterne. III. 47 




SRfinj&efen. 



Cinffafc auf We »ertoaltung be6 »tätigen Slfinjregatt; 1392 
toarb in 9tteberbaiern ein ÄuSfdpif oon 9 ©camten unb abeligen 
unb 6 ©ürgern mit bet Staffiert Aber ba* üKünj»cfcn betraut. 
®ebei$lic$e 3uftänbe iebo<$, bie oon Dauer getoefen uaren, 
fcermodfrte au$ bie 8anbf$aft ni#t fcrbeijufüfcren. 1395 Oer* 
anlaste bie Überfö&emmnng mit geringwertigen 9Rfi$en aüe 
bairifäen $erjoge, ben SBiföof 3o$amt Don ftegentiburg unb 
ben 9?at biefet ©tabt jur ©rünbung eine« SWünjoerein«, N ba* 
mit bie böfe ringe üßünje Vertrieben »erbe unb man gemeintty 
tirieber au gutem (Selb lommen m8ge". §ür bie frrjogßcfctt 
SSnber tourben bie brei $aiq>tftäbte, 3Jian<$en, Ongotftobt, 
&mb*$ut al* SDlfiniftätten beftimmt; in ieber biefer ©täbte 
übernahmen brei üHitglteber be$ inneren ©tabtrat* bie Leitung 
beS SRünjtoefen*. Sine neue fötoarje ©ilbermünje »urbe ge* 
prägt, oon ber bei einem ®e$alt t>on 8 8ot fein 432 Pfennige 
auf bie rauft SKarf gingen. Da bur$ ben auswärtigen $anbe( 
biel ©olb einbrang, unterfagten bie $erjoge ®tet>$an unb 3a* 
$ann 1397 *) beffen Sfatoenbung m$t nur beim Stauf oon 
©aren unb Lebensmitteln fonbern au$ bei 3a$lungen oon Oer* 
trieften ®elb($ulben, ©Uten unb &in\tn, ein SSerbot, baS |ebo<$ 
nic$t lange aufregt erhalten »erben tonnte. Damals tourbe 
feftgefefct, bajj ein $albeS $funb ber neuen fcfyoarjen SRfinje 
für einen ungariföen ©ulben ober Dufatett, 12 Pfennige meniget 
für einen r$ein. ©ulben, 1 WegenSburger Pfennig fflr 2 fcbioarje 
bairifebe Pfennige unb l «reujer für brei fol$e Pfennige ge# 
geben »erben fottte. ©elb toetbfeln burften nur bie bereibigtm 
Kessler unb STOünjmeifier. ©#on brei 3a$re foater tötetest 
©tepfrm III., Smft unb ©ityelm oon biefer mit ben ©tonten 
bereinbarten aHünjorbnung ab, fteOten $eter ben ©ie&er, ber 
tynen bon ber gemixten SWünc^ner SWarl 15 Pfennige @#ag* 
f$afc }u jagten $atte, auf jtoölf 3a$re als tyren aRflnjer }u 
üKünc^en auf unb gematteten tym Pfennige ju fragen, ton 
benen bei 6 Sot ©ilbergefcalt 416 auf bie rauft 3Kar! geftn 
foaten. «Heber bereinigten flc$ 1406 bie oberbahrtfeftn $erjoge 

l) R. B. XI, 94. 




SWfinjtotfen. 



mit $einric$ *>on Santefytt na$ bem Kate ber Sanbf<$aft auf 
eine neue 2Rfinge uttb nun auf bad ®ebot, baß Jebermann bei 
Stauf unb ©erlauf in tiefet ober in ®olb au$ja$le. SJon 
nun an laufen, 3. S3. in ben ©teuerbüd&ern, meift jtoei 9?ed^^ 
nung$toeifen neben einanber $er. Die eine na$ $funben f 
©Edingen unb Pfennigen, bie überall auf bem Sanbe unb 
oielfacty au$ in ben ©täbten angetoenbet »urbe, bie anbete 
nac$ ®uß>en, alfo nad& frembem ®olb, meift nur in größeren 
©täbten fiblidfr, too reger S3erfe$r mit bem «uÄanbe $errf<$te, 
(Sin $funb $atte 8 ©d&idinge, ein ©Eitting 30 Pfennige; ein 
r$einifc$er Oulben tourbe meift ju 7 ©Edingen ober 210 
Pfennigen, ein ungarif<$er ju 9 Spillingen ober 270 Pfennigen 
geregnet 1 ). 9?eue Seränberungen be* aWfinjfufceä erfolgten in 
©aiern*2Wfin<$en bur$ bie $erjoge ßrnft 1435 unb 2U6re$t in. 
1454. 

2Wünjftätten beftonben auger in ben brei $auptftäbten unb 
in JRegenSburg auc$ in 9?eu8tting unb Straubing. SHur oor* 
fiberge^enb fd&einen bie 3ngolftabter $erjoge in ©teilt, Sauf 
unb gretftabt geprägt ju fytben, totfyt üWünjftätten fie 1404 
oerpfänbet Ratten 9 ). Dürnberg bewerte fi<$ 1408, bog 
$erjog Stephan ju Sauf nur jtoei SKeilen r>ox feinen Sporen 
prägen laffe 9 ). 3n Kegendburg mar ba« neben bem Bifc^öf^ 
liefen beftefcenbe $erjogli$e 2Rünjre<$t bei ber SkmbeSteilung an 
bie ©traubinger, na$ beren Slu«fterben an bie 2Rün<$ner Sinie 
gefaden. 81$ $erjogfid&e« 8e$en befaß bort anfangs no# bafl 
2Hünjamt bie ftorporation ber SWünjer * $au*genoffen unter 
einem oon ben gürften ernannten äBüngmeifter al$ SBorftanbj 
fie entrichtete ben $erjogen oon ädern angelaufen ©Uber, ob 
fle e« au«münate ober nipt, einen ©c^lagföafc, ettoa je$« 
Pfennige oon ber raupen ÜÄar!. 3n ber jtoeiten $filfte brt 
14. 3a$r$unbert« aber, ba ©Überpreis unb frägeloften fliegen, 

1) eo im 15. 3a$r$unbert. Sgl u. a. clm. 4894, f. 181: Dm 
ist gemain in Bayren in kaufmanschaft. 

2) B. B. XI, 348. 

3) 2). tteu$*tag9aften VI, 261. 




740 



9Rütt}tt>cf<n. 



geriet bie einft fo too$lhabenbe $au*genoffenfc$aft in »erfaß; 
al$ fie 1391 eröärte, fie fcofle unb lönne nic$t prägen, über* 
nahm bte ©tabt an ihrer ©teile bat SWünjen, unb aßmählidh 
ging burdfr toieberholte Überlaffung be$ SWünjred&te« an ben 
©tabtrat baäfelbe ben $erjogen gän^ich verloren. 

Unter ßubtoig bem Weisen gemannen bie äRtffltSnbe im 
SKfinjtpefen gerabeju poltttfd^e ©ebeutung. SHefer gfirft (toie 
f$on fein Sater) nnb ebenfo bie $>erjoge 3ohann unb ©igmunb 
in SWünd^en Hegen geringwertige Pfennige, bie fogenannten 
©dfrinbertinge prägen, ton benen bei 1 8ot ©übergeholt 560 
auf bie rauhe 8anb$huter STOarf gingen. 3 U te« ftlagen Aber 
biefe SRünjen gefeflte fich befonber* in SRieberbaiern bie über 
ba« (Einbringen ber Dielen 9?a(^a^mungen Don ©eite benach* 
barter Herren: ber (Erjbifchof Don ©aljburg, bie ®if$öfe Don 
©amberg unb $affau, bie ßanbgrafen Don Seud&tenberg unb 
®raf Ulrich Don Öttingen prägten 2Rünjen, bie ben batriföen 
fchtoarjen ähnlich uniten. 1453 Derfuchten ßubtotg unb «forest III. 
burch eine gemehtfame Oefanbtfchaft an ben SBifdhof Don 89am- 
berg »ergeben« ihn baDon abgalten. (&€ laut fo toeit, ba& 
1458 bie ffiittettbacher: Suburig, «brecht, «urfürft griebrty 
unb ¥falggraf Otto Don SReumarlt fich auf jehn 3ahre toiber 
Jebermann Dereinigten, ber auf fö&arje garbe unb batrifche 
gorm münie unb ihnen in ihren SWfinjen Ortung tyue; mit 
tägttd&em Krieg, mit $eere*}figen unb aflem Cmp »oflten fie 
fi$ gegenfeitig gegen bie ©$ulbigen unterftfiften. Stn biefe er- 
gingen f$riftlt$e Abmahnungen. Salb barauf einigten fleh 
ßubtirig unb Htbrecht auf eine neue 3Äünje, toobei att SRfinjfujj 
feftgefe^t tourbc, bajj auf bie Sanb^^uter SWarf gtoei $funb 
Pfennige mit einem ^eingeholt Don 6 8ot ©Uber gehen foflten. 
8n einem (Snbe IDejember 1458 in Santehu* abgehaltenen 
SDWlnjtage nahmen auger Vertretern 8ubtoig$, WbrechW unb 
be* Äurfürften griebrich au$ ©efanbte ber ftird&enfürften oon 
©Osburg unb $affau teil. Der fiurd für einen ungarif$en 
®ulben ober ©ulaten tourbe bamatt nur auf 7 ©<htüinge, für 
einen rheinifchett auf 5 Schillinge 10 Pfennige ber guten auf 
6 8ot ausgeprägten SDtünje feftgefefct Doch Dermodhten aße 



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aftünatoefen. 3Stte. 



741 



abmad&ungen bcn Rur« be« ®olbe« nid&t $erabjubrüden unb 
1459 mujjte ßubtotg ein ÜBanbat au«ge$en laffen, toona$ ber 
r$einifd&e ®ulben nid&t $5$er al« um ein $funb, ber ungarifctye 
m$t fttyer at« um 10 ©d&ülinge genommen toerben bürfe. 

3a$retang $at fu$ aud& 8lbred&t IV. um bie SReform be« 
SDlünjtDefen« bemüht, bi« er enbtic$ 1506 — ber erfte batrifc$e 
$erjog — fetber ©otbgutben unb jtoar auf r$einifd&e Sßa^rung 
prägen Heg unb eine gänjttcty neue Drbnung be« 2Rfinjti>efen« 
einführte, geftttfct auf ®utad&ten be« Dr. ^Baumgartner unb be« 
faljburgtfd&en 2Wünjmetfter« ftonrab ©ber, toetety teueren er ju 
feinem üHünjmeifter befteHte. Die neuge^rägten ®utben, bie 
fcom ba« fcierfetbtge ©apt>en ©aiern« unb ber $falj, rüdmart« 
ben &or bem üßartenbilbe Inieenben $)erjog jetgten, tourben ju 
7 ©Ettlingen Pfennigen ober 14 ©Edingen datier angefd&tagen. 
8ln ©übermfinjen mürben geprägt: ©rofdjlen im Sßert Don 
3 ftreujern ober 114 Pfennigen; ®r5fd&el mit be« $erjüg« 
S55a$lfpru$: Justus non derelinquetur, im Sßerte &on 2 Äreu* 
jern ober 7 Pfennigen; Meine ftlberne fetytoarje Pfennige, 600 
©tüd auf bie rau$e SWarf bei 4 80t ©Uber geinge^att, unb 
$aßer, Don benen jtoet einen Pfennig galten unb 960 auf bie 
rau^e üHarf bei brei 80t getnge^att gingen. ftu$ ©d^au* 
mitogen ober SWebaiflen finb guerft unter Stbred&t IV. geprägt 
toorben. 

®lei$ ben fläglid&en 3)lfinj&er$ältniffen toaren bie $o$en 
38ße ein läftige« $lnberni« be« 8Barem>erle$r«. Sine aßju 
mafclofe 3lu«beutung biefe« tanbe«$errltd&en Wega!« burd& fort* 
gefegte Aufrichtung neuer 3oÜpatten mujjte freiließ in ber Un* 
jufrieben^eit ber Sanbftänbe unb in ber ©d&äbigung be« 33er* 
fe$r« tyre ©d&ranfen pnben. ®<$on ber Sanbfrieben Don 1352 
verbot ade neuen Oeleite unb &itk, bie Freibriefe t>on 1392 
unb 1402 &erforac$en ade 3ö(Ie unb ©tragen nad& alter ©e* 
too$n$ett ju belaffen. fflenn £in unb toieber aud? foäter no$ 
bie Aufrichtung eine« neuen £cüQ *>erfud&t nrirb, fo bilbet bie« 
immer für ©tanbe unb SRad&barn einen ewftlic$en ©efd&toerbe* 
punft. 3n SBittentoatb in ber $>errföaft Sßerbenfel« befafcen 
unb übten bie $ergoge bon JBaiern feit alter &tit ba« $tet 




742 



380c Bergbau. 



fe$r eintrfigfofc 3oÜre$t, toä$renb bie 8anbe«H«tt bo# frei* 
fingifö toar. $ie unb ba, aber feiten Ratten au$ ebqefae 
©tfinbe alte 3^ß^te ; fo ftlofter ©anmburg )u »Itenraarft 
1439 ja$tte bort Jeber ftramer, ©ä<fer, $afner, ber mit ©are 
burt$ bett Ort fu$r, l J), ebenfo Diel ein ©algtöagen, totn 
„Staden ®ttt M aber, b. $. in Sollen beredter ©are, entfiel best 
— fttofter ein Drittel be« an ben 8anbe*$errn bejahten 3ofl* 1 ). 
8nfe$nli$e <£tnna$men floffen ber Raffe be« 8anbe«$erra 
and betn ©ergregat ju, feit ber bergmfinntf^e betrieb na$ ber 
SDtitte be« 15. 3a$r$unbert« unerhörten «uffätoung na$m. 
Die ergiebigften ©etfe tagen in ben «fyenlanben be« 3ttgofr 
ftäbter 8anbe«teit«, in ben ©ersten Stattenberg unb Äifcbflfcl, 
aber erft na$ bem Änfaö be« Sanbe« an 8anM$ut tourbe unter 
betn etnftd>t«ooflen €$ufc ber $erjoge tfrre Hu«beutung in 
großem 3Rafftabe unb mit fe$r lo^nenbem (Erfolg betrieben, tme 
auc^ ba« SRa^barlanb JEtrol erft bamat«, unter Ghrjfcrjog 
©igmunb, fein golbene« 3eitalter be« Sergbau« erlebte. SRa$* 
bem f$on $erjog $etnri# 1447 tiefen Wtyenbergtoerfen ©erg» 
freisten gegeben $atte 1 ), erlieg fein ©o$n 8ubtoig 1459 für 
bie $errfc$aften Kattenberg, ftifcbfifcl unb Äufftetn neue ©erg» 
frevelten, bie ben Orbnungen ber benachbarten ergiebigen 
©^toajer ©ergtoerfe unb mittelbar ber ©$(abminger ©erg* 
orbnung öon 1308 nac^gebttbet toaren. äwadtft au f J*t* 
3a$re erlaffen, mürben fie na$ Ablauf biefer grift im toefeut* 
liefen erneuert. Den ©erglenten toarb perfönlid^e gretyeit, 
freie« ®eleit, bie niebere ®eric$t«barfett, bie fie bur$ einen 
eigenen Winter fcertoalten feilten, Shilling ber ©älber, ®* 
tofiffer, ©ege unb Stege na$ ©ebfirfni« gemärt, gfir bie 
erften jefrn 3a$re behielt fi* ber $erjog at« „©ergtoerttre^t 
ju gro^n 4 ' nur ben jeftiten ftfibel ftrj *or. »ac$ biefer grift 

1) $rimm, tBeiltüraer VI, 163. 

2) ftesftnrger XXXIV, L 74 t. 2He Uttunbett für bal ftgb. 
ftab gebrndt in ben Seilagen ju gori, ©anunfong b. bairif$en ©erg- 
reift« (1764). Siele ©ergtoert*fa$en entölt im 9t.-«. bU »tettnng: 
<Skri<$t Kattenberg. 




Bergbau im taittföen 3nnt$crt. 



fottte aujjet bet *$to$n" Dott Jebft 8»at! ©ittet 1 ff. tfcta., 
t>on lebet aJZatf ®olb 9 fL ung. an tyn bejaht toetben, bon 
«liefet imb «lei aber bet gefytte «übel entfallen. 1463 [tief* 
man in Watten&etg auf eine fo ergiebige ©ilbetabet, bafs ba9 
<Wb, u>ie bet <£$tonift fagt, in mannen ftteifen gleich ttid^M 
«efc$&fet mürbe. (Betoinntoftige Unternehmet au« allen ßänbetn 
ftrömten nun bott gufammen l ) unb bon Seite ßubfcig« erfolgte 
bamal« bet Stlag einet au«fü$tli<$en ©etgotbnung für bie 
»tytigften ©etg* unb @$mety»erfe, bie ju »attenBetg unb 
#ti{Iegg. Äuget bem ©ergtU$tet unb feinem ©Reibet toax, 
al« te$nifc$et unb 5fonomtf($et Setter, au<$ ein ©etgmeiftet, 
$etet $itn, mit einem 3a$te*fotb *on 140 ¥funb Pfennigen 
aufgefteUt, femer eine ganje Steide ton ©eamten, ©egenföteibet 
(«ertforen), €#meljmeifter, ©Liener (8Jtotff$aibet ober 3n- 
genieure), Silberbtennet u. a., ade mit feftem ©olb unb in 
„fcofgetoanb" uniformiert *). «Oe biet ©o$en foflte bet ©etg* 
tid&tet an einem Sage, an bem ntc$t ba* 8anbgeti$t tagte, ba« 
49erggert(^t mit Qefötootenen befifcen unb Jebetmann, atm unb 
tei#, na$ ©etgtoettttety gleite* 3te$t auf feine ftlage toibet* 
faxten laffen. Die fiqfnappen bitbeten bemnadfr tote bie ju 
einem gto$n$of geistigen ©auetu eine ®enoffenf($aft, fie fanben 
gleich jenen gifrfotge im Salle ton fttantyeit ober arbeite 
«nfä$ig!eit. ffienn fie nad? Battenberg famen, Ratten fie *e*> 
botene ©äffen, 8fi$fen, «tmbtüfte, Stiege, fytitn, ©utfbeile, 
$elmbatten, Stehet unb Degen abbiegen. «W „ftläubet* 
buben" toutben f$on ftnaben in jattem flltet fceroenbet. 

WtUfyt bebeutenbe Summen bem 8anbe*$ettn au« bieten 
©etgtoetlen jufloffen, mag man batau« erfefcn, bag fein ©e* 
toinnanteil im 3a$re 1465 20099 fL t$ein., 1276 fL ung., 
1425 3Marf betrug, tttyt }um minbeften toat e« Wefet »etg* 
fegen bet «Ipenlanbe, bet ben 8anb*$utet $etjogen ben fyrty 
Wttlic$en Keitum fauf ! Daneben tetbanlten au$ bütgetß<$e 

1) Chron. Salisburg.; Canisius, Lect antiq. 111,2, 498. 

2) &. ©atttoig $eefc, »oßemiffettf^Wi^e «tobtet (6ef. 6. 12f. 
22 f. 28 f.), »o rd^e9 ariftitafffötf Material fa^fnnbig fcertoertet ifl. 




744 



Bergbau. 



imb abctifle gamüten, u. a. bie $ofer t>on {Kattenberg *), bent 
töattenberger ©ergbau anfe$nlt$e ©o$l$aben$ett. 3Jiandfcr 
aber toarb gum «röfu«, nur um bur# tolle ©erfd&toeubung gum 
©ettler fcerabgufinren *). @$on um 1476 [tretet bie «u«beute 
beträd&tlid& nad&gefoffen gu $aben, ba bie SRattenberger ©erg* 
loerttgemeinbe in biefem 3a$re beim $ergog eine ©ittförift ein* 
reifte mit ber »tage, bag fie „bie groftt" faum me$r gu 
ergingen beruhten unb bag i$r @c$aben, \t tiefer fie graben, 
Je größer »erbe; e$ toäre gut, meinten fie, toenn ber ftürft 
felbft bie Siebe $ätte, gu Seiten tyre groge arbeit gu be* 
f<$auen 3 ). 

«u# anbertoärt* in ben bairif^en Hlpen blühte f^on feit 
alter 3«t ber Sergbau. ®o betrieben an ber ftampemoaitb 
bie ©eßfeer ber $errf$aft $o$enaf$au, guerft bie ?lf<$auer, 
bann bie reiben SÖtautner bon ftafeberg, na# biefen bie $ene» 
öon gretberg, einen lo^nenben ©fenbau. 1426 Ratten bie 
$erjoge Cmft unb SBityelm ©ergfretyetten auf ©ilbererg gu 
giföba<$ in tyrem (geriete «uerburg erteilt, 1446 «Ibrety HL 
eine ®etoer!fc$aft gu giföbadfrau gugelaffen, toeld&e in ben Serge» 
be« geitja^t^al« öon ©Iba* unb giföbadfrau bi* ©airifägeCl 
unb an ben „fter^ag" an ber 3ngolftäbter 2anbe*grenge auf 
Sifenerg grub. Sann aber lägt fU$ verfolgen, toie in bot 
©ec$gtger unb ©iebgiger Sauren bie Menbenben fitrfolge Dott 
Battenberg aüerorten gur SRac&eiferung anfpontten unb feie 
Subtoig* be* Weisen betoä^rte ©ergorbnung anbermartö na$* 
geahmt mürbe. SRecfct nad^alttg Weint jebo$ leine ber fielen 
neuen Unternehmungen fid^ t>erlo$nt gu $aben. 1464 tourbe 
ein ®olbberg»erf im Ämmergau eröffaet, für toelcfcä $ergog 
©tgmunb eine ©ergorbnung erlieg. §ier fteben totr ben $ergog* 
liefen Seibargt STOetfter $artlieb beteiligt, toie überhaupt bie 
2Rün#ner in ©ergunteme^mungen rührig toaren. SDfütufyier 
©firger, 3a!ob gretmarat unb ©retmolt 2>re$fel, Ratten 1352 

1) gre^&erg III, 394. 

2) Chron. Salzburg. 1. c. 

3) ttei4*ar<$U>, <Skri4t Bottenberg. 



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©ergbau. 



ton ßubtoig bem ©ranbenburger einen SSetlet^bricf auf bie 
©ergtoerfe im ®ertc$t 8anbed erhalten. Hlbrectyt IV., ganj ber 
fjürft, um tnbuftrteOen Vorteilen mit (Energie nadfoufofiren, 
übertrug 1469 auf aüe ©ergtoerfe in feinem Sanbe bie Watten* 
Berget Drbnung SubtoigS bed Steigen unb ftettte 1478 für afle 
©ergtoerfe &or bem Oebirg einen Winter auf. ©erntet t>on 
Äej lieg fic$ 1470 t>on biefem gürften bie Grrlaubm« erteilen 
im Vttpbad) unb anbertoärtt am 5Eegernfee auf ®olb, ©Uber 
unb ©lei ju graben, $einrid> SRaminger bon töamened t>et- 
f (Raffte ftd^ bie gleiche Erlaubnis in ber ämmerletten, im 
©nalft, im ©ragberg unb an anbeten Orten im Ämmergau. 
3n ben (Sendeten ßanWbetg, $ä$I, ©$ongau, in bet $ett* 
fd^aft ffietbenfett finben toit in ben ©iebjiget Sagten ©ergbau 
im ©etrteb. Die (Sntbedung einet ©Uberaber bei aRittentoalb 
gab 1476 ben «nlafc, bag «lbrec$t ba« ©ergregat im ©erben* 
felßfctyen beanforutye; bem Streite, in ben er barüber mit 
©ifctyof ©ijtu« bon greiftng geriet, machte Jebocfc balb ba* 
©erfiegen ber Hber ein <5nbe l ). 1505 geftattete Mtbrec^t bem 
SRünd&ner ©Arger $einri$ ©art$, bem Erbauer ber Äeffet* 
bergftraße, an bem bort fcrabfHefcenben 3od&ba$ einen Äupfer-, 
©fen* unb äufttieb^ammet, au# ©aiger unb ®d)me(j$fitte ju 
mieten, unb ba« 3a$t batauf lieg ß$ ©art$ au$ bie <£r* 
taubni« erteilen in ben ©ertöten ffieltyeim unb £ei*ba($ auf 
(Srbe unb ©anb, toorau« man SWefftng maty, ju graben, ftaum 
mtnber rege ate in ben SJtyen mar bie bergmänniföe £$ätigfeit 
im bairifäen ffialb unb im SRorbgau, too bie au«fü$rlic$e 
„ftammerinnung" ber ©täbte Imberg unb ©uljbacfc oon 1387 
3U unferen alteften Urfunben Aber bergmännifc^en ©etrteb unb 
bie S3er$ältntffe ber Arbeiter ja$lt. 

1) »rn^eef; Meichelbeck, Hist. Frie. II, 264. 




746 



©täube: ber «bei 



©ogiale (Meningen unb ftämpfe jinb toett me$r ol« ber 
t>or$etge$enben $ettobe bem au«ge$enben SDHttefalter eigent&*> 
li$. Heiner ber brei toettlü&en ©täube tft baoon unberührt 
geblieben: auf bie ©firgerunrufcn in ben ©täbten folgt bet 
ftampf bet Äbettbünbitiffe gegen bte gfttffcenmaty, auf biefe bat 
Mutige Itauetfoiel be« ©auernlrieg«. $oUtifc$e 3Wa$t, tm? 
beftrtttene« «uferen unb au«gebe$nter ©eftfc ftyern bem «bei 
no$ immer bte etfte Stelle. S3on allen gräfßdfcn $4ufer* 
£aiern« ober $aben nur Ottenburg unb Luchtenberg ba* 
SD^ittelalter überbauert «u<& bie alten frei$errlt<$en gamtlieu 
be« 8anbe« finb iitfgefamt bor bem beginne ber Sleuieit er* 
lof($en, unter ben legten bie $erren oon 8aber (1475), bon 
beten legtet öeneration no# ein Wieb, ©ebafttan, 1436 att 
Raubritter im ©efängni« enbete, unb bie $erren bon Äben«- 
berg, beren fester ©proffe SWKa* 1485 im Stampfe gegen 
$et)og <£$riftop$ fiel. 9u$ biefe alten reu^freien gamilie* 
be« ©aierlanbe« l ) ftanben, ba tyte (Wieber meift in ben Dicnft 
bet $erjoge traten, oon tynen fielen empfingen, in 8b^Sngig!eit 
bon ben bairif$en 8anbe«$errett unb nahmen teil an ben Saub* 

Dagegen $at eine Sntatyt bon gamttien, bie urfatüng* 
U$ bem nieberen «bei, meift ber $ergogli$en SDKmftetioItt&t 
angehörten, bie dteu^frei^erremofirbe erlangt, ofyte bog jebo$ 
bie fcergoge bie Don tynen beanfi>ru$te 5Rei#«unmittelbarkit 
fkett anertannt hätten. Da« Äufftetgen bon XHenftmannen ju 
Keimfreien ift im 15. 3a$rfysnbert au$ anbenofirtt p 
folgen. 3Ran barf aber annehmen, bafs Äatfer grtebrty IIL 
foftematifö ber S»ac$t ber bairif^en fcerjoge entgegeujuarbeiten 
beabftytigte, inbem er eine Steide tyrer ganbfaffen, bie Degens 
berger, bie ©taufer ju flrrnfel«, bie grauenberger ju $aag, bk 
$reipnger ju tBolnjad^, bie $o$enrainer, bann ©anbtjeöer auf 
©atbetf, teil« ju »et$«frei$erren er$ob teil« benfelben me$r 
ober minber problemattfcfre filtere ©tanbe«er$ö$ungen beftötigte. 
®anj oereinjelt fte$t bie (Erhebung eine« «ärgerlichen, be« 

1) mfret» barüber f. tu bet IL 8cUage. 




747 



«anjfatf ©oifgang Äolberger 311m Wetyflgrafen t>on SReulolberg 
(f. oben ©. 579). 

5Die große gjtoffe be« bamal« Mfiheuben batrifehen «bei« 
gehörte nrforfinglich ber Dienftraaiutfd?aft unb jtoar toett übet" 
toiegenb {euer ber $erjoge an. 3n ber a&etten $alfte be« 

14. 3ahrhunbert« l ) hat aber nun bie ammfterialität ihre 
rechtliche tote tyatfädtyftfc ©ebentung oBöig verloren; ihre ur* 
forfingliche Unfreiheit ift f feie e« fd&eint, fogar and ber «rinne* 
mng oerfchmunben; leine befonbere üWintfiertalcnbienftp flicht, 
nur ba« allgemeine 8anbfaffenw$ältm$ ober bie bei Übernahme 
oon Ämtern ober Se^en eingegangenen befonberen S3erpffi<h* 
tnngen binben jie an bie ganbe*$erren. ©chon Subtoig ber 
©aier Weint ba« aufhören ber aRinifterialitfit begfinftigt ju 
haben *). (Sine «pur ber alten Unfreiheit ber aWniftertaleti 
aber ift rieflest barin ju fuchen, bag ber $erjog noch int 

15. 3a$r$unbert oermaipte Ztyttx feiner «beiigen, loohl traft 
einer beanforuchten Dberoormunbfchaft, nach feinem ©cfaüen 
»erheiratet; 1493 bat bie 8anbfchaft «Ibrefy IV. um «bfteOung 
Diefrt ©erfahren« 5 ). 

©ie Sttenftleute ber $erjoge unb bie anberer $erren Oer* 
f (hmeljqi nun ju einer ©tanbe«Haffe. 3hr allgemeine« ©taube«* 
betoort ift „fetf", „feft unb toeife" ober „fromm unb feft". 
Der 9tittertitel fommt nur ben toenigen ju, toelche ben ju 
pruntooderem Auftreten oerj>flichtenben unb nur auf Schlacht* 
f elbern toohlfetlen, fonft aber mit f)of)tn ftoften oerbnnbenen 
»itterfchfog empfangen §abtn\ toer bie« nicht oermoty hat, 
bleibt fein Seben lang „ebeHnetht 44 . liefern nieberen «bei 
reiht fleh an ba« $atrijiat ber ©täbte, Jene h^oorragenben 

1) 3n ben Urfunben toirb bie h^SmmU^e gormel: ©rafen, greie, 
$>ienfhnannen , 9titter unb Änec&te nod) bi« in« 15. 3afp$mtbert hinein 
gebrannt, ohne bog bie t(atf&$li4e ©liebermtg bem entforod&en ifittt. 

2) Senn e« toaren bo$ tooty bie 2>tenjhnannen ber ausgeflogenen 
fetten ton ©eifyeira, bie er 1331 gegen alle tnfcrfitfc bon (Bigenft&aft 
Ober Sehenf^aft toegen, befonber* gegen $ei«ri<$ bon ©eefelb in Stufe 
nahm. $unb, 6tanunenbu<$ unter SBeifyeim. 

3) «renner IX, 230 (jum eilften), too an Äinber abeliger Sanb- 
faffen, ui$t etoa Setbeigene jn beuten ifl. 



748 



jfcntnierabel. 



bürgerlichen gamtlien , »eiche, ohne bürgerliche $antierimg ju 
treiben, bon intern Vermögen leben unb ritterliche Sitten mit* 
anmaßen 8uft unb 2Kittel tytotn. (Sbenfo toie ber höh* heiratet 
ber niebete «bei, etnf$tiefjli$ be« $atrijiat«, mit berförninbenb 
geringen »u«nahmen nur unter ft$. SWut bie (Mehrten, bie 
Doftoren, meiere bie ftteiberfcorfchriften be« 8teuh«abfchiebe« Don 
1500 fogar mit ben Wittern auf eine Stufe ftettt, holen fty 
auch grauen au« biefen Äretfen. (Eben biefer niebere Xbet ift 
e«, ber faft au*f$ließli$ bem Staate feine Staunten , bem 
$eere feine gührer ftetlt. 

Sin neuer Unterföteb aber macht fleh nun geltenb p bebingt 
bur$ bie regelmäßige Teilnahme an ben furnieren, im ®runbe 
alfo burch 93ermögen«oerhältniffe. 3ene gamilien, meiere biefer 
ftanbe«tnäjjtgen Sitte nachkommen oermSgen, fuchen fich al* 
^herer »bei bon ben äbrigen abjufonbern unb tooöen biefen 
geioiffe Stanbe«oorrechte nicht mehr jugeftehen. Muf bem 
Münchner tfanbtage ber bereinigten bairifchen Stfinbe ton 1506 
lara e« ju heftigen Strettigfeiten jtoifchen ben beiben ©nippen l ). 
„Der mehrere Abel", toie er fkh nannte, ratete eine ©efchmerbe* 
fchrift an ben $erjog, toorin er „bem minberen M befonber« bret 
Dinge fcortoarf : bag fleh berfelbe auf Siegeln unb ®rabfteinen 
5Eurmerhelme anbringen taffe, bafc er fich heranfttetyine Stylte 
unb greunbe be« fyfftxm «bei« „freventlich ju bufcen" (toäh* 
renb biefer bie Hnrebe „ihr" beanspruchte) unb ba§ er fkh 
ben ihm nicht jufteheuben Xitel : „ebel unb feft* anmaße. Die 
(Segner nannten ben Surnierabel „gro§e Raufen", fie untere 
fchtieben fich in ihrer »ntioort an ben gürften al« „ber mehrere 
Äbel an ber &af)l", f<h*nen alfo ben lurniergenoffen an 3ahl 
überlegen getoefen ju fein *). 1462 umßte ber Dichter fJütrkh 
112 gamilien be« bairifchen Xurnierabel« aufjujahlen. Äuch 

1) Ärenner XV, 401—404; gfietrer« gortfefcnng cgm. 1590, 
f. 189 v. 

3) ©enn bagegen eine gleichzeitige 3ufanrmen|teuung ber }tmf<hen 
1485 nnb 1505 in »aieru erlofchenen «bettgefötahter neben 33 rnrnier- 
gcndfPfchen nnr 17 anbete Derjeuhuet (cgm. 3333, f. 163?), beruht bie« 
fcteuetyt nnr auf ber größeren Unbefanntheit ber Unteren ©tanbelgruMK. 




74» 



bie JMelberoorfd&rtften be« 8tog«burger SReic$«abfd&tebe« oon 
1500 unterföetben innerhalb be« «bei« nt$t nur {Rittet unb 
fold^e, bie e« ni$t finb, fonbern au<$ 5Eurmergenoffen unb 
folc$e, bie Storniere nid&t befugen. 

Dem 8anbe«$errn bringt ber Ubel Sotyalttät, eble Untere 
tofltfigleit entgegen. Dod& fliegt bie« ntd&t ganjlid& au«, baß 
Äbeltge tyren eigenen gfieften befe^ben, toenn fle ßc$ oon biefem 
oerfürjt glauben. ®o befriegte $einri$ äbetjfyuifer bie $erjoge 
Srnft unb SBityetm, oon benen er 14 Ii @#loß SBeilerg^ofen 
gefauft $atte ; bie $)er joge nahmen i$n in 83eifer$ofen gefangen 
unb jerftörten bie ©urg gelben oon Sanbfaffen unter ein* 
anber ßnb, banf ber ©erftärfung ber ®taat«getoalt, aOmä$lic$ 
feltener getoorben, o$ne j[ebod> oötlig befeitigt ju fein. Den 
$of befugten bie Slbeligen nur, toenn bie Sanbfd&aft einberufen 
toar ober toenn fic bort in be« 8anbe«$errn Dienft unb @olb 
ftanben. Die große SDfcaffe be« äbet« toofytte auf beut Öanbe 
unb oertrieb ftety bie 3ett, tote äoentin fagt, „mit $efcen, 
$aiffen, Sagen." ©ei folgen 8eben«getoo$n$etten mußte ben 
Herren 3Mbrec$t« IV. Singriff in tyre 3agbgere$tfame befonber« 
empfinblic$ faden, Hucty oom 8anbe«$errn beanforud&te ber 
Slbcl eine au«jeic$nenbe ©efytnbtung; $erjog ®eorg mußte 1489 
oerfored&en äbeligen fortan nt$t me$r burefc ©Uttel ju gebieten 
fonbern ju fd&reiben *). Die Sibeltgen felbft aber ließen feine 
unb $öftfd&e ©itten no$ öfter« oermiffen. 3n ber üHün^ner 
©tabtrec$nung oon 1433 8 ) totrb eine« gefte« auf bem Station« 
ertoafrtt, too bie $>erjogtn erfd&tenen toar unb feine« ©ebäcf 
aufgetragen tourbe. „Da fielen", berietet ber ®tabtf$reiber, 
„bie (Sbelleute baretn unb fraßen« toie bie Säue mit beiben 
gäuften; ba rebeten etliche ©urger genug baju, ob fie fid^ bejfen 
nit fd&ameten. 1 ' 

SBetye ©ebeutung für ba« @tanbe«(eben be« «bei« bie 
Storniere Ratten, jeigt feine neue Olieberung. <£« oerging faum 

1) gre^berg ni, 190. 8gl au<$ oben, u. a. 6. 318. 

2) «rennet XII, 280. 

3) Unter: ftatftgef$&ft, ba« ni<$t »au ift 




750 



Storniere. 



ein 3a$r, in bem nicht in einer ©tobt be« Sonbe«, befonbcr« 
an ben @ifeen ber $ergoge, »ntet gr8fcerer ober geringerer $ra<ht* 
entfaltung bie $ochfchute für ritterliche ftunft ftraft unb Sitte 
eröffnet unb in allerlei Stauten bie Speere gebrochen »orbm 
toären. «W fKutyterforberni« bei biefen gefien galt Imoefen* 
heit ber grauen; ber bairifche Äbd«bnnb von 1361 machte e* 
feilten SRitgtiebern gur ©ebingung, bag fle gu beut iährltth 
abguhaltenben $>of unb Stornier ihre ©eiber, ©<htoeftern unb 
erma^fenen 3&hter mitbrächten; »er bie« oerfäumte, fefcte fk$ 
einem S5ertoeife be« 8u«fchuffe« unb einer »ufje au«, ©ie 
ehrgeigigen «nforüche, bie in ge»tffen Äreifen be« bairifchen 
Äbelä gehegt unb burch bie @tanbe*er$5$ungen ftaifer grtebrich* 
begönjttgt »urben, mußten neue Nahrung finben, al« ßch ber 
bairifche «bei U79 mit bem fräntiföen, fch»äbifchen unb 
r$einif$en jur Sb^attung gemeinfamer Storniere vereinigte. 
SSon 1479—1487 »urben gu ©firgburg, aRaing, fceibetberg, 
Stuttgart, 8n«ba$, SBorm«, auffäfligertoeife nie auf bairiföem 
©oben, fech« grojje Storniere ber „vier Sanbe" abgehalten *> 
Äuf bem 9ttttertage gu $eUbromt 1482 toarb befchloffen, ben 
hohen 8bel au« bem gangen Weich, von ber dtttterfchaft aber 
nur granfen, ©ch»aben, Wheinlanb unb ©aiern an biefen 
Stornieren teilnehmen gu laffen. 9tor in granfen, ©th»abeu unb 
am Ähein aber beftanb eine reuh«unmittetbare freie »itterfchaft. 
Die ©leichfteflung ber bairifchen Stitterfchaft mit biefer in ©egug 
auf Stornierfähigfctt barg bie Oefahr in fleh, bafc auch bie 
erftere ber 8anbe«hoheit ihrer $ergoge fkh enttoinben unb reich«» 
unmittelbar »erben »ollte. (Sin Änfang gu biefer Cntoidlung, 
»eiche bie ÜÄacht be« bairifchen $ergogtum« in bebenttuher 
©eife untergraben hätte, toar burch ftaifer griebrich gemacht 
unb man tritt biefem $errfcher toohl nicht gu nahe, »erat man 
annimmt, bag er »eiteren ©eftrebungen in biefer «ichtung gern 
bie $anb geboten hätte. ffiahrfcheinlich ift e« nur »brecht« IV. 
(Energie unb feinen rafchen friegertfchen (Srfolgen gn banfat, 

1) 8gl Roth v. ©^redeupein, Bitterofttbi unb 9Httcrfkaib r 
»fcfotttt XIX; $erf elfte, 2>er gm^nentitcl eto^ irab igt, 81 f. 



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«bettbünbniffc. 



751 



bog ber Sbmenbunb al« fol^er bie 8o«reifjung au« ber batrifcben 
8anbe«$o$ett nie auf feine gafrie getrieben bat; offen »erfolgt 
$aben biefed 3tel bocb nur jene ©lieber be« ©unbe«, toetcbe 
bie SBerletyung ber Weu$«frei$errenmfirbe baju ermunterte. 

gfifren mir und $ter rfidblufenb normal oor Äugen, mie 
bebeutfam bie Steigung be« SWittelalter« ju forboratioer S3er* 
einigung im 8foel«ftanbe ftc^ geltenb gemalt $at. ©ein ©ünbni« 
gegen bie ©teuerforberungen ber §erjoge legte ben ©runb jur 
8u«bilbung ber Sanbftänbe. S5on biefer lanbftänbtfcben ©e* 
noffenfc^aft abgefefcn, meiere ben Jfoet be« ganjen Sanbe« um* 
fafjte, blühten im 14. unb 15. 3a$r$unbert ja$lretc$e Stornier* 
genoffenföaften unb 8bel«bünbntffe, teilmetfe ni$t fo meit au«* 
gebellt, teilmetfe aber auety über bie Orenjen be« 8anbe« $in* 
au«greifenb. 3n ber Siegel jielten biefe ©ünbniffe auf gemein* 
fame SBeranftaltung Don Stornieren unb anbeten böfiföen geften, 
grieben uno ftreunbfcbaft unter ben ®enoffen, gemeinfame 83er* 
teibigung tbrer dntereffen unb ©eret$tfame, $erftettung georb* 
neten Wety«, gegenfeitige ©eifleuer in Notfällen (j. JB. beim 
Serlufte eine« foftbaren $ferbe«) *), auf reltgibfe SBerbrüberung, 
©egräbni« ber beworbenen SWitglieber auf ©unbe«foften ober 
bodj ©egeftmg ftrcblicber Sa^rtage für btefelben. Daneben 
aber bienten bie ©ünbniffe aueb häufig politiföen Senbenjen 
unb mieber^ott Ratten mir ju berieten, tote fie in bie poßtiföe 
Oeföicbte eingriffen. <8« entfpriebt bem Übergewicht ber ßanbe«* 
betten in ©aiern, baß $ier faum eine berarttge ®efeüfd;aft 
beftanb, bei ber ni$t mittel«bacbtfc$e gürften entmeber al« SWit* 
glieber beteiligt ober al« ©egner befämpft mürben, unb e« ift 
bejei^nenb für ba« mittel«bacbtfcbe firrbfibel, bie gamütenjmie* 
tra$t, bafc in ber Kegel beibc« jufammen traf. ®o ift g(ei$ 
ber erfte bairiföe «bel«bunb biefer $eriobe *on 1361 *) unter 
£eilna$me be« regierenben $erjog« SRetnbarb unb eine« nieber- 
bairifeben $rinjen geföloffen morben unb febeint, miemofcl ber 
©unbe«brief nur ritterliche ®tanbe«ju>e<fe nennt, bod& au$ eine 

1) @o in bem »unbe *on 1361; O. unb <5r. VI, 468. 3m att- 
meinen bgt. (Sterte, 3>a« beutf<$e <&enoffenf<$aft«tc<$t I, 492 f. 

2) O. unb <8r. VI, 465 f. »gl oben, @. 60. 



752 



3bet*bünbnif[e. 



ftarfe politifd&e lenbenj gehabt ju $aben, toie beim am$ ber 
balb au«6rec$enbe ©ürgerfrieg ft$er in 3ufammen$ang mit 
biefer Orünbung ftanb. Der ©unb bürfte bon bcn mächtigen 
»betefatnilien Oberbaiern« benufet toorben fein f um tyrett 
iugenblictyen gürften ju be$errf$en, ber $erjogtntottoe 2Bat* 
garete unb £>erjog ©tep&an bou SRieberbaiem entgegenjutoirleii. 
Da biefe fic$ bann auf bie ©table ftüfcten, geftaltete fu$ bet 
folgenbe Äampf gerabeau ju einem ßlaffenfriege. 8to ber ©pifec 
biefe* »bettbunbe« ftanb mit bem {Redete ©trafen }u behängen 
ein äuäföufc Don mer SWitgliebern; bie £eilne$mer ber ®e* 
noffenföaft trugen bei tyren Bufammentünften gleiche 9töde, 
bon benen iäfcrltcty jmet SKufter, für ©ommer unb ffiinter, 
gefertigt tourben, u>o$l eine« ber älteften 3eugniffe für ritter* 
lid^e Uniform; für bie SBe$rfa$igfeit ber SCettne^mer forgte bie 
83orfc$rift, baß jeber „ein große*" (©treifcOWojj galten müffe. 

3utoeilen erftredten au$ auswärtige Hbeldbfinbniffe i$re 
ÄBirffamfeit über bie bairifd&e ©renje herüber. «I« 1382 bie 
SRtttergefellfd&aft be* älteren 8Sioenbunbe$, bie tyren {xuipt* 
ftfe am aWtttelt^etn $atte, mit ben f$ö>äbtfc$en tötttergefeö* 
fd&aften Don ©t. ©ityetm unb ©t. ®eorg fic^> bereinigte, »erben 
bie (Srenjen ber SBirffamfett be* JBunbe« nad& ber bairtfdfren 
©eite folgenbermafjen betrieben: Don ©regenj bor bem ®e* 
birge gegen ÜBünd^n, bon bort über 3ngolftabt, Gtdtftäbt, 
SIegenSburg, Arnberg naö) (Sger 1 ). Um 1410 treffen mir bie 
Sngolftäbter $erjoge in ©ejie^ungen unb ©finbni« mit bem 
fdfrtoäbif<$en JRitterbunbe be« @t. ®eorgenf$Ube$. ©enn ffa$ 
bie Settern Subtoig« im ©art am 17. «pril bereinigten mit 
einanber «ben @ttti$ ju tragen % fo ift u>o$l ntyt an ba* 
8bjei<$en einer fttttergefeQföaft (bon ber toenigfien« bi*$er 
m$t« belamtt getoorben), fonbern an eine 8trt $5fiWen 
Drben« ju benlen. Dagegen ift ba« Xbettbünbni* mit pol\? 
ti\tyx lenbenj toieber unberfennbar, toemt 1416 fünfunbjioanjig 

1) ©attter I, ©ettagen @. 370. ^nti*(bo^©^pfibt— SWUnberg — 
$etbe©erg) 1381 bei bem «ünbui« a*ifött Htoen- unb et ©ifljefcn*- 
bunb, f. ©tfitin, Urf. gur <&ef<$, ber »ittetbunbrnffe, ©ürttemb. 
8terteJia$rö$efte 1881, ©. 5. 



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Hbefc&fiitbniflc. 



758 



$erren au« beut Sngoljtäbter unb 8anb«$uter Sanbe jur Set-* 
teibtgung tyrer Sterte unb fjretyeiten eine fünfjährige (Einigung 
fätoffen. ©ie ba« ©finbni« »on 1361 unb fofiter bet 8ön>en* 
bunb toar au$ biefe Bereinigung, bie ßubtoig im ©art für 
feine 3<»e(fe au«$unu$en fud&te, ber ©turm&oget eine« inneren 
ftriege*. @ie marb aOmä$K$ auf 77 üKitglieber, 61 «beltge 
unb 16 ©täbte unb SKSrlte au«gebe$nt. ®<$on biefe 3u* 
fammenfefcung jeigt, bafc nid&t me$r ©tanbe«* fonbern politifd&e 
Sntereffen mafeebenb toaren. ©ie ftaifer ©igmunb bie 8uf* 
Hebung be« ©unbe« befahl, ttrie fein fmuptmann Äafoar ber 
SSrringer öon $)erjog §einrtd> befe^bet mürbe, $afcen toir 6e* 
reit« berietet. 1428 bilbete fi($ bann unter bem bairiföen 
8bel eine £urmergenoffenf$aft, toelc^e ba« 5Bunbe«jei($en be« 
©nfcorn« trug unb ba&on bie 5BB<tfer genannt mürbe' 1 ), toenig 
feäter eine äfcnltctye jtoette ®efeßfd>aft, toeld^e ba« &t\d)tn be* 
©reif« trug *). Überhaupt $aben bie SWttglieber aller biefer 
8bel«bfinbniffe be« 15. 3a$r$unbert« fty äugerttefc ni#t me$r 
tote Jene Don 1361 bureb Uniform fonbern bur<$ ein ©unbe«* 
Jetten, ba« an einer ftette um ben $a(« getragen nxirb, bei 
ben {Rittern öon ®otb, bei ben (Eoelfne^ten öon ©Uber, unter«* 
Wieben. $olitif$ bie größte ©ebeutung fptttn bie gegen 
fttbredjt IV. gerichteten 3lbel«bünbniffe ber erneuerten ©8<Mer 
ober Dom Singe^firn (1466) unb no$ tne$r ber Ötoenritter 
(1489). 3 u wal bie leftteren tooßten bie bebro^ten ©onber* 
rechte be« «bei« föirmen unb bie angeftrebte toeitere %u«* 
befywng ber fürftlid&en Oetoatt t>er$inbern unb faben biefe 
Biete , bo$ nur mit ferneren Opfern, in ber $auj>tfa$e er** 
reicht. 

ffiirtf($afttie$ betrautet, befanb jic$ ber »bei in Iangfamem 
SRiebergang, infofem feine einnahmen titelt in bem SÄajje ftt& 

1) 1433 mar Sanbgraf Seopotb jum 8eu<$tenberg $r Hauptmann; 
B. B. XUI, 269. 

2) Andreas Batispon., Chron. Bar., 106. 1435, $e$. 13., richtete 
bie ©efeflftyift *om (Steifen an ben ttegem&nrger Rat ba« Wuäfta, bem 
Ufri$ Jtamerauer ju feinem ftety gegen bie »egaUbnrger Snben ju &er- 
Wfen. ».-«. 

Kieftle*, «eftifttc Daicrn«. I1L 48 



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754 



©fitgertum: $ottijiat. 



fteigetten tote jene ber ^anbclttcibenben unb gemerWthatigett 
kärger. »m ©chluffe biefe« 3eitraum$ fchfog ihm ber (Erbfolge- 
flieg ©unben, Don benett er ftd? nie toteber oMlig erboten tonnte. 

Dagegen treffen mit ba« ©ürgertum nun auf ber $tye 
fetner $tftorif$en ©teüung, ba« ftäbtifebe Siefen nach bem 
iugenbfrtfthen Sluffchmung be$ 13. 3ahrhunbert3 in fcoflet Hu** 
reifung, bie fich Jebocb nicht ohne {Reibungen unb ftämpfe »oB* 
ivtfft. Much innerhalb ber ©tabtmauern tft eine fojtale ®lte* 
berung ftart ausgeprägt: $atrtjier unb f>anbtoerfer fielen fty 
hier eine &tit lang mit einer Schroffheit gegenüber , toie nie 
jtoei ®ruppen be* SlbeW. Um ben Urfotung be* ^atrijiate* 
ju oerftehen, mug man fich baran erinnern, ba§ in ber ©ürger* 
fc&aft ieber größeren ©tobt nicht leicht frühere SbeUeute festen, 
bie oon ihren einfaraen unb ärmlichen §öfen auf bem 8anbe 
in bie toohnlid)e, fixere unb belebte ©tabt gejogen maren. 
3Dtefe pflanzten bie Irabkionen ritterlicher ©itte fort unb 
mürben jum ftrhftaüifationälern be* ftäbtifchen ^atrijiate*, in* 
bem fich ihnen jene Sürger anfchloffen, melche burch $anbel 
{Reichtum unb Orunbbeftfc erworben fyattin unb nicht genötigt 
toaren ton bem (Srtrage ihrer täglichen Slrbeit ju (eben. Diefe 
©efchlechter be$ ^ö^eren SBürgerftanbe« johlten ya ber Stoppen* 
genoffen, befugten aura letl bie Storniere, mürben t>om nieberen 
äbel al* ebenbürtig anetfannt unb {teilten gleich biefem ben 
8anbe$h*tten Beamte. 2>ag bie ftäotifchen ©ehfrben, befon* 
ber* ber innere Wat, in ber ftegel au« biefen fireifen fuh ju* 
fammentefcten, mar fchon barin begrünbet, bafc ein gemtffet 
SBohlftanb erforberlich mar, um jeittaubenbe unb unbefolbete 
Ämter ju übernehmen, ©o bitbete uno befeftigte fich atlmah* 
lieh, auch in ben größeren bairifchen 8atttftabtcn, ba$ ^atrijtat, 
ohne (eboch att feft begrenjte ©übe gegenüber ben anbeten 
©ütgem fich abjufdjUefeen. 6* fehlt biefer ©tanbeflgruppe 
fogar ein jufammenfoffenter, allgemein giltiger SRame 1 ); fott 

1) Ifcet Sfalbrncf: „bie <5kfäle*tet" fcfcint in ©aietn in biefem 
Sehtanm ni<$t üblich ge»efen ju fein, bei hfafte nxebetfehtenbe „bie 
CBagften nnb bie ©eften ber Ökmeinbc" bezeichnet einen biet weiteten Ätet*. 



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$t&otif$e SerfafTungCtfimtfe. 



ftc in 5Rec$t3benfmäletn bejeid&net toerben, fo $ebt man tt>o$l 
eine <2igenfc$aft fceroor, bie bocfc nur im SSerein mit anbeten, 
mit {Reichtum, ®runbbeftfc unb ritterlicher ©itte, ba$ SBefen 
brt Patriziates auämad&t, nämlicty bog fie „toeber an ber Cfle 
no$ Sßage verlaufen nocty an ber SKaß fc$en!en* *), nictyt felbft 
$anbatbeit ober Älein^anbel treiben. 

©letdfeeitig aber fteigt aucty bei ben ftäbtif$en $anbti>etfem 
SBo^lftanb unb ©elbftgefütyl unb biefer ©tanb getoinnt bur$ 
feine Bereinigung in 3 ün f tc genügenbe äßad&t, um e$ mit ben 
^atrijtern aufjunefynen. ©ein fraftboüeS äufftreben ift ber 
entfäeibenbfte 3ug für bie (Snttoidlung be« ftabttfd&en SBefen« 
in ber jmeiten $atfte be« 14. 3a$t$unbert«. 3n ben meiften 
größeren ©täbten fommt e« jttrifctyen ifcnen unb ben ^atrijiern 
ju einem balb me$r balb minber heftigen fingen um 3J?ac$t 
unb (Einfluß im ©tabtregiment. 3n Sßünd&en berührte futy bie 
bemoltatifctye ©etoegung mit ©treitigfeiten innerhalb be« $a* 
trijiat«, {Reibungen jnrifc$en 93otf unb gürften unb 3»tft ber 
dürften unter fi$. $ieburd& begünftigt, tonnte bie $anbfcerlet» 
Partei 1398 ba« ©tabtregiment an fkfy reißen unb fünf 3a$re 
lang behaupten (»gl. oben ©. 184 f.). 511« bie $erjoge bie 
©tabt triebet in tyre ®en>alt gebraut Ratten, berieten fie mit 
tyren eigenen {Raten, mit ben beiben {RatäfoHegien ber ©tabt 
unb fe<$«unbbreißtg SWännetn ber ®emeinbe über eine neue 
»erfaffung ber ©tabt, bie am 21. «uguft 1403 beßegelt 
toutbe 2 ). ffiie föon bie 3«4^ttng oon SSertretern ber ©e* 
meinbe jn biefer Beratung jeigt, tooöte man bie 3tofte trofc 
tyrer 8to«fc$reitungen oon ber Leitung ber ftSbtifc^en Ängetegen* 
Reiten nid&t völlig au«fc$ließen. Die neue SJerfaffung befd&ränfte 
bie fcolttiföen {Retye auf jenen Zeil ber Sürgerf$aft, ber 
Otunbbeftfc ober einige« Vermögen $atte, muß jeboefr att eine 
maßooüe {Reaftion gegen bie bemofratifd&e ©etoegung bejei^net 
»erben. 3>er innere {Rat mit 12 f ber äußere mit 24 SRit* 
gttebern, ebenfo bie beiben ©ürgermeifter, einer öom tnnern, 

1) 6o n. a. B. B. XI, 138. 

2) M. B. XXXV b, 249. 




756 



et5t>tifö< 



einer fcom äußern {Rat, biteben befielen. SDte beiben 9fat£* 
lofiegien leben noch ^eute in bem 3)uali«mu« be« SRagtftrat« 
unb ber ®emeinbebet>ot(ntächtigten fort; in 3ßän$en »ie anber* 
toärt« ift ber innere {Rat mehr Obrigfett, ber äußere mehr 
Sertretung unb 3lufßcht«organ. gür ben inneren {Rot tourbe 
ein inbirelter unb tomplijierter ffiahlmobu« f eftgeftellt : bret 
©ahlmänner, einer au« bem innern, einer au« bem äußern 
{Rat unb einer au« ber ©emeinbe, fcon benen jtoet ber innere, 
einen ber äußere SRat ertoählt, »ähten ben innern SRat, oon 
bem bann bie 24 SRitglieber be« äußern Kate« gemäht »erben. 
Keben biefen beiben {Räten hatte fuh im 14. 3a$r$unbert eine 
vettere Vertretung ber ©emeinbe gebilbet, bie 1365 als ber 
„große {Rat* bejeid&net nrirb unb bamal« ungefähr 140 fttyfe 
ftarf toar *). SRach ber neuen SSerfaffung ge^rt jur „(Sememe* 
nur, toer $>au« unb $of in ber ©tabt beflfct ober ein halbe« 
$funb Pfennige fteuert. Dtefe ©emeinbe toirb berufen jur 
Anlegung ber ©tabtfteuer, jum SBefötuß über Heerfahrten, 
jum Serlauf fcon Curiggilten ober Seibgebingen au« ber ©tabt* 
fammer, jur Übergabe t>on ©ut an bie $errf$aft, um (Ein* 
ficht in bie ©tabtrechnung ju nehmen, um oor bem {Rate }u 
fchtoSren unb ben @$tour be« äußeren {Rate« entgegenjunehmen, 
fonft auc^ toemt ber 5Rat in ©achen be« ftäbttf$en »ebürf* 
niffe« fle berufen toifl. Son ber SKittpirfung an bem S3or* 
f<hlag neu ju emennenber ©tabtruhter, totlty ber ®eraeütbe 
1377 eingeräumt toorben fear*), ift nun leine SRebe mehr. 
Die ©emeinbe foö leinen ftänbig befteöten »ebner meh* haben, 
al« ihr {Rebner fott ber SBfirgermeifter fcom äußeren Rat auf* 
treten. SRiemanb barf fpxmlxäpn {Rat ober anber«too al« auf 
bem {Rathaufe S3erfammtungen abhalten, ©tabtßmmerer gab 
e« in SKünchen toenigften« am Snbe biefe« 3ettraum« bret: 
«inen fcom innern unb einen fcom äußern Slot unb einen t>on 
ber ©emeinbe 8 ). 

1) M. B. L c 116. 

2) ©ehuer, 2Hc Öeru5«mfaff«ng ber etabt SKfin^en Don ber 
Gntfömig bU inm Untergänge ber ftathftterfaffung (1876), 6. 8. 

Ä) M. B. L c 467. 



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$erfaffttngen. 



757 



3n 3ngolftabt fefcte $erjog ©tepfym 1403 neben bem 
innetn unb äußern Kate einen ®emeinbeau«f#u& bon 80 ®e* 
fötoorenen ein, ber, too e« nötig toar, bem Wate Reifen unb 
raten foüte 1 ). 3n 8anb«$ut ') fear ber fcom $erjog ernannte 
Äammerer, ben feit 1495 ein SBürgermeifter erfefct, ber S3or* 
ftanb be« ©tabtrat«, betraut mit gü$rung be« fifibtiföen $>au«* 
$alte«, Seitung be« {Rate« unb 8u«fü$rung feiner SBefdpffe. 
%ud) bei ben 8anb«$uter Unruhen ton 1410, bie in ber $aupu 
fa#e au« einem 3»tji jtirifäen ftergog unb ©tabt entfrrangen 
(f. oben, ©. 202 f.), Weint eine bemofratiföe SBetoegung mit* 
gefoielt ju $aben, bie nun bur$ ben $erjog ftrenger unb ent» 
jd&iebener al« in 2Rün$en jurüdgebämmt tourbe. Winter, 
Kämmerer unb SRat würben $ier fortan burc$ ben Sanbe^errn 
gefegt unb entfefet, bo# toarb bie« toenigften« fpäter baburdj 
gemübert, ba§ ber $erjog in ber Kegel 33orföläge be« SBürger* 
metfter« unb SRate« berihfftd&tigte. SBä^renb t>or$er bie 8anb«* 
fyiter ©ürgerföaft leinen Unterföieb in ber potitiföen SBerecfc 
tigung gelannt $atte, tourbe nun gum (Eintritt in ben 9?at 
unb jur Hbftimmung in ber ©emetnbe freie« (Eigentum innere 
$alb be« SBurgfrieben« unb je$niä$rige änfäfflgfeit in ber ©tabt 
geforbert. Der Anteil ber Oemeinbe am ©tabtregiment toarb 
eingef Kranit; me$r at« 100 SBürger fottten nie herangezogen 
toerben. 

2Bo$l überall tomrbe in biefem äcitraum bie SBürgeraufna&me 
in ben ©täbten erfcfyoert. 3n 2Hünc$en toar ©erfteuerung 
eine« S5erm5gen« Don toenigften« 50 <ßfunb Pfennigen, ein 
8eumunb«jeugni« ber bi«$erigen Dbrigfeit unb in allen ®e* 
toerben ; too e« auf Äenntniffe unb ®ef$i<fti$teit anlam, bie 
Anfertigung eine« $robeftä<f« erforberlitty. Die (£intoo$nerja$I 
ber ©täbte toar trofcbem in ftätigem, toenn auc$ langfamem 
Äuffietgen begriffen, no# me$r fc^eint ber SBo^lftanb juge* 
nommen gu $aben. 3n anfingen tagt fi# für 1370 ein ©teuere 

1) SNeberer, ©efö. t>. Sngotßabt, 94. 

2) Sgl töofentfcal, ©eitrfige gut btutföen ©tabtte<$ttgef $U$te I, 
11—26. Über bie «etfaflmtg ton ©trau&ing f. ebb., 226 f. 



766 



2>ie tohriföen 



fopitat Don 52 600 $funb, für 1397 Don 130000 $funb l ), 
für 1500 Don 480090 $funb beregnen. SBon behäbigem 
SBo^lftanb jeuflen bie Dielen ft8btif<$en gefte, jeugt aa$ btc 
au«gebe$nte ©aftfreunbfctyaft, meldte tn ben ©täbten geübt 
tottrbe. 3ebe angefeuerte $erfbnli<$feit, toeldfre na<$ 3Rän$ett 
lam, au$ menn fte bte ©tabt nur auf ber Durchreife berührte, 
tourbe mit ©c^enftoein geehrt, fo ein $>erjog au* ber ©alacfct 
auf feiner ©aberetfe *). ®tetc$tDO$l $at man ft# bie Sebent 
Der$filtniffe in Dieler $)in|i(^t no# $3$ft einfach, nacb unferen 
»egriffen me$r Knbltc$ al« ftfibtifö i« **nfen. 92o^ 1468 
tourbe Don ben SBädern in SKflnd^en nur Diermal in ber 2Bo<$e 
gebaden 8 ). 81« ber SBefucb Äaifer ©tgmunttf ertoartet tourbe^ 
lieg ber ©tabtrat burd) ben gronboten ausrufen, baß ieber* 
mann ben SWift Dor feinem $aufe $üttoegjufü$ren fabe 4 ). 8m 
(Enbe be8 3 e toaum$ gibt und Äbt SIngeluS Don gormba<$ 
eine ent$ufiaftifc$e SBeföreibung be$ f$5n gebauten, mobem 
au$fe$enben 8anb*$ut mit feinen ^Sufem „Don f5nigtu$er$ra$t", 
Don bencn man<$e mit SWalereten unb ©hilpturen geförnfidt 
feien. De* guten Äbte« SBemerfung, ba| er nirgenb föönere 
$Wfce gefefcn, totü freiließ nt$t Diel befagen, ba er menig in 
ber SBelt $erumge!ommen ift. Uber au# ber »elthmbige Qrnea 
©iloio fagt 5 ), er fennc in ganj (Suropa leine ©tabte, n>el<$e 
bie bairiföen an ®lanj fiberftra$lten. 3ngoIftabt toar erft 
f pät ettoaS emporgebte^en. Die ffirtoeiterung unb 9?eubefeftigung 
biefer ©tabt mit ©raben, „lüHen" unb SWauern, feeld&e 8ub»ig 
ber ©ranbenburger geplant unb fetbft fcrumrettenb geoiefen 



1) SXefe 6«mrae auf beut 20. Pfennig (6500 $fmib; M. B. XXXV b, 
203) Beregnet, für bie toben anberen togt. D. ©utner, Aber bie 8er- 
faffnng ber Siteren ftäbtiföen ©emerWpolijei in SKüngen ($ift. *6$anb- 
tungen b. SKüngner «lab. II, 1813), 6. 501. 545. 

2) €ftabtre$nung fron 1433 unter €tyenfoein. 

3) ^otyeiorbnnng (Seflen rieber VI, 147). 

4) Äammerregnnng ton 1430. Cgt. ^oligeiorbnung ton 1370, § 16. 

5) Coemographia (1699), p. 307. e^itberung faftant bürg Cnea 
f. bei Brase hias, De Laureaco, 286. 



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etfibtt. 



hatte, toar crfi bon Sßeinharb 1 ) unb ©tep^an II. Begonnen 
tmb nur langfam burchgeführt toorben. «n SDlfinchen türmte 
man, tote Äbt ÄngeluS fc^retBt *), bie geräumigen burgenarttgen 
$Sufer, in benen e$ mit ©ien ju Dergleichen fei. $artmann 
©chebel hat un« in fetner 2BeIt<hronif (1493) bie altefie Hb* 
bilbung biefer ©tabt $interlaffen ; auc^ er lobt ihre fchSnen 
©e^aufungen, toetten ©äffen unb toohlgejierten ©ott^fiufer; 
nach ihm toar fte bereit« bie namhaftefte unter ben Sürßen* 
ftäbten be$ Söaierlanbe*. ©cfonbere ©etounberung erregten 
hier, tote man aus ©Gebert unb SRumpIerä Schreibungen 
erfleht, bie Don Wibrecht IV. in ber Sötoengrube (bie noch tyutt 
im tarnen einer ®offe fortlebt) unterhaltenen 88men, für beren 
Süc^tung ber prft ftch fehr tntereffierte 8 ). Unjtoeifelhaft $at 
SÄünchen feine (Erhebung jur 8anbe$$auptftabt nad) ber ffiieber* 
Bereinigung be£ 8anbe$ 1504 auch burch feine ©ebeutung ber* 
bient, nicht nur bem Umftanbe, bat feine gürftenlinie bie über* 
lebenbe toar, ju banfen gehabt. 

Die Sanbeö^erren toußten too#, toa$ fte an ihren ©täbten 
Ratten, unb ertoiefen benfelben mancherlei SSergünftigungen. 3n 
erfter 9?etye felbftoerftänblich ihren töefibenjftäbten , tote benn 
9Rün$en u. a. ben $erjogen Srnft unb SBithehn 1430 bie 
(Erlaubnis jur (Erhebung eine« $ffofterjofl$ auf etoige &t\tm, 
9Ubre$t IV. 1498 ba$ SRec^t jum fio^enbrennen auf bret 
Sergen im 3fartoinfct (jotoett bort lein fttofftolj abgebracht 
toerbfn tonnte) oerbanlte 4 ). SWünchen foflte toohl auch bie 93er* 
legung be$ berühmten ftefertoher SWarfte* auf ben 3farrain 
nach (Siefing jugute lommen, bie $erjog ffiithetm 1407 an* 
orbnete 5 ), ohne bamit auf bie Stauer bur<hbringen )u ßnnen. 
Den 8anb*hutern getoährte <&>ttpf)<m IL toieberholt ©teuer* 

1) e. beffen Urt ton 1362 bei Äleemann, ©eföUfrte ber geßmtg 
3ngotflabt, 5 f. 

2) Oefele I, 101. 

3) 1494 erhielt er wmt SWarfgrafen granj bon öoujaga an ©teile 
be9 abgSngigen alten ein neue« fltaaiqKtar, todty* Offerent er ^oc^ er- 
freut mit feinen 3agbhunben ertotberte. Äorrefoonbenjen im &t.*& 

4) M. B. 1. c. 25. 299. 430. 253. 45. 126; R. B. XI, 278. 

5) 1407, «ng. 23. R. B. XII, 418. 




760 



@tfibttf<Be ^rtellegien. 



Befreiung jum Darrt für i$re Ärieg«btenfie; grtebri<$ fcetliefr 
tynen 1392 umfaffenbe $riotfegien *) , $einrt<B gemottete auf 
ben {Rat feine« Setter« (Smft 1402 bie (Srftbung eine« $flaftet* 
jott« jur 93erbejferung i$rer f böfen unb tiefen ffiege\ gfir 
bie ®eri$t«barfeit SWünc^en« fear ba« bon $erjog Stephan 
1371 na$ bem Vorgänge Äaifer Subfeig« gefeäfcrte ^rtoileg, 
fertig, feonatty bie ©tabt alle föablic^en 8eute, feo fie fol($e 
in Dberbaiern feiffe unb finbe, fangen unb gur Aburteilung. 
na# 2Rünc$ett bringen burfte. ÄBa$rfc$einlic$ auf biefe $rioi* 
legten geftufet, übte bie ©tobt t$atf&#t<$ bie ©lut«geri$t«= 
barfett; bo<$ mürben 1460 in ber SBeftätigung tyrer ©ertyt* 
barteit bie 33ifctum$änbel au«brü<fftc$ aufgenommen 2 ). Der 
©tabt 8anb«$ut fear 1364 (17. 2Rai) bon ®tep$an IL ba* 
felbe $rimleg, bo$ nur auf jfeei 3a$re »erliefen, 1405 (gebr. 
24.) bann tyr SBurgfrieben erfeeitert feorben 9 ). öinjelne Orte 
feurben no# in biefem 3^itraume ju ©tobten erhoben, fo 
Bernau 1350 bur<$ Subfeig ben SBranbenburger 4 ). Sto<B 8anb* 
faffen erhielten »o$l bon ben $erjogen bie ffirlaubni« äRarlte 
anzulegen, fo Wban (Slofner 1419 für Hm«borf 5 ). 

1) 2anb«Buter Urt ed. Äal<Ber, Bef. 6. 68. 75. 94. 

2) 8gl Segnet, 19 f. Stoß ber 3Wfin<Bner Hat 1363 in bie3nfh> 
foramiffton berufen tonrbe, mlty über alle feit $. SRetaBarb« 5tob be- 
gangenen Untaten rieten fottte, berührt bie (Sntundlnng ber ftöbrif<Ben 
©ericBttbarteit ni^t. 

3) ?anb9$nter Urfunben ber «3ittel«ba<Ber, ed. Äal<Ber. 

4) O. n. Cr. VI, 418. 8on etabtre#t«anfje«Bnnngen biefe« 3ett- 
ranm« feien no<B ertofifcnt bie toon greifing 1359 (gre^berg V, 163), 
etraubing (1472-1481; ttofentBal, »eitrige I, 207. 303f.), ©eil- 
Beim (1396), Sngolflabt, $affau, ffiafferbnrg (cgm. 27, 2156. 308). 
SKeBrere filtere €>tabtre<Bte, n. a. ba« ton SnrgBanfen *on 1307, Bat 
neueren« $fintle im D6erbaver. «r* XLV (1889) DerSffentücBt 
»om 8anb«Buter e>tabibu<Be, an« bem ÄofentBal I, 185 f. fcuSjüge 
nnb SW. 3W filier eine @tabtre<Bt«anfaei(Bnuttg an« bem 14. SaBrBnnbert 
(SerB- b. tyft. 8er. f. »ieberbaiern XXII) mitgeteilt Batet, $ eine «u«- 
gabe in Äorberettnng. ©tobt- nnb SRarttgeri(Bt«orbnnng $einri<B« bei 
Hd<Ben für ade feine ©tfibte nnb SKfirfte bei ttofentBat, ©eitrige 
I, 202 f. 

5) B. B. XU 320. 



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©tSbtiföe »etwaltung. 



761 



3n gefelliger SBejiehung waren $of unb ©örgertum nicht 
bur$ eine Äluft gegeben, ©elbft ÄBilhelm* III. norbbeutfehe 
©emahlüt fpieltc auf bem SRünchner SRathaufe mit gelabencn 
©firgertfrauen Satten. Dafc bet £>erjog unb feine (Semahlin 
ihre ©firger auf bem Wat^aufe ju einem Zxunl ober 2*n| 
befugten, wirb oft ernannt; ein anbermat fefct ber $erjog bem 
inneren Wate „gar gute gif^e 41 bor *). Unb biefer S3erfehr 
war nicht auf bie SRefibenjftabte bef$r&n!t: $erjog ffirnft nahm 
in Saneberg an einem fröhlichen gcftc auf bem SRathaufe teil. 

Der ftäbttf$e S3erwaltung$frei« erfuhr auch in biefem 3^ 
räume noch man^e (Erweiterung, hie unb ba auf Gebieten, toelc^e 
bi* ba^ht auäfchlieglich ber ftirche unterftanben waren *) unb ihr 
nun entjogen würben. 3n $affau flnbct man frfihjeitig ein unter 
ber Leitung beä ©tabträte* ftehenbe« ©pital. £)a unb bort entftate 
ben ftäbttfche Älmofen, beten Verwaltung unb SBerwenbung in ben 
$änben ber ftäbtifaen Obrigleit tag 8 ). SRoch häufiger al« auf 
Stauen* unb ftranfenpflege gewannen bie ©täbte (Sinflug auf ba« 
©chulwefen, fie juerft burchbrachen ben mittelalterlichen Orunb* 
fafc, ba| aller Unterricht bon ber ftirche ausgehe unb alle ®$ulen 
Kreisliche (Einrichtungen feien. 3n SRünchen werben fchon in 
bem älteften ©ewerbtyolijetgefefce (1294 u. 1317) bie SBefug* 
niffe ber ©chutmeifter bon ©tabt wegen geregelt 4 ). «uf bie 
ftlage ber SBfirger bon Pfaffenhofen entfehieb $erjog ffiroft 
1412, bag ihr Pfarrer ohne ihre 3 u f tia i^" n 9 feinen ©chut* 
meifter aufnehmen bürfe 6 ). 3m 14. 3ahrhunbert bürfte leiner 
bairifchen ©tabt mehr eine unter ftäbtifcher Staffiert ftehenbe, 
wenn auch oft noch bon (Seiftlichen geleitete ©chule gefehlt 
haben. Die ftabtiföe Polijei raifchte fich in alle* unb freute 
bor ben burchgreifenbften SWafjregeln nicht jurfld 6 ). Hnorb* 

1) @>tabtre$nung t>on 1433: ttattgeWft, ba« ni$t Sau tfl. 

2) «gl. ». (Eiden, ©efö. ber mlttclalterü^en ©eltanfäanunfl, 755 f. 

3) Ootbeneft Wmofen in SDWhufcn, geftiftet ton SWartin Hibler; 
©eftentieber X, 236; ttafcinger, Srmenpffege 1 , 398. 

4) t>. entner, 461 f. »gl. $rantl in ber »aoaria I, 522 f. 

5) R. B. XII, 120. 

6) Sgl. bef. bie $oli)dberotbnnngen be* SRagtjtrat* ju SRflncJen »out 
Söhre 1370 mit gortfefcnngcn an* bem 15. 3ahrh«nbcrt bei Äeflen- 



762 



@t5bte: öemerbe. 



nungen mie bie bie bon 1370, mona$ ade „wtorbtn tilgen* 
(Sebäube in 2Wünc$en — laut ber beigefügten ©efdfrreibitng eis 
fe$r grofjer Zeil bet ©tobt — binnen lurjer grift abgebrochen 
merben mufften, Iaffen erfennen, tote mä$tig bie Ststorttät ber 
ft5bttf$en Dbrigfeit (bamatt no$ bie beiben Räte unb gcmje 
©emeinbe) mar. 1489 mürbe ffir SDWhtctyen eine ausführliche 
©auorbnung erfaffen f morin unter anberem bad gänjlu&e 83er* 
bot ber Ältanen megen tyrcr geuer*gefä$rTi$feit au«geforoc$eit 
mar 1 ). S3ielfa$ mürben bie Sorföriften ber ftäbtifcfcen $oltjet 
8u«gangfyunft unb SDlufter für lanbe*$errlic$e $ofijetgebote. 
(Eine &t'xt lang ftanb, mie ermähnt, ba« ganje SDWtejmefen be* 
8anbe« unter ftfibtifd&er Seitimg. Sogar ©nmtföung ber $aupt* 
ftabt in bie folitil laßt fi$ nad&meifen: 1439 s ) faidte 3Rfiit$en 
eine ®efanbtfc^aft na# SReuburg, bie berfucfren foUte „etrna« 
©ute$ bareinjureben" jmifd&en bem alten $erjoge öibmig ttnb 
feinem @o$ne. 

Die SSlüte ber ©tfibte beruhte bomefynllcfr auf $anbet mtb 
®emerben, t>on benen ber erftere me$r auf ben ©c$trm be* 
©taate* angemtefen mar, mäfrrenb um @<$ufc unb Hebung ber 
©emerbe no# me$r als bie 8anbe«$erren bie ©täbte p# be* 
forgt geigten 8 ). Der SDlünd&ner ©tabtrat j. ©. erric&tete 
mannen ®emerben ®ebäu&e unb SDlaföinen mie ba« 9Rang* 
$au$, bie ffialfmfi^e, ba« gärb$au$; er grünbete Verlauf«* 
fallen, bie jugteicty bie ftreng burd>gefü$rte poltjeili<$e ©ef<$au 
erleichterten, SBrob* unb gleiWbSnle, ein ©c$la(&t$att« , Äanf* 
unb 85ag$au«, XBeberleKer, ©einfeBer, ©atgftfibk. Orr Heg 

lieber VI, 87—165. Über bat auf «norbtrong ber Sergoge 1433 in 
äRüncfcn errUfrtete, unter pfibtff^er Äufftyt betriebene granen$an* n. a. 
ebb., 184 f. M. B. XXXV b, 311; O. fcttan t>. $efner, Original- 
Silber a. b. «orjät «finden«; Oberba^er. ftr$. XIII, 26 f. 

1) *. a. D., e. 124 f. 139. 

2) Cor Georgi. Äanraterre^mmg bon 1439. €ftabtai$U>. 

3) D$ne bog t9 an lanbee$errU$en Waßregetn in tiefer tfuftyt 
fehlte. U. a. lieg $eimic$ ber Steige auf Jttage ber armen SRMer im 
»ott$at 1406 irier „©afiergrafen" ersten , mefcfc bat Oeßabre^t fes- 
teren unb aQe 3n»iber$anbetabe« bor (Skricft jie$en fofltcn. B. B. 
XI, 388. 



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768 



jmedbienlic^e 9?a#ric$ ten über bie ©emerb«t$attgfeit in 9ta$Bar* 
ftäbten fammeln unb befannt geben, legte fogar Beträte *>on 
{Rohmaterial für iene $>anbmer!er an, bie ft$ foltbe triebt felbft 
fcerfc&affen tonnten. S3on ber ©are ber Soberer unb Xuty 
moäftx, einer BKtyenben Onbuftrie, mürbe Jebcd ©tü<f, naetybem 
e* geprüft unb fcorföriftämäßtg befunben mar, mit bem Stempel 
ber ©tabt &erfe$en. Vertretern &on ©emerben, bie man in 
aufnähme bringen mofite, mürbe bie SRieberlaffung erleichtert, 
tote beim ber SfogGburger SBuctybrucfer $an« ©t$obfer 1500 
bie abgabenfreie ©ürgeraufnatync mit fe$$iä$riger ©teuer* 
Befreiung, bie fremben Arbeiter in ©art$* $ammermerf 1508 
ie$njä$rige Steuerbefreiung erhielten l ). üDie 2Rün$ner ftammer* 
reetynungen finb ooö oon 3 e ugniffen für bie gSrberung ber 
3nbuftrie oon ©eite ber ©tabt. Die ©tabt lägt einen 3*8* 
metfter Don ©traubing !ommen, um baG Srbrei^ bon $aib* 
Raufen ju unterfud&en, fie f$kft auf tyre Äoften ©aumeifter 
mit (SefeUen na$ ÖanMfcut unb ÄugGburg, um „ber ©tabt 
3u SRufcen etmaS ju lernen" *). äu$ an Hufft<$t über bie 
(Semerbe lte| eä bie ©tabt ntyt fehlen: 1441 mürben bon 
ber ©tabt au« bie ©ttyneiberltyne $erabgefe|t, gälföung be$ 
©ein* mit ©rannt mein ober anberem „©ernähr mürbe bei 
fernerer ®elbftrafe unb Serluft be« ©c^anfre^ oerboten •). 

ffio$l feinem anbern ©tanbe fcat ber mittelalterliche ffiinung«* 
trieb fo mertoolle gruebt getragen mie ben Oemerbetreibenben, 
beren ©lieberung in 3ünfte, im 13. 3a$r$unbert begonnen, 
im 14. überall bur$gefü$rt mirb 4 ). 2Bte allen Korporationen 
bieje* 3eitraumö fehlte e$ ben fünften nt$t an religtöfen 
3meden unb gormen, aw$ Pflege ber Oefefligfeit marb ntd^t 
berna$läffigt , tyre $>auptjiele aber maren mtrtfäaftlictyer 
SRatur: $erfteflung gebiegener Hrbeit, beren au$retd>enbe (Ent* 
lofrtung unb gegenfeitige Unterftüfcung ber ®enoffen. 3$re 

1) ». Sntner a. a. D., 490. 517f. 537. 

2) ©tabtre^nung wn 1433 nuter: Potenlon. 

3) »eflenrieber VI, 162. 156. 

4) 2)at in ttrtttcl 366 U» SWünefaer @>tabtre<$te« ausgeflogene 
<5imragS»er&öt richtete jU$, mie mir f<$etnt, ni$t gegen bie 3*toft« an fi<$. 



764 



(Statuten erlieg in ber Siegel ber ©tabtrat, für tyre Hutonontte 
Blieb toentg ©pietraum 1 ). 3n 9Künc$en rühren bie älteften 
Sammlungen bon $anbn>erl«ftotuten no# au« bem 13. ttnb 
au« ber jmeiten Hälfte be« 14. 3a$r$unbert«, 1420 mürbes 
neue ©äfce erlaffen. $>ier tourben bie Sojen für bie Kufnafyne, 
ber Untertrieb jtoifcfcn 9Dleifter«finbern unb «uSmartigen, 
gernjeit unb 8e$rgetb, 3a$l ber ®efeflen, $robeftfide unb anbere« 
feftgefefct. Än ber ©trifte ber einjelnen $vtftt ftanben S3or* 
fte^er, meiere anfangt ber ©tottrat, batb aber bie 3ünfte felbft 
ft# festen *). $anbn>er!«orbnungett au« bem 15. 3a$r$unbert 
$aben fi# häufig ermatten, fo $erjog $einrty« ©d&ufterorbnung 
für SDloo«6urg, toorin nu$t nur über bie Sbifertipng fonbent 
fogar über ba« ©Untieren ber ©#u$e eingefcenbe S3orfärtftcit 
gegeben toerben, bie ©äfte be« ebrbaren f)anb»erK ber ©etyneiber 
SU SWüntyn oon 1444 (in Umarbeitung bon 1557), ©afce 
unb Orbnung be« 8eberer$anbt»erl« ju 3Jtün<$en oon 1491, 
ber gefrorenen SBaumeifter ebenbort bon 1489 9 ). grüfeetttg 
erlangten einjelne 3unfte Ianbe«$errlu$e ?rioilegten, fo bie 
SDlüncfricr ®eto>anbf#neiber, ßoberer, fträmer unb „lalnär" 
($änbler mit ©etynittoaren unb ®$mu(ffa$en) bon ben $er# 
jogen ©tep$an II. unb Sodann 4 ). ©$on 1370 aber verbot 
bie ©tabt 3Dfünc$en, ba| ein $anbtoerl fiety um einen Freibrief 
an bie $errf$aft »enbe 6 ) — ein &tifyn f ba| bie &un\U 
betoegung oon ber ftäbtifd&en Obrigleit mit ÜRigtrauen beobachtet 
tourbe. 2Wan$e ©etoerbe Ratten eigene niebere ®ert($t«barfeü: 
bie ftaltfömiebe j. S5. Ratten na# einem $ribileg Äaifer 8ub* 
toig« bon 1331 um afle Sachen o$ne bie bret, bie an ben 
lob ge$en, nur bor tyrem 9Rün$ner Oenoffen Ulrty, ebenfo 
fpäter bie im Ongolftabter Sanbe na$ einem $rioileg 8ubtoig« 

1) «gl. Hofentfcal, Gkrtyttuxfen I, 182. 

2) ©ejUnriebcr VI, 141 f.; *gt. bie ©orangen für bie 9Rfln*ner 
^antmxTfer in cgm. 290, l 73—92; to. ©utner a.a. D., 488. 504. 521. 

3) Dtaba^er. 3r$it> XXII, 124; $aubf Stiften be« $fL «er. bon 
D6erbabern in 4°, ftr. 164. 135; Urfunben bttfeiben «ercinS, 9hr. 6034. 

4) M. B. XXXV b, 259. 

5) ©eflenrieber VI, 117. 




ÄrbcttSanßcIIungtn. ©ier&ranerei. 



765 



im ©art (1416) nur bor bem 3ngolftäbter ©Arger SMarl* 
toart 5Reuffer ju 9?e$t ju ftc$en 1 ). 

fcrofc ber 3unftberfaffung f ln ^ 3ftbett«einfteflungcn bon 
8o$narbeitew, bie fic^ ju biefem &wätt unter einanber ber* 
Bfinbeten, am ffinbe unfereä &t\ttauvx€ fc^on borgefommen. 
3u 3" te «f $ ci # e * to bem ®efefcentnmrfe bon 1507, untere 
flehen fi$ bie $>anbtoerttfne$te in unferen ©tfibten unb 2Härften 
tyre* eigenen gfirne$men$ gemeiniglich ade in einem §anbmerf 
aufeuftefcen unb tooUen i$ren ÜReiftern nu$t metter arbeiten, e* 
fei benn in bem, ba* fte fürne^men, bormalä na$ tyrem ©e* 
getreu ge^anbelt, unb toofien alfo o$ne ber ©brigleit (Erlauben 
in ben ©acfcen i$r felbft Winter (ein. Die $erjogIic$en ©e* 
amten unb ftäbtifc^cn Dbrigfeiien mürben angemiefen gegen 
tiefe« toiber ben gemeinen 9iufcen berftofcenbe, unrechte ©er* 
galten einjuföretten unb bei ben geiernben auf fflieberaufna^me 
ber Srbeit ju bringen, ©er ß$ weigerte, foHte fortan im 
Sanbe lein ®eleit me$r $aben unb ju leiner Hrbeit me$r ju* 
gelaffen tocrben*). 

gaffen toir no$ ein etnjelneä ©emerbe flangbofien Tanten*, 
bie batrifäe ©ierbrauerei, in« Äuge, fo müjfen mir bemerfen, 
ba| fte baraaW toeber einen befonberen {Ruf no<$ große 8u$* 
befttung $atte, erft gegen (Snbe be$ 3eitraum$ fdfreint ein be* 
merfltctyer Sluffötoung eingetreten ju fein. Smmer aber ftanben 
bie ÜRümtyner ©rauer föon in einem befonberen SUrina^m** 
ber$ältni$: fte trugen namli$ (ebenfo tote bie SWflöer unb 
Äutferfömiebe) tyre ®ere$tigfeü bom $erjoge ju 8e$en 8 ). 
Submig bem ©ranbenburger trug fein üßfimtyner ©r&uamt Jä&r* 
li$ 50 $funb Pfennige. 9?o$ 1492 berbot «forest IV. 
jebermann, ber ni$t bie 8e$enf$aft bon tym empfangen, in 
2Jtfin<$cn ju mfiljen unb ju brauen. f ®reufffag M , b. i. ©eijen* 
bier ju brauen $atte jebod^ ©tepfym I. 1372 iebem ©Arger 

1) R. B. XII, 230; ©e$ner, 71. 

2) Ärenner XVI, 401. 

3) Somit $8ngt t^rc ©ouberfteßmtg in ber <3krl<$t*6arfdt (bl« 1561) 
jttfammat. $gl ©e$ner, 69f. 



766 



gegen (Erlegung einer getoiffen laje geftaüet, ba bie 21 alten 
©raumeifter, bte fich bamal* unb jur 3*ü feto** Corbern ut 
äRünchen befanben, unb ju benen fich nribetrechtlich einige neue 
gefeilt hatten, nicht genug bon biefer beliebten ©orte fcrfteüen 
lonnten 1 ). 1420 würben auch für bie STOün^ner ©tauet toie 
für bie metften (Semerbe ton Statt toegen neue Statuten er* 
laffen. $erborhebung fcerbient au* benfelben, ba& bie Cnt* 
Reibung, ob gemäljt ©erben foll ober nicht, beim ©tabtrate 
ftanb, baß aüe (Sinungen ber ©tauet (b. h- tooht »bfommen 
über bie einjufiebenbe STOenge unb ©üte ober $rett be* SBtere*} 
berboten mürben unb bafc fein SBter früher al* acht Jage nach 
ber ©ub auSgefäenft »erben burfte*). 

(gegen ba* Cnbe unfere* .jjritraum* erfreute ftch biefe 3n* 
buftrie toenigften* in 9iieberbatern bereit* ber gefefeli$en S3or* 
förift, beren ftrenge Durchführung ihr h*i*tjutage ben Sorrang 
fiebert: bei 83ermetbung oon ©träfe an 8eib unb ®ut burften 
nach beut nieberbaitifchen ®efe| Don 1493 bie ©tauer nicht* 
anbete* al* 3M$, $opfen unb SBaffer }ur ©ierbereitung &er# 
toenben. S5creibigte „©afcraeifter unb flofter", bie fpater f<v 
genannten ©ierliefer koaren aufgeteilt, in ©tobten unb SRärften 
ie jtoei oom Wate unb baju ein ©tauet, meiere iebe* ga§ 
fflier, beoor e* au*gefchenft nmrbe, ju prüfen hatten, ganben 
biefelben bie Qualität geringer, hatten fie ben <ßrei* entforechenb 
herabjufefcen, erhöhen burften fie ihn unter feinen Umftanben. 
Der $rei* mürbe lebe* 3ahr bon ber Regierung feftgefefct unb 
betrug }. ©. in SRicberbaiern 1492 für bie 8anb*huter 9Ra§ 
1 Pfennig, 1493 für ba* Vierteil 2 Pfennige, bie 3»ag 3 $eller, 
ben Stopf 1 Pfennig; oon ieber 2Wa§ burfte ber ©irt l $eOet 
®e»inn nehmen. Die* galt fotoohl für ba* inlSnbifche al* 
für au*länbifche* ©ier, ba* bereit* eingeführt tourbe. ©otoohl 
in ben hei)oglichen $flegämtem al* in ben $ofmar!en burfte 



1) M. B. XXXV b, 96. 129. 424, togt 429 3m 3a$re 1500 jafrte 
SWün4en 38 ©tauet. ». @ntn«t a. a. D., 497 f. 

2) ©eflenrieber VI, 142. 



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nnb Sein. 



767 



nur in ben „ffifatafttnen", b. in ben fcon ber ®runb$errfc$af* 
gematteten ©tr«$aufern ©ier gefcfcnft »erben 1 ). 

5Ro$ am «nfange be* 16. 3a$r$unbert$ mar felBft bei 
ben Sanb6fne$ten unb/ tote Sfoenttn* 3eugni* betoetft, Bei ben 
nieberbairifetyen ©auern Sein ba* getoö$nlu$e ©etränf. Da 
aber ber inlänbifctye ©einbau, miemo^l in größerer 3to$be$nung 
aW $eutjutage betrieben p bei ber $o$en Sage be$ bairifefcen 
Sanbed nie große ©ebeutung gewinnen lonnte, fiel beut ©cht 
unter allen 3 u fu^tarti!eln mo$l bie erfte JRofle ju. „©o man 
in ©atern ©ein trifft , ift er fauer unb oon fc&arfem ®c- 
f#mai% fagt äbt ängclu* &on gormbac$; „bag aber ©ein* 
berge bei un« feiten ftnb, ©eig iebermann, nur um {Regendburg 
toirb ©ein gefeltert 41 . Die leitete Angabe ift ieboety nid^t 
richtig; tote 5Rat$ric$ten au« beut 16. 3a$rfymbert jeigen, toarb 
no$ bamatö ©einbau ni#t nur an ber Donau, au$ an ber 
Ältmüty unb an ber 3far oon 8anW$ut an abtoartä betrieben, 
(künftiger aW {Rummler urteilt ber @$n>abe ©untfcim 9 ) über 
ben bairiffyn ©ein. $Ra$ tym begleiteten bie Donau in ©atern 
auf einer ©trede oon je$n ÜReilen ©emberge, beginnenb jmet 
SDleilen oberhalb Äetyeim, too ber Äetyeimer, $o$enafter ober 
f$rettentrüffel (b. ff. bie Äe&le reibenb) wufy, enbenb beim 
©Stoffe ©ört$ unterhalb SRegen$burg, unb in feigen 3a$ren 
mürbe tiefer „bairi[$e ©ein" rec$t gut unb füg. Der befte 
bon 9Ubre$t IV. geilte Sanbtoein nmtty* bei Donaufiauf. 
Ätä bie in üJiünctyen eingeführten ffieinf orten »erben 1385 ge- 
nannt: üRaloajier, JRomanier, Striekel (au« ®rie$enlanb im* 
sortierter ober n>o$l e$er au$ einer Üraubenforte Don grie$i[$em 
Urfprung unb SRamen bereiteter ©ein) 4 ), SRatnbal (ton JRiik 
tooglio in 3ftrien benannt), ©älfö» (©fiDtiroIer*), 5Re<Iar* ober 
©auertoein, granlen* unb Öfter* &. i. öfterreul^ifc^er ©ein. 

1) ©erjog <8eorg« ©lerfafcorbnung. Ärenner XII, 377 f. 

2) Oefele I, 103. 

3) (Siener) 3a$rbu(* f. taterlfinb. Gefö., 1861, e. 286. 297. 

4) 2)a er na$ bem SWerancr ©tabtre^t au$ bort, inmitten bei fci- 
inif<$en ©etnüberftojfe* getmnfen tonrbe. 



$<mbet: Prf ant- 



at« 1398 ba« SBerntfgen Utrty Cbner« auf best 9tbtbermartt 
in SOtfin^en eingejogen »urbe, fanb fldfr in feinem ftefler ein 
»orrat *on faft 112 (Sintern ©ein, tneift ffiätfötoeüi nnb 
Jtatnoal l ). 

Über ben $>anbel gießen bie 8anbe«$erren tyre föüfcenbe $anb; 
8ub»ig bet ©ranbenburger naftn 1348 alle Äaufteute o$tie 
Unterföieb, »et$e ffiaren in fein ©ebtet brauten, unter feinen 
befonbern @$irra (f. au$ oben ®. 105). ©enn aber bie ©efefc* 
gebung in ben $anbet eingriff; gcf$a$ e* meiften«, um ben „gut* 
lauf, ba* Auflaufen groger ÜRaffen bur$ $änbter, unb bie Än** 
fu$r nottoenbiger 8eben«bebürfniffe ju verbieten oberer ©$ranfeit 
ju fefcen. Sit finb bie Ätagen übet $aufterenbe SBagen* nnb 
Äarrenleute, bie auf bem Sanbe um$erjie$en, allerlei ffiaren, 
befonber« 8eben«mittel auffaufen unb in ben Dörfern verlaufen, 
»obur# bie SWfirfte fcerlürjt »erben *). 3mmer »ieber mürben 
«Mcfyoerben barüber laut, baß in ©täbten unb SR&rtten 
Neuerung be« gteifcfc« unb groger SDlangel an gutem gtetfö 
$errf$e, toeit ba« 2Wafft>ie$ allenthalben im 8anbe bur$ gftr* 
Kufer unb grerabe, au$ STOefcger in ben (Statten unb auf ber 
©eibe aufgelauft unb in« ÄuGlanb getrieben »erbe. @$on 
1354 fcerorbnete auf bie fttage ber ©tabt SRündfren fyüpclt 
*om Stein at« oberbairifd&er $auptmann, bag nur auf ben 
regten 3a$rm&rften S3ie$ t>erlauft »erben bärfe 8 ). (Segen ben 
Suffauf richtete ft$ femer ein Antrag ber $erjogtic$en Räte in 
SRümfcn unb ber ©tänbe t>on 1444, fobamt Sanbgebote 1447, 
1460, 1466, 1467, 1474, 1478, 1489. Da« ®ebot Don 
1474 Heg nur ein$eimif($en üßefcgera au« ben ©tfibten unb 
SRarften ba« 9tet$t, 8ie$ in ben ©tättet ju laufen. ÄStter 
unb Sammer unter brei ffio($en burften triebt gum @<$lacbten 
gelauft »erben 4 ). 1466 »urbe bie «uÄfufr oon giften 

1) et«bte$roni!en XV, 522. 

2) Ärenner VI, 36. 

3) M. B. XXXV b, 99. 

4) U. o. «rennet I, 160f. 187f.; V, 73. 199. 301. 302. 213; 
VII, 397; VUI, 151 f. 235. 281 f; IX, 9. 




itttb 8u9fn(tterbote. 



769 



überhaupt, bie tum ©tfynalj, (Eiern, Ääfe ben 8to«lfinbern 
unterlagt. 

SDtit einem »erbot ber ®etreibeau«fu$r, ba« t>on SHbred&t DL 
einige 3a$re barouf totrfli$ erlaffen toarb, bermeinten bie 
3ßän$ner JRate unb ©tfinbe fdfron 1444 ber Neuerung ab* 
jufcelfen. 1460 tourbe in beiben 8anbe«teilen ein allgemeine« 
®etrctbeau«fu$rt>erbot erlaffen, ba« nur für ben anbern 8anbe«* 
teil nt$t gelten foQte. £)iefe« ©erbot, gegen toel<$e« in 
SRieberbaiern bie 3ngolßäbter SRttterf^aft ©efötoerbe er$ob, ba 
man ben Cbelteuten nic^t verbieten fottte tyre Otiten nad& 
©utbünlen ju oertoerten, toar jeitli$ unbegrenjt, f$eint aber 
aflmä&lidfr in S3ergeffen$eit gelommen ju fein, benn fc^cn 1466 
tourbe e« in Oberbaiern erneuert unb nun au$ auf Dbft au«* 
gebeert, 1470 folgte ein neue« äu$fu$rt>erbot in SRieberbaiern 1 ). 
Sine merfltctye (Setreibeteuerung im 3a$re 1482 tourbe toieber 
auf bie ftarte Äu«fu$r beö Soria^re« jurüdfgefü$rt, vorauf 
Älbred&t IV. im Dftober mit feinem Setter ®eorg }u 
einem neuen SSerbot alle« ®etreibeauffauf« unb ber ®etreibe* 
au«fu$r au« tyren Sanben bi« jum ©onntoenbtage 1483 
einigte *) — gegenüber ber jeitltt^en Unbegrenjttyit ber frfifr» 
eren Serbote ein entföiebener gortföritt ber ©efefcgebung. 
Der Durchgang oon au«lfinbifd&em ® et reibe, ber infolge ber 
ju allgemein gehaltenen Äu«fu$roerbote unterblieb, fo baß ben 
lanbe«$errlt$en BMlen, SWauten unb Strafen Abbruch gef$a$, 
tourbe 1466 mit Äu«na$me be« $aber« gemattet Da| ba« 
betreibe aufer 8anbe« gelauft toorben fei, mußte bur$ fc^rtft> 
li<$e Urtunbe ober f ^olleten", toelctye ber Ämtmann im ©renj^ 
bejir! au«)ufteUen $atte, nadfojetoiefen toerben 8 ). 

Xxoij aller Serbote Sagten bie oberbatrifd&en ©tfinbe 1493 
auf« neue, e« toerbe fo biet gürfauf getrieben, baß ni$t« auf 
bie offenen SWfirfte fomme, unb 1500 $eißt e« toieber, ba« 
lefcte Setbot toerbe gar laffig beobachtet. Die {Regierung ging 
fo toeit, baß pe gebot, Jebermann, au«genommen bie öirte, 

1) U. a. Ärenner I, 159. 189; V, 74 f. 203; VII, 66. 396. 

2) «rennet VIII, 389f. 
8) Ätennet V, 206—210. 

«lejlet, feftifttc Daicnti. III. 49 



770 



06rig!eitUc$ fcßgefe^te Steife. 



bütfe für flc$ unb fein $au*gefinbe nic$t me$r anfaufcn ober 
beftefien, al« er im Saufe eine« 3a$rc$ berjefcren toerbe; grdgere 
Vorräte feilten ber ftonftefation berfaflen 1 ). ®en>ö$nli<$ örirb 
ber (Seift bureaufratifetyer ©ebormunbung aW ein ftinb be« 
18. 3a$r$unbert* betrachtet, ©e$r mit Unre$t! 3m 15. 3a$r* 
Rimbert ftanb er bereit« in boller ©lüte unb in unferem 
©aterlanbe fommt er in jatylofen feanbgeboten unb Serorb* 
nungen na$ ben mannigfachen SRtctytungen }um 3lu$bru<f. 
Surben bo$ in bem ©efeftenttourfe bon 1507 felbft bie greife 
für 2Wa$ljeiten feftgefefet I ©d>on borget maren in ben Statten 
nac^ lanbe$$errli$er »norbnung (1460, 1470) „©afcmeifter" 
Befteßt über ©ein, ©rob, gleifö, ©ier unb alte 8eben$bebürf* 
niffe, toelc^e bie greife anjuorbnen unb barüber gu machen 
Ratten, ba§ {ebermann für fein ®elb genügenbe ffiare in guter 
©ef#affcn&eit erhalte. 5Ra$ ©orfd&lag ber tfanbföaft t>er* 
orbnete Hlbrec$t IV. 1500, in ©t&bten unb SWarften foüten 
Tarife ber gebenSrntttelpretfe angej^lagen toerben *) unb ©täbte 
tote JKärfte felbft barüber machen, ba§ niemanb oon ben ©irten 
mit unbilliger 3 e fc un 8 Befömert toürbe. SRac$ bem (Sntnmrfe 
bon 1507 fotlte ein 3Ha$l mit bier (Sängen, jtoei gleite 
gerieten unb jtoei ©eiric^ten nebft au£länbif$em ©ein 15 $fen* 
nige toften, ein Safteneffen mit jmeierlei giften 20, mit einem 
SJifägerid&t 18 Pfennige, ein gafteneffen an einem ©amftag 
ober fonft an einem läge, an bem man ni$t gifdje, fonbem 
(Eier igt, mit bier (Sangen, barunter toenigftend einer ©er* 
foeife, 12 Pfennige. Die ffiirte foüten polizeilich angehalten 
fein )u febera 2ßa$l ftäfe unb in ber Dbftjeit au$ Obft auf* 
Suttföenl ©tattmiete tourbe in Der ©tabt auf 4, auf bem Sanbe 
auf 3 Pfennige feftgefefct 8 ). 

1) Ärenner V, 71. 201; VIII, 347; IX, 232. 445. gfir ben 
?anb*$uter Xtx\ f. Ärenner VII, 104. 278. 392. 1491 »erbot be* 
gürtaufS ton ©«treibe, @d)matj, Ä5fe a. a. O. IX, 23 f. 

2) Ärenner V, 74. 77, VII, 395; IX, 433. 435. 3n Hegen«- 
burg tourben bnrtfc ftöbttföe „6<$auer" bie e^toeine auf ginnen unter- 
fu$t. CrmS^nt 1434; R. B. XIII, 339. 

3) Ärenner IX, 433 ; 435; XVI, 410—412. Stonföentorbiittng 




3fo«lfinbif<$er $anbel. 



771 



©etreibe, ffiem, S3ie$, ©alj, 8eber, (Sifen ftnb att bie toidfr* 
ttgften $anbel*artüel fotoo$l für ben ©innen» aW ben au«* 
länbifd&en §anbel ju betrauten. S3ie$, befonber* Dd&fen, fam 
anöf au* £)fterretc$ unb Ungarn 1 ). 93ieÖet<$t am bebeutenbften 
mar bie ©nfu$r öon ©ein. ©cfcärbtng }. ©. berbanlte feinen 
SBofclftanb bem $anbel mit ©alj unb mit SBein *). 

Die größten $>anbel$mä<$te ObcrbeutfölanW toaren biet 
9?ei$«ftäbte außerhalb be$ ;bairtf$en Sanbe«, aber $art an 
feinen (Srenjen gelegen: Dürnberg, 9tegen$burg, Ulm unb Stug«* 
bürg. <£$ tonnte ni#t fehlen f baß beren Übermalt auf ben 
$anbel ber bairtföen ßanbftäbte brfid te ; bon einem ©anteber* 
liegen beäfelben tonn glei#tt>o$t nicbt bie {Rebe fein. S5on bem 
auätoärtigen §anbel mar ber nad? £)fterret$ md^t unbebeutenb, 
too bie üftündfaer ©ßrger laut Privilegien bet öfterretd&tföen 
$erjoge 8 ) biefelben gretyeiten genoffen toie bie 9tegen$burger ; 
obenan aber ftanb ber $anbel mit SEirol unb mit SBenebig. 
3m Saufe be$ 14. 3a$r$unbertS toaren befonberä bie $anbel*» 
bedungen ju 93enebig me$r unb me$r erftartt; fie ju fd&trmen 
unb }u förbern liegen \\$, ba beibe i$ren ©erteil babei fan* 
ben, fotootyf ber Senat von SSenebig als bie batrtf<$en $erjoge 
angelegen fein. 1364 &erfpra$ $erjog ©teptym ben (Regent 
burgern freiet ®eleit für ben §anbel mit SJenebig au<$ toityrenb 
feinet Kriege« mit £)fterrei# ; aW SBaren, bie fie au« SJenebig 
äußren, nennt er: trodene Äaufraannföaft (to ©allen ber* 

$er}Og fcrnfW für 2Rün<$en bon 1433, M. B. XXXV b, 313. — ftbett*- 
mütel- unb fitarenpreife au« bem önbe be* 13. 3a$r$unbert« f. bei 
*>. ©utner, ©ctterbtyofiaet, 480; 14. 3a$r$unbert: ©ejJenrteber 
VIU, 118 f.; $anbtt>ert$löljne um 1390 bei gre^berg II, (ffiotftart« 
fte<$mmg$bu<$); ©aure^nungen für bte 2Rün<$uer ©urg 1359—1364, ed. 
*. Oefete, Oberbaar. *r<$i* XXXIÜ, 341 f.; 15. Safrbunbert: in ben 
Äammerre^nungeu ber 6tabt SRüncfcu, in ben gürfleufa^en XXI, II; 
ftegenGburger $ombaure<$nungett fcon 1459 (barin ber gett>8$ntt$e Xaglofyt 
eine« 9Wanrer*, äimmermaun«, 6telnbre<$er« 5 ?f.) 1487—1489, mit 
getettfoon @$uegraf in 8er$. b. tyjl ©er. b. Dber^f alj X VI u . XVUI. 

1) Ärenner V, 73. 

2) 9tumj>kr, Oefele I, 103. 

3) 8on 1362, 1369, 1383; M. B. XXXV b, 109. 123. 138. 

49* 



772 



©mrif<$er $anbet 



pctitt ffiaren), gaftcnmu« (eingelöste grfltye), ÜRaloaper unb 
m <&$xi*d)d u l ). Hu« anbeten Quellen toeijj man, bog bte 
beutfefc (Einfuhr na$ ©enebig t>orne$mli$ Seimoanb, SEBotte, 
SDietaüe unb beutf^e SBianufafturen bilbeten, Staren, bte {um 
Seit für ben Berbraudfr ©enebig« unb Stalten* beftimmt toaren, 
gum XM aber t>on ben benegiantfe^en ©aleeren na$ bet Setxuite 
loeiter au*gefü$rt nmrben; toa^tenb für bie Hu«fu$r befonber* 
©pegereten, ©ein, ©eibe, ©aumtooBe, bte feinen ©läfer Don 
SRurano unb bte (Srgeugntffe ber ^o^enttoWelten &enegtaitif$eit 
©eberei, ©ammt, laft, ©olbbrodat u. f. n>. in ©etra$t 
lernten. ©enebiger ftaufleute ließen ftd? in ©atern nieber unb 
tyre 9ta$tommen tourben getmanifiert: 1365 totrb HnbrS ber 
3utt^ Don ©enebig aW ©Arger gu Wegendburg genannt 8 ). 
$intoieber fanbten beutfefc ftanfleute i$re ©ityne gern na$ 
©enebig, um fte bort bte italientfcfc ©pra$e unb bie ftaufmaim* 
f^aft erlernen gu Iaffen. 8ber ni$t nur für ben $anbel, für 
ba« gange ftulturleben $atte ber rege ©erfe$r mit ©enebig 
$o$e ©ebeutung unb bilbete neben beut ©efu$ itaftemfc$er 
Unioerfitäten burety bairifdfre ©tubenten unb ben &>ieber$otten 
gamiltenberbinbungen ffittteUba<$« mit italienif($en Rufern bie 
reifte Quelle, au« ber ttalieirifty ftuttureinflüffe in baft&usb 
einftrömten. (Entbehrten bie bentf^en ftaufleute in ©enebig au$ 
eigener ®eri$t«bar!eit, ftanben fle au$ unter forttoa^renber Über« 
toa^ung unb Dberauffi^t ber SRepublif, fo befagen fle bo$ itt 
bem Fondaco dei Tedeschi, beffen «ugenmänbe 1508 ©ior* 
gione unb Stigian bemalten, ein grojje« ffiaren$au« unb Äbfteigf 
quartiere. Über ben ©orrang in biefem toeltberttymten $aufe 
lagen eine batriföe unb eine ©tabt bairtfefcn Urfrrung« in 
©treit: 8?egen«burg unb Dürnberg, ©on altetf&er $atte aU 
jene ©tobt, bie am frühen Don aßen mit ©enebig §anbeW* 

1) B. B. IX, 94. Sgl an$ baft ©Bretten ber fRfiutfyter an ben 
Sogen *on 1362 bd Predelli, Beg., 836. 337. eimonifelb; 
2>er gonbaco bei lebest in »enebig unb bie bentf $ - tenegiattif $en 
SanbeClbegtefyrogen I, 86. 2)Ufrt grfinbOte ©er! $ an<$ fftr ba* ftgb. 
taufet. 

2) R. B. IX, 128. 




mit *tatebig. 



Bejiehungen angefnüpft hatte, »egen$Burg ben erften $fafc tone; 
ihr ffio^enfc^Ub ^ing im gonbaco ju oBerft unb aW bte 
SRegentfburger 1462 Bei Subtmg bem »eichen fiBer eine ju 
Ötting geforberte ÜRaut Ragten, Beriefen fie ft<h barauf, baf 
i^re §anbeW6ejiehungen ju BeneMg bie Sitepen feien. 3«* 
3eit ÄarW IV. aBer Rotten fleh bie SlfirnBerger brt erften 
?fafce« im gonbaco Bemächtigt, ffite bie ©ad&e toeiter betlief, 
hat bet 9tegen«Burger Kaufmann granj $fitri$, ber in feiner 
Ougenb in Benebig »eilte, feinem 8anb*manne, bem ®ef<hi<ht* 
fchreiBer Hnbrea* 1 ) erjähft. Die Wegentf&urger Äauffeute 
toarfen, um ben {RfimBergern ben Wang aBjulaufen, auf einmal 
fo Diel Bargelb auf ben äßarlt nach Benebig, tote bie Mrn* 
Berger bort im Saufe eine* ganzen 3ahrtf für ffiaren aus* 
gaben, unb gesamten baburch folche* Snfehen, bag fie ber 8tat 
auf bem erften $lafce beließ. 8U$ bann unter SBenjet bie 
SRfirnBerger neuetbingS mit «nfptüc^en hervortraten, berteibtgten 
bie WegenSBurger äßatthäu« {Rantinger unb ber Junge granj 
$fitrich bie »echte ihrer Baterftabt mit gefd&toungenen ©töden, 
$fitri<h aBer auch vor Dogen unb »at mit fo Berebten ©orten, 
bag er nicht nur beS Dogen 8oB erntete fonbern auch von 
btefem eine Urfunbe au*gefteOt erhielt, meiere ben {Regent 
Bürgern auf etoige 3eiten ben oBerften $lafc im gonbaco ju* 
fieberte. Dtefer Chrenvorrang ^inberte feboch nicht, bag im 
15. 3a$r$unbert anbere ©täbte, Befonbertf 9?firnBerg unb 
ÄugSBurg, bie »egen«6urger im frnnbet mit Benebig über- 
flfigetten ; ber ftätig ftnfenbe ffiohlftanb ber Bairifchen Donau* 
ftabt liege fltfy nicht erHären, memt ihr ttattentfeher $anbel fi<h 
auf ber alten $öhe erhalten hätte. 

3n jtoeiter »eihe unterhielten auch ÜRflnchen, 8anb«httt, 
$affau lebhaften $anbel mit Benebig. Die ®tabt äRfinchen 
empfing 1365 Dan! von ber »enejiamfd&en {Regierung für ihre 
©eretttotUigleit beraubten Benebigern ju ihrem ®ut ju ver- 
helfen. (Sin SRitglieb be« äußeren {Rate« in {Künden, SBil^elm 
Sigfalj, koar bamaW ®efchäft«freunb ber Benebiger ffaufleute 

1) Andr. Bai bei Pez, Thea. IV c, 606. 607; tye»o$ Onf org, 868. 




774 $anbtt mit ©tncbig. 2)et SJtotft in SRitfcntooIb. 

in 2Rßn<hen. Diefer machte ber Regierung von Setsebig ben 
»orfölag einen gegriffen ©chtoeifer, toie e« fcheint, ba« $aupt 
einet SRaubritterbanbe, ^tnterltftig au« bem SBege räumen ju 
laffcn ; bie {Regierung lehnte e$ ehrenvoll ab barauf etnjugehen, 
fefcte bagegen einen $rei$ anf feine SBerhaftung. paffem 
totrb ^ett?or gehoben, bafj e« triebt nur mit ©aljburg fonbem 
auch mit SJenebig unb mit bem Often §anbel trieb. Die 
JBaren ber oberen ©tobte tmirben bort aufgefpetd^ert, um nach 
Öfterreich, S35^men f Ungarn »erfragtet ju toerben; e$ gab 
bort Särger, »eiche ben Äbet an {Reichtum fibertrafen *). 

©efonberen Huffch»ung verbanne bem $anbeWverfehr mit 
Senebig ber Sßarft üKittemoalb am Äbfturj be* ÄartoenbeW, 
too ein SSeretn ton gu&rleuten, „bie {Rott" genannt, auf ber 
„SRottfteafe" über ©chongau unb feit 1407 auch auf ber 3far 
bie tBaren verfrachtete unb berechtigt toar von allen über SRitteie 
toalb befSrberten ©fitem 9Jteberlag«gelb ju ergeben. Die ©emalt- 
that Crj^erjog ©igmunb« von lirol gegen bie oenejianiföen 
ftaufleute auf bem ©ojener SWarlte 1487 (vgl. oben ©. 514) 
hatte für SRUtemoalb bie erfreuliche golge, baf borthin nach 
©efchlufj be$ Benebiger 9?ate$ ber vorbem in Sojen gehaltene 
SRarft, ffiarennieberlage unb Abrechnung ber venejiamfchen 
ftaufleute mit ihren beutfehen ®efchäft$freunben verlegt tourben. 
192 3ahre behauptete fleh ber fretfmgifche <8ebirg6martt im 
©efife biefer Vorrechte, bie ihm ffiohlftanb unb ©ebeihen 
fchufen *). 

Der liroler <5rjh*t}og fear aber nicht ber erfte beutfehe 
gfirft, ber ben S5enebigern feinblich gegenfibertrat. ®eretjt burch 
bie Erwerbung Dalmatien* burch ©enebtg, ffattt fchon Äcnig 
©tgmunb 1415 ben oberbeutfehen ©täbten ben $anbel«verfehr 
mit SSenebig unterfagt. ZtOj beren Sitten tourbe bie fymbel«-' 
foerre gegen SSenebig bi* 1428 aufrecht erhalten unb 1431 

1) ©o Hurajrtcr, Oefele I, 102. 

2) ©aaber, Ghromf bc* SWarfte« SWtttcntoatb, 182; Simon!« 
fetb n, 94f. Über bie Sfarflogfahrt f. bef. bie SRittentoalber ©aff«r- 
ttottorbmrogen au9 b. 15. ed. ©aaber, Oberbaar. *r#. XXXVII, 324 f. 



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©tragenbauten. 



776 



für furje 3eit erneuert, §erjog ffiityelm III. toar ©igmunb 
in ber Durchführung btefeö Serbote* be$ilfli$ unb empfing 
bafür ju SReuja^r 1428 beffen Dan!, berbunben mit ber 
Sßeifung, au$ femer benen, bie ttiber Sitten be« ÄSnig« 
ftaufmannfcfcaft mit SSenebig treiben, na$ 8eib unb ®ut ju 
fteflen fo lange, bi« bie SSenebiger jum ®e$orfam gegen ba* 
JReicfc jurüeffe^rten 1 ). JWnig ©igmunb plante ben beutfd&en 
$anbel einerfeit« na$ Ungarn anberfeit« nac$ SRailanb unb 
®enua abzuleiten 2 ). üKit ber lederen Stobt $atte ©aiern 
föon &or$er #anbel«bejie$ungen unterhalten, bie jebo<$ toofjl 
in engen ©renjen blieben: 1398 ersten in ®enua 3o$ann 
©reitfelb al« äbgefanbter fötoäbifctyer, fränfiföer unb auc$ 
bairiföer ©tobte, bat um Slbftcttung brüdenber &&üt unb fanb 
bei ber {Regierung geneigte« Cntgegenfommen 8 ). 8toi @<$luffe 
unfere« &\txaum& $at bann au$ 2Äajimilian« ftrieg gegen 
SJenebtg fiörenb in ben $>anbel«oer!e$r eingegriffen, to>ietoo$l 
bamal« ni$t n>ie unter ©igmunb eine fcoflftänbige §anbel«* 
fperre erfolgte. 

3n 3ufammen^ang mit bem Huff^toung be« §anbel« ebenfo 
toie be« fflergbau« fte$t bie Stotage neuer ©tragen befonber« 
im Oebirge, bur$ meldte flc$ Slbrety« IV. {Regierung oerbient 
gemalt $at. Den ffianberer oom ftodfoel* nac$ bem ©ald&enfee 
begrügt nod& fceute ber e^rmfirbige ®eben!ftein, meiner befagt, 
bog «Ibrety IV. 1492 bur$ ben äRünd&ner $etnri# ©art$ 
bie fötmertge ©trage äber ben fteffelberg auf feine ftoften 
bauen lieg. Den unmittelbaren Snlag baju bürfte bie 33er* 
legung be« ©ojener SRarlte« na$ SRittentoalb gegeben $aben. 
ferner mürben neue ©tragen gebaut bon ber toerbenfelßfdjjen 
®renje an burdfc ben ©ulferftein (bei gaC a. b. 3|ar) ba« 
3fart$al auftoärt« an Sanggrte« unb $o$enburg vorüber, unb 
Don »mmergau unb $artenfir<$en übet ba« SDloo« gen SOlur* 
nau 4 ). Dag $erjog 8ub»ig bon 8anb«$ut an biefen ©tragen* 

1) ®e$. @taat«ar<$h>. 

2) B. B. Xn, 265. 288. 306. 

3) $epb, (»eftf. be« -Sewmtefymbet« im SR. «. II, 721. 

4) Ärenner Vm, III. 



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77« 



Stobest. 



bauten bed SRacfcbarfftrfte» fbtftof nafyn, ift bejekfaenb für bie 
C<$toierigfeiten, mit betten int SBittelalter S5erfe$r*erlefe$ternngcti 
ju Wimpfen Ratten. 

9ta$ toie »or tourben bie 3nben »om Solle gesagt uttb 
gentieben — in ftegentburg burfte (eine $riftti$e $ebamnte 
ju einet 3äbtn gefcn — na$ nrie bor ftanben fie unter 
brftfenben 8u0na$m*gefefcen, toie benn na$ einem ©efd&Iuffe 
bet Saljburger ^obinjialtynobe Don 1418 alle SRfinner auf 
bet ©trage einen gehörnten $ut, ade grauen ein fltngenbe* 
®lM($en tragen mußten 1 ), totyrenb für bie Wegettfbnrger 3ubett 
bnrc$ Serorbttung $. Subtoig* bon 1452 gelbe „©c&eubletn" 
am »od ober ÜRanteJ, für bie Stauen anbere auffällige 8b* 
Jetten borgef$rieben untren. 9la6) tole bor mürben bie 3ubett 
bon ben 8anbe*$erren, mie e* ©ebßrfni* unb Stimmung be* 
Ängenblfatt mit fty braute, balb geföirmt — fo berbanftett 
fie in 9tieberbaiern $erjog f$riebrt$ unb beffen ©o$n $eittri$ 
»ertboBe Privilegien 1 ) — balb gebranbf$afet unb berfolgt, 
Ja au^ beut Sanbe getrieben. Die au«gebei)nten 3ubenoerfol^ 
gungen biefe« 3ettranm3, bie mit bem @$mar)en lob unb ben 
Öet&lerfa$rten oerfnfipfte Don 1348 unb 1349, bie Vertreibung 
ber STOfintyter duben burct) «brecht in. 1442, ber 8anb«&uter 
beim 9iegiernng$antritt 8ub»ig« be* Weiden 1450 tourben 
bereit« gef$Ubert 3n Ongoljtabt mußten bie 3uben 1397 
„enttoeic^en", toorauf $erjog ©tep$an bie Synagoge nnb ben 
3uben$of jum ©au einen Siebfrauenta^eOe an bie €>tabt 
fünfte 9 ). Der befte ber ©tffiäbter »fö8fe, ber mie ein 
fettiger lebenbe 3o$amt m. oon <Si$ toar laum jnr Regierung 

1) Gemeiner, Weg. Cfr. m, 207. 206. 9t<u$ ber ©aljbttTger 
€$iobe Don 1451 bie SRfaner auf ber &n$ einen 9hng ans fafran* 
farbigen §ibett, bie ©etber jttei Matte ©träfen am ©«Weier. 

2) «einricM ©epfcigiutg 1417; B. B. XH, 243. U. a. foflten fk 
bot niemanbest fte4t tynn aU bor bet $erjogi ©ofmeifta „ober tw> ber 
$erjog ba9 9te$t $ütf$afft". — ttetylflreittgfeiten bon Snben unter fty 
(amen an$ in Oberbaiern bor i$ren eigenen 3nbenme$er. ftofeutbal, 
Gertyttoefeu I, 161. 

3) R. R XI, 105. 



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777 



gelangt, aU er bie 3uben au* allen ©täbten feine* (gebiete* 
aittoie* unb feinen Untertanen oerbot (Selb bei tynen auf«* 
juneftnen 1 ). Die legten grogen 3ubenoerfolgungen fafcen in 
©aiern $affau (1477) unb 9tegen*burg (1478; f. @. 508). 
3Jiu§ man au$ über bte jä$e 8eben«lraft ftaunen, mit ber Me 
©erfolgten ton furd&tbaren ©flögen fi# immer lieber ju er«* 
$olen Dermocfyen, fo lägt fi$ bo<$ faum bejfceifeln, bag fie 
alt ®elbma($t im 15. 3a$tftinbert nic$t me$r ba* groge 
Überfleugt befagen tote früher, 8t* «lbre$t III. 1432, um 
ben im $ufitenfriege erlittenen ©cfyxben einigermaßen ju et- 
fefee», feine 3uben befieuerte f toarb er bur$ ba* geringe Cr* 
trftgni* enttäuföt: „ffitr hätten gern eine gute $itfe benignen 
gehabt, ba fanben mir fotye Sirmut, bag tobe ni$t me$r at* 
200 p. Don tynen aufbringen tonnten" *). ©än|li$ toitb man 
Me* laum bur<$ bie @<$lau$ett ertt&ren Fönnen, mit melier 
bte ftet* ©ebro^ten tyre Wetytümer geheim }u galten ber* 
ftanben. 

Unbeftreitbat trug bie 8lu*beutung be* SSolfe* burc$ tfibif<$e 
2Bu$erer 8 ) oiel baju bei bie Suben »erjagt &u machen, aber 
man barf nid&t überfein , bag ber iouc$erifc$e Cwerb in ben 
legten 3a$r$unberten be* äWittetalter* oielfa$ and) Don (Stiften 
betrieben mürbe. 9lur $iebur# erßärt e* fU$, bag j. ©. bie 
8tegen*burger ©tyiobe oon 1377 ben ©Uretern Hbfofation 
unb fir$li<$e« ©egräbni* oertoeigette unb bag ß$ bei Wuprety 
bon gretfing ber äu*faru$ finbet: Die Sumerer feigen C&rijten 
unb ftnb böfer al* bie 3uben. 3m ©d&ulb* unb $fanbbu$e 
griebri$ SÄautner« Don ©urgfaufen, ber um bie SRitte be* 
14. 3a$r$unbert* ju ben reiften ©elbmfinnern ©aiern* ge- 
hörte, ftanben ber Äaifer, ©tfc^öfe unb gfirften, ©amureb Don 
©arc^tng lie$ ben Wegen*burger ©tfööfen groge ©ttmmen, 
$eter Sder Don ©teffltng toar gerabeju al* Sumerer Der«* 

1) Vitae pontif. Eystettens., ed. Suttner, 18. 

2) Krennet I, 68. 

8) 1419 j. ». erhielten ttegenttutger Suben für 1 fL koS^entli^ 
2 Pfennige 3in«. R. B. XII, 313. 



778 



ffiu*er. &mbtotrtf*aft. 



fd^rteett *). Die fir*Ii*e ®efefegebung berbot nic^t ba« 3infen- 
nehmen überhaupt, im $anbel«* unb S3e*feloerte$r, too bte 
@efa$r be* SSerlufte« eine große fear, beanftanbete fte felbft 
$o$e Darle$en3gettrinne ni*t, ber Unfug, gegen ben fie eiferte, 
toar nur ba« touc^ettfc^e ®etobarle$en ju Iufrattoem flrrtoerb *), 
toobei freUld) bie ®renje oft ferner ju jie$en uxtr. gafi alle 
bairif*en ©ptoben $abcn Öeftimmungen gegen ben 3Bu#er 
getroffen, aber au* bte toeltti*en ©ertöte foöten toenigfien« 
na* ber S^eorie mit bralonif*er Strenge bagegen einleiten. 
9ta* 8tu£re*t oon greiftng (II, c. 73—75) $atte ber 9ti*ter 
«lagen be* «Ju*erer« auf fieiftung be« ,®efue**" (3tafe3) 
ni*t ftattjugeben, oietete$r ben bereit« gejagten 3to* jurtkf* 
juforbern. Seiftet ber SBu*erer breimaliger SRafcmmg w ba$ 
S5$u*er w $erau«jugeben leine golge, fo fofl man tyn Sffentfi* 
rügen oor ber <£$rtften$ett, foü tym „$aut unb $aar ab* 
f*lagen* unb tyn au* ber ©tabt oerftofjen, ber 5Ri*ter fofl 
fein ®ut einjie^en unb baoon alle ©ena*tetligten entf*äbigen, 
ba« getftli*e ®eri*t foü ifyi bannen unb bana* ba« tteftli*e 
®eri*t ä*ten, \a toer tyn belauft, foü biefelbe ©träfe leiben 
toie ber ffiu*erer felbft. 

Die ?eben«bebingung für ben ganjen ftaatli*en unb ft&t* 
bif*en «ufbau, örie toir i$n f Gilberten, bilbete bo* immer 
bie 8anb©irtf*aft, aber gerabe über biefe unerf*fttterfi*e ®runb* 
läge be* bairif*en SBolMIeben« fliegen unfere Duellen am 
fparli*ften. Die ®efefegebung flrtff $ier feiten ein, barm aber 
too$I mit einem 3&>ang f ber und frembartig anmutet. Dag 
na* einem ganbgebote 8Ubre*t$ IV. Don 1468 lein Sauer 
me$r S*ie$ „auf feine fcrabgenoffen f*lagen f , b. auf bie 
©emeinbetoeibe führen burfte, al« er auf feinem ®ute Aber« 
»intern lonnte, entfpra* fotooty ber ©ifligfeit at* einer gor* 
berung ber 8anbf*aft. (Sine fol*e f*eint au* beut merf* 
loürbigen Sanbgebote beäfelben gfirften Don 1478 jur Hbfteflung 

1) O&erfotyer. «r*h> XXXIV, 334 ; 3anner, ötf*5fe toon Hegen«- 
Burg III, 315; Andr. Batispon. bei Oefele I, 23. 

2) «gl ba« le$rrel*e vierte Äajrttet bei Katinger, 2>k 8o«f- 
toirt$f*aft in tyren ftttfi*en <9rnnblogen (1881). 



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ftmb&trtföaft 



bet überflfiffigen $ferbe *orau«gegangen ju fein, $tena<$ burften 
in beftimmten fflcjhlen &or bem ®ebirge, in benen bic $ferbe 
angeblich fo fiberfcanb genommen Ratten, ba| fie aW grofjer 
Sanbföaben ju betrauten feien, fortan auf einem $ofe ober 
einer ©chfeaige nur 5, auf einer $ube ober falben ©#»aige 3, 
einem 8e$en ober SJierteWfcfctoaige 2 <Pferbe gehalten »erben. 
SRut »er me$r aW 10 3u$ert «der« in einem gelb ju 
bauen $at, bem lann bur<$ ben Pfleger unb nach JRat ber 
SRachbarn eine 3Re$rung ber {Hoffe jugeftanben toerben. Sauem, 
bie gu^rmannfchaft treiben, burften 5 Stoffe unb ein gölten 
galten. üRach einer beftimmten grift tourben alle Stoffe, feelche 
bie erlaubte Hnja^I Übertritten, Don ben Beamten lonfWjiert 1 ). 
35er auäbrüdtich auch auf bie ttöfterttd&en $ofmarfen au«* 
gebe^nten Cerorbnung bürfte toolMfeirtfchafiltche gürforge für 
Hebung ber ßiehjucht jugrunbe gelegen fein, feie \a noch heute 
©auernforichfeörter ba« galten &on {Roffen aW ®efa&r für ben 
bäuerlichen SBo^Iftanb erflären *). Der ®eift bureaufratifcher 
©e&ormunbung unb SJielregiererei aber, feie er in biefem unb 
anberen Sanbgeboten fid^ au«ft>richt, entfprang weniger ber 
inbtoibueflen Neigung einzelner dürften al$ ber lenbenj be$ 
3eitalter$ ; auf Änfud^en unb teiltoeife Drängen ber Sanbftänbe 
tourben bie meiften biefer SJerorbnungen erlaffen. (Sin torifU 
tätige« Sanbgebot fear ba$ ton Wibrecht IV. 1484 öerfünbete, 
feelche« ba$ 8fo$h*ben ber Jungen 35ögel au$ ben Heftern 
mit äutaahme ber f^&blic^en, feie Äbler, {Raben, Ärähen, 
»erbot 8 ). 

Sfach ben nngeheumnSJlenfchenberfaften, feelche ber „©chfearje 
fcob" herbeiführte, lägt fieb grofje (gntfeertung ber Ianbtotrt* 
f$aftli$en ®üter (ein ®ut, ba« vorher ioo SWarf getragen, 
trug xefet faum mehr 40—50) 4 ), namhafte ffiertfteigerung ber 
Urbeittyrobufte fofeie <2rr$5$ung ber SlrBettdt&^ne beobachten. 

1) Ärenner V, 331. 334. 840; VIII, 283f. 

2) @o 9Rr. 61. 62 ber ©prityrfrter be« Cotte« ber Dbertfalj, fle- 
fammeltt>on*.6<h8nt»erth, ©erh. bc$ htft. ©er. b. Dbertfalj XXIX, 4. 

3) «. a. O. VIII, 396. 

4) Winkelmann, Acta imp. II, Nr. 1181. 




780 



Sanbtoirtfcfaft. 



Unter ben I5nblic$en Arbeitern in Dberbaiern ertyb fic$ bamal* 
„ba* ©ebreften unb Stäben, ba| jebermann immer ber grofjeit 
8ö$ne matten unb fl<$ feine« ©an« (gelbarbeit) untertoinben 
toifl*. 9ta$ Übereinfunft mit feinem Wat fcerorbnete bagegnt 
fiubtoig V, (l. 3uli 1362), bag ben üWäfcbern al* tytyfter 
fcagloftt ju ber getoö$nli$en ffoft nur 8 Pfennige, ben Wettern 
nur 4 Pfennige bejaht »erben feilten; »er me$r gab ober 
bie Arbeit um biefen 8o$n fcertoetgerte, fatte für ieben 5Eagto$it 
60 Pfennige ©nge ju bejahen unb tourbe, toenn er ba« Sanb 
*erlie§, in ber golge nic$t me$r fcreingelaffen fiuä) auf 
beut 8anb*$uter Sanbtage ton 1601 toarb nrieber Älage über 
ben Sftangel an ©auern&ied&ten laut; allenthalben, $ief t», 
ergeben ft$ biefelben unb laufen in ba« Oebirge unb na$ 
Öfterreic$ *). 

,Dem reichen ©alb e* toenig fd&abet, ob pc^ ein SDZatm 
mit $olae labet 11 fagt greiban!« ©ef$eiben$eit, aber jtoetyttnbert 
3a$re fpäter u>ar ber ©laube an bie Unerfö5pflt$!eit ber 
©alber f$on aufgegeben, fanben einfi$t**oOe gürften tote 
Subtorig ber Weiche unb Hlbred&t IV. forgfame ©erorbnungett 
jum @$ufce ber «Bälber ttftig. 8ubtoig fd^ärfte feinen ©eamteit 
ein im Sto«nufcen ber ffiälber SJlag ju galten unb nur ba 
$olj ju fällen, too e« bem ©acutum be« gorfte« am menigflen 
f$abe. Älbrecty erlieg 1476, na^bem bie Klage laut ge* 
toorbrn, bafj ben ©ergtoätbern im (geriete 23lj, fco bie 
SWjferet auf ber 3far ben «bfafc te« $olje« erleichterte, burdfr 
8to$oljen ©eröbung bro$e, ein ftrenge* »erbot gegen alle* 
Meuten in ben Oemeinbetoalbungen biefe« ©ejhle«, gegen bie 
$erfteUung t>on ©tangenjäunen, bie ju oiel $olj fofteten, gegen 
ba* galten ton ©tonten unter 38 @($u$ gänge jum ©erlauf. 
1491 folgte eine ©erorbnung jum ©<$nfce ber ffiälber in ben 
$errf$aften Huerburg unb galfenftetn am 3nn. Die C>olj- 
fcerfötoenbung ber ©ägmfiller, ba* {Hilten oon (Seifen, toelc$e 
ba* 3ung$ol) ,abfräjen M , ber übermäßige ©etrieb be* ©realer* 

1) M. B. XXXVb, 97. 

2) Ä renn er XIII, 188. 




SBoltarirtföaft. 



getoerbeS, enbltd^ ber neu aufgelommene Unfug, ba« ©emctnbe- 
genoffen ©tfide be$ ®emeinbetoalbe$ für ßc$ einjäunten, babur# 
)u fogenannten „Öfccn* matten unb bann rfidfic$t$lo« au*» 
beuteten, »erben $ter all bie ©efa^ren bejeictynet, toeld&e bem 
SBalbe, toenn ni$t rec^tjeitig oorgebeugt toürbe, unabtoenbbaren 
Untergang bro^ten. Die ausführliche ffialborbnung, bie älbred&t 
bamal« erlieg, berüdfld&tigte alle biefe fünfte, »erbot bie 
„£)feen" unb ba$ ffieiben oon ©eifen augerfcatb ber ©rünbe 
ber ©eflfcer, ftifipfte bie 8lu«übung be« iDrachfeltoerte" an 
gettnffe ©ebingungen unb gemattete ben ©ägmfiflern Jährlich nur 
ein genriffe* Quantum $olj ju ©rettent ju oerfctyneiben, meldte 
jur (Erfparung ber glöfle m*t tote bi«$er bie ©agmütter felbft, 
fonbem nur bie ftfiufer auger ganbeä führen burften. 3u 
i^rent eigenen ©ebarf an &\mmtX' unb ©renn$olj burften bie 
®eri$t$Ieute ber genannten §errfc$aft nur fragen, toa$ bie 
Slotburft i$re« ®ute$ erforberte, oerlaufen burfte man $olj 
au* ben lanbe6$errli$en ffialbungen fotoo^l in a(3 auger 8anbe* 
nur mit (Erlaubnis beä $erjogli$en 9?entmetfler$ unb betf 
Pfleger« ju Stoerburg. Die ben $erjogli$en fjorftbeamten ju# 
ftefrenbe ©trafgetoalt toarb mit fott^er Strenge ge$anb$abt, bag 
bie Sanbftönbe 1501 lebhafte ©ef^merben bagegen erhoben *). 

$tt)<>8 <Stnft oerbot 1413 ben ©auern im 3farmin!et auf 
bie ©efötoerbe be« Äbte* oon ©enebtltbeuern ba* maglofe 
Wagen, ffittyetm III. befahl 1435 au* bem tropfte oon 
©teingaben auf ©Tönung feiner Äloftertoälber me$r ©ebaety 
)u nehmen *). Überhaupt führte bie ftaatüfy gorftoermaltung 
f$on bamal« au* bie «uffid&t über bie &\xtyn< f ©emeinbe*, 
felbft $rtoattoalbungen. 3n ben «Salbungen im ©aljburgifäen, 
»elc$e feit alter 3ett jum ©etriebe be* ©aljtoerle« in {Reichen*» 
$aö beftimmt toaren, liegen m bagegen bie batri|'$en fterjoge 
felbft ©ertofiftung ju ©Bulben lomraen; bie ©atjburger Cry 
bif*5fe rateten mehrmals (1452, 1487) an fie ba« (Srfuc^en 
ber ffiatbfcftoenbung bafelbft <Sin$alt ju t$un 8 ). «Belege be* 

• 1) Ärenner vm, 236f.; IX, 19f.; xm, 194f. 

2) Meichelbeck, Cbron. Bcnedictobar. 11,105; E. B, XIII, 334. 

3) 8ori, ©aimntag tt« baiiif$en ©ergre^tt, 22. 38. 123. 




782 



flirte tBare $oIj fchon geworben toar, mag man barau* ent- 
nehmen, baß Hlbrecht IV. ben !aifertt$en {Rat ^rüfchinf am 
ffiiener $ofe burch gtoßholj au* £ötj fuh geneigt ju machen 
fn<$te l ). 

93on ber allgemeinen 3agbfretyett ber älteften 3^tten Ratten 
fi$ in manchen ®egenben ©atern*, fo im ffierbenfelfifchen, im 
©ranbenberg, in ber ©taffc^aft Petting ©puren erhalten. 
Später, aber auch fchon in fehr alter 3eit toax ba* Sagbretfct, 
ber ffiilbbann, mit ber öffentlichen ®ett>aft, mit ber Oraffchaft 
berbunben, aber baneben machte fleh auch bie abtoeichenbe 8n* 
fchauung geltend baß e$ ein äuSfluß ber ®runbherrfchaft fei *) 
ober baß ben ®runbherren bod^ »enigfienS bie niebere 3agb 
gehöre. 3n ©atern fcheint bie gegen Grube be$ 15. 3a$r* 
hunbertS biefe Stoffaffung obgefiegt ju ^aben: meltlicfc tote 
geiftliche ©efifcer bon $ofmarfen übten bie 3agb al« ein mit 
ihrer Orunbherrfchaft bertoüpfte* 9te<ht. 3n ber Siegel, toie 
e$ fcheint, mar ffiilbbann unb ®e|aib bon ben 8anbe$h*ttett 
auch i^en Pflegern aW ein Zeil ber 8teit«nufcungen übet* 
tragen *). Dann aber matten «(brecht IV. toie (georg, beibe 
leibenfchaftliche 3äger, ben bon ihren Untertanen fehr miß* 
fällig aufgenommenen Serfuch na^ju^olen, n>a$ in ben lefcten 
Sahrhuttberten berfäumt toorben u>ar, unb für bie $o$e 3agb 
ein bie ©wnbfcrren au«f<hließenbe$ h^iogliche* 3agbregal burch* 
juführen. Unter ben ©efchtoerben ber Sötoenritter gegen «Ibrecht 
toar leine ber geringsten , baß ihnen bie $o$e 3agb in thten 
eigenen $ofmarfen nicht mehr geftattet fein follte. 3n ber 
Xfpt hatte albrecht 1487 berorbnet, baß im 9liebertanbe, ba« 
er nun öfter befuchen toofle, niemanb, felbft nicht fein Säger* 
meifter unb feine Beamten, bie große 3agb ausüben, auch ben 
CbeHeuten nur bie Meine 3agb auf gfichf* unb £>afeu, bie auf 
kühner nur mit geberfotel geftattet fein foHte. 3n Gruben 
ober burch ©elbftgefchoffe burfte f/ttnadf nur gftchfen unb 

1) «ttoben in, 195. 

2) t>. SWanrer, gron^fe HI, 42, erotynt mir biefe «ufthauuug. . 

3) €o nutet Heinrich bem »eichen beut Pfleger ju Scggenbotf ; #cn- 
butger iL-«. XXXVIII, l 118. 8gt Ärenner X, 95-97. 




788 



©Stfen l ) nad&geftetlt »erben. Übertretet be« ©ebote« »urben 
auf jtoei bi« brei Sage in ben Zuxm gefperrt unb büßten tyre 
SRefce ein *). ©elbft bent gretyerrn ©igmunb ton Cronenberg 
junt £>aag fratte ber $erjog (1466) feine ffitfbbannfcede nieber* 
brennen laffen 8 ). äuf bie ©efätoerben ber €tänbe aber ge # 
ftattete SUbrety 1493 ben Cbelleuten au# bie 3agb auf SRefo 
«Bilbfd&roeine unb ©aren (nic$t au# $irfcbe), nur ni#t in ben 
fcrjoglic^en ©annforften unb in ben biefen angrenjenben «Bat* 
bungen. Der Heine ©ilbbann, worunter man bie 3agb auf 
güctyfe, #afen, $ü$ner unb anbete ©ögel fcerftanb, mar bi«$er 
fcon ben Slmtf euten öfter ben Säuern überlaffen toorben, nun 
aber toarb bom $erjoge berorbnet, baß na$e an ben 3agb# 
grünbm ber ßbelleute bie« nic^t me$r gefc$e$en fotte. ©nem 
©auern, ber fi$ bagegen bergest, barf ärmbruft ober 9left 
genommen unb, toenn au$ bie« nic$t $ilft, er felbft gefangen 
gefefet unb geftraft »erben, ©#on 1507 aber »ernennten tot* 
toieber bie fllage, baß bie Untertanen in ber 3agb ju fe$r 
beengt feien , unb ber ©efefeenttourf btefe« 3a$re« toollte bie 
3agb für Prälaten, ßbelleute unb ehrbare ©Arger auc$ auf 
{Refo ©übfcbioetoe unb ©ären ausbeuten 4 ). 

3n ©aiew-8anb«$ut ftagte bie «itterfc^aft 1499, baß \t)t 
$erjog ©eorg »Iber alte« $er!ommen bie 3agb auf €cfy»arj* 
toilbpret unb 9te$e verbiete, baß bagegen bie 3ägermeifter ben 
Keinen SBUbbamt ben ©auern gejtatten, meiere benfelben un* 
toatbmännifö unb jumetten mit fol$er Seibenfc^aft ausüben, 
baß fie fu$ felbft famt tyren ©ütem in« ©erberben ftfirjen. 
3n ber 8anbe«orbnung oon 1501 mußte ber Surft einräumen, 
baß jene Dom »bei, bereu ©orfa^ren föon unter feinem ©roß* 

1) $te 3agb auf fflaubtiere, unter baten e« no$ ©Sren, guero$fen, 
(Stottere unb £u$fe gab (Oefele I, 103), toar üUxtympt überall frei. 
€>. j. ©. Hattenberger ©eiltmn jtoifcfcn 1401 unb 1411, Öjletr. ©ei«« 
tyümer II, 115. 3ur uiebertn 3agb »ar bort bie örtaubni* be« tttyfer« 
nötig. 

2) Ärenncr X, 95f.; *gl. XVI, 154. 

3) «rroben IV, f. 47y.f. 

4) Ärcnner IX, 231. 23$. 242f.; XVI, 129—131. 



784 



3agb. ©Ubföaben. 



Datet unb Sätet ba« 3agbre<$t au«gefibt hätten, babei bleiben 
foßten *)• 

9W$t nur toegen ber beanfptuctyten au«föliefjli£$Iett, audf 
na$ anbeten Stiftungen gab ba« ffitftlife 3agboetgnfigen Snla| 
gut Unjiiftiebenfcit: einmal toegen be« ©ilbffaben«, fobami 
loegen bet btfltfenben Saften , toelfe bie $erl6mmlk$e SBe» 
fctbetgung unb ©etohtung bet $etjogli($en Säger unb Salbtet 
ben Untertanen aufetlegte. Stuf Dielfaty ftlagen bet Säuern 
über 3u«be$nung be« SBUbfd&aben« toarb oon «Ibrety 1493 
eine SJetotbnung enttootfen, toeldfre ben ©auern gemattete eni* 
toebet tyte gelber mit Otfiben unb $o$en &mmm jn umftieben 
ober einen $unb ju galten. Diefen $unben mugte Dom 
$imraelfa$ttttage bi« ©onnmenben ein $tfigel angehängt toet* 
ben, bamit fle ben Äfilbetn ntyt föaben Knuten. Übrigen« ift 
jtoeifetyaft, ob bie ©erorbnung veröffentlicht toutbe*). 3n 
©aietn*8anb«$ut, too ftetjog ©eotg ben ©auern oettoefctte 
V}U gelbet but<$ $e<fen obet $unbe gegen ba« SE&Ub jn fcWfceHf 
$atte bet ffiilbfdfaben, tmc bie «ittetffaft 1499 Ilagte, fogar 
bie Ketöbung mancher ©fltet jut golge. Der @tfinbeau«f$u§ 
erflätte ba« SBetfrtlten be« f>erjog« unb feinet Beamten in 
biefem fünfte getabeju al« eine groge 8etf$ulbttng gegen 
(Sott; er unb bie fütftlidfren «fite baten ®eotg nrieberfcolt, 
gnfibig unb batmfctjig batein ju fefcn, bag bie Honen Sorte 
niefrt ju fe$t befcfyoett toürben. ©et $etjog aber jftieb eigen* 
Jfinbig auf ba« Cefc&toetbetiBefl : „3n bem «rtilel tottl i$ mit 
lein URag feften laffen, meifc mif n>o$l batin ju galten" unb 
gab in bet 8anbe«otbnung Don 1501 nut bie in tyter afr 
gemeinen Unbeftimmtyeit jiemlty toettlofe 3ufi<$erung, et »olle 
fl<$ gegen bie atmen S9auet«leute toegen be« SBtfbptet« gnfibig 
etaeifen •). 

1) «rennet XIII, 21f. 287. 

2) ©er 3Ägermci|kr erhielt ben Befehl fle „berufe*" |u laffen; 
«rentier IX, 240. fcet&t ba« „mfinbfl* bertanben" ober iß pt am- 
bieten: „berufen"? 

3) «rennet XIII, 20. 47. 171 f. 194. 206. 207. 249. 287. Sor- 
ter (1488) tatte «eorg iac$ «rnped (c 422) auf bie tfoge bet etfnbe 



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9k#tfelben ber farjogltyen Säger. 786 



93on ben fogenannten „SRac&tfelben" ober „SWac^tjieten 14 ber 
$erjogli#en Säger unb galfner, b. beren 9te#t auf un* 
entgeltliche ©emirtung unb (Sinquartierung mürben bie ftlöfter 
am fd&merften betroffen, meit jte bon ben ^Berechtigten auä leidet 
erklärlichen ©rünben mit SSorliebe aufgefud&t mürben, ©<hon 
früh Ratten ba^cr biete Älöfter burch ^erjoglic^e ^ribilegien 
fleh jeitmeife ober boüftänbige ^Befreiung ober (Erleichterung ber 
Oaftpflicht ermirft *) ober bie Saft burch eine ©elbabgabe ab* 
gelöft*). auf bie allgemeine ©efchmerbe ber Sanbftänbe unb 
beren SJorfchlag, ben Dörfern unb ©fitem, auf benen biefe 
SRachtfelbe burch oa$ $erfommen ruhe, lieber eine ©elb* 
entfthäbigung auf juerlegen , erfolgte 1468 in ©aiern * ÜJiünchen 
bi« auf meitereä bie böüige Aufhebung ber Sßachtfelben. Doch 
blieb biefe mohlgcmeinte üßafcregel, mie e$ fcheint, auf bem 
Rapier unb 1507 mürbe nur ein bei meitem nicht fo burch* 
greifenber SBorfchlag ber ©tänbe bon Wibrecht genehmigt, nämlich 
baß fein 3äger ohne fdjriftliche ©efd^einigung bom $ofe über 
bie geftattete 3^1 ber <ßerfonen, {Roffe unb $unbe ©emirtung 
unb Quartier in einem Rlofter forbern bürfe 8 ). 

Die gifcherei mürbe gefchüfet burch eine föon bon älter« ^er 
beftehenbe, bon SUbrecht IV. mieber eingefchärfte SBorfchrtft über 
bie ßängenmage, unter melden bie begebenen ärten bon giften 
nicht gefangen merben burften, burch ein ftrenge* ®ebot gegen 
ben gifchbiebftahl (1483), burch fe$r einge^enbe gtfehereiorb* 

einige« (gntgegentommen gezeigt unb feine 3agb$unbe unb S33gel t>er- 
minbert. 

1) SReift ni$t auf bie 359 er beförSnft, fonbetn auf „©ajtang" im 
allgemeinen, bo$ mit 8lu«f($luß ber $erjoge fel&er, ausgebest. ©. u. a. 
für föott 1391 (ausgenommen hier, »er einen $erjogU<$en ©rief t>or« 
roeifen tann) M. B. H, 46; gormba<h 1394 auf 2 3a$re; M. B. IV, 
176; 8«ba<$ 1404 auf 3 3a$re; M. B. V, 204; »enebtttbeuern 1378 
auf 5 3a$re; M. G. Scr. IX, 237. ©eitere Belege bei ttafcinger, 
©ef($. ber tir^li^en Armenpflege* 315. 

2) ©o Albersbach 1359, @<tfiftlarn na<h alter Übereinfunft 1425 
befWittgt; M. B. V, 434; Vin, 565. 

3) Ärenner V, 345; XVI, 20. 121. 

«iejlet, Oeffttftte Valetta, m. 50 



786 



gittern. 



nungen für bte Donau (i486, 1500) 1 ), für ben »mmerfee 
(1429), ©trmfee (1444), Sfctemfee (1503—1513). ©efonber« 
bte lefctere Serorbnung jielt nicht nur auf ©efriebigung be$ 
ffirftlichen ©ebarfä, auf Regelung be$ äbfafceä unb ber greife, 
fonbetn auch bereit« auf Schonung ber fjtfchbrut, (Einfchranfung 
althergebrachter, aber als nachteilig ertoiefener ?$angti>etfen, 
$ebung ber gifchjucht 2 ). 3n welchem änfehen bie Sienfen be$ 
©irmfeeS ftanben, mag man barauS erfehen, bafj $>erjog ©U* 
heim bem Äaifer ©tgmunb ein ®efchenf biefer fttfehe bi$ nach 
<ßre&burg juführen lieg. 5Roch foftbarer toaren bie ©ol&ferchen 
(Saiblinge) beöfelben ©ee$. 29 ®tüd fcon biefen maren 
jährlich an ben $>of ju liefern, brei beftimmte $erjog (Srnft 
1434 ber ©tabt SanWberg in ihre Srinfftube alä jährliche* 
®efchenf jum S)anf für einen fröhlichen lanj, an bem er auf 
ihrem SRathaufe teilgenommen hatte, äbt ©Uhelm bon ©enebift* 
beuern (geft. 1483) fefcte SRenfen au$ bem Kochel* in ben 
©alchenfee, ber vorher oon größeren gifchen nur fechte unb 
goreüen gehegt hatte; 8Ibt 9larjtfj berpflanjte 1503 ebenbahin 
au$ bem legernfee 61 ©tüd ber ebelften Sifchgattung, „SRBttr 
ober salrnones (Saiblinge) s ). 

©etrachten totr nun bie Sage be$ jahtreichften unb unent* 
behrlichften ©tanbeS, toeldjer ftch ber Sanburirtfchaft unb t>tx* 
toanbten ©etrieben toibmete, fo toirb e$ und tor mancher 
fchtefen Sluffaffung bewahren, wenn nrir bie ©chüberung be$ 
beften einheimifchen unb jeitgenöffifthen ©eobad)terö sorauS* 
fchiclen. „Der gemeine 9ßann" — jagt Sloentin 4 ) — „gibt ftch 
auf ben Sief erbau unb ba$ 33teh, liegt bemfelbigen allein ob, 
barf ftch nMhW ohne ®efchafft ber Obrigfeit unterftehen, totrb 
auch in feinen 9?at genommen ober Sanbfchaft erforbert; boch 
ift er fonft frei, mag auch frei lebig eigen ®ut haben, bient 

1) Ä renn er V, 203; VIII, 394. 397; XIII, 140. 

2) S3gt. Wartung *peefc, 2>te re&ibterte ^ecorbnung am Äicmfec 
(Oberbatcr. ^ix6)\t> 1885, ©. 170); 2)te gifätoaib in bcn bauiföen ©een, 
1862; £ur älteren ©efötebte ber gifeberet am (Starnbergerfee, 1884. 

3) Meichelbeck, Cbron. Benedictobur., 198. 214. 

4) Seite II, 40; IV, 42; jn tontroUieren burc$ III, 386 f. 




©er ©anernftottb: ?cibcigcnf(^aft. 



feinem $errn, ber fonft lein ®etoalt über ihn hat, Jährliche 
®tlt, 3in$ unb ©chartoerf, thut fonft, ti>a$ er toifl, fifct lag 
unb Wadft beim ©ein, fchreit, fingt, tanjt, lartet, fpielt, mag 
SQSe^r tragen, ©chtoetnfpiefj unb lange üßeffer. ®roße unb 
überflüffige $ochjeit, £otenmaht unb ftirchtag ^aben ift ehrlich 
unb unfträflich, gereift feinem ju SWachteil, fommt feinem ju 
Übel. 3n 9lieberbatern, fo fich be$ töecht«buch$ nicht brauet, 
fifcen fte auch an ber Sanbfc^rannen unb muffen Urteil fchöpfen, 
auch über ba$ SBlut rieten. H Offenbar fommen alle Quellern 
jeugniffe, bie auf gärten unb ©ebrücfungen be$ ©auernftanbeS 
gebeutet toerben fönnen unb müffen, boch nicht auf gegen bie SBuctyt 
ber I^atfac^e, bafc ein 3 e Ü8 eno ff c unb Senner bie Sage feiner 
bäuerlichen SanWleutein biefemübertoiegenb günftigen ®efamtbilbe 
jufammenfaßt. 3n einem fünfte freiließ ift feine ©<$ilberung 
geeignet ein ungeheueres ÜJiißoerftänbniä ^eröorjurufen : feine 
©orte legen nämlich bie Auslegung nahe, als ^abe bamalä in 
JÖaiern feine Seibeigenfchaft mehr beftanben, toährenb man bo<$ 
in ben Quellen auf Schritt unb Iritt 3 e ^gniffen oon bem 
gortbeftanb biefer geffel begegnet, änbere ©teilen 2toentin$ 
(äffen erfennen, bafc er felbft, tote nicht anberä ju ertoarten 
ift, bie ffia^r^eit in biefem fünfte toohl fannte. £)a$ B^tou 1 
Verhältnis jtoifchen freien unb leibeigenen SBauern bürfte fi<h 
fogar innerhalb biefeS 3 e t traum * n ^ t ö>efentlt^ oerfchoben 
haben. Die greilaffungen, meiere ohne ^Beobachtung einer rechte 
liehen görmlichfeit unb ohne ©chürierigfetten noch h^ unb ba 
erfolgten toerben nicht fo jahlreich getoefen fein, ba& fie ins 
®etotcht fielen. SWoch feltener bürfte baö ©egenteil getoefen 
fein, bafc fich ftreie in ßtgenfehaft begaben; auch biefen feltenen 
gällen tourbe gejefcltch (in Oberbaiern 1468, in Sftieberbaiem 
1474) ein ßnbe gemacht. @benfo tute greilaffungen fommen 
noch am ffinbe be$ 2ßtttelalter$ Verträge oor, burch »eiche 
leibeigene oerfauft, oertau)<ht 2 ) ober bie 3ugehörigfeit oon 

1) Livaegeni (Seibeigene) nunc passim et facile manumitti solent. 
2Uentin III, 386. 

2) U. a. Ärenner XII, 147; M. B. VI, 315. 

50* 




2>ie Stifoigcnen 



leibeigenen ftinbern au$ gemiföten <5$en geregelt totrb. Der 
96t bon @t. Sßang in güffen berfaufte 1436 eine ©äuerin 
mit ftinbern um 17 fl. r&ein. 9iur ganj au$na$m«n>etfe 
finbet fid) (Seraeinbefifc jtoeier Herren an einem Seibeigenen *). 
Submig ber {Reitze mottte (Eigenleute mit leiner anbem $ert* 
fdfaft al* beut greifinger Domftift teilen s ). 3n ©berbatern 
tooHte für bie (E$en jtoifctyen (Eigenleuten be$ &nbe$$errn mit 
folgen ber Prälaten ober be$ Jtoelä bie erläuterte £aitbe&» 
fretyeit am ©bluffe btefeä 3^^^ fcftfe^c« f bafc bie ©tyae 
ber aKutter, bie £öc$ter bem Sater in bie 8eibeigenfäaft nac$* 
folgen fotlten, tnaä ber freiließ titd^t au$na$m$lofen 4 ) Siegel 
entfpraety 6 ). Daflfelbe ®efefc »ollte ben (Eigenleuten öotle 
greift ber SBere^elicfcung einräumen; ftc fotlten tyeju toeber 
einer (Erlaubnis bebürfen no$ irgenbeine abgäbe fciefür ent* 
rieten 6 ), $ieratt mären bie in ©aiern unter bem Tanten 
ÄbjugSgelb borfommenben $eirat$abgaben, bie fic$ all (Segen* 
leiftung für bie leib^errlictye $eirat$erlaubni$ an (Eigenleute 
erflären, befeitigt getoefen; bo# ift ba$ ©efefc ni$t pubHjiett 
morben 7 ). Sine nod? meiter ge^enbe föimpfltc^e (Segenleiftung 
ber Sraut $at in ©aiero nie beftanben; »o fid^ in 2Bei*tumern 
berartigeä angebeutet finbet 8 ), ift e* immer nur al$ fc$erj- 
$afte 8lec$t$fibertreibung, al$ ein fäled&ter 3urtftentoife aufon* 
faffen 9 ). Die (Eigenleute be$ ftlofter* grauenefcierafee burften 

1) R. B. XIII, 376. 

2) 1332: 2>aSfclbc JHnb ift $alb unfer eigen; M. B. VI, 586. 

3) Ärenner VII, 327 n. öfter. 

4) U. a. vertrugen ftaj 1477 Äafpar *on Xox gn (Snraftbitrg unb 
©otfgang *on ©atbed ju fBaflenbnrg batyn, bafj alle Ätnber ber SWntter 
folgen fottten. $errfd)aft $ofcm?atbc<!. 

5) Jcrenner XVI, 10. 294; VII, 384; «toentin a. a. £>. 

6) «renner XVI, 20. 120. 294. 

7) €3 fcfcint mir bo$ fraglt*, ob ber erß 1808 abgeraffte ©rant- 
gntben, tote *. SR au r er (gronfcöfe in, 168) bewerft, eine lanbe*$crr- 
liöft Abgabe genxfen fei. 

8) 3n bem <5$e(aft9re$t *on ©iW^nt toirb bte9 uUftt für bie 
«rant, fonbern für bie (Safran als ©uge für toerfanrate öeJbftrafe an«- 
gefarik&en; ©rimra, ffietetüraer m, 680. 

9) »gl. St. e^mibt, Jos primae noctis. 




imb i$re üafien. 



789 



fid& o$ne 3uftimmung tyrer $errtn, ber Sbtiffin, nid&t Der* 
heiraten. Siefelbe {Regel galt für bie ©genleute be$ ©t$tum$ 
(Styemfee ju ©tumm; »er fi# bagegen berfefclte, berlor fein 
Urbargut ober fonnte, toenn er Fein fol$e$ 6efafc, bom $erm 
an Seib unb Out geftraft toerben. Sluf ben leulent$altfd&en 
©ütern bon grauend&iemfee mußte, »er feinen @o$n ober feine 
Softer an ben SWann einer anberen $errf$aft ber^etratete 
(nur bte Seute be$ 8anbe$$errn maren aufgenommen) aW 
©träfe benfelben SBetrag jaulen, ben er bem ftinbe als §eirat$gut 
mitgab 1 ). Überhaupt galt (Sinmiüigung ber $errfd&aft gu ben 
<5$en tyrer Seibeigenen no# ju äoenttnä Seit al£ allgemeine* 
(grforbernt*. fRacfy altem ftrengem Äecfct fonnte ber $err feine 
Seibeigenen fogar jur $eirat na$ feinem ffiillen jtoingen. 
Gegenüber ben SWünc^nern $atte $erjog Wubolf 1294 barauf 
&erji$tet. 

Die abgaben ber Seibeigenen, bie „Seibfteuer" 2 ) unb „ber 
lobfatl ober ba$ SBeft^aupt" bauerten fort, trenn bie leitete 
au# an mannen Orten eine Heine SWilberung erfuhr, inbem 
Beim lobe be$ ©genmanneä bie ^unterbliebenen nt<$t ba« Befte, 
fonbern ba$ jtoeübefte ©tüdf 93ie$ an ben $errn abjugeben 
Ratten. Da biefeS SBer^ältniS bur# ja$lret$e ©eiStüraer für 
ftrc^a^c ®runb$olben, fo im Älofter ä$bac$, in SDtittentoalb, 
auf ben Oütern be$ Älofterä grauend&ierafee , auf ben Barn* 
bergigen Oätern in Äifc6ü$el, in bem Älofter SRott gehörigen 
^illerfee, ertoiefen toirb 8 ), barf man annehmen, baß e£ auf 
ben ®ütern ber ftird&e jur 9?egel getoorben toar. 3n ber alten 
©trenge fctyeint bie überaus brüdenbe Hbgabe bon ben ©gen* 
Ieuten be$ 8anbe$$errn erhoben toorben ju fein. Die 83or* 
fölage ber Sanbfd^aft in 8llbre<$t$ IV. legten 3a$ren lauteten 
ba^in: Beim Sobfaöe be$ SWanncS fei ba* Befte SRofe, too aber 
leine Woffe borfcanben, bie Befte Äu$ ju nehmen, Beim lobfatle 
ber grau immer bie Befte Ruf), überbte« fei bem mit ber 86* 

1) Öflerretylfäe ©el«t$fimer II, 4. 66. 147. 85. 

2) @. u. a. 2anbe*orbnung *on 1474; Ären n er VII, 499. 

3) M. B. V, 218; (Brimm, ©efetfltncr III, 661; £>f*crrei($if<$e 
©eiStyfimcr 11,5, 67. 77. 93. 



790 



SDie geibeigenen 



forberung be« SBeftyaupte* beauftragten Sned^te bet bcftc 9?<xf 
ju geben, älbrectyt »oöte jtoar nvfyt auf biefe Raffung ein« 
ge$en x ), aber noc$ ju »Dentin« £ett tourbe e« in ber Sieget 
fo gehalten. Da« 8Bei«tum be« Älofter« »Ott in $iüerfee 
befagt, baß bet SobfaH auc$ bon ienem genommen »erben fotl, 
ber fein ®ut bei Sebjeüen einem anbem übergibt, toetut et 
ficfc felbft nur eine ftleimgfett an bem ®ute borbefcält s ). Die 
Abgabe be« SBeftfywpte« ift au« einem SRedjte be« $errn auf 
ben gefamten SRad&laß be« unfreien $interfaffen abzuleiten f ift 
na$ unb na$ bielfacty au$ auf bie m$t leibeigenen $8rigen 
au«gebe$nt unb au« einer $erfonal* jur »ealtaft getoorben 9 ). 

Dag man bie gorberung nötig fanb, bie ßeibfteuer foffe mm 
feinem Zoten rae$r genommen »erben 4 ), jeigt, meiere 2Wt6* 
brauche au# in biefer Stiftung »orfamen. 81« bie getoS&it» 
liefen 3a$re«beträge be« Seibjinfe« nennt Äoentin 5, 20, 30 

1) Jcrenner XVI, 10. 19. 119. 

2) feffcrr. ffiet«t$ttmer n, 96. 

3) darüber gefiatten bie bon t>. SRanrer (®ef<$. ber gron$3fe, ber 
»anernWe unb ber $ofberfaffung in 2)eutf<$laub, bef. IV, 361 f.) ge- 
faramelten 3eugntffe (einen 3toeifel. ffienn i<$ bon ber &nft<$t biefe« 
$o*gele$rtcn unb grunblegenben SWeifta« barin abjutoeid&en »age, tag 
t<$ ben 5£obfatt al« eine urf»rfingli<$ unb normal auf bie Seibeigenen be« 
f<$rfinfte Abgabe auffaffe, gefc$te$t bie« bonte$mlt($ im S>htblt<! auf bie 
nngttetbentigen ©orte eine« ben bäuerlichen Greifen ua<$ feiner $erfunft 
fo na$e ßebenben Spanne« tote 3o$. fcurmaier. @. beffeu SBerte HI, 
386. Sgl. au$ be« gretyerrn o. Äreittraaor Smnertungen über ben 
Cod. Maximil. bavar. civil (1759), I, 617, too ber XobfoE nur ol« Safr 
ber 2etbeigenen ertoS^nt totrb. (5« ift ju bebenten, bag bie alten censuales, 
au« benen bie ©örigen hervorgingen, bie 3iuöpflic^t meift freiwillig auf 
fl<$ genommen haben, ffite hätte barau« ein Äecht be« ©^uft^errn auf 
ben 9?a$la& be« 3in«bauern entfielen foQen? 3n ben bairlfchen ©et«- 
tümem roirb aflerbtng« ber SCobfaü, fomeit i<h fehe, nirgenb an$brfl(fU<h 
mit ber 2eibetgenf<haft in »erbinbung gefegt 2>a aber biefe Duellen bie 
ben beteiligten geläufigen ftahSltntfie vielfach al« betannt *orau«fefcen, 
vermag ihr @^meigen in biefem fünfte nicht« ju betoeifen, jnm Xeil 
erflfirt fl<& ba«felbe au<h barau«, bag fSmtli$e ©tnterfaffen ber betreffen- 
ben ©ut«herrf(haft Setbeigene toaren. 

4) «renn er XV, 10. 



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unb i^rc Saften. 



Pfennige; an mannen Orten aber tourbe, toie berfelbe beraerlt, 
gar feine Seifefteuer entrichtet. 

Cntlaufen au« ber Seibeigenfchaft galt al$ fchtoere* SBer* 
Breden; nach ber meberbairifchen 8anbe$orbnung oon 1474 
jaulte e$ ju ben SBifctumhänbeln „©er fich an einen anbem 
$errn munbet, ift feinem $errn mit 8eib unb Out öerfaflen", 
fagt ba$ SBetetum oon $erren<hiemfee ju ©tumm im &\Utx* 
t^al 2 ). Die SRücfforberungSfrift für (Eigenleute, bie ohne 
SBUlen ihres $errn in eine anbere $>ctrfc^aft f ©tabt ober 
SDiarft ß<h begaben, foQte ieboch nach einem SBorfchlage tum 
1507 nur ein Sahr mähren s ). Da« rafdfre SBad^tum ber 
©täbte feit bem 13. 3a$r$unbert lägt fidfy laum anberä erflären, 
al$ baß jahlreiche Setbeigene ber SRadjbarföaft borten ihre 
Zuflucht nahmen. SSiele oon biefen Flüchtlingen mögen al« 
Pfahlbürger ihre gretheit erfeffen f)aUn. Daß bagegen bie 
ftttuföüge einen namhaften (Einfluß auf SWinberung ber 8ctb- 
eigenen geübt hätten, ift nicht ju bereifen unb toenig toahr* 
fcheinlich. (ES lam oor, baß Seibetgene, bie in ©täbte ober 
SDlärfte gejogen toaren unb bort ba$ Bürgerrecht erlangt hatten, 
toieber auf ba$ &mb überfiebelten, anberen ihre ©fiter bebauten, 
aber ihr SBfirgerrecht fortgenießen moüten. Dagegen richtete 
fich eine SJerorbnung $erjog ©tep^an^ jugunften JBenebilt* 
beuernä oom Sahre 1364, toelche befahl, baß bie (Eigenleute 
be£ filofterä, bie ftch in folgen 33erhältntffen befanben, unoer* 
jüglich in bie ©täbte unb SDlärfte jurüdgef orber t, too nicht, 
Dom Älofter toteber auf feine ®üter unb SSogtei genötigt »erben 
foüten 4 ). Stach einem ©efefce oon 1500 burften leibeigene 
lebige Unechte unb Dirnen, bie nicht (Eigen hatten, auch nicht 
angefeffen toaren, nicht al$ £agtoerfer arbeiten, außer att 
SWäher unb ©chnitter in ber (Erntejeit 6 ). 

Um ba$ ftrenge 3ü$Ü9ung$recht ju ertoetfen, ba$ bem 

1) ftrenner VII, 477. 

2) Sfierr. ffiettthttmer n, 150. 

3) Ärenner XVI, 120. 

4) M. B. VII, 175. 

5) Ärenner IX, 442. 




792 



3)ie „Brraen &ute" 



$errn gegen feine Seibetgenen juftanb, »trb auf eine ©teile int 
SRechtäbuche {Ruprecht* Don Sreifing *) ber»iefen: toie ber §err 
einen Unecht [trafen fott, ber iffvx ®ut fceruntreut hat, ohne 
ben ©chaben erfefcen }u fönnen ; er mag ihn enttoeber in eifeme 
©anben legen ober unter einen ©ottich ftürjen, ber brei ginger 
hoch über bem ©oben aufliegt, fo bog nur ba$ SRötigfte t>on 
Suft hineinbringt, unb in biefer Sage ohne SWahrung unb Iranf 
bt$ auf ben brüten Sag belaffen; oben auf ben ©ottich aber, 
alfo bem (befangenen unerreichbar, foH ein Äafe, ein Saib ©rob 
unb ein 9?apf mit XBaffer gefteüt »erben. Sine graufame 
©efttmmung, bie bietleicht nie jur äuäführung tarn, aber bie 
rohe greube be$ ^tcitnt am ÄuSftnnen gefteigerter Quälereien 
unb an $ohn gegen bie ©erurteilten fennjeichnet. 

Um aber bem (Seifte be* mittelalterlichen Seibeigenenre$te6 
geregt ju »erben, ift e$ billig auch einen unteren ©afc {Ruprecht* 
oon Sreifing (c. 49) in Erinnerung ju bringen: ber $err »ar 
verpflichtet, ben in feinem Dienfte arm unb elenb geworbenen 
Seibeigenen ju unterhalten, unb bem Äne<ht, ber tiefe $Ufe 
nicht fanb, mürbe bie Freiheit juerfamtt. 

3n ©aiern toie anbertoartö mar bie ftehenbe ©ejeichmtng 
beä ganjen ©auernftanbe* „bie armen Seute". Unter biefem 
bielfagcnben ©orte faßte man fo»ohl bie »ogtbaren ober SRunb* 
leute, bie „holben" ober „ffbx\btn u (jinflbaren) al$ bie leib- 
eigenen ©auern jufammen, ein Sprachgebrauch, ber faft oer* 
muten lagt, baß im täglichen Seben bie ©ebeutung ber Seib* 
eigenfehaft neben ben anberen Saften, »eiche freien »ie leib- 
eigenen ©auern gemeinfam »aren, jurfieftrat. Untrennbar 
ging ber B u 8 3 e *t in ben legten 3ahrhunberten be$ SRittet* 
alter« bahüt, bie Unterfchiebe g»ifchen $5rigen unb Seibeigenen 
in ber SBeife ju &er»tfchen, baß Saften, »eiche t>ox Ältere nur 
bie Seibeigenen ju tragen hatten, allmählich auch ben $5rigen 
aufgelaben unb au« ber ©ogtei, ®runb* ober ®eri<ht«h**rfchaft 
abgeleitet »urben. Die mannigfache Durchlreujung ber 8b* 
hängigfeit«berhältntffe mußte biefer traurigen Snt»ictlung S5or- 

1) II, 80, ed. t>. SWaurer, 831. 



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3e$nten nnb 3tnfen. 



fctyub leiften: ein unb berfelbe Sauer lonnte leibeigener be« 
8anbe«$errn, $interfaffe eine« Älofter«, Be^nt^fttc^ttgcr einer 
anberen fiirdfc, ®eri$t«untert$an eine« äbeltgen, am Snbe gar 
no# mit ber Vogtet einem anbern Sbelmann unterworfen fein; 
e« gab in biefen Verftiltniffen Variationen unb Vertoidttungen, 
toel#e jur nie Derfiegenben Quelle Don {Red&t«ftreitigfeiten 
tourben. 

gragen toir nun, toelctye Seiftungen unb Saften bem ganjen 
SBauernftanbe gemeinfam, mc$t auf bie Seibeigenen beföränlt 
toaren, fo finben toir 3 e $ n * e ^ 3^ n f cn / tfrofytben unb Steuern. 
Der 3^^nten, urforfinglidfr eine an bie ftir$e }u entrictytenbe 
Abgabe, toar biefer an mannen Orten Derblieben, an anberen 
in bie $änbe toeltlictyer Herren übergegangen. Der große 
Sehnten begriff bie lehnte ®arbe Dom „lieben £raib", über* 
$aupt Don ädern, toa« $alm unb Stengel treibt, au$ Dom 
SBetn. Der Heine ober ßrautje^nten tourbe Don ©emfife unb 
Obft, ber gletfö* ober ©lutje^nten Don ben lanbtotrtfd^aftli^en 
Zieren entrichtet. 

Die 3infen (®runbjin« = „@tift f ober Vogtjtn«), für 
Jebe« Out normiert unb meift in ben Urbarien Derjetd&net, 
»urben bem ®ut«$errn ober bem Vogte an ben beftimmten 
Terminen teil« in ®elb teil« in (Srjeugniffen ber Sanbtoirtfctyaft, 
$ü$nern, Siern, Ääfe u. f. to. erlegt. Diefe Srt ber Abgaben 
toar im allgemeinen fe^r mögig unb in tyrer Verteilung auf 
Derföiebene 3a$re«jeiten leicht ju tragen. $&ufig tourben fie, 
fotoo^l bie SRaturallieferungen al« bie an i$re ©teöe getretenen 
®elbjinfe, jtoeimal im 3a$re, im Srfi$ling unb $erbft geleiftet 
unb gießen barum SDtai* unb $erbftfteuer *). Die ®ut«$err* 
jd&aften liefen i$re $5fe teil« auf (Erbrecht, teil« auf Seibred&t 
ober Seibbing, b. auf Seben«jett be« SBelte$enen, teil« audfr 

1) ©o bei ben ©tunb$olben Don aitomünfier, Don (Sttal. ©rimm, 
©eiStümer VI, 183; *. 2» au r er III, 327 f. 2)er «Rarae SM- unb 
$erbf*jteuer toirb aber au$ grunb$errU<$en Steuern ober ©eten beigelegt 
(t>. Maurer III, 337) unb wenn ber 2anbe«$err SWat- unb $erbfljteuer 
fcom Äloßer SCegernfee beanfpru^t, Ifigt fl$ tyer nur an bogtetli<$e Ab- 
gaben beuten. 




794 



Saften ber ©runbhotben. 



in ber «Seife au«, bafc fte ft$ ba$ «echt vorbehielten ben 
$auero nach ihrem ©utbünfen bom $ofe abjufefcen. 3n ber 
leiteten 8rt angeftebelte 1 ) ©auern Riegen „3rreifaffen". £>ie unter 
berjelben ©runbherrfchaft ftehenben Seute toerben au<$ at$ „§au«* 
$enoffen" bejeichnet *). Die lanbe*h«tlichen $interfaffen (Äaften* 
leute) beburften jur Veräußerung ihrer ®üter ber Erlaubnis 
be$ ÄaftnerS, tyäter nach einer SBerorbnung ÄlbrechtS IV. be* 
iRentmeifter« 8 ). gür bte abfahrt ober ben Bbjug umrbe eine 
Abgabe geforbert, bereu $öhe fehr oerfchieben mar. SBährenb 
}. ©. bte $er}oglt$en Saftner im S3iechtrei<h nur ein Vierteil 
SBein nahmen, braute ber $>err bon Gesenberg einige feinet 
Stauern burch ba$ ©egehren eine« abfahrtgelbes bon 20 fl. 
rhetn. jur SJerjtoeiflung 4 ). gür bte ®runbholben be$ ftlofter* 
SUtenraarft finbet ft<h fomohl bei Crbfätten aW bei ©elehnung 
burch einen neuen §errn eine abgäbe bon 12 Pfennigen bor-» 
{jefchrieben, berfelbe ©etrag, ber bei ®utt&erläufen bon betben 
Kontrahenten an ba$ Älofter ju entrichten mar 6 ), gafle Don 
„©auerolegung", b. ff. ßinjiehung bäuerlicher ®fiter für bte 
f)errfchaft laffen fleh, torie e$ fcheint, in Skiern nicht nach- 
toeifen G ). Die im 15. 3ahrhunbert nicht erfolglos erhobenett 
Klagen über ba« Überhanbnehmen bon Schäfereien bürften laum 

1) 2)afj in biefem $crlj8ltm«, ni$t, nrie b. äftaurer meint, in ber 
©c$u&h<Jrigfeit ba* entföeibenbe SRerfmal ber greif affeu liegt, bürfte bk 
$erglei$ung ber ffimtlkfren *on ©<$meUer*groraann unter gm« 
faffe (2. ©ebcntnng) angeführten ©teilen ergeben, ffienn ba« 2anbre$i 
Äaifer SubtoigS § 146 untertreibet: fein ©anmann no$ grrifaffe ober 
ber auf ber öogtet gefeffen ip, bürfte unter Naumann ein ju Erbrecht 
Slngeftebelter ju »erflehen fein. 

2) ©o M. B. II, 484. 510; IV, 395. 

3) Ärenner IX, 545. 

4) «. a. D. XI, 462. 467. 

5) Orimm, ©eiGtütner VI, 167. 

6) 2)aSfelbe t>erfi<hert ©othein, beffen ©efttberung jebo<$ anstieg- 
ti<$ auf fübtoefibentf^en Duetten beruht, für ben ganzen ©üben (2)ie 
Sage be* ©auernftonbe« am (Snbt be* SWUtelalterS, toomehmli* in ©üb- 
toefUxutfälanb; ©efttxutf<$e 3«itfär. f.ßefö., IV. 3ahrg., 1885, ©.12). 



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gro$nben. 



796 



fo )u Derftehen fein, baß burch btefelben ©auernhSfe eingebogen 
unb ju SBeibelanb gemalt mürben *). 

SBohl fehlerer als ble ©obenjinfe brfidten bie in mannig* 
fachet 8rt ju leiftenben grohnben ober Dienfie, »enigften« ba, 
too fic nicht genau normiert, fonbern ber SBiüfür ber $err* 
fd>aft ober ihrer ©eamten überlaffen »aren, I)a tourben jur 
©eftellung ber $>öfe, toelche bie #errfchaft in eigener 33ertoaltung 
Begatten hätte, länbti$e arbeiten, $anbbienfte, gerabe ju ber 
3eit geforbert, ba bie Arbeiter auf bem eigenen @ute am 
toenigften entbehrlich »aren, mit $ferben unb SBagen mußten 
ber $>errfchaft „©jnumbienfte" geleiftet »erben, bei ©auten 
tourben bie ©aufrohnben, bei 3agben £reiberbienft (3agb* 
frohnben) ge^eifd^t. 3n Dielen $errfchaften aber toar biefe 
Saft geregelt. Sluf ben ©ütern be« «lofter« SWichaetbeurett 
bauerte bie „aBetc^art^* - * (©c^armerf^) ^Jflidht im ©ommer »on 
ber fechften SDiorgen* bi« jur festen «benbftunbe (tole e« föeint, 
nur einen Sag); auf ©erfSumniä ftanb ein ©trafgelb öon 
60 Pfennigen. 3n üßattfee ^atte jiebermann brei Sage lang 
für ben Snhaber ber ©ogtei, ba« Shorherrenftift, ju fchar&erlen 
(„toericharten"). Sluf ben ©ütern Don grauenchiemfee im Oebirg 
mußten aQe $interfaffen be$ ftlofter«, toie fie auch ffkitn, toenn 
e£ etoaä für ba« ®Qü&tyaut ju arbeiten gab, acht Sage lang 
o^ne allen Sohn, aufgenommen bie Soft, treulich bie Arbeit 
verrichten. £)ie $interfaffen Don ©eifenfelb flutteten ber 
Äbtiffin iährlich nur jtoei gahrten jum (Einbringen be$ $eu$ 
unb Öhmbed, t>on benen jebe mit brci Schillingen abgelöft »erben 
lonnte 2 ). Äfle biefe grohnarbeiten tourben unter bem SWamen 
„©chartert" ober „ffierchart" begriffen. 3m ganjen Sanbe 
toar lein ©auer, ber nicht einer Dbrigfeit, entoeber bem 8anbe$* 
ober feinem ©ogt* ober ®ut$herrn „an ber ©charioerl gefeffen" 
toäre, nrie man bamaW fagte 8 ). Wibrecht IV. unterfchieb in 



1) 3>a bie Älagen ja bon ber fianbföaft, alfo borne$mli<$ ben abe- 
ligen gron^ofbeftfcern ausgingen. St rennet VII, 353; XII, 281. 350. 

2) Öften. ©eiserner 1,47. 340; II, 4; ©rimm, SBeiSifiraerYI,192. 

3) U. a. 1476; M. B. X, 560. 



796 



feinen ©treitigfeiten mit ben Sömenrittern bie bäuerlichen gro$n* 
btenfte al« „bie niebere ©d&armerf t>on „ber $o$en @d>ar* 
tocrf" ; bie leitete fei Sudflug ber fürftlictyen Dbrigfeit unb 
ntcty« (geringere* al« ba« Stecht über ficib unb 8eben ber Untere 
tränen }u gebieten. 35a« Stecht aber r „bie niebere ©d&artoerf" 
ju forbern, loutbe im 15. 3a$r$unbert ton ber SSogtei ab* 
geleitet 1 ) unb mar mo$l auc$ urtyrfinglic$ bamit berfnfipft. 
®<$on in alter 3eit trifft man felbft freie ©arfc^alfen ju 
grofrtbicnften oerpflwtytet *). ©o bie SSogtei an ben £anbe** 
$errn gefallen mar (unb bie« mar übermiegenb geföe^en), Ratten 
bie Säuern ju Stecht nur biefem ju gro^nbtenft verpflichtet fein 
foöen; ©efd&toerben ber 8anbe«$errn geigen iebo#, ba& anbere 
$errf$aften be« Säuern in biefer 9tt$tung auc$ gorberungen 
ftettten. (Sine »erorbnung «Ibre^t« IV. öon 1496 für ba« 
SRtebertanb machte bort biefem »telbeftagten Unfug ein flhtbe s ). 
Die $oljfu$ren ber Säuern für ben 3Rän$ner $>of f )u benen 
nic^t nur $erjogti$e Seibeigene unb ®runb$olben, fonbern audj 
feiere oon ®otte«$äufern unb anbere gelungen mürben, maren 
auf ©efötoerbe ber Sanbftänbe fc$on 1468 menigften« normiert 
morben (alle Quatetnber ein guber $olj unb m$t me$r) 4 ). 
Damal« Ratten bie Sanbftänbe au# »erlangt unb bur<$gefefct, 
ba& ®erk$t«*, »ogteileute unb $interfaffen be« »bei«, ber 
®eiftlt#fett unb $ärgerf$aft, ob fte nun Seibeigene be« fanbe*» 
$errn feien ober ni#t, bon ©c&armerf für biefen befreit fein 
t'oUten, mie umgefefcrt bie $htterf äffen, Sogteu» unb ®eri$t«» 
leute be« 8anbe«$errn, menn fte au$ (Eigenleute eine« anberen 
$erm feien, nur bem 8anbe«$errn mit ®$armerl berpfltytet 
fein feilten *). gfir ben geftung«bau öon Surg^aufen erfrob 
jebo# $erjog ®eorg 1488 in feinem ganjen Sanbe, au# oon 

1) 6. u. a *renner VII, 300. 342. 348. 498. 499. 

2) Meichelbeck, Hist. Fris. Ib, 255. 504. 

3) Ärenner XI, 482. 

4) Stenn er V, 329. 337. 338. 

5) «. a. D., 330. 339. dagegen $atte $erjog <5rnfi 1430 feinen 
©genteuten, bie al« $üttetfaffen in bie $oftnarf Baierbrunn gehörten, 
verboten bortftn &n f <$art»erten. St x e n n e r , Sanb- u. $ofmar$9geri$te, 64. 



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<$runb$ctrU$e Steuern. 



797 



ben $ofmarWunterthanen, ein ©chartoerWgelb. täglich tmtrben 
4000 $funb Pfennige an gönnen für bie faft au« gang ©aiern 
bcrt jufammengeftrömten arbeitet bejaht. 81« ft$ bie 8anb* 
föaft befchn>erte, erttnberte ®eorg, ba er ben ©au gu Slufcen 
unb ^rieben für 8anb unb i*eute unternommen habe, feien auch 
alle ©ntoohner gur ©etytlfe verpflichtet l ). 3u ben geftung«* 
arbeiten von 3ngolftabt tourben 1362 bie ©auern im Umlrei« 
Don Dier üßeilen aufgeboten *). Slm 8lu«bau ber ©efeftigung 
Don anfingen aber, ber bie Kräfte ber ©tobt überftieg, mußten 
nac^ einem ®ebote aibrechtt III. (1445) Arbeiter au« bem 
ganjen Sanbe gegen täglich l Pfennig 8o$n unb ©rob ohne 
»eitere ©erföftigung j[e Dter Sßerltage arbeiten s ). 1493 Hagten 
Wibrecht* IV. ©tänbe »ieber über bie brüdenbe Saft ber bäuer* 
liehen $oljfuhren gen $of, bie oft fed>3 SWetlen ©eg$ jurücfr 
legen müßten; ja e* tourbe behauptet, baß bie ©auern, um 
ba« geforberte SDlaß bei $ofe abjuliefern, e$ jutoeilen in München 
auf bem üftarfte laufen müßten, ba ihnen bie görfter fein $olj 
abliegen 4 ). Die Sluäbehnung ber ©chartoerttlaften jä^It too^l 
ju ben größten ©erfchliramerungen, »eiche bte Sage be$ ©auern* 
ftanbeä erfahren tyt. 

9loch fchlimmer aber toar ber toachfenbe Drucf ber ©teuere 
laft, bie am (Snbe be$ 3 e toMW$ faft auäfchließltch auf ©ürgem 
unb ©auern ruhte. ffiaä ben testeten ©tanb betrifft, fo toaren 
nicht nur, tone bereit« ermähnt, bte &tnbe$fteuew Don ben 
©runbherrfchaften auf fie abgemäht, auch bie ©runbherrfchaften 
al$ folche übten gegen ihre $interfaffen ein au« ber urfprüng* 
liehen allgemeinen ÜDtenftpflichtigfeit ber $örigen abgeleitete« 
Stecht ber ©efteuerung unb allmählich hatte auch biefe grunb* 
herrliche „©teuer* ober „©ete w Dielfach bie 9latux einer ftän* 
bigen Abgabe angenommen. 3n ber äbtei ©hiemfee tourbe fie 
j. ©. aUe jmei, in ©eon ade brei 3ahre erhoben, auf ®ütern 

1) «renner XH, 190f. 279. «rnped, 421. 

2) Urt. bei «leemann, ©efö. b. gejhmg Sngolflabt, 6. 

3) M. B. XXXVb, 323. 

4) «rennet IX, 229. 230. 



798 



Bauerngüter. 



oon Stebach Bei jeber @eri<httftfcung barüber oerhanbett. 2Bemt 
ba* ftlofter Sierhausen ©efu<h einet $o$en $errf<haft befam, 
ber bem ®otteS$au$ „ju fc^toet -1 »urbe, fünfte ber 0bt m 
ba$ Dorf unb lieg fleh oon jebem ©auern einen SRefeen $aber 
itnb oon jebem $uber einen falben geben. Sine ©ermtfchung 
unb 33ertoechfelung ber öffentlichen unb grunbherrlichen 9fahte 
unb Abgaben lag nahe unb ift in ©aiew um fo früher ein* 
getreten, je auägebehnter $iet ber (Brunbbefife be$ Sanbe«* 
herrn toar 

9toch i^ter Oröjje unterfchieb man bie Bauerngüter im 
15. 3ahrhunbert unb tooffl f$on früher 2 ) in $>5fc f $uben, b. i. 
halbe $Sfe, &$en, b. i. SBierteW^öfe, ©Mben (unter einem 
8Mertel$$of), femer ©chtoaigen, $albe unb ©tertetefchtoaigen *). 
SSiele Ortsnamen unb bie bei und fo häufigen Familiennamen 
$uber, Sehner, ©Mbner ftnb auf biefe Untertreibungen iurüA» 
juführen. 9?ach i^rer rechtlichen ©elaftung unterfchetbet »Dentin 
Urbarägüter, 3 in ^8 öter m ^ SSogtgfiter. (5$ bietet biefe <£tn* 
teilung im 3ufammenhalt mit anberen Beobachtungen einen jiem* 
lieh beutlichen ©etoefc bafür, baß am (Snbe be$ ÜRittelalterS bie 
urf^rüngliche $erfonallaft }U einer SReattaft an ©runb unb 
©oben geworben ift. 3n ber freieften unb am »enigften be* 
lafteten ©teflung befanben ft$, toie Dentin bemerft r bie 3n* 
haber oon 33ogtgütern, aber urir »erben babei nur an folche 
©auern benfen bürfen, toel<he feiner anbern ©ogtei als ber 
lanbe$h*trltchen unterworfen toaren, in getoiffem ©imte alfo 
gegenüber ben Stgenleuten unb gutfherrlichen $interfaffen als 
zollfreie ©auern bejetchnet »erben bürfen. Sine höhere ©auern* 
frei^eit fpt am 8u$gang be$ üßtttelalterä in ©aiern nicht 
mehr beftanben, im Saufe beä fpäteren 2Hittelalter$ aber pnb 
bie oogtetlichen {Rechte vielfach mit ben gutShrolichen fo Oer* 

1) 93gt. ». SWaurer III, 336. 351 f.; M. B. V, 221; ©riram, 
SBefctümcr VI, 198. 

2) SGBemgßenG fchetnt f<$on ju Äaifer Submig« 3cit ©übe einen halben 
$of bebeutet ju Ijaben; f. 2anbre$t § 161. 

3) €o 1478 amtlto in «aiern-TOnthen; Prenuer VIII, 283. 



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Sage beft ©anernjtonbeS. 



mengt toorben, baß beibe nicht mehr untergeben mürben. SRodh 
toährenb ber Äriege Öubtoig« be« 9?etc^en Ratten ftch manche 
®runbherren neue ©ogtetrechte angemaßt, »ogegen ftch $erjog, 
®eorg feine lanbe«herrlichen {Rechte vorbehielt *). 

6« gab einzelne ®egenben, befonber« in unb vor ben Sltpen, 
too bie ©auern noch auffaflenber ©egünftigungen ftch erfreuten. 
5Rach bem <5^e^aftre*t Don Petting (um 1435) Ratten ade, 
bie jur ®raffchaft gehörten, freie« gifchrecht in ben ®emäffenr r 
toa« fte fingen, burften fie jmar nicht verlauf en, aber felbft 
verbrauchen ober ihren Stachbarn verehren. Der ritterlichen 
Privilegien ber ©aueru im ffierbenfelftfchen fyäbtn toir fchon 
gebaut (@. 689). Dort galt (1431) auch freie 3agb auf bem 
©erge ftramer bei ®armifch für alle, bie „ häuslich mit eigenem 
{Rauch in ber ®raffcbaft gefeffen toaren". SRur {Rottotlb (Wehe 
unb fnrfche) unb {Rotfeberfpiel toaren auch 1)\tT bem fflilbbanne 
be« 8anbe«herrn, be« greifinger ©ifchof«, vorbehalten, aber 
®emfen, $afen, $ühner, ©ären, ©chtoetne, Sichhötnchen burfte 
jebermann jagen ober fangen, boch foüte er von bem SÖtlbpret, 
ba« ®ott ihm bewerte, ben Pfleger ehren, gerner lagen im 
2Berbenfelftf<hen jmei ©erge, ber $au«6erg unb ber Samberg, 
auf benen no<$ jebermann burch {Robung rechte« ©igen ertoerben 
fonnte; von berart ermorbenem ©gen mar nicht« ju entrichten 
al$ ber rechte £ehnten 2 ). ©on ben lanfce«herrlichen ©auern 
genoffen j. ©. bie ©etoohner be« älpenthale« ©ranbenberg 
(bie ©ranbenberger Sich mänbet bei Battenberg in ben 3nn) 
befonbere ©orrechte. @ie hatten Sßeiberecht in ben h^rjoglichen 
Sälbern, ba« {Recht mit {Rute unb Singet ju fifchen, auch bie 
3agb, mit 2lu«nahme von {Rehen, SRotmtlb, {Rebhühnern, JBilb* 
fchroeinen ; für bie 2lu«übung be« Sagbrechte« hatte Jebe« $au« 
eine ganj geringfügige abgäbe ju entrichten. Kleine ©trett* 
hänbel unter ben Nachbarn burften fie felbft flüchten. 3a 
toenn ein grember in ba« X1)cd lam, „vor bem ihnen graufte", 
burften fie ihn fangen, »ehrte er fich unb f^lugen fie ihn tot, 

1) Ärcnncr XII, 278. 848 f. 

2) ©rimm, JBktettttmr III, 647. 658. 




•2)ie ©auernföaft 



fo toaren fte bofür nur ®ott, ntc^t aber ber $errfc$aft {Regelt* 
Waft föulbig 

S3or s©et Generationen erfötenen bem greifcrrn Don ©teui 
bie ©ctyßffer ber medlenburgifctyen Cbelleute tote bie §bf)U eine* 
5Raubtier$, ba$ alle* um ft$ Deröbet unb {i$ mit ber ©tüfc 
beä Orabet umgibt *). 3n ©aiern »äre biefer 93etgletc^ au$ 
im Mittelalter mo^t nirgenb jutreffenb getoefen, aber fo Diel 
ift fieser , baß bei ber überaus mannigfachen Hbftufung oon 
Saften, meiere unter ben ©auern auf Orunb ber 8eifceigenfc$aft, 
S3ogtet, ®utä* unb ®eri$t$$ertf$aft beftanben unb meiere ed 
fo fe£r erfefctoert ein allgemein giltige* JBtlb tyrer Sage )u 
^eic^nen, in ber {Reget jene Sauernföaften, benen Dbrigteit unb 
<8ut$$errf<$aft am roenigften auf bem iRaden faß, oor allen 
bie ©ett>o$ner einfamer Ätyengegcnben be$ glücflictyften Sofe* 
fi$ erfreuten, ©a$ bie öfonomifctye Sage betrifft, fo muß in 
einjelnen $9auernf$aften 9tieberbaiern$ gerabeju üppiger SBofcl- 
ftanb ge^errföt $aben; $ier fam e$ Dor, baß ein Sauer bei 
@$ärbing mit 24 ftnec^ten, bie ftets unierroegS waren, ben 
S3ie$$anbel im großen betrieb, unb baß ju einer ©auew$oc$jeii 
5—600 (Säfte erföienen »). 

©enn bie (anbe$$errlt$e ®efefcgebung au<$ nie barauf 
ausging, bie Sage ber Sauem in umfaffenbem ©inne ju Der* 
beffern, fo arbeitete fte bo$ $ie unb ba auf Äbfteüung einzelner 
garten unb SWißbtäuctye $in, fo ber Häufung Don ©c^armertt* 
pflichten, ber Don ben (Sbelleuten unbillig erhobenen lobfaüe. 
Subnrig ber {Reiche erließ 1470 ein ftrengeä SSerbot nriber bie 
eigennüfetgen Übergriffe ber Staunten gegen bie Sauern; im 
ganjen Sanbe, fagt er, fei Diel unb große« ©efärei Don ben 
Slrmen Seuten, ttrie bie fe$r befcfyoert unb übernommen roerben 
Don allen Ämtteuten, auch btn ©bergen, ©ieber toirb in ber 
nieberbairifc^en Sanbeäorbnung Don 1491 gerügt, baß bie Ärraen 
Seute bei ben SMufterungen oon ben ©eamten mit Irinf* unb 

1) ©etetum Don 1434 unter Subwig im ©att; Öflerr. SB«iSt$fimer 
II, 135 f. 

2) $crfc, 2€btn Stein« I, 192. 

3) <5r»fi$nt 1499 n. 1501. «renner XIII, 28. 178. 




wtb bie 8attbc«gefeftjeBttng. 



®c$reibgelbew beiaßet toerben ; biefer Unfug toirb »erboten unb 
SUtoiberfcanbelnben SBeamten ©elbftrafe angebroft 1 ). ©ieber* 
$olt nmrbe ben Stiftern ba« gutterfammeln unb bie $ertttmn< 
itd^e Sßeinforberung, „bie gorbermaß" ober w ba« Jaibing«* 
vierteil" unterlagt. Sllbtcd^t IV. tooüte fid^ vorbehalten t>on 
$ofmar!«$erren &er$ängte ©trafen, bie i$m ju hart erf$ienen, 
ju milbern, „bamtt bie Ärmen be« gürftentum« ni$t bur$ 
©trafen ju mel befeuert fcürben" 2 ). Stach ben Sanbftänben 
bämmerte hie unb ba bie (Einfielt auf, baß man mit ber $er* 
unterbrfiefung unb 8lu«faugung be« SBauernftanbe« triebt toeiter 
gehen bürfe. Unter ben SBefd^merbett ber 2ttfln$ner 8anbfchaft 
Don 1493 galten mehrere ben SBebrüdungen ber Stauern bur$ 
©eamtenübergriffe, ©<$artoerl«laften unb ©ilbföaben 8 ). Huf 
©unfeh ber ©t&nbe mar 1468 im SWünchner Sanbe ber ©efehl 
t ergangen, $tnfort foUe fich niemanb mehr bogtbar machen noch 
^ mannen, b. h- in 8eibeigenf<haft begeben 4 ). 8ubtt>ig ber Weiche 
erflärte e« al« eine Anmaßung, toenn Cbetleute äKunbleute an« 
nehmen, unb 1474 erfolgte auch in SRteberbaiern ba« 8anb* 
gebot, ba& (Sbelleute leine ©gen* unb leine SDlunb* (Sogt*) 
8eute 6 ) annehmen bürfen, teuere« mit beut &u\atjt f bag bie« 
{Recht nur bem 8anbe«fttrften juftehe. freilich toog in ben ge* 
brüdten SJerhältmffen ber ©auemfehaft ba«, toa« auf freiwillige 
Unterwerfung einjetner jurücfjuführen ift, gering gegen ba«, 
toa« äbel unb ©eiftltchleit im Saufe ber 3ahrhunberte burch 
bireften ober inbireften 3wwg bew ©tanbe abgerungen unb 
auferlegt Ratten. SBenn e« auch noch im {Renner (93. 1442) 
heißt: „Ein fri gebür ist herren genöz", fo toar e« boch 
fchon fcon bem &t\tpunltt an, ba ber grSgere SCeil ber freien 
©auern ftch &om firieg«bienfte jurfidgejogen ^atte, mit biefem 
Seit ber ©eoBHerung in rechtlicher, fojialer unb ölonomifcher 

1) Ä rennet VII, 353. 250; XII, 350. 

2) Ärenner XVI, 19. 

3) Ä rennet IX, bef. 227—229. 

4) Ärenner V, 330. 339; für «anbaut t>gt. ebb. VII, 341. 351. 

5) $iee finb foW&e, bie ber «bei „mit ^ür unb £$or beföttefit"* 
, Ärenner IX, 318, 319. 

WtejUr, «efc*l<*te »atern*. III. 51 




Sage be$ bairif<hen ©aueruftanbe*. 



©ejiehung [tätig abtvärt* gegangen. JBergleicht maxi, uxtf ber 
freie germanifdhe Sanbfiebler in ber Hgüolftnger 3 eit 8«n*fen, 
mit bem elenben, von ben ffbtyxtn ©tönten verachteten unb 
verhöhnen £>interfaffen, ju bem (ein SRachfomme in ben testen 
3a$rhunberten be$ SKittelalter* ^eraBgefun!en f unb ermagt man r 
auf toeld^e ffieife fuh biefe £>erabn>firbigung geistlich allein 
erflären lägt, fo lann man ba$ Urteil ni$t jurüdhalten, bag 
bie bevorrechteten ©tänbe fid^ fchtoer an ben ,9rmen Seilten" 
verffinbigt haben. 

©egenilber vielen ©egenben 9?ieberbeutfchlanb$ einerfeit« r 
©chtoabenä anberfettö, bürfen mir gletc^tDo^I bie Sage ber Bai* 
rif$cn ©auern n>a$rf$einli$ att eine gfinftigere betrauten. 3n 
©chtoaben trug bie 3«f plttter unfl be« Sanbe« in eine Unzahl 
von Reinen SEerrttorien viel baju bei bie Saften ber ©auern* 
fd^aft ju verftärlen. <£$ ift eine bemerlentoerte Zfptfaty, bajj, 
toährenb bem großen ©auernfrieg in ©chuxiben, granfen unb 
am 9t^ein, au$ im ©aljburgtfchen *) Heinere ©auernaufftänbe 
vorangingen, in ©aiern leine ©pur einer folchen ©emegung ftc^ 
finbet. Die annähme, baß ber 1486 burch bie ^Jrebigten be* 
Sßagifter« äKatheiS ftorfang von JlugSburg entjfinbete ©auern* 
aufruft auf batrtfchem ©oben ftrielte, bürfte irrig fein *), ebenfo 
ift ba« hervortreten ber nieberbatrifchen ©auem toä^renb be* 
SanMhuter CrbfolgefriegS (oben ©. 626 f.) mit Unrecht auf 
fojiale SWotive jurücfgeführt tvoroen. Den bairifchen ©tamme** 

1) 2>ort hatte Subtoig b. ttetd)e 1461 stoifdjen bem Crjbifdjofe nnb 
feinen toegen einer neuen ©teuer anfgeflanbenen ©ebirg«banern vermittelt. 
Chron. Salzburg, bei Canisins, Lect. ant. III, p. 2, p. 493. 

2) 3ug*bnrger €$rontt in V. $ormavr« £afd)enbud) 1834, 147: 
„2>a ift au* ein ba$erif$er Bnfru^r gemefen." fctenatb h*t ©. 8ogt 
(2)ie ba$erifd)e ?olittt, 130, unb 8orgefd)id)te beft ©auernfrieg«, 110) bie 
Setvegung nad) 8atern verfemt, tote e* vor i^m and? 3anffen, <&e- 
fd)id)te M beutfd)en »olfe« ■ II, 402 aufjnfaffen fdjeint 2>a aber 
bie vom Shronißen genannten Hamen ($erjog von ©cb»aben[?]; Unter* 
thanen be* $errn von Ätingen, ©tein [am Ä&ein]) nur auf §d)n>aben 
toetfen, ba ferner alle bairifd)en Oueuen von bem Vorgang feurigen, 
tolrb unter bem „ba$erif<$en" ein „bauerifäfc" Bnfruhr |u verfielen fein, 
fd et nnn baß bie irreführenbe Ctyreibmeife ttft bur<h bie Cviiion ver- 
fd)ulbet ift ober fd)on hanbfd)riftlid) vorliegt. 




$te Stxxäft: 3u<htloflgfdt be« Älcruö. 803 

^araltet jetchnet ba* f Seben unb Seben laffen" ; er toiberftrebt 
ber UnterbrfiAing ber meberett ©tänbe unb lägt e$ nie ju einer 
fo gähnenben ftluft jtt>if$en $errfchern unb SBe^rrf^ten fommen, 
toie fie fi<h anbertoärt* bielfad^ aufgethan ffat. 



„33or «Iter«", fagt ber ©ominifaner $einrich von $er* 
forb 1 )/ tet um 1355 fthrieb, „gab e$ unter bein ©älular* 
neru* »ie im SWönd^ftonbe ^ert>orragenbe SBänner; ^eutjutage 
toirb man folche nicht leidet finben, benn unfähige, rohe, un* 
gebilbete, Junge, unerfahrene, \a efelhafte Seute erlangen, toofern 
fie nur ®elb haben, bie fir$li#en Ämter unb ©ürben. ®$au 
hin auf bie Äbte, $rioren, ©uarbiane, SWagtfter, Seitoren, 
kröpfte, ftanoniler jeber ärt — unb feufje! ©(hau hin auf 
Seben, SBeifoiel, ©anbei, 8e$re biefer $erren unb auf bie ®e* 
fahren ihrer Untergebenen — unb erjitterel" Stächt genug 
tyun lann fid^ biefer SDWnch in ftlagen Aber bie SBerberbni« 
be* geiftlichen ©tanbe*. <5r föitbert, tote fchamlo* bie ©imonie 
betrieben ttirb, förmlich als ob fie eine fir$ti$e, latholifche unb 
geheiligte Onftitution fei, toie ber ganje ftleru«, £>o<h unb 
SRieber, nach ^frünben Jagt, bie um ®elb »erlauft, für ©eiber 
vertäuet, im SBürfelfoiel getoomten unb verloren toerben. 
,3efct fcheint e«, at« hatte ber $err bie ftäufer unb SBerläufer 
nicht au$ bem lempel vertrieben, fonbem ebenbort fie alle 
jufammen eingetroffen." ©ifchof »Ibert von greifing mugte 
1352 feinen Domherren baö öffentliche ©affentragen, ben nächt* 
Itdhett ©efuth von ffiürfelftietyläfcen (baratariae) unb „lafdoeö* 
nächtliche« £>erumfchtteifen in ber ©tabt verbieten *). , 33om 
Safter be* ftonfubinat« aber", Ragen bie 9tegen$burger ©hnobal* 
ftatuten von 1377 8 ), ,toerben nur »enige fttertter rein be* 
troffen." Zfeologiföe ©ei$heit, retyfchaffene« Seben, grünb* 

1) Ed. Potthast, 268. 

2) B. B. VIII, 232. 

3) M. B. XV, 576. 

51* 



2>a0 jjfitftfofc @$l«ma. 



Rd&e ®ele$rfamlett, biefe bret *>on $rabanu« SWauntf für bat 
®eifttic$en al« unerla6üc$ bejei<$ueten (Stgenfc^often »am bat 
ftleruö, toenn tt>ir Don etnjelnen ritymlid&en auftürmen ab* 
fefcn, in gletfym SDiajje abfanben getommen. 

Der langwierige ©trett jmtfcfcen ber toeltüc^en unb aetft^ 
liefen ©ctoatt $atte bie Autorität ber Stirpe tief erföflttert, 
o$ne bur$ feine ©ebrongniffe bem ftleru* )u innerer ©ieber* 
geburt ju &er$elfen. Stoib toarb bur$ baSfetbe Übet, ba* bem 
3»tft ftaifer 8ubtoig3 mit ben ^äpften immer auf* nene friftfce 
9la$rung jugefüfrrt $atte, burc$ ben befcrrfcfcenben ©nffafc beS 
franjöfiföen $ofe« auf bie fturie, ein furchtbare* Seiben ber 
ftir$e, baö grofce ©c#*ma hervorgerufen unb 3a$rje$nte laag 
feine Teilung fcertynbert. Jöaiern folgte to&^renb biefer $ertabe 
mit bem größeren 5Eetle be* ©eutfd&en 9tet<$« ber Obebtenj ber 
rfomfcfcn Zapfte, beren Segitimitat toeit beffer begränbet toar 
att iene ber a&ignonejifc$en. 3n manchen bairif^en Stotfimeni 
itboä), befonber« in Sreiftng, Infipften fic$ an bie firntametung 
ber fturie jfoiefoälttge ©if$of*ernennungen, langwierige Streitig* 
leiten jto>ifc$en ben (Segnem unb pnanjieller SSerfaü 1 ). 9ia$ 
bem ©afeler ftonjil fear bann ber Grjbiföof ton Salzburg ber 
erfte, ber burefc ben beitritt (22. 8tyr. 1448) jura Liener 
ftonlorbat ba* ftonjil unb beffen ©egenpatft gelif Y. prtü* 
gab unb jur ©bebienj be* rSmtfcfcn topfte« SRifolon* V. 
jurfidfe$rte 2 ). Borger frttte ber Stampf gegen bie $ufite« 
Sötern in alle @$recfniffe be« Weligton*friege* ftneingeriffen. 
Sängft toar bie fttrcfc, ben altcfcriftlüfcn Orunbfafc ber <8e* 
n>iffen«frei$eit öerleugnenb 8 ), jur 3tt>ang*fir<$e geworben; in 
büfterem ganatttmuö ber SDiaffen, in blutigen ftriegen unb 
©reuein erntete man bie grüßte biefer traurigen Sntumflung. 

1) ©gt Geßta episcop. Prising., M. G. Scr. XXIV, 827 f. — ©<$mt 
öorfcr, um 1370, »erben im ©aljbnrger Crjferengd mit gnftwfrne 
ealiburgö feibfl ffimttfc&e ©fctflmer att *trf<$uibct gefättbert ©. ba 
ton äart Mütter *n3ff entluden ©eri($t, 3eitf$r. f Äir^engef*. 11,4, 
621 r toätere ©dege bei »afcinger, «rmentflege 1 , 380. 

2) ©. $aftor, Gcfö. ter Wpfr I, 299. 

8) Waagen, Wttin Äajntcl über freie Äirtfc u. <9etoHfen«frei^cit 



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Äefcer: $nflttn. 



805 



9tor ganj vereinjette Äntyinger gewarnten bie Seiten be* 
SBkleff uttb $u3 au$ in ©dem. 9ia$bem f$on 1418 auf 
bem ©aljbnrger ^rovinjialfonjil Älagen übet ba« $eimttc$e 
(Einbringen btefer Hexereien laut geworben würbe 1421 in 
8tegen«burg ber Äaplan Ulrich ©rünSleber, ein geborener 33o$en* 
ftrauger, als SJerteibiger beö £>u$ unb weil er beffen $>in* 
rtytung tabelte, vom ©ifd&of verurteilt, begrabiert unb na<$ 
beut <5>pxuä) eine« 9K$ter3, ber einft fein ©$filer gewefen war f 
verbrannt. (53 ift eine feierliche Siebe erhalten, bie ber 
Unguftiner ©ert$olb $ue$$aufer bei biefem anlag gehalten 
$at 2 ). 9lo<$ 1460 lagen in ©ic^ftäbt Sln$anger ber $uflttfc$en 
8e$re im fterler 8 ). (Sine gewiffe Margarete SBatyotin, welche 

für bie Jungfrau von Orleans $iett unb allerlei ©onber* 
bare« glaubte, war offenbar geifte$geftört. 3n folgen Ungtfi<fr 
liefen fab ba$ SKittelalter fonffc vom leufel ©efeffene, biefe 
aber bemäntelte man al* Äefeerin unb warf fie in« ®efängni$; 
in bem groteöfen Slufjug ber verurteilten Äefcer, in feuerfarbigem 
ftleib mit rotem Äreuje, auf bem £>aupt eine ?Japiermüfee mit 
ber Umfc$rtft: „Dies SBeib warb aW Äefcerin erfunben, bur<$ 
©otteö ®nabe aber belehrt", mufjte fie (1434) im »legen** 
burger SWünfter abfd&wSren 4 ). (Ebenfalls im töegenSburger 
©Grengel waren früher infolge von ©efölüffen ber ©tynobe 
von 1377 einige ©eg^inen verurteilt worben, welche ber ©efte 
vom freien (Seifte angehört ju frtben Meinen 6 ). 1381 ftanb 
in (Si^ftäbt ber 8aie Äonrab ftannler aW «n^anger berfelben 

1) Dal h am, Concilia Salisburg., 185. 

2) Andr. Rat, Pez IV c, 611; Oefele I, 38; clm. 14175, l 254. 

3) Clm. 17796, f. 165v. 

4) Andr. Ratisp. bei Eccard I, 2165. 

5) M. B. XV, 612; 3anncr, Oefö. ber ©ifööfe von ttegenSburg 
in, 271. Über bie ©rüber ©irtberg, <tyotatwttf$e @<$wärmer in ber 
töegenSburger 2>töjefc, befonber« in (Sger, f. ebb. 566 f. Stoinu« v. ©Irl- 
berg enbete, wiewoty er (1467) abgefötooren $atte, im Äerfer ju #o$en- 
burg. Über bie Äefcereten ber Straberg Vgl. au* clm. 17796, f. 167 v.; 
über bie t>iettei$t bamit jufammen^fingenben eines Saien $einrt<$ mit 
14 Sln^fingern beibertei ©eföletft« ebenfalls im SRegenSburger Sprenget 
1466 clm. 18930, f. 82 f. 



Äefcer: ©rfiber t>om freien Reifte; ©otbefler. 



©ette bor bcm Snquifitor *). ©ein ©eftänbni« jetgt f bog bte 
SRegcnöburger ©^nobe bie 8c^re biefer gefährlichen Seite, bie metft 
oon SBegharben imb ©eg^inen verbreitet mürbe, richtig jetchnete. 
Durch ©ottrt ®nabe, erfldrte ftannler, ^oBe er erreicht mit 
©ott oöflig ein« ju fein unb unfähig ju fünbtgen; in biefe« 
^uftanbe fei ihm, fofern er nur bem SEriebe ber SRatur folge, 
ade« geftattet, toeber firchliche noch allgemein ftttliche ®ebote 
feien für ihn fcerpfltchtenb. 3m jtoeiten SJerhör ober toiberrief 
ftannler, f#ob ba«, loa« er früher al« göttliche (Erleuchtung 
bejeichnet fctte, auf ©nflfifterung be« böfen (Seifte« unb tourbe 
toieber in ben Schoß ber fttrche aufgenommen, ohne bafj totr 
erfahren, toelche ©uße ihm auferlegt toarb. ©njetne ^Piffe 
t>om gortbeftanb ber ©ruber oom freien ©eifte im (Rchftäbter 
Sprengel begegnen noch ba« ganje 15. 3a$r$unbert hinburch. 
»oHe« Ctd^t Aber bie morattföe Serruchtheit biefer Seite fpbm 
erft neuere gunbe verbreitet *). Die Stirpe aber »erfolgte mit 
gleicher Strenge auch Selten mit ftrengen fittlichen ®runbfäfeen f 
tote bie ffialbefier. S5on ©ifchof griebrich IV- oon ©chftabt, 
einem trafen von Öttingen, ber 1383 bie {Regierung antrat, 
ift überliefert, baß er in feinem ganjen Sprengel eine forg* 
fältige Unterfuchung über toalbeftf$e Hexereien anorbnete unb 
biete fchulbig ©efunbene mit bem ftreuje {eignen, anbere auf 
bem Scheiterhaufen oerbrennen lieg 5 ). Die Verfolgung erjtrecfte 
P<h auch au f ben 8ug*burger Sprengel, »ugöburg felbft, 
Donauwörth, DinleWbüht , ffiembing toerben unter ben Dielen 
bairifchen, fchtoäbifchen unb fränfifchen Stäbten, too um 1393 
SBatbefier verurteilt unb jum Seil berbratmt tourben, namens 
lieh aufgeführt. Unfer ©erichterftatter toiB beobachtet fyxhtn, 
baß man meift bie ärmen laufen ließ, bie Sermöglichen aber 
auf ben Scheiterhaufen brachte, um ihre Oüter bann einju* 
liehen 4 ). (Ebenfalls bem lefeten Sahrjehnt be« 14. dahrhunbert 

1) $. $anj>t in ber 3eitf«r. f. Jtirchengef Richte V, 487 f. 

2) Sattenbach, Über He @ette ber ©rflber tora freien Otipe; 
€%-©er. ber ©erliner «fab. 1887. 

3) Vit&e pontif. Ejstett., ed. Sattner 14 

4) Joh. Gairii Nordlingani brevis historia; Oefele I, 620. 




©raf Utri$ b. ©Battenberg. 



fc&etnt ein 83erbammung$urtetl gegen SÖalbefier ber ^affauer 
©tScefe, Ramend ©unbellin, (Elfe, ftunigunb, £>iemuot anju* 
gehören, bie mit ber Sitte, bog i&re* «eben* unb tyrer ©lieber 
gefront »erben möge, bem toeltlid&en ©erictyt übergeben tourben % 
3m ©4ft5bter ©prengel veranlagte no<$ 1460 ©if$of 3o* 
fymn III. bur<$ ben Slbt $eter Siegele *>on $etl*bronn eine 
blutige Verfolgung ber SBatbejter 2 ). 

SWcrlroürbig finb bie §Rac$rid&ten be« SDiattfeer «nnattften s ) 
über einen 9tad&baw ©aternö, beffen SBirffamleit, befonber* 
al* ftlofteroogt, vielfach au$ auf batrifd&en ©oben herüber* 
foielte, ben ®rafen Ulridfr oon ©d&auenberg, ©rjie^er £>erjog 
JRubolfä IV. von £)fterrei$. 2Benn al$ fein ©laubenSbefenntnt* 
gefdjilbert ttrirb: e$ lebe unb toebe ein attoaltenber (Sott; ju 
biefem Ie$re, menn ber Äörper geftorben unb oerborben, ber 
menfd&tictye ®eift jurficf, fei er nun oon ©ünben befledt ober 
nt$t, feien bie ffierfe be« SWenfd&en gut getoefen ober böfe — 
fo beutet bie« auf eine pantbeiftifcfce änfd^auung, bie fk$ mit 
ber 8e$re ber ©rüber oom freien ©eifte berührt. £)afjj ber 
©raf biefer ober überhaupt einer beftimmten @efte angehörte, 
ift jeboc$ mc$t überliefert. Den getftltd&en ©ater Urban V, 
foH er al$ „gaijjenen ©ater*, bie ftleriler als „getoeid&te 
©auern" oer$ö$nt $aben. Siebenbei toirb er al$ übermütiger 
Styrann geföilbert, ber nie^t nur ben Äleruö, too er lonnte, 
gefd&äbigt, fonbem au$ feine ©auern arg geklagt $abe. ©on 
ben geiftli^en 2Wac$t$abern gesagt, lebte er gtei$too$l un* 
angefochten unb ftarb 1373 ,ungebei$tet unb ungefalbt", tote*» 

1) Clm. 5338, f. 244v. 

2) $au|)t a. a. D. r 493. 2>eSfclben Stefaffcr* „2BaJbenfert$mn unb 
Snquifitüm" in ber 2)eutfc$en 3eitfc$rift f. ©ef($i($t$toiffettfa)aft, 1889 r 
tonnte $ier nic$t me$r bennfct »erben. Weue 3luff<$lüffe Wer bie «er- 
faffung ber ffialbefier, befonber« i$re Sofoije, toirb bemna\$ft eine 9Rit- 
tettnng *on $ reg er in ben 9b$anbtungen b. SWftn^ner «(ab. erbringen. 

3) M. G. Scr. IX, 833. ©tfilj, Grafen bon ©Hannberg, 187 r 
lagt biefen HnnalifUn befanden, ©te^an *on »aienf $abe fty ju 
a^nli^en ©ranbffifcen befannt tote ©raf Ulri<$. 2)ie9 ift unbegrttnbet; 
ber «nnalip fagt nur, baß fl<$ @tej>$an in einer ©teuerforberung Utria) 
3unt SRnßer genommen $abe. 




808 



£tr$U($c« geben. 



too^l e* in feinen testen Äugenblkfen niefct an btr ©egentwrtt 
jahttetyet ^tieftet fehlte. 3nbeffen ift bie 94a$ti$t unfere* 
fletifalen ©erictyetftattet*, ba§ Ulti<$* Stau, eine ©utggtäfin 
Den SRütnbetg, tym ein STOonfttum mit t>iet gfifcen unb einem 
$wnb*foi>fe geboten habe, too^l geeignet f auch gegen bie 6ha* 
tattetfäübetung be« ®tafen einige* SDttgttauen einjufßfen. 

$Bic auf aücn gefänglichen (gebieten gelangen auch im 
Seben bet Stirpe ©ebrechen, Unotbnung unb tlu*toüchfe leistet 
jut ftuube ber SRach&elt al* gefunbe f notmale unb geotbnete 
gufianbe, machen 3^tft unb ftamtf meht oon fi<h reben al* 
bie erfprieglid^e r aber einförmige SRufc einet langen fftteben** 
jeit. Die ÄBelt Hebt nicht nur ba* ©ttahlenbe ju fchtoatjen 
fonbetn auch fehlste, bef$eibene $fltchtetffillung ju überfein 
unb ju öetgeffen. Diefe* ^tftortfd^e ©efefc »ohl ettoägenb, 
toetben toit und um fo toeniget verleiten laffett im religföfett 
unb fachlichen Seben biefet $ettobe nicht* al* ©chatten ju fe^en. 
Huch &on einet entarteten ftttche geptebigt, f>at bie $tiftß$e 
Sittenlehre meht getoitft al* ba« ©ttafgefefc be* Staate«. 
SBon lebenbtget Dpfettoifligleit ffit teligiöfe 3mecfe jeugen tont 
bie gtogattigen Dome be* au*gehenben SWUtelaltet*. Da« na$ 
bet ©tbel toittong*&oflfte litetatif<he Denlmal be* chtiftlichen 
©eifte*, ba* SÖuch *on bet Nachfolge Shttfti, gehött biefem 
3etttaum an. SBi* jut ÜWitte be* 15. Oahthunbett* lag bk 
Sitetatut noch fibeturiegenb in $änben bc* ftletu«, bet au$ 
an bet füitfüerifd^en X^&tigleit noch namhaften Anteil hatte. 
SRoch toat bie SBohlthättglett eng mit bet ftttche öetbunben. 
3&at ^atte fich bie fachliche ©emeinbe al* folche Won feit beut 
11. Sahthunbert t>on bet Ktmenpflege abgetoenbet, füt bie 
auch tängft lein beftimmtet Jett be* ftirchem>erm5gen* meht 
fcertoenbet mürbe l ). §Ro<h immet aber hatte bie Sutfotge für 
menfehliche* (Slenb ihten $ain>tftfc in ben ftldftetn, bot beten 
Pforten bie hungrigen tegelraa&ig gefoeift mutben; tote toit 
benn u. a. in ©eifenfelb finben, baß auf ben 5Eifch bet Äbtiffut 
täglich jtoei ©Rüffeln füt bie Ärmen geftellt toutben, in 9tet* 

1) gür ba« flgb. f. bef. ttafcinget, Gkfä. bet (ir^Ü^ta tonen« 
pflege \ 356 f. 365 f. 397 f. 



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Armenpflege; ©rnberfctyaftetr. 



80» 



(JertBerg, baß matt ©rob uttb ©uppe unter ble Ärmen t>tx* 
teilte 1 ). «Sammlungen für bie Stauen in ben Stirnen toaren 
in ber gaftenjeit unb an $o$en gefitagen faft allgemein fiBlic$. 
3n $affau führte ©iföof ®eorg (1388 — 1423) monatliche 
Hlmofenfammlungen ein. 2Me ©ruberfcfytften ober 3ed^en, bie 
oorjugätoeife im 15. 3a$rfymbert auftauten, meift in ben ©täbten, 
einzelne au# an Heineren Orten, bienten fotoo$l ju gemein* 
famer ®otte*oere$rung al* ju gegenfeitiger UnterPfeung. @o 
oertoenbete bie SRilolai* ober <5$iffleut6ruberf$aft in ffiaffer* 
bürg bie ÄBgaBen, toeld&e fie oon ben ©Ziffern ju ergeben ba* 
fliegt $atte, ba« na$ ber ber ©$iff$pferbe Bemeffene 
„JRotjgetb 1 ', jur Unterftüfcung ber Familien tyrer oerunglüdten 
amtglieber. ©efonber* leBenbig ertöte« ft$ ber $riftli$e ®eift 
ber SRädfrftenlieBe in ©o$lt$ätigIeit*fttftungen, in bereu f$ruc$tB<n> 
feit faum ein äätatUx mit bem 15. 3a$r$unbert fitify meffen 
!ann. ©roße$ $aben in biefer Stiftung bie toittel$Bac$ij<$en 
gürften, oorne$mltc$ Subtoig im ©art, ®eorg ber 9tetc$e ge^ 
teiftet*). ffiie oiel Sllmofen aucty in täglichen ©penben am 
$ofe too$l oerteilt tourbe, lefcrt und j. ©. baö SRecfytungSbucty 
oom ©traubtnger $of$alt 8ll6re$t$ II. @o oielfeitig iebo$ 
bie S^ätigfeit ber ärmenpflege toar, fo reiche 2Wittel i$r ju* 
floffen, fo geBra$ e$ i$r bo# an oerftänbiger änorbttung unb 
ÜBertoafymg, au$ toirb ftc$ ni#t leugnen laffen, bag ffiert 
unb Segen ber Arbeit oon ber mittelalterlichen ffieltanföauung 
im allgemeinen ni$t richtig erfaßt tourbe. 90» groger 
ftanb muffen au$ bie oon Äirctyen unb ©pitälern auägeföicften 
ja$lrei$en Hlmofenfammler erWeinen , bie bur$ Slbläffe, „tote 
man $eutjutage fär 3a>e(fe ber ffio$lt$ätigfett unb jum ©au 
oon ftir^en Sotterieen auflfpielt" *)> milbe ®aBen ju getoinnen 
fugten. 

«He bie «Bläffe, fo ftanben am Aufgang be* Mittelalter« 
bie ©anfahrten in $ö$fter ©tüte, $einri$ bem Stetten toarb 

1) Ct. unb (Sr. I, 430 (über Sllmofen ebb., 422 f.); *r$it> f. öfttrr. 
Ckf4. LXI, 70. 71. 

2) ©gl. Göttt, 2>ie frommen Stiftungen ber ffiitteWbac$er. 

3) Hafcinger a. a. £). 



810 



8&aflfa$tten. 



bur$ 9tic$terfpru($ jur @fi$ne fär bie an feinem Setter ht* 
gangene Untfytt eine 9?et^e von SBaflfa^tten na$ berühmten 
©nabenorten auferlegt; ber £>erjog mietete p# bann einige 
$erren, tt>cl$e biefelben fär tyn vollbrachten. 1419 $8ren 
»ir von einer 9tegen$burger SÖittoe, bie elf ffiaflfafcten na$ 
verriebenen ©nabenftatten gelobt $at 1 ). Der Wmäßtx 9tot 
liefj, um beffere* SBetter ju erflehen, SBittgünge anf ben $eiltgett 
S3erg («nbed^) äußren »). Sei biefen häufigen ©aflfafrrten be« 
S3olfe$ fc^eint grSmmtgfett bie rofcn Stricte ni$t immer iiieber* 
gehalten ju $aben; ein ©eiätum von SBinfaring f($reibt bem 
Hmtmanne vor, für bie Bett f toenn bie ffiaüfafcrer mit ftrenjen 
burcty bie $ofmarI na$ JUtötting }ie$en, fic$ tooffl ju verftärlen 
mit ftned&ten 5 ). biefem auf bem ganjen (Srbfretfe be* 
räumten ®nabenorte tvaflfa^rteten, koie ber Dieter Selti* 4 ) 
fingt, Deutföe, granjofen unb Ungarn, OÖ^rier, 8atiner f ©ar* 
matcn unb Dajier vom femften Djean unb hinterlegten bort 
©eföenfe. 1459 fammelte ji$ im 5filt<$en ©aiern, in $affau 
unb SJeggenborf, eine ÜKenge von ftnaben, um ua<$ ber fran* 
jBftffyn ®nabenfir$e @t. SWitytel (Mont- Saint -Michel) auf 
einer 3nfel an ber normanniffyn Äüfte )u n>aflfa$ren. %\& 
fte bur$ SRegenSburg jogen, moHten fu$ tynen bort ettoa fe#jig 
»eitere ftnaben anfliegen, nmrben aber bur$ bad verftänbige 
©nföreiten be« SBetybtföof* unb be« Wate«, ber tynrn ba* 
8u«t*itf($en am Oranger bro^te, baran ge^inbert. Siele, toet^e 
P$ von ber Steife ni#t abgalten liegen, finb bann burc$ <Snt* 
bedungen jugrunbe gegangen 6 ), ©ie ja$lrety bie Seiertage 
toarcn, mag man barau« ermeffen, bafc ju Dftem, ^ftngften 
unb Sßetynactyten \t vier SCage gebotene gefttage toaren. Sine 
©tynobe mufjte gegen ben Unfug auftreten, baß viele an biefen 

1) r. b. xn, 322. 

2) U. a. in ber £ammerrt$aung von 1434, t 34, ertönt. 

3) ©riram, ffictotfimer VI, 136. 

4) (fyigramme ed. Hartfelder IV, 37. 

5) ©eraeiner, Heg. C$r. III, 303. SRagißer ttitotau* v. ©acjen- 
fcim förteb 1458 einen Straftat gegen bie fkrtrrnng biefet jugenbfofcn 
Pilger na* et. SRicfcel, Cod. Palat lat bibl. Vatican., 192, f. 207. 



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Sertoeltlttytng bet Äir$e. 



811 



geften fogar einen fünften 5Eag unb biefen in abergläubiföer 
S3ere$rung befonberä $o# feierten x ). 

£)ag aber ba$ (Sfciftentum bie {Religion bet (Entfagung 
mar, lieg afljn oft bie ftir$e in ifrren (Einrichtungen, ber Äleru* 
in feinem SCBanbel ni$t me&r erlernten. SWit bem @treben 
na$ toeltltyer ÜKod^t unb toeltli$em ©eftfc ftttte bie fttrcfc 
eine oerberMi$e unb abfäüfftge ©a$n Betreten, bie tyre Dienet 
M« in ben nieberen ftleru« hinein unaufoaltfam fortriß, ©e* 
ge$rlic$feit na# ben ©Säften biefer SBelt bur^brang otte Streife 
be« $riefterftanbe$ *), fteigerte ft# nid^t fetten ju unetfättlic$er 
$abfu$t unb trug ml baju bei f bog am (Enbe be* fOlitttU 
alter* ein $a§ ber Saientoelt, toenigftenä i$re$ gebilbeten 
Seile*, gegen bie ©eiftli^fett fu$ enttotefelte, tote er ju&or un- 
erhört toar. „'Der ftleruS ift allgemein *er$aßt", förieb äbt 
ftonrab fcon legernfee um 1461 an ben Äbt t>on äKelf 8 ). 
©er fd&reienbe SJHjjftanb ber ^frfinbentomulatton $atte ben 
$5$ften ®rab erreicht; ba$ päpftli$e 83erbot, bag iemanb me$r 
al$ jtoei ^frünben jugleitty inne $abe (3o$ann$ XXII. ©uüe 
Execrabilis t>. 19. 9io&. 1317) toar auf bie Dauer faft toir* 
tong$lo$ geblieben. Jtu$ mit ©eelforge fcerfnüpfte firctylkbe 
Ämter tourben überau« fräuflg *on ®etfiti<$en befeffen, bie fi$ 
um bie (Erfüllung firctylicber SBeruffyfüdfrten ni$t im geringften 
tfimmerten unb biefelben but<$ fargli<$ entlohnte ©tefioertreter 
beforgen ließen. Um 1508 ließ ber^$ofmarl$$err ju ©ünjet» 
bofen, Äuguftin $ertoanger eine SBefötoerbeförtft gegen ben 
Pfarrer ®eorg ftüttl bruefen, ber feine feelforgerifd&en $ffi$ten 
öernaebläffigte. än ben beutfäen ©omfopiteln trat bie (Eigene 
föaft, bafjj fie 33erforgung3anftalten für ben »bei toaren, me$r 
$ert>or als ber Sfraralter einer fir$li$en ©e$8rbe unb ®e* 
noffenföaft ; Domherren toaren unter ben ©tubierenben ber 

1) Dalham, Concilia Salisbarg., 239. 

2) 1423 betete ber «ugSbnrger Jettor 3. Mein: Da michi dona tria, 
sanetissima virgo Maria, Da spaciam vite, da divicias sine lite, Reg- 
mim Celeste post mortem da manifeste. Clm. 3834, f. 210. 

3) Pez, Bibl. ascetica VIII, 607. 



812 



Äitä)li$e SWißftönbe. 



Üniberfltäten, unter fcen ffirplic$en Diplomaten unb anbertoe 
faft ebenfo leicht ju ftnben urie am ©t^e i$rer ftatfcbralen. 
3n bem Streben nac$ (Selb unb ®ut gingen bie fJäpfte mit 
föletyem ©öftriel borau*, inbem fte feit 3o$amt XXII. $t* 
gorberungen, Steuern unb lajen berbielf achten unb maßte* 
$inauff$raubten. Sie bejeid&nenb für ba$ abignonefiftye Stnaitfr* 
Aftern war e« bo<$, baß biefer $at>ft einen ©aljburger fttertfar 
bon bem ©etübbe na$ 9tom ju pilgern entbanb unter ber 
SBebingung, bog er ber pfyftfi$en Hammer ben Setrag feiner 
SReifefoften entrichte *). Sfo<$ in Herifalen »reifen warb wo$l 
bie Slnfic^t ausgebrochen, bog bie !ir$li$e Berberbnte, be* 
fonbetf bie ftäuflid&fett ber $frünben, oomeftnlitty bun$ bie 
fturie berfd&ulbet fei*). Stuf ber SWainjer ©tynobe bon 1451 
würbe bie erfte ber berühmten ©efd&werbeföriften ber beutfeften 
Nation gegen bie röraifefc fturie bem ftarbinal Cufa über* 
mtttett unb bt* yim SBormfer Weit^tage wieberfcolten bkfe 
ftunbgebungen, bie fpäter (1523) fogar ein ®uta$ten (Scitt att 
größtenteils berechtigt anerlannte, mit fteigenber $eftigfeit *). 
(£* wirb geflagt, baß bie SReferoationen unb <S#e!tath>grajiett 
Will!firli<$ ausgebest, fanoniföe SBatyen geftört ober oerutytet, 
$atronat$re<$te berief Stürfenjefytten erhoben unb ju anberea 
3weden aerwenbet werben. Slm fir$li$en $ro}e§oerfa$ren 
Wirb getabelt f baß fo otele $rojeffe nach JRom gejogen unb 
bort wiüfürltc$ entfäieben, aber au$ in Deutfdfrlanb bie ©irtia»* 
feit ber geiftli$en ©ertöte weiter unb weiter ausgebest werbe. 

SetweUen wir einen Hugenblicf bei ber tir$li<$en (Seriem 
barfeit; fo muß $ert>orge$oben werben , baß trofc ber *ielfa$ 
föwanfenben ©renjbeftimmungen ftompetenjftreitigfeiten bo$ 
ni#t häufig waren, weil ber im ©<$wabenfpieget ausgekrochene 
©runbfafc, wona$ weltliche unb geiftltc$e 3uri*btftion ft$ mä/k 

1) 8ati!anifä)e Sitten §ur ©eföiäjte St. 8nbtt>ig« b. ©aiern (unter ber 
treffe), 9hr. 720. 

2) @o in bem jur 3eit be« ©afeier Äon§ite mfaßten Sttalog in clm. 
4144, f. 209 f. 

3) 8gt ©cb$arbt, 2>te <8ra*amina ber bentfä)en Wation gegen ben 
r6mifa)«n $of (1884, ©re«lauer 2>iff.) ; fcittriä) im $ift 3a$rbu$ ber 
©drree-öefcüfajaft 1882, ©. 674* 



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S18 



betömpfen, fonbew ju gegenfeitiger fträftigung jufammenmirkn 
foflten, ju tief im äJolttbemußtfein murjelte. Smmerhin Ratten 
bte 3Äünchner föon unter ft. 8ubmig beim ©egenpapfte SRttolau* 
fid^ beHagt, bajj geiftliche Winter bei i^nen au$ in (Sioilftreitig* 
leiten fliegt [prägen, bog ©erftorbenen auf bie biege 8u«fage 
eine« Dritten $üt, baß ihm berfelbe ®elb fchulbe, ba« firch* 
Itofre ©egrabni* fcerfagt mürbe x ). Unbeftritten galt bie ftr<h* 
Itd^e 3uri*biltton in ben rein geiftlichen <6a$en, ju benen 
alle ©hefa<hen unb bie ftirchengfiter (ffiibum) berührenben, 
m$t aber 3^ntftreitig!eiten geregnet mürben '). gewer genoß 
ber ftleru* ba* reic$«gefetfic$ betätigte $rtotleg, bog feine 
SBitgtieber nur &or bem geiftlichen ©ertöte SRecht ju nehmen 
Ratten. Ausnahmen erfuhr btefe$ $rinji^ ieboch inbejug auf 
©chulbfachen unb auf ©tretttgleiten über 3mmobilien 8 ). Die 
festeren burften, felbft menn beibe Parteien ©eifiliche n>aren f 
bem juftfinbigen meltlichen Sticktet nicht entgegen »erben. 3u 
maßlofer äuöbehnung ber firchlichen ©trafgemalt über Saien 
breite bie gorberung ber ftirche ju führen, baß alle gegen ihre 
Sittenlehre fcerftoßenben »ergeben, alle*, ma$ unter ben 33e* 
griff ©finbe fiel, *>or ba« geiftliche ©ericht gejogen merben 
bürfe. 3n ber ^rajlö $at fich ieboch bie @a$e nicht fo 
fchlimm geftaltet, mie bie Zfftoxxt befürchten lieg, bie fird^Itc^en 
Änforüche fanben in biefer Stiftung leine Anerfennung unb e$ 
lann leine {Rebe ba&on fein, baß bie große Üföaffe ber S3er* 
ge^en, bie ia faft ade jugleich gegen bie firc^Itd^ SKoral Der* 
ftießen, bem meltlichen gorum entzogen morben mären. Siel* 
mehr hat fich bie mettUche ©emalt fogar bie Aburteilung einiger 
Vergehen t>on foejieü lirchlicher gürbung mie ©otteälafterung, 
©afrileg, Übertretung ber Borfchriften über Heiligung ber 
geiertage angelegen fein laffen (ogt. auch oben ©. 700). 

SBeit mehr ate bie gerichtlichen Anbrüche ber ftirche riefen 
ihre finanjieUen Unjufriebenheit hervor. Die papftlic^en Legaten 

1) »atttamföc «ftcn, ftr. 1111, t>. 1329, 3an. 9. 

2) Sgl ftofenthat, ©efätyte U» ©erl($t«n>cfeti« I, 33f. 

3) 6. u. a. fficletum bt« 2.-©. SRabburg um 1359; Ried, Cod. 
dipl. Rat. II, 890. 



814 



Hintaten 



lamen bem ftteruö ber 8änber, bie fie burchtoanberten, teuer 
}U ftehen 1 ). Stt fester unerträgliche Saft empfanb man bie 
ännaten, meldte an bic fturie ju entrichten toaren, fo oft eine 
getftfiche $frfinbe ihren Inhaber toechfelte. $)te »afeter ©hnobe 
hatte i^rc Hbfchaffung angeftrebt, aber nicht burchgefefct. Durch 
SBotrtfaj IX. toar ihr ©etrag auf bie $>älfte oon ben erträgt 
niffen be$ erften 3ahre$ feftgefteflt toorben, ia man glaubt an* 
nehmen ju bfirfen, bafj in ©eutfölanb nur ungefähr ein fünftel 
be$ 3a$re6ein!ommen3 erhoben mürbe. OleichtoohJ finb e* 
folgenbe ungeheuere Summen, mit benen um 1450 ein ptyfa 
liehe* ftammerbuch 2 ) bie bairifchen ©totümer für bie Snnaten 
aufführt: $affau 5000 glorin, fjreifing 4000 8 ), 9tegen$burg 
1400, «ug«burg 800 ober 1300, (Kehftäbt 800. SSon bai* 
rifchen Kbteien toerben genannt: <£ber*berg mit 300 glorin, 
@t. Emmeram mit 1 50, Prüfling mit 100, ©t. 3atob Bei 
ben ©Rotten in JRegenöburg mit 40. SSon SBifchof SRabeno 
bon ©uhftäbt ift fiberliefert, bag er als Umtaten 700 fl, über*» 
bie« aber an bie apoftoliföe ftammer unb ba$ fiarbinal^ 
loflegium „pro servicio communi" 925 flL jaulte unb für 
feine Weife jur fturie 1400 fl. brauchte. 5)em »ifchof Ulbert 
bon Cichpaot loftete feine SÖeftStigung burch ben $apft ÜRar* 
tin V. fogar 5000 Dufaten 4 ). ftopft 3nnocenj VI. beanfaruchte 
für brei 3ahre ben &tf)nttn aller geiftfi^en ©nlfinfte unb rief 
babutch einen lebhaften $roteft beutföer ®eiftlichen heroor 5 ). 
3n Wandhofen pxitS man bie ©ettelftöfter beneibenftoert, toett 
fie bem $atfte leine abgaben )u jahlen brauchten 6 ). 

Snberfett* haben auch $tyfie einigemaie gelbbebürftigen 
bairifchen 8anbe«hetren firchliche SRittel jur Verfügung geftedt: 

1) @>. u. a. U.=». bc* 2antx3 ob bor (frusft VII, 706; 3anuer, 
©if$5fe bon ÄegenSburg III, 261. 

2) 3>3Uingcr, ©eitrige gur poflttfchen, tmhtt<h«t unb Änltntgefjh. 
9b. II. 8gt bort ©nldtnug, e. ix. 

3) SHefc ennrate (©. 108) bfirfte bie tätige fdn f rieft He 400 gl., 
mit benen gretftog auf ©. 109 berjei^net toirb. 

4) Vitae pont. Eystett, 9; Gesta ep. Eichrtet., M.G. Scr. XXV, 608. 

5) Winkelmann, Acta imp. II, Nr. 1181. 

6) 9totUenb(ott ber ©im« «ab., 1854, e. 470. 



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mtb tirtftye Steuern. 



815 



bett $erjogen ©te^an III. unb normal 3o$ann tourbe &on 
^äpften auf tyr Knfuc^en bie toeitge^enbe ©etirifligung eine* 3 e $ n ' 
ten$ bon allen ftr$ft$en ©nlünften i$re$ lerrttoriuut* juteil 1 ). 

(5$ fefclt ni$t an 33erfu<$en ber 8anbe$$erren bie ptyftlictye 
SBefteuerung be$ ftleruö innerhalb i$re$ Sterritortumö ju Der« 
tynbern. SBenterfenSmert ift u. a. ba* bon $erjog ©tepfym IL 
unb beffen ©öfrnen ©tepfcan III. unb griebricty 1367 erlaffene 
S3etbot ; bafc bie Bairiföen Älöfter bie tynen bom Zapfte auf« 
erlegte ©teuer entrichteten, Befonber* burc$ bie ffifyte, ben 
SEfritfafytt toiberfprectyenbe üJiottoierung, tyre Sanbe feien freie 
8anbe, in benen toeber $apft no$ ftaifer ober Ä5nig ettoaS ju 
gebieten $aBen *). 3n ber {Regel nahmen e$ bie gürften ru&ig 
$in, bag bie Ätrc^e jum ©taat entartet fear, ba& i$re Diener 
&on ben Gerieten be9 ©taate« Befreit toaren unb ber Kr$li$e 
©eri$t$jti>ang jumeilen au$ über Saien erftredt mürbe. 9iur 
^ie unb ba riefen aüju fttyne Übergriffe ber geiftlic$en ®eri#W* 
barleit bie äBtoe$r be$ ©taateö $erbor. 80« ein Äugufttner 
ben 83erfuc$ machte, ben tropft oon Jolling toegen eine« Äauf* 
bertrag* bor ba* geift(i$e ©eric$t ju Äoignon ju jie$en, unter« 
fagte £>erjog Stephan 1372 biefe* ©erfahren, ba$ ber Sanbe** 
gen>o$n$eit bur<$au$ toiberftreite 8 ). 8u$ bie SBefteuerung be$ 
Bairifctyen ftteruö bur# feine SBtfd&Sfe fa$en bie £>erjoge ungern, 
«tt bie »ifööfe 1456 auf ©efe$l be« SWainjer Crabifd&of* 
bon tyrer $riefterföaft ben jefytten Pfennig att ©etyöfe jura 
SCörfenfrieg forberten, erging an fie bon ©eite ber $>erjoge 
Subttrig unb SUBrectyt ba$ Änfud&en babon abjufte$en 4 ). s5agegen 
toarb auf bem 3Bfi$lborfer ^robinjiallonjil bon 1490 bor« 
geflogen, e$ fotfte allen ©eiftß$en »erboten »erben o$ne 
Befonbere (grlaubni* tyrer firc$Uc$en DBeren an toeltltye ©e* 
fcörben Steuern ju jagten 6 ). 

1) @o tiel toirb man ben Wotijen im OBerBa^er. Är<$. 1, 117 (»o bie 
flBergeWrUBetien^atftoamen <$ronologif$ ni^t fHmmen) entnehmen btttfc». 

2) R B. IX, 181. 

3) M. B. XXXV b, 127. 

4) Ärenner VH, 17—20. 

5) Dal harn, Concilia Salisburg., 252. 



816 



*ir<$tt*e 



3tt bcm Servitut« jur toeltßd&en (Setoolt gaben bie Sbt* 
brfidungen ber ftlofterfc&gte no<$ im ©eginne be$ 3eitraum* 
dfterd ®runb ju ftlagen 1 ). HÜmä$lt# aber toaren bie flöfter* 
liefen SBogteien faft überall in bie $anb be$ 8anbet$errn ge* 
Iangt ; ber bamtt feine $oltjetgen>alt me$r unb me$r über ba* 
ganje 8anb ausbeute. Sogteien beS SteeW tourben Don ben 
fttöftern in ber {Regel ni$t me$r gebutbet; fo Sagte Zegentfee 
1434 bei ftönig ©igmunb, bafc etliche Stbelige Örrböogteien auf 
Oütern be« ftlofter* beanft>rui$ten, unb ernrirfte ein Serbot 
be« ftönig* *). 3 U *> cn toenigen Ausnahmen gehörte ba* unter 
toalbediföer 83ogtei fte^enbe ©tift ®<$lier$, aaäf ftloßer Setier* 
berg f n>o 1367 als abfömmlung ber ©rifter ftottrab *>on £or 
jum SSogte ertoäfclt unb feine SRad&Iommen bann, triebt bur$ 
<Srbre<$t, fonbem burdj ffiiebertoa^I ton goß ju gall im ©e* 
fifce ber SSogtei blieben. SJei Jcber 83a$t tourbe bort ber 
1367 geföloffene »ertrag über 9?e$te unb $fli$ten be« Sogte* 
im toejentfi($en erneuert, glei$too$t fehlte e* mäft an 9teU 
bungen, bie einmal bur$ £>eriOg Stttyelm III. gefattytet 
mürben, 1497 aber jum Cinföreiten be« ^atfte« führten'). 
5Die SCorer Ratten al$ SS5gte ba* ftlofter unb beffen ©eflfc ju 
formen unb ben ftarfen meltltc^en Krrn ju leiten, toenn 8etb* 
eigene be« ftlofter« fi<$ bur<$ $eirat ber $errf#aft ju ent* 
fremben fugten. SBon ben Oütern, bie jur „OMai" ge$8rten, 
b. befonber« jum Unterhalt ber ftlofterbrflber beftinrat 
toaren, butften fte Ja^rli* nur jtoei $fi$ner, im übrigen t>on 
einem $ofe jtoet, einer $>ube ein, einem 8e$en ein $albe« ©aloai 
(ettoa* teeriger att ein Pierling) $abet nehmen. 3n $ü$nent 
unb $aber tourben überhaupt bie t>ogteili$en abgaben dot* 
jug$toetfe geleiftet, u>a$ ft$ au« tyrem Urfprung erHfirt: toemt 
ber S5ogt um^erritt, um bie ^olijei ju $anbfaben, toar e« 
billig, bafc ba« «lofter, ju beffen Seftem er bie« beforgte, i$n 

1) e. u. a. )u 1364 «. 1366 M. G. Scr. IX, 833 (et SWfolau* iE 
^affau u. a.); ju 1366 B. B. IX, 154 (Stiert gegen Me ©albeta). 

2) M. B. VI, 281. 

3) e. bie für ©cföifye ber fir*li*e» »ogteien befonber* le$mi$en 
Urtanben: M. B. VI, 429. 445. 448. 454. 465—470. 



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$ogteien. 



unb fein ©efolge t>er!5fttgte unb i^re $ferbe fütterte. Die 
Stauern ber oogtbaren ©üter mußten tym beim düngen einen, 
beim SKityen jioei Soge ©ctyartoer! leiften, mä^renbbeffen aber 
Don ifftn oerföftigt »erben. W& Opferpfenmg erhielt er Dom 
ftlofter oüe SBetynad&ten ein $funb Pfennige. SCuf ade anbeten 
änfprüd&e, ate ba finb: ©teuer, 83ogtmut, 83ogtfrif<$Hng, ein 
jä$rli$e$ ©efd&enf Don einem (Steter ©ein u. f. to. letftete er 
bei Übernahme ber SJogtei au$brü<flti$ SBerjidjt. dagegen trug 
noäf bem legten $erm Don «benäberg feine SJogtei über ©üter 
ton ©t. (Smmeram minbeftenä 400 ft, 1 ). ffieiter gingen aud? 
bie Hnforfid&e, toelc^e bie 8anbe$$erren auf ©runb tyrer firefy» 
liefen SSogteien erhoben. 3n £egern|ee $eif#ten fie 3. 9. 
SM* unb $erbfifteuer (1409 im Setrage Don 120 $funb 
Pfennigen) 2 ) unb Sanbfteuern, toogegen fi<$ bie äbte be* 
$arrlt<$ fträubten. (Siner berfelben lieg e$ unter ©erufung auf 
ältere Privilegien in ein SBetetum eintragen, baß im ganzen 
SEegernfeer ffiinfel fein $erjog Don ©aiern no<$ irgenb ein 
anberer $>err aW ber Sbt etmaö ju forbern $abe unb baß lein 
Prälat ji$ barauf einlaffen foüe bie Don ber Sanbföaft be* 
toiütgten Sanbfteuern 311 jaulen, ba bie Straten Seute be$ ftlofter« 
fdjon Don biefem befdjtoert feien rr mit großer ©etyarmerf unb 
SMenftbarleif 8 ). 8luf ben 33orfc$lag, baß bie Prälaten ebenfo 
tote ber Stbel tyre Öeiftungen in 8rieg$$ilfe au$ auftreiben 
f Otiten, fd&rteb man in 5£egernfee argtoöfyiifö, man möge 
Dor biefem fo^ifttf^en ©ift $üten 4 ). «u<$ ber ftirc&e bur$au« 
ergebene gütften tote (Srnft, ffiil^elm III., älbred&t III. lebten 
bod& faft beft&nbig in ©treit mit bem einen ober anbern Ätofter 
tyre* Sanbe«; äbt griebriety Don ©enebiltbcuero föreibt j. ©. 
1418, e$ $errfc$e SCobfeinbfd^aft jtoiföen tym unb ben beiben 
erftgenannten $erjogen, bie i$n Der^inbern ba« ^robinjial* 
fapttel feinet Orbenö ju befudfcn 6 ). 

1) «renner VIII, 423. 

2) M. 6. VI, 271. 

3) ©rimm, ©cfctümct VI, 179. Oberbaar. «r#to XLII, 
202 (ju 1430). 

4) «renner XVI, 103. 

5) Meichelbeck, Ghroo. Benedictoburan., 172. 
Kiesler, QeföUftte ©alemi. III. 52 




818 



©taatlidfre «uffity üb« ba« Äirfyn&crraögen. 



©ett ber 2ßitte be* 15. 3a$r$unbert$ etma ma#t ftd& eine 
ungemein ftrengere 8ufft($t ber 8anbe$$erren über fttrc^en unb 
ftlöfter tyre* ßanbe« unb ein toeit häufigere* Singreifen ber 
toeltlictyen ®eö>alt bemerllicty. 83telfadj bietet bie £erberbm* 
ber Kr$U$en 3uftanbe $ieju Änlaf unb $anb$aben, ber ent* 
föeibenbfte Orunb für bie neue Stiftung liegt in einer ßrane 
meren Stuffaffung be* Staate«, bie energiföe gürften mie 
Subtotg ber Steide unb Jübred&t ber SEBeifc vertraten. ©te 
83erroaltung be$ ftirdbenbermSgen* be[orgte in Jeber firc$li$en 
©emeinbe neben beut Pfarrer ein Sfoöföufc bon Saien, bie 
fogenannten ftirctyröpfte, 3«$l>i*t>fte ob& &tä)ltutz. »Ibretty IV. 
ffat nun au$ $ter eine ftaatltc^e Oberauf fi$t eingeführt, ber* 
antajjt bur$ bie SBa$rne$mung, bafc bie Sertoaltung tielfac^ 
eine unorbentltctye mar, ba§ bie 3ec$leute fttrcbengelber unter 
einanber auGltefyen ober ju $anbel$fpefulationen fernsten, ®ilten 
unb ®üter berfefcten, unjtemltctye Sauten aufführen liegen. 
ÄUcm biefem Unfug tooBte fein Sanbgebot bon 1488 fteuern, 
toonatty bie 3ecfy>röpfte aflia$rltd> beut Pfarrer ober beffen 
SSerioefer in ®egenn>art einiger ber trefflidjften ®emeinbeglieber 
$Re#nung über einnahmen unb Stuögaben gu ftetlen Ratten, 
namhafte «umgaben aber toie größere ftirc&enbauten, Hnfäufe 
oon toertoollen ©emülben, fortan ber 3uftimmung be$ Sanbe** 
$errn beburften, betn au<$ bie Onoentare be* ftir$enoermdgen* 
einjufenben toaren. 5Dtefe$ att allgemeine« erlaffene Sanbgebot 
erregte bei ben ©ejtfcern ber $ofmarten, bie barin einen Sin« 
griff in tyre gut$$errlic$en Staate erbliclten, gro&e Unjufrieben* 
$ett unb ba Prälaten unb Kitterfäaft ft$ barüber befcftoerten, 
mußte ber gürft 1493 in ben $>ofmarfen auf bie jd^rlic^e 
$Rec$nung*ablage oom Ätrcfcnbermägen berjic&ten 1 ). @$on 
borfar nmtbe toäfrrenb einer SSalanj ba« ffarruribstm bon 
lanbe6$errli$en Beamten betoirtfifcaftet *). 

ffiieberfrolt $aben Hlbrec^tt IV. Singriffe unb neue gor« 
berungen ju ftonfttften mit ben geiftlt$en ®en>alten geführt 

1) «rennet VHI, 529f.; IX, 244. 

2) «rennet V, 833. 



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etaat unb £ir<$e. fccrritoriatbtflanb btr ©fotfimer. 819 

©o fotberten feine ©eomten 1494 &on mehreren $farrhetren 
im 9legen$burger Sprengel, bag fie bem $erjoge bie gradjt 
be$ S5onaumein$ nach ÜWünchen beforgen foüten, u>a6 tooht 
jufammen ^ing mit ber Cinricfctung, bag bie Pfarrer auch bei 
ftriegöjfigen oornehmtich bie SReiätoagen ju [teilen Rotten. Sbtf 
bie Steigerung ber Pfarrer mürben ihre einfünfte mit Sefchlag 
belegt; ttrnped nennt eine ungeheuere ©umme, um bie fie ge» 
fc^äbigt toorben feien. Darauf beringte ber SBifchof t>on 
9iegen$burg ba$ 3nterbilt unb e$ fam fo toeit, bog ber ftönig 
fleh einmiete unb burch eine ftommiffion in ÄugSburg ben 
$anbel fehlsten Heg. 

Äu$ 9tleberbatern hernimmt man bie ftlage ber 8anb* 
ftänbe, bog bie Pfarrer bie Seute ffaxt mit ben Segr&bni** 
gebühren übernehmen, |a bie Seichen ntd^t eher auf bie grieb* 
höfe julaffen, bi* bie ffirben be$ »erftorbenen fi<$ mit i^nen 
toegen be* „©eelgerfitö" obgefunben. Subtoig ber Steide lieg 
barauf bie SBifööfe aufforbern bie bon Dr. SDiartin SWalr 
entworfene ©egräbniäorbnung anzunehmen 1 ). 1499 Hagte bie 
meberbatrif<he Slttterfchaft, bag ba* Unmefen ber „ßortifanen - , 
ber geiftlichen $off<hmarofcer, in ba$ Sanb bringe, bag fo Diele 
Pfarreien oon üKönc^en berfehen »erben mfigten, bag ber 
ftleru* ben ®otte$bienft minbere, bagegen bie ©Uten auf feinen 
©tiftägütero fteigere*). 

3n bem Serrttorialbeftanb ber Siätfimer ftab in biefem 
3eitraum feine fehr erheblichen SSeränberungen eingetreten. 83om 
»tttum SRegenSliurg laufte Crjbifchof $üigrim bon ©aljburg 
1380 bie gefte Otter bei fcopfgarten nebft Sftoler ©ef^ungen 
um 18000 ungarifche unb bö^mifc^e Oulben, bie $>erjoge 
griebrich, 3ohann unb ettptym 1386 um 26 000 ungarifche 
Bulben bie ^>errfdhaft Jetebach mit ben STOfirlten gronten* 
häufen, $ilfttng unb (gffenbach 8 ). 5Die fcerrfchaft Sßattfee ging 

1) «renner VII, 438. *u* früherer Beit (1412) f. u. a. bie fttagen 
ber $faffen$ofener gegen tyren Pfarrer, bem $. (Smfl berbot feine $farr» 
ttober dgenrafi<$ttg j« bannen. E. B. XII, 120. 

2) Jtrenner XIII, 24. 

3) B. B. X, 53. 180. 181. 

62» 



820 «eritabermtgen im fctrrttoriatfcefianb ber 8i9tüme& 

1398 bur<$ ftauf t>on ©aljburg an $affau Aber 1 )- Ä«t auf 
furje tont bic freiftngifäe $errf#aft ffierbenfett, n>o We 
^crjogc Crnft unb ffiilfclm 1407*) auf Änfud^cn ©ifäof 
©ertyolto bem SKarlte $artentir#en jtoet 3a$rmärfte unb einen 
SBodjenmarft betoilltgt Ratten, in bairifd&en $fanbbefifc. ©tftyof 
$ermann (1412 — 1421) $atte biefelbe um 3000 fl. uugar. 
an 3ofymn 8lbel#aufer t>etpfänbet ; Don $einri$ 8belj$aufer 
ttar ba$ $fanb bann an bie $erjoge Crnft unb SBityelm über« 
gegangen. @$on $ermann$ SRactyfolger 9iifobemu$ löfte 1424 
bie $errf<$aft um 2500 fl. t>on ben $erjogen ein, bie ifpox 
ben JReft be$ $fanbfc$UIingS erliegen. ©päter mürbe bie $err» 
fc^aft normal fcerpfänbet, an bie Jerxen ton Ounbelftngen, 
t>on ©iföof 3o$ann Orünioalber aber triebe* eingelift. Über 
bie ©raffctyaft ÜWooäburg, toelctye bie 8anM$uter $erjoge be» 
fa§en, beanfprud&ten bie greifinger Sifööfe bie 8e$en$$errßc$* 
feit, o$ne bamtt bur^jubringen. Subtoig ber JRekbe $atte auf 
ba« «nfinnen be« Siföof* 3o$ann Sulbecf, bafc er ba* 8e$en 
empfangen möge, ftett nur ein tranig aufrichtige*: „Später 
einmal", bi$ beibe batüber ftarben. Über bie $>errfc$aft £Mj 
behauptete man in gretfing befiegelte ©riefe ju $aben, «aber 
niemanb gibt und ettta* baffir", flagt Ämpecf 8 ). Crjbtfdjof 
griebricty con ©aljburg ging einen £auf$ mit $einri$ bem 
{Reihen ein, inbem er i$m (1442, 9lo&. 11) gegen ba* oberste 
$al«gertcfct ju ÜBitylborf unb in ber $errf$aft SRattfee feine 
®eri$te im 8anbgeri#t Sittmonütg unb gegen JEroftberg $ta 
abtrat, »ad ftaifer griebrt<$ im Oanuar 1443 betätigte 4 ). 

dagegen umrbe bie feit 3a$r$irnberten $errfc$enbe ©tabiKtft 
ber ©i|$of*fprengel bur<$ eine großartige Neuerung unter* 
bro*en. fta^bem 1416 $apft Soffann XXin. ba* Sittem 
<ßaffau unb feinen ©tföof Oeorg fcon $o$enlo$e ton ber 

1) R. B. XI, 127. 

2) 16. Oft. R. B. XI, 421. 

8) Col. 27a 451; f. au$ Meich elbeck, Hißt Pris. IL, 197. 
203. 261; M. G. Scr. XXIV, 330. 

4) fteuburger XXXIV, f. 1. <5$m«l, *tg. Wt. 1387. 1843. 
Ober bie Erwerbung ton Hbtfee bnr<$ €kri§6srg f. o$e» €5. 147. 



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@t>tioben. $if$of Sodann III. *. <2t$ftöbt. 821 



2Retrot>olitangetoaIt ©aljburgS ejimiert uttb bcm j>äpftfichen 
©tu^l unmittelbar unterteilt f)ottt l ), gelang eS 1468 beut 
«aifer griebrich trofc ber lebhaften $rotefte beS ©tföofS Ulrich 
son $af[au ben Sfterreichtfchen Steil ber auSgebehnten $affauct 
Diöjcfc abjulöfen unb fteffir ein befonbereS ©istum ®itn ju 
begränben. 5Dtefe ÜWajjregel griff toett über ihre ftrchliche ©e* 
beutung hinaus, inbem fie baS lefete ©anb jerrifc, bur<h toelcheS 
bie Oftmarf noch mit bem üKutterlanbe fcerfnüpft mar. 

Stuf ^Jrooinjial* unb SDiöjefanfonoben mürben bie SKißftanbe 
beS fachlichen gebend, bie man freiließ nur tettmeife in benfelben 
(Srfchetnungen fanb f in benen torir fte erbtiefen, freimütiger <5r* 
örterung unter jogen unb ©efdjlüffe gefaßt, beren ©efolgung 
DiSjtyttn unb ©eelforge im Oeifte ber Stirpe unb einen »ür* 
bigen SebenStoanbel beS ÄleruS wbfirgt ^aben mürbe, ffiar 
auch Die %a1)l ber läfftgen, mehr auf baS Seitliche gerichteten 
Obersten in biefem 3ettraum too^t eine größere, fo fehlte 
eS boch auc^ nt<ht an folgen, toelche felbft als SRufter $er*or* 
leuchteten unb bie {Reform i^red ÄleruS tote ber firc^ltc^ert 
3uftänbe als toahre $erjenS* unb ©etoiffenSfache aufs eifrigfte 
betrieben. ®rojje (Srfotge in biefer {Richtung rühmte man tum bem 
©ifchofe 3ohann III. *>on ©chftäbt (1445—1464) aus bem frän* 
ftfehen 5Rittergefchle<hte t>on (Sich, einem SWanne, ber burch bie 
{Reinheit feiner ©efinnung unb toürbe&olleS Auftreten fachliche 
gelben mie ©ottharb unb ©otfgang in Erinnerung rief, ffir hatte 
jtoeien öfterreichifchen ^erjagen als Ranjler gebient, toar auch 
als juriftifcher ©chriftfteller thätig unb öerftanb mit ber ftlug* 
heit beS Staatsmannes bie lugenben eines ^eiligen ju ber- 
binben. Slle jtoei 3ahre ^telt er eine ©tynobe, bie ^riefter 
feines ©Grengels fannte er faft alle bei SRamen, mar fcon ihren 
SBerhättniffen unb ihrer Lebensführung genau unterrichtet 8 ). 
1386, 1418 3 ), 1451, 1456, 1490 tagten in ©aljburg ober 
SWühlborf ^roöinjialfhnoben. Die ©eftimmungen einer {Regens* 

1) B. B. XII, 184. 

2) Vitae pontif. Eystettens., ed. Snttner, 17. 

3) 2>eren «efölüffc f. in clm. 4148. 




822 



Bürger Difccfanf^nobe bon 1377 toerfen befonbet« gteüe« 8u$t 
auf bie SBetttrilberung beö ftletuG ; mu|te bo<h u. a. getabeft 
toetben, bafc manche ^rieftet jum Sefen bet STOeffe tyte 3agb* 
$unbe unb galfen mitbrachten 1 ). Dagegen taim matt au* bet 
9lebe f foelcbe bet ftanonifet trab S3i!at SBetnfct Äuffiget auf 
bet 8?egen«butget ©tyiobe ton 1419 $ielt*), erfefcn, toelc$ 
ibeale* ©ilb bet paftotalen £$ätigfett ben beffeten Itt^lt^ett 
Steifen botfömebte. $affau fatte an 8eon$atb bon Laiming 
einen ebenfo fe$t but<h Stacht* unb ftunftliebe n>ie burc$ SBotyU 
t$ätig!eit au«gejetdhneten gfitften, bet in ben Sorten 1435, 
1437, 1438 ©^noben abhielt; e* toutben SJtfltatoren für ben 
Sprengel ernannt unb ihnen eine JRidhtfchnut für bie Unter- 
fu<hung unb Otbnung bet fit$ltyen 3uftanbe mitgegeben. $tet 
begegnet man bet 83etotbnung, ba§ in allen Sitten Xafeln 
angebracht fein foflten, auf benen in beutlet Sprache ba6 
SSatetunfet, bet englifebe Orufc unb ba$ ®Iauben«befennttti$ 
betjeiibnet ftfinben 3 ). 3n gteiftng bemühte ft* bet mätbige 
SBifcbof ©ijtu« bon lattnbetg etnfiUcb um bie Sieform feine« 
ftletu*; botnefynlich biefem %tx>td bienten bie ©tytoben, bie et 
1475 , 1479, 1484 abhielt unb jebeötnal mit etnbtinglkben 
Weben eröffnete 4 ). 3n «ugäbutg betfammelte ©ifebof $ettu«, 
einem ©efdhfaffe be* Safelet ftonjil« gehotebenb, 1455 eine 
SMScefantynobe , auf meldet umfängliche Statuten etlaffen 
toutben *). «uf tnehteten biefet ©jnoben toutbe (Seiftlkben, 
bie nototifcb ©eifd^Iäfetinen hielten, ©utyenfion unb Setbtft 
tytet ^ftfinben auf ein 3a$t gebto^t. «bet man begegnet 
auch bet ftlage, bafj einige 3n$abet bet fit^ßd^en Outiftiftion 

1) M. B. XV, 569 f.; Sanne r, ©iföBfe fcon ttcgen«burg III, 269. 
Ober filtere töegeneburger €tynoben ton 1419 (fcom pflichteifrigen Etfäof 
«brecht IIL abgehalten), 1465, 1475 f. a. a. C, 381. 528. 557. 

2) 8rf Bied, Cod. dipL Batfcp. II, 982. 

3) Clm. 1845, f. lf. $offouer epnot* t>on 1471 ebb. L 61 f. 

4) Arnpeck, de gest. epiac. Pris. 539. 541. 543. 

5) Clm. 3760; Steiner, Synodi dioec Angnrt. I, 97f; M. B. 
XVI, 605. — Ober bie e^nobe ju JHfcbfihef 1419 f. Änn^mann 
im Oberbaar, «rchit) IV, 413f. 



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unb eiptoben. 



828 



nicht erröteten ftonhtbinatfberhältntffe ju befteuew 1 ). S3on 
einigen @^noben finb un« nic^t nur bie ©efölüffc erhalten, 
fonbem auch SBorfchläge, Söerid&te, fragen, tote geioiffen Übel* 
ftänben am beften gefteuert »erben fönnte. @o toirb auf ber 
^Jrobinjialfhnobe bon 1456 bon 8?egen«burg au« bie fjrage 
aufgeworfen f toai gegen ben berbreiteten Unfug gefcbehen foO, 
bafc bie Sauern toährenb be« fonntäglfcben ®otte«bienfte« außen 
bor ber &ir$e fielen bleiben unb fi$ Oeföichten erjählen Ä ). 
gfir ben SRfidfaB tourbe einmonatiger «u«f<hlu6 bon ben 
fachlichen Onabenmitteln al« angemeffene ©träfe erachtet. 
Über manche £üge be« fcottttfimlichen, vielfach auf $eibnif$en 
ffiurjeln beruhenben Aberglauben« belehrt un« eine merfmörblge 
Äufjeicbnung, too bie SBeid&tbäter angetoiefen toerben biefen 
9Jtöfcftanben ihre 9ufmer!fam!eit ju jutoenben s ). 

$>ie unb ba föeint bie SReformbetoegung ein toenig todegiate* 
©erhalten einjelner ©eelforger gegen ihre !lmt«brüber, gegen« 
fettige« üu^fpä^en unb $erunterjie$en jur golge gehabt ju 
haben. Durch eigene üble (Erfahrungen veranlagt, lieg 1460 
ber 8ug«burger 8lr^ipre«b^er unb Pfarrer Oeorg bon @<hauen# 
berg bie ÜWahnung ergeben, bafc fein ftlerifer Aber einen Statt** 
bruber ©glimme« rebe, ihn oor bem Solle burd&hechle ober 
table; au$ foüe leiner anber«too al« an einem geheimen, ber* 
borgenen $lafce ber ^Jrebigt eine« anbern juhbren, bamit nicht 
ber $rebiger auf einen glimmen 93erba$t oerfalle unb ge* 
reijt toerbe 4 ). 

Ungeheuere ©efifcungen unb {Reichtümer toaren in ben 
balrifchen Stiftern unb ftlöftern angefammelt; nach «oentin« 
£eugni6 hielt man ben ^rälatenftanb für oermbglicher al« bie 
beiben anbern ©tänbe. Die innere SCriebfraft be« flbfterlichen 
Seben« aber ift faft erlogen unb fleht man, tote tiefet ftolje 
fe<h«hunbert|ährige Saum nur mehr feltene unb bürftige neue 

1) Dalham, 246. 

2) Dalham, 238. 260. 

3) Um 1468 in dm. 17523 auö ©cfcicrn, *er8ffeuttt<$t fcon U Jener, 
ttettgionegeföi($ttt($e Unterfn^nngen II, 84 f. 

4) Clm. 3837, f. 365. 



824 



Jtföfter. 9fou ©rünbmiflen. 



äfte fctbortretbt, mö^renb Don ben alten einer um ben anbetn 
morfche 3tlter«f<hu>ache beträt, fo mächte man tooffi glauben, 
bafj fein bitöige« Äbfterben nicht mehr ferne fei, toflrbe nicht 
ein ©lief auf bie 3ubtnft eine« befferen belehren. Unberfenntar 
aber erhielten ftch bie alten ftßfter bamal« mehr burch ihren 
Westum unb bie Trägheit ber ®en>ohnhett, jene ®ä)txx& 
traft be« ©eftehenben, meiere alle gerichtlichen 3Rä$te nur 
langfam jerfallen tagt, al« »eil pe in SBahrheit burch Neigung 
unb ©ebfirfniffe be« Zeitalter« geforbert »aren. Der ftöfter* 
liehe Sifer ift in bem ÜRa&e erlahmt, in beut ftch bie ftircfc 
bon ben urchriftlichen 3uftanben entfernt hat, burch ben oor* 
gefchrittenen 8nbau be« ©oben«, bie ftäbtifefre ftultur mit 
ihrer 9rbeit«teilung unb blühenben Snbuftrte, bie ©erbreünng 
bon toeltlichen Schulen, bie ©rünbung oon Uniberfitaten merben 
Aufgaben unb ©ebeutung ber ftlöfter für ba« allgemeine 
ftulturleben eingeengt ober aufgehoben, julefct macht bie ©»$* 
brudertunft fogar bie emfigen Sficherföreiber in ben ftßftem 
entbehrlich, geht auch bie mechanifche Vermittlung be« ffitffen« 
au« ber $anb be« SDWnche« an »eltlkhe $anbtoerf«gefeHen über. 

©on neuen ftöfterltchen ©Übungen brauten biefe Rimbert' 
fechsifl 3ahre nur toenig hwbor unb nicht«, ba« ftch ju ^iftiv 
rifcher ©ebeutung aufjufchtoingen bermochte. <6« ift bemerten*» 
loert, ba| biefe faärlichen ©Übungen meift ben ©ettelorben 
angehören unb jtoar nicht ben beiben mächtigeren, ben Sranjt«* 
lauern unb $rebigern, fonbem ben toentger bebeutenben ftar* 
melitem unb äuguftiner * (Eremiten. Die ftarmeliter oon 
St. O«u>olb in 8tegen«burg, bie biet unter Überfchtoemmungen 
ber Donau ju leiben hatten, »urben 1368 im Auftrage $erjog 
*ftrecht«, ben $apft Urban V. jtoei 3ahre bother jur ®rün* 
bung eine« ftarmeliterflofter« in Straubing ermächtigt hatte, 
burch beffen Statthalter, ben Sanbgrafen 3ohann oon 8eu<hten* 
berg, nach Straubing berufen, too ihnen ber tropft ber bor* 
tigen 8lug«burger Sehen, ber ©ürger albert Steinhauf, $au« 
unb $ofraum gefchenft hatte unb ber $erjog felbft balb »eitere 
©chenfupgen ^tnjufügte x ). (Sin toeitere« ftlöfter berbanlten 

1) B. B. IX, 146; M. B. XIV, 311; Andr. Batfepon., Hißt mon. 



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Äarmettter; ^autancr; »ugufHner-örcmitctt. 825 



bie f tt>eijjen SBrüber Unfeter grau", tote bie ftarmeliter au$ 
genannt mürben, 1389 bem $errn 3o$amt oon äbenäberg in 
beffen $au£tftabt Den *ßautanern, Stoguftiner*(gremiten bom 
^eiligen $aul, bem erften (Sinfiebler, fttftete 1396 ftmbgraf 
3o$aim oon Öeuctytenberg ein fttofter im ©ebicte feiner ®raf* 
fctyaft $al$, in ©t. Oötoalb bei Grafenau im bauifefcen SBJalbe. 
®eorg ben grauenberger, ben £>errn ber ®raff$aft $aag, 
bereite ba$ 8lugufiiner»<5remitenflöfterlein JRamf au bei SHJaffer* 
bürg (c. 1412) als feinen ®rünber 1 ). Diefe brei lefctgenannten 
Stiftungen fcaben ba* gemeinfame, bajj fie i$re <5ntfte$ung 
bem SBunfd&e eine* Heineren 8anbe3$errn berbanlten, ein 
fllofter für ©ettelmönctye in feinem eigenen $errf$af«gebiete 
ju befifcen. 3n {Kattenberg, bem $auptftfce feiner gamitie, 
$atte ber $ofmeifter $erjog ©tepfrm*, 3o$ann ber Äumerö* 
brucler, genannt ber 3agermeifter, einen Sau begonnen , urie 
et juerft gebaute, für ein ©pital, bann für ein reguliertet 
£$or$errenftift. (Ein burdjreifenber Üßünc^ner äJlön<$, 3oljanne$ 
9tü$$eimer, betoog tyn ieboc$ (1384) barau* ein ftlofter für 
feinen Drben, bie äuguftiner^Sremiten, }u machen, unb mit 
guftimmung be$ ©aljburger ©rjbtfäof* $iügrim ermitfte ber 
©tifter bur$ eine ®efanbtföaft nac$ 5Rom bon $apft Urban 
bie Srtaubni« $ieju. 1387 fonnte ber erfte $rtor eingefefct 
toerben, toetyrenb bie Äloftetfird&e erft atoanjig 3a$re fjwtter 
boQenbet toarb. ©er ©tifter ftarb 1393, er unb feine ®e* 
matyttn, Slnna bon ßaftelbarco, mürben im Älofter begraben, 
©eine reiche $interlaffenfc$aft an ®elb unb Äleinoben, bie 
man auf 30000 Dulaten fääfcte, $ätte jum Seil bem Älofter 
jufaüen foöen *) ; ba aber $erjog Seopolb in SnnäbrucTbie 
$>aut>tfac$e an [\$ riß, gebiefc bie Stiftung be* ftumertbruder* 
nid&t über eine bürftige äuäftattung $inau$. 3n Äetyeim be* 
ftanb fetyon länger, toie et f$eint, ein unbebeutenbe* granjiöfaner* 

211; Hand, Metropolis Salisbnrg. II, 153. «ei $unb, «b. II n. 
III f. au$ bic meiften ©elege für ba$ f(gb. 

1) SRSfcrc« über biefe Stiftung au* bei Andr. Bat., Chron. Bav. 108. 

2) @o Hrnped (chron. Boiar., 370), bie Duelle für ba$ obige. 
6. au<$ K. B. XI, 370. 



826 



Heise Jtoflegiatßifte. 



HSftertein. DaSfelbe ftanb fcerlaffen, oÜ e* Me $erjoge 3o* 
harnt unb Sigmunb bett granatöfanern *>on bet Obfenxnt) 
einräumten. Da bie Srüber aber unten im ST^al biel fcon 
Überfchtoemmungen ber Donau ju leiben Ratten, jogen fie auf 
Den ÜRichaeteberg Bei fiel^eim hinauf , too fie fi<h nicht ohne 
Anfechtungen be* eiferffichttgen ftelheimer ftteru* enblich be* 
haupteten. 

©on ftoDegiatftiften entftanben noch im 14. 3ahrhunbert 
9leu* (Effing, »itthofen, frflpoltfteto. Da« erftere, unter ber 
©urg JRanbecf an ber Hittnüft, mürbe 1367 ton Ulrich §errn 
)u ÄbcnGberg unb feinen Sähnen für fech* ftanonlfer, toelche 
^rieftet fein mußten, gegrfinbet unb mit ihm ein Spital für 
jtoMf «raufe fcerbunben. Die tropftet St. 3ohatm in ©itt* 
hofen, für jtoölf ftanonifer eingerichtet, toar eine Stiftung be* 
Heinrich Sufchl oon SSlbenau. Da biefer noch im 3ahre ber 
©rünbung (1376) ftarb 1 ) p boflenbete fein Sohn Schweiler, 
toa* ber ©ater begonnen. $ityottftein ftiftete für) bor feinem 
lobe (1385) ber lefcte $ifyolt oon Steht. 1432 folgte Me 
©rünbung beö Stiftet STOattiglofen burch bie ©rfiber ftonrab 
unb $an* bie ftud^ter ju Sriebburg *). Die fftt^fxäfm 
ftoflegiatftiftungen, «nbechö unb Unfern Sieben Stau in SRftnchen, 
ftanben in 3 u f amn *enhang mit ben Rrchli^« Steformbeftre* 
bungen be$ 16. 3ahrhunbertf. Cor unfern 3eitraum reichen 
hinauf bie «nfänge US ©enebiltinerltöfterlein« üKariajeß ober 
grauenaefl im ffiolbe Schopfloch bei ber ©urg ©reimbetg, 
aber erft oon Hnbreaö Don Stegendburg 8 ) totrb biefe Stiftung 
aW eine Äbtei Bezeichnet. Weimar bon ©rettnberg ^atte ben 
Ort jtoeien frommen Gtnpeblern gefchenft, ©ottfrieb Sucher, 
einem ©Scferdfohne au« Straubing, unb Ätbert SDtttjlinger 

1) €tynfc - unb ©eftätigungtbriefe t>on 1379, B. B. X, 30. 31. 
S>nrä) bie Urf. €kh»ettcr« wm 1376, toddje ben Batet bereit« fettg 
nennt (Hnnd III, 293), toirb bie a. a. O., 290, angeführte 3ttf<hrtft 
an* ber Äirdje *on «Uphöfen, t»ona<h $eüma) £uW er|t 1388 geworben 
toÄre, toiberlegt 

2) eiegert, Sttyottfldn, 152; M. B. V, 513. Statuten be« *ol- 
Ugf in TOaxtigtofen f. in dm. 5238, l 251 f. 

8) Hist. monaat, 208. 



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JW8ftcrfl<$er «erfafl. tteformbeftrebnngen. Sodann ©rflntoalber. 827 

au* ©tauf, unb ©ifd&of 9iitolau$ oon $Regen$burg $atte 1324 
geftattet, baß biefelben bort 3dfef ©e$aufung uub Oratorium 
erbauten unb unter 2fafji($t be* «bte* ton Oberaltaicty na$ 
ber ©enebifttnerregel lebten. 

gaft in allen ftßftem ber alten Orben toar attetä^lty bie 
Wege! in SBergeffenfceit gefunfen unb mit beut ©arnieberliegen 
ber Kr^li^en 3u$t nteift au<$ toirtf#aftli($er Berfafl ein* 
getreten. Sud Xegernfee tolrb gemelbet, ba$ ftlofter fei in 
geiftlid&er tote toeltltc^er $infi($t aeröbet gelegen. SRadfojeborene 
®ö$ne be$ nieberen SlbeW fröfcnten $ier toürbelofem 2Bfi&ig* 
gang unb nur in tyrer Straft erinnerte ein fötoad&er SReft no$ 
baran, bafc fie toaren, toa* fte ni#t einmal me$r feigen tooflten: 
SWöndje 1 ). 3n gormbadfr fanb man ben äbt 5)ietrt$ nie o$ne 
ben ©eintrug *). 3n ®t. Utric$ unb Äfra toaren „bie frönen 
©eiber" ber Slnlafj jum ©turj eine« Äbte«. 3n ©eltenburg 
machte ßcfc »bt Hnbrea« burety auSgelaffenen 8eben$toanbel unb 
©erfötoenbung ber flloftergüter berüchtigt. Do<$ galten toir 
inne mit ©njetyeiten, bie fiefc in« 3 a $H°f* *>erme$ren ließen! 

<£$ toaren ni#t bie ^tyfte, fonbern bie großen Äirdjen* 
fcerfammlungen oon Äonftanj unb Safel, oon benen ber erfte 
Knftog einer SReformbetoegimg ausging unb toaG bie ftonjilien 
forberten, fugten junäctyft toeniger bie SBtfc^öfc beG SanbeG 
— nur toenige toie 3o$ann II. t>on 9?egenöburg s ) unb 9?ifo* 
bemu* oon greifing machen ausnahmen — alt jtoei ©öfyte 
be$ ^erjogG 3o$ann ton Saiew in Saaten umjufefcen: 
$elm HL, ber ©#irm$err be$ ©afeler ÄonjtW, unb fein natfir* 
lieber ©ruber 3o$ann (Srfintoalber. Dicfer 3o$ann, bem 
®rüntoalb bei SDiünc^en al* bie $etmat feiner SKutter, toa$r* 
föeinlicty einer 3ägeröto#ter , ben Stauten gab, toar in ben 
geiftlic^en ©tanb getreten, $atte ben Doftorgrab im ftir$enrec$t 

1) Chron. Tegernseens. ; Pez, Thea, nie, 537. 

2) Hiat. Formbac.; Pez 1. 1. Ic, 444. 

3) 2>iefer berief anf ©mifö bei W>M Ulbert WM wm Prüfening 
jur Deformation btefe* Ätofter* f<$on 1423 ben Bbt 2$imo Don 9tei$cn- 
ba<$ ba$tn. Andr. Ratispon. bei Oefele 1, 19. Über ba8 ©nföreiten 
feinet 8org5ngere «tbrefy III. in ©ettenbnrg f. Sann er III, 362. 



828 Deformation ber Älöfta. «afrar «inborfer. 



ermorben, toarb Pfarrer ton ©t. $eter In üRünchen, $ropfl 
tum 3fen, (Seneraloifar be« Sittum« greifing. ©päter flieg 
et bi« jutn Äarbinal bon ©an SWartino bc SDiontibu« empot 
— feitbem tooht auch al« ber „Äarbinal Don Satern" bc* 
jeichnet — gemann auch in gretfing bie bi[chöfli<he SBürbe felbft, 
auf bie er f$on früher Slnfprüche erhoben fcatte. SDKt ihnen 
steinigte fkh ein btttter Saier, *ßeter oon SRofenheira, ber 
alz Sßönch in ©ubiaco, bann in 3Jtelf bie alte Strenge Möfter* 
lieber 3^t Fennen unb lieben gelernt $atte; benn in STOeß 
unb anbeten öfierrcichifchen Älöftern mar burch bie Autorität 
be« ftonftanjer flonjil« bie Kegel ton ©ubiaco juerft miebet 
eingeführt toorben. ©obann erttedte ber Defan, bann tropft 
3ohann oon 3nber«borf at« Seichtoatet $etjog aibtecht« III. 
in biefem Surften ben Drang in bie gufetapfen feine« Oheim« 
ju treten 1 ). 5ür Satern bezeichnete ben Seginn einer Sfefotm* 
betoegung bie Sifttatton«tei(e, meiere 3o^ann ©rumoalber im 
$erbft 1426 nach Segernfee unternahm. Sin ©^reiben ber 
$erjoge Smft unb SBilhelm empfahl ihn allen Senebiftiner* 
unb äuguftinerfldftetn al« S5ifttator unb Reformator *). 3n 
feiner Segleitung befanben ftch $eter oon SRofenheim, 3ohann 
ton Ochfenhaufen f nachher 96t ber ©chotten in ©ien, 3ohann 
oon 3nber«borf unb einige anbere eifrige Senebifttner. Durch 
©rünmalber erhielt ba« ftlofter nun neue ©tatuten, »eiche in 
aüen fünften bie ftrenge ftloftersucht ber alten jfcxttn erneuet* 
ten *). äbt §tlbebranb ©urbe }um Serjtcht beftimmt unb al« 
fein Nachfolger ein erft öierunbjmaniigjahriger ÜJiönch, ftafoar 
ätnborfet au« einem SWünchnet $attijietgefchlechte 4 ) eingefefct- 
Diefet toitb al« bet jtoeite Segtünbet £egetnfee« gefeiett, mit 
folgern (Erfolge führte er ba« ftlofter au« firchlichem, geiftigem 
unb toirtfchaftlichem Serfall ju beffeten 3uftanben. Such Sticht* 
abelige fanben nun Aufnahme, unter ihnen ber fruchtbare theo= 
logifche ©chriftfteller Sohanne« fted au« ©iengen, unb rege« 

1) ©einriebet V, 41, 42 (auf clm. 1807, f. 174 f.). 

2) ©eflenrieber V, 49. 

3) enthalten in clm. 1008, f. 23. 

4) ©.bef!en«ioflr<M)^ict)on ©effinger, Dtorfaver.Sr<h.XLII,196 . 



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Deformation ber Ätöfter. Sodann ®tttya#er. 829 

Kterarif$e6 Seben blühte an bet alten ftulturftatte toiebet auf, 
freiließ nify mtfft fo mannigfad&en Oebieten tute ootbem, fon* 
bern faft au6f$Uefjtt$ bet Ideologie jugetoenbet. ©et bet 
näc^ften SBtßtatton be* ÄtoftetS im 3a$re 1452 tourben bie 
tfi^mttdjen gottfetytttte in ©eobadjtung bet Dtbenttegel an* 
etfannt, in meltlictyer $inft$t bte 3^ftanbe als botjüglic^e ge* 
lobt. Dutdfr einen tofitbtgen SÄad&folget Äafoatt, ftontab 
<£itimf$malj oon SBeityeim, bet au$ litetattfd) tfcätig u>at, 
toatb bafät gefotgt, bafc bet gute ®etft in btefem Äloftet no$ 
länget fidj erhielt. Dan! bet $iet neuetbingö ettoadjten emfigen 
ftopiftent^ätigfeit jaulte bte Segetnfeet ©ibliotyef am Hutgang 
be$ SDitttelaltett übet 2000 $anbf$ttften, me$t aW itgenbeine 
bet berühmten ©üd&etfammlungen in Statten, felbft bie oati* 
fanifc^e unb bte bet SRebiceet *). 

ÜM!*) unb Segetnfee maten bte «u$gang$punfte, oon 
benen aut Diele Älöftet in £)ftettetc$, ©aietn unb ©cfyoaben 
tefotmtert toutben. 9lad& $etet oon 8?ofen$etm lebte in SWelf 
(fett 1435) ein anbetet tefotmeiftiget ©aiet, 3o$ann ®lit* 
packet, ein gebotenet ®$ongauet, bet abet fetyon al$ 3e$n* 
jä^tiget na$ ffieityeim getommen toat, ba$et gemö$nltc$ 3o* 
$ann Don ©eityeim genannt. 3rx>6 3a$te $atte et in Ulm, 
je$n 3a$te an bet Unioetfitat üöien ftubiett. SBJie et bann 
naetyetaanbet in einet Oiei^e ton ftßftetn toaltete, in SDfel!, 
SRatittjell, gotmbaety, ©ötttoety, (Sbettbetg, ffittat, etinnett an 
bie $ttf$auet ffianbettefotmatoten. Übet feinen ftefotmation** 
t>etfuc$ in Cttal (1442) frat et un« felbft !utj betetet 8 ). (St 
ging ba$in auf ba$ Drangen $erjog »lbte$t$ III., bet Dom 

1) Sgl. bie Angaben über beren ©eftänbe bet $ajtor, ©cföfäte bex 
$tyfle I, 417 f. 

2) gür biefet f. bat 3eugni« be« 2R8n#e« ©ifltmmb ton @t.Wri<$; 
Pez, Bibl. ascetica VIII, 645; über ®Un>a<$er f. 1. c. 629 f. 

3) L. c. 647. $ie bon Äaifer Snbttig gegrünbete Snbattbenanjtalt in 
Gttat föcint föon unter beflen @8$nen, bie bat ©tiftungtberniSgen sunt 
Seil einjogen, bort aufgehört gn fytben (Oefele II, 343). 2>ie 3nf äffen 
fabelten n>o$l na* ^rittng über, »eld&e ©urg nebft bem öeri<$t in 
Sfotmergau SubtDtg V. 1348 bem SWdfter unb ben Gittern ju (Ettal eignete; 
B. B. Vin. 137, bgl. 255. 



830 



ftlöjtoltye Reformen 



©afeler ftonjil ermächtigt toorben mar bie ftlbfter feine* Sanbe* 
ju reformieren, begleitet Don einem bairifcfcn SWettet 3Ktt* 
bruber, ftonrab Don Oeifenfelb. 3$r 83or$aben f ^eiterte an 
ber „ gänjtid&en 5Ric$t$mifcigIeit w be« SCbted, ber tynen fogat 
®emalt entgegenfefcte. Der $erjog felbft, bem ber unorbrat* 
li$e 8eben$manbel getftlu$er ^erfonen ein ®reuel unb We 
Deformation ber fttöfter eine $erjen$angelegen$eit »ar, $atte 
aufang* geajünföt, bog fie au$#elten, bo$ allm&$li$ lieg er 
bie @a$e einfölafen unb manbtc fein 3ntereffe einer Sien* 
grünbung gu — »orauö fid> ergibt, fagt 3o$ann Don VkiU 
$etm, toie befcutfam 3Jtön#e, bie ein ftlofter reformieren motten, 
Dorge$en muffen. 

3n mehreren fttöftern !am e$, genau toie in ben gregoria»* 
nifäen j&tittn, }u heftigen unb langwierigen ßämpfen }totf$en 
ben greunben be$ alten SBofyUebenG unb ben ©ferern für bie 
neue &uty. 3n legernfee felbft erreichte ftafpar Xinbarfer 
feine 3^e ni$t o$ne beharrliche* ffiiberftreben Dieler Siteren 
Srüber. S)ie 8lo$rer Chorherren entwichen, att aibrecht III. 
ihr ©tift reformieren toollte, nach bem benachbarten ©chloffe 
irain unb att ber $erjog, Dereint mit bem Wegetrtburger 
43if c^ofe , ba« ©chlojj mit XBaffengetoalt nahm, fanb er bie 
ftanonifer auch Don bort toeggejogen. 3n gorrabach entflog 
3U>t Oeorg Dor bem 3ufammentreffen mit ber erften 83ifitation*# 
lommifjton. fpäter $erjog ©eorg toieber eine Sifttatu>n 
biefe« ftlofter* anorbnete p toiberfeftte fi<h Hbt (Shriftoph fo hart* 
nadig, bafc ihn ber $erjog einfperren lieg 1 ). Jto* Dteffen 
förieb Ulrich t>on ©eilheim (1456—1458) JammerDotle »riefe *) 
an feinen SanWmann 3ohann Don ©eilheim mit ©chilberung 
ber ©ebrängniffe, bie in biefem C^or^enenftifte Aber bie 83er* 
treter ber Sieform hereingebrochen feien. Seit ytffn Sauren, 
förieb er, bauerten tum bie ftämpfe mit einer überlegenen 
(Gegenpartei; jc^n SBochen lang mar er Dom ftlofter Dertrieben, 
jtoeimal „für bie Obferoana* eingefcrfert, jefa 5Eage fang er 

1) ©efUnrieber IV, 205; Hirt. Formbac bei Per, Thet. I, 
e. 448. 457 f. 

2) Pez, BibL mc. 1. c. 574. 



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unb Ctypojitio» gegen blefclbe. 



881 



fein Te Deum laudamus im ginftetn, jroeimal ftonb er oot 
bem $erjoge unb feinen Waten, um bie ©bferoanj ju oerfed&ten. 
Gnbli$ gab tynen (Sott ben ©ieg unb fünf fflrüber, meldfre bie 
{Regel ^a|ten unb beten greunbc »erfolgten, mußten ba* ©tift 
öerlaffen; $erjog JUbrety HL fam felbft nac$ Steffen unb 
freute fid> an ben georbneten 3 u ^5n^ n *)• 

JUlmä$lic$ gelang e$ tod) in einer {Reifce *>on Jtl&ftern, nrie 
e* Weint, fogar in ber 3Jte$rja$t, eine {Reform bur#jufü$ren, 
bie $auj>tf&$U$ auf SBieber^erftellung ber Orbendregel beruhte. 
3n ©feiern ertoarb flc$ biefe* SBerbtenft ein früherer SCegenfeer 
Wind), ber W>t S3il$etm «imbetger (1449—1467) *). »nbere 
STegenfeer mürben als {Reformatoren na$ fflenebiftbeuern, na$ 
SBeffobrunn berufen. 3n {Ro$r begann $erjog 8übre#t mit 
feinen {Reformen. Die {Reformation oon £)ietram$jett erfolgte 
no$ 1426 bur# 3o$ann ©rfinmalber 8 ). Sine Sifitation*» 
lommiffton, an beten ©ptfce äbt Jtafear oon SEegetnfee ftanb, 
toar in (Eberäberg, (Sttal, ©feiern, {Raitenbuch tyatig. 3n 
ffietyern toutbe 1435 öon $erjog ©ityelm, 3o$ann ®tün* 
toalber unb Äafpar Jlinbotfet ein untoürbiger tropft abgefegt 4 ). 
3m felben 3a$re erlebte ÜHonbfee eine {Reform 6 ). ©etyen* 
ftepftm erhielt unter »bt (5ber$arb (1416 — 1448) neue 
reformierte ©tatuten «). Der eifrige ffliföof 3o$ann HL bon 
(Si^ftäbt fonnte 1457 über bie {Reformation be* @t. «Bat* 
burgltofter* in (Sutyftäbt berieten 7 ). 3n bem tief gefunfenen 
@t. (Emmeram fam e* 1452 jur (ftnfefeung eine« neuen Sbte* 
unb jum (Srlaffe neuer ©tatuten, bie im öffentlichen auf ben 

1) ©einriebet V, 46. 

2) Clm. 1052, f. 4v. 

3) Olm. 1807, f. 45-51. 

4) Oberbaar. «r*ib a. a. £).. 208. 

5) 6$mib, ©eiträge jur <&ef<$. um fltonbfee (©tubim unb SRit- 
tfcttnngen au« bem ©euebttttaerorbai III, 291). 

6) Clm. 1045. $ie $anbf$riften ber 2Rttn*ner ©tbltotyet fUib bott 
toon 9to$xtyten über bie JtloßerbifUationen unb Reformen feit 1426; e* 
iß unmBgtt* bie ffitajeT&eiten j» erföfyfen; i$ »ertteife nur auf clm. 
1131. 1132. 5154a. 18552b. 6. oit$ «Ibrety* Sobtugenben, 44. 

7) Pea, BibL asc. VIII, 651. 



882 



©enbung bed Äatbi»al$ (Sufa. 



SKelfer Statuten beruheub, ben ®eift affetifcher Strenge atmeten. 
SRit »u^nahme bet Äranlen Ratten bie ÜRönche al« ftrenge 
©egetarianer ju leben, bei Stifche ^ettfc^te Silentium, fechfaal 
bei Zag unb 9?acht oerfammelte man fich in bet Sirene jum ®ebet, 
fo ba& für ruhigen Schlaf nur »entge ©tunben übrig blieben *). 

ÜRittlertoeile ^atte auch bie Äurie biefer ©etoegung tyre 
Hufmerffamfeit jugemenbet 1451, ein 3ahr nach ber römifc^en 
Jubelfeier, betraute $apft SRifolau« V. ben »arbinal Sufa mit 
bem 9luftrage, in Deutfölanb bie erfetyfoffte Älofterjucht mit bem 
(Seifte ^eilfamer ©trenge neu gu beleben. &ubU\$ toarb ber 
Äarbinal ermächtigt, au* jene, »eiche ba$ römifche 3ubiläum 
nic^t Rotten mitfeiern fönnen, feiner 2lblaf$gnaben teilhaftig pt 
machen, toenn fte getmffe ftirchen befuchten unb )um ©au ber 
rSmifchen $eter$firche beifieuerten. 9m 3. gebruar 1451 
eröffnete Sufa bie ©aljburger $rootnjialfhnobe, in fchumngooHer 
{Rebe begrüßt bon bem ©aljburger Äanjler ©ernharb bon 
Äratburg, ber ben Legaten mit bem gemaltigen Äbler beim 
Propheten (Sjechiel »erglüh. 3m üßärj unb Äpril treffen mir 
Sufa in SWünchen, Cichftabt, greifing. (Er berffinbete ba* 
Subeljahr, ba$ ben Änftog ju allgemeiner ©efferung ber ©itten 
geben foßte, erlieg (8. gebr.) ein Defret über bie Reform be« 
ftlofter&efen* unb beftellte ©ifitatoren für bie »ergebenen 
Orben 2 ). Die für bie ©enebiftinerflöfter ber ©al&burger 
$robinj eingefefcte ftommtffion beftanb au* Äbt 3Jiarttn ton 
ben Sßiener ©Rotten, Hbt Sorenj bon üRariajell unb unferem 
Oohann ©litpacher unb bereifte noch 1451 auch We bairifchen 
ftUfter, hiet unter bem ©eleit ber §erjoge Wibrecht unb Submtg. 
Doch ertoie« fich ber leitete gegenüber ber ftommiffion etoa* 
fchtoieriger al« fein Münchner ©etter unb pünWich an bem 
Sage, ba ihr ©eleit abgelaufen, fanben bie Prälaten, nneipohl 

1) P. ©. »rannmfiUer, 3«t tteformatiottegeftichte ber JtKfler 
in 15. Sahthnnbert; etubicn a. b. «enebtfrmerorben III, 311 f. Dort 
au* Vu* 311g beft SifUatiou«rejeffe« an* dm. 14196. Ü6er ben frfi$eftü 
»irtf*«ftlic$en SerfaO f. au* Oefele I, 18 gn 1423. 

2) $gL u. a. dm. 2889. 18647; Uebinger, ÄarbraaUisat ». €. 
in $eutfötanb; $ift 3ahrbu<$ VUI, 623 f. 



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ätoßertifltationen. 



888 



fte gern länger bertoeilt toären, geraten fein 8anb ju räumen. 
dual toar ba$ erfte bairifche Jtlofter, n>o fte ihre Ihatigfeit 
begannen, nachbem fie auf ber Keife bahta ein ©türm auf 
bem SBirmfee geangftigt fatte; ben untüchtigen Slbt btefe* 
«tofter« traf bie «bfefcung. 3n »ttl fiel ihnen bie groge 
Sirmut be* Älofter* unb al« golge berfelben toenigften« ben 
trichtbairifchen SWitgliebern ber ftommtifton bie Sitte auf, bafc 
bie 3D?5nche bort nur ganj auSnahmätoetfe ©ein, getDS^nli^ 
aber ein recht fchlechteä ©ier tranfen, mit bem fte gleichwohl 
jufrteben toaren. 3n Stegernfee ftaunten fte über ba$ $etro* 
Ieum (oleum petrinum), ba$ fie oben auf bem ffiaffer be$ 
©ee$ jc^mimmen fa^en unb ba$, tote man ihnen oerficherte, 
gegen betriebene ftrantyetten als Heilmittel gebraust mürbe. 

SBtr entlehnen biefe Weijeerimterungen einem ber Rom*» 
tniiftonämitglieber, bem ffiiener äbte SWartin. 1464 verfaßte 
berfelbe in gorm eine« ®eft>räche$ jurffchen einem Sitten, in 
beffen SRolle er felbft auftritt, unb einem düngling ein fogenannteä 
„senatorium per modum dialogi" eine ©cbrtft, bie ihren 
Xitel nic^t mit Unrecht tragt, benn ettoa* ©retfen^afted liegt 
tu ber X(at in ber für un$ gleichtoohl anjiehenben ®ejch»äfcig* 
feit unb »nelootenfucht, momit ber 8bt Don ber öftexrcic^ifc^cn 
(Sef^hte, Don ben ^eiligen be$ ©enebifttnerorbenä, be$ 8anbe$ 
öfterreich unb feiner Sßacbbarlänber, oon ber ©ebeutung ber 
©tebenjahl, oon feinem Seben unb t>on biefer ©ifitationäreife 
erzählt. SBtr lernen einen üBann fennen boll reblichen Sillens, 
doti ftrengem 8eben*n>anbel, aber getftig befchranlt, erfüllt &on 
ber Neigung für gabeln unb SBunber. JHe ®rünbung$* 
gefliehte eines fit öfters, über »eiche ju berichten er feiten untere 
lägt, befteht bei ihm in ber Kegel au* ben baran gelnüpften 
ÜKarchen. Dürfen toir au« bem Reformator auf ba« Sßerl 
ber Reform jurüdfchliegen, fo bebeutete baäfelbe nicht nur 
SBieberaufleben ber alten 3u$t unb ©ittenftrenge, fonbern auch 
in hohem Stfiafce SJerftarfung be* alten abergläubifchen unb 
untoiffenfchaftlichen ©inneä. 

1) Pez, Script, rer. Austr. II, 628 f. Üte We »tfltationfretfe bef» 
635 f. r in ben bamfehen Stiften 644—647. 

gleitet, OefftiAte ©aiemf. HI. 53 



884 



©kberauflefcen jtrettger Äftcfe. 



CM liegt eine Äorrefponbenj öor, u>orin fleh ©litpacher 
fpäter al« Äbt oon ÜWelf mit ftafpat Äinbotfet über bte Ct* 
neuerung flöfterlicher Dtejtylin in ber flanken $robinj be# 
©enebiftinerorben« unb über bte nötige (Durchführung eistet 
einheitlichen 9titu« beriet. SBi« 1460 Ratten fld^ erft fünf 8bte 
nnb ftonoente baräber geeinigt, aber fpätet, befonbet« auf einem 
$to&injialfapitel in Samberg 1467 toutbe bie Sache trettet 
(jeförbert 1 ). SHe SWelfer ftongregation getoann für ©übbeutfch* 
Ianb eine ähnliche ©ebeutung, toie fic im Horben bie öon 
©ut«felb beanforucht. 3h re ©ftfcungen toaren burchbtungen 
bom (Seifte ftrengftet Äffcfe unb angftlichen 9Rif?trauen3 gegen 
bie menfchliche 9?atur. 3n ben reformierten Statuten be# 
Jllofter« ®t. 3?nc bei {Reichenhall, ba« bie BifitationSlommiiPon 
1452 „bon ber Obfer&anj ber {Reget toeit abgewichen" fanb, 
toirb j. ©. — unb bie« fteht nicht bereinjelt — ftteng ein* 
geföätft, baß lein XBeib, »eiche« auch fein ©tanb ober Hltet 
fei, fei e* auch n>egen bringenber Ätbeit ober im gaOe einet 
(Stfranlung, bie ©chtoeüe be« ftloftet« überstehe*). Hbt 
SRartin erjählt, tote et felbft in bem berühmten ftloftet in bet 
$öhle be« hl* ©enebift bei ©ubiaco, bem einzigen, ba« nie bet 
Wegel untreu geworben fei, ÜWuftet barum unb SSorbilb aOet 
©enebifttnetflöfter, feine ftrenge ©Aule burchgemacht unb nur 
mit (Statte* $ilfe gtficttich überftanben habe. <£* festen ihm 
füg, eine «Boche lang, menn ihn bie Weihe traf, bie ©chflffeln 
}u foüten, $ol$ ju ttagen, furj ben ganjen Dienft einer ftüchen* 
magb ju berttchten. Huch flagte er nicht barübet, bag e* an 
Safttagen nur eine ©chüffel ftohl unb für ben, bet babon nicht 
fatt tt>utbe, eine gmeite ©chüffel ftohl, abet nie etwa« anbete« 
gab. Sine« abet toat felbft feinem (Eifer ju fch»et unb beroog 
ihn nach Öftetteich jutücf jufehten , nämlich ba§ fte in bem 
$61)Untlo\itx nach bet SDtatutin nicht meht f^Iafen butften. 
„(Sin »ierteljaht habe ich e« wfucht, abet ich toutbe fo mübe, 
bag jmifchen ÜRatutin unb $rim fein ©tein fo hart toat, auf bem 

1) Pez L e. 574. 581 (»o fiatt Welming Weilheim ja (efdt); 
595-629; Hirt. ForraUc, 445. 

2) Clm. 1931, p. 152. 



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2>er ftetfqnienfunb *on Wabtäfi. 



886 



i$ nic^t in ®#laf gefunfen toäre, ol« läge t$ im toeidfrften ©ett. 
Seiftete i$ aber bem @#laf ffiiberftanb, fo mar 1$ bann bei bet 
$rim unb ben übrigen ®efc$äften be« Sage« ju ni#t« nufc" 1 ). 

©o $at ber (Sifer, mit bem juerft bie $erjoge ©ilfclm 
unb «Ibrecfct III. bie «Bieber$erfteüung Böfterltyer 3u$t be* 
trieben, toeiter unb toeiter getirirft. älbredjt« religiöfe Xugenben 
fanben in einer befonberen, allerbing« ettoa« i>aneg$rifc$ ge$at 
tenen ©cbrift a3er$errtic$uug. Sein (Eifer betätigte jic$ rn^t 
nur in Sieformen befte^enber ftlöfter fonbern au$ in ber 
Stiftung eine« neuen. 

3n ber §Rifolau«!ai>elIe in «nbedfr« tooOte man 1388 iöft* 
li$e {Reliquien, unter anberem ©tüde bon ber Domenfrone 
Sfcrifti unb ber Sanje be« ßonginu« gefunben $aben. (Sine 
ÜRau« foU einen Bettel mit bem S3erjei($niffe ber bergrabenen 
{Reliquien and 5£age«lt($t geföleftrt faben; fieserer att biefer 
Urheber be« gunbe«, Don bem bie alteren Senate no$ nidfrt* 
toiffen, fte$t ber SWame be« ginber«: be« gransi«faner« 3afob 
Dachauer. Sin pä^ftltc^cr 3luntiu«, ber Dominilaner 3o$anne« 
Domtniri Don ©ubbio, richtete an bie $erjoge ©tepfrm, griebridfr 
unb 3o$ann ein ©enbföreiben, morin er Urforung unb <&d)U 
fyit ber Reliquien erörterte 2 ). Die {Reliquien maren na$ 
üßünc&en gebraut toorben, too bann biefer @$afe unb ba« 
SSorbilb be« in {Rom 1390 gefeierten 3ubelia$re« ben $lan 
eine« firdjlictyen gefte« »eilten, juerft &a$rf$etnti$ in $erjog 
Stefan bem ftnei&el, ber ba« 3ubelja$r in {Rom mitgefeiert 
$atte. Diefer foü bur$ eine ©efanbtfäaf* ben $atft um ©e* 
nefcmigung be« SKünc^ner gefte« erfuc^t $aben 8 ). fflonifaj IX. 
toiUfufr: bem ffiunföe unb getoäfcrte (11. 3uli 1391) allen 
benen, bie am ©onniage nac$ 3afobi eine« beliebigen 3a$re« 

1) Pez, Scr. Austr. II, 635. 

2) Clm. 1329, t 205 f. 

3) et.-C$r. IV, 95, teitoeife jn benötigen bnr$ bie ptyfil »uttc, 
B. B. X, 292. e. ferner M. B. XXXV b, 172; 6t.'«$r. I, 357; 
Oefele I, 619; Chron. Elwac., Script X, 42; gnbrea* *on Hegen«- 
bitrg, 596; «rnped (greij&erg I, 171. 172). <S« mag an<$ $ter 
baran erinnert »erben, tag S)ult ein alte« bentföe« 2Bort = gcfl i% 




836 



Soft 2Rftn$ner „Önabenlabr". 



mit befonberer ©ujjfertigfeit bcr S3orjeigung ber {Reliquien im 
SWfinchen beiwohnten f öolllommenen «6la§. Born 14. april 
ii« nac^ 3a!obi 1392 »arb benn infolge biefer ©etoiüigung in 
SRünchen ba* fo genannte „©nabeniahr" gefeiert, ba* etfte ber 
gefte, burch »eiche« bie 3farftabt bon 3eit ju 3eit «it)iehu»Bt* 
traft auf bie gremben übt, bem 3 e ^geifte entforechenb ein ftr$» 
lieber Borläufer unferer ftunft' unb ©etoerbeauäftellungeit, 
Sßufterbuhnenfpiele, ©chfifeen», Zurner* unb ©ängerfefte. $er}og 
©tephan felbft erlieg (ftntabungSfchreiben an bie Slachbarftäbte *), 
toorin er ben ©efuchero freie« ®eleit juftcherte, unb feine SKafc* 
regeln »aren fo u>o$l getroffen, bag toährenb be« gefte« ber 
aKerbefte grieben in ©aiern hwtfchte, bie Pilger um 9Rttter* 
nacht fo fU^er uxtnberten tote ju SRittag unb niemanben ein 
Seib gefchah- SSon ber ©tabt toax eine befonbere ©tbüfcenfchar 
aufgeteilt, um über {Ruhe unb Orbnung unter ben pilgern ju 
toachen. SMan regnete, bafc »bchentlich etma 60000 SRenfchen 
hinjuftröntten unb bag an etlichen Zagen bie 3# ber an« 
toefenben gremben 40000 betrug. 3ebe ffioche breimal tourben 
bie $eiltümer gejeigt unb in ben Ritten fa&en Sag für Zag 
treigig ©eichtoäter bereit, bie ©elenntniffe ber Pilger ju em* 
^fangen, ©efonbere S5orbebingungen beä Hblaffe« toaren ein 
Aufenthalt oon peben Zagen, ber SBefuch ber ftirchen Unferer 
Sieben grau, ©t. $eter, ©t. 3afob am «nger unb jum Ei- 
ligen ®eift, unb ein Oelbopfer, ba« in jeber berfeCben ju hinter* 
laffen toar. SSon ?flngften bi« 3afobi, erjählt ber ÄngÄurger 
(Shtonift, fei lein Zag vergangen, an bem nicht ein 2btg*bnrger 
SRefcen öofl 9?egen*burger SDHtnje geopfert uwrbe. 5Die $alfte 
biefer ©nlflnfte hatte fleh ber päpftliche ©tuhl vorbehalten *). 
91« ieboch ein p&pftlicher «ote ba* 3ahr barauf ba$ ®elo Oer* 
langte, oertoeigerte bie ©tabt bie Verausgabe unb rief baburch ein 

ni$t Don indultum, «6lo§, abgeleitet (f. ©cfcmeller-gromann I, 
502 f. ) r unb baß bie 2Kün#ner Satobibnlt nicht erfl an biefrt gefl an- 
tnüpft; Won eine ©erorbnung an« bem Anfange bc4 14. Sa^rhnnbertf 
ernannt ben „tnltmargt" am 6t. Satobfttag anf bem «tageT ht SRfintfcn. 

1) 2)af an $affan gerichtete f. beiSrbarb, <»cf<fc. \>. % I, 157. 

2) ©gl. Oberbaar. «r$to I, 117, too ftott pestaniie restantiis jn 
Cefen fetn bfirfte. 




Stiftung be* Älofier* Hnbe49. 



837 



äRafttfd&reiben be* $apfte* farbor 1 ). 3n Hug*burg meinte matt 
foater *), ni#t o$ne nachbarliche SKifjgunft, ba* jKünchner(8naben* 
ja$r fei überhaupt nur um be* (Selbe* nriflen beranftattet toorben. 

Die $ergoge (Srnft unb XBityelm faxten barat ben flmtfölufc 
bie ftayede be* ty. 9Wfolau* in Hnbech«, bie mittlewette Der* 
faden toar, al* Ätrc^e groß unb foftbar lieber aufzubauen unb 
frtfteten boxt mit angemeffener Dotation unb teilet Äu*ftottttng 
an ©fiebern unb Ätrchengeraten ein ffoUegiatftift für einen tropft 
unb fech* ftanonifer. (Erft unter Hlbrecht in., 1439, erfolgte 
bie ©eftätigung burch ben ©ifd&of bon ÄugÄburg. Da aber 
ba« ©tift nid)t nach bem ©inne be* $crgog* gebteh, }a bie 
meiften Chorherren nicht einmal ber 9Rü$e toert fanben ihren 
©ohnfifc in »nbech* gu nehmen, befchtofj älbrecht unter bem 
Seirat be* ftarbinal* Eufa t>ie Umtoanblung in ein ©enebiftiner* 
Äofter, mogu er 1453 oom $apfte bie (Srlaubni* ernrirfte. 
Xegernfee mufjte, fo ferner bie* auch bem Äbte Äinborfer fiel, 
bie etften STOönche baftn abgeben, atbre^t ^atte bie »bflcht 
feine @5hne bort ergiehen gu laffen 3 ) unb Ȋhlte ba* ftlofter 
gu feiner 9tu$eftätte. Die {Reliquien mürben nun bon äWünchen 
auf ben „ ^eiligen ©erg", toie er feitbem tyeg, gurücfgebracht, 
nach bem altberühmten SlltBtting toarb biefer fortan bie befuch* 
tefte ©nabenftätte ©aiern*; gur 3eit ber ?eft 1463 maO^ 
falteten au* SWünchen allein an 5000 SRenfchen bahüt 4 ). 

©rofjartige Salbungen, bie giemlich gleidjgeüig mit ber Ruf* 
finbung ber {Reliquien entftanben föeinen, ^aben 3ahrhunberte 
lang unbeftrittene Autorität genoffen unb biet bagu beigetragen, 
Änbech* in bie f)ö^e gu bringen. (Sin bei ber ftapelle bon 
Hnfcech* lebenber einheimifcher ©eiftlicher, ber fleh felbfl al* 
einen ©enebiftiner fionrab bon $ornftein (bei Schäftlarn) be# 
geichnet unb früher in ©t. $eter am SKabron getoeilt ^aben 
foiü, erbichtete eine üKenge bon Urfunben unb SRachrichten, bie 

1) »om 15. 3nli 1393; M. B. XXXV b, 176, bgT. 172; XX, 62.67. 

2) 3»fa6 3 int«; et-CJr. V, 45. 

3) M .B. VIII, 597. 601; ffiefUntieber V, 48f.; «rnfeef 258; 
P. Tl. ©attler, (Sfcromt »on «nbtcj*. 

4) Ätr<hmaier* Gtyronit; ©eflenrteber V, 195. 




888 



2He Änbechfet gaif^unges. 



er, um ihnen ben Scheut ehrtofirbigen Älter« &u geben, in ein 
2)?ej$bu$ be$ 9. 3^bth unbe rtt fd&rieb *) tmb toelche bie gemein* 
fönte SCenbenj berfolgen ber Ätrche unb ben Reliquien txm 
Änbech* Unfein }u aerfchaffen unb ber erfteren materielle ©or* 
teile jujuu>enben; bor allem foflte ber Rachtoet« erbracht toerben, 
bag ein feäter von ben „{mmten* jerftSrte*, im 12. 3a$r» 
hunbert aber urieber blfihenbe* ftlofter f$on in ftarolingerjeiten 
in Änbech* beftanben unb bie Reliquien befeffen ^abe. Dem 
gleiten 3*** f oütc to0 # ÖU # bet 3 U 9 bienen: $er}og 
griebrich ^abe t>on biefen $etltümern einen ©orn tum ber 
ftrone Shriftt nach 8anM$ut entführt, bis ihn ein <Srbbeben 
oon ber Rottoenbigfeit fiberjeugte, tyn Hnbech* jurfidjugeben *). 

©a« »aiern*8anb«hut betrifft, fo lieg Subnrig ber Reiche 
$apft ?aul IL Dortragen, in feinem Sanbe feien fe$r Diele 
Sllöfter, beren 3nfaffen fi$ SluGfch&eifungen Eingäben unb bereit 
$äi$ter tote ©lieber, geiftlfche mie weltliche ijuftänbe eine 95tfv 
tatton unb Reformation erheifchten 8 ). Diefer Surft faßte auch 
bie Reformation ber brei Regeniburger ftlöfter, bie unter baU 
rifcher ffaftbogtet ftanben, Obermfinfter, Riebermünfter unb 
©t $aul, in« Äuge unb fachte ben ffliföof bon RegenGburg 
baffir ju ertoarmen (1468—1470). 3m »erein mit «(brecht IV. 
fanbte er in biefer Angelegenheit ben ©ruber S^rtfto^ oont 
©rben ber Dbferbanten an ben $apft (1470) unb betraute 
ben SKagifter Rofenheimer mit Durchführung ber Reformation. 
(Buten ffiiüen jrigte feboch nur Riebermünfter, in ben beiben 

1) Olm. 8005. SHe plnutyen gälfäungen »urben föon 1767 *on 
bat SerauSgeberu ber M. B. (VIII, 580), benen man bie augeblty bor« 
hanbenen Originale vorenthielt, buwfrföaut *l* Su>re<HtS III. ©etretÄr 
«Ibrecht $of$ ton Ärouafl 1457 auf ©efefcl feine* $ernt geföttytufee 
nnb nrtunblufre tta$ri<$ten über «tabe<W fammelte — ferne *nfjeu$- 
nttngen ftub gebrucft bei P. SRagnnf ©attler, «hronit *ou XnbetH 
86 — 111 — »urben ihm bie gflfäungen vorgelegt. 3n fcrjoglitfcm 
Äuftrag »urben.in ttom bie *>Sj>pU<$en Gegiftet na$ ©uflen für labe** 
bur<$forf$t, „worauf biet SRü$e nnb Brbeit ergangen {ff. 2>ie Xaren 
betrugen 10 Zutaten. ». $efner, Wbre$t IT., 77. 

2) «rnped a. a. £)., 172. 
8) Oefele II, 253. 254. 



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Jtloftatyolttit Sufcoig« b. tteid&en u. «lbte$« IV. 889 

anbeten ftlöftetn toarb nicfct* ausgerichtet, t>ielme$r erteilten 
biefe beiben, ba& fie (1484 u. 1497) Dom ^a^fte al« toettlicfc 
abelige Damenftifte erflart mürben 1 ). 8ub»ig$ 9?eformoerfm$e 
befcfcränften fi# aber nidjt auf bett Üiegularfletu«: toir fabelt 
be$ ftrengen ÜWanbat* betet« (@. 715) ertoäfrit/ ba* in erßer 
fiinie gegen ben leichtfertigen ©anbei beS 8anb$$uter ftleru* 
gerietet, auf ©efe$l be$ $erjog« unb na$ einvernehmen be« 
©if$of$ 3o$ann Don Stetfing 1463 &on bet Äanjel beriefen 
toutbe. M* ©Hb unb ©Riegel be$ ©öttli^en unb ®uten", 
$ieg e$ ba, fei ber getftltc^e ©tanb ben öaten gefefct; butc$ 
gute unb löbliche ©etfe fofle er biefe etmuntetn in feine gug* 
taufen ju treten ; nie Knuten alfo offene (E$ebre$er, iBuc^eret 
unb anbete ÜWiffetyater in tiefem ©tanbe gebulbet »erben! 

SUbrec^t IY. betoie« au$ gegenüber ben Älöftern bie (Energie 
unb (Einfielt, bie i$n au$jeic$neten. Stockem er ber Rütte bie 
fdjlimmen 3uftänbe in ben fllöftetn feines ?anbe« gegittert 
^atte r ertoirfte et oon $apft @i{tu« IV. 1479 bie (Ermächtigung 
einjuföreiten s ) unb fefcte bann, auch fcotn SBiföof ©if tu« von 
greiftng unterftfifet, junächft (1480—1484) in famttic$en ftWftent 
2Rünc$en$, bei ben granjiäfanern, ben gtanjidfanetinen am 
Änger, ben 8tagufttner* (Eremiten unb im $fitrtc$Flofter ein* 
f$netbenbe {Reformen bur#. 3m Hngetttofter ift ber $erjog, 
begleitet von mehreren Prälaten, }u biefem &mdt felbft 
er Lienen. Die Huguftiner* (Eremiten, gemannt, binnen brei 
Sagen jut Dbfetfcanj ihrer Kegel jutüdjuffcfyren, verliefen 
äßann für Wann ba« Rlofter, ba« nun mit neuen SDWnt&en 
beWlfert toatb 8 ). 3m $ütrt#flofter an ber ©$mabinger* 
gaffe lebte eine Heine Oenoffenfcfcaft von grauen, welcher 
ber Btfitator, 3»inortten!ufto« SJtncenj »tibler, urfprünglty 

1) «tnfred ; OSetbat^er. *t$to IX, 411. 412; 3anner III, 540f. 
<5*on 1459 »at $rotfi S^omaf ^ittfceimet von Verrieben Dom $at>|le 
mit Untetfu^ung tiefet Älöpet beaufttagt »otben. Sgl. 3 anner 111,520 f. 

2) Oefele II, 253.254. 

3) Hund, 238.239; Arnpeck, Gest» ep. Pria., bei 2>eutlnget, 
Beiträge III, 542; £otenfcu$ toou @t ©ata am «taget im SÄ.-*., 12; 
£>betba$et. «t$. IV, 337. 




840 8tött$ner ÄlBficr tt. «horherrenflift Unf. 8. grau. 

(1387) eine Drbnung nach ber brttten Siegel M hL ffraHj 
oorgeförieben hatte. 3m Saufe eine* Sahrhnnbert* toaren 
Jeboch bie ©ttten in biefem $aufe fo loder geworben, bog ber 
t>erjog bic Tonnen nicht nur au* intern Älofter, fonbem fogar 
au* ber ©tobt ju vertreiben ^ebachte. 816 er fkh bann doä 
greijinger SHfchofe fiberreben liefc, bieienigen, »eiche Untere 
toerfung unter bie Siegel unb ein beffere* geben besprechen 
tooflten, im #aufe ju beioffen, mar e« eine einjige, ftathariita 
©ebharbin, toefche fleh biefem «nftnnen fügte (1484). Den anberen 
Bot ber ©ifchof in fjreiflng ein Bfol, too fte firanfen unb 
©tetbenben bienen tarnten. Die ÜRünchner ©enoffenfcbaft aber 
nahm binnen furjem toieber folgen Vufföttmng, ba§ fdbrec^t* 
©Urne ftnnigunbe $ier ben ©Fleier nabm unb ihr Seben be* 
W*>b 0>8*- ofe" @- 651). 3m {RiWerflofter jur ©Hegen lebtat 
fogenannte ,©eelfchtoeftem", ber Äranfcnpflege unb ber ©e* 
forgung ber loten getoibmet, ohne ftlaufur unb ohne ©eläbbe. 
8uf ffiunfch ber Jiac^fommen be« ©tifter*, ber ÜRünchner 
©ürger 9?ibler, toarb auch ^ier 1483 burcb einen ütttnoriten 
at* ©ifltator eine {Reform unb ftrengere Orbnung burchgeffihrt 
unb fünf ©chmeftern, bie fleh tttc^t fügen tooöten, au%toiefen *). 

Um bie ÜJttttel ju einem neuen Shorherrenflifte »©ei Unferer 
Sieben grau" in feiner $auptftabt ju geminnen, trug 8{bre$t 
lein ©ebenlen ein paar tief banieberliegenbe Heinere ©tifter ber* 
felben «rt ju opfern. JJuerft (1492) lieg er fleh oon $apft 
3nnocenj jur Übertragung *>on ©t. Ulrich in $abaeh*) unb 
©t. arfariu« in 3(mmünf1er ermächtigen, ©tifter, bie nach beut 
geugniffe ber pSpfilichen ©ufle megen ihrer Äbgelegenheii *on 
menigen ©laubigen befugt mürben unb beren C^or^enen ein 
«nehrbare* unb jfigeUofe« geben führten. 1493 behnte $apj* 
Hlejanber VI. biefe Ermächtigung auf ba* <£$or$errenftift m 
©chfler« au*, toogegen fcon ber Äufhebung Jabach* bann Um* 
gang genommen mürbe. Die Iran*lation mürbe 1498 oott* 

1) M.B.XIX,237— 246.365— 345; Arnpeck, Gestaep. Frfe. 643. 

2) Sie 1452 unter ber «utoritfit be* Äarbinal* $etr«*, «tf*of« Mn 
Ifaglburg, für $ata$ erfafleneu €tofcungen (Oefele II, 234) fcfctnt» 
ntyt iriel gefruchtet ju haben. 



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$. t«tai$t IV. u. bie ÄWftcr. 



841 



Sogen, unter bem ©iberforudfre be« ©ifäof« ©tfta« ton ftretfing, 
ben {ebo$ eine t>0f>ftltcfye (Sntfdjeibung balb jurfidfroie«. Den <&bor 
be« neuen üRüncbner ©tifte« bilbeten ein $topft — bet crfte mar 
SHbrecb» ftanjler, 3o^aim SReuftwfer — unb 14 ftanonifer, 
unb jtoar fottten na* löblicher ©eftimmung be« ©rfinber« neben 
fünf Hbeligen unb biet au« toappenfa^igen bürgerten gamilien 
fünf bawn aüejeit Dottoren ober öijentiaten fein 1 ). 

Jlucb bet Übergang be« ©enebiftinerflofter« $rüf an einen 
©ettelorben ooüjog ficb unter Älbrecfy« ©moirfung. Bor* 
ne$mlic$ bur# bie loftftieiigen Sauten be« ftbte« ftarl ffielfet 
toaren bie gtnanjen biefe« fttofter« in feiere 3etrüttung geraten, 
bag bie SDWn<$e fi$ in benachbarte fttöfter tyre« Orben« jer* 
ftreut Ratten unb ein SSertoalter au« beut ©äfufortteru« ein* 
gefefct toorben mar. Die« gab bem $erjoge »n(a§ oon ben 
köpften ©iftu« IV. unb 3nnocenj (1483 unb 1487) bie 
Crlaubni« ju ertoirfen, bajj ba« fttofter bem ftart^äuferorben 
eingeräumt tourbe. Der Hbt ging mit t>ier ©rübern na* Wom, 
um einen $rojef? gegen ben $erjog ju betreiben, ftarb aber 
barüber, o$ne etaa« au«jurid>ten *). äu« ffieffobrunn tourben 
auf «lbre#t« ©efefrl 1498 «bt $etru« unb aße 3Kön*e in 
anbere ftlöfter au«ge»iefen, vorauf ein @*eirer SDlbncb, $einri($ 
3äcb f al« neuer SJorftanb berufen n>arb 8 ). äudj ^icr baben 
ni*t bie geiftlifyn 3uftänbe, meiere oielme^r gelobt Kerben 
(Äbt $etru« toar ein SReformmön* au« legernfee), jonbern 

1) Urfunben Bei Hund, Metr. Salißb. II, 331—341. «rnped ift 
mit 3Ubre$t ^ier fe$r nnjnfrieben (Ep. Fris., 549; Chron. Baioar., 92). — 
3u bem fcruutergefommenen £$or$errenftift ©(fyunfputyten würbe 1491 
auf betreiben be« $3i[*of« ©einriß »on 9iegen«burg mm föebborf au« 
bie Reform ber fogenannten 2Binb«$eimer Kongregation eingeführt. 
M. B. XVII, 387; Sanner HI, 549. — gür ben $au«$alt eine« 
Gtyorflifte« in btefer $eriobe f. be« ©artfcotomäu« ©oöer, genannt 
Getaner, <£$or$errn unb Äeüermriper« in fteitfcrtberg (1462—1469) 
Begistrum procurationig rei domesticae pro familia Reichersperg., öer- 
3ffentlid)t *ou SWeinbt im «r*iö f. Bfierr. @efd). LXI, 34-88. 

2) M. B. XV, 201 f.; Gemeiner III, 665; Oefele I, 102. 

3) ©te^an 2eoj>otber. clm. 1211, f. 245 v.; *gt. Leuthner, Hfct. 
Wewofont., 868. 369. 



842 



©ettctraömhe. ffotonlter. 



bie große ©$ti(benlaft be« »lofter« ba« (Singreifen be« 8anbe* 
herm herbeigeführt. SUtomünfter »urbe Don $erjog @eorg 
1487 ober 1488 mit (Srlaubni« be« $apfte* 3nnocenj VIIL 
ben ®enebtftinerinen, unter benen e* in BerfaU geraten fear, 
entjogen unb 1497 mit ©rtgittinerinen au« 3J2aria-ÜRaihtngeit 
im tötet* neu befefct; ein al« äominiftrator aufgeftellter 3JWnch 
©anbijetler mußte, ba er feine befriebigenbe ^Rechnung ftefleit 
tonnte, in« ©efängni« koanbern *)• 

3ö>if*en ben oerfchtebenen ©ettelorben gab ber gemerb«* 
mäßig betriebene Settel nicht feiten «tolaß ju {Reibereien, ©o 
beauftragte 1470 $apft $aul IL ben ©ifäof oon fflegeirtburg 
mit Unterfuchung ber Dom SRemminger Sntoniter)>r&yptor er- 
hobenen fttage gegen bie SHünchner lluguftiner unb gegen ben 
Pfarrer in Urberg (Dtöc. ©chftäbt) toegen ©eeintr&httgung 
feine« Älofter« burch (Errichtung oon mit OpferftWen oerfehenett 
Ältären unb Silbern be« h^ äntoniu« innerhalb be« best 
3Remminger Hntonitern fett unoorbenflicher 3«* sugemiefeneu 
©ebiete«. Diefer 1095 in @t. Dibier Sa STOothe errichtete 
©pitalorben ber Äntomter ober 8ntoniu«bruber, beffen $ro* 
oingialoberer für ©übbeutfchlanb ber ^räjeptor be« SRemmtnger 
ftlofter« toar, ffattt roohl fchon feit beut 14. 3ahrhmtbert auch 
in 9iegen«burg eine Heine SRieberlaffung, beren Sorftanb, mie* 
koohl in ber {Regel ber eingige ^riefter ber gtliale, ben *oß* 
tönenben tarnen „©aUcher" fährte. Sie ber ganje Drben 
betrieb bie SRegen«burger giliale au«gebehnte ©chaeinemaftung, 
loa« toahrfcheinluh barin begrüntet toar, baß ben ftntonitera 
mit Wüdfkht auf ba« ©chioein be« $t. Äntoniu« oft lebenbe 
©djtoeine geopfert tourben. Huf bem SRühlborfer ^roDtnjiat 
lonjit oon 1490 beriet man, ob bie Hlmofenfammler ber 2üt" 
toniter gebulbet toerben follten, unb besagte ba« Überhand 
nehmen ber geiftlichen ©ammler überhaupt 2 ). 

Buch in ben Äldftern ber ©ettelorben griff nun bie SReform 
um pch- S5on ben bairifchen DominifanerHSftem mürbe (2ruh* 

1) Clm. 2987, f. 30; Arnpeok, Gest* ep. Fris. 545. 550; Ur- 
tnnben im ObetbaiKr. «r*. XXXVIII, 323 f. 

2) 6$rafc, $ie «ntomtcr-^aflet? ftegenffarg (Somfoo»be*iblatt 



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Sie grüßte ber Reform haben leine 2>auer. 848 

ftäbt U47, 8aitM$ut 1461, ÄegenSburg 1475 reformiert 1 ). 
2)ie 3ngolftäbter ©arffi&er traten 1471, Die 8anto$utcr um 
1472 jur Dbferoantenregel Aber, toelche ©runbbefifc analog *). 
3m ÜRünchner ©orfügertlofler toeilte f#on 1431 eine Orben«* 
Jlommiffton, bie mit be$ ©tabtrat« Crlaubni« ba« Rlofter gu 
reformieren »erfuchte, »bamit bie 9Rön$e" — toie ber ®tabt* 
fchreiber meint — »ferner nicht m^nneten unb Unorbmmg 
trieben, tote fle btt^er bieüeicht gethan Ratten 4 9 ). 

(Segenfiber 3uftänben, toie fle oor ben großen Äonjtlien 
herrfd&ten, bfirfte ba$ lirchliche unb befonber* ba« Itöfterttche 
Seben ^unbert 3ahre fester im allgemeinen gewonnen haben. 
9te^t nachhaltige (Erfolge lann man gleid&tooht ber Sfeform* 
betoegung beä 15. 3ahrhunbert$, fo toenig man ihre SBebeutung 
unterfchäfcen barf, nicht nachrühmen. 3n ben meiften Älöftern 
rächte fich ber entfehtebene 2Wi&griff, bag man einfach jur furcht« 
baren Strenge ber alten 9Rönch$regeln jurfieffehren toottte unb 
leinen üWitteltoeg jtoifchen 3u<htlofigfeit unb enttoürbigenber 0b« 
tatung fanb; felbft bie Chorherren in ffleiharting geigelten fich 
jeben greitag 4 ). 35er neue ©ein aber hätte neuer Schläuche 
beburft. 3n Wormbach erflärte »bt ängelu* Kumpler, er 
I5nne nicht glauben, baf? bie 1451 erfolgte SReuorbnung beä 
reltgiöfen Sebent in feinem ftlofter lange SBeftanb gehabt 
habe. 3n ber St^at fehen toir fchon ben nächften 8bt Seonharb 
toieber bemüht eine {Reform burchjuführen, nach SRumpler mit 
geringem (Srfolg, ba ihn mehr blinber (Eifer alt ©achfenntni* 
geleitet h<*be. ffienn ein ^oc^fte^enbe^ ©lieb be$ bairifchen 
Äleru« felbft bie 3uftänbe fo traurig fchilbert, toie e« ber 

be* ©efammt&erein* ber bentf^en <8ef<$i<$t$- unb SUtertumfl&eretoe, 1888, 
9h. 3); Dalham, Conc. Salisburg. 243. 

1) Clm. 3684, f. 164 t. Aber bte töegenSburger 2)ominitaner *gl. 
Sännet III, 546. Über bie Deformation ber S>ominitamrtae»tt8ffer 
(«Itenbohenan 1465) f. 3>enifle, «iporiW^olit «Mtter LXXV, 82. 

2) «gl. Oberbaar. «r*U> IX, 416. 

3) ©tabtreäjnnng toon 1431 unter: Erung den gesten. 

4) Clm. 5154 a, f. 52. Unter ben 3nf*riften im ©J>etfefaal be« 
ftl ©enebiftbeuern flanb ber «uffrrn* be« »bte« Sfibor: 3<h erröte, fo 
oft ich Nahrung jn mir nehme. Clm. 4774, f. 199?. 



844 



3ußfabe bea «leruf am Snbc be* SRittelalter*. 



Hbt öon Wormbach in feinet bairifchen ?eiben«gefch«hte getfca 
hat, tft ein 3metfel baran, ba& ber geiftliche ©tanb am «u*» 
gang be« SKittelalter« trofc aller Weformanläufe an fchtoere* 
@ebre<hen Iranfte, nicht mehr juläffig. „ffio ift", ruft Xrit$e» 
miu« au«, „bie t>on SRifolau« Don (Sufa mit unglaublichem 
(Eifer angebahnte {Reform geblieben? 11 x ) WuwpUx flagt ganj 
allgemein übet Sßanget an ©ehorfam unb (Ent^altfamkit in 
ben Ätöftern unb malt bie im ftleru« überhaupt fcrrfchenben 
Buftänbe mit ben fchtoärjeften garben. Die ©nmifchung bet 
8anbe«ffirften, fagt er, oerfchulben totr felbft, ba toir feine Kegel 
mehr beobachten; aM bie golge fieht er anbauembe ©chtoächung 
ber Religion unb brohenbe« ©enb fcotan* *). HnbetfeiW be* 
bauert er ba« tiefe ©infen be« flerifalen ©nfluffe« auf bie 
dürften unb ben allgemeinen $af? unb «Biberaillen, bie ber 
©eiftlichfeit entgegengetragen toerben; „tft boch ade«, n>a« mir 
befifeen, ben 9to<hlofen ein Dom im Äuge/ Sber tiefe« Übel» 
tooüen, biefe ©eringfehäfcung fyit ber Steru«, tote Hbt Hngelu« 
einräumt, bur$ $abfucht unb ©ütentoßgfeit felbft öerfchulbet 
„3whWB ©eneftjien toerm&gen ja laum mehr unferer ©ier ya 
genügend Da« <S5tibat«gebot fcheint faft häufiger übertreten 
al« beamtet toorben )U fein. Da aber bie fachlichen Sntoritäten, 
©ifdjSfe unb ^noben, boch nie abliegen auf feine Beobachtung 
ju bringen, entftanben bei manchen ©eifiluhen bie fchmerften 
©eelenfämtfe. „3n meinem dnnern", fchreibt einer tiefer 
betoeibten ^ßrtefter an feinen ©ruber, ber SWtach toar s ), 
„herrfcht beftänbiger ftrteg; oft nehme ich wir fcor umjufehren; 
tomme ich aber bann nach $aufe, treten mir ffieib unb ftinber 
entgegen, bann regt (ich bie Siebe ju ihnen mächtiger al« bie 
Siebe ju ©Ott unb mich felbft ju übertoinben tüirb mir unmög* 
lieh." ÜWit ©ier toarf man fich auf eine fceretnjelte ©chrift, 
toelche nach bem Vorgang eine« Weformwfchlag« 4 ) oom ©afeler 
flonjtl bie ftflhnheit hatte, Aufhebung be« SSlibat« ju empfehlen. 

1) 2>tttrl* im $tfl. 3a$tfu<$ b. ÖSae^cfcüf^aft, 1882. «. 673. 

2) Hirt. Formbac. 445. 461; Hirt, calamitatnm, 116. 117. 
8) Clm. 8382, f. 1. 

4) Clm. 4362, f, 148. 



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Geißige BUbitng. 



845 



3)a)it mar ber ftleru* unter. fi($ fetbft entjtoeit, bie niebetc 
©eiftlicfyfeit gegen bie $ö$ere, bie ©äfulargeijtiufcfeit gegen bie 
9Rönc$e t>on »erftimmung imb SDWfaunft erfüllt. Den ganjen 
©tanb ^atte tiefgefcnbe ®a$rung unb Unjufriebenfrit ergriffen l ), 
an fetner ©pifce aber ftanb ein SUejanber VI. 



titoto faptteL 
©Übung, Siterttnr trat Änfi. 

(Srft im legten Drittel biefer (Epoche finb bem geiftigen 
geben nnfere* Vaterlanbe« (Erfriföung, Vertiefung unb neue 
Sahnen gewonnen toorben, al$ ©aiern teil« unmittelbar bur$ 
Italiener toie (Enea ©ilblo teil« bur$ beutle ©ctyüler ita* 
tienifc^er 2e$rmeifter tote ßeltt« in bie lebhafte $umantfttf$e 
©etoegung ^ineingejogen mürbe. Sbgefe$en baoon, ma#t fi$ 
ber bemo!ratif$e 3ug, ter bem au$ge$enben Mittelalter fein 
©eprage gibt, auety auf allen Oebieten ber geiftigen ftultur 
geltenb. fflie am (Elementarföulunterridjt narren fl# nun 
an ber UnioerfitöMbilbung, für bie man ni#t me$r auf Otalien 
unb granfrety angetoiefen ift, toeit au«gebe^ntere ftretfe als früher 
unb fotoo^l an ber poetifdben toie an ber gelehrten Siteratur ift 
»oltttümltcfce Verbreiterung ba« $er&orfte$enbfte neue SDlerfmal. 
3meimal förbert ein te#nif$er gortföritt ben quantitativen 
Staffelung ber literarifebep $robuftü>n. 3uerft ermöglicht bie 
Verbreitung be$ too$lfeileren Sumpen^apier« *) an ©teile be6 
Pergament«, bie feit 3»itte unb (Enbe be$ 14. 3a$r$unbert« in 
größerem Umfange auftritt, baf? fi$ nun me$r gebern in ffle- 

1) 9htr bie« tarnt bie große ©erbrettmtg einer ©flrift tote bie Epi* 
stolft de miseria enratorum (f. fgb. Sttytiü) erttffren. 

2) 9n fty blieb $a#er noefc im 15. Sabrbunbert ein teurer ftrtttet, 
1430 tojtete in SRÜncfcn ein ©u* $a$ier 12 Pfennige, faft fo biet toie 
ein xeicfciiifcf SWittag«raa$l mit ©ein im ©ittSbanfe, tutb in ben Kammer» 
retyutngen ber Cttabt toirb jebe« cingetaafte befonber* oerre<$net 



846 



Soiriföc gtafbrncto. 



fcegung fefcen als borget. Die* tft aber ntt&t ju bergtetyest 
mit ber toettgeföic$tlic$en Unttofiljung, toclc^e gegen ben @$htg 
unferer Verlobe ©utenberg« gewaltige Crfinbung ju oben beginnt 
9la<$bcm eine Äetyc oon fränfifcfcn unb fc^m&bif^en @täbten 
in ber 9ta#barföaft (Samberg 1461, «ugtturg U68£9iftn£ 
berg 1470, Ulm 1473) mit bet ©rünbung bon Drucfereiai 
vorausgegangen toar, folgten bon ben bamf$en ©täbten no$ 
im 15. 3a$r$unbert, fo bafc fte fic$ türmen Bnnen {Biegen* 
brucfe $eroorgebra#t )u $aben: Sauingen (1473) , (Sic^ftäbt 
(1478, ÜWtyael Weifet), 3Run$en (1482, 3o$ann Stauet, 
bann bon ben $et}Ogen berufen, 3o$ann @<$obfer, beibe juerft 
in «ugtturg tyattg), $affau (1482, im Setein mit ©enebttt 
ÜWatyr juetft ftonrab ©ta$el, bann 3o$ann 9(aftam, baneben 
3o$ann $etrt), SRegenäburg (1485, 3o$ann ©enfenfömtb unb 
So&ann S3eden$ub, bann 3aIob b. ®ouba), Sngolftabt (1487, 
3o$ann ftacfclofen, fobann Sßarj ftyrer, ©eorg Ötyrffel) nnb 
greifing (1495, 3o$arat ©Rafflet), ©d^ftäbtet ©rüder tourben 
bom ©firjburger SBtfc^ofc na# ffifitjburg berufen unb lieferten 
bort ba* erfte mit einem ftutferfticfc (oon ©eorg Steifer) ber* 
gierte, gebrucfte SBudfr. (Sin geborener 3ngoIftäbter, Ulrich $an, 
1467 bom ftarbinal lorquemaba na$ Äom berufen, toar ber 
britte beutfäe ©uctybruder in ber einigen ©tabt. „Imprimit 
ille die, quantum vix scribitur anno 41 , rühmte bon tym ein 
italtenifäer ©ifc$of. Äu * V*>* bairtfcfc ©eiftfu^e, ©eorg 
©a^fel bon 5Reu$en$a£[ unb «art$olomäu* ©oifö, »firger* 
fo$n au« $o$entoart, geflJren }u ben frfi^eften Drafern in 
«om (fett 1474) *). <£$rifto# ffiatbarfer, ber 1471 ju 
Senebig eine prächtige 8u«gabe be* Decamerone, feätcr jn 
SWailanb brudte, foioie anbete Benebiger ©rüder: 8eon$arb 
ffittb unb bie ßarbo (Äo$l) toaren geborene »egenflburger *). 

1) Qolfcft teerte na* ©atcrn jnrfid, too er 1488—1499 alt Dcfan 
unb Pfarrer in feinem <&c*nrt«orte erfoetnt; M. B. XVII, 380. «40—249. 

2) ©o u. a. Panzer, Annale« typographiei ; Hain, Bepertor. 
bibliograph.; San (maun r Sflnflrterte ^tf#$te ber 8a4taufedu4l 
(1883); Gemeiner III, 644. 3n fcinbifott, für *d«t* et* 1514 al« 
tftcftcf 2>nt<fia$r genannt toirb, brudtt 9L ©nnn ftxnigfkif e. 1506, 
1504; Dgt fttentin III, 669. 570. 



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SolWfdjnle. 



847 



£)ie Clementarbilbung ber ©olWfcfcule, bie {Religion, 8efen, 
©^reiben, 9te$tten unb ©efang umfaßte, mar am »uägang be* 
SJüttelalter« im Soel unb ©ürgerftanbe jiemlicty allgemein, au$ 
bei dauern ni#t atlju feiten. 3n Dielen ßlöftern beftanben 
neben ben inneren Schulen, meldte für ben getftlictyen ©eruf 
$eranbilbeten , äußere für meltlid&e ©ctyiler, bie meift bon 
©auewfinbern befugt mürben. 3n ©enebiftbeuren $atte biefe 
©#ule einen tpeUHc^en 8e$rer. 35er tüchtige Hbt SRarjiß *on 
©enebiftbeuern (1483—1504) $at felbft 8e$rbü#cr »erfaßt; 
ber ftanjler 9teu$aufer nennt tyn feinen 8e$rer 1 ). Äüen 
Äoüegtatftrc^en mar bur$ ba$ ßateranfonjil Dom 3a$re 1215 
bie ¥fltc^t auferlegt ©d&ulen )u galten *). Sie ber ©rang 
na# fcöfrerer ©Übung, fo griff am (5ni>e biefe« 3 c taaum$ au$ 
bie ©egierbe be$ Soll* na$ elementaren ftenntntffen meit um 
fi$. 83on bem ©auern Utri$ $ad>ler fcon <5nterba# (bei 
ftreut) $8ren mir, baß er no$ na# feiner S3er$eiratung ote 
(Erlernung be6 8efen$ unb ©^reiben* nabelte 8 ), »einer 
©tabt burfte im 15. 3a$r$unbert eine ©cbule gefehlt £aben; 
in ber Siegel befanb fic$ eine feiere bei jeber ftäbtifd&en $farr* 
firetye. 3n ben ÜRärlten mar tyre Slnja&l geringer 4 ), aber 
au$ in mannen $)8rfern beftanben f$on Spulen, fo in Keinem 
Umfreiä, mo freiließ bie alte ftulturftätte legernfee befrudtfenb 
mirfte, in ^oIjKrd^en , ®munb, (Sgern, Rreut. Die ältefte 
ftaatli($e ©cfyilorbnung oon 1548 fefct beutföe ®c$ulen auf 
bem tfanbe aW befte$enb torau* unb bie feit Crfinbung ber ©u$* 
bruderfunft in großen ÜRengen verbreiteten ®ebet*, GrrbauungS* 
unb Unterri$t*bu$er, auc$ ©olWbfityer meltltcfcn 3n$alt* [teilen 

1) Meichelbeck, Chron. Benedictobur. I, 216. 

2) utfen, ©cfötfye M gelehrten Unterrichts (1885), @. 12. 

3) Olm. 1224. 

4) fcaifenberger, 8ott«fa)n(en ber jmeiten $a*lfte be« SR.-«, in 
ber SMBcefe «ug«bnrg (Millinger Programm 1884/85), ®. 48, $at nur 
in 7 bon ben tne$r aW 50 SDWrften be6 Grengels ©$uten bor ber 
Deformation na^weifen Wnnen, ml^renb er in »eiteren 6 ben ©eflanb 
einer fotfrn für ma$rfc$eintt<$ flKt. — Über Sotttfönttoefen in SWüu<$en 
f. an* Oberbaar, «r$. XIII, 48 f. 




848 fttieinföuien. «nfl&tbitte UnitxrfttSten. 



aufjer 3u*ifel, bafc bie gä^gfeit be* 8efen* in ben nieberen 
©täuben mett verbreitet mar. Der Unterricht nmrbe metft 
burch einen befonberen ©chulmeifter, jumetlen auch burch ben 
SRefjner beforgt, fehr oft nxiren bie betben Ämter Derbunben. 

gateint jchen Unterricht, ber auf ©tobt* unb fttofterfchnlen 
befchränft mar, gab an manchen Orten ber ftantor ober ©$ut* 
meifter, anberioärt« mürbe er oon ber $farrgetftltchkit, in ben 
ftloftern oon ÜRönchen erteilt 3n Sreifing führte »ifaof 
©i$tu« jehn S^orfänger ein, bamit bie Domfchüler burch ben 
ftirchengefang nicht aüjufe^t oon ihren ©tubten abgejogen toir* 
ben 1 ). 3n SRabburg ffattt nach ber ©chulorbnung oon 1480 *), 
bie bereite al* erneuerte beaeichnet toirb, ber ©chulmeifter in 
©ommer noch ber 83eft>er lateinifchen Unterricht &u geben. 
Diefe intereffante ©chulorbnung belehrt un* auch, ba§ felbft 
bie ©orge für förderliche Pflege ber ©chule nkht oddig fremb 
loar: unter Xufficht be* ©chulmeifter« nahmen bie ©chüler im 
©ommer falte ©äber unb tummelten ftch {eben STOittiooch in 
gemeinfamen ©fielen. 

Die ^d^ere geiftige äuäbilbung toarb nach nrie oor auf ben 
Unioerptäten $ari$, Bologna, ba* im 15. dahvhunbert eine 
„bairifche Station" ^atte 8 ), $abua, $aota, nun aber auch $rag, 
$eibelberg unb ffiien gefugt Hu« ber SWfinchner gamilie 
SRibler 3. ©. ftubierten im 14. unb 15. 3ahrhunbert gamUien* 
glieber ju $abua unb ©ien 4 ). Söiehr unb mehr machte ftch, 
■Denn auch ber geifttbtenbe gormaltfmu* ber ©cholafttf bte 
h*3^rc ©Übung nach beherrfchte, infolge weiterer 

ftenntni* unb tieferer Srfaffung be# tUtertum* ein geiftiger 
9ufjchmung auf mannigfachen Gebieten bemerflich. Such für 
bie neuere ©taatäfunft unb Diplomatie begann allmählich 
furiftifche ©orbilbung al* unerläßlich unb humaniftifche at* er« 
toünfcht ju gelten. ©0 mußte ber ©ebanfe toach toerbeu, ba| 

1) Arnpeek, Gert. ep. Frii. (fcentinger, öcitr. III, 544). 

2) eo ©firblnger tu ber ©awurfa II, 877. 

3) Siele bairif<hc 6tubenten nennen bte Acta Nationis gerat, uni- 
rerrit. Bononien*., 1887. ©gl <tn$ oben, ©. 461. 

4) gamilienchronit int Dberfctycr. *r<hi* V, 100. 



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©rüubung ber Unioerfitfit 3ngolpabt. 849 



ber batrifchen 3ugenb, bic ju (Belehrtest unb «Staatsmännern 
ftc^ auÄbtlben tootlte, im 8anbe felbft tote SRittel baju geboten 
toerben fodten. Dafc bietet naheliegenbe ffiunfch jur fruchte 
baren I^at matb, oerbanfte Satern ber <Stnfi$t $erjog 8ub* 
toig« be« Weichen. Der hW*« Stufe be* Unteuicht«mefen« 
hat alfo ber ©taat juerft, lange bor »oltt* unb SKittelfchulen, 
feine gürforge jugeroenbet. 

SBieÜetcht ffat einer ber fmmaniften, mit benen Ötbtotg 
SSexfe^r unterhielt, etma fein fpäterer SRat SWartin ÜRatr 
ober ®regor oon $etmburg *), auf feinen (Sntfc^lug eingetoirtt; 
ftcher ift, bafc btefer f$on 1458 feftftanb unb tag gleich 
oon Hnfang an 3ngolftabt al« ®ife ber Unioerfltät in« äuge 
gefaßt mürbe. Die ©tabt foüte baburch fär bie berlorene 
©ürbe ber Siefibens (Srfafe getotmten, foüte neben bem Surften^ 
fiße 8anb$hut jur geifttgen Hochburg erhoben toerben. Durch 
eine Weihe bon geiftlichen Stiftungen, bie fleh ummanteln liegen, 

1) &n (Suea @itoio ift be«$alb wo$t ni<$t ju beuten, weit e* befien 
©^reiben *om 7. Bprit 1459 Caum berföwiege, wenn er ben Slnjtoß ge- 
geben tyätte. 3n bem ©trifte be« ©efanbten Sewburg an Subwig au« 
SWantua bom 13. 3uni 1459 (6t- V.) wirb erwähnt, ber $atfi $abe 
„bic «erbflnbnuß ber ©tift" ntc^t getobt, weiter ift bon „ber ©tift unb 
ber extebigten ©oMgabe" bie Webe. Ob bie« auf ben Uniberfitfttytan 
fi$ bejie^t, tji jweifelfyift Uber bie ©rttnbung Sngotßabt« f. bor altem 
$rantt* rei$$attige ©ef$ii$te ber Subwig-SWajcimitian^-Unioerfltfit in 
3ngolftabt, 2anb«$ut, SWün^en (1872), in beren 2. ©b. man au* bie 
meiffcn wichtigen Urfnnben unb Stttenftficfe gefammett finbet. @o ferner 
Mederer, Annales Ingolstad. Academiae, 4©bt, 1782; de Crozals, 
Conspectus historiae Ingolstadiens. Academiae dniante primo a fun- 
datioDe saecolo (Thesis, Paris, 1877). Le Pere Verdier e S. J., 
Histoire de l'universite* d'Ingolstadt, Paria 1887 (2 ©be.) feiert bie 
Unioerfität al« ©oltwerf be« alten ©tauben« gegen ben $roteftanri«mu«. 
$fitte fäon bei ©rüubung ber Unioerfitfit bie «bfi<$t „eine Citabefle gegen 
bie $firefie ber $ufiten )u errieten" eine fo große Wolle gefriett, wie 
Serbifre annimmt, fo mflfcte bie« in ben Stfteuftficten au« ben Sagten 
1458 unb 1459, wet$e fl$ auf ben ©rttnbung«*lau bejiefcen, Ku«bru<! 
gefuuben $aben. 2)ort flnb jeboa? bie ©orte: orthodoxae fidei veritas 
illastratur atte«, wa« fl$ für biefe Buffaffung oerwerten lägt. 2>ag bie 
tta^Sltniffe bann anber« tagen, at« bie Unioerfltfit wirttt* in« Sieben 
trat, räumt »erbttre (@. 21) fetbfi da. 

«teilet, «eftiftte »aknti. m 54 



850 



$rfinbttiig 



bot fie bie SRittet 3ut ©tünbung. ©efunbe 8uft, Überflufj an 
8eben*mttteln unb beträchtliche Entfernung bon anbeten Um* 
mfitfiten nannte ber £>erjog felbft at* ihre günfttgeo «Je* 
bingungen, al« er im 3a$re 1458 bem ihm perfSnlicb betannten 
Zapfte $iu* IL (fetea ©iloto $iccolomini) fein Anliegen oot* 
trug. Durch ftubierenbe 8eute, fo ^abe et Idngft erlöge«, 
»erbe ®otte« ÜWaieftat geehrt unb bie ffiafcrfctt be* regten 
©lauben* in* Sic^t gefefct, toerben Xugenben ertoorben unb 
baburch ^intoiebetutn ber äßenfäfaU ®lfid befdrbert. Demnach 
toünfcbe er, bafe jum Stuften be« ©taate* in 3ngolftabt ein 
Studium generale mit ollen gafultaten errietet toerbe. Der 
$apft antwortete am 7. Hpril 1459 bon ©iena au* juftimmenb 
unb beftimmte, bog für bie neue Uniberfität biefelben Freiheiten 
unb Sorretye gelten follten wie für bie belanntlicb nach be» 
$arifer SSorbilbe begrfinbete ©tener Uniberfität. 9ta$ mittel 
alterlicher Äuffaffung floffen geiftliche* unb geifitige* ©ebiet 
allertpart* inetnanber über. Die Änrufung be« $ö$ften Rrch» 
lieben Oberhau^te* war atfo natürlich, überbie* mar feine 3** 
ftimmung ndttg, ba bie Änftalt au« Dertoanbelten getftlfchen 
$frünben ihren Unterhalt gewinnen follte, ©eit turpem be* 
ftanben jtoar im {Reiche Won bie Unioerptäten ©retf*u>alb unb 
greiburg auf ©runb laiferficber ©eftatigung an ©teile ber alt* 
hergebrachten ptyftltchen. Subioig* lanbe*herrlicbe ©ferfucht 
gegenüber bem ftaifer unb baju ba* f$le$te Berhaltni«, in 
ba« er fi$ bureb bie Sefefeung Donauwörth* ju biefem eben 
gefefct ^atte r etftören e* ieboeb j»r Qenüge, bag ber $erjog 
bei feiner Stiftung ber fatjerltcben Äutoritfit lein 3ugeftänbm* 
machen wollte. 

Durch ben ftrieg mit Ätbrecbt bon Sranbenburg unb bem 
ftaifer würbe bie au*ffihrung be* $lane* merjehn Söhre lang 
berjögert 3n ber ä^fchenaett backte ber $erjog bie 3ngot* 
ftäbter $farrfircbe in ein ftoOegiatftift umwanbeln ju taffett 
unb mit biefem bie Untoerfität m oerfnütfen. Die $frünben 
be* ©tifte« fönten mit Doftoren be* geiftllcben unb weltlichen 
Stechte* unb einigen Dom $erjoge felbft ju emennenben 
magistri in artibus liberalibus befeftt unb biefe Chorherren 



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ber 8anbe*tttii*erfUSt 3ngotflabt. 



851 



fottten *ertfli$tet »erben Borlefungen ju galten. $apft $aulH. 
ging jtoar auf triefen ®ebon!en ein unb beauftragte im 3a$re 
1465 ben W>t t>on $tanlftetten unb ben Stopft bon getrieben 
mit ber Durchführung *), boc$ blieb ba« ^rojeft au« unbe# 
lannten ®rünben auf bem Pergament. (Srft Dom 2. 3anuar 
1472 ift ba« <Sr5ffnung«i>atent be« $erjog« battert, aber bi« 
}um folgenben 25. 3uli, an meinem Zage <E$rifto}>$ äßenbel 
jum erften SReltor gemäht tourbe, toaren bereit« 489 ©tu* 
benten immatrifutiett. 9m 26. Sunt Dofljog ber $erjog bie 
feierliche ©moetyung in «nmefen^eit feine« ®o$ue« ®eorg, be« 
?fal»grafen Otto Don 5ReumarIt, ber fflifööfe Don (Styftäbt 
unb 9tegen«burg, eine« ©otföafter« be« JWnig« ÜWatfcia« Don 
Ungarn unb Dieler geiftlic&er unb toeltlu$er ffiürbenträger. 
Die latcüitfc^e <Sr5ffnung«rebe *) $ielt be« $erjog« Ieitenber 
©taat«mann, ÜWartin SKair. @ie friegelt in tyrer Sßiföung 
Don ibealen unb toeltltcfcn Oebanlen unb SRotioen fotoo^I bie 
Statur be« «ebner« al« bie Kbftyten be« Stifter«. (Segen* 
über ber 33ergänglt$!eit ber 3ßa$t unb $errf$aft toirb bie 
$erle ber ffiiffenfc$aft gepriefen, bie ben ffieg ju einem guten 
unb feiigen Seben eröffne, ben äßenfäen ber ®ott$eit äfttlidfr 
ma$e, aber auch toeltlid^e Sorteile ni$t Dermiffen laffe. Dem 
gefeierten ©taat«manne, ber fi$ bur<$ geifrtge Äraft unb Sin* 
ftrengung emporgefätoungen $otte, !am e« mo$l re$t au« bem 
$erjen, toenn er auf berühmte gflrften unb ^Uofo^en be« 
Hltertum« frinmie«, bie bur$ ©iffen unb Xfi$tigteit au« ntetv 
rigem ©tanbe aufgefliegen toaren. Son Dielen ©eiten, meinte 
ber Webner, »erbe Jefct eine »erfc$lec$terung ber 3ett befürchtet ; 
i$r ISnne nur burety allgemeine JBefferung ber inneren ®efta* 
nung Dorgebeugt merben, biefe aber fei nt$t möglich o$ne Xugenb 
unb 28iffenf$aft. ^rofefforen tote ©tubenten erhielten fobann 

1) Mederer, Annales IV, 19—22. 

2) $au er bat in feinen Gesta dnenm Bavariae (clm. 1214, f. 40. 
46) auger biefer Siebe SWairS au$ eine Oratio Johannis de Babinstain 
in erectione achademiae Ingolstat. aufgenommen, »orin bie $erjoge 
Subtoig unb ©eorg gefeiert unb bie in Sngolftabt betriebenen ©iffen- 
ftyiften ntyt nnlntereffant beft>ro$e» »erben. 

54* 



852 



Orfinbung unb «nffage 



i^te Ermahnungen, bie erfteren unter anberm, tag fte ihre 
Vorträge nach beut gaffung«bermflgen ber $5rer einrichten unb 
nicht nur in ©elehrfamleit fonbem auch in guten Sitten unter« 
toeifen feilten; bie Stubenten würben gu gleifc unb eingebogener 
8eben«toeife, jura Streben nach einer humaniftifchen , über bie 
©ebfirfuiffe unb ©eföfifte be« täglichen Dafein« ftch erhebenben 
©Übung angefeuert. 

Die urforfingltch beabfichtigte ©lieberung in bier Nationen 
toarb in 3ngolfiabt aufgegeben. Stbmeichcnb Dom ffitener 95or* 
bilbe, näherte ftch bie Stiftung bereit« ber universitas doctoram; 
nur furje 3«* noc ^ tourben bei nichtigen Uniberfttät«angelegen* 
heiten auch bie Stubenten ju Slot gejogen; balb lieg man bie« 
gänjlich faden. &um ftanjler ber Uniberfitat toarb ber je* 
»eilige Öifchof bon ©chftfibt beftimmt; ben SRat bilbeten ge* 
mahlte $rofefforen aüer gafaltäten. Die Promotionen in ben 
brei ^ö^eren gafultäten, ber theologifchen, jurifttfehen unb nte* 
bijinifchen, behielt fich ber $erjog bor r toahrenb bie äßagtfter 
ber Kräften* (phüofo^htfchen) gafuttät burch SEBa^l ftch felbft 
ergäben burften. Septem tote Stubenten toarb &oü* unb 
SHautfreiheit für aü ihr $ab unb ®ut im ganzen $erjogtume, 
baju toahrenb ihre« üufenthalted in 3ngolftabt Steuerfreiheit 
mit Hxa nähme ber unbeweglichen ©fiter betoiUigt. Dem fflettor 
tourbe bie (Sntfcheibung ber Sioilftrettigletten gegen Stubenten, 
auch bie freiwillige ©ericht«barfett, bagegen alle ftriminalfäUe 
nach erfolgter fiognition be« 8ie!tor« beut gorum be« Äanjler«, 
be« ©ifchof« bon (Sichftäbt, fibertoiefen. Da« Unfoerfttat* 
gebaute unb ber iuriftifäe $drfaal bitbeten eine „gretung*, bie 
ieboch feinen SDWrber eine« Stubenten febfitye, fofern biefer 
nicht felbft Stubent mar. 

gär bie Dotation feiner Stiftung hatte ber $et|og, ohne 
boch feine eigenen Littel irgenbmie in Änfpruch ju nehmen, 
fchon feit 3ahren geforgt. 3n ber $auptfache toarb fie gerabe 
au« folchen geiftlichen Stiftungen gewonnen, bie am toenigfien 
mit bem geiftigen ©ebiete fich berührten. 3ufolge einer Srif* 
tung Subtoig« im fflart, bie fein Crbe $einrtch ber Weiche 1449 
in« fflerf gefefet hatte, lebten in 3ngolftabt in einem befonberen 



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bet SanbeSuntoerfUfit Sngotfiabt 



$aufe fünfeehn arme $frfinbner mit bet Verpflichtung, täglich 
SWeffc }u f)$xtn unb eine Bnja^t $atemofter unb Äöe^SWatia 
}u beten, fetner acht „<ßfaltriften", benen an Subtoig* ®rabe 
unter Segleitung ber Orgel ju fingen oblag. Schon in ber 
©eftätigung*urfunbe be* ©ifchof* 3ohann bon flrichftäbt Don 
1454 mar oorgefehen, bafc bie leitete Stiftung ffinfttg auch 
ju einem befferen unb ^etlfameren 3»«fe oertoenbet »erben 
fönnte, unb tieftest ^at fchon bamal* bei $erjog Subtoig ber 
$intergebanfe ber UnioerfÜät*grünbung mitgefpielt. 1465 toarb 
nun burch $apft $aulll. biefe Stiftung ber Untberjität überliefen. 
Da* ^frünbnerhau* tourbe unter bem tarnen „Äoflegium" 
al* Uniberjitat*gebäube eingerichtet. Die gleite Umtoanblung 
erfuhr eine anbete jugunften jtoSlf toeltltcher ^erfonen bon 
Shtbtoig im ©art gemalte Stiftung. 1466 über tote* ba* &ty 
ftäbter Domfajritel brei feiner $frfinben ber UntoerfttSt; burch 
päpftliche Verfügung (1469) tourbe ben Pfarrern bon St.SRartin 
in 8anb*hut unb Unferer Sieben grau in Sanbau a. b. 3far 
ein ©eitrag bon iährlich 15 2ßarf ©Uber für bie ^rofefforen 
ber UnioerptSt auferlegt, (gnbltch reformierten fjerjog Subtoig 
unb ©tfcbof ©«heim bon ©chfiäbt 1471 ba* 3ngolftäbter 
f$ranji*fanerflofter nach ber Siegel ber ftrengeren Obferbanten, 
toelche feine Immobilien ober Cinfünfte au* folgen befifcen 
burften; bie baburch ^eimgefallenen Äloftergüter mürben ber 
Uniberfität übertoiefen. 9lach biefer 2lu*ftattung ^at man für 
bie 8fafang*jeit ber Uniberfität eine 3a$re*rente bon 2500 fl. 
rhetn., nach heutigem Oelbtoert ungefähr 85000 äßarf beregnet. 

Die lanbe*oäterltche gürforge ihre* Stifter* blieb ber Uni* 
berfität, bie bamal* al* (S^mnafium, Stubium ober Ufabemie 
bezeichnet tourbe, auch fpäter betoa^rt. Die erfte, an bem 
©oigtlänber 3ohann <ßermetter bon Sborf boüjogene Promotion, 
e^rte $erjog gubtoig burch feine Hntoefenheit unb ein fürft* 
liehe* geftmahl. Ml* fich balb jeigte, bafc bie geringe än&ahl 
bon $rofefforen in ben brei höhten gafultäten manche Stu* 
bierenbe veranlagte, jur Promotion eine anbere Uniberfität 
aufjufuchen, ertoirtte ber $erjog bon $apft Sijptu« IV. bie 
Grrflärung, bafc bie 3ngolftäbter Promotionen, toenn auch bon 




854 



2>ie erfreu 3a$rgefyite 



mettigen ^rofefforen ooöjogen, leine geringere ©ilttgfeit hätten 
al« bie oon ©ologna unb ©alamanca. »nbere 3»8cpänbirtffe 
bedfelben $atfte* maren für ba« ©ebei^en ber Untoerfitit 
triebt minber mistig. $atte $onoriu« m. ben Ideologen unb 
$rteftern ba« ©tubium be« römifchen JRechW unterlagt, fo 
marb biefed ©erbot nun für 3ngolftabt aufgehoben, femer 
mürben aüe Sehrer unb ©tubierenben Sngolftabtt, melche getft* 
liehe $frtaben genoffen, oon ber $fli$t j*rfönlfeher «nrnefeti* 
heit am Orte ihrer $frfinbe, melche filtere pfipfttiefc ©afcmtgen, 
oielfach freilich ohne Crfolg angeorbnet Ratten, entbunben. 8u4 
allen beutfehen (Sauen, aber auch au* fremben Sanben }og bie 
Umoerftt&t $5rer an. gflr bie erften jmei 3ahrjchnte barf 
man bie £ahl ber anmefenben ©tubenten jährlich auf 500 btt 
600 fö&fcen, oon 1494 bi* jum ©$tuffe biefe* 3eitrauntf 
mar ber ©efuch etma« gefunfen. Die oermSglicheren ©tu* 
bierenben lebten meift für fich allein, bie ärmeren in Surfen, 
mo pe gemeinfame ftoft, 2Bo$nung unb SRachhtlfe im Unterricht 
genoffen. 3eber Surfe ftanb ein jugleich al« {Repetent tätiger 
SWagifter oor, oKe Surfen aber ftanben unter ber Srtiften* 
fabdtfit. 

3n ber Einteilung ber gaftiltfiten geigte Sngolßabt bie 
CigentümlichMt, bafc bie Srtiftenfalultät anfangt auf bie «n* 
regung Martin SHair* f?w nach einem alten $arteigegenfa$e, 
ber meniger auf einem Untertriebe ber Se^re att ber Sehr* 
mittet beruhte, förmlich in jmei neben einanber beftehenbe 
galultäten gehalten mar. ©ährenb bie antiqni bei örrflänntg 
ber ariftotelifchen Sogit unb i^re* Onterpreten, be* $etm$ 
frifpanu«, an bie älteren f$olaftif$en Tutoren, Ulbert ben 
©ro§en, Zf)omat oon «quino, Dun« ©cotu«, fuh anfchloffen, 
folgten bie moderni einer burch Odam angebahnten ©ttömung, 
Aber bereu »orherrfchen fäon mehr als hwnbert 3ahre oorher 
ftonrab oon SWegenberg geftagt hatte, unb jogen auch ©Triften 
heran, meiere ben $etru« frtfpanu* ermetterten unb fortbilbeten. 
Die 3metteilung ber gafultät mar jeboch nicht im ©tanbe, 
smifchen ben beiben Parteien grieben ju fchaffen. ©eit 1475 
fam e* ju ©treitigleiten, bie antiqui befchmerten pch, baf bie 



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bet SanbeSuntoerfttÄt 3ngolftabt. 865 



moderni i$r numerifcheS Übergemicht ju einfeitiger $errfchaft 
auSnüfcten, biefe bagegen richteten gegen ben ^rofeffot imb 
»ijetonjler ftarl gromont, einen $arifer, fe$r meitgeheube Hn* 
Sagen, unter benen bie Hnftiftung bon ^mietracht noch eine 
bet mtlbepen mar. Stjürnt über biefeS <8ej5nf, berorbnete 
ber $erjog 1477, bajj fortan betbe {Richtungen nur einen 
©efan als gemeinfameS Oberhaupt haben fotlten, unb als bie 
antiqui pch nicht fügten, tarn er felbft mit feinem ©ohne nach 
Sngolftabt unb berantafcte bie gafultät, bie frühere 3meitetlung 
grunbjäfcltch aufzugeben, «bentin berietet als eine Äußerung 
beS $>erjogS: er $abe p$ in ^ngolftabt eine $o$f$u!e ftiften 
unb Juristen motten, bie ihm 8anb unb Beute aufstehen 
raten unb Reifen fönnte, nun aber [ehe er mohl, bag bie $ro* 
fefforen mehr beS {RateS bebflrfen als er felbft unb bafj e$ 
bielmehr nötig fei, ihnen ju raten unb ju Reifen, als bag fie 
bieS bei anberen beruhten. 

Nach 8ubmigS 5Eobe magten bie antiqui fid^ mteber ^erbor 
unb gebärbeten pch als eigene gafultät, bis fie $erjog ®eorg 
unter ©ejeigung feiner Ungnabe in ihre ®<hran!en jurficfmie«. 
Diefer gürft machte pch um bie Uniberptät berbient burch bie 
Stiftung (1494) beS noch tyutt blfihenben ÄoöegiumS, baS 
feinen Tanten trägt (®eorgianum) *), einer SBurfe für elf ©tu* 
bierenbe ber Ideologie, melche bie elf größeren ©täbte beS 
SanbS^uter SanbeS jur aufnähme borjufchlagen berechtigt maren. 
©ner Hnorbnung beS Nachfolgers , Wibrechts IV. berbanlte 
bann bie Uniberfität 1507 eine grünbliche unb mohlthätige 
SRebipon ihrer fämtlichen ©tatuten. 



beginnen mir nun unfere Umföau in ber Siteratur mit ber 
nationalen $oepe , fo finben mir biefe in eilte tangbauembe 
(&po6)t ber Dürftigfeit, £)be unb Bermilberung eingetreten, Aber 

1) 3>iefe ©ttftnng ijl cS, bie Celtt« in beut Stfgramm in, 77 be- 
fangen hat. 




866 Cotttföanfoiel CrjÄhfongen. Äanfringer. 

toelche man fleh auch in ©aiern nirgenb ergebt. 3n ber ®ai* 
tung, meiere tooht ber gr&&ten ©irfung auf bie 3Raffen ftth 
erfreute, im »olttfchaufoiel lägt fi$ mentg profrinjiell ©e- 
frtmmte* unb (Eigenartige* frerjeichnen, fomohl in ben SDtyfteriat 
unb äßoralitäten, bie an fir$lid?en geften bargefiellt mürbe«, 
al$ in ben hoffen unb Starrenfoielen, melche in ber gataac^t 
aufgeführt, beten !lu$gelaffenheit atmeten. Da« Qerbtonttföe 
getoann f)\tt breiten 9taum unb brang felbft in bie fachlich« 
SKhfterien ein. (Sin ©chulmeifter au« Sngolftabt Kamend 
©enebift Deb«, ber nach SHrol auflgemanbert mar unb 1515 
in ©ojen ftarb, hinterließ jtoei hanbfchrtfttiche ©änbe mit frier* 
ge$n $affton«|>ieIen h^hft rohen unb unflätigen 3n$alt« *). 

Such bie frolMtümltch erjählenbe Sichtung vertreten tum 
berbe unb unfeine DarfteHungen, bie gleichtoohl Seic^ttgteit unb 
Crjähtertalent nicht frermiffen laffen: mir meinen bie ©ebichte 
be$ fahrenben ©pruchbuhter* Heinrich ftaufringer, ber um bie 
©enbe be$ 14. unb 15. 3ahrhunbert$ gebläht ju höben fcheint, 
mohl nteift im HugÄburger Sprenget Derfe^rte unb in beffes 
bairifchem Anteil geboren fein bflrfte *), vielleicht in bemfelben 
altioelfifchen ftaufering, nach bem er ben Kamen trägt. Die 
weiften feiner erjahlenben unb fpruchartigen ©ebichte behattbetn 
©uhlfchaften, namentlich von ftlerilero, in einigen ftnb $re* 
bigten ©ertholb* fron «RegenÄurg bearbeitet. 

Sine eigene (Sattung fron eptfeher $oefie, bie mit biefer 
feboch toentg mehr aW ba« Äujjerlichfte ber gorm gemein tyd, 
bilben nun genealogifche {Reimereien auf ben «bei, h*™otgerufen 
burch ein rein praftifche* fflebürfm*. SBte htutjutage bie Bri* 
ftolratie, um ihre ©tanbeägenoffen ju fiberfchauen, be« ©othaer 

1) $. $otlanb, «Itbeutfae 2>i^tfunft in ©a*ern, 632f. 

2) „(Sbenbahin, toohin ber Warne leitet, toeift bie €>j>ra<fc." €5o ber 
herausgebet Culing (©ibl. b. Sit. »erein«, 8b. 182, 1888, na* cgm. 
270). 2)a6 ber 2>i*ter in «ng«burg lebte, iß nnettoiefene tona$me fron 
©artf<$. — ©er ben ebenfo nnbebentenben toie gemeinen G^teant 
$elnrt<$* fron 8anb«hut gelefen, mag fty tounbero, bag biefe Seißung 
bem 8erfaf|er, fron bem gar ni$t4 toeltere* befannt iß, eine ©teile in 
ber Hagem. 2>eutfc$eit ©iogr<n>hle Mrfc^afft hat. 



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3o$. goHanb. $oetlf<he «belSIatalöfle. 857 



fcafchenbuch« bebarf, fo münzte bte ritterliche (SefeUfchaft, bte 
bei Stornieren, f>offeften unb $ochjetten fl<h jufammenfanb, 
über ihren ©eftanb unterrichtet ju »erben unb tote benn bte 
$oejie überaH älter tft al« bte $rofa, ift fogar biefe Stteratur* 
gattung juerft in poetifchem ©etoanbe aufgetreten. (Einem 
$erolbe be« $erjog« Submig im ©art, bem „$erfebanten unb 
(Shwnholb* Sodann $o[tanb au« (Sggenfelben ferach 1424 
ft&nig ©igmunb« ftanjler ©chltd ben ©unfch au«, bafc ihm 
aöe (Sefchlechter „in ber bairifchen JRebier", bie furniere be* 
fugten, bezeichnet würben, toorauf $ottanb einen recht trodenen 
„Spruch" )u Chten be« bairifchen lurnierabett jufammen* 
reimte 1 ). Der „Dichter" biefer ftatalogpoefie ift ein toelt* 
gemanbter ÜRann, ber fich rühmt Satein, Deutfch, $olnifch, 
Sranjöfifch, (Snglifc^ unb Ungarin }u berftehen, im übrigen ein 
behäbiger SRteberbaier, in bem {ein ibealer 3«fl ft<h berfpüren 
lägt. 8n ba« Überhanbnehmen be« lomifchen Clement« toirb 
man auch fax erinnert, toenn $otlanb feinen €>pru$ mit ben 
charaltertftifchen Cr Märungen beginnt: er $abe noch feiten ge# 
faftet, )um Sffen trink er auch, fo oft e« i^n gelüfte, unb lebe 
Steuerung fei ihm unangenehm. 

(Sine ähnliche 9luhme«haae toie $oüanb ^at $fitri$ in 
feinem „C^renbrief 4 bem bairifchen übet errietet, boch foielt 
^ter ein neuer mistiger 3«Ö herein, glfihenbe SBegeifterung für 
bie alte $)eIbenpoefie. 5Roch maren Oeßnnung unb 3uftonbe, 
au« benen bie ritterliche (&pil ertoachfen toar, nicht bötlig er* 
ftorben unb toie bon einem oerfunlenen dumneta fteigt tyt unb 
ba ein ®töd be« alten {Reichtum« an bie Oberfläche herauf» 
Da« Sieb bom $erjog (Srnft toirb umgebichtet, »ahrfcheinlich in 
Saiern; ^Strich fennt ben Bearbeiter, aber er berfäumt ihn 
ju nennen. Die ftarl«fage erfährt fogar noch eine gortbilbung 
in ber bon 2B. (Stimm fogenannten , ÄBeihenftephaner (Shrontt", 
einem $rofaroman, ber ,bon ftSnig ^tytnu« bon granf reich, 
bon feinem ©ohn, bem großen ftaifer ftarl, unb auch bon ber 

1) ©ei Duell in s, Excerpta genealogica, 255, unb Don bort toieber- 
hott in ben »eth- be« W- »erein« f. SRieberbaiern VII, 117. 



358 ffietyenftyfaner Äarttfage. Salob $ütri$ 



«nrg ©eifanftepfan gelegen auf beut ©erg bei gretfing" er* 
jä$tt : ). ©omett nt#t be* Dieter« eigene flrrffabnng mitgeteilt 
ttirb, ftytnt $einric$ Don STOünttyen bie Duelle ju btlben, ber 
felbft Bieber in feiner (Efaonif für ba« geben ftartt be* ©ro&en 
ben ©trider benufete. 3>n Änlog aber }ur ßofaliftetung ber 
@age Don ft&nig fypm auf bem Serge Don SBetfanftepfa« 
mag ber Sttame bet nur eine ©tunbe entfernt Iiegenben Dorfe* 
^Jtyinfaftr, jefct ffiip}>enfaufen gegeben faben, ben «Dentin 
too$l ntt&t att ber erfte mit ftöntg ^ßipin in Cerbinbung bringt 
«n gürftenfafen unb in Kitterburgen fötoelgte ein Heiner 
Ärei« empftnbfamer ©eelen in ben Erinnerungen ber alten 
$errli$teit. Sin bairifcfar »orläufer ©on Quicfateä, fomett 
e« fi$ um titerarifcfc €cfa>ärmeret fanbelt, lebte unb toebte 
ber Witter 3afob $0trt$ bon SReicfarifaufen in bem falb 
urfrflic&en, falb geträumten ©tanje entfätounbener &tton, ber 
and ben alten SRüterbficfarn unb $eltengebic$ten fo beftricfenb 
in feine ©eete brang. SRiemanb lennt btefe Literatur beffer aM 
er, Änftrielungen unb ©täte au* ifa ftrömen tfai ju unb bie 164 
SMnbe, bie er im Saufe t>on üierjig darren auf feinen Weifen 
bon ©rabant bi« Ungarn „erfobert" fat, ftnb ifai ein faßbarer 
SJeftfc. $at er fie bo$ „jufammengeraffelt 11 , tote er fetter 
fcfarjt, mit ©teilen, Stauben, an$ Seifan, geftfanft, getrieben, 
getauft unb gefnnben, faben ftc$ bo$ $offarren toie ber ffanjler 
»öfter«), bie feine ©cfartefenleibenfcfaft rannten, bamit bc 
luftigt, ifa au$ na$ foUfan Orten auf bie ©ucfa }u treiben, 
too ntytt ju flnben mar! ©er neuen ©ü<far a$tet er ni#t; 

1) Cgm. 295. 815, unb eine iefet in $arift befinbCkfa $anbf$rtft, 
Jefetere, mit e* f<bdnt, jene, toorau« b. «retin in feiner €W|rift: ftttete 
€toge Aber bie Öeburt unb Sugenb Statt bt* Örogen, SWÜnd^en 1803, 
ben Anfang mitgeteilt fat. 8gt 2>oenge«, 2He ©aligantetffobe im 
ttotanbttieb (SWarburger SMffertation 1879), 24 f.; Oafton $ari« in 
ber «omania XI (1882), 110. 409. 

2) 9m SRfincfaer Oofe um 1455, 1460. ©. oben 6.678; Jtrenner 
V, 29. 35. Cbb. $an« «opaler, Äanjelftfreiber. Äunrat örnrettfar (fo tfl 
jn lefen @tr. 124) erfefaint in einem ©treiben bon 1462 an bie $. 3ofamt 
unb ©igmnnb aW Äanjelf Araber. Öe$. ©taaWawtfb; f. an$ jtrenner 
VUI, 182. 3u Satter bgl Oberbaver. «r*H> XXXVIII, 172. 




unb fein <5$rcnbricf. 



86» 



bie alten aber prüft er bereit« mit p$tfoIogtf$em Äuge. 
SDreifHg liturele $at et gefehen, feiner baoon mar richtig, ©o 
mache ein ©Treiber oft ©credit ju Ungerecht; ju otel, ju Hein, 
fo toerbe ein Sieb „berfchmächt\ tym felbft foüte e* nicht 
Beffer ergeben: ba$ einjige ©er! $fltrich$, ba« fleh erhalten 
hat, fein „(Shtenbrtef l ), ift in arger SJerunftaltung auf un« 
gefommen. Ältertfimelnb burch bie ®ef<htchte feiner Cntfiehung, 
burch gorm unb 3nhalt, lägt e* ben Hltertümler, ber e$ ge* 
bietet, leibhaftig bor und erflehen. 

3n Kottenburg am Uleelar Raufte bamal« eine leben«luftige 
ffiitteWbacherin, bie oon ber Unioerfität unb ©ücherfammlung 
ihrer $eimat $etbelberg regfame geiftige Sntereffen aufgenommen 
hatte, beren $of einen ©rennpuntt für Dieter unb Stterar* 
freunbe bilbete, beren Anregung bei Orünbung ber UntoerfUäten 
greiburg unb Bübingen in* Oetiricht fiel. Criherjogin STOech* 
tUb mar bie letzter be$ »urfürften 8ubmig III« bon ber $falj 
unb na$bem ihr erfter ®atte ßubmig bon ffiirtemberg ge* 
ftorben mar, mit Wibrecht VI. bon Öfterreich fcermctylt. Der 
fehmäbtfehe Dieter ^ermann oon ©achfenheim h at ble )" em 
görften^aare 1453 feine „ÜHöhrin" gemtbmet. $ören mir, mie 
$fitrich$ ©chmärmerei für biefe gürfttn, bie er boch mit leib* 
liefen Äugen nie erblidt hat, fich funbgibt, fo glauben mir bie 
2$or$eit eine« Ulrich oon Sichtenfietn mieberaufleben }u fe$en. 
(Er tfilt p<h nicht für mfirbig ihr bie ©chuhriemen ju ßfen, 
fehnt fleh nac3 ^ *toer ©tubenheijerftefle in ihrem Dienfte unb 
erbittet fleh al« einigen Sohn, fte in ber gaönacht feine , «meie" 
nennen ju bürfen — alle« nur 9ta$ahmnng beffen, ma* er 
in alten SKinneliebem gelefen! 3ahlt boch ber Dichter 60, 
feine $errin 44 3ahrel ffiie berechtigt ift alfo bie fcherjhafte 
Sßahnung feiner $au«frau Snna bon ©eefenborf: „Zapp, bich 
fotC nun benügen; tag einen düngen merbenl* 3nbem $err 

1) SRrine @#ilberuna ij* au« biefem ©cbltfte gcföfyft, ba« t>. St ax ajan 
in $auj>« 3«itWrift VI, 31—59 »cr8ffentfo$t hat. 8gt au* Uhlanb, 
©Triften II, 250 f.; Martin, (Srrterjogin SR«Wttb (3eitf*rift be« 
gTtiburger ©iflor. »nein« II, 146 f.; m, 207). $fltri<$« «frofH^on 
anenbim bei @piUer, ©tubien, 40. 



3otob $fitri$ i». 8et($er$ofeii. 



3aIob ber örrtferaogin ein Paar Pantoffeln („3<xWn") 
fenbet, bie er für fie, ofcne ba« 3Rag ju nehmen, in Kern 
getauft $at, legt er Dier fiieber unb brei Sieben bei, Gerte 
feiner 3ugenb, bor me$r oM breifctg darren entftanben, bajn 
ben „<5$renbrtef", ein langered ©ebittyt, bad er in einem ber 
Sagb $abamar$ bon Saber nactygebilbeten äßetrum foeben in 
feinem ©d&loffe »erfaßt $at Die 3a$rja$l ift 1462, be* 
Dieter« ffiofrtort JReufcerjtymfen, eine ©urg bei Pfaffenhofen, 
toeldje feit bem 14. 3a$r$unbert bon einer Sinie ber äRäncfyter 
Patrijierfamilie Pfitri$ befeffen tourbe, 3afob ftanb in ben 
legten Sauren XBU^elm« m. in beffen SHenft, toar 1442 dou 
$erjog $etnri$ aW ©tabtri($ter ju SanW&ut eutgefefet n>orben 
unb gehörte in ben ©eckiger Sohren im ÜWund^ner 8anbc bem 
State ber $erjoge ©igmunb unb Wbrec$t IV. an 1 ). ©im* 
©rete Don Parsberg, ein oberpfäljiföeä $offraulein ber <£rj* 
fcerjogin, $at er Don bereu SBunfcfc erfahren, eine Überfielt ber 
bairiföen ®efölec$ter }u befifcen. ©o nennt unb rflfynt i$r 
benn fein (Sftenbrtef bie 112 ®efd>le($ter be* bairiföen Stürmer* 
abeM, tote fie bamaW blühten*), ©iebjefyt »eitere fmb jn 
feiner 3^ ©#Üb unb $elm Dergraben toorben", b. 
au$geftorben. ©oeb gibt e* außerbem no# manche ©efcblec^ter 
im ©aierlanbe, „bie lumei nid&t enttoalben". S3on poetiföent 
$au# ift in biefer ©ammler* unb SRegifiratornatur — er er- 
mähnt auety, bag ^m 410 ©etonnte geftorben ftab, feit er 
1420 mit ftönig ©igmunb Dor Prag gelegen — toenig gu Der* 
foüren; toare ntyt Da« Sertmag be* ®ebi$te« unterbrochen, 
toärbe es !aum ftören, bafj mitten in bemfelben bie latetniftye 
®rabinfdfrrift be* «itter« $an* Don aRontaDtöa ftefct, beffen 
»ufcftätte pütrty in ber SRtye Don Sättig aufgefaßt $at 
Safob fü^lt fi$ aber felber w ju förnatf jum 5Di$ten", unb We 
9Jac$fl($t, um bie er bef Reiben bittet, toirb i$m bie ftacfyoett 
um fo toiüiger gemäßen, al« fie feinem Utfrar$ifiorifaen (Eifer 

1) 91..«. (1435, Hot>. 24.); 6t..«$r. XV, 285; Ärenner, fcutb- 
tag«$anbfongen V, 179. Über bie gamük $firri$ e$mibtner in 
Dberbaijer. *r*H> XXXVI, 152 f.; XLL 44f. Über Satob (IIL) bef. 72f. 

2) 3n @troj>$« 32 lieft: gaiming, fcorer. 




^oetiföe 2obfertt<$e auf bairiföe Sürßen. 861 



Danf fäulbet. ©einet tfifctenben 33ete$tung für ben 8anb** 
mann SBolftaÄ oon ffifäenbacfc faben mit bereit« (II, 230) 
gebaut, einen feinet ©öfyte nannte et ©amutet. SRactybem 
i$m <5ta$mu$ oon Zox ein 33etjeid>ni« bet ©ü$et bet <St}* 
$etjogin übetbtacfct, 94 dummem, barunter 23, bie tym 
)u feinet stoßen SBertounbetung no# unbeFannt u>aten, erjagt 
et nun bet ffitftli$en ©önnetin au# oon feinen eigenen 
8tittetbüc$ero unb biefe eigentümliche Äatalogpoefie ift e$, ti>a* 
bem ©ebietye eine getoiffe ©ebeutung in unfetet Literatur 
fiebert, äu^ ein anbetet 2BitteI*ba$et, ¥faljgtaf Otto II. 
bon ÜÄo$bac$, fte$t mit putrid; in litetatifc^em 33etfe$t, erfud&t 
tyn um ba* 8ttttetbuc$ Dom ©od, ba* et abfd&teiben laffen 
tirifl, unb um ein SBergeutyniä feinet ©üdjet, um badfelbe feinet 
Safe 1 ) ton Öftroeicfc, eben bet fitj^etjogin 3Re$tilb, ju 
fiberteid^en. 

9ieben ben <5$tenfptü$en auf ben bairifc^en «bei fe^lt cd 
nic^t an poetifefcen 8obfptüc$en auf bairtfefc gütften. Der 
Nürnberger ÜÄeifterfanget $an$ ©d&nepperet, genannt töofen* 
yluet, befang §etjog Subroig ben Weisen'). (5m äbeliget, 
f>an$ bon SBeftetna<$ (in bet $ettföaft äRinbetyeim) au« einem 
töittergef$lec$te, meiere« ba$ (Etbmarföaflamt am bifööfltd&en 
f>ofe bon Hug«butg betteibete, bietete bot 1504 einen Soft* 
ft>tu$ auf bie uuttet6ba$ii$en gätften fomo^t bet pfal&tf$en 
aW bet battifäen hinten oon ben fabelhaften Sinnen ©aoatu* 
unb SRotij bi$ auf bie noc^ lebenben §erjoge Hlbtecfct IV. unb 
©eorg 8 ), eine geiftlofe Häufung !om>entioneflen 8obe$, o^ne 
poetifd&en ©e^alt noc$ $ifiottföe$ Onteteffe. eigenartiger ift 
ein anbete« oon ©efternad^ betfafjte« polUtf$e£ ©ebietyt 4 ), bad 

1) 3m ©cbt($tc „@<$toefiet". <5« fann aber nur 3We<$tttb, Otto« 
«afe, gemeint fein. 

2) t. Siliencron, «ift. «olttlteber I, 512. 

3) 3n cgm. 5885, ber ba« Gebiet t>on gtekfoeitiger $anb entölt, 
fte^t am ©bluffe beSfelben: man mo$t biefen <&ptü$ tooty au* fingen, öe- 
brudt ift er in t>. $orma$r« unb töub&art« £af$enbu$ für öater- 
Wnbifäe ©ef*U$te 1850/51, @. 1. 2>e« $eran3geber« Vermutung, ber 
SHc^ter fei tein fibeliger geroefen, roibertegt ©tropfe 15. 

4) Cgm. 756, f. 42; t>. Silicncron I, 568. 



862 



©trafgebU&te; „Softem". 



ben Oebanfen ber toeligefchichtliehen ©ereihtigleit aufführt. Seit 
bem ©turje ber babhtonif<hen f>offatt feien 8tt0$eit nnb Üb* 
treue auf ber ffielt noch nie ungerochen geblieben. 3nbea 
birt ber Dieter an gefchichtfichen ©eifoielen nachmetjl, bermetlt 
et befonber* bei folgen bet jftngftbergangenen 3***: *ofo bie 
Sttenet megen t^tetf Ungehorfam* gegen ftaifer griebrkh ix 
Unglficf fielen, bie SJlatnjer bon (Sott gefttaft mürben, bie 
Sfltticher für ihr b5fe* {Regiment bnrch Sohann bon Oaiers 
gat böfen Sohn fanben. Die« fofle man aber ia nicht fo Der* 
flehen, fährt bet ritterliche Dichtet fort, al* ob er nur ben 
ftommunen ju leib forechen motte, nein, bet Äbel trage bie 
gt5|te ©chulb, ba et ben anbetn al« SÄnfter borleuchten foöte. 
Dann abet erhalten auch bet ftaifet nnb bie dürften ihre 
©traforebigt, ber ^eilige SSater unb bie ftlerifei, Doftoren unb 
Suriften ihre (Ermahnungen unb julefct mirb ben mächtigen 
Äepublifen, bie fo gemaltthfitig um fleh greifen, SSenebig nnb 
ben ©bgenoffen, bebeutet, menn fte nid^t einhalten, fitante e* 
ihnen noch fchlimm ergeben. 

ffiie btefe« ©trafgebicht auf geitgenJfflfche ©tfinbe ttnb 
Staaten bie ftehrfeite ber üblichen 8ob* nnb C^renf^rfld^e bUbet, 
fo auc^ iene Bolttlieber, morin einem einzelnen ©finber feine 
©$anbt$aten borgefungen mürben, bamit er fleh fchftme nnb 
beffere. Hoentin (IV, 255) berietet bon folchen Siebern, bie 
ba* Soll, menn in ben Käufern bie Sinter angejfinbet morben, 
auf ber Oaffe finge. SWan 1pt biel über ben Urforong bei 
batrifc^en $aberfelbtreiben« gefchrieben, ohne jn einem fieberen 
(Ergebni« ju gelangen. Äm ungejmungenften f$eint und bie 
annähme, bat ber noch tyutt nicht gan) ausgerottete nnb mit 
ber erbichteten Äutorität einer uralten (Hinrichtung befehligte 
Unfug mit biefer ©itte be« au«gehenben fflWttelalter« jufammen* 
hangt. üttan nannte biefe@chinn>fiieber „Siebter unb Stecht!" ober 
auch *8aberet\ Den le^teren tarnen führt «Dentin auf bie 
(Einrichtung eine« fabelhaften ftSnig« Saber gurflef; eher Kirnte 
er bon bem Dichter $abamar bon Saber herrühren, miemohl 
fleh bon biefem berartige Sieber nicht erhalten fpbtn. 

Deutfche «irchenlieber bietete, im «nfchlug an ben 9 Wmd> 



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gifhmföc 8oH*«cber. $ofbic$ter. 868 



oon ©aljburg", ein @<$utmeifter 3alob ju SDWtylborf (cgm.176). 
Unter ben »olWliebern, bie und betoafcrt finb, lägt fl<$ metft nur 
bei ben friftoriföen bcr prooinjiefle Urforung fieser erlennen. 
£)iefe finb ©c$lac$ten unb frtegerif$en (Ereigniffen r bann au# 
grauenvollen , abenteuerlichen unb nmnberbaren ©egeben^eite» 
getoibmet. @o toerben ba« Ireffen bei «Hing, ber Suben* 
morb ju $affau, ber Untergang be$ tefcten Hben«berger«, 
bie Sammlung be$ faifertidfren f>eere$ auf bem 8ed&felb im 
3a$re 1492 bie 2Weerfa$rt fceraog <S$riftop$« unb fein 
lob auf 9tyobu6') befungen. «I* £)ic$ter ber jmei tefct* 
genannten Sieber fotote einer t 8tebe oon ben SRfimbergem" im 
8anb*$uter (grbfolgefrteg ift $erjog S^rifto^ „©prec$er", 
SWeifter f>an$ ©cfyteiber bon HugSburg belannt. 9JK#aeI SBe# 
$eim, ber £)i<$ter bed $u$e* bon ben ffiienern, ftanb im 
£)ienfte ^ergog «lbre<$t« III., als am 15. Dej. 1447 beffei* 
©o$n SUbrec^t ba« 8i$t ber Seit erblidte, unb {teilte bem 
Neugeborenen in einem (gebiete 8 ) bie Siatibität. 3m SMenfte 
$er3og 3Ubre<$t« IV. ftanb ber Dieter ffiityelm ©unneberg. 
SSon \f)m ift ein ©pructy erhalten „bon $erjog 8törec$t ton 
©aiern unb $erjog 9tu)>re$t oom St^ein, barinnen man finbet, 
toeld&er be« 8anbe« bon ©aiern rechter ffirbe fei*. S)ie fojiate 
©teHung biefer $ofbic$ter fcaben u>ir und befd&eiben JU beulen; 
©unneberg bittet feinen $errn ju gebenfen, ba& er fo Wieste 
ftleiber trage; in feinem SMenft $abe er fte gerriffen. Sieben 
ben $umanifttf$ ©ebilbeten fügten biefe Sudläufer ber alten 
$8ftf$en £)id&tung färnerslidh tote fe$r fie jurüdftänben. „©tu* 
bieten mac$t einen gelehrten ÜÄann", fingt ©unneberg , „be* 
\d) leibet nit enjwt!" JBi« ctma um bie SRttte be* 15. 3aft> 
$unbetW toäftrte an ben $öfen auc$ ber ©efu$ oon „fa$renben 
Seuten" fort, unter benen fl$ fotoo^I ÜÄufifanten unb ©auKet 

1) *. Silicncron I, 278; II, 142. 173. 179. 302. 494-563; bie 
auf ttgne* ©crnanerin bei $or$ter, 9gne9 ©eroanerin. 

2) »ei 9i5$rt$t unb SWetfncr, 2>eutf($e ^Ugerretfen na$ bem 
^eiligen täubt, 299—307. Über 6$nriber f. an* St. fcofmann in ben 
©M}.-©er. ber SÄin^ner «tab. 1870, ©. 500. 

3) Cod. Palat Vindobon., 812, f. 20; fc. Äarajatt, «cfalra* »n$ 
t>on ben ©ienern, (Einleitung, xlii. 



«64 «tftorito* »oltttiebtr. tyKttföe epottgebic^te. 



ol* SMctyer irab ©finger befanden, «m $ofe «lbre#t« IL 
Don Straubing erflehten j. 0. pfeifet, giebler, ©finget, 
Sautenf plaget, ©autter, fafrenbe gräuletn, Baganten; ber 
unter bem erbtyteten tarnen @u<$enfin auftretend ©pietmaim 
erhielt boTt mit feinen ©efeflen (1392) au* ber $erjoglt$en 
Äaffe Dier ?funb unb ben Crfafc feiner ©irt«$au«jec$e mit 
7 ©c$ifltngen 6 Pfennigen 1 ). 

8m @$luffe biefe* 3tttt<utm3 Käufen ß<b bie $iftortf($cn 
»oltelieber: auf ben SanWftrter (Srbfolgefrieg beftfcen mir tti$t 
toeniger al$ pebje^n. 3»w öJ Wc polttifc^en ©poitgebictye fommen 
nun erft rec$t in Äufna^me; in 8tog$burg fang man fold&e auf 
8ubtt>ig ben Steigen (f. oben ©. 440), in 9tegen*burg ergofc ein 
SBatern übelmollenber Dieter feinen ©roll unb ©pott über 
Älbrectyt« IV. (ftnnafyne ber ©tabt, über ben bairifcb gefilmten 
©tabtrat, über bie @$U$e guc^ftetner«, über aOe bahrtfä ge* 
ftnnten Beamten in ber ©tabt, biefe „©c^üibfeffeln" (b. i. Lotter- 
buben). 3Ran mag au« biefem 8utbru<f auf bie riktftyttlofe 
S5erb$eit M «ngriff* fäliejjen. Unoerfrüttte $artetlt$feit unb 
bie $eftigfett ber @$mä$ungen berletyen biefem bon mtlbem 
{minor burd&tränften unb burety ben ffletytum an $iftorif<$en 
<Sin}el£eiten überaus intereffanten ©ebtyte ben (Sfcratter eine* 
qjam^iet*. 

Die meiften biefer Sieber mürben al* gtugblfitter gebrudt, 
manche mit f)ol}jc^nitten gejiert. Sin in biefer gornt ber* 
öffentliche« Sieb (c. 1500) befingt bie aW ffiunberjei^en ber 
beiligen SWaria bon <Sttat aufgefaßte ffiieberfinbung eine« 
ftinbe* oon ©$effau bei öttal, ba* flib berlaufen $atte, unb 
preift, baran anfnflpfenb, bie bier berühmteren ffiaflfa$rt*orte, 
Sachen, Ctnfiebeln, «Itdtting unb goretto •). „(Sin neue« 0e» 
bt$t »on gütmifc ber ffielt" 8 ), ba« in »aiern 4 ), motf im 

1) gre^berg II, 146f. Cetti* befang etne berfibmte Ruffeite 
GreituU (Qhrctl V) an $. Otorgd «M>f. «ptgr. ed. Hartfelder 111,38. 

2) äROntyur ©taatebibttotW, ©nblattbnufe 1, 22d. 

3) «. a. O. I, 7m. 

4) 2>emt et ^dgt: „»ab bre$t fein batrif<$ 3iutg«, M toSc' pe 
Ctymaben entfprungen." 



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$ißoriföe $ott*tieber. 



866 



erften ober feiten Dejennium be« 16. 3a$r$unbert« entftonben 
tft, oerfaottet ntc^t o$ne Stfc bic 9toc$äfferei be« «u«lanbe«, 
ba« (Einbringen frember SWoben, bie fester äße jtoet 3a$re 
mecfcfeln, in Spraye, «oft unb filetbung, in SCänjen unb 
©fielen: „Da« SSolf $oc$beut[c$er Bungen brauet au«länbifd& 
Vorab', 9ieb\ SBefen, @$u$ unb «Bat." »uc$ bie neu auf- 
getretene f glimme @euc$e u>irb $ier ermähnt: „De« mancher 
ging geftycfet in $ofen unb in SBat, be« ge$t er nun gefledet 
oon SBlattern, bie er $at." 

Die fünften unb ergreifenbften £öne aber ftnbet ba« S5oltt* 
tteb, toenn e« ben tragiföen £ob eine« Unföulbigen bellagt. 
@o torirb man ben Siebern auf ben ^tenjenauer unb auf 
ägne« SBernauerin unter aHen ben $rei« ber ®#ön$ett erteilen. 
Die leiteten finb un« jtoar nur in jüngerer Überarbeitung 
erhalten, man barf aber too^l eine alte, gleichseitige ®runblage 
annehmen, jumal ba ©untyeim berietet, ba§ ba« SBolf ju 
feiner £eit ein Sieb auf bie SBernauerin gefungen $abe. Die 
Angaben ber Steberbtd^ter über i$re eigene Herfen ftnb jutoeilen 
mit SKi&trauen aufzunehmen. Db ber Dieter be« Siebe« über 
ben 2lben«berger in ber Xfyat ein $öä<Ier«frtec$t mar, ber ju 
greifing auf bem Domberg geftanben, bi« ber Stampf ju ffinbe 
ging, barf man füglic$ bejtoeifeln, ber SSerfaffer be« Wegen«* 
burger ®ebt#te« aber, ein Senner $fop«, $at fidler ni$t 
ju f>erjog SUbrecfy« „armen Beuten", b. i. Stauern gehört, 
benen er fi$ oieüeic^t auety nur bilblidfr iwjä^lt, fonbem 
bürfte unter bem älbre^t mijjgünfttgen 9legen«burger ftleru« 
ju fuc$en fein. 

9io# ju Sfoentin« &t\t lebten im 83olf«munbe bie Sieber 
be« 9iett$arb guc$« unb be« Pfaffen tom Calenberg, bieUeic^t 
Sammlungen t>on ©d&mänfen, toeldfoe unter biefen tarnen 
gingen, ©elten ftnb un« Don ben Sieberbityem bie tarnen 
erhalten. SRic&t nur ben tarnen aber, auc$ bie 8eben«ber$älfc» 
niffe fennen toir Don bem e$t bairifd^en fyimoriftifd&en 83olI«* 
bitter $an« bem $efetfo$er. 3eber SKünd&ner liebt bie ©tätte 
an ber 3far, »o umraufd&t t>on ben ffityf ein bieten ©uty 
toalbe«, bie ©tammburg biefer gamilie ftanb. $an« unb Hnbre« 

W i e 1 1 e t , OeftWe »aientf. in. 55 




866 $<m* ber (efeUo^er. SWeiflerfinger. 



bte $efefloher, ©5^ne eine« SRifla«, ber {Richter au ffiolfrat* 
Raufen mar, folgten bem Berufe be« Sätet* unb erhielten 
1460 bon ben $erjogen Sodann unb ©tgmunb bie Pflege 
$äh* bei ffieilheim betrieben. 1471 mirb «nbre« al* Pfleger, 
$an$ al* Sanbrichter ju $ä$( unb ©eilheim genannt. Dag 
auch Änbreä bietete, miffen mir ebenfo tote bon bem ^etjog- 
liefen f>ofmeifter 3örg bon ©fenhofen ju ©folWrieb nur burch 
eine <Sttoä$nung ftüetrer*. S5on $aiW aber ftnb einige friföe, 
nteift fc^erj^afte unb berbe Sieber betannt. (SincS: „6* taget 
bor bem f>olnftetn" foH er al« freier }u S^ren eine* um* 
morbenen graulemä bon f>olnftein gebietet ^aben 1 ). Sin 
anbereä: „bon ben üppigen Säuern" ober „bon üpptgli$en 
5Dingen" muß fleh befonberer ^Beliebtheit erfreut fftibtn, ba e* 
in Zon unb On^alt öfter nachgeahmt mürbe. Hn bie laute- 
ntannifchen SSorgänger Kettyarb bon SReuenthat unb lannhaufer 
erinnernb, fd&ilbert ber ftefefloher barin eine {Rauferei bei einem 
©auerntanje, fingt bon prügeln, blauen SRälern unb ffiunben. 
$)ie$ ade* metft nicht nur feine iEeilnahme al* £)i$ter, fonbem 
auc^ al« ^crjoglic^er Sanbrtyter, ber bie Strafgelber ein« 
jujtehen hat: t 8n folgern £anf unb$aber berbirbt bie fytx* 
fchaft nit, ber ämtmann noch ber ©aber." Welmen mir 
immerhin jum ©eften ber bamaligen Rechtspflege an, bag bie 
Satire auf feine eigene ©erufäthätigfeit nur fcher}haft tft, menn 
er fingt: „Der Smtmann ma* unfreubig unb modt nit bieten 
grieo, bis bafj fle blutig mürben" (meit e* erft bann ©ufcgelber 
eintrug); „nach fo ^alf e* nit' *). 

$an« ber $efedoher fofl ber SKfinchner SDleifterfutgerjunft 
angehört ffabtn. Sicher tft bte$ bon bem SRänchner 3örg 
©chilcher 5 ), bon bem oerfchiebene „23ne", ber $ofton, bie 
SBaienmeife, bie !Ehtonmeife ; ber fanfte Ion u. a. belannt ftnb. 

1) ©o «r<hibar Sieb; f. grevberg IU, 394. 

2) Über ben fcefelloher DgL b.fcorraavr« Xaf<hen&u<$, 1831, 238; 
Uhlanb, echriften IV, 222; Schmelleriana, Nr. 59; epiller 
a. a. O. 43. 54. Cgm. 379 Dom 3. 1454 enthttt »eitere Sieber bei 
«efeOoher*. 

3) 2>iefe ttaraen«forra (nicht elfter) enoeifen bie M. B. oft bie richtige. 



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2>ottor 3o$aira ©arttiefc. 



867 



3n ®$Udpr« „$ofton" beft^ett mir au$ bret getftltc^e SWeifter* 
gefänge 1 ). 3n ber SWünchner ©angerjunft mürbe burch ben 
SWerler ßeonharb SRonnenpedf , einen Seinmeber, $an$ ©ach« 
in ben (Sefefcen ber £abulatur untermiefen unb ^ter bietete et 
feinen erften 8teimforuch tum greife Ootte* 2 ). 

Stach in ungebunbener {Rebe beginnt nun eine f$3ne Stteratur, 
bie burch Überfefcungen au$ bem £ateintf$en eingeleitet mirb. 
©Ieichjeitig mit $0tri$ lebte am ÜÄünchner $ofe ber erfte 
batriföe Vertreter biefe* 8iteraturjmetge$, jugleich einer ber 
ältcften mebijinifchen Statoren in beutfd&er Spraye, ber Stoftor 
ber SWebijin Sohann $artlieb *), geboren ju SReuburg a. b. 
£)oncut, geftorben jmifchen 1471 unb 1474. ©eit 1440 Sctb* 
arjt unb 8tat be$ $erjog$ «(brecht III., fpäter beffen ©ohne* 
©igmunb 4 ), mürbe ber ungemein melfeitige unb rührige SRann 
bon ben £>erjogen auch mit biptomatifchen ©enbungen unb mit 
83ermaltung$gef elften, befonber* in geiftlichen Angelegenheiten 
betraut unb ermarb fieb im SMenfte ber gürften ftattliche 
{Reichtümer. 33on $au* au$ unbemittelt — fein 2anbe«$err 
Stobmig im ©art hatte ihn (1431) ftubieren laffen — befaji 
er jutefct mehrere $&ufer, eine Styothete unb ©ergmerle. 9iach* 
bem $>erjog Älbrecfct, mie eä fcheint, auf feinen 9tat bie Ouben 
au* SRünchen vertrieben ffattt, fünfte er ihm 1442 ba$ $au* 
an ber ®ruftgaffe, ba* vorher jur ©tynagoge fl^Went hatte unb 
u>o nun eine 2Äarienttrcbe, bie fogenannte (Sruftfircb* erbaut 
mürbe, $artlieb* literarifche SC^ättglett, mtemoht meift auf 
Überfefeungen unb fomptlatorifche ^Bearbeitungen befc^tönft, barf 

1) »ei ffiaefernaget, 2>a« bentf*e Äirfyntteb II, 840f. Ü6cr 
f. t>.b. Sagen, 3RinnefingerIV,907; «artf<h, SReijiertteber, 186. 

2) ©oUanb, 336. 

3) 8gt. t>. OefeCe in ber ÄUg. Eeutföen ©togre^e X, 670, unb 
bie $anbf Triften ber 9Wün*ner ©taattbtbttothet ©einlauft (3eitf *r. 
be* »ergifeftn GefötyttDereui* XI, 119) *crmec$fcU San« $artfteb mit 
bem au« fteuftabt a. b. fcatbt ftanratenben gleichnamigen ftynberrn ber 
gamilie $arttteb, genannt ffiaflfaorti, beren ©enealogie Nr. 30 ber Schel- 
horniana ber SKünc^ner €>taat«Mbttotyet bebonbelt. 

4) 2)en er 1467 in ba« «ab ©aftein begleitete. Clm. 8244, f. 98. 

55* 



868 



2)er $er)ogU$e Seibarjt 



nic$t unterfc^äfet toerben, ba fie neue Sahnen eröffnete iwb j*m 
SCett grofcen erfolg ftttte. SRotfc für feinen erften fürftli^en 
©önner, Subtotg im SBart, bearbeitete et in beutfdfrer ©protze 
ein Äompenbium ber ®ebäc$tni«funft. 3n Sien, too er ftu^ 
bierte, fanb er einen neuen fürftli$en Patron an §erjog 
Htbrety VI. bon Öfterrei*; für biefen Surften überfefcte er 
1434 auger einem aftrologifdfren ©er!e eine «nlettung jur 
SWinneftinft: ba« SBuc$ Dbibü Don ber Siebe au ertoerbeit, ais$ 
bie Siebe ju *erf$mä$en. SErofe biefe« litett $at ba« Statt 
ntyt« mit Dbtb gemein, ift melme$r eine Überfefcung be« bcm 
t>ä^ftltc^en Kaplan änbrea« jugeföriebenen Tractatas amoris 
et de amoris remedio ou« bem 13. 3a$r$unbert. Änf 
ffiunfö ber fcerjogin ü»ec$titb, 8Ubre*t« ®cma$Bn, fiberfette 
er be« ^eiligen ©ernfarb „fltytftel bcm $ou*$aben" unb für 
äßetyilb« «ämmerer, feinen greunb SKeifter 35rg 1465 „Rot* 
föföge ber ot$emfc$en »fite Äföine«, ©emobe« unb SDemoftyene« 
unb be« festeren Webe an ben *or Htfcn liegenben 8Ue* 
janber" 1 ). S)ie leitete Überfefcung fnüpft an fein literar* 
gef#ic$ta# tottyigfte« XBert, bie 1444 ber $erjogin «rata &on 
^tern*3Wün#en ju ®efaBcn getriebene „frfftorie bon bem 
großen Älejanber u an ; e« ift bie« eine Überfefeung be« Älqcanber* 
roman«, al« beffen Berfajfer ßufebiu« ober ber fogenatrate 
$feubofallift$ene« genannt »erben. Son 1472, ba bei« ®u$ 
in «ug«burg juerft gebructt tourbe, bi« 1514 erlebte e« jftötf 
Auflagen. 1448 toibmete $artlieb ber §erjogin «rata einen 
©runbrig ber Chiromantie, *ba« ©u$ *on ber $anb", fpater 
berbeutfctyte er für biefelbe gürftin bie fflranbanÄegenbc unb 
berfafjte fe$r tt>a$rf#einlic$ ba« @u$ „bon allerfrtnb verbotenen 
ftfinften, Unglauben unb 3<utberei". Sine gtynä!otogif($e ftont« 
Dilation, toorin bie albert bem (Stoßen jugefäriebenen Secreta 
mulierum in« £)eutf$e überfefet finb, ift auf CBunfö be« 
iungen $erjog« ©igmunb entftanben unb biefem gemibmet 
Da« Serlangen be« dürften na* ftenntni« biefe« ©erle«, fagt 
ber Überfefcer, fei tym ein ©a$rjei($en, bag er ftunft unb 

1) Cgm. 756. 



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2)oftor 3o$ann $artlie&. 



869 



SQBeiö^ett Hebe unb ft<$ bur# feine. bütyenbe 3ugcnb ni$t au 
Unfitten unb ©oüuft herleiten Iaffe. , <5r bittet i$n aber, ba« 
©uc$ geheim ju galten, benn Won »riftotele« företbe, toer bie 
®e$eimniffe ber SRatur offenbare, fei ein 3erfi5rer ber $imm* 
lifdpn $eimlic$fett. S5a bte Schrift Ulbert«, tote $aitlieb 
meint, für fic$ ollein faft unfcerftanblic$ bleiben toürbe, $at er 
fle bur# bie gtjnäfologiföen SBerfe be« Sfoicenna, ÜÄufcio, 
SRacrobiu« unb be« „ftänig« Irottula" ergänzt unb erläutert; 
ba« ©u# über bie Leitung ber grauenfrantyeiten, ba« unter 
Srottula« tarnen ging, bat er aber bann au$ befonber« über* 
fe^t, fompiltert mit ben ®e$eimle$ren be« Sßacrobiu«, 
bertinu« unb üWufcio 1 ). Sine Überfefeung ber ®c$rift gelij? 
$fimmerletn« Don »armen ©äoern rfl^rt t>ielleic$t auc$ oon 
$artlieb, ift iebenfaO« Don tym mit 3ufäfeen unb Äorrelturen 
&erfe$en 2 ). Um bie ganje ©ielfeitigfeit biefe« $erjoglt<$en 
ßeibarjte« ju jeicfcnen, in bem fyimaniftifdfre ®ele$rfam!eit unb 
romantifty $oefte fiä) in feltener ffieife berührten, muj} no# 
ertoä^nt »erben, baß er, n>o$l in feiner ffiiener $eriobe, aucty 
über bie Ärieg«funft gefd&rieben $at. 3n ber ÜÄannigfaltigleit 
feiner geiftigen 3ntereffen berührt fic$ $artlieb mit bem ge* 
lehrten »mberget ärjte $artmann @<$ebel, ber in Stalten 
ftubiert $atte unb bort rote in ber $eimat eine ungemein xtify 
faltige unb fctelfeitige Sammlung oon ©ü$ern teil« felbft 
getrieben, teil« ertoorben $at, jefet eine ber fünften %\txbtn 
ber ÜÄfinctyter ©ibltotfre!. 

ffiir flogen $ier auf einen mistigen 3«8 tu bem literarifc^en 
©ilbe biefer $eriobe. ffiäfcrenb ber Ärei« ber geiftigen 3n* 
tereffen gegen früher ungemeine 2lu«be$nung erfahren fcat, finb 
bie einjelnen 3 mei 8 e be« ©iffen« unb Rönnen« noc$ nid^t fo 
vertieft unb erweitert, baf? jeber für fi$ allein faft ben ganjen 
3ßenf<$en beanforudjt. Die ©ielfeitigfeit ber ibealen ©eftre* 
bungen neben ber SKöglic^feit gleichzeitig in ben fcerföicbenften 

1) Cgm. 261. SWufcio ift ber tätige Warne be« toa$rf$eUiU$ ni$t 
früher al« hn 6. 3a$r$unbett n. C$r. Icbenben «utor«. @. 3a$re«- 
beriet b. ttaff. «Uerturaetmffenfäaft XL, 62. 

2) Cgm. 732. 



870 



Ulrich güetrer 



gfichern mit (Erfolg ju toirlen tft charalteriftifch für bte frifcfc 
3ugenb!raft bcr $mnamfttf$at Verlobe unb bte« macht ft# tt»hl 
auch bei ÜÄämtem geltenb, bie nicht eigentlich bett humanifttfö 
gebilbeten Äreifen angelten. 

Ultic^ güetrer ber üttaler, Dichter irab f>lftortfcr f uxtr 
ber ©ohn eine« 8anb«huter ©ärger«, ber in bie ftäbtifchen 
Unruhen t>on 1410 beraricfelt mar unb babet große SermSgen* 
einbüße erlitten tyitU. Jochbein er ba« Sftalerhanbtoert er* 
lernt, aber auch eine Sateinfchule befugt ^atte, flebelte er noch 
SWünchen Aber, too er 1465 juerft genannt urirb. Der (Ebel* 
mann Oafob $ütri<h führte ben ©ürger in bie fchSne 8tteratar 
ein, toeefte in ihm bie Neigung für ba« glfinjenbe §elbenepo«, 
tote e« bor einem SBierteliahrtaufenb geblüht hatte, unb lehrte 
ihn bie ftunft fo eble SBetfe }u bieten, tote fte ©olfram bon 
Attenbach im jüngeren fciturel, „bem $aupt ob beutfehen 
©üchern\ al« leuchtenbe« »orbilb ^utgefteOt habe, $ütrt<h 
unb $artlieb »erben e« auch getoefen fein, bie güetrer bei 
$ofe einführten, too er bann befonber« nach ihrem lobe an 
Wibrecht IV. einen toarmen ©önner fanb. 

Sie unfer &etootUr feinen ©chifler- unb Ooethefultu« pflegt, 
fo erglühte gegen (Snbe be« aßtttelalter« ein freilich entfernt 
nicht fo au«gebehnter Ärei« bon ©ebtlbeten in fchtoärmerifcher 
©etounberung für bie großen nationalen Dichter be« 13. 3ahr» 
hunbert«, für feinen ffiolfram unb ©ottfrieb, «breit unb 
$artmann. »erühmt ift ba« höh* $°b, ba« güetrer ben alten 

1) Sgl $ambnrger, Unterfnchungen Aber U. güetrer« $ufrtnng 
um bent Oral unb ber fcafelrunbe I, ©traßburg 1882, unb ©filier, 
tttbrec$t ton Scharfenberg unb Utrid) güetrer, Setyjig 1883. Die gönn 
gürtrer ift nicht Schreibfehler, fonbern beruht auf ber bialefttfdben ©gen- 
tttmti$reit be« Warnen«, gurt totrb bairifö fo gebrochen, bag man bat 
r nüfct h^rt; at« Ableitung öon biefeut Ortsnamen ift ber ^etfonennante 
gürtrer (baher aneft in bent gflrth benachbarten Arnberg) ober, toemt 
bie Orthographie &erfuc$en toiH, bie bialettifche 8u«fpra<he annSherub 
toieberjngeben, gfietrer anfjufaffen. Analoge SSerbobpelung be« er iß int 
©airifien nicht feiten, ögt u. a. Oberer (wra £>b, Öin3be), »ieberer (*on 
Wieb). Clm.4774»urbe (f. f. 1) toon „Magister UlricuBPaetrer" (bo<t 
»oft bem dichter) in SRünchen 1492 bent Älofier ©enebittbeuero gefchentt 




unb ber lefcte ftittmoman. 



871 



ÜÄeiftern joflt, »Ibrecht bom Scharfenberg, ber fich gu ihm 
felber verhalte tote ein {Riefe )um 3^**8/ ©ottfrieb t>on ©tra§* 
bürg, ©olfram t>on Cföenbach, beffen verfeinerte Dichtung 
bot ben anbeten leuchte tote t>ox bem 3ieget ber Ctyajinth- 
©iefe Söenmnberung toar fo grofc, ba§ fie, iebe (Eigenart er* 
ftufenb, bie ganje epifd&e Dichtung in ehrfürchtige SRachahmung 
bannte unb and ihr entf prang in ben SCagen be« Jetten 
{Ritter** ber lefcte {Ritterroman, bet gtoge <üfthß bet güetret* 
fchen Sßachbkhtungen übet bie Äbentenet bet {Rittet bon bet 
Safeltunbe *), &etfafct auf ffiunfch $etjog «Ibtech« unb biefem 
mit feierlichem Sobgefang getoibmet. ÜÄan %at ba« ffierf „ge* 
toiffermafien ein ftompenbium jur Information über bie {Rittet* 
romane be* 12. unb 13. Sahrhunbert«" genannt. 3n engem 
«nfchlufi an bie Vorlagen, oft ©afc für ©afc, reprobujiert 
güetrer bie beliebteren biefer Dichtungen, fo bie ©age Dorn 
©rat unb oon ärta*' !£afelrunbe nach ffiolfram, ben 3»ein in 
ängftluh treuer Umarbeitung t>on $artmann« Oebicht, ben 
ffiigaloi« nach bem $rofaroman oon 1472, ben ßanjelot at* 
genauer ftenner ber franjößf<hen ©prache nach bem franjöfifchen 
$rofaroman. 3Kit ben ©toffen biefer {Romane hat ber Um* 
bichter auch ihre eigentümlichen ©arfteöungämittel übernommen 
unb burch unablafjigeö ©tubium in ben ganjen 83orftetfung$frei« 
biefer ritterlichen $oefie fleh in f olchem üJlafce eingelebt, ba£ er auf 
biefem Gebiete tote juhanfe erfcheint. Diefer tdfligen Serfenfung 
in ben ©toff allein t>erbanft er bie gähiglett fein ©er! in er* 
täglicher, ja junt Seil getiefter Seife burchjuffihren; eigent- 
liche bichterifche ©egabung toirb ihm, abgefehen oon einigem 
latent für bie (Stfaffung unb HuSmalung Ihrifcher Momente, 
abgebrochen. äufjer biefem großen poetifchen Serie f&t güetrer 
noch eine profatfehe Bearbeitung be$ {Romano ßanjelot »erfaßt *). 

@o ftrahlt und in ber poetifchen Literatur meift nur ber 
SRachglanj einer alten, reicher begabten ffipoc&e entgegen. Stoi- 
ber«, toenn toir und ben gelehrten Seiftungen jutoenben! frier 

1) Cgm. 1, prachtvolle mtb toloffate $anbf<htift von 1487, mit ben 
Stoppen $. tKbrecfrt« n. feiner Gemahlin. 2>a* flgb. na$ Hamburger. 

2) Cgm. 578. $eran9geg. b. $eter, »tbttothd be« «it. »erem«, 175. 




872 



Xfcologtföe Literatur: Otto bon $affau. 



ift e$ oielmehr bie 3D?orgenr8te eine* fommenben 5£ag$, bif 
balb ba balb bort aufleuchtet tmb bet $eriobe ihre charatte* 
riftifche gärbung mietet, greilich toäc^ft bie totffenf<$afttk$e 
Siteratur im allgemeinen mehr in bie ©reite att in bie liefe, 
Ja ihre grS&ere ÜÄaffe fann nur in bent Sinne miffenfchaftfkh 
feigen, toie man eine Uhr golben nennt, »erat auch !aum ba€ 
®e^äufe oonOolb ift. 3mmerhtu fehen mir bie getftige ©etoegung 
nun einige neue Sahnen einklagen unb nach mannen 9t\dy 
tungen an (Behalt unb ©ebeutung gewinnen. 3n bet theo* 
Iogifchm Literatur begegnet jun&hft ein HuÄäufer ber beatmen 
fBltffit, ber iebenfaü« burch feine Qeburt ©aiem angehört: 
Otto oon $affau. S5on feinen 8eben«oer^ättniffen toetg man 
nicht*, att ba§ er granjtätaner unb oor 1386 gefemetfter ju 
©afel mar. 3n biefem 3ahre fcottenbete er eine au* ber ©tbef, 
ben Jhrchen&ätern unb ©cholaftilern, auch etnjelnen ^eibmf^en 
Hutoren jufammengetragene (Sammlung erbaulicher Sentenzen, 
bie er im $inbli<f auf eine ©teile ber 9fyotalty>fe „bie oier* 
unbatoanjig alten ober ber golbene Ihron" betitelte. 3n 
ftytoung unb $oefie hinter berühmteren SSorg&tgem, einem 
Ccfhart unb ©eufe, jurücfftehenb, auch beten ©pefnlationen tu 
feiner ftreng ftrchlichen ©eßnnung toohl abholb, ift er bo4 
ein* mit ihnen in ber $o$en ffiflrbigung be* innerlichen geben*. 
JDrtngenb rät er, bie hl- Schrift, fei e* beutfeh ') ober IateU 
nifch, oft unb Diel, mit Änbacht unb (Srnft ju lefen. @o 
toenig man behaupten fönnte, baß foUhe &nfbhten oon ber 
herrfchenben firchlichen {Richtung ber 3eit getragen tourben, fo 
fanb Otto* <Srbauung*bu<h boch fe$r grofeen flnSang: wt 
toie nach Srfinbung ber ©uchbrueferfunfi oerbreitet, toarb e* 
oon bem ©ominilaner SRiber nachgeahmt, oon ben 3efuiten 
1568 erneuert, \a noch 1835 in mobemifterter gorm ju 2anb** 
hut ausgegeben 

Such unter ben aWönnem ber ®otte*»et*heit hroföte noch 

1) ©ier fei auf eine t>on PrSnjler in ber «ng«bnrger ^ofteitnng, 
1880, Beilage 33, befrrothene bentf<he »ibelfl&erfefcung *oa 1850 in ber 
ttog*b. ©tabtbibUothet htagewtefen, bie bairifchen Urfonrog« )u fein f#emt 

2) e. 0trau<h in ber «flg. Sentföen Siogtartie XXIV, 741. 




5E$eologtf<$e Literatur. 



875 



}temli$ lebhafter internationaler 33erfe$r. (Sin beräumter 
Stfceologe, 83erfaffer be$ „Aureum speculum", toar Gilbert 
(Sngelfcfcaß au* Straubing, ber in $ari* ftubiert $atte, 
bon 1373 an an ber Präger Untoerptät, 1390 bort at* 
©accalaureu« ber Geologie unb SDefan ber Slrtiftenfataltät 
genannt toirb. 1378 tourbe ein ^ßarifer SJiagifter, ffiityelm 
oon ©aiern, in bie Präger Urtiftenfalultät aufgenommen 1 ). 
Sin um bie SBibelauSlegung berbienter 2»finc$ner, Dr. 3ac$aria* 
SRibler, ©edfrant oon @t. $eter, tourbe 1415 flteftor ber Uni* 
berßtät ÄBien. einer feiner 9?ac$fotger im Delanat unb ber 
Pfarrei Don ®t. ?eter in Stünden, iugleic$ Demant unb $$or* 
$err ber Hlten ftapelle in Wegen«burg, Wubolf 83olfart au« 
f)äringen in Reffen, oereinigte ®ele$rfamfeit in ber Ideologie, 
äßebijin unb ben freien ftfinften. Sin beiläufige* ©üb oon 
bem ©tanbe biefer ffiiffenföaften gibt und bie reiche $anb* 
förtftenfammlung, bie er 1447 feiner bis baftn einer ©iblio* 
t$e! entbefaenben 2Wünc$ner ^farrfiret^e fünfte *). 

3m 15. 3a$r$unbert förieb ber $ro|>ft ©tyloefter oon Web* 
borf meditationes de passione Christi, bie auc$ beutfö oor* 
liegen, griff au$ mit einem an ben $ropft ftonrab oon 3fti$el* 
berg (1455) gerichteten ©^reiben de fratribus reformandia 
in bie grage ber Älofterreform ein s ). $on ben f$ü$rern ber 
Unterließen {Reformbetoegung in ©atern (f. oben ®. 827 f.) $aben 
flc$ $etru$ oon ftofen$eim, Oo^ann ©lityaeßer unb 3o$anu 
©rümoalber auch als t$eologifc$e ©d&riftftefler einen tarnen 
gemalt, $on ben ja$tret$en Serien be$ erfteren genoffen 
bie Sermones (1440) 4 ) unb ein bem Äarbinal SBranba ge» 
toibmete* ®ebi$t über bie SBtbel: Boseum memoriale divi- 

1) Andr. Ratisp. bei Eccard, 2121; Mon. hist. Univerß. Prag. 
1,1, 19. 180. 194; ©ubinSjlv, 2)u UntoerfltSt $ari« unb biegrem- 
ben an berfetben, 116. 162. 

2) M. B. XXI, 135. »gl. Geiß, Oberbaar. *r$H> XVI, 209 f. 
2)e9 ©ieffener <5$or$errn Ulbert 1373 berfaßte« Speculum clericorum,. 
$anbbu$ für Äleritcr, f. in clm. 4780. 

3) U. a. Clm. 1329. 8564. 15181; cgm. 791. 

4) 3n clm. 26833 unb 26855. ©ort aud) anbere ©tfriften erbau- 
tidjen 3u$alt* t>on bemfelben ©erfaffer. 



874 Sfcotogiföe 

norum eloquiorum l ) befonbertf Unfein. 3n bem Sermo de 
statu vitae monasticae sui temporis betagte et ben 85er= 
fall bet Wegel in ben Ätöftero, in benen et ®e$otfam unb 
Ätmut betmifjte, unb befötoot feine ©tanbeägenoffen jnt alten 
Strenge jurüdjufefcten *). $ettu« liebte al« ©kftet anfjn* 
tteten: et $at Äloftet iEegetnfee befungen •) unb fflt bteüReäet 
üR5n<$e bie {Regel be« $L »enebift in Berfe gebtad&t 4 ). Dnt^ 
m5n$tf($e ©ttenge fflt bie {Reije bet SRatut friert unempfäng^ 
ti$ getootben, greift et in bem ©ebtyte auf Xegetnfee bie Don 
»Ifitenbuft erfüllten S^alet, bie milbe 8uft, ben fiföteicfren 
See, ben butdfr mannigfaltige glota ausgezeichneten ©aüberg. 

©litpadfret bietete eine Epitome metrica übet bie &fl$er 
be* Älten unb SReuen leftament*, oon tym tü$tt fetner ein 
Äommentat jut <5t$if be* «riftotele*, eine ©c$rift fibet bte 
{Regel be* $1. Senebift unb oiele* anbete 5 ). SSon (Sröntoalbet 
ift eine Stb^anblung über bte Äutotität bet SKrc^e unb baä 
©afelet ftonjil erhalten «). ©et Xegetnfeet ÜWönc$, ÜRagifier 
3o$ann fled betfafjte in Wom 1449 fflt einen tdmifeben duben, 
bet fi# bann taufen lie§, eine 6$tonologte be$ Süten SCefta^ 
raent« 7 ). (Sin »enebitttnet be* «loftet« Äaftl, SWagtftet $etrn$, 
fiberfefcte 1401 in SRctyenba* eine bet 8iebling«fdtiften be* 
SRittelaltet*, be« SBoetftu* ©et! de consolatione philoeophiae 
in« Deutf#e 8 ). Um biefelbe 3eit blühte in Äaftl ein, n>ie e* 
fAeint, in ©öftnen gebotenet 2R5mb Statt), bet al* ftefot* 
matot be« ftloftet* bejeitytet toirb unb einige @$tiften ftteng 
atfetifdfren 3n$alt* tyntertaffen $at ©eittäge ju biefet Site» 

1) Olm. 682. 

2) Pez, BibL ascetica II, 81. 

3) 2)icfe 8erfe $at ©attenba<$ im tfajeiget für Ännbe bet beut- 
fcfcn »orjeit 1883, 33, ebiert 

4) U. a. in clm. 8201 d, f. 143v. 

5) 8erjei<$nt« fetner @<briften in feiner Vita bei Pei, BibL aaoet 
VIII, 635—639; |Ä$lrei#e $anbf Triften in 8Rün<$en. 

6) Clm. 6503. 18552a, t 95f. 

7) SWartin SWa^r, ©iener CKtnbförtften jnt ba^er. $cf$. 147. 

8) Andr. Batisp. 598. 

9) ©ei Pez, BibL ascetica IX, 195. 215. 



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©tfriftftefler. 



875 



raturgottung lieferten au$ ber üWonbfeer $rior $ieroitymu« 
(3o$anue«) Don 35onauto>ört$ in einet Äbfymblung de pro- 
fectu religiosoram (um 1463) unb ber legernfeer ?rior ©cm* 
$arb Don ©aging (geft. 1472) , ber Don ben SWönd&en Dege* 
tartanifd^e 8eben$u>eife forberte, in feinem Bemediarius contra 
pnBillanimo8 et scrupolosos. 81$ begeifterter 83ere$rer be£ 
SRtfolouS Don Cufa erläuterte unb empfahl fflernfarb (um 
1454) in feinem Laudatorium sacrae doctae ignorantiae 
beffen p$ilofo£$ifc$e$ ©Aftern, au« bem er befonber* bie 9loU 
toenbigleit be$ (glaubend }um Crfennen ber übernatürlichen 
ffia$r$etten betonte, (gegen einen Äartyäufer, ber biefe ®#rift 
angegriffen, verfaßte er ein Defensorium laudatorii, 1459 
förieb er de cognoscendo deum. SBern^arW {Richtung totrb 
al« eine Dormiegenb praltifcty-'tttyftiföe bejeid&net; bie meiften 
feiner ©Triften *) finb bem ©iföofe 3e$ann III. Don (Std^ftäbt 
getoibmet. ©er 3ngolftöbter granjisfaner $eter fteföütger 
Der5ffentli$te unter bem Xitel Clavis theologiae ein @a$* 
regiflet jur Summa be$ älejanber Don f>ale$, ba$ ber $uma* 
mft 8o$er mit einer Sßorrebe einleitete*). Hl$ Äanjelrebner 
unb fruchtbarer t$eologifc$er ®<$rtftftefler genojj ffotyQ Änfcfcn 
ber $affauer 35om$err Dr. $aulu* Sßann Don Äemnat, Don 
bem mir toiffen, bafc er ft$ 1434 in 3^ idau befanb, 1468 
in $affau jrcebigte s ), al« «nfcänger be« SBifd&of* üttauer* 
firmer eine &eit lang feiner ffiflrbe entfefct mar unb 1489 
au« bem Seben faieb. ©eine ©erfe, $rebigten, $b$anblungen 
über bie fteben ©aframente, über bie ©en>a$rung be$ 2Wen* 
fctyen Dor ber ©ünbe u. a., finb in ja^lreictyen »bfd&riften Der- 
breitet, einige berfelben foäter aud& gebrwft morben. 

©ie in einer iErauratoelt lebten bie Oeifter ba$in. Salb 
befd&äftigt mit gabeln unb üWärcfcen, Sunber* unb Aberglauben, 

1) ©. u. a. Clm. 4396. 4403. 4404; *gt ©*arpff f m*.Cufa, 
414—423. 

2) 8gl. $e$le, 3atob Sotyr II, 28. 

3) Clm. 2803. 2819. 5226, ti>o f. 152 feine $emwt genannt trnrb; 
1531 (f.265y $reMgt gegen ba« fcanjen). 8gl. au* $uj>fauer, Über 
ben j>affauif($en 2)om$erm % ©. (Sanbtf&nt 1801) nnb 8er$. b. W- 
«ereta« f. SRiebetbaietn VHI, 347 f. 



876 



9taturttriffenf$aften unb ^tittnnbe. 



balb erfüllt bon einer ungefunben Oetehrfamfeit, beten Dünfte 
nur ben S3erftanb auftrotfneten, empfanben fte feinen Irieb ba* 
5Hachftliegenbe, bie ®efefce ber Statur, burch Warfe Beobachtung 
ju ergrflnben ; baä geringe n>iff enf d^aftlic^e Sntereffe, ba6 fi$ in 
biefer Stiftung regte, marb burch bie ©chulmeinungen ber 
Älten befriebigt. SDMt ben 9iaturn>iffenfchaften lag natürlich 
auc^ We $eilfunft banieber, bie tirir vielfach bon ©etftlicheu, 
Italienern unb 3uben gehegt fe$en. Selti* fäerjt in einem 
Cjrigramm, 3talien fc^tefe ©eutfehtanb fo biete Ärjte, bog e* 
felber babon entblößt fei. 3flbif$e Slrjte fanben trofc be* ffitbtr* 
ftrnuh*, ben bie Ätrche ihnen entgegenfefcte, felbft an $3fen 
Zutritt: fo hatte «»recht n. t>on (Straubing ÜKetfter 3akb 
ben 3uben au$ 9?egen$burg jum Seibar jt l ). 1407 berbot 
©ifchof ®eorg bon $affau auf bie ftlage ber ©iener mebt* 
jinijchen gafultät bie häufig borfommenben $fufchereien t>on 
ffieibern unb bon Suben, bie toeber ba6 Siefen noch bie ©rünbe 
ber ftranfheiten erfennen *). SRoch immer entbehrte bie mebt* 
jinifche ffiiffenfchaft ihrer unerläßlichen Orunblage, genauer 
anatomifcher ftenntniffe. Der Hrjt $artmann ©chebel (at t» 
al6 eine SWertoürbigfelt aufgezeichnet, baß er 1465 in $abaa 
ber ©eftton eine* menfchlichen ftixptxi beitoofyten tonnte 3 ). 
£>ur<h bie ©rünbung ber Uniberfität Sngolfiabt, too bie meto* 
jinifche gafultat in ber allgemein üblichen ©chultrabttion ara* 
bifcher Literatur ber$arrte, toarb biefem SRangel nicht abgeholfeit, 
boch jeigt pch menigften* bie (grfenntni* bleiben, toenn bei ben 
Beratungen über 9?e&ifton ber Unioerfitätfftatitten 1507 an* 
bem ©choße ber Bafuttät auf bie fat Ifibtngen angeorbnete 
Pflege ber Anatomie unb Chirurgie htngeunefen unb ber ffiunfch 
ausgebrochen marb, ber $erjog möge befehlen, baß bie Seichen 
Eingerichteter jur Änatomie abgeliefert tofirben 4 ). Irofc be« 
niebrigen ©tanbe* ber «rjneinriffenfchaft gab t» fchon euqelne 
©pejialiften; fchon um 1280 mtrb ein SMagifter 3o$aitue« all 

1) gre^erg II, 96. 131. 

2) R. B. XI, 400. 

3) Hattenbach in gotfönngen XI, 367. 

4) $rantl, Gefä. t>er Unit>erfltfit fflWinflen I, 77. 120 



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aRebi}iniföe Literatur. 



877 



Äugenarjt genannt *). gür bie mittelalterliche ©ertngfctyätjung 
bet ÜRebtjin, bie nur langfam aufgegeben tourbe, ift e$ be* 
jettbnenb, bag man fie ni$t unter bie ßeben „artes liberales", 
fonbern unter bte fiebert „artes mechanicae" regnete. 3n 
einem Denker*, ben äbt SRartin Don ben ffiiener ©Rotten 
(1464) überliefert 8 ), werben aW bie lefeteren ffleberei (83c- 
HeibungSgemerbe), 3agb* unb gorftfeefen, ftriegSbienft, ®dj>iff* 
fa$rt (barunter au$ 33erfe$r$u>efen, §anbel, gifäeret begriffen), 
%ferbau, äßebijtn unb Die ©aufymbtoerfe genannt. 

SDiefer Stellung emfprectyenb, nimmt au$ bie mebijinifc^e 
Siteratur no$ feinen ffotftn SRang ein. Sin (£i$ftäbter ärjt, 
SWagifter Äonrab, f$rteb im 15. 3a$r$unbert ein ftompenbtum 
de regimine sanitatis 8 ). Die ©Triften §artlieb$ fyiben toir 
bereits ertrttynt. (Ein frity gebrudteS „ärjtbudfr 4 ), ba$ ein 
ärjt Drtolf au$ ©aierlanb Derfagte, enthält eine Doüftänbtge 
$atfy>logte, jufammengeftellt au$ allen mebtjintfd&en SBcrlen in 
latetniföer @pra$e, bte bem S3erfaffer befannt toaren ; 3Jiegen* 
berg* ©uc$ ber SRatur ift barin jum Seit ti>örtli$ toieber^olt. 
DaSfelbe ffierl, $ier unter ben tarnen Drtolf* unb $flaun* 
borfers, enthält ba$ mebijimföe §anbbuc$ be$ btfööflicty eic$* 
ftäbtiföen ßeibarjte« §einric$ ^flaunborfer, baju Diele SRejepte, 
manche mit grie^ifctyen @u$ftaben gefctyrteben, bte bamalä als 
®e$etmf$rift Dermenbet umrben 6 ). Über JBunbarjnei ift in 
Oberbeutfdjlanb ba8 ältefte ffierl bie 1460 Don §einrtc$ Don 
$$ol$t>eunbt getriebene „©ünbt^Srfene^ 6 ), eine Slmoetfung 

1) M. B. XXXVI a, 284. 3Rcifier Sienbart, «ugcnarjt 1410; R. B. 
XII, 72. — (Sin ftoßarjt toirb ermähnt in ber SMn^ner Äararaerrefymng 
t>on 1438 (föat«geföäft, ba« ntc^t ©au iß). 

2) Pez, Script. Austr. II, 673. 

3) 3n clm. 26875. 

4) @o ber Sftel in bem 1470 getriebenen cgm. 5498; f. au$ cgm. 
4205, 723. 724 (legerer bon 1457). 

5) Cgm. 5499. 

6) $erau*geflebro bon #Sfer unb SRibbelbor^f. fl6er ben S3er- 
fafier f. SRuffat itt @ifc-5Ber. b. 2Kün<$ner Htab., $ift. 1869, 564 f. 
$5fer, 2ebrbu<$ ber ©eföifye ber SWebijin» I, 789. 2>er Kanter 
$. b. ^taftwtgen in ber ©tuttgarter $<wbf<$rift ift ftyer nur 8er- 
berßni« für b. $$oltyeunbt. 



878 



ffiimbar&nri. SH<heraie unb Hfhrologie. 



)um Cerbinben im ©eiteften Sinne. Äbtömmling eine« (SbtU 
gefchlechte* au£ bem heutigen ^faljpaint an bet Wtmüht, toox 
ber 33erfaffer in ben Deutföorben getreten unb hatte auf beffen 
gelbjügen in $oten, namentlich Bei einer Belagerung 3Rarien» 
bürg*, bie reiche (Erfahrung gefammelt, bie er in btefer @$rtft 
jura Oemeingut machen u>id. ffiiemohl er oon feinen &hrern 
fpricht, barunter einem Shtiftoph oon SWünfter, ber Bt9 1480 
©tabtarjt in SRän$en mar, erfcheint er aW ein ungeteilter 
SDtamt, ber toeber oon ben alten ©prägen noch oon ber Äna* 
tomie, fogar auf feinem eigenen gelbe, ettoa« oerfteht. Xuf 
feinem befchränften ©ebtete aber be£ (SmptriferS, be$ bomb* 
»erf «mäßigen ffiunbarjte*, bemegt er fuh „mit ber Sicherheit 
eine* erfahrenen, oerftänbtgen unb getoiffenhaften SRarate*" unb 
manches in feinem ©uche, tote bie Sehre oon ben grataixett 
unb über ba$ Äuäjiehen oon Pfeilen toirb oon Fachmännern 
gelobt. ^^oWpeunbt fennt bereit« bie 9?arfofe bei Operationen, 
bie er unter anbeten ÜRitteln burch ÜRanbragora, bie Älaun* 
umrjel, erjielt, er fennt unb betreibt mit mufterhafter Deut* 
li$teit aud; fchon bie ftunft ber 9?hinoplafrtf, bie er einem 
ffialfchen oerbanlte. <Sr empfiehlt fxe nur unter ftrenger ©ah* 
rung be$ ftunftgeheimniffe* auäjuüben unb na$$er ift fte bemi 
auch auf lange 3*i* f° gut tote gänjluher Sergeffen^eit anheim* 
gefallen. 

©ährenb alfo in ben emften 9taturoiffenf$aften noch faum 
ein Sortfehritt ju zeichnen ift, ftanben gegen Ambe be* SKtttel- 
alter« bie Äftemriffenfchaften ber tllchemie unb Sßronomie in 
oofler ©löte. Sie bie beiben Oberhaupt ju ben Siebhabereim 
ber oornehmften ©efeflfehaft gehörten, fanben fte auch an ben 
bairifchen gürftenhöfen eifrige Sünger. ßubtoig ber Weiche formte 
nach bem Stein ber Seifen, «brecht III. lief feinem (Srft* 
geborenen bie »atioität [teilen, ©elbft ein fo unterrichteter 
unb ftrebfamer »rjt toie $artmann ©chebel meinte, ein ber 
Äftrologie untunbiger Ärjt oerbiene nicht Ärjt fonbem getnb 
ber 9tatur ju feigen unb niemanb foltte fich feinen $änben an* 
oertrauen *). (Sin literarifcher Vertreter be$ aftrologtfeheu 

1) Clm. 275, f. 196 t. 



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3ofej>h Grünt**. 



S7» 



ÄbetglaubenS unb ©ei$fagung$fchtoinbete fei fogleid^ hiet et* 
mahnt, ba biefe Stiftung feinet ©chtiftftelletei, bem 3eitgefchmatf 
entfptechenb, gtöfceten (Erfolg ^atte at$ feine ^iftorifc^en unb 
$umamftif$en Setftungen. <& ift bet ^tieftet 3ofeph ©rünpecf 
au« ©utghaufen, ein toeitgeteiftct $umanift, bet 1495 9tom f 
bann in bet ßombatbei bie $eetlaget bet $)eutf<hen unb gtan* 
jofen befugte unb im leiteten bie epibemifch auftretenbe Öuffc 
feuere beobachtete. Dtcfelbe verbreitete fleh aläbalb auch über 
©aietn unb richtete bott furchtbare Verheerungen an. 1500 
ftagte bie Sanbfchaft, febetmann fei oon bet Ätanfheit bet 
„©lattern - ganj eramt unb ,etfaigett" *). (Stünzel hat ftch 
butch quadfalberifche ©Stiften, in benen et (lateinifch unb 
beutfeh) biefe fttantyett (1496) unb fpatet felbft oon tyt be* 
ttoffen, bie oon ihm angetoenbete $eilmethobe (1503) betrieb, 
auch in bet mebtjinifchen Sitetatut einen SRamen gemacht, bodh 
ift bei ihm auch biefer ®egenftanb mehr afttotogifch als mebU 
}imf<h aufgefaßt, toie benn bet Utfptung be$ Übel« auf bie 
1484 etfolgte Annäherung (saevus coitus) be$ ©atutn unb 
Supitet jutüdgefühtt toitb. 1496 lehrte ®tünpe<f an bet 
UniDerfttät Sngolftabt lateinifchen ©til, fchtieb einen Äommentat 
übet beä 8autentiu$ 83alla Libri de elegantia linguae latinae 
unb oerf uchte butch SSetmittlung beS ftanjlet* ftolbetget, be* 
SManneä „oon göttlichet £ugenb, oon unetmegltchet 8Bet«^ett 
unb ungeheurer ®elehtfamfeit" oon §erjog ®eotg att ^>tftorlo- 
gtaph bet bairifchen gfitften „unb ihtet Hanget" befteüt ju 
metben. (53 toitft fein üble« Sicht auf ftolbetget, bat ba* 
®efuch *) ohne örtfolg blieb, bat ihn atfo ®tüupecfö Schmeiche- 
leien ebenfo ungerührt liegen toie bie eröffnete ÄuSftcht auf 
Unftetblichleit Sßot bet Spibemie nach ÄugSbutg entflohen, 
lieg ®rünpecf bott butch feine ©chület oon ihm gebtytete 
Äomöbien aufführen unb getoann babutch bie ®unft be$ ftönig* 
STOaf imilian, bet ihn als ©eftetat in feinen Dienft nahm unb- 
1498 ju gteibutg butch bie §anb beS Dr. ©igmunb ftteujet 

1) Ärcnncr IX, 458. 

2) «u* clm. 19844, gebrudt bei €jern$, 41. 



880 3ofetf Qxüuptd. 

mit ber Sorberfrone unb bem SH^tere^u fdjmüden lief. 
fta$ als ©einer Sßaieftat ftaplan, $iftorifu« unb »ftronomu* 
unb als Doftor ber Ärjnei burfte fi$ ®rünj>ed bejetynea. 
©elbft&erföulbete ffitfranfung an bet 8uftfeuc$e (1501) trieb tyn 
au$ bem föniglit&en Dienfte »riebet feinem früheren uitftätes 
©anbetleben in bie Ärrae. (Einige 3ett (1505) $ielt et tu 
WegenSburg, t>on bet ©tabt befolbet, eine $oetenf$ule. 9ta} 
1532 lieg et eine @$tift ausgeben, fein $auptoert tft 
bie toa$rfd&einlic$ 1515 fcerfajjte Historia Friderici III. et 
Maximiliani ju betrauten, bie et fpäter felbft in* Deutfcfc 
übertrug unb erweiterte, §ier fyat et eine 5Kei^e t>on ©übern 
<m$ bem bewegten geben biefer beiben $ettf$et gejeiebnet, bie 
fäon wegen feine« Dienftoerfcaltniffe« }u SDlajimilian ®ea$tung 
Derbienen, wenn tynen au# bie bom fiaifet vorgenommene 
Durc^fic^t unb tyre ©eftimmung als gttrftenftriegel für bea 
jungen Srjfcerjog ftarl vorweg bie Unparteilicbleit rauben. 
Verloren finb feine Commentaria divi Maximiliani, mibe« 
beutenb bie f$on früher verfaßten lateiniföen £eben4bef$ret* 
bungen ber Crjbifööfe von ©aljburg bis jur ©a$t Seon^arb* 
1495 l ). ©enig (Eigentümliche* bietet au$ eine 1507 öer* 
faßte größere Kompilation über beutf^e ©ekbtyte *). 3m 3a$te 
1500 wünföte ®rünfed bem (Srjbiföofe ©ertyolb Don ÜJJainj 
in einer (Stiftet 8 ) ©lücf ju feinen »entrungen für bie ftei$*» 
reform; vor aüera, meint er, müffe ®otte*furtbt unb ®ottet* 
bienft jurütf festen, auö tynen werbe ©et*$eit unb ffiat er* 
Kriegen; er falägt &or, eine {Reihenfolge oon fteben Steffen 
#i feiern unb ein ßirc^engebet für ben ftaifer einjufü^ren. 
HWafelofe «lagen über bie fittlitfe SSerberbni* ber ©elt, Dor 
ädern ber ftir$e unb ®eiftli($fett, unb äßafytungen jur Seffc* 

1) Clm. 1276, f. 1-53. 

2) Clm. 23751; togt C&ern$, 39. 

3) Clm. 434, f. 104. Ober <&rüw;c<f f. griebri*, «protogie nnb 
Deformation, 64 f.; fcefonber* *. Ocfete in ber Bttgcra. 3). ©iogr<n>$ie 
X,56, unb Cjerni?, 2>cr $nmam|* unb $iftoriogrart Ä. SWarimilian« L 
3ofep$ Qfxünptd (1888); ju feinen mebijtnifcfcit e*tifteu OÄfer. Se$r- 
büä) ber @ef$i<$te ber SRebiiin III, 289. 



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Qkitfagung allgemeinen Umßurje*. 881 



rung festen in Dielen feiner ©Triften toieber nnb {eignen ben 
bei ben §umaniften fo häufigen 3miefpalt jnriföen {folgen 
©orten unb uneblen Senaten; bemt bie fircbl«$en {Beiden $iel* 
ten ©rfinpeef ni$t bon auSfötoeifenbem 8eben«toanbel jurüct 
Die meiften feiner 8ü$er unb ©ü^lein bre^en fi$ um bie 
8lu«Iegung mm gBunberjeifyn, ^rognoftüa unb bergleicfcn, toie 
benn befonber« in feinem Specnlnm naturalis, coelestis et 
propheticae visionis, ba« mit §olafc$nitten iüuftriert, 1508 
(balb au$ in Überfefcung) ersten, auö Oeftirnen unb 2Re* 
teoren, auö SDWßgebutten unb feltfamen Gegebenheiten mit 
gefebmaettofem ©ortfötoall ade erbenflifyn Übel unb ber Um* 
fturj ber gangen ®efeÜf$aft«orbnung pro^^ejeit »erben. Diefe 
©erfe berühren mit ben ja$lreic$en ©Triften über ba« 
(Slenb ber ©elt ober einzelner Staffen, benen mir no<$ begegnen 
toerben; jufammenge$alten entlüden fie bie tiefe ©ityrung, bie 
alle ©tänbe erfaßt $atte unb bureb eine berartige Literatur nur 
gefteigert »erben tonnte. 

Hein 3^«8 ber Literatur ift me$r in bie ©reite getroffen 
als bie ©eföid&tföreibung. $ier ift au« bem Anfange btefe« 
3eitraum3 no<$ ein ©ctyriftfteller nacbjutragen, ben erft bie 
neuefte gorföung toieber in fein 5Rec^t eingefefct $at 1 ). 811« 
SSerfaffer eine« ber feertooüßen ®eföi$Wtt>erfe, man barf fagen, 
be* ganjen beutfeben SRittefalter« fnäpfte ein greifinger ©iföof 
an biefen ftir$en< unb Sßufenpfc ncöf einmal ben fcon ©iföof 
Otto fo glanjenb behaupteten SRufyn ber <3ef$i$tf$retbung. 

1) Halbem ©oltan (f. etraßburger ©tubien IV, 1883 , 301 f.) 
jnerft ba« richtige ©erbSltui« ertannte, $at St. ©en<f in feiner gtünb« 
liefen Stttymbtung: SH6rec$t toon $o$enberg unb 9Rat$ia$ t>on Neuen- 
bürg (Weue* Hr$to IX, 22—98) bie tooflen ©etoeife für «tbrefy« «utor- 
fäaft erbracht Cntföeibenb ift befonber* bie *Rac$ri<$t ber Geste episc. 
Frising., Scr. XXIV, 326. 2He erfte «umgäbe ber Strömt erfälen 1553 
ju ©afel, beforgt *on £ufi>inlan, al* «nfying ju beffen @<$rtft: 
De con8ulibus Romanis, unter bem Xitel: Cbronicon magistri Alberti 
Argentinensis. HI« Mathias Ntiwenburgensis »nrbe bie <S§ronit fcon 
@tuber etojeln unb fcon Ulf. ©über bei Böhmer, Fontes IV, Der- 
$ffentU<$t. 8gl. an* Hl @c$ utte in ber 3ettfär. f. ©efö. bee Ober* 
rtein* XL, 46 f. 

ftietle«, •cWl<*te «aieru«. HL 56 



882 »t&rc$t tum ^o^cnberg, 8if<$of wm grciftng. 

<5« entfpri<$t bem birrc^ bett ftir^enftreit gefc^affenett ffitttfat 
ber $artetoer$ältniffe, ba& un« and feinem ©erfe teilte J>apfU 
freunbli<$e Oejinnung entgegentönt ®raf Xlbte^t T. oon 
Dodenberg au« einem alten föttäbifc^en ©efcblectyte, ba* mit 
ben &oÜem eine« ©tamme« ift , er felbft ein na$er 9tu 
toanbter bet $ab«burger, Doftor be« Rirtbenrecty«, bann @trafh 
burger ©omberr, au<b 3n$aber anberer ftanonifate unb mehrerer 
Pfarreien in ©tbmaben unb Öfierreidfr, Darunter t>on @t. Stephan 
in ©ien, biente ftaifer Submig bem JBaiern in ben darren 
1338—1340 al« ganboogt be« (Elfaffe« nnb 1340—1342 at* 
ftanjler be« SReicb«, bi« er fi<b burcb $apft «lernen« Y. auf 
feiner ®efanbtf$aft«reife bon 1342 belegen lieg, bie ©a$c be« 
ftaifer«, &on bem fi$ ber (Sbtgetjige nad? feinen eigenen ©orten 
ni$t genfigenb befördert fa&, anfjugeben. Dreimal auf ben 
ftonftanjer ©tubl, ben Sprengel fetner $eimat, gemault, hierauf 
bom Zapfte jum ffiftrjburger JSÖtfc^of ernannt, Fonnte et bo$ 
toeber bort nocb tyuc jum ©efifc gelangen. Con 1349 a6er 
bi« ju feinem lobe (25. «pril 1359) Kältete er al« »if*of 
bon greipng unb tarum fotoie al« ftanjler be« ftaifer« ge$5rt 
er ber bairifcben ®t\fyd)tt an. JUbre^t batte in ftonftanj unb 
$ari« ftubiert; an ber leiteten Untoerfttat Ratten bann ja#* 
reiche jjtdflztt feinen eigenen pmftifcfcn SSorlefungen gelaunt. 
Die fturie bon Hbtgnon lannte er au« eigener 8nf<bauung fo 
gut toie ben faijerluben $of. 91« ©efanbter be« ftaifer« ging 
er aueb an ben franjöflictyen §of, jum ftönige bon Snglanb 
nacb 8ntmer)>en unb an ben $erjog Don Dfterretcb. SRacb 
ftaifer Submig« lobe begleitete er ftarl IV. auf feinem Umjnge 
im (Hfafe unb am Oberrbein, bo<b $telt ibn fein gute« S3er* 
$ältm« }u bem neuen $err[cber nü$t ab ba« papftltcbe VkxU 
jeug geringjufcbaften. ©enn ein feieret SDtamt, mitten im 
politifefcn geben ftefcnb, nieberfebrieb , toa« unter ben @ro§en 
biefer ffielt bor feinen «ugen ftd? jntrug ober toa« tym S3er* 
feanbte unb greunbe fcinterbraebten, bürfen totr beffere ftunbe 
ertoarten, al« too ein @$rtftgele$rter befebeibenen Stange« in 
ftiöer 3cU* 8*ber greift. 3n ber Cbtonif, toel^e Ubrecbt 
auf ®runb früher gemalter SJiotijen 1350 »erfaßte unb burtb 



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9tf$tmtgm ber $ifioriogra))^ie. 



888 



feinen SBeamten Äonrab $agelftein bem greißnger Domlapitet 
überreifen lieft befytnbelte er bie eutopäif$en (Stetgntffe feinet 
3eit unb baneben bie ©enealogie be« $o$enbergifc$en $aufe«. 
©eiftood unb toelterfa^ren, föättet er in lebhaftem unb ge* 
toanbtem Vortrag eine güfle Don Qentoftrbigfeiten bor und 
au«, ©eine Neigungen flnb »ittel«ba<$ifc$ geblieben, au$ Hal- 
bem er ben Äaifer Subtoig teil« au« ©gennufc, teil« au« 
Unjufrieben$eit mit feiner Siroler ^otitif Dertaffen $atte. S3on 
ben Zapften 3ofcann XXII. unb Siemen« VI. enttoirft er auf 
©runb perfönlicfcer ftenntni« wenig günftige Gfcaralterbilber, Ja 
er föeut fidfi ni$t, ©fanbalgeföictyten Dorn päpftlifen §ofe ju 
erjagen, fo bafc bie S^ronif auf betn Irienter ftonjit auf ben 
3nbe$ ber verbotenen 33ü$er gefegt nnirbe. Sie urftrfinglfc&e 
ftebabion be« ffierfe« bra$ im SKärj 1350 ab f eine gort* 
fefeung führte bi« 1356. (Sin Äleriler be« ©tragburger 
©iföof* ©erftolb von ®u$egg, SRamen« 3Wat$ia« Don SWeuen* 
burg ; ber bie 8eben«gef<$i<$te feine« $erro färieb, fcat biefe 
Denfmürbigleiten Älbredfrt« benufct unb für ben jmeiten Seil 
ber t>on 3J?at$ta« tynterlaffenen unb naäf ifym benannten £$roni! 
bürfen toir fic al« bie §auptgrunblage betrauten. 

©ifäof SUbrety ton greifüig ift in ©aiern auf 3a$r- 
ftwberte $inau« ber lefcte §iftortfer au« fürftlicfcem ©tanbe 
unb regierenben Streifen. 3m 15. 3a$r£unbert fanb bie @e* 
f$i$tf$reibung $ier ungemein lebhafte Pflege, bo$ leinen ein* 
jigen burf SBegabung befonber« au«gejei<$neten Vertreter. 
3©et Stiftungen laufen in i$r neben etnanber: eine gelehrte 
in lateiniföer ©pradfje, gehegt &on SRSnnern be« mittleren 
unb nieberen ftteru«, toie «nbrea« &on 9?egen«burg, Ulri<$ 
Onforg, Seit Hrn^cf, bem $rior Seit &on <Sber«berg; tofi$* 
renb eine t>olt«tämti$e in beutfefcer ©prafe SWänner be« 
©ürgerftanbe« nrie 3örg ftajmatr, Ulru$ gfietrer, unb ein ein* 
jelner «itter unb $oföerr, «bran *on ffiilbenberg, bertreten- 
©aflif aber ift e« nun bie engere $eimat, bie batrtföe 
dürften- unb 8anbe«geföic$te, ber fidfr, entfpred&enb ber fort* 
föreitenben Crftarfung unb «bföliefeung ber Territorien, bie 
$iftoriograp$tföe 2$&tig!eit überoiegenb, ia feit ber SWitte be« 



fcegernfeer Ätofter^ronif. 



15. 3a$r$unbert« no^eju au$f$ttegtt$ jutoenbet. <&egtn ben , 
@$luf? be« &\txaum* beginnt ein neuer ®etft ju rege«, 
balb ftörfer, balb fctytoac&er toerben nun au$ bte $iftorif<$eB 
Stiftungen bom $umam«mu« erfrifät unb befruchtet Zta) 
jur unerläfcltyen SJorbebingung toiffenf<$aftlk$en Gerte*, jur 
$iftorifc$en Ätittf burtfyubrtngen miü ber emftgen gorföiwg | 
no$ immer nic^t gelingen; nur Sfolfiufe baju flub ^ie unb ba 
ju bemerlen. Cieüeictyt mar e* aber, e$e bie ftrttif mit »oder 
ftraft unb ©elbftbetoufctfein auftreten tonnte, nötig, ba| iene 
außerorbentti$e Steigerung ber ^robuftion Doraudging, ber totr 
im 15. 3a$r$unbert auf biefem gelbe begegnen. 

3una$ft finb no$ Äu«läufer ber alten annaliftiföen, Bio« 
gra^if^en unb H5fterlit$en <&f$i$tf$reibung unb gortfefettnges 
älterer ©erfe, barunter einige ni$t unbebeutenbe Stiftungen 31 
berjetynen. ®egen ffinbe be« 15. 3a$r$unbertt förieb ein auf 
bie SReform feine« ftlofter« mit freubigem ©tolje jurficfblicfcnber 
Xegenfeer 2Wön<$ in anfprefynber unb tn$alt«reic$er Öhrjd^lung 
bie ®ef$t$te feine« ftlofter«, moju er beffen Urtunben unb 
3nf$riften, bie ®rünbung*gef$i$te, bie profatfäen tote metrifcfci 
Quirinalien fleißig benfifete *). 3n ffieffobrunn fammette ber 
3Dl5tt<$ ®trp$an Seopotber (geboren in ber Oegenb ton legem* 
fee, geftorben 1532) biele« jur Oefaicfcte feine« ftlofter«, bena$» 
barter ftlöfter unb überhaupt jut bairifc^en ftir$engef<$tc$te Ä ). 

1) Chron. mon. Tegernseensiß ; Pez, The*. IIIc, 497—551. 9os 
cAp. 15 an $ ber fcegernfeer 3R0n$ llfon« ©über, e. 1720, 8er» 
f affer. gttr ba« toraufgefcnbe tooUte $ej Serfaffer be« 1&, 14. nmb 
15. 3a(r$unbtrtt untertreiben. 2>agegen u. a. bie an bat 
Mortüogium (c. 528) getaufte Äußerung unb bie ©ejeufauna. einer Ur- 
tunbe toon 1266 al8 anüqnam instrumentom (c.529). 8u$ 8. fc. $eine» 
mann (Wae« «r$h> XII, 160) nimmt (Sin^ettTu^teit be« Serie« Ml 
«nbe be« 15. 3a$r$nnbert« an. — 1493 ober balb na$$er tn&genfee 
entfkanbene Sufteicftnungen an« dm. 18776 *er9ffenttt4te i$ in £ur» 
mair« fBerten III, 581—584. 

2) ©. bef. elm. 1927. 1928 unb Leuthner, Hist mon. Weno- 
font 388—390. 2>ie in ©b. II, 569 erndfonte Compilatio chronologica 
bei Oefele II, 331 f., tfc »ie bie tta$ri$t jum 3a$re 1363 jdgt, ton 
einem Gttater SRfaifc gef^rieben. 




gortfefcungen fiterer $eföi#t$r»erte. 885 



5Dte Dorn ©aWfton ftonrab begonnenen greiftnger ©ifdfrof*' 
gefegten fanben bi« jum (Snbe be« 15. 3a$r$unbert« gort* 
fefcungen 1 ), bie al« Queflenfd&riften ©eatyung öerbienen. 
8iterarifö $5$er ftefcen bie ebenfo toeit $erabgefü$rten Sebent 
befd&reibungen bet ©cfttfibter ©ifööfe (ogl- ©b. II, 576), beten 
lefcte auf Änorbnung be« ©ifdfrof« ©abriet ton ©7b (1496 bis 
1535), bet Harlan nnb ©eU$toater feine« ©orgfinger« ffiityelm, 
Seonfarb Hngermair, wfajjt $at. 3Wit $ietfit unb felbft- 
berftfinblty ftetilalcr «uffaffung gejetynet, atten biefe ©to* 
gra^ieen bo$ ni$t in urteil«lofe 8ob$ubelei an« ; ba« Itebe&oö 
entmorfene <£$arafterbilb be« eblen ©iföof* Sodann in. t>on 
Cid? toütbe allein genügen, tynen $o$e ©ebeutung ju ftcfym 

SDitt ben bereit« erfoä$nten btei bairiföen gortfefcungen bet 
fä<$Ftföen ©elt<$ronif .(©&. II, 573) toaren biefe no$ ni<$t 
abgesoffen. Sin Untertan bet Sngolftäbtet §erjoge »etfagte 
eine uierte, bie *on ftaifer Subtoig« ©a$t bi« 1454 reicht, 
befonbet« bie 3ngolftäbter ffireigniffe au«fü$rli<$ erjäfclt unb 
etam für bie legten jtoanjig 3a$re ben ffiert einet gleichzeitigen 
Oueüenfd^tift beanfo>ru<$en barf*). (Einen oberbeutföen SEcjrt 
bet SBeltc^tonif, bet äuget ben beiben gortfefcungen bi« 1348 
no$ toeitete auf bie j&tit ftaifet 8ubtoig« bejüglicfc 3"f% 
enthielt, fanb au$ Hoentin 1509 in ©urgfrutfenj er überfefcte 
tyn in« öatetnifc^e unb betitelte feine Überfefeung; Ghronicon 
Ludovici imperatoris B ). 

©enig gepflegt toirb ber Siteraturjtoeig ber $etligenlegenben, 
too ja ber Dietctytum ber filteren ©Triften bem ©ebflrfntffe 
t>odauf genfigte. $)oc$ machte 1415 ber ^affauer Domherr 
$aul Don <Polfcim eine mertofirbige ©tiftung „ jnr 8u«rid}tung 
ber $iftorie ber % Sungfrau 8gne«" 4 ). flfttoa« reger ift bie 
S^fittgfeit auf bem Selbe ber !tr<$li($en ©tograp^ieen im toeiteren 

1) M, G. Sor. XXIV, 324—331. 

2) @. ©eilanbS «u«gabe unb «orbertyt ixt M. G., fceutföe 
£$romtcn II, 352-384. 

3) »nfyfiac au« bicfer ©nrgfymfer gortfefcung fytbe i$ mitgeteilt in 
Xurraair« «Serien III, 588—593. 

4) R. B. Xü, 204. 



886 



Sinne. (Sine 8eben«befäreibung be* 1482 ol* Sßtvox *oa 
SJielf geftorbenen Sodann ©liti>a#er au£ ©cfcongan (t>gl. obai 
©. 829. 874) Derbanft man i©eien jeitgenöffifcfcn Senebtfttnern 
Don JEegernfee 1 ). Solana fcon (Ellenbogen, Hbt oon Söalbfaffen, 
nribmete betn Äbte $eter t>on ftönig$$of eine @$rift de Tita 
venerabilium monachorum monasterii sui, toorin er Diel txm 
Shtnbem unb oon bet 3Wmmigfeit feinet ftlofterbrfiber ergätft a ). 
Der ©enebittraer $etru« SBagner, Don 1502 b« 1511 Ott 
t>on £$ier$oiq>ten, oerfogte 1493 eine ©$rift über bie 
rühmten SRänner unb Stauen feine« ©rben* 8 ). 

Die gt&gte ©ebeutung unter ben batrif^en ^iftorilern bt* 
15. 3afa$unbert$ barf gleich ber ältefte unb }uglei$ mtibet* 
fedfte beanfyrucben, ber S$or$err Änbrea* ton ®t. ÜHang in 
®tabtam$of, belannt unter beut Kamen: Änbrea* oon Siegend 
bürg. Da er na# eigenen Angaben bie ©$ule in Straubing 
befugte, au$ einen ©traubinger S3ürger, ber 1393 $o$beia$rt 
toar, perfdnlü^ fannte 4 ), bürfte feine $eimat in ©traubisg 
ober beffen fMfye ju fu^en fein. Der irreführen** ©ttname 
Aurelianus, ben tym Hoentin gibt, bejewfcnet nur ben Suguftiaer, 
nac$ bem fy. StoreKuS äugufttnu*. 3n ber $fingfttoo<$e 1405 
empfing Hnbrea« ju <5i#ftfibt bie $rieftern>etye. Später trat 
er in ba$ augufrtner*6$or$errenfttft ©t. SMang in ©tabtamfaf 
bei Stegendburg, too er na$ 1438 jum Delan borrfofte *), 
too$I balb nac$ 1439 aber ftarb. 

1) Sei Pez, BibL ascetica VIII, 629-640. 

2) Clm. 1211, f. 69 unb 22104, t 1. 

3) Clm. 1091 ; Pez L c, 465. 

4) Chron. de ducib. Bar. 113; Chron. gen. Pez. IV c, 596. Über 
Äubrea« fcgi, bcf. Oefele, Script 1, 1—14; ©a&l, «nbrea« «ob 
ttegeirtburg (©Bttinger ©iflertation, 1882). 2>a« fcnbföriftUcfe SWatnrid 
tft ebaifo rci* feie gerfoftttert «Reue fritif^e öbitUmen »aren fftr In* 
brea* toie alle bairif$en gforlSufer StoentinB gn münfcben unb in mauter 
©infUfct »erben erft, toeuu foUfc borUegen, abfölteßeubf Urteile Aber btefc 
gange Literatur tndgli^ fein. Som tyflor. ©eretn für Oberbaiern tjl 
nunmehr ber frenbig gn begrflgenbe $(an eine* berartigeu Unternehmen! 
Sefajt. 

5) SWartin 8Rabr, ©iener $anbf<$riften gur bahr. Oefö. (Wen* 
«r$u> V, 130). 



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G$or$err «nbrea« *on €5t SRaug in ©tabtam$of- 887 

«in nxltgefcbfc&tliebe« flhretgni«, ba« ftonftonjer ftonjil, toetfte 
in $m ben $iftortter, @e$nlü$ &>ünf$te et bcr »erfammlung 
tetjutoo^nen. £)a tym aber feine niebrige 8eben«fteltiuig bie« 
itic&t erlaubte, ferfcbte er bocfe au« ber gerne eifrig bem (Bange 
ber S3er$anblungen na$, fammelte alle«, loa« er t>on Äften* 
ftäden auftreiben lonnte, unb Unterliefe al« bie gru$t biet 
Jä&rigen ©fer« ein groge« ©ammetoerl bon Urfunben unb 
«fteti, Sieben unb religtbfen Üraltaten, bte Acta concilii 
Constantiensto *). ©ie reichen bis 1429, greifen aber audfr 
auf ba« ftonjU oon $ifa unb frühere Cretgniffe jurfid. 3n 
einem ©^reiben an ben STOagifter Sodann bon $inlel*bfi# 
nennt er ba« ffierl ein au« ärmlichen SRitteCn, aber reklet 
Steigung hervorgegangene« befctyeibene« ®efcben! an bie Sflaty 
toett. »efonber« toicfttg ift für nn« ber fiebente Zeil btefer 
©aramluitg , bie fogenannten Supplementa, bie reiche« Äften* 
material jur ©efdfridfrte ber $ufitettfriege bieten, <£ta festerer 
«bi<$retber $at mit $intoeglaffung alter Bfteuftäde einen »u«jug 
au« biefen Supplementa gemalt, ber in 32 ftapitetn bie ®e* 
föid&te ber §ufitenfriege bon 1418 — 1428 befcmbelt: bie 
fogenannten Expeditiones contra Husitas heretioos *). 3n 
einer anberen ©$rift aber unb in anberer gorm $at Snbrea« 
felbft einen fummarifc^en 8u«}ug au« ben ftonftanjer ftonjil«* 
alten unb befonber« au« ben Supplementen ^ittterlaffen, in 
bem 1430 berfafcten, auf meitere Seferfreife beregneten Dialogus 
de Husitis, einem ®efprä$e über bie $ufttenWege }toif<tyett 
ratio unb animus 8 ). 

Da« berbreitetfte ©er! be« Änbrea«, ba« ungemein oft ab* 
unb aufgetriebene, au# umgearbeitete Chronicon generale 
ift eine jener tyn$roniftif$en $opft* unb ftatfergeföityen, toie 

1) B&gefefcn Don ben Supplementa ift nur einzelnes bei fta^natb 
unb b. b. $arbt ebiert, wm ben 2>ofontenten ber Supplemente (tffwt 
bie ertftfenben «bfo>nUte) ber größte £ett Bei ?alad*, Urhrabl »ei- 
trige vax $ef$. ber fcnjüenfciege; 2 Seile; *gl »orrebe, 6. nc fteer 
bie 4>astbftbrift an« SWonbfee f. <w<$ Pez, Thes. IV, p. zxv. 

2) «Sfler, Okri*tf$reu*r ber Wfltif*« Sefeeamtg 11,406—456 

3) 8ei $3fler a. <l O. I, 565-596. 



888 



Snbwa« t>on ©t SDfang 



fic feit ÜÄartin Don fcrowan jut SRobe getoorben toares. 
SM« näctfte SJorbilb toten rieflest We ©cfltöbter Vapfr unb 
ftaiferannalen. ffiert nnb 3ut>ertäffig!eit getotent btefe «Bett* 
d&romf bo<$ erft &on bo an , too fie jur &dkttfä)Mftt nrirt, 
ettoa bom 3a$re 1405; bon 1409 an beruht fie jum gro§en 
Seil auf ben Dom »erfaffer gefammelten ftonftanjer StatitO» 
alten. 3mmer$in terbanfen toir bem ffteiße, mit bem fbtbrea* 
OueBen für bie filtere ©eföitye fammelte, bte (Erhaltung ber 
Dberattaic$er «nnalen fcon 1311—1372 fl. »b. II, 57l> 
Da« Chronicon generale ift in ber etften Webottion bi* jum 
Qanuar 1422 geführt; erft na$ einer Unterbrechung Don fe$* 
je$n darren fnfyfte ber Berfaffer, um, tote er fagt, einige 
leere ©Kitter feine« ©u$e* auSjnffillen, no# eine Sortfefemig 
bi« jum 3a$re 1438 an 1 ). 8ÄittlertDeite aber, rttyrenb ber 
3a$re 1422—1427, $atte er in einem alt Diarium sexennale 
herausgegebenen ©erfe*) afle gefeilteren (Sreigttiffe, nötige 
unb untotytige, bie bamaW in feinen ©efit^Wfrefc fielen, auf* 
gejeicfrtet unb un« $temit eine ber bebeutenbften OueQenfc^riften 
jur ®ef$i$te feiner Belt geliefert. 

9to$ S3ofleubung feiner ©eltdfrronil trug fi$ «nbrea«, ipie 
er erjä$lt, mit bem $fane einer bairif^en ©frronif. (Er ent- 
warf junädfjft einen Stammbaum (figura) ber boirifcfcn $erjoge 
auf 200 3a$re für ben $erjog Subioig im ©ort, ber i$m 
baffir bei einem ©efuctye in 9tegen«burg (1425) bur$ feines 
©Treiber 8Jlu$aet ein anje$*ili($e« ©efc^enf überreifen lieg s ). 
35a i$n Subtmg ermunterte/ auf fein gr&fjere« »orfcaben an* 
Sufityren, entftanb ba« am 14. September 1427 4 ) bem 3ngoI* 

1) 2efctere nur in ber *n*gabe bei Eccard, Corp. bist I, 2151 f. 
$ie*on abgefe^en ift bie auf Cod. Vindob. 8296 beru^enbe Sta«gabe bei 
Pez, Thes. IV c, wrjnjieben. 

2) «ei Oefele I, 15—30, na$ bem Kntogtatb be8 «erftfferf, dm. 
908. «a^etragen ift eine beteinjelte fta^rtyt gum 3a$w 1433. 

3) Diarium bei Oefele I, 25; *gl au$ Chron. Bat. 37. 2m 
„figura" ift boc* »oft nt$t* anbete« alt ber in greter« «matte 
beigegebene &tanttnbanui. 

4) Serrebe ginn ehron. de dveibos Bar., p. 1, ed. Fr eh er, ln>* 
berg 1602. 



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unb feine $iftorif$en Söerfe. 



889 



ft&bter $erjoge getoibmete Chronicon de ducibus Bavariae, 
ba* in ber erßen SRebaftion bt« p Wefem Söhre reicht, tofih* 
renb eine jtoeite ebenfo wie bei bet ffieltchronif bte St}&^(ung 
noch bi« 1439 führt. SMefe bairifäe <5hront! be« «nbrea« 
eröffnet bie lange {Reihe batrifcher ©ef<h«h«n>erfe oon ganj* 
ober ftttetffljtöfem Uralter, bie fic^ nun bt* in bie 3ett be* 
Äurffirften SWoj I. fortjieht. ©einem fürftlichen ®bnner Oer* 
banfte «nbrea« bie äßitteilung eine« ©riefe«, ben biefer oom 
Äönige ton (Supern 1427 empfangen ^atte. 3n bet Dar* 
fteüung war eine geöriffe fltfidficht auf Subtotg bei ben Um* 
ftfinben, unter benen ba« SEBerf entftanben ift, unoermeiblich, fle 
äußert fleh feboeh nicht in (SntfteUungen, fonbern nur fat ber 
Äfirje, mit ber über mißlichere fünfte hinweggegangen wirb *), 
unb im allgemeinen fann man bie Unparteiltchteit ber Dar* 
fteüung nur loben. 3n ber Beurteilung ber fernblieben bairif$en 
Sinien War ia, toenigften« toa« bie SRünchner ginte betrifft, ba« 
®Iei<hgetoicht baburch geförbert, baß Änbrea« auch mit beten 
Vertreter Crnft in petfönlic^e Berührungen getreten toar. 1431 
tourbe er mit einem £>rben«bruber jum $erjoge (Srnft nach 
Straubing gefanbt, um wegen ©runbftüden an ber Siegend 
burger ©rüde bie Siechte oon ®t. SWang ju oerteibigen. <5r 
erjählt anfehaulich, »ie er in ber großen ©tube ber §erjog«» 
bürg inmitten oon {Rittern unb (Sblen ftanb unb oon allen 
©eiten gefragt tourbe, toa* er eben in feiner ßhronü fchretbe. 
$föfclüh fühlte er pch oon rficftoört« umfaßt unb oernahm auch 
au« bem SWunbe be« $eraog« Srnft: „SRun loa« gebentt ihr 
bemnachft in eurer Shronit ju erjählen ?" Oetoanbt genug, 
bte ®unft be« Jfogenblid« für fein Stift }u bewerten, ertotberte 
ber fchlaue Chorherr: ßnnte er oon einem günfttgen (Srfolge 
fetner ©enbung berichten, fo würbe er baoon am liebften ber»* 

1) Hörigen* geßatten wtfere ftatgaben bietteuht an$ in biefer Äi(b- 
taug fein abföltefjenbe* Urteil, ©gl. j. ö. Chron. generale bei Eccard 
2166 unb Chron. Bavar. 127, bie (BrjS&fongcn über Subtoig« Eerurtei- 
ferag. 3m erßeren »irb Sub»ig nuht namentlich, fonbern nur als „ein 
gefeiffer gürß" angeführt; tnie unti>ahrf<$einll<h alfo, bag Änbrea« gerabe 
in bem Subnrig getolbraeten ©erfe ben Warnen eingefefct h^ben foUtel 



tfobrea« bon €5t. SRong 



melben. Da $erjog liefe ficb bann fein anliegen tortrages 
unb gemährte t* ^ulbDoü. 8luc$ mit bem ©algbntget <Etj* 
Btfd^ofe <Sber$arb t>on ©tarfcemberg , ber wm 1427 fett {Hm 
gebruar 1429 regierte, $atte Änbreaä angelnfipft, ütbem er 
tym einige feiner neuen ©Triften flberfanbte. Da Jeboc$ ber 
gfirft balb barauf ftarb, t>erMieb t* bei einem anertoatenbes 
Danfföretben *)• 

Sin ©eamter ber Stabt Äegentffatrg, 8ten$arb $efft a** 
©c&ftäbt, ber ft$ audfr in einer btt jum 3a$re 1476 ret$eabes 
©ettgefäidfrte (Imago mundi) öerfnc^t nnb eine gebr&ngte S«f* 
jeic^mtng über ben fflegendburgcr 6$riftentag bon 1471, im 
»efentlt^en nur ein ^ilne$mer&erjekbni$, $Uttertaffm $at f ), 
überlebte um 1471 bie ffieltcfrronif be« «nbrea« in« Dentfäe »). 
83on ber batrtf$en ß&ronif tmtrbe, tootfl \tyn früher, ebenfaltt 
eine beutfcfc Überfefcung 4 ) angefertigt, beten Urheber bt* feftt 
ni$t befannt, aber too^l nictyt in ber $erfon be« Onbrcai fettft 
}u fu^en tft. Die (grjä^Inng tft ftet bt* 1462 fortgeführt 
unb um einige »eitere Dofumente bereichert. 

eine )iemft$ toertlofe ftompüation au« äRegenberg nnb 
anberen GueUen erfcbetnt eine ©cbrtft über bie ©rfinbung* 
gef$t$te unb bie ©tfdfröfe w>n ffiegenftburg, (S£rtftent>ctfolgungen 
unb ftefcereten, n>elc$e 9nbrea4 1422 au* Änlaj} be* Don 

1) Chron. gen. bei Eccard 2158. 

2) »eibe* in clm. 26632. 

8) «bfdfrrift t>on 1535 in cgm. 3959. ©egen be9 dornen« be€ Ü6er- 
fefcer* (ntd)t ©elfter) unb ber Bett ber Überfenung f. f. 19 nnb 338 t. 
Sgl ou$ «bentin« AdTewaria VI, 137. 

4) 3n ber fe$r mangelhaften Snftgabe berfetben bei ftrebberg II, 
370 (et»a* abtoeiäjenb eine ©aubförift im $an9ard)i!>; bgL 
Pödinger, Ältere Arbeiten jur baijer. n. tfStj. <Bef$., 2. «btlg., 167) 
nrirb ebenfo »ie bei Oefele I, 9, behauptet, bag bie fiberfefeung bon 
Hnbrea* fclbfl nnb 1427 gefertigt fei. SHe Ingaben ber trirtüa) über- 
fefcten ftorrebe tfonen aber nur öon bem lateintföen Original gelten. 
2>er beutfebe Stcjt eroxift fia) föon babnr$, bag er no^ ein eretgntt 
*on 1462 moÄfrnt nnb Subnng im ©ort einen garten gftrßen nennt 
(e. 451), ald ©ert einte anbern alft be€ Knbrea*; t* mfigten nur bfcfe 
legten Äbfd)nitte erft foJüer bon einem gortfefcer ^spsgefflgt norbes fein, 
toorauf bi* fe^t wenigen« rieft* fcintoeiß. 




unb (eine ttterarifcfce ©ebeutung. 



891 



ftdnig ©igmunb einberufenen 9tek$«tage$ berfafjte unb bem 
9legen«bttrger ©ifc^ofe 3o$ann ©treitberger überreizte Ä ). £>a* 
mit Wtoanbt, aber totyttger tft bie um biefelbe Beit aerfagte 
(Sfronil ber »egenöburger »tfööfe »), bie bi« 1296 $a^tf&$lty 
auf ber ©c^rift ftonraW Den SKegenberg über benfelbcn ®egen* 
ftonb beruht, für bie {fingeren &eiten aber eigentümliche unb 
gute 9ladft\$tm enthält SRoc$mat belegte ft$ Slnbrea« auf 
bem ©oben bairiftyer ®eföi$te in ber Historia fundationum 
nonnullorum monasteriorum per partes Bavariae 8 ), bie 
&tfong$ 1428 entftanben fcfceint unb »o ganje Stüde auft 
ber bauifäen $erjog$#rotti! $erübergenommen ftob. 

Die literarif($e SJebeutung be$ Slnbrea« beruht auf feinem 
gleite unb feiner ®rünblt$feit. 3lur jum Seil tonnte in unferer 
Darfteflung ermähnt »erben, toa6 alle« er un$ bur$ feinen 
Sammeleifer gerettet $at. SBie rei<$ an ©toff ift allein ber Don 
tym getriebene codex lat. Monac. 903! 8u$ toenn man bie 
Dielen SBteber^olungen berüdjic$ttgt, fefet ber Umfang feiner 
eigenen ©Triften ein ganje« arbettt&oHe« SDtenfäenleben Dorau*. 
8U* $iftorüer mürbe »nbrea* bur$ feine SBerufSftetfong mettig, 
me&r aber bur$ feinen ©o$nort geförbert SRegen«burg, »ietootyt 
t>on feiner glanjöoHen §ö$e eben bamatt $erabftetgenb, be^Kmptete 
fi$ immer no<$ al« SÄtttelpunft eine« internationalen $erfe$r6, 
ber ftc$ um fo lebhafter geftaltete, mä^renb Deutfölanb unb 
Ungarn Don bemfelben Äöntge be$errfc$t mürben, fjür ben 
@ef#ic$tf$reiber ber $ufitenfriege jumal mar feine ©tobt 
günftiger gelegen. SBie SlnbreaS Diplomaten unb anbete ^erfcor* 
ragenbe $erjönltc$!eiten, bie bur$ 9iegen*burg tarnen, juguuften 
feiner $iftorif$en ©Triften auäforfäte, tote er ben braun* 
fötoeigifd&en ftanjler, ©adfrfen, ©Jörnen, $olen, ©panier, fogar 
£igeuner ju biefem 3toede befugte, erinnert f$on an bie ©etrieb* 

1) Cod. mspt 672 ber SRüwfrner Unfo.-©ibl., f. 308—324. »gt 
caxä) ffia$l, 22. 

2) »ei Oefele, Scr. I, 32—38. @ie ret*t bi« 1421, m$t 1428, 
feie im Xitel biefer SluSgabe fte$t. 

3) SRit bem Chron. de dueib. Bav. ebtert *on gre^er, 171—232, 
*M$bei Kuen, Collectio II, 207 f. Ü6er bie entfle^intgS jeü f.ffia$l, 24. 



892 



Knbrea* *on ©tSWang 



famfett mobetnet Sournaltftcn. Sott bettt Slegen&utget ©Arget 
gtanj $ütti#, bet aW ©efanbtet nach SJettebig gegangen toat, 
lieg et fich über ba« (Empor! ommen unb bie ©efd^te bet mit 
ffiittettbach mehtmatt fcerfchtoagetten Sfccotttt Don flflaüanb 
unb übet $anbeWftreittg!eiten jtoifchen StegenSbnrger unb 9tütn* 
berget Äaufleuten berichten, ©omohl bie SifchSfe al* bet 
©tabtrat oon 9tegen«fcurg öffneten ihm i$re «rchtoe unb ftanj* 
leien; auf bem Äonftonjer ftonjtt mng et me$r att einen 
tief eingeteilten JBerichtetftattet gehabt haben. 3mmet^in 
tonnte et butch afle Äühtigfeit ben SRangel nicht böflig etfeften, 
bag et felbft toenig in bet ffielt ^etumlam. ©eine ©efchetben* 
heit fftibtn toxx f$on angebeutet, er nennt fich ben geringsten 
unter ben niebtigen Sitetaten unb fü#t unb befennt e3 offen, 
bag ba« Möge 8bf treiben unb (gjeerpieren, toietoohl nüfcltch, 
bo$ nicht* gelne* fei. 3Me @ef$i$te hat ihm eine etjie^etif^e 
Stufgabe, bie er fehr einfach bahin befütiert, bag bte SSotbitbet 
bet @uten ermuntern, bie ©chicffale ber ©Ajen abfehteefen. 8n 
unmittelbarere SBitfung feinet ©chriftftetterei aber benft er, 
toenn et ben Dialogus mit ben Kotten einleitet: „3n Säten 
allgemeiner ©efabt ftiflfchtoeigen ift otelmeht Cerjtoeiflung aM 
fromme (Ergebung; einmütig müffen ba alle ihre Stimme er* 
heben unb ju ©chufc unb ©chttm herbeieilen. Diefe ßrtpagimg 
^at einen einfachen ^tieftet, ja ben getingften unter ihnen, bc 
ftimmt, bie Hufmetffamfeit ber SWenge in Änfpruch ju nehmen." 
ffia^^i^twbenb unb in bet $auptfa<he unparteilich, befchränft 
er fich weift auf einen objefttoen, nüchternen ©eruht, in bet 
$ufitenfrage Jeboch unb in allem, toa* bamtt jufammenhangt, 
macht ftch auch W** Äuffaffung nachbtücflich geltenb unb fax 
ift e$ bet ganattomu« bet Otthoboyie, bet fein Urteil beherrfcht, 
bet ihm tot bet nationalen Seite bet böhmifchen ©etoegung 
bie Singen oetjchliegt, bet ben fonft fo ÜÄagoolIen übet Jtönig 
©tgmunb mit leibenfehaftlichet unb übertreibenber ®<harfe ben 
©tab brechen lägt. 3m allgemeinen finb feine ©Triften faft 
überall juoerläffig unb toertootl, »o fte bie ©eföichte feinet 
eigenen 3*\t behanbeln. (gering ftnb bagegen feine ?eiftungen 
alt (Stforfcher ber S3etgangenheit anjufchlagen. ftritif bet 



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mtb feine gortfefter. 



898 



Quellen ift tym ftemb, feine Unfenntni« jumettcn getabeju 
fibettafc$enb. Slbentin $at bem SBotgänget, bem et Diel bet* 
banfte, mit bem <S$tentitel be$ batrifäen 8toiu« gelohnt unb 
in bet 2$at ift ber 93erglet$ ntyt böflig unberechtigt, aber 
toa* bet Boirifc^e ß$ot$ert mit bem »töntet gemein $ot, ift 
mit bie ©tellung am Knfonge einet langen litetatiftyn dnU 
ttri<Ilung«tet$e, ift bet ftutybote ©ammelfletg, bet beibe ffit 
bie SRadtfolget ju unetfötyfltyen gunbgruben ma<$t, ift enb* 

ein 3 U 9 bet ©($toäc$e, bet ni$t betf^toiegen toetben 
batf, bet ftitiHofe, ja finbifd^e äbetglauben. Stjäftt bo<$ 
Hnbtea« in boflem flrtnft, bafc in 9tom eine ftafce, bte Äinbet 
etfticfte, fi# aW alte^ ©eib entpuppt $abe unb batauf att 
$eye betbrannt motben feil 3mmet$in flnbet man bei tym 
au<$ äufjetungen eine« aufgeHStteten ©fone«. Die ffiei«fagung 
übet bie (Stfctyeinung be« Änttctytift« unb ba« ffieltenbe, bie ein 
©omintfanet 93incenj an $apft ©enebift XIII. richtete, ^at et 
tote fo man$e« anbete Wütige unb Säpptfc^e jtoat einet 2üv 
fdfrtift getofitbigt, bo<$ ntc^t ofrte bie Ätitt! beizufügen, bag 
folcfye ^topfcjeiungen nut Staunte pfcantaftiföet 3ttufionen feien. 
SBon betattigen fingen, tuft et au«, $aben ni<$t einmal ©otte^ 
etgebenfte ®e$eimfc$teibet, bie Sfyoftel, etwa« toiffen tönnenl 

gortfefeet $aben an bie SBetfe be« jfobtea« angefnüpft 
3ut ©elt^toni! fätieb bet ^tebiget 3o$aun ßtafft au« 6$am 
ein auetarium, ba« bie £eit bon 1443 — 1490 umfaßt 1 ). 
Set baitif$en §erjog«($tonif gab bet ©d&ulmeifiet 8eon$atb 
$an$o!j bon Opetfofen (geft. 20. 3uni 1498) eine gottjefeung 
s bi« jum 3a$te 1485 *). 

3n 5Regen«butg $at bann nriebetum ein (S$or$ett bie 
fammelnbe unb fompitterenbe Ifcatigfeit be« Slnbtea« auf* 
genommen. Ulti$ Dnfotg, bet in $abta ftubiett frttte, et* 
föeint 1457 al« $fatr$ett in Steiffing, fpätet al« £$ot$ett 
an bet «ften Staptttt in 9tegen«butg. 1485 fünfte et bet 
©tbßotyef biefe« ©Ufte« einen au$ mit einigen 3*«$nungen 

1) ©et(8ccarbim «nföfofle an bie tyxomt be« «nbrea«. 

2) 3n ber «itfga&e gre$er«, 144—170. €5dn fcobtftag in dm. 
1004, f. 25 v., tto et informator iuyenom genannt wirb. 




8M 



Ulri<$ Onforg. 



geföm&ften Folianten 1 ), toorüt et aufet t$eologif$en mtb 
$ftorifc$en ©erfen anbetet eigene $iftotif($e Äomjrilatümen 
mebetgefdfrieben $atte. Sine 1454 toollenbete <S$tom! bet 
Äatfet unb $fyfte reicht mm 3uliu* (Sfifat bi« 1422»), ba* 
Ghronicon Baioariae, 1456 gef($tieben, bon ben erftett ®lanben$* 
boten «Solutnban, ©alluS unb äßagratd ebenfafl« bi* 1422, bi* 
ju bem 3a$te, too bie S$tom! be* änbtea* in tytet erften 
SRebaftton abbttyt. 3n beiben @$ttften ift bet Kegen&ntget 
®ef$k$te befonbete Süifraetfjamfeit gefcfcenft, in beiben fbtbteo* 
öon 9tegen*butg bie gtfinbli<$ geplünberte $ajq>iqueöe. €>o* 
toeit fid^ bie* na$ ben Sluftgaben beurteilen lägt, fc^etnen an$ 
fonft nut befamtte Quellen benäht ju fein, fo bafj fic$ bet 
ftftotifdfre ffiett biefet ©Stiften al* ein äufcetft getinget $etau«fteöt 
SSSte faft aOe SBtttettbadfret jetgte an$ $etjog ®eotg bet 
»ei$e Onteteffe für bie ®efc$ic$te feine« $anfe«. 1478 f$tteb 
et an ben Äbt Don 3liebetaltai<$, et tofinfd&e ttiocA übet bie 
©tfinbung biefe* ftloftet* unb übet bie ®ef$i$te feinet eigenen 
Hfrien ju lefen, tootübet 9Webetaltai#, toie et $öte, ©Stiften 
befifee; befcnbert feien i$m an$ 92a$ti$ten übet bie Äatfet 
$einti# II. unb ftontab ET. mettt>o(L Diefet ©unfc^ gab, tmt 
rt fcfcint 8 ), ben Änftofc, bat w folgenben 3a$te ein äWtacft 
Don 9ttebetattai$, Manien* ®eotg $auet, bet foatet (1485) 
Äoab|utot be« Äbte« f$tiebti<$ umtbe, au$ al* Sbrntnifttatot 
ober Jturator be* ftloftert bejeid&net nritb, an einem 93etfe 
Wtieb, bad et Gesta illustrium ducum Bavariae betitelte. 
St felbft erflStt auf ben ffiunfdfr $erjog ®eotg« getrieben jn 
$aben unb nennt in bet SBottebe 1479 al* ba« Xbfaffnng^a^r. 

1) Sefct dm. 721. 

2) ©o ttKtrigßen* bie bei Oe feie I, 370, berBffentli$teu «uGjfige, 
womit bie «ngabe bes Xitel«: bt« auf $erarm) VII. in ©iberform} 
föt 2Xt9 Chron. Baioar. f. ebb. 354. »gl über U. Onforg nnb beficn 
©ruber Jtonrab an<$ Sännet, flkfö. b. ©ifößfe*. »egartbing 111,507. 

3) «Benignen* iß Georg« @<$retben ben Gesta fcorongeßcfit. Diefe« 
nnebierte ©er! fenne t$ au« dm. 1214. @$ebel $at bie Gest» in 
feinem clm. 838, Vbentin in feinen Ibberfarlen V, 96f., ercerjrfctt 
unb $aner unter bem tarnen Hugo nnter feinen Oneflen aufgeführt 
(II, 116). 



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Öeorg $auer. 



805 



Da er aber noch bie »ermählung ber ^rinjeffin ©ifabeth 
(1499) erwähnt, fann fich bie« nic^t auf bie SSoßenbung ber 
Schrift begießen, Sie bie SSorrebe gibt au* ber Xitel be« 
ffietlc« fein richtige« ©üb *>on bem 3n^alt. Die bairifche 
gürftengef Richte, bie bi« auf $auer« 3eit ^erabgeffi^rt ift, 
nimmt barin Dielleicht ben Heineren JRaum ein, ben «u«gang«* 
punft bilbet bie ftaiferfrömtng Aarid be« ©rofjen, fobann feigen 
lange Äbfchtoetfungen nicht nur htftorifchen fonbem auch mora* 
lif$en 3nhalt« — aiefleicht mit 8tfi<fft$t auf biefe hat «Dentin 
£>auer al« philosophus bejeichnet — Sieben, Hftenftficle, ftorre* 
fronbenjen, bie fi<h auf bie Eröffnung ber Untoerfttät 3ngofr 
ftabt, auf bie fcürfengefahr, bie ®c|^te Don SRieberaltaich 
unb anbete« bejiefan, flnb eingeftreut — für) bie &orm* unb 
$lanlofig!eit be« ©anjen ift fo auffallenb, bag toir ba« ffierl 
in ber und Dorliegenben ©eftalt »ohl nur al« einen flmtaurf 
ju betrachten ^aben. $auer erörtert ba« ^rinjty ber Segitimi* 
tat, ben SJorjug ber (Srbmonarchie Dor ©ahlreichen, bann bie 
«Pflichten eine« Regenten, «nfnüpfenb an bie angebliche ©Uten* 
ftrenge be« Äaifer« «uguftu«, führt er in fcholaftifch breiter 
Steife au«, ba§ auch ÄJnige unb dürften ihren ©attinen getreu 
unb mit einer (Shefrau jufrieben fein müffen — n>a« fichtlich 
mit greimut auf ben leichtfertigen 8anbe«hetrn felber gemünjt 
ift. ©ag aber $auer Dinge nrie bie S3ifion Äaifer Äarl« III. 
aufnahm, bagegen an ben gebiegenften Quellen, bie ihm boch 
fein eigene« ßlofter jur Verfügung fteUen tonnte, achtlo« t>or* 
überging, ift nicht geeignet Don feiner ^iftorifc^en Befähigung 
eine höh* SReinmtg ju ertoeefen. 

3m allgemeinen finben toir bei ben $iftorifern biefer $ertobe, 
fotoeit überhaupt Don einer SuStoahl be« ©teffe« bie Webe fein 
fann, vielleicht noch mehr al« bei ihren Vorgängern Vorliebe 
für folche (Sreigniffe, »eiche auf bie (SinbUbungäfraft totrfen. 
3u gutem Zeil finb bie Blätter ber Shronifen angefüllt mit 
ben Berichten über glänjenbe gefte, abfto§enbe ©raufamfeiten, 
merfttürbige iRaturereigniffe. gür ben pragmatifchen 3ufömmen» 
hang ber Dinge jeigt ftch noch toentg, für bie ftaatliche fint* 
toidlung gar lein Berftänbni«. ©emer!en«toert ift, baß both 



896 



Seit %xupt& 



föon bamol* ber ©ebanfe be« menf$lfc$en Äulturfortförttt* 
in ber ®ef$i$te einmal au*ge|>roc$en tmtb. „©firbc je|t 
einer ber alten ©ermanen au* ber 3** ßäfar« anferftefcn nnb 
©eutfölanb burctyoanbern", fagt 93ett Srnped in ber Sorrefee 
feiner batrifcfcn <E$roniF, „ffirtoa^r, er gäbe ntyt ju, baf bte* 
ba*felbe Sanb fei, ba* er fannie, fä$e er alle biefe ©etntarge 
unb Obftgärten, bie rei$ geHeibeten SDtatfcfcn, bie feinen <5ttten 
ber ©tübtebärger, ben $run! t$rer ©ofyiflte nnb ba* ganje 
fo glänjenbe ©taartfoefen. ©a* anbere* aber $at btefen ©anbei 
gefdfraffen al« bie #rifttic$e {Religion! ©ie toar e*, toüitt bte 
Germanen aller Barbarei entHeibet unb fo abgef$ltffen $at, 
bag jefct bie ©rieben felbfl Sarbaren, bie ©ermanen aber 
richtiger Sateiner genannt ju »erben bertienen!" Dajj biefer 
©ebanfe be* ftulturfortfdfrrttt* bann au# in ber 3>arfteünng 
feftgefcalten unb im einjelnen enturidelt »ftrbe, barf man freilty 
triebt erwarten. 

Seit «rnj*<f , oon bem biefe immerhin mertoürbige Staf* 
rung rü$rt, tonrbe ettoa j&ifdfren 1435 unb 1440 p Santotynt 
geboren, ftubierte in Imberg unb ©ien, too mir tym 1456 
begegnen, trat in ben geiftiiefcn ©tanb unb erlangte juna^ft 
eine bef$eibene $frünbe in feiner Saterftabt. 1468 toar er 
$farrgefelle an ber $farrfir($e ©t. SRartin nnb tourbe üok 
bem mit ber ftreujjugtyrebtgt gegen bie ^upten betrauten 
aMinoriten ©onobentura al* ©etytoaler aufgeteilt, ©pfittr 
totrb er al« ghrtymeffer unb ©enepjiat ju 8anb*(ut, 1491 al* 
Pfarrer ju St. «nbrea« in greifing, im folgenben 3a$re toteber 
al* grüfrmeffer bei ®t. 2Rartin nnb jugtety $farrgefett pi 
©t. 3obft in 8anb*$ut *) genannt. ffia$tf<fctaH* (alte er 
feine 8anb*$uter unb gretfinger ^frftnben ju gleicher 3*it iuue. 
Dafc er 1495 in 8anb*$ut fcoftite, erße$t man an* ber *on 
bort batierten ©ibmnng feiner bairif<$en Strömt. SRan nimmt 
an, bag er batb na$ 1495 geftorten ift, ba feine feiner ge* 
föigttigen ©Triften über biefe* 3a$r $nau*geffl$Tt ift. 

1) Pe« Hie, 447. Serfyubfangen bd ftordn« f. 9Hcbetba^ent 
UI,3 (1854), 52. güt %mptd im aflgem. *gt t) e u t in g er , ©c*tr. in, 468f. 



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unb feine $iftorifc$ett CBette. 



©eine $iftorif#en ©etfe finb bett brei Territorien getoibmet, 
in benen et gelebt $at: Öfterreicfy greiftng unb bem bairifc^en 
$eimatlanbe. Söt« jum 3a$re 1488 reicht fein Chronicon 
Austriacum J ), bon arnpccf felbft, rote e* föeint, betitelt: De 
Hermionibus et populis Danubianis, bi$ 1495 fein Liber 
de gestis episcoporum Frisingensium *) unb ebenfo toeit bat 
Chronicon Baioariae 9 ), ba* et bem ©tföofe ©iftu* bon 
greiftng, nietet feinem bairiföen 8anbe*$errn tiribmete. 

93on bem lederen ©erte entftanb gtet<$jelttg ober balb 
no^et eine beutfefc, $ie unb ba gefürjte Überfefcung 4 ), bie 
faum bon «rttpeef felbft $errü$rt. Ob er au$ SBerfaffer einer 
®^rtft de fundationibus monasteriorum in Baioria, ift no$ 
ntc^t gan) feftgefteflt; bielietyt bilbete bie ®rünbung«geföic$te 
bon ffiei$enflep$an 6 ) einen Seil biefe« ©erfe«. 

Die greiftnger ©ifäof$gefc$i($te fd^dpfte fltaipetf borneftnlty 
au« Ätbeo« Vita Corbiniani, bann ben Oesta episcoporum 
Frisingensium in ben großen greijinger Strabitionflbüd&ern bei 
©alriftan* Äonrab unb feiner 9fcac$folger. Die bairifty <S$roniI 
ift jum guten Zeil toörtli$ au$ Änbteaö bon Wegenflburg, 

1) $ei Pez, Scr. rer. Austr. I, 1165. 3n ber »orrebe ift *nq>e<! 
mit bem $rior Seit txra Abersberg |ufammenge»orfen. 

2) »ei fceuttnger, »e$trfige III, 468. 

3) Pez, Thes, III, c, 1. 2>aS «utogrart biefe* ©erfc* unb beS 
Chron. Austr., &on «»entin mit föanbnoten toerfefcn, enthält clm. 2230. 

4) öebrudt, o$ne als ©er! Ärn^ed« ertannt gn »erben, bei g rei- 
bet fl I. Cgm. 2817 entölt biefe beutföe Überfettung ntyt nur in au«- 
ffl$rli<$erer Geftalt, fonbem au$ bie unb ba mit Saßte* gegenüber bem 
tateürif^cn Original, fo in bem ©erjei^ni« ber fceünefyner an ber ganb*» 
$nter fcoefoeit (f. 323). Eon anberer $anb entölt tiefer 5Te$t femer 
(f. 364v— 374 v) eine gorifefcuug ber 2anb*bnter Gkföigte naä) $erjog 
<&eorg« Xobe, toüäft no$ ben örbfotgefrieg teilrtxife beft>ri<$t unb bei 
bem Buge gegen Gafferburg abbüßt, ebenfo jmr 9ef$i<$te *ffire$tt IV. 
einen 3ufafc (f. 445—451), ber öreigniffe *on 1499 bift |ur $ulbigung 
ber Sanbfl&uter *or «tbre$t im 3a$re 1506 erjfiflt. 2>Ufe gortfefcungen 
laffen eine *on ben filteren Stellen fo oerföiebene Ärt ber (SrjSblung er- 
nennen, bafj i$ fie, abgefe$en »on anberen Qrünben, f<$üu bejjmegen ni$t 
tnefr «rnped gnf^re^en mityte. 

5) ©ei 2>eutinger a. a. D., 555. 

Kieilev, «cfftWe 8aicnü. HI. 57 




Cbton oon ©Ittenberg unb güetrer entfernt; für bte 3eit 
ober, too triefe ffierfe abbrechen, bi« gegen bot Cnbe be« 3aht> 
hunbert« unfere bebeutenbfte, gleichtoohl fiberall nur mit »orfUft 
oufounehmenbe einheimtfche Quelle. SWan ^ot fte al« örtjeugm« 
eine« uuoerlennbaren latente«, löblichen gleiße« unb fettener 
©e^cjrrf^wig bet gorm gerühmt 1 ). Daneben batf nicht *et* 
fliegen Horben, bog au« Hrnped« befcbtänft Derifaler ©elt* 
auffaffung jmoeüen bie feltfamffcn SRahrftbten unb Urteile ent* 
fpringen. Cr lägt Älbtecht IV. ben SDegenberger betrtegen, 
»eil Mefer toegen ©egfinftigung ber $uftten bent ftirchenbanne 
oerf allen mar, er jtoeifelt nicht, bat 8ub»ig ber Weiche feine 
friegerifchen Crfolge ben ©aflfahtten feiner grau unb ben gür* 
bitten feine« «Ient« ju banlen hatte, ©o e« Steckte unb Sot* 
teile ber fttrche gilt, tonn er fachlicher fein al« ber $apft: Me 
päpfilichen (Sntf Reibungen über bie ®rünbung be« SRünchner 
ÄoOegiatftifte« finb nach ihm oon Hlbrecht IV. „ertlichen*- 
$attiotif(^e Cegetfterung aber $at »wpecl bie gebet geführt: 
mit überfchtofinglichem 8obe, al« leuc$tenbe«.®efüra unb bie 
reinfte ©Iflte ber beutfchen Nation greift er feine ©aiern, biefen 
fo reltgtöfen unb roahtheitfltebenben, geregten unb juoerlfifftgeit, 
tapferen unb frieg«erfa$renen ©tamm. Unb bo<h raubt er 
ihnen in einer Setitrung, bie für bie bairifche ©efchichtfchwibims 
berhangni«ooll toerben foflte, ein eble« ftleinob, bie germanifche 
$ertunft: bie Stoppt, bag bie ©aietn unb ba« felttfche Soll 
ber ©oier ibentifö feien, ift Don ihm juerft in bie bairifche 
Siieratur eingeführt unb bon ben battifchen ©efchtchtfchretbern 
bann 3ahrhunberte lang feftgehalten toorben. Hrnped aber ift 
hierin nicht felbftinbig, er folgte bem Cnea ©iloio $icco* 
lomini, bem fpateren Zapfte $iu« IL, einem ©elefrten, ber 
nicht nur bur$ feine ©teöung al« Oberhaupt ber Äirche, 
fonbern auch burch feinen lebhaften, glänjenben (Reift unb bie 
unenbliche Überlegenheit feiner »Übung eine Sbttoritat au«* 
geübt hat, mit ber nur ettoa bie fpiter oon dtcOmai ooq 
ftotterbam unb oon (Selttt befeffene oerglichen toerben fam. 

1) o. ©egele, aefötyte bet bastfchen «rfflotiogtetfi*, 158. 



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2>ie grage bcr Sertunft ber »aiern. 3o$. ©tainbl. 899 

(gnea $atte au« alten $anbf$riften erfe^en, baß bcr 83oÜ«name 
früher ©aioarier lautete. (Et juerft $at baran bie Tätige 
golgerung gefnüpft, bat ber 9?ame bon ben ©oient ftamme, 
aber jugleic$ ben Srrtum ftnjugefügt, baß beibc SJSller ibenttfc$ 
feien, toobet er freiließ no# betonte, baß bie öejer ein gat(ifc$e« 
Soll toaren, »S^renb bie ©aiero nunmehr ein beutf<$er Stamm 
feien 1 ). SWit SRec^t $at man bon bem „Styoftel ber ^umani* 
tat" gerühmt, baß er na$eju auf bem ganjen meiten Gebiete 
gef$i$tlic$er Dinge , ba« er berührte, bie @onbe feine« f!ejy 
tilgen (Seifte« eingefenft unb tag in $iftorif$er ftritil feiner 
feiner dpoty e« i$m juborgetyan $abe*). Der bairiföen 
®e[<$«$tf$reibuug aber, &>el$e er im übrigen, befonber« in 
3rnpe<f unb Kummer, gunftig beeinflußte, ^at er mit biefem 
8e$rfafee ein fölimme« 83ermäc$tm« ftnterfoffen. 

«u«gerfiftet mit bebeutenben literariföen $ilf«mitteln, bie 
tym n>o$l bie ©ibttotfce! feine« Domftifte« jur Serfügung ftellte, 
unternahm e« toieberum ber ^affauer Domherr Sodann ©tainbl 
(Lapillus) eine große ffieltcfaonil 8 ) ju lom^Uieren. Cr föriefc 
baran foateften« feit i486, begann bon ber (Srfd&affung ber «Beft, 
arbeitete ben erften ÜEeil normal um unb lam bi« jum 3a$re 
1508. (Sben ba, too ba« ©et! für un« ben größten «Bert 
getoämte, in be« Hutor« eigener &t\t fear fein Sntereffe baran 
leiber faft erlofdfren; bie 9?a$ri#ten über bie legten 3a$rje$nte 
fittb bfirftig, oon 1493 an meifen manche 3a$re boUftänbige 
Süden auf. «ber biefe« Serbienft be« fleißigen Domherrn 
fotlte nidfrt bergeffen werben — tote e« neben bem überftraftenben 
SRufcne Sbentin« in ber Stytt faft gefd&e$en ift — baß ©tainbl 
für große Zeiträume be« SHtttelalter« bie ®ef$i$t«barßellung 
juerft toieber auf ben beften Quellen, toie ®regor bon £our«, 
$aulu«, SRegüio, ffiibufmb, Otto bon greifing aufgebaut $at. 

1) Cosmograpbia (1699), p. 306. 

2) *. ©egele, ©efölfye ber $iftoriograj>$te, 37. 

3) Clm. 732, wrfcr, toie e« f<$etot, imBeflfce be« «toper« gormbatf 
(ober be« Bbte« Äumtfer?). Ungefähr ba« lefcte drittel be« «Berte«, 
*ora 3a$re 700 n. £$r. an, y ebiert bo» Oefele I, 420f., befltn «u- 
Ictawa ju öergfcufc». 

57» 



900 



3o$amt Staixtbl 



<&xfßt)tt ©ebeutung berföaffte bem Ckrfe, fo lange bic Wt* 
aicher «nnoten nic^t triebet aufgefunben »aren, bet Umftanb, 
baß biefe »tätige Quelle batin benufct ift. eine 1497 verfaßte 
Schrift ©tainbt* de scriptoribus ecclesiasticis tom ra bie 
©tbliothe! be« ftlofter* gormbach, beffen «bt «ngelu« «innpler 
mit bem SSerfaffer eng befreunbet toar. <5* fc^eint, baß bie 
beiben ©elehrten einen f ort»ährenben ttu*taufch i^ter literartfchen 
$robultionen unterhielten; »enigften* förieb {Rummler 1504 
einem ^affauer: toenn er feine SBerfe haben »olle, »erbe er 
fle bei Ctainbl finben 1 ). Von ©tainbl* Ceben totffen »ir 
wenig. Sin gleichnamiger übt be* Älofter* Ättl *) nxxr riet 
leicht mit ihm t>er»anbt (Oh«"*?)- ®treit j»ifchen ben 
$affauer ®egenbifch3fen $Sfler unb üJiauerRrcher (1479), 
»obei er auf Seite be* festeren ftanb, griff ftörenb in fein 
geben ein; bie Nachricht Stampfer*, bie un* barfiber belehrt, 
lägt nicht beutlich erfehen, ob er infolge biefe* 3trifte* einige 
3eit in ber Verbannung ober in $aft jubringen mußte. 1513 
tourbe ju ffiien eine auf «Befehl be« $affauer *if<hof« ©iguleu« 
3röf<hl »erfaßte «ntoetfung jum richtigen (Shorgefang in best 
IJaffauer ftirchen 8 ) gebrueft, »eiche am ©chluffe bie Ulotij ent* 
hält, baß außer ben ßhorrifaren ber bamalige Domfufto* 
©tainbl fle forrigiert tyiht. Da jmtfehen äbfaffung unb Drinf* 
legung ber ©chrift längere £t\t oerftrichen fein tonn, ift bie* 
noch lein jmingenber ©etoei* bafür, baß ©tainbl ba« 3ahr 
1508, mit bem feine (ShroniF abbricht, fo lange fiberlebt habe, 
©emerfenftoert ift, baß ©tainbl in feine (Shtotti! Serfe auf 
f$a»>ft »lejanber VI. aufnahm, »eiche leinen 3»eifet über bie 
ÜRißachtung laffen, »eiche er biefem unmötbigen Oberhaupte 
ber Ätrche entgegentrug 4 ). 

1) Clm. 1806, l 148 v. 

2) Clm. 8802, f. 135t, DergUi^en mit M. B. I, 264. 

8) Exemplar in modum accentuandi aeenndum ritum chori eedesie 
Patarienais. 

4) ©nc anbete $erflmtt($leU, in ber man an<$ einen $affaner Dom- 
hemt gefaxt hat, toitb man »o$l gSujli* and ber 3a^( ber Wtotiler 
Preisen raflffen: ben nur *on tlböttin genannten »Wbcfprixfenen etyttit* 
»ein ober e$r9t»ein (»gl «Dentin III, 562 f.; t>. Oefele, «*n- 



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Bügeln« Wuntyler. 



»Ol 



S)afc au$ grünbltye $umanifttfc$e ©Übung no$ immer mit 
ben älteren fc^olafttfc^en, Ja affetiföen Stenbenjen ji<$ oerbinben 
tonnte, ba« geigt bie ipftrbtge ©eftalt be« Hbte« »ngefa« 
{Rummler oon gormba<$ l ). 8u« niebrigem Ctanbe in gorm* 
bad) geboren, ftubierte er in ffiien unb toarb €#filer*) be« 
größten $umamftif<$en 8e$rmeifier« ber ©aiem, be« Äonrab 
ßelti«. 1477 trat er in ba« ©enebifttnerMofter feine« ®eburt«* 
orte«. üWit au«bauernber ©cbulb beftanb er unter einem grau* 
famen unb in tiefen ©ejte^ungen ni^t«n>ürbigen Mbtc - fein 
fernere« Slootjiat. 1501 jum 9tac$f olger eben biefe« üWanne« 

timana hn Oberbaar, «rdjib, 1887, @.29, *nra.3). 2)er bei Eauch, 
Script, rer. Austr. II, 435, unter €5$retttoein« Wanten gebrudte Catalog. 
episcop. Patav. föeint nfimlld), toxt bereit« fiorenj I», 347, bemertte, 
nafou fibereinjuftimmen mit bem gleidjnamtgen ©erte be« Bftoreiä)if$en 
C&rontften fcboma« (Sbenborfer ton $afelbad). $ergleld)t man wenig- 
en« bie bon Wo dinge r (Über filtere Arbeiten ber batyer. unb tffilj. 
(Setzte, «bbanblungen ber ba$er. SWab. b. ffitff. XV, 273 f. 293 f.) 
mitgeteilten 3fo«jüge au« (Sbenborfer« Äatalog mit bem 2er te bei Wand) 
II, 499 f., fo ftebt man, bag ber teuere eine menig berfinberte, $ie unb 
ba gefürjte Umarbeitung be« eueren ijx. 2>a nun ber JBerfaffer be« bei 
Waud) gebrudten J©tfd)of«tatalog« im Eingang bemerft, er $abe anf 
©unfd) Äaifer grtebrid)« III. eine ©efd)id)te ber römtfd)en ftBnige, femer 
eine 8jierreid)ifd}e (5$ronif verfaßt, »on (Sbenborfer aber belannt iß, bag 
er auger bem $affauer ©ifd)of«fataloge eben j»ei ffierte biefe« Sn^alt« 
erfaßt bat, fo liegt ber €>d)lug auf ber $anb, bag ber Warne €>d)reit- 
»ein« nur burd) ein SWig»erfWnbni« *or ben bei Waud) gebrudten 
Sttfd)of«tatalog gefegt »urbe. ©er @d)reitn>ein mar unb «Die 8foentin 
baju tarn, tytn eine Uterarifd^e Wolle jujumeifen — na$ Äoentin $at er 
aud) beutföe Weime gefd)rieben — bleibt junfi^ft (unb infolge be« jer* 
flörenbeu faffauer ©ranbe« feon 1664 i»ieUeid)t für immer) nnaufgeflfirt. 
SieHeid)t bat b. Oefele Wed)t mit ber Vermutung, @$rettn>eiu fei nur 
ein ©efifcer bon SWannffrtyten gemefen, in bie er feinen Warnen einfdjrteb. 
2>ie Übertritt be« ©erte« in Clm. 3595, f. 70, befagt au* nur: 
Chronica episcoporum Pataviens. collecta per N. Schreitwein. 

1) Clm. 1806, Wumtfer« «utogr^; Oefele I, 88 f. — *u<$ ber 
(Si$ßfit>ter ©ifd)of Sodann t>on (Sid), ber toie ein a«Ietifd)er ^eiliger ge- 
fd)tlbert mirb, mar ben bnraanifHfd)en ©eflrebungen geneigt unb unter- 
hielt eine frennbf<$aftlid)e ftorrefronbenj mit Cnea fcilbio. 

2) 2>ag bie« in ©ten gemefen, be)eid)net Segele, 163, al«unglaub- 
toürbig. 



902 £i$t« u. ^attcnfcUen be« $ttmam*mut. 

erhoben, befehlet er in tiefet ©teflung 1513 fein Seben. Zrofc 
bet ©ertofiftnngen be« «rbfolgelriege« tonnte er für fein JHoßer 
fat mancher {Richtung erforie&lich fcirfen, trofc rühriger Statt- 
thfitigleit aber auch eine au«gebehnte literartfehe XBirlfamlett 
entfalten. 3n ber langen Wethe feiner ©Triften ftab $rebigten 
nnb ©riefe, Ideologie unb «flefe, $oefte, ^^ilofop^ie unb ®e* 
fdfthte bertreten. Sieben einem an <£etti« gerichteten fapp^tfe^en 
(Stebichte fte$t eine Disceptatio rationis et sensualitatis unb 
berfelbe äutor, ber fe$* ©ücher Dialogi de contemptu mundi 
getrieben, ^ulbtgt boch bem ^innomfttfc^en ^tü^^modt f° 
toett, bag er, aW ob flafjtfche« Satein gemeinen 3n$alt verebte, 
eine ber föamlofeften ©trogen be« SKartialt« citiert, bie er 
irrig bem ©irgil jufchreibt. Hu<h Don einem anbern ®ebrechen 
be« $umani«mu« ^att er fi<h nicht böfltg frei: unter bem 
©ebtooß tonenber fflorte toirb jtimetlen bie fchlichte SBahrhett 
erftidt. $)a« mohlöingenbe 8ob, ba« er feinem Vorgänger in 
einer poetifchen Orabfchrift gefangen, toifl nic^t ftimmen }u bem 
S^arafterbUbe f ba« er bon bemfelben JKanne in $rofa eitt* 
toirft 1 ). 96er biefe Meinen ©$u>a$en treten k»ett jurüd hinter 
ben erfreulichen &ü$tn feine« Sßefen«. ©$on bor Slbenttn 
trug in ©aiern bie Anregung, toelche *on SeltW bie ®efc^tc^t* 
fchreibung empfing, bei {Rumpier ihre grüßte. 3n ben Älaffiftm 
toohl betefen unb felbft ein getoanbter Sateiner in $rofa tote 
SBerfen, fpt er boch um be« ©toffe« nriüen auch ffi* ^e 
»nnalen unb 6hronifen be« $etmatlanbe« fuh Teilnahme be« 
toa^rt; erafig ejeerpierte er, ma« ihm baoon unter bie $anbe 
tarn*), unb bei längerem Seben mürbe er toohl feine Samm- 
lungen für eine bairifche ©efchichte bewertet tyxUn. Da« 
bentoürbigfte, aber auch traurtgfte (Sreigni« ber oaterlaabifchen 
(^efchichte ju feinen Sebjeiten, ben Sanb«huter (Srbfolgelrieg, 
befchrieb er in fech« ©ücbern Gestoram in Bavaria ober Gala- 
mitatum Bavariae 8 ). üKit ehrlicher Offenheit fchübert er bie 
©erhanblungen, bon tiefem ©chmerj burchbrungen, an ber 

1) Pez, Thes. I, c, 461. 462. 461. 

2) 2)iefe JtoOcftaiiem finb ebiert in M. B. XVI, 585—596. 

3) «u* clm. 1806. bei Oefele I, 99 f. 



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Vbt Ungetu« Shnn^ler Don gormba^. 



906 



3Wenfc$$eit faft Detjmetfelnb, bie entfestigen ©reuet be« ftrieg«. 
5Der SSoromrf bet VatteiH^feit, ber beut Serie ni$t erfoart 
fetteB, ip unbegrfinbet, man mfifte nur Dom $iporifer forbew, 
bog er urteiWlo« ber Unterfcfcibimg jurifd&en guter unb f$le$ter 
©a$e p$ begebe. 5tnjte$enb fütb bie ooraitfgeföidten £$ara!ter* 
tilber ber legten gfirften, bie Säuberung be« bairifcfcen 8anbe«, 
feiner ©täbte unb ©e»o$ner, bie Don Siatur rau$ feien, Arbeit 
tote ©d&merj gut ertragen fömten. äu$ eine Überfielt ber 
filteren bairifc$en ©efötyte ßnbet p$ $ier, mityfam au« Wirf* 
tigen QueBetmac^ri^ten gufammengetragen; toeber Änbrea« oon 
9legen«burg noäf eine anbete bairifc^e ®ef<$i#te ftaub {Rumpier 
bamal« jur Serfügung ; Diel banty $at er flrnea ©ttDio. (Ein 
©ebid&t in $e$ametern, toorin er ben (Srbfolgelrieg befang, ip 
©ru<$püd geblieben 

gfir bie ftenntni« ber literarifc^en $erföitlic$Ieit ba« Ie$r* 
teilte, bteüei^t an$ an p$ bebeutenbfte ©er! Kumpler« bürfte 
iebo$ bie Dor ben Calamitates Derfa&te, Don ben Anfängen bi« 
juin 3a$re 1505 geführte ®efc$tyte be« «toper« 8ormbot$ 
fein 8 ), ©ie lägt un« erfennen, mit toelc^en flttefenföritten 
unter bem Stnpuffe ber $umanipif$en ©Übung bie ganje Hrt 
311 benfeu, ju empftoben unb p$ auöjubrücfen bem moberoen 
<8eipe näfcr gerfldt ip. ©ei ©rieben unb Körnern la« man, 
tote pe bie Seit gefront Ratten, unb pe$e — nun flaute man 
SKatur unb SWenfcfcn felbp mit neuen Äugen , fanb taufenb 
©c$5n$etten ju be&unbem, an benen man Dörfer ftunqjfpnnig 
Dorfibergegangen, taufenb fragen ju beantworten, an bie man 
Dörfer ni#t gebaut $atte. Sie fe$r toirb man gtei$ im ©n* 
gange ber $ormba$er ©efdfii^te Pannen, menn bie at« tounber* 
frfiftiger ©aflfa$rt«ort Don allen ©eiten ©laubige $eran£e$enbe 
ftapttk, »elc$e bie ftlopergefc^te eröffnet, bem «utor Slnlag 
gibt fic^ gegen bie leichtgläubige ffiunberfu^t auöjufptec^en! 
9tU$t minber überrafd&enb toirlt bie folgenbe reaßptf$e ©e* 
föreibung be« Ätoper«, feiner ©ernten unb »nftalten, fonrte bie 
©^Uberung ber Äloper$errfc$aft ©loggmfc in ben $o$afyen. 

1) Calamitatum Bavariae Uber unus 1. c. 139 f. 

2) Pez, Thea. I, e, 419 f. 




904 $umani«tmt«. €tytiften über ba9 ötab ber fBett. 

SDie oufgeHärtere ©ejtonung, ber letzte unb ungejtoimgeite 
Sottrag, bte eingeftreuten moraltfterenben Sttfchmeif ungen , btt 
aufmerffame ©eobachtung ber gßirfßctyfett unb ba* Itebetoöe 
Singe^ett auf bte Grfctyefatungeit be* adtagleben«, ber ©iun für 
SRaturfchönheit, bte fcharfe 3«c^nung menf^lic^r (E^araftere — 
alle* ba* jinb SJorjfige, benett matt in mittelalterlichen Grifte« 
h&hften« oereinjelt begegnet, bte erft burcb bte ttalietrffcfcn 
$utttantften toieber in bie Stteratur eingeführt unb oon bort 
au* nach ©eutfchlanb berpffanjt tourben. 

Cerf^oOen fc^ctnt eine ©chrift Rummler* de miseria prae- 
latorum, }u toelcber fein greunb ffiolfgong SRoier ba* Ärgu* 
tnentum betete *). SRach SWaier« Äußerung enthßdte fte be» 
8efer, baß auf ben ©futtern eine* «bte« ober Prälaten bk 
Saft eine« toasten Htla« ruhe. Den Änftoß )u ihrer Äbfafinug 
gab toohl bte *>on flrnea ©Utrio beut (Rchftäbter ©ifchofe 3ohaun 
Don (Sich gemibmete ©chrift de miseria aulicorum ober curi- 
aliom. 3ebe* deitolter ergebt neue Atagen über bie }unehmenbe 
©$le$tigfeit ber SReufchen; niemal« aber toaren ©Triften Aber 
ba* (Henb ber ©elt ober einjetner ©tänbe fo häufig uHe bamal«, 
ba fic^ bie SRenföfcit gleichfam mit vermehrten Orgauen be* 
Genießen* öden 8efcen«freuben hingab, ©ie fpäter Xrithemtu* de 
vanitate et miseria humanae vitae fc^ricb, toibmete föon 1453 
ber ©oljburger Äanontter ©ernharb Don ftraiburg bem ©ifchofe 
©iloefter t>on fi&hiemfee eine Äbhanblung de miseria humanae 
vitae *). Da* loteinifche (Bebuht eine* Ungenannten Aber ba* 
örlenb be* ftöfterlichen geben* beflagt in erfter »eihe ben fbtam 
Sieden unb toirtfchaftltchen ©erfad biefer ©enoffenfchaften *). 
Großer Beliebtheit erfreute p<h bie merhoürbtge Epistola de 
miseria cnratomm seu plebanorum, bie in nicht toeniger ol* 
fünfzehn, meift 8ug*bnrger SKegenbnufen vorliegt unb in 
©aiero ober Oberfchtoaben entftenben fein bfirfte 4 ). SM* 

1) Clm. 1851, f. 159?. 

2) U. a. in clm. 4143. 4149. 

8) $et Pez, BiW. ascetica VIII, 672. 

4) Sie rieten Gputytore, toel<hc bie tRün*ner @toatfbibÜothef befaß 
sab tdltodfe noch bcflfct, jeigen, baß fte gerabe in biefen Qkgenben fo 
ftcriititet »ar. 



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Episiola de mieeria coratoram. 



905 



$umoriftif<$er Übertreibung unb e$t oolfttümlic$er Derbheit 
Gilbert ber SSerfaffer feinen Smttgenoffen bie neun Teufel", 
bie bem armen Sanbpfarrer, bem burc$ feinen $irtenberuf 
ßfciftut bo$ am nä$ften ftefcnben ©liebe bet ftlerut, bat 
geben verbittern. Den ©teuernerfceber, ber i$n alt feinen 
Untergebenen be$anbelt; ben STOefcner, ber fi<$ in feine @e$etm* 
niffe eittbrfingt unb beffen $eimli$e @egnerfc$aft um fo me$r 
ju fürchten, Je geringer feine üWa$t ift; «bie ftö^tn, bebte 
$errin" — benn alle anft&ibigen $erfonen fliegen eine fot$e 
©teflung (unb ber SSerfajfer gibt $ter jiemlftb unjtoeibeuttg )u 
oerftefcen, ba§ bie fttrd&e ben (Eölibat aufgeben fottte). gerner 
ben 3ec^propft, ber bat meifte Don ben (Siitfünften an ji<$ reifet; 
ben Stauern, ber bet $farrert ^rebtgten tabelt, »eil er fle 
ntyt öerfteft, über bie 8finge bet ©ottetbtenftet, unter bem 
3nterbift aber über feine (Sinftellung murrt, bem et ni$t ein* 
fäöt Opfer barjubringen, ber ben Pfarrer beneibet unb tyn bofy 
weil er mitten im Dorfe n>o$nt, alt feinet gleiten betrautet. 
(St folgen ber lanbet$errlic$e ©eamte, „ber tote ein ®eier ba 
unb bort fcrumflattert, um bie $ü$ner ju jerfleiftyn"; ber 
S3if<$of/ ber, o$ne baj* tyn SRot baju jtoänge, immerfort ©ub* 
ftbien $eifc$t; ber Kaplan, ber faule unb unfähige, rebetlifc^e unb 
ftreitfüdfrtige ©efell; enbli$ ber $rebtger, ber bet »olfet ©unft 
allein au befi^en glaubt unb in feiner Übergebung ben Pfarrer 
tote eine leere SRufl erachtet. (Sine berartige fattrifcfc unb leiten* 
fd^aftlic^e (Erörterung attueüer £uft&nbe toat in ber Literatur un* 
er$8rt, fo lange biefelbe nur $anbf$riftti$ überliefert tourbe, unb 
et lägt ft$ nic$t oerfennen, baß $iemtt fc$on bebenttid&e ©chatten« 
feiten unb Huttoüdfte ber treffe jutage treten, Hn Schriften 
ton aufreijenbem S^arafter $at et au$ Dörfer nk^t ganj ge- 
fehlt, aber mit ber gewonnenen Sei$tigteit ber Verbreitung 
$äuft ftc$ tyre £a$l augerorbentlty unb bie 8bfic$t auf bie 
große aWenge ju toirfen oerfüfcrt au oermerfticber (Sffeft^aföerei, 
92a$ anberer Stiftung begegnet bie fpäter fo üppig empor* 
getriebene Siteraturgattung ber ffiaüfa$rttfc$riften ein Unheil, 
bat bur$ bie treffe geförbert warb. Huf «bergtauben unb 
ffiunberfufy bet holtet beregnet, oerbreiteten biefe ©Triften 



©aflfa$rt«rtteratttr. 



taufenbe Don ®efc$i<$t*lfigen unb 9R5r$en unb gesamten in 
ben Äugen ber gebatifenlofen Spenge bttrc^ bat Staut DerftSrtte 
Autorität. (Sin ÄBiegenbrud Don bem Urfprung unb Snfang 
be« fciltgen »erge« «nbedfr« 1 ) bfirfte bie $eimif#en ©erie 
biefer 8rt eröffnen; er trug bie Sögen unb fiFrftabungen be* 
SRönd^ ftonrab bon $ornftein unter bie SRenge , <&ef$i$tes 
toie bie oon bem ftrujtfqt in gorfienrieb, ba* bie betenbe ^rtik 
jeffin «gneS Don Änbed&S angefprod&en unb i$r bie P5nig«ro« 
Don granlreidff prop^ejeit $abe. S5on Änbed^ tmb feinen ®tafen 
erjagt er ni*t fo faft bie ®eföfa$te att bie gabeln; et Be» 
föreibt bie $etttfimer be$ ftlofterS, bie mit ben gefunbenen no$ 
md)t erfc^i^ft feien: man$e* liege bort no$ unter ber örbe, 
ber ©cfyoamm, mit bem ßfcriftu« am ftreuje getränlt tonrbe, 
ein ©tfid Don bem 2tafen, au« bem er ben 3öngern bie gSfje 
ttmfö u. ä. *). Die (an ben ©efuc$ beft SHofiert gefnfyften 
ret#lic$en «bläffe »erben berjeici&net, auc$ Don ben Kimbern 
einige berietet, j. ©. bafj in ©egennmrt fcerjog »brecht« 1IL 
and ben fieben 3toeigen ber Dornenfrone S^rifti S3ln«tropf« 
gefallen feien. @emeinigli<$, fcigt t&, toerben bei Jeber ber 
grofen ©allfafrten, beten im 3a$re brei feien f ettoa 100 bt* 
400 ÄBunber (3^n) eingetrieben, ungeja^lt aber feien bie 
fcielen, bie man nk$t eintreiben Iaffe. 

aflmi$li<$ begann man nun &iftorif$e fteimtniffe au$ für 
dürften aW tofinfcfctötoert ju betrauten, ©o entftanb unter 
bem erften Regenten, ber geiftigen Seftrebungen burt$ eigene 
©Übung nafrer ftanb, au* ba6 erfte 8e$rbn<$ ber ©efctytfte 
für einen bairif$en ^rtnjen. STOagifter 3o$anne« SRfiOer, 
genannt Sanbftberger, unter «forest IV. (Srjtefcr feine« ©o$net 
©ityelm, ermunterte einen 8Dlbm$ be« ftloftert (SberSberg 
»amen« Seit, n>a$rf($einlic$ benfelben, ber 1509 in (Eber* 
berg jum Äbte getotyb tourbe unb beffen lob unterm 18. Spf 

1) D&nc %\it\, Ort unb 3a$r. *uf ber SRiUu$uer etaatfbibüo^tf 
unter Bavar. 1949 in 4°. 

2) 2)a9 alte 2R<ßbu$, ba* ^iefür angerufen toirb, ift offenbar dm. 
8005. Sgl oben, £. 838. 




Seit ton <gber«berg. 



«07 



1512 ») aerjeityiet iß, jur Hbfaffung eine« für feinen 3&glut0 
beftimmten $iftorif$en «Serie«. 83eit färieb baran im 3a$tt 
1504, bi« ju toelcfcm 3«M>uitfk er auc$ bie Darftellung 
führte, unb tmbmete feine «rbeit bem ^rinjen ffiil$elm. «u<$ 
Bei i$m fielen gabeln über bie filteften bairifcfcn ^erjoge 
eine groge Wolle, über bie fiteren Reiten aber foeig er mantyß 
ju berieten, toa« nit$t ofrte 3ntereffe ift. Urfrrung unb 3toed 
ber ®$rift bringen e$ mit ft$, ba| bie ©ef^te be« f$eirif$* 
toittelSbactyiföen #aufe$ befonberS ausführlich be$anbett, bie 
ber jüngeren angetyJrigen gamilienglieber beSfelben mit 
3urfid$altung beurteilt toerben. &IS Chronicon Bavariae be» 
titelt*), jie$t baS ffierl botfc auch ftaifer- unb $apfigef<$i<$te, 
ja bie alten rSmtfctyen fiaifer herein, ift fogar na$ berühmten 
JWuftern abgeteilt in bie Linea imperatorum unb Linea 
pontificum. 5Der SSerfaffer ermahnt, bag fein ®rojfaater 
Bartholomäus ©topfer im befolge beS Pfleger« ton 8anbS* 
berg, eine« lorer ton (SuraSburg unter ben ÜWüm&ner $er* 
jogen bei »ding mitf o$t unb baß fein Sater 3o$ann als Sßaurer 
(JBaumeifter?) 8 ) in SBeffobrunn »o^nte. ©ort bürfte auc$ 
95etW (Geburtsort gu fu^en fein. 

1) Waä> £>eutinger, ©e^trSge III, 470: 18. Sunt 1522. 

2) Clm. 1230 bürfte be« ©erfaffer« Butograi>$, clm. 1229 bie für 
ben ?rinjen $ergeflellte fteinförift fein. 2)ie »ertbottcren 5Eette be« 
©erfe«, ba« 8eit unter ffiil$elm« Regierung, »ie eS f$eiut, fortjufefren 
beabflfyigte, flnb gebrudt bei Oefele II, 704 f. 

3) 2)enn murator, p. 729, !ann man, ba at« beffen Sater ©art$. 
©topfer genannt ftirb, n>o$I ni<$t al« gamtftennamen auffaffen. — 2>ie 
unbebeutenben nnb meift unebierten ©Triften über bairifefc ©ef#i<$te 
au« bem <5nbe biefe« 3eitraum«, bie in ber 2Rtin$ner @taat«bibliot$e! 
unb ben 2tr$toen liegen, $ier bollftönbig auf jujfi&len tuürbe ju meit führen, 
(gine 1503 »erfaßte Qtyromf in toier ©ü$ern mit giemli* umfaffenben 
Ouettenangaben enthält clm. 1216. 2)aß bie bi« 1477 nnb in tteinen 
gortfefcungen bi« 1508 reid&enbe Historia sive Cronica de illustribus 
principibns Bavariae (clm. 338), bie t>ielfa<$ mit ber bairifd&en (E^rontt 
be« Slnbrea« bon föegen«burg übereinflimmt nnb ba« bei Oefele I, 654 
gebrudte Breve Chronicon Bavariae fcon 1156—1410 (t»o bie über- 
totegenben 9tegen«burger ?ofalna$ri($ten auf (Sntffcfying in biefer ©tobt 
beuten), ©erfe ©artmann ©*cbel« feien, tme ö. Segele, 60, »enigjten« 
bon ber erjleren ©<$rift annimmt, hatte i$ für un»a$rf($einU<$. @<$ebel 



908 »atcrlanbtföe öefchuhtfchreibnng in beutföer e»ta$e. 

3u ben bebeutung«*oHften Bügen in bem literarifchen ©übe 
töefer <5po$e gehört e«, bag nun auch bie Saientoelt une Ute» 
rarif<her ©ethätigung überhaupt in höherem (Stabe fo in* 
befonbere htflorifchen Darftetlungen fuh jutoenbet. Sine öattr* 
Ifinbifche (Sfcfchichtfchreibung in beutfeher Sprache unb *ott* 
tfiraluhem Zone ift burch bie jtoei bebeutenbften dürften btefe* 
3eitraum«, Subtoig ben Meiden unb SKbrecht IV. angeregt 
toorben. $ur$ ben elfteren mürbe ber {Ritter unb $ofbeamte 
t>on ÄBilbenberg, burch »brecht ber STOaler unb Dieter guetrer 
jur ®efchi<htfchretbung begeiftert, ber leitete gerabeyi burch 
perftnliche Aufmunterung, SBilbenberg aber burch ben (Eutbrurf 
&on ber fraft&oflen ^erfönlichfcit unb ben Staaten feine« gfirften: 
„foflte feine« 8obe«, feiner ritterlichen unb ftreitbaren $&nbel 
in 3ufunft nicht gebaut »erben, bie* häufte mein ®emüt." 

$an« Örbran oon SBübenberg, ©ofyt be* 1455 »erfror* 
benen Ulrich unb einer bon (Sumftgnberg, entftammte einem 
alten, uittoeit t>on Äben«berg angefeffenen SRittergefchlechte, ba* 
ben ÄBittel«ba<hern fäon mannen treuen Diener gefteflt hatte. 
3m SDlarfgrafenfriege mar $an«, baraal« am ©eginne ber 
Dreißiger ftehenb, ftrieg«hau}>tmann Subtoig« be« {Reichen; er 
$at bei (Biengen mitgefoebten. 3n ber golge erhielt er bie 
Pflege ju 8anb«hut, fpater jene ju ©urghaufen unb jugtetch 
ba« $ofmeifteramt bei ber bort lebenben $erjogin $eburig. 
1480 nahm er an ber Don gelij gabri betriebenen $itger* 
fahrt nac^ bem gelobten 8anbe teil. Damal« mar feine batrifche 
(Shronif 1 ) bi« in bie Dreißiger 3a$re be« 15. 3a$r$unbert* 

hat fie nur tote taufenb anbere 2>tnge topiert. 3n bem Breve Chron. 
Wnnte ber Umftonb, baß bie Crjfihlnng mit 1156 beginnt, auf €*ttt bei 
Äomtftator« einige (Einfielt in bie Gntotcftnng ber bairif<hen OcWtye 
erwarten laffen, bo<h mürbe biefe annähme tfiufcjen: ber 8trf affer er- 
ahnt nicht einmal ba« einfönetbenbe Freigut« biefe« 3a$re«. — 3« ein 
5Cotenbn<h bon @t Clara am «nger in SWün^en (&•!.) febrieb ber 
©uarbian P. ^ermann €>ad um 1424 <hronifalifcfe öintr&ge, meijt anf 
biefe« Älofler, ben Orben nnb tir*engef*i*tfi(he öreigmffe bqfigfrh. 

1) UnboQftSnbig bei Oefele 1, 301—314. SoOft&nbiq in einer 
©eiraarer $anbf*rift, bie 1632 no<h in ©aiern mar nnb ber bk 
flRfin<hner ©ibliot^f nunmehr eine «bförift befifct (cgm. 5129). Ober 



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$an* Gftran ©ilbenberg. 



bereits ooüenbet unb in tiefet ©eftalt fam fie in bie $änbe 
gfietrer*. ©pater, na$ 1484 fügte $an6 Örbran bie ®eföic$te 
Subtoig* be* Weisen unb feinet &\t tynju. fliegt in$alt$retc$ 
aber geftattet fic$ feine <Erjä$lung au$ $ier m$t, too et au« 
eigener ffimbe berieten fbnnte. Übet ben SWarfgrafenfrieg, too 
et nac$ feinet &u§etung „überall babei getoefen", berietet et 
fo gut tote ni#tt, „toett e$ }u lang foäte afteä }u etilen". 
$iet ma$t tyn bie güfle bet Erinnerungen oetftummen, n>a&* 
renb in bet ootau«ge$enben &tit feine firrjätyfong oft bur$ 
ben üWangel an ftetmtni* bfitftig getoorben ift. 3mnter$in 
lonnte et, beim Sammeln be* Stoff* t>on jtoei ®eiftlic$en 
untexftüfet f (E^tonifen Don 9liebetaltai$, SWonbfee, legetnfee, 
fttentfmfinfter, %nbe$6 f ©feiern, Otto oon Sreiflng, Änbrea« 
&on Wegen$butg, au$ bie toeitoetbteitete l ) ©tta§butget (Efyronil 
M 3afob Itoinget oon Äönigö^ofen benufcen. $ropft 2Wauer* 
Stehet braute i$m au* $oUanb einen 8eben*abrif bet Safobaa, 
in bem bargelegt toat, toie bie niebetlfinbifd&en ^rooinjen an 
ffytipp oon ©urgunb lamen. 9lac$ ffiilbenberg $aben biefen 
©erlebt, Don bem fi($ eine Äbfötift in einem Xegernfeeet 
ßobej *) erhalten $at, au$ Hxnptd unb Soentin benufet. 

ffiilbenbetg gebührt ba$ 8ob, bajj er, ftei oon Jebem $af$en 
na$ Cffeft, emft unb nüchtern bie 8Ba$t$eit fuc$t. Sterin |ebo$ 
gtojje (Stfolge ju erreichen oettoe$tte i$m f$on feine mange^ 
$afte SSotbilbung. Der SRac^toelt tyitte et bur$ ausführlichere 
8tofjei($mmgen über felbftetlebte ®ef<$i$te ein toertDoHerrt %kx* 
mSc$tni« $interfaffen, immerhin flutteten i$m bie 3eitgenoffen 

©. f. $unb, etarameabu*, Oefele 1. c; Aber ifyt unb güctrer 
oft Gkf$i<$tf*relber Älnd$o$n, gorfäungeu VII, 202. 2>ie bort in 
Än«jU$t gefeilte größere «rbeit Aber bUfe Siftorifcr unb *roj*d ift bi* 
freute nU$t erföienen. 

1) aWantenutfftnfOonbWriftenbairif*en3)tale!t0. et-C&r. VIII, 185. 

2) Clm. 19487, f. 124 f. *ou 1490. $ierau* eUett *on 2ö$er, 
©eitrige jur ©ef*. b. 3afob*a, 1865, I, 12-28; tgl. au$ 2ö$er, 
3atob5a *on ©a^ern unb tyre 3dt I, 414 f. „$iefe $iflorv bat mit 
gäraeft . . faflt ©ilbenberg, 813. «Dentin (III, 502, too 
meine ffom. na$ obigem jn berl$tigen ift) meint, SR. $abe bie €tyrift 
auf ©efretß $eorg« mitgebraty. 




»10 



2>ie fairifte <tyrontt Wri$ güctrcr*. 



au$ £)anf für feine Darfieüung ber älteren fJeriobe. ffio&t* 
tfyienb berührt bie ftrenge ©ered&tigleit, toomit er best $o$ets 
fetten SSerontoortung für bte ©$le$tigleit be« &\talttt» y** 
föiebt. „O i$r gütften", ruft er au«, „getftltcfc uitb twlt* 
ticfye, menbet bte großen ©toben, bag ui$t ber %oxn ©otte« 
auf bte ß&riftenfait faflel Denn »a$rlic$ tyr raü&t barunt 
Stottoort geben bor beut Iefeten ®ertc$tl" (Eine SDlafcnung, bie 
nt$t überragen fann im äJtunbe eine« ernfien Spanne«, ber 
am $ofe eine« ©eorg« be« {Reichen lebte! Siettetyt eben barum, 
tpeil in 8anW$ut feine ©ittenfttenge unbequem »urbe, $at tyn 
ber $erjog in bte Sinfamteit ber ©urg§aufer $of$altung oei> 
fefet, bann aber bo$ toieber bur# bie Hnfnatyne unter feine 
Steftament«botlftre<fer (1496) beriefen, toie $0$ er bon feiner 
<5&rli#teit backte. 3m felben 3a$re ftiftete «Babenberg mit 
feiner ©ematyin, einer $auttborferin, mit ber er in finberlofer 
<£$e lebte, ein ©pttal au« ben (Sinfflnften feiner $ofmart 
$ettenborf na$e ber ©tammburg Sßtlbenberg. 

3ur ©eite fte$t biefem ftftorijdfren ÄBerfe eine« ftitter« bom 
8anb«$uter $ofe bte bertoanbte, aber bur$ große Verbreitung 
ju toeit $ö$eter ffiirffamleit gelangte @$rift eine« ©ärgerliche» 
am aßünc^ner $ofe, bie bairifäe £$roni! jene« Ulrty guetrer 1 ), 
beffen &ben«bet$ältniffe im 3ufammen$ang mit feinen £>ic$* 
tungen bereit« gef$Ubert mürben. 1478 begann gäetrer „auf 
»egefcren unb ©ebot" $erjog Älbrefy« bie *$iftorie, ®efta 
ujto ©etat bon ben eblen durften be« I5bti#en $au« bo» 
©atern unb SRorifau* ju föreiben, bie er 1481 boflenbete, 
nac^bem tym ba« 3a$r Dörfer Öfbran« ßfyronif jur ©enugung 
mitgeteilt morben mar. 8u« biefer entnahm er ut«befonbere 
bie ®efcbi$te ber Sngolfifibter unb ber ©tranHng^oKSnbtfd^en 
Öinie. gflr bie Urjeit, beren gabeln bei i$m einen fe$r breiten 
»aum einnehmen, $at er juerft eine bi« faute rätfelfaft ge* 

1) ®tx mit SRalerci gezierte ogm. 43 iß jcbenfafl* bie befle $anb- 
färift, »UQeufct «otogta^. 3n bkfcm Salle wäre gficttcr a»$ Kam- 

f\xap$ geaefcn. £u*gctt>5$lte ©teilen an« bem fSkttt unb feinet gott* 
efeuag finb mitgeteilt bon © ürt&manu, Obetbayer. tfc$. V, 48—86. 
G. au* *. «retin, $anbbnc$ I, 161—167; Jttuct(o$tt a. a. O. 



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tmb ihre gortfefcung. 



911 



bliebene Quelle benufct, bie jtoar faum eine giftton, aber auch 
ttic^t echt unb alt fein bürfte: „ben aöergelehrteften eblen, ben 
frönen C^roniftcn ®aribalb." gerner fchtyfte er u. o. aud 
be* 83incenj bon ©eauoai* Speculum historiale, ou6 ®ott* 
frieb bon »iterbo, Dtto oon greifing, änbrea* bon ©t. äRang, 
au* bem {Romane Don Röntg $fyüt unb ©ertha. Dag albrecht 
gerabe ben Dieter güetrer mit Slbfaffung einer bairifdjen ®e« 
fliehte beauftragte, verrät oietleicht noch mehr ben herrfchenben 
SRangel an gelehrten ÜKannem als bie geringen Änforberungen, 
»eiche ber gürft an bie ©efchichtf<hreibung pellte, güetrer 
totbmete ba* ffierf feinem $erjoge unb bat tyn, fall* ftch Süden 
ober SWängel barin geigten, biefe burch feinen $ofmeifter 3Srg 
oon Gaienhofen, ber in biefen Dingen beffer bemanbert fei, 
audfüüen ober berichtigen ju Iaffen. (Er rühmt oon fleh, baß 
in feiner Darftetlung „niemanben liebfoft fei mit bem ftunter* 
fait betrogener Schmeichelet noch fibergangen, toenn ftch einer 
mit Saftern befledt habe". 

3n ooflem SWaße barf biefe« 8ob ein fe$r toohl unter«» 
richtetet gortfefcer be* ©erfe* 1 ) beanf prüfen, ber bie Crjäh* 
lung ber bairif$en ©efchtyte bon 1479 bt$ 1508 weitergeführt 
unb balb nach 9Ubre$t* IV. lobe feine Sirbett abgesoffen 
$at. Dag biefer gortfefcer in güetrer felbft ju fuchen ift, baß 
biefer al$ @rei« normal jur geber gegriffen hat, um nun bon 
aöen 9lü<lfichten befreit, ba$ ffierf feiner Sugenb ju ergänzen 
unb abjufchließen s ), möchten nrir lieber Derneinen. ©ohl fönnte 
bie unleugbare Äunft bed gortfefcer* burch Hervorhebung ein* 
jelner lebenSboöer 3&9 e cinc ?erfönlichfett ober einen Vorgang 
beutlidh bor ben Äugen be* 8efer$ erftehen ju Iaffen auf ben 
Dieter unb ÜRaler gebeutet toerben, nicht leicht aber mag man 
fleh ju ber Sinnahme entfließen, baß ba« in manchen fünften 
tabelnbe, im ganjen mahrfcheinKch gerechte, aber öihk unb fein 

1) 3n cgm. 1590, unbolipfinbig in cgm. 565. Cgm. 566 tfl 1502 
beertet (f. f. 140). 

2) ©o Sorenj V, 210, ber güetrer* Sutorföaft für toahrfäemU* 
h&t dagegen fernst au<$, baß bisher feine ®pux von güetrer* 2eben 
nach 1500 gefurtben »erben tonnte. 



912 



Wri* gfietrer ott ©ifiorifer. 



$ietfit«ber$fiftni« berratenbe Urteil über «(brecht IV., ba«btefe 
gortfefcung enthält, bon bemfelben «Wanne rü$re, bet 8U6re<$t 
fo nafc ßanb unb i$n früher mit ben boöen SSnen be« Dic$* 
ter« feierte. Überhaupt tritt $ier eine f^arfere «rt ber ©eob* 
Ortung unb Beurteilung entgegen, bie ft<$ bo# laum bur$ 
(Sntoitflung eine« unb beweiben Hutor* ober biitd? He ab« 
toeid&enbe «rt be« ©toffe« erflären lagt. CfaralterföUberragctt 
ber gfirften, toie fie $ier bon «tbrec$t IV., ©eorg, C^rifio^ 
unb ffiolfgang »erliegen, auf ©runb au«rei#enber ftemttnt« 
mit rfictfl$t«lofem fjreimut entworfen, ^tmmelmeit entfernt oon 
ben fte^enben trafen ^Sftfd^er gotyreifimgen l ) r finb in ber 
baterlanbiföen ©ei<$i($tf$reibung oorbem no<$ m<$t bageioefen 
unb fu$ern biefer gortfefcung einen $o$en Wang unter ben 
$tftoriföen Seiftungen. 

Petrer lennt leinen Untertrieb steiften Sage unb ©efötyte. 
S)er {Roman bon ftSnig $tyin auf ©etyenftep^an gilt $m al« 
Quelle fo gut tote Otto bon fjretfing. ©eine <£$ronif tft oon 
ben un« erhaltenen SBerfen über bairif$e ©efcfctyte bor «Dentin 
too$l ba« am meiften mit gabeln angefüllte. Irofcbem ober 
bielleid&t gerabe begfralb $at e« oon allen ben grSjüen (Einfluß 
ausgeübt Wtöft nur bajj e« in ja#reU$en $anbfc$rtften über* 
liefert ift, e« toarb au$ bie ©runblage für eine ganje Steide 
bon Umarbeitungen ober 8u«jfigen am Grube be« 15. unb 
©eginn be« 16. 3a$r$unbert«, ia nod? na$bem tfoenttn« ©erfe 
borlagen *). 

Sie bie tatert&nbiföe @efc$t<$te im toefentfi^en nur al« 
©eföic^te ber angeftammten gürften aufgefaßt toirb, fo ertoedt 
bie totttel«bat$if<$e ©enealogie befonbere« Sntereffe unb ba ja 

1) tttyt flW gejei^net finb au$ bie C&araltere ber tner SRÜn$nfr 
©rfiber in bem Sntpsg einer gkidfoeitigen, fatyenftoerten €$rwrif, ber 
bie 3a$re 1484—1498 umfaßt Stab na* einer jüngeren, *on einen defmten 
gefertigten »Wrift ton 2ij>o»6t$, $. Cftißotf , 159—167 ebiert iß. 
911 ©erfaffer $at man, toofl gnmbW, ben 3ngolßfibter 3atner teautttt 

2) Ober fol$e *gl meine SDKtteilnngen in £ur»air* ©erten HI, 
568—572; »oefinger, teer filtere «rieten jnr ba^erifaen snb pfSl- 
§if$en Oeftfctte 179f. 197f. 



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Qeneatogiföe Ctytiftra it. gabeln. 918 

beten »uf^eBung In ben älteren Seiten eine Queflenrenntni* 
unb ftritif erforberlidfr getoefen toären, lote fle ba$ 3eitalter 
iti#t entfernt befag, toirb biefe Sfide burc$ fabelhafte ffirfin* 
bungen aufgefüllt. Die ffittteW&ad&er Kerben aW ftarolinger, 
ia nod) me$r: fagen$afte unb tym6oIifd&e $erf5nli($feiten »erben 
als i$re äbnen $ingefteflt. 3o$ann £rit$emiu$, ber gelehrte 
8bt Don Sponheim, ein ©tfcriftftefler oon tounberbarer gruebt* 
barleit, aber auc$ $eroorragenber Ärittttoßgfcit, ber bur$ feine 
engen SBegiefringen jum $eibel6erger |>ofe oeranlagt toarb ft$ 
mit ber toittel66a$if$en ®eföic$te ju befd&äftigen, $at fotoofcl 
in einem befonberen, mit ftntenor beginnenben Stammbaum 
be$ $aufe$ ') aU in feinem Chronicon dueum Bavariae et 
comitum Palatinorum Rheni sive de origine gentis prin- 
eipumque commentarius 2 ) bie Sbftammung ber pfäljtfd&en 
unb bairiföen $erjoge oon ftarl bem Otogen behauptet 85$emt 
in bem erläuternben lejt ju bem für $erjog ©igmunb ge* 
fertigten äfytenbtloniffen, auf bie toir in bem 8töf($nitte über 
Äunft jurüdfornmen, ©aoaruS unb 9?ori$ oon einem efy> 
toürbigen OreiG jufammengefityrt unb ba^in gebraut toerben, 
bag fie greunofäaft fätoören, ift bie ©tymboiifierung noc$ 
jiemluty bur#fü$tig unb lägt oietteic^t eine $tynung oon ber 
$iftorif#en £$atfa$e burc$f$immern, bag ba$ bairiföe 23oIf 
auf SBermifdjung ber eingeioanberten ©aiutoaren mit altanfäffigen 
{Romanen ermaßen ift # aber toenn biefe 8tynung ber ffia^r- 
bett te beftanben f>at, ift fie bo# fog!ei$ loieber oerloren ge= 
gangen. (Senealogiföen 3n$alt$ ift auc$ ba$ erfte eigentlich 
auf bie bairifc^e @ef$i$te bejflglt^e ffierf, ba$ gebrudt toorben 
ift: „S)a$ fterfommen ber §erfcogen oon ©a^rn", ber er* 
läuternbe lejt ju einem faft mann* $o$en Stammbaum ber 
bairifeben gürften in fernen $oljfc$nitten , beffen (Sntftefcung 
um 1502 ju fefcen fein totrb 3 ). 83erglei<$t man biefe genea* 



1) Demonstratio familiam comitum Palatinor. Rheni ... ex Stirpe 
Caroli Magni . . . promanare. öebrudt 1616. 

2) 2)iefe nubebentenbe (Sfrronit, übertoiegenb genealogiföen Sfyirafter*, 
folgt tnetfl bem «nbrea« oon 9tegen0burg. 

3) Sgl meine ©emerhmgen in üben t in III. 569. 570. 
ftie|Ut, OeftWe ©alenif. III. 58 



»14 



SobUfou« €tant$etm. 



legten 8erfuc$e, tote fie tetf* felbftänbig beröffentlu$t tritt 
an ben Anfang bon ©Triften übet bte batrifc^e ®efc^tc ge* 
fteüt tourben, im einzelnen, fo getoahrt man, tote in ber Siegel 
ber 9tad?folger ben Vorgänger noch um einige ä^nenrei^en 
überbieten toilJ, fo bajj föon am ©bluffe biefe* 3eitraumd eis 
toatyteä Ungetüm ben gabelet herangefoachfen ift. HW eine 
rühmliche äuänahme ift eä ju bejeic$nen, bag ftönig 2Rapmütan* 
$offaplan gabiälauS ©untheim, ein geborener SRa&enSburger 
(geft. 1512) , in feinen genealogifc^^iftorifc^en Aufzeichnungen 
Aber bie (trafen bon ©feiern unb $erjoge bon ©aiern, bte 
big in ba$ 16. 3ahrhnnbert fortgeführt finb unb für bie legten 
3eiten ben ©ert einer Quellen jc^rift beanfpruchen, Don ber* 
artigen ÜW^tben ftch frei erhalten fyat, mä^renb er freilich in 
feinen ©tammbäumen ber bairif$en $erjog$gefchlecbter *) in 
ba$ breite gahrroaffer ber lanblöufigen ftritttlofigfeit einlenlt 

äKochte bte SWittoeft gorfchungen über bie 93orjeit, bereu 
SDiängel ihr nicht jum ©ettmjjtfetn tarnen, ^ö^er fc^ä^en f für 
bie 9iachto>elt haben unter ber htftorifcben Literatur biefer Qpofy 
bie fpär!i$en Hufjeichnungen jeitgefchichtlicber Dentoürbigfeiten 
toett größeren ffiert. Die alteften berfelben befifcen mir in 
3örg Äajmair* Denffchrift über bie SWünchner Unruhen unter 
ber SSierherjogregierung. 3n bem ©ebürfnt*, feine Erinnerungen 
)u fammeln, ber ffiahrheit &tüinti 9* flrten unb feinen tarnen 
reinjutoafchen *), greift ein SKann jur geber, ber in bewegten 
Zeitläuften eine öffentliche SHcüe gezielt unb Unrecht erlitten 
^at. ©e^r n>ohlh<*benb, au« angefe^enem $atrijterhaufe, toar 
ftajraair feit 1396 ÜWitglteb be$ inneren Wate« unb einer ber 

1) Sei Oefele U, 562f. u. 635f. ®nnt$eim t*tbanfeu mir an* 
bie tocfyl Sttefte , b<x$ nfcbt fe$t m$alt*tet$e tobogta^ifäe ©efättibiuig 
eine« Xeit« be« ©atetlanbe*, nSmiufr bet EonautyaW. SKefelbe ift 
jtoif^en 1498 unb (ba $. <&eotg aW (ebenb ernannt tmrb) 1503 bctfa&t 
unb gehört ju bem ©rudtfüct be* tikxto, bad Pfeiffer im (Sienet) 
3a$tbu$ f. batet!, ©cfö., 1861, ebiett $at. Sgl 288—289 ». 297. 

2) StaSgabe mit fotgffltiger Cttöntetnng *on SRnffat, 6t-(E$r. 
XV. Sieben ifl einteilet, SRflncfren untet bet »ietbetjogtegicnmg 
na<$ einet $enff$tift M ©ütgetraeiflet« 3. St., 1883, <m$ tt^t so$ 
fe^r bea^tenStoett 



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38rg Äajraair. 



915 



jtoei ©iegelbetoahrer SWünchen*. 3m folgenben 3ahre finben 
tote ihn in best SluSfchuffe, ber bte oom großen {Rate oerlangte 
Prüfung ber ftaramer* unb Steuerbücher oorjunehmen $atte f 
mtc^ unter ben ftabtifchen «bgeorbneten, toelche jtoifchen ben 
$erjogen ©tep^an unb (Srnft ju vermitteln fugten. 3n bem 
fritifdjen SugenblüJ, ba ffiarmunb $ienjenauer burch ben 
?)erjog (Srnft oertounbet mürbe, befletbete er ba« unter ben 
jtoölf inneren töäten monatlich toechfelnbe ©ürgermeifteramt. 
Jto ber ©pifce be$ 8late$ oertrat er gegenübet ben $erjogen 
Stephan unb Subtoig bie gorberung, ba| bte fech$ ©ärger, 
toelche ber Teilnahme an btefer 2^at befchulbigt tourben, nur 
t>on ber ©tabt, nicht oon ben $erjogen gefangen &u galten 
feien. (Sr half bann auch mit, bie $erjoge burch Unterhanb* 
lungen oon 2$ätli$teiten abjuhalten. 8Bietoohl er 1398 
toieberum in ben inneren fflat, jum $auptmanne unb ft&m* 
merer getoahlt mürbe f toecften Übergetönt unb ©ebabren ber 
bemofrattfchen Partei in ihm ben $Ian bie ©tabt ju oerlaffen 
unb ber ©ebanfe toarb jur Xfyat, al« bie Oemeinbe im ©tber* 
fpru$ mit feinem Mate auf einen ©ruch mit ^erjog (Srnft 
brängte, er felber aber oon ihrer fernblieben ©timmung für 
fleh ba* ©$ftmmfte befürchtete. 9m 3. «uguft 1398 ging er 
nach Zill, fpätet nach ©aljburg. <£r fteflte ftch unter ben 
©chufc M $erjog* Srnft unb fünbete, beffen ©eijpiel folgenb, 
feiner SBaterftabt, bie ihm $ab unb ©ut mit ©efölag belegte, 
ben grieben auf. 3u $etbelberg, 3ngolftabt, Augsburg, 8anb0» 
hut nahm er bann teil an ben griebenSoerhanblungen. 3m 
grfihiahr 1403 toarb burch bie allgemeine ÄuöfShnung auch 
ftajmatr nach faft fünfiähtigem flqril bie $eimfehr unb bie 
SBiebereütfetytng in feinen ©eftfc getoahrt. (Sr ftarb am 
5. SWärj 1417. S)a* «nbenfen an bie garailie bemalt in 
ber SWünchner gtauenttrehe ein oon ihr geftifteter »Itar. 

Um ftajmair« ©chrift gerecht ju toürbigen, barf man leinen 
anbern «Kaffttab aW ben ber Denhoürbigleiten anlegen, ©o 
»mftänblich bie ©chilberung in ihren gehäuften (Sinjdjügen tft f 
toürbe bo<h niemanb au« ihr allein ein ©üb btefer ©irren 
genramen. ftasmair etjä^It nicht mehr al* toa$ in ben ©ereich 

58* 



916 Äajmairt fcenlfärift übet bie SWüncfaer Unruhen. 

feiner unmittelbaren {Ba^rne^ntung fiel unb toobei er felbft 
thätig toar; au« biefer ©clbftbefchräntong entfpringt feine 3«* 
berlSfftgfeit. ©aß er aber genAgenb unterrichtete Aber bie 
(Enttoicßung ber ©treitigfeiten, über bie Irtebfebern ber dnU 
jtoetung, Aber ba« ©erbältni« ber fcerjoge ju ben ftäbtifchen 
Parteien, baß er und tief in ba« innere (Setriebe ^tnetnfc^men 
ließe, toirb man nicht behaupten fönnen. (Sin $iftorif$e* ®e* 
mälbe oon grAttbluher ©elehrung unb bebeutenber CBtrtmtg 
fommt nicht juftanbe, toeil ber ©erfaffer ben Dingen attja 
nahe fteht unb ber ®rab feiner geiftigen ©Übung ihn nicht 
befähigt fich barAber ju ergeben. Um at« ©chriftftefler an« 
jujiehen, müßte er bor aflem toentger unbeholfen unb f$u>er* 
fällig fein. ®enug iebech, baß toir ihm einen fchlicbten, burchan« 
toasten unb burch ruhige ©achlichfett au«gejeichneten ©ericht 
berbanfen, ber auf einen »äderen unb ehrenhaften ©erfaffer 
fchtießen läßt unb unfere ftenntni« immerhin in ganj anberen 
3Raße bereichert, at« burch ben bArftigen DurchfAnitt ber 3ett* 
bücket gefleht. Die Slufjeichnungen entftanben gleichjeittg, 
jutrft loahrfcheinßch auf lofen ©Ifittern, beginnen mit ftajmatr* 
ffiahl in ben inneren Wat ju Sichtmeß 1396 nnb reichen bt$ 
jur ©elagerung ber ©tabt, Öfnbe gebruar 1403. Daß fie 
un« gerettet tourben, tft bem Sifer einer SRAnchnerin ju banfen, 
ber grau Shma Weltmorin, geb. ^emöber, toelche bie jefet ber- 
fchoHene Originalhanbfchrift 1564 an bem „unreinlichen Orte 41 
eine« §aufe« am Winbermarft in SDWnchen fanb unb tran f tote 
ein ©dmlraäbcfjen an ben alten ©chriftjAgen buchftabterenb, bte 
fauere SWAhe fich nicht berbrießen ließ toähtenb eine« ©abe» 
aufenthalte* eine Äbfchrift ju fertigen. 

3m Abrigen ift e« leine nur jufäflige ärrfcheinung, baß ber 
biefem 3^i^ume eigentAmliche große 8iteraturjtt>eig ber ©tfibte- 
chrontten in ©aiem toemge unb nicht bie ebelften ©Uten ge* 
trieben hat- ©ermuten laßt fich jioar, baß manche ftabt* 
gerichtlichen Huf Zeichnungen, jumal in 9fcgen«burg, berloren 
gingen, aber auch bei biefer Annahme toirb ba« Urteil berechtigt 
bleiben, baß, tote ba« bairifche ©Argertum biefer (Epoche hinter 
fchioäbifchem, fränfifchem unb rheinifchem, fo auch ©aiem« 




©airiföe e>täbte$roniku. 



»17 



©täbtectyronifeu an 3a$l uttb Sebeutung hinter betten ber 
9to$barn jurü<i|te$en. 

3n SDWtylborf förteb ein ti>o$l$abenber Kaufmann unb fflatf* 
tyxx, Ramend SRttolau« ©rill, 92a$ri$ten jur ©eföutyte ber 
©tabt in ba* ©tabtre($tbuc$. ©eine eigentümlichen, aber 
}iemli$ bürftigen SWotijen fc^toffen fi$ an eine Überfefeung ber 
best SSJernfcarb t>on Ärentfmünfter jugeföriebenen £b$anblung 
über bie bairiföen $erjoge. 3n SKünd^en $at bet ©tabtfd&reiber 
SWeifter $an$ ftircftuaier, SMagifter be« ftw$enre$W, in ben 
JRattyrotoloUen bie er führte, bie 3a$re 1460—68 mit «uf* 
Segnungen jur ©efötyte ber ©tobt unb ber 2Rän$ner $er* 
joge begleitet 1 ). Kucb in 8anb6$ut bilbete ein 3a$r für 3a$r 
bom ©tabtföretber geführte« JRaWregifter bie ©runblage für 
geföicbtiid&e Sßotijen, bie tyer längere 3eit fortgeführt mürben, 
aber erft &on 1490 an bebeutfamer ^eroortreten 2 ). Die Sin* 
träge ton 1439 — 1464 toirb man bem ©tabtföretber $aul 
SRurnauer, bie folgenben bi$ 1488 beffen ©ofyte unb 8mt6* 
nachfolget SUejanber SWurnauer jufebretben muffen. Der mi$* 
ttgfte Zeil bon 1489 bt* 1504 ift bon bem ©tabtfd&retber 
3o$ann Setter berfafct, ber 1477 ftentmeifter ju Skiben, bann 
9tt$ter ju 8tei$ene(f, fpäter {Ritter ju SBemoing toar. 1485 
in ben Dienft «Bil^elm* bon ffiolfftein, 2Rarf$all* be$ $erjog$ 
©eorg getreten, toar er bon biefem na$ 8anb$but gejogen unb 
1490 auf Sertoenbung be* $etjog* mit bem ©tabtföretber* 
amte betraut toerben. 33on bem SBerle be$ 3ngolftäbter 
©tabtfebreiber* Sütbrea* &axntx über ben (Srbfolgehteg ift ein 
guter Seit im ©runbe nur eine 3ngolftäbter ©tabte^ronif für 
bie 3eit be* (Srbfolgefrieg«. 3n ffiafferburg Gilberte ber 

1) 3m 8Wfin<!&ner ©tabtareftb. D&ne Nennung ber Duette unb be« 
8erf afier« öetöffentlify bet «B e p e n r i e b e r V, 190—201. ©ifyige tultur- 
btflorif<$e Duellen fuib au$ bie Einträge in beu 3Rünc$ner Äammetbü($ern, 
bie« unb anbete« berart aber fann ni$t eigentlich jur t)t|toril<$eu Lite- 
ratur gejS^U »erben. 

2) 2anb«t)uter SRaWcfyronlf, ebenfo nrie bie SWfltjlborfer $erau«gegeben 
bon geiget in et.-<£t)r. XV. 2>te erdete Duette borget aW Faeti 
consnlares L&ndisbutani bei Oefele. 



»18 



gamiücn^romten. 



SRentmeifter ffiolf Baumgartner anf$ault$ bie ®#uffale ber 
©tabt im Crbfolgefriege 1 ). ©t« 1519 reicht bte latetmf$e 
dffxoml eine« »egen«burger« 2 ), bie für bte älteren 3* itert meijl 
befannte Quellen, befonber* bte 8?egen«bnrger ©tabtc^ronif cm« 
beut 14. 3a$r$unbert ausbeutet ober toieber^olt, für bte \pä< 
teren 3a$rje$nte aber eigentümliche, boc$ ntyl fe$r reichhaltige 
SRad&richten bietet. 

©i« auf gamttienchronifen erftreden fleh nun bte $ugenntgeB 
eine« regfameren gerichtlichen ©üme«, bo<h gelangt felbftrebenb 
oon hiftoriföen Denfmälem biefer Srt nur au«nahm«n>etfe ba« 
eine unb anbere ju öffentlicher Äunbe. 3n ber angefe^enen 
SDlfinchner $atrtjierfamilte SRibler begann im 14. 3a^unbert 
ein (Gabriel, beffen Sater 3afob auf ftaifer Subtoig« Wontgiig 
in ©rijen geftorben toar, Hufjeichnungen jur ®efchichte feine« 
$aufe«, bte bann Don einem jtoeiten (Sabrtel in ber erften 
Hälfte be« 15. 3ahrh«nbert« umgefchrieben unb gegen Snbe 
be« 15. 3ahrhunbert« oon einem anbem {Ribler fortgefefet 
mürben 9 ). ^>icr finbet man bie fm$lic&en unb SBohlthätigfeit«* 
ftiftungen bezeichnet, in benen ba« fromme ©efölecht pch nicht 
genug tyun tonnte, feinen reiben äuftoanb für ftir$enf$mucf, 
bie (Srtoerbungen oon liegenben ®ütern, bie tokhrigften gamilien* 
urtunben, £obe«tage unb SBegräbni«ftätten ber gamttienglteber 
fotoie einjelne Daten au« ihrem Öeben. 

Äurje autobiogra^ifc^e Jlufjeichnungen 4 ) hat un« ber <5r* 
jieher ber ©öhne $erjog 8lbrecht« III., tUrty tSreimoIt bon 
ffieilheim (1413 — 1495) fcinterlaffen. «n ber Untoerfttät 
SBicn gebilbet, STOagifter ber freien ftünfte, lam er 1452 an 
ben 3Bün^ner $of unb befchlog fein geben 1495 al« Pfarrer 
bon ©chongau 6 ). 911« gröfcere« autobiographifth** SBerf aber 

1) (friert ton ©eftenrieber, $ift. (Sänften I, 183—206. 

2) 918 Anonymi farrago rerum Ratisbon. bei Oefele 11,508—523. 

3) Ed. Ö ei 6, Oberbaar, *r$h> V, 87—108. 

4) Sutogtart in dm. 19848, f. 186. 187. 252. 253. 3« t*rglei<kn 
finb über Orelraolt clm. 19651 u. 19672, f. 314. 

5) 2>enn bie SbentitSt be« in M. G., Necrolog. I, 13, genannten 
U. <&. mit bera $rinjenerjie$et »irb nidjt |n bezweifeln fein. 




$au« ©Rittberger« 9leifebu<h. 



fleht neben ffajmatr« Denffchrift, ebenfalls bon einem ©ohne 
ber SDlfinchner ©egenb rührenb, ba« berühmte 9?etfebuc^ $an* 
©chittberger« *)• fy** to\t bort ift ber »erfaffer ein jum 
©chriftfteüer nicht au«gebtlbeter SRann, ben bort nur ber 
SBunfch fleh al« politiföer Parteiführer ju rechtfertigen, ^ier 
nur bie auf?ergemS$ntt$ften unb abenteuerlichsten ©chtcffale unter 
bie Tutoren führen. 3 U ^ n älteften unb bornehmften toittel«* 
bachtfchen SWintfterialenfamilien geh&rten bie SWarfctäfle boti 
©chiltberg bei Slichach. Sine Jüngere Sinie biefe« (Sefök^t«, 
toelche noch heute blüht, fcheint nach SWünchen fibergefiebelt ju 
fein unb bort ba« Bürgerrecht ertoorben ju haben. 3m erften 
3ahrjehnt be« 15. 3ahrhunbert« toar §olern jmifchen SDifinchen 
unb gretflng im SJefifcc eine« grtebrich ©chiltberger unb mäht* 
fchetnltch auch bie $eimat 3ohann«, in bem griebrich« Jüngerer 
©ruber ju fuchen fein bfirfte. SJon ÜJiünd^n au« jog $an« 
im älter bon fünfzehn Sahren al« Knappe be« Sienharb 9ici> 
charbinger 1396 2 ) gegen bie Störten. 3n ber ©flacht bei 
SRüjub gefangen, oerbanfte er nur fetner jarten 3ugenb ©cho* 
nung be« geben«. Der ©teger, ©ultan SBajafib, nahm ihn 
unter feine Seibfflaoen auf unb bertoenbete ihn al« Säufer, 
fpäter al« berittenen Diener. Salb raufjte er auch al« Ärieg«* 
mann im türfifchen $eere in ber Ifirfei unb in %tf)pttn mit* 
lämpfen, »ahrfcheinlich nahm er auch an ber ^Belagerung fton* 
ftantinopel« teil. Dann führten ihn toechfetooUe ®efchicfe tiefer 
unb tiefer nach bem Orient, in Sänber, bie oor ihm bielleicht 
noch nie ber gujj eine« Deutfchen betreten ^atte. 3n ber 

1) Ed. Sangmantel, 8ibl. b. Stter. «erein« CLXX1L Vorher 
haben fleh befonber« SReumann, ber 9iuffe ©ruun unb ber (Sngtönber 
ielfer burd& Ausgaben, Überfettungen, Kommentare um ba« in ben 
geographiföen Angaben vielfach föfter berflSnbltye ©ert berbient gemalt. 
Über Literatur u. $anbf<$riften bgl. Sangmantel« tfo«gabe, 148—159, 
jnr ©iogrartte @<htttberger« ebb. 162 f. Über bie (Berichte ber gamttie 
lagen mir bie gorfchnngen eine« ftad&tommen, be« b. Dberftatoarjte« Zitters 
2Rarf<hall *. @<$iltberg, hanbf*rifttt$ bor. 

2) Sgl. oben, @.179f. 1394, ©. 1 u. 2 in Sangmantel« Sfo«- 
gäbe ift fcqrtberberbni«. 2>aß ®$iltberger felbft 1396 ^reiben sollte 
ober förieb, ergibt fUh an« 8erglei$ung ber 2)aten auf e. 1 u. 112. 



920 



$an* C^Utberger. 



©<$la<$t Bei Ängora (1402) geriet er famt feinem $errn m 
bie ®efangenf($aft be« SJiongolenfcrrfcfcr* limur unb noc} 
mehrmals »ekelte er feine ©ebieter, er lam na$ $erfka, gn 
ben lataren, jur golbenen $orbe na$ Äi^tfc^af, bt* er fpätcr 
in bie ftrim unb in bie ftaufafufllänber am ©cfyDarjen SRcere 
geführt toarb. Äud SDlingrelien glttdte tym enblicfc unter 
(Befahren aller Urt bie gluckt na$ ftonftantraopel unb Don 
bort gelangte er, na$bem er no$ ba* Ct. ftat$arinenOofter 
am Sinai, $ebron unb 3erufalem befugt $atte, mit Untere 
ftüfeung be« grie$tf<$en ftaiferd 1427 in bie $eimat {urftf, 
bie tym jur grembe getoorben toar. <£r ftarb im Dtenfie 
$er|og Sllbre^W III., ber ben bur$ fo unerhörte Prüfungen 
$eimgefuc$ten al* ftämmerling in feinen Dienft genommen $atte. 
* 3n feinem 9teifebuc$e erjätyt er, toa« er in jtoetunbbrei&ig 
erjnmngenen ©anberiafyren „in ber $etbenf($aft* erfahren $at 
Ofcne ftlagen unb o$ne 9tu$mrebigfeit, f$li$t unb einfach 
föilbert er feine (Srlebntffc unb Seoba$tungen , betten unter 
allen Umftänben fpannenbe* 3ntereffe unb ber Äeij ber 9leu$eit 
gefiebert mar. 2)a$ 9?eifebu$ tft, toenn toir Don ber furjen 
Seföreibung abfegen , toelc&e töubolf Don grametntberg Don 
feiner 3erufalemfa$rt ^interlaffen $at, in ©aiern ber ältefte 
Vertreter geograpftfe^er 8tteratur, e* ift im 15. unb no$ in 
ben f olgenben 3abr$unberten fetyr beliebt gengfen unb frfi$ unb 
$äufig gebruttt toorben. ftultur^iftorif^ betrautet, liegt fein 
grSgter ffiert DteOetyt barin, ba§ e« ben Triften über Reit* 
gion, ©itten unb ftaatlkfc Einrichtungen ber aßu^ammebaner 
an ©teile Don SRär^en, tote fxe fanattfefc ©ef$ränft$ett unb 
UnfenntniS au*$e<ften, beglaubigte 9to$ric$ten bot. föemt aber 
ein gfinfje$niä$riger als ftnappc abreitet, um bann bie befte 
3eit feiner 3ugenb* unb 3Hanne$!raft unter 9Ru$ammebanertt 
unb Reiben att ©llaoe ju Derbringen, toirb man an tyn 
billig leine $o$en f^riftftederif^en »nfprüc^e fteUen bärfen. 
Such gefielt ©cfciltberger offen, ba& er al* gefangener unb un* 
felbfiänbtger SWann in ber grembe fi$ toeber toeite Überfc^au 
noch tiefen Cinblkf in bie S3er$ältmffe Derf^affen tonnte unb 
bog Oberbiel feinem öebäc^tniffe manche« entfallen ift 9Rau 



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Pilgerfahrten na$ Sernfalem. 



barf annehmen, bafj tym bei »bfaffung ber ©chrift ein literarifch 
gebtlbeter SDZann, u>o$l vom $erjogltchen $ofe, jut $anb ging 
unb bie Süden , meiere fein eigene« ©iffen auftoie«, bur$ 
$eranjtehung älterer geographifc$er Serie ausfüllen half. Die 
Senutytng von folgen fteht aujjer grage: befonber« au« 3ohann 
von SHontevilla, SRarco $0(0, fiüaviio unb bem Pfarrer 8u* 
betf von ©ubheim fcheint viele« entlehnt, Kuch ber reiche 
gerichtliche ©toff, ber in ber ©chrift niebergelegt ift, bfirfte 
gum grofcen Seil auf gefchriebene abenblänbifche Quellen jurfiefr 
juführen fein. Übrigen« ift noch nicht feftgeftellt, ob ber iEejt 
be« 9teifebuthf«, urie er un« vorliegt, nicht bereit« ©nfäiebungen 
eine« fpateren Überarbeiter« aufioeift unb ob nicht barau« bie 
mehrfachen chronologifchen Säiberferfiche ju erHaren finb. 

3m übrigen ift bie 9teifeliteratur biefer (Epoche au«fchlie|lich 
ben beliebten ffiallfahrten nach 3erufalem geunbmet SMit bem 
©turje ber chriftlichen $errfchaft im gelobten Sanbe mar bie 
©ehnfucht nach ben geheiligten Statten im übenblanbe nicht 
erloföen. 3mar forberte nun bie Äurie bei ©träfe ber <E{- 
lommunilation von Jebem Serufalempilger, ba| er vorau« bie 
Crlaubni« feiner geiftfichen ©efcötoe einhole. Irofc biefer <Sr< 
fchaerung aber, trofc aller SWühen unb (Gefahren, bie be« 
$ilger« »arteten, vermochten religiöfer (Eifer unb allgemeine 
JBanberluft, greuDe an abenteuern unb ber XBunfch in 3eru* 
folem bie befonber« ^oc^gefc^ä^te 9tittern>ürbe be« ^eiligen 
(Krabe« ju erlangen fo viel, ba| 3ahr au« 3a$r ein taufenbe 
Don Triften au« allen Nationen unb ©tanben nach ^aläftina 
ftrömten 1 ). 3n ber JRegel tonnten fich freiließ nur bie Weichen 
biefe 3lnba$t«fibung geftatten, benn bie ftoften ber gafcrt toaren 
fehr beträchtlich. Der Witter Wubolf von f$ramein«berg, ber 

1) J&rjctynifie ber tteifenben (barunter fe$r viele ©aietn) nnb ber 
fteifcbeföretöungen f. bei Höhriät nnb SWelfner, 2>cutf$e $Ugerreifen 
nad) bem ty. fcmbe, verDoUftönblgt in ber 2. Bearbeitung 9t5$ri$t« 
(1889). 9fta*getragen feien: $einri* ber alte ttibter, ber 1324 auf ber 
gafcrt na$ Serufalem in einem ©pltal vor Benebig ftarb (Oberba^er. 
Är$h> V, 99) ; Äonrab t>. ^otenborf, ber in Serufalcm ftarb, nnb C^riftoph 
V. Stytenßein 1434 (Eccard I, 2165); Oeorg b. J. von ©albed, ber 




922 



©ef<$reibungen ton Pilgerfahrten. 



am 14. ÜWärj 1346 bon 8anb*$nt autftog, bon 3erufale» 
aud ben getoJfytttcfcn Äbftec^er nadj bem ©toai machte unb 
Cnbe SRobember toieber in 8anM$ut einrikfte, ^at und in feiner 
lattiniföen Weifebefäreibung ») bie Slotij ftnterlaffen, bo| et 
famt einem Diener fein Äetfegelb bon 350 fL bi* auf 4 fL 
böflig aufgejefyrt $abe. Beitreibungen ifrrer $ilgerfa$rten ftaben 
bon Satern außer tym unb $an* ©$tftberger fcinterlafien : 
Sodann $oloner au« JRegenäburg, ber ÜHönc^ 8nton $eU#H9** 
bon 5£egernfee (1454) *), ber oberbairif$e Orbmarf^all (Seorj 
bon Ouwppenberg (beutfö) unb ©ebaftian bon @eibottftborf, 
aber bie @$rift be$ leiteten ift bi* jefct ni#t anfgefunbes 
»orben. Die beiben reiften 1483 im SSerein mit bfelen 
anberen bairtf$en CbeUeuten, barunter 5Rot$aft, Arnberg, 
8$eim, $a«tong. 

Dag in ber DarfteOung jeiigeirtfflWer ®eföi$te, bie |a 
ffteug genommen leine tiriffenftyiftltyen Xnfotberungen fteOt, 
loeit me$r geleiftet timrbe aW in (Srfotfcfyutg ber Vergangen* 
$eit, in ber man ofyie ftritil nun einmal ntc$t »riter tarn, ift 
und föon au* ben bi*$er befproefcenen Steden Har geioottoeit. 
Den $8$epunft in ben Seiftungen ber erfteren Ärt, trenn tttr 
bie §aupt\aty, ben $tftorif#en ©e$alt, in« 3uge faffen unb 
bon ber f^riftfteOerif^en gorm abfegen, bejetynen am (Snbe 
be* 3«*™««* We offljieüe unb bie aftenmäfcige ärrjtylung 
eine« einjefoen $iftorif<$en (Sreigniffe*, be$ fantafater (Erbfolge* 
ftiege«. m offijielle DarfteHung $aben totr ba* ffierf «Mnert 
ju betrauten, nrietoo^t e$ fk$, jotoeit erhalten, felbft mrgenM 

1456 au« tfirtifcfcr Öefangenf#aft na$ feiner *&terti$en ©urg am Ctylicr- 
fee jurfidtefyrte unb eine Oebenttafel in ber Äapette auf bem ffieinberg 
in 6<$lierfee fttftete, tooftn er ft$ »erlobt ^atte. 2>a« iefct bort fraugenbe 
Heine Oemttbe, ba« i$u att naeften gefeffelten ©Haben jdgt, ift too$l bie 
9ta$6Ubung eine« geritten JUteren ©Übel. 

1) Canisius-Basnage, Lect ant. IV, 858—860. *. $or- 
ma$r, Xaf$tnfeu$ 1832, 119, tyit ben »erf affer für einen grauenberg, 
mie i$ glaube, mit Unregt, ba eine gamüie Framelinesperg urtanblkb 
na^getmefen ift (M. B. III, 450) unb bei ben grauenbergeru ber Kamt 
«nbotf ni$t fcortoramt. 

2) Cgm. 1276 u. Vindobon. 3012, bie |U| gegenfdtig erganien. 



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Staftußin Äötner. 



928 



al« folc&e« bejeid&net; e« ift unbenfbar, baß bcr SScrfaffcr bon 
5Eag 3u £ag bie Gegebenheiten auf bem ftriegäföauplafce mit 
folget ©enauigfeit $ätte »erfolgen fönnen, tocnn tym mcfct 
$erjog «Ibred&t $ieju ben «uftrag erteilt unb für (Srteifong 
Jcber ertofinfaten 8lu«Iunft Sorge getragen ftitte. 23ieüeid>t 
ift Huguftin ftölner ber erfte bairifäe „®c$lac$tettbummler* 
getoefen. 3« SReuftabt a. b. Don. geboren, ftubierte er ju 
3ngolftabt, mo er 1487 nad&gemiefen ift, trat bann in bie 
ftanjlet $erjog Sübre^t« IV., roo er 1506 al« ®e$eimfäreiber 
genannt toirb. ©päter toar er Corftanb be« ^erjoglid^en 3oH- 
$aufe« unb be« $erjogli#en är$to« in ÜJiüm$en, oon bem er 
al« ber erfte ein 3noentar aufgenommen $at. 1539 toar er 
no$ am Seben. 93on feinen in beutfd&er ©practye getriebenen 
brei ©fiebern de bello palatino-baico ift ba« britte ©ucb, 
ba« bie btylomatiföen ©erfrinblungen na# SRieberlegung ber 
©äffen befrmbelt, föon feit 1619 berf Rollen 1 ) / ba« erfte, bie 
biplomatiftyn S3er$anblungen oor bem ftriege umfaffenb, ift 
ungebruclt, toeüau« ba« »idjtigfte ift ba« jmette*), n>el($e« 
tagebu^artig bie einzelnen firiegäereigniffe in ©aiern oon 
»nfang bi« ju (Snbe oerfolgt unb bur$ {Reichtum unb 3^ 
berl&ifigfeit ber 9ta$ri$ten unfere toicbtigfte Quelle für ben 
ßrieg biloet. Jpatte Sllbrecfyt, tote toxi annehmen bfirfen, bie 
3(bfi$t burcfy biefe« SBerf ber 92a$ftelt eine aut^entifcfce Dar* 
fteßung be« großen (greigntffe« ju überliefern, fo ift biefelbe 
im toefentlid&en erreicht toorben. Der Cerluft be« britten 
©ucfye« lann um fo leidster oerfd&merjt »erben, al« unter 
Sllbredjt V. ber im $erjoglic$en Slrc^io angefteüte(Sra«mu« Senbt 8 ) 
(Vendius) au« Jolling au« allen brei ©ackern fiölner« einen 
Slu«jug bearbeitete, bie Ephemerides belli palatino - boici *). 

1) Oefele II, 469. 

2) Cgm. 1933, Hbförift in cgm. 5009. «uf ber Unteren fäeint bie 
(Sbttion *on $ellmann in Ser^anblungen be« ty% $er. toon Bieber- 
Bauern, 1847, ju berufen. ©. au* ©er^anbtnngen b. ©er. f. Dber- 
tfaljXXXlV, 138. Über ba« ©iogra^ife^e *gl. ©iebetnann, Zu xm a tr 80. 

3) 9ft($t ffianb. @. u. a. clm. 1372, f. 305. 

4) Oefele II, 742—793. ffiiebemann« Hngabe, baß biefe 3fo«- 
jüge nur ba« 1. unb 2. $n$ umf äffen, i(l unnötig. 



»24 



Änbrea« 3oiner. 



Bu$ in ber alteren bairifd&en ©eföictye ^at fic$ Stützet mit 
einet <£$rontf oerfud&t, toeld&e mit ber 3«fWttmg Iroia*, mit 
Priorau« unb Stoteuor beginnt, ein formlofe« ©erf 1 ), batf 
Diele Hbföriften oon Urfunben unb Queflenfcfrriften enthält 
unb nur toegen ber ehtgeftreuten arc&ioalifcfcn ©otumente unb 
9ta$ric$ten Sebeutung $at 3m geheimen ©taatfarc^io liegt 
oon fiölner ein flmtumrf oon totttettbadfriicfcen Stammtafeln, 
na$ ©etoolb rfl^rt oon tym au$ eine Designatio Bavariae 
geographica. 

SBiguleu* $unb $ot in feinem ©tornrnbuc^e einen ©rief 
oon 1468 abgebrudt, nur um ju jeigen, „mie ba£ Älter fo 
lurj, runb unb gut gefd&rteben $abe unb in toad umtäte, über* 
Pl'ftge ©eitläuflgfeit bie beutfc$e ©Treiberei ju feinen 3eiten 
ermaßen fei". $unb $at richtig beobachtet: in berfelben Bett, 
ba bie $umaniften fo ängftiufc um bie {Reinheit ber lateimfc^es 
©pra$e müßten, begann in unfern 9Ruttert>ra$e ab* 
föredenbe SSermilberung einjureijjen, oor unb neben bem $etr* 
liefen unb Iraftootten Deutfö eine« 8ut$er unb Sloentin ftofra 
to'xx auf beutfdfre ©Triften, fo ungelen! unb ferner fällig, fo 
„unnüfe toettlaufig*, bag man fie nur mit ©elbftübenotnbitng 
ju lefen oermag. Stte erften Vertreter biefe« na^ flanket unb 
Älten buftenben ©titt finb in unferer Siterotur ber fcrjog» 
lu$e ©Treiber JWlner, no$ fdtfimmer aber ber 3ngolft5bter 
©tabtftreiber »nbtea« 3ainer. Hbgefefan oon ber ^äftteften 
Sprache aber tote oon ber unbeholfenen £)arfteOung, bie ). 43. 
mitten unter ben polttifc^en Creigniffen oon einem geu>d$nltyen 
SDtebfta^l berietet, ift Rainer* Liber memorialis*) ein mert* 

1) 8erjei#ni« ber Äfc&nigen, Äaifer, gürpeu unb $erfcogeii oon 
JBctynt u. f. so. in bem oon ©iguleu« $onb angelegten eammelbanbe 
cgm. 1592. «bföriften cgm, 1593. 1640. 5852. 

2) Cgm. 1598, ebiert bei Oefele II, 345 — 468. JDer genant 
Xitel tontet: 3)aO ©n* ber Cronifen nnb feltjaraen unb flner&orü$cn 
<8ef$i<$ten im löblichen fyixoZ ©aiern entfprungea na$ Äbperbcn $erfeog 
öeorgen in ©aiern. ®a$ bei Oefele II, 494 f. al* Anonymi bwi- 
arinm belli Bavarici (au« cgm. 1934) gebrudt tfc x% tote ©tempfle, 
3ainer« $n<$ über ben «a^ernfrig oon 1503—1505 (Kofcn&cira 1888), 



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2>le (ttmanifHfötn ^tobten. 



sollet, »eil auf genauer ftenntni« beruhenber unb ^iclfad^ 
attenmägiger ©eitrag jur (Befeuchte be« (ErbfolgeMeg«. 3atner 
geht &on ber ©etrachtung au«, bog (Sott nmnberbar fei in 
feinen ffierfen, bag er feinen treuen unb rechtfchaffenen Dienern 
(Bnabe unb frilfe getoähre, bie Siuchlofen aber hier ober im 
3enfeit« ftrafe. Die entfefcltche $eimfuchung be« ftrteg« fei 
®otte« ©ergeltung für bie ©finben be« fianbe«; bag ©eorg, 
fein (Eibam unb feine locbter nebft ihrem ©öhnchen binnen 
eine« 3al>re« bahinftarben, jeige ba« »unberbare {Balten be« 
aderhöchften. SU« flaffifch gebilbeter STOann, fcon gefunbem 
polttifchem Urteil, Dan! feiner amtlichen Stellung gut untere 
richtet *) unb im ©eftfce reichen Urfunbenmaterial« tonnte 3amer 
ein ©er! föreiben, ba« für ©orgefchichte unb {Beginn be« ftriege« 
unentbehrliche auch für bie ©efchichte be« »eiteren ©erlauf«, 
befonber« »egen ber jahlreichen Äftenftfide, bie »örtlich auf* 
genommen finb, fcon ffoffex ©ebeutung ift. De« SBerf affer« 
©efich^fetb für bie friegerifchen (Sretgniffe ift freilich befchrftnft, 
hier jetgt ba« Stach fibertoiegenb totalen Sharafter. 

3n ber geiftigen ©nttoicHung ©aiern« h 0 * Mte* mehr 
al« 3»ei Sahthunberte lang fleh fühlbar gemacht, bag bie 
humaniftifchen ©tubien hiergulanbe nicht fo tiefe SBurjeln trieben 
torie anbertofirt«. Wicht« toeniger al« einen folgen {Rücffchlag 
aber liegen bie anfange ber hwroaniftifchen ©etoegung ahnen: 
gegen (Snbe unfere« 3 e ta ali m$ i fi W te We bairij'che 8anbe«* 
untoerfität ju ben Hochburgen ber flaffifchen 8Ktertum«ftubien 
unb fernen ffiiffenfchaften. $ier lehrte feit 1492 (al« orbent* 
Itcher $rofeffor feit 1494) ber berühmte (Erneuerer ber pla* 
tottifchen ^Uofop^te unb ©iberfacher ber ©cholaftifer, ber 
geift&oUe unb formgetoanbte Dichter, ber ©elehrte &on toeit* 
umfpannenbem ©lief, bem bie Daterl&ttbifc^e (Befchichte unb 
(Geographie / bie ftenntni« ber Sitten, bie Xheorie ber Dichte 

e. 18, uathgenriefen hat, nicht« anberrt al* 3ainer* erfier öntourf sunt 
über memorialis. — gflr einige meniger bebentenbe tofgd<hnungen jur 
0ef<hi$te be« CSrbfclgetrieg« fei auf S. 597 oben Demtefen. 

1) ©a* eiugefoe «erfWße ni$t aueföttegt. ©terapfle, 17—21, hat 
eine tteihe bou fol<hen no<hge»iefen nub berichtigt. 



926 



2>cr $mnam6nrat. Äonrab (Eeltfo 



fünft unb ©erebfamleit mächtige g5rberung berbanlten, brr 
toettgeretfte ftonrab Riefet, genannt fieltt«, au« «Bipfelb am 
äJiatn, bem ftatfer griebriety 1487 auf ber Nürnberger ©urg 
ben Ittcfcterlorbeer sufamt bem p$tlofoi>$iföen $)oftor$ut übet* 
reicht $atte. ©c$on im $erbft 1490 $atte (Eeltt« einen län* 
geren 9tafent$alt in SBatern genommen. Damals motytte et 
in Kegendburg bei feinem gelehrten greunbe, bem Dieter mtb 
2Ratfcmatifer 3anu« £olop$u« (3o$ann SEotyopf au« fteranat), 
$ropft bon gord^eim unb 8tegen«burger Domherrn, motzte 
bon bort «u«flüge in bie 9lac$barfc$aft, burdfrforfäte bie Sibfio* 
treten na* alten $anbf#riften, fmtyfte Serbinbungen mit bai* 
riföen ©deuten unb ftelt an einigen Orten öffentlich 35or# 
träge 1 ). (Sine« ber bon i$m herausgegebenen ffierle, bie an« 
ber ©ibliotfcl bon ©t. (Emmeram fcroorgejogenen Xframen 
ber 5Ronne $rofu>it$a, $at man in neuerer 3«* rin* 
föung be« Selti« oerbafyigt, eine mertofirbige S3erirrung, ba 
föon ein S3luf in bie erhaltene §anbfärift (clm. 14485) ge* 
nügt, um beren Sitter unb (E#t$eit ju enoeifen. ©eine Wegen** 
burger $au«u>iitin (SIfulo, tyre ©orjüge tote tyre Oenufr» unb 
$ufcfu#t, (Sitelfeit unb ©$toa#aftigfeit befang Celti* in 
lateimfc$en Siebern. Die ?lntritt«rebe, mit ber er feine 2$&ttg» 
feit in Ongolftabt eröffnete 2 ), lägt un« foglei* ben mäßigen 
glügelfctylag eine« neuen, Jugenblic^en ®etfte« berfoüren. SRtt 
Ieibenf#aftlic$em geuer fud?t ber fltebnet in feinen $örern 
Äegeifternng für ein neue« S3Ubung«ibeat jn toeden, offener 
©inn für alle« @#öne, ©a$re unb ®roge, für »atnr nrie 
$oefte f glüfcnber Cifer für bie potitif^e STOa*tfteüung ber 
Nation, Pflege ber oaterlänbifäen ©eföicfcte unb Sanbe«funbe 
fod fu$ mit bertieftem ©tubtum ber latetntfcfcn Älafftler (oon 
ben grie^if^en tft bei Qtelti« no$ mc^t bie {Rebe) berbinben 

1) Sgl *f $ba$, 3He früheren ©anbtrja^re be« Äonrab Seite« nnb 
bie Äntfinge ber bon tysn errk&teten gelehrten ©obalitfiten; $neraer ia 
ber «Dg. $eutf$cn ©iogrartie; b. ©ejolb, tonrab ddÜB, ber bentf^e 
Crj$umanifl (t>. e^Bel« $\% 3eitf$r., 49. Sb.); $artfetber, 5 Htyer 
tytgramme fron St. C 

2) Oebratft im «nföluffe an Celtw Panegyris ad dnoet Bar., 1492. 



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unb feine Stagolftäbter Sfotritttrebe. 



unb au* Meiern nette Siahrung jtehen. 3m Mittelalter ^atte 
baä c^rtfilic^ geworbene Altertum fich über bie germanifche iöelt 
ergoffen r burch bie $umaniften ftrömte Jefet baä urfprüngliche 
heibnifche Altertum ein *) unb »irfte in »eitern Umfrei« be* 
fruchtenb. ©enn auch bie moberne 9iatur»iffenfchaft burch bie 
$umaniften noch ttic^t in« 8eben gerufen »urbe, fo »arb boch 
burch fic ber geiftige ©oben gefchaffen, au£ bem fic allein er* 
fimejien fonnte. gut ältertumänriffenfchaft unb flafftföe 
totogie haben fie ben ®runb gelegt, ber ©efchtyte unb ©eograp^te 
neue ©ahnen ge»iefeu. ©or allem ^aben fie toieber ©bin für 
bie fäöne gorm getoedt, bie ba$ Mittelalter auf ltterarif$em 
(gebiete mietete, ffiohl möge Jeftt, meint ber 8tebner, ber 
©eftanb &on Dierje^n Unioerfitäten in Deutfchlanb ben ©tauben 
er»ecfen, ba§ bie 3eiten ber ©arbarei vorüber feien, boch tote 
toenige ftnbe man noch immer, benen bie toaste Crlenntni« ber 
Dinge, bie ernfte Örrforfchung ber 5Ratur, bie ungetrübte Stein* 
hett ber lateinifchen ©pra$e am perjen liegen. Der richtige 
©itbung$gang für bie 3ugenb Weint ßelti«, bag ihr ®eift 
juerft an ben Dichtungen ber Sitten erjogen »erbe; burch tiefe 
toohl vorbereitet, mögen bie 3üngttnge an bie bebeutenbften 
^^ilofo^en unb {»ebner be$ Stltertum* herantreten, julefet fich 
in eigenen <Snt»ürfen berfuchen. äuch bie Suriften mögen bor 
ber 9lecht«»iffenfchaft V^ilofop^ie ftubieren, aber nicht iene ber 
©cholafttfer, burch toelc$e bie majeftätifche Schönheit biefer 
ffiiffenfchaft ju unfaßbaren ©egriffen, ungeheuerlichen Hbftral* 
tionen unb leeren Suftfchlöffern berjerrt »orben fei. Selti« 
bellagt, ba§ bie beutfchen gürften burch ben SDlangel eigener 
©Übung gelungen feien mit ben fremben Äugen ihrer SRate 
ju fehen, er ftnbet e$ betrübenb, baß jumal bie ©ifchöfe, bie 
Pfleger unb Schirmherren ber XBiffenfchaft fein foüten, an 
fchnaubenben SRoffen unb bem ©eheul einer langohrigen 3agb* 
meute größere« ©efatlen ftnben. Unb »eiche ©chanbe fei e$, 
»enn ba$ ©elf nicht einmal ba* eigene ©aterlanb, beffen glfiffe 
unb ©erge, SWatur unb Altertümer fennel 

1) ¥ anIfen, ©efö. be« gelehrten Unterrt<ht«, 2. 



•28 



Äonrab <5e!rt« 



9toht in biefer ÄntritWrebe ber $auj>tton auf Silagen mto 
Mahnungen eine« ^Reformator«, ber ®ro§e* erretten totff, fo 
Hingt au« ber Panegyris ad duces Bavariae et ad Philippom 
Palatinum Rheni bie äufriebenheit be* Reformator*, ber 
fchon Biete« gedornten fleht. ÜBit fchmeichelnbera 8obe feiert 
ber SMcbter bte toittettbachifchen gftrften, mit ©exogen föttbert 
er bie bur$ pe hervorgerufene ©löte ber ©tubten in 3ngol* 
[tobt, ja feine Htyne ^^antafie fleht fchon bte 3eit fomnen, 
ba nicht mehr bie Deutfchen ©tubieren« falber nach Stalten, 
fonbem umgefehrt bie Italiener ftaunenb an ben dtfpxn unb bie 
Donau toanbem toerben. Selti« ftmeht in biefem Sobgebtibte 
auch von feiner abfielt griebrich ben Siegreichen von ber 
$falj *) unb bie Sinnen ber ©Ittetebacher in einem flrpo« jn 
befingen, von ber «u«ffihrung biefe« $Ione3 ift ieboch nicht* 
befannt. Dagegen $at ßeltiö auch ben @o$n be* g n rfflrften 
^ilifrp von ber $fal), ber att neugetofi^lter 8tf$of von grew 
fing bei ihm in Sngolftabt fein Äbfteigquartier nahm, in einer 
Obe befunden. J3on feinen fiteren Dichtungen ift bie Styap« 
fobie auf bie S»$ntenf$Ia$t bei ©Anberg (gebrodt in Bug** 
bürg 1505) einem Creigniffe ber bairifchen ©ef Richte getoibmet 

9lur tvenige 3ahre unb auch biefe nur mit Unterbrechungen, 
als gefuchter unb gefeierter, aber toenig getoiffetihafter &hrer, 
mirlte Celti« in Ongolftabt 2 ). ©äfaenb ber (fyibemte von 
1496 flüchtete er fich nach $eibelberg unb fchon 1497 ver* 

1) *nf bie tvertDoOe Chronif Wefe$gürflett,bie JRathia« v. Jtemnat 
verfaßt hat, fei hier feenigßent in Äürie hingetwefen, ba ihr Serf affer an 
geborener Dbtrtfttjer n>ar. ©eit früher al* bie bairif$en GitteUftafter 
haben hier bie pffljifthen einen Öefa)i<htf<hreibcr gefnnben, ber bun| 
grünbfl$e hmnaniftffche ©tnblen vorgebilbet toar. SWathta*, übrigen* ein 
loderer Sebeinann, hatte btefetben teile in Seibelberg teil* bei beut ita- 
Iienifäen ©nmaniften Hrriginnt anf ber ^(affenbnrg bd Jtutmbaih gemalt 
edt 1460 Jtatfan grtebrich*, f <$eint er um 1476 geworben jn fän. 
89t $öfmann« Suftgabe ber «front! in D. n. Gr. II; $artfelber 
in ben gorf^nngen XXII, 829—349. 

2) 3nm Öebran<h für feine 3ngotßfibter Sortefnugen verfaßte er bie 
Epitoma in ntramqne Cioeronis Rhetoric&m. Qnrfian, Oef^hte ber 
Rafflffen Biologie I, 114. 



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trab feine SctfUer. 



toufchte ber imftete unb Dertoa^ttte Dichter 3ngolftobt, beffeu 
Äßma unb ftoft ihm nicht besagten, gänjlicb mit ffiien — um 
fortan nie anber* att mit t>etachtli<hem $ohn ber grobfUudkhen, 
rftbeneffenben (rapophagi) ©aiern mit ihrem faben ffohl ttttb 
tofifferigen SBier, ihrer tofiften ©elage, too Äoheit unb ©emetiu 
heit ben Ion angäben, ber $ä£li$en Sto^>ftfi4rer ihrer ffieiber, 
ihre« auflfchtoeifenben $eriog$ (Beorg unb beffett aufgeblafenen 
Sanier« ftolberger ju gebenfen. @o berechtigt ©pott nnb 
©ibertmBen in bieten Dingen gemefen fein mdgen, biefe bei&etf 
ben (Epigramme »eden boch bie (Erinnerung an etat unter ber 
{fingeren ©dfrule ber $umaniften »etoerbreitete* Übel: baf 
nämlich grobe Schmeichelei unb berbe ©chmähung auf ihrer 
3unge fo nahe bei einanber fa§en unb Aber bem $o$en ffiert, 
todcher ber ffinftlichen gorm unb geiftretchen (Einfällen bei* 
«emeffen tourbe, fo&oht ber fliehte ffiahrhelttftan al« ZoSt 
unb «nftanb nur atlju oft verloren gingen. „Der 3nh*ft"r 
jagt tymlfen mit einem treffenben ©übe, ^tft ben fmmaniftett 
Dft nicht* al« bie ©lieberpuppe, fcelche baju bient, ben eleganten 
Sfajug jur @chau ju fleHen". 

(Ein begeifterter ©chfiler, 3ohann Zurmair &on »bettfberg, 
folgte Celti« nach «Bleu unb teilte bort feine «efctufung; in 
beffen ffiirlfantleit foflte fpater ber &on Celti« autgeftreute 
©amen für ©aiern erft ooOe grüßte tragen. Überhaupt aber 
ftnb bie meiften bairtfcben ^umanipen biefer deit (Selti* all 
$reunbe ober ©chfiler, mit' ober nachftrebenb nahe getreten, 
©chon bei feinem früheren Aufenthalte in ffiien ^atte er au 
*em faiferlichen Kate 3o$ann $eter ftrachenberger (Pierias 
Graecus) aud $affau fräftige Unterftfifcnng feiner fytmanifHföen 
©eftoebungen gefunben. Dtefer ftrachenberger, oon 1499 bis 
1608 S5orftanb ber Donaugefeflfchaft, toar ber erfte, ber fleh 
nac^ bem 3eußniffe (Sufpinian* mit bem platte einer beutfchen 
-©rammatit trug ; nur fein Zob foQ bie ffoäffihrung fcerhfabert 
haben 1 ). De« 9Jegen«burger Domherrn lolophu*, Vbt* 

1) SWt ihm »ertwrabt toax toohl SÄi^ael Äraifcit&etgec an« fttfthofen, 
ber 1464 einen modus legendi abbreruitiones mridioM &erfa6tt (dm. 
1224, p. XI, p. 36). 

«teilet, 9<W*H «atami. UL 69 



MO 



2krfttf<$€ $ttnt<utiftai. 



Stampfer oon gormbac$ unb be« ©urgfcufer« ©rinpetf , ber 
ebenfaö« mit ffieltt« lorrefoonbierfe, $aben tott bereit« enetyst. 
SRttglieb ber oon Celti« geftifteten r$eintf$en mtb fett 1497 
«n$ ber ©onaugefellfc&aft toar ber äJtatfcmatifer an ber 3ng©l* 
ftöbter $o$fc$uIe Sodann ©tobte« , ber faSter al« ©eFretär 
imb $iftoriograp$ ftaifer iDtafimiltand na$ ffiten berufen 
fcurbe. (Eitlem anbem greunbe be« Selti«, bem in Stoßen 
gebübeten $einri# ©rfintnger an« 3ttün$en, SSerf affer etner 
fstrjen lateinif^en ®rammattf, toarb um 1496 ber auf An- 
regung 3o$ann fJirfyeimer« in Dürnberg begrfinbete 8t$rftn$t 
für ^ßoefte unb ©erebfamleit mit $o$em ®e$alt übertragen *). 

„£u foUft toifien", fagt ber <S$ronift <Eber$arb ©tnbetfr, 
„bafj e« für afle jungen Öente eine grofe ©nabe be« aOntity» 
tigen (Sötte« ift, toenn tyre S3er$ältniffe e« mit fk& bringen, 
bafj fic in ber dngenb in fremben SSnbern manbem.* 
erimt$« an« ber ©anberluft ber fmntaniften nnb bem fraftig 
anfblityenben beutfd&en Untoerfttfit«leben allen beatfc^en St&mmen 
ber Vorteil, bag bie (Bebilbeten an« tynen tüchtig burctyetnanber 
getoirbeb nmrben, unb infonberfctt toarb ber au«gefpro<$enett üet* 
gung be« bairiföen @tamme« gegen aUe« grembe fUb mtjjtrauifö 
abjufcWlefjen mit (Erfolg entgegengearbeitet, «n ber Uniterfitfit 
8e^)Jtg fpiette feit 1478 ber rührige, aber au$ $errfaffi<Wee 
fmmanift Sodann DbeniKtyer, genannt gabri (geft. 1505) au« 
JDonantD5rt$ eine grofce Stolle 2 ). 9IeItor ber UnioerfitSt grei- 
bnrg toar 1495 ber 9fcgen«bttrger , $affauer nnb Srqrener 
Domherr ©igmnnb ftreufcer. 3o$amt ©tomater au« 9tenftabt 
a. b. Donau (geft. 1515) »trb ald ber erfte 8e$rer ftfori» 
äRofintttian« genannt. 

S3on £e$rmetftern tote (Eelti« geleitet, ertoarben mm 
sticht menige au$ bie gatygfett tu ben ftmftootten Ser«ma§en ber 
Ätten mit ©en>anbt$ett ju bieten. SRtt Stampfer toetteiferte 

1) »nrflan I, 160; $antfen v 107. 

2) jjarude unb ©einfanff ht ber «Umamria V, 140. — 
Über bie obengenannten $nmattißen Dgt Jtobott« Baiectf^el Mehrten« 
Sttfton (1795), Ergänzungen, £cTtytlgttngen n. 9ta<$trffge bot tauber« - 
$ofer (1825); «ünt^ncr, Oef$. ber liter. Vnftotten in Beton m. 



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Vbt ©olfgang JRater Don tOber«ba<h; 3o(ob fcxher. 981 

fein greunb ©olfgang SWater, ber al« «bt oon »Ibertbach 
1512 fein geben befcbtog, tote in theologifchen unb philofophifchtn 
fo auch in poetiföen Staffen, fite ^rebiger in flöglarn fang 
er 1503 de huius temporis calamitatibus, über ben (Erbfolge* 
frieg liegt auch oon ihm ein <5po* in $ej ametern oor Gallus 
de bello Norico, 1508) *), bie weiften feiner ©ebichte aber 
finb retigiöfen Snhalt«. ÜWü ihrer gelehrten Äänftelet, mit 
i^rer gefpreijten unb gejierten Unnatur f)at boch bie ganje 
humaniftifche ^oetenjunf t, fo ergaben fie fleh über bie ©arbarei 
ber SSorgänger bfinfte f nicht* ^eröorgebrac^t, toa* an poetifchem 
3Bert unb 8eben*bauer mit getoiffen (Srjeugntffen ber oon ihr 
oerachteten filteren SDWnch*bichtung fxdfy Dergleichen liege. Die 
marlige ftraft unb bfiftere (Erhabenheit be* Dies irae, bie au*' 
gelaffene Saune be* Meum est propositum unb einiger 
©encbiftbeurer Sieber — mo fänben fleh $umaniftengebichte, 
fachliche toie Weltliche, bie an biefe Schöpfungen heranreichten 1 
Dag dngolftabt einige Oahrjehnte lang für bie Pflege ber 
frönen ffiiffenfchaften an ber ©pifce ber beutfehen $o#hulen 
behauptete, oerbanlte e* nach ßetti* beffen talentooüem 
©(hütet unb Nachfolger 3a!ob Socher, genannt ¥hifowufu*, au* 
^hingen a. b. Donau 2 ). Socher, ber folgen JRuf genoß, bag 
ihn fein <S>$üUx Zf)oma$ SDlurner 1509 ben beutfehen Dichter* 
fflrften nennen tonnte, ^atte in Ongolftabt unb an einer Steide 
ber berühmteren f>ochfchulen Deutfölanb* unb Stallen* ftubiert. 
®em gebachte er noch fP&t? tot genugreichen läge, bie er mit 
beut faffauer Delan ©olfgang oon Hannberg an italienifchen 
Unioerfitäten oerlebte, ber toiffenfchaftlich'gefelligen Bereinigungen, 
ber luftigen 3ech9elage unb ber übermütigen Streiche, bie barauf 
folgten, ber gemeinfam betriebenen förderlichen Übungen unb 
©pajiergänge, tote beim ber $umani*mu* überhaupt harmonifche 

1) 2>iefe belben Stangen in clm. 1851. De Wolfgango Mario 
förieb ©iejl, Sngolftobt, 1788. $ieron$mn« Don Gtftftöbt (ni<ht ©ifaof 
Don (5i<hp>t) toibmete jnm SXwfe für eine ^frflnbe bem $apjte $tn* II. 
elegante (Epigramme mit f<h»filfligem 8ob (clm. 418, f. 142 v? 459, f. 20). 

2) e. beffen grttnWühe Biographie oon $ehle in Programmen be* 
«hinget Gtymnafiumt. 

* CA* 




982 



Su«bilbung be« SWenfchen erftrebte unb bie Pflege Brpertkher 
ftraft imb gertigfcit über ber getfttgen ©Übung nicht hernach- 
läf (igen »oflte. 3n 3ngolftabt nimmt Öocher teil an ben be* 
liebten Fontania, 3lu«Pgen ber ©tubenten in bie benachbarten 
©ätber, eine« ©ottntag« burchjieht er gar bie ©tobt an ber 
©pifce einer al« ßanWfnecfcte terfleibeten ©tubentenfchar. 3m 
grühiahr 1497 empfing 8o<her Don Äömg 9JiapmtUau bes 
©ichterlorbeer. Den 3ngolfkfibter Sehrftuhl ber $oefte hatte er 
mit ber gleichen ©efolbung örie (getti« (80 fl.) bon 1498 btf 
1503 unb 1506 bi« 1528 irate. 9tt$t minber al« fein »ot* 
gänger befa§ er bie ®abe ©chfiler anjujiehen unb för bie 
flaffifchen ©tubien ju begeiftern. Sin Den tym in 3ngolftabt 
gejtifteter Uterartfchet SSerein, ber feinen Kamen trug (SodaUta» 
Philomnaea) unb ben 9iegen«burger Domherrn Qeorg t>on 
©injenhofen, ©oftor be« lanonifiben 9taht«, jum erften $ota>ft 
hotte, beftanb nur birst £eit 1 ), toahrf<heinlich bi« p fcxher« 
erftem ©eggang ton 3ngolftabt; er toar ber SorlSufer ber 
bon «Dentin 1516 in« geben gerufenen <3efe0f$aft. guter 
hat bie erfte beutfthe $orajau«gabe beranftaltet. ©eine yd/U 
reiben ftlaffilcrau«gaben unb feine gehrb&her für bie ©chnle 
ttnnen ^ier ebenfo fcenlg einzeln aufgeführt »erben tote ferne 
metft fyrifchen, biboltifc^en unb fotyrifefcn Dichtungen. 9lur 
einige« ift ju txtoSfynm, fco« meift in ber Sngolftäbter Unb 
berfttfit«brucferel gebruift, mit bem geiftigen geben Ariers« ix 
engem 3ufammenhang fteht ©ein Carmen heroicom de partu 
monstroso in oppido Bhain ab egena femina edito (1489) 
gehört ju ben ftatfretyen Mengen be« aufcerorbetttlichen ^ 
fehen«, ba« in btefem 3eitraum 9Ri§gebnrten ertoedten. Da« 
®ebi$t ift bem Oratebachet amtmann Ulrich Zengter gemibmet, 
ber bie toenige bon ben Gefö&ften ihm äbrig gelaffene 3eit auf 
Itterartfche ©tubien bertoenbete unb al« Serfaffer be« Säte* 
fategel« fleh einen Kamen in ber Jtmfitfchen Stteratur gemacht 

1) edn «eftanb int Safrre 1512 ift bat« bie Otbnmng bei 8peo- 
taeolom de indirio Paridk, wimty fl* fcr bie ängige tnoitmmg 
ftabet, fUhecscßcHt trab bog ¥tUomxfn* fem «ifinber toex, l<am man 
nur mit foperfrttiftfen B»cifetn anfechten, «gl. an« «ehU 1,99; HI, 8. 



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Sateiniföe ©tabentenbramcn. 



WS 



$at. ©ietoofcl fldfr 8o$er gleich ben meiften ber Jüngeren 
$umaniftenfchule bur<b feinen eigenen 8eben«toanbel nicht eben 
Slnfpruch barauf ertoorben hat be« fittenrichterlichen Ämte« mit 
©trenge )U malten, betlagt er in biefem heroifchen ©ebictye bie 
mit grellen garbcn gefchitberte ©ittenlofigfeit be« 3rttafteff, 
tooffir biefe« SRonftrum eine Strafe fei. Die Threnodia sive 
funebris lamentatio auf bie berftorbene ^ergogitt $ebtoig, 
©eorg« (Semahlin, eröffnet (1502) bie fortan fo emfig gepflegte 
Siteraturgattung ber Seichengebichte auf fürftliche $er|BnlichIeiten. 
Die mit bem ©ebtchte jugleuh veröffentlichte geichenrebe tourbe 
von gocher in dngolftabt vor ber verfammelten Univerjttftt, 
bie ihn al« ihren ©precher unb Dichter beftimmt ^atte, toirttidj 
gehalten. Da bie $erjogin fid^ tmeberhott für bie angeftrebte 
Gr$5$ung von 8ocher« ©ehalt vermenbet $atte, fchulbete ibt 
ber Dieter befonberen Dan!; „hMlifche gurten" aber Ratten, 
tote er ingrimmig flagt, bie gute abficht ber gürftin vereitelt. 

(Ein »eitere« al« rein literariföe* 3ntcreffe beanfpruchen 
jtoei ©d&aufpiele, mit benen 8o$er in Ongolftabt ba« lateinifche 
©tubentenbrama, ba« bort fo lange in ©löte fielen foüte, in« 
geben gerufen ^at. 8m 13. gebruar 1502 mürbe von elf 
abeligen ©tubierenben vor ber gefamten ©tubentenfthaft unb 
allen ©ehörben ber Univerrttät tote ber ©tabt ein von 8ocher 
in toechfelnbem epifchem unb elegifcbem S3er«majje gebi$tete* 
unb von ihm felbft in ©cene gefefcte« ©c^aufpiel aufgeführt, 
ba« mertofirbigertoeife benfelben ©egenftanb (ftampf gegen bie 
Ungläubigen) behanbelte toie ba« lefete batrtfehe Drama, ba« 
unfere literarhiftorifche Überfielt ju ertoahnen hatte. SBte ber 
Zegenfeeer Indus paschalis de Antichrist» burch ©alabtst« 
©iege«lauf , ift 8o$er« Drama *) burch ba« Sorbringen ber 
Sflrfen veranlagt. Die einfache $anblung fpielt fleh in vier 
fehr furjen «ufjügen ab: ber $apft, feinerfeit« vom erjengel 

1) Spectaculum a J. L. more tragico effigiatom, in quo chriiti- 
aniwrimi reges adierous trocnlentiasimos Thurcoe congiliura ineunt ezpe- 
ditionemque bellicam instituunk 3m gangen flnb fünf (ateinif^e 2)ramen 
von 2oa}cr Bclannt, ein Ältere« Xfirtenbrama, vertoaubteu 3n^a(t« mit 
obigem, hatte ba Jfchhter 1497 vor bem Äaifer jur ttofflhrmig gebraut. 




964 3ngol|töbtet ©tnbentenfcfanfoiele. 



SRu^aet ermuntert, mahnt ben römtfc^en Äönig, biefer bie 
anberen chriftlicben ftftnige jam ftreu)yige gegen bie Starten, 
bon beut ftch niemonb ausließen nrifl. Stahrfcheinttch txx* 
folgte ba3 Drama nebenbei bie Äbffcht, $erjog ®eorg, an bes 
eine poetifche unb eine profaif$e ©ibmung gerichtet fmb, yax 
Teilnahme am Xürlenfriege anzufeuern. 

(Sin 3U>ette4, faft nur au« Monologen beftehenbe* ©tfid, de 
iudicio Paridis, de pomo aareo, de tribus deabus et triplici 
hominum vita, beffen Drud ®eorg oon ©injenhofen genribmet 
iß, nmrbe am 19. 3uni 1502 aufgeführt, jtoar toieber dot 
einer jahlreichen 3«höterfchaft, bie ni$t mit ©eifafl fargte, boch 
nicht mehr une baä erfte Drama in ooüer Öffentlichfeit. Den* 
ein fibeltooHenber 3 e nfor ^atte ju 8otyer* großem Ärger an 
bem ©egenftanb Änftoß genommen unb eine öffentliche «uf# 
führung oerboten, tote t9 auch hintertrieben morben mar, bog 
bie ©e^rben (aediles) ber Unioerptat ober ber ©tobt bie 
Soften ber äuöftattung unb äuffü^rung übernahmen 1 ). ©injen* 
hofen möge nun, hei&t e$ in bem Prologe, mit feinen Such*» 
äugen erfpäfcn, ob an biefer SJenu«, toie fie hier auftrete, etioa« 
Safcioe* unb 8eichtferttge$ fei ©efage ja, tote ba* oorau^ 
gefchiefte Argumentum aufführt, ber ©ettfireit ber brei ©dtticen 
im ©runbe nicht* anbereä att in poetifd^m^h 01 ^^ 1 » ®e- 
toanbe bie ^ilofop^tfc^ Unterfcheibung be* breifachen Sebent, 
be* betulichen, tätigen unb genießenben. ?ocher hatte feinen 
©toff bem Mytbologicon beä gabiu« ^landabe* gulgentin* 
entlehnt, ba« er mit einer bei ben fmmaniften häufigen Über» 
f$äfeung ber fchu>ülftigen ©pätlatemer h^autgab *). €r felbft 
trug ben Prolog oor, ber junge Änton oon $atftabt festen bur<h 
bie jtoei Domherrenpfrünben, bie er bereit« befaß, am bejtat 
befähigt ben 3upiter barjufteöen, @eorg Oroß oon Xrodau 
foielte ben $ari«, ©igmunb Locher (toohl ein junger Sernxmbter 

1) <&o glaube i$ bie aflerbtog« ni$t ganj flöten Sorte ber ©ombe 
betten jtt f ollen. Snfolge beffen, fagt 8o$er, „priYatam sortem 
attentarinras 

2) Hl« ©efämacW&erirrung na* anbetet Stiftung fei ero&hnt, bat 
er bei Seid« Germania übet He be* Xacttn« ßeOte. «ehte I, 84. 



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fBeltanföanmtg ber $umanif*cn. 985 



U» Dichtet«) 1 ) ben ®an^meb, fcieronhmu« Schrenf, ein 
SRfinchner, bie $atta$, 3ohann Schtoapach bte 3uuo, 3ohamt 
«belaufet bie S3enu«, 3ohann ©tauberger bie $elena u. f. m. 

Die fmmaniftcn, melche in ©aiern Grinflug gesamten, fugten 
nicht nur 83erftänbni$ ber Alten ju meden, fonbern trollte* 
gleich ihren italienifchen fiehrmeiftern, abmetyenb oon ber ge*» 
festeren «rt ber münfterfchen unb $etbelberger ftumaniften, 
auch bie unbefangene ffieltanfchauung ber Sllten in« &ben 
3utücfrufen. Der ßttliche »erfafl ber alten Seit fara ihnen 
nicht }u Harem ©emufetfein unb ma&lo« fiberfchäfct, \a mit bem 
SWimbu* ber Unfehlbarfett befletbet, mürben bie antilen Dieter 
nicht nur in poetifcben Schöpfungen fonbetn auch auf bem 
4>raftifchen ©ebiete ber inbfoibuellen 8eben$führung al£ totfl* 
fommene Corbilber nachgeahmt. 9tur burch bie tajre SRoral 
auch ber nicht humanifttfch gebitbeten 3*ü8*nofM erttart etf 
fich f bag bie antil-h«bnifche Oefittung biefer (Seiehrten nicht 
mehr Sbtftog mecfte, att toirllich gefchehen ift, unb auch unter 
biefer Sorauäfefcung bleibt e* immer eine merlmfirbige Xfyd> 
fache, mie ba* nach antüer Seife geftimmte Denlen, fühlen 
unb geben bei Selttö unb fiocher mie bei Dielen anberen $uma* 
niften mit fo ungeheurerer unb ausgekrochener ftirchlubteit 
fleh »ertrug. 3 U größten Sonberbarleiten in biefer Stiftung 
gehört, ba| (Seltfc, um oom morbus gallicus geheilt 311 merben, 
eine ffiallfahrt nach Slltötting unternahm unb nach erfolgter 
Teilung Danfgebichte an bie 3ungfrau üBaria richtete *). 33on 
ihm tote &on ßoeher beftfcen mir eine Weihe oon religiöfen unb 
erbaulichen (Sebichten unb Schriften. 3n bie erfte 3eit oon 
gocher« Aufenthalt in 3ngotftabt fällt u. a. beffen Rosarium 
caelestis curiae, eine Sammlung oon 13 {tymnen unb ®e* 
beten. Sein Poema nutheticon Phoclydis graeci poetae 
(1600), eine metrifche Übertragung grte<$ifcher Sittenregeln, 
erfuhr sahireiche {Bearbeitungen unb biente lange al* beliebte* 
ßefebuch für bie 3ugenb. 

1) 81* tarnen feiner @3$ne ftab toenigflen« nur anbtre betanut 
$e$le II, 36. 

2) Epigramme IV, 37; V, 4. 




Der $mnamß 3a!o6 2o#cr 



3m tieften ©ronbe beruhte eg, »erat auch perfdnlt^e 
bereien obenan jtanben, boch auf bem unöttfd^nli^en <&egenfa|e 
jtoeier fernbliebet ©eltanfchauungen, bafj 8o<her mit theologisches 
JBiberfachern in heftigen 3u>tefpalt geriet. Schon 1500 Sagte 
,er in einem ©riefe an (Seltig, bafj bie 3ngolpäbter theotogtföes 
Areife $oefie unb Ctocptena mit SU^t unb Sann belegten. ;3for 
gfihrer fear ber faft flanbige Deian ber theologischen gahätat, 
ber loahrfcheinfoh bie öffentliche «ufführung beg $ari«*Urteilg 
»erhinbert hatte, ber ehren&erte unb genriffenhafte, aber rigoroje 
unb engherjige SEfcologieprofeffor ®eorg £tstgel. SKit vieles 
anbeten ü>ar tiefer Vertreter ber f$olaftif$en ^ilofo|>^te ber 
Sbific^t, bag bie 3ugenb beffer an dftxf&väftn 2)t$tern tote 
$rubentw4 al3 an ben fchlüpfrigen Älten herangebilbet mftrbe. 
Singer Socherg toiffenfehaftlicher Stiftung gab auch bie etile 
©elbftüberhebung, toorin biefer ©elehrte ben meinen jettaenof- 
flföen ^^ilologen glich, feine Beteiligung an aufgeladenen ©c* 
luftigungen ber ©tubentenfehaft unb fein anftöfpgeg Privatleben 
Ärgemi«. Stachbem 3iwgel feinen ©egner beim $erjoge Der* 
Hagt hatte, gebteh bag ^ßtto&xftai fo toett, ba$ ber {mmaniß 
um $pngpen 1503 geraten fanb 3ngolpabt yu verlafjen- £os 
greiburg aber, wohin er nun fiberpebelte, richtete er unter best 
Ittel Apologia gegen 3^8^ «ine ©chmähfärift, »oll oon gtuntv 
lofen Verunglimpfungen unb Jener gemeinen Derbheit, mie fle 
erft bur$ bie ^umaniftifc^en Philologen in unfere Literatur 
eingeführt tourbe. ©ie bie Briefe bienten ben $umanipes 
auch biefe literarifchen gehben, um mit bem ju prunten, ma* 
ihnen alg Bfllichper getpiger ©efö erfchien, mit ber „Cloguenj. - 
5Die im Tanten ber Univerptät veröffentlichte Rechtfertigung* 
fchrift für &vn$d (Ezpurgatio) picht bnrdb ihren »artige* Zon 
vorteilhaft von Sochert Angriff ab. fluch in greiburg über* 
toarf fleh ber ftreitffichtige Socher mit feinen greunben ©imphe* 
ling unb $a$n* unb erhielt von ber Univerptät feine (Est* 
laffung. Äber Phon fear eg ihm gelungen bei bem neuen 
fianbegfürpen, »brecht IV., feine Wficfberufung nach 3ngolpabt 
ju ernrirfen. Deg $erjogg «npeltunggpatent aber (16. SRfaj 
1506) enthielt bie äRahnung an ben (Wehrten, baf er P$ 



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unb feine ttterarif<$en gelben. 



fortan mit feinen Schülern sflchtigiich bereiten unb Streitig* 
leiten, in bie et an ber Untoerfltät gerate, bem $eraoge ober 
beffen 8täten Dortegen fotte. fiocher hatte allen ®nmb }n ben 
«egen^roünfc^en für «brecht, bie er in feiner nächften ©chrift, 
bem Carmen de cometa auflfprach. 3n bie Sahnen einer 
neigen Sehrthätigleit lenfte er erft ein, nachbem er oorher 
normal burch eine polemifche ©oppelfchrift, nun oon mehr 
fachlichem C^arafter unb allgemeinerer ©ebeutung, grofje 8tof* 
regung unb auch in humaniftifchen Areifen mannen ©iberforuch 
hervorgerufen hatte. 1506 erfäien ju Dürnberg feine Yitiosa 
sterilis Mulae ad Musam comparatio mit bem angereihten 
Currus theologiae triumphalis. Die lefetere Schrift oerherrlicht 
bie poftttoe, biblifch'patrifttfche Senologie im (Segenfafee }ur 
#eubo*ft>efulatioen, bie erfte ift ein Angriff auf bie bi$terfeinb* 
liefen Z^eologen, auf bie einfeitigen forraatiftifchen Sogifer unb 
auf bie fopftffytyn DWputierßnfte ber Occamiften. SRur biefe 
neuere, »ortfoaltenbe Stiftung ber ©cholaftif »oöte 8ocher aft 
eine Ausartung bewarfen, gegen bie ältere ©cholafttt ^at er 
nie angefämpft, einem ihrer SWeifter, bem Ätej anber oon $ale« 
fogar fiberf$toengtiche4 8ob gefaenbet. SWit bem frintoei« auf 
biefe humaniftif(h«f4olaftif(hen ftämpfe müffen toir unfern lite* 
rariföen Überblicf abbrechen, notgebrungen mitten im gluffe einer 
fo lebhaften geiftigen ©etoegung, tote fie unfer S3olf fett bem 
©eginne feiner ©efäichte noch nicht erlebt ^atte. 



3e mehr ba« SRtttelalter feinem £u4gange ftch nähert, befto 
breiteren Kaum nimmt bie ftunft ein, att berebter 3^ u fl c ein** 
lebendluftigen, feine* ffiohlftanb« frohen, mit fchöpferifcher 
ftyaittafie beglüdten, oon ©eifteäfarapfen noch nicht beunruhigten 
3etta(ter*. ©ie oerföönert ba* öffentliche unb ^fiuöttdhe geben, 
oon ihrer alten Pflegerin, ber ftirche, nicht oerlaffen, baju in 
ben $errfchern be$ 8anbe«, in Gittern unb ©ürgern neue 83er- 
ehrer getoinnenb. Surften toie 2ub»ig im öart, ©igmunb, 




938 



Übtest III. unb IV. eröffnen bie lange Steide fuaftfunttger 
©ittettbacfcr unb toenn bte Sanbettettungen auf allen anbeten 
©ebieten jefyrten unb fäabigten, ber ftunp föufen pe ©ortetl, 
inbem pe bte SRittefyunfte ffinplerifcfat Schaffend oeroielfältigtei. 
S3or allem lommt ben $eriog*päbten &nb*$ut, SRfimfcu unb 
3ngoIpabt bte ftunpfiebe tyrer gürpen jugnte; in SÄum^en 
tritt ba* Ännpleben nun ebenbürtig neben bat regestäburgitoe, 
aber felbp in Heineren ©tobten tote Straubing unb S3urg$aufcn 
ma$t e$ p$ fühlbar, bog einige 3eit bort n>ittel*ba$if$e $of* 
Haltungen »eilten. 

9Äit ber ÄuSbreitung ber ftunp aber erfolgt nicfrt gleich 
mäßig tyre Vertiefung unb Bereblung, int Gegenteil läßt ftt| 
Dielfoc^ mä)t oerlennen, baß pe, ton bürgerlichen ßretjen nun 
in erper Steide geübt, an ©$u>ung unb 3bealität einbüßt (Eis 
lanbtöaftßtyr S^arafter tritt bei ber größeren fjülle be* $rr»or» 
gebrauten unb (Erhaltenen eigentlich jefet erft (eroor: folibe 
Ärbeit, Warfe (£$arafteriptt, jumeilen imponierenbe ftraft unb 
ftü$n$ett, aber toenig Sinn für Bnmut unb feiten feinere Dur^ 
bilbung finb ber bairiftyn ftunp biefe* 3 fitraiun ^ eigemümlkfr. 
3n ber Änftteftur aber mirft bie S3obenbef$affen$eit, meiere 
ba$ Baumaterial bebingt, no$ bebeutfamer att bie ©tamme** 
natur ber flünftlet: ber üKangel an $aupeinen oerföutbet oor 
allem ba* nüchterne unb ungefällige Äußere ber meipen Sauten, 
oor allem ber Sanbtyuter 9ftartin*< unb ber 3Rün$ner grauen*' 
firtfre. ©#on 1369 marb an ©t. SKartin gebaut, ba* ©etrtlbe 
fdfreint um 1477 eingefefct, ber 454 guß aufpeigenbe lurm, 
ber fttyftragenbe im ©aierlanbe, jeigt am portal bie 3a$re4» 
)a$( 1432, mar aber noc$ 1495 unooKenbet *). @o troden 
aber ba* Süßere erföeint, fo tounberfam pfcntapifö bat Snnere, 
too bie Pfeiler mit fö$ner ®#lanf freit p# ergeben, ©o unrb au$ 
am ftegentburger SRfinper bie innere Xnorbnung am $typea 

1) ©icfftr unb für bat flgb. DgL ©igfrart a. a. D. II, 417; 
Angler, Qefd)u}te ber ©autonfc unb bie 9b. II, ©. 578, bqcUtnetat 
Duellen. Ober et Martin au* ©etget in @t-€(r. XV, 287 f., über 
Grabmal nnb Kamen be« gtanmrißert ©tablbauer in ScT^anblnngen 
bei Wt- herein« für SWeberbaient XX, 205. 



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Ätrd&en&antett. 



gepriefen, auch in ber 9ftftn$ner granenftr^e »heb man na* bet 
einförmigen Öbe be« Sugenbau« im 3nnern Abmalt burch bie 
erhabene ©trfung bet [mafftgett Pfeiler in ihrer gebrängten 
Steide. Der etfte ©aumetfter ton ©t. Sßartin ift $an« ©tett* 
hamer ton ©urghaufen, ba er jugleich ©itbhauer toax, getoöhn* 
Ii* $an« ©teinmefc oon ?anb*hnt genannt. Cr hinterließ 
bie ©auführung feinem gleichnamigen ©ohne, mie et beim 311m 
©epräge biefer 3eit gehört, bafc fleh bie ftnnfttyftigfeit nicht 
nur in ber 3 un f*/ fonbem fehr oft in ber gamilie vererbt 
8n ber ©übfeite ber SKarttnÄirche fteht, oon ihm felbft ge* 
fertigt, ©tetthamer« ©rabfteto mit bem Porträt bc« fehlsten 
alten (f 1432) unb au« ber Onfchrift erfahrt man, in ©elcbem 
STOaf e ber Unermübliche bie ©authätigfett in ganj Siieberbaiern 
unb barüber hinau* beherrfchte. 3n SanWhut felbft erbaute 
er auger @t. ÜKartin bie ©pitaifirche jum heiligen ©eift, in 
92eu5ttüig ben Shor ber ^farrfirche, in ffiafferburg unb ©trau* 
bing eine 3afob*ttr<he, bie testete eine ber fünften ftaflen* 
firchen. Dieie gorm, toobei bie ©chiffe »on gleicher $öhe finb, 
toirb nun faft bu«h©eg angemenbet. 

(Siner ber eifrigften Äunftfreunbe, $erjog ©tgmunb, tyit 
nach feiner Ihtonentfagung einen großen Zeil feine« ©nfommen« 
firchltchen ©auten unb beren Äuöfchmüdung geioibmet; in ber 
Umgebung SRfinchen« ift eine Weihe ton Heineren gotifchen 
ftirchen Don ihm geftiftet: $i)>ptng (1478), ©lutenburg (um 
1490), Untermenjing (149£), «uffirchen (1499) *). 3n 
anfingen felbft legte er ben ©runbftein ju ber neuen $farr* 
firche „Unferer Sieben grau", beren ©au bie ©ürgerfchaft be* 
fchloffen h^ttte. »lach ber Onförift am ©üboftyortal »iro 
man nicht fehlgehen, toenn man bem $erjoge auch einen be* 
beutenben Änteil an ber ©tiftung beimißt, äm l. Huguft 
1468 fiel ber lurm ber an berfelben ©teile geftanbenen 
Heineren ftirche, toorauf jehn Sage lang alle« ©olf, arm unb 
reich, ÜKänner unb grauen, jufammenhalf ben ©#utt fyxuvtfr 

1) ö. i». ©ejolb unb ©crtfcotb ttiehl, ©eri*t über bie 3n*ett- 
tariffcrung ber Äunpbtnfmate in ben ©cjirtt&ntern SWfln^en I nnb II. 



MO 



juräutnen , ). <Sf entftcmb eine betbe, ober großartige $afie» 
fitere, beten 5n§ere ättonotonie towh bie ungeheuer hefre* 
genfier nicht aufgehoben, burch €tntoart«|tehung bet €>trefeei 
unb einen foloffalen Dachßuh* au* bem $olj bon 140 gUffe* 
nut gefteigert tmtb. Der ©anmeiftet 3ötg ©angfofer, ber dos 
$al*baty, aber auch bon Jolling benannt toitb, ^atte bie Ulmer 
imb ÄugSburget ©auten ftubiett unb berief bot luffefesng bei 
©entölbe* Äonrab Storiljet bon »egenftutg, SRotifc (Euftuger 
bon Ulm unb anbete beerte Steiftet jur Beratung. Set 
feinem lobe 1486 toar bet 8ufjenbau boUenbet, bie tnnete 
Sintic^tung aber ma^tte bi« 1512, bie Zürnte bliebe» rat* 
bottenbet unb mürben erft 30, 40 3ahre fp&tet, nachbem man 
fleh bom gotifchen @til abgetoenbet, burch bie aelföen fiuppeb 
entfteüt. 

3n Ongolftobt hatte föon 1425 $etjog Subtoig int ©ort 
bie leistete unb jtetlicbere grauenfirche (obere ©tabtpfarr* 
toche) 2 ), gegrünbet, auf bie er allmählich eine faVbt SRUßos 
(Bulben bermenbet ffabtn foü. ©aumetftet maren $etnrut 
€chneatnOaer (geft. 1431) unb Äonrab «15$, als beteiligt 
toerben faäter auch genannt ein Steiftet griebtich unb ärrharb 
$ehbenreich, bet auch in ©chftäbt, in Smberg unb am Siegend 
burger Dom begegnet Crft f>erjog ®eorg fejjte ben San 
fort, boch ftnb toeber bie Zürnte noch ta* gtofartig angelegte 
portal oodenbet. (Sine erftaunliche $robe gefchmaefto* »et* 
toerteter SKeifjelfertigleit bietet ffex Jene ftapeüe, too ba* gcaqe 
K^nmerf bc« ®e»3Ibe« in ber Bonn lünftlich oerfchtungenet 
^ffonjengebilbe herabhängt (a. b. 3. 1510—1525). 

Der ffiegenflburger Dombau erlebte nun feine werte Spcche 
unter ben ©aumeifter ffienqla, tooht au* bem Oefchtechte ber 

1) Ätr$mair« 9tat9protoloSe (©eftenrieber V, 200). 0ef<$($tcn 
ber 8rauentir<$e bon €Hg$art, 1852, $. $ollanb, 1859, «. Stauer* 
1868, SWnffat, 1868. — Cin SWtftler ©aUfcr au< «fimfcn erffeatt 
am «nfange be* 15. 3a$r$nnbert* am etragbnrger Vtfinftr bcföJftigt, 
too fpfiter au* 3a!ob *on £anb*$nt (geft. 1509) arbeitete, bann ptr 
gortfefcung bt« SWaitänber 2>om* berufen. 

2) »gl öradtn in txr 3eÜf^rift be* ftun<*ner *anfacn*Tt*t*mnf , 
1885, e. 80 f. 



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Ml 



3ung$erren in $rag, bann Änbrea« (Sgl (1436—50) unb ber 
9Jegen«burger 8tat«famtlie ber Wortfcer, bte faft ein 3a$r$unbert 
lang ben San leiteten. Unter ftonrab Worifcer befc^log 1459 
eine Är#tte!tenberfaramlung au« gatt) 2)eutf^lanb bte ®ribt* 
bung einer allgemeinen ©ruberfd&aft ber beutföen ©au$fitten 
nnb einigte jic$ Aber beten ©afcungen *). £)o<$ gelten jic$ bann 
gerabe bte 9Jegen«burger babon fem, ba bte Unterorbnung ber 
batrifdfren ©auleute unter bte Liener ©aufcfttte beföloffen toarb. 
ftonrab« @o$n nnb 9tec$folger in ber fieitung be« ©ombaue«, 
SRat$ia« JRorifcer, ift auc$ al« ©ud&btuder unb bnr$ eine 
(Schrift „Über ber gialen ®ere^tigteit M f bie er 1486 bent 
©if$of* ©ilfalm oon (Eigftäbt »tomete, al« ftunftt$eorettIer 
Wannt- 1495 übernahm bie Seitung be« ©aue« be« SWatyia« 
©ruber ©olfgang, ber al« 8tSbel«ffi$rer einer SSolMbetoegung 
1514 auf beut ©lutgeräfte enbete f fräter ber oben ertoäfytte 
(Sr^arb $etybentei# unb beffen ©ruber Ulri$. 

3nt Horben unb Often be« Sanbe« gema$rt man $ie unb 
ba ©motrlungen einerfeit« ber Nürnberger, anberfeit« ber 
böfrttifäen ftunft. ©o fear ber ©aumeifter be« $affauer 
2)ome«, ju beffen Neubau ©ifäof ©eorg 1407 ben (Srunbftein 
legte, ein iDeutföböftne, $an« ber ftrumenauer. 83on feinem 
Sau, einem pracifjtöoflen Serie ber ©pätgottf, jütb nur me$r 
<S$or s ), ftreujWiff unb ftapeöe erhalten. ato$ am <5i#ftäbter 
Dome toarb in biefer $eriobe gebaut, ein $errti$er letl be« 
bortigen ftreuggang« toarb 1496 unb 1497 ma$rf$einti$ bur# 
fceinric* ^fragner, einen ber äReifter ber ©<$ftäbter $farrfirc$e, 
an«gef&^rt. dn SReunbnrg bor beut ffialbe ift ber 1443 ge* 
meiste <£$or ber $farrRr#e, im benachbarten ©nabenberg bie 

1) »gl Weutoirtfc, 2)ie ©aftungen be* »egenfburger ©teiiimefcen- 
tage? im 3a$re 1459 (1888). Ober ben ttegenfburger 2)om bef. @<$ue* 
gtaf; ©ombanra^nnngctt t>on 1459, 1487—1489 mitgeteilt t>on beut» 
ftften, 8er$. b. W- Setcin« b. Dbertfalj XVI tt. XVIII; über bie 
ftorifeer fteumaun a. a. O. XXVIII. 

. S) Staf biefen $atte, ba bie ©eirrfige ber etabt unb be« Kapitel« 
foM<$er ftoffe«, ber fmtjtttebenbe ©if*of ©entfärb bon 8oiming (geft. 
1451), tote Senea« Gfyfota« (Bruschiue, De Lanreaco veteri, p. 301) 
rfl$mt, große Gummen beroenbet. 



M2 



«r*itettnr. 



Ph8ne, jefct fcetf offene ftloperfirche ton £>erjog 3o$amt bau 
fwptenpeger gegrunbet. «nfehnlfche Strien ber ©pfitgottf 6c* 
Pfcen femet bie $erjog«ftabt SReumarft in bet ^farrfmhe, 
Imberg in 6t SRartin, »egeirtbnrg in ©t. 8tupert, ftcl^tm 
in ber granjfcfaner* unb ^farrfirche, Straubing in ber Sarve» 
Itter* unb 3alob6!tr$e, Cfferbing, ©raunau, Saufen an ber 
©aljach, SUtftting unb ba« benachbarte »urglmhen, SEBafler» 
Burg u. a. O. Slnch manche fleinere &ir$en tote bie Mb 
Merlbach unb ©taubadh (bei Ämmerlanb) pnb bemerfentoert. 

ffiie t$r Sorgfinger toarb auch bie ®otif in 8aiem an mannen 
Orten ungewöhnlich lange fepge$alten. Die ftirche oon fronten* 
Raufen jeigt tiefen ©til noch nach 1536, bie Sretpnger ®otte«ader» 
!tr$e, errietet auf ftoften eine« ffitttel«ba<her«, be« ©tf$of« 
$einri<h, in ben Sauren 1543—45, bie ^rfilatenlapefle in 
©feiern 1565. ftamn toeniger jahltetch al« Stvttyn ftnb an« 
ber britten $eriobe ber ®otif txtltixfy Tanten erhalten. 
$erjog«f(hWffer in (togolpabt unb «Jurghaufen — ton ber 
8anW$uter £rau«ntfc rührt nur bie Sbtlage au« biefent 3ett« 
raunte — ; ©urgen in SReubnrg am 3un, Ggg bei Deggeuborf; 
SEfrore in SRünchen unb 8anb«berg; »atyfiufer in SOHtahen, 
too jebo^ nur mehr bie 3nnenffile bie urfprfingfiche anläge 
{eigen, 3ngolpabt, ©<hrobenhaufeu, ©afferburg, ?affau, 
ba<h, Ilmberg, Sßeumartt. 

$laftif unb URalerei, toietoohl noch immer grdfjenteil« oon 
ber Hrcfyteftur abhängig, gewinnen bo$ nun oiel au«gebe$ntere 
Ktnoenbung. ©ie fehr bie greube an buntem garbenfptd in 
ber Ärcfttetotr felbft pch geltenb machte, laffen noch iefct manche 
Heinere ftirdhen, fo bie oon $ipptng unb <Hutenburg erfennen. 
„©Uber finb bie ©fleher ber Saien", fagt Ibt 8ngelu« ton 
gormbach, unb mit biefem ©ebanlen (fingt e« jufararaen, ba| 
ber ftirchenfömud nun fo reich unb mannigfaltig totrb. ©o 
oerfchtoenberifch quillt ber ©eftalten güfle an« Letten unb 
©anben, baß eine prengere ftkhtung fc$on flstpog nimmt 
©elbp ein humanipif^h gebilbeter SRann, berfelbe Stet Hügeln«, 
Pnbet Änta& ju ber ©emerlung, baß tn bie Äir^e nur folchc 
bübliche a>arpeOungen gehören, toetche bie Bnbadp taten, nicht 



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$foßt wb äRataei. 



»48 



aber fobtye, meCc^e bie Neugier reije n, bie ©chauluft beliebigen, 
nicht ©Über bon 85tt>en, ligern unb onberem ©etier. ©tojje 
man nicht auf ßiborien, Ragt er f fo (o$ aufgebaut, baß man 
ihren ©ipfel faum mit ben Äugen errette , fo fiberlaben mit 
©fulpturen, baß man fämtliche Ältäre ber ftir^e bamit au*» 
ftatten fönnte I *) ©ie af fetifchen Reformatoren, toelc^e um bie 
SRitte be* 15. Sahrhunbert* bie batiifchen fttöfter burchjogen, 
fanben auch im Äirchenfchmucf föon manche«, loafl ihnen an* 
ftöfHg erfc^ten, fo in 6t 3eno ein ©üb, ba« bie ©fifjerin 
SRagbalene unbeMetoet, in toeltlicher Haltung, ^erautfforbernb 
barftedte. ©ie orbueten an, bafc bie ©eftalt mit langen $aaren 
fibermalt ober ba« ©ilb fo aufgeteilt toerbe, baß e* lein 
Ärgernis mehr gebe *). ©urch ftrenge (Einfachheit {eignete fleh 
bagegen noch bamatt bie Kulftattung ber Cifterjienferfirchen au«. 
Sin ©eneralfapitet biefe« Orbend im 13. 3a$r$unbert fpttt 
gerabeju oerboten in ben Äirchen unb ftlofterräumen ©em&lbe 
ober ©futyturen anjubringen, ba burch btefelben bem Anruft ber 
religttt'en Buc^t Äbbruch gefchefr- tomtbe bort gebulbet 

al« ho(}gefchiri|te un ^> bemalte ftrujtfife*). 

©omohl in ber $laftif tote in ber SWalerei oerbrängt auch 
feit ber ÜKttte be« 15. 3ahrhunbeit« ba« Streben nach 
realiftijcher ©arftellung bie oornefwtere unb berflärenbt SSJetfe 
ber ©orjeit. Die ©eftalten toerben betoegter, bie Stellungen 
unruhiger, oft gejiert, bie ©emitaber glaubt man nicht mehr 
ohne gebrochenen, tnitterigen galtentourf bilben ya fönnen. ©och 
gelingt e« ben jeichnenben ftfinften nun fchon öfter f ©emfit«* 
bemegungen, bie oon ber älteren ftunft mit erfolglofem ©e* 
mühen metft nur burch Verrentung ber Äörper angebeutet toerben, 
im Äu«brud ber ©efichter »ieberjugeben. 

«bgefehen oon loenigen ©eifilichen gehören bie «finftler nun 
burchtoeg ben £finften an. 9?ur ganj im Anfange be« &t\U 
räum« ift eine Crfcheinung möglich toie ber ffifirjburger ©om* 
herr uno $ifiorifer ÜWichael jum Söioen (geft. 1355), ber fich 

1) Hißt. Formbac; Pez, Thea. Ic, 479. 

2) Olm. 1931, p. 166. 

3) Clm. (Pttittenfcld.) 1079, f. 85 v. 




ftünßfcr. 



fettfk ott erfahrenen Krittelten bezeichnen tonnte itnb bon hm 
un* einige ©emerfungen über Ghmnbfäfce w* Regel« ber Sc» 
fünft erhalten fbtb 1 ). gaft überall aber macht fleh bie $er{Sfr 
lichfeit ber ftünftler nun entföiebener geltenb nnb noch immer 
beför&nft fleh ihre I^fitigleit t>telfa* nicht auf eine Stmfr 
gattung. 3n«befonbere totrfen bie großen ftirchenbaumttffcr 
meift aiti aü öübhauer, tok benn im ftegentburger SRänfter 
©ahameuMhau« nnb Brunnenbau nad> Cnttoürfen be« 3Rath*ai 
Äortfcer unb in ber 8anb«hnter 2Rartin«rir<he aufer fctett* 
hamer« eigenem ©rabftein toohrfcheinli* au* ber in feiner Ärt 
einjige $ochaltar, „ein DoOgef^riebene^iBilbev^ 11 , bom fttrehen* 
baumeifler au«gefübrt flnb. ftonrab ©firfel toirb aU ,3Ranter 
unb ftfinftfer" be« ftlofier« ©eon bezeichnet s ). 8on ben ööch* 
ft&bter ftfinftleru be« 12. 3ahrhu»bert« loaren $etnj $fragner 
unb $an« Ggen ©ürgermetfter *), toie Überhang biefe birger* 
liehen ftünftler meift eine ^o^gea^tete Stellung einnahmen. 
8u« SÄünchen lennt man al« namhaftere Silbhauer $an« bem 
©teinmeiffel, $. $alber, ©oifgang 8eeb, Sra«mu6 Äroffer. 
©er ledere fertigte bie 16 tanjenben 9ßa«!en im Kathanfe, 
melche in ihrem lebhaften, aber anmutfofen Kealtftmn* ben 
Chatalter be« autgehenben 3eitraarae« tragen. Sine treffliche 
Arbeit ift ba« ©rabmal ftaifer öibörig« in ber grauenfiribe, 
laut ber 3nf$rift begonnen auf ©efehl $erjog albrecht« in. 
unb feiner Oemahlin Xnna unb gefertigt, toie t» fcheint, dm 
$an« bem ©teinmeiffel. 3u gügen be« im brikn Ornat ge» 
bilbeten ftaifer« reichen $erjog Crnp unb fein Gcf/a fkh bie 
$änbe {ur »erfdhnung. San SWeifter $an« rührt Dtettekh* 
auch ba« SßobeQ ju ber im ftationalmiifeum beftabfichen 
Albernen Statuette SUbreeht« HU welche ben gfirften in äberan« 
jierlicher ftüftung al« ben brachenbefiegenben fji ©eorg bar* 
fteOt 4 > 3n ber bon ®eorg bem Reichen erbauten 6chtofctape(k 

1) ChsL 281, f. 2—8. 

2) o. 14./15. 9ahthnnbett Olm. 1048, l 46. 

8) »gl. e*lc*t, Bnr ftmttaef(hi4u ber etabt 188& 
4) tbgebtibet »ie mehrere ber hier beft>rw$enea tmnfroerfe bei 
*. «retin, Wiertümer nnb ftnnftbent»ale be« batrife^es «*rrf<*x*«f<f. 



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)u ©urgfaufen aetflt ein gut gearbeitete* {Relief ben 
iugenbli$en dürften unb feine unglücfltye ®ema$ßn anbetenb 
oor bem $eilanb. 5Da« grojjartigfte $oc$grab eine« «Bittet^ 
bad&er« au* biefer $etiobe ift ba« $erjog Älbrecty« II. in ber 
ftarraetitetfird&e ju Straubing, burdfr Warfe (Sfrarafterifti! au«* 
gejeid&net Jene« be« 'Pfaljgrafen Otto in ber $offirc$e ju 9Keu* 
tnarft &on 1499. Sin Dorn SRationalmufeum im SRobeH be* 
u>a$rte« ®rabmal Subttrig« im ©art, too ju ber gelungenen 
ftigur be« betenben $erjog« getrBnte ©onnen einen gef^mact 
lofen $tntergrunb bilben, lam nictyt jur Äu«fü$rung. 5Der 
$erjog $atte feinem ©o$ne bie Stotoeifung $interlaffen, »ie fein 
®rabben!mal au«fe$en fotlte 1 ). SWefctere Älofterfird&en be»a$ren 
au« biefer 3 e ^^°^öber tyrer Stifter: SRo$r ber ©abonen, 
SWieberaltaic$ ber ©ogener, <5bet«berg ber gleichnamigen ®rafen, 
gefertigt bon 83. 8eeb um 1492, ©eon be« ®rafen Äribo, ein 
$eroorragenb f$öne6 2Berf f ba« um 1400 Äbt ©iraon gad^er 
um 110 $funb Pfennige bur$ $an« $aiber fettigen lief. 
Die JDrtenburger fiapeüc be« ^affauer Dom« jiert ba« ®rab* 
bentotal be« ®rafen $einric$ bon Ottenburg (f 1360) unb 
feiner ®eraa$Iin, ber ©ittetebad&crin «gne« 2 ). 5Dur# ffifirbe 
unb jarten, innigen 2lu«bru<f ift ba« ©ilbni« ber Ägne« ©et* 
nauerin auf tyrem ®rabfieine in ber Äir$$of«fapelle ju ©trau* 
bing au«gejetc$net. $orträtä$nlic$Ieit barf man $ier unb bei 
allen Darfteßungen bon 3^genoffen nun annehmen. 

ÜKit fiberfd&tt>anglic$er ©egeiftetung ft>ric$t Gnea ©iloio bon 
einem bairifäen ©ilbtoerfe, bem ©rabfteine, ben ber prunk 
liebenbe ©ifd&of 8eon$arb Saiminger oon $affau (1424—1451) 
nodf ju ßebjeiten für fi$ anfertigen unb in feiner «atftbrale 
auffteflen lieg. »3$ M »unberbaren SRarmor" — fo 
fd&reibt er bem ©iföofe *) — rrmit folgern ©enie gemeißelt, 
baß er ebenfo gut al« ©erf be« $$ibia« ober $ra$itele« gelten 
»nute. $ier fogft bu, tote bu Ieibteft unb lebteft, auf ber ©ruft 
ba« ©üb be« ©efreujigten! 3toeiraal toieberfcolte fl<$ kein 

1) SM SReberer, Gef*. *on Sngolflabt, 113. 

2) e. an* (Stfratb, öef*. *on $offau H, 69. 

3) ©ei Brnschius, De Laureaco ?eteri, p. 306. 
ttie»let, OeftWe Ooienii. m. 60 




»46 



$otM>tajttt. 



©Üb im Steinen auf ber 3nful, neben ber ffl dmtgftan« 3» 
beinen gflfcen »orcn jtoei 8ön>en, lebenben fo ä&nltd?, bog fie 
ben ©efc^auer fd&reden fonnten, ringsum Sngel, bie ju fliegen 
Lienen, an mehreren ©teilen bein unb be« ©i«tum« VSapptn. m 
Snea bermifjte nur, bajj ber ©tein noc$ leine 3nf#rift fctte; 
er bietete einige ©erfe, bie $ieju bienen fönnten unb bie ft* 
in einer 3Wün$ner $anbfctyrift er&alten $aben *). Der <$rafr» 
ftein felbft aber föeint jerftört ju fein unb nrie biel f$met$» 
lerifäe Übertreibung in ©ilbio« 8ob au$ mitunterlaufen mag, 
fo bürfte ber ©erluft bo<$ fe$r ju bettagen fein. Denn ber 
fetngebilbete Otatiener, bon {Rom $er mit ber $errli#fett ber 
antifen ©fulptur oertraut, fann an ftunftmerfe biefer 9rt feinen 
aöju mebrigen ÜWafcftab angelegt $aben. 

ffiofyl bie reid&fte unb bebeutenbfte Äuäbitbung unter allen 
ffunftjtoetgen erfuhr in biefer $etiobe bie $otjplafttf; laffen 

boc$ allein auf bem Keinen dfaume ber beiben SRüncbner 
©ejitWSmter no<$ jefet gegen 300 ffierfe biefer ftunft au« bem 
©ebtuffe be$ 15. unb ©eginne be« 16. 3a$r$unbert* naefc 
toeifen *). Diefe $otjf!utyturen mürben bis ettoa 1500 bur^toeg 
bemalt, na^bem man fte )u biefem 3tiK<fe metft mit Seinmanb 
überjogen $atte ; auc$ im galtentourf unb ben meinen formen 
}eigen fte oft me$r maleriföen aW ptaftiföen 6$arafter. 3n 
SDtun^en gehörten aueb bie ©ilbfönifcer ebenfo nrie bie ®la*- 
maier unb ®Iafer ber 3unft bcr SBaler an 8 ), ©on i$ren 
ffierten finb bie SD?oo*burger «Itäre, ausgeführt 1500—1507 
&>a$rf$einli$ bom 8anb$$uter ©etynifcer $an* Semberger, bon 
borjfiglic^er ©ebeutung. Da« üRationalmufeum bejtfct groben 
u. a. ht ben jmSlf Styofteln bon ©lutenburg, in ben SHtat* 
relief« ber $farrfircbe }u Sngolftabt, ber ©$tof}firc!ben oon 
©rüntoalb unb Untermenjtng. ©aatbetfen, <5$orgeftfi$t, Settcbter, 
Spüren, 3unftftangen unb ba$ manmgfacbfte $au6gerSt finbet 
man nun in gotiftyem ©til mit jierfictyem äßafjtoerl unb Figuren 

1) Clm. 289, f. 100 t. 

2) 9la$ btm o6en ertönten Script über bie 3n*entatifiennig ber 
äunftbtntraate. 

3) 1458. ©ejien riebet VI, 159. 



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©olbfömiebetunfl. SWalerei. 



947 



geföraücft, ja in biefett beforati&en Sirbetten erfd&eint bie ©fufytur 
titMQt auf größerer £>ö$e oW in ben felBftänbigen Äompojitionen. 
di\d)t minber ift an ben arbeiten ber ©olbfd&raiebe unb be* 
fonftigen metallifctyen ftunftgetoerbeä $o$e SBoßenbung ju rühmen. 
S3on ber funft&oüen Supferraonftranj in SEegernfee o. 3. 1448 
lennen nrir au$na$m$u>eife benSSerfertiger : ©olbfdfrmieb3o$anne« 
&on Santaberg *). 93ielletc$t blieb nid&t o$ne SBirfung auf bie 
$eimifc$e Äunft ber reiche ©d&afe oon SBetfen biefer «rt, ben 
Subtmg im Satt auä gran!reic$ braute unb Don bem ju 8llt* 
Otting ein $errli$e£ Äleinob ber ömailarbeit, ba$ u>a$rföeinli$ 
um 1400 ju Öimoge* gefertigte fogenannte „©olbene SRöffel", 
ermatten ift 2 ). 

3n ber SWalerei fefct fid& bt$ jur Witte be$ 15. 3a$r« 
fytnbertt bie ibealiftifdfre {Richtung be$ vorigen 3citalter^ fort 
in SEemperagemälben, Don beren golbenem $intergrunbe fctylanle 
©eftalten mit jugenblid&en ®eft$t$en ftc$ abgeben. Dann 
toirb au$ ©aiern oon ben ffieflenfreifen ber großartigen Um* 
toaljung erfaßt, toeldje in ber flanbrifäen ©d&ule bie ©rüber 
»an (Stfd hervorriefen. 3an oan ©jdf ftanb einige 3a$re 
(DItober 1422 bis Dejember 1424) im Dienfte eines Sittels 
baetyer«, be$ £>eriog$ 3o$ann in ben 5Rieberlanben; baß fid^ 
ieboc^ oon $ier au$ bireft ein gaben jur bairifetyen Äunft* 
enttoicflung $erüberjie$e, ift noc$ ni$t nad&getoiefen. 9Wan malt 
nun in Dl, figurenreiefce Jtompofitionen toerben häufiger, gorm, 
garbe unb ^erf^eftioe realiftiföer, julefet tritt au$ eine ber 
9iatur abgelaufene 2anbf$aft an ©teile be« einfarbigen $rinter< 
grunbeä. ffiie $oc$ SBerfe ber 2Merei »on ben &At$mofttn 
gefd&afct mürben, jeigen manche 9?ac^rtd?ten : bei ftonrab Don 

1) Oberbaar, «r<$to XLII, 221. 

2) ein fi$nli$c* flBerl, auf bem außer Ä. Äarl VI. au* feine Ge- 
mahlin, bie fööne Sfabel ton ©aiern bargeffettt toar, nmrbe M8 1801 
in ber oberen @tabttfarrttr$e ju Sngolflabt ber»a$tt, bann aber mit 
jatylofen anbeten Äir($enföSfcen in 3Rfln*en etngefömoljen. Über beibe 
SBerfe fcgl. u. a. Seininger in SRitteilnngen b. f. t fcentraltommiffton 
jnr (Srforföung ber ©aubentmale, 1863 n. 1870 , über bat (Sotbenc 
Wßet an* ©er (In er, Oberbaar, «r<$. XIV, 283 f. 

60* 



948 



$ie SWater gfietrer, 3Ra<$le«tir($er, Otmborfer. 



©traubing befteUten bie JHr$prfy>fte t>en ©t. $eter in SRäiK^eii 
1375 eine „ß^ortafeP um 400 ©ulben, ja SBeifter ©abrirf 
«ngler, berfelbe, ber att 3D?aler be« $ofla$er SBottobilbeS ge- 
nannt tohb, erhielt für bcn (1620 entfernten) $o$altat bet 
2Rün($ner grauenfirctye fc$on 1434 tmb 1435, al* er no$ an 
ber Ärbeit mar, 552 fl. r$ein. unb 120 Dutaten, bann tDtebentm 
830 p. r^ein. unb 120 Dufaten 1 ). Hn biefem ©emalbe fofl 
in SDifin^en jura erftenraole bie led^nif ber Ölmalerei an* 
getoenbet »orben fein. 

3n ber jtoeiten $>Slfte bed 15. 3a(r$unbett* toirtten in 
3Künc$en bie üttaler Utric$ gfletrer au« 8anW$ut, ©abriet 
2»ä^Ie«fir*er (ober aKala*firc$er, au$ 3Wä$feffir$er), §aa* 
grölty (1481) unb £>erjog ©igraunb* Hofmaler Dtntborfer. 
Die ©$tei$eimer Oaflerte befifct eine Äreujigung C^rifti ton 
SRäc^Iedtirc^er unb eine anbere figurenreicfc, in arctfteftomföem 
Stammen grau in grau, u>a$rfc$einli<$ 1457 für legernfee ge* 
malt, meiere bie Xrabition »o$l mit {Red&t al* ffierf güetrert 
beseitet '). 2Räc$le«rirc$er, ber 1484 af« ÜWitglieb be* fingeren 
SWüncfyter Wate« erfctyetnt 3 ), toar ber ©#&ager be* Bbte* 
ftafpar Ämborfer &on legemfee, unter bem Diel für bie bauliche 
(Erneuerung unb ben fünftlerifcfcn Samuel be« fttofier« gef$e$cs 
ift ; tyn unb güetrer fe$en mir im ©ienfte biefer ©eftrebungen att 
9Äaler, ben STOünc^ner Bürger $an* ©teinmefc al« ©aumeifter 4 ) 
tfcätig. 1465 malte güetrer in legernfee bie Snbread* unb 
eine anftogenbe Äapette, bie ©tube unb ben ©80er für 44 $fiab 
Pfennige 6 ). angefefcne $erfon bei $ofe Fennen nrfr ifrn 
f$on bon anberer Seite $er. 1468 empfing er in feiner 
©erfjtatt in 3Dtünc$en ben Sefudfr Crjfarjog ©igmnnb«; baja 
lub er ^auen ein unb fefete feinen ©fiften ©ein bor, beffen 

1) M. B. XX, 264. 267; XXXVb, 316. SHe ©orte ber Uttunben: 
„3>arumb i$ Darb nnb lafnr ja Senebig gefanft bab" Manen nmnJalK* 
bebenten, baß tiefe (oben ©mmnen nnr ber tauforo* für btegarbcnfek*. 

2) 8at exilier, etnbiett, u. «a^erfborf er« ©erlebt baf. 6. 33. 

3) Mon. Bote. XXXVb, 419. 

4) ©epenrieber I, 389 f. 

5) Öflntbner, Oef«. ber ßterar. Boftoltea III, 296. 



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äWolerel 



SBejaftung bie $offaffe übernahm. 83on üRäc^Iedfir^er toeifc 
man, ba§ er bon 1472—1478 für legernfeer »Uäre bierjefrt 
©emälbe, iebe« für 90 fl. r$ein., unb jtoei Heinere für Je 10 p. 
malte *). 85on Olmborfer bürften bte frönen Ältargemalbe 
)u ©lutenburg rühren, bon benen eine« bie 3a$r$a$( 1491 
jeigt. <2tn fcfcöne« ©er! biefe« äWeifter« ift ber bon »lbre$t IV. 
unb Runigunbe 1492 geftiftete groge glügelaltar au« ber alten 
2Hün$ner granji«fanerfirc$e im SRationalmufeum. 3n 9iieber* 
Batern toar ber toofyl bebeutenbfte SWaler, nrie föon fein 9lame 
befagt, ein grember, $an« ©ctyoab au« Hertingen bei Äug«* 
bürg (1494—1526). ®e$3rt föon beffen ffiirfen jum Stil 
einer frateren $eriobe an, fo reiben fi$ unter biefe naäf 3*i* 
unb {Richtung übermiegenb bte in 9legen«burg tätigen Mltorfer 
unb Oftenborfer unb ber Sngolftäbter 3Relc$ior gefeien. 

91m beßen fann man bie bairiföe ÜÄalerfctyule bom (Snbe 
unfere« 3 eitTaul «« nunmehr in ber ©d&leijfteimer ©atlerie 
ftubieren. ftraft unb ©$ärfe ber 6$arafteriftif, aber $ärte 
unb Neigung jum $äjjlic$eu unb S3erjerrten erfreuten $ier al« 
tyre übetnriegenben SWerlmale. 

SDtit ffianbbilbern tourben nun toofy au$ ©etylöffer unb 
8tat$äufer, ia bürgerliche Sßofytungen gefömfidt. ©o finben 
fid^ im 9lattonalmufeum elf bon einem ©ürger«^aufe in 2J?ünc$en 
abgelöfte Silber au« bem geben be« $etlanb«, im »Iten^ofe &u 
2Wünc$en breijefrt Silber *) nrittel«ba$ifd;er gürften unb tyrer 
bermeinten Stynen, ber ftarolmger, am SKarienplafce al« (Srneue* 
rung eine« älteren ®emälbe« 8 ) ber grofce Omq>$riu« bon 1496. 

1) ©eftenrieber V, 203; I, 390; Pez, Thes. IIIc, 587. Cht 
Reiftet ©abriet (wo$t 2HS<$te«tir<$er) erhält 1466 431 $funb an«beaa$U, 
bie t$ra bte ©erjoge föulbeien, unb erf#eint 1467 bon Blbrefy IV. be- 
tätigt «rennet V, 186; ©einriebet V, 204. 

2) Ü6er biefe f. göringer, Oberbaijer. 2lr<$to XII. 

3) 9>to($ einer Angabe gr. Xrautmann« (*gl. föö$ri<$t, $itger- 
retfen, 194) fott ein ©egteiter $. (S$rifto^3 auf feiner 3erufalemfa$rt, 
$einri<$ Primat, ba« ©emSlbe für feine glüdli^e $eimte$r gelobt unb 
gegiftet $aben. Über bie ©ejie^ung be« ©Übe« su ©einriß bem 28»en 
fie$e «(. t>. $ofraann, Segenbe be« fl Onm>$rtu« (1821). 




©folraalerei. 



3n 8anb«$ut türmte man bie ja$lrei($en bemalten Käufer 1 )- 
grellen im 8anb«$uter SRat^aufe, meiere bie bürgerlichen »er* 
gnügungen ber 3*** barfteüten, jinb jerftBrt ebenfo tme bie 
SJilbniffe bet toittel«ba$if<$en dürften , mit benen $er}og 
griebri^ unter »bt Ulrich t>on ©feiern (1377—1400) beffen 
Äapitetyau« jieren lieg 2 ). 3n ber Ätr#e biefe« ftlofter* $at 
foäter (1436 — 1439) «bt 3o$ann felbft ben $eilanb all 
SBeltrictyter gemalt. än bem $orttlu« Don 3nber«borf fa$ 
man no<$ ju Btoentm« &\t ftaifer Subtotg ben ©aiern bar* 
gefteflt, tote er Ärrae beöeibet. ©e$r bemerfen«toert tft eine 
Ärt 8e$rgebic$t, ba« n>o$l ein 8anb«$uter SKaler in ber Dar* 
fteüung be« Sebenöbaume« an ber ffiafferburger ^farrfirc^e 
malte. Äuf bem stoßen aSott&gemälbe in ber fiapeüe üoii 
$ofla<$ bei Älling, ba« jum Änbenlen an ben $ier 1422 er* 
foetytenen ©ieg ber ÜRünd&ner $erjoge geftiftet toarb, erföetnen 
biefe fnieenb öor ber ^eiligen Unna mit i$ren brei Sutern 
unb jieben (Snfeln, baftnter fie$t man ben Patron ber Stüters 
fd&aft, ben ^eiligen ©eorg unb bie Witter unb SDiüntbner {Bürger, 
toelc^e ben ©ieg erfampften, jeber mit feinem Stoppen am 
Stingtragen. 

Die ®la«malerei biefe« 3eitraum«, bie neue te$nif$e 33or* 
teile getoonnen $at, mag man bor aßem tm 9tegen«burger 
Dom, für ben 1487 8eon$arb £auntr an« Straubing t$ttig 
toar *) f an einigen genftern ber SKünd^ner grauenftrtfo toel$e 
um bie SDWtte bei 15. 3a$r$unbert« öon SWartin bem ©lafer 
unb ben beiben $an« ©leifcinfitter, Sater unb ©o$n, gefertigt 
unb au« ber alten grauenfirefce fibertragen tourben, unb im 
Sßationalraufeum ftubieren. &m\ $errli#e ®la«gemälbe ftiftete 
$erjog $etnri$ ber 9teid>e 1447 in bie &ir$e bon 3enlofei 
bei 8anb«$ut; auf einem berfelben fie^t man neben trier toeib* 
liefen ^eiligen ben fürftltc^en ©tifter im ©ebete fniecn. 
Älbre^t IV. unb Äunigunbe {eigen ®la«gem5Ibe au« Äart^au^ 
$rfi(I im SWationalmufeum. ®c$8ne S3ottogla«gemäIbe au« bem 

1) «umpler bei Oefelel, 144. 

2) Xurmair« Sßcrtc I, 21 

3) @$uegraf In »ct$. b. $$- *er- b. Oberkail XVIII, 177. 



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3fluminatoren. 



951 



Übergang bom 15. in« 16. 3a$r$unbert finb in ber $farr* 
firc$e &u ©auttng erhalten 1 ). 

SWiniaturmaler ober 31Iuminatotcn, nun als eigene ©ru^e 
ton ben übrigen 2Mern gefonbert, trifft man nun ni$t nur 
in Unterließen, fonbern au<$ in bürgerlichen ffierlftätten. %u$ 
ber grogen änja$l bon SEBerfen be« erfteren Urforungä feien 
$erborge$oben: eine ©aljburger JÖibel bon 1430, eine Biblia 
pauperum au« beut ©algburger Stonnenflofter unb jtoei $anb* 
Triften, toelcfc «bt $etru« bon Letten 1414 mit feinen 
g*berjei$nungen unb Miniaturen fömfiden lieg 8 ). ©te eine 
berfelben ift toteberum eine Biblia pauperum, bie jtoeite ent* 
f)ält bie Siegel be« Zeitigen ©enebift unb anbete ©Triften gum 
Rieft er leben, bie fjebergeictynungen in beiben finb bon berfelben 
fmnb, bie gtoeite aber $at au$ liebliche unb fein aufgeführte 
SWiniaturgemälbe, barunter einige, meiere na<$ unferer jefcigen 
ftenntni* al« ber erfte 83erfu$ ber Sanbfäaf «maierei in unferem 
engeren SSaterlanbe gu betrauten finb. Huger feinem SRatur* 
gefügte lägt fid? an tynen au$ Won eine bt« gu genriffem 
(Stabe richtige ©eobadfrtung ber Öuftyerfpeftioe rühmen, tote 
benn befonberä bie Serge gegen ben $intergrunb gu f#ön ab- 
getönt erfefccinen s ). JBon einem S^gernfeer klobigen, 35rg 
(guthießt auf «ug«burg, finb fe$r fööne SKtniaturen b. 3. 
1515 in einer 5Eegernfeer $anbf$rift erhalten 4 ). Ontereffante 
geberjetc$mingen auf ben legten darren unfered ätttraum« 
enthält bie Gtyronif beö Ongolftäbter« Snbrea* &aintt 6 ). ®ing 
aud? eine Darfteilung be* ©$la$tgetfimmel« bei ffiengenbaety 
toeit über bie fträfte be* ftünftlerä, fo f feinen bagegen auf 

1) »gl. @*mibtner im Oberbaar. Kr*. XXXVIII, 323f. 

2) Clm. 8201 unb 8201 d (• cod. c. pict. 9 u. 28). 

3) Sgl ©aenbefe, ©ertyolb gnrtraevr. ©ein 2eben unb (eine 
SBette (SWÜn^en 1885), @. 50 f. Senn jebo$ ber »erfaffer in bem ©er- 
fn$e einen Sonnenaufgang barjnjfcHen bie etflen ©puren be* laubföaft- 
Itt&en ©thnmung*bilbe* ertennen »tfl, bttrfte bie* anberen ©etroSd&tern 
be« $ttb$en8 al« übertriebenes fBofytoouen erf^einen. $on „roflg an- 
gelangten Oitfeln" lägt fty bort föletyerbing* nk&t* entbeden. 

4) Clm. 19201. 

5) Cgm. 1598. 



»52 



bem ©übe, ba« bic $ulbigung be« 3ngoljtäbter inneren unb 
äufjeren State« bot ben $erjogen «tbre^t IV. unb ffiolfgang 
beranföaultyt, bie ©ilbntffe tiefer dürften unb ber Dielen »at** 
Herren ein geuriffe« ®ef$id int (S&arafterifteren ju bebtnben. 

«I« glänjenbften batriföen 83ertreter biefer Äunft aber 
bflrfen toir ben „ötmemrer" ober „dttumimften" (wie er fU$ 
felbft nennt) ©er^tolb gurtraetyr betrauten, einen ttegentturger 
JÖfirger unb $aupt einer bebeutenben ffierfftatt, beffen ffitrljam* 
feit bon 1468 bi« 1501 nac$jutoetfen ift. ftroge «Berte 
bon tynt finb befamtt: ein Site« £eflament in äßatymgeit, 
gemalt 1468 bi« 1470 unb erft foäter, na$ 1487, )u einen 
®efd?enf an $erjog Wbrectyt IV. unb beffen ©ematylüt Ännw 
gnnbe bertoenbet bie au<$ fonft al« greunbe gentalter ©ü$er 
betannt finb s ) unb beren ©ilbniffe auf bent Titelblatt nac^ 
getragen tourben; fobann, bebeutenber unb gereifter, fünf px&dp 
tige ©änbe oon SRe&bfi($ern bie gurtmetyr, ntyt o$ne au** 
gebeerte ©etyilfe bon ®efeöen, bi« 1481 für ben ©aljburger 
örrjbiföof ©ernfarb bon 8to^r au«fü$rte. gurtnte^r« $er* 
fönen jetgen ruhige, genteffene ©etoegungen unb ben lieben«-» 
tofirbigen Äu«brud fette« tnilben, innigen, lauteren ©emfit*, 
tt>obur<$ un« ba« 3ßittelalter trofc aller ®ebre$en unb Oreuel 
bo<$ immer toieber anjiefrt. Die ©efamttotrfung fetner Silber 
ift oft eine ma$r$aft fünftlerifc^e, au$ tonnte fein ©iograp$ 
rfiftnenb $erbor$eben, bafj fi<$ bei tym fc^on an 650 Keine 
8anbfc$aft«bilber ftoben, bie tt>o# in ber Änorbnung, aber faft 
nie in ben Sortoürfen fi$ toieber^olen. 

©eliebte Aufgaben für SÄiniaturutaler unb $oljf4netbeT 
bilben nun Hfrnenbilbntffe, ©tammbäume unb SBappentafeln. 
(Sine« ber ätteften unb bebeutenbften Serie biefer «rt finb bie 

1) ©a* $aenb<f€ bagegen Dotbringt, bttifte bicft Xnna$u< ni^t 
cnttrSftcst. 

2) ©. $aenb<fe, 85. Sin j>ra<$t*o0tf ©ert, in bem befonbetf bie 
Wnen Äritaje Don ©tarnen unb grüßten $ett>orfle<$cn, ijl bat ton 
Sntonio etnibatbi an« Perugia, eäftUx be« ¥entgino f 1485 ge- 
fertigte örietbn* Ktbrc^tt IV. (Clm. 23639), über toetyct ja igt. 
Michel, Les Maspes d'Allemagne, 88. 

3) Clm. 15708-15712 (• c. pict 22). 



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$oIjf*mtt unb ÄutferjHcfc. 



958 



in ®oua$emaleret fem unb forgfältig aufgeführten JÖttbniffe 
Don einunbfechjig bairifc^en gürften, Don ©aoaru* unb 5Rorty f 
bic eine atlegorifche ©eftalt, ein ehrmürbiger ®rei$, Derföhnenb 
jufammenfühtt, bi« auf 3o^ann unb ©igmunb. Unter jebem 
©ilbniffe ber jötflf gu| langen 5Eafel fteht eine furje 3nfchrift, 
fabelhafte gütften tote $etjog 9tanna$ (Statine) finb unter bie 
hiftorifchcn gemifc^t f ein „atger ©Sfetoi^t SJlarcelu«", ben ber 
leufel in bie $}fle entführte, ift lein anberer al« ftarl fSflaxttü, 
beut feine ©ätotarifationen ju folgern Stufe Derholfen h***«« 
©ahrfcheinlich ift ba« ©emfitbe Don best lunßliebenben §erjog 
©igtnunb beftellt unb jtoifchen 1463 unb 1465 aufgeführt 
»erben 

«W neue* ftunftjmeig, bet am meiften baju beiträgt, auch 
ber ftunft ben allgemeinen Stempel biefer (Steche, ben Dotfc* 
tflmlichen Bug auftragen, tritt nun bie §olj* unb 2Jietall<» 
fchneibefunft jum be$ ©itbbrud« ffwox. SDtan $at 

früher angenommen, ba§ fie juerft in oberbeutfehen ftlöftern 
geübt marb, toeil hie* bie älteften SBlätter biefer Ärt erhalten 
mürben. SMe neuere Anficht Ä ) neigt bahin, bie ftldfter boch 
nur aW ©tapelplafce biefer (Erjeugniffe }u betrachten unb ihre 
(Entftehung jünfttgen gormfehneibern in ben ©täbten jujumeifen, 
meldte bie ^erftellung fabrifmägig betrieben. Die $oljfchnitte 
unb ftupferftiche, beren dnfunabeln Dom (Snbe beS 14. bt$ jur 
SÄitte be$ 15. 3ahrhunbertS batiert werben lönnen, foUten 
noch meht als bem ftunftbebürfni* ber Belehrung, Dor ädern 
religtöfen (Erbauung be$ SBotfeS bienen, behanbetn baher meit 

1) 2)enn ©igmunb allem »irb „gnäbiger $err" genannt, SHbre4t IV. 
unb ©eorg ber 9tei$e flnb nl<$t mehr bargeßeflt. 2>aS Stationalmufeum 
(«M. Str. 681) befifct eine Äopie be« in ber «ßarifer 9tattonatbibttot&e! 
befinbUfyn Originals. Ü6cr einen um 1502 entftonbenen toloflalen 
Stammbaum ber bairiföen Sürßen in ©oljfönitten in ber ©<$afctammer 
ber 2Riin$ner @taat8bibUot$ef f. meine ©emertungen in £urmair8 
«Berten III, 569. 570. 

2) @. ©. ©$nubt, S)ie früheren unb feltenftoi ©entmate be9 
S>oIj- unb 2ftetaflf$nitte3 im 14. unb 15. 3a$r$unbert, na$ ben Ori- 
ginalen im t jcupferjH$fabinet unb ber t. $of« unb ©taaWbi&Uothet 
in Stünden. 



954 



$oljf<$nitt uttb Änt>ferfH<&. 



fibertoiegenb religtöfe ®egenflfinbe. ©a« Jefct in Sttfinchen be* 
»ahn tmrb, bfirfte meift au« ©atern imb bcm öftfl^en ©ch&aben 
flammen ; &on ber ungeheueren SWaffe aber, bie Derbrettet toar, 
^at fleh nur menig erhalten. Huf jtoeten ber fifteften ©lätter, 
ber Sßeffe be« ^eiligen ®regor unb bem heiligen ©ebaftian J ), 
toetfi bie Anbringung be« batrifchen unb ßfterreichifchen Sappen! 
(bie einmal quabriert finb) neben bem pfäljifchen 8öu>en barasf 
hin, bat fie im Sanbe unb jur 3eit be« mit einer ^ab* 
burgerin vermählten $erjog« §etnrich be« Weichen, sauften 
1412 unb 1447 gefchnitten »urben. Die ättefien $ol)fchmtte 
finb nur in Umriffen gehalten, ba ©emalung nachhalf; erft 
allmählich tourbe bie Sßobellierung burch Striche marftert unb 
bie ©emalung bamit flberflülfig, ja ftörenb. 

Die ältefien namentlich belannten JhipferfWher in bairifchen 
8anben ftnb SRilfa« «lejcanber äßair, Gedeicht auch 3». jja* 
finger. SWair toirfte al« ftupferfiecher, gormfchnetber unb 
STOaler in 8anb«hut, »<> er um 1450 geboren mar. »on 
feinen ©emälben finb bie reich in bhjantinifchem ©til gehal* 
tenen be« alten §au«oratortum« auf ber £rau«mfc erhalten, 
Don ©tichen mehrere ©lätter, u. a. eine &ortreffl«he anficht 
be« alten 3uben<, jefct Sßfinchner JEhorc« in ganWhnt. eitrige 
führen auf äRair auch bie (Srftabung be« $oljfchnUte« in $cB* 
bunlel jurücf *). 

1) @$mibt, 9^r. 100 unb 103. *n bie 3eit be* ebenfalls arit 
einer $absburgerin t>erm5&lten Älbre<$t$ IV. ja benten »erbietet ber 
tfinjiteriföe <5&arafter ber ©Wtter. 

2) grand in ber «0g. SDentf*. ©iogrartie XX, 120. 3aflngtrf 
2eben*berhffltnif|e nnb Gerte bebürfen uo<$ ber SfaftWrung. 8gL Äatalog 
ber int <&ermanif<$en gRufeura beftoblufcu beutf$en ftupferftufe be« 
15. 3a$r$unbert9, SReifter M. Z., 6. 36 f., wo bie ©ejiehung ber be- 
tannten, au$ in ber 8RaiuTnger*€tammtnng vertretenen ©tftter: JMT 
unb „Stornier" auf 2Rfin<$en in 3meifcl gqogen toirb. ©a* ba« erjlere 
©latt betrifft, lagt fi<$ jebo<$ an bem im (Wer flfeenben $aare *h*ß$* 
feit mit ben fonf* erhaltenen ©ilbniffen «tbre$t* 1Y. unb Äuntgunben« 
(u. a. mit ben *on ©artel ©e$am gemalten in ber £$leißheimer Batterie) 
taura bertennen. 



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8 eil Ilgen. 



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3>rttte Beilage. 

2>te totUlityn ttei$*ttttmittettarett in «utero t>on 1180 
M 1508. 

(8gl- I, @. 849—879. 3m fXgb. flub nur bic gtSffifytt unb bic 
n>S$renb längerer 3eit im ©eflfce reufaunmlttelbarer $errf$aften beftab- 
U$en frei$errtl<$en gamttien befymbelt.) 



@8 gehört ju ben tot$ttgften unb c&arafteriftifd&en Sögen bec 
bairifd&en ©tammeÄgefd&id&te, bafi faft ade alten ®rafengef$le<&ter be3 
fianbe« fd&on auf her $6(e De« SDUttelalter* auSftarben unb bafs bic 
$erjogli<$e 9Ra$t bur<$ i^r balb frieblidfc balb mit fBaffengemalt be- 
hauptete« $rbe au&erorbentlid&e Vereiterung erfuhr. ©$on bie brei 
erften u>ittel«öa<$if<$en ©erjoge fa&en von ben Samitten ifcrer früheren 
3lange«genoffen eine um bie anbere erlöf(&en (ogl. Ob. II, 6. 12— 16, 
86, 88). Unter Submig bem Baiern folgte ba« »uSfterben ber 
gräflichen ßÄufer Don ©irföberg, uon @f$enlo$e, oon ©raif*ba<$ 
(9b. n, 6. 267, 269, 465). 

S)a« $au« Slnbe$8 *) fcatte im Beginne biefeS Seitraum« eine 
Stellung eingenommen, welche bie ©nfceit be* alten bairifd&en ©erjog- 
tum« gef anbete, unb erftieg ben ©ipfel feiner 2Jta<$t, al« 93ertfy>Ib8IV. 
6o$n, $er§og Otto VII. uon Äönig $Ppp am 21. Sunt 1208 
mit ber $anb feiner 9U$te, ber Softer be« ^faljgrafen Otto von 
Surgunb, bie ®raffd&aft ©urgunb famt ber SPfaljgrafenwürbe er- 
langte. ®ne Sülle von Su&m unb ©lanj ffra&lte bamate uon ben 
mfo&tigen SKeraniern au«; eine wunberbare SKannigfaltigleit ber 
Sefai*f$idfale ftettte fi<3& in biefen neun ©ef$n>iftern bar, unter 
benen ein ©iföof uon Samberg, ein $atriar4 von Bquileja unb 

1) greifen (Sbmunb Defete, öeföufte ber Orafen ton «übt*«. 
8gl oben 8b. II, 6. 16. 38. 52. 84—86. 



968 



©tafeu ton Sfobecb«. 



eine Sbtijftn von Ailingen neben bet Staut eines fetbifchen 3futfcn, 
neben einet Äönigin t>on Ungatn, einet £etjogtn von 64teften unb 
einet Äönigin t)on gtanlteich etfchemen. Unb wäfctenb bie leitete, 
Stgne«, eine blenbenbe Schönheit, butch ibte Setmctytung mit bem 
franjöfifchen Äönige $^Uipp Muguft, bet feine erfle ©emahlüi 3nge* 
butg Derfto&en hatte, ben föatfen SBiberfpnuh bet Ätrche hcnwrrief, 
burtb be« spapfte« ©ebot ihre Stennimg vom (Satten, bie fte triebt 
lange überlebte, erzwungen, bur<h graufame« ©efchicJ Re fetter ffit 
bie Sammelt gut bramatifcben ©elbin geftempelt würbe, foflte eine 
anbete bet @<|n>eftetn, bie fchleftfd&e ©etjogin $ebnrig, eben al* 
fircblicbe ©elbin unb SBeijterin bet 8L«fefe bet £eiltgenf<hem umroeben. 
Sei bet £o<b$eit Otto« YII. warb Äönig Wflbpp etmotbet unb Eternit 
brauen fernere ©<&i<ffal«f<htöge auch übet §»ei bet mftnnli^en ®e- 
fcbwijter (etein. Übet Otto« »rüber, ^einrieb IT. unb ben Siftof 
(Sdbert von Samberg warb als angebliche SRitfcbulbige bie &bt «et» 
^ftngt unb infolge beffen ging füt einige 3«t ein £eil be« Sefifte« 
bem $aufe oetloren. £einri<h IV. hatte bie ifhifd&e SRarlgraffcbaft 
unb bie ®üter be« $aufe« um 2Bolfrat«haufen , in Xitol, Steift- 
mar!, Ätain unb Ä&tnten übernommen; e« fchemt aber, baft er 
übetbte« bie Sejifcungen um 3nn unb Stonau beanfpru$t hatte unb 
batüber mit Otto in Streit geraten mar. SXe (Sntfcbeibttng mar 
bann babin gefallen, bafe ^einrieb bie ©raff haften Heubutg unb 
©tb&tbing am 3nn, Otto bie (Stafföaft SBhnbetg an bet Satan 
ethtelt. Ottos Xteue gegen bie ©taufet watb ihm butdj bie ffiiebet* 
etlangung bet metften Sttjcnet Sehen gelohnt 3n bet ©taffebaft 
Sutgunb geriet et in fernere Ä&mpfe mit bem ©tafen ©tepban uon 
Sienne au« bem $aufe bet alten ©rafen, behauptete )*ar mit $üfe 
be« $fal§gtafen mm ©hampagne, mit beffen Xod&tet et feinen ©obn 
oerlobte, §ule$t bie Oberhanb, raupte aber, ba biefe Ätiege feine 
Jtnanjen fchtoet jerrüttet hatten, bie ©raffchaft Sutgunb füt eine 
Anleihe an Xheobebalb oon Champagne twpf&nben. 6t ftorb 1234 mit 
$mterlaffung eine« unmünbigen ©ohne«, Otto« VIIL Unter biefe« 
ging fogteio) bie Sogtei übet Segetnfee auf Sntrag be« JMoftet» im 
Snbe$« an ben Äaifet übet unb fpütet führte unlhtge $rätü gegen 
bie fflitteUbachet §u au«gebehnteten Setlußen. Set lefcte feine« 
£aufe«, ftatb Otto am 19. 3uni 1248. ©eine ©emahthn mar 
Gttfabeth, 2o*tet be« ©tafen SUbett von Xttol. ©eine ©<bmeftec 
Xgne«, feit 1229 mit $et|og gfriebruft ton Cfterreich, bem le|ten 
©abenberger, vermählt, hatte biefem al« SRitgift ba« vom 3ormb«$er 
@rbe tuxb übrige (Sigengut be« $aufe« am 3nn angebracht 1243 
gerieben, heiratete fie fünf 3ahre barauf Ulrich, ber 1256 $er§og 
von Äätnten würbe. Siet weitete Schmeftetn maten oetm&hlt mit 
einem ©tafen oon Otlamünbe, mit einem SMatfgtafen wm SRü^ren 




Sanbgrafeu ton Stoltenberg. 



969 



tttib fpäter einem ©rafen oon Srübingen, mit einem (Strafen oon 
©urgunb unb fpäter einem ©rafen oon Saoonen, unb mit bem 
Burggrafen griebrich von SRürnberg. 

Son ben alten ©rafengefchlechtern be3 Sanbc« beftonben feitbem 
nur noch We Sanbgrafen oon Seuchtenberg (bid 1646) unb bie noch 
heute blühenben ©rafen oon Ottenburg. Stefe Samilten bewahrten 
fich §roar ihre SRei<h$unmittelbarlcit, Ratten felbftänbige Suftij unb 
Verwaltung unb in ihren Sanben burften bie #erjoge feine Steuern 
erheben, gleichwohl tonnten fie fich ber Hbhftrtgigfcit oon ben über» 
mächtigen bairifchen £erjogen (bie Seuchtenberger gulefct noch mehr 
oon ben rheinifchen ^faljgrafen) nicht ganjlich erwehren. Sie trugen 
Sehen oon biefen Surften, übernahmen meift Ämter in ihrem 3)ienft 
unb befugten auf ©runb befjen ir)re Sanbtage. 3n ben neueren 
gürftenftanb (nach 1180) bat fich aufcer SöittelSbacb unb »nbech« 
ein einige* bairifche* £au8, baS leuchtenbergifcbe, emporgefötoungen. 

Sie Sanbgrafen oon Seuchtenberg 1 ) führten ben lanbgr&f- 
liefen Xitel (urfunbltch nachweisbar juerft 1196) ald ein örbftüd 
ber auSgeftorbenen Sanbgrafen oon Stefeningen, eine« 3n*ige3 ber 
burggrftflich regen8burgif<hen Samilie. ®urch eine ber ftefeningföen 
Srbtöchter, Hbelhetb, §ugebrachte3 gramiliengut febeint fie oetanlafct ju 
(oben biefen ^iftorif^en Xitel anzunehmen. Safs bie Sanbgraffcbaft, 
bie als folc&e i^re Inhaber noch titelt in ben gürftenftanb erhob, 
irgenb welche anberen als bie gräflichen Siebte unb SBefugntffe in 
bem burch eine alte ©renjbefchreibung 2 ) und genau belannten Um« 
fange ber ©raffchaft Seuchtenberg unb ben bamit oerbunbenen 9e- 
fifcungen in ftd) gefchloffen $abe, wirb man in Hbrebe fteüen muffen. 
Sie Seuchtenberger erfebeinen wohl weniger als bie anberen großen 
bairifchen SlbelSfamilien in Äbhängiglctt oon ben bairifchen ©erjogen, 
waS burch bie Sage ihrer oon ben £erjogSlanbcn nicht umfcftloffenen, 
nur berührten Bedungen, burch bie Siachbarföaft ber oberpfälgifchen 
Sanbe unb ben böhmifchen Stüdhalt genügenb erll&rt wirb. 93c- 
geichnenb für bie tfamiliengeföicbte ift ber enge Snfchtufs ber h^oor« 
ragenben Männer an baS Königtum, juerft an bie Staufer, fp&ter 
an Subwig ben ©aiern unb an bie Luxemburger. SEBie fchon feine 
2lhnen burch treue unb eifrige Sienfte ben ftauftfehen £errfchern {ich 
empfohlen hatten, fo erfcheint befonberS Sietpolb, ber ft<h einige 3«t 

1) «gl. 8b. I, 878. g. SW. ©ittmann, ©eföichte ber Sanbgrafen 
oon Luchtenberg («bhanblungeu b. hifi. AI. b. SWünchener Stab., 1852, 
@. 1-83. 237 f.); ©g. ©runner, ©eföichte oon Seuchtenberg unb ber 
ehemaligen Sanbgrafen o. 2., 1862. 

2) Cd ©ittmauu, 79 f. §rand', $ie Sanbgrafföaften be* % 
rBm. 8fct<h*, 150—157, geht meines brachten* oon irriger Stoffaffung 
ber leuchtenbergifchcn Sanbgraffrhaft au«. 



980 



Sanbgrafen 



„Sanbgraf oon ©tefeniugen' nannte, a(8 einer bet rft$rigfteu In* 
Ränget unb Diener bet Äönige 9tyilipp unb griebritfc IL Kit bem 
lederen weilte er 1229, 1231, 1232 in Italien. Den gamilka- 
beft^ (atte er mit feinem ©ruber ©ebbarb III. in ber Seife geteilt, 
bafs biefer bie $errf($aft SBalbed, er bie $errf<baft fieuebtenberg 
übernahm. Die erftere ßerrfd&aft, monacb ft4 oereinfelt ©lieber bei 
£aufei nennen, lag nörbUcfc oon 6ul$ba<& an ber fyibenab unb 
gicbtelnab. 1230 treffen mir Dietpolb in gebbe mit bem C*rjog 
oon SBeranien; bem mit Dietpolb oerbfinbeten (Brufen oon Orten* 
bürg unb 9Rura$ oblag bie Vermittlung. Dafi Dietpolb btejem 
©rafen 1233 Seucfctenberg oerpfdnben mu&te, beutet auf Serfafl bet 
Sermögen«oet&dltniffe , ber mettagt burdfr bie loftfptefigen unb ooa 
Äatfer, fo oiel mir feben, bur<b leinen befonberen ©nabenenoeti be- 
lohnten italienif^en Ärieg«fafcrten oeranlafit mar. 1236 betätigte 
griebri<b Dietpolb ba« megen ber burcbfü&renben belebten §anbeU- 
ftrafce oon Samberg na<$ Sger ni$t unmutige ©eteitire<bt (ducatus 
corruum) innerhalb feiner 2anbgraff<&aft. Die 6ö$ne ©ebbarbi IH., 
griebri<$ IEL unb ©ebbarb IV., melifce mit Älofter SBalbfaffen mange 
©treitigfeiten bitten, beerbten bie Dietpolbifd&e SSnie unb teilten hier- 
auf miebetum fo, bafs griebrieb SBalbed, ©ebbarb Sembtenberg über- 
nabm. 1270 betätigten fte bem Älofter Seicbenbaeb bie Befreiung 
oon ber lanbgr&f liefen ®erid&t«barleit, meltfce ifae Borfabren gegen 
bie jebem neuen Äbte auferlegte Heine Abgabe oon fmölf 6<biÜingen 
bem Älofter gemdfcrt Rotten. Unter griebrieb HL erlitt bie Stogt 
bei $aufeft gro&e einbüße. Su&t nur baft er 1280 bie $errf$aft 
SBerbenberg (Starnberg bei Sabburg) an Äonrab oon $aul*borf uet» 
laufte, ba« 3<*fa barauf ba« Seü$ile$en Sau^entulm bem Burg- 
grafen griebrieb oon Starnberg oerpfdnbete (biefer Sefty ging, ba er 
nic^t mieber eingelöft mürbe, bem $aufe gdnjlicb oerloren), 1283 
oerlaufte er fogar ba* Sanbgrafenamt, ndmlieb ba* SanbgerUbt uub 
ba« ©eleitiredfct (mai er föon oorfcr an 93aiern $u 8e$en auf- 
getragen ju fcaben f<beint) unb baju bie £errf<baft SBalbed um 
1200 $funb Pfennige an $er|Og Submig IL, bem fein Seffe £einri<b 
ba« 3abr oorfcer auefc feinen Anteil an ber 8anbgraff<baft um 190 
$funb Pfennige oerlauft batte (Scheid, BibL hist I, 207f.; 
G. u. Or. V, 364). Do* baben biefe (enteren Jt&ufe jebenfaüi 
nufct bauemben 9te$tibefianb erlangt. 9mb fonft mufcte fty grieb* 
ri<b oieler Se^en oom Steide, oon Saiern, oon ben $<ttöfen oon 
Samberg unb Segeniburg entdufcern. Dann bema§rte bie Ber- 
einigung ber no$ übrigen Bedungen in ber $anb bei einigen 
6o$nei ©ebbarb* V., Samen« Ulrub, ntd&t nur ba« $aui oor 
Verarmung, fonbern Ulrieb, einer ber (eroorragenbfteu Sproffeu bei 
©ef^leebte« (1293—1340), ermarb au<$ ali rtyriger Dienet bei 



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ton Seucfctenberg. 



961 



Äatfer« fiubwtg unb be* flöntg« Sodann oon Söhnten (Wä btefer 
1318 afle S>eutf<j&en au« feinem S)ienfte entlaffen mufete) feinem 
©efd&led&te neuen ©lan§ unb neue §ettf<j&aften. gür 9Darle$en an 
ben Äaifer erhielt er non biefem 5lo& unb H$arf|tein, 99urg ffialbed 
unb ben SJlarft $reffat, 93urg Stömftetn unb jleuftabt oerpfünbet. 
918 ftonrab oon Sc&lüffelbcrg o&ne örben ftarb, erwarb Ulria) beffen 
$fdnber oom Äaifer, 2$urnborf unb 8fa)enbad&, fowte Sc&nabclweib 
nnb $egntfc. Sie ßerjoge oon Jtteberbaiern oerpfftnbeten i&m Söalb- 
münd&en, wo er als i$r fjfleger befteüt mar. 3)ur$ Äauf fam 1321 
bie 9Burg ffiunftebel, 1322 bie $errföaft $freimt in feine $ftnbe. 
Sa bte bei Ulricj« Sobe no<& minberjü^rigen Söfcoe Ulri<$ unb 
Sodann ft$ mit Äaifer SubmigS Söhnen überwarfen (1353 lagen 
fte in ge^be mit $eter oon Qd), beginnt für bte Samilie eine fßeriobe 
ber Sntfrembung oon ben bairiföen fierjogen; bie natürliche golge 
mar enge 9lnle$uung an Äarl IV., bem bie Sanbgrafen t^re ©urgen 
SPlepfiein unb IReicjenftein ju fielen auftrugen. Äarl föenfte be- 
fonber« bem Sanbgrafen 3o&ann fein Vertrauen, mied i&m 1358 
(1369 bann feinem 93ruber Ulricfc) bie Wet$3pflege Rotenburg a. b. 
Sauber §u, erweiterte i^m ba8 leuc&tenbergifcbe SBünjrecbt, oerliefc 
i&m Sergwer!$prioilegien (R. 6. IX, 145), erfcob 1359 feine gefte 
unb $orf $e(enftein §ur Stabt unb übertrug ben Seuc&tenbergern 
1365 bie Serwefung be« 93urggrafentumS Dürnberg im 9lamen ber 
einigen (Srbtotfcter. (geraume 3ett ftanben nun bie Seuc&tenberger 
oormiegenb in bö^mifdjem Sienft unb ^ntereffe. $on ben Herren 
oon Stierberg erwarben fic bamal« beren gleichnamige $errf$aft. 
Sei einer 8anbe8teilung übernahm U(ri$ 1366 u. a. Seud&tenberg 
unb SPfreimt (ba$ festere trug er nod) im felben 3a$re für 2000 fL 
bem SJJfaljgrafen 9tupre$t b. ä. als fielen auf), Qoljann $lepftein 
unb SRetc&enftein (R. 6. IX, 140). 1370 würbe So&ann $um 
!aiferlic$en £ofrid&ter in $rag ernannt, §u weiter auSgebeljnter fflirf- 
famfett berief i$n balb bie Stellung al* Aarid $ofmeifter. 93on 
Äönig Äarl V. oon granfreicb unb beffen #a#folger bejog er eine 
jü&rltcbe $enfton. 1393 würbe er oon ©ifd&of ®eorg oon $a{fau 
mit beffen Cberfbnarföaüamte belehnt. S)amal« ^atte fW& 3ofymn 
au$ einer fitnie ber batrifc$en #er$oge, ber oon Straubing, wieber 
eng angeföloffen. S)en Hnlafr baju bürfte bie Erwerbung be« 
fcaUifcben (SrbeS (1375) gegeben fcaben, worin fieud&tenberg ban? 
ber ©unft be* Äaifer« gegen ben beffer berechtigten ©rafen #einri<t 
oon Ortenburg obfiegte, otyue freilief) ben neu erworbenen SBefty auf 
bie $auer feftfcalten §u !önnen (ogl. unten unter Ortenburg unb 
$al£). 311« Statthalter oon Straubing trat Sodann in ben S)ienfl 
£er§og Sllbrec&t«, ber tym auefc auf Sebendbauer bie gefte gürften- 
ftein in $flegweife oerliefc. Später übertrug i^m $er§og ^obann 

«teilet, •ff^i^te »aient«. IIL 61 



962 



Sanbgrafen 



von Straubing (ein bairifcbeS Sifctumamt, ba3 oorfcr Semolf wo 
$>egenberg oerwaltet ^atte ; au$ am £ofe biefed $er|og* in $oGanb 
bat Sodann miebet^oü geweilt. Gin Streit mit ben barriföen £ei* 
logen wegen ber Sd&löffer @rnect unb SRafrenbofen tontbe 1377 
fcbteb«ricbterücb ba^tn beigelegt, bafi bie ©etjoge bem Sanbgrafen 
3ot)ann wegen biefer Sd&löffer 14000 fU ju entrichten Ratten, Stab 
Äönig SBenjel tjielt S^ann bo<b, übertrug it)m unb feinem glettb- 
namigen 6or)ne 1379 (B. B. X, 26) bie $auptmannföaft üb« 
feine Sanbe in Satern (Korbgau) unb granfen mit einem 3a^r- 
getjalte oon 300 Sc$o<! $rager Pfennigen unb feinem Sobne Stgoft 
(ber lange oor. bem Sater ftarb) bie Sanboogtei in Scbwaben. 1390 
beftegten bie Sanbgrafen bie Singer in einer gefcbe twr beren 53urg 
Xanftein. 1399 oertaufte Sodann an bie Burggrafen oon Starn- 
berg um 26000 fL »urg unb ©tobt Graitefceim, §ur $älfte bat- 
riföeS 8er}en, glügelau unb Sofcfelb, Serbe* unb Soben&aufen. 3s 
anberen Serftufcerungen fcbetnt ir)n ber im 9lorbgau jwifcben ffienjd 
unb Stuprecbt oon ber Sßfalj geführte langwierige ftrieg genötigt §n 
baben. Ser Sanbgraf blieb lange auf ffienjeU Seite , fcbeiut ftd^ 
jebocb (5nbe beS 3ar}re8 1402 mit SRupred&t au*gefö§nt ju baben. 
Um biefe Seit lag er au$ in gebbe mit bem SBifdbof ftlbert im 
Samberg , oon bem er ^efcenftein nicbt ju fielen nehmen woOte. 
3Bftr}renb ein ©efecbt bei Jrocfau ju feinem Jlad&teil auffiel, glüdte 
t& tt)m ben nacb Ä&rnten reifenben Oiföof ju überfallen unb au6- 
juplünberu. 3uerft al* <5ntfd)&bigung für ein Marleben, bann gegen 
eine Aauffumme oon 11 900 ungar. unb 1300 rfcin. (Bulben Tamm 
1406 $artftein, SBetben, 6tierberg unb fkfcenftein oon Seucbtenberg 
an ßerjog Subnrig im Sart. Sobann I. ftarb 1407, wobl ber 
bebeutenbfte STOann be8 £aufc*. £o<b begannen fcbon unter tym 
bie finanziellen Sebrfingniffe, weld&e unter feinen 9to<bfolgeru 9er» 
ftdrft, ju einer langen Sei&e oon Veräußerungen führten unb ben 
dHanj bc« $aufe£ rafcb erbleichen matten. U. a. würbe 1414 
bie ©errfcbaft ©rafenwerb an ben $faljgrafen Subwig, 1417 Stier» 
berg an ben ^faljgrafen Sodann, femer $efcenfiem an $er}og Subwig, 
GngelfelS, SRanfelS, Semftein an Drtenburg, $lepftetn an ben $fai|- 
grafen Sobann, bie Stabt Ofter^ofen an Oeorg ben $u<bberger, 
Scfclofi unb Starb SReubau« an filofter fflalbfaffen oertauft ober 
oerpf&nbet unb ni$t wieber eingelöft. (Sine neue 5e$be mit ben 
Tengern fd&eint einen für bie Sanbgrafen nicbt günfKgen ©erlauf 
genommen §u baben. Sn bem 1412 erweiterten Sanbfriebettfbttnbe 
oon <5ger, ber aQe gürften ber Jtad&barfcbaft oereinigte, nahmen Me 
Sanbgrafen wabrfcbeinlicfc wegen tyre« Streite« mit Äönig ffieitfel 
nicbt teil. JKefem r)atten fte ndmlicb wegen einer großen Scferib» 
forberung, bie oon Sofcnn I. l}errü$rte, 5e$be angetönbet. Soft 



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SBenjelS Sfaubfolger ©igmunb gegenüber würbe biefe Jorberung, bie 
im 3^re 1430 oon ben Sanbgrafen auf 34000 ß. unb 17400 
6$od Kröger ®rof<ben bered&net würbe, o$ne Erfolg geltenb gemalt. 
Xrofcbem rettete Sanbgraf Seopolb bem Äönige ©igmunb ©<&lo& 
Äarlftcin gegen bie ©ufiten, wofür ibn ber Äönig 1429 bur<b $er» 
fdfcreibung ber Nürnberger ©tabtjteuer belohnte. SieDeidbt wirlte bie Un- 
fftbig^it ftanbe8mö&igen Auftretend borauf mit, bafc 1425 ber oierunb- 
iwanjigj&brige Sanbgraf ©eorg §um Staunen ber ffielt in ba£ Alofter 
Äafü eintrat (in bem er jebocfc nid&t lange Derblieb; f. Oefele I, 
25) unb jebenfaHS waren e8 bie jufammengefcbmoljenen SRittet ber 
gamtlie, welche bie Sanbgrafen oeranla&ten faft regelmäßig als ^Beamte 
bei bairif^en ober pfftljifcben dürften S)ienfi ju nehmen. 3obann HI. 
warb oon Subwig im Sart mit einem Sa&reSfolbe oon 500 fl. ate 
fein SSerwefer in Wieberbaiern bejteüt. Seopolb trat 1429 mit 
60 anberen (Sblen bem jum 6<bufce gegen bie $uftten gegrünbeten 
SRitterbunbe oom (Sinbom bei. Sei SBeiben erlitt er im Äampfe mit 
ben fußten Serlufie, bie er auf 1400 fL oeranfd&lagte, unb ba ibm 
<5r$bif<bof äonrab oon SDtainj, in beffen Sienft er gegen bie $uftten 
gefönten, feinen ©dfraben ni$t erfefcen wollte, fagte er biefem dürften 
3febbe an, bie erft na<b langer &t\t beglichen würbe. SBöbmen bunfc 
SBenjela 3abtung£unf&$ig!eit unb bie £ufitenfriege entfrembet, fc&loffen 
ftcb bie Sanbgrafen, wiewobl fie von Böhmen immer no$ Sellen 
trugen, nun um fo enger an bie pfftljifcben dürften beS 9torbgau8 
an. Seopolb leiftete bem Sßfaljgrafen 3ofcann unb beffen ©obne, 
bem Äönige G&riftopb von S&nemarf, S)ienfte. Seit 1448 waltete 
er ald Sifctum be« üurfürften Subwig in Arnberg, ein Soften, ber 
in ben folgenben fubenjig 3abren wieberbolt von Seud&tenbergern 
oerfeben würbe. Sanbgraf Subwig erbielt oon £. Subwig bem Steigen 
1463 für ein Sarleben oon 4700 rbein. balb Sßarlftein unb SBeiben 
in $flegweife. Seit 1460 war er beS Aurfürften Subwig oon ber 
$fals Pfleger ju Auerbadfr. Au<b fein Grübet Jriebricb, ber aU SRat 
^erjog Albre<$t3 III. oon 9Rüncf)en erfcbeint (1455; Meichel- 
beck, Chroo. Bened. n, 141) war §uglei<b pfftl§if<ber Beamter, 
fett 1458 $fkger *u SRabburg, feit 1464 $ifetum }u Amberg, feit 
1484 au<b Pfleger in ©uljbatb, wo er fein Amt burcb einen ©teH* 
Vertreter oerfeben liefi. 1476 teilten bie ©ruber, Subwig nabm bie 
©rafföaft $al$, bie er jebo$ wegen fiberföulbung 1486 an bie 
Aigberger oerlaufte, griebri<b bie Sanbgrafföaft Seu^tenberg. grteb- 
rieft* Sermft&lung (1467) mit Sorotbea, Softer be* ©rafen W^W 
von Stiened, braute i^m na<b bem Zobe be8 ©<bmiegeroater$ (nic&t 
oftne ©nfpratfce anberer Sßr&tenbenten) bie £errf<baft ©rünSfelb. 
etwa feit SRitte be« 15. 3abrbunbertS, auffäDigerweife erft in ber 
$eriobe iftreS auSgefprod&enen 3iiebergang$, galten bie Sanbgrafen 

61* 



964 



Arafat 



pon 2eu$tenbetg ali Sleu&ifutften, o$ne baft vir von einet fftra» 
liefen (Stfcebung in btefen 6tanb müfcten. 1486 bejeiefrnet ber 
Äaifet fettft ben Sanbgtafen aU Surften (Jider, 9teidfeif&rfteftftat 
I, 200). 5riebti$i ©o&n Sodann VI. verfiel ali ansaget bei 
?}faljgrafen 9tupre$t im 8anbi$uter örbfolgelriege bet 9iei$iac)t unb 
würbe bet Sanbgraffd&aft, bie 9iei$gle$en war, vetluftig ertt&tt. 
1502 (Äpril 28. Äaufbeuern) &atte bet Jlönig bem £etjoge $einri4 
von SJledlenburg, foüö Sanbgtaf 3ofcann o&ne e^elufee m&nnü^e 
fieibeierben abginge, bie Slnivartfe&aft auf beffen 2anbgraff<$aft (nntet 
Sorbefcatt bet $ftlfte für bie lönigli$e Äammet) gem&fttt (8 in ig, 
lRei<&iat<j&io IX, 500). Xrofcbem warb bie Sanbgrafföaft mmmefcr 
bem Srei^etrn fieonfcatb jum $aag übertragen, but$ bie Kmnefte 
bei Äölner gfriebenö jebo$ bem Sanbgrafen §urudgeftellt, meramf 
Seonfcrb §um £aag 1508 8erji(&t leiftete. 8u$ 3ot)ann VI. mürbe 
1510 pfdljtfd&er 8i$tum in Hmberg. Gr nennt frfe frfbft einem 
an Seib unb @ut atmen, nut tinberreu(en gürften. 

Bon bem bairifö-lfttntifc&en $aufe bet (Brufen oon Orten* 
burg 1 ) warb ber bairiföe 3»«0 }una$ft burdfr bie Srubet 81a- 
poto II. unb $einti<& I. fortgepflanzt. 9tapoto II. unb fein 6o$* 
SRapoto III. waren im Seftye bei bairif^en $faljgrafenamtei, bai 
mit bem 64minben bei Steid&igutei in ©aiern me&r unb mefrr }*t 
bebeutungilofen SBürbe fcerabfanl unb mit SRapoto« in. fdfreJofem 
Sobe (1247 ober 1248) einging. Sur für furje Seit na^m 9ta- 
potoi S^wiegerfo^n (Brof $artmann von SBerbenberg, bet eines 
gro&eu Seil feinet ©eftfrungen erbte, ben batrif<$eu $fa(jgtafentitd 
an, glei^eitig mit i&m aui einem bisset niebt aufgeÄfttten 9tafyi- 
grunbe au(b (Braf ßubwig von ßttingen b. j. Unter ben 9ta$> 
tommen £einri$i I. von Ottenburg, burdfr weifte bie Sinie fort» 
gepflatijt mürbe, erlitt bie 9la<&t bei $anfei empfinblube einbüßen. 
1271 verlauften biefelben anfefcnlitfre Seftftungen im 9lorbgan, meijl 
im (Beriet Stabburg, um 670 $funb Wegeniburget Pfennige an 
$etjog 8ubwig II., 1272 folgte bet Betlauf aUet Outet }wtf<ften 
Donau unb Bö&metwalb mit ber $errf<fcaft STOuraft (öftl. von 9tafr* 
bürg) unb bem Karfte Siefttaft von Seite bei (Brufen Stapoto IV. 
an benfelben $erjog. ÜRuraft, wonadfr ftft $eum$i I. <&t>\>nt 
Sietpolb unb SRapoto IV. au$ genannt Ratten, mar im 12. 
lunbert bur$ bie ful§ba<$if<$e (frbtocfcter (Sltfabetfr an Ortenbutg ge- 
lommen; $eintid& I. (atte ei 1238 feinet (Bemafctin 9ti$e§a unb 
beren Söhnen geföenft. $ai <Srbmarf$aQamt bei ^er|ogtsvi 

1) Sgl. 8b. I, 869f.; «unb, etammenbu* n, 13-48; $uf*- 
berg, $efal*te bei berjogltcfrn unb gr5ftü$en 9efamt$aufei Ottenburg; 
Wuffat in bet ©a*arla U, 426. * 



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oon Ottenburg. 



M6 



©aiern, ba« bt«$er beim £aufe Ottenburg gewefen war, trat 9ta- 
poto IV. 1293 an bie oerwanbten ®tafen oon $a(« ab, inbem 
er }ug(ei<b ben ©erjogen ba« bamit oerlnüpfte bairiföe gabnlefce«, 
ba« Se<bt auf Sprung be« bairiföen $auptbanner« tm gelbe, auf« 
fünbete. S5ocb foll notb in ber ©cblacbt bei ©tengen ein $err oon 
Äammer ba« bairiföe ©anner al« ©ertrcter eine« bamal« no<b |u jugenb» 
lieben ©rafen oon Drtenburg getragen baben. SBä&renb Mapoto IV. 
lebte, ftarb mit Ultid? in. 1269 bie ortenburgiföe Sinie au«, 
mel<be ba« ©erjogtum fi&rnten inne fcatte, aber weber ba« gr&fli<be 
£au8 in ©aiern no<b jene« in fi&rnten erboben @rban|prü<be. Sie 
gr&flicfce Sinie in Äärnten erlofö mit beut ©rafen giiebritf 1420 
ober 1421; ibre ©efifcungen fielen an bie ©rafen von Gitli unb 
nacb beren 3lu«fierben 1456 an Cfterreig. 8on SRapoto« Gönnen 
$einrt<b III. unb Älram I. pflanze ber (entere ben Stamm fort. 
Seffen 6obn ^einrieb V. mar oermäfclt mit Slgne«, Zoster be« 
©rafen »Iram oon £al«, weld&e fc&on nacb bem Xobe ibre« Sater« 
gegen ben ©rafen Seopolb oon £al« (Srbanfprficbe erbob, nacb be« 
festeren 2obe 1375 *) aber ba« ganje (grbe beanfprugte. ©egen 
fte machte au$ ßahbgraf Sobann oon Seu^tenberg 9Infprü<be geltenb 
unb wiewofcl biefelben nur barauf gegrfinbet waren, bafi ber ©er- 
worbene ein 6ofcn feiner €d&wcfter war, erwtrlte er oom Äaifer 
bie ©elefcnung mit ber ©rafföaft $al«. ©raf §einri<b unb Slgne« 
fudfrten bagegen Unterftüfrung bei £erjog griebritb oon Sanb«but 
unb oerfpragen bemfelben 1379 bie $dlfte ber ©efi&ungen, wel<$e 
bem Sanbgrafen abgenommen würben, ©alb (1379, SRoooember 30. 
unb Sejember 12.) (am e« jeboeb §u einem gütigen ©ergleid&e. 
£eu<btenberg fiberlieb bem ©rafen Einrieb Seon«berg, $aumgarten, 
2$ann, $arba<b, ©anlofen an ber ©ina unb ben $of ju Laming, 
wogegen biefer auf bie übrige ©erlaffenfc&aft oer§i<btete (B. B. 
X, 33. 44. 45). Der neue ©üterjuwadji« würbe jebodfr balb, 
wo&l infolge oon ©elbnot, wieber oeröu&ert: 1385 oerlaufte $einri<b 
©anfofen, ^aumgarten u. a. an bie £er*oge 6tepban, griebrieb 
unb Sobann oon ©aiern, ba« 3abr barauf feine ©öbne Sllram, 
©eorg unb djelin an biefelben gürften bie ©rafföaft Seon«berg unb 
bie SRörlte 2$ann unb SKarltl am 3nn. ©raf Sllram in., Sofa 
$einri<b« V., nannte ftc$ and) ©taf oon $orf ba<b (©. K. $affau) 
nacb einer oon feiner ©emablin ©arbara oon Stotau ibm jugebrad&ten 
©ejtyung. Sllram« ©rüber, bie ibn überlebten (©eorg ju 5Rcu- 
Ortenburg unb (Sjelin ober £fcel ju Ält-Ortenburg) lonnten fi<b bem 
Srude ber bairiföen £erjoge nid&t entwinben unb mußten 1391 

1) 3n biefem Sabre lagen $einri(b nnb Sttram aueb in gebbe mit 
ftegeneburg; togt. u. a. B. B. IX, 335. 



Grafen 



ein enge« SJünbni« mit benfelben föliefcen, mußten geloben $ne* 
mit aQen i&ren @<$löf[ern ju bienen, friebli<$ im Sanbe |* fta 
unb nur ua$ Rat bet $er§oge fi<$ in Serben emjulaffei». 3«* 
würfniffe stoifäen (Sjetin unb bem 2anb«$uter $eqoge ^riebridfr Rottes 
btei Sa^te fpftter gut golge, bafc bet (Braf neuerbing« oetfprttbeu 
mufcte mit feiner Storg unb $errf$aft bei 9Keberbaiern }a Weibern 
unb feinem anbern $errn ft<$ ansu Wieden. Gfrel wirb 1407 all 
pfleget be« Straubing« Sanbe« genannt (6. 671). (Beorg erfreut 
1403 al« Pfleger be« Straubmger $er§og« ju Sanbau, mufcte 
jebo<& 1404 bem #erjoge #emri<$ oon £anb«$ut geloben tn allen 
perfönlüfcen Angelegenheiten oor ben Mdten bei $erjog* unb in 
©treitigleiten über (Brunb unb ©oben oor beffen SanbgerU&ten 
ju nehmen. §m folgenben Qafcre !am e« fo weit, bafc £erjog 
Oeinrig Jleu-Ortenburg unb ade Sanbe ®eorg« befehle unb bem 
(Brafen jroatig i$m bieg alle« urfunbli<$ einjurdumen. ©ergeben« 
fu<$te fwfc (Beorg au« biefen Jcffeln gu befreien: 1408 unb mteber 
1409 erfd&eint er in be« #erjog« (Befangenföaft, mufc neuerbtng* 
allen gelben entfagen unb nur oor bem gürflen unb beffen 9f 
rieten Stecht ju fu<$en geloben. Huf ber anbern Seite fab W& (Braf 
(Sjelin vom SMföofe (Seorg oon ?affau, ber ifyn bie Pflege Obern- 
berg übertragen batte, bebrdngt; berfelbe enttodte $m fogar 1418 
eine 8erf<$retbung, toonadfr er 6#lo& unb #errf<baft Ottenburg oon 
$m su fielen na&m (E. B. HC, 301). 

(Sine Softer Alram« III., Amalie, begleitete al« $offrftutem 
(Hifabetb oon Saiern an ben franjöjifcjen fl6nig«$of/ oermtylte fufc 
bort mit einem SWarqui« oon Stög«, na$ beffen 5£obe aber mit 
3obft oon Abensberg. Au4 ßfcel« ©o&n ßjclin IL ging an ben 
£of ju $ari«, too er al« Ädmmerer in ben Sienft be« flbntg« trat 
unb mit einem bairif$en $offrdulein ber Königin, Sigonie oon 9to§i* 
ba$, f«b oermft&lte. 1419 aber finben mir t&n al« pfleget an 
SHenfte #erjog Sodann« oon Straubing, 1442 al« Pfleger §erjog 
Albre<$t« m. su ©eggenborf. 9ta<$ feiner SRüdtebr au« Skiern 
fcatte er, n>a$rf<beinli(b oon feinen franjöjiftben (5rfparotffen, ben 
Sanbgrafen oon Seu<fctenberg einige §errf<$aften abgelauft, 1416 
(Ingelsberg im (Berid&t $enger«berg (um 3300 nngarif<&e (Mb« 
gulben), 1417 Sernpein unb Manfel«, biefe beiben auf fe$«jdbri0e 
SBieberlofung. AI« jebo<& na<$ Ablauf biefer Stift bie Seufzten- 
berger bie Seftfcungen jurüdoerlangten, wiewohl fte bie $fanbfu»me 
$u erlegen nid&t im Stanbe waren, bra$ ein (eftiger Streit au«, 
ber fub lange 3abre binjog. 1436 mißlang bem Sanbgrafen So- 
dann ein ^anbftreitb, burtb ben er ft<b in ben Sefty oon 9tanfel« }« 
bringen fugte, uub jtoei Sa^re fpdter entdubertc d|el ber betben 
beftrtttenen ^errf^aften bürg Serlauf an $erjog ^einrig. SHefer 



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tum Ottenburg. 



©raf ^intetttel nur eine mit $einri$ iRothaft ju Starnberg oer» 
mfthlte Softer Margarete. Sftot&aft erhob <5rbanfprfi<he gegenüber 
ben ©rufen Heinrich VII. unb beffen Setter SHram IV., mufcte 
jeboch 1448 feinen Serjid&t erll&ren. SBieber eine Sinie be* 
£aufe* erlofch mit 2Ubre<$t IV., beffen Softer Seronita ihrem 
©emahl SBolfgang oon SBalbfee anfehnlid&e #au*gfiter al* SKitgift 

(Sin burch Xapferleit unb Äörperftärfe ^eroorragcnber Stüter, ein 
gefeierter Xurnierhelb mar be* ©rafen #einri<h VII. jmeiter ©ohn 
©ebajlian I. 6r heiratete eine reiche (Srbin, SDtarie t)on Storbach, beren 
Sater, Ä&mmerer unb {Rat Äaifer griebrich* in., oon biefem um 
36 000 ungariföe Stolaten einen 6(terrei<htf<hen Sefifc in Satern, 
bie #errf<haft Jleuburg am 3nn mit ben @<hlöf[em Jteuburg, Sern- 
ftein, grauenhau*, Weuenfel* erlauft $atte unb oom Äaifer in ben 
erblichen gretherrenftanb, 1463 aber in ben ©rafenftanb erhoben 
mürbe. 511* ber Sater jtarb, beanfpru<hte ber Äaifer Jleuburg al* 
(eingefallen, liefe bie Surg plöfclich bur$ flrieg*ooR befefcen unb bie 
eben bort meilenbe SBitme mie Zoster be* Orafen jut £aft fefcen. 
®raf 6ebaftian aber oergalt bem Äaifer mit gleid&er Stft unb (Be- 
malt, braute Keuburg bur$ Überrumplung in feinen Sejty unb 
oerteibigte e* erfolgreich gegen eine förmliche Selagerung ber faifer- 
l«hen Xruppen. Unter Sermittlung £. Submig* be* Meißen mürbe 
ber $anbel bann gütlich beigelegt unb ©ebaftian fteDte 1473 bie 
©raffdjaft Weuburg Jbem Äaifer jurfidt. Ob unb mie er bafür ent- 
fd&Äbigt mürbe, ift nicht belannt. 3n feinen testen 8eben*jahren mar 
©ebaftian #erjog ©eorg* Sifctum unb Statthalter ju 8anb*hut. @r 
ftarb 1495 mit #tnterlaffung oon fteben ©öhnen unb jmei Zbfy 
tern. 3" bcm Wteften biefer ©öhne namen* SBolfgang haben mir 
bereit* einen ber oertrauteften 9Wte #er§og ®eorg*, 8eugen unb 
Sieglet feine* Seftamente*, nach ©eorg* Xobe fobann SKitglieb ber 
oon ben Sanbft&nben eingelegten SRegentfd&aft fennen gelernt. Salb 
erll&rte ftcfc SBolfgang offen für ben rechtmäßigen @rben, Wibrecht IV., 
fd&lofr mit bemfelben einen Sertrag auf breij&hrige #ilfeleiftung unb 
machte fi<h anheifd&ig ihm auf eigene Äoften 20 Leiter unb 96gu&- 
gftnger jujuführen. 9lm 9. 3uni 1504 rüdte er an ber ©pifce 
oon 200 gufefnechten unb 80 Leitern au* ©chftrbtng au*, um fich 
Wibrecht anjufchliejjen. $m ßrieg mürben feine Sanbe h ar * mit* 
genommen, ber SKarft Ortenburg unb bie Surg Ält-Ortenburg gingen 
in glammen auf. 3n bie lefctere brang eine* Sage* pfftljifd&e* 
firieg*ooK unter ber Rührung Sorer* unb SBillS, nachbem e* burch 
rote ßreuje auf ber Sruft, ba* Sbjeichen ber Sairifchen, bie SB&rter 
getäufd&t hatte unb al* SBolfgang* Gruppen jum Schufte herbeieilten, 
mar ba* $lünberung*« unb 3»ft5rung*mer! bereit* ooUenbet, eine 




968 



Grafen 



ber trielen traurigen (gpifoben be* Krieg*, mdfit 8bt Stemplet ow 
Jotmba* au8fu$tlid& geföilbert &at (Oefele I, 125). 

3u Cnbe bc8 13. unb Beginn be3 14. 3a&r&unbertt übet- 
fragte in Kieberbaiern alle ÄbeUfamilien bur$ SRaiftt unb fteutymn 
ein alted, aber in (einet grftflujen SBürbe junge« (Befölegt, bie 0raf en 
non $aU. 3<|te Stynen finb bie Sblen oon (Ibarabe, beten 
Stammburg ni<$t in S&ara im bairiföen SBalbe, fonbem mabt- 
fd&emK<b in bet fpftter 3leu*£)rtenburg genannten SBnrg im ftottbale 
|u f u$en ift ; an einem Dörf lein in beten K&fce fct ft<b bet Kam 
Kamm ermatten x ). SRagettn nnb Blram waren bie beüebtefte« 
Kamen in bet gamilie. 3fcte 9Ra$t beruhte $nm groben Zeil anf 
tinjlufcen Bogteten, bie fte inÄbcfonbere übet bie AUfter 8*6a4# 
Ofter&ofen, Älber*ba<$ unb bie bambergtfdfcen ©fiter in bet Äottbalet 
©egenb übten. (Segen Gnbe be* 12. Sa&rfombert* lebten bm Srft- 
bet, Btram »on Sfcambe, nmbrfd&cinlttb tbentifö mit Xlram oon 
Uttenborf; SBald&un, bet fkb aud& non {Rotenberg 
f<bein!i<$ unweit Mottenbergbam bei ®rie*ba<$) nannte; unb Ulbert I. 9 
bet ©tammoater ber (Brafcn txm $al*. Die 8urg $aU liegt anf 
jd&roffera gelfenlamm an bet 3I3 na$e bei $affau. Dort (aifte ein 
alted 5rei$errengef<ble<bt, ba$ ftcb im 12. 3afy$unbert au<b na$ bet 
®urg SJJalfenj bei Gfferbing nennt unb »on bem mehrere (Bliebet 
in ben ftreutfügen auftreten. (Sin Rittet »on $al* fiel auf bem 
Äreujjuge griebri<b Rotbarts in Bulgarien unb »tefleigt infolge biefef 
SobeSfall*, jebenfaflS um biefe 3«* tom bie ßerrttaft $att bnnb 
eine (Srbtckbter Stutgarb an Hlbert I., grei&errn »on fcbambe, beffiea 
66&ne fkb bann nut mebt »on $al* nannten, Gin önfal Wbertf L, 
6ofcn Blraraö, mar Ulbert III., ber bureb brei Sfren mit Otafen* 
t&btern Unfein unb SRagt feine« $aufe* bob. SHfyrenb et ferne« 
fianbeS&errn, ^einrieb »on 9lieberbaiem nkfct immer bet eifrige 
Dienet, juweilen au<b bet felbfibewufcte, feinblufte 9ta$bat mar, 
leiflete er, tapfer unb tü$tig, bem Könige Subolf I. im Kriege nie 
in Politiken @ef<b&ften fo wertvolle Dienfle, bafr iftn bet Jttög 
Won 1276 bur<$ Serleibung ber öfterreübif^en 8e$en, mel<be bie 
©rafen SDteht^arb unb ©ebfcrb oon Stotfcned unb $etnri<b bm 
$orba<$ innegebabt Ratten (Urf. im 91. 9.), bann aber 1280 burdfr 
eine du^erft feiten geworbene 6&re, bie Grfcbung in ben ©rafenftanfc, 
au8jei(bnete *). Der neue (Braf, ber au$ bie Stürbe eine* Star» 
ftaH* in Saiern belleibete, ftarb 1305. Unter ben 200 eignen 

1) P. 8nitj>olb ©rnnner, Die Orafen ton $atf. Programm 
ton @t. ©tepban in lugObnrg 1857. 

2) Hermanni Altah. contin., Scr. XVII, 411, ju 1280. Da* 
neben tann tanm in ©etradbt tommen, ba& Stentin bie <Srb^b nn fl ^f 
ben «ugOburger »eicb«tag ton 1285 wiegt 



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toon ©Ol«. 



beS bamföen ÄbelS, bie 1300 in SanbSfeut mit ben jungen ©er- 
logen Otto unb 6tepfean $u Gittern geflogen würben, werben jeine 
6öfene Ulbert unb Älram an erfler ©teile genannt. Unter biefen 
errei<fete bie SRaifet beS ©aufeS iferen ©öfeepunlt, bet jebckfe nntet 
benfelben aucfe ftfeon Übertritten warb. Ulbert II., ber fkfe mit 
Äbelfeeib mm Soflem oerm&felte *), begleitete feinen ©erjog Otto na$ 
Ungarn, wo ifen ber Jtationalfeafc ber eingeborenen nkfet lange bul- 
bete. JUS grember oertrieben, rief er bodb in ben SBirren na$ 
Otto« Zobe grembe ins eigene Sanb; freiliefe waren feabSburgifcfee 
S^mpatfeieen nid&tS unnatürliches bei einem ©aufe, baS feine grftf- 
Hcfee SBürbe bem erften feabSburgif<feen Könige »erbanlte. Sie grftf» 
tieften SBrüber von $alS ftanben an ber ©pifce ber öfterreufeifö 
gefinnten BbelSpartri unb beibe büßten ifere übelberatene $olitif bur$ 
ifere ©efangennafeme bei ©ammetsborf. Sber im SHenfte beS gürften, 
in befien £aft fie bamalS gerieten, im S)ienfte SubwigS beS SBaiern 
ging fpftter 2übert als ©efanbter natfe Äoignon, wo ifen 1334 bet 
tob ereilte *). 3fe* SerfeftltniS jum nieberbairifefeen SanbeSfeerrn war 
ebenfo wie baS ifereS SaterS juweilen ein gefpannteS ober offen 
feinblufeeS. 1319 erwarben fie, gur Wülfte burife fiauf, jur $ftlfte 
buufe feerjoglicfee SSergabung, bie $errf(feaft Seonberg. gortbauernbc 
gefeben unb ßriege aber ftürjten bie ©rafen in fernere 6<feulbcn unb 
auefe Ulberts Sofen Sofeann unb Snfel Seopolb »ermotfeten fi<b niefet 
mefer bauernb aufouftferoingen. 9llS ber Ieftte beS ©ef(fele<fete$ ftarb 
Seopolb 1375 in SBien unb warb in Ofterfeofen mit €<bilb unb 
$elm begraben (Andr. Batisp., Pez, Thee. IV, c, 584). Über 
baS örbe entfd&ieb bie ©unft Äaifer ÄarlS, ber notfe 1375 ben Sanb- 
grafen Sofeann I. oon 8eu<fetenberg mit ber ©rafftfeaft £a(S belcfente, 
wiewofel Rcb beffen Änfprfi<fee nur barauf grünbeten, bafc feine 
©ifewefter Stargarete beS ©rafen Seopolb SWutter war. 3m folgenben 
Safere erfeob Pari feine SH&rtte ©als ju güfcen ber Stammburg unb 
OfUrfeofen $u Stdbten (R. B. IX, 347). «nbere Seile beS feat- 
ftfdfeen (SrbeS erwarb Sanbgraf Sofeann burefe Äauf, ni(fet ofene be- 
ft&nbigen ftampf mit bem ©rafen $einri<fe t>on Ortenburg. 6<feon 
er fafe ftefe gezwungen bie neuen Erwerbungen größtenteils gu per- 
if&nben, einer feiner Matfetommen aber, Sanbgraf Subwig, mußte 1486 
bie gange, übrigens fefer engbegrenjte ©raffefeaft ©als än SBilfeelm 
unb 3ofeann oon SufebeTg verlaufen. $ur<fe S^feannS oon Äufeberg 
Zoster SJlargarcte lam bie ©raffefeaft an 3ofeann oon 3)egenberg, 

1) ©egen bie no* bei ©fiutte, ©itt. ©eu., 103, angenommene <8fee 
IttbretftS mit ber JWnigin «gne«, ffiitwe Ottos III. *ou ^icbctbaittu 
»gt ©runuer, 38, 9nm. 7. 

2) Ann. Matseens., Script. IX, 828. «Iber» ©ruber «Iram ftarb 
na^ berfelben Duelle 1331 in SWün(feen. 



«70 



5trf$CTtttt 



von n>et$em ftc 1517 tue $erjoge SBilbelm IV. nnb Subnxa, 
«atem um 6500 Gulben erfauften 1 ). 

ttug ba3 altberüfcmte $au* ber greiberren von Abens- 
berg fianb fortmabrenb in ben engjten Sejie&ungen unb in mannig* 
fad&er Sbftangigbit oon ben bahriftben #erjogen. 3>te ÄewbSunmittei- 
iarfeit ibrer $crtf<baft warb jebodb nie bestritten , Sebentbriefe übet 
biefelbe baben ft$ von ben Äaifem 6igmunb (1434)*) nnb fjrieb- 
rt<b III. erhalten. S)ie gamilie befal ©ogteien übet bie Ätöffrr 
HMf)t, 6<bambaupten, $ftring, über ©eftyungen von 6t. Gntmenm 
unb be3 Samberger Dom«. Übet t^rc Älofterftiftimgen f. oben 6. 825 f. 
Um 1259 !am e* gu einer Teilung ber fianbe, ttlrid) übernahm 
HbenSberg, fein ©ruber Otto Stein (tUtmannftein). 9ta4 bm 
ttuSfterben ber oon Otto begrünbeten Sinte ber Herren von €tetn 
unter flaifer Subnrig fiel Ultmannftein 3unä<bfl an ben Jtaifer, ge- 
langte jebod) 1374 burd) flauf an ben ÄbenÄberger jurüdf. Ulrub HL 
war ein eifriger Slnb&nger fiaifer Subnrig«, ber tym bur<b SerletyttBg 
von SKat!tr«bten für Effing (1336) unb Sobr (1347) lohnte. 
2)ie Sb&angigfeit oon SBtttelSbad) trat fölagenb IjetDor, at* fab 
Ulrid) 1348 non Subnrig bem ©ranbenburger unb Stephan II., nufct 

1) 3n Urfunbeu *on 1296 unb 1297 wirb Graf Utri* tos 

iürfteneef, ©rfaber GfjrijtianO *on Urllugetyerd), genannt (M. B. 
IlXb, 588. 590; U..©. be* Sanbe* ob ber ton« IV, 244). 1300 
nennt ©tföof ©ernbarb *on $affan benfeCben: „U. *. Urttug«j>ertg, ber 
ttnfer Graf gewefen ift ja gfirfteuedV Ute 3euge b*$t er 
trofcbem in berfelben Urtunbe: $err U. ton Urfingtyerig, ber Oral tmt 
gürftened (M. B. XXX b, 3) unb nod) 1303 tttrb er urtnnblUb ebenfo 
*ejet<bnet (U.*©. be* 2anbe« ob ber Gnn« IV, 443 f.). 2>at lefcte 3eng- 
uit für ben Grafentttel in tiefem $aufe ift ton 1306: fcerr (Sbnßiaa 
Graf ton gürflened 1 (M. B. XXX b, 31). Ober bie retybegütertea, Mi 
1255 bie in bie erfien 3abre be« 15. Saftbunbert* in Urtunbea na$- 
u>ei$baren Herren Don UrliugGberg (b. b« ÄriegSberg; n>abrf(bein(uber bai 
beutige SrleinOberg bei 5R3brenba<b al* eine« ber ober5perret<bif<bot Ur- 
UinOberg, Urlagberg) b^nbett (Erbarb in ben ©erbanblungen bei b$o& 
©ereing f. SRieberbaiern X, 319 f. €><blo(s gürflene<l liegt an ber Grim* 
be* J>afjauif<ben Gebiete« gegen ©aiern, im heutigen ©.•«. ©olffleiiL 
URan »irb in biefen Grafen ttoty ni<bt« anbere* ju fu<ben b*ben alt 
btf<b2flt<b ^affauifdje ©urggrafen auf gürfteneä. fc. ©or<b, ber bie nr- 
fnnblicben 3eugniffe gefammelt bat (©eitrige jur tt«btfgeW«bte bef 
Mittelalter«, 1881, 3. 81 f.), nimmt an, bag Ulri« to. U. e<blofi gftrftaed 
mit b<>b« nnb nieberer <9eri(bt9barteit Dom ©odjpift ^affau }U ?eb« 
empfangen babe unb bag auO biefem 9runbe bie ©efifter Grafen genaust 
toerben. 

2) R. B. XIII, 303. ©gl ännb, ©tammenbu*; gretpberg IIL 
85 f. 121 f.; «beut in passim, bef. III, 519 f. (in ber alteren Genealogie 
fabelbaft); eiblagintttett, ©ift. ftotijen über b. Qt\dflt$t ber Grafen 
t>. «. (©erb. b. bift- ©«• f- Wieberbavern IV, 1—32); fcollinger snb 
Ctart, Die Grafen unb 9teid)*berren )u «bengberg (a. a. O., XIV, 
nnb U.-©. jur Gefd). b. @tabt «bengberg, ebb. XII u. XIII). 



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toon «benGberg. 



»71 



von Äaifer flarl IV., bie h*>h« ®ericbt«batfeit in 8ben«berg, bie 8t- 
laubni* bort einen SDtarlt gu ^aben unb benfelben mit Stauern unb 
©rftben gu fchüfcen erteilen liefe. Ulrich war bann einet bet Sot- 
münbet #etjog TOetnhatb* unb ftanb an bet ©pifce be* Äbel*bunbe«, 
bet ben jugenbfichen gürfien lenlte. SWit #erjog Stephan war et 
Won 1357 in gfe^be geraten. Ulrich* Söhne Sübrecht unb 3°* 
hann II., beten Streit übet ba« ßrbe bie #erjoge Stephan unb 
griebrich unb $abemar von gäbet 1384 fd&Kd&teten (B. B. X, 130), 
loutben beibe SKfctume in Dberbaiern, bet leitete 1394 — 1397 ein 
rühriger Sürgermrifter von SRegen*burg, wo ein btittet Sruber, 
Siettich, 1381—1383 al« Sifd&of gewaltet ^atte. Sie Sage be« 
aben«betgifchen ©ebiete* blatte eS mit fieb, bafc biefe fetten mit 
allen baitiföen Sinien enge Schiebungen unterhielten unb al« Srfr- 
turne, JRdte obet pfleget fomohl in Sienfte bet Sttaubinget al« bet 
SWfinchnet unb 2anb«hutet #etjoge traten. $)o<& fehlte e« auch nicht 
an Reibungen mit ben #etjogen. öin Sm\% in ben Sodann m., 
Rat fietjog Sodann* uon SWüncben, mit ©tephan III. geraten mar 
(1394), enbete bamit, bafe fein Sohn 3obft fieb oerpflichten mufcte 
Stefan jwei Sa^te lang mit feinen geften SRanbect, Slltmannftein 
unb 3R&t(6ing ju bienen. SBiebet gerieten 3obft unb 3ötg in gehbe 
mit ben SBüncbnct $etjogen Stnft unb SBilhelm; 3objt mujjte biefen 
1408 bie Sefteuetung bet in ben lanbe«fütft lieben Berichten ftyenben 
aben«betgif<hen Seute gefaxten, wenn et auch ben Borhalt butcbfefcte, 
bie« gefchehe nut von Sitte, nicht von Rechts wegen. (5tn etnjte« 
3etwütfni« entftanb, al« (Stuft unb SBilhelm 1424 von Sobft bie 
SOfung von SRiebenburg begehrten, ba« bie 2lben«berger feit geraumer 
3ett von ben SDtfinchner #erjogen al« $fanb befajjen. Sie Steigerung 
ber $fanbinhaber veranlagte bie SWünchner $ergoge mit Heinrich tum 
2anb«hut ein Sünbni« gegen biefelben unb jur SBiebergewinnung von 
Wiebenburg unb Ältmannftein §u fchlie&en. SBegen SRiebenburg fam 
e« jmar balb (13. 2Rai 1424) ju einem gütlichen Sergleich, wonach 
bie ^erjoge 7838 ft. jur SBieberlbfung biefer unb einiget anberer 
Surgen ju Rahlen hatten. S&nget 30g ftch bet Streit um Hitmann- 
ftetn hin, bie Bnfprftche, bie auch 0 CT i°Ö Subwig barauf erhob, 
würben 1432 burch Urteil beö #irfchberger fembgerichte« abgewiefen. 
Sie Sogtei über Älofter SRohr, beren fich roa^renb biefe» 3roifte« 
fierjog Heinrich bemächtigt hatte, mujjte laut Spruches be« flaifer« 
6igmunb an Sobfts Sohn Sohann in. jurücfgefteHt werben. Hl* 
jeboch Johann bem 9laubritterunwefen Sorfchub teiftete, trat ihm 
$"3<>9 ^einrieb mit befferem fechte gegenüber unb jwang ihn bie 
vom Stegreif lebenben SRttter au« feinem ÜDienfte ober 6<$u$e §u 
entlaffen. Ser tum ©einrieb angefünbigte Ätteg wutbe butch bie 
Sermittlung be« ^topfte« pon Wöhr abgewenbet, bagegen rächten ftch 



972 



greisem« oon ÄbenGberg. 



bie SRfttnbetgct an Sobaitn but<b $lfinbetung mb 9tiebetbten«aag 
«ferner Ortföaften. SU« berfelbe Sofcann 1467 oon bem Stnb- 
tage 9Ubre<bt« HL unter bem Sonoanbe, et nriffe ntyt, ob et }«r 
oberen ober nieteten 2anbf<baft gebäre, wegblieb, etinnette $n bet 
$et§og batan, bafr feine Botbetn oon alter«ber ftet« |ur oberes 
(JRfin$net) Sanbftbaft gebbtten. (fltenuer I, 264 fob.) Sc« 
$er|ogen 3°fc nn unb Stgmunb gemattete Sodann HL, bet aU 9t*t 
in intern Dienfte mar, 1462 mieberum „von Sitte, nuftt oon Stafcti 
wegen* bte Besteuerung fetner in ben (et}0glt4en (Berieten ft#enbe* 
Seute «nb bur<b Bertrag mit SObretbt IV. mürbe 1468 bte (Begenfettig» 
leit btefdO BefteuerungSrecbte« eingefftbrt Bon Stöa«, bem Ie|ten 
feine« Stamme« (f 28. gebr. i486), nnb bem «nfaO KbeuOfcrg« 
an ba« $er}Ogtum fcaben mir bereit« berietet (oben 6. 493 f.)« 
Hitta« fctte oom «atbinal Kifolau« oon Sufa 1441 bk taufe nnb 
ben ungembbnluben Kamen empfangen. Den }u rteftger (Stöbe auf- 
gemacbfenen Sreiberrn, ber gleubfeitig tn fUbreibt« IV. nnb Submtg* 
be« Stetten Dienjten ftanb, brauten JlrgerlUbe Stlebniffe in« Strebe: 
1461 oetfanbte Benigna oon Studberg, bte (Bemablin $etnrub« oon 
Xanborf an tyre batrifdfcen Stanbatgenoffeu ein 6<breiben, rnorm fie 
ibn be« Staube« oon ftteinoben au« ibrem Stoffe beftbulbtgte; «nf 
bem Briefe fafc man einen (Balgen abge&Ubet, an bem ein SRasa 
an ben gäben (big, neben $m umgeftütjt ba« aben«bergtf<be Sappe« 
mit SfeUobren. Sifla« reinigte ftcb oor 9eri<$t bunft einen Gib oo« 
biefer Beföulbigung. Einige 3a$re fpfttet forberte $n $an« oo« 
Degenberg gum 3»eitampf, »eil er ein feiner Gibmeftet SRargtrele 
gegebene« 6&eoerfpree$en gebrocben fpbt. Der ftampf warb btn$ 
irgerli<be Streitigletten Aber bte ©äffen oereitelt; ba« Urteil, ba« bie 
^erjoge Submig unb Sigmunb mit ibten Steten 1465 in tiefem 
Iangmierigen Streite f&Oten (grepberg m, 85 — 120), $ ei« 
fftrmlube« Bug unb muft merhofirbige« &<&t auf bie Zuratet» 
gepflogenbetten be« 3eitalter«. Die Brüten oon Abensberg oerbantten 
ftiKa« eine grobartige Stiftung, traft beren ffir fte j&brlüb 28 (ober 
82?) SWnber gefcblagtet unb fo oiel Stob gebaden mürbe, aU fir 
ben Seben«untetfiatt oon etma 56 9Renf<ben im 3abr fyntetebte. Sie 
fein (Segnet, £erjog ß^tiflopb, bat aueb 9tifla« $aUfKna befnftt. 
(»bbtitbt, $«getteifen [1889], 6. 217.) 

Die Sutten oon £aag, bie fub im 12. Safrbunbert au4 
na<b bem $aag bena<bbarten ftttcbbotf nannten, waren SRiniftertalen 
ber #er|Oge, {((einen aber bte $errf<baft $aag, bie oor ibnen einem 
Alteren Jrei^enengef (bleute oon $aag gehörte, a(« freie« ©igen be- 
feffen ju fytben. (Barre bebeutet ein f<ble<bte« $fetb; ein Hob jetgt 
benn au<b ba« Sappen ber #errf<baft $aag nnb tbrer Beft|er. 
9la<b bem &u«fterben ber (Burren (jmif*en 1230 unb 1245) fief 



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Steifem» oon groneuberg ju $aag. 978 



bie $errf<ftaft alt erbe an Giegftieb oon grauenberg — Me 
alten 6tammftfcc biefet (Befriedetes waten Ältfrauenberg bei ffrbing 
unb eine SJutg auf bem grauenberge bei $aag l ) — , wahrf<hetnli<h 
ben 6ol)n einet 6<hwefiet Äontabt HI. oon #aag. tttt nun bet 
le|te ©raf oon SBaffetbutg, |u beffen (Braffäaft $aag oothet ge» 
hötte, geltet unb octttteben würbe, oetlieh Äaifet griebrich IL 1246, 
wtyrenb bet größere Zeil feinet ®taff<haft oon #erjog Otto occupiett 
würbe, biefem grauenberget unb beffen 9lachfommen bie gräfliche 
Amtsgewalt im nörblichen Zeile bet ®taff<haft, in feinet gettföafl 
$aag*) unb f$uf ober oietmeht erstell fo getabe $u bet Seit, ba 
bie Orafengewalt ber #et|oge ringsum bie größten gorifcbtitte machte, 
ein Keines egemtet ©ebiet im gerjogttertitotium. Die ÖeRftet biefet 
©raffchaft führten jeboch in bet golge nicht ben ©rafentttel, wie biet 
auch bei anbeten oortoimnt, beten Hmttgebiet nicht einem ganzen 
alten ©au entfprach« 9tu<b blieben bie grauenberget oon $aag in 
ihrem altgewohnten DienftoethÄltniffe |u ben #etjogen, mehrere bet- 
felben waten h«tjoglube SBeamte, SWte, pfleget obet Äidbter. (Sine 
(Stweitetung ibrer Siebte erfuhren fte 1324 , alt Äaifer Subwig 
intern SRarfte $aag bie $retyeiten bet ©tabt ©afferburg oerlieh. 
(E. B. VI, 146.) SHtyelm bet grauenberget erhielt 1385 oon 
ftönig SBenjel bie Verwaltung bet Sanboogteien Ober- unb Stiebet* 
febwaben. G&riftian oon grauenberg fiel 1396 im flampf gegen 
bie Xürten. SSon laiferli^en fiehentbriefen übet bie ©raffchaft iß 
bithet erft einet oon 1434 belannt geworben , ben Ä. Gigmunb 
füt 36tg ben gtauenberger autftedte. ©ine Sebrohung bet haagifeben 
£oheittre<hte oon Seite bet battifefcn $etgoge aber ift juetft untet 
Sllbrecht IV. naebgewiefen; gegen biefen unb $er|og Sigmunb nahm 
Äaifcr griebrich 1466 bie grauenbetget in 6<hu|, inbem et ihnen 
}uglei<h befahl ir>re ©raffchaft bei allen ihren Stedten unb ffiürben 
gu erhalten. Dat 3<*h* oothet hatte bet Äaifet fte nnb ihre flach- 
fommen $u 9teicb*ftetberren erhoben unb ihnen ein $rioileg erteilt, 
auf weites bamal« SBert gelegt würbe : mit totem SBa<h* §u Pegeln. 

1) fco gel, Die ©tammburg ber grauenberger unb ihre $antbom8ne; 
Oberbaar. «rebi* IX, 202. 

2) M. B. XXX a, 294. greibett o. »oreb, Die Hecbt«t>erb*ttntf[e 
ber ©eflfcer ber ©raffchaft $aag bit jur (Srlongung ber tteicbtßanbfcbaft 
(1884), ^t manche« guerft ttargeftellt, aber ben jweifellofen 3ufammeu- 
hang ber faiferlicben Verleihung ton 1245 mit bem estnrje bet ©affer- 
bnrgert überfeheu. Dag ba* altbeutfae ©nrre ben Gurren ton $aag 
ben Warnen gab, bqweifelt o. ©oreb (€5. 8) wegen bet ©eebfett bet 
©ebreibweifen Gurre unb Curre. Die lefctere gorm ift aber nnr in bet 
Neigung bet bairifchen Dialette« begrünbet bie Sfafangttonfonanten |u 
terbfaten, fowie auch bie oielen ton Ger (Speer) abgeleiteten Warnen im 
©airifeben meift Eer — tauten. 



974 



graucnberger ju $aag. Degeuberger. 



Xro$ biefe* taiferli<5en SRfidbalteS aber fanben e3 Solfgang unb 
Sofcann von grauenberg geraten bie ©unfl be* übermächtigen 9Raä> 
baw mit Opfern §u erlaufen: fte oerföbnten ftcb 1469 mit $er|*g 
8Ubre<bt, fteüten ihre ©rafföaft unter feinen 6<hu|, räumten ib« 
baS CffnungSreibt auf ihrem ©d&loffe $aag ein unb SBolfgang würbe 
be* £er|og$ Stat unb Liener. 1471 aber erlannten bte betben 
grauenberger #erjog Submig oon 93atenf8anb$hut als ihren £anbe* 
fftrften an; oon bem ihm gewahrten Cffnung3re<hte erttarte btefer 
nur auf feine Aoften ®ebrau<b machen ju toollen. Der flaifer ge» 
nehmigte Mefe Umgeftaltungen, ff meil biefelben ju merttuhem grummen 
unb Stuf ber ^errfd^aft £aag gefd)ehen feien." 

Diefe eigentümlich oermidelten 9te<htSoerbaltniffe, bab bte <Braf» 
fchaft oom SReube le^enbar, $r iBeftyer aber tjetjogUcbet Diener unb 
ber Oberherr bed fianbe* ber £anb*huttr $er}og mar, blieben a*4 
befielen, al* 1477 ©igmunb oon grauenberg, eht Setter ber legten 
Sejtyer unb Sohn be* $anS oon grauenberg §u $runn, ^etfog 
Subnrig* Rat unb Weger, fpftter 3Rarf<haU unb £ofri$ter, bte £en» 
f<haft übernahm unb trofc ber oon einem ©eitenoermanbten erhobenen, 
oon Äaifer grtebritb unterfltyten ©egenanfprütbe behauptete. fbub 
©igmunb erbielt no<b (1478 unb 1494) »ei(b«lehett*briefe über bte 
©raffcbaft, in beten festerem auch bie latferltt&e greiung, ba* alte 
Äfelreiht, ermahnt wirb, ©igmunb mar einer ber ©efanbten, metifte 
bie $et§oge 8lbre<ht unb Submig 1478 naa) ben flieberianben 
fcbidten, um über ihre Sudeten auf bie oerlorenen $rooinjen jtatb» 
f<haft einziehen. Die SSefettigung ber bairif<ben Dberherrlublett, bte 
Äaifer grtebrub mohl befretiert, aber nicht erreicht hatte* marb bann 
burcb feinen energiföeren Sacbfolger burcbgefejt, al* bte Stellung bei 
Sanbäbuter ßergogS ©eorg hieju oerftärften Uxdai gab: 1603 be- 
freite Äönig SBafimilian bie ©raffcbaft £aag oon ber bur$ £er}ig 
Submig erlangten abliefen Öffnung, oon bem ©eleite fomte oon ber 
bairiftben Obet^errUc^Iett unb beftimmte, ba| biefelbc mteber etne 
freie 9tei$8graff<baft fein foQe. 9ia<h biefer Serfügung mar e* etgent* 
lieb nur mehr leere gormalitftt, bafc am 31. SBai 1509 6igmsnb 
(über beffen Stellung im 2anb8(uter (hbfolgefrieg f. oben 6. 601), 
SBolfgang unb Seonharb oon grauenberg megen ihrer in oielen gelb* ' 
lügen geleifteten Dienfte oom Äaifer ju ©rafen im $aag erhoben 
mürben. 

3n &5nfi4er SBrife oermidelt mie bei ben ^auenbergern pt» 
fiaag geftalteten Tub bie 9teä)t3oer£altnif[e bei bem ab rei<$*fre$erf 
lieben jungen ^aufe oon Degenberg hn Sairifd^en ffialb. 8Btr 
haben über biefe ^enen, meldte lange Seit ben fte^enben Sornamen 
©emolf führen unb urfprüngli<5 SDlinifterialen ber ©rafen oon Sogen 
waren, ba fte im 15. Safrhunbert bebeutfam in bie poltttfge ©e* 




fcerren *ott XBalbed. 



Wichte »aiero* eingriffen, föon oben (6. 473 f. 480 f.) ba8 «ötigfle 
bemerlt. Sie ihnen oom Äaifer gew&fctte 9tei<h8unmittelbarleit biet* 
$ergog Sllbrecbt IV. ntdbt ab, fte atd feine Sanbfaffen ju bebanbeln. Sn 
bie perfönlicbe Erhebung ber anbeten von flaifer griebricb III. mit 
ber SRetcbäfreiberren« ober ©rafenroürbe auSgejeitbneten bairifcben Sanb- 
faffen (ber Staufer ju ©rnfels, ber Sßreifinger §u SBolnjacb 1 ), be* 
@rafen Söolfgang ju Neubiberg) ha* ftcb roenigften* eine ettoaS länger 
behauptete SRcicbSunmittelbarleit irgenbeiner bairifcben #errf<baft nicht 
angefnüpft; bicfeS Siel ift nur noch bei einem bairifcben (Scbiete,. 
ber £errfcbaft SBalbed, erreicht morben. 

Sie #ertfcbaft SBalbed ober $obenwalbed in Dberbaiern,. 
an ber SKangfaH, ©cblieracb unb 2ei|a<b, ffiblicb wm $ien§enau bid- 
jur Salepp an ber jejigcn ©übgrenje be* ÄönigreicbS ftcb erftredenb, 
meftlicb oom 39ejir! be* Älofter* Segernfee begrenjt, gehört §u ben 
(Sebieten, beten SReicbSunmittelbarleit, nriewohl fte oerb&ttni£m&&ig febr 
jung ift, am Wngften (bt3 1734) ftcb behauptet $at. Sie fdüt 
$ufammen mit einem alten Sefty ber greiftnger Dtmlircbe, ber jur 
3eit »ifcbof SWegintoatb* (1078 — 1098) al« Sogtei ^ienjenati 
bezeichnet wirb unb bamalS oom (Srafen Otto oon ©feiern bcoogtet 
mürbe. Da bie (Brenjen be$ (SebicteS ftreitig geworben waren, 
mürben fte unter bem genannten 93if<bofe nach ben 3«wgniffen oon> 
28 funbigen Semobnern ber (Segenb neu aufgejeicbnet 8 ). SDWglitber* 
meife beruht biefe greifinger #errfcbaft auf ber Untermerfung 2lbalunc& 
unb feiner oier Srüber, ber Stifter be* alten Älofter* ©cblier* (ober 
SBeftenbofen) an ba* ©omftift unter Stofjilo III. (Meichelbeck I,a^ 
79). »uf meldte SBeife grciftng um biefcn alten SBefty fam, entjiebt 
ftcb unferer Äenntni*, aber mit bem alten greiftnger SÖeftfc hängt t& 
oiefleicbt jufammen, bafr 1476 Aaifer griebridfc III. bie £errfcbaft 
al* SReicbSlehen ju bebanbeln ftcb berechtigt bMt. Sicher ift e* 
auf ben alten gretftngcr SSejty jurüdjufübren, bafc bie Herren ooit 



1) 8gl oben €5. 472. ©otnjacb befefcte ©crjog ©eorg 1482, nacfr 
»rnped, c 418 tmberretbtlicb, banocb ein erbberechtigter ^rctfinger lebte. 

2) Meichelbeck Ib, 525, Nr. 1256. SWan t>gt bamit btt 
©renjbef<hreibung ber $errf#aft ©albed 1456 (91.-3.), bie ich nebe* 
nSbercr ©egrfinbung ber obigen Angaben an anberer ©tette ju fceröffent- 
licben gebente. Über bie $errfcbaft ©albed unb ihre $erreu f. bie Ur- 
hroben im SR.-». (©errf*aft $obem»albed) unb im «r^iöe b. hfl- 

C)6erbaiern (9lr. 794 f.); iSEBiebemann« Regelten im Oberbaver^ 
*r<h. XV, 167 f.; «unb, etammenbn* I, 348 unb gre^berg III, 39a 
(^olnftein); Graf ©unb, 2)a« (5belgefchte<ht ber ©albeder auf Faßberg, 
^olnftein, SWie«ba^ unb ©obenwatbed l\% gum beginn be9 13. 3ahr« 
huubertd (Oberbaher. «rchi» XXXI, too auch bie altere Literatur ver- 
zeichnet unb eine 6tammtafcl beigegeben ift); ©eimbucher, <$>t\^ 
mfifatifi, 1883. 



«7« 



2)ie $errfe}aft Salbe* in tat famf<$cn Itpen 



Salbet! immer in engen Serbinbungen mit Stetfing ftonben nnb bei 
Domftift« 2Rtnifterialen waten, ba£ bie 8urg SRieibad} laut bei leftea 
Sillens $er|og Submig* II. (1294) an greiftng jurüdgefteHt werben 
foflte, melleit&t aue$ b*fe SaHenburg mit bem $ofe $ornba4 ali 
freifingif(&e* fielen erföeint. (Stwa feit Seginn bei 12. 3a$rfanberti 
treten als ©ro&grunbbeftfcer in biefem ©ebietc tyum bie Herren 
von Salbed, b. i. Sllteumalbed bei StiflaSreut, bann $o$enioa(beä 
am Sejlierfee (au$ lefcterei aber fapon fpfttefteni $u Unfang bei 
15. 3*fcfanbertS oerlaffen vnb mit Sifrlöffern gu ScfeTteri unb 
SaHenburg als Sofcnft|en nertauföt)« (Sinjelne ©lieber bei $auM 
nennen {14 au$ na<$ ben bena$barten Surgen 9tieSba$, $ari» 
berg (bei SWeibatf, alt $aftberg), ^olnftetn (in ber $farm 
ttu bei SWteibadb) unb SB allen bürg (bei 8Rie#ba4). 3mei Salb- 
mann, Sater unb So$n, um 1080 bflrfen als bie Alteften belannten 
ftynen beS #aufei betrautet werben. Seit ber Seit, ba Urfanben 
$eDereS 8i<$t oerbreiten, befiftt biefe gamtlte bie Umgegenb bei 
6<Wierfeci unb übt bie S^trmüogtet über flloftcr SiftKerS. Unfufrer 
bleibt bie fcnna&me, bafe bie Salbeder StammeigenofTen mit ben 
Herren von Sagen ftnb unb beibe mm jenen Sagana abfaramen, 
meldte ba« bairifc&e (Befeftbug unter ben fünf fcofcen Kbete* 
gei<$le$tern beS Stamme« nennt, grüfr erföeinen bie Salbeder 
unter ben 9Rinifrerialen beS SiStumS Reifing. Sie befafeen pi 
Reifing auSgebefcnte Siebte, u. a. ba« ftammermeifreramt, bai 
no4 ber lefcte beS #aufeS, Startin, übte, unb ba« 6<$entenamt ; m 
frem erfteren Ämte liegt wo$f bie (Srflürung für bie mm Signiert 
#unb (Stammenbu$ I, 368) benotete 2$atfa<(e, bafe ju ben Sta- 
tuten ber greiftnger 3^ n fte unb #anbwerter bie 3ufti«*Hmng 
Salbeder erforberli<$ mar. ©erotb t>on $aftberg warb in ben erften 
3a$rjefcnten beS 12. 3a&rfcunbertS oor bem portal beS ^reifinger 
$omS erfcblagen. £a| bie in beutföer Spraye abgefaßte Xetlungi- 
nrtunbe ber Samilie t>on 1170, wekfre früher als bie ültefie Ur- 
iunbe in beutföer Spraye betrautet mürbe, nur ein 9ta$wert bei 
15. Sa^r^unberti ift, tonnte in rritiflofer 3«* um fo letzter oer» 
fannt werben, ba tt>r ein etfcteS Siegel angehängt ift, au<b alte Inf- 
§ei(&nungcn jugrunbe liegen bürften. $m 13. 3a(r(unbert blühte 
ba« #auS in jroei fiinien, ^olnftein unb Salbed. 1367 teilten 
3örg unb $eter bie Saibedcr in ber Seife, bafr ber erftere Salbed, 
$eter Sailenburg na(m. $ie gleich Teilung warb 1416 }wtf<ten 
ben Srübem Semfcart unb 3örg ben Safbedern vereinbart (R. B. 
XII, 221). $ie Salbeder waren unbeftritten bairifge Sanbfaffen, 
oiele ©lieber bei £aufeS fcerjoglic&e Seamte. U. a. war ©eorg oon 
Salbed ^erjog Stephan* II. Saturn in Wieberbaiern. Son 9teubi« 
unmittelbarteit i^rer ^errf^aft ift nie bie Hebe, oielme^r finbet man. 



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unb i^rc $emn, 



bafc bie $erjoge Grnft unb 9Bilbelm 1408, bann 8Ubred&t III. 1426 
ben 3Balbe<fero #errf<baft unb (Script SBaDenburg (wie fte na$ bem 
bamaligen SBobnjifce bet Herren genannt würben) betätigten (3t.-2l., 
4>crrfc6aft £obenmalbe<f, gafi- 5; E. B. XII, 22), bi* ein 6obn 
Ü3ern$atb$, ffiolfgang oon SBalbed, bet bie früber me&rmate geteilte 
$errf$aft wieber vereinigte, babunb, bafc er in einem Streit mit 
bem Stifte ©<$Uer3 über ©erid&t unb ßofmarföretbte 6<$ufc bei flaifet 
gricbri(t III. fuebte, biefen oeranla&t ju fcaben föemt bie £errf<j&aft 
-al« SRei<b«leben ju befcanbeln ober fie ifcm gerabeju als 9tei$*Ieben 
auftrug. 3ti<bt jum erftenmale tritt und ja bier bie woblbebadfcte 
ißolitit biefe* ÄaiferS entgegen, ba8 bairiföe £erjogtum bur$ öt» 
bebung bairiföer Sanbfaffen ju feindfreien unb bairiföer #errfd&aften 
ju Äei(b«bcwf(baften ju ftbmdlern. 3)ie Reibereien jwiföen bem 
^borberrenftifte ©cbüerS unb feinen Sögten, ben SBalbedem, waren 
alt$ergebrad&t. 1324 mar griebrieb oon SBalbed bem flird&enbann 
verfallen, weit er ©borberren oon ©d&lier$ jwei 3abre lang auf einer 
{einer Surgen gefangen gehalten ^atte. SBir erfabren bie« au8 bem 
©^reiben, worin ba$ Aapitel be8 Stifte« felbft 1350 bei bem pftpft- 
Ctdben Segaten um 2o$fpre<bung bc3 mittlerweile Serftorbenen na<b» 
fudbt (IR.-Sl.). SReue Streittgfeiten waren nun 1450 oor $erjog 
2Ubxtä)t III., 1476 aber oor ein ©<$ieb3gericbt unter bem Sorftye 
3afob Xurner* ju Neubeuern gebraut worben. S)a SBolfgang oon 
9Ba(be<t burtb ben ©prutb be3 lefcteren fldb oertürjt glaubte, trug er 
ben $anbel Aaifer griebrieb III. t>or unb biefer erttörte (1476, 
3uni 8., SBiener-Jlcuftabt) Üurner* ©prutb für ungUtig, weil barin 
über ein 5Rei<b«leben obne be« ÄaiferS Erlaubnis geurteilt worben 
fei (St.-H.). SBolfgang, ber äuglet* mit SBilbelm oon SBalbed ju 
©<&lierS in «Ibred&tS IV. Sanbtafel genannt wirb, ftarb 1483 mit 
4?interlaffung oon brei Xöd&tern: Apollonia, bie 1495 oon 5Kbre<bt IV. 
4\l$ oberftem Sormunb ber 2anbfaf[entö<bter mit SBaltber oon ©umppen- 
berg ju S(bmie<ben oerm&bft würbe, öbrentraut, bie £ieronpmu8 oon 
Setboltöborf beiratete, unb SBargarete, für bie#erjog SHbred&t 1487 bie 
3Sermftblung mit feinem ftütbenmeiftcr unb Pfleger |u Aibling, Seit oon 
STOayltain, oerabrebete. ®ie brei Scbweftern SBolfgang* waren oer- 
mäb(t mit £erren oon Seiboltdborf, £o$enrain unb SanbijeÜ. S!a« 
<5borfttft Salier« begab ftdb nun unter ben 6<bu| #erjog 2Hbte<bt«, 
fanb jebotb bur<b feinen legten ©(Jirmberrn feine Suflöfung. SBie 
febr Sllbtedbt baran lag, baj* 3Balbe<f ber fcerjoglid&en Ober^obcit ni<bt 
entzogen würbe, ftebt man aueb barau«, bafc er ftcb oon SBolfgang* 
SBtttoe Hmelei, einer geborenen SRujjborferin, ba* beurhinbete 8er» 
fpredben geben lieb, obne feine al8 ibre* gn&bigen ©errn unb 8anbe8* 
fürften 3ufttmmung {14 niebt wieber ju oerm&^Ien. S5Ba^rf(beinli<b 
waren bie Sorgünge im walbedifcben ^aufe einer bet ©rünbe ju 
«teilet, QcftWe »aieni«. III. 62 



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«eflfcer.ber $mf$aft ffialbcrf. 



ber Sitte ber Sanbfd&aft an Sübrec&t (1493), et möge memanbe* 
flinb, Schwerer ober 9Ruhme ohne ihrer Häuften greunbe ober 8or- 
münber SBiHen verheiraten (flrenner IX, 230). $och tonnte 
Älbrecbt nicht ^tnbern, ba& bie ßerrfcfcaft SBalbecf al* löniglube* 
fielen junädfrft (1483) ©eorg $obenrainer erlangte. Kraft föirig- 
liefen ÜBefehl*, aber }uglet(b w oon be* ©erzog* wegen - würbe er 
vom Sßflegcr oon Aibling in ba* ©eriebt SBalbed eingeführt. 9tafr 
lebte jeboeb ein SBalbeder männlichen Stamme« , SRartin, ein Chifcl 
©eorg* »oft feinem Sohne 3oba n ti. tiefer lefcte SBalbeder, ber im 
ftog*burger S)om begraben liegt, nerglicb jtcb 1484 mit ©olfgang* 
Söcbtern babin, bafe er nur ba* greifmger Jtammermeifteramt mit 
3ubebör, 3Ra&, SBage unb 3oQ in ber Stabt greiftng bereit, ba» 
gegen für eine ßntfcbftbigung oon 600 fl. rhfin. auf ba* übrige, 
fomobl auf bie anberen <$reifinger Sehen, Scblob SBaÜenburg mit 
bem £ofc Fornbach, al* auf ba* SRcicb*leben Ältenmalbed Gewichtete. 
3m 93eft$je ber §errfcbaft folgte auf ben $obenrainer, ben leftea 
feine« Stammet, #ocbprant oon ©anbijeü ju Ältenwalbed, Sofa 
ber jüngften Schwerer SBolfgang*. Siefer erhielt 1489 (3. Januar) 
einen 2eben*brief flaifer griebrieb* auf bie ©errfebaft, mürbe au<£ 
,t>on ©erzog* wegen ' in ba* (Sericbt eingeführt, geriet jeboeb fo* 
gleicb mit »Ibrct&t IV. wegen ber lanbe*fürftli$en Obrigfeit unb- 
SBejteuerung, bie biefer beanfpruebte, in 3n>iefpalt. Schon von ftaifer 
griebrieb liegt ein SDtanbat an ben unzweifelhaft oon Slbredbt 
eingefefrten SRicbter Senebift Zhathetmer ju Salier* nor (1490, 
27. Januar), worin er biefem auf ©anbijeüer* Älage befiehlt eon 
biefem Hmte abjuftehen. ©inter €anbiged ftanb fobann Äbnig SRayi- 
milian, ber in feinem Sehtn*btiefe von 1499 §uerft auch ben 93luW 
bann ju 3Rie*bacb aufführte unb bem SanbtjeÜer 1600 untetfagte, 
bie oom $erjog au*gef<briebene Steuer §u erheben. SBäbrenb &lbre<bt 
betonte (1501), ba£ ba* (Bericht SWie*bacb unmittelbar in feinem 
gürftentum liege unb $o<bprant ihm, unbefebabet feine* Sehen* no» 
Steide, ®ehorfam unb Steuern fcbulbe (f. bie Jtonefponben}en bei 
Arenner IX, 495. 497), befahl ihm SRajrmulian (1501, Wdrj 7.) 
oon ber Einbringung ber Steuer im SBalbedifcben abzugeben, bi* 
bureb ihn unb ba* Nürnberger $ei(b*regiment, vor ba* er ben ©anbei 
gebraut habe, öefcheib erteilt werbe, gfür ihn unb ba* Sei* fei 
e* unleiblich be* ©erzog* Verfahren $u bullten unb bem Sanbijfflet 
falle e* fchwer, ba* Seinige zweimal $u oerfteuem. @e(toerlegenbeU 
oeranlaite bann jmar ben Sanbizeüer SUbreeht bie ©errföaft |«m 
fiauf anzubieten, boch f«n 2äb (1502) fchnitt bie Unterhanbluitgem 
ab unb ber Serfuch be* Herzog* bie ©errfebaft einzuziehen fc&eiterte 
an ber SBachfamleit be* Äönig*, ber ©oebprant* unmünbigen S©b» 
^an* mit SBBalbecf belehnte (1503), unb $eter «nbre* oon SOea» 



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$mm ton ©^foangou. 



979 



botf aborbnete, um oon bcn Untertanen bie $utbigung an bie SSor- 
mflnbet beS jungen €anbijeßerS ju erzwingen. 5We anberen öer- 
pfli<btungen betreiben erHärte ber Äönig als aufgehoben. J)ie wieber« 
polten Sefeble beS flönigS, bie nötig waren 1 ), geigen, bafj fi$ bte 
Umwanblung beS ©ebietS in eine SReitbS&errföaft ni$t fo glatt ooll- 
§og. (Srft als Hlbre<bt bur<5 ben 8anbS$uter <hbfolge[lreit gftn$li<b 
bem guten SBiQen feine» löniglitben 6<5wagerS preisgegeben warb, 
fab er fid& gelungen, feinen SBiberftanb gegen bie S^öpfung eines 
neuen reicbSunmittelbaren Territorium« in feinem £erjogtume fallen 
ju Iaffen. 1616 oerlaufte £anS Sanbigeöer bie $errf4aft mit bem 
SMutbann *u 2JtieSba<& unb SEBalbed als 5Ret(bSle$en an ffiolfgang 
oon SDtaylrain (bei Aibling), ben 6obn beS oben genannten Seit, 
ber oom ftaifer am 7. Dezember 1516 bie Belebnung erlangte. 

Sine gamiiie, bie gmar nt<bt wie bie oorber genannten freiberr- 
lieben gu ben bairiföen Sanbf äffen, beren $auptbefifr aber (bie ßalS- 
geri<bte ©d&wangau unb Sergbof mit ben nieberen (Senaten SBalten- 
bofen unb 2rau<$gau) geograpbif<5 h n SBawni gebörte unb fp&ter an 
baS £ergogtum fiel, ftnb bie $erren oon S^mangau (£o$ens 
f<5wangau) an ber ftufcerften ©übweftgrenge beS SanbeS *). 3m 
12. Sabrbunbert finben mir biefeS ®ef(ble<bt, bei bem anfangs ber 
Jtome #iltibolb ftebenb ift, unter ber melfiföen SBinifterialitftt. 9(3 
SWinnefänger ift $iltibolb o. 6. befannt, ber oom 3. bis 6. 2>e» 
gennium beS 13. ^abrbunberts urfunblidfr auftritt, oft im ©efolge 
bfS ®rafen SUbredJt oon Tirol. S)ie gramilie befafe bamalS au$ 
©üter im Dberinnt&al, Sintfcbgau unb Sngabin unb trat na$ 
bem Ausgang ber SBelfen in bie ftaufifebe SRinifterialitdt über, 
flonrab oon 6. weilte b^ufig in ber Umgebung AonrabinS, ber im 
fcuguft 1267 auf ber 93urg $obenf<$wangau oon feiner SDtuttet 
(Slifabetb Hbföieb nabm. 3US fcergog Subwig II. wegen ber oon 
Äonrabtn oerpfftnbeten SBeftfrungen mit Siföof £artmann oon Augs- 
burg in Arieg geriet, ftanben bie Herren oon 6. auf 6eite beS 
SSiföofS, ber als $err oon güffen tyr nfobfter Sagbar war. 2Ran 
oermutet, ba| fte fttb ben SSergbof (n. o. £obenf<bwangau) an» 
gemalt bitten unb nun gu oerlieren fürchteten; fpflter fd&eint biefeS 
(But in ben $fanbbeft( ber ®rafen oon Tirol unb oon biefen wieber 

1) Eon «uguft 1504 bis 2>eg. 1505 fcier (Urfttuben beS bift 8er., 
9hr. 802—806), wietoobl laut eines $rototoflS oom 4. 3uli 1504 (tt.**.) 
Hlbrecbt f$on bamalS bem Pfleger Seit oon SWa$lraw unb feinen an- 
beren Beamten ju Aibling befoblen büben fofl fi* beS ©eri<bte* 2RieSba$ 
gn entfcblagen unb baSfetbe ben (Srben beS e>anbtjeflerS auSjuantworten. 

2) 2Ruf fat, ©ef*reibung unb @ef<bi<bte beS €><bloffe* unb ber ebe* 
maligen SRci<bSberrf<baft $obenf<bwangau (1837); o. ©orma^r, ©olbene 
(Ebronil oon tfobenfätoangau (1842). 

62* 



$erren 



an bie 6*»angauer gclommen ju fein. Seit bera Untergang ber 
Staufer übten bie ßerren oon S. bie Sogtet über älofier St SRaag 
in güffen. Site 9let*aleben befafcen fte aufcer ifaer $enf*aft 6. 
ba* toi*tige ®eleit$re*t oom gernftetn an ber (£(renbergei iHasfe 
vorüber in» 2e*tbal nnb ben Bilbbann bafelbft. 1286 be§eu$iies 
fte fi* S ttet ft SRei*8mhufterialen. Ulri* oon S. würbe 1318 
als ^Raubritter unb 6*ftbiger Steingaben« auf SBeifung be* ftepffte* 
Sofymn XXII. erjfommumjiert. #einri* unb $ermann oon 6. 
fo*ten im (Befolge #einri*8 oon Ä&rnten in ber 6*la*t bei SRftty- 
borf auf b<*b$burgif*er Seite unb gerieten mit tyrem $errn ht bai- 
rif*e ®efangenf*aft. örfl mit bem eintritt Stepban* I- von 6. 
in ben Sttenft ber #erjoge Stepban unb Sobann oon Satern (1379) 
beginnt für bie gamilie bie änle&nung an bie bairif*en $et}O0e, 
in beten Dienft na* anfänglicher Scfebbung (1391; B. B. X, 285) 
au* StepbanS Sobn, Uta* IL (1400— 1 402 Pfleger ja £anb* 
berg) unb überhaupt fortan bie meiften ©lieber beS $aufe* erf*etnen. 
Sine oorübergebenbe Unterbre*ung biefe* Serbdltniffe* bejei*net ef, 
bafe bie S*mangauer 1409 mit ibrem Stoffe S*toangau bem 
fierjoge griebri* IV. oon Cfterrei* |u bienen oerfpra*en. 1442 
gewährten bie Srüber ®eorg b. j., £einri* unb Johann 
2llbre*t m. ba* ßffnung8re*t in ibren jroet S*mangauii*cn 
S*löffern (£tnterhohenf*n>angau unb SimoaUen- ober S*eibling» 
türm), $einri* war 1437—39 Pfleger fiubmig* im »ort |u 
griebberg (in beffen Sienffc 1436 au* fein Setter Zhoma* getreten 
war); er oerteibigte 6*lofj griebberg gegen Submig ben SudTigen 
unb geriet in bie ®efangenf*aft biefe* Sürßen. Später trat au* 
er in SUbregt* HI. Sienfte, ebenfo wie (1439) ber als SBegc- 
lagerer oerrufene (Seorg oon S. b. &. S)er lefctere oerlaufte 9U« 
brecht feine $ftlfte ber 6*löffer Sorberbobenf*ioangatt unb grauen* 
ftetn (auf bem 6*warjenberg) gegen leben3lftngli*e Überladung bet 
6*loffe* S»auhenle*3berg, wo er Wbre*t* Pfleger mar, unb 160 fl. 
Seibgebing. So* oerji*tete ber #erjog balb auf biefen Seftfc |u- 
gunften Stepband II. oon S., ber al$ fein Pfleger oon 64ongaa, 
fpftter als bif*öfli* aug$burgif*er Pfleger §u $elm*hofcn erföeint. 
3ob«n« nnb fein Setter Stephan traten 1461 in 2)ienft ber $er» 
§oge Sodann unb Sigmunb. ftafpar ffcanb 1460 im Sienfte 8ub- 
wig8 be* 5Rei*en. Siefer, feine Srüber unb fein Setter Ulri* oer» 
lauften 1481 an örjberjog Sigmunb oon ßfterrei* um 2200 fl. 
ben SBilbbann ob bem gernftein bur* bad <8eri*t Sbreuberg, bal 
©etat im 2e*that, ba* halbe ®eri*t ju Si*elba* unb ba* <Beri*t 
|u $fla* am gufce be* SÄuling*. SWerhoürbig ift, bafc $erjog 
8Ubre*t IV., ber fo oiel @elb aufmenbete, um in Xirol Sefi| unb 
«moartf*aften ju erwerben, fl* bie Gelegenheit biefe« Äauf« mU 




ton ®$ttangou 



ge$en lief». #atte et etwa leine 9tu3ft$t vom ftaifer bie Belohnung 
§u erlangen? Stephan III. war 1475 unter ben ©efanbten Sab- 
wigS beS Weisen, welche bie SBraut feine« ©o&ne* abholten. SEBolf- 
gang Don @. treffen wir im Stfenfte Oeorg« De* Meißen. 1496 
beftfttigte Ä. SJtay ben ©cfcwangauern, wa8 ße no$ tum SReid&Sleben 
befafien. Stuf tyre ©<$löffer SJorber- unb £interf<$wangau bagegen 
erhielten Ulricfc III. unb fein Jteffe 1504 ju SugSburg Don ^erjog 
SHbred&t 17. einen SSeftaHungSbrief. S)iefc beiben ©<$wangauer 
würben bamalS von £erjog 2llbre<$t auf brei Qabre als Siener ge- 
bungen. 3)er lefctere (©eorg) unb fein ©ruber £einri<$ V., bie 
©öfcne SBolfgang«, Dereinigten 1523 ade Oftter ber gamilie, Sdobe 
wie Seijen, in ifrrem SSefty; 1535 aber Verlauf te £einri<$ um 
31 000 fl. aQed an ben faiferlicfcen Stat Sodann Baumgartner, ben 
teid&en ®ema$l einer Sugger. 



3>rutf dob Erlebt, ftnbr. ftetyel in Ootya. 




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